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Artikel-Schlagworte: „monochrom“

Die Heiligen 3 Könige ordentlich abfeiern

6. Januar 2008
20:00bis23:00

aktion mutantemonochrom macht's möglich: mit einem besinnlichen Screening des legendären Klassikers "Aktion Mutante" beendet die Wiener Künstlergruppe die Feiertage. Morgen Abend werden Alexander Nikolic und Stefan Lutschinger im QDK-Veranstaltungsraum (im Museumsquartier Wien) einleitende Worte finden, anschließend steht kollektives Filmerlebnis am Programm - anders als im Kino allerdings bei freiem Eintritt.

Das Screening findet also am Heiligen Dreikönigstag im Rahmen der monochrom'schen Projektionen statt und bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe "Rote Weihnachten" (21. Dezember 2007 - 6. Jänner 2008) von und mit Alexander Nikolic und Stefan Lutschinger, die während der Feiertage in Berlin und Wien abgehalten wurde.

Wer Aktion Mutante noch nie gesehen hat, sollte sich diese Gelegenheit keinesfalls entgehen lassen. Die krude Mischung aus politischer Utopie, Science Fiction und Slasher-Fantasy wurde auf zahlreichen Festivals mit Preisen überhäuft. Regisseur Alex de la Iglesia lässt im Jahr 2012 die "Mutanten" Krieg das Establishment führen:

Die einzigen Übriggebliebenen, die sich im Jahre 2012 dem allgegenwärtigen Schönheitsdiktat und Konsumzwang entgegenstellen, sind die Angehörigen der "Aktion Mutante", einer militanten Organisation aus Missgebildeten und Behinderten, die sich gegen die Upper Class der Schönen und Reichen auflehnt. Unmittelbar nachdem ihr geliebter Anführer Ramón ("ein Mann, der in der Lage ist, die Widersprüche des Systems aufzuzeigen") aus dem Knast entlassen wird, ruft das teuflische Hirn der Gruppe zu neuen Aktionen auf.

Mehr Background gibt's bei Johannes auf fm4 - ich würd meinen, das ist ein durchaus passender Rahmen: sozusagen von der Punschseeligkeit zurück in die blutige fantasievolle Realität...

Wir Österreicher sind Ärgernisse

Wow, Erstaunen! Man ist ja immer vorsichtig mit Stereotypen; einen Bayern als Weißwurst zu titulieren, geht ironisch grade noch, weil über sich selber darf man bekanntlich Scherze machen und wir Osttiroler sind sozialisierungstechnisch ja halbe Bayern: zumindest hab ich in meiner Jugend wesentlich mehr Wochenenden in München verbracht als in Innsbruck. Und ich mag Weißwurst. Fast genauso gut schmeckt mir die Verbreitung unserer Piratencharts, auch wenn die neueste Stimme im Chor der Empörten da offensichtlich ein paar Kategorien verwexelt hat.

An Konkurrenzen , Ärgernissen und diversen push / pump- up Aktionen fehlt es nicht . Siehe DBC : Technorati- Linkketten & page- Piraterie, bezeichnenderweise mit Spuren nach Östereich , wo Max Kossatz und Richie Pettauer fröhlich das Domainschwanzerl von deutscheblogcharts.de in deutscheblogcharts.com umgewandelt haben und letzterer gleichwohl unbelangt weiter für ORF matrix und sogar die NMZ schreibt.

Ich schreibe weiter unbelangt meine Kolumnen für den ORF (die natürlich auch hier am Blog veröffentlicht werden) und sogar die NMZ... scharfe Formulierung, Hut ab der Herr! Und sogar Berliner Tageszeitung und the gap und what not. Journalisten-Style halt. Aber die Formulierung find ich einfach jenseitig geil: obwohl wir unsere Chart-Aktion durchgezogen haben, darf ich trotzdem weiter für den ORF über Web 2.0 und Charts und dergleichen schreiben. Eigentlich erscheint mir die Forderung, dass ein Journalist, der über Medien schreibt, sich möglichst nicht im Internet aufhalten sollte, äußerst skurril. Oder welche andere Implikation kann man dieser Aussage entnehmen?

Dass Meister Zintzen so gar nicht versteht, worum's bei der ganzen Piratenaction eigentlich geht, ist dann wiederum bezeichnend für die Misstände in deutsch Blogistan: da schreiben einige semi-informierte Paradigmatiker über die politische Wichtigkeit des Blogformats und schürt wöchentlich ein selbstbezügliches, geradezu inzestuöses Feuer innerhalb einer Szene, bei der aktive Leser- und Autorenzahlen nahezu in Nulldifferenz kollabieren. Misstrauen ist angesagt! Ich hab's schon mal geschrieben und kann's nur wiederholen: ich treibe mich seit viel zu langer Zeit im Dunstkreis der Netzkunstszene rum. Leudde wie Hans Bernhard oder Alexej Shulgin, die q/uisse, monochrom etc... die Arbeit jener Künstler und Theoretiker, die ich spannend finde, geht nicht von einem behaupteten Status Quo ("Die Blogosphäre ist wichtig und gut") an Fragestellungen ran, sondern versucht, durch smarte Setups, Interventionen und Hacks Denkprozesse bei allen Beteiligten in Gang zu setzen, die nicht über vorgegebene Bahnen verlaufen.

Natürlich folgt der "wider die guten Sitten" Argumentation der ökonomische Rundumschlag auf den geschwollenen Fuß:

Dass nirgendwo eine Differenz gezogen wird zwischen kommerziellen Bezahlbloggern (egal , ob von Zeitungen ins Rennen geschickt oder per Adsense, Adical, Trigami geknechtet), liegt wohl in der Logik der allumfassenden Kompetition - gleich, ob es sich um reales oder symbolisches Kapital handelt.

Und dann wenige Sätze später:

Dass nun auch das Startup- Fieber die österreichische Bloglandschaft überrollt, zeigt das Barcamp Vienna auf der Wilhelmshöhe Ende September. Ganz nett, sich die Subscribers durchzusehen und deren jeweilige Selbstdarstellung . Fast wie bei den Grossen!

Das ist nicht nur geschmacklos, sondern lässt auch die Frage offen, auf den sich "groß" bezieht... Aber man muss gar nicht zu Unterstellungen greifen, wie das der werte Herr Kollege tut. Informationen aus erster Hand aufzunehmen wär extrem hilfreich, anstatt weiterhin dass Misstrauen gegen Österreich zu schüren - schlimm genug, dass wir innnerhalb der internationalen Staatengemeinschaft als Schurkenstaat gelten!

PS: Meine nächste matrix-Kolumne schreib ich zum Thema "Quantitative Vermessung der deutschen Blogosphäre". Das ist ja das schöne an Kolumnen: die drücken eine Meinung aus.

Piraten an Bord! Das Chart-Update.

