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Kunstinstallation: Wireframes wobbeln in Vorarlberg

wireframeKarl-Heinz Ströhle, ehemaliger Lektoren-Kollege in Salzburg aus FH MultiMediaArt Zeiten, präsentiert im Juli neue Wireframe-Skultpuren im Kunsthaus Bregenz. Bei den raumbildenden Elementen handelt es sich um punktgeschweißte Stahlbänder, die durch einen äußeren Impuls in Schwingung versetzt werden können. Angesiedelt sind diese Federstahlobjekte, deren Erscheinungsbild je nach Situation vor Ort stark variiert, im Grenzbereich zwischen Skulptur, Architektur und Performance.

Die passende Bezeichnung für die Objekte in Schwingung wäre übrigens “Wobbeln” – im vergangenen Sommer zeigte Karl-Heinz einige seiner Wireframes im Museumsquartier wer am 21. oder 22. Juli im westlichsten österreichischen Bundesland weilt, sollte dem Bregenzer Kunsthaus am Abend einen Besuch abstatten:

Am Samstag, 21. Juli sowie Sonntag, 22. Juli 2007 präsentiert das KUB jeweils von 22 bis 24 Uhr eine Videoprojektion, die Karl-Heinz Ströhle für die Glasfassade des Kunsthauses entwickelt hat. Für die Fassade des Kunsthauses Bregenz entschied sich der Künstler in direkter Bezugnahme auf das Raster der Glasschindeln für die geloopte Projektion zweier Performances (2006/2007). Entstanden sind diese Videos in Zusammenarbeit mit Clemens Torggler (Video) und Tom Hanslmaier (Tanz).

Film-Review: Wholetrain

wholetrain“Wholetrain” inszeniert den rasanten, adrenalinschwangeren Alltag der Graffitiszene als fesselndes Kinodrama mit hohem Realitätsbezug. Florian Gaag gelang es in seinem Spielfilm-Debut, die Atmosphäre einer Underground-Szene glaubwürdig einzufangen. Verzicht auf Mystifikation, ein fantastischer Soundtrack und die geschickt montierten Low-Tech Kamerabilder überzeugt auch die Jurys zahlreicher Filmpreise. (erschienen im Ray Kinomagazin, Juni 2006)

Regie: Florian Gaag Kamera: Christian Rein Drehbuch: Florian Gaag Schnitt: Karl Schröter Darsteller: Mike Adler (David), Florian Renner (Tino), Elyas M’Barek (Elias), Jacob Matschen7 (Achim), Karina Fallenstein (Maria), Kristina Karst (Dina) u.a. Musik: Florian Gaag Graffiti: David “Cemnoz” Kamerer, Alexej “Neon” Tursan, Markus “Won” Müller u.a. Produktion: Christoph Müller / Goldkind Film
www.wholetrain.com

Als “Whole Train”, also “ganzen Zug” bezeichnen Graffiti-Artists ihre respekt-technisch höchst dotierten Werke: gemeint ist damit das Besprayen einer kompletten Zuggarnitur vom ersten bis zum letzten Wagon. Da meist weder öffentliche Verkehrsbetriebe noch Betonflächerbesitzer diesem unbestellten optischen Tuning etwas abgewinnen können, spielt sich die Kunst der Sprayer stets im Graubereich zur Gesetzesübertretung ab und endet nach allfälliger Polizeiintervention in der Regel mit hohen Strafen wegen Sachbeschädigung.

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Doch Florian Gaags Protagonisten, die KSB-Crew, ist bereit, für die Präsenz ihrer kunstvollen Designs im öffentlichen Raum alles zu riskieren. Als neben dem Dauerfeind Polizei auch noch eine zweite Crew auftaucht, ein Wettstreit unabdingbar wird und private Probleme den vier Freunden zusätzlich zu schaffen machen, verengen sich die Freiräume zusehends. Doch der wahre Graffiti-Künstler wächst an seiner Herausforderung, und so beschließen KSB, einen Wholetrain durch die Stadt zu schicken.

Außerhalb des Hip Hop Kosmos rutschte Graffiti bislang selten in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit: dort ein Zeitungsbericht über verurteilte Sprayer, da ein kunsttheoretischer Aufsatz von Jean Baudrillard. Dieses Universum der Eroberung urbaner Räume in den Mittelpunkt eines Dramas zu rücken, erlaubt Florian Gaag, Graffiti differenzierter zu analysieren, als dies aus der Distanz des Dokumentarfilmers je möglich wäre. Dass der Regisseur selbst mehrere Jahre zur Münchner Graffiti Szene gehörte, spiegelt sich in der Authentizität der Codes und Dialoge unverkennbar wieder. Vom beklemmenden Intro im Gerichtssaal bis zu den furios mit Low-Tech Mitteln inszenierten Graffiti-Streifzügen der Protagonisten bedient sich der Film einer dynamischen, fließenden Formensprache, die Handkamera-Einstellungen, Tiefenschärfe und natürliche Beleuchtung nutzt, um die Zuseher mitten ins Geschehen zu holen.

Multitalent Gaag, der an der Tisch School of the Arts in New York Film studierte, zeichnet nicht bloß für Drehbuch und Regie verantwortlich, er produzierte auch den Soundtrack zu seinem Spielfilm-Erstlingswerk. Seine Beats sind ebenso am Punkt wie seine Dialoge, als furiose Reimgaranten holte er unter anderem KRS-One, Freddie Foxxx und Afu-Ra ins Studio. Für die im Film gezeigten Pieces (Graffiti-Bilder) engagierte Gaag einige der besten Sprayer Deutschland. Kein Wunder, dass “Wholetrain” bei so hochqualitativen Ingredienzien einen Cocktail ergibt, der internationalen Filmjurys ausgesprochen gut mundete.

