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Social Media Nutzer-Zahlen in Österreich 2014: Von Netzen und deren Nutzen für Unternehmen

Wiederholte Frage an Radio datenschmutz: Spielen neben Facebook eigentlich noch andere soziale Netzwerke in Österreich eine Rolle? Antwort: Das kommt drauf an, wie man die hiesigen Social Media Nutzerzahlen berechnet… Auf Facebook sind mittlerweile 38% der Alpenrepublikaner registriert, 56% nutzen Youtube aktiv. Ohne Youtube machen Twitter, LinkedIn, Instagram, Google+, Pinterest, Ello, medium und tsu Nutzer sogar zusammengezählt immer noch unter 20% der Gesamtbevölkerung aus, in etwa gleich viele Österreich nutzen überhaupt kein Internet.

Wer aber einen tsu-Account hat, hängt ziemlich sicher auch bei Pinterest rum. Und die Österreicher auf Pinterest twittern alle… und so weiter. Deshalb liegt die Gesamtzahl der Zuckerberg-Fremdgänger natürlich noch viel niedriger. Niedrig einstellige Prozentzahlen lassen sich nun mal so schlecht schätzen, und die meisten kleineren Netzwerke geizen bekanntlich gern mit kleineren Zahlen für noch kleinere Länder. Da zählt nicht mal mehr Alexa mit.

Kennen Sie den kürzesten Social Media Witz? “Kommt ein Österreicher auf ein Pinterest Board.”

Die eigentliche Fragestellung dieses Blogbeitrags – Auf welchen Social Media Plattformen sollten österreichische Unternehmen vertreten sein – erinnert mich an eine Textstelle aus dem “Hexer” von Wolfgang Hohlbein. Der und sein Mentor Lovecraft steigen in einer kleinen englischen Fischerkneipe ab und fragen den Wirt, was es denn um Dinner gäbe:

“Es gibt Fisch, Fisch oder Fisch,” sagt der Wirt mit mißmutigen Blick. Howard runzelte die Stirn, überlegte einige Sekunden angestrengt und antwortete: “Dann nehme ich Fisch!”

Tja, das ist die grausame Wahrheit: Facebook kann so streng riechen, wie Zuckerberg will und uns armen Seitenbetreibern die Reichweite noch weiter runterschrauben. Wir können nämlich bloß weiter Münzen in den Werbebudget-Automaten einzuwerfen. Das war schon damals so mit dem blöden Fernsehen und der Kronenzeitung.

Aktuelle Social Media Nutzerzahlen für Österreich / Ende 2014

  • Facebook
  • 3,4 Mio
  • Twitter
  • 120k
  • Google+
  • 800k – 1 Mio
  • Instagram
  • 80k – 400k
  • Youtube
  • 4,8 Mio
  • LinkedIn
  • 430k
  • Pinterest
  • 4k – 20k
  • andere
  • ?

Quellen: Socialmediaradar, Alexa, Digitalschmankerl

An dieser Stelle kann man einfach nicht schreiben: Aber es gibt ja zum Glück auch Alternativen. Nur gibt’s halt leider unglücklicherweise keine. Dennoch möchte ich hier auf vielfachen Kundenwunsch, komprimiert und auch für die 19 Prozent Nichtsurfer leicht verständlich erklären, was es denn für Alternativen gäbe, wenn die genügend Nutzer hätten, und was Unternehmen denn dort tun könnten. Aber zuerst noch zu der Frage: Wie kommen diese Zahlen zustande?

Social Media Nutzerzahlen: Von Quellen und Schätzungen

Wer Zahlen aus dem Zusammenhang reißt, kommt in die Statistikerhölle. Dort werden wir Social Media Analytiker früher oder später wohl alle landen, aber was bleibt einem bei so spärlicher Primärdatenlage auch anderes übrig, als frei zu fabulieren? Man könnte bei Digitalschmankerl nachschauen, Petra hat nämlich für ihre zweite Masterarbeit selbst Daten erhoben und sie in folgende, für mich sehr glaubwürdig aussehende, Grafik gepackt:

Social Media Networks - Nutzungszahlen Österreich

Social Media Nutzung in Österreich: Nutzerzahlen im Vergleich zu Deutschland und den USA. [Grafik von Alex Hohenthaner / socialbunf]

Die Liecheneckers haben in Zusammenarbeit mit Mindtake auch eine Studie durchgeführt, bei der Online 751 Surfer befragt wurden. Das Deckblatt behauptet zwar optimistisch, die Ergebnisse seien repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren mit einer Schwankungsbreite von 4,4%. Demnach wären 70% dieser Bevölkerungsgruppe bei Facebook registriert, 15,80% bei gar keinem Social Network. Sind das die ohne Internet? Nein, denn die Antworten sind natürlich nur repräsentativ für jene surfende Mehrheit der Bevölkerung, die Online-Umfragen ausfüllt. Spannend aber dennoch die Verteilung im Detail – hier steigt Instagram nämlich weit vor LinkedIn aus. Als gelernter qualitativer Sozialwissenschaftler muss ich mich da natürlich sofort fragen: Haben Business-Surfer vielleicht einfach keine Zeit, lange Fragebögen auszufüllen, Twitteranten aber schon?

Social Network Zahlen - Nutzung in Österreich

Teilnehmer von Online-Befragungen nutzen überdurchschnittlich viele Social Networks.

Twitter, Google+, LinkedIn, Instagram und Co. für österreichische Unternehmen

Welche Rolle spielen die einzelnen Networks für Unternehmen, die auf dem östererichischen Markt tätig sind? Im Vergleich zu Facebook jedenfalls eine untergeordnete – und natürlich sind viele heimische Firmen auch auf internationalen Märkten tätig, wo je nach Region bzw. Kontinent ganz andere Favoriten am höchsten in der Gunst der Social Media Nutzer stehen.

Twitter für Unternehmen: Der Pressesprecher und sein Journalist

Twitternutzung in Österreich

Twitter ist eine Plattform zum Austausch von Kurznachrichten. Ursprünglich in den USA als günstige Alternative zu SMS groß geworden, entwickelte sich das Netzwerk rasch zu einem Lieblingsspielzeug vor allem der Kommunikationsbranche.

Der Stellenwert, dem Twitter in der medialen Diskussion beigemessen wird, entspricht keinesfalls den realen Nutzungszahlen in Österreich. Etwas über 120.000 Accounts sind gerade einmal 3,5 Prozent alles österreichischen Facebooknutzer (3,4 Mio). Für Unternehmer ist Twitter dennoch vor allem im PR-Bereich relevant, da dem Beispiel Armin Wolfs folgend hierzulande überdurchschnittlich viele professionelle Kommunikatoren Twitter zumindest gelegentlich nutzen.

Als reiner Ankündigungskanal empfiehlt sich die Plattform nicht. Wer auf Twitter aktiv wird, weckt den Anspruch auf Erreichbarkeit und sollte kurze Antwortspannen gewährleisten können. Während in den USA, wo Twitter vor allem aufgrund der permanenten Präsenz als Fernseh-Newsticker wesentlich populärer ist als in Europa, etliche Unternehmen von positiven Erfahrungen berichten (Dell sprach aktiv Support-Kunden an, die sich über Produktmängel beschwerten, Starbucks verteilte Tweet-Gutscheine für ermäßigte Kaffees), sind die Reichweiten österreichischer Unternehmen auf Twitter ehr begrenzt.

Google+ für Unternehmen: Eigentlich ein Job für die SEO-Agentur

Google+ Nutzung in Österreich

Unter dem Eindruck des großen Erfolgs von Facebook startete Google mit “Plus” vor wenigen Jahren selbst den Versuch, Branchenprimus unter den Social Networks zu werden. Trotz überlegener technischer Funktionalitäten (unkomprimierte Fotos, Hangout Videochats) ist dieses Ziel mittlerweile als gescheitert zu betrachten. Google kommuniziert keine genauen Nutzungszahlen für Österreich, die Durchsuchbarkeit der Plattform ist ähnlich wie bei Facebook durch die jeweiligen Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer eingeschränkt.

Durch die enge Verzahnung von Google+ mit anderen Services desselben Betreibers (Youtube, Gmail etc.) gelang es zwar, die Zahl der Accounts nominell in die Höhe zu betreiben, aktiv genutzt wird Google+ in ganz Europa allerdings kaum. Die Zukunft des Netzwerks ist zum jetzigen Zeitpunkt recht ungewiss. Recht populär bei spärlich vorhanden Nutzern sind vorwiegend die “Communities”, Plus’ Pendant zu Facebookgruppen.

Die Attraktivität der Unternehmensnutzung lag bis vor kurzem vor allem in der immer engeren Verzahnung des Google-Suchindex mit dem Plus Network. Für die Authorship, die Anzeige von Autorenbildern/Logos innerhalb der Suchergebnisse, war eine Google+ Page zwingend erforderlich. Vor wenigen Wochen hat Google die Authorship allerdings wieder abgeschafft und angekündigt, Plus wieder stärker von den anderen Services zu trennen.

Dass Google daran interessiert ist, Social Signals für den Suchindex auszuwerten, hat Matt Cutts, Chefentwickler des Suchalgorithmus, kürzlich bekräftigt. Inwieweit sich Aktivitäten auf einer Google+ Unternehmenspage mittelfristig auch die Suchergebnisse auswirken, ist derzeit allerdings ein heiß diskutiertes Thema. Für Local Businesses, als Unternehmen, die über eine oder mehrere Filialen verfügen und über die lokale Suche besser gefunden werden möchten, gibt es derzeit keine Alternative zu einer Google+ Page.

LinkedIn für Unternehmen: Die machen Content Marketing, nicht Lebensläufe

LinkedIn für Unternehmen

LinkedIn wird häufig als das “amerikanische Xing” bezeichnet, obwohl die Plattform strukturell völlig anders funktioniert. Zwar spielt auch bei LinkedIn die Pflege des eigenen Profil-Lebenslaufs eine zentrale Rolle, daneben hat sich das größte Business-Social-Network in den letzten Jahren allerdings sehr stark auf Publishing-Services fokussiert.

Neben zahlreichen populären Wirtschafts-Autoren haben seit wenigen Monaten alle Mitglieder die Möglichkeit, umfangreiche Postings zu veröffentlichen und sich so als Experten zu positionieren bzw. in weiterer Folge beträchtliche Reichweite aufzubauen. Für Unternehmen bietet LinkedIn „Corporate Pages“ an, Unternehmens-Seiten mit einem eigenen Newsfeed und Unterseiten, sogenannten “Focus Pages”. Diese ergänzen die Inbound-Strategie von LinkedIn: Ziel der Plattform ist es, die richtigen Ansprechpartner und Inhalte über eine komplexe Suche möglichst leicht auffindbar zu machen.

Instagram für Unternehmen: Selbstinszenierung, auch für Unternehmer

Instagram Nutzungszahlen

Instagram simuliert erfolgreich die Ästhetik alter Sofortbildkameras. Was war zuerst, Instagram oder der Selfie-Trend? Anfang 2014 nutzten 12,9% der Amerikaner und 1,2% der deutschen Bevölkerung Instagram, Nutzungszahlen zu Österreich sind nicht bekannt.

Instagram lebt als ausschließlich mobiles Netzwerk von der visuellen Echtzeit-Kommunikation. Die erfolgreichsten Markenauftritte setzen auf spektakuläre, exklusive aber zugleich auch authentische Bildwelten. Da Instagram Hashtags unterstützt, eignet sich die Plattform auch zur Abwicklung von Foto-Bewerben.

Instagram ist definitiv kein Kanal für klassische Werbebilder und –botschaften, lässt sich aber unterstützend hervorragend einsetzen, um einem Unternehmen bzw. einer Marke “ein Gesicht zu geben”, sprich für den Blick hinter die Kulissen. Das empfehlen und praktizieren zumindest etliche Social Media Agenturen. Ich dagegen poste auf Instagram vorwiegend Fotos meiner Hündin Pula, denn mich selbst interessieren Blicke hinter Agenturkulissen ehrlich gesagt nicht besonders.

Pinterest für Unternehmen: Die Pinwand an der Außenfassade

Pinterest Zahlen Österreich

Obwohl Pinterest seinen Höhenflug bereits 2013 begann und Mitte des Jahres 70 Millionen Nutzer hatte, ist das Netzwerk der virtuellen Pinwände noch nicht in Europa angekommen. Bitkom geht von einer halben bis einer Million Nutzern in Deutschland aus, in Österreich dürfte die Zahl der aktiven Pinterest-Accounts nach wie vor deutlich unter einem Prozent liegen.

