Vor kurzem habe ich hier auf datenschmutz 10 Plätze für eine Führung durch die aktuelle Albertina-Ausstellung Impressionismus: Wie das Licht auf die Leinwand kam verlost. Vor unserem Rundgang habe ich Pressesprecherin Verena Dahlitz vor die datenschmutz-Cam gebeten: sie spricht im aktuellen Videopodcast über die Besonderheiten einer Kunstrichtung am Übergang zwischen Salonmalerei und Fotografie:
| 31. März 2009 | ||
| 14:00 | bis | 20:00 |
On short notice: bereits morgen, am 31. März, findet im großen Sendesaal des RadioKulturHauses (Argentinierstrasse 30a, 1040 Wien) das von Ina Zwerger und Armin Medosch organisierte Ö1 Symposium "Creative Cities" statt. Bei freiem Eintritt lädt die Ö1 Wissenschaftsredaktion zu einer hochkarätig besetzten Reflexion der immer wieder gern zitierten Utopie, Kunst und Wirtschaft täten sich vertragen wollen können.
Anlass ist nicht zuletzt das von der EU 2009 ausgerufene "Jahr der Kreativität und Innovation" (ich freu mich schon aufs "Jahr der Einfallslosigkeit und des Rückschritts") und die große Hoffnung, welche Regierungen weltweit in die "Creative Industries" setzen. Die Veranstalter fragen im Einladungstext nicht ganz unsuggestiv, ob möglicherweise eine neues intellektuelles Proletariat entstünde, eine Art "Tagelöhnertum im Web 2.0":
Arbeitsplätze – so wird suggeriert – schafft man sich selbst, im "Home Office", im virtuellen Netzwerk. Befristete "Projekte" ersetzen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch von der Wertschöpfung der "Ideenwirtschaft" profitieren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durchschnittliche Einkommen der "Cultural Workers" ist sehr gering.
Das klingt mir zwar alles gar ein wenig negativ: ein "lebenslanger Job" wär meine persönliche Hölle, und wenn der Tagessatz stimmt, dann bin ich liebend gern vortragender oder coachender Tagelöhner. Und ja, meinen "Home Office" Arbeitsplatz hab ich mir tatsächlich selber geschaffen - vor 20 Jahren wär's schlicht undenkbar gewesen, mit einem digitalen Produktionsstudio um rund 10k Euro mit "professionellen" Corporations zu konkurrieren. Aber andererseits bin ich ja auch kein freischaffender Künstler, sondern freischaffender Marketing-Berater und "geringes Einkommen" liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber ich kann mich definitiv nicht beschweren
Doch weiter im Text:
Was macht diesen Lebensentwurf dennoch attraktiv? Ist es die Vorstellung, aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Ruhm? Oder einfach der Mangel an Alternativen? Muss nun "jeder ein Künstler" werden, frei nach Joseph Beuys? Oder müssen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar? Und ist nicht der Zwang zur ökonomischen Verwertbarkeit für das kreative Schaffen letztlich kontraproduktiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kunstförderung und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen?
Diese versuchen unter anderem Martin Netzer von der Sektion Erwachsenenbildung des BM für Unterricht und Kunst, Richard Barbrook von der Westminster University London, Diedrich Diederichsen, das kulturwissenschaftliche Aushängeschild Berlins, Geert Lovink vom Amsterdamer Institute of Network Cultures und Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund in ihren Referaten zu klären. Der erste Teil des Programms hat für mich durchaus einen gewissen Zeitreise-Aspekt: soweit ich mich erinnere, diskutieren die üblichen Verdächtigen die gleichen Themen seit Mitte der Neunziger, damals noch vorwiegend auf der nettime-Mailingliste. Seither hat sich die Situation - je nach persönlicher Einschätzung - drastisch verbessert oder verschlechtert, eines ist jedenfalls klar: in Zeiten der Wirtschaftskrise erhöht sich das Interesse ans Kapital-/Liberalismuskritik beträchtlich. Wird jedenfalls sicherlich ein spannender Nachmittag, den ich aber leider ob Creative-Industry-Business-Stress nur teilweise werde verfolgen können. Genauere Details finden Kurzentschlossene Besucher Programm-PDF.
| 4. November 2008 | ||
| 19:30 | bis | 22:30 |
Nicht österreich- oder europaweit, keine Sorge. Bloß lokal begrenzt, genauer gesagt in den Örtlichkeiten des Aktionsradius Wien. Stephan Weber aka Mr. Drahdiwaberl, Liedermacher Herr Ronnie Urini, der gerade mit den mysteriösen 24/7 im Studio war, Robert Wolf von Chuzpe, Thomas Weber vom gap, Martin Blumenau von fm4 und Thomas "Kunsthalle" Miessgang diskutieren unter der kundigen Ägide von Musiklandschaftskenner Walter Gröbchen über das sperrige Thema: Anarchie & Alltag. Popkultur & Politik in Wien von 70er Jahren bis heute.