Buchrezension: Wege ins Wissen

freienetzeBuchrezension: Dobusch, Leonhard / Forsterleitner, Christian (Hg.): Freie Netze / Freies Wissen. Wien 2007

GNU, Linux, die Free Software Foundation, Creative Commons Lizenzen, Open Source Verlage und Co. gehören dringend ent-geekt. Denn die Spielregeln der Informationsgesellschaft, die wir in diesen Momenten festlegen, werden unser kulturelles und politisches Leben zukünftig gravierend beeinflussen.
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creativespace: Wirtschaftskammer vs. Web 2.0

Wie jeder österreichische Jungunternehmer bin auch ich Zwangsmitglied der Wirtschaftskammer. Für meine knapp hundert Euros im Jahr bekomme ich eine Menge Papier nachhause geschickt, eine Zusendung per E-Mail ist nicht vorgesehen – der sinnvolle Umgang mit neuen Medien scheint der Wirtschaftskammer Stärke nicht zu sein.

Das wirkt auf den ersten Blick ganz anders, betreibt Präsidentin Brigitte Jank immerhin sogar ein eigenes Weblog, in dem sie über aktuelle Ereignisse informiert. Über dieses Blog hab ich von der Plattform CREATIVESPACE erfahren. Die Idee dahinter klingt vernünftig:

Wien ist das Zentrum der österreichischen Kreativszene, denn nirgendwo sonst findet sie so gute Standortbedingungen wie hier. Um die Bundeshauptstadt für Kreative noch attraktiver zu machen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, unternehmerisch erfolgreich zu sein, wurde auf meine Initiative die Internet- Plattform – www.creativespace.at – geschaffen. Zentraler Gedanke der neuen Plattform ist der Netzwerkgedanke. Auf ihr schaffen wir einen Raum für Präsentationen und Kooperationen und fördern das Bewusstsein für das große Potenzial, das in dieser Vernetzung liegt.

Umgesetzt wurde die Plattform anscheinend von der Firma Artconsult, die auf Kunstkommunikation und -vermittlung spezialisiert ist. Ich hab im Wochenrückblick drüber berichtet, mich auf der Plattform registriert und gleich gewundert, dass die Antwort nicht sofort kommt – ich dachte schon an einen Fehler in der Autoresponderkonfig, doch dabei kam das Antwortmail wohl gar nicht von einer Maschine.

Zum betreffenden Blogeintrag hab ich einen leicht ironischen Kommentar hinterlassen, der’s allerdings nicht aus der Moderationsschleife herausgeschafft hat. Dass meine kritische Anmerkung gelöscht wurde (Franz Enzenhofer hat mich drauf hingewiesen) ist allerdings ebenso Web-2-nullig wie das “Interface”: nach der Registrierung bekommt man ein elends langes Word-Dokument zugeschickt, in das alle zu präsentierenden Texte und Bilder hineinzukopieren sind. Retournieren via E-Mail geht okay, mich wundert’s direkt, dass nicht zwangsweise der Postweg benutzt werden muss und die Bilder anschließend wieder eingescannt werden.

Zumindest hätte man einer der vielen jungen österreichischen i-net Firmen beschäftigen können, um ein Interface zu bauen, mit dem man die betreffenden Präsentation (mp3s, Bilder, Texte etc.) online rauflädt – das geht notfalls sogar ganz ohne Web 2.0, dann hätte die Aktion mit WS-Kohle wenigstens eine Firma mit Sicherheit unterstützt.

PS – wird nach meinen Kommentaren hier auch meine Anmeldung abgelehnet werden? Ich werd’s wohl nie erfahren. Immerhin hab ich kein Fax :razz:

19.05.: gaposlovakia versoundet Poolbar in Wien

poolbarAm 19. Mai präsentiert Herwig den poolbar Trailer 2007 in Wien, und weil so ein Trailer bekanntlich nicht abendfüllend ist, gibt’s dazu auch noch musikalische Unter- und Übermalung von gaposlovakia. Oder, wie wir sagen: ‘Pro Nekonformí Diskotéky’ provided by Gaposlovakia. Das Drama spielt sich in den ausreichend ehrwürdigen Hallen des Otto Wagner Pavillon, ab 21:00 Uhr nehmen die Beats ihren unabwendbaren Lauf. Tags wärmen machen sich Leitstrahl schon mal im Badeschiff auf.

Präsentiert wird “poolbar in Wien” von the gap und Megacard, der Eintritt beträgt 3 Euros inklusive einem kleinen Bier. (Landdisco Style, hehe…) Popwissende können außerdem beim fröhlichen Quiz erquickliche Preise abstauben. Am Start sind Leitstrahl, noxukao (which would be me) wird zu der Zeit in Kroation weilen, das restliche Line-Up wird rechtzeitig bekannt gegeben. Hier kann übrigens schon mal einen Blick auf den Filmtrailer zum poolbar-Festival werfen.

