Michael Fiedler hat mich kurz vor dem Andalusien-Urlaub gefragt, wie Google denn eigentlich potentiell zu indizierende Websites findet - der 5-Minuten-Podcast bietet eine kurze Einführung in die komplexe Thematik "Suchmaschinenoptimierung":
Eine Website zu unterhalten ist eine Sache; dass diese dann auch von Google & Co. gefunden und hoch im Index platziert wird, eine andere. Seit geraumer Zeit gibt es daher eine Szene von Suchmaschinenoptimierern, die dafür sorgen, dass die Angebote ihrer Kunden bei den Ergebnissen möglichst weit oben aufscheinen - denn das bringt Aufmerksamkeit und letztlich auch Geld.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
| 31. März 2009 | ||
| 14:00 | bis | 20:00 |
On short notice: bereits morgen, am 31. März, findet im großen Sendesaal des RadioKulturHauses (Argentinierstrasse 30a, 1040 Wien) das von Ina Zwerger und Armin Medosch organisierte Ö1 Symposium "Creative Cities" statt. Bei freiem Eintritt lädt die Ö1 Wissenschaftsredaktion zu einer hochkarätig besetzten Reflexion der immer wieder gern zitierten Utopie, Kunst und Wirtschaft täten sich vertragen wollen können.
Anlass ist nicht zuletzt das von der EU 2009 ausgerufene "Jahr der Kreativität und Innovation" (ich freu mich schon aufs "Jahr der Einfallslosigkeit und des Rückschritts") und die große Hoffnung, welche Regierungen weltweit in die "Creative Industries" setzen. Die Veranstalter fragen im Einladungstext nicht ganz unsuggestiv, ob möglicherweise eine neues intellektuelles Proletariat entstünde, eine Art "Tagelöhnertum im Web 2.0":
Arbeitsplätze – so wird suggeriert – schafft man sich selbst, im "Home Office", im virtuellen Netzwerk. Befristete "Projekte" ersetzen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch von der Wertschöpfung der "Ideenwirtschaft" profitieren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durchschnittliche Einkommen der "Cultural Workers" ist sehr gering.
Das klingt mir zwar alles gar ein wenig negativ: ein "lebenslanger Job" wär meine persönliche Hölle, und wenn der Tagessatz stimmt, dann bin ich liebend gern vortragender oder coachender Tagelöhner. Und ja, meinen "Home Office" Arbeitsplatz hab ich mir tatsächlich selber geschaffen - vor 20 Jahren wär's schlicht undenkbar gewesen, mit einem digitalen Produktionsstudio um rund 10k Euro mit "professionellen" Corporations zu konkurrieren. Aber andererseits bin ich ja auch kein freischaffender Künstler, sondern freischaffender Marketing-Berater und "geringes Einkommen" liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber ich kann mich definitiv nicht beschweren
Doch weiter im Text:
Was macht diesen Lebensentwurf dennoch attraktiv? Ist es die Vorstellung, aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Ruhm? Oder einfach der Mangel an Alternativen? Muss nun "jeder ein Künstler" werden, frei nach Joseph Beuys? Oder müssen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar? Und ist nicht der Zwang zur ökonomischen Verwertbarkeit für das kreative Schaffen letztlich kontraproduktiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kunstförderung und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen?
Diese versuchen unter anderem Martin Netzer von der Sektion Erwachsenenbildung des BM für Unterricht und Kunst, Richard Barbrook von der Westminster University London, Diedrich Diederichsen, das kulturwissenschaftliche Aushängeschild Berlins, Geert Lovink vom Amsterdamer Institute of Network Cultures und Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund in ihren Referaten zu klären. Der erste Teil des Programms hat für mich durchaus einen gewissen Zeitreise-Aspekt: soweit ich mich erinnere, diskutieren die üblichen Verdächtigen die gleichen Themen seit Mitte der Neunziger, damals noch vorwiegend auf der nettime-Mailingliste. Seither hat sich die Situation - je nach persönlicher Einschätzung - drastisch verbessert oder verschlechtert, eines ist jedenfalls klar: in Zeiten der Wirtschaftskrise erhöht sich das Interesse ans Kapital-/Liberalismuskritik beträchtlich. Wird jedenfalls sicherlich ein spannender Nachmittag, den ich aber leider ob Creative-Industry-Business-Stress nur teilweise werde verfolgen können. Genauere Details finden Kurzentschlossene Besucher Programm-PDF.
| 8. November 2008 | ||
| 18:30 | bis | 20:00 |
Die Langen Nacht der Forschung am kommenden Wochenende bietet the full scientific Monty: von verrückten Professoren bis hin zu hochseriösen Wissenschaftlern, von gegenwärtiger bis zu historischer Forschung. Einmal im Jahr öffnen die Labore und geheimen Forschungsstationen in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien und Wiener Neustadt ihr Pforten, um den "kleinen Mann" (ich finde, dieser Ausdruck sollte endlich auch außerhalb der Wahl-Propaganda Zeit eingesetzt werden) im Reagenzglas umrühren zu lassen. Neben Weltpremieren, Auto-Gewinnspielen und frischen Forschungsergebnissen ist auch Ö1 mit einem brisanten Thema vertreten: Franz Zeller (Ö1-Digital.Leben) spricht mit Erich Möchel (Privacy International) und Alexander Schatten (TU-Wien) über sichtbare und unsichtbare Überwachung:
17 Millionen Euro lässt sich der österreichische Staat allein die Telefonüberwachung seiner Bürger jährlich kosten. Was bedeutet es für Demokratie und Gesellschaft, wenn für den Bürger nicht mehr die Unschuldsvermutung gilt, sondern jeder Mensch als potentieller Verbrecher betrachtet wird?
Das Gespräch findet im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaft in der Akademie der Wissenschaften (Wollzeile 27a, 1010 Wien) um 18:30 statt.
Digital.Leben läuft von Montag bis Donnerstag um 16:55 Uhr auf Ö1, die Sendung ist auch als frei zugänglicher Podcast [XML-Url | iTunes URL] verfügbar.
