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Artikel-Schlagworte: „Presse“

Duales Systemdebakel: Kloiber will ATV halbieren

atvhalb Duales Systemdebakel: Kloiber will ATV halbierenIn anderen Ländern mit vergleichbarer Struktur wäre von einem Medienskandal gröberen Ausmaßes die Rede, in .at dagegen rauscht die Ankündigung von ATV-Eigentümer Herbert Kloiber, die Hälfte der 130 Mitarbeiter zu entlassen und künftige Produktionsaufträge nicht mehr in Österreich zu vergeben, relativ ungehört durch den Blätterwald. Diese Maßnahmen wolle er umsetzen, sofern die "Medienförderung für private Sender in der Budgetrede am 21. April nicht einmal im Subtext vorkomme," so Kloiber. Ich habe aus aktuellem Anlass ein Interview mit Alexander Millecker, Leiter der aktuellen Redaktion von ATV (aka Nachrichtenchef), geführt.

"Vergleicht man heute ORF1 und ATV, dann läuft bei uns mehr selbst und in Österreich produziertes Programm - ORF1 sehe ich daher längst nicht mehr als öffentlich-rechtlichen Sender," so Alexander Millecker. Die Stimmung unter den Mitarbeitern befindet sich verständlicherweise nicht gerade am Höhepunkt, trotzdem verstehen die meisten die Beweggründe ihres Chefs - denn ohne Druck der EU gäbe es in Österreich vermutlich heute noch kein duales System.

Dem Standard ist die Meldung gerade mal 11 Zeilen wert, die Diskutanten finden die Ansage Kloibers großteils zynisch und menschenverachtend. Dass die Ansage keineswegs aus heiterem Himmeln kommt, sondern letztendlich das Resultat einer konsequenten Medienversäumnis-Politik darstellt, wird dabei natürlich mit keinem Wort erwähnt. Doch wir erinnern uns: vor nicht allzu vielen Jahren war die Alpenrepublik mit Ausnahme Albaniens das einzige europäische Land ohne privaten Rundfunkanstalten. Nicht zuletzt im Zuge des EU-Beitritts entstand Handlungszwang, entstanden Privatradios und Fernsehsender. In einem so kleinen Land wie Österreich gelten aber einige Spezifika, die Nationalökonomen unter dem Begriff "Economies of Scale" zusammenfassen. Bei knapp 8 Millionen Einwohner ist eben jede Sparte in absoluten Zahlen weitaus kleiner als in größeren Ländern.

Sieht man Fernsehen trotzdem als öffentliches Gut an, muss eben der Staat angreifen und die Versorgung sicherstellen - und das hat er in immensem Umfang auch getan, aber eben nur für den staatlichen Rundfunk. Anders als ZDF und ARD in Deutschland beschränkt der ORF sein Angebot keinesfalls großteils auf Non-Unterhaltung, ganz zu schweigen von einem abendlichen Werbeverbot. Die Mischfinanzierung aus Zwangsgebühren und Werbeeinahmen reichte bislang sogar aus, um eine ganze Armada "weißer Elefanten" durchzufüttern, denn selbstverständlich muss die ORF-Führungsriege von jeder neuen Regierung ausgetauscht werden. Da bleibt für die beiden Privatsender ATV und PULS4, die schon lange eine Beteiligung an den RF-Gebühren fordern, nix mehr vom Kuchen übrig, schließlich lässt sich staatliches Fernsehen viel besser mit der Politik verzahnen.

Vor diesem Hintergrund wird der "Erpressungsversuch" Kloibers durchwegs verständlich. Was mich allerdings wirklich überrascht hat, ist die nicht bloß strategische, sondern faktische Inkompetenz der handelnden politischen Personen, die man mit etwas gutem Willen auch als Desinteresse bezeichnen könnte. Hier ein gekürzte Form des Interviews - das komplette Gespräch gibt's als Stream zu Anhören:

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Interview mit Alexander Millecker

ritchie: Das Statement des ATV-Besitzers, die halbe Belegschaft entlassen zu wollen, sorgt für weniger Aufregung als man erwarten könnte - ist die Drohung ernst zu nehmen?

Alexander Millecker: Herbert Kloiber hat diese Ankündigung schon vor längerer Zeit in Cannes gemacht. Ich glaube, dass er sich die Sache sehr genau überlegt hat; eine solche Ankündigung macht man nicht leichtfertig. Es handelt sich um den traurigen Höhepunkt einer langen Geschichte der Ignoranz in der österreichischen Medienpolitik. Bereits zwei Vorgängerregierungen haben diese Förderung für privaten Rundfunkbetreiber versprochen und sogar in der Koalitionsvereinbarung verankert. Obwohl diese Ankündigung - ein paar dürre Zeilen - fast unverändert übernommen wurde, haben Gespräche gezeigt, dass offensichtlich kein Interesse besteht, diese Förderung auszuschütten.
In der aktuellen Situation, in der quasi jedes Medium mit Werberückgängen rechnen muss, kann das natürlich durchwegs existenzbedrohend sein. Die Verantwortung trägt aus meiner Sicht ganz klar die österreichische Medienpolitik.

?: Wäre die Auszahlung eines Teils der ORF-Gebühren an private Rundfunksender ein gangbarer Weg?

!: Natürlich könnte man von Seiten des Gesetzgebers her Rundfunk als "Public Value" ansehen und dann sagen, jeder, der Public Value anbietet, hat ein Recht auf öffentliche Förderung; das ist eine Möglichkeit, aber gar nicht unbedingt jene, die wir haben wollen. Wir bestehen auch gar nicht konkret auf einer speziellen Medienförderung. Was wir wollen, sind faire Marktbedingungen. Der ORF finanziert sich zu zwei Drittel durch Gebühren und zu einem Drittel über Werbung. Wenn der Herr Wrabetz - das muss man ganz offen sagen - aufgrund seiner nicht sehr glücklichen Programmpolitik und einiger anderer Faktoren jetzt einen höheren Finanzbedarf hat, dann ist das eine Sache. Aber in keinem anderen Land wird der Werbemarkt derart vom staatlichen Rundfunk dominiert; und wenn der ORF nun zusätzliche Ausweitung der Werbezeiten möchte, weil die Finanzierung in Krisenzeiten schwieriger fällt, dann muss man bedenken, dass sich privates Fernsehen nicht zu einem Drittel, sondern zu 100 Prozent aus Werbeeinnahmen finanziert; die Situation ist damit, wenn man so will, dreimal so schwierig.
Wir hängen nicht an dem einen oder anderen Modell, sondern wir wollen faire Marktbedingungen und wir wünschen uns, dass die Regierung dem altbekannten Lippenbekenntnis zum dualen System endlich Taten folgen lässt - sei es in Form der versprochenen Medienförderung oder in anderer Art und Weise.

?: Hat die Politik denn überhaupt ein Interesse an einer Veränderung der Situation?

!: Erstaunlicherweise nicht, und zwar vollkommen unabhängig von der Parteifarbe. Man möchte meinen, dass in einem demokratischen Staat des 21. Jahrhunderts Medienvielfalt per se einen Wert darstellt, sonst wäre ja eine Presseförderung ebenfalls sinnlos. Niemand käme auf die Idee, den Standard oder Die Presse abzuschaffen, weil diese Zeitungen ohne staatliche Förderung nicht überlebensfähig wären. Dabei dominiert der ORF den Fernsehmarkt ja nicht nur Werbebereich, sondern auch den Einkauf - und überbietet trotz der angeblichen Finanzkrise Privatsender beim Einkauf von Serien und Filmen. Aber der Politik scheint die Situation kein echtes Anliegen zu sein.

