Vor einigen Tagen war ich bei Ö1 im matrix-Studio zu Gast, um meine Replik auf Armins Facebook-Kolumne zu verlesen.
Der Text steht mittlerweile auch auf oe1.orf.at und stößt dort auf geteilte Unzustimmung - bin gespannt, ob und wie die Diskussion weitergeht. Jedenfalls tat ich mir ordentlich schwer damit, meine eigenen Zeilen zu lesen - freies Sprechen ist da schon wesentlich einfacher. A propos: gestern war ich wieder bei Paul und Radio uton live zu Gast, wir schnackten wieder eine Runde über Social Networks, Fluchtgeschwindigkeiten und Musikmythen, die Sendung gibt's demnächst hier zum Nachhören.
Hier die matrix-Aufzeichnung, die ich von Franz bekommen habe - die Einleitung und Armins Teil hab ich drin gelassen, sonst wär meine Audio-Antwort zu sehr aus dem Kontext gerissen. Kommentare hochwillkommen!
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"Die Killerapplikation für Webcams sind Sexchats." Derlei Pauschalierungen mehr gibt's bei der aktuellen Ausgabe von Radio U-Ton nachzuhören, bei der ich vor einigen Tag live zu Gast sein durfte. Pauli und Ritchie, zwei alte Säcke, aber viel schlechter gekleidet als Muppet-Show Senioren, sinnieren uns sinistrieren über Social Networks - hier gibt's die Sendung zum Nachhören.
Man weiß ja heutzutage nicht, ob man überhaupt noch Musik laut spielen darf, oder ob die Major Labels in Zukunft alles außer Ei-Boot Ohrstöpseln verbieten... ich hab die Songs sicherheitshalber mal rausgeschnitten, war jedenfalls nett, "Connected" von den Stereo MCs mal wieder zu hören - obwohl ich den Song seinerzeit nicht ausstehen konnte. Hier die Radio U-Ton Show von letzer Woche, hosted bei Paul Lohberger:
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PS: Unsere gemeinsame 2007er Show, die Rekordquoten in Rumänien erreichte (es könnte aber auch an einer Fehlkonfiguration der Serverlog-Analyse-Software gelegen haben), feierte kürzlich ihr jährliches Jubiläum, der Rhythmus könnte hinkünftig allerdings noch rasanter werden; Cpt. Pauli hat mich zu einer monatlichen Talkrunde eingeladen, was natürlich ganz praktisch wäre, weil's somit auch gleich einen kurzen und knackigen datenschmutz Podcast gäbe.
| 4. März 2008 | ||
| 19:00 | bis | 22:00 |
Zum vierten Mal lädt Meral ins Museumsquartier zum Digitalk. Diesmal dreht sich alles um die home-made Internet-Radiostationen aka Podcasts. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an interessierte EinsteigerInnen, enzyklopädisches Vorwissen ist explizit nicht erforderlich.
Allerdings darf man auch hinkommen, wenn man das Wort Podcasting schon mal verwendet oder gar einen selbigen gehört hat, schließlich geht's nicht nur um die Konsumentensicht, sondern es soll auch kurz erklärt werden, wie man den eigenen Podcast online bringt:
Das Wort setzt sich aus den beiden Wörtern iPod und Broadcasting zusammen. Ein einzelner Podcast (ein Hörstück bzw. eine Hördatei) ist somit eine Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können. Somit kann man Podcasts als Radio- oder Fernsehsendungen auffassen, die sich unabhängig von Sendezeiten konsumieren lassen.
Im Anschluss an die Vorträge gibt's musikalische Gustostückerl vom SIGMAjazztrio und ausreichend Gelegenheit zur Verhaberung (bzw. zum Networking, wie man heutzutage sagt.) Ich bin schon gespannt, wer vorträgt - bei der fünften Ausgabe zum Thema Social Networking Tools werd ich die Ehre haben, ein paar Facebook-Schweinereien aus nächster Nähe zu beleuchten - darauf freu ich mich jetzt schon.
Aufgrund der beschränken Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung erforderlich - der Eintritt zu den Digitalks ist immer gratis.
In der britischen Hauptstadt war ich schon des Öfteren - beim Sprachurlaub, dann nochmal in der Oberstufe, später einfach so... und in der Stadt der Bobbys und vielen U-Bahn-Stationen hab ich mich immer sehr wohl gefühlt. Aber der letzte Aufenthalt war auch schon wieder knapp zehn Jahre her, daher war ich very amused, dass wir letzte Woche ein fatfoogoo-Date mit unserer zukünftigen englischen Werbeagentur hatten und Tom und ich zwei Tage dranhängen konnten.