Als einziges Netzwerk hat Pinterest mit 80% einen ausgeprägt hohen Frauenanteil, auf den Pinwänden dominieren die Themen Lifestyle, Hochzeitsplanung und Kulinarik. Einrichtung und laufende Moderation eines Pinterest-Boards sind zwar mit vergleichsweise wenig Aufwand verbunden, rentieren sich aber zum jetzigen Zeitpunkt nur für Unternehmen, die international tätig sind. Ich hab Pinterest schon von Anfang an genutzt und verwende die Seite gern als visuellen “Merkzettel” für Infografiken und außergewöhnliche Fotos.

Youtube für Unternehmen: Da wohnt der Videotraffic

Youtube Nutzerzahlen

Youtube gehört Google und ist primär die größte Videohostingplattform der Welt, besitzt daneben aber auch alle typischen Social Network Funktionalitäten. Für Unternehmen eignet sich Youtube sowohl als Hostings-Plattform als auch zum Betrieb eines eigenen Kanals – sofern ausreichend aktuelle Video-Inhalte laufend zur Verfügung stehen. Youtube ist vollständig durchsuchbar und in die Google-Suche integriert, Videoinhalte sind aus dem Web nicht mehr weg zu denken – Youtube stellt sie für alle Endgeräte zur Verfügung und bietet qualitativ hochwertiges Hosting an. Unternehmen, die Youtube nutzen, sollten auf ausführliche Meta-Beschreibungen und Stichworte achten.

Newcomer für Unternehmen: ello, medium, tsu

tsu Nutzungszahlen

Die grassierende Unzufriedenheit vier Nutzer mit dem etablierten Netzwerk Facebook scheint neuen Anbietern in jüngerer Vergangenheit Markteintrittschancen zu eröffnen. Steigende Bedenken über den Umgang mit persönlichen Daten sorgen im Spätsommer 2014 beim Newcomer ello.co dafür, dass sich zweitweise bis zu 30.000 Personen pro Stunde registrierten. Ello verspricht völligen Verzicht auf Werbung und garantiert Datenschutz, finanzieren will sich der Anbieter über kostenpflichtige Premium-Features.

tsu dagegen setzt auf monetäre Kompensation der Nutzer. Im September gestartet, will tsu 90% der Werbeeinnahmen an die User ausschütten. Beide Social Networks sind erst wenige Wochen alt.

Seit knapp zwei Jahren versucht medium.com, ein Netzwerk der Twitter-Gründer, statt auf kurze Status-Updates ganz auf lange Texte zu setzen. medium ist mehr Publikationsplattform als Social Network, beeinflusst mit seiner auf Inhalte fokussierten Ästhetik allerdings bereits klassische Medienanbieter weltweit. Wer so aufwändig Inhalte produziert, wird sich aber vermutlich auch eine eigene Domain leisten können und ist mit einem Blog besser beraten.

Fazit: Der eigene “Social Hub” wird immer wichtiger

Zwar tauchen immer mehr neue Bewerber im Rennen um die Aufmerksamkeit der Social Media Nutzer auf, doch dass sich in den kommenden 12 Monaten ein neuer Bewerber ernsthaft gegen Facebook wird durchsetzen können, ist aber äußerst unwahrscheinlich: Der Marktführer ist nicht nur von den Nutzerzahlen weit vorne, sondern inzwischen auch stark in der Infrastruktur des Web verankert (Facebook-Login).

Eine eigene, gut in die Social Media Landschaft integrierbare Homebase wird daher immer wertvoller. Hochwertige Inhalte fühlen sich am eigenen Blog am längsten am wohlsten, und lassen sich von dort am elegantesten in die verschiedenen Social Networks distribuieren. Und selbst wenn die Sache mit Pinterest und Co. hierzulande nie klappen sollte, dann liegen die Bilder gut indexiert auf der eigenen Seite und bringen Traffic, auch wenn nur drei Österreicher auf ello posten. Deshalb Mein Ratschlag an alle Unternehmen: Die eigenen Web-Properties sind und bleiben am wichtigsten. Produzieren Sie hochwertige Inhalte für Ihre eigene Unternehmens-Homepage oder Ihr Unternehmensblog und kreieren Sie so ihre eigene Social Media Zentrale, von der aus Sie Ihre Botschaften in die passenden Netzwerke verteilen. Ich berate Sie gerne dabei, wie das am effiziensten funktioniert.

3. IKT-Konvent Österreich: Viel heiße Luft statt mutiger Entscheidungen

Gestern Nachmittag habe ich mir in der malerischen Skyloft der Wirtschaftskammer Österreich angehört, was sich im offiziellen digitalen Österreich denn so getan hat in den letzten 6 Jahren. An den Iden des März 2008 hob das damalige Duo Infernale Gusenbauer-Molterer die Internetoffensive Österreich aus der Taufe und hielt stolz einen überdimensionierten USB-Stick in die Kamera. Auf dieses erstaunlich unglücklich gewählte Symbol aller Internet-Ausdrucker verzichteten die Organisatoren diesmal zwar, auf eine ernsthafte, mutige und richtungsweisende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der digitalen Agenda leider ebenfalls.

Spätestens bei der Preroll – ja, sowas gab’s früher nur auf Youtube, mittlerweile auch auf Veranstaltungen – wurde endgültig klar, dass die Internetoffensive starke Züge einer PR-Kampagne für die heimischen Mobilfunkanbieter aufweist. Ein weitere Anlass, einmal mehr meine Meinung zur immer brennenderen Frage der Netzneutralität in aller Deutlichkeit zur Diskussion stellen.

Netzneutralität, Steuergeld und die Internet-Infrastruktur-Milliarde

Niemand kann Diener zweier Herren sein. Wenn Telekommunikationsunternehmen glaubhaft behaupten, ihnen wäre primär daran gelegen, eine Breitband-Infrastruktur für alle zu errichten, doch die sei ohne staatliche Zuschüsse nun mal nicht finanzierbar, dann sollte der Staat natürlich Subventionen bereitstellen. Wenn dieselben Unternehmen im gleichen Atemzug aber keinerlei Zweifel daran aufkommen lassen, dass ihnen die Abschaffung der Netzneutralität ein dringendes Anliegen ist, dann sollte das den Budget-Verantwortlichen Politikern unbedingt zu denken geben.

Das Prinzip der Netzneutralität fordert, alle Daten gleich zu behandeln. In der Praxis dürfen ISPs (Internetprovider) einzelne Anbieter weder bevorzugen noch benachteiligen. Denn wenn finanzkräftige Unternehmen sich qua Münzeinwurf bei den Providern schnellere Leitungen für ihre eigenen Inhalte sichern können, dann bedeutet das zugleich eine Benachteiligung aller Datenkunden zweiter Klasse. Eine solche Situation ist für eine Gesellschaft, in der das Internet längst mehr nur die Aufgabe eines digitalen Vertriebskanal für kommerzielle Inhalte erfüllt, schlicht unakzeptabel. Nimmt der Staat in Rotstift-Zeiten wie diesen also tausend Millionen Euro in die Hand, dann muss er dafür sorgen, dass die mit unseren Steuergeldern errichtete Breitbandinfrastruktur allen Teilnehmern am Datenhighway in gleicher Weise zur Verfügung steht.

Eine Diskussion über dieses paradigmatische Thema habe ich unter all den “Wir-sind-eh-super und obendrein eGovernment-Weltmeister” Statements völlig vermisst. Einzig Sebastian Kurz warnte vor Selbstüberschätzung und fiel einmal mehr durch Sachkompetenz auf, spannend auch das Referat von Franz-Reinhard Habbel. Der Sprecher des deutschen Städte- und Gemeindebunds hat sich offenbar etwas intensiver mit der Digitalen Agenda der EU beschäftigt als der österreichische Infrastrukturminister. Habbel regte engere Zusammenarbeit beider Länder an, erwähnte das DeMail Desaster in seinen Ausführungen jedoch nicht.

Zirkuläre Argumentationen und die besten Gags

Dass der österreichische Staat eine Milliarde Euro in die Hand nimmt, um der Alpenrepublik einen digitalen Standortvorteil zu verschaffen, ist einzig und allein der Internetoffensive Österreich zu verdanken, die übrigens der österreichische Staat und die Mobilfunker gegründet haben. Im Jargon letzterer heißt die Internet- übrigens längst Infrastrukturmilliarde.

So schön kann man hierzulande Zirkulärschlüsse ziehen. Gesteht dann obendrein noch ein Regierungsmitglied, dass unter dem Sparkurs alle Regierungsmitglieder leiden, stellen sich endgültig die Nackenhaare auf. Mir persönlich zumindest wäre entgangen, dass die Regierung sich die eigenen Gehälter gekürzt hat, ja schlimmer noch: Ich war der offenbar irrigen Meinung, steuerzahlende Bürger und Unternehmen litten weit mehr als diese planlose Koalition aus Reformverhinderern.

Oft tauchte mein Lieblings-Bullshit-Bingo-Begriff in den vielen Kurzreferaten auf, dauernd war von den guten alten Haupt-Stakeholdern die Rede: den Telkos und “den führenden IKT-Unternehmen des Landes”. Darf ich an dieser Stelle mal dezent daran erinnern, dass nur einen einzigen Haupt-Stakeholder einer international konkurrenzfähigen IKT-Infrastruktur gibt? Und zwar die gesamte Bevölkerung. Würde irgendwer behaupten, Asfinag und Speditionen seien die Hauptstakeholder des österreichischen Straßennetzes?

Steßl und Kurz

Staatssekretärin Sonja Steßl und Außenminister Sebastian Kurz.

Den Vogel schoss für mich persönlich Sophie Karmasin ab, die wortwörtlich “What’s App als Revolution für Familien” bezeichnete, da über solche Services Eltern in ständiger Verbindung mit ihren Kindern bleiben könnten. Ich hätte von einer recht jungen Familienministerin erwartet, dass sie nicht von ihrer Lebensrealität auf die aller anderen schließt und bezweifle die segensreiche Wirkung von Messenger-Applikationen für alleinerziehende McJobber. Infrastrukturminister Alois Stöger unterflog die Fremdschämgrenze ebenfalls elegant, indem er die elektronische Krankenakte ELGA als leuchtendes Vorbild dafür beschrieb, wie “man IKT in die Breite bringt”.

Familienministerin Sophie Karmasin, Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Familienministerin Sophie Karmasin, Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Sozialminister Hundstorfer pries unter anderem die Vorteile von Push-Notifications für AMS-Kunden und kündigte an, dass er uns zukünftig schon mit 30 sagen könne, wieviel Pension wir mit 70 bekommen. Die einkommensunabhängige Altersnotversorgung scheint regierungsintern also bereits beschlossen. Staatssekretärin Sonja Steßl verlor sich gänzlich im Zahlendschungel und verlautbarte allen Ernstes, dass bereits 70% der Österreicher eGovernment-Services und die digitale Handysignatur nützen. Never let the truth get in the way of a good story!

Alles in allem gab’s für die geneigten Zuhörer also jede Menge unfreiwillige Stand-Up Comedy, die mir als Unternehmer aber eher das Wasser in die Augen trieb. Ich wünsche der Internetoffensive weiterhin frohes Schaffen und erfolgreiche Selbstrechtfertigung und empfehle die schnellstmögliche Gründung eines Expertenkomitees zur Sicherstellung der Netzneutralität. Sonst wird das nämlich nix mit dem IKT-Vorzeigeland Österreich.

Arbeitskreis “Bildung, Wissenschaft und Forschung”

Ungleich spannender fielen die Kurzreferate im vorgeschalteten Arbeitskreis “Bildung, Wissenschaft und Forschung” aus, den Prof. Dr. Karl Anton Fröschl von der Universität Wien leitet. Mehrere solcher AKs befassen sich mit verschiedenen Feldern der digitalen Gesellschaft. Die Oberstufen-Lehrer Kurt Söser, Gerhard Fetka und Herbert Feichtinger berichteten aus ihrer Schul-IT-Praxis, BG-Schüler Lukas Winkler stellte seine Raspberry Pi Umweltdaten-Messstation vor.

