Der äußerst aktive Michael Wöhrer hat vor kurzem sein neues Projekt Blog-Parade gestartet: die Seite bietet die Zentralperspektive auf alle momentan laufenden Karnevals-Aktivitäten in Blogistan und archiviert vergangene Blog-Aktionen. Schließlich lebt jede Blogosphere-Mitmachaktion von der möglichst hohen Zahl der Beteiligten - dass Bedarf für eine derartige Plattform besteht, zeigen die zahlreichen Einträge zum Start.
Ob nach dem amerikanischen Vorbild "Karneval" oder alternativ "Blog-Parade" genannt: gemeint sind Aktionen, bei denen ein Blogger KollegInnen aufruft, Artikel zu einem vorgegebenen Thema zu schreiben. Michael hat selbst vor einiger Zeit zum Plugin-Karneval aufgerufen - im Zuge der vielen folgenden Aktionen trat der Wunsch nach einer übersichtlichen Plattform auf, die folgendes leistet:
Blog-Parade.de dient als zentrale Anlaufstelle für Blog-Paraden bzw. Blog-Karnevals und andere von Bloggern veranstaltete Aktionen. Blogger können dort selbständig neue Blog-Aktionen ankündigen, zudem werden unter Liste aller Blog-Paraden alle Blog-Paraden bzw. -Karnevals gelistet.
Zur Eintragung eigener Beiträge registriert man sich am zugehörigen Blog - anschließend können unter Berücksichtigung einiger simpler Regeln sofort News gepostet werden.
Derzeit aktuell: die Liste der 50 besten Dinge des Lebens, Russische Medien sowie der Summer Citation Contest 2007 und einige Aktionen mehr: wem also mal die Themen ausgehen, der wird hier garantiert fündig.
Selbstverständlich hält ein Feed über neue Eintragungen am laufenden, und natürlich lebt Blog-Parade.de wie alle Aggregatoren von möglichst weiter Verbreitung: dazu hat Michael einige Buttons und Banner zur Verfügung gestellt. Ich hab ja auch schon ein Karnevalstreiben im Hinterkopf und freu mich über die nützliche Promotionmöglichkeit - two thumbs up! [via Punctilio]
Den folgenden Gastkommentar hat Marlene Lobis geschrieben. Er bezieht sich auf die zwölfte Folge des elektrischen Reporters, in der Peter Glaster über "Datenschutz und Informationskubismus" spricht.
Ich wache mit Kopfschmerzen auf; waren wohl doch zu viele "Caipis" gestern. Trotz des Wissens, ein katerproduzierendes Getränk in ungesunder Menge (obwohl, wie viel ist gesund?) zu mir zu nehmen, habe ich fröhlich konsumiert. Nicht Komasaufen, wie es grade zur Genüge diskutiert wird, nein, aber langfristig doch nicht gut für meine Hirnzellen. Und für die Leber sowieso nicht. Und: Beim Alkohol spüre ich (spätestens) am nächsten Morgen den direkten Effekt.
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Chiloo aggregiert die Aggregatoren: User stellen hier ihre eigenen Projekt-Gallerie zusammen, von der myspace-Seite über's eigene Blog bis zum FlickR-Feed und/oder Lieblingsfoto: sozusagen eine Zentralperspektive auf die persönliche Web 2.0 Spurensammlung.
