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Artikel-Schlagworte: „Kopierschutz“

Blogistan Panoptikum KW13 2009

termi Blogistan Panoptikum KW13 2009Tim Berners-Lee beginnt zu forschen, Play.fm beginnt Geld zu verdienen, Webmaster beginnen damit, Personensuchmaschinen auszusperren. Oh Hebdomada, oh mores! Tja, der Frühlingsbeginn stiehlt uns allen eben nicht nur auf grausame Weise jene Woche Schlaf, die uns der Herbstbeginn so großzügig überließ - es wird auch auf magische Weise plötzlich früher hell und alle beginnen sofort damit, anzufangen. Nur ich fühle mich ein momentan eher entspannt als in Start-Up Laune - das könnte aber natürlich auch am ausklingenden Sonntag liegen. Also lassen Sie uns nicht länger zögern, kopfüber ins kalte Wasser des Blogistan-Panoptikums zu springen!

Personensuchmaschinen aussperren

Die gute alte htaccess-Datei hält im Fall der Fälle nicht bloß den braven Google-Bot von Verzeichnissen fern, die er nicht indexieren soll, sondern wehrt auch ungeliebte Personensuchmaschinen ab. Korsti beschreibt, wie's geht:

Klar, wer nicht will, dass die und die Daten im Internet zu finden sind, sollte sie auch nicht veröffentlichen. Trotzdem sind 123people, yasni & Co. lästig. Wenigstens über die eigene Website kann man ein wenig Kontrolle bekommen, und von personenbezogenen Suchmaschinen kommende Besucher aussperren oder umleiten.

Korsti schickt die Bots übrigens auf diese Seite - ich teile seine großen Ressentiments gegenüber Personensuchmaschinen nicht. Die mögen zwar lästig wirken, sind aber im Endeffekt nur ein weiterer Spam-Katalog mit so vielen Fehl-Zuordnungen, dass eh kein Mensch ernst nimmt, was da drin steht: sozusagen eine Art Google-Personensuche für Arme.

Tim bemerkt Forschungsnotwendigkeit

Tim Berners-Lee ist draufgekommen, dass man das Web ganz schön komplex geworden ist und man endlich damit beginnen sollte, es im Rahmen einer dedizierten Disziplin erforschen sollte - die hat er gemeinsam mit Kollegen gegründet und Web Science genannt. Das ist der Futurezone einen großartigen Beitrag mit unglaublich fundierten Background-Infos wert:

Das Web ist ein unglaublich komplexes Gebilde und im Prinzip sehr robust. Wenn die wichtigsten Websites, auf die viele andere Sites verlinken, jedoch plötzlich abgeschnitten würden, könnte es zusammenbrechen oder zumindest nicht mehr richtig funktionieren. Es könnte aber auch von gesetzlichen Regulierungen, von wirtschaftlichen Interessen oder anderen Entwicklungen fragmentiert und bedroht werden.

Wow - man stelle sich nur vor, China würde plötzlich Datenverkehr filtern. Oder Deutschland DSL-Nutzer bespitzeln. Gut, dass Berners-Lee rechtzeitig das Superhelden-Team zur Rettung gerufen hat!

Play.fm wird wirtschaftlich

Barbara Wimmer aka Shroombab hat Play.fm Geschäftsführer Georg Hitzenberger zu den weiteren Plänen nach dem Relaunch befragt und ein paar interessante Antworten zu Monetarisierungsideen nach Departure erhalten:

Mit neuen Ideen, einem starken Fokus auf Web-2.0-Anwendungen und einer strategischen Umsetzung der gesetzten Ziele will das Projekt den Sprung von einem nichtkommerziellen Verein zu einem gewinnbringenden Unternehmen schaffen. Die Ende 2007 erlangte, rund 178.000 Euro umfassende Fördersumme der städtischen Wiener Kreativagentur departure ist für das fünfköpfige Kernteam von Play.fm wichtig. Das Geld macht rund 57 Prozent des auf zwei Jahre geplanten Gesamtbudgets aus. Spätestens mit Jahresende wird es aufgebraucht sein.

Play.fm will jedenfalls vom Wiener Nischen-Angebot zum Global Player werden - und ich sehe da recht realistische Chancen für den Metashop, den (Hobby)DJs geben im Gegensatz zum Mainstream-Publikum durchaus Geld für einzelne Tracks aus:

Das neu eingeführte Metashop-System bringt Nutzer, sofern sie sich für ein in einer Tracklist aufscheinendes Musikstück interessieren, direkt zu einer Auswahl an Shops, die dieses Stück in ihrem Online-Store als MP3 oder WAV-Audiofile anbieten - ohne Kopierschutz. Derzeit sind Kooperationen mit vier Shops und Dienstleistern abgeschlossen: Discogs, SoulSeduction, DJTunes und Finetunes.

