Die datenschmutz-Redaktion im Blogistan-Panoptikum Fieber: Eifrig wird getippt, verifiziert, herumtelefoniert, Brieftauben bringen Nachrichten aus aller Welt, Ballonfahrer werfen Infopakete über Wien ab - jeden Sonntag bricht erneut Hektik in der Redaktionsstube aus, denn es gilt, Millionen Tweets, Blogbeiträge und Status-Updates in einen einzigen Rückblick zu pressen. Linzerscnitte und datenschmutz haben auch diesen Sonntag wieder für Sie die große Hydraulikpresse angeworfen und begrüßen die hochverehrte Leserschaft zu einem Mitternachts-Snack ins virtuelle Zirkuszelt - fast wie Palazzo, nur ohne Dinner und Artisten.
Dass Twitter sich im Wachstum befindet, merkt man nicht nur an der ausufernden Berichterstattung der Mainstream-Medien. Wieviele User gibt es aber jetzt genau? Wieviele kommen jeden Monat hinzu? Wieviele Follower hat der durchschnittliche Twitteruser, wie splitten sich seine Tweets in Replies, Retweets und ähnliches -diese Fragen stellen sich neben wirklich an Twitter interessierten Menschen vor allem die vielzählen Social Media Consultants! Und Sistrix war so frei, diesem Bedürfnis Befriedigung zu verschaffen - und wie immer ist die Stichprobe sehr repräsentativ ausgefallen:
Da Twitter sich leider nicht in der Lage sah, mir einen Datenbank-Dump auf einem USB-Stick zuzuschicken, musste ich einen anderen Weg finden, um an eine ausreichende Datengrundlage zu kommen. Glücklicherweise hat Twitter eine recht umfangreiche API, die bei der richtigen Sonne-Mond-Konstellation sogar manchmal funktioniert. Wenn man sich bei Twitter anmeldet, erhält man eine aufsteigende Nummer (ID). Aktuell liegt diese Nummer bei rund 85 Millionen. Ich habe nun ein kleines Script geschrieben, das die Daten von Twitter-Accounts über die API abfragt und speichert. Rund 10% aller Accounts scheinen mir ausreichend, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen.
Salvia Divinorum habe sich das Orakel von Delphi vor seinen mehrdeutigen Zukunftsprojektionen "reingezogen", heißt es. Über die Konsumationsgewohnheiten des Teams rund um die Internationale Delphi-Studie 2030: Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien, sicher ist nur so viel:
Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Medien für die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist größer als je zuvor. Um Einblicke in die langfristigen Entwicklungen dieser Branchen zu erhalten, hat der Münchner Kreis gemeinsam mit dem EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest sowie den Förderern und Unterstützern Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung, IBM sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Studien „Zukunft der deutschen IKT“ sowie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien" durchgeführt.
Das Baby kam als gesundes PDF-File mit einem Gewicht von 18MB auf die Welt und ist für Eilige auch als Executive Summary verfügbar. Aber nur hier auf datenschmutz gibt's die Ultra-Executive Frosch-Version, sozusagen die Small-Talk Version fürs Büro:
Haben Sie schon die letzte Woche erschienene Delphi-Studie gelesen? Der "Mediensektor wird durch Digitalisierung nachhaltig beeinflusst und verändert."
Alternativ-Version für Old Media Verlagshäuser, bei denen aufgrund bevorstehender Kündigungswellen wegen des "Scheiß Internet" (siehe nächsten Beitrag) dieses Bonmot makaber wirken könnte:
Schrottprämie hin oder her: Ich warte noch 504 Monate mit Autokauf! In der letzte Woche erschienen Delphi Studie über das Jahr 2030 steht: "IKT wird im Automobil die Sicherheit und Effizienz erhöhen."
Der Preis für den schrägsten Vergleich der Woche geht an Maestro Shoemoney, der von einer National Geographic Docu über den Schweinegrippen-Virus nahtlos zu Online-Businessmodellen überleitet:
One of the things the show also talked about is how many people don't know that a virus goal actually NOT to kill people. Its goal is to reproduce and sustain life for as long as possible. When it's living in a human and the human dies then it dies too.
So how does this apply to internet marketing?
Well everyone is trying to create something "viral". But most of the time they don't have an end goal. I know some of the most gifted programmers/designers in the world who have created some of the most viral websites on the internet yet can't figure out how to profit from them.
Plötzlich war es da. Und dann auch schon wieder weg. Das von Twitter angekündigte Retweet-Feature gab letzte Woche auf einigen weniger Twitterprofilen ein kurzes Gastspiel, darunter auch auf meinem. Und natürlich hab ich das Retweeten gleich ausprobiert. Bei Mouse-Over erschien auf dem Tweet neben Reply die Option "Retweet". Nach dem Klicken erschien ein Dialogfenster, und fragte den User, ob man diesen Tweet wirklich retweeten möchte. Nach dem "OK" war der Tweet dann auch schon retweetet - ohne die Möglichkeit des Editierens oder die Notwendigkeit, die Nachricht gegebenenfalls auf 140 Zeichen zu kürzen. Der Retweet erschien nicht in meiner eigenen Timeline, dafür aber in der Timeline meiner Follower. Jedoch nicht mit meinem Avatar, sondern als "Forward" des Originaltweets inklusive mit einem kleinen Textlink ("retweeted by xy").
Außerdem implementiert tauchte im Sidebar Menü ein neuer ReTweet-Filter auf und kurze Zeit später erschien dort auch ein Link auf ein Feedback-Formular, in dem ich sogleich mein Missfallen über das neue Feature kund tat - mit Erfolg, tags darauf war es verschwunden! (und vorläufig zurückgekehrt am 13.11.);) Digiom machte mich dann auf einen Blogbeitrag von Twitter-CEO Evan Williams aufmerksam, der erklärt, warum die Retweet Funktion so ist, wie sie ist. Besonders interessant und zutreffend fand ich den Absatz über den "Lärm", den manche notorischen Retweeter verursachen:
Noisiness. Let's face it: Some people over-retweet. You may be interested in what they personally say, but you don't need to know about every link and charity cause they pull their RT-happy trigger finger on. The only choice you have today is deciding if the benefit of getting their occasional gems is worth the cost of their retweetarrhea.
Aber auch wenn Retweets eine schlimme Form von "Stream Pollution" sind, editiere ich meine eigenen RTs natürlich, um meinen Senf dazuzugeben. Das Retweet Feature, so wie es bisher geplant war, würde ich wohl nur in manchen Situationen einsetzen - und ansonsten beim klassischen, manuellen "RT" bleiben.