?: Ich find's ja unglaublich ignorant von SPÖ-Spitzenkandidat Faymann, den Diskussionsrunden im Privat-TV fernzubleiben - eigentlich ein deutliches Signal.

!: Ich kann mir schon vorstellen, dass für Parteien bzw. Parteisekretariate der Umgang mit privaten Medien nicht so einfach ist. Sie haben hier weder Einfluss auf die Besetzung in meiner Redaktion, noch kümmert es mich, wenn irgend jemand anruft und glaubt, er könne sich bei einer Sendung rein- oder rausreklamieren. Das ist bei den Kollegen vom ORF wahrscheinlich nicht immer so, aber darin besteht auch unser Vorteil. Zuständige Politiker - ich möchte keine Namen nennen - wussten, wie sich in Gesprächen zeigte, nicht einmal, wie viele Mitarbeiter ATV hat. Da war die Rede von 50 Personen, dabei arbeiten allein am Standort Wien 120 Personen, dazu kommen natürlich noch die freien Mitarbeiter sowie sämtliche Produktionsfirmen und Dienstleister, die von ATV abhängen. Das sind insgesamt 400 bis 500 Arbeitsplätze, und insofern finde ich diese Einstellung der Politiker wirklich kurzsichtig: wenn irgendwo 100 Leute in Kurzarbeit geschickt werden, ist schnell mal ein Politiker zur Stelle, um eine Wortspende vor den Kameras abzugeben. Doch obwohl in diesem Fall mehrere 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze gefährdet sind, gab es bislang überhaupt keine Reaktion.

Das komplette Interview anhören:

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Über die Arbeitsbedingungen der modernen Gatekeeper

Gatekeeping im WandelPassend zur aktuellen Debatte, warum deutsche Medienjournalisten soviel Zeit haben, mit Twitter und Facebook rumzuspielen, wo sie doch eigentlich andere User, die mit Facebook und Twitter rumspielen, über Twitter und Facebook interviewen sollten, fragt Günter nach den Schwerarbeitsbedingungen österreichischer Online-Journalisten. Die E-Mail trägt Siegel der Mediengruppe Online, bei der es sich, anders als der Name vermuten lassen könnte, keineswegs um radikal-aktionistische Medienkünstler handelt, sondern um eine Interessensgemeinschaft österreichischer Netzjournalisten

In Kooperation mit der Journalistengewerkschaft der GPA-djp werden anonym harte Daten und Fakten über die tägliche Einfuhr ins virtuelle Buchstabenbergwerk erhoben:

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Bedingungen und Akzeptanz für Online-JournalistInnen zu verbessern - egal, ob in klassischen Medienbetrieben oder in freien Unternehmen. Um gesicherte Daten über Online-Journalistinnen und Online-Journalisten zu erhalten brauchen wir Infos von euch, etwa zu Arbeitsbedingungen in Onlineredaktionen, Bezahlung, konkrete Arbeit, die Anbindung an andere Redaktionen usw.

Mit Günter habe ich anno dazumal diverse Seminararbeiten gemeinsam geschrieben, unter anderem erforschten wir seinerzeit die Arbeitsbedingungen von Journalisten im Irakkrieg (mir Primärinterviews und so) - eine gewisse Kontinuität lässt sich also durchwegs nicht verleugnen. Hier geht's zur Umfrage und hier geht's direkt zur Umfrage.

Quo Vadis, Gatekeeping?

Die Mediengruppe Online veranstaltet regelmäßige Treffen (das letzte fand am 2. Dezember statt) und vernetzt professionelle Netz-Schreiberlinge (also quasi eine Art Mini-Barcamp für Lohnsklaven). Die großen Verlage leiden bekanntlich darunter, dass sich Online mit den gewohnten Geschäftsmodellen nicht genug Geld verdienen lässt, also muss man nicht nur Stift und Papier, sondern auch Korrektor und aufwändige Recherchen einsparen: it's not Show Business!

Aber egal, was Gatekeepern zu ihrer eigenen Rolle einfällt: Moritz Fürst hat letztens bei mir in der AT-KFOR Lehrveranstaltung eine kurze und knackige Präsentation gehalten, welche die tatsächlichen Veränderungen besser auf den Punkt bringt als seitenlanges Rotieren um ein unbestimmtes Gravitationszentrum: wie Seth Godin in seinem Tribes-Buch schreibt, übernehmen über digitalen Medien (ab)gebildete und vermittelte Netzwerke die Funktion eines dynamischen Gatekeepers: If an information is important enough, it will find me! Aber kein Grund zur Beunruhigung für die Betroffenen: solange bloß eine Hand voll Geeks bis zum Hals in die Web 2.0 Informationsflut eintaucht, werden sich Redaktionsräume nicht so schnell leeren. Auf mittelfristige Sicht allerdings wird Journalismus im klassischen Sinne in der Informationsvermittlung zur Nischentätigkeit, auch wenn die seltsame deutschsprachige Vorgeschichte samt Pressegesetz und Vierter-Gewalt-Idee seit Jahrzehnten konsequentest die streng riechenden Verbindungen zwischen Big Business und Big Meinungsspektrum wegdiskutieren lässt.

Eine kurze Nachlesen zur "Knüwer-Affäre" gibt's bei Matthias Suess, der Artikel des Anstoßes hat mir bereits einmal ein Schmunzeln entlockt, da ich unangenehm an normative Entwürfe der frühen 70er erinnert fühlte: die Journalisten müssten dies und das tun, damit die Welt im Lot bleibt - Bullshit-Alarm! Die Journalisten müssen einfach nur das tun, was ihre Arbeitgeber wollen, oder sie machen sich selbständig und verlieren nicht nur den Lohnzettel, sondern auch die institutionelle Credibility. Und: Blogger sind keine Journalisten, die wenigsten wollen das überhaupt sein - bei Thomas dagegen liegt die Situation natürlich arbeitsrechtlich komplizierter, immerhin ist "Indiskretion Ehrensache" ja schließlich Teil des Handelsblatt-Portfolios. Wenn's ein "echtes" Blog wäre, dann könnte er sich allerdings diese arbeitsrechtlichen Verrenkungen sparen und einfach nur sagen: "Ich hab den Kommentar gelöscht, weil er mir nicht gefallen hat." Das ist keine Zensur, sondern völlig legitim - Zeitungen machen das dauernd. Mit dieser Instant-Beschwörung des alten Metternich'schen Konzepts entlarven sich Internet-Illiterati doch bloß selbst: unter den Bedingungen des digitalen Mediensystem bedeutet Zensur die Kontrolle über Informationszugang und Publikationsmöglichkeit - und sicher nicht das Löschen eines unliebsamen Kommentars am eigenen Blog.



