Willkommen beim Wochenrückblick von Linzerschnitte und datadirt. Keine Rede von Sommerloch: die Österreich-Werbung schickt Axel quer durchs die Alpen, Kulturkritiker schreien nach Dissidenten und Raver heiraten anders - das und noch vieles mehr im aktuellen Panoptikum.
Nicht jeder Kulturbeobachter fällt in den begeisterten Chor der New Media Evangelisten ein - in der Tat liegt das Heil der Menschheit ohne Zweifel nicht in 140-Zeichen Messages verborgen, dafür verschärfe Social Media kapitalistische Dichotomien:
Die Massen bekommen Macht, aber Konzerne werden noch viel mächtiger: Für den Kulturkritiker und Computerprogrammierer David Golumbia stecken hinter den Neuen Medien die alten Kräfte.
Dieses Zitat stammt aus einem aktuellen Gespräch, das Johannes Boie für die Süddeutsche mit David Golumbia führte. Der versucht den Twitter-Hype mit gesundem Realismus entgegen zu treten:
Das ist sehr westlich und kapitalistisch gedacht, wenn man behauptet, dass Twitter eine grundlegende Rolle bei den Protesten gespielt habe. Wenn man die gesamte Kommunikation betrachtet, die zu den Protesten in Iran beigetragen hat, tendiert Twitters Beitrag eher gegen null.
Siehe dazu auch den Begriff "Slacktivism" im folgenden Beitrag - einen Gleichgesinnten findet Golumbia übrigens im österreichischen Internet-Rechtler Mayer-Schönberger, der kürzlich der Tageszeitung derStandard Rede und Antwort stand und mehr Dissidententum forderte:
Der Internetrecht-Experte Viktor Mayer-Schönberger glaubt, dass "Übervernetzung" durch Facebook & Co zu einem Meinungseinheitsbrei führt. Mayer-Schönberger fordert mehr Freiräume.
Die Argumentation im recht kurzen Text ist einigermaßen skurril - von den Nachteilen des Peer-Review Systems auf die schädigende Wirkung von Facebook-Updates zu schließen, scheint zumindest mir dann doch etwas weit hergeholt:
Wir drohen in vielen Bereich übervernetzt zu werden, uns fehlen die Freiräume, völlig Neues zu denken und anzugehen. Anstatt tausenden anderen auf Facebook mitzuteilen, was wir gerade machen, sollten wir wieder mehr auf unsere individuelle Kreativität setzen.
Nochmal SZ: Neue Schlagworte braucht das Land! Feuilletonist Adrian Kreye hat den TED Kick-Off besucht und einige neue Schlagworte aufgeschnappt, die man sich wird merken müssen:
Slacktivism – sich für eine Sache mit ein paar Klicks online zu engagieren. Bestes Beispiel sei die “Save the Children of Africa”-Aktionsgruppe auf Facebook. Eine Million Mitglieder, die bisher rund fünftausend Dollar Spenden aufbrachten.
Spinternet – wenn Regierungen und Regimes die Beschleunigungskraft des Internets nutzen, um Nachrichten und Gerüchte so zu beeinflussen, dass sie die offizielle Linie unterstützen.
Singularity - der Zeitpunkt, an dem künstliche Intelligenz dem menschlichen Denken überlegen ist. Soll angeblich schon 2020 sein. Ray Kurzweil hat sich da ziemlich rein gearbeitet. Tauchte im Partygespräch zwischen der Hirnforscherin und dem Mozilla-Linguisten als Treppenwitz auf.
Bei dieser Gelegenheit sei gleich nochmal an die geplante TEDx Vienna erinnert - ob im Herbst wirklich was draus wird, scheint aber fragwürdig: zumindest das zugehörige Twitter-Profil @TEDXVienna ist seit 16. Juni im Sommerurlaub.
Bill Gates hat sich von Facebook zurück gezogen - die offenen Freundschaftsanfragen wuchsen dem Microsoft-Gründer über den Kopf bzw. das Namensgedächtnis:
Bill Gates confessed at an event in New Delhi today that he gave up on Facebook because he couldn't keep up with the friend requests. Gates remarked that there were "10,000 people wanting to be my friends" after he tried out the service, and it was time consuming to decide if he "knew this person, did I not know this person".
Siehe dazu auch dieses großartige Mock-Up von Mashable. Da wird Bill in Zukunft eines verpassen: denn laut AddtoAny hat ist Facebook mittlerweile populärer beim Content-Sharing als die gute alte E-Mail:
According to AddToAny, Facebook now dominates sharing, with 24 percent of shares from the widget consisting of users posting items to the social network. That handily beats out email (11.1 percent) and Twitter (Twitter) (10.8 percent), making the world’s most popular social network also the most popular service for sharing content.
Dieses Chart von Business Insider zeigt Facebooks Vorsprung sehr deutlich.
Eine aktuelle Studie, auf die ich beim Wortgefecht gestoßen bin, unterstellt übrigens Männlein und Weiblein ein vollkommen unterschiedliches FB-Applikations-Nutzungsverhalten:
Facebook und seine zahlreichen Applikationen werden von Frauen und Männern völlig unterschiedlich genutzt. Die Popularität einer Facebook-Anwendung hängt in erster Linie davon ab, von welchem Geschlecht sie vorwiegend eingesetzt und ob sie weithin als "cool" eingestuft wird. Zu diesem Schluss kommen die Forscher Rebekka Russell-Bennet und Larry Neale von der Queensland University of Technology in Australien. [...] Laut Russell-Bennett wollen Frauen vor allem Applikationen, über die sie sich selbst irgendwie darstellen oder ausdrücken können. Männer hingegen würden in erster Linie die Herausforderung eines «sozialen Wettbewerbs» suchen. Facebook-Nutzer wollten demnach Applikationen besitzen und teilen, die ihren Status innerhalb des Freundesnetzwerks aufwerten. Für Frauen gehe es dabei um Selbstdarstellung, für Männer darum, wer der Beste sei.