Anomaly Systems arbeiten an einem neuen Projekt, das Geeks helfen will, die Redundanz in der persönlichen Informationsflut einzudämmen, indem Dubletten aus Twitter, Friendfeed und verschiedenen Feed-Quellen eliminiert und zusammengehörige Einträge gruppiert werden. Lous Gray hat Cadmus getestet und ist recht angetan:
In my testing of Cadmus, I found it correctly detected retweets, replies from others to the original sender, copies of tweets sent to FriendFeed, and other topically-related items, even if they did not share keywords. Cadmus was even able to find similar updates that were hours or days apart.
On average, each refresh of Cadmus filtered around 10 percent of my updates. For runs that included 3,000 or so updates, 300 individual items would be grouped or filtered - and testing of a smaller account in the low hundreds also showed a similar 10 percent filter rate. In fact, the more updates I filtered, the higher the percentage filtering would be found. In a run comprising more than 8,000 items, almost 1,000 were "related".
Zeitungen wie "Der Standard" oder "Die Kronenzeitung" haben nach dem Tod von Jörg Haider und Michael Jackson schnell Dossiers über die verstorbenen Persönlichkeiten online gestellt und diese mit Google Adwords beworben. Sie wollten gefunden werden, sie wollten Traffic und User auf ihre Seiten locken. Das wollen eigentlich alle Medienunternehmen. Alle, nein einen großen Medienkonzern gibt es da, der sich wohl demnächst einen Consultant in Sachen "Negative SEO" (Copyright @navofignorance) suchen wird: Rupert Murdoch. Er hat die Nase voll davon, dass die "content kleptomaniacs" Google & Co. seinen hochwertigen journalistischen Content einfach zu Customized Online-Newspapers zusammenwürfelt. Darum will er seinen Content nun ...verstecken.
Und Douglas Rushkoff, Professor für Media Studies findet diese Idee gut:
Of course, Murdoch's remarks are really just a trial balloon. He has initiated a conversation—but one that few of us are in a position to back up with a multibillion-dollar media empire. By suggesting that he is ready to pull the plug on universally searchable news, he is inviting other publishers in the same position to consider taking the same leap.
Mal sehen, ob die anderen Lemminge Rupert Murdoch folgen würden...
Dass Twitter in absehbarer Zeit Geo-Info in Tweets integrieren will, wurde bereits im August angekündigt - nun zeichnet sich ab, dass die neue API-Funktionen auf absehbare Zeit jedem Städtchen sein eigenes Trendbarometer verschaffen wird, wie Ben Parr auf Mashable berichtet:
The new API will open up the ability for Twitter apps to figure out what's trending in a pre-defined set of locations. This means that while San Francisco will almost certainly have a set of local trends, my hometown of Princeton, IL (7200 residents) probably will not, at least in the beginning.
Dazu passt auch ganz hervorragend der Beitrag How Social Media is taking the News local von Leah Betancourt, ebenfalls auf Mashable:
"I sense inevitability is setting in with media companies with regard to social media. Those that thought... it was a fad that would quickly fade away are beginning to resolve themselves to the cold reality that social media is here to stay and will have to play a role in news coverage and audience building for a long time to come," Briggs said.
Das Thema Bürgerjournalismus haben wir auch am World Blogging Forum ausführlich diskutiert - Tenor: die Tools und Möglichkeiten sind, wie die ökonomischen Grundlagen einer partizipativen Berichterstattung aussehen können, ist dagegen noch recht unklar: erste Versuche mit Beteiligung der User an den Werbeeinnahmen verlaufen für alle Beteiligten bislang noch nicht übermäßig einträglich.
Chrome OS wird innerhalb einer Woche zum Download bereit stehen, weiß Michael Arrington. Googles im Juli angekündigten PC-Betriebssystem dürfte damit wohl das raschest entwickelte OS aller Zeiten sein. Über den Umfang der unterstützten Hardware sind noch keine Details bekannt, sicher ist aber, dass vorerst nur bestimmte Devices unterstützt werden:
We expect Google will be careful with messaging around the launch, and endorse a small set of devices for installation. EEE PC netbooks, for example, may be one set of devices that Google will say are ready to use Chrome OS. There will likely be others as well, but don't expect to be able to install it on whatever laptop or desktop machine you have from day one. Google has previously said they are working with Acer, Adobe, ASUS, Freescale, Hewlett-Packard, Lenovo, Qualcomm, Texas Instruments, and Toshiba on the project.
Über genaue Details der Softwarearchitektur ist bislang wenig bekannt. Big G entwickelt sein OS allerdings nicht von Null auf, sondern es beruht auf einem nicht näher spezifizierten Linux-Kernel. Avisiert wird die immer populärere Gruppe der Netbooks, deren Löwenanteil immer noch mit dem 8 Jahre alten XP auskommen muss. Chrome OS dagegen soll schlank und ressourcenschonend sein und dem Chrome-Browser eine optimale Systemumgebung bieten. Ich bin da relativ skeptisch, da es mir wesentlich wichtiger ist, gewohnte Software auch am Netbook verwenden zu können - das erfordert zwar in vielen Fällen etwas mehr Geduld als am Desktop, erhöht den Unterwegs-Nutzwert aber immens. Mehr über Google Chrome erfährt man in diesem TechCrunch Beitrag.
Das neue Social-Network für Unternehmer und KMUs konzentriert sich ganz auf die berufliche Seite des Microblogging-Lebens und stellt daher konsequenterweise auch die Frage: "What are you working on?" statt "What are you doing?" Es reicht ohnehin schon Echtzeit-geplagten Entrepreneuren also nicht mehr, sich mit LinkedIn Messages zu bombardieren, weiß The next web:
Sarah Prevette, the founder and CEO, believes that "Sprouter can provide the forum for real-time networking and collaboration so everyone can benefit from mistakes and successes.". Indeed it does and after it's beta launch back in August 2009, it's providing it's user with a unique space to market themselves, their ideas and businesses.
Mit anderen Worten: das Zeitalter der EPUs ist vorüber, denn kein KMU kann in Zukunft auf einen CSO - Chief Sprouting Officer verzichten können. Einziges Distinktionskriterium gegenüber dem großen Vorbild: Sprouter beherrscht Threading, also die von Foren gewöhnte Einrückung zusammengehöriger Konversationen. Der Name steht für "Keim, Spross, Trieb" - ich bezweifle allerdings stark, dass die Business-Welt ein eigenes Twitter-Network braucht. Prädikat: "Sprout Inhibition" (Keimungsunterdrückung)
Wenige Wochen nach ihrer Einführung ist es schon wieder ruhig um die Twitterlisten geworden. So richtig kann wohl niemand was damit anfangen. Oder doch?
