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Marianne von Willemer Preis: Last Call

“Achtung, letzter Aufruf: Passagierinnen mit Destination Willemer Preis, bitte kommen Sie zum Registrierungs-Gate! Boarding endet am 31. Mai!” schallt es derzeit durch den digitalen Kunstwald, denn:

Der Marianne.von.Willemer.2012 – Preis für digitale Medien ist eine direkte Förderung von Künstlerinnen und soll Frauen die digitale Medien als künstlerisches Werkzeug und Ausdrucksmittel nutzen, auszeichnen. Gesucht werden innovative künstlerische Arbeiten, die durch den Einsatz oder die explizite Bezugnahme auf digitale Medien gekennzeichnet sind. Hinsichtlich der technischen Realisierung kann aus dem breiten Spektrum gewählt werden – so können zum Beispiel Arbeiten aus den Bereichen digitale Fotografie, Digital Video, Computeranimation, generative Graphik, digitale Musik, interaktive Installationen, Netz- und Web 2.0-Projekte, Medienperformances, Medienarchitektur etc. eingereicht werden.

Neben der künstlerischen Qualität ist auch die spezifische Nutzung digitaler Medien selbst ein Bewertungskriterium.

Wer die 3.600 Euro plus Ruhm und Ehre in der Peer Group bekommt, das entscheiden die drei kundigen Damen Stella Rollig, Museen-Direktorin der Stahlstadt, Rosa von Suess und von der FH St Pölten sowie Brigitte Vasicek, interaktive Medienkunst-Professorin an der Kunst-Uni Linz. In den verbleibenden gut 48 Stunden lässt sich der Einreichungsaufwand durchwegs bewältigen, zumal diesjährig erstmals auch online mitgemacht werden kann.

Männliche Zuarbeit gilt übrigens *nicht* als Knock-Out Kriterium, sonst bliebe ja auch wenig nutzbare Hardware übrig:

Bei Gruppenarbeiten muss aus der Einreichung klar hervorgehen, dass die Urheberinnenschaft in den Händen einer Frau liegt, wobei Zuarbeiten durchaus von Männern durchgeführt werden können.

Alle weiteren Details, Formalitäten und Rahmenbedingungen unter: http://www.linz.at/frauen/57564.asp.

Ars Electronica: Pressegespräch, neue Location

2010 verlagert sich das Zentrum des medienkünstlerischen Linzer Geschehens in die Ludlgasse: die Leistungsschau digitalen Kunstschaffens findet in diesem Jahr erstmals auf dem Werksgelände der ehemaligen Tabakwerke in Linz statt. Beim Pressegespräch am 20. April um 10:00 Uhr stellen Christine Schöpf und Gerfried Stocker vom künstlerischen Direktorium der Ars den diesjährigen Programmschwerpunkt vor.

Ars Electronica Festival 2010

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ars electronica 2009: von der menschlichen Natur

Die diesjährige ars electronica wählte Human Nature als verbindende Klammer des umfangreichen Festivalprogramms, im Fokus des traditionell hochkarätig besetzten Symposiums standen Biotechnologie und Cloud Computing. Da sich Linz in diesem Jahr mit dem ehrenvollen Titel “europäische Kulturhauptstadt” schmückt, bot sich den Besuchern auch abseits der medienkünstlerischen Leistungsschau ein breites Spektrum kulturellen Fast- und Slowfoods. Außerdem glaubt man gar nicht, wie uralt die digitale Medienkunst schon ist: 2009 feierte das ars electronica Festival sein 30jähriges Jubiläum :mrgreen: Meine persönlichen Highlights: Niklas Roys Afrika-Hoax und Xiao Qiangs Keynote Activism without organization über die chinesische Internet-Szene.

ars electronica 2009 - human nature

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Symposium: Das Versprechen der kreativen Ökonomie

kreoekOn short notice: bereits morgen, am 31. März, findet im großen Sendesaal des RadioKulturHauses (Argentinierstrasse 30a, 1040 Wien) das von Ina Zwerger und Armin Medosch organisierte Ö1 Symposium “Creative Cities” statt. Bei freiem Eintritt lädt die Ö1 Wissenschaftsredaktion zu einer hochkarätig besetzten Reflexion der immer wieder gern zitierten Utopie, Kunst und Wirtschaft täten sich vertragen wollen können.

Anlass ist nicht zuletzt das von der EU 2009 ausgerufene “Jahr der Kreativität und Innovation” (ich freu mich schon aufs “Jahr der Einfallslosigkeit und des Rückschritts”) und die große Hoffnung, welche Regierungen weltweit in die “Creative Industries” setzen. Die Veranstalter fragen im Einladungstext nicht ganz unsuggestiv, ob möglicherweise eine neues intellektuelles Proletariat entstünde, eine Art “Tagelöhnertum im Web 2.0″:

Arbeitsplätze – so wird suggeriert – schafft man sich selbst, im “Home Office”, im virtuellen Netzwerk. Befristete “Projekte” ersetzen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch von der Wertschöpfung der “Ideenwirtschaft” profitieren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durchschnittliche Einkommen der “Cultural Workers” ist sehr gering.

Das klingt mir zwar alles gar ein wenig negativ: ein “lebenslanger Job” wär meine persönliche Hölle, und wenn der Tagessatz stimmt, dann bin ich liebend gern vortragender oder coachender Tagelöhner. Und ja, meinen “Home Office” Arbeitsplatz hab ich mir tatsächlich selber geschaffen – vor 20 Jahren wär’s schlicht undenkbar gewesen, mit einem digitalen Produktionsstudio um rund 10k Euro mit “professionellen” Corporations zu konkurrieren. Aber andererseits bin ich ja auch kein freischaffender Künstler, sondern freischaffender Marketing-Berater und “geringes Einkommen” liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber ich kann mich definitiv nicht beschweren :mrgreen: Doch weiter im Text:

Was macht diesen Lebensentwurf dennoch attraktiv? Ist es die Vorstellung, aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Ruhm? Oder einfach der Mangel an Alternativen? Muss nun “jeder ein Künstler” werden, frei nach Joseph Beuys? Oder müssen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar? Und ist nicht der Zwang zur ökonomischen Verwertbarkeit für das kreative Schaffen letztlich kontraproduktiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kunstförderung und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen?

