Geert Lovink findet, dass es keine relevante Netz-Avantgarde mehr gibt. Ich finde, nach diesem FAZ-Interview gibt es keinen relevanten Geert Lovink mehr. Besonders angetan hat es mir folgendes Zitat:
Es gibt in Deutschland Leute, die man durchaus als Netzavantgarde bezeichnet, etwa die digitale Boheme in Berlin.
Das sind Nachzügler, die erst sehr spät auf den Zug aufgesprungen sind. Die waren in den Neunzigern, als sich das Netz formierte, nicht dabei. Man kann auch von einem Marketingphänomen sprechen.
Dieses grandiose Video lässt die folgende Tatsache nicht länger leugnen: wir schweben mitten in der zweiten New Economy Blase - Prost! Product Manager oder CTO klingt ja auch besser als Burger Guy. Meine Lieblingszeile aus dem Lied, das sich Billy's "We didn't start the fire" ausborgt: "Find yourself an engineer, feed him pizza, buy him beer, give him just a fraction of a fraction of the pie. - Here comes another bubble!"

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Nexuslex hat eine umfangreiche Liste diverser Blogcharts und -toplisten zusammengestellt. Die infamösen Vergleichslisten, mal mit mehr, mal mit weniger Background sind ja bekanntlich ein permanenter Stein des Anstoßes, oder freundlich formuliert: permanentes Work-in-Progress. Oder perpetual beta, wie's im Web 2.0 Kontext so schön heißt. Und damit natürlich extrem medienadäquat, auch wenn die Rückführung des Streites um des Trackbacks Bart (Echt? Nur mit Gütesiegel!) auf konsensuale Moralwerte ein a priori zum Scheitern verurteiltes Unterfangen darstellt...
Das schmälert aber keineswegs meine Freude über meinen Lieblingschartplatz auf Wikio, dort bin ich nämlich just während ich diesen Artikel verfasst auf der 33 gelandet.
Das Bloggeramt listet mich gar auf Platz 9, bei den Topblogs.de steht d/s mit Platz 19 auch noch knapp in den Top Twenty. Dafür bleib ich bei den German Top 50 Blogs (hübsches Design!), bei den Top 100 Business Blogs und beim Blogcounter Schwanzvergleich komplett außen vor. Also alles relativ? Nein, natürlich nicht: die einzige, wahre und letztgültige Wertung gibt's natürlich nur bei den Deutschen Piraten Blogcharts, wo ich derzeit Platz 27 (bzw. 3hoch3) okkupiere.
Mein akut gestiegenes Interesse an Hitparaden hat übrigens einen Grund, der voraussichtlich Mitte Dezember erstmals in einer Sneak Preview gezeigt wird. Ich kann nur soviel verraten: Wissen belastet, Helge, Comdao, Blögger und datenschmutz haben eine kleine Überraschung für die blog-interessierte .at-Öffentlichkeit; mehr dazu asap.
Lanu hat die Liste der ersten echten deutschen Blogger zusammengestellt. Echt bezieht sich in diesem Fall anders als bei Bio-Nahrung nicht auf die heilige Dreifaltigkeit kernig-heimatlich-rustikal, sondern die Autorin vertritt die These, dass jemand, der (auch) anderweitig harte Dollars und/oder Euros mit dem Aneinanderreihen von Buchstaben verdient, kein/e BloggerIn sein kann:
Da die deutschen Blogcharts immer mehr von Journalisten unterwandert werden, die ja bekanntlich keine Blogger sind, sehe ich mich gezwungen, in Kürze die echten deutschen Bloggercharts herauszugeben.
Interessante Idee - und ein gutes Beispiel für Old vs. Newschool bzw. für die völlig unterschiedlichen Konzepte, die hinter dem Begriff Weblog stehen: für manche sind Blogs eben private und vor allem nichtkommerzielle, nicht professionelle Webseiten, während andere darin einfach nur täglich aktualisierte Webmedien sehen. Und spätestens seit Erfolgsstories wie Techcrunch dürfte klar sein, dass Problogs längst fixer Bestandteil im Medienmix sind. Aber warum ich rausgefallen bin, verstehe ich nicht: zumal ich ja Journalist und Werbeheini bin, hebt sich denn das nicht gegenseitig auf?
Übrigens: die neue Ausgabe der dbc ist ebenfalls draußen und Jens wundert sich über Zeitbudgets:
Es ist manchmal absolut unfassbar, mit welchen Dingen manche Leute ihre Zeit vertrödeln. [...] Wie gesagt: ich habe keine Ahnung, warum jemand so viel Energie und Zeit ver(sch)wendet, [...]
Da kann ich nur sagen: think out of the box! Es ist unfassbar, über welches Thema manche Leute ihre Dissertation schreiben.
Facebook sei evil, so ein Video auf Stage6. Quasi direkt dem amerikanischen Geheimdienst unterstellt tue die Seite nix anderes, als Daten sammeln.
Nix gegen Verschwörungstheorien, aber hier ist die media literacy des Users gefragt: was nicht die gesamte (Netz)welt wissen darf, sollte auch nicht auf Social Site Profilen veröffentlicht werden. Und dass sich Seiten, die User-generated Content veröffentlichen, rechtlich absichern müssen, ist auch nichts neues, wie ein User richtig postet:
you should try to look into it yourselves. sounds sort of like what we're supposed to be so afraid of about Facebook maybe? How exactly is a site that is globally accessible supposed to play your videos internationally on-demand without covering their behinds legally???
