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Artikel-Schlagworte: „Lokalreview“

Von Qypern und Hypes

qypelogo 1216822829 Von Qypern und Hypes Meral hat mich zu einer neuen Social Community mit Local-Guides eingeladen: Qype steht, wenn ich das Konzept richtig verstehe, in direkter Konkurrenz zu Tupalo und Tripwolf. Eine solche Community lebt natürlich in hohem Maße von der Aktivität ihrer UserInnen. Ich hab mich nach der Registrierung mal in der Kategorie "Wien / Bars und Kneipen" umgesehen.

Dabei tauchen beeindruckende 40 Bildschirmseiten á 10 Einträge auf - die Daten haben die Betreiber offensichtlich von einem Aggregator eingekauft. Allerdings verfügt ein beträchtlicher Teil der Einträge bereits über einen oder mehrere User-Kommentare und Bewertungen. Zusätzlich zu den Öffnungszeit-Infos, der Adresse, der Homepage und diversen tags kann man verschiedene Locations, in Qype-Terminologie "Plätze", mit Fotogalerien pimpen.

Qype Startseite

Qype Startseite

Unternehmen bietet Qype anders als die üblichen Branchenbücher (aber davon mehr nächste Woche!) bereits mit dem kostenlosen Package eine recht umfangreiche Möglichkeit der Selbstdarstellung:

Ihre Vorteile:

  • Suchmaschinenoptimierter Brancheneintrag
  • Unbegrenzt Fotos hochladen
  • Suchstichwörter hinzufügen
  • Einstieg ins online Empfehlungsmarketing

Und in der Tat verzichtet der Outgoing Link aufs nofollow: also ran an die Tastaturen, liebe Business-Owners! Zusätzlich bietet Qype Premium-Platzierungen an, bei denen ich vor allem den zweiten Punkt ganz besonders "interessant" finde :evil:

  • Sie stehen an 1. Stelle der Suchergebnisse
  • Sie werben auf den Qype Einträgen Ihrer Wettbewerber
  • Sie erhalten Flyer, um Ihre Kunden auf Ihren Qype-Eintrag aufmerksam zu machen
  • Sie haben keine Arbeit. Wir kümmern uns um alles
  • Neben den einzelnen Location-Profilen bietet Qype genau wie Tripwolf usergenerierte Guides zu verschiedenen Schwerpunkten an: in Wien sind unter anderem gelistet: "Naschmarkt whole day", "Slow Food Vienna" etc. Das deutsche Magazin Focus hat Qype kürzlich getestet und für sehr gut befunden: in der Tat muss ich sagen, dass die Seite äußerst schnell lädt und die Usability keine Missverständnisse offen lässt - in punkto sauberem Code haben die Programmierer aber ordentlich gepatzt: 325 Fehler zeigt der W3 Validator auf der Startseite an. Aktiv sind die Betreiber derzeit in .de, .gb und .fr, die Seite ist auf Englisch, Französische und Deutsch verfügbar. Dazu kommen ein paar weitere Städte aus EU-Gefilden.

    Gäbe es nicht bereits Tupalo und Tripwolf, fände ich Qype sensationell. In Hinblick auf die Konkurrenz muss sich die neue Community allerdings definitiv den Copycat-Vorwurf gefallen lassen - und ich wünsch mir endlich ein WordPress-Plugin, mit dem ich ausgewählte Blogpostings "localizen" und automatisch bei allen derartigen Communities submitten kann.

    www.qype.com

    Lokalreview: Schöne Perle – mein Wiener Lieblingslokal

    Schöne PerleWarme Küche durchgehend von 12:00 bis 23:00 Uhr, flotter und freundlicher Service, konstante Spitzen-Qualität der Rohprodukte (von denen ein beträchtlicher Teil direkt vom Karmelitermarkt stammt), ambitionierte *und* äußerst talentierte Köche, ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Lage (grade mal fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt): eigentlich ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich dauernd in die Schöne Perle essen gehe. Höchste Zeit also für einen Review auf datenschmutz.

    Seit über 10 Jahren wohne ich im zweiten Bezirk. Vom relativ minimalistischen Look des Lokals hab ich mich anfänglich abhalten lassen - seit mich das erste Mal jemand mitgeschleppt hat, bin ich dort Stammgast. Die Legende erzählt, dass die Schöne Perle einst ein chinesisches Lokal typischer Couleur war und der neue Pächter Namen und die Buddha-Statuen behielt. Mit asiatischer Küche hat die Schöne Perle mittlerweile allerdings nur mehr rudimentär zu tun - trotz der äußerst empfehlenswerten hausgemachten Frühlingsrollen liegt der Schwerpunkt auf modernisierter österreichischer Hausmannskost, aber mit regelmäßigen Ausflügen in benachbarte Gefilde.