Gerhard Fetka über digitale Schule

Gerhard Fetka vom BG Kirchengasse Graz

Vier solcher Arbeitskreise tagen regelmäßig im Rahmen der Internetoffensive Österreich, beschäftigen sich mit Best Practices und erarbeiten Anforderungskataloge. Diesen Prozess in die Breite zu bringen, dürfte eine der lohnenderen Herausforderung der näheren Zukunft darstellen. Schauen wir mal in sechs Jahren – bis dahin kann ich nur Thomas Lohningers Fazit zum 3. IKT Konvent beipflichten:

Nachlese | Web-Logbuch zum Blogger-Kommentiertag Österreich 2014

Danke an Jürgen Koller für die ausgezeichnete Idee, den 3. August zum Blogger-Kommentiertag Österreich auszurufen! Die Blogosphäre lebt zu einem hohen Grad von Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, und solche Aktionen tragen ganz entscheiden dazu bei, uns Blogger mal wieder nachhaltig daran zu erinnern, wie viele spannende, inspirierende und großartige Weblogs in Österreich verfasst werden.

Blogger Kommentiertag Österreich 2014

Wer noch mitmachen will, tritt dem Facebook-Event bei – “Nachzügler” sind herzlich willkommen… denn eigentlich sollte jeder Tag des Jahres Blogger-Kommentiertag sein! In den Worten des Erfinders:

Durchstöbern und KOMMENTIEREN wir einen Tag lang die vielen tollen heimischen Blogs und bringen wieder etwas Schwung hinein. Neue Blogs für sich entdecken & andere inspirieren, am 3. August 2014.

Neben alten Bekannten bin ich in den Event-Kommentaren auf jede Menge Neuzugänge gestoßen – und habe heute nicht nur überdurchschnittlich viele Kommentare verfasst, sondern meinem RSS-Reader auch eine Menge neuer Feeds hinzugefügt. Dabei musste ich an die Frühgeschichte des Weblogs denken: begonnen hat das ganze Drama ja nicht, wie viele fälschlicherweise glauben, mit online veröffentlichten “Tagebüchern”, sondern mit Web LogBüchern.

Unsere frühesten Blog-Vorfahren, die seinerzeit noch in Höhlen lebten, dokumentierten besuchte Webseiten – teils nur mit Links, teils mit knappen Kommentaren. Die ersten Weblogs waren also sozusagen eine Art öffentliche Browser-History – und genau dieser Tradition möchte ich auch heute folgen und im Rahmen des heutigen Blog-Feiertags ein paar meiner Favoriten vorstellen. Zu jedem Blog hab ich ein paar Zeilen angemerkt und einen “typischen” Beitrag verlinkt (und kommentiert). Die Reihenfolge ist rein zufällig und impliziert keinerlei Wertung.

Einige meiner Lieblings-Weblogs

Michael Marcus Thurner

Michael habe ich beim Perry Rhodan Stammtisch Wien kennen gelernet – er und Leo Lukas sind derzeit die zwei Österreicher im Redaktionsteam der von mir seit 30 Jahren überaus geschätzten Science-Fiction Serie. Beide Autoren zählen ihres schrägen Humors und ihrer Sprachgewandtheit zu meinen Favoriten. Michi verfasst neben seinen Beiträgen für Perry Rhodan auch grandioser SF/Fantasy/Horror-Romane. Zum neuen Fantasy-Roman “Gottbettler” gibt’s am Blog eine Leseprobe und Infos über regelmäßig stattfindende Schreibcamps.

www.mmthurner.at


Luca Hammer – 2-Blog

Was soll ich meinen ehemaligen Studenten und alten Co-Barcamper an dieser Stelle noch näher vostellen? In Lucas Adern fließt Blogblut, und seine thematisch vielseitigen Beiträge sind immer lesenswert – ob philosophisch oder technisch. Zum Beispiel der da über Adaptive Images und WordPress.

www.2-blog.net


Gerald Bäck – Bäckblog

Anders als der Name vermuten lässt geht’s hier keinesfalls um Cupcakes, mein Lieblings-Brechmittel. Nein, Gerald geekt und politisiert frei nach dem alten Lee Perry Motto “I’m gonna put on my iron hat / and chase Satan out the internet”. Obendrein ist sein Blog vollständig Lynx-kompatibel und besticht durch bissigen Humor, wie etwa im Beitrag über das Femcamp.

www.baeck.at


Zwergenprinzessin

Sarah hat eine meiner Vorlesungen an der FH Eisenstadt besucht, dadurch bin ich auf ihren sehr sympathischen Kochblog aufmerksam geworden. Sie koche “ohne Grundlagen”, sagt sie von sich selbst, dabei können ihre Repezte mehr als die von so manchem Profikoch. Die Auswahl ist riesengroß, stellvertretend sei hier das Argentinische Steak mit Granatapfel-Chili-Sauce in höchsten Tönen gelobt.

www.zwergenprinzessin.com


Moment in a Jelly Jar

Noch ein grandioses Kochblog: Conny kenne ich ebenfalls durch die FH, und zwar durch die in Kufstein. Der Schwerpunkt der “Marmeladenglas-Momente” liegt auf Süßspeisen und Desserts. Die begeisterten, detaillierten Anleitungen und die herrlichen Anleitungen machen einem den Mund wässrig. So gern hätt ich jetzt ein Oreo-Schokotartelette mit Kirschen!

www.inajellyjar.com


Henriette Zirl – [Der:Die:Das] Blog

Henriette Zirl ist professionelle Texterin und kennt sich ausgesprochen gut mit digitalen Medien aus. In einer G+ Gruppe bin ich vor kurzem auf verschlungenen Wegen zu ihrem Blog gekommen. Schreibstile sind ja immer Geschmackssache – meinen trifft sie mit ihren elegant und originell formulierten Texten jedenfalls zu hundert Prozent. Mir hat bisher jeder Beitrag gefallen, so auch dieser über Foursquare und Swarm.

derdiedasblog.com


Andreas Ostheimer

Andreas ist Geschäftsführer einer niederösterreichischen Online Agentur und gibt auf seinem Blog praxisnahe, hervorragend recherchierte Tipps. Für mich eines der besten deutschsprachigen Online Marketing Blogs – dass Meister Ostheimer eine Menge von seinem Business versteht, zeigt sich an jedem einzelnen Beitrag. Stellvertretend sei hier auf Linkbuilding ist tot, lang lebe Traffic! verwiesen.

www.ostheimer.at/blog/


Dominik Leitner – Neon|Wilderness

Man weiß nie, welche Text am Blog von Wortarchitekt Dominik darauf warten, bestaunt zu werden. Ob Dominiks eigene Reflexionen und literarische Text oder Gastbeiträge, Dominiks Art zu erzählen hat was Meditatives. Und die seiner Gäste auch, wie etwa im Beitrag Was vom Tage übrig blieb von Rainer Kienböck.

neonwilderness.net


Werner Reiter – werquer

www.werquer.com/blog/

Werner ist Kommunikationsprofi, Querdenker und Mitdenker. Auf seinem Fotolastigen Blog schreibt er über Kultur, Medien, Politik und Technologie – und postet regelmäßig sehr gelungene Makro-Aufnahmen mit Ameisen-Schwerpunkt. Ganz aktuell: Wernes Bilder zur #pizzableibt Räumungsaktion.


Tom Lutz

tomlutz.wordpress.com

Tom Lutz ist Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich und hat als langjähriger Blogger ein ausgeprägtes Gespür für spannende Themen. Er liefert regelmäßig brandaktuelle Hintergrundinfos und manchmal auch Skurriles wie das Aufladen eines Lumia Smartphones mit Obst und Gemüse.


BONUSBLOG: Kollermedia – Jürgen Koller

Der Initiator des Blogger-Kommentiertags 2014 darf in dieser Liste nicht fehlen: ein großes Dankeschön an Jürgen für diese tolle Idee! Auf Kollermedia gibt’s Technologie- und Best Practice Anleitungen, Persönliches veröffentlicht der Autor auf HalloLeben.at. Sehr gelungen: Jürgens Sommerplanung 2014.

www.kollermedia.at


Netzsperren umgehen: Wie Sie Pirate Bay und Kinox.to in Österreich weiterhin nutzen können

Ab heute sollen die größten österreichischen Internet-Provider für sämtliche Kunden den Zugang zu einigen der populären Webseiten sperren, darunter Kinox.to, Movie4k und Piratbay.se. Auf Antrag dees Vereins für Antipiraterie wird also heute die Netzneutralität in Österreich aufgehoben. Doch keine Sorge: die betreffenden Sperren lassen sich je nach technischer Umsetzung super-einfach oder recht simpel umgehen. Die Anleitung und die technischen Hintergründe beschreibe ich in diesem Beitrag.

UPDATE: Nach gestrigen Gesprächen zwischen ISPA und VAP wurde die Frist nun um 14 Tage verlängert.

Unsere boboesquen Neo-Grünen Kleinparteien machen sich zwar auf Podiumsdiskussionen stark für die Verteidigung von Netzneutralität. Im echten Gesetzesleben siegen dann aber doch die alten Herren, und deshalb werden ab heute Kinox.to, Movie4k und Pirate Bay für den Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht mehr erreichbar sein. Dem Verein für Antipiraterie (nicht zum verwechseln mit dem Club gegen Piraterie!) ist nämlich gelungen, was jahrelang verhindert werden konnte: wegen einiger ausgewählter “Urheberrechtsverletzungen” (wie ich dieses Unwort nicht mehr hören kann!) zwangen Sie die großen österreichischen Provider erfolgreich zum Blockieren der betroffenen Seiten. Der Standard schreibt dazu:

Neben PirateBay.se sollen auch Kinox.to und Movie4k blockiert werden. Die Seiten könnten ab Freitag auf regulärem Weg für Nutzer von Internetprovidern wie A1, “3”, T-Mobile oder UPC nicht mehr erreicht werden. Rechtlich gedeckt ist die Aufforderung durch einen Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Das Höchstgericht hatte vergangene Woche festgestellt, dass sogenannte Netzsperren legitim sind, insofern als auf den blockierten Portalen Urheberrechtsverletzungen stattfinden.

Die Provider selbst sind naturgemäß nicht besonders glücklich über die Entscheidung. Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA, und Helmut Spudich, Ex-Standard Journalist und nunmehriger T-Mobile Pressesprecher, fühlen sich erstmal technisch überfordert:

Das sind naive Vorstellungen, wie Sperren im Netz funktionieren”, meint Spudich. “Da reicht es nicht, an einer Stelle etwas einzutippen und schon funktioniert es.” Zudem sei derzeit noch gar keine Sperrinfrastruktur vorhanden. “Diese in so kurzer Zeit, bis Freitag, zu implentieren, halten wir für schwer möglich”, so Schubert.

Der gemeine Blogger wundert sich. Bei Kinderporno-Seiten funktionieren Sperren nämlich genau so: einfach etwas eintippen und schon ist die Seite weg. Simsalabim! Oder hat T-Mobile mittlerweile völlig die Kontrolle über die eigenen Gateways verloren?

Netzneutralität, Netzsperren und die Rechts-Abwägung

Das Problematische an Sperrinfrastrukturen ist ja grundsätzlich: sind sie erst mal da, wecken sie bei zahlreichen Interessensgruppen Begehrlichkeiten. Denn mit Abmahnung kann man in Österreich nicht gegen Streamer vorgehen, also muss die Sperrkeule her. Ich bin gespannt, wann die Kopierschützer einen Sperraufforderung für Youtube verschicken… Denn:

Interessant ist auch, dass sich die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay von den anderen beiden “strukturell rechtswidrigen Webseiten” unterscheidet, die von der Sperraufforderung betroffen sind. Es ist daher fraglich, ob eine Sperraufforderung in diesem Fall gerechtfertigt ist. “Bei Pirate Bay sind auch legale Inhalte drauf”, so Schubert.

Jede Menge legaler Inhalte: Compilations von Büchern mit abgelaufenem Urheberrecht, Veröffentlichungen von Netlabels, Open Source Software und vieles mehr. Denn wer aus Spaß an der Freude produziert, wird in der Regel kein Geld in teure Vertriebstechnologien stecken. Gerade für No-Budget Produktionen im Videobereich hat sich das Torrent-Protokoll als genialer Vertriebskanal bewiesen, und PirateBay ist eines der populärste Torrent-Portale. Diese Seiten bieten nicht die eigentlichen Dateien zu Inhalt an, sondern klitzekleine .torrent-Files, die man mit einem speziellen Client (zum Beispiel uTorrent) öffnet. Der liest aus diesen “Download-Bookmarks” die notwendigen Informationen aus und lädt die betreffenden Dateien dann verteilt von verschiedenen, am Torrent-Netzwerk teilnehmenden Rechnern, herunter.