Adobe stellt mehrere Flash-Komponenten unter die Open Source Lizenz. Im Detail geht es dabei um Technologie, die aufwändige typographische Gestaltungen von Websites ermöglichen, wie TechCrunch berichtet:
Adobe has rolled out two new open source initiatives aimed specifically towards developers for media companies and publishers. Adobe’s Open Source Media Framework lets developers build more robust, feature-rich media players optimized specifically for the Adobe Flash Platform. The second initiative, the Text Layout Framework (TLF), will help developers create sophisticated typography capabilities to Web applications.
Charline Li von der Altimeter Group hat eine quantitative Ranking-Studie durchgeführt, die klären soll, welcher Ring, äh Brand, sie alle online knechten und ins Dunkel treiben sich am meisten im Social Web engagiert. Die komplette Studie gibt's auf TechCrunch, auf Platz 1 landeten wenig überraschend die Kaffeesieder von Starbucks, deren überrösteten Bitterstoff-Schluder (ich sage: Analog-Kaffee) man als gelernter Wiener natürlich links liegen lässt. Hier die Top Ten mit den jeweiligen Punktezahlen:
1. Starbucks (127)
2. Dell (123)
3. eBay (115)
4. Google (105)
5. Microsoft (103)
6. Thomson Reuters (101)
7. Nike (100)
8. Amazon (88)
9. SAP (86)
10. Tie – Yahoo!/Intel (85)
Informationen nachträglich zu löschen kann ganz schön mühsam bis unmöglich werden - ein neues Tools namens Vanish geht den umgekehrten Weg und postet alle Inhalte verschlüsselt. Der Key hat eine eingebaute Ablaufdauer:
Perhaps the most amazing thing about Vanish is that it's capable of erasing messages posted practically anywhere on the web. For example, the system is able to erase messages from any web-based email system like Gmail, Hotmail, or Yahoo, instant messaging chats, or even social networking sites like MySpace or Facebook.
To accomplish this, the messages sent with Vanish are encrypted with a secret key, never revealed to the end user. The key is then divided into dozens of pieces and sent out over peer-to-peer (P2P) networks - the same ones where music and movie files are traded every day. Because file-sharing systems are in a state of constant change, the various key parts eventually become inaccessible. Once enough of them are lost, the message can no longer be decrypted and read.
Wem also selbst E-Mail Verschlüsselung mit GnuPGP nicht ausreicht, der wird seine helle Freude an Varnish haben. Aber bloß nicht nachher jammern: weg ist weg!
Der Internet-Zahlungsprovider Nummer eins ist zwar am längsten im Business, kam in letzter Zeit durch die Konkurrenz aber ganz schön unter Beschuss. Nun läutet PayPalX die nächste Stufe des Online-Bezahlens ein:
However, Paypal is taking a swing back at the competition today, revealing PayPal X and Adaptive Payments, a new initiative that allow third party developers to utilize PayPal in completely new ways. Prepare yourself for split payments, payment aggregation, and PayPal on other websites.
Die steigende Nachfrage nach Micro-Payment Lösungen spielt PayPal natürlich in die Hände - unter anderem werden zukünftig beispielsweise User-tot-User Geldtransfers auf Drittanbieter Seiten möglich sein.
Christian Lendl, Co-Autor beim Austria-Tourism-Guide, hat mich auf eine widget-basierte Werbeaktion (was für Alliteration!) für Urlaub in Österreich aufmerksam gemacht: Axel Halbhuber durchwandert nämlich gerade gemeinsam mit Hund Niko/Poldi ganz Österreich - aber da die Route nicht von Energydrink Herstellern geplant wurde, halten sich die unerträglichen körperlichen Strapazen in engen Grenzen:
Axel wandert von Bregenz nach Wien und bloggt über die Erlebnisse, die man am Berg eben hat: Menschen, die man trifft. Gedanken, die einem einschießen. Blicke, die ins Aug springen. Die Route orientiert sich am Weitwanderweg 01. Die Wanderung ist alpin bis hochalpin, führt selten auch durchs Tal.
Seit 24 Tagen ist Axel unterwegs - wanderbegeisterte Blog-Leser finden Foto-Perlen und äußerst unterhaltsam geschriebene Beiträge. Wer dadurch selbst auf den Geschmack kommt, sollte am Blogger-Contenst teilnehmen:
Für alle Blogger gibt es im Zuge von Axels Wanderung einen Contest. Wer das Widget auf seinem Blog einbindet und damit die meisten User auf Axels Blog bringt, eine Wanderwoche in Gosau samt Übernachtung im Top-Hotel.
Wer möchte, kann Axel übrigens auch ein Stück des Weges begleiten. Gelungene Online-Kampagne, finde ich.
Spirograph III von Ben Matthews nutzt eine Halfpipe als Leinwand und Farbe als Licht - beeindruckend:
Hätte das Filmteam seinerzeit beim Dreh von "Angriff der Killerameisen" seinerzeit derartige Makros zur Verfügung gehabt, dann wäre der Film wohl um einiges grusliger geworden. Jörg Brönnimann lässt in "Ant-Views" seinen insektoiden Hauptdarsteller durch die Canon Mark II Makrowelt spazieren:
Hochzeiten sind Königsdisziplin in der Kategorie der Familienfeiern. Noch mehr Verwandte, noch mehr Essen, noch mehr Zeitaufwand und noch mehr Langeweile. Aber es geht auch anders, wie dieses Video der Woche zeigt:
Und damit sind wir auch schon wieder am Ende des Rückblicks - oder, wie manche sagen, in der Gegenwart - angelangt. Wir wünschen herausragende letzte Sonntagsminuten und einen dialogischen Start in die neue Web 2.0 - Woche. Danke für Ihre Whuffies, wir lesen uns am Montag.
