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Artikel-Schlagworte: „Monster“

Wie man seine Online-Reputation in Rekordzeit ruiniert

Diese Kolumne habe ich für das aktuellen Blogpiloten-Special Identity Management geschrieben.
elis 1226691932 Wie man seine Online Reputation in Rekordzeit ruiniertObwohl Echtzeitmedium, treten die wahren Qualitäten des Netzes erst auf lange, manchmal auf sehr lange Sicht zutage: denn dank der Versatilität digitaler Daten und permanenter Fortschritte in punkto Totalerfassung benimmt sich das Netz meist wie der sprichwörtliche Elephant: es weigert sich zu vergessen. Das klingt nicht nur beunruhigend, das ist sogar äußerst verstörend, bedenkt man die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschung: das Vergessen, so die Kartographen unseres Verstandes, sei, so die Apologeten dieser These in typisch-euphorischer Übertreibung, sei mindestens gleich, wenn nicht viel wichtiger als sämtliche Merkfunktionen zusammen. Nur dank der Gnade des Vergessens kann unser unruhiger Affengeist, wie die Buddhisten sagen, nämlich überhaupt die Flut der zahllosen Informationen vom Typ überlebensrelevant bis Klatschspalte langfristig sortieren.

Man kennt das ja vom Frühjahrsputz: wenn all das alte, nutzlose Gerümpel erstmal im Vorraum steht, scheint es unfassbar, dass all das Zeug jemals in das (nach wie vor vollgeräumte) Zimmer gepasst hat. Nicht auszudenken, wenn jedes unwichtige Detail sich uns für immer einprägen würde – oder wissen Sie noch, welches Ablaufdatum auf der Milchpackung stand, die Sie vor 53 Tagen eingekauft haben?

Falls Sie Ihre Rechnung im Supermarkt mit Ihrer Club-Vorteilskarte (raten Sie mal, welcher der beiden Geschäftspartner den „Vorteil“ hat) bezahlt haben, stehen allerdings die Chancen gut, dass irgendein Warendistributions/Customer Care/Marktforschungs Software-Monster von Datenbank sich sehr genau daran erinnern kann, dass Sie schon wieder die „Extra-Lang-Haltbar“ Milch wählten, obwohl Sie doch sowieso jeden dritten Tag einkaufen kommen. Komischerweise immer wieder Freitags in diese andere Filiale… was das wohl zu bedeuten hat? Zweifellos genug, als dass Ihnen Columbo 2.0 im Fall der vergifteten Milchpackung einen virtuellen Strick draus drehen könnte. Und ganz genau so funktioniert im Prinzip das Netz: irgendwas Belastendes lässt sich fast immer finden.

Doch bevor die Freude zu groß wird, nun die schlechte Nachricht: jeder Kriminelle braucht eine Vorgeschichte, und die will sorgfältig konstruiert sein, sprich: wer erst vor wenigen Wochen in die Internet-Siedlung frisch eingezogen ist, muss sich schon ein wenig anstrengen, um seine weiße Weste rasch im Dreck zu wälzen. Negatives Identity Management unterscheidet sich dabei seinem Wesen nach keineswegs von panoptischen Wunsch über die Vollkontrolle nach Selbstrepräsentation. Daher auch die wichtigste Regel: Immer den richtigen Namen und die gleiche E-Mail Adresse verwenden! Das gilt bei allen Registrierungen und generell überall dort, wo man im Internet aufgefordert wird, seinen Namen zu hinterlassen. Stellt man (möglicherweise später) kompromittierende Bilder und/oder Videos online, so sollte man darauf achten, eine gut indizierte Seite zu wählen und jedem potentiellen Interessenten Zugriff zu gewähren. Reichliche Ausstattung aller multimedialen Inhalte mit entsprechenden Meta-Informationen gehört zur Pflicht des digitalen Rauhbeins, auch hierbei muss selbstverständlich Regel 1 beachtet werden.