Anschauen und wundern - und falls Sie sich dann doch bei Facebook registrieren, werf ich Ihnen gern ein Schaf zu:
PS: Dass man zugunsten der Homogenität und Interoperabilität auf Design-Anpassungsmöglichkeiten verzichtet, ist vor allem im Hinblick auf die externen Apps verständlich. Was ich aber wirklich vermisse, sind rewritten profile urls. Das .php?id= hat irgendwie relativ wenig Charme.
SevenOne Austria kaufte vor wenigen Monaten Puls TV: ab 4. Februar 2008 wird aus dem derzeitigen Wiener Stadtsender ein österreichweit empfangbarer vierter Sender mit dem kurzen und prägnanten Titel PULS 4. Bereits vor dem Senderstart gibt's ein Online-Gewinnspiel für alle, die sich schon mal präventiv registrieren - und der Preis kann sich sehen lassen: auf den Sieger der Verlosung wartet ein adäquates Wiedergabegerät für den neuen Lifestyle-Sender:
Der Flachbildschirm Samsung LCD TV R8 bietet mit einer Kontrastrate von 8000:1, 3 HDMI Eingängen und 102cm Bildschirmdiagonale das optimale Fernseherlebnis. Die 600 Watt starke Surround-Anlage bietet zusätzlich noch den vollen Kinosound fürs Wohnzimmer!
Ich finde die Produktionsweise von Puls TV ausgesprochen spannend: wendige 1-Mann VJs filmen, interviewen und schneiden die Beiträge in Personalunion. Diese Produktionsweise soll fortgeführt werden, wie man auf der Pressekonferenz zum Senderstart erfuhr. Die Infos über das Programm sind noch relativ dürftig, Live-Event-Übertragungen und Magazine bilden das Rückgrat, außerdem dürften dank des ProSiebenSat1 Archivs Spielfilme und Serien nicht zu kurz kommen.
Imho höchste Zeit, dass nach ATV ein zweiter Privatsender den österreichischen Fernsehmarkt belebt, denn wir .at-ler waren ja bis in die Neunziger ganz offiziell ein "Medienalbanien" mit rein staatlichem Fernsehen. Dann kam ATV, doch obwohl so gut wie mein gesamter Bekanntenkreis dem Sender durchwegs hohen Unterhaltungswert (Big Up Dominik Heinzl. Und nicht zu vergessen die großartige Ernährungsdomina Sascha W.!) zugesteht, scheint's um dessen Finanzen nach dem geplanten Verkauf der 43% BAWAG-Anteile eher übel zu stehen: und sollte Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratschef Herbert Kloiber die Eigenproduktionsanteile zurückfahren, dann verlören die TV-Kreativen dieses Landes ihren einzigen nicht-staatlichen Spielplatz mit Lizenz zum landesweiten Senden.
In diesem Kontext freut sich sogar die Konkurrenz über den neuen Sender, wie in einer APA-Aussendung zu lesen war:
Im Sinne des dualen Systems freut es uns, wenn es einen neuen Mitbewerber am Markt gibt.
Mit dem "dualen System" meint der Medienökonomie zwar ein friedliches Nebeneinander von staatlichem und privatem TV mit jeweils genau abgesteckten Claims, und nicht den Start eines zweiten Privatsenders - aber wie auch immer: die Österreich-spezifischen Newsinhalte von Pro7 haben dem ORF schon so manchen ZIB-Seher streitig gemacht, und mit dem Know How von SevenOne könnte ein Lifestylesender durchwegs zur ernsten Konkurrenz für die ORF-Magazinschiene werden. (Was sonst? Barbara Karlich zu unterbieten scheint wirklich schwer vorstellbar.) Neugierig bin ich jedenfalls auf das Engagement des neuen Senders im Netz: ATV bietet rudimentäres Kundenservice, der ORF bleibt seinem 1995er Nachrichten-Portal-Style bedingungslos treu - und puls4.com? Man darf gespannt sein...
Blogger schreiben über alle möglichen Themen - die Auswahl bleibt ihnen dabei selbst überlassen. Will man für Buzz innerhalb der Blogosphäre sorgen, dann tut man gut daran, sich der Dienste von Marktplätzen wie Trigami zu bedienen. Oder man kontaktiert Blogger direkt, aber die sind bekanntlich Diven und mögen keine Spam, also wäre Fingerspitzengefühl gefragt. Sonst kommt dabei sowas raus wie die folgende Geschichte.
Dass in letzter Zeit immer wieder mal Post von deutschen Marketingfirmen in meinem Briefkasten landet, daran hab ich mich gewöhnt. Irgendjemand hat letztens einen wirklich nett gestalteten Umschlag verwendet, sehr hübsches Papier und außen mit orangem Zwirn vernäht... an die Aufmachung kann ich gut erinnern, aber die URL hab ich vergessen.
Vor wenigen Tagen allerdings war die Freude grenzenlos, als mir plötzlich ein Rucksackgutschein quasi ins Auge stach. Alles, was ich tun müssen, um die 15 Euro einlösen zu dürfen, sei eine Story über den Taschendealer zu schreiben:

Hmmm... ich weiß ja, dass in Österreich die Zeilenhonorare vergleichsweise gering sind, aber wie kommen die auf die Idee, dass ein Review auf ds 15 Euro kostet? Ich muss zugeben, ich war peinlich bis unangenehm berührt.