Das klingt nach einem umfangreichen Thema, vorsichtige Naturen bringen Schlafsäcke und Verpflegung für mehrere Tage mit. Und weil sich Anarchie und Türsteher irgendwie so gar nicht vertragen, ist der Eintritt gratis. Parallel eröffnet die WienBibliothek im Rathaus eine begleitende Online-Ausstellung, die Walter Gröbchen aus dem "Vorlass" Stefan Webers zusammengestellt hat:
Ganz dem Titel entsprechend präsentiert Prof. Stefan Weber himself die Geschichte der legendären Wiener Anarcho-Rock-Combo Drahdiwaberl. In Bild und Ton. Und zwar als zweifache Premiere: einerseits ist es die erste Ausstellung der Wienbibliothek, die ausschließlich (oder zumindest primär) im Internet stattfindet. Und andererseits gehen hier "Aural History" und das Web eine interaktive Verbindung ein, die die Geschichtslektionen des Prof. Weber - anhand seiner eigenen Tagebuch- Aufzeichnungen von 1969 - 1981! - zur sehr intimen, persönlichen Vorlese- und Erzählstunde machen.
Das Podiumsdiskussion findet übrigens im Rahmen das vom Aktionradius ausgerufenen Anarchiemonats statt. Dürfte gar nicht so einfach werden, zu diesem Thema neben Stefan Weber weitere prominente Proponenten zu finden.
Ort und Zeit: 4. November, 19:30 / Gaußplatz 11, Wien
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Im LaFraise Newsletter stehen jedesmal erfreuliche News - so betreibt man erfolgreich Kundenbindung! Heute Vormittag habe ich erfahren, dass der T-Shirt-Anbieter in den nächsten Wochen seine Affiliate-Provision von 10 auf 30 Prozent erhöht. Das gesammelte Guthaben wird nicht in Bargeld, sondern in "Brouzoufs" ausbezahlt. So nennen die Betreiber ihre Bonuspunkte, die sechs Monate lang gültig sind und für alle Einkäufe im LaFraise Shop verwendet werden können.
Jede Woche kommen neue, hammermäßige Designs dazu - seit ich LaFraise entdeckt habe, ist es für mich eines der spannendsten Crowd-Sourcing Projekte im Web. Ich verfolge die verschiedenen Designs nun schon seit einiger Zeit und bin der Meinung, dass kein Designer der Welt gegen die geballte Kreativität aller Webuser ankommt: soviel Abwechslung, Originalität und handwerkliches Können findet man sonst nirgends. Der Schweizer Kunsttheoretiker Beat Wyss sieht im kurzärmligen Leiberl sogar eine weitreichende Medienmetapher - seinen Klassiker Die Welt als T- Shirt. Zur Ästhetik und Geschichte der Medien kann ich jedem Consious T-Fan nur empfehlen
Zurück zu LaFraise: neben der Provisions-Verdreifachung wird der Weihnachts-Bonus von 222 auf 555 Brouzoufs aufgestockt. Es dauert zwar noch ein Weilchen, bis Santa das Christkind zu Besuch kommt, aber da bei LaFraise sämtliche Shirts auf insgesamt 500 Stück beschränkt sind, lohnt sich frühzeitige Geschenksplanung. (Darth Vader mit Lichtschwert-Zippo hab ich leider versäumt) Freunde nachhaltiger Produktpolitik und die in Österreich um 1 Prozent geschrumpfte Gruppe der Lohas können beruhigt zugreifen, denn gedruckt wird auf American Apparel Shirts - das Unternehmen setzt auf sweatshop-freie Produktion, freiwillige Sozialleistungen für Mitarbeiter und gehört zu den schnellst wachsenden 500 Unternehmen der USA. Druck- und Textilqualität sind einwandfrei, auch ältere Shirts, die schon etliche Waschgänge überstehen mussten, haben Form und Farbe behalten.
Persiflagen auf Wahlplakate begegnen einem dieser Tage allenthalben, ich habe vorgestern von einem anonymen Absender ein Mail mit mehreren Verunglimpfungen erhalten. Ein paar davon sind so unglaublich gut gelungen, dass ich sie meinen Lesern keinesfalls vorenthalten möchte. Bei den unbekannten Schöpfern dieser Kunstwerke bedanke ich mich, Credits hab ich leider keine - aber ich behaupte mal, dass diese Bildchen ohnehin zur Verbreitung gedacht sind. [Update: die hübschen Verunglimpfungen stammen von Raketa.at]

| 5. November 2008 | bis | 9. November 2008 |
Das Elevate Festival gehört zu meinen Top-Favoriten unter Festivals, weil die wenigsten Veranstalter mehrtätiger elektronischer Tanzmusiken sich die Mühe machen, intensiv über den kommerziellen Tellerrand hinaus zu blicken. Das war beim Elevate von Beginn an diametral anders: neben den Big Names fanden am Dancefloor stets hochinteressante Exoten ihren Bühnenplatz, zugleich nehmen das nicht-nächtliche Workshop-Geschehen und die reflexive Ebene eine angenehm wichtige Stellung ein. Etliche Highlights der dritten Auflage, die in diesem Jahr unter dem Motto "Commons" (Gemeingüter) steht, sind bereits fixiert, nähere Details zum Programm finden Festival-Reisende auf Elevate.at. Ich habe das Organisationsteam des Festivals befragt, was den Event, der rund um den Grazer Schlossberg angesiedelt ist, von der "Konkurrenz" unterscheidet.