Attac kopiert die Zeit

Die-Zeit.net ist natürlich gar nicht die echte Zeit, wie die echte Zeit einem echten Zeit-Blog berichtet. Aber was ist im Zeitalter der Bits und Bytes schon noch täuschen echt?

Die globalisierungskritische Organisation Attac hat eine täuschend ähnliche Kopie von ZEIT ONLINE und DIE ZEIT erstellt, um auf sich aufmerksam zu machen. An diesem Wochenende will Attac 150.000 Exemplare der gefälschten Wochenzeitung in deutschen Städten verteilen. Am Montag wird das Plagiat auch der Zeitung "taz" beiliegen.

Die echte Zeit bleibt dagegen echt cool und lässt keine juristischen Schritte folgen. Was für journalistische Grandezza, also echt!

Ruhig mal wen empfehlen

Mit Twibes geht ein recht neuer Twitter-Durchlauferhitzer an den Start, der User ermuntert, Empfehlungen rauszuschicken. Mindesten zehn Fellow Tweepers gilt es auszuwählen, aus den Gesamtdaten erstellt Twibes ein (nicht gecachtes) Ranking. Mir persönlich gefällt Mr. Tweet zwar besser, aber ein wenig Follow-Love kann bekanntlich nie schaden.

Zeit für den Frühjahrs-Blogputz!

Der ist zum Glück kürzer und schmerzloser als das Real-World Äquivalent, aber wer sein Blog nicht ohnehin regelmäßig sicher und updatet, sollte sich diese Tipps auf WordPreneur zu Herzen nehmen.

If you publish a blog, it’s a good time to do some basic blog spring cleaning. Good thing is that it should be a lot easier (and a whole lot less filthier) than that annual top-to-bottom house cleaning thing that many of us winter climate survivors have ritualized.

Ach ja: das Checking der Broken Links kann bei umfangreichen Blogs ganz schön mühsam werden...

SEO-News der Woche

Der SEO-Evangelist hat die nofollow-Sache ein für allemal geklärt (oder war da doch was mit der Wikipedia? :mrgreen:), SEO-United verlost 1 Karte für die SMX und im SEO-Handbuch wird über die Nützlichkeit von Tel-Domains spekuliert.

Baynado ruft an

Die aktuelle Ausgabe von der SM.Show (es handelt sich um die numinöse #13) finde ich inhaltlich und musikalisch sehr gelungen - Moderator Baynado spricht in Webwelt - Dies und Das unter anderem über StudiVZ, die unbeliebteste Web-Community, das SEO-Meter, Automagic und einige Themen mehr. Hat alles toll geklappt, nur mit den vormittäglichen Anrufen bei SEOs war's uhrzeittechnisch etwas schwierig :mrgreen: Unbedingt anhören!

Julia von G-Lock Software hat einen interessanten Split-Test durchgeführt um herauszufinden, ob die Form eines Links in Newslettern (Tracking Link, verlinktes Keyword, komplette Domain) eine Auswirkung auf die Klickrate hat. Ihr Fazit fällt sehr eindeutig aus:

The way you show the URLs in the email does matter and has impact on the click-through rate. People are more willing to click on clear and trustworthy links. A generic domain and a combination of generic characters are not the things that instill trust. They may be confusing for many people so they do not dare to click.

Video der Woche

Warum kommen die Terminator-Killermaschinen aus der Zukunft eigentlich immer nackt bei uns an? College Humor ging dieser alles entscheidenden Frage nach und stieß auf verblüffende Antworten [via LaugingSquid]:

Und damit geht diese Woche auch schon wieder zu Ende - die Hoffnung, dass sich der Frühling von der Zeitumstellung doch noch erweichen lässt, bleibt uns. Und falls nicht, dann sind zumindest die Karibik-Webcams nur ein paar Klicks entfernt! Angenehmen Restsonntag, wir lesen uns morgen.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Naughty America launcht Porno-iTunes

Naughty America launcht Porno iTunesWie Jason Kincaid auf TechCrunch gestern berichtete, arbeitet das amerikanische Porno-Label Naughty America mit Hochdruck an einem auf Adobe Air basierenden Shop, der sehr stark an Apples beliebten Musikstore erinnert. Allerdings werden hier keine verschlungenen Noten, sondern verschlungene Körper runtergeladen, und zwar für $1.99 pro Szene.

