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Christina Stürmer und die Bundeshymne

Während die übrigen Absolventen der österreichischen Pop-Casting Show Starmania ihre traurigen Tage auf Zeltfesten fristen dürfen, gelang es der Niederösterreicherin Christina Stürmer bereits vor Jahren, eine respektable Karriere zu starten. Gewonnen hatte sie im Jahr 2003 zwar nicht, die Teilnahme hat sich für sie aber auf jeden Fall ausgezahlt. Eine ausführliche Bio findet man – na wo sonst? – natürlich auf Wikipedia, aber momentan interessiert vor allem der “Skandal” um eine Neuinterpretation der Bundeshymne.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied hatte die Musikerin mit dem besagten “Remix” beauftragt – abgesehen davon, dass die elegischen Harmonien einer rockigen Inszenierung wichen, wurde der Text des Refrains geändert. Anstatt “Heimat bist du größer Söhne” heißt es nun “Heimat bist du großer Söhne und Töchter”. Auf der Kampagnenseite zur Bildungsreform gibt’s den Song zum Download, und so hört sich das Ganze an:

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Rest In Pixel, Florian Hufsky

Bin gerade von einer Party nach Hause gekommen und musste soeben die Nachricht über den Tod Florian Hufskys lesen. Der Gründer der Österreichischen Piratenpartei hat in unserer kleinen alpenrepublikanischen Informationsgesellschaft immens viel bewegt. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, Florian persönlich kennen zu lernen und war über sein Engagement für den österreichischen Ableger der Piratenpartei immens begeistert. Mein tiefstes Beileid an die Hinterbliebenen – es ist traurig und zutiefst deprimierend, dass Florian so jung aus dem Leben scheiden musste.

Florian

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Video-Interview: Ali Mahlodji über die Werbewelt 2.0

“Mir kommt vor, den Web-Leuten fällt’s viel leichter, sich in die Lage von Werbeexperten zu versetzen als umgekehrt – und der Bedarf der Werbewirtschaft an digitalen Auskennern wird immer größer,” ist Ali Mahlodji überzeugt, und da kann ich ihm nur zustimmen. In der Tat leidet die Online-Werbewirtschaft an “tradierten Missverständnissen” – ich pflege ja immer zu sagen, “Branding-Effekte” sind die Standard-Ausrede für erfolglose Kampagnen, denn während offline immer indirekt gemessen werden muss, lassen sich im Netz problemlos jeder Lead und jeder Sale nachverfolgen:

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15 Mann auf des toten Manns Liste drauf

Thomas Heher, ein alter Kampfgenosse aus den frühen gap Hardcore-Zeiten, hat mich eingeladen, den folgenden Text über die Piratenpartei für die kommende Ausgabe von TBA zu verfassen. Mal sehen, ob er ihn unterbringen kann – bei der Längenbegrenzung hab ich natürlich wieder mal über die Stränge geschlagen: altes Bloggerleiden :mrgreen:

Zwar ist Piloten sprichwörtlich nichts verboten, aber nur Piraten sind die idealen Kandidaten – zumindest für geistig-eigentümliche Freisegler. Weiterlesen

Start-Ups aus Österreich stellen sich vor

Am Werbeplannung Summit 2009 moderierte Helge eine Session zum Thema Start-Ups, bei der sieben Social Web Unternehmer (inkl. Moderator) ihre Business-Ideen und Online-Plattformen vorstellten. Ich habe mit gefilmt und aus den einzelnen Vorstellungen sieben Videoclips gemacht. Für die anschließende Diskussion, bei der unter anderem der verschwindend geringe Anteil an Venture-Kapital (keines der vorgestellten Unternehmen ist auch nur teilweise Venture-Kapital-finanziert!) und die typischen Anfangs-Probleme von Start-Up Unternehmen zur Sprache kamen, reichte der Speicherplatz leider nicht mehr aus. Die sieben Clips bieten ein ersten, wenn auch keineswegs vollständigen, Überblick über die österreichische Internet-Gründerszene. Mit dabei: Soup.io, Kununu, Tupalo, Toursprung, Play.fm, Tunesbag und Tripwolf.

Bedenkt man die Größe des Zwergstaates zwischen Alpen und Hainburg, dann kommt auf eine Million Österreicher immerhin fast ein Start-Up! Aber wie gesagt, die Auflistung ist komplett – über weitere Interviews mit motivierten Online-Entrepreneuren und über Hinweise auf neue Social Media Businesses freue ich mich. Die Quantität sagt indes rein gar nichts über die Qualität aus: Soup.io etwa hat der Welt das geniale Endlos-Scrolling geschenkt – und damit geht’s auch schon mitten ins Geschehen.

Soup.io

URL: Soup.io Meine Suppe: soup.datenschmutz.net”>
Service: Microblogging-Plattform mit durchdachten Zusatz-Features.

Fürs Bloggen zu unmotiviert, fürs Nicht-Bloggen zu interessiert? Soup.io springt in die Bresche und macht dank durchdachter und einfacher Bedienung das Sammeln, Posten und Kommentieren von eigenen Web-Snippets zum Kinderspiel. Mitgründer Christopher Clay stellt seine Microblogging-Plattform vor:

Tunesbag

URL: Tunesbag.com
Service: Online-Speicherservice für die persönliche Musiksammlung

Hansjörg Posch braucht ganz schön viel Plattenplatz für seine Server: denn Tunesbag will seinen User bisher ungeahnten Cloud-Komfort bieten: die gesamte eigene Musiksammlung kann, darf und soll hochgeladen werden, um fürderhin an jedem Ort der Welt (mit Internetzugang) abrufbar zu sein. Der Firmengründer erklärt die Idee hinter Tunesbag im folgenden Video:

Tripwolf

URL: Tripwolf.com
Service: Internationaler Social Media Reiseführer mit User- und syndiziertem Verlags-Content

Der trippende Wolf setzt auf die Verbindung von Crowd-Weisheit und professionellen Reiseführern: syndizierte Inhalte von arrivierten Reiseführer-Verlagen fetten das Informationsportfolio auf und sollen den Spagat zwischen Massentauglichkeit und Individualität sicherstellen. Geschäftsführer Sebastian Heinzel erklärt die Tripwolf-Idee:

Tupalo

URL: tupalo.com
Service: Geo-basiertes Social Network mit User-Kommentaren und Bewertungen für Restaurants und Geschäfts.

Tupalo erstellt mit Hilfe seiner User-Community City-Guides, die sich an “Places of Interest” orientieren. Nutzer können Restaurants, Geschäfte und andere Locations eintragen und bewerten und wahlweise alle Kommentare oder nur die favorisierten Plätze ihrer Freunde auf der Karte anzeigen lassen. Im folgenden Video erklärt Mitgründer Clemens Beer die Tupalo-Philosophie:

Play.fm

ULR: play.fm
Service: elaboriertes Online-Radio, spezialisiert auf elektronische Musik und DJ-Sets.