Diese versuchen unter anderem Martin Netzer von der Sektion Erwachsenenbildung des BM für Unterricht und Kunst, Richard Barbrook von der Westminster University London, Diedrich Diederichsen, das kulturwissenschaftliche Aushängeschild Berlins, Geert Lovink vom Amsterdamer Institute of Network Cultures und Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund in ihren Referaten zu klären. Der erste Teil des Programms hat für mich durchaus einen gewissen Zeitreise-Aspekt: soweit ich mich erinnere, diskutieren die üblichen Verdächtigen die gleichen Themen seit Mitte der Neunziger, damals noch vorwiegend auf der nettime-Mailingliste. Seither hat sich die Situation – je nach persönlicher Einschätzung – drastisch verbessert oder verschlechtert, eines ist jedenfalls klar: in Zeiten der Wirtschaftskrise erhöht sich das Interesse ans Kapital-/Liberalismuskritik beträchtlich. Wird jedenfalls sicherlich ein spannender Nachmittag, den ich aber leider ob Creative-Industry-Business-Stress nur teilweise werde verfolgen können. Genauere Details finden Kurzentschlossene Besucher Programm-PDF.

Coded Cultures: Binationales .at/.jp Festival im Mai

coded culture 2009Man kann nicht dauernd nur arbeiten – zwischendurch muss man schließlich auch mal reflektieren, wie und warum man arbeitet. Prokrastination per se ist nämlich weder Schlüssel zum Erfolg noch zur Zufriedenheit. Die spannendsten Medienprojekte sind an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft, Unterhaltung und Kunst angesiedelt, und mit diesem Job-Biotop beschäftigt sich das Festival Coded Culture von 27. bis 31. Mai in Wien und von 14. bis 18. Oktober in Yokohama.

Österreich fungiert als Gastgeber für das mehrtägige Symposium, in Japan wird die zugehörige Ausstellung präsentiert. Die binationale Veranstaltung findet im Rahmen des offiziellen “Österreich-Japan Jahres 2009″ statt, das ausgerufen wurde, um 140 Jahre diplomatische Beziehungen (ich wusste gar nicht, dass unsere Kontakte zum Reich der aufgehenden Sonne so jung sind) zu zelebrieren.

Veranstaltet wird die Exploration der kreativ-kommerziellen Sphäre von der Gruppen 5uper.net:

Im Mittelpunkt steht eine neue Generation von Medien- und Entwurfskulturen und deren kreative Praktiken. Vielfältige Szenen und Projekte, die unter Zuhilfenahme von elektronischen Medien neue Anwendungsbereiche schaffen, werden vernetzt und für Außenstehende zugänglich gemacht. […] Eine noch nie dagewesene Anzahl japanischer KünstlerInnnen, KuratorenInnen und WissenschaftlerInnen wird in Wien ihre Erfahrungen und ihr Wissen im Rahmen des Symposiums (28. – 31. Mai) und der Ausstellung (27. Mai – 07. Juni) von Coded Cultures mit KollegInnen aus Österreich, Europa und einem interessiertem Publikum austauschen. Um die kulturellen Beziehungen beider Länder zu intensivieren, sind schon im Vorfeld des Festivals zwei Künstler und ein Wissenschaftler als Artist in Residence bzw. Professor in Residence in Wien anwesend.

2004 fand die Premiere des Festivals statt, damals noch unter dem Titel “Decoding Digital Cultures”. Der Schwerpunkt des im Wiener Museumsquartiers angesiedelten Vereins liegt auf der teilnehmenden Erforschung neuer Medien und auf der didaktischen Aufbereitung der Ergebnisse, die diesjährigen vier Themenbereiche tragen so buzzige Namen wie Designing Complexity, Assembling Things, Expanding Locality und Creating Proto-Culture:

5uper.net besteht aus ProduzentInnen die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine erforschen, existierende Medienkanäle optimieren sowie neue Kommunikations-, Distributions- und Diskursformen entwickeln. Seit 2003 vermittelt die Gruppe in Form von Ausstellungen, Workshops und Symposien die Themenbereiche, die sich im Umfeld von Medienkunst und den Hybridbereichen zwischen Kunst und Technologie bewegen.

Weitere Infos über die Aktivität von 5uper.net gibt’s im Newsfeed, persönlich trifft man die Proponenten am besten beim sonntäglichen MedienKunstCafe. Hier der genaue Terminplan:

Pressekonferenz: 27.05. 2009, 10.30 Uhr, Freiraum / quartier21 – MQ
Eröffnung: 27.05. 2009, 19.00 Uhr, Freiraum / quartier21 – MQ
Ausstellung: 28.05. – 07.06. 2009, Freiraum / quartier21 – MQ
Symposium und Präsentationen: 28.05. – 31.05. 2009, MUMOK – MQ
Abschlussveranstaltung und Party: 31.05. 2009, 20.00 Uhr, Hofstallungen – MQ

.at Neuwal: Genug gereicht, jetzt streitet’s!

“Es reicht”, plakatiert die ÖVP im österreichischen Sonderwahlkampf (Briefmarkensammler aufgepasst!), und die SPÖ antwortet mit einem nicht minder eloquenten “Genug gestritten”. Erstmals stehen sich somit, wie Armin Thurnher im Falter-Editorial der ersten Augustausgabe anmerkt, zwei absolute Null-Aussagen gegenüber, und selbst die überirdische Kompomente des Streits um die Wählerherzen erreicht ehrlich-österreichisches Stammtischniveau.

Neuwahlen in Oesterreich

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monochrom hittet greatest

monomomentsOder: Rambazamba deluxe, der alle popkulturellen Strömung der letzten 990 Jahre aussehen lässt wie 1000jährige Straußeneier. So bezogen sich die “Immer wieder Österreich” Sprechchöre während Non-Cordoba 2.0 wie man hört gar nicht auf das Spiel, sondern das brandneue Greatest-Hits Album der österreichischen Post-Situationisten monochrom. Oder, wie es der Pressetext – und nicht etwa dessen Schreiber – formuliert: “Erleben Sie live: Nicht nachzuvollziehende Stimmungsschwankungen, hormonelle Desorientierung, Identitätsschlamassel vom feinsten, Rebellion ohne Grund aber gut begründet, ausgesuchte gemischte Peinlichkeiten, legendäre Rollenkonflikte und natürlich jede Menge Verstocktheit, Unsicherheit und Kommunikationsverlust und splitterndes Glas.”

Am 10. Juni fand im Klub Ost das Fest des fünfzehnjährigen Bestehens statt. Die Sache mit dem undankbaren Alter haben sie allerdings falsch erkannt:

Fünfzehn ist ein undankbares Alter. Du siehst aus wie siebzehn und man behandelt Dich wie dreizehn.

