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Artikel-Schlagworte: „persönlich“

Blogistan Panoptikum KW46 2009

Die datenschmutz-Redaktion im Blogistan-Panoptikum Fieber: Eifrig wird getippt, verifiziert, herumtelefoniert, Brieftauben bringen Nachrichten aus aller Welt, Ballonfahrer werfen Infopakete über Wien ab - jeden Sonntag bricht erneut Hektik in der Redaktionsstube aus, denn es gilt, Millionen Tweets, Blogbeiträge und Status-Updates in einen einzigen Rückblick zu pressen. Linzerscnitte und datenschmutz haben auch diesen Sonntag wieder für Sie die große Hydraulikpresse angeworfen und begrüßen die hochverehrte Leserschaft zu einem Mitternachts-Snack ins virtuelle Zirkuszelt - fast wie Palazzo, nur ohne Dinner und Artisten.

Twitter-Erbsenzählerei

Judith aka Linzerschnitte Dass Twitter sich im Wachstum befindet, merkt man nicht nur an der ausufernden Berichterstattung der Mainstream-Medien. Wieviele User gibt es aber jetzt genau? Wieviele kommen jeden Monat hinzu? Wieviele Follower hat der durchschnittliche Twitteruser, wie splitten sich seine Tweets in Replies, Retweets und ähnliches -diese Fragen stellen sich neben wirklich an Twitter interessierten Menschen vor allem die vielzählen Social Media Consultants! Und Sistrix war so frei, diesem Bedürfnis Befriedigung zu verschaffen - und wie immer ist die Stichprobe sehr repräsentativ ausgefallen:

Da Twitter sich leider nicht in der Lage sah, mir einen Datenbank-Dump auf einem USB-Stick zuzuschicken, musste ich einen anderen Weg finden, um an eine ausreichende Datengrundlage zu kommen. Glücklicherweise hat Twitter eine recht umfangreiche API, die bei der richtigen Sonne-Mond-Konstellation sogar manchmal funktioniert. Wenn man sich bei Twitter anmeldet, erhält man eine aufsteigende Nummer (ID). Aktuell liegt diese Nummer bei rund 85 Millionen. Ich habe nun ein kleines Script geschrieben, das die Daten von Twitter-Accounts über die API abfragt und speichert. Rund 10% aller Accounts scheinen mir ausreichend, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen.

Das Orakel von Delphi spricht

ritchie aka datadirt Salvia Divinorum habe sich das Orakel von Delphi vor seinen mehrdeutigen Zukunftsprojektionen "reingezogen", heißt es. Über die Konsumationsgewohnheiten des Teams rund um die Internationale Delphi-Studie 2030: Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien, sicher ist nur so viel:

Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Medien für die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist größer als je zuvor. Um Einblicke in die langfristigen Entwicklungen dieser Branchen zu erhalten, hat der Münchner Kreis gemeinsam mit dem EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest sowie den Förderern und Unterstützern Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung, IBM sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Studien „Zukunft der deutschen IKT“ sowie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der IKT und Medien" durchgeführt.

Das Baby kam als gesundes PDF-File mit einem Gewicht von 18MB auf die Welt und ist für Eilige auch als Executive Summary verfügbar. Aber nur hier auf datenschmutz gibt's die Ultra-Executive Frosch-Version, sozusagen die Small-Talk Version fürs Büro:

Haben Sie schon die letzte Woche erschienene Delphi-Studie gelesen? Der "Mediensektor wird durch Digitalisierung nachhaltig beeinflusst und verändert."

Alternativ-Version für Old Media Verlagshäuser, bei denen aufgrund bevorstehender Kündigungswellen wegen des "Scheiß Internet" (siehe nächsten Beitrag) dieses Bonmot makaber wirken könnte:

Schrottprämie hin oder her: Ich warte noch 504 Monate mit Autokauf! In der letzte Woche erschienen Delphi Studie über das Jahr 2030 steht: "IKT wird im Automobil die Sicherheit und Effizienz erhöhen."

Viren und ihre Ziele

ritchie aka datadirt Der Preis für den schrägsten Vergleich der Woche geht an Maestro Shoemoney, der von einer National Geographic Docu über den Schweinegrippen-Virus nahtlos zu Online-Businessmodellen überleitet:

One of the things the show also talked about is how many people don't know that a virus goal actually NOT to kill people. Its goal is to reproduce and sustain life for as long as possible. When it's living in a human and the human dies then it dies too.
So how does this apply to internet marketing?
Well everyone is trying to create something "viral". But most of the time they don't have an end goal. I know some of the most gifted programmers/designers in the world who have created some of the most viral websites on the internet yet can't figure out how to profit from them.

Twitter automatisiert Retweets - Jetzt wird's ernst!

Judith aka Linzerschnitte Plötzlich war es da. Und dann auch schon wieder weg. Das von Twitter angekündigte Retweet-Feature gab letzte Woche auf einigen weniger Twitterprofilen ein kurzes Gastspiel, darunter auch auf meinem. Und natürlich hab ich das Retweeten gleich ausprobiert. Bei Mouse-Over erschien auf dem Tweet neben Reply die Option "Retweet". Nach dem Klicken erschien ein Dialogfenster, und fragte den User, ob man diesen Tweet wirklich retweeten möchte. Nach dem "OK" war der Tweet dann auch schon retweetet - ohne die Möglichkeit des Editierens oder die Notwendigkeit, die Nachricht gegebenenfalls auf 140 Zeichen zu kürzen. Der Retweet erschien nicht in meiner eigenen Timeline, dafür aber in der Timeline meiner Follower. Jedoch nicht mit meinem Avatar, sondern als "Forward" des Originaltweets inklusive mit einem kleinen Textlink ("retweeted by xy").

Außerdem implementiert tauchte im Sidebar Menü ein neuer ReTweet-Filter auf und kurze Zeit später erschien dort auch ein Link auf ein Feedback-Formular, in dem ich sogleich mein Missfallen über das neue Feature kund tat - mit Erfolg, tags darauf war es verschwunden! (und vorläufig zurückgekehrt am 13.11.);) Digiom machte mich dann auf einen Blogbeitrag von Twitter-CEO Evan Williams aufmerksam, der erklärt, warum die Retweet Funktion so ist, wie sie ist. Besonders interessant und zutreffend fand ich den Absatz über den "Lärm", den manche notorischen Retweeter verursachen:

Noisiness. Let's face it: Some people over-retweet. You may be interested in what they personally say, but you don't need to know about every link and charity cause they pull their RT-happy trigger finger on. The only choice you have today is deciding if the benefit of getting their occasional gems is worth the cost of their retweetarrhea.

Aber auch wenn Retweets eine schlimme Form von "Stream Pollution" sind, editiere ich meine eigenen RTs natürlich, um meinen Senf dazuzugeben. Das Retweet Feature, so wie es bisher geplant war, würde ich wohl nur in manchen Situationen einsetzen - und ansonsten beim klassischen, manuellen "RT" bleiben.

Social Info-Dubletten filtern

ritchie aka datadirt Anomaly Systems arbeiten an einem neuen Projekt, das Geeks helfen will, die Redundanz in der persönlichen Informationsflut einzudämmen, indem Dubletten aus Twitter, Friendfeed und verschiedenen Feed-Quellen eliminiert und zusammengehörige Einträge gruppiert werden. Lous Gray hat Cadmus getestet und ist recht angetan:

In my testing of Cadmus, I found it correctly detected retweets, replies from others to the original sender, copies of tweets sent to FriendFeed, and other topically-related items, even if they did not share keywords. Cadmus was even able to find similar updates that were hours or days apart.
On average, each refresh of Cadmus filtered around 10 percent of my updates. For runs that included 3,000 or so updates, 300 individual items would be grouped or filtered - and testing of a smaller account in the low hundreds also showed a similar 10 percent filter rate. In fact, the more updates I filtered, the higher the percentage filtering would be found. In a run comprising more than 8,000 items, almost 1,000 were "related".