The Conversation-List ist in etwa die Anti-These zur Karteileichen-Liste - dort finden sich 25 oder mehr Personen, mit oder über die man im Gespräch ist.
The list is automatically updated daily, so that it always reflects the people that you are paying attention to right now. If you @reply (or @mention) someone, they're added to your list. If you stop talking to that person, they drop off your list.
Klingt nett, installiert sich quasi wie von selbst, und kann auch einfach wieder entfernt werden. Hilft's nix, schadet's nix: conversationlist.com.
PS: schon irgendwer einen echten Nutzen für die Twitterlists entdeckt? JohnOn geht ja beinhart davon aus, dass Google Twitter bald für 6 Milliarden gekauft haben wird müssen:
That's the headline I think we'll see soon enough, when Google gets over itself and swallows the bitter pill. The mistake was already made... more than once... when Google failed to truly demonstrate the value of Twitter to its future. Had it offered a sweet enough deal, it could have bought Twitter before. Everyone has a price. But with each passing week, Google (and the rest of us) see more and more clearly just how essential Twitter is to Google's future. And each week, the cost of acquiring Twitter goes up.
...hat Christ Walker der Cyber-Entität Scobleizer gestellt, noch dazu auf Twitter: Any advice on getting followers?
It's the worst question in social media. Sorry Chris for picking on your question. It's actually a question lots of people wonder, but it's the kind of thing that no one really can answer.
Why?
Because we're not in control of who follows us. So, I'd rather not think about it. I rather think about things I CAN control. What are those?
1. What I write about.
2. Who I follow.
3. Who I hang out with.
4. The lists I follow and steal from.
Also bitte, lieber Scoble: Wer stiehlt denn? Wir remixen doch bloß!
Die Grünen sammeln Auszeichnungen wie andere Parteien Strafzettel in Brüssel. Durften sich die an Einmischung in in- und oder externe Affären wenig interessierte Partei in diesem Jahr bereits für die Forderung nach Internet-Sperren bereits über den Big Brother Jackpot freuen, so knallten gestern erneut die Korken:
Die Wiener Grünen sind die ersten Träger des Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten. Er belohnt sie für das "Kommunikationsdesaster" rund um die Grünen-Vorwahlen. Durch die Ablehnung eines Teils interessierter Nichtmitglieder zur aktiven Teilnahme an den parteiinternen Abstimmungen über die Kandidaten für die kommende Gemeinderatswahl hat die Partei einen Teil der Wiener Webszene enttäuscht.
Es kann nicht leicht gewesen sein, sich gegen diese übermächtige Konkurrenz durchzusetzen, und ich beneide die Jury nicht um die gewiss schwierige Entscheidungsfindung. Und die Nominierungsliste hat es definitiv verdient, an dieser Stelle in voller Länge wieder gegeben zu werden:
1. Nominierung: die ORF ON-Direktoren für 15 Jahre fehlende Barrierefreiheit im Scheißinternet und generelle Ignoranz; denn ORF ON endet als Versorgungspostenpool, der sich in der Konzeption von ORF-Dörfern und TV-Theken ergeht, anstatt eine umfassende Internetstrategie zu entwickeln.
2. Nominierung: Plagiatsjäger Stefan Weber für seine Leistungen als Blockwart eines konservativen Wissenschaftsbetriebes, der Studierenden Dummheit und Internetkriminalität vorwirft, anstatt Überlegungen über einen zeitgenössischen Wissenschaftsbetrieb des Web 3.0 zu machen.
3. Nominierung: der Bühnenabend "Menschmaschine" im Rabenhof in der Kategorie fehlgeleitetes Infotainment für die Leistung, das Web 2.0 auf die Formel "Beidlwitze" zu reduzieren.
4. Nominierung: Ibrahim Evsan - stellvertretend für alle Social Media Gurus, die den Übergriff der Technik ("Fixierungscode") predigen und gut daran verdienen.
5. Nominierung: Armin Thurnher in der Kategorie beleidigter Leitartikler; große Verdienste um die österreichische Medienlandschaft sind noch lange kein Freibrief für unreflektiertes Gegrantel.
6. Nominierung in der Kategorie Abmahnwahn: Jako und Jack Wolfskin für ihren unglaublichen juristischen Umgang mit Kleinst-Bloggern und Hobby-Bastlern mit Netzzugang
7. Nominierung in der Kategorie ProfilneurosendistinktionsgewinnlerInnen: ein paar KolumnistInnen (u.a. Doris Knecht und Polly Adler/Angelika Hager) für ihre medialen Anti-Social-Media-Koketterien.
8. Nominierung: die Wiener Grünen für ihre missglückte politische Kommunikation im Netz und das Verpassen einer einmaligen Chance.
9. Nominierung: Franz Medwenitsch für seine jahrelange Tätigkeit als Blockierer von fairen Verwertungsmodellen und diesbezüglicher lobbyistischer Begleitung von allen Gesetzesnovellen auf staatlicher und gemeinschaftlicher Ebene.
10. Nominierung: Wolfgang Schüssel - fürs Lebenswerk in der Bereitung internetfreier Minuten, denn er strafte die von ihm ungeliebte "Internetgeneration" mit einer miserablen Telekom-Regulierungspolitik ab.
Nein, es gibt wirklich kaum eine bessere Metapher für die Krise der Immobilienindustrie - und wären die Häuser näher beieinander gestanden, dann hätte es auch noch einen Domino-Effekt gegeben. Was genau hier [Foto] passiert ist, weiß Mish [via @muesli]:
- An underground garage was being dug on the south side, to a depth of 4.6 meters.
- The excavated dirt was being piled up on the north side, to a height of 10 meters.
- The building experienced uneven lateral pressure from south and north.
- This resulted in a lateral pressure of 3,000 tons, which was greater than what the pilings could tolerate. Thus the building toppled over in the southerly direction.
Clean your screen. Wenn ich meine Katze dazu überreden könnte, das zu machen... ach wäre das Leben schön.
Vielleicht kann Religion die Menschheit doch noch retten - zumindest drängt sich dieser Gedanken bei Jesus 2000 auf:
http://www.vimeo.com/6547492Aber damit's nicht heißt, ich würde hier im Panoptikum bloß religiösen Fanatismus verbreiten, hier noch eine Perle von Rocketboom, nämlich die Kulturgeschichte des beliebten Audio-Produktions-Plugins Autotune. Merke: It's not a vocoder!
http://www.vimeo.com/7545734Und das war auch schon wieder unser wilder Galopp-Ritt durch sieben Tage Social Media. Danke für Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und lassen Sie sich auch weiterhin nicht durch Echtzeitmedien vom Panoptikum-Konsum abhalten - und vor allem nicht von Kommentare und Anregungen. Wir wünschen schöne restliche Sonntagsminuten, einen erquicklichen Wochenbeginn und lesen uns morgen!