Praktischerweise kommen die Schweinereien für unterwegs gleich in iPod und iPhone kompatiblen Formaten daher und verzichten auf Kopierschutz. Eine Registrierung ist angeblich nicht erforderlich, wie das mit allfälligen Jugendschutzbestimmungen im Einklang steht, ist eine andere Frage. Der TechCrunch-Editor zeigt sich auf den ersten Blick durchaus angetan vom Angebot:

Naughty America Express doesn’t have the recurring fees of a subscription, and while it may cost a couple of dollars, it isn’t riddled with the advertisements and popups that plague free sites (or so I’m told).

Die diversen freizügigen Inhalte werden von verschiedenen "Special Interest" Communities, die Naughty America im Web betreibt, aggregiert. Diese Seiten tragen übrigens so großartige Namen wie "Naughty Bookworms" (Bildung kommt also nicht zu kurz) oder "Diary of a Nanny" (Die ganze Wahrheit über nicht allein erziehende Mütter) - da kommen sofort Erinnerungen an die legendäre Szene aus "Clerks" auf, bei der Randall am Telefon eine lange Liste von Porno-Filmtiteln aufzählt. Derzeit befindet sich Naughty America Direct in der privaten Beta-Phase, mit dem Code TechCrunch kann man sich hier eine Einladung holen. Abogebühren entstehen keine, das Business Modell beruht einzig und allein auf "Pay-per-Download": in dieser Form tatsächlich eine Novität im Online-Rotlichtviertel (habe ich von Leuten gehört, die sich auskennen).

Akuma – mp3s ohne Einschränkungen

AkumaKann ein Online-Musikanbieter profitabel funktionieren, ohne auf nervige Kopierschutztechnologien zu setzen? Diese Frage hat die Major Industrie in den letzten Jahren in einer immens kundenunfreundlichen Weise beantwortet. Der Online-Musikdienst Akuma macht's besser und setzt auf unverschlüsselte mp3-Files in hoher Qualität sowie auf Crowdsourcing bei Bewertung und Empfehlungen.
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Die zwei ungleichen Teile der Musik (von Werner Reiter)

musikdiskussionAm 2. April erklärte EMI nach einem Rückzieher im Februar, endlich doch Musikdownloadservices mit Song-Files ohne Kopierschutz zu beliefern. Dieser von einer Major-Plattenfirma gesetzte Schritt lindert immerhin ein Symptom einer tief greifenden Krise der Musikindustrie. the gap hat zur Expertendiskussion geladen, um das gesamte Ausmaß der Krise zu beleuchten und mögliche Auswege zu skizzieren. Daraus resultierte die folgende Zusammenfassung von zwei Stunden angeregter Unterhaltung in den heiligen Hallen des monopol-Medienimperiums. Erstmalig erschienen in: the gap #76, Mai 2007.

Wie bereits zum Thema Web 2.0 hat Werner Reiter zur Exploration der komplexen Materie "Die Musik und der Kopierschutz" eine illustre Runde eingeladen - leider wollte partout kein Vertreter eines Major Labels auftauchen - alle wesentlichen Aspekte des Themaskamen dennoch zur Sprache. Et voilà - für datenschmutz Leser hier der Artikel aus the gap im Volltext. Demnächst ereignet sich übrigens das gleich grausame Spiel nach demselben Muster - wobei die Themen Web 2.0, Google und Informationsmonopole in den Fokus der nächsten Runde rücken.

Die Diskussionsrunde

Niko Alm
Herausgeber the gap
www.thegap.at

Roland Alton-Scheidl
Vorsitzender creativ wirtschaft austria, Fachhochschule Vorarlberg, OSalliance
www.alton.at/roland

Philipp Dorfmeister
G-Stone Recordings Vertreter Online, Ordis - Soulseduction Digital Distribution, Soulseduction.com
www.soulseduction.com und www.g-stoned.com

Florian Hufsky
Bundessprecher der Piratenpartei Österreichs
www.ppoe.or.at

Ritchie Pettauer
Journalist und Medienwissenschaftler
blog.datenschmutz.net

Ravissa
DJane und Produzentin
www.doorbitch.nu

K. Flo Schneider
Geschäftsführer McShark, Betreiber des eingestellten radio:))mcshark
www.mcshark.at

Christian Untersteiner
Head of Product Management ONE
www.onelovesmusic.at

Die Musikindustrie klagt seit Jahren über rückläufige Umsätze. Die Erlöse aus Downloads sind 2006 zwar weiter gestiegen, machen aber verglichen mit den 85% des Hauptumsatzträgers CD noch immer einen verschwindend geringen Anteil aus. Die big 4 (Universal, SonyBMG, Warner und EMI) halten 70% des Marktes und bestimmen damit die Regeln des Business. Und die waren in den letzten Jahren geprägt von einem sklavischen Festhalten an technischen Hürden, die das Kopieren von Files erschweren, einer Hetzkampagne gegen Tauschbörsenbenutzer, die in weltweit 30.000 Verfahren gemündet ist und von Versuchen klassische Distributionsmodelle auf das Internet zu übertragen.