Podcasts und Audiobücher sind eine Sache – das phatte Set aus dem Club von letzter Nacht eine ganze andere. Play.fm spezialisiert sich auf DJ-Culture und hat für Afficionados elektronischer Musik eine ganze Menge anzubieten. Mastermind Georg Hitzenberger stellt sein Online-Radio vor:

Kununu

URL: kununu.com
Service: Bewertungsplattform, auf der Mitarbeiter Unternehmen bewerten können.

Kununu hat in der Vergangenheit für einige Aufregung gesorgt: dass Spannungen entstehen, wenn Ex-Mitarbeiter ihr Ex-Unternehmen in den virtuellen Schmutz-Orkus ziehen, ist klar. Doch im Social Web müssen Companys nun an einer weiteren Front um die High Potentials fighten, wie Firmengründer Martin Poreda erklärt.

Toursprung

URL: toursprung.com
Service: Toursprung entwickelt Karten-basierte Social Software für touristische Anwendungen.

Helge hielt sich bei der Vorstellung von Toursprung kurz und knapp: dabei bastelt das Unternehmen äußerst spannende Social-Software für den Tourismus-Bereich und zeichnet unter anderem für Bikemap, Runmap und Wandermap verantwortlich – mehr zu Toursprung und Social Mapping Software demnächst auf datenschmutz!

Damit sind wir am Ende meines kleinen Start-Up Panoptikums – alle Videos gibt’s gesammelt auch im Video-Album Austrian Start-Ups. Und vielleicht ergibt sich ja in der näheren Zukunft mal die eine oder andere Interview-Möglichkeit mit weiteren unerschrockenen Cyberspace-Entrepreneurs!

Blogistan Panoptikum KW23 2009

In Österreich beherrschte ein Thema die Blogwoche wie kein zweites: denn die Gründen des ÖIR schlug höchste Wellen bis zur FuZo-Titelstory und ist zugleich auch der Grund, weshalb dieses Panoptikum mit einem Tag Verspätung erscheint. Denn aus dem geplanten Softlaunch wurde nix – das überaus vitale Interesse der Community zwang den Vorstand zu raschem Handeln, welches unverzüglich fortgesetzt wird: am kommenden Woche lädt die Modul-Uni Wien zum Barcamp am Kahlenberg, wo wir eine Session über unsere bisherigen Erkenntnisse in punkto Selbst-Ethik halten werden. Aber nun – without much further ado – mit einem Kopfsprung mitten hinein in die Ereignisse der Woche!

Ignoriere jeden!

Ruhe sein! Hugh Macleod von Gapingvoid hat sein erstes Buch veröffentlicht, es trägt den Titel Ignore Everybody: And 39 Other Keys to Creativity. Ich hab mir meines gerade vorbestellt – und bin gespannt auf die enthaltenen Cartoons:

The first rule of business, is never sell something you love. Otherwise you may as well be selling your children.

Twitter auswerten und analysieren

Max hat beim Expertenforum (generische Namen mag ich!) gemeinsam mit Meral einen Vortrag über Twitter-Monitoring gehalten – die zugehörige Prezi sollte Brand-Strategen brennend interessieren:

Mein Vortrag beschäftigte sich damit was man alles mit den Unmengen an Tweets, die sekündlich geschrieben werden, anfangen kann, bzw. wie man sie auswerten und analysieren kann und warum dass für Unternehmen wichtig ist.

Mit Pip-Boy unterwegs in den Wastelands…

Sind künftig nicht bloß Fallout-Spieler in postatomaren Nuklearwüsten. Engadget berichtet über ein flexibles OLED-Display, bezweifelt aber dessen Smoking-Tauglichkeit:

The 4-inch organic electroluminescent display sports up to 1.67 million colors, QVGA (320 x 240) 100ppi resolution, and can be bent to a curvature radius of about 2 inches. Hopefully, this doesn’t become a must-have fashion accessory any time soon: while it’s perfectly appropriate attire for post-apocalyptic wastelands, we don’t know how well it’ll fly at the sorts of high society social events we normally frequent.

Seesmic Desktop braucht keine Luft

TechCrunch interviewte Seesmic-Gründer Loic LeMeur – und der charmante Leena Rao gelang es, Loic einige hochspannende News zu entlocken:

According to Le Meur, Seesmic will soon be offering a browser based client. This offering is actually appealing, considering that Adobe’s AIR platform has some strange UI bugs and quirks and tends to use a good amount of resources on computers. And Seesmic will also launch an iPhone app, which is currently under wraps along with the web-based product.

Jeremys Affiliate-Network Erfahrungen

Jeremy Shoemaker schreibt schon lange über Affiliate Marketing – doch seit einem Monat betreibt er ein eigenes Affiliate-Network, und das erste Zwischen-Resümee ist absolut lesenswert; gelauncht wurde das ganze wegen des aktuellen Gratis-Kurses; bin schon neugierig, was sich der Meister da wieder hat einfallen lassen:

Sure I hear you… your thinking “Why the hell would you pay people to sign up for a free course?” It’s a great question and I think when the dust settles around the shoemoneyx.com program I will write all about it, why I did what, and what exact effect it had. I do have a method to my madness but it’s not as many have guessed. We will see if it works but that is for another post

Twitter wird zur Infrastruktur

Der Regular Geek beleuchtet einen wichtigen Aspekt von Twitter – was als Online-Service begann, ist gerade dabei, sich zur fixen Netz-Infrastruktur zu wandeln:

So, why is marketing and economy so important to Twitter becoming infrastructure? Without an economy building on top of Twitter data and functionality, Twitter would just be a toy. With people researching the data that is generated from Twitter, it becomes much more important. In order to monetize the system, they can sell the data, but monetization becomes much easier when you become ubiquitous.

Da hat er recht – und mit dem steigenden Interesse an Echtzeit-Suchmöglichkeiten und den vielen Mash-Ups wird uns das Vögelchen wohl noch eine Weile erhalten bleiben!

Bing schlägt Yahoo

Schaut so aus, als hätte Bing in den USA einen überaus erfolgreichen Start hingelegt: TechCrunch berichtet, dass Microsofts neue Suchmaschine die bisherige Nummer zwei bereits überflügelt hat – jetzt stellt sich die Frage: Anfangsinteresse oder Dauertrend?

The company’s analysis for Thursday finds that in the U.S. Bing overtook Yahoo to take second place on 16.28%, with Yahoo Search currently at 10.22%. For the sake of comparison: Google’s U.S. market share is pegged at 71.47%, and its worldwide share at a whopping 87.62% (vs. 5.62% for Bing and 5.13% for Yahoo).

König Content entthront

Inhalte seine ganz und gar nicht das wichtigste, sagt Viral Garden. Wer nicht aktiv an der Social Media Sphäre teilnimmt und auf seinen virtuellen Output aufmerksam mache, der ziehe mit guten Inhalten allein noch keine Besucher und vor allem keine diskutierenden Leser an:

Every day I read hundreds of blog posts. And every day, I see dozens of truly GREAT posts that get no comments. Every day I see dozens of pretty good posts that get dozens of comments and have vibrant conversations.
The difference? Most of the bloggers that write those pretty good posts are also pretty good about leaving their blog and interacting with people on OTHER sites. They comment on their reader’s blogs. They tweet their links on Twitter. They are ACTIVELY social with social media.