Dass die Blogpiraten vor nichts halt machen, lässt das Establishment spätestens seit dem Launch der deutschen piraten blogcharts vor Furcht erzittern. Mittlerweile hat Technorati ein paar weitere Reaktionen gefunden... und wir brüten weiter piratenhafte Rankings aus und haben auch ansonsten noch so einige Spielchen mit dem Wäbsweinul vor!

Und andere Teufeleien... doch davon nächste Woche mehr. Nur soviel sei verraten: man kann nie genug Rankings haben, denn auch 1000 Reporter kochen nur mit Wasser. 1000 Piraten aber kochen mit Rum - mehr soll einstweilen nicht verraten werden. Freetagger Philipp wird jedenfalls zukünftig öfter mal bei uns vorbeisegeln (das zahlt sich übrigens aus - wir haben noch einige Updates in petto...), Herr Hollemann findet die Diskussion genau wie wir durchwegs erheiternd, der Navigator macht's kurz und bündig, monochrom hätte daran nicht gedacht und Xsized freut sich über den 1. Platz.

Beiträge für monochrom Jahrbuch 2008 gesucht!

15. September 2007

monochrom.gifFinally! Meine Lieblings Medienkunstgruppe hat einen Call for Papers für das regelmäßigste Printmagazin der Welt raus gejagt. Und Sie, werte Leser, haben noch bis zum 15. September Zeit für Einreichungen: ob Skizze auf Klopapier, auf Goldplatten geätztes 3D-Foto oder Kriminalroman: Format, Umfang und Thema bleibt ganz dem Beiträger überlassen. Und weil ein Schwerpunkt wie immer auf dem Thema "Rezensionen" liegt, hab ich zur Abwechslung mal kein Produkt der Popkulturindustrie, sondern einen html-Tag rezensiert.

Auf die 2008er Ausgabe des monochrom MagazinBuches freue ich mich jetzt schon - als ich '95 nach Wien kam, um mein Studium zu beginnen, war die damals aktuelle monochrom-Printausgabe (zumindest in meiner verklärten Erinnerung) das erste denkwürdige Stück bedruckten Papiers, das mir in der Bundeshauptstadt in die Hände fiel. Wenn ich mich recht entsinne, lernte ich damals Johannes Grenzfurthner im Rahmen einer Spoken Word Convention kennen... und in den folgenden Jahren die Projekte von monochrom lieben. Hier der Call for everything:

We are looking for articles, essays, graphics, cartoons, cut-up stuff for the next multi-issue of our non-commercial yearbook series "monochrom". We'll publish the entire book in English, a fact that might be highly interesting for many monolingual Angloamerican folks.
There is no maximum or minimum length for articles or essays. There is no general topic whatsoever. You write about things you find interesting. Or boring. Your text could be about radical constructivism. Or fish and chips. Or hacking your toilet. Or blowing up Mercury. Or HTML. Or Mormon theology and Battlestar Galactica. You'll find your topic!
A big section of the publication will be dedicated to reviews. And we review everything. Want to review a certain medieval war? Or arctic sea protozoans? Laws of nature? Climate zones? Ways to die? Lava streams? Spam headers? Demonstrations? Sumerian gods? Neon feelings? A crisis? The different types of snow in Stephen King novels? Book shelves in porn movies? Kosher hot dogs? Axiology? Sperm? Johann Sebastian Bach? German officers in American movies who shout "Schweinerei"? Russian oil pumps? Calvinistic prayers? Trash cans in Kansas and/or Lithuania? Anal sex? The Northwest as an ontological entity? Perfect! Go on!
So, please send your suggestions or finished works to mono AT monochrom.at
Deadline is September 15, 2007.
Preferred format for text files: RTF files. Preferred format for graphics: Greyscale JPEGs, maximum quality, 300 dpi. Please don't forget to mention your name and snailmail address.
We hope we'll be able to publish monochrom #26-34 in spring 2008.

Wie erwähnt, konnte ich mir eine kleine Kontribution nicht versagen - ich wollte schon immer mal Teil des strikt schwarz-weißen Mono-Printoversums sein. (Die deutschsprachige Version folgt weiter unten).

Review: div - A tag sans attributes

In recent years, the div tag has had to face an ever increasing number of fans among coders, as it enables them to split a site into different so-called sections. Some claim that it is even possible to completely hide some of these content sections - or, more precisely to deliberately hide them from human users or search engines. Thanks to the div tag is has become possible to publish a site which looks like a scientific analysis of Greek literature to Google, while the human user gets surfed plenty sexy phone numbers. Or vice versa.
It's no surprise that the div Tag goes by many nicknames: some call it a container, some shout block-element in his virtual face, but the div tag doesn't care, as he doesn't bring any attributes whatsoever into play. Except for a single one: the situationist artist amongst blocklevel-elements inherently forces a line break. In the light of these circumstances the following lines published by mediaevent.de start to make sense all of a frightening sudden: "The div a tag is an especially exciting construction in HTML. It structures the content of other elements that fit together logically and get highlighted optically."
If you've seen a div-tag once, you're not likely to forget the excitement and almost sexual stimulation the "Viagra among html tags" causes in code-savvy developers: a bit more structuring ontology and a little less attributes is zeitgeisty enough for source codes as well as T-shirts.

div - Der Tag [tääg] ohne Eigenschaften

Der div-Tag ist unter html CodiererInnen recht beliebt, weil er eine Unterteilung der Seite in verschiedene sogenannte Sections erlaubt. Manche sagen, man kann in Kombination mit css Stylesheets in div-tags Inhalte sogar unsichtbar unterbringen, zumindest für Menschen. So wäre eine Seite, von der Google glaubt, sie handle von griechischer Literatur, die aber in Wahrheit Sextelefonnummern aus dem Spätabendfernsehen bewirbt, ohne div Tag nur sehr viel schwieriger bis gar nicht realisierbar.
Die Spitznamen des Tags sind vielfältig: manche nennen ihn Container, anderen sagen Blockelement, aber das kümmert den div-Tag wenig: er bringt von sich aus nämlich keine weiteren Eigenschaften whatsoever ein, mit Ausnahme einer einzigen: Der Situationist unter den Blocklevel-Auszeichnungselementen fungiert immanent als Zeilenumbruch. Kein Wunder, dass mediaevent.de schreibt: "Das div-Tag ist ein besonders aufregendes Konstrukt in HTML. Es strukturiert den Inhalt anderer Elemente, die logisch zusammengehören und optisch herausgestellt werden." Wer den div-Tag schon einmal live gesehen hat, wird die Aufregung sofort verstehen: ein bisschen mehr strukturierende Ontologie und ein wenig weniger Eigenschaften stünden vielen anderen Tags ebenfalls gut zu Gesicht.

monochrom schickt Herrn Kaufmann ins Gefängnis

"Im Sommer" lautet der Name eines Kurzfilms, den die Künstlergruppe monochrom vor nunmehr über einer halben Dekade drehte. 8 1/2 Minuten dauert das Oeuvre - seit letzter Woche ist der Clip auf Youtube verfügbar: schauen Sie sich das an, so geht's zu auf österreichischen Polizeirevieren.

