Vor kurzem wurde das amerikanische Business-Network Naymz einem gelungenen Relaunch unterzogen: grelles Orange wich einem dezenten dunkelblau-grau-orangen Farbschema (woran erinnert mich das bloß?), für mehr Übersicht sorgt die Neugestaltung des Dashboards. Vor einigen Monaten habe ich ein Interview mit einem der Naymz-Gründer veröffentlicht, in dem Tom Drugan die Spezialitäten von Naymz erklärt. Besonders gut gefällt mir die Idee der "Reputation Networks": alle Grundfeatures stehen in der kostenlosen Version bereit, gegen Aufpreis gibt's etliche Special wie genaues Besuchertracking und dergleichen.
Besonders aktive oder gut vernetzte User erhalten ab einem "Repscore" von 10 einige Premium-Features gratis, die Kalkulation dieses Werts erfolgt dynamisch und skaliert anhand der Aktivität des gesamten Netzwerks. Primärer Faktor sind die "Assesments", die man von anderen erhält: wie es sich für eine Business-Plattform gehört, stellt Naymz nicht die Profilsammelei in den Vordergrund, sondern lässt User ihre eigenen "Reputation Networks" aufbauen, die auf bereits erfolgter Zusammenarbeit und sogenannten "Endorsements" beruhen.

Die Informationen über Erfahrungen aus vergangener Zusammenarbeit sind natürlich weit aussagekräftiger als ein bloßer Lebenslauf. Den Slogan "Next level networking" setzt Naymz hervorragend um, allerdings muss ich schon wieder das gleiche Klagelied anstimmen: die coolen Services sind immer vollkommen us-dominiert und daher ist Naymz (noch) keine Alternative zum Xing-Telefonbuch. Wer allerdings das Geschnake der Globalisierung ernst nimmt und ein Business-Network sucht, das elegant bedienbar, innovativ und international ausgerichtet ist, sollte sich auf jeden Fall ein Profil bei Naymz anlegen - das sieht in der öffentlichen Ansicht so aus: Ritchie Pettauer's Naymz profile.
Vor einigen Tagen hat Facebook damit begonnen, Google-Adwords mit den Namen der Mitglieder zu schalten. Wenn also jemand nach "Ritchie Pettauer" suche, dann bekam er einerseits die organischen SERP-Ergebnisse und andererseits ein SERP-Anzeige, die auf mein Facebook-Profil verweist.
Die meisten deutschsprachigen User finden dieses Feature "not amusing" - es handle sich um einen fahrlässige und zu verurteilenden Umgang mit Privatsphäre, so der Grundtenor auch bei Ringfahndung:
Unsitte, ist das richtige Wort, wenn man Facebooks Umgang mit Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten beschreiben will.
Nach der Aufregung über Facebooks Beacon, einer Art Spähsoftware zum zielsicheren Ausliefern von Werbung, arbeitet Facebook weiter an seinem Ruf gelinde gesagt unsensibel und aggressiv eigennützig mit den Daten seiner Nutzer umzugehen: de.facebook.com schaltete bei Google.de Adsense Werbung mit Klarnamen der Nutzer, auch mit meinem.