Dass darunter der Partyfaktor leidet, muss niemand befürchten, ganz im Gegenteil: während beim Spring Festival - zumindest für meinen Geschmack - etliche Lückenfüller und eher rückwärtsgewandte Acts am Start waren, beginnen meine Tanzbeine schon beim Blick aufs diesjährige Line-Up zu zucken: DJ Spooky wird sowohl einen Workshop abhalten als auch den Dancefloor rocken (auf das Interview, sozusagen eine "Fortsetzung" unserer ersten Unterhaltung in Linz, freu ich mich schon sehr), und wenn ich schon Senor Coconut gleich zweimal verpasst habe, so werd ich beim Elevate endlich mal Mr. Atomheart spielen hören. Außerdem hat mich Simon zu einem Commons-Workshop eingeladen - da ich das Elevate im letzten Jahr ja leider grippe-halber verpasst hab, freu ich mich umso mehr auf die 2k8er Auflage. Und dass der Dom im Berg meine österreichische Lieblings-Location ist, hab ich an dieser Stelle sowieso schon mehrmals erwähnt.
Zeit und Ort: elevate Festival, 5.-9. November, in und rund um den Grazer Schlossberg
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datenschmutz: Was unterscheidet das Elevate-Festival von anderen Parties mit elektronischer Tanzmusik, z.B. dem Spring Festival in Graz?
Elevate-Team: Das Elevate Festival unterscheidet sich wesentlich von anderen Festivals, allein schon durch die besondere Kombination aus Musik und Kunst mit politischem Diskurs, die aus unserer Sicht als einzigartig zu bezeichnen ist. Dass Elevate sich auch musikalisch stark von anderen Festivals unterscheidet, liegt vor allem auch an unserem eigenen Anspruch und unserem Interesse, zum Teil wenig massentaugliche, dafür umso interessantere Musik in der intimen Atmosphäre einzelner Clubnächte / Konzerte zu präsentieren, Qualität statt Quantität ist da unsere Devise.
?: Die Spaß-Rave-Kultur hat ihren Zenit überschritten, digital Culture beschränkt sich längst nicht mehr bloß auf das Thema Musikproduktion. Wie geht man als Festivalveranstalter mit dieser Situation um?
!: Wir thematisieren es! Das Elevate Festival 2008 setzt sich (wie auch schon in den Jahren zuvor) mit politischen Inhalten auseinander, die oft auch eine Schnittstelle zum Thema Kunst und Musik bilden. Ob digitales Videostreaming und freie Medien im Jahr 2006 oder freie Netzwerke und open-source Softwareentwicklung im Jahr 2007 - Elevate hat und hatte immer auch einen starken Fokus auf Technologie. 2008 ist die Verschränkung von Musik, Kunst und dem diskursiven Bereich so eng wie nie, denn Commons sind überall – siehe z.B. Creative Commons.
?: Gibt es aufs Elevate Festival ausreichend mediale Resonanz, oder beschränkt sich die Wahrnehmung der Mainstream-Medien nach wie vor auf die ars electronica?
!: MedienpartnerInnen wie die Kleine Zeitung, ORF, Falter, FM4 und The Gap zeigen, dass das Elevate Festival eine sehr positive Resonanz bekommt, Tendenz steigend!
?: Was sind eure Erwartungen ans Festival? Oder anders gefragt: was sollen Besucher des Elevate nach dem Festival mit nachhause nehmen?
!: BesucherInnen des Festivals sollen auf positive Weise motiviert werden, sich mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Heuer wollen wir das Bewusstsein für "Commons", also Gemeingüter schärfen und die Wichtigkeit des aktuellen Diskurses klar machen. Was den musikalischen Teil des Programms betrifft, ist es uns ein großes Anliegen, neue KünstlerInnen und Strömungen abseits des Mainstreams zu präsentieren, auch eine direkte Miteinbeziehung der lokalen und nationalen Musikszene ist uns wichtig.
?: Was sind eure persönlichen Highlights im diesjährigen Line-Up?
!: Fans experimenteller Gitarrenmusik und Noise sei die von DJ Scotch Egg kuratierte Bühne in der Uhrturmkasmatte am Festival- Freitag wärmstens empfohlen. Persönlich freuen wir uns auf die Mischung aus alten Helden wie Felix Kubin, Atom Heart, DJ Spooky und Scorn mit interessanten Newcomern á la Fuck Buttons, Danton Eeprom, Rustie, Deadbeat sowie heimischen Talenten wie Dorian Concept, Clara Moto und vielen mehr. Generell denken wir, dass Elevate auch heuer wieder ein spannendes Programm mit sehr vielen Highlights und Überraschungen bereithält!
So eine Stadtführung eignet sich natürlich ganz hervorragend als Fotosafari: und an Motiven mangelt es der Metropole des Liesertals nun wirklich nicht. Hier haben wir unter anderem den Beweis gefunden, dass J.C. doch nicht am Kreuz starb! Außerdem hinterlässt die jahrelange Präsentation als Kunst-Gemeinde überall im Ort ihre Spuren: man kann quasi in keine einzige Richtung blicken, ohne irgendwo an einem kulturellen Artefakt hängen zu bleiben. Ob dieses Ortsbild-Feng-Shui der visuellen Domimanz der Autobahn etwas entgegensetzen kann? Entscheiden Sie selbst!