Kurz gesagt: das Bittorrent-Protokoll spart für Anbieter Server- und Traffic-Kosten und erlaubt dem Nutzer blitzschnelle Downloads. Wir sprechen hier in erster Linie von einer technischen Infrastruktur, nicht von einem dedizierten Piraten-Werkzeug. Wahr ist, dass dieses Torrent-Protokoll vielfach genutzt wird, um urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zu verbreiten. Aber eben keineswegs ausschließlich.

Ein umfassendes Portal aufgrund einzelner Dateien mit Bausch und Bogen für ein ganzes Land zu sperren, ist übertrieben und zeigt in erster Linie, dass die Urheberrechts-Industrie in Österreich über eine schlagkräftigere Lobby verfügt als Netzpolitiker.

Es gäbe auch sonst noch viel zu sagen zu respektive gegen Netzsperren, aber da sie nun mal da sind, wollen wir frohen Mutes in die Zukunft blicken und uns die Frage stellen: Wie können wir die Netzsperren umgehen, um weiterhin unsere geliebten, legalen Public Domain Torrents von PirateBay runter zu laden? VPN respektive alternativer DNS-Server lauten die zwei Zauberwörter.

Die neuen Netzsperren elegant umgehen und weiter Piratebay nutzen

Den Providern bleibt selbst überlassen, wie sie die Sperrung technisch umsetzen. Zwei Methoden kommen in Frage: DNS-Sperren oder IP-Blockaden. Selbstverständlich sind diese Anleitungen keine Aufforderung zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen – wir achten stets darauf, nur copyright-freie Inhalte zu konsumieren.

Im ersten und einfacher zum umgehenden Fall wird die IP-Adresse nicht mehr aufgelöst. Jeder Webserver ist für Ihren Browser nämlich über eine 12stellige, aus vier Dreiergruppen bestehende Zahl erreichbar. Domains gibt’s bloß deshalb, weil wir Menschen uns die nun mal leichter merken als lange Zahlekolonnen. Im Hintergrund fragt der eigene Browser bei jeder Adressangabe beim DNS-Server des Providers nach, welche IP-Adresse zur angeforderten Domain gehört.

datenschmutz beispielsweise hat die IP-Adresse 188.40.54.132. Wenn Sie diese in der Adressezeile des Browser eingeben, kommen Sie genauso zur Startseite wie bei der Eingabe der Domain blog.datenschmutz.net. (Dass die IP-Adresse hier zur Domain umspringt hat mir Rewrite-Regeln und Cannonical URLs zu tun, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

Eine DNS-Sperre bewirkt, dass gesperrte Adresse vom DNS-Server nicht mehr “aufgelöst” werden, dieser also keine zugehörige IP zurückliefert – und damit ist die Seite nicht mehr erreichbar. Wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, dem dürfte jetzt klar sein: um diese Sperre zu umgehen, reicht es, die IP-Adresse der jeweiligen Seite zu kennen und direkt einzutippen.

Herausfinden lässt sich diese ganz einfach mit einem simplen Ping-Befehl. Linux-User wissen sowieso, wie das geht, Apple wird hier nicht supportet (Mac-freie Zone! *g*) und für Windows-Nutzer eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung. Den Ping-Befehl liefert nämlich jede Windows-Edition mit. Man muss sich lediglich für ein paar kurze Momente auf die längst entschwunden geglaubte Kommandozeile begeben. Und zwar so:

  1. Klicken Sie auf Start -> ausführen/run und geben Sie (ohne die Anführungszeichen!) “cmd” ein und drücken anschließend die Enter-Taste.
  2. Daraufhin öffnet sich ein DOS-Fenster. Hier tippen Sie (natürlich wieder ohne Anführungszeichen) “ping www.domain.com” gefolgt von der Eingabex-Taste ein.
  3. Als Resultat erhalten Sie eine mehrzeile Ausgabe. Die Zahl nach “Reply from” ist die IP-Adresse der jeweiligen Seite:

Netzsperren Umgehen

Das Fenster können Sie anschließend wieder schließen – Profis tippen dazu “exit” ein und drücken Enter. IP-Adressen können sich natürlich ändern, derzeit schaut’s so aus:

  • PirateBay.se: 194.71.107.15
  • Kinox.to: 91.202.62.170
  • Movie4k.to: 91.202.63.160

Noch bequemer ist nur die Umstellung des DNS-Servers: nutzt man statt der Infrastruktur des Providers einen anderen öffentlichene DNS-Server, beispielsweise den von Google. Dann greift die DNS-basierte Netzsperre ebenfalls nicht und man kann die Domains ganz normal eingeben. Die Umstellung erfolgt entweder direkt im Router – dort trägt man als primären DNS-Server 8.8.8.8 und als sekundären 8.8.4.4 ein, anstatt die Einstellungen vom Provider automatisch zu beziehen. Am Rechner direkt funktioniert’s auch, eine Anleitung für Windows 7 hat die PC Welt.

Wie umgeht man IP-Blockaden?

Ein wenig mehr Aufwand erfordert die Umgehung der zweiten Sperrmöglichkeit. Mittels IP-Blockaden können Provider nämlich ebenfalls verhindern, dass ihre Kunden auf verbotene Server zugreifen. Alternative DNS-Server oder die direkte Eingabe der IP helfen in diesem Fall nix – hier sind Proxy-Netzwerke gefragt, am besten in Kombinationmit einem Virtual Private Network. So erreicht man zweierlei: erstens werden alle Daten verschlüsselt übertragen und zweitens “sieht” der Provider nicht, auf welchen Server man zugreift, sondern kann lediglich die IP-Adresse(n) des Proxy-Netzwerks eruieren. Das gleiche gilt für den Betreiber des Servers, der die Daten bereitstellt.

Mittels solcher Proxy-Verbindungen lassen sich übrigens auch lästige länderspezifische Sperren aushebeln. Dieses Youtube-Video darf nur in den USA gezeigt werden? Kein Problem, schließlich existieren gut gepflegte Listen solcher Proxies. Eine leicht verständliche Anleitung gibt’s am Coder Blog.

Knackpunkt an der Sache: auf längere Sicht handelt es sich um eine Kopf-an-Kopf rennen, denn VPN-Anbieter verfügen zwar über umfangreiche eigene Proxy-Netzwerke, aber die Zahl der IP-Adressen ist limitiert. So versuchten in der Vergangenheit mehrere Anbieter, VPN-Nutzer gezielt auszusperren. Die Performance der meisten öffentlichen Proxy-Server ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, was besonders beim Videostreamen einen gravierenden Nachteil darstellt.

Der Cyberghost, den ich rief

Die technischen Grundlagen eines VPN im Detail zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen. Netzwerk-Experten klicken sich ihre eigenen Lösungen aus Freeware-Komponenten zusammen. Wer nicht in die Untiefen der Netzwerk-Administration abtauchen will, kann auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, die “rundum-sorglos Pakete” verkaufen – und in der Grundversion teilweise sogar gratis anbieten.

Für die Umgehung von IP-Sperren und grundlegende SSL-Verschlüsselung reicht bereits kostenlose Version von CyberGhost. Die Umgehung von Sperren ist sozusagen nur ein kleiner Zusatzbonus – es gibt viele gute Gründe, so verschlüsselt, sicher und privat wie möglich zu surfen. Ich nutze seit über einem Jahr die Pro-Variante, die neben höherer Geschwindigkeit und mehr Proxy-IP-Adressen auch starke Verschlüsselung bietet sowie Clients für Android- und iDevices. Im Preis von €50 pro Jahr ist unlimitierter Traffic enthalten, außerdem gibt’s laufend Special Angebote – aktuell etwa 12 + 12 Monate gratis. Unterstützt der eigene Router VPN-Verbindungen, kann man das ganze Heimnetz auf einen Schlag durchs VPN-Tunneln: – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Fazit: Die österreichische Neo-Netzsperren sind also bis dato kein echtes Hindernis. Und wenn sie dazu führen, dass sich Nutzer beginnen, mit Internet-Technologien, Verschlüsselung und VPNs zu befassen, dann hat das Ende der Netzneutralität sogar ein klein wenig Gutes im Schlechten.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Der Bundes Rock’n’Roller Andreas Gabalier, seine Volkshymne und eine exklusive Umfrage

Eines muss man Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier lassen: er spielt auf der Klaviatur der österreichischen Mainstream-Medien eleganter als Peter Rapp am Glücksrad dreht. Ein wahrhaft würdiger Auftakt fürs Sommerloch mit musikalischer Begleitung. Ob Didi Mateschitz mit so viel Aufmerksamkeit für die Bundeshymne alter Schule beim Grandprix von Spielberg gerechnet hätte? Was soll die Politik nun tun? Wie denken Herr und Frau Österreicher tatsächlich über den Text der Bundeshymne? Diese Frage steht gar nicht mehr im Zentrum der nun erneut entflammten Diskussion. Spätestens seit die Kronenzeitung in der Sonntagsausgabe die Trommel gegen Binnen-Iinnen und pro lesbarer Sprache zu rühren begannt, steht fest: bis wieder wichtigere Themen auf der Agenda stehen, schlägt der Anti-Feminismus hart zurück.

Bereits 747 Personen (wahrscheinlich kein Boeing-Product-Placement) hatten noch vor Drucklegung einen offenen Brief an BM Gabriele Heinisch-Hosek unterzeichnet, 420 davon weiblich und wohl alle keine glühenden Fans von Maria Rauch-Kallats letzter politischer Nacht-und-Nebel Ruhmestat. Darin fordern fünf Gelehrte, darunter drei Universitätsprofessoren, ein Professor und Autor sowie eine Doktorin vehement die Rückkehr zu verständigungsorientierter Sprachen und Erleichterung des sinnerfassenden Lesens, also kurz gesagt die Streichungen von Binnen-I, Schrägstrich im Wortinneren (Briefschreiber/-innen), Klammern (Klammer(innen)) und hochgestelltes a bzw. in nach Titeln (KomRin). Nicht nur, aber vor allem in offiziellen Dokumenten.

Und recht haben sie. Für mich persönlich habe ich die Hänsel-Gretchen-Frage hier am Blog vor 6 Jahren thematisiert und mich anschließend gegens Splitting entschieden. Stattdessen verwende ich in direkter Ansprache immer gern beide Formen. Denn, werte Leserinnen und hochgeschätzte Leser, soviel Zeit muss sein, solange die Lesbarkeit eines Textes nicht darunter leidet. Dass die Befürworter der feigenblättrigen politischen Korrektheit zwar in den letzten Jahren mit lauter Stimme gerufen haben, aber damit bloß die Mehrweit der Bevölkerung übertönten, zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit überdeutlich.

Exklusive Umfrage: Gabalier und die Kufsteiner

Die Wissenschaft eilt einmal mehr beweisend zu Hilfe, und zwar in Form einer brankaktuellen, wissenschaftlichen Studie über Andreas Gabalier, durchgeführt von Dr. Astrid Pettauer am vorvergangenen Wochenende während des Kufsteiner Stadtfestes im Rahmem einer FH-Lehrveranstaltung. Inspiriert von der Diskussion zwischen der ehemaligen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Herrn Andreas Gabalier am 26. Juni in der ZIB2 gingen meine Gattin und ihre Studentinnen und Studenten der Frage nach: sind wirklich 95% der österreichischen Bevölkerung für den alten Text der Bundeshymne? Oder doch nur 92%?

Die Samplegröße der Untersuchung, die in der Fachliteratur gemeinhin als “KuGaStu” (Kufsteiner-Gabalier-Studie) bezeichnet wird, beträgt 127 Personen, darunter 70 männliche und 57 weibliche Untersuchungssubjekte gemischten Alters. 14,3% gehen die Töchter und Sohne am Andreas Hofer vorbei, 23,8 Prozent sind für und 61,9 Prozent der befragten gegen den neuen Text.

  • Studie:

    Alle Ergebnisse mit Infografiken und Making of.

Darf man denn in einer Demokratie gegen die Mehrheitsmeinung entscheiden? Selbstverständlich! Oft muss man sogar – nämlich dann, wenn’s um das Gemeinwohl geht. Selbst wenn 99% der Österreicher eine Senkung der Mehrwertssteuer von 20 auf 2 Prozent befürworteten, könnte keine verantwortungsvolle Regierung willentlich den Statt in den Bankrott laufen lassen. (Bei unserer aktuellen in ich mir da gar nicht mal so sicher.)