Interessante These… ich würd mal ganz diplomatisch behaupten: beide Seiten der Medaille sind relevant. Nur, dass es gar keine Medaille ist, sondern ein mindestens 99seitiger Würfel :-)

Foto der Woche

Ich geb’s zu: die Entscheidung war unmöglich… sowohl der freifliegende Vogel (freihändig aufgenommen!), A direct path von eyesplash Mikul, als auch die liegende Wölfin im Züricher Zoo von Tambako the Jaguar finde ich sensationell:

picweekbird

picweekwolf

Video der Woche

Boote sind auch nur Menschen – und zwar ganz schön hinterhältige! Wer schon mal an einer rutschigen Reling gescheitert ist, wird den Schmerz der Protagonisten dieses Clips vollauf teilen können:

Und das war’s auch schon mit dem dieswöchigen Panoptikum – danke für Ihre Aufmerksamkeit, bleiben Sie datenschmutz und dem ÖIR gewogen, vergessen Sie nicht darauf, sich selbst zu kontrollieren: dann wird alles gut und wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Gastbeitrag für die ÖW: Tourismusmarketing im Web 2.0

Diesen Text habe ich auf Einladung von Christian Lendl für die zweite Auflage des “Social Web Wegweiser” geschrieben. Die Österreich Werbung will mit diesem Printprodukt Touristikern die Möglichkeiten des Social Web nahe bringen. Die erste Auflage ist vergriffen, mein Beitrag erscheint gemeinsam mit Gastkommentaren verschiedener Experten im Sommer in der “Reloaded” Version.

Der Durchlauferhitzer der Eigenpropaganda läuft auf Hochtouren: selbst der best-isolierte Marketing-Direktor kann sich dieser Tage vor der Information, dass man “im Social Web was tun müsse” kaum verschließen. Natürlich verstehen es Online-Berater und Marketing-Gurus besser als alle anderen, ihre eigenen Leistungen online lautstark anzupreisen, dabei eignet sich bei weitem nicht jedes Social Media Service für jedes Produkt. Tourismus allerdings ist ein hochgradig emotional besetztes Feld, ein Thema, über das Kunden freiwillig gerne und ausführlich diskutieren – und diese Tatsache ist die beste Grundlage für Social Marketing Kampagnen, die man sich wünschen kann.

braunsberg-sonnenuntergang

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Österreich darf das CERN nicht verlassen!

In meiner heutigen AT-KFOR Vorlesung an der Publizistik Wien musste dieses Thema natürlich auf die Tagesordnung: denn das, was sich “Wissenschaftsminister” Johannes “Gio” Hahn da geleistet hat, kann allen österreichischen Forschern, Studenten und Lehrenden nur peinlich sein, sogar jenen, die sich weit abseits der Physik bewegen: überraschend und einseitig kündigte er einseitig die Zusammenarbeit mit dem CERN. Eine kurzfristig ins Leben gerufene Petition gegen diesen peinlichen Irrsinn kann und sollte man unbedingt auf sos.teilchen.at/petition/ unterschreiben.

Warum? Dafür gibt es eine ganze Reihe ausgezeichneter Gründe:

  • Das CERN ist *das* europäische Forschungs-Kooperations-Vorzeigeprojekt. Ich zitiere aus der Petition:

    CERN steht für Forschung in Elementarteilchenphysik und Kosmologie. CERN ist ein leuchtendes Beispiel für Exzellenz durch europäische Zusammenarbeit. CERN bedeutet Vision für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

  • Gute Überleitung zum nächsten Punkt: die Beendigung dieser Zusammenarbeit gefährdet den Wissenschaftsstandort Österreich. Die Art der Teilchenforschung, die am CERN betrieben wird, ist derart aufwendig und teuer, dass ein einzelnes Land sich eine derartige Anlage kaum leisten könnte. Am CERN hängt eine immense, über ganz Europa verteilte Forschungs-Infrastruktur mit umfangreichen Projekten, die ohne experimentelle Überprüfung so nicht stattfinden könnten – in der Vergangenheit resultierten diese Forschungen nicht selten in Nobelpreisen.
  • Die Partnerschaft Österreichs am CERN, das nach einer größeren Ausbau-Phase und dadurch bedingten Pause demnächst wieder in operativen Betrieb gehen wird, besteht seit 50 Jahren. Die Kosten der Beteiligung stehen in keiner Relation zu den Durchbrüchen in der Grundlagenforschung, die in dieser Zeit erzielt wurden und die immer wieder in praktischen Anwendungen gipfelten – manchen von ihnen sind aus dem 21. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken (Stichwort: Computertomographie, Stichwort: World Wide Web, Stichwort Durchbrüche in der Krebsdiagnose und -therapie). Ein näherer Blick auf die Kosten macht Sie sicher:

Die CERN-Beteiligung kostet jeden Österreich €2 pro Jahr, anders ausgedrückt beträgt die Gesamtsumme 16 Millionen Euro. Das sind 0,47 Prozent des Wissenschaftsministeriums-Budgets, welches 2009 gegenüber 2008 um 15% erhöht wurde. Dem gegenüber stehen im Zeitraum 1994-2007 CERN-Aufträge an die österreichische Industrie im Wert von 73 Millionen Euro.

Video: CERN in 3 Minuten erklärt

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In wirtschaftlichen Krisenzeiten aus einem solchen Projekt auszusteigen – Albanien hat übrigens kürzlich seinen Aufnahme-Antrag gestellt – bedeutet eine nachhaltige Schädigung der österreichischen Spitzenwissenschaft, Qualitätseinbußen bei der Ausbildung und Verdienstentgang in Hi-Tech Branchen. Waren das nicht genau jene Felder, die Sie, Herr Hahn, beim Antritt Ihres Amts mit Elite-Unis und der Steigerung des Arbeitsplatzes Österreich für ausländische Spitzenkräfte steigern wollten?

cern

Ihr Wissenschaftsministerium hat im Vorfeld der überraschenden Aufkündigung unserer Partnerschaft weder mit österreichischen Experten noch mit dem CERN in irgendeiner Form einen Dialog gesucht. Erklären kann sich Ihre Entscheidung niemand – es gibt lediglich Spekulationen:

Da es bei rationaler Betrachtung sehr unwahrscheinlich ist, dass jemand zu dem Schluss gelangt, ein CERN Austritt könne nützlich sein für Österreich, sind es wahrscheinlich irrationale Gründe. Auch Wissenschafter und Ministeriumsbeamte sind Menschen mit Emotionen, und diese umfassen nicht nur positive wie Liebe, Begeisterung und Hingabe, sondern auch negative, wie Angst, Neid oder Gier.

