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Zwei recht unfreiwillig recht komische Videos

Das Frouwenbild der ÖVP TirolDer ÖVP sagen FeministInnen nicht ungern nach, sie pflege ein konservatives Frauenbild. Dieser Unterstellung tritt nun zumindest die ÖVP ebenso nachhaltig wie wacker mit einem jetzt schon zeitlosen Klassiker der österreichischen Polit-Video Kultur entgegen. “selbst. bewusst. sein.” lautet der Titel dieses Rauchpausen-füllenden Flatscreen-Meisterwerks, das ein für allemal beweist: die ÖVP Tirol hat kein konservatives, kein modernes, sondern ein postmodernes Frauenbild. Ein kleiner Tipp für die nächste Viral-Video-Produktion: das Intro ist ein wenig lang geraten – im Internet schauen die Menschen nix, das länger als 6,3 Sekunden dauert, aber man könnte ja einige der Rollen kombinieren: wie wär’s denn mit der “erotischen Gepäckträgerin”, der “geduldigen Checkerin” oder der “ersten taxifahrenden Geschäftsfrau”? Warnung des Übelkeitsministers: 1:12 bis 1:38 keinesfalls auf nüchternen Magen ansehen! Weiterlesen

Blogparade: Wann ist man jemand im Web?

Anlässlich des Kick-Offs der Eventreihe TwentyTwenty – exploring the future rufen die Organisatoren zu einer Blogparade auf: die Beiträge sollen Geert Lovinks Vortrag und die nachfolgende Diskussion im Radiokulturhaus ergänzen. Ich habe die Ehre und das Vergnügen, mit Moderator Martin Mühl, Falter-Redakteurin Ingrid Brodnig und dem altgedienten nettime-Haudegen himself die Bühnenbretter des Radiokulturhauses zu teilen und hoffe, dass die passende Identität kommenden Mittwoch aus dem Waschsalon zurück ist, denn: Netzkritik ist angesagt!

Geert hat nämlich auch schon begonnen zu schirrmachern und sich in alter Netzaktivisten-Tradition am 31. Mai 2010 freiwillig das Facebook-Leben genommen. Ein Netz-Verweigerer ist er deswegen keineswegs, sagt er: “The future is not some alien invasion from outside but is shaped by everyone. The future is inside us.”

Die Frage sei bloß: wer kontrolliert, wer strukturiert das Ich 2.0? Ich warte noch bis Mittwoch auf die ultimative Antwort und unternehme im Vorfeld mit Ihnen, verehrter Leser, einen Ausflug in die Vergangenheit, und die dauert – so viel Vorwegnahme muss ein – immer noch an. Schon wieder. Aber man kann’s nun mal nicht allen Recht machen: Us and them, wir und die anderen, Innen und Außen, ich und die Welt, darum dreht sich’s. Die Medien sind neu, die Frage nach der Identität bleibt hochgradig identisch, mehr ganz- als teilüberlappend.

Wann ist man “jemand” im Web? lautet die, wie sich’s für eine anständige Blogparade gehört, vergleichsweise einfach formulierte Frage. “Ab 1994″ gilt nicht, also:

Man ist jemand im Web, wenn ein anderer, von dem man glaubt, dass er jemand im Web ist, glaubt, man sei jemand im Web. Weiterlesen

Blogistan Panoptikum KW48 2008

Blogistan Panoptikum KW48Hans-Peter hat ein geekiges Geburtstagsgeschenk bekommen, Max bringt Österreich auf den Punkt, Peter und Dan finden kein Quantum Trost beim neuen Bames Jond. Und ich? Ich sitze mitten im schwer verschneiten Lienz und muss sagen: Respekt an die Jungs vom Stadtmarketing! Einen halben Meter Schnee direkt zur Eröffnung des Adventmarkts zu organisieren ist eine durchaus respektable Leistung.

AUA, ORF, Post: Massen entlassen?

“Jetzt geht’s rund!” sagte der Kanarienvogel und flog in den Ventilator. Leider gibt’s wohl keine Ventilator, der für die neue Regierung groß genug werde, aber mal ehrlich: ich beneide die Next Generation an Faymännern und Prölls nicht: es ist vollkommen egal, was diese Regierung wirtschaftspolitisch tut, aufgrund der prognostizierten Rezession wird das Ergebnis beim “kleinen Mann” Unmut hervorrufen und Strache bei der nächsten Wahl womöglich gar in Regierungsverantwortung zwingen. Wobei ich zugeben muss, dass mir ein Gedanke, den der Neo-Kanzler-to-be letzthin äußerte, auch schon gekommen ist: Wenn der ORF 1000 Leute entlassen und den gleichen Betrieb aufrechterhalten kann, dann arbeiten dort wohl 1000 Leute zuviel. Nun zeigt sich eben überdeutlich, dass der Wechsel der Unternehmensführung im Wahlrhythmus nicht gerade förderlich für Kontinuität und nachhaltige Entwicklung ist. Es wäre an der Zeit, die Aufgabenteilung zwischen Staatsfunk und Privatsendern neu zu überdenken, meine ich: aber in diesem Land herrschen bekanntlich implizite Dogmen, die echte Weiterentwicklung wenn nicht unmöglich, so doch sehr unwahrscheinlich machen. Den besten Beitrag zu solchen gehäuft auftretenden Dilemmata habe ich bei Max gelesen: in AUA, ORF und der Mut zur Zukunftsgestaltung schreibt er:

Genau das ist es was ich in Österreich vermisse: Ideen und den Mut zur Diskussion!
Wann wachen wir endlich auf und fangen an zu agieren anstatt zu reagieren? Wo ist der Mut zur Zukunftsgestaltung geblieben?
Die Chance der Politik die Zukunft aktiv, zu Gunsten der Menschen zu gestalten, war noch nie so groß wie jetzt, wenn dieses Fenster nicht genutzt wird es sich für sehr, sehr lange wieder schließen.

Die Twitter-Bank erhöht den Leitzins

Unter 10k geht gar nix mehr. Allerdings erspart sich eigene Recherchen nach dem mystischen Urgrund des Microbloggens, wer bei Dans Who to follow on Twitter reinguckt:

A quick Google search of top 10 twitter folks brought up a number of names that I’ve already heard of, regularly read, and/or know at least something about. I like to think of these folks as the movers and shakers of twitter.