Seit das Zauberwort im Netz 2.0 Interaktion lautet und kaum eine Seite ohne Freundesverwaltung oder zumindest Kommentarfunktion auskommt, kennt jeder Surfer die Crux mit den vielen verschiedenen Logins und Passwörtern aus leidvoller eigener Erfahrung - spätestens bei der zehnten Registrierung vergeht die Neugier so plötzlich, wie sie nie gekommen ist. Man könnte fast geneigt sein, Rilke zu paraphrasieren: "doch hinter tausend Logins keine virtuelle Welt..." [[Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Nach dem Willen Googles soll das Zauberwort, das die Passwort-Misere endgültig löst, hinkünftig Open Social heißen: wie von Big Gs eigenen Services gewohnt, könnte eine einzige Usernamen-Passwort-Kombi der magische Schlüssel zu allen beteiligten Partnerseiten sein. Doch die großen Social Networks Myspace und Facebook wollen dem Platzhirsch der Informationssuche eines der wichtigsten zukünftigen virtuellen Geschäftsfelder keineswegs so ganz kampflos überlassen. Und mit dem neuesten Vorpreschen ist das Thema digitales Identitätsmanagement drauf und dran, sämtliche nationalen Privacy-Gesetzgebungen ganz pragmatisch in der Innenkurve zu überholen.
Neben Googles Initiative existiert schon seit längerer Zeit das Betreiber-unabhängige OpenID-System, ein Framework für das Austauschen der eigenen Identität quer über verschiedene Webseiten hinweg. Wer das Bedürfnis dazu verspürt, einen OpenID Server zu betreiben, kann dies tun - hat man sich einmal bei einem solchen Server registriert, gibt man in weiterer Folge einzelnen Websites, die OpenID unterstützen, die dezidierte Erlaubnis, auf die eigenen Daten, die zentral auf besagtem Server gespeichert sind, zuzugreifen.
Dennoch war weder OpenSocial noch OpenID bislang Erfolg auf breiter Basis vergönnt - doch diese Woche kündigte Myspace sein neues "Data Availability" Programm an: Bereits in Kürze soll es möglich sein, die eigenen Myspace-Accountdaten mit zusätzlichen Services wie Twitter oder Photobucket zu synchronisieren - also ein bereits bestehendes Profil zu verwenden, anstatt sich irgendwo neu zu registrieren.
Diese Ankündigung löste hektische Aktivität bei der Konkurrenz aus. Nur zwei Tage später kündigte Facebook ein weitgehend identisches System namens < href="http://developers.facebook.com/news.php?blog=1&story=108">Connect an, an dem derzeit ebenfalls mit Hochdruck gearbeitet wird. Martin Weigert schreibt dazu in seinem Blog Webzweinull.cc:
Ging es bisher hauptsächlich darum, innerhalb eines mehr oder weniger abgeschlossenen Raumes mit anderen Menschen zu kommunizieren, so sind Myspace, Facebook und Google (bzw. OpenSocial-Partner) dabei, diese Räume zu öffnen, so dass Personen ihre Kommunikation auch andernorts fortführen können. Das Motiv dabei ist klar: Wer jetzt nicht mitzieht, hat später keine Chance mehr, selbst zum "Mutternetzwerk" zu werden. Dieser Status ist aber (für die großen Player) notwendig, um Mitglieder langfristig an sich zu binden und eine bestmögliche Ausgangsposition für die Monetarisierung des Social Webs zu haben.
Ein genauer Startzeitpunkt ist weder für Facebook Connect noch für Myspace Data Availability bekannt. Eines aber zeigen die eilig verschickten Pressemeldungen ganz überdeutlich: von der Vorstellung, jemals eine allein-selig-machende all-in-one Lösungen sein zu können, haben sich die großen Player längst ebenso verabschiedet wie seinerzeit Ende der neunziger Jahre alle großen Portale einsehen mussten, dass eine einzige URL niemals das ganze Internet ersetzen kann - also stürzen sich Myspace, Facebook und Google nun jeweils mit größtem Nachdruck darauf, zum "Mutternetzwerk" der digitalen Identitätsverwaltung zu avancieren.
Vor einigen Tagen war ich bei Ö1 im matrix-Studio zu Gast, um meine Replik auf Armins Facebook-Kolumne zu verlesen.
Der Text steht mittlerweile auch auf oe1.orf.at und stößt dort auf geteilte Unzustimmung - bin gespannt, ob und wie die Diskussion weitergeht. Jedenfalls tat ich mir ordentlich schwer damit, meine eigenen Zeilen zu lesen - freies Sprechen ist da schon wesentlich einfacher. A propos: gestern war ich wieder bei Paul und Radio uton live zu Gast, wir schnackten wieder eine Runde über Social Networks, Fluchtgeschwindigkeiten und Musikmythen, die Sendung gibt's demnächst hier zum Nachhören.
Hier die matrix-Aufzeichnung, die ich von Franz bekommen habe - die Einleitung und Armins Teil hab ich drin gelassen, sonst wär meine Audio-Antwort zu sehr aus dem Kontext gerissen. Kommentare hochwillkommen!
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten ist bereits Monate vor dem entscheidenden Urnengang medienbeherrschendes Thema. Die KandidatInnen fahren die volle Palette an PR-Maßnahmen auf, Heerscharen von Imageberatern zimmern den passenden Kontext und feilen an der Außenwahrnehmung der von ihnen betreuten potentiellen PräsidentInnen. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Ein unmittelbares Spiegelbild ihrer Erfolge ist die Medienberichterstattung: keine größere Firma, keine Partei verzichtet freiwillig auf die laufende Auswertung der aktuellen Berichterstattung. Rein quantitative Methoden greifen dabei zu kurz: zwar mag in manchen Bereichen durchaus die umstrittene Maxime "Jede Werbung ist gute Werbung" gelten, die Politikberichterstattung allerdings hat in diesem Punkt ihre eigenen Gesetze. Während Papierdokumente vergleichsweise mühsam zu erfassen, lassen sich Trends im Netz quantitativ viel leichter fassen. Der wohl bekannteste Service in diese Richtung, Google Trends, nutzt die Suchanfragen der Benutzer, um die Liste der heißesten Begriffe zu erstellen.
