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Artikel-Schlagworte: „mp3 Downloads“

Best Buy kauft Napster

napsterlogo Best Buy kauft Napster Was hab ich in den späten Neunzigern über Napster geschrieben: der Vater aller Filetrading-Services und Gottseibeiuns der Musikindustrie machte Shawn Fanning über Nacht zum Popstar der Informationsrevolution. Magere 128kBits hatten mp3s seinerzeit, die damals mühsam gehamsterten Sammlungen sind längst höherqualitativen Rips gewichen und Shawn konnte das gerichtsbedingte Aus immerhin lange genug verzögern, um Napster an die Bertelsmänner zu verscherbeln. Die waren allerdings mit der Musikdownload-Plattform ebenso glücklich wie Fanning mit seinem Nachfolgeprojekt Rupture, einem Social Network für Gamer. Zwischendurch schlug dann mal Roxio zu, heute gab Best Buy den sogenannten "Merger" bekannt.

Erworben hat man Napster um knackige 121 Millionen Dollar - denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Roxio hatte aber selbige wohl bereits aufgegeben, denn trotz einer kolportierten Userbasis von 700k Musikfans ließ sich der Abo-Service bislang nicht monetarisieren. Das bislang erfreulichste Geschäftsjahr brachte immerhin Minderung des operativen Verlusts von 16,5 Millionen Dollar (2007: 36,8 Mio. Dollar). TechCrunch drückt das folgendermaßen aus: "Best Buy just wasted $121 million." Die Geschäftsführung von Best Buy sieht dies naturgemäß anders und will vorerst mal alles beim Alten belassen:

Best Buy believes that Napster has one of the most comprehensive and easy-to-use music offerings in the industry, including streaming music, music subscriptions, the ability to purchase individual tracks, albums and mobile offers. Napster has approximately 140 employees, with its headquarters in Los Angeles. At this time, Best Buy does not plan to relocate Napster’s headquarters or to make significant changes in personnel.

Tja, traurig aber wahr: die große Zeit des Kätzchens ist längst vorüber, in Zeiten von Play-, Last-, Blip-fm, Pandora und Konsorten stinkt Napster sowohl von der extrem grottigen Streaming-Qualität als auch von der Auswahl her ab. Das Gratis-Streaming ist außerdem nur in den USA verfügbar, wer mp3s saugen will, muss den Client installieren und monatliche Abogebühren bezahlen. Die Freeloader (mit denen ohnehin kein Geschäft zu machen ist) sind längst auf Torrents und/oder Soulseek umgestiegen, der zahlende Teil der Netzbevölkerung kauft brav im iTunes Store. Aber wer weiß, vielleicht hat Best Buy ja den genialen Masterplan schon in petto: denn mit der Aufrechterhaltung des Betriebs wird Napster niemals in die schwarzen Zahlen kommen.

d-news Kolumne: Plattform für österreichische CC-Musik

26. Februar 2008
21:00bis23:30

sraHeute Abend präsentiert die Ideenschmiede fm5 im Rahmen des Club Orange das erste österreichische Creative Commons Konzert. Mit der Plattform nolabel werden österreichische KünstlerInnen ohne klassischen Vertreib unterstützt - das Projekt wird nun ergänzt durch Orangemusic.at, eine umfangreiche Datenbank von Musikern, die ihre Werke unter der Creative Commons Lizenz veröffentlichen.

Live zu sehen sind heute Abend die Elektro-Punk-Band Dirge, die Wiener alternative Rock-Popper Cornflex und für elektronisch angehauchten Pop sind die Söhne der Liebe zuständig. Alle drei Bands sind bei nolabel "gesigned", wobei dieser Ausdruck im Zeitalter der freien Lizenzen eine ganz neue Bedeutungsdimension erhält: denn die CC-Lizenzen zielen nicht in erster Linie auf die Erzielung von Einkommen ab, sondern auf die Kontrolle über das eigenen kulturelle Schaffen.

Die umfangreiche Orangemusic-Datenbank listet ausschließlich Werke, die unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden und bietet neben der normalen Suche auch die Funktion, Bands in geographischer Nähe zu finden. Regelmäßige Berichterstattung, ein RSS-Feed mit aktuellen Events und ein Radiostream, der sich aus den veröffentlichten Nummern speist, ergänzen das Portfolio.