Icahn erhöht Yahoo-Anteile

Während Yahoos CEO in letzter Zeit nicht gerade durch überbordenden Enthusiasmus von sich reden machte, erhöhte Carl Icahn, Mitglied des Verwaltungsrates von Yahoo und hauptberuflicher Milliardär, seinen Anteil um weitere 6,7 Millionen Yahoo-Aktien. Er hält nun insgesamt 5,4 Prozent des Unternehmens: dass er im Rahmen der gescheiterten Übernahme von Yahoo! durch M$ saftige 900 Millionen verloren hat, dürfte ihm gefallen haben, ganz getreu dem Motto: Yes, I cahn!

Die Weste säubern

Ist der Ruf erst ruiniert, dann helfen 10 Online Tools, die bei den Blogpiloten vorgestellt werden:

Zahlreiche Angebote haben sich darauf spezialisiert, gegen Bezahlung negative Berichte zu suchen und zu entfernen. Mit kostenlosen Testversionen kann man häufig probieren, ob die Online-Dienste wirklich mehr finden als kostenlose Suchmaschinen – und somit ihr Geld wert sind.

SEO-News der Woche

Die SEO-Wahlen 2008 sorgen allerorten für Kopfschütteln: aber Jahrmarkt der Eitelkeiten hin oder her, die Initiatoren haben mit minimalem Aufwand ein Flut von Incoming Links erzeugt: insofern ist die Mission Selbstbeweihräucherung in pragmatischer Hinsicht auf jeden Fall gelungen.

Was taugt die Site-Abfrage?

Fragt SEO-United.de und gibt eine Antwort, die an die gute aller Pillar-Posting-Theorie gemahnt:

Natürlich sollte die Anzahl der indexierten Seiten in einem gesunden Verhältnis zur tatsächlichen Anzahl der Seiten stehen. Allerdings sollte man aus der Site-Abfrage keine pauschalisierten Schlüsse ziehen oder gar Sofortmaßnahmen einleiten. Generell gilt, besser wenige gute als viele schlechte Seiten im Index.

Automatisch Bookmarks eintragen

Ich halte aus einer Reihe von Gründen gar nix von Social Site Auto-Submittern. Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte, kann im aktuellen Screencast von Eikyo Einblick in die Funktionsweise der beiden Tools onlywire und Socialmatic gewinnen. Klar sparen diese Services Zeit – aber ein wenig Varianz in Beschreibungstexten und Keywords ist nicht zu unterschätzen!

Lycos Europe geht

Es gab mal eine Zeit, in der mehrere Suchmaschinen-Anbieter nahezu gleichberechtigt um die Gunst der User buhlten – Lycos war eine davon und erfreute sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre großer Popularität. Während Lycos USA mittlerweile als Shopping-Portal durchaus respektablen Traffic vorweisen kann, überlegen die Betreiber, sich aus Europa komplett zurück zu ziehen, wie SEO-Handbuch.de berichtet:

Für Lycos Europe sieht es allerdings düster aus. Nun wird geprüft, ob einige der zahlreichen Produkte eventuell doch noch als eigenständige Marke auf den Markt geworfen werden können, während unprofitable Segmente endgültig ausgemustert werden.

Rankingfaktor Absprungrate

Inetzwerk.de will ein verbreitetes Gerücht klarstellen: die Absprungrate spielt beim Google-Qualitätsranking keine Rolle, schreibt er:

Um eines klarzustellen: Ich finde es überhaupt nicht schlimm, Daten falsch zu interpretieren. Es passiert uns allen immer wieder, dass wir uns irren und im besten Fall lernt man aus den Fehlern. Was ich schwach finde, ist, dass erstaunlich viele Blogger diese These einfach übernehmen, ohne zumindest kurz darüber nachzudenken. Ist das die angeblich so kritische Blogosphäre?

Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich dazu keine Meinung habe (und keine Zeit für ein Experimental-Setup, das in diesem Fall recht umfangreich ausfallen müsste).

WordPress für Weihnachten dekorieren

Die Backlinks sind in Stellung gebracht, das Weihnachtsgeschäft kann beginnen. Reiffix hat sechs gelungene WordPress-Weihnachts-Themes zusammengestellt: da ist alles dabei, von kitschigen Tannenbäumen bis zu straighten Entwürfen: höchste Zeit, eine Kerze anzuzünden :mrgreen:

Videos der Woche: Böse Mädchen, lunatische Assoziationen

Das Video der Woche gibt’s diesmal im Doppelpack: da wäre erst mal ein ORF-Beitrag aus “Herbstzeit”, in dem Johannes Domsich über Salome und andere historische Verführerinnen berichtet:

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Und dann wäre da noch Lunatik – eine experimentelle Animation von Tim Lovett:

LUNATIK is my final submission for uni this year. It’s an experimental animation that explores the human mind – how we can subconsciously drift from one stream of thought to another.

Und das war’s auch schon wieder für diese Woche: ich werd meinen UMTS-Sweetspot wieder verlassen und mir einen Spaziergang durch die äußerst winterliche Landschaft gönnen, bevor’s zurück ins schneelose Wien geht. Wir lesen uns am Montag!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Tagesdosis: Saufen bis nix mehr reingeht

Komatrinken hat dieser Tage einen schlechten Ruf, der wohl aufs Trinken generell abfärbt. So leidet wohl die Einnahme antialkoholischer Erfrischungen ganz gewaltig – warum müsste sonst eine nicht genannt werden sollende österreichische Versicherung gemeinsam mit einem Wasserabfüller ganzseitige Inserate mit einer eindeutigen Botschaft schalten? Die lautet übrigens: Trinkt! Mehr! (Wasser.) Wasser sei gesund und eine wichtige Basis für ein gesundes Leben. Stimmt – so ganz ohne H2O wär das Leben ratzfatz vorbei. Was mich aber maßlos wundert, ist die empfohlene “Tagesdosis”: wie die nachstehende Grafik erörtert, werden 1,5l pro Tag und Nase als ausreichend erachtet:

trink

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Dringend: Spenden für Frau Bock

utebockElisabeth Wetsch aka eliZZZa will nicht zusehen, wie das Flüchtlings-Hilfsprojekt von Ute Bock wegen 250k Euro Schulden die Pforten schließen muss und hat sich eine äußerst gelungene Online-Spendenaktion ausgedacht: pro 25 Euro wird ein kleines Stück einer geheimen Botschaft aufgedeckt. Die Zeit drängt, denn laut Bericht im Standard könnte Ute Bocks Verein bereist am kommenden Mittwoch die Pforten schließen. Wer möchte, bekommt für seine Spende einen Backlink – das wär doch ein Asset für jede Partei im Online-Wahlkampf; ich würd mich jedenfalls freuen, wenn ich in den nächsten Tage in der Spenderliste Backlinks zum Liberalen Forum und zu den Grünen finde: 25 Euro werden im Budget ja wohl drin sein…