Auf Facebook gründete Erik Hauth die Gruppe
NO FACEBOOK ADS using MY NAME!, die bis dato über 150 Mitglieder zählt. Ich verstehe ehrlich gesagt die ganze Aufregung nur sehr begrenzt. Die Google Adwords finde ich eines der geilsten Features überhaupt von Naymz - einziger Unterschied zu Facebook ist, dass man dort die Funktion explizit aktiviert, während Facebook ganz ungefragt die Werbung geschalten hat:

Schlauer wäre es, in den Privacy Optionen eine Ja/Nein Einstellung vorzusehen - ich würd die sicherlich nicht abdrehen, Facebook hat sich mittlerweile zu einer meiner wichtigsten Referrer-Sites für Blogbesucher entwickelt. Dass ohne explizite Zustimmung geworben wird, sorgt zwar für verständlichen Ärger, andererseits kann ich dem offiziellen Statement der Facebook-Betreiber durchaus einiges abgewinnen:
Die Anzeigen wurden nur ausgeliefert, wenn a) ein Facebook Nutzer eine öffentliche Suchanzeige für die Indexierung von Suchmaschinen hat und b) wenn nach speziell ihrem Namen auf einer Suchmaschine gesucht wurde. Der Klick auf diese Anzeige führte auf die Hauptseite von Facebook, wo man sich wie immer registrieren muss bevor man ein Freund der gesuchten Person werden kann und bevor irgendwelche Informationen zu sehen sind. [...] Öffentliche Suchanzeigen zeigen allenfalls die Informationen Name und Foto des Nutzers, und auch nur dann, wenn der Nutzer in seinen Einstellungen der Privatsphäre die Such-Sichtbarkeit auf "Alle" gesetzt hat. Öffentlich Suchanzeigen gibt es, um unsere Nutzer noch einfacher auffindbar für ihre Freunde auf Suchmaschinen zu machen und können jederzeit von den Nutzern ausgestellt werden. Nur Nutzer die über 18 sind und die die Einstellung "Eine öffentliche Suchanzeige für mich erstellen und diese für die Indexierung von Suchmaschinen verwenden" angekreuzt haben, tauchen in externen Suchen auf.
Dass Facebook eben ganz gezielt nicht zwischen organischen und bezahlten Ergebnissen unterscheidet, mag durchaus ein valider Stein des Anstoßes sein - im Ergebnis allerdings läuft's auf gleiche raus: man wird besser gefunden. Speziell neue Profile, die noch kein organisches Ranking besitzen, werden hiermit sofort visible. Die Grundsatzentscheidung, ob er in SMs gefunden werden will oder nicht, trifft ja tatsächlich der User. Die Kritik zeigt für mich allerdings sehr deutlich, dass die meisten UserInnen von Social Networks diese Seiten als ihren Privatbesitz ansehen... warum wird FB wohl so hoch bewertet? Weil Analysten davon ausgehen, dass man mit den vielen vielen Userdaten viele lustige Income-Modelle basteln kann. Wer das nicht möchte, sollte sich dort nicht registrieren - basta. Wer Facebook in punkto Privacy vertraut, den halte ich für schlichtweg naiv - so groß kann die nachträgliche Empörung dann aber doch nicht sein, immerhin macht ja bislang niemand vom Button "Profil löschen" kaum jemand Gebrauch.
f8club.de schreibt dazu:
Ich finde es ein durchaus befremdliches Vorgehen, einfach mit den Namen der User Werbung zu schalten. Wie die rechtliche Lage aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke, dass auch bei diesem Facebook-Stunt zügig ein "oops, das haben wir nun echt nicht bedacht und erst recht nicht gewollt" kommt, so wie bei Beacon und gefühlten 20 anderen Anlässen auch schon.
Über Johnny Häuslers und Eric Hauths Entsetzen hat Thomas Knüwer eine News für das Handelsblatt geschrieben, in dem er Johnny Häusler zitiert:
Diesen Weg geht jetzt Haeusler: Er fordert über seinen Anwalt Vetter 2 000 Euro. Seinen Austritt aus Facebook hat er ohnehin schon verkündet und dabei festgestellt, dass es nicht reicht, sein Profil zu deaktivieren - zur vollständigen Löschung ist auch noch eine E-Mail an das Netzwerk nötig. Auch dazu hat Haeusler eine klare Meinung: "Ich finde das lächerlich."
Warum ist das lächerlich? Könnte ja durchaus mal vorkommen, dass jemand vergisst, sich an einem öffentlichen Rechner auszuloggen - da finde ich's sehr begrüßenswert, dass man ein bestehendes Profil nicht mit einem einzigen Click ins Nirvana befördern kann, solange die Löschung grundsätzlich zuverlässig funktioniert. Eine ganze Reihe von erstaunlich einhelligen Meinungen zum Thema findet man auf Rivva.