Fotocredit Titelbild: News! von korkey/ pixelio.de


Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?

illu zensur 1222098744 Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?Die österreichische Journalisten Ute Fuith hat etlichen Kollegen und mir ein paar konkrete Fragen zum "unabhängigen" Journalismus in Österreich geschickt. Natürlich sehe ich mich nicht primär als Journalist, sondern als Blogger - ich hab zwar am Aufbau diverser Online-Redaktionen mitgearbeitet und verdiene als freier Journalist seit über 10 Jahren kein äußerst bescheidene "Anerkennungshonorare", verfüge also durchwegs über rudimentäre Primär-Erfahrungen in der österreichischen Profi-Schreiberlings-Szene. Dass beim Bloggen jegliche externe Zwänge wegfallen, gefällt mir natürlich besonders gut: die einzige Schere befindet sich in *meinem* Kopf, und die lässt sich gut verbiegen und an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen. Und ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich datenschmutz überhaupt nicht als aufklärerisches, sondern als rein kommerzielles Projekt betrachte und betreibe - für mich persönlich stellt sich also die Frage nach externer Einflussnahme nur sehr begrenzt. Dennoch habe ich mich sehr über die Fragen gefreut und bin schon gespannt auf den resultierenden Artikel.

Ute Fuith: Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?

ritchie: Ich denke, es gibt keine wirklich "freien" Medien: mit ökonomischen Sachzwängen ist jedes (semi)professionelle Medium konfrontiert, politische Einflussnahmen (nicht selten über parteinahe Anteilseigner) stehen wohl auf der Tagesordnung. Informell und in geselliger Runde weiß fast jeder langjährige Journalist hochinteressante Geschichten zu erzählen - doch ich vermute mal ganz stark, dass die handelnden Personen ihre Agreements weitgehend mündlich treffen und konkrete Recherchen wenig Anhaltspunkte und stichhaltige Beweise fänden. So etwas wie ausgewogene Berichterstattung kann meiner Meinung nach nur eine gewisse Vielfalt von Standpunkten gewährleisten: der Medienkonsument muss sich sozusagen aus verschiedenen "Biases" seinen persönlichen Mittelwert bilden. Nicht nur aufgrund der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl hat Österreich in diesem Bereich allerdings tatsächlich einige Kuriositäten aufzuweisen: angefangen von einem äußerst halbherzigen implementierten dualen System im elektronischen Bereich bis hin zur weitreichenden Dominanz eines einzigen Printmediums.

?: Welche Tabuthemen gibt es?

!: Tabus ändern sich im Lauf der Zeit - aus Konsumenten-Sicht allerdings habe ich den Eindruck, dass im ORF diese Tabus direkt und unübersehbar mit der jeweiligen Regierungskoalition zusammenhängen, was sich in lächerlich-überdeutlicher Art und Weise an der Personalpolitik abzeichnet: der Legende eines vorgeblich "objektiven" Staatsfunks ist dies sicherlich nicht gerade förderlich.

?: Haben Sie in Ihrer journalistischen Karriere jemals inhaltliche Einschränkungen erlebt, wenn ja welche?

!: Keine drastischen - ich war allerdings zu keinem Zeitpunkt meiner beruflichen Laufbahn Vollzeit-Journalist, sondern habe immer nur als freier Autor gearbeitet; da kann man die Aufträge entsprechend auswählen und auch mal die Ablehnung eines Textes verkraften. Vor rund zehn Jahren wollte ich für die Presse Kulturredaktion einen Bericht über Graffiti schreiben (damals waren gerade drei Sprayer zu sehr hohen Geldstrafen verurteilt worden); ich bekam zuerst das ok und einen Tag später die Ergänzung: "Graffiti muss aber schon negativ und als Sachbeschädigung dargestellt werden." Den betreffenden Bericht habe ich nicht geschrieben. In der politischen Berichterstattung ist das Problem sicherlich virulenter, in diesem Bereich war ich allerdings nie redaktionell tätig.

?: Sind Ihnen Fälle vorauseilenden Gehorsams in Punkto Inhalt bekannt? Welche?

!: Ich denke, die Grenzen zwischen vorauseilendem Gehorsam und der Einhaltung der Blattlinie sind fließende; man spricht ja häufig von der "Schere im Kopf". Ich kenne keine konkreten Fälle, schreibe aber selbst Texte über dasselbe Thema beispielsweise für mein Blog recht anders als etwa für eine Tageszeitung; das hat allerdings mehr mit formellen als mit inhaltlichen Kriterien zu tun. Im Kulturjournalismus tritt dieses Problem allerdings, behaupte ich mal, seltener auf als in anderen Genres.

?: Wurden Ihre Artikel jemals so umgeschrieben, dass sie sie nicht wiedererkannt haben? Oder kennen Sie Fälle, wo das passiert ist?

!: Es gab eine relativ irrelevante Geschichte, bei der ein Festivalbericht, den ich über Holzstock geschrieben hatte, einen meiner Meinung nach etwas sexistischen Titel, den ich so nie gewählt hätte, bekam. Ganze Artikel wurden jedoch nie derart umgeschrieben. Ich erwarte mir zumindest eine "Feedbackschleife"; auch wenn das auktoriale Prinzip ein Relikt der Vor-Postmoderne sein mag, soviel Professionalität und Respekt, gegebenenfalls nochmal nachzufragen, erwarte ich mir auf jeden Fall. Bei jenen Medien, für die ich regelmäßig tätig bin oder war, hab ich in dieser Hinsicht allerdings durchwegs positive Erfahrungen gemacht.

Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse

eurogeld Vom Ungleichgewicht medialer EinkommensverhältnisseGestern war ich Gastvortragender in Frank Hartmanns Multimedia Vorlesung. Auf der Agenda standen einerseits aktuelle Trends im Bereich Social Media und andererseits ein wenig Plauderei aus dem Berufsalltags-Nähkästchen - nicht nur das klassische Berufsbild des Journalisten bzw. Medienarbeiters ändert sich: Inhalte-Produzenten, egal ob Schreiber, Filmer oder Radiomacher, verdienen zunehmend weniger mit ihrer Arbeit, während die klassische Umwegrentabilität durch Werbung immer höhere Bedeutung gewinnt.

Derzeit sind in Europa allenfalls die ersten Vorbeben zu spüren, die sich allerdings mit beeindruckenden Zahlen untermauern lassen: während Telepolis Ende der neunziger Jahre für ein längeres Feature mehrere hundert Euros bezahlte*, gibt's mittlerweile deutlich weniger als einen Hunderter - unabhängig von der Artikellänge. Am Abend habe ich dann noch folgendes Tweet von Luca gelesen:

Gerade erfahren, dass ich für einen Trigami-Beitrag mehr bekomme als jemand mit Magister für einen Telepolis-Artikel. Aua. #zukunft?

Dieser Gedanke kam mir auch schon häufiger - für einen trigami-Review hier auf datenschmutz bekomme ich mehr als doppelt soviel Honorar wie für eine meiner Ö1 Kolumnen. Das ist auf den ersten Blick hochgradig skurril - dass Blogger für vergleichsweise sehr unaufwändige Werbetexte beträchtlich mehr Geld erhalten als Freelance-Profischreiber, die ihre Artikel an "professionelle" Medien verkaufen. Und diese Beispiele sind beileibe keine Einzelfälle: am gesamten europäischen Medienmarkt ist ein gravierender Preisverfall zu beobachten, der diverse Gründe haben mag: ein Überangebot an Arbeitnehmern, generell stärkere Konkurrenz im Medienbereich... aber verdienen die Produzenten weniger? Keineswegs, im selben Zeitraum stiegen alle Werbepreise ganz beträchtlich. Man könnte nun durchwegs behaupten, dass Inhalte sozusagen das nötige Übel darstellen, mit dem man die lästigen Whitespaces zwischen den lukrativen Anzeigen füllen muss: Content follows Adverts á la form follows function.