Aber wie sieht es mit einem vergleichsweise harmloseren Thema wie dem Text der Bundshymne aus? Immerhin sollen solche glorifizierenden Gesänge, deren Daseinsberechtigung aus dem Geiste unserer übrigens auch gänzlich angezweifelt werden könnte, primär eine Identifikationsfunktion erfüllen. Oder, anders gefragt: Wenn Österreich seit Conchitas triumphalem Songcontest-Sieg so stolz auf sein superliberales Image ist, warum singen wir dann nicht gleich “Heimat bärtiger TransvestitInnen”? Man könnte ja auch mit Humor an diese nun wahrlich nicht weltbewegende Staatsaffäre herangehen.

Andreas Gabalier und die Bundeshymne

Aber zurück zur Untersuchung: Das Kufsteiner Stadtfest hat gesprochen! Der Volks Rockn’n’Roller weiß also auch in Westösterreich die Bevölkerungsmehrheit auf seiner Seite – und hält sich weiter im Gespräch. Einen Tag vor Sonntagskrone mit einem offenen Brief auf Facebook (Im Sommerloch fliegen offene Briefe anscheinend tiefer als Hitchcocks Vögel!):

Ich habe mich für eine große, verstorbene Dichterin und deren lirearisches Werk stark gemacht! [...] Der Gesetzesbeschluss von 2012 bzgl. der Textänderung der Originalfassung unserer Bundeshymne ist mehr als fragwürdig, da der Gesetzgeber zum einen dem Urhebergesetz anscheinend nicht Folge zu leisten hat, und es zum anderen laut diesem Beschluss ausschließlich der Republik Österreich gestattet wurde, den “Neuen Text” auf Veranstaltungen der Republik Österreich zu singen!

Meine minimale juristische Bildung elaubt leider keine Prüfung dieser Behauptung. Ein paar Beistrich- und Flüchtigkeitsfehler (suchen zwecklos, ich hab sie im Zitat ausgebessert) stützen jedoch entweder die These, dass Andreas Gabalier ohne professionelle Kommunikationsmaschine ganz frei von der Leber weg losgeschrieben hat, oder aber jene, dass besagt PR-Maschinerie metamäßig-elaboriert besagte Vertipper extra eingebaut hat, der höheren Authentizität wegen. In beiden Fällen: Hut ab! Humor haben er und/oder seine PR-Maschinerie jedenfalls, dass muss man ihm/ihr lassen:

RedakteurInnen, die meine Wertschätzung gegenüber unseren Frauen aufgrund eines kabarettistisch gemeinten Liedertextes wie Sweet little Rehlein [...] in Frage stellen, kann ich bei Gott keine Aufmerksamkeit schenken, weil sie damit allen Ernstes Wildtiere mit Frauen vergleichen!

Wenn das keine Bonusaufgabe für die Zentral-Matura (österreichisch für Abitur) 2015 ist, dann weiß ich auch nicht: Bilde einen sinnvollen Satz, der die Wörter “Wertschätzung, Frauen, Gott und Wildtiere” enthält!” Als erfahrener Entertainer weiß Gabalier natürlich um die Ähnlichkeiten von Konzert- und Briefdramaturgien: absurde Komik gegen Ende schadt nie:

Zeitgemäß sollten wir und vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephaniendom umzutaufen, Mozart auf seinen Bildern die Haare zu schneiden, weil seine Frisur veraltet ist und dem Lindwurm in Klagenfurt Brüste umzuhängen, weil unsere Geschichte nicht mehr in diesen verkrampften Gender-Wahnsinn hineinpasst!

Chapeau! Streng genommen ist der Begriff “Volks-Rock’n’Roller” ja ein Widerspruch in sich selbst. Wie Business-Punk oder Bergbauern-Industrieller. Kein Wunder also, dass sich diese Ein-Mann-Musikrichtung nicht unter den 12 in der Wikipedia gelisteten Subgenres findet, denn:

Rock’n’Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein nicht klar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur.

Andreas Gabalier dagegen steht für den Beweis, dass harte Arbeit und sorgsames Studium der Mechanismen von Popkultur und -konsumation ein Ergebnis zeitigen können, dessen Konsenspotential alt und jung jubelnd zu Konzerten und zum Plattenhändler eilen lässt. Was ihn zu einer Art musikalisch nachhaltigerer Conchita Wurst mit weniger Konfliktpotential macht. Machen täte. Potentiell.


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Vom Protest der Minderheit, so zeigt die Umfrage jedenfalls klar, kann keine Rede sein: der Volks Rock’n’Roller schaut dem Volk eben aufs Maul und wird laut eigener Aussage auch weiterhin “das Gesetz brechen”. Eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr bzw. maximal 360 Tagessätze hätte er übrigens nur dann zu befürchten, wenn ein Richter entscheidet, dass es sich um Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole handelt:

(1) Wer auf eine Art, daß die Tat einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, in gehässiger Weise die Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer beschimpft oder verächtlich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.

(2) Wer in der im Abs. 1 bezeichneten Art in gehässiger Weise eine aus einem öffentlichen Anlaß oder bei einer allgemein zugänglichen Veranstaltung gezeigte Fahne der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer, ein von einer österreichischen Behörde angebrachtes Hoheitszeichen, die Bundeshymne oder eine Landeshymne beschimpft, verächtlich macht oder sonst herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. (StF: BGBl. Nr. 60/1974)

Dass es Andreas Gabalier nicht um Verunglimpfung der Republik ging, steht wohl außer Zweifel. Dass er nebenbei auch noch eine Diskussion losgetreten hat, die eine nette Fußnote in der endlosen Geschichte “Rot-weiß-Rote Politiker regieren am Volk vorbei” bildet, verleitet mich zu einem zufrieden-boshaften Grinser. Das Sommerloch musste sich schon mit faderen Themen füllen lassen, und im übrigen gilt wie immer: Winter is coming.

Fotos: Andreas Gabalier Pressefotos

Österreichs Topblogs: datenschmutz auf Platz 3

Im aktuellen Ranking Österreichs Top Blogs hab ich’s mit datenschmutz unter die Top 3 geschafft – ein großes Dankeschön daher an dieser Stelle an alle Leserinnen, Leser und Fans dieser Seite! Mein Blogging-Motor läuft weder mit Benzin noch elektrisch, sondern mit Motivation. Und die bekomme ich von Ihnen/euch.

Jürgen publiziert seine Blog-Hitparade seit Mai 2013 und aktualisiert sie regelmäßig, inzwischen umfasst die Liste bereits 542 österreichische Weblogs, Neuzugänge sind jederzeit gern gesehen. Am Ende der Liste befindet sich ein Eingabefeld für neue Blogs. Die Wertung basiert auf dem “Woorank” des gleichnamigen Analyse-Unternehmens, das Webseiten anhand einer Vielzahl von Faktoren beurteilt: Popularität, Präsenz in sozialen Medien und technische Kriterien fließen gewichtet in dem Gesamtscore als Zahl zwischen 0 und 100 ein.

datenschmutz erzielte 80,1 Punkte und liegt damit hinter Trends der Zukunft (Woorank: 85,5) und Fashion Blog (Woorankg: 81,9) auf Platz 3. Ich nutze Woorank beruflich schon lange, wenn ich mir einen ersten Überblick über das aktuelle Standing einer Webpage verschaffen möchte.

Bloghitparade: datenschmutz auf Platz 3
Die Top 20 – für Vollansicht bitte anklicken.

Den Woorank halte ich für recht aussagekräftig, da viele Dimensionen einbezogen werden und deshalb für Manipulationen und Tricks gänzlich unanfällig ist. Da nun mal nicht alle Blogger ihre Nutzerzahlen veröffentlichen bzw. ein Zählpixel einbauen wollen, stellt dieses Analysetool eine gute Alternative dar, um Webseiten zu vergleichen.

Aus gegebenem Anlass: Ein paar Worte zum Bloggen

Hannes Offenbacher hat kürzlich gefragt, ob das Label “Blogger” denn überhaupt noch Berechtigung hat, oder ob wir nicht alle einfach nur Kommunikatoren, Online Publisher oder sowas in der Art sind. Ich halte es da ganz mit Luca Hammer: Wir bloggen. Bloggedi blog blog.

Und das liegt nicht (nur) an Nostalgie oder daran, dass sich alte Säcke wie ich nicht mehr so leicht an diesen ganzen neumodischen Interweb-Kram gewöhnen :-) Nein, es gibt weit bessere Gründer, Blogger zu sein, zu werden und zu bleiben:

  • Bloggen war und ist für mich ein sehr spezifisches Format. Dazu gibt’s viele verschiedene Meinungen: der eine versteht unter “Blog” eine Art Tagebuch, der andere ein CMS, das alles mögliche abbilden kann… und all diese Meinungen und Einschätzungen sind richtig, denn jeder Blogger und Blogleser muss das Format für sich definieren. Für mich ist Bloggen eine sehr persönliche Form von Mikrojournalismus. Und ein äußerst meinungs-pluralistisches Medium. Anders als eine Redaktion geschehen Auswahl, Faktenüberprüfung und Filterung nicht innerhalb eines Mediums, sondern innerhalb der gesamten Blogosphäre. “Objektivität” wird nicht mal behauptet, aber sie kann aus der Kombination vieler verschiedener Sichtweisen zu einem Thema auf vielen verschiedenen Blogs im Kopf des Lesers entstehen. Die Blogosphäre lebt von Vernetzung und gegenseitiger Inspiration – in vielerlei Hinsicht.
  • Eigene Web-Properties sind am flexibelsten. Ein Blog ist technisch, pragmatisch und medienökonomisch die geeignetste Homebase, um Inhalte, die einem selbst am Herzen liegen, zu publizieren.
  • Im geschäftlichen Bereich sind Blogs eines der effizientesten und nachhaltigsten Werkzeuge sowie unverzichtbarer Bestandteil jeder Content-Marketing-Strategie.

In diesem Sinne freu ich mich auf viele zukünftige Neuzugänge in der deutschsprachigen Blogosphäre, viele spannende Blogbeiträge, inspirierende Diskussionen und wilde, ungezügelte Bloggerei bis weit über die Sperrstunde hinaus :-)

SEO-Tipp: Stellen Sie sich an den Eklat-Pranger!

Brechende Neuigkeiten: was als motivierter Angriff auf die Meinungsfreiheit begann, gipfelt endlich in konkreter Maßnahmen gegen anonyme Hassposter. Allen rationalen Argumenten zum Trotz schließen sich “immer mehr Unterstützer” der Initiative gegen wildes Internet an.

Nur dank eines vom Österreichischen Internetrates archivierten Scans einer bekannten Whistleblowerin wurden die weitreichenden Pläne österreichischer “Medienmacher” vorzeitig bekannt, obgleich die Hintermänner durch besagte Ankündigung in einer gratis erhältlichen U-Bahn-Zeitschrift alles getan hatten, um unbemerkt zu bleiben.

Während anderswo noch ahnungslos “angeblich moderiert wird”, liefert datenschmutz der alpenrepublikanischen Journaille die Blaupause zum Abschreiben. Kommentieren bitte nur mit echtem oder erfundenem Namen!

Selbstanzeige auf Eklat.net dringend empfohlen

“Die besten Hassposting sind viel zu gut, um sie irgendwo im Social Web weitgehend ungesehen vor sich hin gammeln zu lassen,” könnte sich ein begabter Zyniker bei der Idee zu Eklat.net gedacht haben:

Diese Seite soll sich zur Bad-Bank der heimischen Meinungsäußerung mausern. Hier soll aufgezeigt werden, was – sogar auf angeblich “moderierten” Seiten – so alles das Licht der Öffentlichkeit in Österreich erblickt.

Sehen wir großzügig über die ungewöhnliche Verwendung des Wortes “mausern” hinweg und fragen wir uns: was zeichnet eine Bad Bank aus? Sie ist teuer und versursacht Probleme, für die letztendlich alle bezahlen. Ambitioniert, kann man da nur sagen! Im übrigen harre ich gespannt einer ersten Auflistung “angeblich moderierter Seiten”. Der Call to Action lässt nicht lange auf sich warten:

Posten Sie bitte hier den Link einer Erbärmlichkeit, die Ihnen besonders übel aufgefallen ist. Und kommentieren Sie sie bitte. Oder fügen Sie einen unveränderten Originaltext (samt Quellenangabe und Datum) über den Post-Button rechts oben hier ein. Alle, die hier veröffentlichen, tun dies mit Ihren echten Klarnamen.

So unverschämt hat noch selten jemand um Crowd-Sourced-Content gebettelt. Und was den letzten Satz betrifft, kann ich Ihnen versichern: Pure Lüge. Wenn nicht gar bezahltes Hassposting. Dank meiner unvorstellbaren technischen Fähigkeiten ist es mir gelungen, mich unter falschem Namen nicht nur zu registrieren, sondern sogar schamlose Eigenwerbung zu betreiben.