Was machen, wenn das Radio zu sauber ist? Günther Friesinger anrufen! Das Mitglied der Wiener Künstlergruppe monochrom sorgt mit seinem Drecksradio für die richtige Gegenthese zu Supersauberreinheit der Waschmittelindustrie. Viel Vergnügen beim Ohrenspitzen!
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Helge blickt besucher-technisch aufs Jahr zurück, Pete formuliert eine universelle Wahrheit, die man gar nicht oft genug wiederholen kann ("Die Welt ist eine rekursive Schleife.") und ich ärgere mich drüber, dass mein gestern gekaufter höhenverstellbarer Samsung Monitor ein fiependes Geräusch macht, mit dem er sich lautstark über meine lärmdämmenden Festplattengehäuse lustig macht. Naja, wenigstens helfen diverse Dubstep-Mixes, ausreichend Ablenkung zu erzeugen, bis ich den Screen nächste Woche umtauschen kann.
10 Jahre Minimalismus, 10 Jahre micromusic.net: gegründet wurde die Seite, neben der die Simpsons plötzlich gar nicht mehr besonders gelb aussehen, 1999: damals saß ich im Lion.cc Büro in der Mariahilferstrasse, kurz später lernte ich die beiden Schweizer Gründer bei einer Veranstaltung in Wien kennen. micromusic.net steht für "Lo Tech Music for Hi Tech People", verschreibt sich der alten Tracker-Philosophie und der freiwilligen Selbstbeschränkung auf 8Bit. Die produziert erstaunliche Ergebnisse, die mittlerweile auch in Form der DVD Get in the Van verewigt wurden:
This greenscreen, animated, live-action, narrative will take you from Brooklyn, NYC to the far edges of the galaxy. Jump up and down to your favorite tunes by Desert Planet, Twilight Electric, Plastic Flesh, and many many more!
Reingucken, wundern und abspacen! Und wer micromusic etwas zum Geburtstag schenken müsste, der werfe einen Blick auf die Microdonations-Seite: die Hostingkosten wollen refinanziert werden. Ich gratuliere ganz herzlich und sehe gespannt dem Output der nächsten Dekade entgegen.
Papier ist an sich, wenn mit ausreichend wenig Chlor gebleicht, ein kompostierbares Material. Aber seine Vernichtung im Office-Kontext erfordert Shredder, die Strom brauchen - also warum nicht einfach einen Paper Shredder via Hamster Power betreiben, fragen der Londoner Design Berater Tom Ballhatchet? Nur 45 Minuten braucht der Nager, um ein Blatt Papier zu zerlegen - und die Fetzerl dienen ihm anschließend auch noch als Ruhebett.
Gehackte Promi-Accounts, zweifelhafte Mash-Ups: sicherheitstechnisch geriet unser liebster Micro-Blogging Service in der letzten Woche ziemlich unter Beschuss. Frank bringt das Problem auf den Punkt:
Das große Problem ist, dass man bei Twitter für die Anbindung externer Dienste dort immer die kompletten Login-Daten angeben muss. So etwas wie einen API-Key oder sonstige externe Authentifizierung über Dritte gibt es bei Twitter nicht. Auch nach vielen Monaten und vielen Beschwerden. Twitter zeigt sich dort wie auch in anderen Punkten sehr unbeweglich und uneinsichtig. Warum das so ist kann man wohl nur spekulieren.
In Kombination mit den bekannten Performance-Problemen (Stichwort "Fail-Whale") drängt sich da durchaus der Gedanken nach einer Alternative auf. Casi fragt:
aus welchem Grund sollte man Twitter nutzen, wenn man woanders genauso viele oder mehr Menschen erreicht und die technischen Bedingungen/Usability zudem die von Twitter bei weitem in den Schatten stellen?
Mit anderen Worten: der Facebook-Chat funktioniert bereits sehr brauchbar, Digsby steht als Client zur Verfügung - also warum nicht zukünftig via Facebook-API "twittern"? Nun, das 5.000-Freunde-Limit könnte ein Problem sein, aber wenn FB das Thema ernsthaft angeht, dann könnte Twitter in der Tat rasch Probleme bekommen.
Aber es gibt auch was Positives zu berichten - dank dem Smashing Magazine ist es ab sofort möglich, Twitter-Kommentare über eigene Postings direkt am Blog darzustellen. Tweetbacks nutzt dafür nicht JavaScript, sondern die Tweets werden direkt in den Datenbank geschrieben und können dann wahlweise gemeinsam mit den "normalen" Comments oder als eigene Liste dargestellt werden:
This plugin imports tweets about your posts as comments. You can display them in between the other comments on your blog, or display them separately.
Die Österreich und die EU haben etwas gemeinsam: beiden Institutionen unterstellt man einen gewissen Hang zur Über-Regulierung. Dieses Thema greift das Wiener Kurzfilmlabel Fairdreht im 15-Minüter "Anschlagsordnung" auf. Wer in Österreich einen Sprengsatz hochgehen lassen will, muss sich in dieser kafkaesken Miniatur erstmal die passenden Stempelmarken und Anträge besorgen. Attentäter: "Wir sind fast pleite wegen der Sache." Beamter: "Sie können ja einen Förderung beantragen: Tiroler Jungbumser Fond, Jungterroristenförderung der Stadt Wien, Franz Fuchs Stiftung..." Einbetten kann man das Video leider nicht, zum Anschauen muss der Quicktime-Codec installiert sein:
Anschlagsordnung.
Ebenfalls nicht schlecht: der 3-Minüter Schreinachten mit überraschendem Ende. Fairdreht ist ein Gemeinschaftsprojekt von Moritz Wallmüller, den ich schon seit der wilden Zeiten bei Lion.cc kenne (er war damals Sänger von Superhero Rockstar) und schreibt Scores für Burgtheater-Inszenierungen. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Kurzfilme - auch im Zeitalter von you-"quick-and-dirty"-tube heben sich handwerklich gelungene Produktionen wohltuend ab.
More risk, less fun: der Hodenkaiser lehnt sich weit aus dem Linktrading-Fenster, Roberts eBay Auktion kommt ganz wider (mein) Erwarten nicht so recht aus den Puschen und im SEO-Handbuch gibt's Tipps für die Google-Bildersuche: immerhin sind in diesem Bereich mittlerweile 10 Prozent des Gesamtvolumens beheimatet:
Auch wenn der Marktanteil des Bildersuche-Dienstes bei Google mit knapp 10% nicht ganz an die reguläre Google Suche mit ca. 85% heranreicht, so bietet auch sie durchaus eine Möglichkeit zusätzliche Besucher auf die Website zu locken.