Tod dem Traffic

Judith aka Linzerschnitte Zeitungen wie "Der Standard" oder "Die Kronenzeitung" haben nach dem Tod von Jörg Haider und Michael Jackson schnell Dossiers über die verstorbenen Persönlichkeiten online gestellt und diese mit Google Adwords beworben. Sie wollten gefunden werden, sie wollten Traffic und User auf ihre Seiten locken. Das wollen eigentlich alle Medienunternehmen. Alle, nein einen großen Medienkonzern gibt es da, der sich wohl demnächst einen Consultant in Sachen "Negative SEO" (Copyright @navofignorance) suchen wird: Rupert Murdoch. Er hat die Nase voll davon, dass die "content kleptomaniacs" Google & Co. seinen hochwertigen journalistischen Content einfach zu Customized Online-Newspapers zusammenwürfelt. Darum will er seinen Content nun ...verstecken.

Und Douglas Rushkoff, Professor für Media Studies findet diese Idee gut:

Of course, Murdoch's remarks are really just a trial balloon. He has initiated a conversation—but one that few of us are in a position to back up with a multibillion-dollar media empire. By suggesting that he is ready to pull the plug on universally searchable news, he is inviting other publishers in the same position to consider taking the same leap.

Mal sehen, ob die anderen Lemminge Rupert Murdoch folgen würden...

Es trendet schon wieder, aber diesmal lokal

ritchie aka datadirt Dass Twitter in absehbarer Zeit Geo-Info in Tweets integrieren will, wurde bereits im August angekündigt - nun zeichnet sich ab, dass die neue API-Funktionen auf absehbare Zeit jedem Städtchen sein eigenes Trendbarometer verschaffen wird, wie Ben Parr auf Mashable berichtet:

The new API will open up the ability for Twitter apps to figure out what's trending in a pre-defined set of locations. This means that while San Francisco will almost certainly have a set of local trends, my hometown of Princeton, IL (7200 residents) probably will not, at least in the beginning.

Dazu passt auch ganz hervorragend der Beitrag How Social Media is taking the News local von Leah Betancourt, ebenfalls auf Mashable:

"I sense inevitability is setting in with media companies with regard to social media. Those that thought... it was a fad that would quickly fade away are beginning to resolve themselves to the cold reality that social media is here to stay and will have to play a role in news coverage and audience building for a long time to come," Briggs said.

Das Thema Bürgerjournalismus haben wir auch am World Blogging Forum ausführlich diskutiert - Tenor: die Tools und Möglichkeiten sind, wie die ökonomischen Grundlagen einer partizipativen Berichterstattung aussehen können, ist dagegen noch recht unklar: erste Versuche mit Beteiligung der User an den Werbeeinnahmen verlaufen für alle Beteiligten bislang noch nicht übermäßig einträglich.

Betriebssystem, verchromt

ritchie aka datadirt Chrome OS wird innerhalb einer Woche zum Download bereit stehen, weiß Michael Arrington. Googles im Juli angekündigten PC-Betriebssystem dürfte damit wohl das raschest entwickelte OS aller Zeiten sein. Über den Umfang der unterstützten Hardware sind noch keine Details bekannt, sicher ist aber, dass vorerst nur bestimmte Devices unterstützt werden:

We expect Google will be careful with messaging around the launch, and endorse a small set of devices for installation. EEE PC netbooks, for example, may be one set of devices that Google will say are ready to use Chrome OS. There will likely be others as well, but don't expect to be able to install it on whatever laptop or desktop machine you have from day one. Google has previously said they are working with Acer, Adobe, ASUS, Freescale, Hewlett-Packard, Lenovo, Qualcomm, Texas Instruments, and Toshiba on the project.

Über genaue Details der Softwarearchitektur ist bislang wenig bekannt. Big G entwickelt sein OS allerdings nicht von Null auf, sondern es beruht auf einem nicht näher spezifizierten Linux-Kernel. Avisiert wird die immer populärere Gruppe der Netbooks, deren Löwenanteil immer noch mit dem 8 Jahre alten XP auskommen muss. Chrome OS dagegen soll schlank und ressourcenschonend sein und dem Chrome-Browser eine optimale Systemumgebung bieten. Ich bin da relativ skeptisch, da es mir wesentlich wichtiger ist, gewohnte Software auch am Netbook verwenden zu können - das erfordert zwar in vielen Fällen etwas mehr Geduld als am Desktop, erhöht den Unterwegs-Nutzwert aber immens. Mehr über Google Chrome erfährt man in diesem TechCrunch Beitrag.

Sie nennen es Sprouten

ritchie aka datadirt Das neue Social-Network für Unternehmer und KMUs konzentriert sich ganz auf die berufliche Seite des Microblogging-Lebens und stellt daher konsequenterweise auch die Frage: "What are you working on?" statt "What are you doing?" Es reicht ohnehin schon Echtzeit-geplagten Entrepreneuren also nicht mehr, sich mit LinkedIn Messages zu bombardieren, weiß The next web:

Sarah Prevette, the founder and CEO, believes that "Sprouter can provide the forum for real-time networking and collaboration so everyone can benefit from mistakes and successes.". Indeed it does and after it's beta launch back in August 2009, it's providing it's user with a unique space to market themselves, their ideas and businesses.

Mit anderen Worten: das Zeitalter der EPUs ist vorüber, denn kein KMU kann in Zukunft auf einen CSO - Chief Sprouting Officer verzichten können. Einziges Distinktionskriterium gegenüber dem großen Vorbild: Sprouter beherrscht Threading, also die von Foren gewöhnte Einrückung zusammengehöriger Konversationen. Der Name steht für "Keim, Spross, Trieb" - ich bezweifle allerdings stark, dass die Business-Welt ein eigenes Twitter-Network braucht. Prädikat: "Sprout Inhibition" (Keimungsunterdrückung)

The ConversationList

Judith aka Linzerschnitte Wenige Wochen nach ihrer Einführung ist es schon wieder ruhig um die Twitterlisten geworden. So richtig kann wohl niemand was damit anfangen. Oder doch?
The Conversation-List ist in etwa die Anti-These zur Karteileichen-Liste - dort finden sich 25 oder mehr Personen, mit oder über die man im Gespräch ist.

The list is automatically updated daily, so that it always reflects the people that you are paying attention to right now. If you @reply (or @mention) someone, they're added to your list. If you stop talking to that person, they drop off your list.

Klingt nett, installiert sich quasi wie von selbst, und kann auch einfach wieder entfernt werden. Hilft's nix, schadet's nix: conversationlist.com.

PS: schon irgendwer einen echten Nutzen für die Twitterlists entdeckt? JohnOn geht ja beinhart davon aus, dass Google Twitter bald für 6 Milliarden gekauft haben wird müssen:

That's the headline I think we'll see soon enough, when Google gets over itself and swallows the bitter pill. The mistake was already made... more than once... when Google failed to truly demonstrate the value of Twitter to its future. Had it offered a sweet enough deal, it could have bought Twitter before. Everyone has a price. But with each passing week, Google (and the rest of us) see more and more clearly just how essential Twitter is to Google's future. And each week, the cost of acquiring Twitter goes up.

Die schlimmste aller Fragen

ritchie aka datadirt ...hat Christ Walker der Cyber-Entität Scobleizer gestellt, noch dazu auf Twitter: Any advice on getting followers?

It's the worst question in social media. Sorry Chris for picking on your question. It's actually a question lots of people wonder, but it's the kind of thing that no one really can answer.
Why?
Because we're not in control of who follows us. So, I'd rather not think about it. I rather think about things I CAN control. What are those?
1. What I write about.
2. Who I follow.
3. Who I hang out with.
4. The lists I follow and steal from.

Also bitte, lieber Scoble: Wer stiehlt denn? Wir remixen doch bloß!

Scheiß-Internet-Preis für die Grünen

ritchie aka datadirt Die Grünen sammeln Auszeichnungen wie andere Parteien Strafzettel in Brüssel. Durften sich die an Einmischung in in- und oder externe Affären wenig interessierte Partei in diesem Jahr bereits für die Forderung nach Internet-Sperren bereits über den Big Brother Jackpot freuen, so knallten gestern erneut die Korken:

Die Wiener Grünen sind die ersten Träger des Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten. Er belohnt sie für das "Kommunikationsdesaster" rund um die Grünen-Vorwahlen. Durch die Ablehnung eines Teils interessierter Nichtmitglieder zur aktiven Teilnahme an den parteiinternen Abstimmungen über die Kandidaten für die kommende Gemeinderatswahl hat die Partei einen Teil der Wiener Webszene enttäuscht.