Auf der anderen Seite allerdings gewinnt für jeden Medienarbeiter das Konzept der Selbstvermarktung radikal an Bedeutung: während für Zeitungen und Zeitschriften Artikel immer weniger wert werden, stellt Unique Content im Netz eine wahre Goldgrube dar: für jede/n JournalistIn bietet sich ein Blog ideal als Pressespiegel an. Ich selber arbeite schon wesentlich länger als Journalist als ich blogge, und der Wunsch nach einem einigermaßen kompletten Pressespiegel war damals mitentscheidend für den Start von datenschmutz - dass die Publikation eigener Artikel auf mittelfristige bis lange Sicht ökonomisch wesentlich attraktiver ist als der einmalige Verkauf von Texten übersehen allerdings nach wie vor die meisten Schreiber. Und bei den in Österreich üblichen, hart an der Lächerlichkeitsgrenze kratzenden Honoraren für freie Journos würde ich niemals einen Text exklusiv verkaufen - es sei denn, jemand ist bereit, auch adäquat zu bezahlen. Ansonsten betrachte ich allfällige Abdruck-Honorare mittlerweile eher als Nebeneinkommen - und diesem Shift von Quantität (Auflage) zu Qualität (Visibility), von Massen- und Mikromedien, kann ich sehr viel abgewinnen: denn erstmals in der Geschichte der Massenmedien können die Produzenten selbst, natürlich mit entsprechendem Zeit- und Energieaufwand, selbst direkt von der guten alten Werbe-Umwegrentabilität profitieren.


* Mein erster Beitrag war ein Interview mit DJ Spooky in Linz, das Frank und ich gemeinsam geführt haben. Der Text ist auch hier auf datenschmutz publiziert und in Franks Medienphilosophie Buch Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse, das dieser Tage in koreanischer (!) Übersetzung erschien... somit ist der Text sozusagen meine erste Publikation in Schriftzeichen, die ich überhaupt nicht entziffern kann :mrgreen:


Foto-Credits: Euros von tommyS [pixelio.de]

Österreich lässt das Weltklima kippen

energie 150x150 Österreich lässt das Weltklima kippenIn einem 7-Millionen-Einwohner Land verunmöglichen die Economies of Scale so manche Entwicklung - zum Beispiel die zur ökonomischen Weltmacht. Was Schadstoff-Emissionen betrifft, sind wir aber anscheinend Weltspitze. Zumindest wenn man dem Editorial der Aprilausgabe von "forschung. Magazin für Technologie und Innovation" glaubt. Die Beilage zur österreichischen Tageszeitung "Die Presse" beschäftigt sich in der Titelstory mit dem Thema Wasserkraft und Energieknappheit. Im Editorial schreibt Martin Kugler über das drohende Versiegen des Saftes aus der Steckdose und findet eine interessante Formulierung:

Den einzigen Ausweg aus diesem Dilemma beschreibt Brauner im Interview ab Seite 10: Wir müssen wesentlich effizienter mit der Energie umgehen. Wenn wir den Stromverbrauch in den nächsten drei Jahrzehnten um jährlich ein Prozent senken würden, bräuchten wir nicht einmal neue Kraftwerke zu bauen. Denn dann könnte Österreich mit dem Angebot an erneuerbarer Energie aus der Region sein Auslangen finden - ohne die Natur über Gebühr zu strapazieren und das Weltklima endgültig kippen zu lassen.

Mit anderen Worten: Fernseher abdrehen oder das Weltklima kippt! Und dabei dachte ich immer, Industrialisierungs-China sei der schlimmste Umweltsünder...


Fotocredits: moorhenne / Pixelio.de

Transmission Festival 2008: Einladung zur PK

22. April 2008
14:00bis17:00

Im Wiener rhiz präsentieren die Organisatoren am Dienstag Line-Up und Konzept von transmission 08. Über die Bühne geht das dreitägige Festival von 4.-6. Juli inmitten der prächtigen Kufsteiner Bergkulisse.

transmission Transmission Festival 2008: Einladung zur PKIch werde der PK notgedrungen fernbleiben müssen, da zugleich das Symposion Mobile TV der Telekom Austria mit einigen sehr spannenden Vorträgen stattfindet; wer am Dienstag Zeit hat, kann sich schon mal einen Vorgeschmack holen auf das grandiose Line-Up: die Tindersticks, die Sofa Surfers, Mogwai, Talvin Singh, Cornelius, Efterklang und viele weitere Acts werden drei Tage lang die Festung Kufstein in ein Partyareal mit weitem stilistischem Horizont verwandeln. Ausführlichere Infos zum Festival findet man auf der Homepage, ab Dienstag gibt's dort auch die vollständige Pressemappe. Ach ja - neben der akustischen Stärkung gibt's in Anschluss auch eine leibliche:

Nach dem offiziellen Teil sind Sie herzlich eingeladen mit den Vertretern von transmission bei Freigetränken und Buffet informelle Kontakte zu knüpfen.

7.000 Kilometer zu Fuß

Das ist eine ganz schön weite Strecke - so weit muss jemand marschieren, der von Groß-Rust in Niederösterreich zu Fuß nach MBalling in Senegal möchte. Der Fotograf Franz Xaver Lahmer und der pensionierte Lokführer Willi Triml machen sich am 14. April auf den Weg.

Den zugehörigen Pressetext hab ich von Sabrina bekommen, genauere Vorab-Infos und in weiterer Folge auch die Dokumentation des langen Weges findet man auf world7000.com. Unterstützung und edle Spender werden gesucht, zugute kommen sämtliche Erlöse einem Lepra-Hilfsprojekt in Senegal:

Wir wollen mit diesem Benefizmarsch vor allem leprakranken Menschen im Senegal und Kindern unter ärmsten Verhältnissen auf der ganzen Welt helfen. Wir wollen mit diesem persönlichen Einsatz aber auch an die Armut in vielen Ländern und an die Menschenrechte erinnern.

Jeder, der über gutes Schuhwerk verfügt, ist herzlichst eingeladen, ein Stück des Weges mit zu marschieren:

Besonders wichtig ist uns die Tatsache, dass uns jeder - Kinder wie Erwachsene, Frauen wie Männer - gerne ein Stück des Weges begleiten kann. Wir laden alle herzlich dazu ein. Eine große Hilfe wäre es, wenn uns Menschen entlang der Strecke mit Unterkunft - und sei es nur ein einfache Scheune - oder Verpflegung unterstützen.

Genauere Infos und wie erwähnt in weiterer Folge auch Fotos, Podcasts und Presseberichte von der langen Reise, die insgesamt sieben Monate dauern soll, finden sich auf World7000.com. Am 14. April steigt in Groß-Rust ein Start-Fest, um 14 Uhr marschiert das Duo los. Wird mit Sicherheit eines der spannenderen Blogs der nächsten Monate!