Den alten Marketingtraum von der eindeutigen Online-Identität und lückenlosem Kundentracking hat die postmoderne Philosophie bereits vor Jahren theoretisch zerlegt, und in der Tat: online switchen viele stündlich zwischen DJ-Profil auf Myspace, Job-Realität auf Xing und Galleristendasein auf FlickR. Chiloo verwaltet die verschiedenen Projekte und fungiert sozusagen als Meta-Vernetzungstool und virtueller Showroom:
- Du kannst alle Deine Projekte auf einem Blick präsentieren
- Erhöhe die Besucherzahlen auf Deinen Projekten
- Knüpfe interessante Kontakte zu anderen Projektbesitzern
- Zeig Dein Profil potentiellen Arbeit- und Auftraggebern
- Lass über Deine Internetprojekte abstimmen
- Nutze das Feedback anderer Mitglieder, um Deine Internetprojekte zu optimieren
Derzeit sind die grundlegenden Funktionen implementiert, eigene Konten und Projekte können angelegt werden, allerdings gelten noch ein paar Einschränkungen: User- und Projektprofile bekommen erst in den nächsten Tagen eindeutige URLs, sodass man zB von seinem Blog auf die Projektübersicht verlinken kann. Standardmäßig kann jeder User nach der Registrierung derzeit nur zwei Projekte anlegen, dieses Limit lässt sich allerdings via Mail an den flinken Support jederzeit raufschrauben. Florian, der Betreiber des Projekts, wird in den nächsten Tagen ein begleitendes Weblog online stellen und darin laufend über die Chiloo-Weiterentwicklung berichten.
Mir gefällt die Plattform sehr gut - das angenehm dezent-funktionale Design und die typische Web 2.0 Kategorisierung "Tagging" schaffen Übersicht, die Auswahl der erfassten Paramter macht hochgradig Sinn und ich gehe davon aus, dass da in nächster Zeit noch einiges passieren wird. Sobald's die eindeutigen URLs gibt, verlinke ich natürlich auf meine Chiloo-Kollektion; einstweilen funktioniert das über die User-Suche:
ritchie auf chiloo.com
Wenn schon die ganze Internet-Sucherei quasi exklusiv über Google abgewickelt wird, dann kann zumindest am Werbemarkt ein Konkurrent zu Adwords keinesfalls schaden: das Schweizer Start-Up Contaxe präsentiert sich als Full-Service Lösung im Bereich Bannerschaltung und kontextsensitive Werbung.
Mal gucken, wie sich die potentielle Konkurrenz so entwickelt - ein Werbenetzwerk lebt von den Economies of Scale. Bislang ist Adsense kaum angefochtener Platzhirsch, selbst das erfolgreichs deutsche Affiliateprogramm kann mit seinen kontextsensitiven Ads namens "affilimatch" nur eine Marktnische besetzen. Bis 1. Juli läuft der Probebetrieb, ich hab mich mal registriert, kann allerdings noch keine Anzeigen schalten, denn:
Contaxe befindet sich bis zum 01.07.2007 in der Voranmeldephase. Alle Teilnehmer können sich bereits jetzt anmelden. Advertisern, Merchants sowie Agenturen stehen alle Funktionen zur Verfügung. Werbemittel können ab sofort zur Verfügung gestellt werden. Für Affiliates ist lediglich die Einbindung von Werbemitteln in ihre Website deaktiviert. Wir benötigen diesen Zeitraum, um nach dem offiziellen Start ausreichend qualifizierte Werbung schalten zu können.
Was mich durchaus vor die quälende Frage stellt, ob ich denn nun Affiliate oder Merchant bin... oder vielleicht doch Advertiser? Ach, alles so verwirrend heutzutage mit dem permanenten Rollentausch... Andererseits: was die Webseite als Alleinstellungskriterium verkauft, gehört allerdings längst zum guten Ton in der Web 2.0 Werbung:
Das besondere der Contaxe-Technologie für Publisher ist das einfache Handling aufgrund automatisierter Werbeschaltungen. Es muss nicht mehr umständlich jedes einzelne Werbebanner der Advertiser/Merchants heruntergeladen und platziert werden. Der Publisher stellt einfach von ihm ausgewählte Werbeplätze auf seiner Website zur Verfügung - alles andere macht Contaxe.
Wie auch immer - noch nicht gemolkene Milch lässt sich schwer vergießen, insofern kann man nur mal abwarten, wie sich Contaxe so entwickelt. Irgendwie schräg allerdings die Perspektive auf lebenlange geschäftslange Contaxepension:
Verschaffen Sie sich ein lebenslanges Einkommen mit Contaxe, indem Sie Contaxe auf Ihrer Website, in Ihren E-Mails und auch sonst im Internet empfehlen. Contaxe zahlt Ihnen von Anfang an eine Beteiligung an allen Publisher/Affiliate-Umsätzen in Höhe von 12%. Und dies ein Leben lang.