Das gilt bloß für Menschen, mit Künstlergruppen ist das so ähnlich wie mit Hundejahren: die ersten zwei zählen bloß halb, die nächsten drei normal, das sechste doppelt und ab dann geht’s los wie bei der Schachlegende, von wegen Reiskorn-Verdopplung pro Feld uns so – in Wahrheit sind die monochroms also schon 2050 Jahre alt. Herzlich Gratulation jedenfalls!

Und das wichtigste: diese CD gibt’s (noch) nicht bei Amazon, man könnte aber bestellen:

Die CD kann ab sofort per Remail bestellt werden und für die Vinylausgabe (erscheint voraussichtlich im August können Vorbestellungen gemacht werden.)
Die CD kostet 15,- Euro + 2,- Euro Porto.
Die LP wird voraussichtlich billiger abgegeben.
Und die ersten 10 LP-Vorbestellungen bekommen sie natürlich portofrei.
Natürlich gibt es die Stücke auch bereits in allen relevanten Onlineshops als Downloaden für die ganz Anspruchslosen.

Mehr Infos und jede Menge weitere bestellbare Goodies, inklusive diverser Print-Publikationen, findet man im monochrom Verlagsprogramm. Aber wieder zurück zum Album: Es beinhält neue und in der Regel komplett überarbeitete Versionen von alten Hits wie “Garz”, “Let’s network it out”, “Farewell to overhead, “Ebay the force” (im
absoluten Wahnsinns-Remix von Hans Nieswandt) etc. und einige neue Stücke wie “Lidl Girl” und “Killing Capitalism with Kindness” (feat. Gerald Votava). Eine ausführliche und sehr lesenswerte Rezension des Werkes hat Christian Heller aka plomplom verfasst, Hintergrundinfos zu den einzelnen Tracks stellen die Artisten selbst bereit, zum Anhören gibt’s leider nix: aber manche Katzen muss man eben mit Sack kaufen, zumindest, wenn’s letzteren gratis dazu gibt. In diesem Sinne möchte ich aus dem Opener-Track zitieren: “Dark-Waver! 16jährige Dark-Waver! Wir kommen, um euch zu holen!”

Do it yourself: Interview mit Karel Dudesek

Do it yourselfDie DIY (Do it yourself) Bewegung schwappt von den USA nach Europa über: sie lässt Heimwerken unter veränderten Vorzeichen plötzlich wieder en vogue werden. Zu je komplexeren und undurchschaubareren Konfigurationen sich Technologie auf der einen Seite hin entwickelt, desto größer wird auf der anderen Seite offensichtlich das Bedürfnis, einen Blick hinter die Maske namens Oberfläche zu werfen. Denn selbst im Zeitalter der allumfassenden Digitalisierung macht es manchmal Sinn, das “Begreifen” wörtlich zu verstehen.

Nicht zuletzt das amerikanische Make Magazine hat den Trend zum Do-it-Yourself entscheidend mitgeprägt. Während die einen in die Disko kroch’n gehen, schrauben die anderen aus purer Entdeckungslust an Klospülungen rum – höchste Zeit also für the gap, einen Blick unter die Haube der DIY-Szene zu werfen. Für die derzeit im Druck befindliche Ausgabe habe ich ein Interview mit Karel Dudesek geführt: der Medienkünstler, Medienkunstprofessor und Musiker organisiert in England das Takeaway Festival und hat ganze Generationen von Studenten an der Angewandten in Wien unterrichtet. Eine Biographie findet auf Kunstradio.at. Herzlichen Dank an Klaus Kraigher für die Fotos!

Audiointerview mit Karel Dudesek

Exklusiv hier auf datenschmutz gibt’s das Interview in voller Länge als Streaming Audio – im Gespräch schneidet Prof. Dudesek einige hochinteressante Themen an, die ich im Artikel aus Platzgründen weglassen musste. Et voilá: Digital Crafts, Kunst und Handwerk und die Entwicklung der Medienkunst der letzten Jahre: Professor Karel Dudesek im Gespräch mit dem Autor. (Bitte die suboptimale Audioqualität zu entschuldigen; ich hatte meine externe Soundkarte nicht zur Hand und der eingebaute Mic-In besitzt einen nicht abschaltbaren Dynamikfilter aus der Hölle. Trotzdem Hörspielpflicht für alle Medienkunst-Freaks!)

Mach’s dir selber

Die Lust am Basteln erlebt eine digitale Renaissance.

Einen wesentlichen Kristallisationspunkt fand die DIY-Bewegung im us-amerikanischen Make Magazine: die erfolgreiche Printpostille mit stark bevölkerter Community-Seite stellt so etwas wie die moderne Gegenthese zu Tim Taylor dar: Motor und Kraftquelle ist primär die Lust am Sinn-Losen, Anleitungen für effektivere Stauraumgenerierung oder klassische Haushaltstipps wird man hier nur ein Ausnahmefällen finden. Dafür erklären Redakteure etwa anhand eines detaillierten Films, wie man aus Haushaltsmaterialien einen ferngesteuerten Ornithopter baut oder wie man eine Violine ein USB-Instrument umfunktioniert. Natürlich gehört dazu auch ein nahezu täglich aktualisiertes Blog – und in der Tat erscheint kaum ein Thema so unerschöpflich und variantenreich wie der Einsatz von Technik in der und vor allem gegen die Intention ihrer Schöpfer. Das Web 2.0 mit seinen Social Networks wie Facebook, Myspace oder StudiVZ und den zahllosen Mikromedien-Channels von Weblogs über Twitter-Profile bis zu Youtubes Accounts bietet der Do-it-yourself Kultur die perfekte Selbstdarstellungsplattform. Denn die Freude am selbstgebastelten USB-Mini-Heißwasser Boiler respektive die Motivation, ihn überhaupt erst zu bauen, steigen zum Quadrat, wenn eine potentiell interessierte Weltöffentlichkeit zum Voyeur der eigenen Ingenieurskunst wird.