Klickt auf das Logo und Ihr landet direttissima auf der Website des Flüchtlingsprojektes Ute Bock. Dort stehen verschiedene Spendenoptionen zur Verfügung. Pro 25 Euro Spende decke ich von der Geheimen Botschaft, die sich im darüber stehenden Kasten verbirgt, ein 5×5 Pixel großes Stück auf. (Ich würd mir sogar die Mühe machen, für eine 5 Euro-Spende 5×1 Pixel zu entfernen). Mailt mir eine Belegkopie an beleg@zerobock.at und mailt mir, ob Eure Spende anonym (nur mit Initialen evt. Ort) angeführt werden soll, oder mit vollem Namen. Gerne verlinke ich auch Eure Webseiten.

geheimebotschaft

Wer mitmachen möchte, stattet einfach Zerobock.at einen Besuch ab!

PS: Im Standard-Forum wird heftig diskutiert, ob man Menschen, die laut Genfer Konvention keinen offiziellen “Flüchtlingsstatus” besitzen, überhaupt helfen solle. Zynischer geht’s irgendwie nicht mehr, und langsam mach ich mir wirklich Sorgen um den Ausgang dieser Wahl.

Lord Jeebus, errette unsere Seelen

jeebusSympathisch an der katholischen Religion ist, dass man sich im Gegensatz zu anderen Glaubensgemeinschaften außer in Irland weitgehend konsequenzlos (vom Leben nach dem Tod in der Hölle mal abgesehen) über sie lustig machen darf. Bekanntlich tritt Gott meist ja dann ins eigene Leben ein, wenn der sündige Wurm nicht damit rechnet: wie vor zwei Tagen, als ich beim Abstellen meiner Hornet einen kleinen Gedichtflyer vom Boden aufhob. Das Impressum “CHRISTLICHER GLAUBE IM URCHRISTLICHEN GEIST” erweckte sofort mein Interesse: handelte es sich hier um eine religiöse Krocha-Splittergruppe der Jungschar? “Ur religiös, bamm Oida!”

Aber nein, das Schaf auf der Vorderseite promotete Vegetarismus, und die Rückseite zierte ein kleines Gedicht über jenen Zimmermannssohn aus Nazareth:

An Jesus kommt keiner im Leben vorbei,
Ob früher, ob später, wann immer es sei.
Und wär es im Tode und wär’s im Gericht,
Es gibt keinen Ausweg – vorbei kommst du nicht!

An Jesus kommt keiner im Leben vorbei,
Ob König, ob Bettler, wer immer es sei.
Es gilt allen Menschen, die Schuld muss ans Licht.
Ob du ihn gleich ablehnst vorbei kommst du nicht!

An Jesus kommt keiner im Leben vorbei,
Noch will er dich retten, wie immer es sei.
Ergreife die Gnade, versäume sie nicht, –
Kommt heute zu Jesus –
Vorbei kommst du nicht!

Dieses “vorbei kommst du nicht” erinnerte mich sofort an ein andere Situation, in welcher sich der wie stets zu spät reuige Sündern mit einem Mal nackt und handlungsunfähig einem übermächtigen, gottgleichen Wesen hilflos ausgeliefert sieht: “Fahrscheinkontrolle. Ihreee Farrrrscheineeee bitäääää!” Und in der Tat, nach dem Auswechseln weniger Worte wurde aus dem ursprünglich Gedicht eine Ode an die öffentlichen Verkehrsbetriebe dieser Welt:

Vorbei kommst du nicht

An Fahrkartenkontrolleur kommt keiner in der U-Bahn vorbei,
Ob früher, ob später, wann immer es sei.
Und wär es mit der Polizei und wär’s im Gericht,
Es gibt keinen Ausweg – vorbei kommst du nicht!

Am Fahrkartenkontrolleur kommt keiner im Leben vorbei,
Ob Ex-Kanzler, ob Obdachloser, wer immer es sei.
Es gilt allen Menschen, der Fahrschein muss ans Licht.
Ob du ihn gleich einstecken hast, vorbei kommst du nicht!

Am Fahrkartenkontrolleur kommt keiner im Leben vorbei,
Keiner kann dich retten, wie immer es sei.
Kauf dir ein Ticket, versäume es nicht, –
Kommt heute zum Schalter –
Vorbei kommst du nicht!


Fotocredits: Karfreitag von Paul-Georg Meister / Pixelio

Kaltes, klares Wasser als Privileg

Den folgenden Viral-Clip habe ich via Unrulymedia.com entdeckt – produziert wurde er von World Vision. Die relative simples Botschaft: was wäre, wenn plötzlich kein Trinkwasser, sondern braune Brühe aus der Leitung schießt? Derzeit steht laut World Vision 1,1 Millarden (!) Menschen kein sauberes Wasser zur Verfügung. Der Film samt Aufforderung zu “Wasserpatenschaften” findet sich auch auf der World Vision Homepage.