Michaela war schon wieder nicht da, also bleibt die schwere Bürde der modischen Berichterstattung mal wieder an der denkbar inkompetentesten Person hängen. Et voilá, hier kommen frische Bloggerfüße respektive Schuhe aus Gmünd:

Der Mensch lebt bekanntlich nicht von fester Nahrung allein: Experten empfehlen für einen ausgewogenen Lebensstil reichlich Flüssigkeit, die vorwiegend in Form von Wasser und abends der Abwechslung halber auch mal als Cocktail konsumiert werden sollte. In Zeiten medial hochstilisierter Koma-Besäufnisse kann man die guten alten Bartraditionen gar nicht hoch genug halten: ein kunstvoll vom Keeper handgefertigter Rausch ist mit dem Ergebnis der synthetischen Alkopops keineswegs zu vergleichen
Daher folgen an diesem Rezeptfreitag statt eines Hauptganges drei Cocktail-Anleitungen aus meinem privaten Mixing-Repertoire, die Sie so in keinem Cocktailbuch finden werden: es handelt sich schließlich um meine Eigenkreationen. Minderjährige bitte an dieser Stelle nicht weiterlesen... Alkohol ist ganz übel, da kriegt man bloß Kopfweh am nächsten Tag.
Gehörten Cocktailbars im Europa der Siebziger Jahre noch zu den Exoten unter den Gastronomiebetrieben, so hat der Alko-Gourmet inzwischen die freie Wahl, mit allen Vor- und Nachteilen: auf jede exzellente Cocktailbar kommen mindestens 25 Wanna-be-Mixer, die nichts von ihrem Geschäft verstehen. Am besten beurteilen lässt sich eine Bar anhand der Basics: ein ordentlicher Vodka Martini verrät mehr als tropische Kreationen, und wer Fruchtsaft in den Mai Tai gießt, sollte ohnehin in der Barkeeper-Akademie nachsitzen. Seit Jahren ist in Wien das First Floor am Schwedenplatz meine Lieblings-Barspot, hervorragende Drinks bekommt man - eine gewisse Resistenz gegen Schnöseltum vorausgesetzt - auch in der Bar Italia auf der Mariahilferstraße, vor allem deren Asian Gimlet mit selbst angesetztem Ingwer-Gin kann einiges.
Anlässlich meiner Sponsion habe ich die Bartool-Grundausrüstung geschenkt bekommen und diese seitdem in veritablem Maße ausgebaut. Über den notwendigen Grundvorrat an Spirituosen ist viel geschrieben worden - das einzige wahre Barbuch für alle Puritaner ist allerdings die Standardfibel von Charles Schumann: "American Bar. The Artistry of Mixing Drinks" enthält nicht nur geballtes Mixing-Wissen, sondern auch jede Menge kulturgeschichtliche Fakten rund um die Verfeinerung des Alkoholgenusses.

Das gesamte Feld ist bekanntlich ein weites: von picksüßen Tropicals über herbe Gimlets bis zu sauren Shots reicht die Bandbreite. Wie wär's zum Beispiel mit einem sauren data Gimlet (gut geeignet auch als Aperitif), einem unanständigen Dirt Shot (klassischer "Dessertdrink") oder einem "Little Man in the Boat"? (Sehr mainstream-tauglicher Allrounder). Viel Spaß mit meinen drei Eigenkreationen!
Den Rand einer Cocktailschale mit Zitronensaft befeuchten und das umgedrehte Glas auf den auf einem Teller ausgebreiteten Kristallzucker drücken und ein wenig bewegen, sodass ein Zuckerrand entsteht. Alle Zutaten mit *sehr viel Eis* in den Shaker geben, kräftig schütteln und *ohne Eis* durch ein Cocktailsieb in die vorbereiteten Gläser abseihen.
Alle Zutaten im Shaker auf Eis gut schütteln und mit einem einzelnen Eiswürfel in ein Shotglas abseihen. Ex!
Alle Zutaten in den Shaker gießen, auf reichlich Eis shaken und in ein mit Eiswürfeln gefülltes Longdrinkglas abseihen. Besonders stylish dazu: ein weißer Strohhalm und frische Kokosraspel als Garnitur.
Wohl bekomms! Mein persönlicher Favorit ist übrigens der bereits erwähnte Mai Tai (nach dem Rezept von Schuhmann, also bloß nicht mit Amaretto, sondern mit Mandelsirup und *ohne* Ananas-Unnötigkeiten) und der alte Klassiker Cola Rum: auf 1 Glas den Saft einer frisch gepressten Limette, je nach Geschmack (und weiteren Abendplänen) 4-8cl Rum (vorzugsweise Myers oder Ron Varradero), vorsichtig (schäumt!) auffüllen mit Coca (ganz wichtig) Cola.