Andere Analyse-Instrumente gehen mangels derartiger Primärdaten den umgekehrten Weg und setzen ähnliche Crawler ein wie Suchmaschinenbetreiber. Diese analysieren eine bestimmte Anzahl von Contentquellen - egal ob New York Times oder Blogs - und liefern statistische Informationen über die Verbreitung der einzelnen Keywords. Wählt man die Grundgesamtheit dementsprechend aus - beispielsweise deutschsprachige Fanseiten von Multiplayer-Computerspielen - lassen sich Trends schon rein aus der quantitativen Analyse recht gut ablesen.
Ein Team der Modul University Vienna hat nun ein Analyseinstrument ins Netz gestellt, das sich auf die Berichterstattung über die amerikanischen Wahlen konzentriert. Der US Election 2008 Monitor wertet zahlreiche Seiten aus, wie die zugehörige Webseite erklärt:
Der US Election 2008 Web Monitor bietet wöchentliche Schnappschüsse der globalen Web-Berichterstattung. Contentquellen sind internationale Medien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, Umweltschutzorganisationen, die "Fortune 1000" (die größten US-Firmen nach Umsatz) sowie 1.000 populäre Politik-Blogs. In Summe analysiert das System somit pro Woche mehr als 800.000 Dokumente.
Das Script beschränkt sich dabei aber nicht auf bloßes Abzählen - anhand eines entsprechend aufbereiteten Wörterbuchs wird der Kontext einer Namensnennung eruriert - also ob der Kandidat in positivem Zusammenhang erwähnt oder kritisiert wurde. Beide Auswertung, die quantitative und die "Sentiment" getaufte Kontext-Analyse, werden in wöchentlichem Rhythmus aktualisiert und auf der Homepage zur Verfügung gestellt.
Mittels einer intuitiv bedienbaren Ajax-Applikation hat jeder Interessierte die Möglichkeit, die aktuelle Entwicklung und die Media-Coverage der einzelnen KandidatInnen online genau zu verfolgen: Zeitraum-, Kandidaten-, Medientyp- und Länderfilter ermöglichen dem Hobby-Wahlforscher die Erstellung eigener Diagramme. Wer's genauer mag, wirft einen Blick auf das zugehörige Mediawatch-Portal, das alle indizierten Artikel mit geographischen Referenzdaten und einer Landkarte der Verlinkungen präsentiert.
Der US Election Monitor ist ein gelungenes Werkzeug, das zeigt, welches Potential in der semantischen Auswertung riesiger Inhaltsmengen liegt. Semantische Technologien in Verbindung mit quantitativen Rechercheverfahren treten an die Stelle der fehlprognostizierten "künstlichen Intelligenz" - und werden sich in naher Zukunft mit Sicherheit nicht auf die Auswertung von Wahlkämpfen beschränken.
Fast täglich sprießen neue Social Networks aus dem Boden, und zahlreiche Experten prognostizieren für die nähere Zukunft eine deutliche Marktkonsolidierung. Dennoch tauchen immer wieder Netzwerk-Ideen auf, die weit über untereinander verlinkte Visitenkarten mit Suchfunktion hinausgehen. Die Betreiber des amerikanischen Business-Netzwerks Naymz etwa scheinen die aufmerksamkeitsökonomischen Theorien Georg Francks zu ihrem Credo gemacht zu haben. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Als der Wiener TU-Professor im Jahr 2005 seinen Nachfolge-Band zu der von ihm als "Aufmerksamkeitsökonomie" bezeichneten virtuellen Daten-Wirtschaft veröffentlichte, erklärte er, dass erst noch Modelle gefunden werden müssten für die direkte Umrechnung von Aufmerksamkeit in "harte" Währung , also Barvermögen. Dass in einer komplexen und hoch differenzierten Mediengesellschaft Ruhm und Aufmerksamkeit per se einen gewaltigen Wert darstellen, wissen interessierte Betrachter nicht erst seit Supermodel- und Pop-Castingshows. Abseits des Starsystems etablierten sich im Internet zwar eine ganze Reihe von Free-Services - die tatsächliche Umrechnung von Mikro-Aufmerksamkeit in ökonomische Werte ist allerdings nach wie vor ein weitgehend unbeackertes Feld.
Die Plattform Naymz.com mag noch nicht vollständig ausgereift sein, spannend wird die Seite aber durch ihr Businessmodell, das in eine gänzlich andere Richtung als Facebook und Co. zielt. Denn während letztgenanntes Netzwerk und seine Epigonen versuchen, über umfassende und ansprechende Features eine riesige User-Community aufzubauen, die nach freiwilliger Angabe möglichst vieler persönlicher Daten in weiterer Folge zielgenau mit Werbung torpediert werden kann, lockt Naymz potentielle Kunden mit direkter Valorisierung ihrer wertvollen privaten Daten und ihrer Netzwerkkontakte. Wie Xing richtet sich die Seite dabei nicht in erster Linie an Privatpersonen, sondern an "Professionals" und Freiberufler auf Auftragssuche.