Tenzin Gyatso aka der Dalai Lama hat zur Zurückhaltung und zum Dialog aufgerufen, die chinesische Regierung scheint zwischen Reputations-Verlustangst und - ja, und was eigentlich? - zu schwanken. Eine aktuelle Petition will Chinas Präsident Hu Jintao vom Konfrontationskurs abbringen, möglichst viele UnterzeichnerInnen werden innerhalb der nächsten 48 Stunden gesucht.
Petition: Unterstützt den Dalai Lama
Nach Jahrzehnten chinesischer Repression hat sich die Frustration der tibetischen Bevölkerung in Straßenprotesten und gewaltsamen Unruhen entladen. Während die Welt wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele auf Tibet schaut, rufen die Tibeter die Welt um Hilfe für einen Wechsel. Die chinesische Regierung hat angekündigt, die Demonstranten und Demonstrantinnen, die sich nicht ergeben haben, 'zu bestrafen'. Ihre Führer treffen gerade jetzt eine wegweisende Entscheidung zwischen brutaler Eskalation oder Dialog, die die Zukunft Tibets und Chinas bestimmen kann.
Wir können diese historische Entscheidung beeinflussen -- China sorgt sich um seine internationale Reputation. Chinas Präsident Hu Jintao muss zu hören bekommen, dass der Erfolg von 'Made in China' und der Olympischen Spiele von seiner Wahl abhängen. Aber es braucht die schnelle Reaktion einer Masse von Menschen, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen und wir brauchen diese in den nächsten 48 Stunden.
Der tibetische Friedensnobelpreisträger und geistige Führer der Dalai Lama hat zu Zurückhaltung und zum Dialog aufgerufen. Er braucht die Unterstützung der Weltbevölkerung. Klick auf den untenstehenden Link um die Petition zu unterstützen. Ziel sind eine Million Stimmen für Tibet (es sind schon 79729!!).
Die Unterschrift erfolgt rein digital, ein getuntes Spamscript müsste eigentlich locker ein paar Millionen Einträge schaffen - aber wie auch immer: schaden kann's ja nicht, hier geht's
Trotz verspätetem Wintereinbruch, tiefen Temperaturen und Schneesturm-Stimmung in Wien: Lassen Sie sich das Ostereiersuchen im Freien keinesfalls vermiesen! Ich wünsche allen LeserInnen ein fröhliches verlängertes Wochenende.
Man muss keineswegs gläubig sein, um einen zusätzlichen freien Montag zu genießen - aber vielleicht hilft's ja, keine Ahnung. Passenderweise jedenfalls hier a) einige passende religiöse Verschreiber aus Schularbeiten von VolksschülerInnen aus Ohio, angeblich authentisch; und wenn nicht, dann zumindest gut erfunden. Und b) ein Fahndungsfoto von Franz Pfluegl, der den Osterhasen auf der Flucht Richtung Karibik geknipst hat!
Ancient Egypt was old. It was inhabited by gypsies and mummies who all wrote in hydraulics. They lived in the Sarah Dessert. The climate of the Sarah is such that all the inhabitants have to live elsewhere.
Moses led the Hebrew slaves to the Red Sea where they made unleavened bread, which is bread made without any ingredients. Moses went up on Mount Cyanide to get the ten commandos. He died before he ever reached Canada but the commandos made it.
Solomon had three hundred wives and seven hundred porcupines. He was an actual hysterical figure as well as being in the bible. It sounds like he was sort of busy too.
It was an age of great inventions and discoveries. Gutenberg invented removable type and the Bible. Another important invention was the circulation of blood.

PS: ganz ganz herzlichen Dank allen, die in den letzten Tagen MitgliederInnen der datenschmutz-Gruppe auf Facebook wurden und/oder Fans der datenschmutz Page. Wie Mirko völlig richtig angemerkt hat, ist "become a fan" allerdings eine sehr unglücklich gewählte Terminologie. "support xy" wäre wesentlich besser... Fan hat sowas passiv-bedingungsloses, Support dagegen steht für die aktive Bereitschaft, jemanden zu unterstützen. Vielleicht sollte man ja eine diesbezügliche Facebook-Petition ins Leben rufen. phattes THX! auf jeden Fall! Wer mir ein buntes Osterei ins Nest legen möchte: hier geht's zur datenschmutz Facebook Page und hier zur zugehörigen facebook Gruppe.
Godot lässt grüßen - die von den Grünen instrumentalisierte Angst vor einem totalen Überwachungsstaat stieß bei den Regierungsparteien auf keinerlei Gegenliebe. Trotz aller aktuellen Uneinigkeiten der Koalitionspartner war man sich einig, dass erstmal Oberüberwacher Platter ein Statement abgeben soll.
Wer, wenn nicht er? Nun ja, jeder andere. Der größte Hardliner der Regierung wird wohl kaum freudig das eigene Gesetzt diskutieren. Dass die SPÖ bei soviel Krankenkassen-Hickhack, Hintergrundzwist und Neuwahldiskussionen nicht versucht, zumindest politisches Kurzfrist-Potential aus der Affäre SOS zu schlagen, verwundert dann aber doch. Konkret schreiben Peter Pilz und Co.:
Die Petition wurde am 5. März im Petitionsausschuss behandelt. Anstatt die Petition dem Innenausschuss zuzuteilen, beschlossen ÖVP und SPÖ aber eine Stellungnahme des Innenministers einzuholen. Diese offensichtliche Verzögerungsmaßnahme von Seiten der Regierungsparteien und gleichzeitige Missachtung Wunsches der UnterzeichnerInnen nach einer Diskussion des Sicherheitspolizeigesetz im Innenausschuss wurde von den Grünen scharf kritisiert.