Wer über einen SEOMoz-Pro Account oder andere kommerzielle Tools verfügt, weiß um die Wichtigkeit des Keyword Research Bescheid. Hans-Peter aka DieListe stellte diese Woche ein Tool vor, das auch Hobby-SEOs in den Genuss professionellen Trackings kommen lässt. Und das beste daran: ExactFactor ist völlig kostenlos:
ExactFactor ermöglicht es dir, dass du eine gewisse Anzahl von Keywords einträgst samt der Adresse deiner Webseite. ExactFactor wird dann automatisch für dich die jeweiligen Suchmaschinenpositionen ermitteln für die gewünschten Suchmaschinen.
Online Marketer müssen nicht bloß um eine Ecke decken - und em Tipp, auch die gute alte Offline-Welt in den Conversion-Masterplan einzubeziehen, kann ich einiges abgewinnen:
Und hier heißt es für alle Online Marketer anzusetzen und Profit daraus zu schlagen. Wer sich heute über etwas informieren möchte, kommt um das Internet und gezielt um Google nicht mehr vorbei. Hier heißt es also Landing-Page optimieren und entweder über Suchmaschinenoptimierung möglichst weit oben listen, oder den Weg über gebuchte Anzeigen gehen.
Schon die "News" auf frühen mittelalterlichen Flugblättern wurden meist gesungen - musikalisch unterlegte Fakten scheinen sich eben besser einzuprägen. Dies gilt auch für das wunderschöne Lied The 3 Rules of the Internet von Jonathan Mann: "The internet is a less than physical space, containing a multitude of opinions on a wide variety of subjects... written by mostly assholes." [via monochrom]
Und das war's auch schon wieder für diese Woche - Weihnachts-Blähbäuche und Sylvester-Kater sind auskuriert, die Blogosphäre kommt langsam wieder auf Touren - und so lang's draußen so grau und kalt ist, gibt's weniger Gründe als im Sommer, die virtuelle gegen die reale Realität einzutauschen. In diesem Sinne wünsche ich einen wunderschönen Sonntag, wir lesen uns morgen.
Haben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
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Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.
Von freien Märkten zur Evolutionstheorie und wieder zurück: wenn sich die beiden Socken-Protagonisten Kiki und Bubu über das Spiel von Angebot und Nachfrage unterhalten, dann bleibt kein Wirtschaftstheoriestein auf dem anderen. In der aktuellen Folgen lädt man die beiden zu einem Web 2.0 Cocktail ein, auf dem unter anderem auch Visitenkarten ausgetauscht werden (Kiki: "Isn't that unhygenic, Kiki?") und der Legende nach auch Investoren anwesend sein sollen.
Die gute alte sokratische Lehr-Dialogik in zeitgemäßem Youtube-Format: was soll man dem schon noch hinzufügen?
Ich bin mir nicht sicher. Im Jahr des Polytheismus wollen derartige Fragen nicht auf die leichte Schultern genommen werden. Aber im Zweifelsfall finde ich ein á la carte Menu, aus dem sich jeder die passende Speisenfolge zur persönlichen Erlösung rauspickt, finde ich allemal sympathischer als Dogmatismen: es muss ja nicht immer der Leib Christi sein. Insofern habe ich mich auch sehr gefreut, als mich Johannes gefragt hat, ob ich eine Rezension meiner Lieblingsgottheit für das Polytheismus-Blog verfassten möchte.
So richtig klar geworden ist mir dann allerdings erst beim Schreiben des Textes, dass die Entscheidung, wem man seine unsterbliche Seele nun anvertrauen will, keine einfache ist. Da gibt's ja diese alte Geschichte von dem Typ, der dem Teufel seine Seele für Reichtum und so weiter verkaufen will, aber vorher möchte er wissen, wie sich die Ewigkeit in der Hölle denn so gestaltet. Daher bedingt er sich bei Luzifer vertraglich eine "Testphase" aus, und verbringt vor der Unterschrift eine Probewoche in der ewigen Verdammnis. Dort ist's erstmal unerträglich heiß und unser Protagonist leidet wie ein Schwein, um nach ein paar Tagen festzustellen, dass man sich auch diese Umgebungstemperaturen gewöhnt. Dann lernt er eine äußerst attraktive Mit-Insassin kennen und beschließt kurz vor seiner Rückkehr, dass die Hölle eigentlich so übel gar nicht ist. Also unterschreibt er, lebt ein erfüllt-exzessives Leben und gelangt nach dem Tod schließlich an seinen Bestimmungsort. Wiederum benötigt er wieder einige Tage, um sich akklimatisieren, und als er nach sieben Tagen glaubt, das schlimmste überstanden zu haben, wird's plötzlich ohne jegliche Vorankündigung unerträglich eiskalt... In den Osttiroler Sagen überlistet ja immer der schlaue Schmied den Leibhaftigen, aber hier spielt sich die Geschichte andersrum ab: man muss also schon gut überlegen, in welchem All-Inclusive-Club man die Ewigkeit verbringen möchte!
Dazu fällt mir noch der Witz von dem Atheisten ein, der stirbt und die Hölle kommt. Als er den Teufel sieht, erschrickt er erstmal, doch als der ihn freundlich begrüßt und zu seinem neuen Domizil bringt, kann er sein Glück gar nicht fassen: eine traumhafte kleine Karibikinsel samt Villa mit allen Annehmlichkeiten, Personal und persönlichem Koch steht zu seiner Verfügung. Luzifer wünscht ihm alles Gute und erklärt ihm, dass er ihn in einem Monat wieder besuchen wird. Als es schließlich soweit ist, will der Teufel wissen, ob sein Gast zufrieden ist. Der bedankt sich für sein traumhaftes Domizil und meint: "Es ist wunderschön hier, das einzige, was ich vermisse, ist ein Boot, um Ausflüge aufs offene Meer zu unternehmen." Der Teufel schnippt mit den Fingern, und ein kleiner Yachthafen mit mehreren Boten taucht am Strand vor der Villa auf. In den folgenden Wochen unternimmt der Neuankömmling immer ausgedehntere Ausflüge, bis er schließlich eines Tages am fernen Horizont eine Insel erblickt, von der dichter Rauch aufsteigt. Neugierig geworden nähert sich dem Mann dem Eiland und blickt durch sein Fernglas. Was er sieht, lässt sein Blut gefrieren: abgemagerte, blutige, zerlumpte menschliche Gestalten schleppen riesige Steinblöcke über steile Rampen, angetrieben von lauter kleinen Teufeln, aus deren Aufseher-Peitschen Flammen züngeln. Entsetzt wendet der Mann sein Boot und fährt zu seiner Insel zurück. Als ihn Luzifer am selben Abend besucht, wagt er kaum zu fragen, doch die Angst zerrt an ihm - und schließlich erzählt er dem Teufel von seiner Beobachtung und fragt ihn mit zittriger Stimme, was es denn mit der schrecklichen Folterinsel auf sich habe. Der lacht nur und zuckt mit den Schultern: "Ach, mach dir keine Sorgen - das sind nur die Katholiken, die wollen das so!"