Dass dieser Paradigmenwechsel am Kunstbetrieb längst nicht spurlos vorüber geht, weiß jeder, der in den letzten Jahren die ars electronica besucht hat. Seit der russische net.artist Alexej Shulgin im Jahr 2000 mit seinen 10 in Steintafeln gravierten Gesetzen das Genre der net.art für verblichen erklärte, wich das analytische Paradigma auch im medien-artistischen Bereich einem Hands-On Ansatz, der den User mehr oder weniger radikal von der passiven Rezipientenrolle in die des Créateurs versetzt.
Universitätsprofessor Karel Dudesek befasst sich seit mehreren Jahrzehnten mit dem Themenkomplex Medienkunst und organisiert in London das Takeaway Festival, eine Mischung aus Konferenz, Ausstellung und kollektivem Bastelworkshop. Der mittlerweile in England, Deutschland und Österreich tätige Theoretiker und Aktivist gestaltete die ars electronica mit, prägte durch seine organisatorische und/oder kuratorische Tätigkeit zahllose Medienfestival und sensibilisierte Generationen von StudentInnen im Umgang mit diesem eigenartig-immersiven Medien-Dingsda*, das sich sowohl im akademischen als auch im künstlerischen Bereich stets so elegant dem finalen Zugriff des Betrachters entzieht. Medien, das predigte McLuhan Zeit seiner Lehrtätigkeit, bilden einen integrativen Teil des uns umgebenden Lebensraums. Wir können sie nicht im klassischen Sinne analysieren, da der nötige Abstand zwischen Betrachter und Subjekt schlicht nicht herzustellen ist – also bleiben uns nur die sogenannten “Probes”, also Sonden, die einzelne “Medienproben” liefern, aus denen wir Rückschlüsse begrenzter Gültigkeit ziehen können.

Zu Abstrakt? Genau um dieses invasive Hinter-die-Maske-Schauen einerseits und um ein altes Spannungsfeld zwischen Kunst und Kunsthandwerk andererseits dreht sich der aktuelle Diskurs der Medienkunst, wie Karel Dudesek erklärt: “Was komplexer wird, kommt von Natur aus auch in die Krise. Und in dieser Krise modifizierte sich die Medienkunst zu einer Art Designkunst. Die ars electronica und andere Festivals mutierten zu Design-Präsentationen; ob Open Source oder nicht, sei mal dahingestellt. Das hat natürlich dazu geführt, dass in der Spannung zwischen Kunst und Design – also zwischen Kunst und Handwerk, diese Spannung gibt es ja nach wie vor – die handwerkliche Seite in Form der ‘digital crafts’ plötzlich sehr stark die Oberhand gewonnen hat.”

Die digital-crafts Bewegung existiert seit rund fünf Jahren und zeigt neue Varianten interaktiver Interfaces, die in der “klassischen” Medienkunst schlicht keinerlei Beachtung mehr fanden: “Designer haben per definitionem keine politische oder kulturelle Selbstaufgabe. Daher auch dieser Begriffsbogen von wegen ‘knitting’, ‘do-it-yourself’ und so weiter. Diese neue technologische Situation erlaubt einem viel weiteren Personenkreis, eigene Projekte zu entwerfen und in weiterer Folge auch Geld damit zu verdienen, was natürlich völlig legitim ist. Die Universitäten in Europa haben diese Entwicklung weitgehend verschlafen und beschäftigen sich nach wie vor mit einem tradierenden Kunstbegriff, der mit dieser neuen Form der medienkulturellen Produktion einfach nicht mehr funktioniert.”

Technologien beziehungsweise Werkzeuge formen stets den mit ihnen generierten Output: das Vektor-Grafikformat Flash von Adobe etwa gibt bis zu einem hohen Grad das mit ihm realisierbare Endprodukt vor – eine scheinbar paradoxe Situation, die Prof. Dudesek mit dem in Europa lange Zeit sehr beliebten “Stricken nach Zahlen” vergleicht. Studenten sollen an Kunsthochschulen für diese Situation sensibilisiert werden und durch den Blick unter die Oberfläche ihre Werkzeuge im Flusser’schen Sinne als Dispositive des Kunsthandwerks verstehen. “Tools framen die Ästhetik,” erklärt Dudesek, “und die Beschäftigung des Künstlers endet ja nicht an der Oberfläche, sondern es geht darum, diese Interface-Systeme von der intellektuellen Seite her zu kapieren: denn dieses Verständnis spielt ja wieder eine beträchtliche Rolle im kreativen Bereich.”

Für die Einwohner des klassischen Kunstestablishments müssen die Credos der jungen Medienkünstler-Generation wie Altarfrevel erscheinen: wo das Establishment Sicherheit an Ölgemälden in historischen Säulenhallen festmacht, richtet sich die Aufmerksamkeit der jungen Medienkunst auf iPhones, digitale Klospülungen und so ziemlich jede Blackbox, deren unter der Haub verborgener Hard- oder Software-Schaltplan sich neu verdrahten lässt. Was im Bereich elektronischer Musik modifizierte Klangerzeuger-Hardware bedeutet, davon weiß jeder Synthie-Sammler ein Lied zu singen – ob der Do-it-Yourself Schock als nachhaltiger künstlerischer Paradigmenwechsel gelten wird, das kann aber nur eine entscheiden: und zwar die Nachwelt.

Dass (digitale) Re- und Produktionstechniken den Fokus ästhetischen Schaffens auf die Beschäftigung mit den Implikationen der Hard- und Software lenken würde, erkannte in den zwanziger Jahren bereits Walter Benjamin in seinem hellsichtigen – und vielfach zu Unrecht als kulturpessimistisch bezeichneten – Kunstwerksaufsatz (Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeialter seiner technischen Reproduzierbarkeit). Ein berechtigter Zweifel an der Hoffnung auf lustvolle Aneignung der mediengesellschaftlichen Infrastruktur macht sich aber trotzdem breit: noch nie wurden so viele Kochbücher und -sendungen produziert und konsumiert wie in den Nuller-Jahren des neuen Jahrtausend – während zugleich noch nie in der Geschichte Westeuropas privat so wenig gekocht und soviele Fertigprodukte konsumiert werden. Anstatt die guten alten Zeiten elitärer Kunstproduktion zurück zu sehnen, bleibt also nur zu hoffen, dass der hohe Spaßfaktor der Do-it-yourself Philosophie auf breiter Ebene nicht bloß verkleidete Kapitulation vor znunehmend undurchschaubareren Blackboxes symbolisiert.

* Unter anderem auch den Herausgeber des Pamphlets; sowas kommt also dabei raus, wenn man zu lange über dieses Medienzeugs nachdenkt.