Liebe Rucksack- und sonstige Online-Versender: das kommt ehrlich gesagt total eigenartig. (Stichwort: Ebenezer Scrooge) Schicken Sie mir doch einfach so einen Gutschein und schreiben Sie einen Brief dazu, in dem drinsteht, dass Sie sich über eine Erwähnung freuen würden. Dann überleg ich's mir - falls der Shop okay ist. Oder werfen Sie einen Blick auf diese Seite und fragen Sie regulär wegen eines Reviews an. Sonst kommt das total komisch rüber, ehrlich. Egal, was Ihnen Ihre PR Agentur erzählt hat.

Sphere indiziert Blog- als auch Newsplattformen und bietet verschiedene Browser Plugins an. Matthias Bauer hat vor kurzem ein WordPress Plugin veröffentlicht. Sphere Related Content soll ähnliche Beiträge finden - für nicht-englischsprachige Blogs zahlt sich der Einbau derzeit aber keinesfalls aus.
Frage an Radio Eriwan: Was macht Sphere It?
Antwort: Auf deutschsprachigen Blogs im Prinzip nichts. Außer die Ladezeit gewaltig zu verlängern.
So schnell der Einbau gelingt und so gut die Darstellung als schattierter CSS-Layer, der sich über die Seite legt, gefällt: bei der eigentlichen Kernfunktion versagt Sphere im deutschsprachigen Raum völlig. Ich habe das WordPress Plugin in den vergangen zwei Wochen ausprobiert, doch selbst bei Beiträgen mit englischen Begriffen im Titel hieß es immer nur "no related articles found":

Besser gefüllt, aber ohne irgendwelche erkennbaren Zusammenhänge, präsentierte sich die Rubrik "Bloggers talking about this topic". Keinerlei Mehrwert also, dafür eine deutliche Verzögerung der Ladezeit - und deswegen habe ich das SRC gestern wieder deaktiviert.
Schade eigentlich, denn ein solches Tool böte sowohl Autoren als auch Lesern beträchtlichen Mehrwert, der natürlich mit der Qualität und dem Umfang des indizierten Datenmaterials steht und fällt. Während im klassischen Journalismus ein spezifisches Regelsystem und solche Dinge wie Nachrichtenwertfaktoren eine Rolle spielen, finden sich solche Notwendigkeit eines analogen Mediensystems im Internet derzeit bloß als Transitionsphänomen wieder: wenn die Technologie das Auffinden einer Multitude von Standpunkten erlaubt, ist das ohnehin fragwürdige Projekt der "Objektivierung" eigentlich gar kein erstrebenswertes Ziel mehr. Dies gilt für Blogger, die ja funktional betrachtet keineswegs Journalisten sind, umso mehr: nicht umsonst spielen Vernetzungsfunktionen wie Trackbacks eine so wichtige Rolle in Blogistan.
Im anglo-Netz funktioniert Sphere bereits jetzt recht gut - wer ein englischsprachiges Blog betreibt, könnte mit dem Plugin durchaus etwas anfangen.
dsully: Bitte erklären Sie mir in 2 Sätzen, was Web 2.0 ist.
jwb: Du produzierst die gesamten Inhalte. Sie behalten alle Einnahmen. [übersetzt, via: bash.org]
Vorgestern wurde am sandbeschütteten Gelände des Wiener Eislaufvereins tiefseeiges präsentiert: Nullzeit, das neue österreichische Tauchermagazin, rief zur Premierenfeier. Danach lud Vice in den Project Space, um die Erstausgabe des Österreich-Ablegers gebührend zu befeiern. Beide Magazin sind gratis erhältlich, auf hochwertigem Papier gedruckt und aufwendig bebildert. Einmal geht's um alle Aspekte des Tauchsports und einmal um kollektive Trend-Exploration.
Das Riepl'sche Gesetz kickt wieder mal mit voller Wucht ein: der Mann postulierte zu Radiozeiten, dass neue Medien alte nie vollständig verdrängen, sondern deren Funktionen verändern:
In seiner Dissertation über Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer stellte Riepl fest, dass eingebürgerte Medien "niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden [...], sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen. (Wikipedia)
Wie so viele Gesetze der Publizistikforschung fast eine No-Na Meldung; zumindest die Funktion, musealer Ausstellungsgegenstand zu sein, wird jede überkommene Medientechnik behalten... aber genug geschweift: das Internet verdrängt Printmagazine nicht nur nicht, neue Vertreter der Spezies blühen auf, und alle gibt's für lau. Das wiederum ist wohl ein direkter Effekt der Aufmerksamkeitsökonomie und gibt irgendwie jenen Outlaws moralisch Recht, die sich immer schon die Kronenzeitung am Sonntag aus dem Ständer geklaut haben und sich hartnäckig weigern, ORF-Gebühren zu bezahlen.