Zwar existieren für Facebook diverse Rating-Applikationen, die den "populärsten" Freund des eigenen Netzwerks küren sollen oder ähnliche Bewertungs-Systeme implementieren. Und natürlich sind User mit überdurchschnittlich vielen Kontakten bei fast allen Spielen und Applikationen im "Vorteil", da die meisten Zusatzprogramme Bonusfeatures erst nach dem Versand möglichst vieler Einladungen freischalten. Doch was bei Facebook auf der spielerischen Ebene verbleibt, wird von Naymz in handfeste Währung verwandelt. Das gesamte Netzwerk beruht auf der altbekannten Empfehlungsmechanik: je mehr registrierte User eine bestimmte Person "empfehlen", desto höher deren Punktestand. Zusätzliches virtuelles "Kapital" lässt sich durch Einladungen und die möglichst vollständige Komplettierung des eigenen Kapitals erwerben. Aus den insgesamt erzielten Punkten errechnet Naymz den sogenannten "RepScore" (Abk. für Reputationswertung), aus dem sich wiederum der RepLevel errechnet, eine Bewertung zwischen eins und zehn. Wer nun - sei es aufgrund vieler Einladungen oder Empfehlungen - Level 10 erreicht, kann Premium-Features der Plattform nutzen, die ansonsten nur zahlenden Pro-Usern vorbehalten bleiben: dazu gehört etwa ein genaues Tracking der Besucher auf der eigenen Profilseite sowie von Naymz geschaltene und bezahlte Google-Anzeige, die bei einer Suche nach dem eigenen Namen oberhalb der Suchergebnisse erscheint - eine einfache Möglichkeit, in Zeiten der Jobsuche für aktuelle Daten und steuerbare Webpräsenz zu sorgen. Ganz gemäß den beiden Credos der Seite: "Establish your good name. Promote your good name."
Wie sich die in Chicago ansässige Firma in den nächsten Monaten entwickelt und ob das Konzept auf breiter Basis aufgeht, wird zu einem hohen Grad von den angebotenen Zusatzfeatures abhängen. Derzeit sind vergleichsweise wenige europäische User registriert, diese Demographie kann sich aber erfahrungsgemäß rasch ändern. In punkto geschäftliche Online-Präsenz und Valorisierung von Kontakten bringt Naymz die Konkurrenz durch innovative Ansätze auf jeden Fall gehörig ins Schwitzen.
Die deutschsprachige Blogosphäre wächst weiter - und mit der steigenden Zahl an Blogs und LeserInnen wird der Ruf nach lukrativen Werbeformaten immer lauter. Wenn der Markt keine adäquaten Werbe-Modelle anbietet, müsse man eben selbst aktiv werden, fordern immer mehr Blogger - und präsentieren Ideen für innovative Bottom-Up Werbenetzwerke. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Zahlreiche Weblog-Autoren gehen ihrer Publikationstätigkeit aus ganz und gar nicht ökonomisch motivierten Überlegungen nach, andere sind von Beginn an darauf bedacht, Einnahmen zu erzielen. Affiliate-Netzwerke bieten ersteren ihre Vermittlungsdienste an, auch das Google AdWords System kommt häufig zum Einsatz. Beide Werbeformen allerdings beruhen auf Pay-per-Click oder Pay-per-Conversion Modellen. Das bedeutet, dass für den Seitenbetreiber erst dann Gewinne anfallen, wenn tatsächlich jemand auf die betreffende Anzeige klickt oder das beworbene Produkt kauft. Wirklich lukrativ ist diese Form der Werbung daher nur für wenige Nischenseiten - wer beispielsweise kontinuierlich über den deutschen ADSL-Markt schreibt, wird viele passende Partnerprogramme finden, bei thematisch breit angelegten Blogs erweist sich dies aber in der Regel als schwierig: über den Daumen gepeilt sind je nach Thema rund 150-500 Besucher am Tag erforderlich, um die Kosten eines dedizierten Servers zu refinanzieren. Im Durchschnitt weisen deutschsprachige Blogs aber gerade mal ein Zehntel dieser Leserschaft auf.
Im Bereich professioneller Online-Medien dagegen spielt die beschriebene Pay-per-Click Werbung eine untergeordnete Rolle: Schaltagenturen kaufen in der Regel bestimmte Bannerkontingente ein, zugrunde liegende Maßzahl sind die Einblendungen - man spricht von Pay-per-View Modellen. Ähnlich wie bei klassischen Printeinschaltungen respektive Radio- oder Fernsehwerbung bestimmen also Auflage beziehungsweise Quote den Preis. Solche Banner-Einblendungen oder im Fachausdruck "Pageviews" (engl. für Seitenaufrufe) werden in der Regel in größeren Paketen eingekauft, die je nach Branche in Österreich bei einer halben Million Pageviews, also Homepage-Besuchern, pro Monat beginnen.
Um diese Zahl zu erreichen, müssten die Schaltagenturen also nicht mit einem einzelnen Blogger, sondern mit mehreren Betreibern sprechen - und genau dieser organisatorische Overhead hält bisher Pay-per-View Vermarkter zuverlässig von einer solchen Bündelung zahlreicher kleinerer Seiten ab. Technisch allerdings gestaltete sich die Schaffung einer Syndikationsplattform relativ trivial - de facto reicht dazu eine gut konfigurierte Installation des Freeware-Adservers Open-Ads völlig aus. Daher überrascht es auch nicht weiter, dass immer mehr (semi)private Publikationen gerne von diesem größeren Werbekuchen mit naschen möchten. Während in der Schweiz einzelne Blogger sehr früh begannen, sich mit zunehmendem Erfolg zu Vermarktungsnetzwerken zusammen zu schließen und in Deutschland einige bekannte Online-Tagebuch-Schreiber das bisher eher glücklose Adical-Programm starteten, scheint die österreichische Bloggerszene erst jetzt jene (wenn auch immer noch sehr bescheidene) Größe zu erreichen, die Blogautoren ernsthaft über Synergieeffekte nachdenken lässt.
Auf absehbare Zeit jedenfalls müssen traditionelle Massenmedien keine ernsthafte Konkurrenz durch Weblogs fürchten - die umfassende Berichterstattung über Web 2.0 und die neuestens Trends und Hypes aus dem Netz mag zwar manchmal einen anderen Eindruck vermitteln, aber in der Praxis sind im deutschsprachigen Raum die Online-Tagebücher nach wie vor ein Minderheitenprogramm, aber so hat schließlich jedes neue Medienformat begonnen. Oder, wie Kollege Riepl es einst so treffend und zeitlos, weil mit maximalem Interpretationsspielraum, formulierte:
... die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und für brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauerhaft verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur daß sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.
aus: Riepl, Wolfgang: Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer. Leipzig: Teubner, 1913.
weiterführende Links:
Adical - deutsches Blogvermarktungsnetzwerk von Sascha Lobo
Logcut - Schweizer Blog-Verlagshaus von Peer Dittmar
OpenAds - frei verfügbare Adserver-Software
Kolumnistenkollege Armin Medosch hat auf oe.orf.at eine Netzkulturkolumne mit dem Titel Mein Facebook-Freund? Nein, danke! verfasst, die als Apologet von Social Networx hochspannend finde. Armin unterstellt nämlich Facebook Datensammelei und Profitoptimierung, und ich denk mir: ja was denn sonst?