Man könne Mails schreiben, beispielsweise an Gisela Wurm (SPÖ-Sprecherin für Petitionen und Bürgerinitiativen und Vorsitzende des Petitionsausschusses); die wird sich übrigens sehr über die Veröffentlichung ihrer E-Mail-Adresse im Klartext freuen, hoffentlich gibt's in der Löwelgasse anständige Spamfilter.
Diese Aufforderung zeigt deutlich das Dilemma der ganzen Aktion: das Thema ist viel zu wichtig, um von einer Kleinpartei instrumentalisiert zu werden. "Yeah, it's a dirty job, but I just love doin't it" könnte man DMX reimen, aber selbst Rap täuscht über eines nicht hinweg: eine überparteiliche Aktion hätte vielleicht auch die Selbstdenker innerhalb der Großparteien mobilisieren können. Mittlerweile ist Widerstand gegen Überwachung aber grün, und das hält eine ganze Latte von ParteisoldatInnen sehr effektiv davon ab, ihre diesbezügliche Meinung laut zu artikulieren... oder alle SP und VP Parteibuchbesitzer haben ohnehin nix zu verbergen und damit keinerlei Angst vor Totalüberwachung. Aber wer das glaubt, wird höchstens selig und irgendwann mitten in einem totalitären Regime mit Demokratie-Feigenblatt aufwachen. Die Abwehr des Überwachungsstaates scheint jedenfalls vorerst/endgültig (nicht zutreffenden Begriff bitte mental streichen) gescheitert zu sein.
Bereits 9 Wochen sind ins Land gezogen, seit 2008 vom Stapel lief - und in einem Monat wird das erste Quartal dann auch schon wieder Vergangenheit gewesen sein. Das chinesische Jahr der Ratte dagegen begann erst am 7. Februar: dieses meist recht unerwünschte Tierchen steht nach Meinung der Chinesen für wirtschaftlichen Erfolg und begünstigt Neuanfänge. Beste Aussichten also sowohl für die datenschmutz-Werbeeinnahmen als auch mein geplantes Redesign.
So gut wie keine Homepage kommt ohne HTML-Formulare aus: ob Kontaktpage oder Upload, die HTML-Eingabeelemente sind allgegenwärtig. Auf Backend-Seite gibt's genügend fertige Lösungen samt Login und Datenspeicherung, frontend-seitig kommt Appnitros Form Builder äußerst gelegen: mittels komfortablem Ajax-Interface klickt man sich das gewünschte Formular in Windeseile zusammen. Dabei stehen alle gängigen Eingabeelemente, von Multiple Choice über Datumsfelder bis zu Datei-Uploads zur Verfügung. Das Resultat kann vorab begutachtet und anschließend komfortabel als *.zip heruntergeladen und aufgrund der übersichtlichen Codestruktur auch ohne Probleme im Nachhinein verändert werden. Nützlichkeitsfaktor: 5 von 5 Sternen.
Online reicht man heutzutage nicht nur die Steuererklärung ein, sondern auch den eigenen Beitrag zur ars electronica, die heuer zum ersten Mal wie jedes Jahr in Linz steigt - genau genommen zum schnaps-zahligen 22. Mal. Details zur Einreichung finden potentielle Shooting Stars der Digi-Art Szene auf prixars.aec.at, die Kategorien tragen so klingende Namen wie Computer Animation / Film / VFX, Digital Musics, Interactive
Art, Hybrid Art, Digital Communities, Media.Art.Research Award, u19 - freestyle competition. Insgesamt werden 115k Euros an Preisgeld ausgeschüttet, am 7. März endet die Online-Einreichphase. Viel Glück!
Eine lange, sperrige Überschrift, die eigentlich die zugehörige News schon fast überflüssig macht - aber der Vollständigkeit halber: seit letzter Woche erlaubt Facebook auf Pages nicht mehr bloß Bilder, sondern wahlweise auch Flash-Dateien oder FBML (Facebook Markup Language) Inhalte. Eine Übersicht über die Elemente der Facebook-eigenen Markup-Sprache findet man im Developper Wiki. Dazu stehen zwei Apps, die nur auf Page installiert werden können, zur Verfügung - und zwar Flash Player respektive Static FBML. Beide Programme sind in dreifacher Ausfertigung verfügbar (Flash Player 2,3 und ditto für FBML), damit fleißige Page-Betreuer jeweils bis zu drei neue Boxen unterbringen können. Und das beste daran: hat man die betreffende Applikation erstmal installiert, lässt sich auch das Header-Bild durch dynamischen FBML-Content ersetzen. Das ermöglicht eine Menge nette Spielereien in punkto Pagevermarktung.
Max hat ein hochgradig nützliches SEO-Plugin gefunden: der Crawl Rate Tracker zeigt an, wie oft Yahoo, MSN und Google einzelne Seiten besuchen - ein extrem wichtiger Faktor für den Trust-Rank und wesentlich zeitnaher als der Pagerank. Die Stats werden als übersichtliche Flash-Grafik dargestellt - wer sich das Teil nicht installiert, ist selber schuld.
Wie Webzweinull.cc berichtet, ging gestern die deutschsprachige Facebook-Version online - nach fleißiger Crowdsourcing-Übersetzungsarbeit leitet nun facebook.de auf die lokalisierte Version - wahlweise kann man auch in den Optionen die Sprache umstellen. Trotzdem wächst FB in Deutschland noch immer vergleichsweise langsam:
Während diesem vor einigen Monaten noch 2.000 Nutzer täglich beitraten, wächst es heute mit weniger als 1.000 Mitgliedern pro Tag. Dass die Sprache nicht das primäre Problem ist, verdeutlicht der Vergleich der deutschen Facebook-Nutzung mit der in Frankreich. Das Netzwerk "Germany" zählt aktuell 347.663 User, was schätzungsweise rund 700.000 Mitglieder aus Deutschland bedeutet (in der Regel sind zirka 50 Prozent der User eines Landes im jeweiligen nationalen Netzwerk). Im Frankreich-Netzwerk tummeln sich dagegen 1.076.582 eingetragene Anwender, was die Gesamtzahl der bei Facebook registrierten Franzosen nah an die Zwei-Millionen-Marke bringt - und das ohne französische Facebook-Version!