Auch Science Buster Prof. Heinz Oberhummer, für seine Forschungen in theoretischer Physik nominiert für den Nobelpreis, zeigte sich beim Alien-Special am letzten Samstag im Rabenhof äußerst indigniert über diese “historische Fehlentscheidung” (Zitat Prof. Dr. Herbert Pietschmann): seine galgen-humorige Erklärung: die niederösterreichischen VP-Politiker haben möglicherweise bemerkt, dass sich in Seibersdorf (das hiesige Forschungszentrum kooperierte bislang eng mit dem CERN) keine Günstlinge aus dem Bauernbund jobtechnisch unterbringen lassen. Das mag überspitzt formuliert sein, trifft den Nagel der österreichischen Kleinkariertheit allerdings auf den Kopf. Völlig ernst zu nehmen dagegen ist seine Anmerkung, dass mit dem Betrieb des neuen LHC (Large Hadron Collider) sozusagen die “Erntezeit” für zahlreiche, auch österreichische, Forschungsprojekte vor der Tür steht. Zitat aus dem Beitrag No we can’t am Science-Busters Blog:

Es geht um jährlich 16 Millionen Euro. Um das ins richtige Maß zu stellen: Das sind etwa die Verluste, welche die Österreichischen Bundesbahnen derzeit in gerade einmal drei Tagen einfahren. Damit ist die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Teilchenphysik in Österreich überhaupt gefährdet.

Man vergleiche hierzu auch dieses Zitat von Prof. Herman Feshbach, Nobelpreisträger 2004:

Scientific prospects at CERN have never been brighter and more exciting, as the great Large Hadron Collider (LHC) project approaches its operational phase. Many years’ investment in research, development, and construction are about to bear fruit. There are good reasons to anticipate discoveries that will dramatically advance our most basic understanding of what the physical world is made of, how it works, and even how it came to be. While the primary goal of CERN is to address such fundamental issues, the laboratory is also a treasury of engineering marvels. It has been a seedbed of innovation in computer and communications technology, cryogenics, and large-scale, high-tech project management. Young people learn cutting-edge skills at CERN that they take back to businesses and schools of their home countries. For these reasons I believe that CERN has yielded, and will continue to yield, excellent long-term returns on investment, just as a matter of economics, even apart from its unique scientific value. In addition, since its origins in the aftermath of World War II, CERN has been an inspiring, visible symbol of European unity and cultural vitality. It would be a great loss for Austria, and a blow to Europe and the scientific world, if short-term thinking and lack of vision caused Austria – birthplace of Ludwig Boltzmann, Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Victor Franz Hess, and Lise Meitner – to pull out of CERN now.

Was können Sie tun?

Unterschreiben Sie die Petition (das funktioniert ganz simpel online): Sie soll das Parlament dazu bewegen, die Hahn’sche Entscheidung abzulehnen. Bereits über 10.000 Personen (Stand: 12. Mai) haben ihre Unterstützung kund getan. Hinterlassen Sie einen Kommentar auf der Seite des Instituts für Hochenergie-Physik oder am besten: schreiben Sie direkt einen Brief an Wissenschaftsminister Johannes Hahn und/oder die zuständigen Politiker. Nutzen Sie Ihre Social Media Kontakte, informieren Sie Ihr Umfeld über diese kurzsichtige aber schwer rückgängig zu machende Entscheidung – auf Facebook gibt’s bereits eine Gruppe, der man beitreten kann. Und wenn Sie selbst ein Blog betreiben: machen Sie Stimmung und lassen Sie nicht zu, dass eine so wichtige Entscheidung im in .at so beliebten Blitzverfahren getroffen wird – DANKE!

Particle Hunters: Video über das CMS-Experiment CERN

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Reaktionen aus der Blogosphäre:

Werbeplanung.at Handbuch Nr. 4 erschienen

Ein wahres Paradies für Zahlenliebhaber ist das dieser Tage erschienene ÖWA Plus Handbuch mit den soziodemographischen Daten der österreichischen Internet-Nutzer aus dem vierten Quartal 2008. Wer hierzulande im quantitativen Bannermarkt mitspielen mag, kommt nicht umhin, das teure Zählpixel einzubauen. Dementsprechend aufgeregt wedelte die fellige Dame des Hauses, die vor kurzem den grauen Markt des paid targetted traffic entdeckte, mit dem Schwanz, als ich meinen Umschlag öffnete:

werbeplanung

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Duales Systemdebakel: Kloiber will ATV halbieren

atvhalbIn anderen Ländern mit vergleichbarer Struktur wäre von einem Medienskandal gröberen Ausmaßes die Rede, in .at dagegen rauscht die Ankündigung von ATV-Eigentümer Herbert Kloiber, die Hälfte der 130 Mitarbeiter zu entlassen und künftige Produktionsaufträge nicht mehr in Österreich zu vergeben, relativ ungehört durch den Blätterwald. Diese Maßnahmen wolle er umsetzen, sofern die “Medienförderung für private Sender in der Budgetrede am 21. April nicht einmal im Subtext vorkomme,” so Kloiber. Ich habe aus aktuellem Anlass ein Interview mit Alexander Millecker, Leiter der aktuellen Redaktion von ATV (aka Nachrichtenchef), geführt.

“Vergleicht man heute ORF1 und ATV, dann läuft bei uns mehr selbst und in Österreich produziertes Programm – ORF1 sehe ich daher längst nicht mehr als öffentlich-rechtlichen Sender,” so Alexander Millecker. Die Stimmung unter den Mitarbeitern befindet sich verständlicherweise nicht gerade am Höhepunkt, trotzdem verstehen die meisten die Beweggründe ihres Chefs – denn ohne Druck der EU gäbe es in Österreich vermutlich heute noch kein duales System.

Dem Standard ist die Meldung gerade mal 11 Zeilen wert, die Diskutanten finden die Ansage Kloibers großteils zynisch und menschenverachtend. Dass die Ansage keineswegs aus heiterem Himmeln kommt, sondern letztendlich das Resultat einer konsequenten Medienversäumnis-Politik darstellt, wird dabei natürlich mit keinem Wort erwähnt. Doch wir erinnern uns: vor nicht allzu vielen Jahren war die Alpenrepublik mit Ausnahme Albaniens das einzige europäische Land ohne privaten Rundfunkanstalten. Nicht zuletzt im Zuge des EU-Beitritts entstand Handlungszwang, entstanden Privatradios und Fernsehsender. In einem so kleinen Land wie Österreich gelten aber einige Spezifika, die Nationalökonomen unter dem Begriff “Economies of Scale” zusammenfassen. Bei knapp 8 Millionen Einwohner ist eben jede Sparte in absoluten Zahlen weitaus kleiner als in größeren Ländern.