Ein dediziertes Tauch-Magazin gab's in Österreich bislang nicht: Nullzeit schließt diese Lücke und berichtet von tiefblauen Erlebniswelten. Das Projekt finanziert sich über Werbung, Hobbytaucher bekommen ihre Ausgabe gratis:
Es ist Zeit für ein österreichisches Wassersportmagazin, das sich sowohl an Taucher wendet, aber auch an Bootsfahrer, Windsurfer und Kiter. Und genau das bietet das neue nullzeit Magazin. Es wurde von Tauchern, Seglern und Surfern für die uns wichtigsten Menschen geschrieben - eben Sie, unsere Leser. Jeder, der gerne eine gedruckte Ausgabe in Händen halten möchte, kann nullzeit Magazin ab dem 1. Juli 2007 im gesamten österreichischen Wassersporthandel, bei ausgesuchten Vereinen, Fitnesscentern und Schwimmbädern in ganz Österreich finden.
Neu ist die Zeitung nur auf Papier. Als eMagazin erfolgte der Launch Mitte Mai, ab sofort gibt's Nullzeit zweimonatlich im Print, die PDF-Ausgabe wird weiterhin im Netz veröffentlicht. Das kleine Format lässt nicht allzu viel Spielraum für spacy-Layouts, die Optik ist aber insgesamt recht gut gelungen. Selbst bin ich zwar gerne von Wasser umgeben, allerdings kein Taucher - trotzdem liest sich die Ausgabe interessant, enthält tolle Fotos und informiert über so exotische Zeitvertreibe wie das Apnoe-Tauchen, wo es darauf ankommt, möglichst lange ohne Ausrüstung unter Wasser zu bleiben.
Zur Tauffeier des neuen Verlagskindes am vergangenen Mittwoch kam auch Prof. Dr. Hans Hass, der gemeinsam mit seiner Frau nicht nur das moderne Gerätetauchen begründete, sondern in seinen faszinierend Dokus diese schwerelose, blaue Unterwasserwelt Millionen Zusehern näher brachte - ich kann mich noch gut an seine Aufnahmen erinnern, die mich als Zehnjährigen unglaublich faszinierten.
Ebenfalls als Nummer eins und auch gratis neu am österreichischen Printmarkt: das Vicemag. Niko Alm gibt heraus, Stefan Häckel chef-redaktioniert. Vice ist bereits in zahlreichen Ländern zum beliebten Lifestyle-Kompagnon geworden, verbindende thematische Klammer sind Trends:
Was vor zwölf Jahren als Subkultur-Fanzine begann, ist mittlerweile zu einem der einzigartigsten Medienunternehmen der Welt geworden. Vice ist das erste kostenlose international verbreitete Lifestyle- und Szene- Magazin der Welt, mit einer derzeitigen weltweiten Auflage von 866.000 Exemplaren, davon 100.000 in Deutschland. Die Vice-Leser erkennen neue Trends, machen sie sich zu Eigen, und stellen so auf der ganzen Welt die Weichen in Sachen Style und Kultur. In der Marktforschungsanalyse The Cassandra Report wurde Vice in den letzten drei Jahren als der No. 1-Trendsetter-Titel genannt.
Schräge Fotos, lockerer Schreibstil und keine Berührungsangst mit schwierigen Themen machen Vice zu einer Art FHM für die Dibo-Generation, überzeugen kann man sich davon am zugehörigen Blog, Zitat:
Wenn du denkst, dass konzeptionelle Kunst Gewichse ist, dann holt sich Martin Creed gewaltig einen runter. Er hat vor ein paar Jahren den Turner Preis für die Installation 'The lights going on and off' gewonnen. (Interview mit Martin Creed
Neben Kunst und Kultur kommen auch politische Themen, eben Vice-mäßig aufbereitet, keineswegs zu kurz:
Woher kommt Kokain, und wer baut das Zeug an? Niemand, denn in Bolivien werden Koka-Blätter angebaut, nur wir Deppen im Westen machen Blow draus. Der fesche VBS-Korrespondent Trace Crutchfield ist nach Bolivien gefahren um sich dort umzusehen. Und ja, er trifft sogar Evo Morales. Fünf Episoden knallharter Journalismus warten auf euch. (Bolivian Marching Power)
Ein Teil der Inhalte wird für die Österreich-Ausgabe produziert, ein Teil syndiziert. Die englischsprachigen Artikel können die hierzulande eher düstere Fremdsprachensituation tendenziell nur verbessern und zeichnen sich ebenso durch Wortwitz aus, der allerdings bei weitem nicht so verkrampft-bemüht wirkt wie beim FHM. Außerdem richtet sich Vice thematisch zu etwa gleichen Teilen an Männlein und Weiblein.
Am besten in der ersten Ausgabe gefielen mir das Interview mit dem Verteidiger Saddam Husseins und die Story über den erfolgreichen Verkauf diverser Exkremente und natürlich die Fixrubrik "DOs and DON'Ts", in der die große Kunst des Fauxpas zelebriert wird. Vice ist gratis in ausgewählten Shops erhältlich.
Legendär sind die nur mit Einladung betretbaren Vice-Parties bereits in anderen Ländern; und das werden sie hierzulande auch ganz schnell werden. Super Line-Up auf zwei Floors, viele, viele hübsche Menschen beiderlei Geschlechts (yeah! I did it! Ich hab nicht Partygirls geschrieben!) und Gratisdrinks: diese Antithese zur überteuerten Landdisco kann einiges. Wer beim nächsten Mal dabei sein will, muss sich rechtzeitig eine Einladung über die Vice-Homepage sichern. Kost' nix, wie so oft im Leben muss man nur zur richtigen Zeit am richtigen (virtuellen) Ort sein.