Der Flashback in die frühen 90er, als wir auf net.culture.conferences alle von virtuellen Doubles träumten, ist dem Lamentieren über die Durchschaubarkeit unserer virtuellen Personae gewichen. Dabei war's doch noch nie so einfach, aus Feuer und Bytes den eigenen Golem ganz nach Wunschvorstellung zu formen... die Daten gibt immer noch der User ein, die staatliche Kontrolle *hat* längst versagt, und wer am langen Hebel sitzt und gerne Social Networks kartographieren möchte, kann das genauso bequem über Handydaten tun. (Österreich hat die notwendigen Gesetzesgrundlagen im Dezember ja leider begrüßt, obwohl der Fachmann vom "Verabschieden" spricht; merk-würdige Terminologie.)
Facebook ist noch nicht so voller data dirt wie myspace, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Marketing-Hans-Meisers dort ihr Unwesen treiben... das längerfristige Überleben der Plattform (+3 Jahre) halte ich persönliche für relativ unwahrscheinlich, Naymz wird mehr als einen Epigonen auf entweder dumme oder kluge (aber das ist ohnehin eine Frage des Betreiberstandpunkts) Gedanken bringen. Deren Valorisierungsmodell müsste Armin noch wesentlich mehr missfallen, denn er schreibt über FB:
Abgesehen davon, dass die angeblich über 50 Millionen User der superschnell wachsenden Plattform größtenteils zu den ökonomisch stärkeren und intellektuell-technisch avancierten Gruppen gehören, bleibt nur noch nüchtern festzustellen, dass hier die persönlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen endgültig zur Ware werden - und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Jo mei, da Franck Georg hot's do scho längscht gwusst, Sakra! Das lächelnde Aas Werbung lächelt nun man gern jedem User persönlich zu... dass eine US-Firma meine "Facebook"-Daten hat (genau wie Xing, Linked-In etc.) macht mir weit weniger Sorgen als die Überwachungspläne der hiesigen Regierung; immerhin kann ich ja selbst bestimmen, wie ich mich dort repräsentiere - und ob ich das überhaupt möchte.
Für mich hat derlei Kritik sehr viel von enttäuschter (Heils)Erwartungshaltung - ich war zwar damals um eine Dekade jünger, aber sozusagen grade noch dabei, als die nettime-Community das Netz als das neue Anarcho-Intello Paradies abfeierte, häufig ohnedies aus gravierender Unkenntnis und/oder Desinteresse für technische Realitäten. ("Das Netz ist anonym.") Was mir fehlt, ist die Alternative: wär's denn besser, FB gar nicht zu benutzen? Ich glaube nicht. Derlei Networks fungieren im allerbesten Fall als hocheffizienter Durchlauferhitzer für die interkulturelle Kommunikation, als tailor-made Infoprovider und - sie bieten eine Spielwiese mit ungleich niedrigerem finanziellem Einstiegslevel als klassische One-to-many Kanäle. Aber eines wird kein Social Network und kein Web 22.0 jemals leisten können: nämlich dem User media literacy und reflektieren Umgang mit seinen Spielzeugen abzunehmen.
Am Donnerstag war ich zu Besuch im Studio bei Wolfang Ritschl, um gemeinsam mit Marion Breitschopf und Michael Wesely ein paar Vorschläge zum Thema Geschenke für Geeks zu machen. Jede/r von uns stellte ein Buch und ein Gadget vor - ausgestrahlt wird die Sendung heute Abend um 22:30 auf Ö1.
Michael sprach überThe Decadent Handbook for the Modern Libertine und seine neue Küchenmaschine (Der Herr Kollege ist mir da einen beträchtlichen Schritt voraus, denn während ich mich kulinarisch noch in der Welt des Salzigen aufhalten, bäckt und patissieriert Michael: und dies erfordert bekanntlich mehr Präzision als der gute alte Tofubraten.), Marion hatte einige Beispiel aus Wer bin ich? 777 indiskrete Fragen
vorbereitet und ihren Video-iPod ins Studio mitgebracht. Schlechte Zeiten für uneinige DVB-H Konsortien, die sich schneller bilden und re-gruppieren als Allianzen in Risiko.
Was Bücher betrifft, war ich in diesem Jahr nicht besonders aktuell und hab sehr wenig 2007er Publikationen offline gelesen... also hab ich gleich ein wenig weiter zurückgegriffen und stellvertretend für das Gesamtwerk ein Buch meines großen intellektuellen Helden vorgestellt: In Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners diskutiert der deutsche Wissenschaftsjournalist mit Heinz von Foerster dessen zentrale Thesen zu Wahrnehmung, Kybernethik (yup, mit "h") und Konstruktivismus: eine hervorragender, leicht zugänglicher, wahnsinnig unterhaltsamer, unglaublich anregender und zum 1000fachen Wiederlesen geeigneter Einstieg in die Welt eines der konsequentesten und humorvollsten Denker des vergangenen Jahrhunderts: ein ideales Geschenk eben.