Es kann nicht leicht gewesen sein, sich gegen diese übermächtige Konkurrenz durchzusetzen, und ich beneide die Jury nicht um die gewiss schwierige Entscheidungsfindung. Und die Nominierungsliste hat es definitiv verdient, an dieser Stelle in voller Länge wieder gegeben zu werden:

1. Nominierung: die ORF ON-Direktoren für 15 Jahre fehlende Barrierefreiheit im Scheißinternet und generelle Ignoranz; denn ORF ON endet als Versorgungspostenpool, der sich in der Konzeption von ORF-Dörfern und TV-Theken ergeht, anstatt eine umfassende Internetstrategie zu entwickeln.

2. Nominierung: Plagiatsjäger Stefan Weber für seine Leistungen als Blockwart eines konservativen Wissenschaftsbetriebes, der Studierenden Dummheit und Internetkriminalität vorwirft, anstatt Überlegungen über einen zeitgenössischen Wissenschaftsbetrieb des Web 3.0 zu machen.

3. Nominierung: der Bühnenabend "Menschmaschine" im Rabenhof in der Kategorie fehlgeleitetes Infotainment für die Leistung, das Web 2.0 auf die Formel "Beidlwitze" zu reduzieren.

4. Nominierung: Ibrahim Evsan - stellvertretend für alle Social Media Gurus, die den Übergriff der Technik ("Fixierungscode") predigen und gut daran verdienen.

5. Nominierung: Armin Thurnher in der Kategorie beleidigter Leitartikler; große Verdienste um die österreichische Medienlandschaft sind noch lange kein Freibrief für unreflektiertes Gegrantel.

6. Nominierung in der Kategorie Abmahnwahn: Jako und Jack Wolfskin für ihren unglaublichen juristischen Umgang mit Kleinst-Bloggern und Hobby-Bastlern mit Netzzugang

7. Nominierung in der Kategorie ProfilneurosendistinktionsgewinnlerInnen: ein paar KolumnistInnen (u.a. Doris Knecht und Polly Adler/Angelika Hager) für ihre medialen Anti-Social-Media-Koketterien.

8. Nominierung: die Wiener Grünen für ihre missglückte politische Kommunikation im Netz und das Verpassen einer einmaligen Chance.

9. Nominierung: Franz Medwenitsch für seine jahrelange Tätigkeit als Blockierer von fairen Verwertungsmodellen und diesbezüglicher lobbyistischer Begleitung von allen Gesetzesnovellen auf staatlicher und gemeinschaftlicher Ebene.

10. Nominierung: Wolfgang Schüssel - fürs Lebenswerk in der Bereitung internetfreier Minuten, denn er strafte die von ihm ungeliebte "Internetgeneration" mit einer miserablen Telekom-Regulierungspolitik ab.

Wenn Häuser sich schlafen legen

ritchie aka datadirt Nein, es gibt wirklich kaum eine bessere Metapher für die Krise der Immobilienindustrie - und wären die Häuser näher beieinander gestanden, dann hätte es auch noch einen Domino-Effekt gegeben. Was genau hier [Foto] passiert ist, weiß Mish [via @muesli]:

  1. An underground garage was being dug on the south side, to a depth of 4.6 meters.
  2. The excavated dirt was being piled up on the north side, to a height of 10 meters.
  3. The building experienced uneven lateral pressure from south and north.
  4. This resulted in a lateral pressure of 3,000 tons, which was greater than what the pilings could tolerate. Thus the building toppled over in the southerly direction.

Judiths Video der Woche: Katzencontent, again!

Clean your screen. Wenn ich meine Katze dazu überreden könnte, das zu machen... ach wäre das Leben schön.

Ritchies Video der Woche

Vielleicht kann Religion die Menschheit doch noch retten - zumindest drängt sich dieser Gedanken bei Jesus 2000 auf:

http://www.vimeo.com/6547492

Aber damit's nicht heißt, ich würde hier im Panoptikum bloß religiösen Fanatismus verbreiten, hier noch eine Perle von Rocketboom, nämlich die Kulturgeschichte des beliebten Audio-Produktions-Plugins Autotune. Merke: It's not a vocoder!

http://www.vimeo.com/7545734

Lesetipps der Woche

  • Der Social Officer soll den Corporate-Dampfer sicher durch stürmische Twitter-Wogen lenken, doch wie findet man ihn? So nicht, mein altitudebranding.com
  • Gaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und vor allem: glaube nie, was in einer Nielsen Umfrage steht. Demnach befindet sich der US-TV-Konsum nämlich auf einem All-Time-High, gegen das Amy Winehouse nüchtern wirkt.
  • Tod den Holzmedien: Zuerst waren es die Zeitungsverlagen, jetzt geht das Virus auf die klassischen Verlage über: Tod dem bedruckten Holz, diesmal ist der Gemischtwarenhändler und Kindle-Schöpfer Amazon schuld. Denn den Verlagen laufen die Autoren weg, geradewegs in Amazons Arme. Ob die Autoren von den üblichen Shares wissen? 70: 30 zu Gunsten des Verlages?
  • Twitter Microsyntax - Die Fortsetzung: Der "Erfinder" des Hashtags, Chris alias Factory Joe, schlägt einige neue Zeichen für Twitter vor! Genau, wenn man etwas verkomplizieren vereinfachen kann, soll man es selbstverständlich tun! Lasst uns eine Microfachsprache kreieren, damit uns endlich niemand mehr versteht und die Twitter Coaches ein neues Seminarbetätigungsfeld finden.

Und das war auch schon wieder unser wilder Galopp-Ritt durch sieben Tage Social Media. Danke für Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und lassen Sie sich auch weiterhin nicht durch Echtzeitmedien vom Panoptikum-Konsum abhalten - und vor allem nicht von Kommentare und Anregungen. Wir wünschen schöne restliche Sonntagsminuten, einen erquicklichen Wochenbeginn und lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Blogistan Panoptikum KW27 2009

Erfolgsmeldungen, Premieren, Novitäten allenthalben: das sind Web-Zwei-Nuller gewohnt, euphorische Jubelmeldungen über das 1.000ste Social Network gehören nun Mal zum Alltag des Pro-Bloggers. Aber diesmal gibt's tatsächlich eine Sensation zu vermelden: Sie lesen gerade das ersten Dualcore-Panoptikum, sprich: ich habe die Ehre und das Vergnügen, die erste fixe Gastautorin auf datenschmutz zu begrüßen: Judith Denkmayr, auch bekannt als Linzerschnitte, verfasst ab sofort gemeinsam mit mir das Blogistan Panoptikum. Hier ein aktuelles Video meiner Mitautorin von der letztwöchigen Linzertorten-Verlosung auf Twitter:

Willkommen zum ersten Resultat unserer kollaborativen Recherchen zu den letzten sieben Social Media Tagen! Feedback, Link-Tipps und Input sind natürlich jederzeit willkommen! Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick auf die eDay Podiumsdiskussion

podiumritchie Rückblick auf die eDay PodiumsdiskussionAuf historischem Grund und Boden fand gestern der von der Wirtschafskammer organisierte eDay 2009 statt. Vorträge, Networking und das Tagesprogramm musste ich mir aufgrund anderweitiger Terminverpflichtungen leider entgehen lassen, aber bei der abendlichen Podiumsdiskussion mit dem Thema "Datenschutz 2.0 - Wachstumsmotor oder -bremse" hatte ich die Ehre und das Vergnügen, mit auf der Bühne zu sitzen. Anstatt der üblichen Fragerunde beteiligte sich das Publikum live mit Twitter-Meldungen an der Diskussion - lustiges Format, das wär doch mal was für Live-Kritiken während Opernaufführungen!