Um nicht falsch verstanden zu werden: es gibt ein Namens- und Persönlichkeitsrecht, und bevor man derartige Werbeprogramme startet, sollte man die User um Zustimmung fragen. Grosso modo bleib ich aber bei meiner Meinung: Gratis Google Adwords finde ich nett, sonst hätt ich das Feature bei Naymz schon längst abgestellt. In meinem Fall könnte also FB durchaus sagen: dieser komische Wiener hat mit seinen Naymz-Werbung schon längst sein implizites Einverständnis gegeben. Ich werde also weder Google noch Facebook verklagen, sondern abwarten und Chai trinken. Geschädigt komm ich mir nun wirklich beim besten Wille nicht vor
Fast täglich sprießen neue Social Networks aus dem Boden, und zahlreiche Experten prognostizieren für die nähere Zukunft eine deutliche Marktkonsolidierung. Dennoch tauchen immer wieder Netzwerk-Ideen auf, die weit über untereinander verlinkte Visitenkarten mit Suchfunktion hinausgehen. Die Betreiber des amerikanischen Business-Netzwerks Naymz etwa scheinen die aufmerksamkeitsökonomischen Theorien Georg Francks zu ihrem Credo gemacht zu haben. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Als der Wiener TU-Professor im Jahr 2005 seinen Nachfolge-Band zu der von ihm als "Aufmerksamkeitsökonomie" bezeichneten virtuellen Daten-Wirtschaft veröffentlichte, erklärte er, dass erst noch Modelle gefunden werden müssten für die direkte Umrechnung von Aufmerksamkeit in "harte" Währung , also Barvermögen. Dass in einer komplexen und hoch differenzierten Mediengesellschaft Ruhm und Aufmerksamkeit per se einen gewaltigen Wert darstellen, wissen interessierte Betrachter nicht erst seit Supermodel- und Pop-Castingshows. Abseits des Starsystems etablierten sich im Internet zwar eine ganze Reihe von Free-Services - die tatsächliche Umrechnung von Mikro-Aufmerksamkeit in ökonomische Werte ist allerdings nach wie vor ein weitgehend unbeackertes Feld.
Die Plattform Naymz.com mag noch nicht vollständig ausgereift sein, spannend wird die Seite aber durch ihr Businessmodell, das in eine gänzlich andere Richtung als Facebook und Co. zielt. Denn während letztgenanntes Netzwerk und seine Epigonen versuchen, über umfassende und ansprechende Features eine riesige User-Community aufzubauen, die nach freiwilliger Angabe möglichst vieler persönlicher Daten in weiterer Folge zielgenau mit Werbung torpediert werden kann, lockt Naymz potentielle Kunden mit direkter Valorisierung ihrer wertvollen privaten Daten und ihrer Netzwerkkontakte. Wie Xing richtet sich die Seite dabei nicht in erster Linie an Privatpersonen, sondern an "Professionals" und Freiberufler auf Auftragssuche.
