"Was wäre Internet ohne O und R und F?" fragt die ORF Enterprise via Inserat auf der ersten Seite des dieser Tage erschienen Handbuch Nr. 5 von Werbeplanung.at. Nun, die Antwort ist simpel: es wäre ein Intenet.
Allerdings finde ich, dass im Anzeigentext einige essentielle Informationen fehlen und schlage daher für die kommende Ausgabe folgende überarbeitete Fassung vor:
Österreichs beste und zugleich schlechteste, weil nämlich einzige mit Steuergeldern und GIS-Gebühren finanzierte Seite: ORF.at, ab sofort im Portfolio der ORF-Enterprise. Mit 38,5% Netto-Monatsreichweite, das entspricht rund 1,9 Millionen Unique Usern pro Monat ist der ORF dank einer zauderhaften, demokratiepolitisch verantwortungslosen und generell abwesenden Medienpolitik als staatlicher Rundfunk nun auch im Web klare Nr. 1. Somit bieten wir Ihnen mit TV, Hörfunk und nun auch Online drei marktführende elektronische Medien, welche die Genese eines wirtschaftlich tragfähigen privaten elektronisch/digitalen Mediensystems wirksam verhindern - denn Österreich hat zu lange Zeit an der Grenze zum Ex-kommunistischen Block verbracht, um die Vorteile politisch besetzter Intendantenposten nicht zu kennen. Das perfekte 360 Grad Kommunikatioinsspektrum aus einer Hand - effizienter kann man nicht werben.Woanders auch nicht.
Ein wahres Paradies für Zahlenliebhaber ist das dieser Tage erschienene ÖWA Plus Handbuch mit den soziodemographischen Daten der österreichischen Internet-Nutzer aus dem vierten Quartal 2008. Wer hierzulande im quantitativen Bannermarkt mitspielen mag, kommt nicht umhin, das teure Zählpixel einzubauen. Dementsprechend aufgeregt wedelte Xsara, die vor kurzem den grauen Markt des paid targetted traffic entdeckte, mit dem Schwanz, als ich meinen Umschlag öffnete:

1. Die ÖWA (österreichische Web-Analyse) und ihre avanciertere Variante, die ÖWA plus, sind in der Alpenrepublik quasi die harte Werbewährung der großen Fische im Web-Teich: zur Teilnahme wird ein Zählpixel in die betreffende Homepage eingebaut, die Teilnahme ist kostenpflichtig. 2. Mir ist in letzter Zeit verstärkt aufgefallen, dass vorwiegend große und "professionelle" Homepages sich unglaublich viele Schnitzer bei der Programmierung leisten: entweder haben die jeweiligen Agenturen noch nie von xml-Validierung gehört, oder sie halten die Doctype-Deklaration für einen eigentlich unnötigen Nerd-Kommentar. Der Rekord lag bei über 300 Validierungsfehlern: damit verschenkt man natürlich ganz gewaltiges SERP-Potential. Synthese: was haben diese beiden Sachverhalte miteinander zu tun? Ganz einfach: ich werde ab sofort einmal monatlich ein alternatives Rating präsentieren: und zwar die Top-10 ÖWA-Sites, gereiht nach der Anzahl der Validierungsfehler. Und dabei gibt's auch was zu gewinnen, und zwar den begehrten Strunz [Trappatoni: Was machen Strunz?] in Gold-, Silber- und Bronze-Imitat.
Als Analysetool kommt der Validator des W3 Konsortiums zum Einsatz. Die Top-10 österreichischen Webseites ermittle ich anhand der Unique-Clients: dieser Wert ist meiner Meinung nach wesentlich aussagekräftiger als die Pageviews, die sehr stark von der Art des Angebots und der Seitenprogrammierung abhängen. (Obwohl Ajax & Co. bei Profi-Angeboten bislang eine Nischenrolle spielen.) Ich ziehe jeweils das aktuellste verfügbare Monatsranking heran - die ÖWA stellt die betreffenden Daten auf ihrer Homepage zur Verfügung, die Top Ten Sites werden anschließend durch den Validator gejagt. Die ÖWA trennt ihre Liste nach Einzel- und Dachangeboten: diese Unterscheidung interessiert mich für den vorliegenden Test nicht, ich verwende das gesamte CSV-Sheet, das die ÖWA auf ihrer Seite zum Download bereit stellt. Die meisten der gelisteten Seiten betreiben also mehrere Domains/Startseiten, für die Validierung wurde jeweils die Hauptadresse verwendet. Außerdem sind manche Angebote aufgesplittet vertreten: der ORF etwa ist auf Platz eins und zwei vertreten, und zwar jeweils mit dem Gesamtangebot und dem redaktionellen Angebot: in solchen Fällen ziehe ich immer das Gesamtangebot heran. Den ÖWA-Teilnehmern steht es übrigens frei, die jeweiligen Monatsdaten zu melden oder nicht - Seiten, die keine Unique Clients angeben, tauchen hier logischerweise auch nicht auf.
Die Reihung erfolgt absteigend nach der Zahl der Fehlermeldungen. Sollten eine oder mehrere Seiten nicht validierbar sein (Sonderzeichen, falsche Doctype-Deklaration etc.), so werden die vom Validator dafür angegebenen Gründe aufgeführt und die betreffende Seite gewinnt die Goldmedaille: bei mehreren Kandidaten gibt's ex-aequo auch mehrere erste Plätze. Et voilá, here we go:
(basierend auf den ÖWA-Daten von Juni 2008)
Die erste Ausgabe der datenschmutz Programmierfehler-Charts hat einen überlegenen Sieger: der echt-kupfer-vergoldete Strunz mit neonrotem Band geht an die nicht validierbare Krone.at. Nach einem knappen Rennen teilen sich Tripple.net und Tiscover mit je 331 Fehlern den echt-aluminium-versilberten Strunz, über den echt-plastik-bronzierten Strunz darf sich Austria.at mit 296 Fehlern freuen. Spannend wird's dann wiederum auf den hinteren Plätzen: als einziger mit langweilig-fehlerfreiem 0-Fehler Code landet derstandard.at auf gerade noch auf Platz zehn, während sich ORF.at mit sporadischen 5 Fehlern gerade noch so auf Platz 9 retten kann.
PS: im Übrigen freu ich mich natürlich wie ein Frosch im Sommerregen über die erstaunlich Tatsache, dass datenschmutz mittlerweile mehr Unique Clients hat als etwas gmx.at "Entertainment" und in etwa gleich viele wie Vienna Online "Community". Schade übrigens, dass Vienna.at nicht unter den Top-10 Seiten liegt: mit 316 Fehlern wäre immerhin Potential für einen guten dritten Platz vorhanden. Aber nun ohne weitere Umschweife zur Premierenwertung:
*) Es wurde kein Character Encoding angegeben, mit Fallback auf utf-8 war keine Validierung möglich.