Was Leitungswasser betrifft, ist man für Großstadtverhältnisse als Wiener ja besonders verwöhnt: so die eigene Wohnung nicht in Transdanubien gelegen ist, trinkt man großteils feinstes Quellwasser direkt aus der Steiermark, aber auch das Grundwasser jenseits der Donaus ist weit besser als das meiste, was in anderen Großstädten aus der Leitung kommt. Wer schon mal im Sommer in Barcelona war und sich beim Duschen vorm stinkenden Wasser ekelte, wird das so lebensnotwendige H2O hoffentlich umso mehr zu schätzen wissen:

Physik-Nachhilfe: Fick beschreibt die Diffusion

Adolf Fick…hat auf den ersten Blick nur bedingt mit dem Austausch zwischenmenschlicher Körperflüssigkeiten zu tun, handelt es sich doch um eine Gleichung aus der guten alten Physik, die Teilchenstromdichte, im Volksmund auch als “Fluss” bezeichnet in Beziehung setzt zum Konzentrationsgradienten und der Diffusionsrichtung. Wenn man also irgendwo was reinspritzt und/oder fließen lässt, dann bestimmt dabei die Konzentration vereinfacht gesagt, wie viel hinten wieder austritt. Adolf Fick hat das im ersten Fick’schen Gesetz unglaublich elegant zusammengefasst:

Nach dem Ersten Fick’schen Gesetz ist die Teilchenstromdichte (Fluss) proportional zum Konzentrationsgradienten entgegen der Diffusionsrichtung. Die Proportionalitätskonstante ist der Diffusionskoeffizient.

Und wo’s ein erstes Gesetz gibt, da folgt natürlich so sicher wie das Amen im Gebet auch ein zweites – welcher Jurist kann schon von sich behaupten, dass er zwei Gesetze aufgestellt hat, die bis heute gelten? Das zweite Fick’sche Gesetz macht allerdings alles wesentlich komplizierter, denn es beschränkt sich nicht nur die Eindimensionalität (“Alles, was für dich zählt, ist Sex!”), sondern beschreibt einen länger währenden Vorgang:

Die Diffusionsgleichung stellt eine Beziehung zwischen zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschieden dar und eignet sich somit zur Darstellung instationärer Diffusion, im Gegensatz zum 1. Fick’schen Gesetz, das einen zeitlich konstanten Diffusionsfluss beschreibt. Es existieren für diese Differentialgleichung zahlreiche analytische und numerische Lösungsansätze, die jedoch stark von den Anfangs- und Randbedingungen abhängen.

Diese zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschiede kennt man ja: mal hat einer keine Lust, dann ist die andere wieder für ein Wochenende Weg. Wie Adolf Fick richtig erkannt hat, ergibt sich die jeweilige Lösung der Gleichung meist nur im konkreten Fall, häufig jedoch auch gar nicht. Wichtig zum Verständnis Fick’scher Diffusionsprobleme, dass der Physiker drei Arten von Diffusion unterscheidet, die nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge auftreten, meist jedoch schon: Tracerdiffusion (“Aufriss”), Klassische Fick’sche Diffusion (meist relativ kurz) und, manchmal nach wenigen Minuten, fallweise auch erst nach mehreren Jahren, die Gegendiffusion. Wer tiefer in die die Geheimnisse von Adolf Ficks Theoriegebäude eindringen möchte und das Bedürfnis hat, bis zum intellektuellen Orgasmus Integrale zu penetrieren, dem sei dieser Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt: Diffusion.

Überhaupt nichts zu tun mit Diffusion (oder zumindest nur sehr indirekt) hat dagegen das sogenannten Fick Prinzips, mit dessen Hilfe Ärzte den Blutfluss durch bestimmte Organe bestimmen:

Das Fick-Prinzip erlaubt unter Steady-state-Bedingungen bei bekannter Eingangs- und Ausflußkonzentration die Berechnung des Blutflusses im untersuchten Organ.

Affiliate Linx: Moderne Wahrgagselei

Ich mag das Amazon-Affiliate Script, das vollautomatisch passende Wörter und/oder Wortkombinationen mit Produktlinks hinterlegt, ausgesprochen gern. Denn woran es dem freundlichen Algorithmus in Ermangelung von Phantasie keinesfalls mangelt, ist maschinell induzierte Fantasie. Was früher Vogelbeinlesen, später Textexegese und ganz kurz die quantitative Inhaltsanalyse immer ein wenig zweifelhaft vollbrachten, schaffen Affiliate Scripts mit links: nämlich die versteckte, “wahre” Bedeutung eines Textes zu dechiffrieren – wie das folgende Beispiel zeigt.

Vor kurzem hab ich gefragt, ob die Gläsernheit des Menschen selbigem am Ende gar über den Kopf wächst, und zwar im Rahmen einer Podiumsdiskussions-Ankündigung. Die endete mit folgendem Satz:

satz1

Worum sich’s aber wirklich dreht, seht ihr, wenn das Licht angeht: einer der Diskutanten frönt nach Meinung Amazons dem Satanismus, während ein anderer für den Wortwechsel bereits die metaphorischen Klingen schärft:

satz2

satz3

PS: Kann man eigentlich ein JavaScript wegen übler Nachrede verklagen?

Zivilschutzübung: Die Zombies kommen!

zombiebammoida“Das einzige, was Kunst wirklich kann, ist Realität darzustellen, ohne sie darstellen zu müssen“, sagt Johannes von der Kunst-Neigungsgruppe monochrom. Am Samstag veranstaltet daher monochrom die erste Zombie-Zivilschutzübung Österreichs. Dem Künstler David Fine, der ursprünglich damit begann, die Bevölkerung ein ausgewählten Städten auf den Ernstfall einer Zombie-Invasion vorzubereiten, geht es vor allem um die Schaffung von Bewusstsein: wenn die Zombies dann wirklich kommen, soll niemand sagen, er sei überrascht worden. Gegessen vielleicht, aber nicht überrascht!

Wer mit marschieren möchte, kann sich am kommenden Samstag ab 12:00 im monochrom-Büro im Museumsquartier Make-Up technisch in einen echten Untoten verwandeln lassen, und zwar ganz im klassischen Horrorfilm-Stil. Anschließend formiert sich der Mob und walzt ab 14:15 plündernd und mordend und Menschenfleisch-fressend Richtung Mariahilferstraße. Die genaue Route: MQ – Mariahilfer Straße (bis Libro) – Gumpendorfer Straße – Karlsplatz – Oper – MQ. Natürlich mangelt es nicht an theoretischer Unterfütterung:

Zombies bewegen sich meist auf einem bestimmten Pfad. Dieser Pfad mag beinahe geplant wirken, aber er könnte ebensogut willkürlich sein. Zombies haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Sie riechen silbernes Gaffer-Band. Sollte Textilklebeband am Torso eines Passanten oder einer Passantin gefunden werden, dann werden die Zombies angreifen, die Kleidung besudeln und das Gehirn essen. So wird die Zombie-Horde größer. Und größer. Und größer. Sie wälzt sich einer gottlosen Fleischmasse gleich durch die hellgrauen Straßen der dunkelgrauen Stadt. Hat sie ein Ziel? gewiss.