Und dies sagt der Pressetext zu so viel geballter Popkultur in Vorarlberg:

Das “Festival für Musik und Kultur von Pop bis Nischen” (30. Juni bis 14.August, www.poolbar.at) ist mit seinem Mix aus Live-Musik, DJ-Culture, Film, Tanz, Kunst, Mode, Grafik und einer jährlich neuen Architektur in Wien zwar längst bestens bekannt, doch es erfindet sich in vielen Bereichen jährlich neu und überrascht mit Ungewohntem, sodass die Neugier der Wienerinnen und Wiener noch jedes Mal zu prallvollen Locations und rauschenden Festen führte.
Coldcut, GusGus, IAMX, 2Raumwohnung, Tocotronic, Lambchop, Shout Out Louds, Boundzound, Virginia jetzt!, Slut, The Blood Arm, The Pipettes, Mother Tongue, The Hidden Cameras u.v.a. – die diesjährigen musikalischen Headliner sind zwar kein Geheimnis mehr, aber die filmische Präsentation des Festivals macht definitiv Lust auf einen Abstecher nach Vorarlberg. Ein ausgesprochen günstiges poolbar-Package (ab EUR 89.- für ein Wochenende) von Bodensee-Vorarlberg-Tourismus (bodensee-vorarlberg.com) erleichtert dieses Unterfangen ungemein – und die glücklichen Gewinner des Popquiz streifen ein derartiges poolbar-Package, das Tickets und Übernachtungen beinhaltet, gratis ein.

18. Mai: Leitstrahl am Badeschiff

leitstrahlEine süpersexuelle Diskothek und unvorstellbare Live-Action versprechen Leitstrahl für Freitag: noch nie war das dynamische Duo so ambitioniert wie vor dem ersten großen Gig unter neuem Namen. Pro Nekonformí Diskotéky wird’s aber auf jeden Fall. Mehr als nur ein Warm-Up: sozusagen Schifferl-Versenken in großem Maßstab und in reizender Begleitung von DJ Nancy, Darling (squishy squid), DJ Special K (my bitch club) und den Less Talk More Rock DJs.

Ja! sagt Peter Weibel

Wozu, bleibt vorest im Unklaren, umfasst betreffendes Video ja doch ausschließlich die aneinandergeschnittenen Jas einer Vorlesung des Medienkunstprofessors. Die ergeben immerhin 6 Minuten bedingungslose Affirmation.

En Detail sieht die Aktion von Christoph Höschele so aus:

Die Studenten einer Vorlesung von Prof. Peter Weibel wurden für die Dauer der Vorlesung gefilmt. Anschließend wurden alle Sequenzen in denen Weibel “Ja” sagte in chronologischer Reihenfolge zusammengeschnitten. das so entstandene Video beträgt 6 Minuten.

Das ganze ist nun auch schon wieder zwei Jahre her, aber dennoch gibt’s nur ein 30 Sekunden Snippet aus dem Gesamtvideo. Lustige Idee – Peter Weibel spricht bekanntlich nicht besonders langsam – dafür hat er zwischen den vielen Jas in der Regel schon eine Menge interessanter Inhalte zu erzählen.

30 sec Videoclip

[via Pete, der sowas ja eigentlich ruhig auch selber bloggen könnte. Ich sag nur: Fernsehen löst Autismus aus. 1. März.]

FilmKritik: American Hardcore

American HardcorePaul Rachmans Doku erzählt “Die Geschichte des amerikanischen Punk Rock von 1980 bis 1986″ – kurz gesagt: der Film hält, was der Untertitel verspricht. Fans des Genres finden rares Material, Außenstehenden werden die ideologischen Hintergründe dieser devianten Punkbewegung erklärt. Der Text erschien im Ray Kinomagazin, April 2007.

Regie: Paul Rachman Kamera: Paul Rachman Drehbuch: Steven Blush Schnitt: Paul Rachman Ton: Robert Fernandez Produktion: Steven Blush, Paul Rachman, Karin Hayes Effekte: John Vondracek, Keith Yurevitz Mit: Jonathan Anastas, Frank Agnew, Mark Arm, Christine Elise, Paul Hudson, Keith Morris, Henry Rollins u.a. Homepage: www.american-hardcore.de

“American Hardcore” hält, was der Untertitel verspricht: nach bewährtem Musikdoku-Kochrezept bietet der Film einen Überblick über sechs Jahre Subkultur. Zu seiner filmischen Darstellung der American Hardcore Szene wurde Regisseur Paul Rachman durch das Buch “American Hardcore: A Tribal History” von Steven Blush inspiriert. Die Dokumentation bietet für Anhänger des Stils wenig Neues – dem Regisseur gelingt es allerdings, anhand zahlloser Interviewschnippsel ein scharf profiliertes und nuanciertes Bild der Wertehaltung einer Szene zu zeichnen. Als Gegenreaktion auf Spät-Sechziger Hippieseligkeit und ein aufziehendes us-amerikanisches Neo-Biedermayer Reagen’scher Prägung verlieh eine ganze Generation von Bands ihrem politischen Unmut lauten Ausdruck: schnelle, aggressive Rythmen, hart und zornig ins Publikum gehämmerte Gitarrenriffs, überlagert von stakkatoartigem Gesang kennzeichnen die Musik.

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Alle Fotos von Kinostar.com

In bewusster Abgrenzung zu nihilistische Punk-Attitude drehen sich die Texte um ganz konkrete politische Inhalte: A Wake-Up Call to the nation, akkord-gewordene Ausdrucksform einer politischen Minderheit, die sich ganz konkret gegen den Zeitgeist richtete, anstatt ihn zu affirmieren und auch zwei Jahrzehnte später sichtlich große Freude daran hat, von den guten alten Zeiten zu erzählen.

Im Jahr 2001 begannen Blush und Rachman die esten Interviews zu drehen. Eine viable ökonomische Basis bot sich für ein derart spezialisiertes Thema nicht an, also entstand die komplette Doku in Eigenregie – independent im besten Sinne des Wortes, also frei von ökonomischen Zwängen, und genau darin liegt die Stärke des Films. Vergeblich wartet man auf Statements von Kunstkritikern, Unbeteiligte haben hier wenig verloren. Mit Ausnahme von Henry Rollins und Black Flag dürften die meisten Namen hierzulande wohl nur Insidern bekannt sein. Kurze Live-Ausschnitte und sekundenlange Song-Cuts verschaffen aber auch musikalisch nicht vorgebildeten Zusehern schnell eine recht genaue Vorstellung von der Morphologie dieser Musikrichtung.

