Strategiesitzungen sind momentan in, schließlich erwarten uns in zwei Monaten Neuwahlen. Christoph Chorherr von den Grünen ruft in seinem Blog LeserInnen auf, Plakatideen einzusenden - zwei davon hat er bereits mit Helges Support selbst realisiert. Politstrategisch dürfte es schwierig sein, sich mit einer Multitude von Claims und Standpunkten nachhaltig zu positionieren, trotzdem finde ich die Idee irgendwie originell (bei der Konkurrenz aber auch nicht schwierig) und am besten gefällt mir bisher Janas Vorschlag; übrigens bin ich auch neugierig, wie Super-Fi in den nächsten Wochen für die G tätig werden - Max hat ja am Donnerstag geschrieben, dass er sich einen aktiven, unmittelbar (d.h. nicht durch Agenturen durchdramaturgisierten) WK erwartet:
Ich möchte täglich auf Youtube sehen wo die Grünen gerade unterwegs sind, was sie die Bevölkerung fragen, über welche Themen (schließlich geht’s ja um Themen und Perspektiven, einen Personenwahlkampf gegen Faymann werden die Grünen wohl nicht gewinnen) sie mit den Menschen reden, sehen wie viele Leute für die Grünen arbeiten, sehen das es da mehr als nur einen Van der Bellen, einen Pilz, eine Glawischnig und einen Chorherr gibt.
[...]
Ich möchte wenn ich auf Flickr "Wahlkampf" eintippe Fotos von Grünen PolitikerInnen sehen, ich will auf Geizhals.at mit Ihnen diskutieren wie man beim Neugerätekauf auf das Energiesparen achten kann, usw.
Naja, warum nicht - am besten mit Masterplan im öffentlichen Google-Sheet
Ich bin mal gespannt, was bei Chorherrs Aufruf noch so an schrägen Motiven rauskommt... ein wenig Selbstironie kann ja übrigens nie schaden. Besonders gut gefällt mir Max' Vorschlag eines Political Friendfeeds:
Was schön wäre ist eine Seite (dessen URL kann man dann von mir aus auch auf einem Plakat bewerben kann) wo alle Aktivitäten zusammengefasst werden, siehe z. B. Platterwatch. Wirklich mutig wäre dann wenn auch die Aktivitäten der anderen Parteien dort auch einsehbar wären.
Dennoch werde ich mich nach eingehender Beratung mit Master P., dem Vorsteher des datadirt-Politbüros, jeglicher jeglicher Wahlkampf-Plakatentwürfe (außer allfälliger defätistischer Designs) zu enthalten. Letztendlich steht jede Partei des kleinen Mannes auf den Schultern von Giganten und vice versa; im Gegensatz zu überteuerten Agenturen und den PolitikerInnen selbst werde ich allerdings nicht für Propaganda-Tätigkeiten bezahlt - und wenn die lieben Genossen schon ganz locker ein paar Milliönchen verblasen, dann erscheint mir Ruhm und Ehre doch als schäbiger Preis für die gesourcte Crowd. Aber das ist ohnehin alles recht hypothetisch - trotzdem sollte ein kritischer Blick auf die Unterschiede zwischen Partizipation an der Entscheidungsfindung und Crowdsourcing á la Mechanical Turk jenseits aller Freude übers großartige Mitmachen-Dürfen nicht gänzlich ausgeblendet werden.
Wenn Frau Winter eine Susi-Torte bäckt, dann wird die ausschließlich mit weißer Schokolade angefertigt, nehme ich an... und statt Kaffee mit braunem Zucker gibt's vermutlich weißen Tee. Schließlich kann man den Kampf gegen die Überfremdungsparanoia ja schlecht linken Kabarettisten überlassen:
"Es ist wirkliche eine Frechheit des ORF, dass übelste Überfremdungs-Propaganda, wie der Film 'Der schwarze Löwe', in dem drei Neger-Asylanten zu Helden eines kleinen Dorfes hochstilisiert werden, als offizieller Film-Beitrag zur EM 2008 im Fernsehen ausgestrahlt wird. Finanziert wird dieser Film natürlich auch durch die ORF-Gebühren, die der Bürger zahlen muss", so die Grazer FPÖ-Chefin Susanne Winter.
Und die meint das auch noch ernst mit den "Negern"... so steht's nämlich in der eigenen Presseaussendung. Eigentlich erstaunlich, dass sie nicht gleich "Drecksnigger" oder so schreibt. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir Anders-Hautfarbige wie Menschen anstatt wie Asylanten behandeln? Jedenfalls nicht dahin, wo die Grazer FPÖ "Politikerin" hinmöchte:
Statt der ORF-Überfremdungspropaganda "Der schwarze Löwe" sollte der offizielle Film-Beitrag des Österreichischen Rundfunks lieber ein Film sein, der die Schönheit und Kultur unseres Landes widerspiegelt.
Hervorragende Idee. Zum Beispiel würd ich's total cool finden, wenn Kurt Palm einen Film dreht, in dem Grissemann und Stermann zwei FPÖ-Politiker darstellen, die sich mit dem Asylantenproblem befassen. Oder wie wär's mit einer Fake-Doku über einen FPÖ-Parteitag, bei dem Robert Palfrader (mit oder ohne Kaiserkrone) in die Rolle von Jörg Haider schlüpft?
Ich warte ja nur auf die Autobiographie von Frau Winter und hätte auch gleich einen passenden Titel zur Hand: "Ich, die bösen Neger und die Schönheit unserrrres Landes". Ich würd ausnahmsweise sogar gratis in Vorwort schreiben... sofern's nicht zensuriert wird.