    Schöne Perle am KarmelitermarktNeben der monatlich leicht changierenden Standardkarte gibt's von Mo-Fr jeden Tag zwei verschiedene Mittagsmenüs zu äußerst günstigen Preisen sowie eine Reihe von Tagesgerichten. Was mich als euphorisierten Hobbykoch seit Jahren so fasziniert, ist die gleichbleibende Qualität (das schaffen die wenigsten Lokale, die irgendwann mal ambitioniert beginnen) und die Tatsache, dass ich hier jedes Gericht bestellen kann: denn die Perle-Köche schaffen es so gut wie immer, selbst Speisen, die ich anderswo für gewöhnlich nicht ausstehen kann (rote Rübensuppe oder Hascheeknödel zum Beispiel), so perfekt zuzubereiten, dass das Ergebnis einfach nur rockt. Ein einziger Besuch reicht übrigens keinesfalls aus - auf der Standardkarte gibt's eine ganze Reihe von Gerichten, die unbedingt ausprobiert werden müssen. Da wäre einmal das perfekte Wienerschnitzel vom Strohschwein (auf der Karte mit Petersilkartoffeln, ich bevorzuge allerdings den - wie alles andere auch - hausgemachten Kartoffelsalat), die bereits erwähnten Hascheeknödel oder der Wiener Tafelspitz. Geradezu ein Muss ist die Muligatawny, eine indische Hühnersuppe. Den Klassiker Rindssuppe mit typisch österreichischen Einlagen (Frittaten, Griesnockerl, Leberknödel) kriegt man hier selbstverständlich ebenfalls in Perfektion serviert - ebenso wie die grandiosen Salatkombinationen: Kernölfans leg ich den Butterhäuplsalat mit heißen Erdäpfeln und Käferbohnen ans Herz.

    Nachspeisentechnisch schlägt das Schöne-Perle-Panna-Cotta jeden mir bekannten Italiener, wer's maximal schokoladig (und nicht unbedingt diät-tauglich mag) wählt die Susi-Torte, sozusagen das ultimative Statement zum Thema Schokolade nach dem Essen*. Getränketechnisch sprechen für die Perle die umfangreiche Weinkarte mit tollen und sehr preiswerten Österreichern, die tollen naturtrüben Fruchtsäfte und - last but first - das meines Wissens nach sonst kaum wo erhältliche offene dunkle (!) Velkopopovický Kozel Bier, das nur 3,4 Prozent Alkohol hat und im Gegensatz zu herkömmlichen dunklen Hopfensäften so gut wie keine Bitterstoffe und relativ wenig Kohlensäure enthält.

    Soviel zum Standardprogramm - für Abwechslung sorgen die erwähnten Tagesgerichte. Unbedingt zugreifen sollte jeder Fischfreund, wenn der Waldviertler Saibling auf der Karte steht: ausgestopft mit frischen Kräutern und zart exakt auf den Punkt gebraten würd ich dafür jedes Wiener Sushi (außer das aus dem On) sofort stehen lassen. Und vor einigen Wochen gab's auf der Tageskarte Lasagne mit Kalbsbolognese - inklusive Suppe um EUR 6,90. Es war die beste Lasagne, die ich je in einem Restaurant serviert bekommen hab: und wär ich beim Nobelitaliener gesessen und hätte 15 oder 20 Euro dafür gelohnt, hätt ich mir immer noch gedacht: "Wow, die war großartig - das war's wert." Und genau für solche kulinarischen Highlights und das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis bin ich ein Fan der Schönen Perle! Also Mahlzeit - ich werd mal rüberschauen in die Leopoldgasse.

    Schöne Perle
    Ecke Leopoldgasse / Große Pfarrgasse
    1020 Wien


    *) Nach langer Rezeptrecherche hat Anja mal eine grandiose Susi-Torte daheim zubereitet. Das erste Stück war genial... aber die 1-Stück-Dosis reicht definitiv für mindestens 72 Stunden.

    Lokalreview: Pizza Mari – Unprofessionell und ungewürzt

    pizzabild 150x150 Lokalreview: Pizza Mari   Unprofessionell und ungewürztIch koche nicht nur gern, sondern gehe auch sehr gern essen, daher wird’s an dieser Stelle zukünftig den einen oder anderen Hinweis auf empfehlens- oder meidenswerte Wiener Lokale geben; und in 10 Jahren ersetzt dann der Guide Datenschmutz den angestaubten Millau oder so… Als Auftakt folgt ein weniger gelungener Abend mit Fremdbewirtung in einer neuen Wiener Pizzeria: denn die österreichischen Tageszeitungen brechen geradezu in Lobeshymnen aus, wenn sie über die Mari schreiben. Ich hab zuerst in der Bunten Wahrheit aka Kronenzeitung und dann im Standard (Rondo) über das Lokal gelesen gelesen, das vor kurzem bei mir ums Eck aufsperrte. Dort seien die einzig wahren, die echten neapolitanischen Pizzen zu haben, so, wie man sie in Wien sonst nirgends bekäme. Das stimmt: eine so fade und in jeder möglichen Kategorie durchfallende Pizza bringt nicht mal der alte Fuchs Doktor Oetker aus dem Ofen - aber alles der Reihe nach.