Wer bisher noch nie mit CC-Lizenzen zu tun hatte und mit den klassischen Vertriebswegen unzufrieden ist, findet auf Orangemusic weiterführende Informationen zur Verwendung der Musterverträge im Musikbereich - CC beschränkt sich allerdings nicht auf akustisches Kulturschaffen, sondern lässt sich grundsätzlich auf jede Art von immateriellem Eigentum anwenden:

Creative Commons (CC) ist zunächst einmal eine gemeinnützige Gesellschaft, die Lizenzverträge anbietet und mittels derer es content-generierenden Personen möglich ist die Verwertungsform ihres geistigen Eigentums selbst zu bestimmen. Der Autor bestimmt also selbst den Grad der öffentlichen Nutzungsrechte an seinem Werk.

Ob heute Abend im B72 oder virtuell und online: Orangemusic hat auf jeden Fall Support verdient, denn es wird höchste Zeit, dass die Künstler selbst die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Werke erhalten!

Frischer Dubtechno von new.com

Marius aka new.com vom Schweizer Label comfort_noise_productions hat kürzlich einen neuen Mix veröffentlicht: basso continuo kommt in großzügiger 256kbs Qualität im mp3-Format daher und rockt ebenso souverän wie seine Vorgänger.

new.com nennt das ganze "in tiefer Erhabenheit pumpender, klopfender, klickender, hallender & verstrichener Dubtechno" - dem ist wenig hinzuzufügen, selber reinhören ist Trumpf. Marius hat auch ein pdf-Cover mit schickem Bergmotiv bereit gestellt, der Mix dauert genau 78'13'', geht sich also genau auf eine CD aus, falls Autoradio oder Wohnzimmerstereoanlage mit mp3 noch nicht so recht wollen; auf Ei-Boot Ohrstöpseln haben diese mächtigen Basslines meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin nicht viel verloren - hier die Trackliste:

basso

basso continuo Download

mp3-Kopierer sind keine Verbrecher und rauben nicht

qtalkBeim q/talk peer2peer Tauschbörsen am vergangenen Dienstag gab es einige interessante Details zu erfahren. Die zentrale Frage lautete ja: sind Raubkopierer Verbrecher? Juristin Mag. Birke Schönknecht, Mitglied der Big Brother Jury und Rechtsberaterin der quintessenz hatte eindeutige Antworten parat.

Die Höchststrafe für gewerbsmäßiges Raubkopieren (über die Gewerbsmäßigkeit entscheidet dabei der Bezug eines regelmäßigen Einkommens) beträgt 2 Jahre. In juristischer Terminologie sind aber nur jene Delikte Verbrechen, die mit einer Freiheitsstrafe von 3 oder mehr Jahren "dotiert" sind - alles andere heißt korrekterweise eben nicht Verbrechen, sondern Vergehen. Zum zweiten enthält der Tatbestand Raub notwendigerweise die Anwendung von Gewalt, von einer Raubkopie zu sprechen ist daher schlichtweg Blödsinn. Mit anderen Worten: Musikkopierer sind weder Räuber noch Verbrecher.

Ebenfalls sehr interessant: der Download von geistig geschütztem Eigentum für private Zwecke ist zwar nicht legal, aber straffrei. Das schützt zwar nicht vor zivilrechtlicher Verfolgung, widerspricht aber doch ganz vehement jenem martialischen Bild, das die Musikindustrie derzeit gerne mit allem Nachdruck verbreiten möchte. Im übrigen erklärte Birke Schönknecht die aktuelle Gesetzeslage und wies auf die Problematik von peer2peer Clients hin: zwar führt der Download keineswegs ins Gefängnis, ist jedoch häufig mit einem gleichzeitigen Upload gekoppelt: Clients wie e-mule oder Azureus geben bereits heruntergeladene Teile von Dateien automatisch zum Upload frei, sodass man notwendigerweise nicht bloß herunterlädt, sondern eben auch zum Anbieter wird - und genau damit macht man sich eventuell strafbar.