Manche Bücher ergänzen sich so perfekt, dass sie eigentlich nur im Doppelpack verkauft werden sollten. Sasha Walleczeks Abnehmfibel und Chocolat: Sinnliche Verführung
etwa. Gerade hab ich wieder ein solches perfect match entdeckt - dank meiner alten Angewohnheit, immer mindestens 20 Bücher gleichzeitig zu lesen, dabei aber durchaus skurrile thematische Schwerpunkte zu setzen, bin ich im Rahmen meiner dissertationellen Beschäftigung mit brauchbarem Theoriefutter nämlich bei der Spieltheorie gelandet und ziehe mir gerade den Klassiker "Spieltheorie für Einsteiger" von Dixit und Nalebuff rein. Zugleich les ich allerdings auch ein wunderbares Büchlein von Simon Lovell: "How to cheat at everything. A con man reveals the Secrets of the Esoteric Trade of Cheating, Scams and Hustles" und, sozusagen das Gegenstück für Realitätsverweigerer "The Complete Idiot's Guide to Gambling like a Pro".
A con man reveals the secrets of the esoteric trade of cheating, scams and hustles. (in etwa: Ein Ex-Knacki gibt die Geheimnisse der esoterischen Kunst des Schwindelns, Betrügens und Täuschens preis.)
Dieses Büchertripel deckt das Thema Glücksspiel wirklich ausreichend ab - ich spiel ja aus Unterhaltungsgründen ganz gern eine Runde Poker, aber wie man auf Automaten, Bingo und ähnlichen Bullshit reinkippen kann, wird mir ewiglich ein Rätsel bleiben. Warum man das nicht tun sollte, ist mir nach der Lektüre von Simon Lovells wunderbar ironischem Standardwerk nun aber umso klarer: von klassischen Taschenspielertricks über diverse "manipulierte" Jahrmarktsbuden bis hin zu den Tricks professioneller Karten-Zinker beschreibt der Autor ein breites Spektrum gängiger Betrugstechniken. Sogar die üblichen Ketten-E-Mails der Sorte "Get rich quick" kommen vor. Protagonist des Buches ist Freddy, ein fiktiver Freund des Autors und quasi die Quersumme aller Betrüger dieser Erde. Wer Ambitionen hat, selbst mit Grips und Tricks statt Waffengewalt Kasinos auszunehmen, den wird das Buch allerdings enttäuschen, denn es macht schnell klar: Betrügen ist eine Kunst, die viel Fingerfertigkeit, lange Übung, ausreichende Kaltblütigkeit und ein Exit-Szenario verlangt. Allerdings wird man nach der Lektüre unweigerlich kein leichtes Opfer gängiger "Scams, Cheatings and Hustles" sein.
Nalebuffs und Dixits Klassiker der Spieltheorie ist bei einem breiten Publikum auf Anklang gestoßen: Mathematiker, Wahrscheinlichkeitstheoretiker, Strategen und Spieler haben das Werk gelesen, das jedem Interessierten ohne großes Vorwissen die manchmal verblüffende Welt der Spieltheorie nahebringt. Der Untertitel Strategisches Know-How für Gewinner verrät einiges über den Claim: viele Entscheidung des täglichen Lebens können mit Hilfe der Spieltheorie analysiert werden, Ziel ist immer, das günstigste Exit-Szenario (entweder für den Spieler selbst oder für alle Beteiligten) zu finden. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Gefangenendilemma. Das Problem der Spieltheorie besteht kurz gesagt darin, dass sich das "richtige" Leben meist nicht auf binäre Idealfälle reduzieren lässt und die Spieltheorie bei komplexen, mehrstufigen Entscheidungen keine Out-of-the-Box Lösungen anbietet. Aber um das logische Denken zu schulen und manche Situationen besser analysieren zu können, kann eine Lektüre dieses recht flockig geschriebenen Büchleins keineswegs schaden.
Zu meiner Entschuldigung: ich kaufe mir höchstens Dummy-Bücher, aber doch keine Complete-Idiot-Guys... irgendwo stößt das Selbstbild schließlich an seine Grenzen. Nein, ich habe dieses schlaue Büchlein aus Restbeständen von Lion.cc erhalten, die kurz vor dem endgültigen Ende an die MitarbeiterInnen verteilt wurden. Es gibt bessere Poker-, Roulette-, Blackjack- und Co-Bücher, aber dieser englischsprachige Guide verschafft allen Casino-TouristInnen, die sich nur mal kurz am Spieltisch umschauen wollen, die nötigen Grundkenntnisse über so gut wie alle gängigen und populären Glücksspiele. Anmerkungen über Gewinnchancen und Ausschüttungsquoten werden Lotterie-Junkies vermutlich nicht vom Mitspielen abhalten - wer sich aber immer schon mal drüber geärgert hat, dass er Casino-Szenen in Hollywood Filmen nur bedingt folgen kann, findet hier die passende Nachhilfe.
| 14. August 2008 22:00 | bis | 15. August 2008 6:00 |
Vorarlberg ist zwar weit weg - aber ab und an muss man auch in die Ferne schweifen. Insofern freu ich mich schon auf unseren gaposlovakia Ausflug zur Poolbar am 14 August. Zumal der 15. in Österreich ein Feiertag (irgendein Gutes muss der Katholizismus ja haben) und damit arbeitsfrei ist, rechnen wir durchaus mit einigen BesucherInnen. Angeblich sind die Tickets für den ÖBB-Anreisezug mit Mobile gaposlovakia Disco bereits restlos ausverkauft: aber für Poolbar sind noch Restkarten erhältlich.
