Sonnenschirme allenthalben, schwitzende Städter und Temperaturen knapp unterhalb der hitzefrei-Marke: Wien hat eine ausgesprochen unmetaphorisch heiße Woche hinter sich (gebracht). Da helfen nur Industry-Grade Ventilatoren oder Nachmittage am Stadt-st-rand... aber in den Medien ist von sommerlicher Müdigkeit keine Spur. An dieser Stelle übrigens noch ein Nachtrag: mein Posting über die großartigen China vs. Deutschland Bilder stieß auf einiges Interesse. Mittlerweile weiß ich, dass die Künstlerin Yang Liu heißt - auf ihrer Seite Yang Liu Design gibt's weitere grafische Arbeiten, die ich ziemlich sensationell finde.
Wem der Sinn mehr nach Bewegtbild-Input steht, sollte einen Blick auf diese Liste der 10 einflussreichsten Flash-Animationen werfen - als Bonus gibt's dazu noch Kurzinterviews mit allen Artists; meine Wertung wär ziemlich anders ausgefallen, aber der Autor scheint nach einer ziemlich strikten Methodik vorgegangen zu sein:
Over the last month, I've culled together a list of 40 Flash-animated shorts worthy of inclusion, and then graded each one on a 1-10 scale in three categories - ARTISTIC MERIT, REACH and INFLUENCE.
Fans des wahren Lebens (as opposed to gezeichnet) sollten dagegen heutigentags um 20:15 Uhr PULS 4 aufdrehen, denn da trifft Natascha Kampusch auf Niki Lauda - und umgekehrt. [via Lektroliv]
Die Do-it-yourself Ausstellung im net.culture.space ist mittlerweile eröffnet - Bastelfans können immersive Nerdkunst am eigenen Leib erfahren, wenn die Lötkolben gezückt werden. [Nein, keine SM-Schmerzperformance. Gutes, altes solides Handwerk - wir treten ein in das Zeitalter der Retro-Moderne; siehe auch Interview mit Karel Dudesek]
In einer offenen Werkstatt besteht zwei Wochen lang von 11 bis 18 Uhr die Möglichkeit an Do It Yourself-Workshops teilzunehmen - jede(r) kann mit basteln! Weitere Informationen unter
Google baut. Aus. In Kronstorf, verkündet die Fama. 60ha, aber wohl doch nicht das europäische Big-G Forschungszentrum, sondern wie's aussieht, wohl bloß ein Datencenter. In der Gegend fließt anscheinend reichlich Wasser (für Kraftwerke), und ein paar phatte Glasfaserleitungen kugeln ebenfalls rum. Es ist aber nicht primär der Newswert, der diese Story newsworthy macht, sondern die Genese des Übersprungs von der Blogosphäre in die uralten Medien: Gebreakt hat die Geschichte - zuerst über Twitter, dann in seinem Blog - Kollege Helge. "Und dann ging's rund", krächzte der Papagei und flog in den Ventilator. Und zeigt eines ganz deutlich: die Blogosphäre zu untersuchen, erfordert Meta-Kommunikationswissenschaftler, denn der reflexive Diskurs läuft nicht nur ständig mit, sondern wird im Gegensatz zu den Massenmedien, die gerne auf Quellenangaben verzichten, sogar transparent.
Yannick Eckl kenn ich virtuell schon eine ganze Weile - der Autor von Blogschrott gehört imho zu den aktivsten und fittesten Bloggern Deutschlands. Kein Wunder, er hat auch sehr früh mit dem Bloggen begonnen und interessiert sich vor allem für das Thema Geld im Netz verdienen. Daher brachte er einiges an Papierkram hinter sich, um die volle Geschäftsfähigkeit zu erlangen. Das mag für die freie Wirtschaft da draußen reichen, nicht aber für Xing - denn kürzlich wurde Yannicks Account gesperrt:
Als ich mich heute einloggen wollte, um meine Nachrichten und Kontaktanfragen zu bearbeiten, sah ich einen gelben Kasten, in welchem stand, dass mein Account vorrübergehend gesperrt wurde. Dazu gab es eine Liste möglicher Gründe. Und da bei mir nur die Sache mit dem Alter zutreffen kann (man darf sich bei Xing nur mit 18 Jahren anmelden, laut AGB) wurde ich höchstwahrscheinlich deshalb gesperrt.