Fotocredits:
Bild 1 – Alix-Gehäuse: Roland Alton Scheidl, net culture lab
Bild 2 – Ncl_Radicla Chic: Telekom Austria TA AG
Bild 3 – Löten: David Cuartielles

Morgigentags: Metaday #12 mit Franz Xaver

Franz Xaver, ehemaliger Student von Grand Doyen Peter Weibel, wird beim morgigen Metaday die Wiener Nerd/Geek/Hackerszene mit seinen Erfahrungen aus dem weiten Feld Medienkunst schockieren, verwirren und vor allem inspirieren. Ort des Geschehens ist das Metalab in der Wiener Rathausstraße 6.

Franz Xaver, geb. 1956, ist bildender Künstler und gibt mit einem Überblick seiner umfangreichen Arbeiten im Spannungsfeld von Kunst & Technik (“Medienkunst”) Inspirationen für die junge Hackerszene. Womöglich werden dabei auch Berührungsängste mit dem Kunstbegriff abgebaut.

Die Biographie des Gasts lässt einen ausgesprochen spannenden Spagat zwischen Hochkultur und Computerkreativen erwarten – Franz Xaver bewegt sich seit über 20 Jahren zwischen Kunsttheorie und Computerpraxis:

  • 1987-1991 Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Meisterklasse für visuelle Mediengestaltung (Prof. Weibel): Lehrtätigkeit: Computergrafik, Programmiersprachen, Audiovisuelle Produktion, Elektronik und Elektrotechnik.
  • 1989-1992 Labor für visuelle Medien an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
  • 1993-1996 Lehrauftrag an der Technischen Universtät Graz, Institut für Baukunst: Kommunikationstheorie
  • 1997-2000 Silverserver: Aufbau autonomer Netze
  • 2003-2006 Medienkunstlabor im Kunsthaus Graz – Kuratorische Tätigkeit

Im Anschluss gibt’s die gewohnten 5-Minuten “Lightning Talks”, bei denen aktuelle Works in Progress und/oder ad hoc Geistesblitze vorgestellt werden. Bis jetzt stehen ein Kurzvortrag von Chris Hager (Social Source Code Collaboration) und eine Präsentation über “Hacking Fonera for Fun & Profit” am Programm – Besucher mit gesteigertem Mitteilungsbedürfnis können sich natürlich auch vor Ort noch anmelden; der Eintritt ist wie immer gratis, im Anschluss gibt’s Wein, Weib und Gesang Buffet, Wein und Ambient Music – mehr Infos gibt’s auf der Metalab Seite. Wär sicher interessant, aber die puls4 Launchparty morgen Abend werd ich mit Sicherheit nicht auslassen.

Gib mir eine Mission für die Ewigkeit

Der Telekom-Riese Telefonica rettet mit dem wichtigsten spanischen Medienkunstpreis die etoy.CORPORATION laut deren Presse-Aussendung einmal mehr vor dem Bankrott – und stellt mit dem Preisgeld die Fortsetzung der Mission Eternity sicher.

mission eternity

Das komplette Jury-Statement können überdurchschnittlich Kunstinteressierte am etoy Blog nachlesen. Gestern wurde die Netz.Kunst.Gruppe, die in den ersten Goldgräberjahren des Internet durch Ihre Armdrücken mit dem Spielzeug-Start-Up Etoys Aufsehen erregte (das lief damals unter dem Label toywar, ich war Agent sullen_choirboy und mir gehören immer noch ein paar Promille der etoy Corp. Theoretisch.), von Francisco Serrano, Rohschinkenproduzent Präsident der Telefonica Foundation, ausgezeichnet. Die Containerskulptur, über die ich hier schon mal geschrieben habe, beherbergt die sterblichen Überreste von Pionieren des Informationszeitalter und erschließt multimedial das Vermächtnis dieser Menschen:

Auf einem begehbaren 3-dimensionalen Screen, bestehend aus 17’000 Leucht-Dioden, erscheinen dem Ausstellungs-Besucher Ahnen der heutigen Medienkultur: Bilder aus ihrem Leben, ihre Stimmen, Videosequenzen, und mehr. Die elektronischen Geister können per Webterminal und Mobiltelefon aufgerufen und lokal, zum Beispiel auf dem eigenen Laptop, gespeichert werden. So entsteht mit der Hilfe einer ausgeklügelten Software ein soziales Netzwerk bestehend aus vielen Tausenden von “Angels”, welche die Aufgabe haben die Daten der Verstorbenen für immer zu erhalten: das digitale Erbe wird von Generation zu Generation weitergereicht und tritt damit eine unendliche
Reise durch Raum und Zeit an.

Die Idee hat für mich eine ausgesprochen romantische Komponente. Und in der Tat ziehen sich Anti-Vanitas Bestrebungen im Großen und im Kleinen nicht erst seit den Pyramiden wie ein toter Faden durch die Menschheitsgeschichte:

Die bekannte Kunstgruppe thematisiert mit dem neusten Werk Vergänglichkeit, Konservierung, Datenspeicherung, Tod und Afterlife. MISSION ETERNITY ist ein technisches Experiment, hinterfragt die Konsequenzen der totalen Datenerfassung und skizziert die Vision eines zeitgemäßen Totenkults.

Herzliche Gratulation – und ich hoffe, mit dem Preis steigt auch der Wert meiner etoy-Aktien ins Ermessliche :cool:

Beiträge für monochrom Jahrbuch 2008 gesucht!

monochrom.gifFinally! Meine Lieblings Medienkunstgruppe hat einen Call for Papers für das regelmäßigste Printmagazin der Welt raus gejagt. Und Sie, werte Leser, haben noch bis zum 15. September Zeit für Einreichungen: ob Skizze auf Klopapier, auf Goldplatten geätztes 3D-Foto oder Kriminalroman: Format, Umfang und Thema bleibt ganz dem Beiträger überlassen. Und weil ein Schwerpunkt wie immer auf dem Thema “Rezensionen” liegt, hab ich zur Abwechslung mal kein Produkt der Popkulturindustrie, sondern einen html-Tag rezensiert.