In seinem spannenden Einführungsreferat erläutere Professor Peter Purgathofer (TU Wien) anhand einiger Beispiele das schwierige und komplexe Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre - ein Antagonismus, der in der nachfolgenden Diskussion noch öfter auftauchen sollte. Mein Lieblingsbeispiel aus dem Vortrag: ein Zimmermädchen sieht am Hotel-Nachtkästchen des Gastes Hämorrhoiden-Salbe liegen, am nächsten Tag wird ihm beim Frühstück ein Sitzpolster angeboten. Service am Gast oder unzulässiges Eindringen in private Bereiche? In genau diesem Spannungsfeld bewegen sich Unternehmen, die Kundendaten auswerten. Fühlen wir uns von Amazon-Produktvorschlägen belästigt, oder nehmen wir erfolgreich personalisierte Angebote als erwünschtes Zusatzservice wahr? Man hat es mit einer klassischen Trade-Off Situation zu tun, wie Nikolaus Futter vom Compass Verlag richtig feststellte: ich geb dir gern ein Stück "Privacy" oder ein paar Daten, wenn ich daraus einen entsprechenden Vorteil ziehen kann.

datenrunde Rückblick auf die eDay Podiumsdiskussion

Diese Fragen tauchten in der von Thomas Rottenberg moderierten Gesprächsrunde natürlich häufig auf. Georg Markus Kainz von den big brother awards vertrat eine recht strikte Linie, was die Datenauswertung betrifft, aber mein Ex-Studienkollege Bernhard Lehner von 123people gibt einfach einen sehr schlechten Bühnen-Bösewicht ab :twisted: In der Tat darf man, wie Gregor Herzog von der WKÖ feststellte, den Faktor "Media Literacy" keinesfalls außer Acht lassen: wir befinden uns, was das Internet als kulturelle Medientechnik betrifft, in einer rasanten Umbruchsphase. Nachfolgende Generationen werden lernen, die mit den Paradigmen des virtuellen Raums umzugehen und die Grenzen zwischen öffentlich und privat besser abzuschätzen. Denn tatsächlich entsteht eine ganze Reihe von Privacy-Problemen daraus, dass vielen Surfern überhaupt nicht klar ist, dass das Internet ungern vergisst und Google versucht, jede Information zu verlinken, die öffentlich im Netz steht. Eine recht ausführliche Zusammenfassung der Diskussion mit dem Titel" Das Twittern beim E-Day 2009" hat telekom-press.at veröffentlicht.

Ich persönlich halte die Frage des staatlichen Umgangs mit Daten für das eigentliche Probleme: denn nur staatliche Institutionen können die Zentralperspektive einnehmen, viel besser, als dies Google je möglich wäre. Und vor Spam und personalisierten Newsletter habe ich weit weniger Angst als vor einem Big-Brother-Staat im Sinne Orwells - und der Data Retention Act tritt demnächst in Kraft. Wer weiterhin Wert auf Briefgeheimnis legt, wird also nicht umhin kommen, sich mit Verschlüsselungstechniken vertraut zu machen, womit man schon wieder beim Thema Literacy angelangt wäre. Ohne Öffentlichkeit keine Privatsphäre und umgekehrt - die beiden Antagonisten bedingen, benötigen und definieren sich gegenseitig, werden ständig neu verhandelt, und zugleich verläuft die technologische Entwicklung wesentlich zu rasch, als dass traditionelle Rechtssysteme legislativ Schritt halten könnten.

Auf jeden Fall kann es nicht schaden, sich ab und an ins Gedächtnis zu rufen, dass die beiden Gegenspieler "Privatheit" und "Öffentlichkeit" eng mit griechischen Vorstellung von Staatsorganisation verknüpft sind und aus lokalen geographischen Verhältnissen resultierten: was am öffentlichen Platz, der Agora, geschah, war Öffentlichkeit und damit Teil des staatlichen Lebens, während die "Privatsphäre" an der Haustür begann. Mich erinnert diese etymologisch-historische Herleitung an die in den 90er Jahren sehr gängige Bezeichnung des Netzes als "Cyberspace", als virtuellen Raum: und mir scheint, dessen Grenzen müssen erst verhandelt, definiert und verstanden werden. Dass eines der erfolgreichsten Fernsehformate der letzten Jahre aber den semi-ironischen Titel "Big Brother" trägt, zeigt wohl überdeutlich, dass medialer Exhibitionismus im Zeitalter der B-Liga Stars einen eigenartigen Wertekanon per se darstellt, der Andy Warhol ("In the future, everybody will have their fifteen minutes of fame.") und Georg Franck ("Die Ökonomie der Aufmerksamkeit") recht gibt.

Danke nochmal an Gerhard Laga für die Einladung zu diesem spannenden Gespräch auf der Bühne und den sehr gemütlichen anschließenden informellen Teil mit großartigem Buffet und hervorragendem Rotwein - und vom eDay 2010 werd ich hoffentlich mehr mitbekommen.

PS: Gefreut hat mich übrigens auch die Tatsache, dass ich mit meiner Meinung, die aufs Semantic Web projizierten Hoffnungen und Erwartungen seien weit übertrieben, keineswegs allein dastehe. Denn woran gerade ausgefeilte semantische Modelle scheitern werden, ist der gute alte Entropie-Faktor, sozusagen das Salz in der Suppe der Kommunikation, kurz: unerwartete, aber dennoch wertvolle Informationen, Futter für kreative Geistesblitze!

PPS: Ein erstes Rückblicks-Video auf den eDay ist bereits online, eine Fotogallerie ebenfalls.

Fotocredits: Die Fotos zu diesem Beitrag hat Stephan Kuzmanov / Vollwertmedia geschossen.

Laizisten haben mehr Spaß im Bett

Was wir von der Laizismus Initiative für Sie tun können, ist rasch erklärt: wir trennen Kirche und Staat fein säuberlich, denn Jenseits-gestützte Moralgebäude haben sowohl in aufgeklärten wie auch in postmodernen Gesellschaften bloß als freiwillige Mythen (wenn überhaupt) ihre Existenzberechtigung. Wer seinen gütigen oder blutrünstigen Göttern Tribut zollen möchte, soll dies bitte privat tun und ohne andere mental oder gar physisch zu pentrieren: Diesen Beitrag weiterlesen »

Wie T-Mobiles Edge mich immobilisiert

disconnect Wie T Mobiles Edge mich immobilisiertIn letzter Zeit ist das Verhältnis zwischen mir und meinem UMTS-Ei höchst angespannt, und zwar so sehr, dass ich froh und glücklich über das März-Ende meiner 18monatigen T-Mobile Bindefrist bin und mir asap eine A1 Datenkarte zulegen werde. Denn die Empfangsqualität außerhalb von Ballungsgebieten passt auf keine Kuhhaut - wer UMTS, HSDPA & Co auch außerhalb ostösterreichischer Bundeshauptstädte verwenden will, dem kann ich nach meinen persönlichen Erfahrungen vom Angebot des Rosa Overbranding-Riesen nur dringend abraten. Und weil's in Dorfgastein keiner Internet-Café gibt, konnte ich datenschmutz in der vergangenen Woche auch nur sehr sporadisch updaten.

Zwar ist die theoretische EDGE-Coverage ganz hervorragend und die T-Mobile Marketing-Abteilung erstellt impressive Coverage-Karten, nur korrespondieren selbige bloß rudimentär mit der elektromagnetischen Realität. Seit sechs Monaten stelle ich reproduzierbar an völlig verschiedenen Orten immer wieder ein sehr eigenartiges Verhalten fest: trotz vollem EDGE-Empfangs funktioniert die Verbindung fünf Minuten lang, danach folgen rund 10 Minuten Zwangspause, in keinerlei Daten übertragen werden - obwohl die Connection laut Client-Anzeige steht und die Empfangsqualität nicht schwankt. Das sieht auf der Anzeige des Clients dann so aus:

T-Mobile Edge

Zugegeben: in Wien funktioniert HSDPA ganz super. Dort braucht man's ja dringend, schließlich gibt's nicht an jeder Ecke ein freies WLAN oder Internetcafé. Aber wehe den Verdammten, wenn sie die Municipia verlassen: Tirol, Salzburg, Kärnten (lei oans!): jungle is massive. Entweder hat der Feind längst seine Störsender platziert, oder die T-Mobiles haben ihr eigenes Setup längst nicht mehr im Griff. Die Sache verhält sich nämlich so: wo weder UMTS noch HSDPA verfügbar sind, sollte ich theoretisch über das langsamere, aber mit leicht masochistischer Ader zum E-Mail Abruf dennoch taugliche EDGE verwenden können. Und siehe da, der GSM-Turbo steht auch so gut wie überall zur Verfügung. Nur warum zum Geier habe ich *jedes Mal* fünf Minuten Empfang, gefolgt von 10 Minuten absoluter Bytesperre bei voller Empfangsstärke? Zuerst dachte ich, es läge an einem kaputten Sender, dann tippte ich auf meine Hardware - aber Orts- und Eiwechsel ergaben jedesmal die gleichen Symptome, es kann sich also nicht um einen Einzelfall von Sender-Schluckauf handeln.