Apple hat es mit iTunes als einziges Online Angebot geschafft auch wirtschaftliche Relevanz zu erlangen. In den letzten Monaten kam Apple immer mehr unter Beschuss. Einerseits weil das angewandte DRM Verfahren nur erlaubt, dass gekaufte Musikstücke ausschließlich am iPod bzw. auf PCs abgespielt werden können und andererseits weil Apple die regionalisierte Preispolitik der Labels auch im Internet umsetzte.

Steve Jobs ergriff die Flucht nach vorne und publizierte im Februar einen offenen Brief, in dem er Apple als Opfer dieser Entwicklungen darstellte und sich ganz klar gegen DRM aussprach. Das dürfte letztlich dazu geführt haben, dass EMI nach langem Zögern jetzt doch Musik ohne DRM anbieten wird - wenngleich zu einem höheren Preis. Dass die DRM freien Stücke auch in einer besseren Qualität vorliegen, mag als Verkaufsargument durchgehen, die Masse der Konsumenten wird den Unterschied aber kaum hören.

Die ungleichen Seiten der Medaille

In seinem Eröffnungsstatement meint Christian Untersteiner, Head of Product Management bei ONE, dass Musik emotionalisiert wie sonst kaum etwas. So wird die Diskussion in den Redaktionsräumen des gap sehr emotional geführt, und vor allem die ungleichen Teile des Gesamtsystems Musik werden mit Leidenschaft diskutiert. Da gibt es nicht nur ein Ungleichgewicht zwischen den recht unbeweglichen Majors und den Indies, die ums Überleben kämpfen und ihre erfolgreichen Acts nach jahrelanger Aufbauarbeit nicht selten an die Großen abgeben müssen.

Auch die Nutzer lassen sich einteilen in die Massen, die nur das kaufen, wo Ö3 sie hinführt und die Afficionados, die sich intensiv mit Musik beschäftigen. Dass klassisches Marketing immer auf die Masse abzielt, liegt in der Natur der Sache. Philipp Dorfmeister von G-Stone und Soulseduction meint auch, dass DRM geschützte Musik, die mit etwas PC Kenntnissen relativ leicht (und für private Zwecke auch legal) vom Kopierschutz befreit werden kann, die 95% davon abhält das zu tun, weil es ihnen zu mühsam ist. Und schließlich die Musiker, die zum größten Teil ihre Nutzungsrechte an Labels und Verwertungsgesellschaften abgeben anstatt sich selbst mit alternativen Vertriebsformen oder mit Lizenzierungsmodellen wie etwa Creative Commons auseinanderzusetzen.

Zitate aus der Diskussion

DRM ist nur dazu gedacht die 95% der Leute, die sich nicht damit beschäftigen wollen, davon abzuhalten ihre Files sofort zu kopieren. Philipp Dorfmeister über die relative Nutzlosigkeit von Kopierschutz

Die Verwertungsgesellschaften sind noch nicht in diesem Jahrtausend angekommen. Roland Alton-Scheidl über Zeitlöcher

Beim Online Musikbusiness stehen einfach zu viele in der Value Chain. So kommen die absurden Marktpreise zustande. Christian Untersteiner über die Komplexität des Business

Die Vorselektion die Labels für den Konsumenten machen ist absolut wichtig. Flo Schneider über die Notwendigkeit von Labels als Identitätsstifter

Die Angst, dass es keine Musik mehr gibt wenn alle Majors pleite gehen, kann ich nicht teilen. Ritchie Pettauer über den kulturellen Wert von Musik

Endlich ist Musik dort angelangt, wo andere Produkte schon sind. Was zählt ist die Verpackung. Niko Alm über ein neues Verständnis der Revenuemodelle

Das schnelle Finden und Konsumieren von Musik und die Social Networking Möglichkeiten machen das Wesen von Musik im Internet aus. Florian Hufsky über das Primat der Convenience

Selbst wenn ich große Releases hätte und massiv verkaufen würde, ich würde DRM nicht für nötig halten. Ravissa über Dinge, von denen sie wenig hält

Astronomische Preise und unnötig hohe Komplexität

Die landläufige Meinung besagt, dass Online Vertrieb immaterieller Güter wie Musikfiles bedeutend günstiger sein müsste als die Produktion und der Vertrieb von CDs. Wer sich aber damit auseinandersetzen muss, merkt schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Aufgrund der mangelnden Standardisierung der Musikplattformen, der unterschiedlichen Fileformate und der Vielzahl an DRM Systemen hat sich die Komplexität in der Produktion und der Logistikaufwand im Vergleich zum physischen Vertrieb nicht verringert.