Auf die 2008er Ausgabe des monochrom MagazinBuches freue ich mich jetzt schon – als ich ’95 nach Wien kam, um mein Studium zu beginnen, war die damals aktuelle monochrom-Printausgabe (zumindest in meiner verklärten Erinnerung) das erste denkwürdige Stück bedruckten Papiers, das mir in der Bundeshauptstadt in die Hände fiel. Wenn ich mich recht entsinne, lernte ich damals Johannes Grenzfurthner im Rahmen einer Spoken Word Convention kennen… und in den folgenden Jahren die Projekte von monochrom lieben. Hier der Call for everything:

We are looking for articles, essays, graphics, cartoons, cut-up stuff for the next multi-issue of our non-commercial yearbook series “monochrom”. We’ll publish the entire book in English, a fact that might be highly interesting for many monolingual Angloamerican folks.
There is no maximum or minimum length for articles or essays. There is no general topic whatsoever. You write about things you find interesting. Or boring. Your text could be about radical constructivism. Or fish and chips. Or hacking your toilet. Or blowing up Mercury. Or HTML. Or Mormon theology and Battlestar Galactica. You’ll find your topic!
A big section of the publication will be dedicated to reviews. And we review everything. Want to review a certain medieval war? Or arctic sea protozoans? Laws of nature? Climate zones? Ways to die? Lava streams? Spam headers? Demonstrations? Sumerian gods? Neon feelings? A crisis? The different types of snow in Stephen King novels? Book shelves in porn movies? Kosher hot dogs? Axiology? Sperm? Johann Sebastian Bach? German officers in American movies who shout “Schweinerei”? Russian oil pumps? Calvinistic prayers? Trash cans in Kansas and/or Lithuania? Anal sex? The Northwest as an ontological entity? Perfect! Go on!
So, please send your suggestions or finished works to mono AT monochrom.at
Deadline is September 15, 2007.
Preferred format for text files: RTF files. Preferred format for graphics: Greyscale JPEGs, maximum quality, 300 dpi. Please don’t forget to mention your name and snailmail address.
We hope we’ll be able to publish monochrom #26-34 in spring 2008.

Wie erwähnt, konnte ich mir eine kleine Kontribution nicht versagen – ich wollte schon immer mal Teil des strikt schwarz-weißen Mono-Printoversums sein. (Die deutschsprachige Version folgt weiter unten).

Review: div – A tag sans attributes

In recent years, the div tag has had to face an ever increasing number of fans among coders, as it enables them to split a site into different so-called sections. Some claim that it is even possible to completely hide some of these content sections – or, more precisely to deliberately hide them from human users or search engines. Thanks to the div tag is has become possible to publish a site which looks like a scientific analysis of Greek literature to Google, while the human user gets surfed plenty sexy phone numbers. Or vice versa.
It’s no surprise that the div Tag goes by many nicknames: some call it a container, some shout block-element in his virtual face, but the div tag doesn’t care, as he doesn’t bring any attributes whatsoever into play. Except for a single one: the situationist artist amongst blocklevel-elements inherently forces a line break. In the light of these circumstances the following lines published by mediaevent.de start to make sense all of a frightening sudden: “The div a tag is an especially exciting construction in HTML. It structures the content of other elements that fit together logically and get highlighted optically.”
If you’ve seen a div-tag once, you’re not likely to forget the excitement and almost sexual stimulation the “Viagra among html tags” causes in code-savvy developers: a bit more structuring ontology and a little less attributes is zeitgeisty enough for source codes as well as T-shirts.

div – Der Tag [tääg] ohne Eigenschaften

Der div-Tag ist unter html CodiererInnen recht beliebt, weil er eine Unterteilung der Seite in verschiedene sogenannte Sections erlaubt. Manche sagen, man kann in Kombination mit css Stylesheets in div-tags Inhalte sogar unsichtbar unterbringen, zumindest für Menschen. So wäre eine Seite, von der Google glaubt, sie handle von griechischer Literatur, die aber in Wahrheit Sextelefonnummern aus dem Spätabendfernsehen bewirbt, ohne div Tag nur sehr viel schwieriger bis gar nicht realisierbar.
Die Spitznamen des Tags sind vielfältig: manche nennen ihn Container, anderen sagen Blockelement, aber das kümmert den div-Tag wenig: er bringt von sich aus nämlich keine weiteren Eigenschaften whatsoever ein, mit Ausnahme einer einzigen: Der Situationist unter den Blocklevel-Auszeichnungselementen fungiert immanent als Zeilenumbruch. Kein Wunder, dass mediaevent.de schreibt: “Das div-Tag ist ein besonders aufregendes Konstrukt in HTML. Es strukturiert den Inhalt anderer Elemente, die logisch zusammengehören und optisch herausgestellt werden.” Wer den div-Tag schon einmal live gesehen hat, wird die Aufregung sofort verstehen: ein bisschen mehr strukturierende Ontologie und ein wenig weniger Eigenschaften stünden vielen anderen Tags ebenfalls gut zu Gesicht.

Prix ars electronica 2007

Die Siegerprojekte des prix ars electronica für 2007 stehen fest – media.art Afficionados finden ausführliche Infos und Fotos in der offiziellen Pressemappe, hier die Sieger der acht Kategorien:

Goldene Nicas 2007

In den Kategorien Computer Animation / Film / VFX, Digital Musics, Hybrid Art, Interactive Art, Digital Communities sowie u19 – freestyle computing wurden jeweils eine Goldene Nica, in der Kategorie [the next idea] ein Stipendium und in der Kategorie Media.Art.Research ein Award vergeben.

Computer Animation / Film / VFX

Codehunters / Ben Hibon (UK ) / BLINK PRODUCTIONS
Ben Hibons Codehunters ist eine actiongeladene, apokalyptische Animation. Schauplatz sind die Slums von Lhek, einer im Chaos versinkenden fernöstlichen Stadt in ferner Zukunft. Hier gilt das Recht des Stärkeren, seitdem der dunkle Khaan auch seinen letzten Gegenspieler Krai vernichtete und seine Schreckensherrschaft installierte. Doch regt sich erneut Widerstand als Shen, Lawan, Zom und Nhi auf den Plan treten.

Digital Musics

Reverse Simulation Music / Masahiro Miwa (JP) / IAMAS
http://www.iamas.ac.jp/~mmiwa/
Mashiro Miwas Reverse Simulation Music basiert auf per Computer entwickelten Kompositionsstrukturen, die von MusikerInnen, PerformerInnen oder mechanischen Apparaturen nachgespielt werden. Vorgegebene Regeln und Kalkulationen werden dabei, abhängig von den konkreten Bewegungen und Handlungen der PerformerInnen, in bestimmter oder zufälliger (improvisierter) Reihenfolge akustisch wiedergegeben.