Wenn der Merkur im 6. Haus steht, dann wird's höchste Zeit für eine Inhaftierung. Besondere aktuelle Brisanz erhält "Im Sommer" durch das laute Nachdenken des AT-Innenministers über Präventivhaft von "staatsbekannten" Hooligans während der Fußball-Europameisterschaft:

YouTube Preview Image

Weitere Kurzfilme aus dem mittlerweile ganz schön umfangreichen Schaffensrepertoire der Medien.Kunst.Gruppe finden sich auf der Homepage: http://www.monochrom.at/monofilm/.

Blogistan Panoptikum Woche 29 2k7

16. Juli 2007bis22. Juli 2007

SEOs tragen lustige Hüte, Software-Updates werden veröffentlicht und Spieler nehmen die First Person Pinball Perspektive ein. Mit anderen Worten: eine ganz normale Woche in Blogistan - bisher keine hitzebedingten Serverausfälle zu vermelden.

Die Hüte der SEOs

Haben Sie auch schon mal gefragt, wie der gemeine Whitehat-SEO eigentlich aussieht? Michael hat auf Greensmilies die Antwort gepixelt... dort findet man auch den "evil" blackhat SEO, der versucht, an den Google-Ergebnissen zu rütteln:

blackhat

Die Woche der Software-Updates

Frage an Radio Eriwan: kann man ohne Datenbank sein eigenes Blog hosten? Antwort von Dr. Weblog: im Prinzip mit Flatpress. Dr. Detlef Groth kennt alle Details zum neuen Trend Bloggen ohne Datenbank. Das kann YAML natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen: Dirk Hesse hat sein Div-Framework komplett überarbeitet und präsentiert die Version 3:

Dirk Jesse hat sein YAML komplett überarbeitet und stellt das (X)HTML/CSS Framework zur Erstellung moderner, flexibler Layouts auf Grundlage von Floats nun in neuer Version zum Download bereit.

Hier gibt's die aktuellen YAML-Edition. Das datenschmutz-Template hört übrigens auf den Namen noxed2 und basiert ebenfalls auf dem lobenswert flexiblen Framework, das jeden Menge Browser-Kompatibilitäts Kalamitäten zu vermeiden hilft.

Von der Sinnlosigkeit der Vorratsdatenspeicherung

Christian hat ein hervorragendes Argument für mehr Vorratsdatenspeicherung: um grandiose 0,006 Prozent oder 0,06 Promille verbessert sich die Aufklärung von Straftaten. Und das bloß um den geringen Preis des Verlustes jeglicher Privatsphäre! Christian macht's unseren Sicherheitspolitiker aber auch wirklich nicht leicht:

So eine Aufklärungsquote ist für mich keine Begründung um meine Privatsphäre aufzuweichen und zu zerstören.

Videos doppelt sehen

Endlich erste Spuren echter Multimedialität erkennen lässt die dringend notwendige Seite Youtubedoubler: dank dieses äußerst praktischen Services kann der Surfer zwei Videos (mit zwei Tonspuren) zugleich ansehen. Dass das so lange gedauert hat... schließlich haben wir ja auch zwei Augen und zwei Ohren. [via wissenbelastet] Mein bisheriger Favorite: Magritte vs Temptations vs Peter Sellers vs Beatles vs Three Stooges.

First Person Pinball

Über den ersten First-Person Flipper-Automaten der Welt spricht Martin Pichlmair in der dritten Ausgabe von Dorkbot Vienna. Aufgenommen wurde die Talkshow für Nerds im Metalab. Neben SChilderungen über den Thrill von Force-Feedback Helm und Flipperkugel auf Augenhöhe gibt's auch einige interessante Anekdoten rund um das gute alte Theman Hacking aka Technologieaneignung:

The Internet has crashed

Und alles nur, weil ein Amerikaner 53 Fenster gleichzeitig offen hatte. Erstaunlicherweise war's in diesem gut gemachten fiktiven Nachrichtenvideo ein Meck, der den globalen Shutdown auslöste. [via Theofel.de]

Spock sucht (und findet) Personen

FranzToo vergibt gerade Einladungen zum geschlossenen Betatest der neuen Personensuchmaschine Spock, die nahezu beängstigend gut funktionieren soll. Einer der Gründer erklärt im Interview das Funktionsprinzip, vor dem sich Xing zu Recht fürchten sollte:

FlickR, Jake Appelbaum und die Zensur in Hongkong

flickrEin Foto von Jake Appelbaum, monchrom Artist in Residence, sorgt für ein Aufruhr in Hongkong. Blogger und Interlocals-Gründer Oiwam Lam verlinkte von seinem Blog auf das erotische Portrait und soll dafür entweder 400.000 HK Dollar bezahlen oder ein Jahr ins Gefängnis gehen.

interlocals.ne will Medienaktivisten vernetzen, deren Muttersprache nicht Englisch ist: dazu übersetzen verschiedene freiwillige Mitarbeiter die einzelnen Texte in diverse Sprachen. In einem aktuellen Interlocals-Beitrag berichtet Oiwan über die verschiedenen Reaktionen. Der ursprüngliche Beitrag mit dem Foto ist nach wie vor online bei Inmediahk.net. BoingBoing schreibt zu der Causa:

Interlocals.net founder and inmedia.hk activist Oiwan Lam decided, as an act of electronic civil disobedience, to protest the Obscene Articles Tribunal of the Honk Kong Television and Entertainment Licensing Authority (TELA) and their classification of articles as obscene for publishing hyperlinks to erotic photography on FlickR and other sites. Lam then wrote an essay criticizing the Authority and linking to a tasteful photography found by searching the keyword 'nude' on FlickR. The result was a quick response from the TELA, and the classification of the article as a Class II indecent article by the Obscene Articles Tribunal. The maximum penalty is HK$400,000 and 12 months in jail.

Auf FlickR gibt's das Foto für Österreicher und Deutsche indessen nicht mehr: dass die größte Foto-Community in ganz besonders vorauseilendem Gehorsam auf die strengen Jugendschutzbestimmung Deutschlands eingeht, ist bekannt - offizieller Grund für die Einstufung des Accounts auf "unsafe" und die Nichtabrufbarkeit auch aus Österreich sind laut FlickR-Besitzer Yahoo besagte deutsche (!) Jugendschutzgesetze. Damit hätten wir hier wohl einen jener seltenen Fälle, wo die grenzüberschreitende Wirkung des Netzes nicht Informationen, sondern Zensurstrategien von einem Land ins andere durchsickern lässt.