Mal sehen, ob die nun wegfallende Sprachbarriere ein entscheidender Faktor gegen die starke Konkurrenz StudiVZ wird - ich bleib jedenfalls bei der englischsprachigen Version... der Social Media User ist ein Gewohnheitstier
Rivva verlinkt, was eigentlich nicht zusammengehört aber thematisch dann irgendwie doch - Aggregator-Business, eben. Ich find immer wieder spannende Beiträge auf der Seite, im Interview mit dem Elektrischen Reporter erklärt Chefentwickler Frank Westphal den konzeptionellen Hintergrund des Projekts. Potentiell legendäres Zitat: "Alpha-Geeks sind die ersten, die die Informationsflut spüren."
In diesem Sinne wünsch ich einen unvorstellbar erholsamen Restsonntag und einen enthusiasmierten Start in die Woche - bis morgen, sehr verehrte LeserInnenschaft.
Nic.at, Verwalter der österreichischen TLD, feierte dieser Tage 20. Geburtstag. Herzliche Gratulation! Ich war letztens erstaunt drüber, dass eine .at-Domain bei Hetzner für 1 Jahr nur mehr etwas über 13 Euros kostet... nettes Geburtstagsgeschenk
Höchste Zeit, statistischen Daten über (selbsternannte) SEO-Experten zu erheben, dachten sich die Profis von SEOmoz. Für die 51 Fragen gibt's nicht nur die Chance auf wahlweise ein Ei-Fon oder einen Amazon-Gutschein über 400$, die Fragen sind teils auch äußerst instruktiv - ich hab jedenfalls einige mir bis dato unbekannte hochinteressante Infoquellen gefunden; Mitmachen zahlt sich definitiv aus.
Peer Wandiger hat vor kurzem mit mir ein Interview zum Thema "Werbung im eigenen Blog verkaufen" geführt - der Text ist nun auf Selbständig im Netz online - ebendort wird's in Zukunft häufiger Infos zum Thema geben. Auf jeden Fall ein spannender und dynamischer Bereich, denn PPV-Longtail-Aggregationsanbieter dürften nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Auch im 21. Jahrhundert gibt's noch Fernsehsendungen, die Fans haben. Wer weiß, ob "Dalli Dalli" jemals eingestellt worden wäre, wenn sich damals bereits eine Protestbewegung online formiert hätte. Metro, das Wiener Stadtmagazin, soll nach der Übernahme von puls durch SevenOneMedia eingestellt werden, also haben einige Fans die Seite Metrofight ins Leben gerufen:
Womöglich habt ihr, liebe Leidensgenossinnen und Leidensgenossen, über die allerletzte Metro-Sendung auf dem Wiener Lokalsender PULS TV, die zum 25. Jänner 2008 in der Erstausstrahlung über den Äther ging, von dieser Internetpräsenz erfahren. Dies zeigt, dass ihr durchaus gewillt seid, euch für eine Rückkehr dieser wunderbaren kleinen Sendung auf dem neuen pinken Vollprogramm PULS 4 auszusprechen. Wenn dem so ist, dann mal jetzt schleunigst zum Metromanifest unter "Petition" geklickt und das entsprechende Formular ausgefüllt. Zum 17. März 2008 leite ich sämtliche Einträge an die Verantwortlichen von PULS 4 weiter.
Da soll nochmal einer behaupten, das regelt die Quote schon alles von allein...
Im Übrigen wünsch ich einen schönen Sonntag, bin gerade vom Barcamp Senza Confini in Klagenfurt zurückgekommen, erste Eindrücke gibt's bei Mister Gratzer, mein Bericht über Tag 2 folgt morgen.
| 29. Januar 2008 | ||
| 19:30 | bis | 21:30 |
Ein von mir seit Jahren sehr geschätzter Nationalratspolitiker wird der Gastvortragende beim ersten q/talk des neuen Jahres sein: Peter Pilz von den Grünen spricht über seine Sichtweise des neuen SicherheitsPolizeiGesetzes - sein Vortrag dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so manche Parallele zur schlechten alte Metternich-Zeit wachrufen.
Es heißt ja immer, jedes Volk habe die Politiker, die es verdient - aber wir haben doch mit FPÖ und BZÖ eh schon zwei semi-gefährliche Klamauktruppen am Start, dieses Sicherheitsgesetzt hat .at nun wirklich nicht verdient; zumindest nicht dessen stille und heimliche Verabschiedung mitten im Weihnachtsrummel, schön vorbeigeschummelt an jeglichem öffentlichem Diskurs. (So gesehen wär's ja dann wiederum doch die "typisch österreichische" Lösung?)
Die (leider an wenigen Händen abzählbare) engagierte Gegenöffentlichkeit trifft sich am 29. Jänner im Museumsquartier zum Vortag von Peter Pilz:
Ort: MQ Wien, Electric Avenue, quartier21, Raum D
Im Biedermeier setzte Metternich durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819 eine strenge Zensur und eine starke Einschränkung jeglicher politischer Betätigung durch. In einem mehr als fragwürdigen Eilverfahren wurden die Beschlüsse vom Bundestag in Frankfurt einstimmig bestätigt, obwohl sie tief in die Rechte der Einzelstaaten des Deutschen Bundes eingriffen. Erst mit der bürgerlichen Märzrevolution von 1848 gelang es, sich aus einem System von Verfolgung und Zensur durch die Polizei zu befreien. Die jüngsten Ereignisse in Österreich und der EU zeigen beängstigende Parallelen. In einer überfallartigen Übernacht-Aktion beschließt der Nationalrat gegen Mitternacht des 6. Dezember 2007 die Novelle zum Sicherheitspolizeigesetz - ohne die in Österreich üblichen Begutachtungen von neuen Gesetzen und ohne Vorlage beim Innenausschuss des Parlamentes.