Insofern kann eine Registrierung mehr ja nichts schaden - kostet ja bloß zwei Minuten. Und wer weiß, vielleicht floriert die Werbebörse ja in einigen Monaten:
http://www.contaxe.com/
Es ist schon eine Crux mit vertanen Chancen, medialer Moral und den Google'schen Gesetzen: da brechen endlich mal die erhofften Horden von Surfern über's eigene Blog herein, und dann wollen sie alle nur nackte Tatsachen sehen - und wer auf seinem Blog den Youporn Metadialog aufrechterhält, aber keinerlei Amateure in eindeutigen Posen anzubieten hat, der hofft natürlich, den Sexualtrieb seiner Besucher mit Bannern in Geld zu verwandeln. Und auch wenn der youporn-Hype wieder abflaut: Nachfolger wie Yuvutu stehen bereits in den Startlöchern.
Wer möchte seine Stammleser schon mit "nackten Titten", "geilen Pornos in Spielfilmlänge" und bekannt grell-blinkenden Bannerchen nerven, die das eigene Blog aussehen lassen wie ein virtuelles Amsterdamer Rotlichtviertel? Das ist nicht nur für halbseidene Produkte interessant, doch dazu später mehr. Erstmals muss an dieser Stelle dringend gesagt werden, dass der große Erfolg von youporn und porntube selbstverständlich eine ganze Latte Nachahmer auf den Plan gerufen hat - wie jede Internetplattform, deren Wachstumsraten "Erfinder" inspirieren. Die Grobe Kelle jedenfalls empfiehlt Yuvutu: dort gibt's natürlich von der "young shaved pussy" bis zum "old bearded pirate" das volle Programm - auf den ersten Blick unterscheidet sich Yuvutu durch die Portalseite, die mit dem G'satzerl selbst österreichisch betrachtet Volljährige außen vor lassen will:
Submit and upload your adult videos here. Funny videos of an adult nature are welcome as well as hardcore amateur porn movies. Thousands of movies can be viewed for free. Be warned: many videos contain graphic sex scenes! Why not show the world your sexual prowess and upload a video now! All participants are at least 21 years of age.
Auf den zweiten Blick (nein, ein anständiger Webmaster würde sich sowas niemal ansehen!) zeigt sich, dass Yuvutu dem Minimalismus-Konzept von Youporn die gute alte Zentralperspektive entgegen setzt: statt einer Liste von Videos wird hier gruppiert nach den Hottest, Most Viewed, personal Favorites und so weiter. Letzere lassen bereits vermuten, dass Yuvutu über ein Login verfügt - die ist auch notwendig für's Mitspielen in den Blogs und im Forum, das derzeit allerdings primär vor Supportanfragen strotzt. Ähnlich wie youporn gilt's, Sherlock Holm'sche Kombinationsgabe an den Tag zu legen und das gute alte komm! com hintendran zu hängen, und schon ist man dort. fremdgegangen erklärt auch gleich, wie man die Videos lokal abspeichern kann. Aber nach diesem kleinen Yuvutu-Exkurs wieder zurück zum Thema Konsumenteninformation.
Das Zauberwort lautet alles: Werbeselektion: "keine Banner für Pros und Stammleser, viele und ganz spezielle für triebgesteuerte Such-Amateure", so die scheinbare Erfolgsformel. Was Foren häufig über die Registrierung lösen (nur eingeloggte User bekommen die werbefreie Version der Seite zu sehen), ließe sich im Fall von Blogs technisch zwar problemlos realisieren - im Gegensatz zu Diskussionsboards sind die meisten User auf Weblogs aber niemals eingeloggt. Zielführender ist daher eine Unterscheidung nach Referrer: wer (mit bestimmten Suchbegriffen) von Google, Yahoo und Co. auf einen Blogeintrag stößt, dem kann man, so die Grundidee mehr Werbung zumuten als den "Stammlesern", die direkt zugreifen.