Zwar existieren für Facebook diverse Rating-Applikationen, die den "populärsten" Freund des eigenen Netzwerks küren sollen oder ähnliche Bewertungs-Systeme implementieren. Und natürlich sind User mit überdurchschnittlich vielen Kontakten bei fast allen Spielen und Applikationen im "Vorteil", da die meisten Zusatzprogramme Bonusfeatures erst nach dem Versand möglichst vieler Einladungen freischalten. Doch was bei Facebook auf der spielerischen Ebene verbleibt, wird von Naymz in handfeste Währung verwandelt. Das gesamte Netzwerk beruht auf der altbekannten Empfehlungsmechanik: je mehr registrierte User eine bestimmte Person "empfehlen", desto höher deren Punktestand. Zusätzliches virtuelles "Kapital" lässt sich durch Einladungen und die möglichst vollständige Komplettierung des eigenen Kapitals erwerben. Aus den insgesamt erzielten Punkten errechnet Naymz den sogenannten "RepScore" (Abk. für Reputationswertung), aus dem sich wiederum der RepLevel errechnet, eine Bewertung zwischen eins und zehn. Wer nun - sei es aufgrund vieler Einladungen oder Empfehlungen - Level 10 erreicht, kann Premium-Features der Plattform nutzen, die ansonsten nur zahlenden Pro-Usern vorbehalten bleiben: dazu gehört etwa ein genaues Tracking der Besucher auf der eigenen Profilseite sowie von Naymz geschaltene und bezahlte Google-Anzeige, die bei einer Suche nach dem eigenen Namen oberhalb der Suchergebnisse erscheint - eine einfache Möglichkeit, in Zeiten der Jobsuche für aktuelle Daten und steuerbare Webpräsenz zu sorgen. Ganz gemäß den beiden Credos der Seite: "Establish your good name. Promote your good name."
Wie sich die in Chicago ansässige Firma in den nächsten Monaten entwickelt und ob das Konzept auf breiter Basis aufgeht, wird zu einem hohen Grad von den angebotenen Zusatzfeatures abhängen. Derzeit sind vergleichsweise wenige europäische User registriert, diese Demographie kann sich aber erfahrungsgemäß rasch ändern. In punkto geschäftliche Online-Präsenz und Valorisierung von Kontakten bringt Naymz die Konkurrenz durch innovative Ansätze auf jeden Fall gehörig ins Schwitzen.
Über die amerikanische Social Plattform Naymz, die einige sehr spannende und innovative Wege beschreitet, habe ich vor kurzem berichtet. Tom Drugan, einer der Mitgründer des amerikanischen Start-Ups, hat mir via E-Mail einige Fragen zur Business-Community der next generation erzählt - und da noch in diesem Jahr lokalisierte Versionen am Programm stehen, kann sich Xing schon mal warm anziehen.
Mein virtueller Interviewpartner ist bei Naymz für die corporate communication zuständig - und sozusagen ein alter Marketing-Hase, wenn man im Online-Business überhaupt schon diese Bezeichnung verwenden kann:
Tom Drugan is currently the Co-founder of Naymz.com, a leading online identity management company. Tom is responsible for the development and communication of the Naymz vision and brand, while also developing and deploying marketing strategies for customer acquisition and retention.
Mehr Infos gibt's natürlich auf Toms Naymz Profil. Das Interview haben wir auf Englisch geführt, die deutsche Übersetzung ist von mir - die Originalversion für QuellenforscherInnen folgt weiter unten.
Worin liegt die Hauptstärke von Naymz im Vergleich zu anderen Social Networks?
Tom: Die Profile, die unsere Mitglieder anlegen, erreichen typischerweise sehr hohe natürliche/organische Platzierungen bei Google und anderen Suchmaschinen beim jeweiligen Namen als Keyword. Anders als die meisten Social Networks verwendet Naymz mit dem RepScore System eine zusätzliche Bewertung, die auf dem Vertrauen (Trust) der User untereinander basiert.
Naymz ist ein offenes network, da man keine Gebühren dafür bezahlen muss, wenn man als registriertes Mitglied andere Mitglieder kontaktieren möchte, mit denen man noch nicht in Verbindung steht. Andere professionelle Social Networks wie LinkedIn verlangen dafür mindestens 10$/Monat. (Anm. d. Übersetzers: vgl. Xing, dort muss man ebenfalls Geld einwerfen, um Messages an Mitglieder schreiben zu dürfen - gratis funktioniert das nicht einmal an die eigenen Kontakte.) Zusätzlich offeriert Naymz ein optionales Premium-Service, das $4,95/Monat kostet - das Upgrade ist komplett optional. Unsere Premium-Mitgliedschaft umfasst folgende Vorteile:
- Wir platzieren bezahlte Anzeigen auf Google, Yahoo und MSN bei der Suche nach Namen unserer Mitglieder, sodass auch User, sodass jeder sicher sein kann, dass sein Name in SMs an erster Stelle auftaucht.