Die anekdotische Erzählweise, die Aneinanderreihung von Live-Footage und Statements sehr vieler verschiedener Interviewpartner sorgen für Abwechslung – für Fans des Genres ein wertvolles Zeitdokument, für alle anderen eine gelungene Hausarbeit zum Thema Neuere Musikgeschichte. Relativ arbirträr bleibt allerdings das vom Film nachdrücklich argumentierte “Ende” der Szene im Jahr 1986, die nur im Kontext der Reagan Ära zu verstehen zu deuten sei. Außer Zweifel steht jedenfalls, dass American Hardcore enormen Einfluss auf die Entwicklung amerikanischer Rockmusik der 90er hatte – für Mainstream-Erfolge blieb Hardcore Punk stets zu radikal und antithetisch, verlieh dem Rock’n’Roll allerdings Impluse und Ideen, die von Bands wie den Red Hot Chili Peppers oder Nirvana mit immensem Erfolg aufgegriffen wurde. Die vorliegende Spurensuche mit Fan-Appeal weiß den Popliebhaber jedenfalls durch den hohen Autentizitätsfaktor zu begeistern.

Blogistan-Panoptikum Woche 16 2k7

Will Friedwald hat keine kleine Musiksammlung, wie Glenn Wolsey berichtet. Der stolze “Besitzer” der größten itunes Collection der digitalen Welt hat 200.000 Songs zur Verfügung – die Statistiken können sich sehen lassen:

849 GB | 172,150 tracks | 809.2 days
2,935 artists | 11,561 albums
iTunes library database file – 282 MB
iTunes library XML file – 259 MB

Ich bin mir allerdings sicher, dass da draußen eine Menge Jäger und Sammler sind, deren Non-Itunes Collections weit, weit mehr als ein knappes Terabyte umfassen. ABer sei’s drum: Apple-User sind bekanntlich leicht zu beeindrucken!

Heast, da neiche ORF

Franzobel findet die passenden Worten zum neuen ORF:

Reform? Eine Katastrophe! Eine einzige zur Schau getragene Freude an sich selbst, aber keine Bildung, keine Kunst, keine Kultur, der ORF ist auferstanden und du legst dich nieder. Das so genannte Programm ist eine fortgesetzte, eine ununterbrochene Volksverblödungssauerei, ein verstandfreies unterhaltungsresistentes Da-setzt-di-nieder, oder besser nicht, ein völliges Vorbeizielen an jedem Kultur- und Bildungsauftrag, ein hirnloses Desaster, ein … Nein, so schlimm ist es gar nicht, ich wollte nur ein bisschen schimpfen.

Punctilio hat auch keine rechte Freude mit dem neuen Programm, genauso wenig wie die Standard-Leser.

The Lady Game

Sharon Knight von Electronic Arts hielt die Keynote Speech auf der Woman in Games Konferenz – sehr interessanter Vortrag, das Wonderlandblog hat den kompletten Vortragstext und die zugehörigen Folien [via trendforscher]:

The enhanced communities look like avatars and forums and chat and save-and-share; competitions and tourneys and matchmaking and leaderboards: all of this is going to become more and more visible to gamers. You’ll see not just advertising messages and marketing, but more stuff that will increase stickiness of experience.
So where are the women?

Wirksam werben

Die Kleine Zeitung hat gemeinsam mit Evolaris eine Studie zur Wirksamkeit verschiedener Online-Werbemittel durchgeführt. Zum Einsatz kamen dabei sowohl Eyetracking als auch eine anschließende Befragung der Probanden. Das überraschendes Resumé von Online-Verkaufsleiter Peter Fahrleitner :

Die Studie wurde bewusst ohne Klickratenmessung durchgeführt, denn diese misst nur die Aktivierung. Online-Werbemittel funktionieren genauso wie Print-Inserate schon allein durch das Gesehen werden. Und bei einem Print-Inserat würde auch niemand verlangen, dass man es anklicken kann.

Diese Darstellung widerspricht doch recht deutlich der Erfahrung vieler Surfer: einerseits gibt’s die altbekannten Adblocker, andererseits ist die direkte “Erfolgsmessung” ja gerade der Hauptvorteil für Werbende. Das Werbeplanung.at:Blog weiß mehr.

8Bit Binder

debug konnte nicht so richtig drüber lachen, trotzdem bleibt zu vermuten, dass die 8Bit Krawatte definitiv ein Hingucker auf jeder Nerd-Party ist. Wenn dort auch Frauen anwensend wären, hätte man einen perfekten Einsteig ins Gespräch. Aber auch so überbrückt das Accessoire spielen peinliche Gesprächtspausen.

Das digitale Donaufestival

ars electronica 2007“Zwischen den Angstszenarien einer perfekten Überwachung und der Begeisterung an medialer Selbstdarstellung bildet sich eine neue Alltagskultur aus. In der alles öffentlich und nichts mehr privat scheint. Panoptikum oder vollendete Freiheit des/der Einzelnen?” fragt die ars electronica 2007 und begibt sich “auf eine Spurensuche nach Bedeutung und Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit.” Von 5. bis 11. September wird die Stahlstadt Linz zur Medienmkunstmetropole.