Der Aufgabe, Besucher zu erkennen, die von einer Suchmaschine kommen, widmet sich Landing Sites. Es erkennt die gängigsten Web-Recherchehelfer und bietet den Besuchern nebem dem Highlighting der Suchbegriffe auch noch gleich eine Reihe thematisch verwandter Artikel an - molto bene für die Erhöhung der Klickrate. Frank Bueltge hat eine deutsche Version des Plugins erstellt.
Aufbauend auf dem Landing-Sites Ansatz bieten sich nun verschiedene Ansätze an, Werbung gezielt anzuzeigen. Eint etwa schlägt vor, nach Suchbegriffen zu filtern und so das passende Lockangebot zu eruieren. Nach Roberts Basics Beitrag über selektive Anzeige von Werbung hat Robert Schneider eine auf Search Hilight aufbauende Lösung für die Filterung präsentiert. Nicht Wichtig machte sich Gedanken über eine Single-Script ohne Extra-Plugins.
Im Kontext der youporn-Trafficwelle veröffentlichte Eint zum beliebten Amateur-Video-Portal gleich einen ganzen Youporn-Guide für Dummy Webmaster und bringt die Sache recht lakonisch auf den Punkt:
Also gibt es kaum eine Ausrede, wieso man diesen youporn-Traffic nicht zu Geld machen sollte. Damit ist allen etwas gutes getan. Die Suchenden finden eventuell interessante Angebote, der youporn-Blogger verdient sich ein goldenes Näschen und der Traffic ist sinnvoll verwertet. Youporn ist eine wahre Goldgrube, schöpfe sie aus!
Wer geeignete Partner- udn Affiliate-Marketingprogramme zur lückenlosen Versorgung mit schmutzigen Lockreizen, sucht, findet in diesem Artikel die passenden Tipps. Ich würde aber losgelöst von der Causa Youporn/Porntube durchaus weiter gehen und meinen, dass über die bloße Einzefall-Applikation hinaus sich die Frage nach der Referrer/Kontent/schlagwortabhängigen Suchfunktion durchaus für ein dediziertes Plugin, aufbauend auf dem genannten Landing Sites, eignet. Ein solches Plugin sollte im Admin-Interface idealerweise die Möglichkeit bieten, für die Anzeigen von Werbung mehrere Bedingungen zu konfigurieren, á la: Zeige diese Werbung nur dann an, wenn Besucher
Mit den Bordmitteln von WordPress kann man zwar problemlos die Variable post_id des betreffenden Beitrags abfragen und in Kombination mit der Referrer-Funktionalität von Landing Sites die gewünschte Werbung nur im Beitrag x, y, z anzeigen und zusätzlich nur dann, wenn die Besucher über Suchmaschinen kommen. Allerdings erfordert dies ständige Eingriffe in die Templates, da in der Abfrage die Post-IDs gegebenenfalls aktualisiert werden müssen. Bei mehreren Themen (Blog-Marketing besteht angeblich ja doch nicht *nur* aus Cpt. youporn) wird's dann schon leicht mal etwas unübersichtlich - für Webmaster, die einzelnen Adressen betreiben, welche unter verschiedenen Keywords gelistet sind, kann's hochgradig Sinn machen, den BesucherInnen, die über die Suche nach "Hundefutter" auf die Seite kommen andere Ads zu zeigen als denen, die mit "Mountainbike" auf derselben Seite gelandet sind.
Insofern wär ein solches Plugin eine echte Bereicherung für Hardcore-Conversion Blogger, allerdings keine ganz triviale Aufgabe, da idealerweise Referrer, Suchbetriffe, Beitrags-IDs und Werbeschaltungen simultan in einem Regelset verwaltet werden müssten. Mit anderen Worten: die Funktionalität von WP-Ads, einem praktischen Banner-Rotator, sollte in dieser eierlegenden Wollmilchsau also auch noch integriert sein.
Bis dahin hilft allerdings bloß fröhliches Basteln an den Templates zur "Verschonung" der Stammbesucher vor Pornobannern: wobei querlinkende Pro-Blogger diese ja eigentlich ruhig zu Gesicht bekommen sollten. Aber ein Plugin, das Blogger und reine Leser unterscheidet, wird wohl noch länger auf sich warten lassen.