- Detaillierte Reports über die Besucher des eigenen Profils halten den User am laufenden darüber, von wem er gesucht wird und wie das Profil gefunden wurde. Diese Funktion bieten Facebook, LinkedIn, Myspace und Co. nicht.
- Das Trufina Identitäts-Verifikations-System ist integriert; es ermöglicht Usern eine sichere Weitergabe ihrer Online-Identität. (derzeit nur US)
Wird es lokalisierte Sprachversionen geben?
Tom: Dieser Punkt steht definitiv auf unserer To-Do-Liste. Wir hoffen, dass wir im Lauf dieses Jahres lokalisierte Versionen anbieten können.
Wie sehen deine Pläne für die nähere Zukunft aus?
Tom: Wir haben eine Menge Verbesserungen und Ergänzungen in Planung. Eines unserer nächsten Features werden personalisierte Domains für unsere Mitglieder sein (z.B. pettauer.name) und die zugehörigen E-Mail Adressen (ritchie@pettauer.name). Wir werden außerdem zusätzliche Privacy-Optionen einbauen und Naymz durch die Integration von OpenID und Googles OpenSocial noch offener machen.
What's the primary strength of Naymz compared to other social networks?
Tom: The profiles that our members create typically get very high natural/organic ranking in Google and other search engines for the particular name of that member. Unlike most other social networks, Naymz adds a layer of trust to our members profiles through our RepScore scoring system. Naymz is an open network in that we do not charge our members to contact others in our community whom you may not have had a connection with. Other professional social networks such as LinkedIn charge a minimum of $19/month for this ability. Naymz has an optional, premium service, which costs $4.95/month. Upgrading is completely optional. Our premium level subscriptions include:
- We pay Google, Yahoo, and MSN to place a sponsored result at the top of the listings for your name so you can be assured you own your personal brand in the search engines.
- Detailed reports about visitors to you profile so you have a better idea of who might be checking you out and how they found your profile. This is something that Facebook, LinkedIn, MySpace, and other social networks do NOT provide.
- Trufina identity verification which provide individuals with a secure means of verifying and sharing their online identity (currently only available in the US, but UK will be available in 2008.
Are you planning on launching localized services in different languages?
Tom: Yes, this is certainly on our list of to-do's. We hope to offer Naymz in different languages sometime in 2008.
What are your plans for the near future?
Tom: We have a lot of exciting product enhancements in plan for this year and beyond. In the near future, we are working on providing the ability for our members to acquire personalized domain names (i.e. www.pettauer.name)and email addresses(ritchie@pettauer.name). We are also working on adding additional privacy options and making Naymz more open by offering OpenID sign-in on our site and joining Google's OpenSocial platform.
"Empowering reputable professionals" lautet der Claim eines der innovativeren (und zugleich skurrileren) Social Network Projekte der jüngeren Web 2.0 Geschichte. Die Plattform Naymz, gegründet im März 2006 in Chicago, Illinois von Nolan Bayliss, verbindet Reputationsmanagement und SEO auf ungewöhnliche Weise. Im Gegensatz zu anderen Business-Netzwerken schreibt sich die Seite *nicht* in erster Linie die Kommunikation der MitgliederInnen untereinander, sondern die Bewerbung der einzelnen Profilnamen auf ihre orangen Fahnen.