Beim Festival-Line-Up befinden wir uns in so illustrer Gesellschaft wie der von Saul Williams, Zoot Woman, Roni Size, Delinquent Habits, The Notwist, Monofreaks, Bauchklang und Trouble over Tokio (nein, nicht Tokio Hotel.) - ohne Zweifel viel zu viel der Ehre, und das, obwohl's in Vorarlberg überall zu steil ist, um mit dem Privatjet zu landen!

Vor uns, um 20:30, werden die Schwedenbomber Friska Viljor ihren vollrauschigen Indie-Pop herunterfideln, anschließend treten Stofi aka 50% von Leitstrahl, der unvergleichliche Paul "Space Disco" Raal und meine Wenigkeit an die Laptops treten. Von südlibanesischen Falsettchören bis zu taoistischer Papiermusik kann alles passieren, ich persönlich schwanke noch zwischen Hardcore Ethno Shuffle, Minimal Noise und Nasenflöten-Tango, hab aber auch noch genau ein Monat Zeit zum Komplettieren der Trackliste.
Der Rest des Festivals, den die Organisatoren rund um den Auftritt von gaposlovakia gebastelt haben, ist allerdings wie bereits erwähnt auch nicht von schlechten Eltern: die 15. Poolbar-Saison beginnt diesen Freitag in Feldkirch mit Wein, Weib und Gesang Musik und Kultur von Nischen bis Pop, beschränkt sich aber keineswegs auf akustischen Input:
Zwar macht die Musik von Bands und DJs einen Großteil des Programms aus, aber die poolbar ist mehr: Kino, Kabarett und Performance gehören ebenso untrennbar zur poolbar-Identität wie Party, Kunst, Architektur oder Grafik. Wettbewerbe (Architektur, Kunst und Mode) sowie Workshops gehen Hand in Hand mit dem nächtlichen Treiben.
Der Newsletter klingt ja schon mal recht vielversprechend - wenn Stofi seine Pyro-Show bis dahin fertig eingeübt hat und Raal erstmalig seine "Percussion-Symphonie für drei Pobacken und eine übermalte Red-Bull Dose" aufführt, dann bleibt in Ländle kein Stein mehr auf dem anderen!
Viele der jährlich 20.000 internationalen BesucherInnen wollen am sommerlichen Hotspot der Region stilvoll feiern und abtanzen... denn das Ende eines Konzertes ist niemals das Ende der Party.
Im Fall von gaposlovakia behaupte ich sogar: das Ende Party ist niemals das Ende Party! Auch wenn böse Zungen behaupten, man habe uns nur gebucht, um die während des Festivals in beängstigende Höhen kletternde Kulturbelastung auf EU-Standard zu senken - wir bleiben dogmatischer als ein Wendehals, weicher als Karbon und unnachgiebiger als Naturkautschuk, denn:
gaposlovakia sounds pretty much like a crunchin cracker during the explosion scene of your favorite silent movie. it's loud and oh so yummy yummy thrilly funny.
| 28. Juni 2008 | ||
| 12:00 | bis | 17:00 |
"Das einzige, was Kunst wirklich kann, ist Realität darzustellen, ohne sie darstellen zu müssen“, sagt Johannes von der Kunst-Neigungsgruppe monochrom. Am Samstag veranstaltet daher monochrom die erste Zombie-Zivilschutzübung Österreichs. Dem Künstler David Fine, der ursprünglich damit begann, die Bevölkerung ein ausgewählten Städten auf den Ernstfall einer Zombie-Invasion vorzubereiten, geht es vor allem um die Schaffung von Bewusstsein: wenn die Zombies dann wirklich kommen, soll niemand sagen, er sei überrascht worden. Gegessen vielleicht, aber nicht überrascht!
Wer mit marschieren möchte, kann sich am kommenden Samstag ab 12:00 im monochrom-Büro im Museumsquartier Make-Up technisch in einen echten Untoten verwandeln lassen, und zwar ganz im klassischen Horrorfilm-Stil. Anschließend formiert sich der Mob und walzt ab 14:15 plündernd und mordend und Menschenfleisch-fressend Richtung Mariahilferstraße. Die genaue Route: MQ - Mariahilfer Straße (bis Libro) - Gumpendorfer Straße - Karlsplatz - Oper - MQ. Natürlich mangelt es nicht an theoretischer Unterfütterung:
Zombies bewegen sich meist auf einem bestimmten Pfad. Dieser Pfad mag beinahe geplant wirken, aber er könnte ebensogut willkürlich sein. Zombies haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Sie riechen silbernes Gaffer-Band. Sollte Textilklebeband am Torso eines Passanten oder einer Passantin gefunden werden, dann werden die Zombies angreifen, die Kleidung besudeln und das Gehirn essen. So wird die Zombie-Horde größer. Und größer. Und größer. Sie wälzt sich einer gottlosen Fleischmasse gleich durch die hellgrauen Straßen der dunkelgrauen Stadt. Hat sie ein Ziel? gewiss.