Erfolg, Misserfolg? Der richtigen Ton(fall) oder Missethon? Quantitativ schaute einiges heraus an Nachberichterstattung beim live gebloggten Parteitag der ÖVP, die Zentralperspektive über alle Artikel gibt's auf technorati.
Ein Highlight politischer Berichterstattung sind Helge's Sieben Gründe, warum die ÖVP für mich unwählbar bleibt, Zitat:
4. Positionierung als Sicherheitspartei. Die ÖVP befindet sich mit den Rechtsparteien in einem unschönen Wettbewerb, wer Bürger- und Asylrechte stärker beschneidet. Mehr Sicherheit = weniger Freiheit. Österreich ist sicher genug, nicht aber frei genug.
Wahre Worte findet derselbe Autor auch zum Thema Instrumentalisierung:
Ich habe die Einladung trotzdem angenommen, denn die Instrumentalisierung läuft auch in die Gegenrichtung. Ich weiß, dass hier viele Funktionäre von der ÖVP mitlesen. Ich werde die Gelegenheit nutzen, euch meine Position zu einigen eurer Positionen zu verraten. Und vor allem: Es beginnt die Ära der partizipativen, vernetzten Demokratie. Auch wenn es mehr Sinn machen würde, wenn Politiker selbst bloggen und mit der Blogosphäre ins Gespräch treten als wahllos ein paar Blogger einzuladen - die Aufmerksamkeit wird der bloggenden Zunft nutzen. Auch wenn wir uns dafür ein bisschen instrumentalisieren lassen müssen
Heinz Wittenbrink findet so manche Formulierung unfreiwillig komisch:
Ein paar skurrile Sager stehen zum Glück nicht für die große Mehrheit der Statements ("Wir bauen auf einen Wertekanon, der nicht von den Minaretten und den Muezzinen verkündet wird, sondern von den Glocken und den Kirchtürmen in unserem Land".) Andreas Khol lässt es sich nicht nehmen, in wenigen Sätzen das Gegenteil der Botschaft von Wilhelm Molterer zu verkünden, aber das scheint niemand zu kümmern.
Und Tom Schaffar wiederum lässt wenig gute Haare an der Eigenpräsentation der Partei:
Ich würde mittlerweile gerne etwas Positives schreiben, einfach um nicht nur als Meckerer aufzutreten. Ich will auch etwas anderes als Mitschriften von Reden bieten. Der Terminplan an "wichtigen" Reden ist allerdings ziemlich vollgestopft - und die sind nunmal einfach grauenhaft. Wer sich hier eine Öffnung der ÖVP erwartet hat, wurde bisher enttäuscht. Es dominiert das Nichtssagende und ernüchternd Altbekannte. "Modern denken, menschlich Handeln", scheint auf der Videowall dauerhaft auf - Molterer wurde mit einer Roboteranimation angekündigt. Keine Bewegung auszumachen. Ja sogar Standpunkte sucht man mühsam.
Selbst der ansonsten recht diplomatische Dieter Rappold hat so seine Probleme mit den Witzchen des Andreas Khol:
Oh mein Gott - da wird mir wirklich schlecht. Es folgen Verweise aufs Alte Testament und rückwärtsgewandtes Wertegefasel - Kohl meint, wer nach allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht - ja Herr Kohl, das gebe ich gerne zurück, fragt sich wer da nicht ganz dicht ist...
Georg Pichler schlägt mit seiner Berichterstattung teilweise in dieselbe Kerbe - In-Group Witzchen scheinen bei Außenstehenden nun mal tatsächlich nicht besonders gut anzukommen:
Wortspiel am Rande: "Die Grünen sind bekanntlich eng verbandelt mit dem Begriff NGO. Ich finde, das passt sehr gut: ââ¬ËNon-Governmental Organization'." Soll ich lachen oder weinen? Ich glaube Tom unterdrückt neben mir gerade einen aufkommenden Brechreiz mit Mineralwasser.