Schon eigenartig, bedenkt man, dass die AGBs zwar Volljährigkeit verlangen, andererseits aber eine eigene U18-Unternehmer Gruppe besteht. Die Reaktionen sind durchwegs gemischt - ich denke, dass es für Xing nur kontraproduktiv ist, in diesem Fall päpstlicher als der Papst zu agieren: einen Individualvertrag abzuschließen, kann ja wohl kaum das juristische Problem sein. Yannick schreibt dazu:
Da bemüht man sich monatelang, die volle Geschäftsfähigkeit zu erlangen, rennt zum Amtsgericht, zum Rathaus etc. und wird dann so behandelt. Denn Fakt ist, innerhalb meines Gewerbes bin ich 18. Laut dem Mitarbeiter, mit dem ich telefonierte, sei das aber nicht relevant, da XING eine "personenbezogene Community" wäre. Außerdem habe ich vor meiner Registrierung mit einem Xing-Ambassador (Erklärung) gesprochen, der meinte, das wäre in meinem Fall okay, wenn ich mich sonst an die AGBs halte.
Die Causa macht mir Xing nicht gerade sympathischer... und die Usability der Foren ist enorm grottig, möcht ich an dieser Stelle mal anmerken. Aber zum Glück gibt's ja LinkedIn, Facebook und Co. - blöd nur, dass Yannick nicht mal seine vCards rechtzeitig exportieren konnte.
Walter Rafelsbergers Präsentation Visualizing Conversations in Twitter vom Webmontag dieser Woche hat's sogar auf die Titelseite von Slideshare geschafft - communication mapping at its best; die Präsi fand ich sehr spannend; schon schräg, was sich so alles aus der Struktur der Shortmessages anhand von Antworten (@) und Tags (#) herauslesen lässt:

In diesem Sinne bleibt mir nur mehr, einen schönen Sonntag zu wünschen - wir lesen uns nächste Woche.
Nic.at, Verwalter der österreichischen TLD, feierte dieser Tage 20. Geburtstag. Herzliche Gratulation! Ich war letztens erstaunt drüber, dass eine .at-Domain bei Hetzner für 1 Jahr nur mehr etwas über 13 Euros kostet... nettes Geburtstagsgeschenk
Höchste Zeit, statistischen Daten über (selbsternannte) SEO-Experten zu erheben, dachten sich die Profis von SEOmoz. Für die 51 Fragen gibt's nicht nur die Chance auf wahlweise ein Ei-Fon oder einen Amazon-Gutschein über 400$, die Fragen sind teils auch äußerst instruktiv - ich hab jedenfalls einige mir bis dato unbekannte hochinteressante Infoquellen gefunden; Mitmachen zahlt sich definitiv aus.
Peer Wandiger hat vor kurzem mit mir ein Interview zum Thema "Werbung im eigenen Blog verkaufen" geführt - der Text ist nun auf Selbständig im Netz online - ebendort wird's in Zukunft häufiger Infos zum Thema geben. Auf jeden Fall ein spannender und dynamischer Bereich, denn PPV-Longtail-Aggregationsanbieter dürften nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Auch im 21. Jahrhundert gibt's noch Fernsehsendungen, die Fans haben. Wer weiß, ob "Dalli Dalli" jemals eingestellt worden wäre, wenn sich damals bereits eine Protestbewegung online formiert hätte. Metro, das Wiener Stadtmagazin, soll nach der Übernahme von puls durch SevenOneMedia eingestellt werden, also haben einige Fans die Seite Metrofight ins Leben gerufen:
Womöglich habt ihr, liebe Leidensgenossinnen und Leidensgenossen, über die allerletzte Metro-Sendung auf dem Wiener Lokalsender PULS TV, die zum 25. Jänner 2008 in der Erstausstrahlung über den Äther ging, von dieser Internetpräsenz erfahren. Dies zeigt, dass ihr durchaus gewillt seid, euch für eine Rückkehr dieser wunderbaren kleinen Sendung auf dem neuen pinken Vollprogramm PULS 4 auszusprechen. Wenn dem so ist, dann mal jetzt schleunigst zum Metromanifest unter "Petition" geklickt und das entsprechende Formular ausgefüllt. Zum 17. März 2008 leite ich sämtliche Einträge an die Verantwortlichen von PULS 4 weiter.
Da soll nochmal einer behaupten, das regelt die Quote schon alles von allein...
Im Übrigen wünsch ich einen schönen Sonntag, bin gerade vom Barcamp Senza Confini in Klagenfurt zurückgekommen, erste Eindrücke gibt's bei Mister Gratzer, mein Bericht über Tag 2 folgt morgen.