Und da dieses Verhalten, das mobiles Arbeiten so gut wie unmöglich macht, in letzter Zeit bei jeder EDGE-Verbindung auftritt, habe ich keine Lust mehr auf weitere Ursachenforschung, sondern werde als Quickfix einfach den Provider wechseln - denn mit meinem A1 BlackBerry Storm hatte ich in den letzten drei Edge-Stotter Spots jedesmal vollen HSDPA-Empfang. Würde mich aber trotzdem brennend interessieren, ob's anderen T-Mobile Kunden ähnliche Erfahrungen mit Edge-Schluckauf gemacht haben. (Bei HSDPA-Empfang in Graz und Klagenfurt tritt ein ähnliches Phänomen auf, allerdings beschränken sich die Lags dabei auf wenige Sekunden.)

Nachruf: Christoph Moser wird mir fehlen

RIP Christoph MoserWir Web-Geeks sind es gewohnt, große Mengen an Information zu scannen, zu überfliegen, zu sortieren. Es ist gemein, hinterhältig und eine Scheiß-Zeit am Freitag um 23:33, wenn man plötzlich völlig unerwartet auf einem Blog vom Tod eines guten Bekannten erfährt. Ich habe diese furchtbare Nachricht gerade bei den Supercity-Jungs gelesen: am 2. Dezember ertrank Christoph beim Tauchen - er, der klimatisch harte Tiroler Bursche, hat seinen Winterurlaub unter vietnamesischer Sonne verbracht. Christoph Moser war ein beträchtlicher Teil des Herzens und der Seele des österreichischen Indie-Vertriebs "Hoanzl" und er wird einem riesigen Personenkreis fachlich, vor allem aber menschlich sehr fehlen.

Ich werde nie vergessen, mit welcher Begeisterung mir Christoph vom ersten Dancehallfieber-Sampler erzählte, oder wie einzigartig blitzschnell er eine Zigarette in einer Hand drehen konnte - das habe er in Tirol am Schlepplift gelernt, hat er mir erzählt. Vor seiner Arbeit bei Hoanzl war Christoph ein bunter Vogel beim ORF Tirol, der einen beträchtlichen Teil der hiesigen Jugend mit seinen Konzerten erstmals mit dem Phänomen Hip Hop in Kontakt brachte. Diese Liebe zum Sprechgesang und zu Reggae zog sich durch seine gesamt berufliche Karriere. Ich hatte im Lauf meiner Redakteurs-Jahre beim gap und später auch durch datenschmutz immer wieder mit Christoph zu tun, ich bin froh und dankbar, dass ich diesen sympathischen, ruhigen, verlässlichen und klugen Zeitgenossen kennen lernen durfte. So verfehlt es einerseits scheinen mag, in einer derartigen Situation von Trost zu sprechen, so sehr bin ich mir doch sicher, dass Christoph die Urlaubstage vor seinem raschen und unerwarteten Ableben genossen hat. Denn im Gegensatz zu den meisten Menschen hatte er eine Gabe, die so viele unterschätzen und die doch mehr zum persönlichen Glück beiträgt als Geld und Gut: Christoph konnte zufrieden sein. Er wirkte auf mich immer ausgesprochen gut gelaunt, optimistisch und begeistert - und genau so werde ich ihn in Erinnerung behalten.

Nachrufe über sein popkulturell prägende Leben haben unter anderem Boris Jordan bei FM4 und Thomas Weber auf the gap veröffentlicht. Ich wünsche Christophs Familie und allen, die ihn gekannt haben, herzliches Beileid.

Nachruf: Jörg Haider überraschend verstorben

Einen Nachruf auf den heute Nacht um 1:00 Uhr bei einem Autounfall tödlich verunglückten Parteichef des BZÖ hier auf datenschmutz mag manche Leser verwundern. In der Tat aber habe ich eine innige Beziehung zum "Jörgl": diese Bezeichnung soll keinesfalls respektlos klingen, ich glaube, er ließ sich in seiner jovialen Art nicht ungern so nennen. Seine biographischen Daten, der frühe Einstieg in die Politik mit 20, Aufstieg, Regierungsbeteiligung mit FPÖ und Parteisplitt in FPÖ und BZÖ, die Abspaltung des Liberalen Forums... all das kann man detailliert und aus ganz unterschiedlichen Standpunkten betrachtet in hunderten Artikeln ausführlicher nachlesen.

Meine persönliche Beziehung zu Dr. Haider begann sehr früh, ich war damals wohl 15 oder 16. Der dynamische Aussteiger machte für eine Wahlveranstaltung Station in Lienz, Lokal-Blues-Jukebox Buffy F. Fronwood stimmte zum Auftakt im Stadtsaal "Jörg Haidah, do geht wos weidah" im Loop an, der Saal war gut gefüllt. Und es war das erste mal, dass ich selbst politisch "aktiv" wurde und gemeinsam mit einigen Schulkollegen die Veranstaltung störte: wir hatten uns im Publikum verteilt, in dem Moment, als der Stargast zu sprechen begann, schlugen wir alle demonstrativ großformatige Tageszeitungen auf und verließen dann nach 10 Minuten den Saal, was den äußerst geschulten Rhetoriker durchwegs ein wenig aus der Fassung brachte.

Was er sagte, hat mich damals ziemlich schockiert, hielt ich Politiker doch vorher für honorige, um möglichst Aal-ähnliches "Mit-jedem-auskommen-wollen" bemühte Stromlinienpersonen. Jörg Haider hatte eine andere Strategie gewählt, nämlich die der Sündenböcke, der Beschuldigungen und Verharmlosungen. Er beschwor schon damals die Welt der anständigen Menschen, machte zu passenden Gelegenheiten gerne mal einen Hofknicks vor SS-Veteranen und zündelte immer wieder gekonnt mit dem Pulverfass Nationalismus herum. Ich bin ihm dankbar dafür, denn ohne Jörg Haider hätte ich womöglich den Status Quo der Demokratie als gegeben hingenommen, hätte mich nie genauer der Nazi-Vergangenheit Österreichs beschäftigt, hätte vielleicht überhaupt nie Politikwissenschaft studiert.

Später hatte ich nochmals das zweifelhafte Vergnügen, einer der legendären "Hetztiraden" des Bärentalers beizuwohnen, und zwar in meiner Studienzeit in Graz, das habe ich an anderer Stelle bereits geschildert. Meine persönliche "Kommunikation" mit Jörg Haider beschränkte sich auf diese zwei Gelegenheiten, in den Medien begegnete man dem selbst mit 58 unglaublich jugendlich wirkenden Politiker seit ich den Politikteil der Zeitung las mindestens wöchentlich. So sehr ich den Weg der Rechten, die Ausländer zum Schuldventil für alles, was falsch läuft, zu machen, verabscheue, so sehr habe ich immer auch vermutet, dass es da noch einen anderen Jörg Haider geben muss: einen äußerst intelligenten, begabten und hart arbeitenden Menschen, der vermutlich nicht mal an den Blödsinn glaube, den er da zeitweise von sich gab, der wie ein virtuoser Pianist auf der Klaviatur der Medienszene dieses Landes spielte. Das Bärental ist groß, und Jörg Haider war sein Prophet: er brachte mich in all den Jahren regelmäßig innerlich zum Weinen (etwa beim Ortstafelstreit) und zum Lachen (die legendären "Taferln" bei den Fernsehdiskussionen). Das Schicksal ist der größte aller Tragödienautoren: als ihn die Polit-Konkurrenz bereit hämisch im Kärntner Altersheim wähnte, fuhr das BZÖ einzig und allein dank seiner Gallionsfigur den größten Erfolg der Parteigeschichte ein. Dank des enormen Wahlerfolgs verfügt die Partei nun über gravierend mehr Fördergelder, mehr Parlamentssitze - aber der Verlust ihres Parteichefs trifft sie härter als jedes noch so niedrige Wahlergebnis.