Hybrid Art

SymbioticA (AU)
www.symbiotica.uwa.edu.au
SymbioticA ist ein prototypisches Labor, das künstlerische Herangehensweisen und wissenschaftliche Methoden zusammenführt und einander wechselseitig erschließt. Von Neurowissenschaften, Molekularbiologie und Anatomie über Physik bis zu Anthropologie und Ethik verschränkt SymbioticA verschiedenste Wissenschaftsdisziplinen mit künstlerischen Fragestellungen, die auf biowissenschaftliche Problemfelder fokussieren.

Interactive Art

Park View Hotel / Ashok Sukumaran (IN)

Ashok Sukumarans Park View Hotel eröffnet den Dialog zwischen Mensch und Architektur. Schauplatz ist die César Chavez Plaza und das daran angrenzende Fairmont Hotel in Downtown San José.

Digital Communities

Overmundo (BR)
www.overmundo.com.br
Overmundo wurde von Hermano Vianna, Alexandre Youssef, Ronaldo Lemos und José Marcelo Zacchi entwickelt und ist gleichermaßen Community wie Softwaretool. Die Web 2.0-Plattform fokussiert auf brasilianische(n) Kultur(en) in ihrer Vielfalt und Komplexität. Texte, Bilder, Videos und Musikstücke spiegeln Altersschichten, Geschlechter, Ethnien, Regionen und Sprachen der brasilianischen Gesellschaft(en) wider. Overmundo ist ein offenes und transparentes Online-Diskussionsforum, das geografische und soziale Barrieren überbrückt und kulturell wie gesellschaftspolitisch relevante Diskussionen und Szenen aus den (Ballungs-)Zentren hinaus in ländliche Regionen trägt und vice versa ländliche Sichtweisen für urbane Kreise erschließt.

u19 – Freestyle Computing

VoIP-Wiki / Daniel Robinig, Manuel Salzmann, Matthäus Spindelböck

VoIP-Wiki ist ein Voice over IP System, das für unterschiedliche Zwecke verwendet werden kann. So ist es etwa möglich, Informationen eines Wiki-Systems, wie etwa der Online-Enzyklopädie Wikipedia, akustisch abzurufen. Die Sprachverbindung erfolgt entweder per Voice over IP, Handy oder Festnetz. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Kärntner Blindenverband. Aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten soll so eine Verbesserung der Lebensqualität von Sehbehinderten und blinden Personen erreicht werden.

[the next idea] Art and Technology Grant

SUN_D / Jonas Burki (CH) / FHNW / Hochschule für Gestaltung und Kunst / Institut HyperWerk
www.sun-d.ch
Mit SUN_D entwickelte Jonas Burki das Konzept eines zukunftsweisenden Systems der Bildprojektion, das auf der mechanischen Manipulation von Licht und Schatten einer bestehenden Lichtquelle basiert. SUN_D findet ohne Screens und energieraubende Beamer-Methoden das Auslangen und bedient sich ausschließlich bestehender Lichtquellen – im öffentlichen Raum etwa dem Sonnenlicht. Auf sinnliche und innovative Weise verbindet SUN_D Information und Kunst, wodurch die natürliche Neugierde der BetrachterInnen geweckt und so ihre Aufmerksamkeit hergestellt wird. Durch einfache Mechanismen kann dabei der Entstehungsprozess der projizierten Information nachvollzogen werden. Auf wirkungsvolle wie unaufdringliche Weise heben sich die mit SUN_D dargestellten Botschaften aus der alles überschwemmenden Informationsflut ab.

media.art Research Award

Exe.cut[up]able statements – Poetische Kalküle und Phantasmen des selbstausführenden Texts / Florian Cramer (NL/DE)
Florian Cramers Dissertation Exe.cut[up]able statements – Poetische Kalküle und Phantasmen des selbstausführenden Texts untersucht ältere wie zeitgenössische Literatur, die sich auf Kalkulation und Algorithmen gründet. Analysiert werden dabei kabbalistische Sprachkombinatorik, Wortpermutationen, aleatorische (kombinatorische), stochastische (zufällige) und rekursive (rückwärtslaufende) Texte, computergenerierte Literatur sowie die Poetik von Programmiersprachen und Codiersystemen.

Ja! sagt Peter Weibel

Wozu, bleibt vorest im Unklaren, umfasst betreffendes Video ja doch ausschließlich die aneinandergeschnittenen Jas einer Vorlesung des Medienkunstprofessors. Die ergeben immerhin 6 Minuten bedingungslose Affirmation.

En Detail sieht die Aktion von Christoph Höschele so aus:

Die Studenten einer Vorlesung von Prof. Peter Weibel wurden für die Dauer der Vorlesung gefilmt. Anschließend wurden alle Sequenzen in denen Weibel “Ja” sagte in chronologischer Reihenfolge zusammengeschnitten. das so entstandene Video beträgt 6 Minuten.

Das ganze ist nun auch schon wieder zwei Jahre her, aber dennoch gibt’s nur ein 30 Sekunden Snippet aus dem Gesamtvideo. Lustige Idee – Peter Weibel spricht bekanntlich nicht besonders langsam – dafür hat er zwischen den vielen Jas in der Regel schon eine Menge interessanter Inhalte zu erzählen.

30 sec Videoclip

[via Pete, der sowas ja eigentlich ruhig auch selber bloggen könnte. Ich sag nur: Fernsehen löst Autismus aus. 1. März.]

Siegfried Zielinskis Variantologie

Über die Geschichte des Feuerwerks als öffentliche Aufführung, über mediale Anarchäologien und Variantologie-Forschung sprach Siegried Zielinski heute abend in seinem höchst kurzweiligen Vortrag. Claus Pias, Professor für “Erkenntnistheorie und Philosophie der Digitalen Medien”, hatte den deutschen Kuriositätensammler, wie er sich selbst bezeichnet, im Rahmen seines Seminars Was waren Medien? nach Wien eingeladen.

Zielinski studierte Theaterwissenschaft, deutsche Philologie, Linguistik, Soziologie, Philosophie und Politologie in Marburg, an der FU und der TU Berlin und veröffentlichte in den 70ern seine ersten medientheoretischen Arbeiten, 1989 habilitierte er sich im Fach Medienwissenschaften mit der “Geschichte des Videorecorders”, dem zahlreiche Veröffentlichungen folgten. Derzeit arbeitet er an einer mit einem internationalen und -diszplinären Forschernetzwerk an einer fünfbändigen Reihe mit dem Titel “Variontoloy” – jährlich erscheint bei Walter König ein Sammelband, Band 1 und 2 sind bereits erschienen.

im Hörsaal der 3D des NIG (neues Institutsgebäude) mischten sich StudentInnen KulturwissenschaftflerInnen, um einem kurzweilig charmanten Vortrag zu lauschen, in dem Zielinski unter Zuhilfenahme illustrativer Overheadfolien seine Forschungsinteressen skizzierte.