SevenOne Austria kaufte vor wenigen Monaten Puls TV: ab 4. Februar 2008 wird aus dem derzeitigen Wiener Stadtsender ein österreichweit empfangbarer vierter Sender mit dem kurzen und prägnanten Titel PULS 4. Bereits vor dem Senderstart gibt's ein Online-Gewinnspiel für alle, die sich schon mal präventiv registrieren - und der Preis kann sich sehen lassen: auf den Sieger der Verlosung wartet ein adäquates Wiedergabegerät für den neuen Lifestyle-Sender:
Der Flachbildschirm Samsung LCD TV R8 bietet mit einer Kontrastrate von 8000:1, 3 HDMI Eingängen und 102cm Bildschirmdiagonale das optimale Fernseherlebnis. Die 600 Watt starke Surround-Anlage bietet zusätzlich noch den vollen Kinosound fürs Wohnzimmer!
Ich finde die Produktionsweise von Puls TV ausgesprochen spannend: wendige 1-Mann VJs filmen, interviewen und schneiden die Beiträge in Personalunion. Diese Produktionsweise soll fortgeführt werden, wie man auf der Pressekonferenz zum Senderstart erfuhr. Die Infos über das Programm sind noch relativ dürftig, Live-Event-Übertragungen und Magazine bilden das Rückgrat, außerdem dürften dank des ProSiebenSat1 Archivs Spielfilme und Serien nicht zu kurz kommen.
Imho höchste Zeit, dass nach ATV ein zweiter Privatsender den österreichischen Fernsehmarkt belebt, denn wir .at-ler waren ja bis in die Neunziger ganz offiziell ein "Medienalbanien" mit rein staatlichem Fernsehen. Dann kam ATV, doch obwohl so gut wie mein gesamter Bekanntenkreis dem Sender durchwegs hohen Unterhaltungswert (Big Up Dominik Heinzl. Und nicht zu vergessen die großartige Ernährungsdomina Sascha W.!) zugesteht, scheint's um dessen Finanzen nach dem geplanten Verkauf der 43% BAWAG-Anteile eher übel zu stehen: und sollte Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratschef Herbert Kloiber die Eigenproduktionsanteile zurückfahren, dann verlören die TV-Kreativen dieses Landes ihren einzigen nicht-staatlichen Spielplatz mit Lizenz zum landesweiten Senden.
In diesem Kontext freut sich sogar die Konkurrenz über den neuen Sender, wie in einer APA-Aussendung zu lesen war:
Im Sinne des dualen Systems freut es uns, wenn es einen neuen Mitbewerber am Markt gibt.
Mit dem "dualen System" meint der Medienökonomie zwar ein friedliches Nebeneinander von staatlichem und privatem TV mit jeweils genau abgesteckten Claims, und nicht den Start eines zweiten Privatsenders - aber wie auch immer: die Österreich-spezifischen Newsinhalte von Pro7 haben dem ORF schon so manchen ZIB-Seher streitig gemacht, und mit dem Know How von SevenOne könnte ein Lifestylesender durchwegs zur ernsten Konkurrenz für die ORF-Magazinschiene werden. (Was sonst? Barbara Karlich zu unterbieten scheint wirklich schwer vorstellbar.) Neugierig bin ich jedenfalls auf das Engagement des neuen Senders im Netz: ATV bietet rudimentäres Kundenservice, der ORF bleibt seinem 1995er Nachrichten-Portal-Style bedingungslos treu - und puls4.com? Man darf gespannt sein...
SevenOne Media Österreich hatte gestern ins Museumsquartier geladen: in der Halle E präsentierte man einer bunten Mischung aus Informationsarbeitern die Pläne für die kommende Fernsehsaison und natürlich die hier schon mal erwähnte bevorstehende Metamorphose des Wiener Stadtsenders puls tv zur landesweiten Frequenz PULS 4.
Aus PULS TV wird PULS 4. Ab 4. Februar 2008 startet Österreichs viertes Vollprogramm PULS 4. Der neue österreichweite Sender verbindet zahlreiche Live-Elemente mit internationalen Spielfilmen und Serien. PULS 4 produziert täglich über 12 Stunden eigengestaltetes Programm, neun Stunden davon mit Österreich-Bezug. Dazu gehören über den Tag verteilt zehn News-Sendungen, Frühstücksfernsehen, Live Talks, Magazine und die Live Übertragung von Top-Events. PULS 4 spricht mit eben diesem Programm urbane, mobile und selbstbewusste Menschen an. Als integrierte Medienmarke kombiniert PULS 4 Free-TV mit web 2.0 und bietet der Mediengeneration des 21. Jahrhunderts eine ideale Plattform, die zum Insider macht.