Auch nicht schlecht: Schimpftiraden an Mailinglisten senden, deren Archive öffentlich zugänglich sind. Oder es vielleicht irgendwann mal sein werden. Glücklich, wer über eine eigene Homepage, möglicherweise sogar mit Eigenname als Domain, verfügt: man muss sich ja nicht auf zweifelhafte Inhalte beschränken, sondern kann bei der Gelegenheit auch gleich die eine oder andere illegale Software, vielleicht mit einem Trojaner garniert, zur Verfügung stellen! Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, lediglich bei Blackhat Maßnahmen ist Vorsicht angebracht: schließlich will man ja nicht aus dem Google-Index herausfallen.

Will man das doch, dann folgt das böse Erwachen häufig dann, wenn man feststellt, dass der Content-Aggregator von den Faroröer-Inseln weder auf E-Mails noch auf Anrufe an die Mehrwertnummer reagiert. Langweilige Zeitgenossen, die meinen, sich in virtuellen Umgebungen genauso höflich und bedachtsam gerieren zu müssen wie in der richtigen Welt, gibt es genug. Ein echter Netz-Rüpel sollte daher unter allen Umständen und um jeden Preis die folgende Frage vermeiden: „Würde ich das, was ich hier gerade von mir preisgebe, auch im Fernsehen erzählen?“ *

*Der Fast-schon-Ex-Programmintendant des ORF Lorenz hat dazu eine eindeutige Meinung.

Fotocredits:
Titelbild: Elefanten Groß-Klein von Johannes-D. / pixelio.de

 

Blognetworks: durch die Channels flippen

blognetworks Blognetworks: durch die Channels flippenBlognetworks ist eine meiner favorisierten Facebook-Applikationen: einerseits wirkt eine FB-App ohne Werbung geradezu verschreckend, zweitens sind bereits alle großen, wichtigen und schönen US-Blogs registriert und drittens launcht das Team ständig neue Features: aktuell in der Betaphase befindet sich das neue "Channel Flipping": man bekommt jeweils eine Blog-Story aus seine Favs präsentiert, der Click auf "read more" führt zur nächsten Meldung.

Klingt vorerst nicht besonders aufregend, macht aber Spaß und ist irgendwie eine nette Gegenthese zur Informationsflut gängiger RSS-Reader. Da man jeder Story auch ein "Daumen hoch" geben kann, tun sich für die Programmierer interessante Matching-Möglichkeiten auf - außerdem könnte man ein Widget ins eigene Blog einbauen. Jede Menge laut dudelnde Zukunftsmusik:

Check out our new super-fast way to browse news from the 7000 blogs on Blog Networks. It's not like an RSS reader, and it's different form social news sites. It's fun like flipping channels on TV. Give it a try and tell us what you think.

Derzeit gibt's für die Teilnahme noch Minimal-Requirement, aber die 15 Leser hat man bekanntlich schnell mal beisammen:

To limit the load during the beta test period, we're pulling feeds from blogs with 15+ readers only.

Wer selbst ein Blöglein betreibt, hat Blognetworks vermutlich ohnehin bereits installiert - auch als reine Lese- und Stöber-Applikation für die große Gruppe der anonymen RezipientInnen gewinnt die Software damit an Attraktivität. Nach dem Eintragen des eigenen Blogs verlangt das Programm erstmal eine Authentifizierung. Die lässt sich via Upload einer HTML-Datei auf den eigenen Webspace oder aber durch die virtuelle ehrenamtliche Erklärung von 10 Facebookern: erst danach darf man die eigenen Page mit 3 "selected Stories" ("gebenedeit unter den Postings...") behübschen und via Invites Blog Fans werben. Die Rating-Funktion dagegen steht allen frei: zwischen 1 und 5 Sterne waren auf ihren Einsatz.

Blognetworks hat einen gelungenen Start hingelegt - und ich bin wie erwähnt recht zuversichtlich, dass sich das Team hinter der Syndikationssoftware noch so einiges einfallen lässt. Der Weg zum neuen Technorati und Feedburner in Software-Union ist zwar noch weit, aber das Technorati-Monster entkommt in letzter Zeit immer häufiger... und seit sich Tante G FB einverleibt hat, scheint dort die Feed-Zeit stehen geblieben zu sein. Mybloglog dagegen erfreut sich trotz engstem Naheverhältnis zu Yahoo recht großer Beliebtheit; aber Blognetworks hat durchaus das Potential, ein bisschen Wind in den Syndikationsmarkt zu bringen. Hier geht's übrigens zur datenschmutz Page: über einen Wall-Eintrag und ein 5*-Rating freu ich mich natürlich :mrgreen:

Plugin-Tipp: Da sind Monster auf meinem Blog!