Denn – aber verraten Sie’s bitte niemandem, großes Internetianer-Ehrenwort, ok? – ich selbst bin jener mysteriöse Richard Lego-Österreicher (übrigens mein Lieblingscharakter aus der großartigen Dokumentarserie “Bösterreich”), der sich auf Eklat.net über ein “angeblich anonymes Posting” auf datenschmutz beschwert.

Pranger

Wobei ich ich gestehen muss, dass die Eingabemaske mindestens irreführend ist.

Meinungsfreiheit

Ohne im Detail über Copy-and-Paste in Screenshot-Textfelder einzugehen, musste ich leider entsetzt feststellen, dass das Feld “Meine Meinung – das ist meine Meinung zum Posting” schlichtweg nicht angezeigt wird. Das spricht für eine ungewohnt konsequente Umsetzung der Grundidee und ringt dennoch weit weniger Respekt ab als die Tatsache, dass der virtuelle Pranger großzügig einen wohlfeilen Follow-Backlink hergibt.

Und deshalb empfehle ich allen Bloggern, Webmastern und Webmarketern rasche Registrierung und zügige Selbstanzeige. Eklat.net hat nämlich das Potential, ein kurzzeitig mittelmäßig erfolgreicher Klon des hierzulande so gut wie unbekannten Reddit zu werden. Und das wär für eine Bad Bank nun wirklich eine ziemliche Mauserung, nicht wahr?

Bitter für Twitter: Deutschsprachiges Microblogging bleibt Nischenphänomen

Eigentlich hat sich Twitter ja vom Start weg an jenen Ratschlag gehalten, den Walter White seinem Crystal Meth Kochschüler Jessie gibt: “Be a blowfish!” Denn die Verteidigungsstrategie dieses Meeresbewohners besteht darin, sich aufzublasen und so viel größer zu erscheinen, als er eigentlich ist. Im Gegensatz zum Blowfish musste Twitter nichtmal selbst Wasser durch die Kiemen ansaugen, das haben andere besorgt: jahrelang nannten Chronisten der Social Media Ära Facebook und Twitter in einem Atemzug, und zwar in völliger Verkennung der Tatsache, dass Twitter zumindest im D-A-CH Raum wie auch im Großteil des übrigen Europas wenn nicht ein Rand-, so doch ein Kleingruppenphänomen darstellt.

Angesichts der Tollpatschigkeit des Managements, des wenig lukrativen Business-Modells und der stagnierenden bis rückläufigen Nutzungs- und Interaktionsrate spricht sich langsam herum, was der Spatz schon längst von den Dächern pfeift: längeres Zwitschern macht die meisten Nutzer Microblogging-müde.

Überall Tweets, nirgends Interaktionen, wenige Clicks

Meinem @datadirt-Account hat 43.000 Follower. Vor drei bis vier Jahren folgten auf jeden Link, den ich ausgeschickt habe, ein paar hundert Klicks so sicher wie das Amen in der Kirche. Davon kann längst nicht mehr die Rede sein: mehr Nutzer, weniger Zeit und verkürzte Aufmerksamkeitsspannen haben die Klickrate, die Twitter anfangs als Marketing-Tool so überaus attraktiv machen, in den Keller sinken lassen – keineswegs nur mir. Holger Schmidt schreibt:

Als die freundlichen Kollegen von @SPIEGELONLINE neulich einen Beitrag aus diesem Blog an die damals 280000 Follower twitterten (und ich hektisch beim Provider nachfragte, ob der Server hält), kamen trotz einiger Retweets ganze 250 Klicks auf den Text zustande. Eine Nachfrage bei einem Blogger-Kollegen brachte etwa die gleiche magere Resonanz. Ich treffe auch immer mehr Twitterer der ersten Stunde, die keine Lust mehr haben, weil die “Echokammer” inzwischen ziemlich leer sei. Bleibt nur ein kleiner Teil an Menschen übrig, für die Twitter als täglicher Nachrichtenlieferant unverzichtbar geworden ist? Denn auch im Kriterium der sozialen Interaktionen auf den Nachrichtenseiten verliert Twitter an Bedeutung gegenüber Facebook.

Der Stachel, der früher oder später die Luft aus dem Twitter-Ballon entweichen lassen wird, sitzt aber noch viel tiefer. Twitter schafft es problemlos, potentielle neue Nutzer neugierig zu machen, diverse Kooperationen mit Fernsehsendern holten viele neue Twitteranten ins Boot. So ein Account ist rasch angelegt, doch die Crux liegt in der Langzeitbindung. Aktuelle Nutzungszahlen und -trends belegen deutlich, dass selbst angesichts steigender Neuregistrierungen das Interesse rasant sinkt.

Im vierten Quartal 2014 schrumpfte erstmals die Wachstumsrate der Timeline-Views, während Twitter als Traffic-Quelle im deutschen Sprachraum immer unwichtiger wird. Don Dahlmanns fragt sich, ob Zeit und Ressourcen überhaupt noch gut investiert sind. Aktuelle Referrer-Vergleiche der Blogrebellen illustrieren ein unschöne Wahrheit: ob groß, ob klein, alle Webseiten hängen am Facebook-Traffic-Tropf. Twitter spielt auch hier auf datenschmutz im Trafficmix trotz knapp 50% Social Traffic bloß eine sehr untergeordnetes Röllchen, auch in den USA.

Social Media Traffic

Alle Mann von Bord

75% aller Twitter Nutzer springen im Lauf ihrer Microblogging-Karriere wieder ab:

Jeder siebte Nutzer, der sich bei Twitter angemeldet hat, ist also noch aktiver Schreiber; etwa jeder Vierte nutzt die Seite noch. Auch dieser Wert wird von Twopcharts bestätigt, die 13 Prozent aktive Schreiber, umgerechnet also etwa 124 Millionen schreibende Twitterer. Besonders interressant ist die Loyalität in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Anmeldung: 25 Prozent der Twitterer, die sich 2008 angemeldet haben, schreiben heute noch aktiv. Aber nur 10,7 Prozent der neuen Nutzer aus dem Jahr 2012 sind noch aktiv.

Das bestätigt auch die jüngste Onlinestudie von ARD und ZDF. Nur 7% der Nutzer seien täglich unterwegs, die Hälfte besucht Twitter bloß einmal im Monat – das entspricht mageren 1,95 Millionen aktiven Deutschen monatlich. Ob diese Zahl die Headline Twitter im Sinkflug rechtfertigt, sie dahingestellt. Weit mehr Sorgen macht mir ein anderer Indikator: geht man davon aus, dass unser gemächliches Österreich allen Netzentwicklungen locker zwei bis drei Jahre hinterherhinkt, so kann an getrost prognostizieren: es wird bald abwärts gegangen sein. Selbst wenn oder vielmehr gerade weil Twitter hierzulande seit Jahresbeginn einen deutlichen Popularitätsschub verzeichnen konnte. Die Zahl der Accounts stieg zwar um 20.000 auf insgesamt 117.000 – was aber imnmer noch bloß nicht ganz einem 27stel der österreichischen Facebook-Nutzerschaft entspricht.

Internationale Jubelmeldungen sind daher keineswegs 1:1 auf hiesige Verhältnisse umzulegen. Amerikanische Marketer sehen in erster Linie zwei Stärken: während KMUs auf Branding setzen, nutzen Großunternehmen ihre Twitter-Präsenz primär zur Gewinnung von Neukunden. Beide Gruppen geben durch die Bank an, ihre Werbebudgets zu erhöhen, sehen aber zugleich den hohen Zeitaufwand, den konsistentes Twitter-Marketing erfordert, als Hauptproblem.

Befürworter von Corporate Accounts argumentieren mangels Zahlenbasis gerne qualitativ: Die Alpentwitterrepublik möge zwar dünn besiedelt sein, dafür aber reich an digitalen Meinungsführern, deren kumulierte Microreichweiten alle Unkenrufer verstummen lassen sollte. Wenn sie denn die hier gierig aufgeschnappten Kurzmeldungen über die Grenzen des Twitterversums hinein in ihre Redakionsstuben und Blogs trügen… Ja, hier ist die Kommunikationsbranche in der Tat noch weitgehend ungestört unter sich. Wo sich Pressesprecher und Innenpolitik-Redakteuer gute Nacht sagen, sollte man aber realistischerweise von klassischer PR und nicht unbedingt von Social Media Marketing sprechen.

Here be dragons (und Armin Wolf)

Verglichen mit Italien, Spanien und Großbritannien sind Deutschland und Österreich sehr dünn betwittert, wie diese Mapbox-Karte zeigt:

Europe Tweets

Schön, wenn sich trotzdem wenigstens die Politik über “Interesse” freut, immerhin fand die erste Debatte der EU Spitzenkandidaten in Maastricht am 28. April ja quasi unter Ausschluss der Old Media Öffentlichkeit statt. Und es zeugt von rührender Hilflosigkeit, wenn euractiv versucht, Erfolgserlebnisse zu beschwören:

Wer die Debatte gewonnen hat, ist offen. Aber alle Parteien zeigten sich beeindruckt vom Online-Interesse an der Diskussion. “Ich habe die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien angeschaut, und es scheint, als ob die Menschen zugeschaut und zugehört hätten”, sagte Martin Schulz im Anschluss an die Debatte. “Wir waren unter den beliebtesten Hashtags in mehreren Ländern in ganz Europa. Das ist ziemlich beeindruckend”, sagt Giuseppe Porcaro vom European Youth Forum.

Herr Porcaro ist offenbar nicht der einzige, der leicht zu beeindrucken ist – der Autor des Artikel entblödet sich nicht, den Zwischentitel “Die sozialen Medien als zentrales Wahlkampfelement” zu wählen, um dann folgendes zu konstatieren:

Nach Angaben einer Umfrage zum Medienkonsum in Europa bevorzugen 75 Prozent der Bürger das Fernsehen als Informationsquelle für Europapolitik. Auch die Printmedien stehen hoch im Kurs. 40 Prozent aller Befragten geben an, dass diese eine ihrer beiden Hauptquellen für Informationen seien. Zwei von zehn Europäern sagen, dass sie das Internet überhaupt nicht nutzen.

Here be dragons

Solche Aussagen sind symptomatisch für die Wahrnehmung von Twitter: man möchte modern sein, möchte gerne glauben, dass ein 140-Zeichen-Service für die Sünden der Old Media Welt büßt, und Zuckerbergs gleich dazu. Dabei hat sogar @ArminWolf, Aushängeschild der österreichischen Twitter-Szene und Hauptgrund für deren starke Journalisten-Lastigkeit, auf seiner Facebook-Seite mittlerweile 40.000 Follower mehr als auf seinem Twitter-Profil.

Das Management arbeitet hart an der Kreuzigung

Die Geschichte des Unternehmens weist zwei Konstanten auf: Twitter hat erstens von Beginn an innovative technische Lösungen aus dem Hut gezaubert, mit dem Bootstrap-Framework eine enorm populäre Grundlage für viele Webservices geschaffen und eine mittlerweile solide Infrastruktur (Stichwort #Failwhale) auf die Beine gestellt. Und es zweitens immer konsequent geschafft, weit hinter den Möglichkeiten des Marktes zurück zu bleiben:

Die momentanen Probleme von Twitter (Reichweite, stagnierende Userzahlen) basieren auf etlichen Fehlentscheidungen des Managements. Wenn ich Drittanbieter nutzen muss um eine wackelige, von niemanden überprüfbare Userliste, die nach Interessen sortiert ist, zu bekommen, dann ist das schon mal schlecht. Twitter hat es auch vermieden, wichtige Bestandteile der Seite weiter zu entwickeln.

Im letzten Quartal hat Twitter schon wieder 132 Millionen an Investorengeld verbrannt – die Differenz der Betriebskosten gegenüber Einnahmen von 250 Millionen Dollar. Mit dem gezielten Aussperren von Drittentwicklern dürften sich die Betreiber langfristig auch keinen Gefallen getan haben.