FlickR jedenfalls stufte gleich mal Jake Appelbaums gesamten Account als "unsafe" ein: der Fotokünstler hat dort einige tauend Bilder online, von denen es sich bei den wenigsten um (schwer harmlose) Erotik-Aufnahmen handelt. Aber FlickR sieht die Sache mit den nackten Frauenbrüsten anscheinend wesentlich enger als die Kronenzeitung - und so unangenehm die ganze Sache für Miss Lam nun auch sein mag, aus der Sicht des Fotografen bestätigt diese unerfreuliche Anekdote einmal mehr: mit dem Hosten seines eigenen künstlerischen Outputs bei Drittanbietern wie FlickR (oder auch myspace, Blogger, Wordpress.com, youtube... insert web 2.0 application here) liefert man sich deren Gutdünken auf Gedeih und Verderb aus. Wer am Web 2.0 partizipieren will, ohne bloß zensurgefährdeter, mundtoter User der Big Player zu sein, der kommt um selbst gehostete Plattformen und eigene Server einfach nicht herum.

Metaday #5: Johannes Grenzfurthner über “corporate anthems”

6. Juli 2007
19:30bis23:30

johannesAm kommenden Freitag lädt das Metalab zum fünften Mal in die Wiener Rathausstraße Numero 6 zum Metaday: monochrom-Gründer und Professor für Kunsttheorie und künstlerische Praxis an der FH Joanneum in Graz Johannes Grenzfurthner spricht über das hochassoziative Thema "Was im Innersten zusammenhält... Die Kultur der corporate anthems".

"Corporate Anthems" ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich keine Metapher: es dreht sich in der Tat um Firmenlieder, und sowohl Mitsingen als auch Powernapping sind aus- und nachdrücklich erwünscht. Ich kenne den Vortragenden von diversen anderen Gelegenheiten - Johannes Vorträge gehören zu der seltenen Spezies von Veranstaltungen, der es gelingt, hohen Humorfaktor und die Vermittlung neuen nützen Wissens aufs Unterhaltsamste zu verbinden.

Die Entwicklung vom Frühkapitalismus (sprich: die Organisationsform der gesellschaftlichen Güterproduktion und ihres Verkehrs) zum Spätkapitalismus (sprich: die Organisationsform aller gesellschaftlicher Beziehungen auf der Basis einer bestimmten ökonomischen Ideologie) ist nirgendwo so gut greifbar wie im dominanten Organisationstyp spätkapitalistischen Wirtschaftstreibens: dem modernen Unternehmen. Das Unternehmen ist längst an die Stelle der Fabrik getreten. Die Fabrik basierte auf dem gelebten und durchgesetzten Gegenüber von ArbeiterInnen und FabriksbesitzerInnen. Das moderne Unternehmen jedoch ist um die Idee eines neuen post-antagonistischen Arbeitsbegriffs herum errichtet. In ihm sind die Arbeitenden zu Mit- oder Sub-UnternehmerInnen geworden. Das sind sie natürlich nicht, wenn man betrachtet wer real die Produktionsmittel besitzt, aber die Arbeitenden haben die illusorische Vorstellung aktiver, mitbestimmender Teil einer "großen Familie" zu sein. (I love this company!) Das moderne Unternehmen will hinter die Klassenkampfkrise frühkapitalistischer Verhältnisse zurück. Das bedeutet: innere Widersprüche und Interessenskonflikte treten zurück hinter das Fortbestehen als "Gemeinschaft". (Ein Besuch des Google Campus in Silicon Valley könnte hier nicht offenbarender sein.) Die Rückbesinnung auf die kulturhistorisch ältere Idee der Gemeinschaft führt auch zur Reaktualisierung bestimmter Ritualformen, etwa im Bereich "Musik". Die Firmenhymne erscheint auf der Firmenbühne.
Aber es gibt kein richtiges Feel-Good im falschen. Anhand verschiedener historischer und gegenwärtiger Beispiele (speziell auch aus dem Bereich der Hardware/Software-Industrie) wird Johannes Grenzfurthner einen theoretischen und praktischen - und keineswegs ununterhaltsamen - Überblick über das Genre der corporate anthems liefern.

Beim Metaday handelt es sich um eine monatliche Veranstaltungsreihe:

Einmal im Monat lädt das Metalab Vortragende aus aller Welt ein, bei uns von ihren Projekten und Ideen zu erzählen. Anschließend gibt es Platz für Lightning Talks, wo Besucher aktuelle Unternehmungen und Vorhaben vorstellen können, sowie ein Buffet und gemütliches Ambiente für Diskussion und Austausch.

Ja, was soll man da noch groß schreiben? Kein Eintritt, lässige Veranstaltung und: das ganze ist so interessant, social und gemütlich wie sich's anhört - und ich kann nur wiederholen, dass Lightning Talks ein sehr unterhaltsames Format darstellen, um sich schnell einen Überblick auch über exotische Themen zu erhalten. Hier haben sich bereits angemeldet:

  • Clifford: Lychrel-Zahlen und das Halteproblem
  • Gregers Petersen: Cultures of Circulation, demand sharing
  • and new social movements.

  • Lukas: Amazon Elastic Compute Cloud (EC2)
  • Marius: Revealed: the iPot
  • Jaume: Representing databases with AREA
  • weitere Vortragende willkommen...

Anschließend an die Kurzvorträge klingt die Veranstaltung mit den üblichen Afterparty-Features Buffet, Wien und Musik sanft aus. Wer die Beats selektiert, bleibt vorerst allerdings noch ein Geheimnis - quasi die umgekehrte Gewichtung von Vortrag zu Musik wie im Club.

Podiumsdiskussion: Freie Netze für freie Bürger

wissenlaendeHeute nachmittag hielt ich beim Kongress Freie Netze. Freies Wissen. in Linz einen Workshop zum Thema "peer2peer, Open Source, Creative Commons und Co." ab und nahm an der anschließenden Podiumsdiskussion teil. Für mich ein spannender Nachmittag inklusive der Erkenntis, dass in Linz weit mehr geschieht als der imposante Neubau zum Ars Electronica Center. Et voilá: hier mein persönlicher und sehr subjektiver Bericht und ein Buchtipp.

Die Konferenz im alten Rathaus am Linzer Hauptplatz markierte den Abschlussevent einer halbjährigen Kampagne. Mehrere Workshops sowie eine abschließende Podiumsdiskussion beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln - persönliches Resumée: eine spannende Veranstaltung, deren großteils unter 20-jährige TeilnehmerInnen bei schönstem Badewetter das Dictum von der Politikverdrossenheit der Jugend Lügen straften. Die SJ Linz veranstaltete den Kongress in Zusammenarbeit mit AKS und Jump (dort gibt's demnächst auch einen Podcast zur Konferenz) - der Vergleich mag unfair erscheinen, aber ich bin als Blogger ja keineswegs irgendwelchen journalistischen Sorgfaltsregeln verpflichtet und behaupte daher mal ganz frech: während die ÖVP relativ planlos Blogger auf den eigenen Parteitag einlädt, um billig ein paar (ohnehin sehr negativ ausgefallene) Berichte in der Blogosphere zu generieren (hallo Rekursion), betreibt die SJ enrst gemeinte Bewusstseinsbildung zum Thema "digitales Eigentum": ein uneingeschränkt lobenswertes Unterfangen, denn bevor überhaupt politische Entscheidungen getroffen werden können, muss erst einmal Klarheit bestehen, worüber denn entschieden wird.

Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein..

Während Gusi also bislang eine imho wenig elegante Figur auf dem politischen Parkett hinlegt (Stichwort: Studiengebühren) und mit seinem Vizemolterer wohl eher für den offiziellen Merger von Neoliberalismus und Sozialdemokratie österreichischer Prägung steht als für die von Vranitzky seinerzeit so legendär diskreditierten Visionen, stellt die sozialistische Jugend jene Fragen nach dem angemessenen Umgang mit digitaler Information, die unsere zukünftige Wirtschaft und unsere Freiheit so drastisch beeinflussen werden. Freilich sind informationstechnische Regelungsprobleme ein "Luxus", der erst dann zum dringlichen Faktor wird, wenn der Grundstock der Bedürfnispyramide abgedeckt ist und sich ein zunehmend höherer Anteil der Wertschöpfung in virtuelle Gefilden verlagert. Der Digital Divide bekommt damit eine zusätzliche Bedeutungsdimension: wer ist im Netz, wer könnte drin sein und wer hat gar keine Möglichkeit dazu? Selbst innerhalb der In-Group bedeutet ein Nachdenken über das Konzept des "geistigen Eigentums" aber keineswegs bloßes Theoretisieren: wenn 14-Jährige für ihre mp3-Downloads vor Gericht gezerrt werden sollen, Musik zur Klingelton-Formatradio Stangenware verkommt, wissenschaftliche Verfahren plötzlich patentierbar werden und die Totalüberwachung längst technisch machbar ist, wäre ausführliches Nachdenken angesagt - Bewusstseinsbildung als Grundlage daraus abgeleiteter demokratisch legitimierter Entscheidungen eben anstatt Schnellschuss-Regulierung.

Auf Jump.at gibt's eine Sondersendung zum Kongress:

Die politische Praxis zeigt aber gerade in diesem dynmischen, von der normativten Kraft der Technik getriebenen Bereich, dass Gesetze schnell und unbemerkt entstehen, dass professionelle Lobbyisten aus dem Industriebereich sich problemlos gegen Captain Hausverstand und jegliche Diskussion auf breiter Basis durchsetzen: die IFPI etwa hat ihr Lehrmaterial dem österreichischen Unterrichtsministerium bereits "reingedrückt" und verdammt darin Musikpiraterie auf's schärfste, während alternative Lizenzmodell konsequent togeschwiegen werden - ein mittlerer Skandal, denn falls dieses Beispiel Schule macht, könnte demnächst wohl auch McDonalds dem Unterrichtsministerium alle Unterlagen zum Thema "richtige Ernährung" zur Verfügung stellen. Aber jede Münze hat zwei Seiten: und während John Perry Barlows legendäre Veröffentlichung der Declaration of Independance of Cyberspace seinerzeit bei uns eher Schmunzeln ob der us-amerikanischen sprichwörtlich unkritischen Haltung gegenüber neuen Technologien auslöste, erinnert mich die Nicht-Strategie der Unterhaltungsindustrie zunehmend an die Eröffnungsworte: "Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather." Also machen wir doch was draus!

Denn da eröffnen sich ganz offensichtlich Chancen und Möglichkeiten für eine partizipative Gesellschaft, die erst einmal erkannt werden wollen, bevor wirtschaftliche Regulationsimperative zum quasi-monopolistischen Regulativ avancieren. Petra von Projekt Wissensallmende (Der Begriff "Allmende" stand früher für eine gemeinschaftlich genutzte Weidefläche - der Konnex zum Netz dürfte somit klar sein) beschäftigte sich in ihrem Workshop mit digitalen Urheberrechten und demonstrierte, dass diese Querschnittsmaterie längst nicht nur die Produkte der Unterhaltungsindustrie, sondern auch und vor allem Aspekte wie Saatgut und Medikamentenpatente umfasst. Markus Huber informierte die TeilnehmerInnen über die Ideologie und Grundsätze der Open-Source Bewegung.

In meinem Workshop ging's um mein Lieblingsthema: mp3 und peer-2-peer Sharing. Man kann die tendenziösen Selbstdarstellungen der Musikindustrie ja nicht für immer unwidersprochen stehen lassen: dass Downloads die Musikindustrie schädigen und keineswegs das Gros der Musiker, die mit Albenverkäufen ohnehin so gut wie nichts verdienen, vergisst die IFPI gerne strategisch - und dass der primäre Reiz, Musik zu machen, auch keineswegs in monetärer Anerkennung liegen muss, ebenfalls. Doch gerade Communities wie Tonspion oder auch myspace führen eindrucksvoll vor Augen, dass die Zukunft der Musikwirtschaft nicht in den Händen der Major Labels liegt.

Im Anschluss an die Workshops wurden ein paar Kurzfilme zum Thema Creative Commons gezeigt. Die folgende Podiumsdiskussion war für mich sehr spannend - ich hoffe, den ZuhörerInnen hat's auch gefallen, obwohl sich das Podium ganz entgegen gepflegter Streitkultur in den wesentlichen Punkten sehr einig war - kurz zusammengefasst: information wants and needs to be free. Ein Audiosnippet der Podiumsdiskussion folgt in Kürze.

Buch: Freie Netze, Freies Wissen.

Christian Forsterleitner, Parteisekretär der SPÖ Linz, gab gemeinsam mit Leonhart Dobusch das ausgesprochen lesenswerte Buch "Freie Netze. Freies Wissen" heraus. Der Standard fand das Kompendium tendenziös, IT-kompetente Medien wie c't aus dem Heise-Verlag zeigten sich recht angetan von dem Werk, das neben Interviews mit Proponenten der Netzkultur zahlreiche Projektbeschreibungen enthält.