Der netculture.space lässt geheim leben

18. März 2008
19:00bis21:00

Genauer gesagt: lässt geheime Dinge leben. the Secret life of... das Leben der alltäglichen Dinge heißt die aktuelle Ausstellung, die von 19. März bis 6. Mai den Telekom-finanzierten Digitalkultur-Ausstellungsraum in der Electric Avenue des Musuemsquartiers unsicher macht.

lifewriterDrei Arbeiten von Christa Sommerer, Laurent Mignonneau und Aaron Koblin bilden die Ausstellung, bei der es um die gezielte Beeinflussung iterativ-generativer Systeme durch menschliche Besucher geht, also mit anderen Worten: man kann irgendwie damit rumspielen und dann passiert irgendwas: "Life Writer" und "Interactive Growing Plant" heißen die beiden diesbezüglichen Interlationen (Kunstwort, gerade von mir gebildet, aus: Installation und Interaktion), "The Sheep Market" von Aaron Koblin desavouiert menschliches Raison'd'etre, indem er den Rechner Humansklaven kleine, simple Aufgaben lösen lässt: also quasi auch gleichzeitig Kapitalismuskritik und Callcentermetapher. Mehr Infos zu den einzelnen digitalen Kunstwerken gibt's auf netculturespace.at, offiziell eröffnet wird am 18. März um 19:00 Uhr.

plantgrowingDrei Tage später - yup, am 21. April - diskutieren dann Christa Sommerer (deren seinerzeitige zweisemestrige Intertwinedness-Lecture Serie, gemeinsam mit Margarethe Jahrmann, mir übrigens für alle Zeiten extrem positiv im Gedächtnis bleiben wird) und Laurent Mignonneau mit Jurymitgliedern des Prix Ars Electronica 2008 über ein alltime Boheme Lieblingsthema: sozialpolitische Relevanz digitaler Kunst. Kommen Sie, lauschen Sie, interagieren Sie! Freibier bei der Eröffnung nicht ausgeschlossen - außerdem sind die KünstlerInnen anwesend und geschliffene Reden werden geschwungen von:

  • Robert Trappl, Professor und Head des Austrian Research Institute for Artificial Intelligence (OFAI)
  • Gerfried Stocker, Künstlerischer Leiter Ars Electronica
  • Ursula Berger, Pressesprecherin Telekom Austria TA AG

Fotocredits: Bilder von netculturespace.at.
Bild 1: Life Writer ©2006, Christa Sommerer & Laurent Mignonneau
Bild2: Plant Growing ©2006, Christa Sommerer & Laurent Mignonneau

Interview mit einem Wikipedianer

wikipediaIn Österreich sind sie noch etwas dünn gesät, die fleißigen Redakteure und Redaktricen des Wikipedia-Projekts. Umso mehr hab ich mich gefreut, am vergangenen Barcamp in Klagenfurt einen heimischen Editor kennen zu lernen: Christoph Breitler studiert Mikrobiologie und arbeitet nicht nur inhaltlich an der deutschsprachigen Wikipedia mit, sondern erst ist auch organisatorisch an der Entstehung eines österreichischen Wikimedia-Vereins beteiligt.

Während Apologeten des offenen Wissens mit offenem Mund über diesen rasend schnell gewachsenen Informationsmoloch staunen, fragen sich viele Gelegenheitsnutzer, ob man den zusammengetragenen Infos überhaupt trauen kann - schließlich dürfen ja Hinz und Kunz mitschreiben. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist: Lexikonredaktionen sind auch nicht unfehlbar, viele Augen sehen mehr als wenige und ganz generell ist die Wikimedia-Foundation die adäquate Reaktion auf die Tatsache, dass das Wissen der Menschheit anno 2k8 in kein 20bändiges Lexikon mehr reinpasst. Et voila, hier aus erster Hand: Infos über die Wikipedia von einem, der's wissen muss!

datenschmutz: Seit wann kennst du die Wikipedia?

Christoph: Also bekannt ist mir die Wikipedia selbst seit 2001. In dem Jahr bin ich zuerst auf die deutsche Version gestoßen. Ich selbst hatte mich aber schon viel früher auch bei der Nupedia angemeldet, dem Vorläuferprojekt, aus dem die Wikipedia selbst entstanden ist. Als aktiver Autor bin ich seit 2004 tätig.

?: Wie genau sehen deine Tätigkeiten im Team aus? Wofür bist du zuständig und wie viel Zeit investierst du pro Tag bzw. Woche?

!: Meine grundsätzliche Tätigkeit sehe ich eigentlich im Schreiben von Artikeln, so bin ich ja auch zur Wikipedia gekommen: ich wollte in den Bereichen, wo ich etwas beitragen kann, "Lücken" füllen. Mittlerweile bin ich in die Planung eines Österreichischen Wikipedia Vereins (Wikimedia Österreich) analog zum Deutschen Verein (Wikimedia Deutschland) involviert. Als Pressekontakt versuche ich die Funktionsweisen und Abläufe der Wikipedia nach außen zu kommunizieren. Prinzipiell geht darum, die Einstiegshürden zu überwinden, damit eine Person, die etwas beitragen kann und möchte auch "gehört" wird bzw. innerhalb der Wikipedia mitschreiben kann.

?: Wie bist zu zur Mitarbeit gekommen?

!: Angefangen habe ich mit dem Schreiben von Artikeln zum Thema Biologie. Als Mikrobiologie Student lag mir das Thema in diesem Fall nah. Die Arbeit auf der Meta-Ebene kam erst danach. Da ich wohl einer der wenigen Österreicher war, die aktiv an der Wikipedia mitgearbeitet haben zu dieser Zeit bin ich eher zufällig dazu gekommen.

?: Wie funktioniert die Abstimmung des Teams untereinander und wie werden Meinungsverschiedenheiten geklärt?

!: Es gibt eine Reihe von Kommunikationskanälen, die genutzt werden, natürlich die Wikipedia selbst, dann andere Wikis bis hin zu Mailinglisten und IRC. Wobei die meisten dieser Kanäle offen zugänglich sind, daher kann jeder mitdiskutieren - und man kann nachvollziehen, was dort diskutiert wird. Ich denke, diese Transparenz trägt viel zum Erfolg von Wikipedia bei. Natürlich gibt es in diesem Prozess auch Meinungsverschiedenheiten und es entstehen Probleme. Es gibt meiner Meinung nach zwei wichtige Eckpfeiler, die das Projekt voran bringen: Wikipedia versucht eine Enzyklopädie zu erstellen (das wichtigste ist die Artikelarbeit) und niemand wird zur Mitarbeit gezwungen. (alles ist freiwillig und soll nicht in Frust enden.)

?: Was ist deine persönliche Motivation für die unbezahlte Mitarbeit? Würdest du sagen, dass du von der Mitarbeit profitiert hast? (wirtschaftlich, ideell...)

!: Meine Motivation ziehe ich aus der Tatsache, etwas beitragen zu können. Solange mir die Mitarbeit Spaß macht, bin ich auch motiviert dazu. Andere arbeiten ehrenamtlich bei Organisationen im Sozial- oder Bildungsbereich. Man profitiert nicht direkt davon. Man macht Erfahrungen, knüpft Kontakte, man arbeitet sich in Themengebiete ein, das sind die Werte, die man aus der Wikipedia Arbeit schöpfen kann.

?: Wie sieht die Wikipedia-Szene in Österreich generell aus?

!: Mittlerweile gibt es relativ viele Mitschreiber in Österreich, die Wikipedia ist inzwischen hierzulande sehr bekannt. Allerdings wird das Projekt leider noch zu oft als "deutsch" wahrgenommen und nicht als "deutschsprachig", das schreckt wohl viele von der Mitarbeit ab. Das wiederum schlägt sich in den Artikeln nieder, man findet häufig wenig Österreich bezogene Information.