Seinen Ansatz bezeichnet der Kulturforscher als “operationale Anthropologie”. Ausgehend von Vilém Flusser und Johann Wilhelm Ritter erlärte SZ die Logik der Mediendimensionalität: von der realen 4D-Welt über die 3D-Skulptur, die 2D Zeichung, die eindimensionale Schrift zum 0-dimensionalen Algorithmus verläuft die Logik der Medienentwicklung. Die Medienkunst unterteilt SZ wie folgt:

  1. Kunst vor den Medien
  2. Kunst mit Medien
  3. Kunst durch Medien
  4. Kunst nach den Medien

Diese Einteilungen sind indes keineswegs als strikte Zäsuren zu verstehen: vielmehr bestehen sie nebeneinander und bedürfen einer spezifischen Definition des Begriffs “Medium”: dieses sieht SZ als konstruiertes Erkenntnisobjekt, als, wie er elegant sagt, “Verallgemeinerung”. Für die Kunst “mit den Medien” ist die Technik “notwändige Voraussetzung des Spektakels”. Beispiele dafür wären etwa die in den 80er Jahren populär gewordenen Medienkünstler wie Jodi, Granular Syntheses, Farmers Manual etc.: Code Art verwendet Medien in künstlerischer Intention und als rezeptiven Datenträger. Die “Kunst durch Medien” indes verlässt die Sphäre der Technik als Performanzvoraussetzung: mediale Erfahrung wird hier zur Denk-Voraussetzung der intendierten Rezeptionsform.

(Noch) schwieriger zu definieren ist die “Kunst nach Medien”: gemeint ist nicht der Verzeicht auf dieselben, sondern eine Kunstpraxis, die Medien als Hauptattraktion nicht mehr benötigt. Eine Phase, die für den Medienarchäologen natürlich immens schwierig zugänglich ist – da der Blick zurück eben nur auf die Vergangenheit Licht zu werfen vermag, wir uns aber derzeit am Beginn dieser Phase finden.

Die Beispiele, die SZ aus dem reichen Fundus der abseitigen Mediengeschichte zusammentrug, verblüfften ob ihrer ungewohnten Datierung: welcher gelernte Publizist weiß schon, dass Athanasius Kircher im 18. Jahrhundert von “Röhren” bzw. “Kanälen” fantasierte, die Konzerte über weite Entfernungen transportierten sollten? Oder wer hätte vermutet, dass der arabische Naturwissenschaftler Al Haitam im 13. Jahrhundert ein “Mondbeobachtungsgerät” baute, das verschiedene Linsen enthielt, deren “Erfindung” man im allgemeinen dem Venedig des 15. Jahrhunderts zuschreibt? Ein “endloses Rhizom”, das sich da auftut, wie Wolfgang Pircher anmerkte – oder eben “Forschungen in der Tiefenzeit”, wie Zielinski seine Tätigkeit umschreibt.

Ich konnte natürlich nicht umhin, SZ im Anschluss an den Vortrag nach der Abgrenzung der “Kunst vor den Medien” zu fragen: immerhin transportiert doch jede Kunstform allein schon aufgrund der Notwändigkeit einer abbildenden Permamenz eine Medienbotschaft: dasselbe “Motiv” gemalt mit Ölfarben auf Leinwand oder Bleistift und Papier zeugt von der prä-dispositiven Rolle, die Medien in jeder Form der Kunstvermittlung eben immer zukommt. Und in einem Vortrag, der vom Shannon-Weaver Modell über die Flusser’sche Anthropologie, die McLuhan’schen “Extensions of Man” bis zu Deleuze’s Maschinenbegriff reicht, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Abgrenzung von Medien hin zur bloßen Technik. Doch Universalitätsanspruch und “Medienformel” sind nicht Zielinskis Forschungsinteresse – in der Tat erinnert seine Methode des Recherchierens in der Tiefenzeit an das McLuhan’sche Paradigma der Probes: als Historiker sammelt er Belege, Medienmaschinen und Installationen ohne dabei zu vergessen, dass die “Verallgemeinerung” Medien eine spezifisches Konstrukt bleibt, dessen Exegeten lernen müssen, mit allen den Widersprüchen und der immanten Vielfalt ihres “lebendigen” Forschungsobjekts zurecht zu kommen. Variantologie eben.

Digital DJ Software im Test

Michael Kamleitner hat mich auf einen Test aktueller DJ-Sotware hingewiesen: Dave Girard schreibt auf artstechnica über die Vor- und Nachteile verschiedener Simulationen des Plattendreher-Arbeitsplatzes. Neben den eigentlichen Testberichten von sechs gängigen Programmen enthält der umfangreiche Beitrag auch jede Menge nützliche Infos rund um Theorie und Praxis des digitalen DJ-ings.
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Radikale Töne von Peter Weibel

Peter WeibelDie ORF Futurezone veröffentlichte ein Interview mit Peter Weibel, dem Leiter des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie Köln), das 2008 sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Der Künstler, Kurator und Kulturmanager hat das ZKM als Museum an der Schnittstelle von Kunst und Technik entscheidend mitgeprägt – seit 1999 liefert der internationelen Netzkunstszene Gesprächsstoff mit Ausstellungen wie der legendären net_condition (mit Alexej Shulgins 10 Steintafeln über die Gesetze der Netzkunst). Im aktuellen Interview zeigt sich Peter Weibel als gewohnt kritischer und unkonventioneller Denker.
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The Art of Re-Cut Movie Trailers

Nebem zahlreichen zu leerenden Chamapgnerflaschen hat das Jahresende noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil: das Rolling Stone Magazine veröffentlicht wieder die “Re-Cut Movie Trailers of the Year”.

Aus dem weißen Hai wird ein harmloser Familienfilm, “Heat” verwandelt sich in eine Romanze zwischen Pacino und De Niro, “Citizen Kane” entpuppt sich als der Godfather aller Paten, E.T. bringt die Alpträume und “Shining” wird zur harmlosen Familienkomödie. Absolutes Highlight: Back 2 Future von den Machern von “Brokeback Mountain”:

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datenschmutz Mall – die Einkaufsmeile für reiche Russen, die schon alles besitzen!?

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