Mit anderen Worten: man weiß nichts Genaues. Da finde ich es im Zweifelsfall am sichersten, sich von der eigenen agnostischen Sekte als unerkannter Gott feiern zu lassen oder lieber gleich den großen grünen Frosch anzubeten, der alle anderen Götter erschaffen hat. Mehr zu meinen persönlichen religiösen Präferenzen gibt's in Englisch am Polytheismusblog.
"The Ladies like him!" Die Rede ist vom Streichelnazi, den monochrom unlängst in Wien ausstellte. Mit Affirmation hat das nix zu tun, es handelt sich vielmehr um gewohnt aktio-situationistische Aufbereitung eines der verlogensten und verlegensten Kapitel Österreichs: denn noch Jahrzehnte nach dem Krieg stellten die wenigsten Politiker (und Zivilpersonen) den schweigenden Konsens, dass Österreich das erste "Opfer" Nazideutschlands gewesen sein, nicht bloß nicht in Frage, sondern forcierten jene Betrachtungsweise, die jegliche Unterstützung für die NSDAP auf breiter Basis vollkommen leugnete.
An eine Geschichtsstunde in der Oberstufe kann ich mich noch gut erinnern: am Lehrplan stand schließlich irgendwie irgendwo auch Zeitgeschichte - aber in Lienz muss man da aufpassen; schließlich hat Tirol die Verflechtung von konservativer Politik, Kirche und staatlichen Jobs zur Meisterschaft getrieben. Unsere gesamte "Bildung" über österreichische Parteien lief dabei folgendermaßen ab: drei Personen bekamen Kopien der damals aktuellen Parteiprogramme von SPÖ, ÖVP und FPÖ und mussten Referate halten. Die drei Vorträge (ohne Zwischenfragen) nahmen fast die gesamten 50 Minuten ein. Der Kommentar unseres Geschichtelehrers in den verbleibenden zwei Minuten lautete: "Und wie ihr seht, ist das eh alles mehr oder weniger das Gleiche." Möglicherweise hat diese Aussage sogar einen nicht unbeträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass ich später an der Uni Politikwissenschaft als mein Nebenfach gewählt habe.
Es gab jedenfalls keinerlei Diskussion darüber, was Parteiprogramme überhaupt sind und wozu sie dienen, wie die einzelnen Parteien entstanden, wo die grundlegenden ideologischen Unterschiede zwischen links und rechts liegen... man hat uns sozusagen in einer staatlichen Institution zu potentiellen Nichtwählern erzogen. Die Nazis haben wir damals natürlich überhaupt nicht durchgenommen - vielleicht wären die nach Meinung unseres Gymnasialprofs ja "auch eh nur das gleiche" gewesen. Immerhin hat Österreich ja im Rahmen der statistischen Unschärfe seinerzeit quasi geschlossen für das Großdeutsche Reich gewählt. Fanden .at die Hakenkreuzträger damals gar süß und streichelnswert? Diese Frage stellen Johannes und Co. im folgenden Context-Hacking Video - Text und Credits gibt's auf monochrom.at.
Meine Damen und Herrn, das ist die traurige Geschichte von Honzo. Und hätte sich monochrom des einst berühmten Schönbrunn-Bewohners nicht informationell angenommen, würde die Nachwelt vermutlich niemals von diesem abschreckenden Beispiel an Wiener Gemütlichkeit erfahren. Manche sehen Honzo gar als den prototypischen Österreicher schlechthin: Kettenraucher, Alkoholiker und Nazi Opfer, Choleriker und ständig schlecht gelaunt. Dass es sich um einen Schimpansen handelt, tut dem didaktischen wertvollen Inhalt dieses Lehrstücks keinerlei Abbruch.
1952 brachte der Afrika-"Forscher" Ernst Zwilling, ehemaliges Mitglied der NSDAP, einen männlichen Schimpansen von Kamerun in den Wiener Zoo Schönbrunn. In seiner Heimat war "Honzo" ein friedlicher und liebenswerter Zeitgenosse gewesen, doch das raue Wiener Zooklima schlug ihm sofort aufs einstmals sonnige Gemüt: der Affe wurde immer unruhiger und zeigte sich zunehmend von seiner aggressiven Seite - was ihn schließlich in eine Einzelzelle brachte. Dort gab man ihm Zigaretten und Bier, von denen Honzo schnell abhängig wurde. Honzo starb als Alkoholiker und Kettenraucher, die seine sterblichen Überreste wurden sorgsam präpariert und können im Wiener Naturhistorischen Museum begafft werden.
monochrom nimmt "The Life and Times of Chimpanzee Honzo" zum Anlass für eine Gedenkseite:
This page is dedicated to Honzo: the victim, the choleric, the drug abuser. Please send your images (max. width 500 px), videos (YouTube links or such), scanned drawings, whatever! Show us that you care about Honzo and his sad, sad fate! Email us your "Tribute to Honzo".
Einreichungen für die Honzo-Gallerie bitte an honzo [at] monochrom.at - einige beeindruckende Zeit-Affendokumente haben bereits ihren Weg ins Netz gefunden.
| 28. Juni 2008 | ||
| 12:00 | bis | 17:00 |
"Das einzige, was Kunst wirklich kann, ist Realität darzustellen, ohne sie darstellen zu müssen“, sagt Johannes von der Kunst-Neigungsgruppe monochrom. Am Samstag veranstaltet daher monochrom die erste Zombie-Zivilschutzübung Österreichs. Dem Künstler David Fine, der ursprünglich damit begann, die Bevölkerung ein ausgewählten Städten auf den Ernstfall einer Zombie-Invasion vorzubereiten, geht es vor allem um die Schaffung von Bewusstsein: wenn die Zombies dann wirklich kommen, soll niemand sagen, er sei überrascht worden. Gegessen vielleicht, aber nicht überrascht!