?: Kennst du Beispiele für gezielte Manipulationsversuche? (z.B. im Wahlkampf oder ähnliches)

!: In Österreich scheint das nicht gezielt zu passieren, bzw. nicht vehement. Das NPOV-Prinzip (Neutraler Standpunkt in allen Artikeln) und die Offenheit (man kann jederzeit sehen, wer welche Informationen im Artikel ediert hat), verhindern solche Veränderungen.
Viel häufiger ist ungezieltes Einbringen von offensichtlicher sinnlos oder Falschinformation.
Die Wikipedia kann nur durch das Prinzip der Offenheit funktionieren, eine Anfälligkeit wird es dadurch immer geben. Es wäre wichtig, ein Verständnis dafür in die Öffentlichkeit zu tragen. Obwohl Artikel von jedem verändert werden können, muss nicht zwangsläufig Missbrauch passieren. Wenige würden mit einer Schaufel "bewaffnet" Spielplätze oder öffentliche Parks umgraben, aber viele scheinen Wikipedia Artikel ähnlich sinnlos zu "verändern".

?: Viele Mitglieder beklagen die langsame Weiterentwicklung und vermissen Features wie stabile Artikelversionen. Im c't Interview hat die Vorsitzende der wikimedia-Foundation angekündigt, weitere Programmierer einstellen zu wollen. Wie siehst du die organisatorische und technologische Zukunft des Projekts?

!: Das Hauptproblem ist wohl die zielgerichtete Weiterentwicklung des Projektes. Die Wikimedia Foundation ist als Non Profit Organisation auf Spenden angewiesen, dieses Geld muss zunächst die Betriebskosten decken. Erst wenn dieser Grundstock abgedeckt ist, kann Kapital in zusätzliche Features investiert werden, daher muss es in dieser Hinsicht immer Kompromisse geben.

Die stabilen Versionen bringen auch große Veränderungen im Projekt mit sich, daher ist die endgültige Einführung nicht alleine von Programmierarbeit abhängig. Mittelfristig gesehen sind sicher die endgültige Implementation der stabilen Versionen sowie die Einführung von Semantic-Mediawiki als Ziele zu sehen.

?: Welche Features vermisst du bzw. welche Weiterentwicklungen wünscht du dir persönlich?

!: Die Wikipedia hat sich sehr gut entwickelt, die deutschsprachige Version hat fast 712.000 Artikel, aber nur ein Bruchteil dieser Informationen ist auch untereinander verknüpft. Es wäre schön, Informationen auch mehrdimensional abzufragen: "Welche Pflanzen erreichen eine Maximalhöhe von 2,5m?" Oder "Welche Personen, die zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt wurden, lebten wann und wie lange in Wien/Salzburg/Graz?"

Platterwatch: Überwacht den Innenminister

Nachdem ich mich letztens über ein Plakat mit unglücklich gewähltem Slogan mockiert habe, darf ich mich erneut über eine auf den ersten Blick gelungene Aktion wundern: Marie Ringler und Peter Pilz haben getreu dem Motto Überwacht den Überwacher! Platterwatch ins Leben gerufen.

Ein Innenminister, der gerne *alles* über seine BürgerInnen wissen möchte (siehe Eselsohr "Nein zu Metternich 2.0" rechts oben), muss einfach etwas zu verbergen haben, so die Kernidee. Also wird der Überwacher überwacht, und das scheint ihm nicht besonders zu schmecken:

Heute war das Platterwatch Team wieder im Einsatz. Der Innenminister hat den Schlepperbericht 2007 präsentiert. Wir wollten ihn beobachten. 10 Mann und Frau hoch, in unseren schönen neongrünen Platterwatch Jacken. Und natürlich mit Kamera, Handycam und Co. Wer sich versteckte war allerdings der Innenminister. Offenbar ist ihm die Aktion gar nicht recht, denn wir durften nicht in den Pressekonferenzsaal und als er dann von Journalisten bei der Pressekonferenz nach Platterwatch gefragt wurde, blieb er wortkarg: "Kein Kommentar".

Die "Videoüberwachung" wird auf der youtube-Gruppe Platterwatch genau dokumentiert - und da kommen dann solche rührenden Szenen raus wie in diesem Kurzfilm:

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(Ich war noch *nie* auf einer PK, wo irgendjemand eine Ausweis sehen wollte. Aber ich geh ja auch nie zu Minister-PKs.)

Niemand wird ernsthaft annehmen, dass "fighting fire with fire" einen gangbaren Weg darstellt - ich sehe die Platterwatch in der von mir geschätzten Traditionslinie des grünen Aktionismus. (Auhirsch!) Manche mögen sowas kindisch finden, wie aus den Kommentaren auf Maries Blog auch deutlich hervorgeht. (Aber wer weiß: wenn die NL-ÖVP eine kompetente Online-Marketingagentur hat, dann wird sie ja sicherlich so schlau sein, Poster zu bezahlen.). Ich persönliche denke, dass es momentan in .at beim Thema Überwachung noch gar nicht um Meinungsbildung, sondern um das Erzeugen von Awareness geht, denn die ist auf breiter Basis beim einfach nicht vorhanden: und dazu ist Pete heute klar gemacht hat, macht eine derartige Vereinnahmung von Themen durch eine Partei jegliches Entstehen einer zivilgesellschaftlichen Opposition so gut wie unmöglich. Ein gutes Beispiel dafür ist die Metternich 2.0 Online-Demo, die hier am Blog geschalten ist (das Eselsohr in der rechten oberen Ecke). Die Petition ist ja schön und gut, allerdings führt sich die behauptete Überparteilichkeit selbst ad absurdum, wenn die anschließende Bestätigungsmail von einer E-Mail der Domain @diegruenen.at kommt.

Nun kann man also zurecht die Fragen stellen, wieso eine Minderheitenpartei, die ja im Parlament sitzt um die mythenumwobene "Kontrollfunktion" auszuüben, nicht in erster Linie parlamentarische Maßnahmen einsetzt, auf einem Untersuchungsausschuß besteht, Gebrauch macht von den gar nicht mal sooo üblen Minderheitenrechten des österreichischen Parlaments, so Pete's Meinung. Ich bin mir da unschlüssig: einerseits schlägt mein Herz für aktionistische Aktionen, andererseits würde man sich in der Tat mehr parlamentarische Action wünschen - so machtlos, wie die Platterwatch die Grünen darstellt, sind sie nämlich laut Verfassung keineswegs.

datenschmutz und das Sprach-Splitting

StammleserInnen werden es notgedrungen bereits bemerkt haben: ich bemühe mich auf d/s konsequent, Splitting einzusetzen, also jenes spezifische Problem mancher Sprachen, dass man entweder nur die Manderl oder nur die Weiberl anspricht, durch großes "Binnen-I" und die/der Kombis zumindest partiell zu entschärfen.

Im professionellen Bereich ist Splitting so gut wie nirgends gewünscht - wenn ich Presse- und Marketingtexte schreibe, richten die sich - aus Gender Sicht halt - meist nur an Männer. Und ich versteh's ehrlich gesagt auch sehr gut: Splitting ist aus sprachästhetischer Sicht betrachtet einfach kacke, weil's den Sprachflow zerstört, beim Lesen rausreißt und häufig stört. Sogar mich als Autor der Texte. Warum mach ich's dann gerade hier am Blog, wo ich mir doch völlig frei aussuchen kann, wie ich schreibe?

Es gibt dafür nur einen einzigen, ganz simplen Grund: ich spreche häufig mein Publikum direkt an, und die vielen Jahre im Nahbereich linker ÖH-Organisationen haben ihre Spätschäden hinterlassen. Tatsächlich habe ich bei nicht-gesplitteten Texten mittlerweile selbst den Eindruck, nur Männer anzusprechen, und das stört mich, das nervt, ich find's doof. Punkt. Hat nix mit politischer Korrektheit zu tun, die in meinen Augen bloß ein delegatives Feigenblatt darstellt und schon gar nix mit Überkorrektheit und Berührungsängsten vor derber Sprache, ganz im Gegenteil - möchten Sie einen Beweis? Bitteschön: Titten, Titten, Titten! bzw.: Futkarli / -karla!