Anhand eines österreichischen Gerichtsfalles aus dem Jahr 2001 erläuterte Mag. Schönknecht die realen Konsequenzen: ein Jugendlicher hatte das damals aktuelle Madonna-Album vor dessen Erscheinungstermin in einer Newsgruppe angeboten - er wurde zu einer Geldstrafe von 60 Tagsätzen (rund 430 Euro) verurteilt sowie zur Übernahme der Kosten für die Bekanntmachung des Urteils in einer einschlägigen Branchenzeitschrift. Fazit also: keine Madonna Alben in Newsgroups anbieten und das olle Geschwafel von den verbrecherischen Raubkopierern einfach nicht ernst nehmen.

Zu Gast bei Radio U-Ton

Radio UTONPaul Lohberger hatte mich am vergangenen Montag zu Radio U-Ton eingeladen. Im ORF Funkhaus in der Argentinierstraße plauderten wir eine halbe Stunde über das Schlagwort "Web 2.0 - Schma Fu oder die Zukunft?" Wie stets erlaubt die Natur von derlei Fragestellungen keinerlei Antwort, bietet aber willkommenen Anlass, vom 100sten ins 1000ste abzuschweifen. Insofern verging die halbe Stunde dann auch nahezu beängstigend schnell, seit heute gibt's die Sendung als mp3-Download und im U-Ton Online-Archiv.

Quasi mein erster Podcast - und dann auch noch live ausgestrahlt auf Mittelwelle. Außerdem gibt's zwischen unseren Wortkaskaden zwei meiner Lieblingstunes von Angina P und Spiral Tribe. Und das sagt U-Ton über die Sendung:

In den Jahrestrendlisten 2006 stand Myspace ganz oben, und debug, das Magazin für elektronische Lebensaspekte, widmete sich schon Ende 2005 dem Phänomen Web 2.0. Aber sind wir tatsächlich in einer Zukunft angekommen oder ist das alles eine zweite New Economy Blase, diesmal halt im Alltag und nicht an der Börse? Paul Lohberger und Gastexperte Ritchie Pettauer schweifen aus...

Über Radio U-Ton

Entstanden als Uni-Projekt ist Radio U-Ton seit 1997 im Äther vertreten - in diesem Jahr steht also die Jubiläumsfeier an. U-Ton versteht sich als Experimentiertfeld, Ausbildungsprojekt für Radiojournalismus und vor allem als offenes Forum, das allen Interessierten eine Plattform bietet:

Radio u-ton wurde von Prof. Thomas Bauer 1994 am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien als Projekt ins Leben gerufen. Seit 1997 wird auf der ORF Mittelwellenfrequenz 1476 gesendet. Im September 2001 ging das Internetradio UTON on air. Das Projekt Universitätsradio soll eine Berichterstattung liefern, welche die Bereiche Wissenschaft, Kultur, Bildung und Soziales abdeckt; es soll dem Austausch von Informationen und Wissen dienen. Grundsätzlich soll der Zugang allen offen stehen. Die Partizipation beschränkt sich nicht auf Studierende, eine aktive Hörerbeteiligung ist erwünscht.

Im mittlerweile ziemlich umfangreichen Online-Archiv finden sich auch komplette Vorlesungen, ein Newsletter informiert über aktuelle Sendungen. Und ganz ehrlich: abgesehen davon, dass U-Ton seine Sendungen im professionellen Funkhaus-Radiostudio aufnimmt, hat die Mittelwelle einfach einen viel höheren Sex-Appeal als ein simpler Podcast - wie eben schon Opus wussten: Live is live :-)

Web 2.0 - Schma Fu oder die Zukunft? bei Radio U-Ton

CD-Review + Interview: Angina P – 8 Rooms

Angina PWenn Online-Medien über Angina P's Tracks schreiben, dann tauchen sehr rasch Formulierungen wie "Diamant in der Asche" oder "Wonderfully Crafted Ambient-DNB-Techno" auf. In der lokalen österreichischen Szene nur durch Auftritte auf Elektronikfestivals der ambitionierteren Art bekannt (temp~festival), hielt sich die Wienerin von ravenden Dancefloors elegant fern, ihre zwischen Industrial, Breaks und IDM angesiedelten Tracks veröffentlichte sie jahrelang ausschließlich via Internet. In der Blütezeit MP3.coms landeten ihre Produktionen auf tausenden Rechnern weltweit und katapultierten fast jeden neuen Release in den MP3.com-Charts weit nach oben.