WP_MonsterIDVor nicht allzu langer Zeit hab ich hier auf datenschmutz Identicons aktiviert und vorgestellt. Es handelt sich dabei um automatisch generierte Avatare für KommentatorInnen, die keinen Gravatar verwenden. Denn wenn nur einige wenige User Gravatare benutzen, dann führt das zu einer recht ungleichen Verteilung der Aufmerksamkeit - Identicons lösen das Problem recht elegant, indem sie jedem User entweder anhand des Logins bzw. anhand der IP-Adresse eine eindeutige, automatisch generierte Grafik zuweisen, die beim ersten Mal serverseitig erstellt wird und dann bei jedem weiteren Kommentar des gleichen Schreibers zum Einsatz kommt.

Ich persönlich bin ja hochgradig zufrieden mit den geometrischen Musterchen, die man im Backend frei farblich konfigurieren kann. Da aber MC-Escher'sche Muster zweifellos nicht jedermann/fraus Sache sind, hat Scott Sherill einen "Remix" angefertigt: WP_MonsterID funktioniert analog zum Original, allerdings mit einem kleinen, feinen Unterschied: anstatt Muster werden Monster generiert. Die haben einerseits einen recht hohen "Cuteness-Faktor", andererseits passen sie grafisch vermutlich auch um einiges besser auf verspielte Blogs. Wie das ganze aussieht, verrät ein Blick in den Kommentarthread auf der Downloadseite.

Ich werd vorerst trotzdem beim Original bleiben - zumindest so lange, bis irgendein talentiert Grafiker WP_SkullID programmiert und jeder Besucher eine customized Totenschädel bekommt :mrgreen: Bin auf jeden Fall gespannt, ob Scotts Idee weitere Plugin-Remixes inspiriert!

Blogistan Panoptikum KW17 2008

Max hat ein großartiges Beispiel für gelungenes WoW Recruiting gefunden, Austrianstartups.com stellt das Real-Life Territorialgame Urban Takeover vor und bei FranzToo hab ich ein interessantes Interview mit Cory Doctorow zum Thema "Recht auf Kopie" gefunden: Informationsüberfluss deluxe! Und nicht vergessen: unsere Twitterblogger Parade ist in full effect, wie der Hip Hopper sagt!

Thread Comment Update

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten täte, dass ich WP Thread Comment ganz okay finde; es handelt sich nämlich um mein absolutes Lieblingsplugin: gerade bei häufig kommentierten Beiträgen ist die Direktantwort-Funktion extrem hilfreich. Der Plugin-Autor entwickelt seine Software rasant weiter, seit der letzten Version beherrscht WP-TC auch Ajax-Inserts: einfach die betreffende Checkbox auf der Optionsseite aktivieren, und schon werden die Kommentare ohne Reload gepostet - ganz ohne Template-Pfriemelei. Once again: saubere Arbeit! Wer mit der Übersetzung nicht ganz 100%ig zufrieden ist (ich wollte z.B. "direkt antworten" statt "Antwort" unter den Kommentaren stehen haben) braucht dazu einen mo/po-Editor, die deutschen Sprachfiles liegen ohnehin bei. Nähere Infos zur Lokalisierung gibt's bei WordPress.org.

Wider den SUV?

Fast jeder weiß, dass Porsches nix im Geländer verloren haben, selbst wenn sie Cayenne heißen. Poserkarre bleibt eben Poserkarre... trotzdem recht impressiv, wie im folgenden Video ein alter Landrover demonstriert, dass im Gelände eben nix über Geländereifen geht:

YouTube Preview Image

Gefunden hab ich das Video bei Helge, der über die aktuelle Kampagne der Grünen von Greenpeace bloggt; denn die Umweltschutzorganisation rufen im Rahmen ihres Creative Award 2008 zur Einreichung von Werbespots gegen Geländewägen auf. Weil die Sache mit Urban Jungle ist eigentlich nur metaphorisch gemeint, außerdem verstellen die Monsterkisten zuviel kostbaren Parkspace und fahren über schwächere Verkehrsteilnehmer einfach drüber. Hm... auch eine Argumentation. Man könnte ja auch generell Motorräder verbieten und nur mehr Mofas zulassen. Oder gleich nur Fahrräder - wer muss in der Stadt schon schneller fahren als 25km/h? Dabei dachte ich immer, die motorbezogene KFZ-Steuer und diverse Zusatzregelungen (Kat-Pflicht etc.) seien dafür da, die Mehrbelastung finanziell zu kompensieren....