| 4. Juli 2008 | bis | 5. Juli 2008 |
3 Tage langt steppt der Bär (der übrigens in der heimischen Mythologie als "Lichtbringer" galt, mittlerweile in Tirol nicht mehr ausgestorben ist sondern von Osten her langsam wieder einwandert... willkommen Meister Petz!) Anfang Juli quer durch die Festung Kufstein: denn diese wird sich in einen audiovisuellen Schauplatz der besonderen Art verwandeln, wie die Macher des Transmission Festivals versprechen. Das Neugeborene unter den Festivals feiert Premiere und will statt bloßem statt DJ-Dancefloor mit Visual-Leinwand ein europäisches Musik-, Kunst- und Multimediaevent sein. Die im Pressetexte genannten Headliner versprechen einiges - ich find's nur unverständlich, dass Zeitgeist heutzutage als etwas Ablehnenswertes gilt. Und zielgruppenspezifisch ist plötzlich gut... hmm, verkehrte Welt. Ich mag ihn, den Gevatter Zeitgeist:
Die Künstler wurden zielgruppenspezifisch ausgewählt, keine jungen Sternchen, sondern anspruchsvolle, künstlerisch und politisch herausragende Vertreter der verschiedenen Szenen. Neben Attwenger, die mit ihrem Mix aus alpenländischen und elektronischen Sound, derzeit zum Besten gehören, was die österreichische Musikszene zu bieten hat, gastieren unter anderem die bekannten Sofa Surfers, die schottische Band Mogwai, die Kult-Band Russkaja, Cornelius aus Japan sowie die für ihre herausragende Show bekannten Spiritualized und Tindersticks aus England. Die Qualität von Musik und Visuals steht beim Programm an erster Stelle. Täglich gibt es bis zu 10 Stunden Live Musik – sorgfältig und auch dem Ambiente der Festung entsprechend ausgewählt, zeitgeistfrei und ohne aufgelegten Festivaleskapismus, dafür mit beeindruckenden Shows ausgewählter Vertreter von Weltmusik, Elektronik, Jazz, Indie, sowie VJ's aus Dublin, Tokio, London, Rom und Wien.
Die Kufsteiner Festungsarena zeigt sich dank Überdachung Wasser-resistent; und dass Burgen immer eine heimelige Festival-Atmosphäre garantieren, wissen wir ja. Die Kunst ist allerdings quasi überall in Kufstein: an mehreren Orten gibt's bewegte und unbewegte Bilder, mit denen alle Nicht-Wanderer die Tageslichtstunden zwischen den Konzerten überbrücken können. Eine andere Option wäre es, lange aufzubleiben und zu schlafen: Gelegenheit dazu bietet der "Ringe Club - Transmission after Dark" in der Kulturfabrik Kufstein und im Innotech, begeh- und -tanzbar jeweils nach Konzertende ab 23:30. Der Ticketpreis für alle drei Tage beträgt EUR 95,- genaueres über Location, Line-Up und die feinen Unterschiede zwischen verschiedenen Sorten von FestivalbesucherInnen kennt die Homepage.
Trifft die Politik die Ästhetik und fragt: was für ein Verhältnis haben wir eigentlich? Ein subversives, versichern die AutorInnen eines brandneuen und ausgesprochen erfrischenden Sammelbandes zum gleichnamigen Thema. Den HerausgeberInnen Thomas Ernst, Patricia Gozalbez Cantóm, Sebastian Richter, Nadja Sennewald und Julia Tieke ist es gelungen, ein vielschichtiges Bild eines schwer fassbaren, aber zentralen Konzepts einer Weltwahrnehmungsweise des 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Neben den Beiträgen der einzelnen AutorInnen enthält der Sammelband die Transkription einer Diskussion mit dem Titel "Aber ich würde es nicht machen, wenn ich nicht glauben würde, dass es funktioniert" und Armin Chodzinskis Fotozyklus "Von der Sehnsucht nach Widerständigkeit".
Mein Überblick über aktuelle politische wie ästhetische Literatur ist ein enden wollender - aufmerksam gemacht auf das Buch hat mich Kollege Mirko, der seit einigen Semestern in Utrecht alle möglichen Mensch/Maschine/Kunst Interaktionen beforscht und -schreibt. Gemeinsam mit Hans Bernhard hat er für den vorliegenden Band den Beitrag "Subversion ist Schnellbeton" geschrieben, der sich mit der Ambivalenz respektive hochfrequenten Aneignung subversiver Strategien durch jene Strukturen, die eigentlich bloßgelegt werden sollen, beschäftigt - der Artikel ist auf Mirkos Homepage auch online verfügbar. (In der Tat ist dies wohl die zentrale Frage in der Bewertung jeglicher Alternative zu ultra-liberalem Turbokapitalismus. Denn kein anderes System war jemals so effektiv darin, jegliche strukturelle Form der Kritik zum adaptieren, implementieren und damit letztlich völlig zu entkräften.)