Wären internationale Downloadzahlen Ö3-Chart-kompatibel, hätte es für die bislang erfolgreichste Single "Tokyo 6pm", die im Anschluss an einen einjährigen Japanaufenthalt entstand, gleich mehrfach Gold und Platin geregnet. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Offline-Datenträgers dagegen hat sich Angina P freilich 10 Jahre lang Zeit gelassen - "8 Rooms" steht nun ganz non-virtuell in den Plattenläden ihres Vertrauens und bestätigt die alte Weisheit: so viele Internetuser können nicht irren...

Langsam, nicht ruhig

Angina P"Der Erfolg auf MP3.com war für mich eine Bestätigung, dass ein Interesse da ist an meiner Musik. Mit Labels war's allerdings immer sehr schwierig: mittlerweile hab ich so ziemlich alle Troubles durch, aber nun endlich die richtige Plattform gefunden." Als die hat sich nach einer mehrjährigen Odysee Notochord herausgestellt, gegründet von DJ Hidden und Slacknote. Das belgisch-holländische Label setzt sich mit seinem küntlerischen Output vorzugsweise zwischen vorformattierte Genre-Stühle: Hidden, selbst rave-erfahrener Drum-and-Bass-DJ, verlegt sich mit seinem Partner inzwischen auf nicht unbedingt ruhigere, aber langsamere Breaks, die er unter dem Künstlernamen Semiomime veröffentlicht.

Die fünf Nummern von "8 Rooms" decken einen breiten zeitlichen Rahmen ab: vom neuesten Track "Time to Bleed", der 2006 entstand, bis zum drei Jahren alten "My Robots". Labelhost Semiomime remixte exklusiv für das Album "Known Issues", Edgey verpasste "No Time to Bleed" ihren Stempel und Larvae bearbeiteten Placemat Club. "Mein Setup wird mittlerweile - so wie wohl bei den meisten - immer mobiler. Einerseits stört mich zwar die Reduktion der Hardware, andererseits funktionieren Software-Klangerzeuger immer besser - und es ist komfortabler als der Datenaustausch via Diskette. Im Moment produziere ich sogar vorwiegend auf einem einzelnen Laptop mit externer Soundkarte. Die Hardware-Synths stehen aber noch alle griffbereit herum."

Wider Erwarten: Indie Dance Music

Angina PAngina P arbeitet mit kleinsten Soundschnipseln, die sie zu fein ziselierten Kunstwerken modelliert. Flächige Ambient-Teile wechseln sich ab mit wuchtigen Beats, vielschichtige Synthie-Flächen strukturieren die elegisch-eleganten Produktionen. Die acht Tracks enthalten Elemente aus verschiedensten Genres, freilich ohne sich irgendeiner Hörgewohntheit jemals direkt anzubiedern. Und wie das bei nicht marktoptimierter Kunst so vorkommt, sorgen unerwartete Zielgruppen nicht zuletzt bei der Künstlerin selbst für Verwunderung: "Einen Rahmen Auftritte zu finden ist schwierig: auf einer Drum-and-Bass-Party wollen die Besucher schnelleren Sound hören, aber was mich sehr erstaunt hat, war der vergleichsweise große Erfolg meiner Songs im Gothic und IDM-Kontext. Ich bin dann später draufgekommen, dass derselbe Techno, der mich in den 80er Jahren beeinflusst hat, auch sehr prägend war für diese Szene - damit verbindet mich sozusagen ein Second-Hand-Einfluss, diese schön zelebrierte Traurigkeit aus den 80ern."