Sieht man Fernsehen trotzdem als öffentliches Gut an, muss eben der Staat angreifen und die Versorgung sicherstellen – und das hat er in immensem Umfang auch getan, aber eben nur für den staatlichen Rundfunk. Anders als ZDF und ARD in Deutschland beschränkt der ORF sein Angebot keinesfalls großteils auf Non-Unterhaltung, ganz zu schweigen von einem abendlichen Werbeverbot. Die Mischfinanzierung aus Zwangsgebühren und Werbeeinahmen reichte bislang sogar aus, um eine ganze Armada “weißer Elefanten” durchzufüttern, denn selbstverständlich muss die ORF-Führungsriege von jeder neuen Regierung ausgetauscht werden. Da bleibt für die beiden Privatsender ATV und PULS4, die schon lange eine Beteiligung an den RF-Gebühren fordern, nix mehr vom Kuchen übrig, schließlich lässt sich staatliches Fernsehen viel besser mit der Politik verzahnen.

Vor diesem Hintergrund wird der “Erpressungsversuch” Kloibers durchwegs verständlich. Was mich allerdings wirklich überrascht hat, ist die nicht bloß strategische, sondern faktische Inkompetenz der handelnden politischen Personen, die man mit etwas gutem Willen auch als Desinteresse bezeichnen könnte. Hier ein gekürzte Form des Interviews – das komplette Gespräch gibt’s als Stream zu Anhören:

Interview mit Alexander Millecker

ritchie: Das Statement des ATV-Besitzers, die halbe Belegschaft entlassen zu wollen, sorgt für weniger Aufregung als man erwarten könnte – ist die Drohung ernst zu nehmen?

Alexander Millecker: Herbert Kloiber hat diese Ankündigung schon vor längerer Zeit in Cannes gemacht. Ich glaube, dass er sich die Sache sehr genau überlegt hat; eine solche Ankündigung macht man nicht leichtfertig. Es handelt sich um den traurigen Höhepunkt einer langen Geschichte der Ignoranz in der österreichischen Medienpolitik. Bereits zwei Vorgängerregierungen haben diese Förderung für privaten Rundfunkbetreiber versprochen und sogar in der Koalitionsvereinbarung verankert. Obwohl diese Ankündigung – ein paar dürre Zeilen – fast unverändert übernommen wurde, haben Gespräche gezeigt, dass offensichtlich kein Interesse besteht, diese Förderung auszuschütten.
In der aktuellen Situation, in der quasi jedes Medium mit Werberückgängen rechnen muss, kann das natürlich durchwegs existenzbedrohend sein. Die Verantwortung trägt aus meiner Sicht ganz klar die österreichische Medienpolitik.

?: Wäre die Auszahlung eines Teils der ORF-Gebühren an private Rundfunksender ein gangbarer Weg?

!: Natürlich könnte man von Seiten des Gesetzgebers her Rundfunk als “Public Value” ansehen und dann sagen, jeder, der Public Value anbietet, hat ein Recht auf öffentliche Förderung; das ist eine Möglichkeit, aber gar nicht unbedingt jene, die wir haben wollen. Wir bestehen auch gar nicht konkret auf einer speziellen Medienförderung. Was wir wollen, sind faire Marktbedingungen. Der ORF finanziert sich zu zwei Drittel durch Gebühren und zu einem Drittel über Werbung. Wenn der Herr Wrabetz – das muss man ganz offen sagen – aufgrund seiner nicht sehr glücklichen Programmpolitik und einiger anderer Faktoren jetzt einen höheren Finanzbedarf hat, dann ist das eine Sache. Aber in keinem anderen Land wird der Werbemarkt derart vom staatlichen Rundfunk dominiert; und wenn der ORF nun zusätzliche Ausweitung der Werbezeiten möchte, weil die Finanzierung in Krisenzeiten schwieriger fällt, dann muss man bedenken, dass sich privates Fernsehen nicht zu einem Drittel, sondern zu 100 Prozent aus Werbeeinnahmen finanziert; die Situation ist damit, wenn man so will, dreimal so schwierig.
Wir hängen nicht an dem einen oder anderen Modell, sondern wir wollen faire Marktbedingungen und wir wünschen uns, dass die Regierung dem altbekannten Lippenbekenntnis zum dualen System endlich Taten folgen lässt – sei es in Form der versprochenen Medienförderung oder in anderer Art und Weise.

?: Hat die Politik denn überhaupt ein Interesse an einer Veränderung der Situation?

!: Erstaunlicherweise nicht, und zwar vollkommen unabhängig von der Parteifarbe. Man möchte meinen, dass in einem demokratischen Staat des 21. Jahrhunderts Medienvielfalt per se einen Wert darstellt, sonst wäre ja eine Presseförderung ebenfalls sinnlos. Niemand käme auf die Idee, den Standard oder Die Presse abzuschaffen, weil diese Zeitungen ohne staatliche Förderung nicht überlebensfähig wären. Dabei dominiert der ORF den Fernsehmarkt ja nicht nur Werbebereich, sondern auch den Einkauf – und überbietet trotz der angeblichen Finanzkrise Privatsender beim Einkauf von Serien und Filmen. Aber der Politik scheint die Situation kein echtes Anliegen zu sein.

?: Ich find’s ja unglaublich ignorant von SPÖ-Spitzenkandidat Faymann, den Diskussionsrunden im Privat-TV fernzubleiben – eigentlich ein deutliches Signal.

!: Ich kann mir schon vorstellen, dass für Parteien bzw. Parteisekretariate der Umgang mit privaten Medien nicht so einfach ist. Sie haben hier weder Einfluss auf die Besetzung in meiner Redaktion, noch kümmert es mich, wenn irgend jemand anruft und glaubt, er könne sich bei einer Sendung rein- oder rausreklamieren. Das ist bei den Kollegen vom ORF wahrscheinlich nicht immer so, aber darin besteht auch unser Vorteil. Zuständige Politiker – ich möchte keine Namen nennen – wussten, wie sich in Gesprächen zeigte, nicht einmal, wie viele Mitarbeiter ATV hat. Da war die Rede von 50 Personen, dabei arbeiten allein am Standort Wien 120 Personen, dazu kommen natürlich noch die freien Mitarbeiter sowie sämtliche Produktionsfirmen und Dienstleister, die von ATV abhängen. Das sind insgesamt 400 bis 500 Arbeitsplätze, und insofern finde ich diese Einstellung der Politiker wirklich kurzsichtig: wenn irgendwo 100 Leute in Kurzarbeit geschickt werden, ist schnell mal ein Politiker zur Stelle, um eine Wortspende vor den Kameras abzugeben. Doch obwohl in diesem Fall mehrere 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze gefährdet sind, gab es bislang überhaupt keine Reaktion.