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überklang wird 50 und ehrt Philip K. Dick

ueberklang50Der großartige überklang podcast feiert am 22. Juni seine 50. Sendung – und die ist niemand geringerem gewidmet als “unserem ewigsten Lieblingsschriftsteller Philip K. Dick”, wie Sendungsmacher Dr. Nachtstrom schreibt. Schriftstellerkollege Stanislaw Lem stand ja schon mal im Zentrum einer Sendung – außerdem liegt die Verbindung von Science Fiction und elektronischer Musik ja wirklich nicht sehr fern.

Die Sendung selbst bleibt allerdings nicht das einzige Präsent: zeitgleich erscheint am 22. Juni der erste bruit-Labelsampler. Zum Launch des netlabels der Brandner-Brothers hab ich vor einiger Zeit ein Interview geführt, inzwischen weist der Katalog bereits ein recht umfangreiches Portfolio auf. Auf dem erwähnten Sampler werden sich 19 KünstlerInnen, von Pita bis Karlheinz Essl, dem Phänomen Dick nähern, dessen Geschichten als Inspirationsquelle der Musik fungierten. Ich bin schon sehr gespannt auf das Album – sobald ich reingehört hab, folgt die Review.

Über Philip K. Dick

Philip K. Dick neben Stanislaw Lem als einen der Väter der modernen Science Fiction zu bezeichnen, stellt keine Übertreibung dar: in der Tat dürfte es weitaus schwieriger fallen, einen SF-Film der letzten 20 Jahr zu finden, der in keinster Weise vom komplexen Gedankengut dieses Autors zumindest inspiriert ist. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen steht bei Dick nie die Technologie im Fokus der Story. Der Amerikaner, Zeit seines Lebens reichlich versorgt mit Drogen *und* psychischen Problemen (hell of a combination), interessierte sich herzlich wenig für die Faszination der Raumfahrt: seine Dramen, Mini-Epen und Short Stories sind kluge, detailreich gezeichnete Psychogramme seiner Hauptdarsteller. In der Differenz zu außerirdischen Rassen, zu unbegreiflichen Handlungsmustern geht Dick der alten Frage nach “Was ist der Mensch?” Hoffen dürfen seine Protagonisten im allgemeinen nämlich recht wenig: Blade Runner, dank der Verfilmung wohl Dicks bekannteste Short Story, stellt konsequent die Frage nach Identität(skonstruktion) – leider bemerkt Harrison Ford nur im Directors Cut ganz am Ende, dass er selbst, der Androidenjäger, ein künstlicher Mensch ist – und flieht mit Rachel.

Drogen als Differenz-Kriterium, als Nullsummenspiel der sozialen Identität, steht auch im Zentrum des Romans “A Scanner Darkly” (deutsch: Der dunkle Schirm), der vor zwei Jahren von Richard Linklater verfilmt wurde. Der Mischung aus Realfilm und Animationstechnik gelingt es besser als den meisten Hollywood-Umsetzungen, die zugleich skurrile und hyperrealistische Welt des Autors einzufangen, ohne an erzählerischer Komplexität zu verlieren. Viele von Dicks Kurzgeschichten erschienen in amerikanischen SF-Periodika, ein großer Teil des Oeuvres findet sich derzeit nicht im Handel – ein akribischer Blick bei 2nd Hand Händler lohnt allemal.

Spezialtipp für Wiener Dick Fans: Die Wiener Stadtbücherei betreibt eine Filiale im 22. Bezirks, nahe der Erzherzog-Karl-Straße. Dort gibt’s eine 70er-Jahre Hardcover-Ausgabe von Dicks Kurzgeschichten in, wenn ich mich recht entsinne, 20 Bänden. Und darin finden sich zahlreiche Stories, die sonst nirgends erhältlich sind: der lange Weg nach Transdanubien lohnt sich also allemal!

monochrom hittet greatest

monomomentsOder: Rambazamba deluxe, der alle popkulturellen Strömung der letzten 990 Jahre aussehen lässt wie 1000jährige Straußeneier. So bezogen sich die “Immer wieder Österreich” Sprechchöre während Non-Cordoba 2.0 wie man hört gar nicht auf das Spiel, sondern das brandneue Greatest-Hits Album der österreichischen Post-Situationisten monochrom. Oder, wie es der Pressetext – und nicht etwa dessen Schreiber – formuliert: “Erleben Sie live: Nicht nachzuvollziehende Stimmungsschwankungen, hormonelle Desorientierung, Identitätsschlamassel vom feinsten, Rebellion ohne Grund aber gut begründet, ausgesuchte gemischte Peinlichkeiten, legendäre Rollenkonflikte und natürlich jede Menge Verstocktheit, Unsicherheit und Kommunikationsverlust und splitterndes Glas.”

Am 10. Juni fand im Klub Ost das Fest des fünfzehnjährigen Bestehens statt. Die Sache mit dem undankbaren Alter haben sie allerdings falsch erkannt:

Fünfzehn ist ein undankbares Alter. Du siehst aus wie siebzehn und man behandelt Dich wie dreizehn.

Das gilt bloß für Menschen, mit Künstlergruppen ist das so ähnlich wie mit Hundejahren: die ersten zwei zählen bloß halb, die nächsten drei normal, das sechste doppelt und ab dann geht’s los wie bei der Schachlegende, von wegen Reiskorn-Verdopplung pro Feld uns so – in Wahrheit sind die monochroms also schon 2050 Jahre alt. Herzlich Gratulation jedenfalls!

Und das wichtigste: diese CD gibt’s (noch) nicht bei Amazon, man könnte aber bestellen:

Die CD kann ab sofort per Remail bestellt werden und für die Vinylausgabe (erscheint voraussichtlich im August können Vorbestellungen gemacht werden.)
Die CD kostet 15,- Euro + 2,- Euro Porto.
Die LP wird voraussichtlich billiger abgegeben.
Und die ersten 10 LP-Vorbestellungen bekommen sie natürlich portofrei.
Natürlich gibt es die Stücke auch bereits in allen relevanten Onlineshops als Downloaden für die ganz Anspruchslosen.