Am Mittwoch jedenfalls erbebten die zwei Floors des Projekt Space unter den mächtigen Bässen von Imatra Voima, Pungent Stench, The Killians, DJ Pure, Wolfy & Jim, Reznik & Nic Jagger sowie Felix the Houserat und Paul Raal. Absolut Vodka floss dabei in Strömen - die einzig wirkungsvolle Strategie gegen die Hochtemperaturen am bisher heißesten Abend des Jahres. Gelungenes Erstlingsheft, perfekte Party. Vice rockt.
Okay, nicht ganz neu, das Heft trägt aber erstmals in schickes grasgrünes Westerl und schreibt in der topaktuellen Ausgabe Nummer #77 schwerpunktmäßig über Tirol ("Piefke Sage Revisited"), Testosteron-Legende Hugh Hefner (Untertitel: Pornopop-Schickschnack. Gestern: Playboy. Heute: ein anachronistischer alter Herr der Softsexindustrie.), Philippovitsch Quehenberger und David "Twin Peaks suckt" Lynch. Die Kolumne, die Sie, lieber Leserin, natürlich längst hier gezogen (aber nicht inhaliert!) haben, ist natürlich auch mit dabei. Und dieses runde Paket gibt's völlig umsonst an der Popchronik-Ausgabestellen Ihres Vertrauens und in der Premium-Version (für die Non-Ballungsgebietler) auch käuflich erwerbbar bei Dealern bunt bedruckter Papiere.
| 23. Juni 2007 | ||
| 18:00 | bis | 23:00 |
Mika lädt zum Wiener SEO Stammtisch - am 23. Juni treffen sich übliche und unübliche Un- und Verdächtige an einem noch nicht näher bezeichneten Ort, um der gemeinsamen Sklavenarbeit Passion SEO gesprächlich zu huldigen. Update: der Stammtisch wurde leider abgesagt.
Und weil's um SEO geht, statt einer Runde hier mal gleich ein PR5 Backlink für alle bisher Angemeldeten:
Von wegen Online-Medien und flüchte Informationsaufnahme: unter dem Namen "The Long and the Short of Media" berichtet Steve Rubel über die neueste Augenbewegungs-Studie ("Eye Tracking") von Poynter. Überraschendes Ergebnis: online lesen die Konsumenten im Durchschnitt länger an ein und denselben Text.
Eye-Tracking erfreut sich als indirekte Meßmethode der Mediennutzung recht großer Beliebtheit - anstatt Angaben über sein Verhalten zu machen, wird der Aufmerksamkeitsfokus gemessen - die Werbeindustrie ermittelt mit derselben Methode "Hotspots" auf Kontaktflächen. Vermessen hat Poynter 600 Probanden:
That was the predominant behavior of roughly 600 test subjects -- 70 percent of whom said they read the news in print or online four times a week. Their eye movements were tracked in 15-minute reading sessions of broadsheet, tabloid and online publications. Evidence from these sessions revealed how long readers spend with the stories they pick, as well as a host of other details about reading patterns.
Steve Rubel findet die Ergebnisse überraschend, zumal gerade Onlinern idR eine besonders kurze Aufmerksamkeitsspanne zugeschrieben wird:
They found that people read farther into online stories (77%) more than they do when perusing print (roughly 60%). [...] If a client appears at the bottom of say an AP news story that runs online, it's actually more valuable than the same story that runs print.
Hier geht's zu den Slides der Originalpräsentation.
Mycorners nennt sich eine neue Social Networking Plattform, die sich ganz nach dem Vorbild von Xing (ehemals openBC) in erster Linie an Business-User richtet. Die Plattform befindet sich in der Startphase - im Gegensatz zu Xing muss man für simple Private Messages an Mitglieder nichts bezahlen, im übrigen hinterlässt mycorners einen recht aufgeräumten Eindruck bzw. ein Deja Vu.
Noch bietet die Plattform nicht viel mehr als die Kernfunktionen zur Profilverwaltung, Kontaktsuche und -managment und erinnert stark an historische openBC Zeiten. Allerdings wird der Umfang nicht lange so minimalistisch bleiben. Der About-Text zeigt die Richtung auf, in die's gehen soll:
Das Konzept: Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur richtigen Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort. myCORNERS stellt dazu das soziale Netz und die technologische Infrastruktur bereit.
[...]
Kostenfrei können Nutzer gezielt bestehende Kontakte verwalten, neue Kontakte knüpfen und untereinander kommunizieren.
[...]
Weder für die Registrierung noch für die Nutzung der Funktionalitäten fallen Kosten an.
Vorgenommen haben sich die Betreiber der Plattform natürlich einiges - konsequente Mehrsprachigkeit und die spätere Integration von Premium-Diensten gehören dazu. Wie's derzeit ausschaut, werden aber zumindest die Basisfunktionalitäten kostenfrei bleiben. Welche Premiumdienste geplant sind, darüber gibt's noch keine Infos:
myCORNERS hat sich zum Ziel gesetzt eines der führenden Social Business Netzwerke Europas zu werden. Geplant ist die Mehrsprachigkeit der Plattform sowie das Angebot von Premium-Diensten (dritter Anbieter), die den Mitgliedern über das kostenlose Kontaktmanagement hinaus erheblichen Mehrwert bieten.