Das komplette Interview anhören:

Telekom: Folgt Hannes Ametsreiter Boris Nemsic?

ametsreiterHannes Ametsreiter muss sich was von Chuck Norris abgeschaut haben, denn sein Tag hat definitiv mehr als 24 Stunden. Nach dem Mobbing-Ausrutscher seines Kollegen Schieszler, der auf einer Konferenz im Ausland in grottig schlechtem Englisch detailliert erklärte, wie die Telekom zu teure, ältere Mitarbeiter loszuwerden gedenkt, übernahm der CEO der Telekom Austria AG kurzerhand dessen Personalagenden mit. Aber zukünftig wird Microsoft eine eigenen Outlook-Version rausbringen müssen, denn getreu dem Motto: wer zwei Jobs gut erledigt, kann auch drei machen. Und Boris Nemsic braucht einen Nachfolger, soviel steht fest.

Für Mitarbeiter scheint Hannes Ametsreiter ein gutes Händchen zu haben, zumindest erzählten mir bei der mobilkom diverse Callcenter-Mitarbeit begeistert von der Freundlichkeit des obersten Chef bei der Morgenvisite. Ob Ametsreiter, der nebenbei auch noch Marketingvorstand der mobilkom austria AG ist, dafür zukünftig noch Zeit finden wird, steht auf einem anderen Blatt: denn nur einen Tag nach dem Bekanntwerden von Boris Nemsic’ Wechsel zu russischen VimpelCom (die Originalbänder der Nemsic-Fernsehwerbespots werden von CEO-Devotionalien-Sammlern bereits in Tresoren verstaut) wird nun darüber diskutiert, ob HA nicht dessen Nachfolger werden solle. Über die Abfertigung von Boris Nemsic wird, wie das bei jeder U-Bahn Abfahrt aktualisierte Qualitätsblatt “Heute” berichtet, ebenfalls diskutiert.

“Angesichts dieser Zahlen (-438 Mio. in Q4/08) muss es sowohl für den Aufsichtsrat als auch für die Miteigentümerin ÖIAG wichtigere Agenden geben,” kritisiert Staatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) gegenüber Heute. Er erwarte sich gerade in Zeiten der Krise ein verantwortungsvolles Management, “das nicht über eine Abfertigung für einen freiwillig scheidenden Vorstand diskutiert.” [Heute vom 3.3.2009, S.6]

Der hat ja mal keine Ahnung, der Schieder. Aber was sollen Sozialisten auch von der freien Wirtschaft verstehen – man kann doch “in Zeiten der Krise” keinen Vorstand verhungern lassen! Und in Russland sind die Heizkosten bekanntlich hoch. Andererseits haben gelernte Österreicher die Pointe mit “freier” Marktwirtschaft längst bemerkt, denn warum spräche sonst ein Staatssekretär im Namen der ÖIAG? Die Politik sollte sich mal ein Beispiel nehmen: wäre Ametsreiter statt Michaelis auch Chef der ÖIAG und zuständiger Staatssekretär, gingen derartige Entscheidungsprozesse so rasch vonstatten wie derzeit Diskussionen zwischen Personalvorstand und CEO. Und Abfertigungen müsste man künftig auch keine mehr zahlen.

Da drängt sich doch in der Tat nicht bloß dem Schelm der Vergleich mit einer Berufsgruppe auf, die in den letzten Wochen keinen Hehl aus der ihr stets nachgesagten Arbeitsscheue machte: die österreichischen Lehrer wollen keinesfalls bei gleichbleibendem Gesamtkontingent zwei Stunden mehr in der Schule zugunsten zweier Stunden weniger zuhause arbeiten. Die sollen sich mal ein Beispiel an Hannes Ametsreiter nehmen! Der wäre nicht nur Lehrer, sondern Direktor an mindestens drei Gymnasien. Andere wiederum beschweren sich und stellen die Frage: Ist denn ganz Österreich ein einziges BZÖ? Haben wir wirklich so wenig fähiges Personal, dass niemand von unten nachrücken kann? Ich kenn da eine total nette junge Dame von meinem Postamt, die würde auch die Frauenquote in der Führungsetage heben! Also falls zufällig jemand hier mitliest, zum Beispiel der Personalvorstand… ups.

Blogistan Panoptikum KW09 2009

schinaWilde Zeiten erfordern wüste Maßnahmen oder so ähnlich – ich werd mich jedenfalls als stiller Teilhaber an Petes Wealth Therapy Imperium beteiligen! Und hoffen, dass dies kein guter Vorsatz ist, denn sonst scheitert er spektakulärer als der volltrunkener Matrose an einer Doppelglas-Drehtür – es sei denn, die Belohnung ist größer als das Straußenei des Kolumbus, denn nur wer Rootrechte erlangt, hat die volle Kontrolle – und blickt entspannt zurück auf eine Woche voller Wochentage.

Österreich im Zweinullweb

Helge hat eine Liste österreichischer Web 2.0 Projekte zusammengestellt – von T wie Twoday bis T bis Tunesbag. Und U wie Urgestein bis H wie Hacker, trotzdem ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und weil das Land relativ klein, muss man sich nicht mal eine Woche frei nehmen, um sämtliche Services ausprobieren!

Von exotischen Radio-Erotomanen

Man könnte fast in Versuchung geraten zu vergessen, dass der DAB-Standard, also digitales Radio, überhaupt existiert. Digitales Radio – sind damit nicht Podcasts und net.radios gemeint? Nicht notwendigerweise! Denn irgendwo geistert in den Köpfen schließlich noch die Idee der Vollversorgung herum, trotz Vegetieren des Formats:

Ob wir alle solchermaßen noch mal auf das Kürzel DAB eingeschworen werden, darf nun allmählich doch bezweifelt werden. Trotz einiger hundert Millionen Euro, die seitens der EU in eine technokratische Idee gesteckt wurden. Und eventuell noch werden. Mindestens gleichviele, omnipräsente und klaglos funktionierende UKW-Empfänger sprechen dagegen.
Der Radio-Enthusiast hat längst ein anderes Lieblingsspielzeug erkoren: Webradio. (Fast) jedes Handy kann das heutzutage, jeder PC und Laptop, von Spielkonsolen, Streaming Clients und HiFi-Anlagen mit Netzanschluss ganz zu schweigen.

Aber, wie Walter völlig richtig schreibt: im Auto geht halt noch recht wenig, und der Verkehrsfunk wär immerhin ein gutes Argument – wobei die in moderne Navis eingeblendeten Stau-Infos einen recht brauchbaren Ersatz bieten: letztendlich geht eben doch nix über Playlists on Demand.

Elevate-Festival-Videos online

Jedes Wort wurde penibelst für die Nachwelt dokumentiert, vom Aufzug bis zum Auszuck, Stichwort Scheiss-Internet – und seit letzter sind die Videos vom 2008er Elevate-Festival online und bequem auf blip.tv abrufbar – das hilft, die Zeit bis zum nächsten Schlossberg-Abshaken zu überbrücken, denn das Elevate war definitiv mein Party-Highlight des vergangenen Jahres:

SEO News der Woche

Yannick relativiert die Sagen- und Legenden-umwobene 3.000 Euro Aussage im neuen Interview, und noch wichtiger: er verdient mittlerweile eine Latte mehr. Gratulation – mit einem so frühen Kickstart im Web kann’s ja nur mehr rasant aufwärts gehen! Und a propos Qualität:

Verlagshäuser sollten nicht blindlings jeden Ratschlag ihrer betreuenden Marketingagentur folgen und ihre mühsam gewachsene Stammleserschaft auf Kosten einiger über Google und Co. generierter Leser aufs Spiel setzen.