Mehr Infos zu “Goodbye Privacy” findet man auf aec.at, dort gibt’s auch detaillierte Presseunterlagen. FestivaltouristInnen aufgepasst: im September geht’s dann in die USA zu monchrom’s Arse Electronica; der X-Faktor dürfte bei zweiterer Konferenz weit höher liegen. Böse Zungen behaupten ja seit den frühen Neunzigern, dass man die Themen der ars präzise wie ein Uhrwerk voraussagen könne: womit sich der internationale Medienkunstdiskurs vor 5 Jahren befasst habe, sei jeweils eine halbe Dekade später Hauptthema der ars. Fest steht jedoch: das Privacy Thema gewinnt in Zeiten von Studivz Debakeln, Online-Applikationen, Social Services, ausgefeilten Suchalgorithmen und wachsenden Datenbergen bei gleichzeitig steigender Furcht vor Terrorismus eine brennende Aktualität: ins Thema einzusteigen fällt nicht leicht, erfordert technisches Interesse und eingehende Beschäftigung, die sich jeder aufgeklärte Bürger der Informationsgesellschaft nicht wird ersparen können – Bewusstseinsbildung tut not. Hier der Pressetext zur ars electronica 2007:

GOODBYE PRIVACY
Das Ars Electronica Festival 2007

Feature dich selbst oder du bist raus aus dem Spiel

Zu jeder Zeit an jedem Ort präsent sein, jede/n erreichen können und selbst erreichbar sein – gestern in digitale Technologien projizierte Sehnsüchte sind heute manifeste Realität. Zugleich Sender und Empfänger, ist mittlerweile jede/r mit jeder/m verknüpft. In einem immer feinmaschigeren, weltumspannenden Netzwerk. Mittels Avatare, Blogs und Taggings nehmen wir hier digitale Gestalt(en) an und legen uns mehr oder weniger fantasievolle Second Identities zu. Allzeit präsent zu sein helfen uns Cyber Twins, unserem Persönlichkeitsprofil entsprechend programmierte Klone, die während arbeits- und schlafbedingter Absenzen unseren Platz im Chatroom einnehmen. Selbstdarstellung und Inszenierung des eigenen Image lautet das Gebot der Stunde – feature dich selbst oder du bist raus aus dem Spiel. Einst Gegenentwurf zur Öffentlichkeits-Gleichschaltung der Massenmedien, werden Individualisierung und Personalisierung à la Second Life, My Space, Flickr und YouTube nun ihrerseits zum Mainstream. Rasend schnell entstehen dabei gänzlich neue Öffentlichkeiten. Mit neuen Spielregeln. Traditionelle Erfolgsrezepte greifen in dieser “schönen neuen Welt” nur begrenzt. Attraktiv sein ist zu wenig. Es sind Originalität und Einzigartigkeit, die virtuellen Starstatus versprechen und immer weitergehenden Exhibitionismus fordern und fördern. Im Zuge dieser massenhaften (Selbst-)Inszenierung bildet sich eine neue Alltagskultur aus, in der alles öffentlich und nichts (mehr) privat scheint. Eine neue Dimension ziviler Freiheit scheint Wirklichkeit geworden…

Gleiches allerdings gilt für den Albtraum der perfekten Überwachung. Ob reale oder digitale Räume, immer dichter wird das Netz der Kameras, biometrischen Sensoren, RFIDs, Logfiles und Trojaner. Videoüberwachung drängt den öffentlichen Raum zurück und beschränkt sich in Pilotversuchen nicht mehr auf bloßes Beobachten und Aufzeichnen, sondern fordert gegebenenfalls akustisch auf, sich vorschriftsmäßig zu verhalten. Riesige Datenbanken und hoch entwickelte Algorithmen zur automatisierten Verknüpfung und Auswertung all unserer elektronischen Spuren vervollständigen diese neue Qualität der Überwachung. Nicht allein die Tiefe und hohe Auflösung unserer digitalen Durchleuchtung scheinen bedeutsam. Sondern auch, dass die Verfügbarkeit von Technologien und gesammelten Daten zunehmend aus der Domäne öffentlicher Autoritäten hin zu individuellen und kommerziellen Interessenslagen wandert. Absatzfördernde Information ist Ware, die entsprechend hoch gehandelt wird. Nicht bloß Technologie, Information und Kommunikation sind omnipräsent – wir selbst sind es. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. Klassifizierbar durch umfassende Persönlichkeitsprofile, die wir auf unseren digitalen Ausflügen hinterlassen…

Das Ars Electronica Festival 2007

GOODBYE PRIVACY fragt nach aktuellem und künftigem Stellenwert und Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit. Danach, welche Strategien zur Schaffung von Privatsphäre in der transparenten Welt digitaler Medien entwickelt werden können. Was wir dem Eindringen der immer effizienteren Kontroll- und Überwachungstechnologien entgegensetzen und wie wir den individuellen Kontrollverlust über unsere digitale Persona verhindern können. Wie sich die vorkonfigurierten virtuellen Öffentlichkeiten der Entertainmentindustrie aufbrechen ließen und wirklich von uns selbst gestaltet werden können. Wie wir die kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaften in die neu entstandenen und neu entstehenden sozialen und öffentlichen Räume tragen und aus den kulturellen Paradigmen der Web 2.0 Communities eine soziale Dynamik generieren können, die auch in der realen Welt Relevanz entfaltet.

GOODBYE PRIVACY lädt KünstlerInnen, Netzwerk-NomadInnen, TheoretikerInnen, TechnologInnen und Rechtsgelehrte ein, Antwort(en) auf diese und weitere Fragen zu geben. In der für Ars Electronica typischen Art wird diese Recherche in Form von Symposien, Ausstellungen, Performances und Interventionen über klassische Konferenz- und Kulturräume hinaus in die ganze Stadt getragen. Und in die virtuelle Welt von Second Life.