Diskussionsgruppen und Foren á la Xing sind in Planung, derzeit wird nach potentiellen Moderatoren gesucht. Ein derartiges Netzwerk steht und fällt natürlich mit der Zahl der registrierten Mitglieder, und eigentlich hätte ein Newcomer kaum eine Chance gegen den Platzhirsch. Da Xing allerdings selbst die auf jedem noch so popeligem Forum verfügbare Messaging-Funktionalität seinen zahlenden Kunden vorbehält, schafft der Marktführer tatsächlich selbst einen guten Grund, zur Konkurrenz zu wechseln.
Ich hab mich jedenfalls mal registriert, mein Profil angelegt und bin neugierig, wie sich mycorners entwickeln wird.
Update: Den genau umgekehrten Weg geht die neue Plattform mit dem leicht satirisch klingenden Namen MyVitaminB. Wie das Netzwerkblog berichtet, erwarten die Betreiber entweder EUR 15,- Monatsmitgliedschaft für "High Potentials", oder man wirft pro Aktion (Message, Kontakt hinzufügen) Münzen ein. Könnte schwierig werden bei zunehmender Gratis-Konkurrenz, bis zum Ende des Jahres die angepeilte Viertelmillion UserInnen zu erreichen.
blogdialog - eine fiktives Gespräch zweier Blogger zu Themen, die die Welt beherrschen oder vielleicht mal werden. Thema des Premieren-Dialogs ist die erste österreichische Social-Networking Community 7just7, Europas Antwort auf mysapce & Co. Hinter A verbirgt sich Peter Balon von netzonfire, die B-Parts hat ritchie pettauer, der Autor dieses Blogs, geschrieben.
Der Text wird auf beiden Blogs publiziert - unser asynchrones Gespräch führten wir via E-Mail. Wird nicht unser letzter Blogdialog gewesen sein, viel Vergnügen mit unserem asynchronen E-Mail Chat.
A: Vor wenigen Tagen lese ich in einem Fellner-Blatt, dass es in Österreich eine Social-Networking Plattform gibt, die laut eigenen Bekunden "Europas Antwort auf myspace & co" sein will. Aha, denk ich mir, starke Ansage. Noch nie was davon gehört: 7just7? Der Gründungsmythos (sowas brauchts) besagt ja, dass der Eine gefragt hat "wie nennen wir es denn?" und der Andere geantwortet hat "7, einfach 7". Soweit so gut, fertig ist die Social Networking Plattform.
B: Gründungsmythen spielen ja eine beträchtliche Rollen - manche davon überleben ja bekanntlich die Startups... ich muss zugeben: "Österreich" macht mir Angst (die Tageszeitung immer, das Land nur fallweise). Aber was soll's, ein Login mehr wird schon niemandem schaden Also registriert man sich halt mal probehalber - obwohl ich ja eigentlich dachte, dass sich Web 2.0 Anwendungen durch klare Botschaft umd simple Präsentation auszeichnen.
A: Begibt man sich auf zu 7just7, sieht man folgendes vor sich: ein bisserl Myspace, ein bisschen Youtube, ein bisschen Flickr, ein bisschen Facebook, ein bisschen Upcoming.org, etc.. also von allem ein bisschen etwas und es scheint so, als das bisschen eigentlich zu viel des Guten ist.
B: Jedenfalls treten bei der Präsentation der Startseite Klicküberlegungen mal klar zu Tage: ganz oben stehen natürlich die "Partypics". Seiten mit Fotogallerien diverser Tanzevents scheinen sich in Österreich ja zu einem der wenigen profitablen Online-Only Geschäftsmodelle entwickelt zu haben...
A: Jetzt stellt sich mir gar nicht mal die Frage, ob ich 7just7 gut oder schlecht finden soll sondern es überkommt mich eher die Befürchtung, ob da nicht irgendwer irgendwas grundlegend falsch verstanden hat. Und da geht's dann wieder ganz schnell zur Überlegung, was eine Web 2.0 Plattform sein soll, können muss bzw. nicht sein soll.
B: Naja, Sex-Appeal haben eben... und User anziehen. 7just7 wendet da eine eigenartige Strategie an: die Hässlichkeit und Inhomogenität von myspace, kombiniert mit der Unübersichtlichkeit einer All-inclusive Eventplattform plus Videocommunity? Ein kurzes Warum-Statement auf der Startseite wär hilfreich. Oder setzen die Betreiber komplett auf den Hype per se, sodass sich die alte Frage "Was biete ich den Kunden eigentlich an?" womöglich gar nicht mehr stellt...
A: Also was macht eine Plattform der neuen Generation aus? Genügt es, wenn wir alle Buzzwords wie "user generated content", "Community", "Ajax", "Beta", etc.. in den Topf schmeissen, umrühren und dem Ergebnis einen "lustigen" Namen geben? Ist das Web 2.0? Hat das was mit Social Networking zu tun?