So schwierig die vielen Referenzen eine Kategorisierung machen, so zahlreich sind die akustischen Anknüpfungspunkte. In der musikalischen Sozialisation der Protagonistin fanden Computerspiele ebenso Platz wie Autechre, Underworld oder Plastikman. Die legendären "Turrican"-Teile eins und zwei spielte Angina P bevorzugt im Cheatmodus, um den phänomenalen Soundtrack von Chris Hülsbeck nicht durch die Explosions-Samples zu verschandeln. Produktionstechnische Lernerfolge erarbeitete sie in Eigenregie - die konsequent autodidaktische Produktionsweise und die experimentelle Zugangsweise prägten einen Sound, der "8 Rooms" zu einem außergewöhnlich komplexen und vielschichtig zugänglichen Stück Musik macht. mp3-Downloads gibt's auf der Homepage der Künstlerin: www.anginap.com

[erscheint Anfang Februar in: thegap 01-2007]

mp3 legal für lau: Neues Kweli-Album

talib kweliWo heute doch wieder die 3 untoten eiligen Könige umgehen und den Spendenfreudigen ihre überzähligen Euros entlocken, da freut sich der geplagte Geizkragen natürlich umso mehr, wenn's was gratis gibt. Und zwar gleich im Doppelpack - da wäre erst einmal ein brandaktuelles neues Album von US-Conscious-Rapper Talib Kweli mit dem passenden Namen "Liberation", produziert von Herrn Madlib.
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Lebenslänglich für Musikkopierer

Unter dem Titel "Das Geschaeftsmodell der Copyright/Mafia" weist die q/depesche auf eine Story in der ORF Futurezone hin: die Waffen der Wahl sind nach wie vor die gerichtlichen:

Die Musikindustrie geht in Deutschland wie auch in Österreich seit 2004 gegen die illegale Verbreitung von geschützten Musikstücken im Internet vor. Motto der vor zwei Jahren gestarteten "Aufklärungskampagne" war "Raubkopierer sind Verbrecher".
Wir haben seit Beginn der Aktion im Jahr 2004 in insgesamt 20.000 Fällen Strafanzeige gestellt, davon in 10.000 Fällen allein im Jahr 2006", sagte Zombik. Im kommenden Jahr sollen es 1.000 Strafanzeigen pro Monat oder mehr werden.
Die Musikindustrie meint, so gegen den verbreiteten Tausch oder kostenloses Hochladen im Internet vorgehen zu können. Allein 2005 wurden laut Zombik 439 Millionen CD-Alben kopiert, was einen rechnerischen Verlust von fünf Milliarden Euro bedeute. Dazu komme eine Milliarde Euro durch illegale Downloads im Internet.

Da kann man ja wirklich nur gratulieren. Der rechnerische Verlust von 5 Milliarden allerdings geht optimistischerweise davon aus, dass jedes kopierte Werk auch gekauft worden wäre: eine ausgesprochen blauäugige Annahme. Wer hätte sich vor 10 Jahren bloss gedacht, dass das Kernbusiness der Major Labels sich nicht mehr auf gute Musik, sondern auf Fernseh-Castingshows, Klingeltöne und das Verklagen von Kunden verlagern würde...

Legale mp3s schnell finden

Swen stellt auf seinem Blog ein kleines Script vor, mit dem sich eine Reihe populärer Free-Music Seiten auf einen Klick durchsuchen lassen. Das Bookmarklet gibt's in zwei Versionen für IE und Firefox - einfach den Link auf die Bookmarkleiste ziehen, und schon sucht man zukünftig ohne Junk-Ergebnisse: denn die Suche nutzt Google, schränkt die Ergebnisse allerdings auf die folgenden Seiten ein:

  • insound.com
  • epitonic.com
  • betterpropaganda.com
  • tonspion.de
  • thewire.co.uk
  • archive.org
  • ubu.com

Die decken wirklich ein großes Spektrum aktueller Free-Releases ab - und machen das für Majors anscheinend uneinlösbare Versprechen "Music at you Fingertipps" via dem smarten Bookmarklet nun doch wahr. Hier gibt's das Script:
http://swen.antville.org/stories/1540610/

Gratis-Download: Stereoclaus is comin’ to town

StereoclausStefan Mörth aka Stereotyp hat sich das rote Mäntelchen umgelegt, die Mütze aufgesetzt und seinen Rentierschlitten bestiegen: "Stereoclaus is comin' to town" kündigt er auf seinem myspace-blog an, und im Gepäck hat er ein fettes 200MB Zip-File mit Live-Material und bisher unveröffentlichten Songs. Gesaugt werden darf bis zum 25. Dezember.