Schwieriger war's mit dem Gadgetto, denn da hab ich ein Überdosierungs-Problem: danke diverser Techie-Journalisten und Mobilfunk-Jobs hab ich im Lauf der letzten Jahre eine Überdosis abbekommen... und ich mag meinen (non-Apple) mp3-Player, ich schätz die Tastatur an meinem Handy, aber das sind nun mal Alltagsgegenstände ohne den typischen Gadget-Shinyness Faktor. Mir fiel einfach kein geniales, bugfreies Teil ein, für das ich mit gutem Gewissen Werbung machen wollte - bis ich auf die Idee kam, dass Software mit ein wenig Phantasie ja auch gadgetuös sein könnte... also hab ich WordPress vorgestellt, denn damit arbeite ich in der Tat jeden Tag, und gerade die Detaillösungen dieser genialen Blog-Software gefallen mir ganz hervorragend. Ich hab dann auch für die FuZo einen Beitrag über WordPress als Weihnachtsgeschenk geschrieben und darin erklärt, was mir an "Dexter" (so der Codename der aktuellen Version 2.3.1) so gut gefällt.
Auf dieser Seite finden Sie ein Archiv meiner Kolumnen und Glossen. Meine Texte erscheinen regelmäßig in verschiedenen Print- und Online-Medien. Regelmäßige Kolumnen schreibe ich für the gap, Ö1 und SRA.
Todernste Betrachtungen aus dem Alltag, liebevoll illustriert anhand von mir persönlich verifizierter biographischer Tatsachen. Dies hier sind weder der Ort noch die Zeit für Satire. Es gibt nichts auf der Welt, das ernster gemeint wäre als der Spasz - das esszett sagt schon alles! [erscheint in the gap]
Für die Ö1 Mediensendung "matrix" schreibe ich abwechselnd mit verschiedenen KollegInnnen aus der matrix-Redaktion die Medien-Kultur Kolumne, des ORF, die zweimal in der Woche auf der Homepage von Ö1 veröffentlicht wird. [erscheint auf oe1.orf.at]
Auf SRA veröffentliche ich eine monatliche Kolumne zum Thema Musik online - sie trägt in Anlehnung an meine erste Online-Publikation, einen Newsletter über mp3 und die Folgen, den Namen d-news und beschäftigt sich mit Internet-Musikvertrieb, netlabels und verwandten Themen. [erscheint auf sra.at]
Vor einigen Wochen sorgte das aktuelle Google Pagerank-Update für Aufregung unter Webmastern: erstmals reagiert die größte Suchmaschine der Welt auf das Businessfeld "Linkverkauf" mit Straf-Maßnahmen. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Maßgeblich mitverantwortlich für den Erfolg der Suchmaschine, deren Slogan "Do no evil" schon längst nicht mehr unwidersprochen stehen bleibt, ist der sogenannte Pagerank-Algorithmus. Google bemisst die Wichtigkeit einer Seite an den eingehenden Links: je mehr themenaffine Seiten auf eine bestimmte Adresse verweisen, desto höher deren Relevanz - und die wirkt sich wiederum auf den die Platzierung in den Suchergebnissen aus. Da die überwiegende Mehrheit der Surfer bei der Websuche erst gar nicht auf die zweite Ergebnisseite navigiert, kommt einer Platzierung möglichst weit entsprechend große Bedeutung zu.
Google aktualisiert die weltweiten verteilten Datenbanken ständig, errechnet allerdings in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen - bislang zumeist viermal pro Jahr - eine Maßzahl, welche Auskunft geben soll über die Wertigkeit einer Seite. Daraus resultiert der sogenannte "Pagerank", eine Zahl zwischen 0 und 10, die auf einen Blick die Bedeutung einer Webadresse verraten soll. Seiten mit hohem Pagerank "vererben" einen Teil ihrer Google-Relevanz, wenn sie auf andere Seiten verlinken. Dieses Prinzip stellt seit Jahren die Basis von Googles Businesserfolg dar. Doch mit steigender Bedeutung der Onlinewirtschaft wurden die Methoden zur Manipulation des Pagerank immer ausgefeilter und ein neues Businessmodell erblickte das Licht der Netzwelt: sogenannte Link Trader schufen Online-Marktplätze für die "Linkvermietung". Wer bereits eine gut indizierte und bewertete Seite betreibt, kann gegen ein monatliches Entgelt dort Links publizieren, der Preis richtet sich dabei nach dem Pagerank der Seite. Diese Form der Online-Werbung richtet sich keineswegs an die menschlichen Besucher einer Webseite, sondern soll ihr lediglich zu einer besseren Google-Platzierung verhelfen.
Im deutschen Sprachraum machten Anbieter wie Teliad oder Linklift dieses Vermietungsbusiness zu einer attraktiven Einnahmequelle, die vor allem Bloggern häufig ein höheres monatliches Einkommen sicherte, also über klassische Online-Werbung möglich wäre - und wurde damit zur Konkurrenz für Adsense, Googles monetäres Zugpferd.
Die größte Suchmaschine der Welt deckt in der westlichen Welt rund 90% aller privaten Suchanfragen ab. Das eigentliche Kerngeschäft des Konzerns ist jedoch die Vermarktung der Adsense-Werbung: mit diesem Produkt revolutionierte Google vor Jahren den Online-Werbemarkt und löste Bannerschaltungen durch die sogenannte CPC (Cost per Click) Werbung ab. Kunden, die Google Adsense Anzeigen schalten, müssen sich nicht um die Auswahl geeigneter Werbeseiten kümmern: Adsense findet thematisch passende Webseiten und schaltet die eigenen Anzeigen automatisch. Für die bloße Anzeige fallen keine Kosten an, der Kunde bezahlt erst dann, wenn ein Surfer auch tatsächlich auf die Anzeige klickt.
Die Links in Adsense-Anzeigen sind mit dem Attribut "nofollow" gekennzeichnet, was sie für Suchmaschinen "unsichtbar" macht, denn Google möchte sein eigenes Bewertungskonzept nicht durch bezahlte Werbeanzeigen verfälschen. Die oben beschriebene Vermietung von Links verbietet Google in seinen Nutzungsbedingungen. Aufgrund der starken marktbeherrschenden Situation des Anbieters wagen es die wenigsten Webmaster, die Spielregeln des Branchenprimus zu brechen und halten sich an die Vorgaben. Wer das nicht tat, erlebte beim aktuellen Pagerank eine böse Überraschung: zwar existiert wie stets keine aktuelle Stellungnahme, dennoch deuten alle Anzeichen darauf hin, dass sämtliche "Linkverkäufer" durch einen um ein bis zwei Punkte niedrigeren Pagerank "bestraft" wurden.