Den Auftakt bildet die österreichische RichterInnenkonferenz am 4. und 5. September. Sie fragt nach den Grundrechten in der digitalen Welt, nach dem Spannungsverhältnis von Datenschutz und Privatsphäre einerseits und Informations- und Kommunikationsfreiheit andererseits. Die Tagung verfolgt einen interdisziplinären und internationalen Ansatz. Das diesjährige Symposium kuratieren Ina Zwerger (Ö1) und Armin Medosch (Künstler und Autor). Die Hochschulpräsenz wurde dem Basler Institut für Prozessgestaltung HyperWerk HGK FHNW übertragen. HyperWerk beschäftigt sich mit dem technologischen Zurückfinden nach einer von Bildschirm und Maus dominierten digitalen Abstraktionsphase zu anfassbaren Dingen. Genauer, zum „neoanalogen Design”, das eine solche digitale Anfassbarkeit gestaltet. HyperWerk ist Teil von „acar2″, einem Netzwerk aus Hochschulen, Handwerksinitiativen und Unternehmen, das eine Akademie zur Zukunft des Handwerks aufbaut.

2007 arbeitet Ars Electronica wieder mit einem Netzwerk lokaler Kunst- und Kulturvereine und Institutionen zusammen. Darüber hinaus fungieren ORF Oberösterreich und Ö1 als Partner.

Siegfried Zielinskis Variantologie

Über die Geschichte des Feuerwerks als öffentliche Aufführung, über mediale Anarchäologien und Variantologie-Forschung sprach Siegried Zielinski heute abend in seinem höchst kurzweiligen Vortrag. Claus Pias, Professor für “Erkenntnistheorie und Philosophie der Digitalen Medien”, hatte den deutschen Kuriositätensammler, wie er sich selbst bezeichnet, im Rahmen seines Seminars Was waren Medien? nach Wien eingeladen.

Zielinski studierte Theaterwissenschaft, deutsche Philologie, Linguistik, Soziologie, Philosophie und Politologie in Marburg, an der FU und der TU Berlin und veröffentlichte in den 70ern seine ersten medientheoretischen Arbeiten, 1989 habilitierte er sich im Fach Medienwissenschaften mit der “Geschichte des Videorecorders”, dem zahlreiche Veröffentlichungen folgten. Derzeit arbeitet er an einer mit einem internationalen und -diszplinären Forschernetzwerk an einer fünfbändigen Reihe mit dem Titel “Variontoloy” – jährlich erscheint bei Walter König ein Sammelband, Band 1 und 2 sind bereits erschienen.

im Hörsaal der 3D des NIG (neues Institutsgebäude) mischten sich StudentInnen KulturwissenschaftflerInnen, um einem kurzweilig charmanten Vortrag zu lauschen, in dem Zielinski unter Zuhilfenahme illustrativer Overheadfolien seine Forschungsinteressen skizzierte.

Seinen Ansatz bezeichnet der Kulturforscher als “operationale Anthropologie”. Ausgehend von Vilém Flusser und Johann Wilhelm Ritter erlärte SZ die Logik der Mediendimensionalität: von der realen 4D-Welt über die 3D-Skulptur, die 2D Zeichung, die eindimensionale Schrift zum 0-dimensionalen Algorithmus verläuft die Logik der Medienentwicklung. Die Medienkunst unterteilt SZ wie folgt:

  1. Kunst vor den Medien
  2. Kunst mit Medien
  3. Kunst durch Medien
  4. Kunst nach den Medien

Diese Einteilungen sind indes keineswegs als strikte Zäsuren zu verstehen: vielmehr bestehen sie nebeneinander und bedürfen einer spezifischen Definition des Begriffs “Medium”: dieses sieht SZ als konstruiertes Erkenntnisobjekt, als, wie er elegant sagt, “Verallgemeinerung”. Für die Kunst “mit den Medien” ist die Technik “notwändige Voraussetzung des Spektakels”. Beispiele dafür wären etwa die in den 80er Jahren populär gewordenen Medienkünstler wie Jodi, Granular Syntheses, Farmers Manual etc.: Code Art verwendet Medien in künstlerischer Intention und als rezeptiven Datenträger. Die “Kunst durch Medien” indes verlässt die Sphäre der Technik als Performanzvoraussetzung: mediale Erfahrung wird hier zur Denk-Voraussetzung der intendierten Rezeptionsform.

(Noch) schwieriger zu definieren ist die “Kunst nach Medien”: gemeint ist nicht der Verzeicht auf dieselben, sondern eine Kunstpraxis, die Medien als Hauptattraktion nicht mehr benötigt. Eine Phase, die für den Medienarchäologen natürlich immens schwierig zugänglich ist – da der Blick zurück eben nur auf die Vergangenheit Licht zu werfen vermag, wir uns aber derzeit am Beginn dieser Phase finden.

Die Beispiele, die SZ aus dem reichen Fundus der abseitigen Mediengeschichte zusammentrug, verblüfften ob ihrer ungewohnten Datierung: welcher gelernte Publizist weiß schon, dass Athanasius Kircher im 18. Jahrhundert von “Röhren” bzw. “Kanälen” fantasierte, die Konzerte über weite Entfernungen transportierten sollten? Oder wer hätte vermutet, dass der arabische Naturwissenschaftler Al Haitam im 13. Jahrhundert ein “Mondbeobachtungsgerät” baute, das verschiedene Linsen enthielt, deren “Erfindung” man im allgemeinen dem Venedig des 15. Jahrhunderts zuschreibt? Ein “endloses Rhizom”, das sich da auftut, wie Wolfgang Pircher anmerkte – oder eben “Forschungen in der Tiefenzeit”, wie Zielinski seine Tätigkeit umschreibt.