Soulseduction etwa liefert 22 Formate für Pre-Listening und 24 Formate der eigentlichen Files an unterschiedlichste Plattformen. Die logistische Herausforderung besteht dann darin, einen Track zum Releasezeitpunkt auf allen Plattformen online zu haben. Vor allem für kleinere Labels oder gar für Künstler selbst ist das nicht zu bewerkstelligen und die Plattformbetreiber weigern sich, Verträge mit Kleinstanbietern abzuschließen. Damit werden Aggregatoren als zusätzliches Glied in die Kette gefügt und schon gibt es wieder einen Player mehr, der am Kuchen mitnaschen will.

DRM abschaffen oder bessere Alternativen finden?

In der Diskussion will sich niemand lange damit aufhalten, die Argumente gegen die Vielzahl an DRM Lösungen erneut aufzuwärmen. Interessanterweise zeigen zumindest manche Verständnis für die Notwendigkeit des Kopierschutzes. Dass die mangelnde Standardisierung und die damit verbundene Inkompatibilität nicht unbedingt zum Glück der Konsumenten beiträgt, ist allerdings Common Sense. Roland Alton-Scheidl, der sich um die Einführung von Creative Commons in Österreich verdient gemacht hat, skizziert zwei mögliche Ansätze.

Ersterer ist eigentlich nur eine Vorstufe zu DRM: Das von ihm mitentwickelte System Registered Commons ist ein digitaler Zeitstempel, der einerseits das Veröffentlichungsdatum von Inhalten und andererseits gesicherte Informationen über den Urheber liefern kann. Dieser kann für Creative Commons Lizenzen aber auch andere angewendet werden. Die zweite Lösung weist etwas weiter in die Zukunft: Ein DRM System auf Open Source Basis soll die erhoffte Standardisierung bringen und gleichzeitig auch den Rechteinhabern die Möglichkeit eröffnen, selbst die Nutzungsbedingungen und die Businessmodelle festzulegen. Bis dahin ist es mit Sicherheit noch ein weiter Weg. Selbst wenn das System den Durchbruch nicht schafft, wird die Industrie viel davon lernen können.

Musik genießen oder besitzen?

Die etablierte Diskussion um Musik im Internet dreht sich meist um den Kauf von Dateien und die mehr oder weniger eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Dabei drängen längst Services wie etwa Last.fm auf den Markt, die den individuellen Musikgeschmack bedienen, indem sie die Musik als Streams anbieten. Andere wie phling! setzen darauf, die Musiksammlung auf der eigenen Festplatte via Streams auf connected Devices zu bringen. Hinter den meisten der neueren Modelle steht eine Flatrate, die den Kunden die Convenience bietet, Musik zu kontrollierbaren Kosten zu konsumieren, ohne sich um Kompatibilität und DRM Gedanken machen zu müssen. Insgesamt findet die Runde Gefallen an Flat-Rate Modellen wie auch immer der Service dahinter genau aussieht.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Flo Schneider von McShark bringt die Kernforderung auf den Punkt: Gerecht kann das nur sein, wenn diejenigen das Geld bekommen, deren Musik er konsumiert hat. Florian Hufsky sieht den Besitzbegriff noch unter einem anderen Aspekt: SellABand etwa ermöglicht Nutzern, Anteile an jungen Bands oder Musikern zu kaufen. Übersteigen die gekauften Anteile $50.000 erhalten die Musiker eine Studioaufnahme und werden von einem erfahrenen A&R begleitet.

Rechteverwerter mit der Gießkanne

Ob Fairsharing, Leermedienabgabe oder Content-Flatrate: Es braucht Institutionen, die sich darum kümmern, dass die Einnahmen wieder an die Kreativschaffenden zurückfließen. Die nennen sich Verwertungsgesellschaften und haben die aktuellen Entwicklungen noch gründlicher verschlafen als die Musikindustrie. Der Löwenanteil ihrer Einnahmen fließt an Künstler, die in den klassischen Kanälen hohe Verkaufszahlen oder gutes Airplay haben.