"Heute in den frühen Morgenstunden ging eine rauschende TV-Nacht zu Ende." behauptet die Presseaussendung, und das ist bei weitem keine Übertreibung. Matthias und ich waren jedenfalls definitiv bei den letzten, die noch was ausgeschenkt bekamen. Ich hätte mir ja erwartet, dass ein wenig präsentiert und dann gespeist wird aber nicht ernsthaft damit gerechnet, bis halb fünf zu bleiben... bereits der offizielle Teil war hammermäßig gut organisiert und choreographiert: nach einer kurzen Ansprache des Geschäftsführers Markus Breitenecker war Entertainment-Bespielung von allen vier Hallenseiten angesagt: Domino Blue und ihr Drumatical Theatre vertonten live den Imagefilm der Sendergruppe, Christoph Maria Herbst (aka Stromberg) fiel von der Decke und behauptete steif und fest, dass bei seinem Arbeitgeber eine neue Uri Geller Show am Programm stünde.
Die neue Version des Pro7 Signation Songs nahm Ex Spice Girl Melanie C. auf, zu meiner und der Überraschung der meisten Gäste performte die Britin ihren Song dann auch live - respektable Stimme. Hat mir wesentlich besser gefallen als die neue Retortenband Monrose, die mit ihrem aktuellen Hit "Hot Summer" ein paar Woche z'spät dran sind. Local Hero und Café Puls Moderator Norbert Oberhauser, der beim Frühstücksfernsehen bloß spricht, stellte seine sängerischen Qualitäten mit einem Sasha-Cover unter Beweis. Dass es dann so spät wurde, lag nicht am hervorragenden Essen und den leckeren Drinks (kross gebratener Thunfisch auf süßem Kartoffelpüree rockt!), sondern in erster Linie an den vielen Business- und Ex-Mobilkom KollegInnen, die ich dort getroffen hab. Und an George Leccers sehr groovigen DJ-Set. Und vielleicht auch ganz klein wenig doch an zahlreichen Cuba Libres und der Tatsache, dass gestern Vollmond war. Danke für die Einladung, SevenOne Media! Ich dachte ja immer, die Musikindustrie feiert fette Partys, aber das war eindeutig und bei weitem das bisherige 2007er Highlight. Das Motto "We love to entertain you" wurde vom Organisationsteam imho hervorragend umgesetzt
Heute vormittag präsentierte SevenOne Media den neuesten Spross in der Fernsehfamilie: aus dem ehemaligen Wiener Stadtfernsehen Puls TV wird ab 4. Februar 2008 Österreichs viertes Vollprogramm mit dem passenden Sendernamen PULS 4. Lifestyle und Events stehen im Fokus, primär richtet sich der Programm-Mix an ein weibliches Publikum.
Distribuiert werden die Fernsehinhalte sowohl on air als auch via Internet. Das Know-How und der Nu-School Produktionsansatz, den Puls TV entwickelte, erlaube immens kostengünstige Produktion, so Markus Breitenecker, Geschäftsführer von PULS 4und ProSieben Austria. Eine wesentliche Innovation in der Fernsehproduktion sei das von puls.tv entwickelte VJ-System: Videojournalisten konzipieren, drehen, schneiden und texten ihre Beiträge als One-Man Show: mir war der Versuch, weg von perfekter Studio-Atmosphäre und hin zu kleinen, wendigen Strukturen zu steuern, immer recht sympathisch. Parallelen zu den erfolgreichen Video-Plattformen drängen sich auf, puls.tv wäre wohl irgendwo zwischen Hochglanz-Fernsehen und User-Generated Content einzuordnen. Stützen wird sich das Programm des Senders, dessen CI ganz in verschiedenen Pink-Abstufungen daherkommt, auf vier Säulen:
Die Zielgruppe definiert der Facts-Folder als urbane Menschen zwischen 12 und 49 Jahren, Tendenz 20-40 Jahre, weiblich, empfangbar wird PULS 4 eben nicht mehr nur im Großraum Wien sein (so wie derzeit Puls TV), sondern in ganz Österreich via Kabel, Digital-Satellit und DVB-T. Ende 2008 wird die technische Reichweite des Senders eine Million TV-Haushalte betragen, was 2,2 Millionen Zusehner entspricht.