Dass dem Heise Verlag schon und dem Standard in solchen Dingen nicht unbedingt zu trauen ist, weiß die spezifisch vorgebildete Öffentlichkeit nicht erst seit der Kompressions-April-Story. (Damals hatte der heise-Verlag in der Aprilnummer traditionell eine "Ente" untergebracht: ein neues Video-Kompressionsverfahren würde angeblich Schauspieler und Setting trennen: man lädt also Arnie Schwarzenegger als Einzelfile und seine Filme extra runter. Dies bedeute eine enorme Speicherplatzeinsparung, so der c't-Artikel, der für technisch versierte Laien mit Leichtigkeit als Fake zu erkennen war, für die Standard-Redaktion jedoch nicht: am nächsten Tag erschien dort nämlich ein bierernst gemeinter Artikel über die neue Bedrohung für Hollywood; soviel zum Thema "journalistische Sorgfalt.) Nähere Details zum Buch folgen in einer dedizierten Review, mein erster Eindruck beim Querlesen ist allerdings nur der allerbeste. Zur Illustration ein Highlight aus dem Interview mit monochroms Johannes Grenzfurthner:

Ja, viele denken sich halt, es helfe des KünstlerInnen, wenn es so etwas wie ein Copyright gibt. Das ist aber zu kurz gedacht. Die Musikindustrie wählt als Beispiel natürlich das schwächste Glied in der Verwertungskette. Sie sagen: "Die Künstler werden ärmer, wenn ihr bösen Konsumenten MP3s über Peer-to-Peer Netzwerke herunterladet." Sie lagert damit ihre Verantwortung aus, denn den betreffenden KünsterlInnen oder - um es aus copyrightistisch zu sagen - den "Urhebern", wird immer noch das kleinste und dürftigste Stück vom Kuchen zugeschoben, damit sie nicht verhungern müssen. Das ist wie eim Hamburger: Am wenigsten davon hat die Kuh

Nachzulesen in: Dobusch, Leonhard / Forsterleitner Christian (Hg.): Freie Netze. Freies Wissen. echo Verlag, Wien 2007. Das gesamte Buch steht unter der Creative Commons Share Alike / Attribution Lizenz und ist in voller Länge im Netz elektronisch verfügbar.

Eleganter und kürzer als Johannes kann man die berechtigte Kritik am selbstverursachten strukturellen Dilemma der Musikindustrie wohl kaum zusammenfassen - ich bin schon gespannt auf die übrigen Beiträge der 17 beteiligten Autoren. Mehr Details zum Printkompendium gibt's hier in Form eine Review asap. Und, auf diesem Weg nochmal: danke an alle TeilnehmerInnen für die Aufmerksamkeit! Der Nachmittag in Linz hat mir großen Spaß gemacht.

Schon wieder Google youporn-Action

Der Hype um die Videocommunity für Erwachsene bzw. alle, die einen Browser bedienen können, reißt einfach nicht ab. Mit Youporn.com wurde sozusagen der technische Alptraum aller Jugendschützer (und vermutlich auch Sittenwächter) wahr. Nun zensiert Google Deutschland den betreffenden Eintrag, und was passiert? Eine neue Traffic-Lawine erotisch Interessierter Surfer bricht über datenschmutz herein.

Der Name dieses blogs mag ja gewisse Assoziationen mit digitalen Rotlichtvierteln wecken - geschenkt, die teuerste Domain aller Zeiten ist nach wie vor Sex.com - deren Wert wurde schon 2001 auf doch recht beachtliche 85 Millionen Dollar geschätzt. Damit könnte der Besitzer ohne weiteres an die Börse gehen... allerdings finden sich dort ein vergleichsweise unspektakuläres Portal, dessen freundlicher Aufforderung "Make me your Homepage" wohl nur die wenigsten Besucher nachkommen dürften. Doch selbst das Interesse an youporn verdrei- bis vervierfachte in den letzten Tagen die Zugriffe auf dieses Weblog - eine gute Platzierung beim Stichwort "youporn" in Kombination mit der Streichung der eigentlichen Zielseite aus dem deutschen Google-Index lässt viele Surfer hier Schmuddeleien vermuten - zum Glück muss ich nicht die ganze enttäuschten Gesichter sehen. :roll:

Die ganze Zensurstory mit interessanten Details und Indexvergleichen finden sich am SOS Seoblog:

Google Deutschland hat die Domain youporn.com zensiert! Seit dem 25. April ist das Porno-Video Portal YouPorn bei einer Suche nach youporn nicht mehr im deutschen Google Index zu finden, lediglich ein Hinweis am Ende der Google Ergebnisse läßt alte SEO Hasen und aufmerksame Besucher vermuten, was da mit der Seite passiert sein könnte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang wohl vor allem, dass das große G recht gezielt zwischen verschiedenen Indizes unterscheidet. Allerdings lässt sich die Sprache in den Präferenzen umstellen, und wer die englische Version ordert, der darf auch weiterhin youporn an der ersten Stelle der Suchergebnisseite sehen. Wer nicht in den Präferenzen rumstöbern mag, der kann auch einfach eine Suche auf Google.de starten und anschließend in der Ergebnis-URL das de durch com ersetzen, dann taucht die Plattform wieder auf.

Sehr spannend in diesem Zusammenhang: Österreichern traut Google mehr nackte Schenkel, Brüste und sekundäre Geschlechtsmerkmale zu als Deutschen: auch in der at-Version wurde zumindest bislang noch nicht zensiert, Eidgenossen dürfen ihr Erotik-Müsli ebenfalls ganz offiziell finden.

Folgt man dem von Google angebotenen Link zur Zensur-Erklärung, dann steht dort relativ lapidar zu lesen:

Ihre Suche hätte in den Suchergebnissen einen Treffer generiert, den wir Ihnen nicht anzeigen, da uns von einer zuständigen Stelle in Deutschland mitgeteilt wurde, dass die entsprechende URL unrechtmäßig ist.

Ob der Austrag aus dem deutschen Suchindex Copyright- oder Moralverletzungen geschuldet ist oder auf einem Delikt gegen die Persönlichkeitsrechte verstößt, lässt sich daraus nicht so ohne weiteres entnehmen: rechtliche Gründe für die Sperrung gibt's vermutlich genug, nicht umsonst sind Adult-Seiten zum Einsatz eines Verifikationssystems verpflichtet. Allerdings bin ich kein Jurist - ob im Fall nicht gewinnorientierter Seiten ein Hinweis auf den Ab-18-Charakter der Inhalte reicht bzw. ob hier landesspezifische Unterschiede zwischen at, ch und de bestehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Der psychoaktive Drekhead liegt in der Wertung noch vor mir auf Platz 3 - auch bei ihm ging's relativ rund in den letzten Tagen. Danke, liebes Caching Plugin. Wieder mal ein Lehrstück in angewandter Bedürfnisforschung... ich freu mich ja schon sehr auf die Arse Electronica Konferenz in San Francisco.

PS: And it continues! Sozusagen ein verspätetes Ostergeschenk für Blogistan. Mag nicht mal jemand eine Untersuchung zum Thema "Wie Zenstur Mikro-Medien stärkt" durchführen?

Bei onSEO geht's rund, SynActio analysiert die Hintergründe der Zensur, Freeweb 24 berichtet, der ProBlogger dokumentiert den resultierenden SEO-Positionierungskampf und die Grobe Kelle fragt sich, welche Schmuddelseiten noch folgen.