Yup. Da kann ich SEO-United auch nicht widersprechen. Und, ein für allemal: Tippfehlern sind Online-Lesern keines egaler als Papierkonsumenten.

Besser als Baby Channel

Der zweite Teil der umfangreichen SEOmoz DVD-Reihe ist dieser Tage erschienen – bis zum 6. März gibt’s die 12 DVDs umfassende Advanced SEO Training Edition noch zum Early-Bird Preis, mein Exemplar ist schon am Postweg unterwegs – bin gespannt, was Rand Fishkin, Danny Sullivan & Co aktuell so zu erzählen haben:

Krishna rankt News

Warum nicht einfach besser ranken bei Google-News? Und wenn Krishna (Bharat, nicht der Hindu-Gott) noch so freundlich: ein Algorithmus ist kein Frosch und damit relativ leicht zu “überlisten”. Wobei überlisten in dem Fall dann tatsächlich zu einem Synonym für “sich an die Regeln halten” mutiert!

Ich lass mich nicht doubeln!

Erschöpft aber überglücklich lehnte sich der Autor zurück. Im Kamin verglomm langsam das letzte Holzscheit, die Hühner waren schon vor Stunden schlafen gegangen und das Licht des Mondes brach sich auf der schimmernden Schneefläche. “Möge der letzte Teil der Trilogie über Duplicate Content Segen bringen”, seufzte der St. Whitehat. Doch er hatte noch nicht mal sein Computer runtergefahren, als auch schon die erste Kopie im Netz auftauchte.

Video der Woche

Wenn man sich fragt wie die anderen glauben, dass man sich selbst sieht, wenn man sich vorstellt, wie die anderen einen sehen sollten, und man dann ein Video dreht, das einen selber so zeigt, wie einen die anderen der eigenen Meinung nach sehen sollten, dann hat das nix mit Realitätsfindung zu tun. Nein, es handelt sich entweder um ein Tourismusvideo oder um Kunst. Welches ist welches? Wer richtig rät, gewinnt einen kostenpflichtigen Anruf von einer 0900er Nummer.

Was soll man dazu noch sagen? Außer: Österreich liegt nicht in China. In diesem Sinne wünsche ich einen wunderschönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Gratis-Konferenzteilnahme: Identitätsblogger gesucht!

identitat09Für die 2-tägige Fachkonferenz “IDENTITAT09″ suchen die Veranstalter 1-2 Live-Blogger, die das interessierte Web 2.0 Publikum mit Echtzeit-Informationen von der Konferenz versorgen. Was den Job so spannend macht, ist einerseits die starke Praxis-Ausrichtung der Veranstaltung mit zahlreichen Keynotes aus dem Business-Alltag und andererseits der Preis für eine reguläre Teilnahme: 1.390€ kostet der Tagungspasse regulär. Gefragt ist dabei keinesfalls ein braver Wasserträger, sondern eine engagierte Bloggerin und/oder ein engagierter Blogger, die kritisch die aufgenommenen Inputs über die eigene Seite sowie Twitter reflektieren, Interviews mit den Keynote-Speakers sind ebenfalls gefragt. Zeit haben sollten Bewerber am 20./21. April, Veranstaltungsort ist das Austria Trend Hotel Kahlenberg.

Zur näheren Analyse des firmeninternen Identitäts-Managements laden Identitäter / Happy&Ness. Details zum Konferenzprogramm findet man hier, das Line-Up klingt spannend:

IDENTITAT09 bringt Keynotes unter anderem von Fachbuchautor Holger Schmidt und Unternehmenskulturspezialistin Sonja A. Sackmann. Dazu internationale Praxis-Beispiele von großen Marken und kleinen Paradeunternehmen: Shell, Henkel, EADS Astrium, Basler Versicherung, Sonnentor, dm drogerie markt, Atlas Copco Gruppe, Prisma Kreditversicherung, Nycomed Austria, Hotel Hochschober, mobilkom austria & Wirtschaftskammer Österreich.

Hochwertige Inhalte fürs eigene Blog und spannende zwei Tage – wem bereits der Blog-Speichel auf die Tastatur tropft, der bewirbt sich bei Daniela Terbu unter der E-Mail-Adresse d[DOT]terbu[AT]happyundness[DOT]at und beantwortet die folgenden Punkte:

- Kontaktdaten
– Was ist der persönliche Bezug zu Internal Branding?
– Was interessiert dich/Sie an der IDENTIAT09 besonders?
– Warum möchtest/möchten du/Sie als Blogger vor Ort sein?
– Blog-URL bzw. Themenschwerpunkt des eigenen Blogs.

Ich hab meine Bewerbung gerade abgeschickt… würd mir die Identitätskonferenz sehr gerne anhören. Also kann ich allen Mitbewerbern keinesfalls ehrlich “viel Glück” wünschen :mrgreen:

Laizisten haben mehr Spaß im Bett

Was wir von der Laizismus Initiative für Sie tun können, ist rasch erklärt: wir trennen Kirche und Staat fein säuberlich, denn Jenseits-gestützte Moralgebäude haben sowohl in aufgeklärten wie auch in postmodernen Gesellschaften bloß als freiwillige Mythen (wenn überhaupt) ihre Existenzberechtigung. Wer seinen gütigen oder blutrünstigen Göttern Tribut zollen möchte, soll dies bitte privat tun und ohne andere mental oder gar physisch zu pentrieren: Weiterlesen

ATVs neue Videocommunity: Beta-Keys zu vergeben!

ATV - BetakeysAm Barcamp Wien 2008 wurde das Konzept der neuen ATV-Homepage erstmals öffentlich präsentiert. Die Mischung aus Social Network und local-based Videocommunity erregte großes Interesse – und genau in diesem Moment hat die Closed Beta-Phase begonnen. Wer als erster einen Blick in auf die neue Community werfen will, sagt einfach via Kommentar, e-Mail oder Twitter-Message @datadirt Bescheid und der Beta-Key folgt prompt. Fünfzig Zugänge habe ich zu vergeben – wer zuerst kommt, surft naturgemäß zuerst! :mrgreen:

Die neue ATV-Videoplattform setzt auf die enge Verzahnung von On-Air Programm und Internet. Weitergehende Features, Hintergrundberichte und Eigenproduktionen sind zukünftig auch online abrufbar – allerdings bleibt’s natürlich nicht bei der Einwegkommunikation: User können selbst Videoclips hochladen, besonderer Fokus liegt dabei auf der geographischen Verortung der einzelnen Aufnahmen. Bekannte Social Network Features wie Freundesverwaltung, Pinwand und anpassbare Profilpage bilden das Frameworks für die Bewegtbildseite. Diverse Kanäle erleichtern die Navigation durch die User Generated Videos – bereits jetzt findet man hier diverse Perlen wie die legendären H.A.P.P.Y. Comedy Clips.