Wer mit marschieren möchte, kann sich am kommenden Samstag ab 12:00 im monochrom-Büro im Museumsquartier Make-Up technisch in einen echten Untoten verwandeln lassen, und zwar ganz im klassischen Horrorfilm-Stil. Anschließend formiert sich der Mob und walzt ab 14:15 plündernd und mordend und Menschenfleisch-fressend Richtung Mariahilferstraße. Die genaue Route: MQ - Mariahilfer Straße (bis Libro) - Gumpendorfer Straße - Karlsplatz - Oper - MQ. Natürlich mangelt es nicht an theoretischer Unterfütterung:
Zombies bewegen sich meist auf einem bestimmten Pfad. Dieser Pfad mag beinahe geplant wirken, aber er könnte ebensogut willkürlich sein. Zombies haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Sie riechen silbernes Gaffer-Band. Sollte Textilklebeband am Torso eines Passanten oder einer Passantin gefunden werden, dann werden die Zombies angreifen, die Kleidung besudeln und das Gehirn essen. So wird die Zombie-Horde größer. Und größer. Und größer. Sie wälzt sich einer gottlosen Fleischmasse gleich durch die hellgrauen Straßen der dunkelgrauen Stadt. Hat sie ein Ziel? gewiss.
Oder: Rambazamba deluxe, der alle popkulturellen Strömung der letzten 990 Jahre aussehen lässt wie 1000jährige Straußeneier. So bezogen sich die "Immer wieder Österreich" Sprechchöre während Non-Cordoba 2.0 wie man hört gar nicht auf das Spiel, sondern das brandneue Greatest-Hits Album der österreichischen Post-Situationisten monochrom. Oder, wie es der Pressetext - und nicht etwa dessen Schreiber - formuliert: "Erleben Sie live: Nicht nachzuvollziehende Stimmungsschwankungen, hormonelle Desorientierung, Identitätsschlamassel vom feinsten, Rebellion ohne Grund aber gut begründet, ausgesuchte gemischte Peinlichkeiten, legendäre Rollenkonflikte und natürlich jede Menge Verstocktheit, Unsicherheit und Kommunikationsverlust und splitterndes Glas."
Am 10. Juni fand im Klub Ost das Fest des fünfzehnjährigen Bestehens statt. Die Sache mit dem undankbaren Alter haben sie allerdings falsch erkannt:
Fünfzehn ist ein undankbares Alter. Du siehst aus wie siebzehn und man behandelt Dich wie dreizehn.
Das gilt bloß für Menschen, mit Künstlergruppen ist das so ähnlich wie mit Hundejahren: die ersten zwei zählen bloß halb, die nächsten drei normal, das sechste doppelt und ab dann geht's los wie bei der Schachlegende, von wegen Reiskorn-Verdopplung pro Feld uns so - in Wahrheit sind die monochroms also schon 2050 Jahre alt. Herzlich Gratulation jedenfalls!
Und das wichtigste: diese CD gibt's (noch) nicht bei Amazon, man könnte aber bestellen:
Die CD kann ab sofort per Remail bestellt werden und für die Vinylausgabe (erscheint voraussichtlich im August können Vorbestellungen gemacht werden.)
Die CD kostet 15,- Euro + 2,- Euro Porto.
Die LP wird voraussichtlich billiger abgegeben.
Und die ersten 10 LP-Vorbestellungen bekommen sie natürlich portofrei.
Natürlich gibt es die Stücke auch bereits in allen relevanten Onlineshops als Downloaden für die ganz Anspruchslosen.
Mehr Infos und jede Menge weitere bestellbare Goodies, inklusive diverser Print-Publikationen, findet man im monochrom Verlagsprogramm. Aber wieder zurück zum Album: Es beinhält neue und in der Regel komplett überarbeitete Versionen von alten Hits wie "Garz", "Let’s network it out", "Farewell to overhead, "Ebay the force" (im
absoluten Wahnsinns-Remix von Hans Nieswandt) etc. und einige neue Stücke wie "Lidl Girl" und "Killing Capitalism with Kindness" (feat. Gerald Votava). Eine ausführliche und sehr lesenswerte Rezension des Werkes hat Christian Heller aka plomplom verfasst, Hintergrundinfos zu den einzelnen Tracks stellen die Artisten selbst bereit, zum Anhören gibt's leider nix: aber manche Katzen muss man eben mit Sack kaufen, zumindest, wenn's letzteren gratis dazu gibt. In diesem Sinne möchte ich aus dem Opener-Track zitieren: "Dark-Waver! 16jährige Dark-Waver! Wir kommen, um euch zu holen!"
Vor kurzem waren Johannes und Daniel von monochrom in den Staaten - natürlich nicht zum Privatvergnügen. Gemeinsam mit der BLF (Billboard Liberation Front) wurden konspirative Pläne geschmiedet. Ziel des Kunst-Anschlags: die Google Campus im Silicon Valley. Eine Installation namens "The great firewall of China" sollte elegant den Blick aufs Logo verstellen; glücklicherweise ging die ganze Sache (angeblich zufällig) auch noch ausgerechnet während eines Google Shareholder Meetings über die Bühne.
BoingBoing hat alles auf Video dokumentiert - viel Vergnügen! (btw: hübscher Flash-Videoplayer!)
| 26. März 2008 | ||
| 19:00 | bis | 21:00 |
Oder trotz? Oder doch wegen? Diese Frage darf demnächst am net culture lab Podium im Museumsquartier diskutiert werden, denn die Innovationsinitiative von Telekom Austria TA AG hat bemerkt, dass das alles eigentlich gar nicht so leiwand ist mit den ganzen (Verbindungs)daten.
Wobei in my humble opinion schon das Thema eine These suggeriert, die zu hinterfragen wäre: nämlich, dass gerade Social Networks zu jener Ausspionierbarkeit führen, die digitale Bürgerrechtsorganisationen wie die quintessenz schon seit Jahren anprangern - noch lange vor Facebook und Co. Social Networks sind das geringste Problem, weil moderne Networks sehr elaborierte Privacy-Einstellungen erlauben, siehe Facebook. Mit anderen Worten: UserInnen entscheiden selbst, welche Daten sie wem preisgeben möchten.
Eine viel gewaltigere Bedrohung liegt in der Aushöhlung der Gewaltentrennung, in der freien Verfügbarkeit von Abhörmechanismen für die Polizei ohne jegliche richterliche Beschlüsse, wie sie nun in .at Realität ist. Die Kombination aus Telekommunikations-, Internetverbindungs- und bargeldlosen Zahlungsdaten - ganz zu schweigen von RFIDs in zukünftigen Ausweisen - sollte auch Nicht-Paranoiker schlucken lassen: dagegen sind Social Networks wirklich ein läppisches Problem - insofern finde ich den Ankündigungstext auch stark übertrieben; aber die monochrom Performance könnte auf jeden Fall lustig werden.