Ist Twitter also passé? Den Exitus des Patienten zu konstatieren, wäre mehr als verfrüht, zumal der Service in den USA schon längst zur festen Begleitung des Fernsehprogramms geowrden ist. Andererseits schützt auch ein bekannter Brand nicht vor dem rasanten Sturz in die totale Bedeutungslosigkeit, siehe Myspace. Die ankündigte Einführung eines Mute-Buttons, der es ermöglicht, Nutzern zu folgen, ohne deren Tweets in der eigenen Timeline zu sehen (quasi Facebook-Filterung für misstrauische), wird jedenfalls keinen Weg aus dem Dilemma weisen, mit dem Twitter in Deutschland und Österreich zu kämpfen hat: eine vergleichsweise überschaubare Gruppe von Opinion-Leadern versichert sich gegenseitig, wie toll und relevant sie Twitter und sich selbst finden.

Der Rest schaut gelegentlich mal vorbei und weiß nicht so recht, wie er diese schier endlose Flut an kleinen Textschnipseln sinnvoll und dauerhaft in den kommunikativen Alltag integrieren soll. Und wenn nach nunmehr acht Jahren die Zahlen zeigen, dass bloß ein einstellige Prozentzahl längerfristigen Nutzen in diesem eigenartigen, widersprüchlichen Medium sieht, dann muss man sich vermutlich von dem Gedanken verabschieden, dass der große D-A-CH Durchbruch demnächst oder überhaupt irgendwann erfolgt. Mal sehen, wie lange Twitter die Heizkosten für unsere Vanity-Nische noch bezahlen kann.

Österreichs Budget: Aus Breitbandoffensive wird Schmalspurdefensive

Heute vormittag hielt Finanzminister Michael Spindelegger seine erste Budgetrede. Da war die Rede von vielen grundlegenden, längst überfälligen Reformen, die einmal mehr aufgeschoben werden, vom Sparzwang, vom Rekord-Defizit dank Hypo und ein wenig auch vom strukturellen Defizit dank Reformunwilligkeit. Der erwartbarere Tenor: wir reparieren den Staatshaushalt und senken die Schuldenquote. Aber wie üblich nicht ausgerechnet jetzt, sondern in zwei oder drei Jahren. Wäre hier keine Extra-Erwähung wert, hätte nicht der Herr Finanzminister ausgerechnet bei der sogenannten “Internetoffensive” den Sparstift angesetzt.

Die sollte den Ausbau schneller Internetleitungen in ländlichen Gebieten voranbringen. Was in Finnland seit Jahren Grundrecht eines jeden Bürger ist, hat hierzulande wenig überraschend geringste Priorität. Dem rotweißroten Internet fehlt offenbar die Lobby. Wissensgesellschaft, Basisinfrastruktur, Netzneutralität? Kompliziert, das alles, und gewiss kein Stimmenfänger-Thema. Dass der Ausbau ob unserer weitläufig gebirgigen Landschaft weit teurer und aufwendiger ist als etwa in Holland, hätte die ursprünglich eingeplante Breitband-Milliarde umso notwendiger gemacht. Zumal die Erlöse längst durch die jüngste Frequenz-Auktion auf der Habenseite verbucht werden konnten:

Ursprünglich war paktiert worden, dass die Hälfte der aus der Auktion der Mobilfunklizenzen stammenden zwei Milliarden Euro vom Verkehrsministerium verwendet werden kann. Laut Bures wollte das Finanzministerium nun den gesamten Erlös ins allgemeine Budget abzweigen, was die Ministerin aber laut eigenen Angaben verweigerte. Jetzt bleibt die Milliarde zwar als Rücklage im Verkehrsministerium, sie darf aber im heurigen Budget nicht angezapft werden, um das Defizit nicht nach oben zu treiben.

Noch ein kleines Detail am Rande: wir versuchen nicht mal mehr, am geduldigen Budget-Papier Reformwillen zu demonstrieren und hoffen bereits vorab auf Milde aus Brüssel:

Gleichzeitig wiederholte der Vizekanzler seine Erwartung, dass die EU-Kommission Österreich eine “Rüge” erteilen könnte, da die Regierung das strukturelle Nulldefizit (maximal 0,45 Prozent) nicht schon 2015 einplant, sondern erst für 2016. Er hoffe aber nicht, dass man an Österreich ein “Exempel” statuieren werde, sagte er hinsichtlich möglicher finanzieller Sanktionen.

Fromme Hoffnung statt Verwaltungsreform und Vereinheitlichung des Krankenkassensystems ist auch eine Art Bankrotterklärung – nicht des Staatshaushalts, sondern der Politik. Dass anno 2006 die damalige Bundesregierung im Rahmen der Internet-Offensive die Alpenrepublik “unter den führenden IKT-Nationen positionieren” wollte, gipfelte erst nach zwei Jahren intensiven Nachdenkens in einem unverbindlich-schwammigen Thesenpapier. Dass sich nun geplante Basis-Infrastruktur in Luft auflöst, wiegt weitaus schwerer und ist der Standort-Attraktivität alles andere als zuträglich. Da erscheint im Nachhinein die zu Unrecht vielkritisierte Aussage über den “abgesandelten Wirtschaftsschaft Österreich” von WK-Präsident Christoph Leitl keineswegs übertrieben.

Foto: ÖVP Medienservice

netidee Call 9: 1 Million Euro für Internet-Projekte und Forschungsarbeiten

Zum neunten Mal lädt die Internet Foundation Austria (IPA) Netz-Vordenker und Forscher ein, sich um eine Förderung zur Umsetzung von Open Source Vorhaben und innovativen Forschungsarbeiten zu bewerben. In diesem Jahr bin ich bereits zum vierten Mal Mitglied der Jury und freue mich schon jetzt auf viele spannende Projektanträge.

Das erfreulichste gleich zu Beginn: auch in diesem Jahr befindet sich insgesamt eine Million Euro im netidee-Topf. Mit maximal €50.000 pro Projekt fördern wir Projekteideen, die das Internet in Österreich in innovativer Weise weiter entwickeln und einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Im Zentrum unseres Fokus steht der “Public Value” der jeweiligen Einreichungen und nicht in erster Linie die wirtschaftliche Verwertbarkeit.

Nicht nur das unterscheidet die netidee von anderen Förderungen wie departure und ZIT. Wie auch schon in den Vorjahren haben wir uns bemüht, die Hürden für die Einreichung möglichst niedrig zu halten. Im Klartext: Um bei der netidee mitzumachen, brauchen Interessierte garantiert keinen Förderberater. Das Einreichungsformular haben wir bewusst einfach gehalten, Voraussetzung zur Teilnahme ist jedoch, dass die Projektergebnisse unter Open Source bzw. Creative Commones frei lizenziert und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Erstmals Sonderpreis “Internet Privacy”

Edward Snowdens Enthüllungen über die NSA, der Heartbleed Bug, welcher besagter NSA bereits seit Monaten bekannt war, auskunftsfreudige Smart-TVs, die jeden Senderwechsel protokollieren und an den Hersteller schicken… Gründe, sich über die eigene digitale Privatsphäre Sorgen zu machen, gibt es genug. Erstmals schreiben wir daher 2014 einen Sonderpreis für Privacy-Projekte aus. Dazu ist keine gesonderte Einreichung erforderlich: Behandelt das Projekt das Thema Internet Privacy, besteht die Chance auf 3.000 Euro Sonderpreis zusätzlich zur normalen Förderung.

netidee Stipendien: bis zu 10.000 Euro für Diplomarbeiten und Dissertationen

Auf reges Interesse stoßen seit ihrer ersten Auslobung vor zwei Jahren unsere Stipendien für wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Internet. Diplomanden und Dissertanden jeglicher Studienrichtung können sich bewerben, Teilnahmebedingungen sind ein Studium an einer österreichischen Universität oder Fachhochschule sowie ein bereits eingereichtes und genehmigtes Forschungsthema.

Einreichfrist endet am 2. September 2014

Wer sich in diesem Jahr um eine netidee Förderung bewerben möchte, registriert sich auf netidee.at und füllt anschließend den Förderantrag online aus. Nähere Informationen zu den Bewerbungsmodalitäten findet man hier. Anschließend werde ich gemeinsam mit meine Kolleginnen und Kollegen des netidee Förderbeirats alle Anträge evaluieren und bewerten. Bekannt gegeben werden die ausgewählten Projekte, Stipendiaten und Gewinner des Privacy-Sonderpreises im Rahmen der “best of netidee” Gala am 20. November 2014 im Wiener Museumsquartier.

Wer sich vorab schon mal unverbindlich informieren möchte, dem empfehle ich wärmstens einen Besuch beim netidee spring talk am 20. Mai, ebenfalls im Museumsquartier. Ich freue mich schon darauf, im Rahmen dieser Veranstaltung einen Social Media Marketing Workshop für die Empfänger der Vorjahresförderung zu gestalten.

Österreichische und deutsche Blogs: Interaktive Visualisierung

[Update] Blogkataloge und -listen sind so voriges Jahrzehnt. Technorati ist mittlerweile ungefähr so relevant wie Digg, im harten Bereich der SEO-Währung nimmt die Bedeutung von Backlinks (und damit auch Blogrolls) im selben Maße ab, in dem die Bedeutung “sozialer Interaktionen” steigt. Luca Hammer hat sich anlässlich des 400. Mitglieds in der Facebook-Gruppe Österreichs Blogger eine interaktive Visualisierung der österreichischen Blogosphäre und der deutschen Blogosphäre gebaut:

In Österreich gibt es tausende Blogger. Da bin ich mir sicher. Aber ich habe es noch nicht geschafft sie sinnvoll zu erfassen und darzustellen. Auch weil immer weniger eine Blogroll nutzen und die Interaktion und Verlinkung stärker auf Twitter und Facebook abläuft. Auf Facebook gibt es eine Gruppe, die sich Österreichs Blogger nennt. Dort tauschen sich viele der (mir) bekannteren und weniger bekannten Menschen mit Blogs aus. Am 19. April 2013 trat das 400ste Mitglied der Gruppe bei. Ich nahm es als Anlass mich wieder mit den Blogger_innen und ihrer Vernetzung zu beschäftigen. Herausgekommen ist diese kleine Seite.

Die Alpenblogosphäre wird, wie auf den ersten Blick unschwer zu erkennen ist, vom Gruppengründer gemeinsam mit Judith Denkmayr, Meral Akin-Hecke, Heinz Grünwald, Namensvetter Pyrker und meiner Wenigkeit mit ebenso eiserner wie unerbittlicher Faust regiert. Ich sag Ihnen, das war nicht billig! Content-Marketer, die sich in den Longtail vortasten wollen, müssen jetzt erstmal an uns vorbei – visuell. Wir sind wie die chinesische Mauer auf Google Maps nämlich bereits in der niedrigsten Zoom-Ebene sichtbar.

Österreichische Blogger

Das freut das Herz des Netzsportlers, der immer schon mal in Österreich weltberühmt sein wollte, ist aber noch immer kein Grund, sich endgültig zur Ruhe zu setzen. Denn während das gute alte statische Web von jedem motivierten Programmierer mit dem richtigen Zollstock und ausreichend Serverkapazität von vorne bis hinten vermessen werden konnte, stoßen Quantifizierungsversuche des Social Web schnell an zwei natürliche Grenzen:

  1. Ein beträchtlicher Teil der Social Actions spielt sich in (semi)privaten Zonen ab – Außenstehende können bekommen stets nur den öffentlichen Teil an Postings und Internaktionen zu sehen.
  2. Die Betreiber der relevantesten Plattformen limitieren API-Zugriffe und damit auch viele Auswertungsmöglichkeiten

Derart verzwickte Verhältnisse machen jede Visualisierung zu einem Schnappschuss respektive entsprechen einer spezifischen Gewichtung der verfügbaren Datenmenge. Das gilt für alle Rankings bis hin zur Königsdisziplin Klout-Score. Wie erwartet mit scharfem analytischem Verstand und vollkommen richtig hat Meister @leyrer die Situation analysiert:

Während @Helge, der alte Miesepeter, gleich zu einem völlig unbegründeten Rundumschlag gehen Sie alle, meine geschätzten Leserinnen, Leser, Friends und Followers, ausholt:

Dabei hatte ich halt einfach wieder mal Glück, wie beim Pagerank, bei Klout, Twitter-, Blog-Charts und so… ich bin nun mal ein rekursives Glückskind. Aber wie schon mein Großvater immer zu sagen pflegte: Trau keinem Algorithmus, der dich wie einen Verlierer ausschauen lässt :frog:.