Um das Konzept zu verstehen, muss man ein wenig ausholen: analog zu anderen Social Networks bewertet Naymz den einzelnen User anhand des sogenannten "Rep Scores", stuft also die "Reputation" seiner Klienten weitgehend transparent ein. Der Rep Score richtet sich nach diversen Faktoren: einerseits bekommt man Punkte für die möglichst vollständige Komplettierung des eigenen Profils, andererseits erhält man Punkte für sogenannten "Endorsements", also Empfehlungen: denn eine Spezialität von Naymz besteht darin, dass man jede Person aus dem eigenen Adressbuch öffentlich "empfehlen" kann, inklusive eines Beschreibungssatzes. Also kurz gesagt: eine virtuelle Multiplikation der guten alten Empfehlungsschreiben. Deren inflationärer Gebrauch alleine macht die Plattform noch nicht interessant - spannender ist die zugrunde liegende Idee der Verrechenbarkeit zweier nicht ohne weiteres kompatibler Währungen: die Plattform-Mechanik implementiert auf unerwartete Weise den feuchten alten Traum der direkten Verrechnung der Währung "Aufmerksamkeit" in Moneten. Und das funktioniert so: basierend auf dem Rep-Score erhält jeder User einen sogenannten Rep-Score Level - die Zuweisung erfolgt dynamisch je nach Wachstum des Netzwerks:
Your RepScore Level is assigned based on your point total relative to all other Naymz Users. Levels range from 1 to 10 with 10 being the highest. You get Perks on Naymz based on your RepScore Level.
Spannend an der ganzen Sache ist, dass Naymz der zahlenden Kundenschar Premium-Features bietet, in erster Linie Google-Werbeschaltungen mit dem eigenen Namen (für SEOs kein Asset, für alle anderen eine preiswerte Gelegenheit, bei der Namenssuche an Stelle 1 aufzutauchen) und in zweiter Linie genaues Tracking der BesucherInnen des eigenen Profils. Naymz Premium kostet $4,95/Monat bzw. $47,50/Jahr, wer allerdings einen Rep-Score Level von 10 erreicht, erhält die angesprochenen Features gratis. Da ich aufgrund einiger eingeladener User gleich nach fünf Tagen RepScore 10 erreicht habe, sieht die Google-Ergebnisseite bei der Suche nach "Ritchie Pettauer" nun folgendermaßen aus:

Wie gesagt: für mich stellt die Werbeeinblendung an sich keinen Wert dar, da ohnehin datenschmutz an erster und pettauer.net an zweiter Stelle auftauchen. (Sonst hätt ich ja wohl auch ein gravierendes Problem, meinen Kunden zu erklären, warum sie mich für SEO bezahlen sollten *g*) Dennoch finde ich die von Naymz bezahlte Einblendung (bis zu maximal 10$/Tag, Änderungen jederzeit vorbehalten) eine nette Idee für alle Social Networker, die keine eigene Webseite betreiben. Die Koppelung von Netzwerk-Aktivität an real money finde ich spannend; bin gespannt, ob Xing demnächst ähnliche Features (analog zu der von Facebook inspirierten "Timeline") offeriert. Ganz nett gemacht ist bei Naymz auch das Visitor Tracking:
Bedienung und Design erweisen sich an manchen Stellen als durchaus noch verbesserungswürdig, grosso modo aber findet man sich ganz gut zurecht. Eigenen RSS-Feeds lassen sich problemlos in Profil einbinden, die Privacy-Optionen sind transparent - wer möchte, gibt nur ausgewählten Usern Zugriff auf die eigenen Profildaten. Einige Features an der Plattform allerdings stimmen nicht nur Schlingel skeptisch: dass Naymz etwa Punkte für die Verifikation zusätzlicher E-Mail Adressen anbietet, lässt den Gedanken an Mail-Trading durchaus aufkommen (1).
Alles in allem eines der innovativeren Social Networks, denen ich in letzter Zeit einen Besuch abgestattet habe - wenn auch, wie die meisten derartigen Seiten, mit deutlich us-lastiger Community. Mal sehen, wie sich die Plattform entwickelt - die Macher haben jedenfalls einige Prinzipien des Social Web viel konsequenter umgesetzt als die Konkurrenz, daher glaube ich, dass Naymz (zumindest für den englischsprachigen Jobmarkt) auch in Kürze eine ernst zu nehmende Rekrutierungsbörse werden könnte.
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