Unvorstellbar reich werden mit Youtube

Oder doch vorstellbar unreich? Wer sich beim Partnerprogramm anmeldet und akzeptiert wird, darf fürderhin eigene Videos als "commercial" kennzeichnen. Youtube schaltet Werbung in diesen Filmchen und zahlt Revenue Shares an den Uploader. Der Enthusiasmus hält sich allerdings Grenzen, selbst die Top-Youtuber berichten von sehr geringen Einkünften, wie Jeremy in seinem lesenswerten Beitrag schreibt.

Die Optimismus-Steuer

Bei ma.tt bin ich auf eine sehr nette Anekdote zum Thema Optimism Tax gestoßen. Die Kurzfassung: manchmal zahlt man drauf, wenn man Leuten vertraut - aber diese Kosten sind geringer als der Aufwand, ständig jedem und allem zu misstrauen. Unbedingt lesen, wahrer wird's nicht; also ein guter Abschluss für diesen Wochenrückblick, der ausnahmsweise nicht heute geschrieben wurde, sondern bereits am Donnerstag - ich bin nämlich gerade dank fatfoogoo.com auf der Role Play Convention in Münster - mein Bericht über diverse Encounters mit Elfinnen und Orks folgt nächste Woche; ich wünsch einen angenehmen Restsonntag!

monochrom-Kino: Formicula aka Them

23. März 2008
20:00bis23:00

Keine überlebensgroßen Osterhasen stehen am oster-sonntäglichen monochrom Film-Spielplan, sondern ein Klassiker des Horrorgenres: riesige Killerameisen machen sich in Formicula (Originaltitel: Them) über gar nicht mal so unschuldige Menschen her.

Projiziert wird im Raum D des Wiener Museumsquartiert, im Zentrum der Handlung des schwarz-weiß Films unter Mitwirkung von Leonard "Mr. Spock" Nimoy stehen großformatige Krabbler: Denn Atomtest-Strahlung hat zum fiktiven Wachstum der ansonsten unentbehrlich fleißigen Waldarbeiter geführt. Anstatt lustige kleine Ameisenhaufen zu bauen, pumpen die mutierten Monsterchen Menschen voll mit Ameisensäure und stehlen kiloweise Zucker. Das FBI ermittelt, die Soundeffekte sind spooky und das karge, fast dokumentarische Flair der Doku tut ein Übriges zum passenden Ausklang des höchsten katholischen Firetags im Kirchenjahr. Während Method Man und Redman wohl einmal mehr zu dicht waren, um's rechtzeitig zum Flieger und zum für heute geplanten Auftritt in Wien zu schaffen, ist Johannes wohlbehalten von diversen Konferenz-Auftritten zurück und wird einführende Worte sprechen:

Sonntags werde ich im Rahmen der Projektionen eine kleine diskursive Einführung zu Gehör bringen, dann geht's ans gemeinschaftliche ostersonntägliche Filmschauen. Aber warum ausgerechnet der schinkenverseuchte und monotheistische Ostersonntag?

Nun, die Easteregg-Mission habe ich ja schon erwähnt. Aber es gibt noch einen viel triftigeren Grund. Die Ameisen verdanken ihre Größe dem ersten Nuklearwaffenversuch der Geschichte, dem
Trinity-Test. Und Trinity ist ja auch nur ein coolerer Name für "heilige Dreifaltigkeit". Basta.

Erfahret!
Also, kommt doch am Sonntag, 23. März 2008 um 20 Uhr in den Raum D des Museumsquartiers. Wir haben einen Geigerzähler und etwas
radioaktives Material. Ameisen bitte selbst einsammeln.