[...]
Wir sind der Überzeugung, dass nicht alles zulässig sein darf, was technisch möglich ist. Verfassung, Justiz und Polizei haben eine gemeinsame Aufgabe: Uns und unsere Freiheit zu schützen. Immer öfter wächst aber aus vermeintlichem Schutz eine Bedrohung heran. Und immer
öfter geht eine schrankenlose Überwachung auf Kosten unserer Freiheit und Demokratie. Denn Menschen, die sich überwacht fühlen, sind nicht mehr bereit eine eigene Meinung zu äußern.
Mehr Infos zum Vortrag
Petition der Grünen gegen den Überwachungsstaat
Yup. In einer aktuellen Aussendung informieren die Grünen über ihre Initiative SOS-Überwachung. Auch wenn ich mir einen überparteilicheren Ansatz gewünscht hätte: zum Glück unternimmt wenigstens überhaupt jemand was gegen diese enorm übertriebenen Allmachtsphantasien eines Staatsapparats, der seine BürgerInnen konsequent nicht als selbständig denkende Subjekte, sondern als Rohmaterial für Intimsphären-verletzende Zwangs-Sozialforschung betrachtet und behandelt; im Fall mancher ÖVP-Hardliner nicht direkt überraschend, aber die SPÖ, die sich immer noch zu Unrecht für eine Linkspartei hält, hat hier auf ganzer Linie grandios versagt.
Ein sehr lesenswertes Interview hat Georg Holzer zu diesem Thema mit Helge geführt - der fasst kurz und prägnant das Kernproblem zusammen:
Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Doch wir alle haben etwas zu verbergen: Unsere Privatsphäre und unsere Beziehungen. Man arbeitet, ganz im Stil George Bushs, mit Angst. Angst vor Terror, Angst vor Kriminalität. Dabei ist Österreich sicher wie nie zuvor. Niemand käme auf die Idee, private Autofahrten zu verbieten, trotz tausender Verkehrstoter. So wie hier Mobilität über Sicherheit gestellt wird, sollten wir die Privatsphäre des Einzelnen nicht am Altar der Angst opfern.
Die vom Autor dieses Zitats initiierte Online-Demo (siehe Eselsohr hier in der oberen rechten Ecke) läuft weiterhin, alle Webmaster und -mistressen sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. 20.000 Unterschriften konnten mit der Online-Petition gegen den Überwachungsstaat bereits gesammelt werden. In einer aktuellen Aussendung informierten die Initiatoren über die nächsten Schritte:
- SOS-Überwachung geht jetzt auf die Straße. Wir werden in der zweiten Phase Unterstützungen mit Listen sammeln, in möglichst vielen Städten und Gemeinden.
- Eine Reihe von Initiativen unterstützt SOS-Überwachung. Mehr als 140 Blogs haben sich als "Online Demo" zusammen getan, um Unterschriften zu sammeln. Platterwatch, die von den Grünen initiierte Plattform zur "Überwachung der Überwacher", unterstützt mit Links und mit Sammeln auf der Straße.
- Von Providern wird derzeit die Möglichkeit einer Verfassungsklage geprüft. Verfassungsrechtler wie Univ. Prof. Funk und Univ.Prof. Mayer geben diesen Klagen ebenso gute Chancen wie Klagen der betroffenen User/Innen. Rund um Platterwatch ist eine Sammelklage der betroffenen User/Innen in Vorbereitung.
- Am 3. März 2008 tagt voraussichtlich der Petitionsausschuss. Das ist der erste Termin, zu dem die Petition im Nationalrat eingebracht werden kann. Von dort soll sie dem Innenausschuss zugewiesen werden, der Anfang Mai zu einer Sitzung zusammenkommen wird.
WAS KÖNNEN SIE JETZT TUN?
Vor allem eines: weiter Unterstützungen sammeln - über das Internet und mit Listen. Die Listen können Sie bei den Grünen anfordern oder sich hier ausdrucken und kopieren.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Univ. Prof. Dr. Gerald Futschek
Dr. Barbara Helige
Dr. Peter Pilz
Univ. Prof. Dr. A Min Tjoa
Univ. Prof. Dr. Hannes Werthner
Gerade setzte ich den virtuellen Stift an, um mahnend anzuheben, doch Ö1 Kolumnistenkollegen Thomas Bredenfeld kam mir zuvor: er schrieb eine sehr lesenswerte und hervorragend Zusammenfassung jener Groteske, die quasi unter Ausschluss von Öffentlichkeit und jeglichen Kontrollinstrumenten die Alpenrepublik zum General-Geheimagenten und alle Bürger zu potentiellen EM-Terroristen macht:
Mit einer komfortablen Zweidrittelmehrheit hat die Regierung nun Werkzeuge geschaffen, von denen das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, die Gestapo oder Fürst Metternich nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Das muss man ohne jede Übertreibung sagen, denn die schwammigen Rahmenbedingungen, unter denen die Exekutive ab kommenden Jänner Standortdaten von Handynutzern abfragen oder vom Internet-Provider die Herausgabe von Name und Adresse eines Nutzers einer dynamischen IP-Adresse fordern kann, öffnen einem mehr oder weniger unkontrollierten Zugriff auf solche Daten Tür und Tor.