Der Verteilungsschlüssel ist zum größten Teil aber intransparent und in Österreich wird anders als etwa in Frankreich nur ein kleiner Prozentsatz für Kulturförderung oder die Forschung ausgegeben. So sehr sich die Diskussionsteilnehmer hier eine Erneuerung wünschen, so skeptisch sind sie, dass die in absehbarer Zeit kommt. Vor allem die, die wie Ritchie Pettauer bei lion.cc schon Online Musikservices mit Verwertern abgerechnet haben.

Wofür zahlen wir?

Zu Ende der Diskussion bringt Niko Alm die These, dass die Kunden ohnehin schon lange nicht mehr für die Musik zahlen, sondern für die Convenience, ein Album in der Hand zu halten, oder sie bequem im Internet zu finden und einfach konsumieren zu können. Noch weiter: Auch die Einnahmequellen der Musiker sind nur zu einem geringen Teil die Verkäufe von Files, Platten oder CDs, sondern aus Konzerten, Merchandising oder aus Werbeverträgen, wie etwa der von Madonna bei H&M. Musik ist zwar der Kristallisationspunkt und Inhalt, die Revenuemodelle sind aber andere. Ravissa kann das nur bestätigen. Sie ist hauptberuflich Künstlerin, lebt allerdings von Auftritten, Veranstaltungen und DJ Workshops. Bei den großen Acts ist das nicht viel anders. Vielleicht sollten etliche Player im System ihre Welt neu denken.

Ausgewählte Internet Musikdienste, die in der Diskussion erwähnt wurden

Amie Street
Musiker können hier selbst Musik einstellen. Der Kaufpreispreis erhöht sich mit der Anzahl der Downloads bis zu 98 Cents.
amie.st

eMusic
Amerikanischer Music Store, der das Subscriptionmodell recht erfolgreich umgesetzt hat. Stand März: 250.000 Subscriber und ein Katalog von 2 Millionen Tracks.
www.emusic.com

Jamendo
Offene Musikplattform für Musik unter Creative Commons Lizenzen. Die Downloads sind kostenlos.
www.jamendo.com

Last.fm
In seinem Selbstverständnis eine "personalized online radio station". Das Erfolgsrezept besteht in dem Matching von Userprofilen und den daraus generierten Wiedergabelisten.
www.last.fm bzw. www.lastfm.de

phling!
Eine Anwendung für Handys, die den online Zugriff auf Files auf der Festplatte zu Hause erlaubt.
www.phling.com

SellABand
Promotionplattform für unbekannte Musiker. Die Community erwirbt Anteile. Wenn $50.000 erreicht sind, bekommt die Band ihre erste Aufnahme samt CD.
www.sellaband.com

matrix-Kolumne: Der vermaledeite Dekodierschlüssel

erschienen auf oe1.orf.at, Mai 2007

Mathematische Verfahren zur Verschlüsselung und Kodierung kamen schon längst vor dem Digitalzeitalter zum Einsatz: so gut wie jeder historische Universalgelehrte beschäftigte sich zumindest einmal im Verlauf seiner Karriere mit Chiffrier-Techniken. Geheimcodes üben seit jeher beträchtliche Faszination aus, dienen sie doch der Übertragung militärischer Nachrichten ebenso wie der Sicherung der Privatsphäre in der Kommunikation zwischen Liebenden.
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Hex me, Baby: Ist keine Zahl illegal?

Eine schon, wenn's nach dem Willen der MPAA geht. Jene Zahl ist nämlich der Schlüssel zur Dechiffrierung des HD-DVD Formats. Den Grundsatz "Information wants to be free" hat die Hollywood-Lobbytruppe noch immer nicht verstanden: allerorten schießen 09:F9:11:02:9D:74:E3:5B (und so weiter) Fanclubs aus dem Boden, könnte man sagen.

Denn gerade der Versuch, die Veröffentlichung der Zahl zu verhindern, führte zu großer Aufmerksamkeit in der Netsphere, wie The Inquirer schreibt:

Die Hex-Zahl 09 f9 11 02 9d 74 e3 5b d8 41 56 c5 63 56 88 c0 wurde vor Monaten entdeckt und verbreitete sich seither wie ein Lauffeuer unter den Netzbürgern der Welt. Geschichten, in denen dieser Key erwähnt wird, erregten jedoch die Aufrmerksamkeit von MPAA-Schnüfflern. Unter Berufung auf den "Digital Millennium Copyright Act" (DMCA) forderten sie Sites wie Spooky Action at a Distance und Digg ultimativ auf, die Zahl zu entfernen.