Visualisierung von Deutschlands Blogs

Die deutsche Gruppe hat Luca erst kürzlich gegründet – innerhalb weniger Stunden wuchs sie bereits auf 548 Blogger_innen an und es werden stündlich mehr. Wer mitmachen will, tritt einfach der Facebook-Gruppe bei und trägt dort sein oder ihr Blog ein, derzeit wird die Grafik mindestens einmal täglich aktualisiert:

Deutschlands Weblog-Landschaft

Klaus Eck, Ibrahim Evsan und Rob Basic stellen im Nachbarland das schwerstvernetzte Trio – keine Spur von Quotenregelung, aber wenn erst mal die Modebloggerinnen der Gruppe beitreten, dann könnte sich das rasch ändern. Wer gezielt nach einzelnen Namen suchen möchte, kann dies im Explore-Modus tun. Algorithmische Ungenauigkeiten hin oder her, ich hätt’s händisch nicht besser hinbekommen:

datenschmutz Deutschland

Fazit: Tolle Sache, die Luca Hammer da zusammengebaselt hat. Aktuelle Bloglisten für Österreich waren in letzter Zeit äußerst rar gesät, und wenn sich mal rumgesprochen hat, dass man von Medienhäusern weder Link- noch Archive- noch Likelove bekommt, werden Content-Marketer froh sein über jeden Orientierungshilfe in dieser chaotischen, wilden Netzwelt.

PS: Luca bastelt 3D-Blogosphären-Landkarten nur nebenbei und am Wochenende – er betreibt das Liquid Work Start-Up work.io, einen Online Marktplatz für Hi-Quality Dienstleistungen.

Update – 23.4.2013

Gegründet wurde das deutsche Pendant zu den Atbloggern auf Facebook von Sabine Sikorski und Daniel Rehn ins Leben gerufen:

Uns ist bewusst, dass wir mit einer Facebook-Gruppe ad hoc keine 1:1-Abbildung der Blogosphäre hinbekommen werden, da nicht jeder auf die Gruppe aufmerksam werden wird, das Projekt blöd finden kann oder aber einfach Facebook meidet und somit nicht auftaucht. Aber wir erheben auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Repräsentativität. Wir wollen einfach sehen, wie gut die Blogger in Deutschland miteinander vernetzt sind, unabhängig von ihrem Steckenpferd betrachtet.

Der enorme Zustrom, den die Gruppe innerhalb weniger Stunden erlebt hat, könnte so machen Viral Marketer vor Neid erblassen lassen:

Aktuell passiert auf Facebook etwas, was sich viele Unternehmen für ihre Seiten wünschen würden. Innerhalb von knapp acht Stunden sammeln sich unter dem Arbeitstitel “Deutschlands Blogger: ein Projekt” bereits 1.300 Blogger aus Deutschland um zu visualisieren, wie gut sie vernetzt sind. Und der Strom reißt nicht ab. Das alles wohl gemerkt ohne die Schaltung irgendwelcher Werbeanzeigen sondern rein viral.

Luca hat eine Bilderserie veröffentlicht, die den Weg der (noch grau in grau visualisierten) Rohdaten zur fertigen Netzwerkgrafik nachvollzieht, Florian Blaschke berichtet auf t3n über das nicht-repräsentative ernetzungsprojekt, Sandra Schink fühlt sich an Starenschwärme erinnert und Tobias Mattl beobachtet die ganze Entwicklung mit starkem Interesse.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie’s weitergeht – neben der Einteilung in Männlein und Weiblein werden Luca sicher noch einige visuelle Explikationen der deutschprachigen Blogosphäre einfallen.

Die Tageszeitung Der Standard Kompakt – Das Kleinformat

Was bin ich erschrocken, als heute die erste kleinformatige Ausgabe des neuen Standards für Kurzarmige und Hundebesitzer vor der Wohnungstür lag! Das ist einfach…. nicht richtig. Wie ein Hybridwesen aus dem Labor, Frankensteins Zeitungsmonster: eine Abdomination, erschaffen in bester Absicht, aber doch ein Frevel an der natürlichen Ordnung… ach was, ganz so schlimm ist der Standard Kompakt überhaupt nicht. Die Grafiker dort haben bloß recht wenig Ahnung von A4-plus-ein-bisschen-was-Layouts, deshalb liest sich die Zeitung rein optisch so charmant wie ein Bezirksblatt, das die Anzeigen durch Presseagentur-Meldungen ersetzt hat.

Standard und ÖsterreichDer Standard und eine österreichische Satiretageszeitung im Größenvergleich.

Dabei kannte meine Freude in gewissen Grenzen keine Grenzen, als mir ein sich selbst terminierendes, sechswöchiges Testabo für lau angetragen wurde – denn niemand hasst Großformate mehr als ich: beim Motorradfahren auf der Autobahn fliegen dir ständig große Vögel in die Zeitung, im Bett sieht man beim Umblättern kaum mehr auf den Fernseher. Die große Chance, die sich durch den geringen Umfang des Standard Kompakt böte, lässt die Redaktion leider ungenutzt verstreichen. Ein Beispiel von Seite 20, Rubrik “kurz gemeldet”: 4 Meldungen, 2x APA, 1x DPA, 1x red – letzere mit dem Titel “Erratum”.

In den besten Momenten reicht die Qualität der Untertitel fast an fellneröses Buntpapier ran, wenn etwa in der Rubrik “Netbusiness / Wissenschaft” der Artikel “Ein Internet für Roboter” mit dem Lead beginnt “Was Roboter Franz nicht kann, lernt er künftig von seinem Kollegen Josef.” Soll der kompakte Standard, was er nicht kann, künftig von seinen Kollegen Österreich und Heute lernen? Ohne wirklich zukräftige Artikelüberschriften wie “Warum Peter Pilz diesen afrikanischen Baum zersägte” (1) wird das nix an den U-Bahn-Stationen.

Aber dort soll der Standard Kompakt ja auch gar nicht aufliegen, vielmehr handelt es sich um einen Testballon, der klären soll, ob Interesse an einem Produkt im kleineren Format besteht. Ich hab darauf eine klare Antwort: ja, wenn’s nix kost…

Outtakes / Making of

Standard Shooting


(1) In Anlehnung an die legendärste Österreich Schlagzeile ever: “Afrikanerin zersägte diesen Straßenbahnfahrer”

Freitagsfunde: das Stahlbad zum Wochenende

Schon Adorno hatte reichlich Spaß im Schmelztiegel. Damals mag die Welt ja noch Ordnung gewesen sein, aber gegen Ende des vergangenen Jahrneunts konstatierte das britische Modeblatt “Economist” den Trend zur Spaßverpflichtung: “Heute gebe es hingegen Zwangsfun als Gewinn-maximierende Teambuilding-Maßnahme”. Der Funzwang macht uns keine Angst, Mann!

Gefährlich wird’s erst dann, wenn adoleszente junge Männer ohne stattlich zertifizierte Stunt-Ausbildung die Bühne betreten. Spielen Ihre Kinder mit dem Feuer? Dann zeigen Sie Ihnen doch dieses Video – datenschmutz übernimmt keinerlei Verantwortung für resultierende Alpträume:

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Österreich-Monitoring: Social Media am Radar

Social Media RadarSeit Technorati keine quantitativen Daten mehr über die Blogosphäre liefert, sind die Deutschen Piraten Blogcharts die einzig verlässliche Quelle für digitale Landvermesser. Dann gibt’s noch einige Twitterlisten, aber die haben beträchtlich an Attraktivität verloren, seit der Fokus der Useraufmerksamkeit sich hartnäckig auf Facebook konzentriert. Nicht verwunderlich also, dass die von Digital Affairs schon länger bereit gestellten FB-Nutzungszahlen in fast jedem Vortrag über Social Media Nutzung Österreich zitiert wurden. Aber die boten bloß einen Vorgeschmack auf die virtuelle Landvermessung, denn letzte Woche ging online: die Seite bieten detaillierte Statistiken zu Facebook und Twitter, Zahlen zum mittlerweile auch in Europa immens populären Geolocation-Service Foursquare sollen in Kürze folgen.

Social Media Radar - Facebook Page Ranking

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Fellnerös: Facebook-Sucht und ihre schlimmen Folgen

“Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug, ist es eine Zombieinvasion?” fragten sich Milliarden Leser des tageszeitungsartigen periodischen Druckwerks “Österreich” diesen Samstag. Mehrere aufgeklärte Computerspieler wollten angesichts der blaßbleichen, orientierungslos umher taumelnden Juhsa mit dem leeren, stierenden Blick sogar ihre Notfall-Holzpflöcke aus dem versperrbaren Waffenschrank holen, inoffizielle Vertreter der katholischen Kirche sprachen vom bevorstehenden Weltuntergang und rieten ihren Gläubigern, die letzten Stunden reichlich Buße zu tun. Erstmals seit Jahren berichteten Augenzeugen von menschlichen Aktivitäten auf Myspace, Mobilfunk-Anbieter mussten 90 Minuten lang Datenverkehr-Umsatzeinbrüche von bis zu 81% hinnehmen. Was war geschehen und wie konnten unsere Kultur, unsere Ökonomie und unser Sinn für Realität so effektiv, so nachhaltig gestört werden – ganz ohne terroristische Einwirkung?

Facebookersatz
Facebook-Junkie bei der Selbst-Medikation – Ärzte befürchten zukünftige Engpässe bei der Versorgung mit Facebook-Ersatz-Serum.

Eines gleich vorweg: Nur dem unermüdlichen Einsatz modernster Technologie haben wir zu verdanken, dass das Zweitschlimmste im vorletzten Moment abgewendet werden konnte. Aber lesen Sie selbst:

Für die meisten gehört Facebook zum Tagesablauf wie Zähneputzen, viele sind süchtig. Donnerstagabend blieb ihr Schirm zumindest vorübergehend schwarz – und das hatte für einige User schlimmer Folgen. Bernd Dillinger, Experte des Institut zur Prävention von Onlinesucht: “Es gibt wenig Erfahrungswerte, aber es ist sehr gut vorstellbar, dass der Ausfall bei süchtigen Menschen Stress auslöst. Sie haben eine Art Entzugserscheinung, wenn sie nicht online sein können. Angstzustände und Nervosität sind die Folgen.”

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SVA Chaos: Arztbesuche ab 1. Juni kostenpflichtig

Das österreichische Sozialversicherungssystem hat so seine Probleme, doch was die SVA gerade angerichtet hat, ist in der Geschichte der Pflichtversicherung wohl einzigartig. Während es Obama in den USA gerade geschafft hat, endlich eine Krankenversicherungen für alle Bürger im Gesetz zu verankern, lässt die SVA österreichische Unternehmer im Regen stehen: nach dem Scheitern der Gesamtvertragsverhandlungen zwischen Ärztekammer und SVA beginnt in knapp zwei Wochen der vertragsfreie Zustand. Das bedeutet konkret: Wer Unternehmer ist und daher bei der SVA versichert, muss ab 1. Juni seine Besuche bei niedergelassenen Ärzten selbst bezahlen.

SVA unterlässt

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Blögger stellt mich vor

Die Blog-Plattform Blögger hat 2010 eine Vorstellungsrunde gestartet: Nicole, Hannes und Luca stellen österreichische Blog-Betreiber in ausführlichen Portraits vor – in weiterer Folge soll die virtuelle Medienlandschaft dann sogar in Form eines Blogjahrbuchs den Sprung aufs Papier schaffen. Im fünften Teil der Serie werde ich vorgestellt und freue mich über die Teilnahme an der illustren Runde. Weiterlesen

Twitter-Numerologie: Wem folgt Österreich?

Twitter-Charts existieren mittlerweile en masse – was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass de facto keine eindeutige Messmethode existiert: die Zahl der Follower lässt sich allzu leicht manipulieren, also könnte man auf die Retweets setzen, die Listen-Mitgliedschaften zählen oder komplexe Wertungsalgorithmen aus mehreren Parametern bauen. In dieser Hinsicht hat der Spruch “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” durchaus seine Gültigkeit. [Ob diese Aussage nun tatsächlich von Winston Churchill oder doch von Joseph Goebbels zuzuschreiben ist, weiß man übrigens nicht genau.]

.at Twittercharts

Gerald präsentiert heute allerdings eine Auswertung, die keinen Spielraum zur Interpretation lässt und der für den österreichischen Online-Werbemarkt spannenden Frage nachgeht: Wer hat die meisten österreichischen Twitter-Follower?. Wie zu erwarten landete auf Platz nicht etwa ein Franzose, sondern Ankermann Armin Wolf. Auch auf den folgenden vier Plätzen findet sich mit Rob Misik, dem Blumenau, Corinna Milborn und Meister Holzer kein reinrassiger Digital-Publizist, oder, wie Gerald schreibt: Weiterlesen

Portfolio Einträge