Mehr Infos und jede Menge weitere bestellbare Goodies, inklusive diverser Print-Publikationen, findet man im monochrom Verlagsprogramm. Aber wieder zurück zum Album: Es beinhält neue und in der Regel komplett überarbeitete Versionen von alten Hits wie “Garz”, “Let’s network it out”, “Farewell to overhead, “Ebay the force” (im
absoluten Wahnsinns-Remix von Hans Nieswandt) etc. und einige neue Stücke wie “Lidl Girl” und “Killing Capitalism with Kindness” (feat. Gerald Votava). Eine ausführliche und sehr lesenswerte Rezension des Werkes hat Christian Heller aka plomplom verfasst, Hintergrundinfos zu den einzelnen Tracks stellen die Artisten selbst bereit, zum Anhören gibt’s leider nix: aber manche Katzen muss man eben mit Sack kaufen, zumindest, wenn’s letzteren gratis dazu gibt. In diesem Sinne möchte ich aus dem Opener-Track zitieren: “Dark-Waver! 16jährige Dark-Waver! Wir kommen, um euch zu holen!”

Stirbt wirklich jeder A-Blogger an Herzinfarkt?

Selbstauferlegter Stress, explodierende Nebenkammern und generell Selbstausbeutung bis zum totalen Zusammenbruch: so geht’s allen A-Bloggern, wenn man einem aktuellen Bericht von BrandEins glaubt.

Der heutige Facts Lesetipp hat meine schlechte Meinung über brandeins nachhaltig bestätigt; schlimm und traurig, dass Marc Orchant anscheinend dank zu viel Arbeit und selbstauferlegtem Stress an einem Infarkt verschied. (Wie Meth so treffend rappt: I’m a drink this whole bottle for Old Dirty – damn it hurts and I hate it, when brothers go early.) Daraus allerdings ein Plädoyer über die Gesundheitsschädlichkeit des Bloggens an sich abzuleiten, stünde jedem Boulevard-Blatt ganz hervorragend zu Gesicht:

Der Kopf des Ganzen besteht aus ein paar Tausend Blogs, auf die der Rest der Online-Welt schielt und die so zum neuen Establishment geworden sind. “Wenn man die ganze Heuchelei über die Revolution des neuen Mediums Internet einmal abzieht”, giftet Keen, “regiert die Blogger letztlich alle der Wunsch nach Einfluss und finanziellem Erfolg. Das zieht eine bestimmte Sorte Mensch an – besessen, getrieben und nie zufrieden.” In Anlehnung an den übermenschlichen Helden der Arbeit aus besten Sowjet-Zeiten seien Blogger “die neue Stachanow-Bewegung”. Mit einem Unterschied, so Keen: “Sie schuften sich zu Tode, aber in zehn Jahren redet kein Mensch mehr von ihnen.”

Glaubt zumindest Steffan Heuer. Überhaupt scheint der Autor jeden einzelnen A-Blogger (das sind übrigens laut Artikel Blogs mit mehr als 1.000 Technorati-Backlinks) sehr genau zu kennen; das folgende Pauschalurteil dürfte also das Ergebnis jahrelanger systematischer quantitativer Studien zu sein:

Trotz der beiden Unglücksfälle fahren Maliks Kollegen weiter Vollgas, ohne groß über die Risiken und Nebenwirkungen der neuen Medienwelt nachzudenken, in der Sofort-Journalismus und unternehmerischer Erfolgsdruck das Privatleben weitgehend abgeschafft haben. Bei der dünnen Oberschicht sogenannter A-List Blogger, die Hunderttausende Leser haben und sogar Angestellte bezahlen können, verbinden sich professionelle Leidenschaft, überdimensionales Ego und Profitstreben zu einem explosiven Gemisch.
[…]
Wer es als Blogger zur Marke gebracht hat, gibt ungern zu, dass er ausgebrannt ist und beim selbst angezettelten Wettlauf nicht mehr mithalten kann.

Ja, ich würd das auch ungern zugeben, wenn ich’s denn zu was gebracht hätte… aber obwohl ich überhaupt nicht Heuers A-Liste angehöre, bin ich eigentlich schon längst so ausgebrannt, dass seit drei Monaten ein php Script aus den Dark Secret Technology Labs meine Texte für mich schreibt, postet und auf Kommentare antwortet.

PS: Ich glaub, es war Viktor Frankl, der den bekannten Ausspruch “Stress is the salt of life” geprägt hat. Und ich würd mir von einem “Werbe-Branchen-Magazin” erwarten, dass man zwischen verschiedenen Personen möglicherweise sogar differenziert, anstatt A-Blogger samt und sonders als selbstzerstörerische Egomanen zu betiteln…

Das ist die Macht der Duplikation!

Weitgehend unkommentiert möchte ich diese spannende Pressemeldung zum Thema “Social Network Marketing” stehen lassen… aber lesen Sie selbst.

…ging Mitte März das US-amerikanische Portal *** in die Beta-Phase. Dieses neue Social-Network wird eine Revolution werden. Es soll den bekannten Plattformen, darunter auch XING das Wasser abgraben. Das Neue bei dieser Markteinführung ist, dass *** zur Mitgliedergewinnung das Prinzip des Network-Marketing anwendet. Eine Art Mund-zu-Mund-Werbung. Für die Gewinnung neuer User verteilt *** 80% der zukünftigen Werbeeinnahmen an die aktiven Mitglieder. Fleißige Werber bekommen natürlich mehr ab, dies regelt ein sog. Marketingplan.

Aha. Marketingplan ist bekanntlich der mittlere Vorname des Cheap Chief Affiliation Officers.

Die Mitgliedschaft ist natürlich kostenlos. Die einzige Bedingung, um an den Einnahmen partizipieren zu können ist, dass man volljährig ist und sich innerhalb eines Monats 30 Mal auf der Seite einloggt. *** berichtet in einer Meldung, dass ein 66-Jähriger in wenigen Wochen über 2.500 Menschen in seine Gruppe bekommen hat, indem er es ein paar Freunden erzählte, diese den Video auf der ***-Homepage angeschaut haben und diese es wiederum ihren Freunden erzählten. Das ist die Macht der Duplikation!