Mit anderen Worten: als alter Hip Hopper und Schönschreiber schlagen ach zwei Herzen in meiner Brust: und die Entscheidung war gar keine bewusste, sondern hat sich im Lauf des Schreibens einfach so ergeben... hätt ich ja nie für möglich gehalten :-) Das englischsprachige Netz hat's da übrigens besser: von wenigen Ausnahmen abgesehen ("men" wird ja auch im Sinne von "Menschheit" verwendet) kennen englische Hauptwörter nur eine Geschlechtsform: the baker ist zugleich Bäcker und Bäckerin, daher tritt das Problem hier weitgehend gar nicht erst auf. Im Deutschen kann man sich fallweise behelfen und auf geschlechtsneutrale Formulierungen ausweichen, aber eben nicht immer - und für diese Fälle werde ich mich weiterhin vertrauensvoll ans Amt für Binnen-I's wenden. Ihre Meinung dazu täte mich übrigens brennend interessieren - stört Sie das Splitting? Finden Sie's gut? Bitte um Input, lieber Leserin!

Blogistan Panoptikum KW02 2008

Interessante Infos über nofollow-Blogs (vor allem, wie man selbige findet) hat Malte zusammengestellt. kA, wie ich in die digerati Suchmaschine geraten bin - coole Sache jedenfalls! Auch ansonsten war's blogtechnisch für mich eine sehr erfreuliche Woche: in den nächsten Wochen folgt wieder eine Serie von Gewinnspielen!

Nur 1 gallisches Dorf leistet Widerstand

Bevor ich gegen Shorty in Serie verloren hab, dachte ich irgendwann mal, ich hätte Attack ganz gut im Griff... aber dieser Screenshot erinnert eher an die "Ganz Gallien! Ganz Gallien?" Situation - und das schon zum dritten Mal hintereinander. Gebt diesem Mann bloß keine Atomwaffen:

attack

Viel Diskussion um nix

Der umtriebige Thomas Knüwer hat eine aufschlussreiche Zusammenfassung der langerwarteten Podiumsdiskussion mit Konken, May, Donsbach und Co. geschrieben. Der gesamte Bericht ist absolut lesenswert, speziell, weil die geplante Live-Übertragung aufgrund des großen Interesses der Bewohnerschaft Blogistans gleich zu Beginn zusammenbrach. Besonders gut gefällt mit Thomas' selbstregulative Ethikdisposition:

Um es klar zu sagen: Nach meiner Meinung hat ein Pressekodex allein keinerlei Wirkung. Punkt. Entscheidend sind die Berufsehre der Journalisten und das Unternehmensklima in den Verlagen. Ein Journalist, der eine solche Ehre verspürt, braucht keinen Kodex. Ein Journalist, der sie nicht verspürt, kümmert sich nicht um den Kodex.

The infamous Don Alphonso hat ebenfalls sehr klare Worte gefunden, denen ich genauso wenig widersprechen kann:

Gewisse Entwicklungen sind unumkehrbar, und wenn die Medien weiterhin Blogs in die Ecke drängen, ist das vielleicht gar nicht so schlecht - jedenfalls nicht schlechter, als von diesen Medien vereinnahmt zu werden.

Völlig verwirrt? Dann hilft nur Wirres.net, dort gibt's die ultimativ objektive Zusammenfassung eines anscheinend unwürdigen Events.

gulli wechselt zu WordPress

Quasi schon "old news", aber ich hab's gerade erst bei Dimido, Gordo und KRiZZi gelesen: gulli wechselt von Typo zur WP.

Sehr interessant ist der Plattformwechsel von gulli, da es zeigen wird, wie sich das doch kleine, einfache WordPress, was mal als reines Blog-System gedacht war, in großen Dimensionen eines News-Portals schlagen wird.

Im Backend ist das Blog-CMS bereits im Produktiveinsatz, ausgeliefert werden die Seiten bis zum kompletten Wechsel derzeit noch von der Typo-Engine. Ich war eigentlich nie ein übermäßiger Fan von gulli... wenn man schon "Untergrund-Suchmaschinen" braucht, dann lieber gleich die großen Brüder aus US, aber mit einer Sache haben die Betreiber völlig recht:

Eine lebendige Entwickler-Community hat aus der Blogsoftware ein ausgewachsenes CMS gemacht, das auch Sites wie gulli.com inzwischen antreiben kann. Weiter dürfte der Einsatz von Wordpress hinter den gulli-Kulissen für die eine oder andere interessante Erweiterung für WP sorgen.

Auch nicht gerade ein Nachteil für beide Seiten: ab sofort kann man gulli-News mit Trackbacks beschicken.

Rare Ware: Gute (Polit)Cartoons

Hab mal wieder nach Dimidos Kommentar der Thingama-Seite einen Besuch abgestattet und bin auf Larsons World gestoßen: dort gibt's einige großartige Cartoons. Zwar nicht vom Betreiber selbst, sondern zusammen gesammelt - und wirklich funny stuff.

Die Grünen stecken in der Scheiße

"Nimm ein Flaggerl für dein Gackerl!" und darunter "Wer Österreich liebt, muss Scheiße sein." Dieses Plakat dachte sich irgendjemand bei der Grünen Jugend aus... und stieß damit auf fast ungeteilten Widerspruch. Wie man's auch dreht und wendet: die Persiflage auf eine Kampagne der Wiener FPÖ für mehr Hundedreck-Beseitigung durch Tierhalter (ein ehrenwertes Unterfangen) erlaubt in der Tat keine Interpretation, bei der die Urheber irgendwie gut aussteigen würden.

Die F frohlockte natürlich und fordert strategisch die Ausweisung volle Härte des Gesetzes - in der Tat droht das österreichische StGb im §248 mit bis zu 6 Monaten Haftstrafe für alle Gimps, die öffentlich Österreich und/oder dessen Flagge lächerlich machen. Ich finde es zwar traurig, dass man einem nationalen Symbol (Nationalismus kommt nun mal von "national") diesen strafrechtlichen Extra-Schutz angedeihen lässt, wo man doch annehmen könnte, die "Freiheit der Meinung" sei ein höheres Gut als Ehrfurcht vor einer Flagge. Aber andererseits kommt mir diese "Werbeaktion" der Grünen unglaublich dämlich vor. Das ganze passierte ja keineswegs im Verborgenen - immerhin hing das inkriminierte Plakat laut ots-Aussendung mehrere Wochen vor der Wiener Parteizentrale.