Man möchte meinen, dass in den gut fünfzig Jahren seit Ende von Nazi-Herrschaft und Besatzungszeit die Verfassung so weit durchdacht wurde, dass weitgehende Änderungen der rechtsstaatlichen Grundsätze nicht sozusagen unbemerkt vonstatten gehen, doch weit gefehlt: die Real-Groteske nahm auf die typisch österreichische Weise ihren Lauf:
Im Schatten der üblichen großkoalitionären Streitereien, unter Umgehung des Datenschutzrates und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (im wahrsten Sinne des Wortes) die richterliche Genehmigungspflicht für Auskunftspflichten bezüglich sensibler Kommunikationsdaten stark aufgeweicht bzw. ganz über Bord geworfen. Durch geschickte Terminierung und einen kurzfristigen Ergänzungsantrag wurde eine Reaktion praktisch unmöglich gemacht.
Es ist in der Tat ein veritabel trojanisches Geschenk mit weit mehr als vier Pferdefüßen, das eine Regierung, an der angeblich auch eine Linkspartei beteiligt sein soll beteiligt sein sollen, ihrem Volk zu Weihnachten hinterlässt. In punkto Überwachung und digitaler Datenschutz war ich bis November zwar nicht stolz darauf, Österreicher zu sein, aber froh drüber: denn während man in Deutschland demokratische Grundrechte längst zu unterminieren begonnen hatte, blieb Österreich standhaft. Abhören war nur auf richterlichen Befehl möglich, man ahnte fallweisen Missbrauch, aber am symbolisch doch so wichtigen Gesetzespapier bekannte sich der Staat zur guten alten Gewaltentrennung.
Die kann nun getrost als abgeschafft gelten, außerdem sehen Experten im präventiven Beweissammeln eine deutliche Entwicklung hin zur Beweislastumkehr. Am 6. Dezember übernahm der Krampus Innenminister quasi im Alleingang die Kontrolle über die politische Entscheidungsfindung:
Während des Nationalratsplenums wurde das Recht zum polizeilichen Zugriff auf die IP-Adressen als Abänderungsantrag eingebracht - ohne Ausschuss, ohne Begutachtung. Weder Justizministerium noch Datenschutzkommission oder Verfassungsdienst konnten dazu Stellung nehmen. Die parlamentarische Kontrolle wurde ausgeschaltet.
Der Standard berichtet ausführlich, die Petition SOS Überwachungsstaat erzeugt momentan zwar ein laues Lüftlein innerhalb ohnehin sensibilisierter Bevölkerungsschichten - es bräuchte wohl einen Demagogen für die gute Sache vom Format eines Michael Moore und mit dem Aussehen eines Sepp Forcher, um die "breite Masse" zu mobilisieren...
Der demokratische Salon hat inzwischen ein Wiki in Betrieb genommen und einen Logo-Wettbewerb ausgeschrieben, Helge adaptierte die deutsche Online-Demo unter dem Titel Nein zu Metternich 2.0 für .at-Blogger.
Wer das Eselsohr in der rechten oberen Ecke einfügen will, findet die Anleitung dazu auf Helges Wiki. Auch wer selbst nicht grün wählt, in diesem Fall gibt es, wie Helge richtig sagt, zumindest in punkto parlamentarischer Petition keinerlei unparteiische Alternative: die österreichischen Grünen sind die einzige Partei, die ein wenig Wind machen und diese unfassbare Unterhöhlung demokratischer Kernwerte:
In Deutschland finden seit Monaten Aktionen gegen Vorratsdatenspeicherung & Co statt, in Österreich gibt es leider kaum Widerstand. Wir sind die sprichwörtlichen dümmsten Kälber. Jetzt rufen Peter Pilz, Richtervertreterin Barbara Helige und einige Akademiker im Rahmen der Aktion SOS Überwachungsstaat zur Unterschrift einer parlamentarischen Petition gegen das neue, in einer Nacht- und Nebelaktion beschlossene Sicherheitspolizeigesetz auf.
En vogue ist hierzulande, wie auch in Deutschland, die Aufhebung der Gewaltentrennung - konkret soll auf die "lästigen" richterlichen Beschlüsse verzichtet werden... talk about collateral damage:
Liebe Mitblogger - die Exekutive möchte ohne Richterbeschluss Zugriff auf die Verkehrsdaten (Internet- und Handynutzung) aller Österreicher. Tretet offen gegen diese "Verschiebung der rechtstaatlichen Grundfesten" (Zitat Alexandra Föderl-Schmid) auf und pappt euch das Eselsohr auf euer Blog.
Tja, ich habe ehrlich gesagt gegen die Grünen zwar weniger Vorbehalte als gegen manch andere österreichische Partei, aber Grün-Stammwähler bin ich deshalb noch lange nicht - allerdings bekäme Peter Pilz für seine jahrelange, hervorragende Aufklärungsarbeit von mir jederzeit eine Vorzugsstimme. Und auch wenn österreichische Parteipolitik keinesfalls im Fokus von datenschmutz steht, gebietet dennoch der gesunde Menschenverstand die Teilnahme an dieser virtuellen Demonstration der Unzufriedenheit... also holen Sie sich das Eselsohr.
Kaum hat die Stadt Wien einen vergleichsweise lächerlichen geringen Teil ihres Kulturbudgets mit großem Tamtam der Wiener Netzkulturszene zur "Selbstverwaltung" zur Verfügung gestellt, macht die Kulturpolitik auch schon wieder einen energischen Fall-Rückzieher. Die Vergabe (natürlich theoretisch vollkommen politische unabhängiger) Fördergelder auf der einen und das Kuratorensystem auf der anderen Seite hören plötzlich auf, miteinander zu kuscheln, wenn die Kuratierten ihre Kuratoren selbst kuratieren. Eine Petition soll dies ändern.