Interaktion im Social Web erfolgt datenbasiert: Wer sein Profil reichhaltig mit persönlichen Informationen füllt, Bilder veröffentlicht und ausgiebig virtuell kommuniziert, wird zum sozialen Erfolg im Netz. Vielen Usern ist aber nicht bewusst, dass ihre Daten nicht nur ihren virtuellen Freunden zugänglich sind: Über offene Programmierschnittstellen (APIs) können (User-)Daten extrahiert und neu kombiniert werden - solche Mash-Ups haben den Erfolg von Web 2.0 mitbegründet. Aber ist auch rechtlich und ethisch vertretbar, was technisch möglich ist? Und ist der Mensch überhaupt in der Lage, mit den technischen Szenarien, die er selbst erschaffen hat, in seinem Alltag adäquat umzugehen? Neben einer moderierten Diskussion wird das internationale Kunst-Technologie-Philosophie Kollektiv Monochrom live soziale Mash-Ups präsentieren.
Näheres über die Diskutanten gibt's Anton Geist, Bernhard Lehner, Jaro Sterbik-Lamina, Jana Herwig und Begrüßer Martin Bredl gibt's auf der netculture Seite nachzulesen.
| 23. März 2008 | ||
| 20:00 | bis | 23:00 |
Keine überlebensgroßen Osterhasen stehen am oster-sonntäglichen monochrom Film-Spielplan, sondern ein Klassiker des Horrorgenres: riesige Killerameisen machen sich in Formicula (Originaltitel: Them) über gar nicht mal so unschuldige Menschen her.
Projiziert wird im Raum D des Wiener Museumsquartiert, im Zentrum der Handlung des schwarz-weiß Films unter Mitwirkung von Leonard "Mr. Spock" Nimoy stehen großformatige Krabbler: Denn Atomtest-Strahlung hat zum fiktiven Wachstum der ansonsten unentbehrlich fleißigen Waldarbeiter geführt. Anstatt lustige kleine Ameisenhaufen zu bauen, pumpen die mutierten Monsterchen Menschen voll mit Ameisensäure und stehlen kiloweise Zucker. Das FBI ermittelt, die Soundeffekte sind spooky und das karge, fast dokumentarische Flair der Doku tut ein Übriges zum passenden Ausklang des höchsten katholischen Firetags im Kirchenjahr. Während Method Man und Redman wohl einmal mehr zu dicht waren, um's rechtzeitig zum Flieger und zum für heute geplanten Auftritt in Wien zu schaffen, ist Johannes wohlbehalten von diversen Konferenz-Auftritten zurück und wird einführende Worte sprechen:
Sonntags werde ich im Rahmen der Projektionen eine kleine diskursive Einführung zu Gehör bringen, dann geht's ans gemeinschaftliche ostersonntägliche Filmschauen. Aber warum ausgerechnet der schinkenverseuchte und monotheistische Ostersonntag?
Nun, die Easteregg-Mission habe ich ja schon erwähnt. Aber es gibt noch einen viel triftigeren Grund. Die Ameisen verdanken ihre Größe dem ersten Nuklearwaffenversuch der Geschichte, dem
Trinity-Test. Und Trinity ist ja auch nur ein coolerer Name für "heilige Dreifaltigkeit". Basta.Erfahret!
Also, kommt doch am Sonntag, 23. März 2008 um 20 Uhr in den Raum D des Museumsquartiers. Wir haben einen Geigerzähler und etwas
radioaktives Material. Ameisen bitte selbst einsammeln.
| 27. Februar 2008 | ||
| 22:30 | bis | 23:55 |
Man wird sich das ansehen müssen! Denn das Buch haben Frank Apunkt Schneider und die Grenze des Universums gemeinsam verfasst, Regie führte letzterer. Premiere ist in der Roten Bar des Volkstheaters Wien - laut monochrom handelt sich weniger um ein Theaterstück, als vielmehr um ein Reenactment.
Nähere Auskunft zu dieser dramaturgischen Neubearbeitung des Klassiker-Formats "Schulfilm" gewährt die Homepage:
Ein Tag im Winter 2008: Für den klassischen Schullehrfilm sieht es alles andere als gut aus. In einer Welt der Powerpoint-Präsentationen und der Downloadplattformen kommt er sich ein bisschen vor wie Cat Stevens in einer Welt der Powerpoint-Präsentationen und der Downloadplattformen. Dabei könnte er die Zielgruppe da abholen, wo sie abgestellt wurde. Aber wie?! In einer Sprache von heute etwa, so zeitlos wie möglich und so zeitgemäß wie nötig? Vielleicht! Und mit Themen, die der unmittelbaren Erfahrungswelt der SchülerInnen entstammen?! Why not! Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur handelt: Der alte Schullehrfilm muss der neue Schullehrfilm werden, damit Lerninhalt Lerninhalt bleiben kann.
Das klingt natürlich extrem vielversprechend, und die Rote Bar scheint ein überaus angemessener Veranstaltungsort zu sein. Wer's zur Premiere am 27. Februar nicht schafft, hat ein paar weitere Gelegenheiten zur popkulturellen Bildung in Eigenregie, und zwar am 29. Februar sowie am 3., 10., 26. und 31. März 2008 jeweils um 22.30 Uhr und am 12. März 2008 um 22 Uhr.
Bubus Vater muss in letzter Zeit immer so viel arbeiten, dass er so gut wie gar keine Zeit für Bubu hat. Das liegt am neoliberalen Shift, erklärt Kiki.
Et voila: einmal mehr bringen Johannes Grenzfurthner, Evelyn Fürlinger und Co. den gesellschaftlichen Grundkonsens mit einem Video zum Erbeben. monochrom presents: The Shift:
Früher hieß es noch "you've been slashdotted", mittlerweile wird man ge-boingboingt, was den Traffic betrifft. monochroms myspaceface-Performance von den letztjährigen Big Brother Awards dürfte mit der Veröffentlichung auf bb schlagartig eine weltweit Audience erreichen - zu Recht, der Clip ist wirklich grandios!
Gratulation an die monos, hier geht's zum BoingBoing Vidcast:
An original musical production about social networking and your personal privacy, by Austrian art-pranksters monochrom, with Jonathan Mann aka GameJew. Performed at the Austrian Big Brother Awards, where online rights advocates honor "government agencies, private companies and individuals who have excelled in the violation of our privacy."
Die ungekürzte Version gibt's auf monochrom.at. Da bleibt nur mehr zu sagen: Meet us here on myspaceface!