    Das Lokal versprüht spröden Kachelcharme, die 70er Jahre Salzstreuer fügen sich “harmonisch” in die übrige Einrichtung. Die Karte suggeriert Konzentration aufs Wesentliche und offeriert neben einer Portion Oliven und einer Handvoll (6 oder 7) verschiedenen Pizzen bloß Flüssiges: keine Zuppa, kein Insalata, keine Nudelgerichte. “Also muss die Pizza echt grandios sein”, dachten wir uns. Allerdings war mir so gar nicht nach Veggie-Style zumute, blieb also nur die Wahl zwischen Salami- und Salsiccia-Pizza. Zweitere sei aus, erfuhr ich auf Nachfrage, eine Tagespizza gäbe es nicht, antwortete mir die Kellnerin vollkommen erstaunt auf diesbezügliche Nachfrage - mein Anliegen schien ihr sehr absurd. “Gut, dann nehme ich eine Pizza Salami mit extra Büffelmozzarella,”, fügte ich mich in mein Schicksal.

    Die Servicemitarbeiterin blickte mich nachdenklich an und klärte auf: “Das geht leider nicht. Ich könnte Ihnen aber eine Büffelmozarella-Pizza mit extra Salami machen lassen, das ist quasi das gleiche.” Als ich nach mehreren Sekunden Pause schließlich bemerkt hatte, dass sie keinen Scherz machen wollte, stimmte ich dem Tauschhandel resignierend zu - dabei hätte ich doch viel lieber eine Salamipizza mit Mozzarella als umgekehrt gehaben :mrgreen: Anja entschied sich für die Ripiena, ein kürzlich in Mode gekommener Ausdruck für die gute alte Calzone. Die isst aber ohnehin kein Neapolitaner, denn die klassische Touristenpizza kriegt prinzip-bedingt nie jenen knusprigen Boden, der diese speziellen Fladen auszeichnet.

    Der Koch der Pizzeria Mari füllt besagte Ripiena mit riesigen Mengen vollkommen ungewürzten Ricottas mit ein paar winzigen Stücken von Prosciutto Cotto, der sich aussah wie Aldi-Toastschinken und nach genau gar nix schmeckte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Ricotta in einer Ripiena nix verloren hat - aber wenn schon, dann müsste man diesen geschmacklosesten aller Frischkäse mindestens mit ein wenig Basilikum und Knoblauch aufpeppen, von Salz ganz zu schweigen. So schmeckt die ganz Partie wie eine unglaublich fade, viel zu groß geratene Kärntner Kasnudel…

    Blieb noch meine Pizza, die beim Auseinanderschneiden gleich mal eine Menge Wasser ließ. Erwartungsgemäß war der Boden innen ziemlich matschig und vollgesogen, während der erhöhte Rand keineswegs die erhofften Luftblasen, umschlossen von oblatten-artig dünnen Teigschichten, enthielt, sondern von der Konsistenz her eher an einer mittelschweren, teigigen Weißbrotfladen erinnerte. Außer eines verlorenen wirkenden Blatt frischen Basilikums waren Gewürze auch hier Fehlanzeige; da konnte die ach so tollen Dosentomate direkt vom Vesuv auch nix mehr dran ändern. Zumindest die Salami stellte den alten Spruch, dass Fett ein Geschmacksträger sei, eindrucksvoll unter Beweis.

    Originell fand ich auch die Interpretation des beliebten Chili-öls: schäzungsweise fünf Chilikerne in einer Kanne mit mittelmäßigen Olivenöls machen weder einen Sommer noch Schärfe - ich bildete mir einen leicht ranzigen Unterton ein, das könnte aber auch die Enttäuschung über das fehlende Capsaicin gewesen sein.

    Wie eingangs erwähnt denken Karin Schnegdar von der Kronenzeitung und der Standard ganz anders darüber - also entweder hat der Koch einen verdammt schlechten Tag erwischt, oder die Artikel entstanden nicht unbedingt aufgrund eines Testessens… da lob ich mir doch meine aktuelle Lieblingspizzeria I Carusi. Mit der Rindscarpaccio-Pizza, bei der vom Teig bis zum Belag einfach alles perfekt stimmt, könnte sich Pizza Mari eine große Schnitte abschneiden... das ist eben wie beim Minimal Techno: je mehr man sich aufs Wesentliche beschränkt, desto deutlicher fallen Fehler auf.