Aus dem Pressetext zum Start des Senders:
Wir verfolgen mit PULS 4 das Ziel, erfolgreiches österreichisches Privat-TV zu machen, das sich auch wirtschaftliche rechnet. Mit Unterstützung der starken Senderfamilie PorSiebenSat1 in Österreich bauen wir auf den Erfolgt von PULS 4 als vierter österreichischer Sender. So können zum Beispiel im Bereich Fiction Serien und Spielfilme von der Sendergruppe bezogen weden und Programmsynergien bei Eigenproduktionen geknüpft werden.
.at wird seit Jahren gerne als "Medienalbanien" tituliert. Die Economies of Scale machten den Betrieb eines Fernsehsenders in der terrestrischen Ära nicht gerade leichter: teils sehr gebirgige Gegend treiben die Kosten der Senderinfrastruktur im Vergleich etwa zu Holland zusätzlich in die Höhe. Nichts desto trotz versäumte es die österreichische Politik mit allergrößter Konsequenz bis in die neunziger Jahre, sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen für eine sogenanntes "duales System": während man sich in Deutschland zeitgleich mit der Einführung der privaten Sender für eine Werbesperre im öffentlich-rechtlichen ZDF und ARD ab 20:00 Uhr entschied, macht die österreichische Medienpolitik es auch seit der grundsätzlichen Einführung privater TV-Betreiber verdammt schwer: permanente Werbezeiten-Ausdehnungen des ORF (eine weitere steht kurz bevor) und das unscharfe Profil eines Senders, der zugleich seriös sein muss, aber dennoch Quote bringen will, schaffen eigentlich Erklärungsbedarf über die Handhabung der Fernsehgebühren: denn während sich der ORF aus Werbung und staatlich vorgeschriebener Rundfunk-Abgabe finanziert, bleibt privaten Fernsehsendern lediglich der Web über die Privatwirtschaft. In dieser Situation halte ich es für sehr vorteilheft, wenn der Betreiber eines neuen Senders bereits über zusätzliche Kanäle verfügt: Packages aus Werbeschaltungen auf Sat1, Pro7 Austria und eben P4 erlauben eine wesentliche effektivere Marktpenetration.
Insofern verwunderte es mich nicht im mindestens, dass Markus Breitender und Martin Plank auf die Frage eines Journalisten, ob denn ein Konkurrenzkampf mit ATV geplant sei, antworteten, dass man viel eher in Richtung Vermarktungs- und Lobbying-Kooperation denke - dies sei allerdings von den zukünftigen neuen Eigentümern ATVs abhängig.
Ich denke, dass ein vierter Sender eine Bereicherung nicht nur für die Zuseher, sondern ein sehr starker Impuls für die heimische TV-Kreativbranche sein kann. Dass ein finanzkräftiger Fernseh-Betrieb sich um die zukünftige Weiterentwicklung des ehemaligen Stadtfernsehens kümmert, sorgt für große Synergieeffekte - alles in allem eine sehr erfreuliche Neuigkeit, finde ich.
Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote aus .at-Albanien: jenes Konsortium, das in Österreich die DVB-T Lizenzen vergibt, nennt sich ORS. Für den Betrieb einer bundesweiten Multiplex-Plattform (=DVB-T) erhielt diesen von der KommAustria den Zuschlag. Pikant wird's, wenn man sich vor Augen hält, dass die ORS wiederum eine Tochtergesellschaft des ORF ist. Mit anderen Worten: der ORF vergibt die DVB-T Senderlizenzen an potentielle Konkurrenz! Aus diesem Grund, so Martin Blank, habe man im Antrag ein DVB-T Programm mit Sat1- und Pro7-Österreich Inhalten eingereicht, denn offiziell bekannt gegeben wurden der Start von PULS 4 erst heute; tatsächlich verwendet werden soll die beantragte Frequenz nun eben vom neuen vierten Sender im Kleinstaat-Boot.
Über die geplante Programmgestaltung gab's auf der heutigen PK allerhand interessantes zu erfahren: im achtstündigen Kernprogramm bleiben die ZuseherInnen von Call-In Sendungen, Quiz-Shows und Verkaufspräsentation völlig verschont, präsentiert werden eigenstündige, selbstproduzierte Inhalte - ich bin jedenfalls gespannt auf den Senderstart am 4. Februar und besonders auf die begleitende Community, den PULS 4 ist von vornherein als crossmediales Unternehmen ausgerichtet... also mal sehen, ob Österreich nicht nur einen vierten Sender, sondern auch eine ambitionierte neue Social-Community bekommt: free TV und Web 2.0 ermöglichen bekanntlich ausgesprochen spannende Mixed Media Formate.