Diese Vorgehensweise verringert nicht nur das Einkommen der betroffenen Blogger, sondern ist wohl auch als eine Art Warnung zu verstehen: wer die Spielregeln Googles nicht einhält, fliegt eben raus. Damit macht die aktuelle Pagerank-Runde vor allem eines deutlich: ist das Quasi-Monopol erst einmal zementiert, kann ein einzelner Player ohne viel Widerspruch die Spielregeln des gesamten Online-Marktes vorgeben. Ob dies der Netz-Ökonomie auf Dauer gut tut, ist mehr als fraglich.
Motiviert durch das rasche Wachstum von Xing, Myspace, FlickR und Co. versuchen fast täglich neue Social Networks, eine breitenwirksame Community aufzubauen. Doch während der Mehrzahl der "Copycats" der Erfolg verwehrt bleibt, freut sich derzeit vor allem ein Anbieter über steigende Userzahlen. Facebook punktet durch in erster Linie durch seine flexible Erweiterbarkeit und hat von den Vorgängern einiges gelernt. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Dabei wirkt die amerikanische Plattform auf den ersten Blick eher unspektakulär: weder kann der User das Design seines Profils anpassen, noch stechen auf den ersten Blick irgendwelche besonderen Features ins Auge. Die Standardfunktionen wie Kontakt-, Termin- und Fotoverwaltung bieten ebenfalls wenige Überraschungen, und so fragen sich viele Neulinge, worauf der Hype eigentliche zurückzuführen ist. In der Tat erschließen sich die Stärken der Plattform frühestens auf den zweiten Blick.
Das Erstellen der eigenen Kontaktliste erleichtert Facebook Neueinsteigern durch verschiedene Import-Filter für die Adressbücher beliebter E-Mail Clients und Webmail-Services. Ein zentraler Punkt, denn neben der geographischen Herkunft dient das eigene Freundesnetzwerk als Basis für alle weiteren Funktionen. Was Usability und Benutzerführung betrifft, verlässt sich die Plattform nämlich ganz auf die angeborene Neugier des gemeinen Internetnutzers: ein Klick auf den Hauptmenüpunkt "Photos" etwa führt keineswegs auf Anhieb zu den selbst hochgeladenen Bildern, sondern zu einer Übersichtsseite, auf der die neuesten Alben der eigenen Kontakte präsentiert werden. Das verleitet natürlich schnell mal zum Durchklicken - und diesen Ansatz verfolgt Facebook konsequent quer über die gesamte Plattform. Zusätzlich unterteilen Ländernetworks und Geo-Matching die riesige Userbasis in Subgruppen und erleichtern die Suche nach Veranstaltungen und Kontakten in unmittelbarer Nähe.
Die Betreiber von Facebook haben verstanden, dass in Zeiten des Rapid Web Development kein noch so motiviertes Programmiererteam produktiver sein kann als der ganze Rest der Welt und bezieht seine User aktiv in die Weiterentwicklung ein: dank der umfassend dokumentierten Schnittstellen kann jeder eigene Facebook-Applikationen programmieren und im zugehörigen Verzeichnis veröffentlichen. Diese je nach Aufgabengebiet kleineren oder größeren Plugins erweitern den Funktionsumfang um eine inzwischen riesige Zahl nützlicher und nutzloser Features: von diversen Computerspielen über ein Plugin, das anhand der Facebook-Kontakte die "Small World Theory" überprüft bis hin zu diversen virtuellen Geschenk-Services, Informationsdiensten und Kommunikationstools reicht das Spektrum. Die Seite selbst stellt bloß das grundlegende Framework zur Verfügung, erst die Zusatz-Programme sorgen für den unschlagbaren Funktionsumfang - und haben bereits zahlreichen talentierten Programmierern ein beachtliches Einkommen verschafft, denn Ruhm und Ehre sind nicht die einzige Motivation, selbst Erweiterungen zu entwickeln: jeder Applikationsprogrammierer hat die Möglichkeit, Werbung in seine Software zu integrieren und damit ein attraktives Zusatzeinkommen zu lukrieren.
Facebook fungiert somit auch als zentraler Hub, denn zahlreiche andere Web 2.0 Services lassen sich mittels Software-Erweiterung ins eigenen Profil integrieren: anstatt die User zu zwingen, eigenen Services zu benutzen, versteht sich Facebook als Meta-Plattform und setzt Paradigmen des Web 2.0 konsequenter um als jedes andere Netzwerk: die ursprüngliche US-College Nische hat Facebook jedenfalls längst verlassen.
Je höher die Datenqualität einer Social Media Plattform, desto einfacher lassen sich die damit generierten Daten für alle möglichen Zwecke missbrauchen: zielgruppengenaue Werbeschaltung stehen am harmloseren Ende der Skala, geheimdienstliche Begehrlichkeiten wurden Facebook nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Verflechtung mit US-regierungsnahen Investoren nachgesagt. In der Tat scheint die Datenqualität auf Facebook sehr hoch zu sein, und trotz der feingliedrig konfigurierbaren Profil-Privatsphäre sollte jedem Facebook-Nutzer klar sein, dass sowohl Profildaten als auch das Nutzerverhalten im Zweifelsfall eben nicht nur für "Freunde" einsehbar sind.
Ein rasantes Wachstum steht der amerikanischen Plattform in Europa dennoch bevor: obwohl Facebook bislang so gut wie keine Anstrengungen unternommen hat, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, entscheiden sich immer mehr User für den Full-Service Provider Facebook. Gratisnutzung, unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und der beschriebenen Funktionsumfang scheinen weit mehr Anziehungskraft zu haben als lokalisierte Sprachvarianten: denn bisher ist die Seite ausschließlich in Englisch verfügbar - spätestens im nächsten Jahr allerdings wollen die Betreiber Dependancen in der EU eröffnen.