OK FOLKS WE GOT CHRISTMAS COMIN UP !!!
SO I THOUGHT I PREPARE A GIFT FOR YOU ALL !!
HERES A WHOLE BUNCH OF FREE MP3'S FOR YALL, INCLUDING SOME WORK I DID LIKE 10 YEARS AGO,
YOU HAVE UNTIL THE 25TH OF DEZ. TO DO SO, THEN I'LL TAKE IT OFF MY SERVER AGAIN-

Ich hab's gerade frisch runtergeladen schauen wir mal rein - da wären fünf Tunes von 1995 (currently listening to "softwear"... angenehm Synthie-Schauer und anscheinend schon damals Mörthi-typische Basslines wogen durch meine Gehörgänge - nice!), eine halbstündiges Live-Set mit MC Coppa, einige unreleased Tunes plus "Stereotyp meets Al Haca" - und alles in Club-PA-tauglicher hoher Bitrate. Danke, Stereoclaus - HO HO HO!

X-Mas mp3-Downloads - File inzwischen nicht mehr verfügbar!
Stereotyp auf myspace.com
Homepage: stereotyp.biz

Schlechte Zeiten für die Big 4

Register.co.uk hat ein ausführliches Interview mit Peter Jenner geführt. Der Musik-Insider blickt auf eine lange Karriere zurück: als ehemaliger Manager von Pink Floyd, T-Rex und anderen größen der jüngeren Popgeschichte weiß Jenner, wovon er spricht, wenn er das derzeitige Abgabensystem heftig kritisiert:

The major four music labels today are "fucked", he says. Digital music pricing has been a scam where the consumer pays for manufacturing, distribution, and does all the work - and still has to pay more. Labels should outsource everything except finance and licensing.
But he's also optimistic that for almost everyone else - indie labels, musicians, songwriters and budding entrepreneurs - as well as network providers - the future's going to be pretty bright. The Big Four know that the DRM era is nearly over - and within two or three years, he predicts, "most countries" in the world will have a blanket licensing regime where we exchange music freely, for a couple of quid a month.

Woran Napster scheiterte, soll also bald Realität werden: eine sogenannte Flat Fee für Musik, möglicherweise gekoppelt an den Besitz geeigneter Hardware. Die so gesammelten Einnahmen sollen nach einem klassischen Verteilungssystem an registrierte Musiker ausgeschüttet werden - die natürlich, und nicht zuletzt darin liegt die Crux der derzeitigen Royalty-Zahlungen, entsprechend informiert sein müssen:

In a blanket license system, there'll be huge black boxes, and we'll have to learn to hold the money for a long time. People will learn to register, then we can work out how to deal with the black box fairly - rather than giving it to people who know it's there. That's what's happened in the past, really.

Im Inteview erklärt Peter Jenner, warum die vier Major Labels mit dieser Perspektive gar nicht glücklich sind - bedeutet sie doch den Verlust der exklusiven Kontrolle über legale Distributionskanäle. Ausrutscher wie Sonys verstecktes DRM-Rootkit, der Ärger von iTunes-Benutzern beim Computerwechsel und die generell ablehnende Strategie der letzten Jahre führten beim Konsumenten zu einer Reihe von Frustrationserlebnissen und bereiteten letztendlich den Boden für eine neue Abrechnungsstruktur.

Dass Zahlungsbereitschaft vorhanden ist, zeigen alle Umfragen. Die Angemessenheit des Preises (Stichwort: verfügbares Budget) und benutzerfreundliche, offene Formate könnten in der Tat zu einem Boom legaler Online-Musik führen. Weitere Themen des Interviews sind der zukünftige Fokus auf personenzentrierte Musikvermarktung - quasi "trusted agents", deren Geschmack man vertraut. Im übrigen glaubt Jenner auch auf der Produktionsseite an eine andere umgekehrte Variante des Longtail-Effekts:

I like the idea of doing co-ops to raise the money, too. If I give money to you to write a book, that's fairly high risk. If I lend it to 100 people that's much lower risk - someone's going to come through and I'll get my money back. The industry understands these issues. And you're less likely to rip each other off.