Ö1 Kolumne: Sex in zweiten und anderen Leben

Die folgende Kolumne habe ich für Ö1 geschrieben - es geht um eines der momentanen Frühlings-Loch Lieblingsthemen der Journaille, wie's früher noch abwertend hieß, nämlich diverseste Schweinigeleien in Shooting Star unter den virtuellen Welten. Zum Original geht's hier - viel Vergnügen.

"Ach, ich wünschte, ich könnte mein Leben nochmal von vorne beginnen," lautet der Stoßseufzer von Kontrollfreaks, die ungern die Entropie als Dramaturg des Dramas ihrer Existenz anerkennen wollen. Wenn Erbauer virtueller Welten genau dieses Versprechen auf technischem Weg realisieren wollen, ist mindestens Skepsis, manchmal Langweile, häufig aber der virtuelle Austausch von Körperflüssigkeiten angesagt.

Dabei kommen Linden Labs dem alten Alchemistentraum, Gold aus Blei zu erzeugen, verdächtig nahe. Auch wenn das Blei aus Bits und Bytes besteht, das Gold aus Linden Dollars und die transformativen Formeln in digitalen Algorithmen realisiert sind, gelang es hier erstmals jemandem, innerhalb einer riesigen Community einen Austauschkurs zwischen virtueller und realer Währung zu etablieren. In der Tat ist die Idee, aus dem beliebten Genre MMORPG (Massive Multiplayer Online Role Playing Game) sämtliche Spielelemente, Quest, Levels, Missionen und Storys zu entfernen und stattdessen die potentieller Spieler zu Produzenten des eigenen Glücks in Form digitaler custom-made Artefakte zu küren, trivial und gerade deshalb erfolgreich.

SL kennt keine Einstiegslimits, keine Metageschichten von jahrhundertealten Feindschaften zwischen Elfen und Orks, kein lexikalisches Wissen über die Statistik-Boni besonders begehrter Ausrüstungsgegenstände: es geht also nicht als Ein-, sondern ans Ausgemachte: gezieltes Überschreiten sozialer Konventionalgrenzen zwischen Consenting Adults, Spielplatz der unbegrenzten Möglichkeiten mit enorm reduziertem sensorischem Input, eine Gibson'sche Cyberspaceinkarnation für sensorisch ganz Arme - keine Rede von Immersion, ja nicht mal von hochauflösender, geschweige denn realitätsnaher Grafik.

Printmedien schüren gerne die Goldgräberstimmmung, berichten von Neo-MillionärInnen, die ihr Glück digital machten. In der Tat verdienen über 90% jener 5% Gesamtuser, die am Ende des Monats eine positive Soll-Haben-Bilanz aufweisen, bis zu 200$ im Monat, mit einem Zeitaufwand, der den Stundenlohn weit unter österreichisches StudentInnen-Zwangsarbeitsniveau drückt. Marketingabteilungen aller Couleurs dagegen erscheint Second Life momentan geradezu wie der Heilsbringer des Internet, funktioniert hier doch alles noch so wie in der "richtigen" Welt: keine Virals, keine Micromedia, stattdessen riesige Plakatwände, protzige Shops, die man nicht aufwändig verlinken, sondern einfach nur kaufen muss - und virtuelle Axel Springer Medien fungieren als tagesaktuelle Chronisten dieses Universums, in der man Ruhe hat vor alle den aufmerksamkeitsökonomischen Besonderheiten, die das Netz sonst auszeichen: die Alter Egos in Second Life besitzen nun mal keinen Internetzugang.

Was für ein Glück also, dass sich die Lust an der medialen Auslagerung der Sexualität, ihre Delegation an steril-geruchlose Sex-Telefonate, Pornofilme und Chats wie ein roter Impetus durch die Mediengeschichte zieht. In der Tat waren Pornoseiten die ersten Genreportale, die ausgiebig Gebrauch von Streaming Video und Audio machten. Und so locken die beiden zugkräftigsten Metaerzählungen immer mehr User ins virtuelle Zuhause: zügellose Schweinigeleien mit Gleichgesinnten im Schutz technisch zweifelhafter Anonymität und die Versprechung virtuellen Reichtums reichen durchwegs aus, um täglich hunderte zur Installation der Clientsoftware zu motivieren. Daueruser werden allerdings nur wenige Neulinge, rund 50% der Erstspieler belassen's beim einmaligen Einstieg. Ob Second Life ein aufwändiger Chat, ein Non-Story Based Game oder eine virtuelle Realität ist, bleibt den Benutzern dabei relativ egal: als Kontaktbörse funktioniert die Plattform derzeit ausreichend gut, um in einschlägiger Berichterstattung als windig-virtuelle Rotlicht-Reeperbahn tituliert zu werden.

Das mag zwar nach Meinung vieler alter SL-Hasen falsch sein, zeigt aber im Kern vor allem eines auf: das Rotlichtbusiness ist ein technologischer Early Adopter der schnellsten Sorte (dieses spannende Thema wird Inhalt einer monochrom-Konferenz, die im Herbst in San Francisco stattfindet, sein), während die Betreiberfirma momentan vor allem daran scheitert, den neu Angekommenen ordentliche Orientierungstools in die Hand zu geben und die richtigen Interessen miteinander zu verlinken. Trotz des momentanen Hypes dürfte die Langzeitmotivation auf der Strecke bleiben, wenn Linden Labs dies nicht rechtzeitig gelingt - aber bis dahin stehen vermutlich ohnehin zahlreiche Konkurrenzwelten bereit, die aus den Fehlern des Pioniers gelernt haben werden.

monochrom: Taugshow #10 online

monochrom taugshowDie runde Jubiläumsausgabe von monochroms Showformat-Experiment steht zum Download bereit. Aufgenommen wurde die Sendung im Exploratorium in San Francisco am 11. Februar 2007. Gastgeber Johannes Grenzfurthner begrüßte eine gar illustre Gästeschar, die wie gewohnt einen wilden Themenmix servierte:

J.D. Lenzen sprach über langkettige Moleküle, Jennifer Granick über Gesetze und andere Hacks, Evelyn Fürlinger präsentierte "Wicked Words", monochroms Kolumne über Linguistic und die Allstar Band geigte im Museum auf:

Thanks to the wonderful folks at RE/Search for being our producers. And million+1 kisses to Liz Keim of the Exploratorium, Scott Beale of Laughing Squid, Jacob Appelbaum, Eddie Codel and David Fine for helping us organize a really nice show.