Jörg Haider hat polarisiert, meine Einstellung zu ihm hat sich im Lauf der Jahre ziemlich verändert: mit 16 war er der personalisierte politische Feind, heute wundere ich mich über viele seiner Entscheidungen, bin aber zugleich fasziniert über seine Ausdauer, sein Können und seine Fähigkeit, permanent aus eigenen Erfahrungen zu lernen. Nein, Jörg Haider war keine statische Persönlichkeit, kein leicht einordenbares Phänomen. Gerne hätte ich mich mal bei einem Abendessen mit ihm über seine politische Karriere unterhalten oder ein Interview darüber geführt, wie man aus einer Vier-Prozent-Verein die drittstärkste Partei Österreichs macht.

Dass Jörg Haider heute Nacht 58jährig verstarb, hat mich ehrlich gesagt tief berührt und getroffen, weil ich innerlich davon überzeugt war, auch noch die nächsten .at-politischen Jahre mit ihm als Akteur auf der Bühne zu erleben. Ich wünsche allen Verwandten und engen Freunden eines Politikers, der die letzten dreißig Jahre in Österreich geprägt hat wie wohl kein anderer, und der ein interessanter und faszinierender Mensch gewesen sein muss, mein herzliches Beileid.

Mediaprint: Personalisierte Print-Kampagne ohne Absender

Mediaprint Kampagne ohne AbsenderDen nebenstehend eingescannten Flyer fand ich vor einigen Tagen in meinem Briefkasten und zwar in einem handbeschrifteten Umschlag ohne Absender. Die Rückseite des Papiers ist - blütenweiß. Sowas erregt natürlich Neugier, und ich vermute mal, dass so ziemlich jeder netzaffine User die URL mal eintippt, um zu sehen, wer hinter dieser Mailing-Aktion steckt. Umso größer war mein Erstaunen, als ich zu einer Online-Umfrage gelangte, deren Impressum verriet, dass ich mitten in eine Kampagne des Mediaprint-Verlags gestolpert war: der User beantwortet online eine Reihe von Fragen und landet schließlich bei einem 2wöchigen-Abo-Testangebot von Kronenzeitung oder Kurier. Die einzelnen Screens der Aufnahme sehen folgendermaßen aus:

mediaprintkampagne 1223461585 Mediaprint: Personalisierte Print Kampagne ohne Absender

Fast schon viral

Diese Kampagne wirft einige Fragen auf: denn soweit ich weiß, sind Werbesendungen völlig ohne Absenderkennzeichnung auf jeden Fall rechtswidrig. Bei der Online-Recherche habe ich allerdings nur eine diesbezügliche Entscheidung des deutschen LG Hamburg gefunden:

In einer aktuellen Entscheidung hat das LG Hamburg (Beschl. v. 12.9.2003 - Az.: 312 O 707/03) bestätigt, dass durch die Änderung des § 28 Abs. 4 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) bei persönlich adressierten Werbeschreiben auf das Widerspruchsrecht hingewiesen und die Adresse benannt werden muss, an die der Widerspruch geschickt werden kann.

Dies mussten in der Vergangenheit schon die Tages-Zeitungen "Handelsblatt" (LG Düsseldorf, Beschl. v. 16.7.2003 - Az.: 12 O 217/03) und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (LG Frankfurt a.M., Beschl. v. 17.6.2003 - Az.: 2 06 O 247/03) erfahren.

Weiß da jemand genaueres in punkto österreichische Rechtslage? Die Arbeiterkammer unterscheidet zwischen der sogenannten unadressierten Werbung ("an einen Haushalt") und adressierter Werbung, konkrete Infos zur Erforderlichkeit des Absenders hab ich allerdings keine gefunden - mich interessiert einfach, ob der größte österreichische Verlag (die Krone besitzt ein .at ja (zumindest ein unterstelltes) Quasi-Tageszeitungsmonopol) sich in der Hoffnung auf eine höhere Conversion-Rate einfach über die geltende Rechtslage hinwegsetzt.

Vorteile der Kampagne für die Mediaprint

Wenn die Auswertungsapplikation sauber programmiert ist, dann erkennt der Mediaprint Verlag anhand der Fragen eine Menge Präferenzen des jeweiligen Users, denn die Seite wird ja mit der Namens-Subadresse aufgerufen. Außerdem überlebt der Brief die Postkasten-Filterung: wer einen Sticker am Postkasten mit dem Aufdruck "Ablegen von Werbematerial ist verboten" oder dergleichen anbringt, erhält nämlich keinen Print-Spam. Außerdem bewirkt dieser Call-to-Action mit Sicherheit aus den oben geschilderten Gründen eine hohe Response- und damit vermutlich wohl auch eine überdurchschnittlich hohe Conversion Rate. Allerdings frage ich mich, wo die betreffenden Adressen herkommen und ob das Weglassen des Absenders rechtlich zulässig ist. Liebe hier mitlesende Anwälte/Juristen/Medienrechtler: darf die Mediaprint das denn? Falls ja, dann such mir Adressen aus dem Telefonbuch und verschicke in Zukunft datenschmutz-Briefe :mrgreen:

Tagesdosis: Saufen bis nix mehr reingeht

Komatrinken hat dieser Tage einen schlechten Ruf, der wohl aufs Trinken generell abfärbt. So leidet wohl die Einnahme antialkoholischer Erfrischungen ganz gewaltig - warum müsste sonst eine nicht genannt werden sollende österreichische Versicherung gemeinsam mit einem Wasserabfüller ganzseitige Inserate mit einer eindeutigen Botschaft schalten? Die lautet übrigens: Trinkt! Mehr! (Wasser.) Wasser sei gesund und eine wichtige Basis für ein gesundes Leben. Stimmt - so ganz ohne H2O wär das Leben ratzfatz vorbei. Was mich aber maßlos wundert, ist die empfohlene "Tagesdosis": wie die nachstehende Grafik erörtert, werden 1,5l pro Tag und Nase als ausreichend erachtet:

trink Tagesdosis: Saufen bis nix mehr reingeht

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Schreib.Stilistik: Der Blogger und sein Journalist

journostyle 1218210363 Schreib.Stilistik: Der Blogger und sein JournalistIch war immer der Meinung, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, so richtig zu schreiben zu lernen: und zwar durchs Schreiben. Durch Übung, Übung, Übung. Zumindest ich hab noch niemanden mit einem angeborenen Schreibtalent getroffen. Gewöhnt man sich an, aufmerksam zu lesen, auf Formulierungen zu achten und regelmäßig selbst die eigenen gedanklichen Ergüsse in Buchstabenform zu verewigen, dann stellt sich der passende Flow irgendwann ganz von selbst ein. Regeln sollte man kennen, klar - schon allein, um sie gezielt überschreiten zu können. Aber die klassischen journalistischen Textformate bzw. ihre einwandfreie Beherrschung werden im Netz grenzenlos überbewertet.

Der Beitrag Mehr Format wagen! von Klaus Jarchov auf Medienlese schlägt in eine meiner schon lange schwelenden Kerben: journalistische Schreib-Skills aus einer anderen, papiernen Welt werden hochgehalten. Anstatt neue Formate auszuprobieren, halten sich viele Onliner lieber an inadäquate Formalismen, die in keinster Weise zum neuen Medium passen:

Ob Buchdruck, Rundfunk oder TV - neue Medien brauchen neue Formate. Kaum ein Satz erscheint einleuchtender. Und kaum ein Satz wird im Falle des Web 2.0 weniger befolgt. Blogger müssen sich hier von Journalisten im Netz belehren lassen, dass sie doch - bitteschön! - erst einmal die grundlegenden journalistischen Stilformen aus der Holzhausener Schule pauken möchten, bevor sie sich in den Diskurs der Granden einzumischen wagen.