Ich habe das Buch vor einigen Wochen erhalten und noch nicht alle Beiträge gelesen - doch bereits jetzt, zur "Halbzeit", gehört das Kompendium zu meinen Lieblings-Readern der jüngeren Vergangenheit. Einen Teil tragen auch die sehr gelungene Aufmachung und das Layout des Buches bei - in der Fußzeile findet sich, fortlaufend gedruckt, übrigens ein "Bonustext", nämlich Florian Neuners "Was tun wenn's brennt / Aussageverweigerung / Wahl der Mittel". Sehr gelungen finde ich die Zusammenstellung sowie die Art und Weise der thematischen Annäherung: hier wird gar nicht erst versucht, in irgendeiner Weise Subversion dogmatisch zu definieren, stattdessen arbeitet das Herausgebertrio ganz bewusst mit einer Multiplizität der Zugänge, die sich auch im Aufbau des Buches widerspiegeln. Nach einem einleitenden Teil, der sich mit Geschichte, Strategie und Wirkung des Begriffs auseinandersetzt, folgt die weitere Einteilung spezifischen Zugängen der unterschiedlichen "schönen Künste": Beleuchtet wird das Phänomen Subversion in Literatur, Theater, Fotografie, Film und Fernsehen sowie in der Bildenden Kunst und Mode. Ob Lumpendesign im Modekontext oder unmögliche Perspektiven im Kino dank Computertechnologie: schnell wird deutlich, dass Subversion keine fixen Rezepte kennen kann, da sie stets von einem bestimmten zeitlichen Spannungsfeld getragen ihre "Wirkung" nach immer kürzerer Zeit verlieren. Soweit in diesem Kontext Verallgemeinerungen überhaupt möglich sind, versucht sie Mark Terkessidis in seinem einleitenden Text "Karma Chamäleon. Unverbindliche Richtlinien für die Anwendung von subversiven Taktiken früher und heute." Gemeinsam scheint allen subversiven Strategien jedenfalls die Einsicht, dass eine Kritik am System aus dem System heraus sich in einer paradoxen Münchhausen'schen Situation befindet: aber vielleicht kann man sich ja doch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf herausziehen - denn die Ästhetik wiegt bekanntlich weniger als ein Vogerl.
| 24. Juni 2008 | ||
| 19:00 | bis | 22:00 |
Bei der derzeit im net culture lab präsentierten Ausstellung Make your own Thing werden die BesucherInnen ganz im Sinne des DIY (Do it yourself) Gedankens zum mitmachen, mitlöten und mitbasteln eingeladen. Sozusagen eine positive Neubesetzung des Begriffs Kunsthandwerk - und wie Vilém Flusser schon mal so treffend erwähnt hat, kommt Begriff bekanntlich vom Be-greifen. Was uns zum Thema bringt: Dioden & Co. dürfen nur mehr bis kommenden Dienstag begrapscht und/oder begriffen werden.
Martin Bredl, Kommunikationsboss der TA, Gerfried Stocker, Kunstboss der Ars und Roland Alton Scheidl, Kuratorenboss des net culture lab sprechen über die Ausstellung, als besonderes Highlight wird das Netzkunst-projekt "The Sound of eBay" erstmals öffentlich präsentiert. Der neueste Streich vom UBERMORGEN.COM in Zusammenarbeit mit Stefan Nussbaumer (Soundcoding), lia (Visualcoding), Grischinka Teufel (Theorycoding) und Erich Kachel (Scriptcoding) verwandelt eBay-Daten in elektronische Musik und verschafft so jedem User seine persönliche National-Einkaufshymne.
Im Anschluss lädt Sie net culture lab, eine Innovationsinitiative von Telekom Austria, zum sommerlichen Miteinander in entspannter Atmosphäre.
Sagt die Ankündigung. Das klingt ganz nach Free Drinks.. und Bikini Models. Naja, zumindest Free Drinks. Wer sich das anschauen will, möge sich anmelden unter m.schrammel [at] hochegger.com.
Keine Angst, hier folgt kein klassisch-blutrünstiges Märchen mit bösen Wölfen und schönen Prinzessinnen, das den jüngsten und ältesten LeserInnen Alpträume bescheren könnte. Nein, die Rede ist *wirklich* von einem hölzernen Spiegel. Keine Metapher, keine Code, keine virtuelle Umgebung - und auch keine blankpolierte Blanke: Daniel Rozin hat aus dem Holz der Bäume eine Installation gebaut, bei der Holzwürfel, deren Seiten unterschiedlich getönt sind, die Funktion eines Pixel-Spiegels übernehmen: eine Videokamera erfasst die Umgebung, die Steuerlogik übersetzt das Bild Pixel-Graustufen und die Motoren reagieren quasi in Echtzeit. [via Gerald]
Schwer vorstellbar? Ein Blick ins Video lässt die Zweifler verstummen:
Für mich ist Daniel Rozins analog-digitale Installation eines der faszinierendsten Kunst-Stücke der jüngeren Vergangenheit - mit Spiegeln beschäftigt er sich schon länger - ein anderes Modell, der Shiny Balls Mirror (zweideutiger Name, hehe...) nutzt schimmernde Metallkugeln, die in Waben sitzen und vor- bzw. zurückgeschoben werden, um die Echtzeit-Pixelbilder zu erzeugen, leider hab ich davon kein Video gefunden.