Ob wir in drei Jahren also dann tatsächlich alle legal via peer-2-peer ungeschützte mp3-Dateien legal runterladen? Man darf weiter gespannt sein... [via a href="http://swen.antville.org/stories/1505965/" target="_blank">Swen's Weblog]

Spektralanalyse mit Tau

Audiokomprimierung hat zum Ziel, möglichst hohe Qualität bei möglichst niedriger Datenrate zu erzielen - mp3-Files, die mit 256kbps erstellen wurden, sind mit "freiem Ohr" kaum mehr vom originalen Ausgangsmaterial zu unterscheiden. Wer wissen möchte, ob Songs auf gebrannten Audio-CDs vom Original kopiert wurden, oder ob verlustbehaftete Audioformate (mp3, ogg vorbis, wma etc...) als Ausgangsmaterial dienten, für den hält true-audio.com den Tau Analyzer bereit, wie mpex.net berichtet. Was das menschliche Ohr nicht mehr zu hören vermag, stellt das Tool in einer grafischen Spektralanalyse dar. Eine 100%ige Treffsicherheit garantiert der Autor zwar nicht, in den meisten Fällen erkennt Tau Kompressionsartefakte jedoch zuverlässig. Das Programm gibt's als Freeware: Download.

Übrigens: GEMA-Künstler dürfen jetzt kostenlos streamen - die deutsche Rechteverwertungsgesellschaft erlaubt Musikern, ihre eigenen Werke auf der eigenen Homepage zum Anhören anzubieten. Hintergrund der Regelung: wer bei der GEMA registriert ist, darf nicht mehr frei über seine eigenen Werke verfügen - in Österreich verhält es sich mit Mitgliedern der AKM/AUME analog. Durch die Übertragung der Rechteverwaltung an die betreffende Verwertungsgesellschaft hat diese das Recht, Tantiemen zu verlangen - bisher sogar vom Künstler selbst. Eine mehr als seltsame Regelung, die bisher auf wenig Verständnis von Seiten der Kunstschaffenden stieß. Geld verdienen dürfen die Musiker in Deutschland mit digitaler Musik weiterhin nicht selbst - aber zu Promotionzwecken können sie ab sofort ihre eigenen Songs zum Anhören anbieten, ohne Tantiemen an sich selbst bezahlen zu müssen. [via mpex]

Jugendschutz im Netz, mal anders

Gut, dass der ARD mal wieder einen Hörspielwettbewerb für NewcomerInnen aus der "freien Szene" veranstaltet. Noch besser, dass der deutsche Staatsfunk die elf eingereichten Beiträge "Premiere im Netz" feiern lässt: das bedeutet, dass man sämtliche Werke als mp3-Files donwloaden kann: ARD Hörspieltage.

Ein wenig jene formatradiofeindliche Unterhaltungsform aufzuwärmen, mit deren späten Ausläufern die Noch-vor-Internet-Kindergeneration sich trüb-regnerische Tage vertrieb (Ich glaube, ich lautschte den akustischen Umsetzungen von 1001 am gebanntesten), stünde auch dem ORF gut zu Gesicht. Aber eines kann man dem ARD nun wirklich nicht vorwerfen: dass er sich nicht um das Thema Jugendschutz kümmert. Bei einem der Hörspiele, konkret "Mindfuck", setzt die klassische Fernsehzensur voll ein:

"MINDFUCK" - Diese Sendung ist gemäß ARD-Kriterien zum Jugendschutz für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet. Sie kann daher nur in der Zeit von 22 bis 6 Uhr verfügbar gemacht werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Das ist nicht erfunden - hier die Beweisfotos:

erlaubter ARD-Download

 

unerlaubter ARD Download

PS - In Amerika bezeichnet man 21:00 Uhr als die "Watershed" - bis dahin hat das Programm einigermaßen kindertauglich zu sein, danach darf geflucht, gesoffen, getötet und andeutungsweise auch sexuell verkehrt werden. Vielleicht sollte man die ARD-Strategie ja generell für's Internet aufgreifen. Das würde auch eine Menge arbeitsloser Webdesigner beschäftigen.

PPS - Wie geht der ARD mit dem Ausland lebenden Kindern um, von wegen Zeitverschieben? Oder endet der Jugendschutzauftrag etwa an der Bundesgrenze?