Um ein Nataschakampuschzitat (ich finde, das sollte ein zusammengeschriebenes Wort sein) aus der aktuellen Njus Titelstory zu paraphrasieren: "Die Wiener Netzkunst empfindet sich als System, das sich als System empfindet." (1) Mit anderen Worten: seit das angesprochene Selbstverwaltungsmodell seit 2 Jahren in Kraft ist, wird es auch heftig kritisiert, sowohl in- als auch extern:
Seit jeher gab und gibt es aber auch Bedenken gegen ein solches Modell bei verschiedensten Stakeholdern der angesprochenen Communities. So wurde sowohl durch ein mangelndes öffentliches und positives Bekenntnis zum selbstentwickelten Fördersystem durch die Communities selbst, aber auch durch Eingriffe der mittelaufbringenden Magistratsabteilung in die Förderentscheidungen der Prozess in den vergangenen Monaten zunehmend desavouiert.
Also soll es nun wieder vorbei sein mit den halbfetten Tagen, der neue Entwurf sieht sehr eingeschränkt Selbstverwaltungsoptionen vor. Die InitiatorInnen der Petition (whoever that is, dazu später mehr) wollten der ertrinkenden Selbstregulierung ein medienwirksames Rettungsringlein zuwerfen:
In dieser Situation möchten die hier Unterzeichneten ein positives Zeichen - für den Fortbestand selbstbestimmter Kuratierung - im Bereich der Förderung der Wiener Netzkulturen setzen. Insbesondere steht die Unterstützung dieser Petition für:
- den unbedingten Erhalt der gesamten Fördersumme für den Bereich der Netzkulturen, bzw. dessen Erhöhung
- die Aufforderung an die mittelaufbringende Magistratsabteilung, nach den einmal von ihr vorgegeben Rahmenbedingungen nicht mehr in die Ergebnisse der selbstbestimmten Kuratierung einzugreifen
- die Bereitschaft, mit einem erweiterten Kreis an Netzkulturschaffenden bzw. NetzkünstlerInnen an substanziellen Innovationen (i.e. Jury) zu arbeiten
- die Bereitschaft, weiter an der strukturierten Entwicklung der selbstbestimmten Kuratierung teilzunehmen
An der Petition stören mich vor allem zwei Faktoren - nennt mit pingelig, aber Netzkulturalisten sollten noch elaboriertere Möglichkeiten der Meinungsabgabe kennen als den Service "petitiononline.com" mit dauernd eingeblendeten Parship-Banner. Und die Impressums-Zeile lässt auch alle denkbaren Fragen offen:
The Weiterentwicklung des Fördersystem für die Wiener Netzkulturen Petition to Wiener Stadtrat für Kultur, Dr. Andreas Mailath Pokorny, sowie die Communities der Netzkulturen was created by and written by Committed Community - BrainX.
Ich habe die Petition trotzdem unterzeichnet - zwar fehlt mir völlig der Einblick ins Detail-Prozedere, ich halte die üblichen Verdächtigen allerdings für ausgesprochen förderwürdig und die Idee der Selbstverwaltung in diesem Bereich für hochgradig sinnvoll. Im besten Fall überbrückt selbige nämlich die breite Spalte zwischen zahnlos-gefälliger Corporate Sponsoring Kunst und politischer motivierter Fördervergabe. Die (Netz)Kunst sollte halt keineswegs alleiniger Spielball von Telecom-Future-Labs sein... und in Relation zu den Subventionen jeder einzelnen Staatstheater-Inszenierung handelt sich's bei der diskutierten Summe wirklich um die berühmten Erdnüsse.
| 24. April 2007 |
Auch wenn die IFPI seit Jahren mit Herrn Durchschnittsuser hinter Gefängnisgittern wirbt: Copyrightverstöße im Privatbereich waren bislang Bagatellvergehen. Wo kein kommerzielles Interesse bestand, da kam's in der Regel auch nicht zu Verhaftungen. Das könnte sich demnächst aber ernsthaft ändern, denn am 24. April stimmt das ohnehin nahezu befugnisfreie EU-Parlament über die IPRED2 Direktive ab:
If IPRED2 passes in its current form, "aiding, abetting, or inciting" copyright infringement on a "commercial scale" in the EU will become a crime. Penalties for these brand new copycrimes will include permanent bans on doing business, seizure of assets, criminal records, and fines of up to ââ¬100,000.
IPRED2's backers say these copycrimes are meant only for professional criminals selling fake merchandise. But Europe already has laws against these fraudsters. With many terms in IPRED2 left unclear or completeley undefined - including "commercial scale" and "incitement" - IPRED2 will expand police authority and make suspects out of legitimate consumers and businesses, slowing innovation and limiting your digital rights.
Das Hauptproblem dabei ist die fehlende Definition von "kommerziellem Interesse":
Criminal law needs to be clear to be fair. While IPRED2 says that only "commercial scale" infringement will be punished, the directive doesn't define "commercial scale" or "incitement." Even IP lawyers can't agree on what are "private" and "personal" uses of copyrighted works. One step over that fuzzy line, however, and anyone could be threatened with punishments intended for professional counterfeiters and organized criminals. How can ordinary citizens feel safe exercising their rights under copyright and trademark law when serious criminal penalties may be brought against them if they cross the line?
CopyCrime, ein Projekt der Electronic Frontier Foundation, hat eine Petition online gestellt, die Europaparlamentarier auf die Problematik aufmerksam machen soll. In der Vergangenheit zeigte sich allerdings, dass die Medienindustrie die weit effektivere Lobbyarbeit betreibt als ihre User - IPRED2 geht allerdings weiter als alle bisherigen Gesetzesentwürfe. Bleibt nur zu hoffen, dass die Vernunft über wirtschaftliche Interesse siegt - sonst wird Europa demnächst wohl vorwiegend von Schwerverbrechern bevölkert.