Zuerst kooperierte Digg, doch nach Userprotesten mutierte Gründer Kevin Rose zum Anti MPAA-Lobbyisten, wobei er der Unterhaltungsindustrie allerdings durchaus die Power zutraut, Digg wie weiland Napster zuzudrehen (Originalposting am Digg Blog):

Nachdem wir Hunderte von Geschichten und Tausende von Kommentaren gelesen haben, ist die Sache klar. Ihr wollt Digg lieber untergehen sehen als sich einer größeren Firma zu beugen. Wir haben verstanden. Ab sofort werden wir keine Beiträge oder Kommentare löschen, die den Code enthalten, und werden uns mit den Konsequenzen abgeben, wie immer die aussehen mögen.
Wenn wir verlieren, ist das auch egal. Dann haben wir wenigstens gekämpft, bevor wir untergingen.

Netzpolitik berichtet, dass der Schlüssel für neuere Produktionen bereits ausgetauscht wurde und präsentiert die Zahl in diversen Codes, etwa als Rechenaufgabe:

41425871524967055159433955941880327 * 320 = HD-DVD

Die ganze Sache erinnert natürlich an den damaligen DVD-Hack... Sebastian, Zappi, Churchi und 23 Byte sorgen jedenfalls für Verbreitung in der deutschen Blogosphere - für eine "Forced Revocation" ist's ohenhin eindeutig schon zu spät.

Auf BoingBoing gibt's neben grafischer Umsetzung und Tatoos auch folgenden besonders reizvollen Vorschlag zur Publikation des Keys:

Jordan sez, "If you put the illegal numbers in a query on the MPAA's search page it prints them on their page. Let's all link to this and then issue them a DMCA takedown notice! Give them a taste of their own medicine.

Sind Chip und Google etwa keine Vertrauensperson?

Total Google Control"Trusted Computing" bedeutet übersetzt "Vertrauenswürdiges Rechnen", oder noch besser "ehrenwerte Datenverarbeitung", das hört sich doch gut an. Marketing-Labels schmeicheln dem Ohr, das liegt in ihrer Natur. Nicht nur in diesem Fall gilt aber: süßer die Botschaft nie klang, doch das Fertigprodukt enthält keine Vitamine mehr und kann zu schweren Vertrauensstörungen führen. Wird nun "do-no-evil" Google das neue TCPA und MS in Firmenunion?

Filesharing, Contentswapping und offene Lizenzen: die Inhaltsindustrie find sich im Sog eines Malstroms, der ihr gar nicht schmeckt. Die verlorene Kontrolle will man mit Hilfe Friedrich Kittler's 8. Muse* techné rückerobern. Alle Computer inklusive PDAs, Handys, Waschmaschinen und was sonst noch König Content wiedergeben kann, sollen zukünftig ab Werk mit einem kleinen Chip geimpft werden. Dagegen regte sich schnell Widerstand - und Benjamin Stephan und Lutz Vogel drehten vor ein paar Jahren einen sehr instruktiven Lehrfilm. Mittlerweile ist die TCPA Geschichte - das Gremium erwies sich letzlich als Fehlentwicklung und tat das, was man eben in einem solchen Fall macht: es gab sich einen neuen Namen.

Aufgrund des Veto-Rechts aller 200 Mitglieder erwies sich die TCPA als nicht handlungsfähig. Als Konsequenz wurde im April 2003 die offizielle Nachfolgeorganisation Trusted Computing Group (TCG) gegründet, die die bis dahin geschaffenen Spezifikationen übernahm und ihre Weiterentwicklung fortführt. (wikipedia]

Damit konnte man immerhin die Besitzer der Domain www.againsttcpa.com überlisten und die Arbeit in Ruhe fortführen - beziehungsweise Google interferierenden Filmemachern überlassen.

Eine brandaktuelle Produktion [via Spreeblick] ortet die kontemporären Datengefahren nämlich nicht im Chip, sondern im Netzeinstieg und widmet sich einer kritischen Betrachtung des Masterplans unserer Lieblingssuchmaschine. Dabei setzt er eine recht ähnliche Visualisierung ein wie seinerzeit die Anti-TCPA Regisseure. Absolut sehenswert, wenn auch in keiner Hinsicht zurückhaltend: denn Google engangiert sich jetzt auch im Bereich der Genomforschung - was, so die rhetorische Frage am Ende des Streifens, wenn die Firma neben den ganzen übrigen Daten nun auch noch die komplette DNA eines jeden einzelnen Menschen gespeichert hätte und wir alle völlig transparent wären?