Respect the power of duplication! Vielleicht sollt ich’s auf datenschmutz auch so machen und die “Macht der Duplikation” einsetzen, hehe.

Der Erfolg zeichnet sich bereits ab. Bei Alexa kann man dies leicht ablesen: Innerhalb sechs Wochen stieg der Traffic von Null auf 7 Mio Zugriffe pro Tag an. Zum Vergleich: Webnews hatte im letzten Jahr gleichmäßig ca. 5 Mio Zugriffe, XING ca. 40 Mio. Für mehr Erfolg muss die *** Seite natürlich auch noch kräftig an Ihrem Design und an den Funktionen arbeiten, will sie mit YouTube & Co. konkurrieren.

Ja dann bleibt nur zu hoffen, dass Xing nicht allen, die sich mindestens 30x täglich einloggen, eine Gratis-Premium-Mitgliedschaft anbietet, sonst wird’s erst wieder nix mit dem Alexa-Traffic… jedenfalls ist eine neue eierlegende Social-Network Sau genau das, worauf die Netzwelt gerade wartet. Oder? Einen Lacher wert ist jedenfalls der Slogan: Make friends. Make money. Make Sense… da fällt mir ein neuer datenschmutz-Slogan ein: Undo friendship. Do dirt. Get retarded.

Tibet-Petition: bitte unterzeichnen

tibetTenzin Gyatso aka der Dalai Lama hat zur Zurückhaltung und zum Dialog aufgerufen, die chinesische Regierung scheint zwischen Reputations-Verlustangst und – ja, und was eigentlich? – zu schwanken. Eine aktuelle Petition will Chinas Präsident Hu Jintao vom Konfrontationskurs abbringen, möglichst viele UnterzeichnerInnen werden innerhalb der nächsten 48 Stunden gesucht.

Petition: Unterstützt den Dalai Lama

Nach Jahrzehnten chinesischer Repression hat sich die Frustration der tibetischen Bevölkerung in Straßenprotesten und gewaltsamen Unruhen entladen. Während die Welt wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele auf Tibet schaut, rufen die Tibeter die Welt um Hilfe für einen Wechsel. Die chinesische Regierung hat angekündigt, die Demonstranten und Demonstrantinnen, die sich nicht ergeben haben, ‘zu bestrafen’. Ihre Führer treffen gerade jetzt eine wegweisende Entscheidung zwischen brutaler Eskalation oder Dialog, die die Zukunft Tibets und Chinas bestimmen kann.

Wir können diese historische Entscheidung beeinflussen — China sorgt sich um seine internationale Reputation. Chinas Präsident Hu Jintao muss zu hören bekommen, dass der Erfolg von ‘Made in China’ und der Olympischen Spiele von seiner Wahl abhängen. Aber es braucht die schnelle Reaktion einer Masse von Menschen, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen und wir brauchen diese in den nächsten 48 Stunden.

Der tibetische Friedensnobelpreisträger und geistige Führer der Dalai Lama hat zu Zurückhaltung und zum Dialog aufgerufen. Er braucht die Unterstützung der Weltbevölkerung. Klick auf den untenstehenden Link um die Petition zu unterstützen. Ziel sind eine Million Stimmen für Tibet (es sind schon 79729!!).

Die Unterschrift erfolgt rein digital, ein getuntes Spamscript müsste eigentlich locker ein paar Millionen Einträge schaffen – aber wie auch immer: schaden kann’s ja nicht, hier geht’s

zur Petition

Mehr gute Pornos, weniger schlechter Feminismus

Man kann Alice Schwarzer eigentlich nicht kritisieren, denn im Zweifelsfall hat sie ja “soviel für die Frauenbewegung geleistet”. Und deshalb darf die Grande Dame der deutschen Emanzipationsbewegung bis in alle Ewigkeit ihre ewiggestrigen Parolen unters (Talkshow)-Volk streuen. Eigentlich schade, zumal’s doch ein paar wichtigere Dinge zu besprechen gäbe, wie zahlreiche zeitgenössische Kritikerinnen finden.

Die/der geneigte LeserIn erkennt sofort: meine eigenen Fan-Gefühle gegenüber AS halten sich in extrem engen Grenzen. Das hat nix zu tun mit Unkenntnis der Materie. Eigentlich war mir Alice Schwarzer ziemlich egal, aber dann hatte ich zwei Jahre lange Gelegenheit, an Anjas Abo mit zu partizipieren. Granted: es gibt immer wieder spannende, hochinteressante Reportagen von Gastautorinnen. Was Frau Schwarzer selbst so von sich gibt, zeugt allerdings von einer gehörigen Portion Dogmatik, die imho ganz schön verranzt schmeckt. (Nein, ich glaube zum Beispiel nicht, dass Pornographie *immer* und *in jedem Fall* eine unzulässige Ausbeutung von Frauen darstellt und verboten gehört. Und das Argument “…aber die Kinderpornographie” zählt hier nicht – da gibt’s zum Glück Gesetze, die man zwar verschärfen könnte, aber das hat rein gar nix mit allen anderen Schweinigeleien, die sich so zwischen consenting adults abspielen und auf Filmmaterial gebannt werden.)

Aber ich will nicht abschweifen – Grund für dieses Posting ist ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau Online, der sich fragt, ob Feminismus á la Alice eigentlich überhaupt noch up to date ist; was konkret die Pornodebatte betrifft, könnte ich meine Meinung nicht besser formulieren als der/die SchreiberIn – ich konnte leider auch bei genauerem Hinschauen keinen Autorennamen entdecken:

Aus dem unterschwelligen Unwohlsein über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert formte sich eine Debatte um den Feminismus-Begriff: Es ging ihnen um einen neuen Feminismus, um einen anderen als den der Alice Schwarzer. Der fiel zuletzt nicht viel mehr ein, als zum zigsten Mal ihre PorNo-Kampagne zu fahren, der die wenigsten jungen Frauen wirklich etwas abgewinnen können. Charlotte Roche regt sich richtig darüber auf. “Pornografie ist per se nichts Schlechtes. Wie wäre es denn, wenn man Pornografie als etwas betrachtet, bei dem Männer auch was lernen können? Wie man Frauen befriedigt zum Beispiel.” Auch die “Alphamädchen”-Autorinnen plädieren für eine entkrampfte, differenziertere Sichtweise: “Unsere Sexualität definieren wir und niemand anders. Nicht die Porno-Regisseure in der Mainstream-Industrie. Aber auch nicht Feministinnen, die uns erzählen, wie wir Lust empfinden und was uns erniedrigt.”