Ärgerlich daran finde ich, dass die Botschaft schlicht und ergreifend die Idee nationaler demokratischer Politik ganz ablehnt - eine völlig legitime Position für eine offiziell anarchistische Partei. Aber warum sollte ich Volksvertreter wählen, die ganz klar kommunizieren, dass sie nicht vertreten wollen? Genau diese unglaubliche sprachliche Insensibilität stört mich bei den Grünen schon seit Jahren und macht's mir unmöglich, einer Truppe von Leuten, die vor lauter Splittersuche im Auge des Gegner das fette Holzbrett vor dem eigenen Kopf nicht mal im Spiegel sehen, meine Stimme zu geben. Eine Partei, die größten Wert auf Splitting und sensiblen Umgang mit Sprache legt, und dann im NR-Wahlkampf "Für mehr Kontrolle" plakatiert, wie vor einigen Jahren geschehen, ist offensichtlich nicht in der Lage, die gepredigten Grundsätze selbst umzusetzen. Schade, denn nachdem Umwelt-Themen längst breitenwirksames Querschnittsthema geworden sind, die Grünen ihre "Fundis" unter "mehr Kontrolle" gebracht haben und der Großteil der Partei sich bereitwilliger mit König Pragmatismus arrangiert als jede große Koalition, wird's schwierig mit Uniqueness und Positionierung. Da helfen weder halblustige Versuche, sowas wie die Partei der von ÖVP und SPÖ komplett vernachlässigten neuen Selbständigen zu werden noch Politiker wie Peter Pilz, solange sie Einzelkämpfer bleiben und die Parteispitze besagtes Plakat als "Missgeschick" und "eigenen Willen der Jugend" abtut. Die deutsche Grüne Jugend war übrigens auch recht verwundert.

PS: Ich schreibe diesen Kommentar nur deshalb, weil ich mir am politischen Spektrum nix mehr wünschen würde für .at als eine wirtschaftspolitisch realistische, auf Umweltschutz bedachte und gesellschaftspolitisch sozial eingestellte Partei. Nach dieser ganzen Eurofigher-Würg-Kotz Story und einem roten Armeeminister, der plötzlich nix von Kritik wissen will, bleibt ja leider keiner mehr übrig, den man guten Gewissens wählen könnte.

Update: Zufällig gerade gefunden beim Neo-Blog ostarrichi - solipsistisch, aber die eigene Logik kann einem manchmal ganz schön um die Ohren fliegen:

Nun ist es so, dass die Grüne-Jugend Wien den Slogan eines Anti-Hundekot-Plakates von "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl" zu "Nimm ein Flaggerl für mein Gackerl" auf der Österreichischen Flagge mit dem Untertitel "Wer Österreich liebt muss scheiße sein". Abgesehen davon, dass die grünen Jungs damit bewiesen haben, dass zu allererst sie selbst scheiße sind, hat Arigona ja behauptet, dass die nicht in den Kosovo zurück will und hier in Österreich bleiben möchte, das Land, das sie angeblich zu Lieben gelernt hat, somit ist laut den Grünen Arigona scheiße und die Grünen unterstützen somit Scheiße.

Schon wieder findet ein Journo Blogger furchtbar

Die Abkürzung SZ steht im allgemeinen und besonderen ganz und gar nicht für den Begriff Scheißzeitung für seriöse Berichterstattung, und dass die Grande Dame Bernd Graff Raum zur journalistischen Selbstlegitimation gibt, mag auch angehen. Aber wenn der dann von der Feig- und Dummheit der Massen, dem Unwissen der Hobbyschreiber und so fort berichtet und sein fünfscreeniges Pamphlet auch noch mit dem völlig tendenziöse Teaser beginnt, kann ich das nicht ganz unkommentiert stehen lassen:

Das Internet verkommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten. Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung.
Von Bernd Graff

Diese Einleitung bedeutet wohl, dass sich der Autor nicht besonders eingehend mit Konzept und Idee der Wissensgesellschaft, wohl aber mit Herrn Gutenberg auseinander gesetzt hat. Kevin Kelly übertreibt, ja, geschenkt. Aber der gelernte Journalist recherchiert ja so toll, dass er das grandioseste Zitat unserer Ex-Kanzler Vranitzky gleich mal Helmut Schmid unterjubelt:

Helmut Schmidts zeitloser Rat, dass derjenige, der Visionen hat, besser einen Arzt aufsucht, scheint nicht mehr viel zu gelten.

Ich habe mich durch den ganzen Artikel gequält, und irgendwann in der Mitte weht der Wind dann nicht mehr ganz so versteckt. Ich finde es immer noch faszinierend, dass Kulturpessimismus und Elitarismus so unheimlich gern in Konzeptunion auftreten:

Aber wieso all das grundsätzliche Halleluja auf den "User Generated Content", der nicht selten ein "Loser Generated Content" ist? Wollen wir uns nur über die paar Gala-Vorstellungen freuen, wenn Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung das Tagesgeschäft der Laufkundschaft im Netz ist?

Ja, ja. Whatever. Aber eines finde ich in meiner persönlichen Doppelrolle als Blogger und Profi-Journo (die Graff wohl unerträglich schizophren fände) immer wider spaßig: während die einen Schreiberlinge Abgesänge aufs Netz anstimmen, bloggt die andere Hälfte schon längst fleißig... auf meiner persönlichen Lieblingsblog-Liste stehen einige deutsche Professionisten der schreibenden Zunft. Aber die wissen ganz genau, dass sie nicht qua Amt und Würden die "richtige Art zu berichten" gepachtet haben - und sehen anderen Blogger, die keine Presseausweise besitzen, einfach nur als Kollegen. Das kommt auch viel unverkrampfter und wirkt nicht ganz so lächerlich wie solche Pauschal-Elaborate, die letztendlich nur lauthals vom eigenen Unwillen zur tieferen Auseinandersetzung und Recherche künden - zwei Eigenschaften, die Journalisten ja eigentlich nicht ganz fremd sein sollten.

Viertes Treffen der Mediengruppe Online

27. November 2007
19:00bis23:00

Günter Felbermayer, Studienkollege seit den frühesten Uni-Tagen, arbeitet in der Online-Redaktion der Presse. Gemeinsam mit einigen BranchenkollegInnen hat er die Mediengruppe Online gegründet mit dem Ziel, österreichische Netz-JournalistInnen zu vernetzen. Kommende Woche trifft sich die Mediengruppe zum vierten Mal, um über ihr Berufsfeld zu plaudern.

Ort: 7*Stern Veranstaltungssaal, Siebensterngasse 31, 1070 Wien
Zeit: 27. November 2007, 19:00 Uhr

Am Programm stehen neben allgemeinem Erfahrungsaustausch auch die folgenden Agendapunkte:

  • Kurzvorstellung der Aktivitäten und Forderungen der Mediengruppe Online
  • Beratungsschwerpunkt bei Fragen zu Kollektivvertrag, Anstellungen usw.

Anschließend bittet die Mediengruppen zum Tanz, für die richtige Trackselection sorgen Dee Jay I-Me-nenz (Günter himself?) und Vee Jay Light my Fire. Branchenaffine GästInnen sind gern gesehen:

Die Einladung ergeht auch per E-Mail an RedakteurInnen von derstandard.at, DiePresse.com, ORF.at, kurier.at, krone.at, news.at, kleine.at, oe24.at, netdoctor.at, APA Multimedia, wienerzeitung.at
Unsere E-Mail-Liste ist leider unvollständig, daher: Bitte auch an KollegInnen - auch von anderen Online-Medien, weiterleiten.

Sinn und Zweck der Mediengruppe Online

Am Projekt-Blog findet sich neben aktuellen Infos auch eine fachspezifische Jobbörse sowie Info-Material zum Berufsfeld: Online-Journalismus als neuester Berufszweig der tagesaktuell schreibenden Zunft stellt nicht nur Redaktionen, sondern auch Interessensvertretungen vor neue Herausforderungen. Und da bei solchen Transformationen idR nur dann brauchbare Ergebnisse herauskommen, wenn die primär Betroffenen selbst mitreden, kann ich jedem Online-Journo ein RSS-Abo der Seite nur empfehlen.