Das hätte nun wirklich nicht sein müssen - doch ob diese abschließende Suggestivfrage des Films sich ungewohnt weit von der Wirklichkeit entfernt, um besondern aufzurütteln, oder ob die Autoren Anhänger des biologischen Totaldeterminismus sind, werden wir nie erfahren. Aber selbst frei von Bio-Logismen stellt sich schon langsam die Frage, ob Google das neue Microsoft geworden ist - und in viele kleine Suchmaschinchen zerschlagen werden sollte :-) So ändern sich eben Hegemonieszenarien innerhalb weniger Jahre - nur: Windows lässt sich ja durch Linux ersetzen, aber ein Ersatz.Google ist nicht in Sicht. Fragen wir doch mal MS'ens Miss Dewey, was sie dazu meint... und wie immer kommt nach Eingabe des Begriffs "Google" ein hochphilosophischer und unbedingt passender Kommentar von der hübschesten Suchassistentin aller Zeiten:

If television was the opiate of the masses, I wonder what that makes the internet.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

--
* techné, siehe Kittler, Friedrich: "Draculas Vermächtnis"

Die Indie-Rückkehr der Vinylsingle

Turntable-CasioZwei News von netzonfire scheinen positiv zu korrelieren: einerseits verdient itunes so gut wie nichts, andererseits kommt ein alter Bekannter zurück: die hochgeschätzte Vinylsingle.

Die Zahlen des Hollywoodreporter gelten allerdings nur für Großbritannien - und der Musikmarkt des United Kingdoms hat ja bekanntlich so einige Besonderheiten, dennoch ist die Steigerung auf jeden Fall bemerkenswert: waren es 1979 noch 89 Millionen Vinylsingles, so sanken die Verkaufszahlen dank Vormarsch von CD und Kassetten bis 2001 auf das All-Time-Low von gerade mal rund 180.000 Stück. Diesen Beitrag weiterlesen »

Amazon Noir – Interview mit Hans Bernhard

Amazon NoirIn ihrer aktuellen Aktion verwendeten die bekannten Netzkünstler UBERMORGEN.COM die "Search-Inside-the-Book" Funktion von Amazon.com, um komplette Bücher von der Webseite des Online-Händlers zu spidern und "in ihr traditionelles Interface zu überführen". Verpackt in einen klassischen Krimiplot der vierziger Jahr trägt die Aktion den Titel Amazon Noir.
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Die Kolumne #48 (Juni 2003)

Die übliche Urlaubsfrage: Gen_Italien?
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Unbotmäßigkeit, die (f.)

Von der Wichtigkeit der Nachhaltigkeit der finanziellen Schutzmaßnahmen der Invetstitionssicherheit in geistige Güter nach der Vorstellung von Meinungsforschern

Es überrascht nicht weiter, wenn Vertreter von Firmen wie M$ in Podiumsdiskussionen argumentieren, dass nur ausreichender Schutz geistigen Eigentums Investitionssicherheit und somit Investitionsanreize in der Informationsgesellschaft bieten.

Das europäische Center für eCommerce bietet solchen besorgniserregenden Umtrieben auch noch eine Plattform - zumal "2 kürzlich durchgeführte Studien" (wie wir diese Formulierung lieben!) stichhaltig beweisen, dass private Kopien den unausweichlichen wirtschftlichen Bankrott der EU innerhalb weniger Stunden bedeuten.

Wesentlich mehr Komfort für den Konsumenten

Auf möglicherweise bahnbrechende Neuerungen durch Digital Rights Management (DRM) beziehungsweise durch neue Technologien macht schließlich Alexander Schnider von Wolf Theiss Rechtsanwälte aufmerksam "Durch die HDCP-Verschlüsselung, welche bei HDTV-Fernsehgeräten flächendeckend zum Einsatz kommen soll, wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, TV-Sendungen einfach aufzuzeichnen."

ergänze: für Otto Normaluser.

Grenzen verschwimmen

Als ein Beispiel für "DRM für jedermann" stellte Microsoft-Unternehmenssprecher Lutz ein neues Tool seines Unternehmens vor. Damit soll in Microsoft Office die Lizenzierung kreativer Arbeiten nach Creative Commons möglich gemacht werden.

Wir raten mal keck, was dieses Tool tut... hmmm... einen automatisierten Button zum Einfügen eines Links zu CC in Word integrieren? Ich seh schon die nächste Wired-Schlagzeile:
"M$ embraces CC".

Der Ziegelstein der Erkenntnis lässt dann allerdings nicht lange auf seine Niederkunft warten:

In den allgemeinen Ergebnissen der Veranstaltung kamen die Experten zum Schluss, dass "Digital Rights Management" rechtlich verankert, aber trotzdem immer wieder Gegenstand der Kritik sei.

Wie gut, dass es nicht nur Datenschmutzer, sondern auch Experten gibt.

Quelle:
derstandard.at