Aber sehen Sie selbst - nix mit 7 Minuten Youtube Schnippseln, ein fetter Download mit 300MB wartet. Sozusagen ein Zwischenstadien-Distributionsmodell, bis das digitale Fernsehen wieder eingestampft wird, weil die I-Net Bandbreite schlielich doch noch so hoch geworden ist, dass keine Notwendigkeit mehr besteht, zwei Netze zu betreiben... aber ich schweife ab. Hier geht's zur Show:

Direktdownload (*.mov, 308MB

Markus Keuschnigg: All by myself.

foto by maych - http://www.flickr.com/photos/mayra/21750145/
 Foto:maych

In diesem Gastbeitrag geht's um die "sexuelle Amateur-Revolution" im Internet, um fleischeslüstige Videoportale und die Freude am Exhibitionismus - der Gastautor Filmchefredakteur von the gap, wär ein idealer Gastvortragender für die Arse Electronica!

Porno-Portale wie YouPorn befördern nicht nur die Fleischeslust in unbekannte Gegenden, sie reißen auch Mauern zwischen Privatem und Öffentlichem, Laien und Profis, Artigem und Abartigem ein. Ein Schadensbericht von Markus Keuschnigg, erschienen in the gap #74/2007. Diesen Beitrag weiterlesen »

monochrom ruft arse electronica aus

Die Fastenzeit neigt sich ihrem Ende zu, und schon regen sich frühlingsgemäß die fleischlichen Triebe: und bei der vertippten Suche nach AE lande ich gestern doch glatt auf monochroms Arse Electronica Seite. Keine simple Parodie, nein - ein Call for Funds and Papers zur Erforschung des ausgesprochen spannenden Beziehungsfeldes Pornographie und Medientechnik.

In der Tat zieht sich, bei allem theoretischen Streit um die Genese technischer Medienformate, ein Faktor wie der sprichwörtliche rote Faden durch die Geschichte jeweils "neuer" Medien: ihre blitzartige Aneignung durch die Pornographie. Von Gutenbergs erotischen Drucken, frühen Daguerrotypien (halb)nackter Frauen über die erste Vorführung eines dedizierten Sexfilms im Kino (1896, ganze zwei Jahre nach allerersten Kinoaufführung) bis hin zu den Legionen Potemkin'scher XXX-Site Dörfer im anachronistischen Web 1.0, die lange vor Youtube und irgendjemandem sonst Streaming Video einsetzten. Ganz zu schweigen von der derzeit stattfindenden "Demokratisierung" der geschlechtlicher Schweinigeleien dank Camcorder und Plattformen wie Youporn:

The porno effect accompanies every new technological development. Immediately after producing his famous bible, Gutenberg used his press to print erotica. Photography was utilized just as quickly. In 1874 the London police discovered 130,000 pornographic photos in the course of a single house search. The introduction of cinematic technology also confirmed the close relationship between pornography and technological innovation: in 1896 a pornographic film was shown publicly for the first time, two years after the premiere of the first films of any interest to the general public. Since then, more pornographic films than nonpornographic films have been produced. That in 1977 the first video cassettes to appear on the market featured pornographic content should come as no surprise. The development of the camcorder and the instamatic camera made it possible for anyone so inclined to produce porno in privacy at home. The fact that the first affordable Polaroid model was named "The Swinger" seems to indicate that the industry was well aware of this possible use.

Was läge also näher, als im Rahmen eine großangelegten Konkurrenz einen näheren medientheoretischen Blick auf die Funktion der Pornographie als Katalysator medialer Entwicklung zu werfen?

All of these facts could be relegated to the status of curiosities were it not for the important role that pornography has played in the development of new technologies. New technologies are quick to appeal to pornography consumers, and thus these customers represent a profitable market segment for the suppliers of new products and services. Without telephone sex, a sector that has been yielding enormous profits since the 1980s, providers would have had no incentive to upgrade the communicational infrastructure. And of course one should not forget the internet, which is notorious for being flooded with pornography.

Geplant ist eine internationale, interdisziplinäre Konferenz, die Ende September diesen Jahres in San Francisco stattfinden soll. Vielleicht lassen sich ja FHM, Playboy oder einschlägigere Medien zu einem Sponsoring überreden... eine spannende Keynote-Speakerin wäre jedenfalls Mu Zimei:

In "Mein Intimes Tagebuch" von Mu Zimei, in dem die 28-jährige Chinesin, die im bürgerlichen Leben Li Li heißt, sachlich, kühl und fast emotionslos von Sex mit ehemaligen Liebhabern, Sex mit Unbekannten, Sex mit mehreren, Sex mit Frauen, Sex mit Callboys, Rocksängern und noch vielen andern schreibt. Millionen von Lesern (die Rede ist von 30 Millionen) verfolgten zwischen Juni und November 2003 ihr Weblog, bis sie auf Druck der chinesischen Regierung den Zugang einschränken und ihn schließlich ganz schließen musste.

Bariumnitrat wider diktatorischen Monotheismus

monochrom und Monotheismus teilen zwar die ersten vier Buchstaben - mit dem Konzept des einen Gottes kann die Künstlergruppe dagegen wenig anfangen. Daher hat sie 2007 zum "Internationalen Jahr des Polytheismus" erklärt, in dem die zahllosen Götter sich, so die Idee, nach und nach selbst neutralisieren. In den Worten monochroms klingt das folgendermaßen:

The "International Year Of Polytheism" (powered by monochrom) wants to overcome the epoch of the monotheistic worldviews (and its derivatives such as "The West" and "The Arab World") through the reconstruction of a polytheistic multiplicity in which countless gods and goddesses will eventually neutralize each other. Polytheism is democracy, Monotheism a dictatorship, even in its pseudo-secular form.

Vielgötterei als Lifestyle-Trend des neuen Jahrtausends - was für eine bestechende Idee! Das Resultat einer polytheistischen Hegemonie hört sich in der Tat um einiges adäquater an als die ohnehin schwer zu begreifende katholische Trinität des einen Gottes mit seinem bösen Widersachergott Teufel. Also sozusagen vielen statt 1, 2 oder 3:

Freed from the servitude of monotheism and the fraternal strife of the trinity, the world would be redeemed in a chaotic baptism of multiplicity. Besides, we believe that polytheism is the most suitable form of religion for a modern, dynamic and cosmopolitan young culture. Improve your C.V. with polytheism. Create your own heavens and hells.

Als erste glorreiche Aktion setzten die monochroms ein Bariumnitrat-Zeichen: diese Verbindung ist Hauptbestandteil der vor allem im religiösen Kontext so beliebten Wunderkerzen, engl. Sparkers, auf österreichisch "Sterndlspritzer". 10.000 solcher Sprühkerzen wurden verbrannt (des Effektes wegen natürlich auf einmal), ganz ohne religiöse Hintergedanken:

The symbolic liberation of Barium Nitrate will signal the opening of this "International Year of Polytheism". We would like to invite you to join with us in igniting 10.000 bound sparklers, free of any judaeo-christian intent.

Das sieht ganz schön beeindruckend aus - bin schon gespannt auf monochroms weitere Aktionen im Jahr des Polytheismus.

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Das Video gibt's in verschiedenen Formaten zum Download.