Parameter, die irgendwann mal definiert wurden, müssen zumindest diskutiert werden dürfen, fordern die “Alphamädchen” Susanne Klingner, Meredith Haaf und Barbara Streidl, die gerade das Buch “Wir Alphamädchen – warum Feminismus das Leben schöner macht” veröffentlicht haben. Und in der Tat sollte man unter Feminismus wohl keinesfalls ein Diskussionsverbot verstehen, allerdings wird die erwähnte Publikation von Emma geflissentlich ignoriert – kein Wunder, denn der “Widerstand” gegen oktroyierte Definitionshoheit kommt schon längst aus dem doppel-x-chromosomatischen Lager:

“Bei dem Begriff Feminismus geht eine Schublade auf und im Zweifelsfall sitzt Alice Schwarzer drinnen”, stichelt Dorn. Auch Charlotte Roche, 29, ist auf Schwarzer nicht mehr gut zu sprechen. Die ehemalige Viva-Moderatorin sorgt zurzeit mit ihrem Roman “Feuchtgebiete” für Furore. Mitte der 90er Jahre ließ sie sich noch für den Titel von Emma fotografieren. Heute wettert sie: “Alice Schwarzer wird dem Menschen in der Frau nicht mehr gerecht. Ich finde es schrecklich, dass es für so etwas Wichtiges wie den Feminismus nur diese Frau gibt. Ich kann mit dieser Person überhaupt nichts mehr anfangen.”

Übrigens hab ich inzwischen den facts.ch Newsletter sehr zu schätzen gelernt, da trudeln immer wieder die schönsten “Lesefrüchte” (© Wolfgang Langenbucher) ein – ein Abo kann ich nur wärmstens empfehlen.

Blogvorstellung: Thinkabout.ch

thinkaboutZeit für die wöchentliche Blogvorstellung – wenn man sich die Mikro-Publishing Szene in der Schweiz näher ansieht, dann könnte man als Österreicher (und Deutscher) ob der Themenvielfalt und der hohen journalistischen Qualität der diversen Fachmedien sowieso neidisch werden: oder sich freuen, dass dieselben Felder hierzulande bislang eher unbeackert blieben. Keineswegs an IT.Geek.Nerds richtet sich Thinkabout.ch: XYs Blog sammelt elegant formulierte Gedanken – von unbeschwert bis gravitätisch und stets ausgesprochen lesenswert.

Die Denkerei sei der wildeste aller Affen, hat mal jemand behauptet. Buddhisten, speziell die tibetischen, widersprächen dieser Aussage vermutlich nicht, zumal in der Dzog Chen Literatur das Hirnkasterl auch gerne mit einem unruhigen animalischen Baumkletterer verglichen wird. Der wiederum sei aber ohnehin unser nächster Verwandter, erklären die Vertreter der “wissenschaftlichen” Evolutionstheorie und streiten sich in Ami-Land ausgesprochen öffentlich darüber, welcher Mythos sich für die Schulkinder als alltagstauglicher erweist… aber egal, ob wir geschöpft wurden von einem mehreren Göttern oder doch bloß die chemischen Parameter in der Ursuppe sich als günstig erwiesen für die Entstehung von ein paar Kohlenwasserstöffchen: um sich über derlei Theorien auszutauschen (oder die eigenen Überzeugung semi-dauerhaft in die mittlerweile durchs Internet echtzeitlich verbundene Welt) hinauszuposaunen, bedienen sich Menschen mangels telepathischer Fähigkeiten in der Regel der Sprache – die eine gewandter, der andere weniger.

Wer sich kompetent und berufen fühlt zum Schönreden, darf als gerngesehener Geistschreiber für Politiker-Reden auf ein anständiges Einkommen hoffen, eine Autorenkarriere anstreben oder aber der Werbeindustrie den nächsten unvergesslichen Slogan abliefern. Wer dagegen rein aus intrinsischer Motivation was zu sagen hat, muss nicht mehr auf die Gnade ehrenamtlicher Chefredakteure ambitionierter Literaturzeitungen hoffen, sondern hat wahlweise auch die Option, sein eigenes Blog zu schreiben. Glücklicherweise hat sich der Autor der vorzustellenden Publikation für letztere Möglichkeit entschieden – er präsentiert der geneingten Leserschaft täglich so lesenswerte Miniaturen wie:

Die Kraft der Gedanken ist unerforscht. Die Macht der Worte auch. Wir sollten sie stets mit Sorgfalt wählen und nicht gering achten, selbst wenn wir damit gegen physische Gewalt angehen müssten.

Thinkabout führt auch auf twoday in Blog namens Schreibmut auf twoday, das den Untertitel “10min NUR für die rechte Gehirnhälfte” (War das schnell nochmal die rationale oder die kreative nach Irrmeinung der Kognitionsforscher?) trägt:

Die Vermutung hat keine Frage gestellt und doch schon eine Antwort geliefert. Damit fühlt sie sich nicht richtig wohl, und so ist es meist so, dass, wenn sie ausgesprochen wird, darin auch die Frage liegt.

Thinkabout.ch gehört zu vergleichsweise wenigen anonymen, gut besuchten Blogs – den Grund für den Verzicht auf die reale Identität erklärt der Schweizer Blogger auf für mich sehr nachvollziehbare Weise:

Meine Texte sind gelegentlich durchaus sehr privat. Intim vielleicht sogar. Das Pseudonym gibt mir eine Art Schutz, ein wenig Distanz zumindest, und es fördert damit die Ehrlichkeit mir selbst gegenüber sehr viel mehr, als es sie behindern würde.

Wer selber bloggt (groß, klein, jung, alt, unverzichtbares IT-Knowledge, Katzenblog, deutsch oder englisch – egal!) und Lust drauf hat, hier vorgestellt zu werden, hinterlässt einen Kommentar oder droppt mir, wie die Hip Hopper sagen, eine Message. Blogs, die ich nach – selbstverständlich rein subjektiven – Kriterien spannend und anregend finde, tauchen dann früher oder später an dieser Stelle auf.