Rein quantitativ betrachtet hat die ÖVP mit ihrer Einladungsaktion für den Gegenwert von ein paar Zugtickets und Übernachtungen eine Menge Resonsanz im Netz bekommen - dass diese dann großteils doch negativ ausfällt, steht auf einem anderen Blatt. Ist jede Werbung gute Werbung? Wenn das Ziel darin besteht, dass sich möglichst viele Bürger mit den Inhalten der eigenen Partei auseinandersetzen, dann ja. Wenn die Absicht freilich in der Generierung positiver Eindrücke bestanden hat, dann ging der Schuss ins Netz wohl eher nach hinten los. Mal sehen, ob's beim Experiment bleibt oder ob Blogger hinkünftig gern gesehene Gäste auf Parteiveranstaltungen sein werden. Die Medienabteilung der ÖVP hat vorerst wohl mit der Auswertung der Berichte und Kommentare zu tun - ein qualitativ-meinungsforschender Mehrwert lässt sich auf jeden Fall generieren.
Wenn literarisch interessierte Anthropologen dem "Blick von Außen" ein Setting verschaffen wollen, so versetzen sie sich gern in die Rolle eines außer-irdischen Besuchers, der über das gar merkwürdige Leben auf der Erde berichtet. Martin Reichert tut für die Taz das gleiche und beschreibt das "Computerspiel" First Life aus der Perspektive eines 2nd Life Bewohners.
Das ergibt einen köstlichen Testbericht ganz im Stile der derzeit überall gern publizierten "Mein erster Besuch im Vergnügungspark der Linden Labs" Zeugenberichte:
Versuchte man, die ganze Welt des "First Life" zu erkunden, müsste man beispielsweise "Billigflieger" in Anspruch nehmen, eine Bezeichnung, die insofern irreführend ist, als sie doch einiges kosten. Ein Flug nach Paris etwa wird für 29 "Euro" angeboten, grob umgerechnet wären das 5.400 Linden-Dollar. Umsonst ist hier eigentlich so gut wie gar nichts zu haben, außer der für Menschen lebensnotwendigen Luft zum Atmen - das "Klima" ist hier sowieso eine ziemlich wichtige Angelegenheit. Der Springer Verlag hat im "First Life" eine eigene Zeitung, die an jeder Ecke angeboten wird, und wenn die Titelseiten recht haben, steht das "First Life" vor seinem baldigen Ende.
Überhaupt geht's in First Life relativ rauh zu, auch wenn viele behaupten, dass wie immer bei medialen Innovationen Sex die hinter allem steckende Triebfeder und First Life nur ein großes unvirtuelles Puff sei:
Es gibt hier Niederlassungen und Werbetafeln von Firmen, die einem aus dem Second Life bekannt vorkommen, etwa Sony und Toyota. Auch die Menschen sehen zum Teil aus wie Avatars. Braungebrannte und breitschultrige Männer und großbusige, braungebrannte Frauen mit langen Beinen - ist aber eher die Minderheit, und wenn man sie anspricht, ob sie vielleicht Lust auf Ficken hätten, kann das ziemlich schmerzhafte Folgen haben, also seien Sie auf der Hut. Als Mensch ist man "verletzlich", so kann das Wasser zum Beispiel aus dem Körper rinnen, und dann ist man tot, "game over". Wenn einen nicht vorher ein lärmendes Auto mit Blaulicht ins Krankenhaus fährt. Die Dinger gibt es hier überall, und sie machen einen irrwitzigen Krach. Eine der vielen Details, die das "First Life" zu einem prickelnden Erlebnis, ja: einem wahrhaftigen Abenteuer machen.
Fazit - ein total überhpytes Spektakel eben!
Und man fragt sich auch immer mehr, was das hier eigentlich soll. Die Menschen sehen größtenteils ziemlich scheiße aus und wollen weder mit einem reden noch mit einem schlafen. Man weiß nicht, wer sie wirklich sind und was sie wollen. Sie haben nichts Besseres zu tun, als Euros nachzujagen, und stehen nicht mal offen dazu, dass sie es nur auf Sex abgesehen haben.