B: Rip-Offs sprießen - und in einigen wenigen Bereichen mag das ob der Sprachbarriere auch Sinn machen. Ein Yigg für deutschsprachige Nachrichten, Mr. Wong für deutschsprachige Bookmarks... bei solchen Social-Bookmarking/News Plattformen macht eine sprachspezifische Variante durchaus Sinn - aber der Kern einer Web 2.0 Anwendung ist die Idee für ein Service, das sich (nur) mit den typischen Web 2.0 Technologien entwickeln lässt: FlickR erlaubt komfortablen Umgang mit Fotos, myspace dient Musikern als Präsentationsplattform... all diese Projekte leben von einer gewissen Art "kritischer Masse", und von einer gut umgesetzten Idee. Aber was will 7only7 eigentlich für seine User tun? Das bleibt schleierhaft.
A: Bei 7just7 finde ich keine Antwort darauf und ob es überhaupt eine europäische Antwort auf Plattformen amerikanischer "Herkunft" braucht, bezweifle ich. Ein bisschen Cloning, würde der Sauer von Phlow dazu sagen. Ja, wenn schon Cloning, dann bitte noch halbwegs erträglich.
B: Naja, ist halt mal eine andere Interpretation des Begriffs Mashup...
A: Ja. Aber ist es nicht auch ein Problem des kollektiven "Kawumms", der einem so entgegen schießt. Wenn ich so nachdenke, nutze ich Social Bookmarking Seiten so gut wie nie. Ich geh da schon gezielt zu einer Seite und überhaupt, trau ich da dem Kollektiv nicht wirklich so. Aber wahrscheinlich ists eine Frage des Zugangs. Wenn ich Fun haben will oder irgendwas über die Hilton lesen will (ich hoff, ich komm nie in die Situation;), dann sind die Seiten wahrscheinlich ein guter Anlaufpunkt, weil: was die meisten Leute am lustigsten finden, finde ich auch lustig. Oder auch nicht. Wenn ich fundierte Infos haben will, dann vertraue ich schon lieber meiner eigenen "Intelligenz", als der Kollektiven. Weil wenn du zB yigg hernimmst, lesen die meisten User wahrscheinlich jene Artikel, die am öftesten "geyiggt" wurden. Also wie bei myspace. Je mehr Freunde du hast, desto höher dein Ranking, ja vielleicht sogar dein "realer" sozialer Status. Und da begegnet mir dann oft der Begriff, um den sich ja genauso viele Mythen ranken: Community. Ich mein, ohne Community geht's einfach nicht mehr. ZB 7just7: "Jeder kann gebührenfrei eine eigene Community gründen".
B: Das ist wirklich eine fast so gute Formulierung wie das tatsächlich in Marketingbesprechungen von Ohrenzeugen vernommene Statement "Lasst und Web 2.0 Content einkaufen - ich kenn einen guten Anbieter." Vielleicht sollte man mal ein Community-Projekt launchen, dessen Alleinstellungsmerkmal allein darin besteht, dass man nur gegen Gebühr seine eigene Community gründen kann. Wer nicht zahlt, zählt nicht. Oh. Moment. Second Life gibt's ja eh schon... Aber im Ernst: ich seh das mit der kollektiven Intelligenz ganz genauso. Vom SEO- oder Marktforscher-Standpunkt aus mögen solche Tools eine gewisse Relevanz besitzen. Doch die Versprechung, über kollektive Filterung die interessanten Perlen rauszupicken, kann nicht funktionieren - wenn dieses Prinzip sich durchgesetzt hätte, dann sähen die Hitparaden, die Kino- und Büchercharts wohl ganz anders aus. Aber eines unterscheidet Yigg und Co. schon ganz gewaltig von ihren US-Pendants: bei Yigg reichen die Mobilisierung von 30 Kollegen, um eine Nachricht kurzfristig an die Spitze zu pushen - dementsprechend minimal ist auch die Resonanz, während hinter Digg durchaus tausende Bewertungen stehen, was dem ganzen zumindest eine gewisse Repräsentativität verleiht. Und so crappy myspace technisch daher kommt: die kritische Masse macht's dann doch wieder irgendwie interessant. Aber mir ist völlig schleierhaft, warum 7just7 diese jemals erreichen sollte - naja, vielleicht rückt Medienprofi Fellner bei seiner nächsten Abo-Aktion ja einen Gutschein für Österreichs beste Gratis-Community raus.
Kochtopfökonomie nannte der indische Ökonom Rishab Aiyer Ghosh 1998 seine Metapher für neue Marktstrukturen im Internet. Jeder wirft was in den Pot-au-feu, und am Ende köchelt eine schmackhafte Suppe vor sich hin. Aber die TAZ bezweifelt, dass die Suppe jene satt macht, die vorher was reingeworfen haben.