Dann folgen einige sehr gute Gegenbeispiele zu verbreiteten Schnapsideen wie dieser, die ich mir auch schon viel zu oft anhören musste: "KISS. Keep it simple stupid." Denn kein Mensch würde am Bildschirm lange Texte lesen. Das stimmt nicht, dieser persönlichen Erfahrung des Autors kann ich mich nur anschließen... zum Thema SEO habe ich naturgemäß allerdings eine diametral andere Meinung - aber es macht natürlich einen Riesenunterschied, ob man ein Blog zum Spaß oder mit finanziellen Intentionen betreibt, außerdem besteht SEO nicht bloß aus Überschriften.

Der Journalist in mir

Persönlich sehe ich mich aus dieser Debatte naturgemäß völlig ausgeklammert: da meine textuellen Elaboraten schon lange vor meinem Publizistikstudium jenen journalistischen Stilformen entsprachen, die österreichische Tageszeitungen als adäquat ansehen, gehe ich davon aus, dass ich diesen impliziten Regelkanon von wegen wie schreibt man eine Nachricht, eine Glosse, eine Kolumne, ein Interview pi-pa-po ausreichend verstanden habe. Das mit dem Bloggen begann dann erst 15 Jahre später, und das ist sicherlich ein Mitgrund, wieso ich mich gerade gezielte Regelverletzungen, Subjektivität und experimentelles Schreiben so sehr reizen; dazu hat Christian Jakubetz neulich ein paar sehr interessante Gedanken veröffentlicht.

Ein Blick in die Medienhistorie ist ebenfalls sehr hilfreich: wann immer ein neues Massen-Distributionskanal auftauchte, wurde er anfänglich mit der Stilistik seines Vorgänger-Leitmediums bedient: die ersten Radioreportagen waren schlichtweg vorgelesene Reportagen, und bis Fernsehmacher checkten, dass spoken words im TV anders funktionieren als im Radio, mussten auch erst einige Jahre vergehen. An diesem Wendepunkt befindet sich zurzeit das Netz: ein beträchtlicher Teil aller textlichen Inhalte unterwirft sich mehr oder weniger freiwillig (semi)journalistischen Kriterien*, während bereits eine beachtliche Latte neuer Formate in ungeschützten Biotopen ans Licht der sumpfigen Wasseroberfläche trieben. Gewiss hat die Technologie ihren beträchtlichen Anteil daran: wer weiß, ob nicht zukünftige Literaturwissenschaftler Soups oder Friendfeeds als wertvolle literarische Äußerung jener paar Blogger, die später mal berühmte Autoren gewesen sein werden, mit Begeisterung und Akribie auswerten. Schreiben im und fürs Netz ist viel mehr als "nur" Multimedialität oder Hyperlinks: in welche Richtung sich das ganze entwickeln wird, zeigt sich bereits jetzt in Ansätzen. Und Vielfalt kann nicht nur King Content, sondern Queen Stil nur gut tun.

*) 1 davon find ich übrigens völlig zeitlos: korrekte Recht-, Großschreibung und Grammatik rocken fett, weil sie Texte einfach *viel* schneller lesbar machen. Speedreading-Enabling auf Produzentenseite quasi.

Buchtipp: Wolf-Dieter Storl: Mit Pflanzen verbunden

storl 1217842910 Buchtipp: Wolf Dieter Storl: Mit Pflanzen verbundenAm Wochenende hab ich Ich bin ein Teil des Waldesteil des waldes gelesen, die Autobiographie von Wolf-Dieter Storl, der gerne als der "Schamane aus dem Allgäu" tituliert wird. So ehrenvoll und gerechtfertigt diese Bezeichnung auch sein mag, sie sollte jene nicht abschrecken, die beim Auftauchen dieses Begriffs sofort an esoterische Scharlatanerie denken. Wolf-Dieter Storl ist ein weitgereister, kluger und weiser Mann: der promovierte Ethnologe weiß weit mehr über einheimische Pflanzen als viele Biologen. Was Storl für mich aber mehr als jeden anderen Autor auszeichnet, ist sein ruhig-besonnene, nicht-urteilende Darstellung verschiedener Weltbilder, Religionen und Realitätskonstruktionen.

Storl hat selbst einen beträchtlichen Teil seines Lebens "zwischen den Stühlen" als Schüler unterschiedlicher Kenner ihrer Gebiete gelebt: er wanderte mit dem legendären indianischen Medizinmann und Pflanzenschamanen Bill Tallbull durch die Big Horn Mountains, lernte auf dem Bergbauernhof vom Schweizer Pionier Arthur Hermes auf dessen Einsiedlerhof die Grundlagen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und lebte lange Zeit in Indien, bevor er mit seiner Frau auf einen Bauernhof im Allgäu zog. All diese Lebensabschnitte sind, gepaart mit Anekdoten und einem beeindruckend lebendigem spirituellen Wissen in Storls Autobiographie vertreten. Das Buch ist nicht nur wahnsinnig informativ, sondern äußerst spannend, und ich war fast enttäuscht, als ich bei der letzten Seite angelangt war.

Zum Glück stehen aber bereits weitere Werke Storls, der mir vor einigen Jahren von Hannes Erler empfohlen wurde (danke dafür! :mrgreen:), in meinem Buchregal. Kräuterkunde, Naturrituale... Storl beschreibt dies alles mit einer Intensität, die - aber nur fast - an seinem eigenen Grundsatz zweifeln lässt: alles, was man lernen und verstehen möchte, muss man erleben. Dieses Pflanzen-Heilwissen, das über Jahrtausende nur im direkten menschlichen Kontakt überliefert wurde, steht wie so viele anderen, vor wenigen Jahrzehnten noch "streng geheime" Text, auf Amazon abrufbereit.

Als Blueprint zum eigenen Experimentieren, als Augenöffner für den unglaublichen Reichtum an persönlicher Freiheit und Realitätskonstruktion, der uns abseits der westlichen Rationalität zur Verfügung steht, sind sie Gold wert. Und was Wolf-Dieter Storls Bücher so besonders macht, ist die unmittelbare Nähe des Mitteleuropäers zu jener Fauna und Flora, die er in seinem Büchern in all ihrer facettenreichen Erscheinung beschreibt - jedem Pflanzen- und Naturfreund kann ich das Buch nur wärmstens ans Herz legen! Soviel zur Theorie - ich schmeiß ich jetzt auf mein Motorrad und werd die nächsten drei Tage in den Waldviertler Wäldern verbringen.

Ist meine Lieblingsgottheit ein Frosch?

teufelbild 1217458899 Ist meine Lieblingsgottheit ein Frosch? Ich bin mir nicht sicher. Im Jahr des Polytheismus wollen derartige Fragen nicht auf die leichte Schultern genommen werden. Aber im Zweifelsfall finde ich ein á la carte Menu, aus dem sich jeder die passende Speisenfolge zur persönlichen Erlösung rauspickt, finde ich allemal sympathischer als Dogmatismen: es muss ja nicht immer der Leib Christi sein. Insofern habe ich mich auch sehr gefreut, als mich Johannes gefragt hat, ob ich eine Rezension meiner Lieblingsgottheit für das Polytheismus-Blog verfassten möchte.

So richtig klar geworden ist mir dann allerdings erst beim Schreiben des Textes, dass die Entscheidung, wem man seine unsterbliche Seele nun anvertrauen will, keine einfache ist. Da gibt's ja diese alte Geschichte von dem Typ, der dem Teufel seine Seele für Reichtum und so weiter verkaufen will, aber vorher möchte er wissen, wie sich die Ewigkeit in der Hölle denn so gestaltet. Daher bedingt er sich bei Luzifer vertraglich eine "Testphase" aus, und verbringt vor der Unterschrift eine Probewoche in der ewigen Verdammnis. Dort ist's erstmal unerträglich heiß und unser Protagonist leidet wie ein Schwein, um nach ein paar Tagen festzustellen, dass man sich auch diese Umgebungstemperaturen gewöhnt. Dann lernt er eine äußerst attraktive Mit-Insassin kennen und beschließt kurz vor seiner Rückkehr, dass die Hölle eigentlich so übel gar nicht ist. Also unterschreibt er, lebt ein erfüllt-exzessives Leben und gelangt nach dem Tod schließlich an seinen Bestimmungsort. Wiederum benötigt er wieder einige Tage, um sich akklimatisieren, und als er nach sieben Tagen glaubt, das schlimmste überstanden zu haben, wird's plötzlich ohne jegliche Vorankündigung unerträglich eiskalt... In den Osttiroler Sagen überlistet ja immer der schlaue Schmied den Leibhaftigen, aber hier spielt sich die Geschichte andersrum ab: man muss also schon gut überlegen, in welchem All-Inclusive-Club man die Ewigkeit verbringen möchte!