Ich konnte natürlich nicht umhin, SZ im Anschluss an den Vortrag nach der Abgrenzung der “Kunst vor den Medien” zu fragen: immerhin transportiert doch jede Kunstform allein schon aufgrund der Notwändigkeit einer abbildenden Permamenz eine Medienbotschaft: dasselbe “Motiv” gemalt mit Ölfarben auf Leinwand oder Bleistift und Papier zeugt von der prä-dispositiven Rolle, die Medien in jeder Form der Kunstvermittlung eben immer zukommt. Und in einem Vortrag, der vom Shannon-Weaver Modell über die Flusser’sche Anthropologie, die McLuhan’schen “Extensions of Man” bis zu Deleuze’s Maschinenbegriff reicht, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Abgrenzung von Medien hin zur bloßen Technik. Doch Universalitätsanspruch und “Medienformel” sind nicht Zielinskis Forschungsinteresse – in der Tat erinnert seine Methode des Recherchierens in der Tiefenzeit an das McLuhan’sche Paradigma der Probes: als Historiker sammelt er Belege, Medienmaschinen und Installationen ohne dabei zu vergessen, dass die “Verallgemeinerung” Medien eine spezifisches Konstrukt bleibt, dessen Exegeten lernen müssen, mit allen den Widersprüchen und der immanten Vielfalt ihres “lebendigen” Forschungsobjekts zurecht zu kommen. Variantologie eben.

Die Indie-Rückkehr der Vinylsingle

Turntable-CasioZwei News von netzonfire scheinen positiv zu korrelieren: einerseits verdient itunes so gut wie nichts, andererseits kommt ein alter Bekannter zurück: die hochgeschätzte Vinylsingle.

Die Zahlen des Hollywoodreporter gelten allerdings nur für Großbritannien – und der Musikmarkt des United Kingdoms hat ja bekanntlich so einige Besonderheiten, dennoch ist die Steigerung auf jeden Fall bemerkenswert: waren es 1979 noch 89 Millionen Vinylsingles, so sanken die Verkaufszahlen dank Vormarsch von CD und Kassetten bis 2001 auf das All-Time-Low von gerade mal rund 180.000 Stück. Weiterlesen

Amazon Noir – Interview mit Hans Bernhard

Amazon NoirIn ihrer aktuellen Aktion verwendeten die bekannten Netzkünstler UBERMORGEN.COM die “Search-Inside-the-Book” Funktion von Amazon.com, um komplette Bücher von der Webseite des Online-Händlers zu spidern und “in ihr traditionelles Interface zu überführen”. Verpackt in einen klassischen Krimiplot der vierziger Jahr trägt die Aktion den Titel Amazon Noir.
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Borat: Flix for make cultural Benefit

Borat, mittlerweile weltweit bekanntester Repräsentant der “glorious nation of Kasachstan”, fand in diesem Blog bereits Erwähnung. Ich hab fürs Ray Kinomagazin den aktuellen Film rezensiert und muss sagen, die Pressevorstellung hat mich extrem überrascht: neben saukomischer (erwartbarer) Situations-Blödelei bietet “Borat” dem geneigten Seher eine Ebene politischer Kritik, die von Sacha Baron Cohen ebenso kompromisslos wie überraschend hinterhältig um- und eingesetzt wird.

Für alle noch unschlüssigen potentiellen Kinobesucher gibt’s auf Devilducky ein paar Clips rund um “Borat”. CNN dazu: “His outlandisch humour goes beyond satire.” Bei den diversen Promomtion-Auftritten spricht natürlich nicht Cohen über Borat, sondern Borat über sich selbst – in vollster Konsequenz. Viel Vergnügen:

[Alle Clips via milkandcookies – Tipp: die Suche nach “Borat” liefert massig weiteres Material, auch Promo-Clips aus dem Film.]

WP-Plugin: Lightbox JS

WordPress Plugin: Lightbox JS | Download
Funktion: Bild-Zoom (nach Klick auf Thumbnail wird Bild via CSS und Javascript über die aktuelle Seite gelegt)

Lightbox JS bietet die bisher wohl eleganteste Methode für den Einbau großformatiger Bilder in Webpages. Jeder Template-Designer kennt das Problem: nach dem Klick auf das Thumbnail-Bild muss die vergrößerte Version dargestellt werden – aber wie? Seiten mit mehreren Content-Spalten weichen oft auf ein neues Fenster oder gleich ein Pop-Up Windows aus – eine Lösung, die viele User nicht als ideal empfinden. Lightbox geht einen völlig anderen Weg: via CSS und Javascript wird die großformatige Ansicht des Bildes als neuer Layer mit transparentem Rahmen über die Seite gelegt. Schnell populär in der WordPress-Blogging Szene wurde Lightbox JS durch die Verwendung beim WordPress.org – und wer das Script zum ersten Mal in Action sieht, der staunt in der Regel erstmal darüber, was mit modernen Browsern ohne Flash so alles möglich ist.

Was in der Beschreibung noch relativ kompliziert klingt, offenbart in der Praxis sofort seine Vorteile. Kein Back, kein neues Fenster, jedes beliebige Layout bleibt erhalten – Obergrenze für die Bildmaße ist damit nur mehr die avisierte Bildschirmauflösung. Auf datenschmutz verwende ich die Lightbox (der Name stammt übrigens aus der Fotografen-Sprache: der Analog-Fotograf kennt die “Durchlicht-Box” als Hilfsmittel beim Betrachten von Dias oder Negativen) für alle eingebundenen Bilder – für eine Demo einfach einen Blick ins Fotoalbum werfen.