Facebook
Small World Theory - Six Degrees of Separation
Facebook-Profil des Authors
Zumindest dann, wenn es nach dem Vorsitzenden der deutschen Journalistengewerkschaft geht: denn der machte in einer kürzlich gehaltenen Rede der von ihm beratenen Berufsgruppe in Sachen Recherchepflicht wenig Ehre. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Zumal Journalisten in demokratischen politischen System nicht nur in arbeitsrechtlicher Hinsicht durchwegs eine Sonderstellung besitzen - manche sehen in ihnen gar als die vierte Kraft im Sinne der Gewaltentrennung. In der Tat ist die politische Informationsleistung notwendiger Bestandteil für eine differenzierte Meinungsbildung. Also sind die Angehörigen der schreibenden Zunft nachhaltig aufgerufen, ausgewogen zu berichten, Sorgfalt bei der Recherche walten zu lassen und sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Wozu das führt, ist hinlänglich bekannt: zu inszenierten, g'schobenen Geschichten am einen und zu Meisterleistungen des Aufdeckungsjournalismus am anderen Ende einer überbreiten Skala teilweise durchwegs konfligierender Interessen.
Weblogs dagegen sind häufig privat betriebene Seiten und der journalistischen Sorgfaltspflicht nur insoweit unterworfen, wie ihr jeweiliger Autor dies für richtig und zielführend hält. Viele Beiträge sind keine "Nachrichten" im Sinne des Terminus Technicus, sondern fallen ins Genre der Kommentare und Glossen: es handelt sich um subjektive Stilformen, die keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Wenn Michael Konken auf der erwähnten Jahrestagung also über den Unterschied zwischen Journalismus-Profis und Hobby-Bloggern schreibt, dann hätte er auf derartige funktionale Ausdifferenzierungen des Mediensystems verweisen können, aber der Universitätsprofessor zog die grobe Keule vor:
Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. [...] Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Die Diskussion um die Impressumspflicht von Internetseiten führte in Deutschland dazu, dass die überwiegende Mehrheit der Blogs schon längst genaue Herausgeberinformationen veröffentlichen. Unter den Top 50 der deutschen Blogcharts etwa findet sich keine einzige Seite, bei der sich der Herausgeber nicht im Handumdrehen eruieren ließe.
Aber dies ist nur ein Detail und gar nicht der zentrale Punkt der Kritik an einer unglücklichen Rede. Denn die zeigt schlicht und ergreifend überdeutlich, dass Interessensvertretungen in der Regel schwerfälliger und starrer agieren als jene Mandanten, die sie eigentlich vertreten sollen. Und so überrascht es wenig, dass als erster Thomas Knüwer einen offenen Brief an Michael Konken verfasste. Der beim Handelsblatt tätige deutsche Journalist betreibt ein gut besuchtes Medienblog und ist selbst das beste Beispiel für die Absurdität von Konkens Argumentation: Qualität als format- oder medieninhärenten Faktor anzusprechen, zeugt von einer seltsamen Gesinnung, für die Knüwer deutliche Worte findet:
Es liegt mir in den Fingern, mal so richtig zu kontern. Von einem Ewiggestrigen Gewerkschaftsheini, der seine Führerbunkermentalität hauptberuflich auch noch an Studenten weitergeben darf an der Uni Vechta und der FH Oldenburg. Über einen, dessen intellektuelles Niveau in Sachen Mediendiskussion tiefer liegt als die Golf GTI in meiner münsterländischen Heimat.
Innerhalb der Blogosphäre führte das "feige-Blogger-Zitat" in kürzester Zeit zu zahlreichen Reaktionen: über fünfzig Beiträge in weniger als 10 Tagen bestätigen nachdrücklich, dass Blogger dem Meta-Diskurs genauso wenig aus dem Weg gehen wie einem Impressum. Der Verursacher des Sturms im Blog-Glas allerdings bekräftigte seine Aussagen gegenüber einem Branchenblatt und erklärte, dass es "nichts zu relativieren gäbe", worauf Blogger ein neues Zeitwort vorschlugen: "konken - aus Angst ablehnen, nicht verstehen (wollen)". Bei aller Polemik steckt allerdings doch eine eher beängstigende Moral in der Geschichte: Manche Journalisten haben eben doch menschliche Schwächen. Und manche Blogger vielleicht sogar journalistische Stärken. Und Schwächen.
Michael Konkens Rede im Volltext
Offener Brief von Thomas Knüwer an Michael Konken
Liste mit Blogreaktionen
Deutsche Blogcharts
Sven Scholz: konken als neues Vokabel
Am vergangen Montag hat mich Nadja Hahn, ORF-Journalistin und Ex-Kollegin beim Red Bull Projekt givemewings, zum Thema Web 2.0 befragt. Saldo - das Wirtschaftsmagazin wurde am Freitag ausgestrahlt. Nadja hat in den 13 Minuten sehr viele Infos und Interviews untergebracht - als mp3-Download gibt's die Sendung für Ö1 Mitglieder, hier ein kurzer Ausschnitt mit meinem Part:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Für die eiligen LeserInnen hier die OTS-Aussendung zu Saldo:
Wien (OTS) - Nadja Hahn berichtet über "Web 2.0: Boom oder Bauchlandung? Im Internet herrscht wieder Goldgräberstimmung" in "Saldo - das Wirtschaftsmagazin" am Freitag, den 14. September um 9.45 Uhr in Ö1.
Google, Ebay und Amazon sind Weltkonzerne geworden. Sie stehen für die zweite Generation von Internetunternehmen, die unter dem Schlagwort Web 2.0 zusammengefasst werden. Letztes Jahr hat Google die Videoplattform Youtube um 1,6 Milliarden Dollar übernommen. Die Frage, ob ein Internetbusiness solche Summen wert ist, hat Erinnerungen an das Platzen der Internetblase 2001 wach werden lassen. Aber Web 2.0 ist anders: Es verändert nachhaltig die Art wie das Internet benutzt wird, wie Unternehmen mit Kunden kommunizieren, und wie sie ihre internen Arbeitsabläufe organisieren.