In der Tat klingt die Vorstellung, dass alle Arbeitskräfte willg und unbezahlt für den Besitzer des Topfes arbeiten, ohne irgendwelche Beteiligungen am Endprodukt zu ewarten, wie der feuchte Traum eines jeden Turbokapitalisten. In seiner vielzitierten Veröffentlichung verglich Ghosh die Strukturen der Open Source mit dem freien Austausch im Netz:
Mit der Metapher der "Cooking Pot Markets" beschreibt Ghosh eine Form der Marktökonomie, die sich nicht am kapitalistischen Modell von Angebot und Nachfrage orientiert, sondern in der Geschenk und freier Tausch, Aufmerksamkeit und persönliches Ansehen zentrale Kategorien darstellen. Die Metapher bezieht sich auf das Bild einer kleinen dörfliche Gemeinschaft, in der gemeinsam gekocht wird, sodaß durch die Zutaten der einzelnen (z. B. Hühnchen, Kartoffeln, etc.) ein reichhaltiges, schmackhaftes Essen entstehen kann. Das Bild des freien Austauschs und der gemeinsamen Nutzung wird nun auf das Internet angewandt, wo gleichfalls ohne Geldverkehr Programme, Texte und andere Inhalte ausgetauscht werden und wo diese Art der freien Verteilung auch der gesammten Gemeinschaft zugute kommt
Was in der Theorie tatsächlich gewissen Sex-Appeal hat, hält einer kritischen Hinterfragung allerdings kaum stand: denn der Habermas'sche ideale Diskurs soll ja frei sein von Herrschafts- oder Besitzstrukturen, und davon kann in Zeiten hegemonistischer Servicemonopole wohl in der Tat keine Rede sein. Amazon etwa möchte gern alle Rechte an den Rezensionen, die Kunden auf der Seite des Händlers veröffentlichen, die neuen Besitzer von youtube denken nicht über kulturellen Benefit, sondern über geschäfts-ermöglichenden Umgang mit Copyright nach. Quasi wöchentlich versucht die Musikindustrie, Teenager abzumahnen, einzusperren und ihren Kunden ein kriminalisiertes Selbstbild einzuimpfen.
Wo fremde Eigentumsrechte unter allen Opfern zu respektieren sind, da hat das eigene Recht am Werk allerdings freudig abgegeben zu werden an Akteure, deren Ziel ganz klar die Gewinnmaximierung ist. Kollaborative Arbeit bräuchte selbstverwaltete Plattform - gegen die Monopolisierungstendenzen des Web 2.0 wirkt der ohnehin ergebnislose Microsoft-Prozess retrospektiv geradezu wie Much Ado about Nothing. Die TAZ sieht in den Strukturen des Web 2.0 und vor allem in der Begeisterung über die Partizipation eine genuin neue Machtverschiebung zwischen Produzent und Konsument:
Das kostenlose und freiwillige Abschöpfen von Kopfarbeit hat jetzt durch das Web 2.0 ein ideales interaktives Medium. Web-2.0-Communities werden von Unternehmen nicht nur etabliert, um die Akzeptanz ihrer Produkte ohne aufwändige Marktforschung besser einschätzen zu können. Sie sind so auch in der Lage, wie beispielsweise die Firma Lego, ihre Entwicklung zu rationalisieren, indem sie Konsumenten in die Produktentwicklung einbeziehen. Warum viele Designer, Kreative, Ideengeber oder Programmierer beschäftigen, wenn die Freaks weltweit auch freiwillig tätig werden und dafür nur ein "Vergelt's Gott" verlangen - heute in der zeitgemäßen Form eines Awards oder einer Namensnennung auf dem mitentwickelten Produkt ("Co-designed by Willi Müller").
Chris Andersons Longtail Effekt kann in diesem Sinn auch verstanden werden als unerfüllbare Marketing Fata-Morgana: die Scheingrenzen zwischen Anbieter und Kunde verschwimmen, jeder kann selbst mit seiner Homepage im Monat 5 Werbeclicks generieren und zwar nicht reicht werden, aber locker 20 Cent die Woche verdienen. Für die TAZ fällt auch die Aggregation von Wissen in diesen Bereich:
In diese Kategorie fallen auch Internetfirmen, die vorhandenes Wissen aggregieren und daraus ein neues Produkt generieren. Dies ist im Kern auch das Geschäftsmodell Google.
Klar ist andererseits aber auch: erst die Aggregation und die Indizierung des vorhandenen Wissens macht dieses auch nutzbar. Der Bibliothekseffekt multipliziert sich, nur dass die Bibliothekare nicht im Dienste der Allgemeinheit arbeiten, auch wenn sie nicht müde werden, dies zu behaupten. Suchalgorithmen erfordern ja nicht bloss komplexes Wissen, sondern die Gestaltung einer funktionierenden Infrastruktur ist mit gewaltigem Hardwareaufwand sowie enormem Datenverkehr verbunden: wo die scheindemokratische Internet-Zone ihre Rückkopplung an harte ökonomische Realitäten erfährt, wo "Interessen von Rechteinhabern gefährdet sind", da zeigt sich eben ganz schnell, wie dünn die Illusion eines demokratischen Netzmediums das Internet als Katalysator einer Corporate World übtertüncht. Aber keine Sorge, liebe Apologeten: es findet sich immer ein Nicolas Negroponte, der auf diversen Konferenzen gegen exzellente Bezahlung nicht müde wird, die Logik der Aufwärtsspirale einmal mehr zu beschwören.
the gap feiert dieser Tage den 10. Geburtstag. Für das gestern erschienen Jubiläumsheft hat Werner Reiter wie berichtet zu einer Diskussion über das Schlagwort Web 2.0, über Copyright, partizipative Medien und neoliberale Märkte eine, wie man so schön sag, illustre Runde eingeladen. Hier nun der aus der Diskussion entstandene Artikel im Volltext. Werner ist damit auch der erste Gastautor auf datenschmutz - viel Vergnügen mit diesem multi-facettierten Text; wir sind beim Diskuttieren natürlich ganz schnell vom 100sten ins 1000ste gekommen, aber lesen Sie selbst:
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