Man möchte meinen, dass die Lightbox sehr wählerisch ist, was unterstützte Software betrifft – keineswegs! Von Opera über Firefox bis zum unaussprechlichen M$-Browser kommen alle modernen Surfhelfer mit dem Script zurecht. Gezoomt werden alle Web-Image-Files, also Gif-, JPEG- und PNG-Dateien. Dann muss zumindest der Einbau kompliziert sein, denkt sich der skeptische Web 2.0 erfahrene Bastler. Wiederum: njet. Der Einbau ist kinderleicht, weil einfach nur ein simples Javascript in den Header der Seite eingebunden wird. Anschließend erhalten alle Image-Links (also a href’s, die auf Bilder zeigen) das zusätzliche Argument

rel="lightbox"

Und das war’s auch schon! Der Autor bezeichnet sein Script also zu recht als “einfach einzubauen und hoch kompatibel”:

Lightbox JS is a simple, unobtrusive script used to overlay images on the current page. It’s a snap to setup and works on all modern browsers.

Tatsächlich dauert der Einbox von Lightbox JS in eine bestehende Seite nur wenige Minuten – für WordPress User gibt’s allerdings sogar schon ein fertiges Plug-In, das jegliche händische Manipulation am Header erspart und außerdem einen Button in den Editor (nur im Code-Editing-Mode verfügbar!) einfügt, mit dem sich menügeführt die richtigen Imagelinks erstellen lassen. Trotz der gekapselten Funktionsweise lässt sich das Ergebnis sehr leicht an die eigenen Wünsche anpassen – dazu ist dann allerdings ein genauerer Blick in die mitglieferten Stylesheets nötig, mit denen Lightbox JS bis ins Details an die eigenen optischen Präferenzen angepasst werden kann.

Das beliebte mygallery-Plugin (wird in Kürze hier vorgestellt) bringt Lightbox schon von Haus aus mit und implementiert zusätzlich eine Previous/Next Funktion in der Großansicht der Bilder.

Heimat des Lightbox Scripts ist Huddletogether.com:

Das Plug-In für WordPress hat Safirul Alredha geschrieben:
http://zeo.unic.net.my/notes/wp-lightbox-js-wordpress-plugin/

Heutigentags: Die zweiten Sensationen im Alleingang

Untrügliches und notwendiges Merkmal einer Sensation: es wird über sie gesprochen – ausführlich, ausschmückend, erinnernd. Meist dient diese Art der Kommunikation weniger dem Erzählen denn vielmehr der Bestätigung, dass man selbst dabei war. Ob solcherlei Überlegungen die Wiener Künstler Herwig Kopp und Moritz Majce dazu animiert haben, ihre “Sensationen im Alleingang” zu konzipieren, sei dahingestellt: das Setup liefert jedenfalls eine starke Antithese zur klassischen Kunstrezeption.

Wer sich im Ereignissraum befindet, kann nicht nicht teilnehmen. Uns geht es um eine Verrückung des üblichen Kunstbetrachtens hin zu einem Kunsterleben, das die Sinne öffnet und bereit macht für eine Erfahrung des Augenblicks, in dem Kunst geschieht und so wieder zu etwas Überraschendem werden kann. Aus vormaligen Betrachtern und Beobachtern wird so ein einmaliger Mitwirkender, ein Komplize, ein Akteur.

Wer die untypische und sehr temporäre Ausstellung besucht, findet sich in einem sogenannten “Zwischenraum” ein. Von dort werden die Besucher via Taxi zu den einzelnen Locations der Ausstellung gebracht. Diese “Ereignisräume” verteilen sich über ganz Leopoldstadt. Neben der Fragmentierung tritt noch eine besondere Strategie der Verknappung hinzu: jeder Teilnehmer muss sich für einen einzigen Raum entscheiden. So bleibt sichergestellt, dass allein die Künstler die Zentralperspektive einnehmen, ganz gemäß dem Motto des Konzepts:

Sensationen im Alleingang erlebt man nur allein.
Was hier geschieht, geschieht nur ein Mal.
Was man hier erfährt, erfährt man nur zum Teil.

Die ersten “Sensationen im Alleingang” fanden am 28. Oktober in den Räumen des Cabaret Renz statt, wer damals nicht dabei war, bekommt heute erneut eine Chance: wiederum dient der 2. Wiener Bezirk als Schauplatz, rund um den Karmelitermarkt wird sich morgen niemand ein vollständiges Bild machen können:

SENSATIONEN IM ALLEINGANG 2
Arealistische Einzelaktion

Ort: Tachles, Karmeliterplatz 1, A-1020 Wien
Zeit: 10. Oktober 2006, 18.00-24.00 Uhr
Konzept und Inszenierung: Moritz Majce + Herwig Kopp
Teilnehmende KünstlerInnen: Catrin Bolt, Andreas Duscha, Marlene Haring, Ronald Kodritsch, Herwig Kopp, Moritz Majce, Rüdiger Reisenberger

Mehr dazu gibt’s auf der Sensationen-Homepage.

Pimp my Rubic’s Cube

Jeder hatte ihn, viele zogen die bunten Kleberchen vorsichtig ab, um eine scheinbar unentrinnbar verworrene Situation wieder in den Griff zu bekommen – manche zerlegten ihn, einige aßen Teilen davon, wenige setzen ihn bei Schulhof-Pausenkämpfen als Waffe ein, einer pimpte ihn: und zwar auf beeindruckende Weise zu einem edel-eleganten goldschimmernden magischen Würfel.

Pimped Rubic's Cube

Die Schritt-für-Schritt Anleitung dazu stammt von der sympathischen Seite Instructables.com. datenschmutz wird investigieren, was diese bezaubernde Plattform sonst noch zu bieten hat und Sie, geschätzte Leser, weiterhin mit gut geklaufen Informationsbrocken “von anderswo” auf dem blinkenden halten!