Der Videoplayer bietet äußerst brauchbare Bildqualität, eine Vollbildansicht ist möglich, HD Video wird jedoch nicht unterstützt. Alle Clips lassen sich wie gewohnt in Drittseiten embedden, kommentieren bzw. als Favorite abspeichern. Eine Besonderheit der Seite ist die Videotapete, die sich nach Empfehlungen bzw. Popularität sortieren lässt; wahlweise können spatiale Denker aber auch die Kartenansicht nutzen, auf der aktuelle Videos geographisch verortet werden und Textfans nutzen die Themenansicht, die an eine klassische Tag-Cloud erinnert.

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Die Closed-Beta-Phase wird bis Anfang März dauern und dann in die Public Beta übergehen. Wie im Begleitblog nachzulesen ist, sind einige Bereiche (etwa der Programmguide) noch nicht verfügbar. ATV betrachtet die Seite, wie sich’s für ein ordentliches Web 2.0 Projekt gehört, natürlich als Work in Progress – weitere Features, darunter einen Gruppenverwaltung, Status-Updates, Videokommentare und Private Messaging werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Das Design finde ich durchwegs gelungen, und die enge Verzahnung von On-Air Programm mit Online-Video verspricht auf längere Sicht interessante Mixed-Media Formate – doch wie bei allen Web 2.0 Projekten wird der Erfolg der Plattform weniger von einzelnen Features als von der Aktivität der User abhängen. Mir persönlich gefällt jedenfalls die Idee, auf den Longtail statt auf Landesstudios zu setzten :cool:

Wer neugierig geworden ist und einen Beta-Key haben möchte, sagt einfach via Kommentar, Twitter oder Kontaktformular Bescheid! Denn wo sonst erzählen M&M Nanseck und Kathi Lampe ihre Lieblingswitze?

In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen

Soeben lief auf ATV eine nicht nur in Kärnten gespannt verfolgte Doku über Jörg Haider. Die ließ relativ wenig Fragen zur Methodik und Vorgehensweise des österreichischen Rechtsaußen-Politiker Popstars offen. Wirklich gut gemacht – Respekt ans Redaktionsteam! Was noch zu sagen wäre: mir drängen sich Vergleiche mit Felix Mitterer auf, wenngleich nach rein formalen Kriterien.

Denn als seinerzeit die großartige mehrteilige Piefke-Saga besagten Autors erstausgestrahlt wurde, brachte der ORF im Anschluss an den finalen Teil eine Live-Diskussion zwischen Politikern, Grünen, Tiroler Schützen und anderen Weirdos – besagte Sendung galt fortan als informeller fünfter Teil des legendären Fernsehdramas. Und gerade eben diskutieren die grandiose Anneliese Rohrer, der Kabarettist Florian Scheuba und der Unbeschreibliche (und das ist, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, in *keinster* Weise positiv gemeint) Ewald Stadler mit Silvia Saringer über Werk und Wirken des Kärntner Polittalents. Herr Stadler ließ sich in Replik auf eine scharfzüngige Analyse von Frau Rohrer, die es traurig fand, dass der Jörgl, ginge nicht gerade jetzt der Kärntner Wahlkampf über die Bühne, kaum eine Erwähnung fände, zu folgender Aussage hinreißen: “In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen.” Er referenzierte mit seiner Wortmeldung eine CD des verunfallten Landeshauptmannes, auf der jener Kärntner Volkslieder intoniert. Ein Schelm, wer Parallelitäten zu Starmania “Mastermind” und Universal Österreich “Managing” Director Hannes Eder sieht.

Ja. Wirklich. Man ist Österreicher, in meinem Fall seit 32 Jahren. Man weiß, dass man in den Outskirts Europas lebt, quasi in einer irgendwie Deutschland zugehörigen Übersee-Kolonie, bloß ohne See. Man hat so einiges an Sado-Maso Staatskultur internalisiert, ist daran gewöhnt, dass hierzulande Provinzialität als Originalität hochstilisiert wird und glaubt am Ende irgendwann sogar noch, dass all die Scheiße ganz normal riecht – denn olfaktorisch nehmen wir bloß Differenzen wahr, Gnade der Evolution oder Gottes, je nach persönlicher Präferenz. Aber in kurzen Momenten weht dann ein frischer Wind, der wieder ungewollte Wahrnehmung ermöglicht. Danke Ewald. You gave me a bitter laugh.

Zwischenbericht vom Barcamp Klagenfurt

Barcamp KlagenfurtUnglaublich, wie schnell ein Tag vergehen kann – irgendwie kommt’s mir so vor, als hätten wir gestern um halb zehn gefrühstückt, und ein paar Minuten später war der erste Tag auch schon wieder vorbei. Spannende Sessions und angeregte Pausengespräche ließen den ersten Tag beim Barcamp Klagenfurt 2009 im Nu verfliegen. Insgesamt kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass wir einen weiten Bogen gespannt haben: von Max’ Vortrag über Obama und Online-Wahlkämpfereien bis zum Mickie Krauses “Finger im Po, Mexiko” beim abendlichen Karaoke. (Big up an den Wirt des Blauzeug, der extra für uns aufgesperrt hat!)

Die Location im Vorstufengebäude der Uni Klagenfurt ist für Barcamp-Zwecke einfach perfekt; in zwei voll-technisierten Seminarräumen finden die Sessions statt, die Aula bietet ausreichend Tische und sogar – eine Seltenheiten am BC – genügend Steckdosen. Ich habe am Nachmittag gemeinsam mit Hans-Peter eine Session zum Thema Affiliate Marketing gehalten – mit besonderem Fokus auf Performance-Based Modelle als Abrechnungsmodell mit (lokalen) KMU-Kunden. Dieser Bereich steckt in Österreich komplett in den Kinderschuhen, aber das wird sich in den nächsten Monaten rasant ändern: KMUs freuen sich über Gratis-Agenturleistungen, Affiliates verdienen weit besser als bei fixer Bezahlen – wenn es rechtzeitig gelingt, die lukrativen Nischen zu identifizieren und zu besetzen; mehr dazu folgt in Kürze in einem eigenen Beitrag:

Die Sonntags-Sessions haben gerade begonnen – gerade hält Jana einen hochspannenden Vortrag mit dem Titel “Twitterforschung: Initiationsritus des Microbloggens”. Bis zum Abend steht noch einiges an Input und Diskussion am Programm, und ich bin mir sicher, dass dieser Tag genauso schnell verfliegen wird wie der gestrige. Ein großes Dankeschön an Organisationsteam und alle Sponsoren! Wer heute mal reinschauen möchte, findet auf Ustream Live-Übertragungen aus Raum 1 und Raum 2 – hier ein paar fotografische Eindrücke vom Samstag:

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