Dazu fällt mir noch der Witz von dem Atheisten ein, der stirbt und die Hölle kommt. Als er den Teufel sieht, erschrickt er erstmal, doch als der ihn freundlich begrüßt und zu seinem neuen Domizil bringt, kann er sein Glück gar nicht fassen: eine traumhafte kleine Karibikinsel samt Villa mit allen Annehmlichkeiten, Personal und persönlichem Koch steht zu seiner Verfügung. Luzifer wünscht ihm alles Gute und erklärt ihm, dass er ihn in einem Monat wieder besuchen wird. Als es schließlich soweit ist, will der Teufel wissen, ob sein Gast zufrieden ist. Der bedankt sich für sein traumhaftes Domizil und meint: "Es ist wunderschön hier, das einzige, was ich vermisse, ist ein Boot, um Ausflüge aufs offene Meer zu unternehmen." Der Teufel schnippt mit den Fingern, und ein kleiner Yachthafen mit mehreren Boten taucht am Strand vor der Villa auf. In den folgenden Wochen unternimmt der Neuankömmling immer ausgedehntere Ausflüge, bis er schließlich eines Tages am fernen Horizont eine Insel erblickt, von der dichter Rauch aufsteigt. Neugierig geworden nähert sich dem Mann dem Eiland und blickt durch sein Fernglas. Was er sieht, lässt sein Blut gefrieren: abgemagerte, blutige, zerlumpte menschliche Gestalten schleppen riesige Steinblöcke über steile Rampen, angetrieben von lauter kleinen Teufeln, aus deren Aufseher-Peitschen Flammen züngeln. Entsetzt wendet der Mann sein Boot und fährt zu seiner Insel zurück. Als ihn Luzifer am selben Abend besucht, wagt er kaum zu fragen, doch die Angst zerrt an ihm - und schließlich erzählt er dem Teufel von seiner Beobachtung und fragt ihn mit zittriger Stimme, was es denn mit der schrecklichen Folterinsel auf sich habe. Der lacht nur und zuckt mit den Schultern: "Ach, mach dir keine Sorgen - das sind nur die Katholiken, die wollen das so!"

Mit anderen Worten: man weiß nichts Genaues. Da finde ich es im Zweifelsfall am sichersten, sich von der eigenen agnostischen Sekte als unerkannter Gott feiern zu lassen oder lieber gleich den großen grünen Frosch anzubeten, der alle anderen Götter erschaffen hat. Mehr zu meinen persönlichen religiösen Präferenzen gibt's in Englisch am Polytheismusblog.


Fotocredits: Teufel Teddy von Rainer Kregovski / Pixelio.de

SMS übertreibt mit der Werbung maßlos

smsat SMS übertreibt mit der Werbung maßlosBislang war ich einige Jahre lang mehr oder weniger zufriedener Kunde der kostenpflichtigen Plattform SMS.at. Für einen relativ geringen Betrag kann man komfortabel Kurznachrichten an Kontakte und/oder Listen verschicken. Zusätzlich finanzieren die Betreiber ihre Seite mit Werbung: und was da so an floating Layer und Pop-Out Bannern herum kreucht und fleucht, geht auf keine Kuhhaut. Header-Banner schön und gut - auf einer kostenpflichtigen Plattform erwarte ich mir aber ganz sicher keine extrem intrusiven Layers, welche die Benutzung des eigentlichen Service völlig unmöglich machen.

Ich versteh's ja, wenn 14jährige Wannabe-Internetmillionäre ihre Seiten mit solchem Dreck zupflastern, aber ein professioneller Anbieter von SMS-Services? Ein spezieller DHTML-Banner brachte heute mein persönliches Fass zum Überlaufen: aufgrund irgendeiner unsauberen Programmierung funktionierten alle Dropdowns in der Sendemaske nicht. Nach dem Reload der Seite lächelte mir kurz die Eingabemaske entgegen, um Sekundenbruchteile später von einem anderen Layer-Banner mit verzögerter Einblendung des "Schließen-Buttons" überdeckt zu werden. That's it, I quit.

Dass man Adblocker einsetzen sollte, ist durchaus richtig - aber ich war an einem Public PC und es ist ja nicht so, dass es nicht genügend andere Anbieter von Online-SMS Services gäbe. Ich werde meine Kurznachrichten in Zukunft über das schlanke und textlastige Hetzner-Interface versenden, SMS.at sieht mich nicht mehr. Auf dass mein Restguthaben die Jahresbilanz der Betreiber beschönigen möge!

Twitter und die Feedbackschleife

twitterquotient 150x150 Twitter und die Feedbackschleife Gruppendynamik, Systemtheorie, Sprachgestus, Eigenwahrnehmung, Verhaltensanalyse, Typenzuordnung, Kommunikationsquotient, emotionale Intelligenz, Selbst- und Fremdbild... sind die Arbeitsfelder von Kommunikationsberatern unterschiedlichster Couleur. Eine breite Skala zwischen dem jämmerlichen NLP und spaßigen Outdoor-Kletterübungen schult und sensibilisiert, wird aber per sofort überrollt vom Twitter Quotienten: denn der stellt völlig "unbiased", frei von jeglichem kulturellen Background und allfälligen Animositäten, eine erschreckend schonungslose Diagnose.

Microblogging liefert nämlich nicht nur 140 Zeichen, sondern auch die volle Persönlichkeitsanalyse, wie ich von Metty (natürlich aus einem tweet) erfahren habe. Und die deprimierende Wahrheit folgte auch gleich auf den Fuß: Max wird weniger gehasst als ich, weil und er twittert viel häufiger. Allerdings ist er auch dran schuld, dass Twitter so häufig down ist:

twitter index Twitter und die Feedbackschleife

PS: Das Favorite-Concept halt ich für überschätzt... aber der schlechteste Trafficbringer ist Twitter nicht gerade....

datenschmutz-Shop: Bücher, Musik und Gadgets

datenschmutzshopDie schlauesten Bücher, die besten Platten, die fettesten Gadgets. Behauptet die Tagline des frisch aufgesperrten datenschmutz Shops. Ja, ich gehe unter die Greißler um die Ecke und präsentiere in insgesamt 11 Kategorien meine persönlichen Favorites - vorerst powered by Amazon, möglicherweise werde ich zukünftig weitere Shops integrieren. Gesurft wird dabei innerhalb eines iframes, erst beim dicken Ende - nämlich dem Bezahlvorgang - öffnet sich ein neues Fenster mit dem Amazon-Warenkorb.

Zusammengestellt habe ich eine Auswahl meiner Lieblings-Bücher, Musik und Gadgets. Erstere sind sortiert nach generellen Empfehlungen, medienwissenschaftlicher Literatur, Science Fiction und Blogging-Büchern. ("Heast, I kriag des Biachl ned auf!"). Zweitere unterteilen sich in die Genres Hip Hop, Techno und Drumandbass. Und bei den Gadgets geht's um Digitalfotografie, Küchen-Stuff und Werkzeug.

Selbstverständlich sind die Preise dieselben wie bei Amazon, aber ich bekomme 5 Prozent Provision in Form von Amazon Geschenkgutscheinen: wer also auf der Suche nach lesenswerten Texten, hörenswerten Beats und benutzenswerten Werkzeugen ist und dieses Blog ein wenig unterstützen will, tue sich keinen Zwang an: auf zum Kaufrausch!

datenschmutz Amazon Shop beinhart betreten

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