Die klassischen Sightseeing-Stationen hatten wir beide schon längst während früherer Aufenthalte abgehakt, diesbezügliche Ambitionen lagen also von Beginn an unterhalb der Messgenauigkeitsschwelle. Beim Workshop am Donnerstag stellte sich heraus, dass MJ, Geschäftsführer unserer Agentur, jahrelang bei Pirate Radio aufgelegt hatte - wie schon mal erwähnt: Legenden sterben eben nicht im Bett
Nach der Arbeit dinierten wir im Blue Elephant hervorragendes Thai-Food, das allerdings wider anderslautender Beteuerungen der Karte recht mild ausfiel, nicht nur für meine Chili-gestählten Geschmacksknospen. Das hielt uns aber alle ganz und gar nicht vom Bier- (bzw. mich vom Cidertrinken) ab... im Pub um die Ecke stand Socializing mit Kiwis am Plan, am Heimweg schauten Tom und ich dann noch beim End vorbei, allerdings war am Donnerstag grade Schwulenparty am Programm, die Uhrzeit bereits vorgerückt und wir beschlossen einstimmig, mangels noch offener Pubs die Very-Late-Night Action auf die kommende Nacht zu verschieben.
Das Hotel, in dem wir wohnten, von Tom aufgrund vorjähriger positiver Erfahrung gebucht, ("Hotel Europa") liegt sehr zentral direkt zwischen den Underground Stations Russell Square und Holborn - für Londoner Verhältnisse sehr günstig - bei toller Lage und sehr sauberen Zimmern. Allerdings wurden wir am nächsten Vormittag früher als gewünscht von einer hartnäckigen Kreissäge geweckt - zwar nicht von einem psychopathischen Killer, sondern nur von Handwerkern im Zimmer über uns. Immerhin kamen wir früher als geplant bei den Camden Markets an, von denen ein beträchtlicher Teil tragischerweise einen Tag später einem Großfeuer zum Opfer fiel. Extrem schade - die Ansammlung aus kleinen und größeren Märkten, freakigen Platten-, Mode- und Postershops gehört zu den charmantesten Einkaufsumgebungen, in denen ich je geshoppt habe. So gestriegelt, unattraktiv und konsumhemmend Großkaufhäuser wie das KDW in Wien Berlin auf mich wirken, so sympathisch finde ich die typisch britische Mischung aus Hippie-Flair, (Pop)Art-Szene und Beislkultur, die dieses Viertel prägt. Wir verbrachten dann auch den ganzen Tag dort und einmal mehr zeigte sich, dass der schlechte Ruf des britischen Essens für London ganz und gar nicht gilt, wenn auch nur dank der vielen Zuag'rasten: das asiatische Take-Away Food aus den Cookshops war ein absolutes kulinarisches Highlight... da kann in Wien ganz und gar nicht mithalten.
Am Abend waren wir beide ziemlich beeindruckt von der unglaublich leuchtstarken und riesigen Flatscreen-Reklame am Picadilly-Square, die mittlerweile die klassischen Leuchtschriften durch Animationen ersetzt hat. Welcome to the world of tomorrow! Pubsperrstunde ist bekanntlich um elf, als gerade die richtige Zeit, um Richtung Fabric zu marschieren - ich wollte den berühmtesten aller DnB-Clubs endlich mal live sehen. Die 1 1/2 Stunden-Schlange am Eingang reichte bis zum nächsten Häuserblock und hätte uns an sich effektiv von unserem Plan abgehalten, aber Tom gelang ein unglaublicher Social Hacking Stunt, der Uri Geller extrem alt aussehen lässt: in weniger als einer Minuten überzeugte er den vordersten Türsteher, dass wir bereits angestanden waren - und Tom muss verdammt überzeugend geklungen haben, denn zwei Minuten später waren wir drin. Ich hatte vorher eine Menge Bullshit gehört von wegen "extrem teure Clubeintritte von 30 Pfund" - Blödsinn, die wollten 14 Pfund von uns, und dafür gab's ein Line-Up, das in Wien für 10 Partys reichen würde: DJ Craze präsentierte am Hip Hop Floor sein neues Album, Adam F, Pendulum und diverse andere DnB Big-Names beschallten den Mainfloor und dann gab's noch diverse Broken Beat und Trip Hop Schmankerl am dritten Floor. Dennoch waren ich wenig angetan von den extrem beengten Platzverhältnissen am Floor - 1/3 weniger Leute, und es hätte eine okaye Party sein können... außerdem nervt die Inkompatibilität von Rauchen und Trinken - dass man zum Nikotin-Inhalieren ins Freie muss, geht ja grade noch, aber dass man dort andererseits sein Bier nicht mitnehmen darf, nervt dann doppelt. Nett war die Lasershow am Mainfloor, Anlagen-technisch hätt ich mir allerdings besseres erwartet: viele Höhen und Mitten, vergleichsweise wenig Bass... aber da bin ich wohl von jahrelangen Flex-Besuchen sehr verwöhnt.
Spät wurde es dann trotzdem, und am letzten Tag standen dann Soho beziehungsweise Little Chinatown am Programm: die Chinesen feiern ja gerade ihren Jahreswechsel, überall hingen rote Lampions und ich konnte nicht umhin, mir trotz Katerkopfweh eine dieser Glücksbringer-Minitrommeln zu kaufen. Der Tag verging viel zu schnell, dank einer unterbrochenen U-Bahnlinie und einer absurden Zeitverzögerung trotz kurzer Schlange beim Security-Check schafften wir's grade noch rechtzeitig in den Flieger; für ein Abendessen blieb keine Zeit, herzlichen Dank daher an dieser Stelle nochmal an die sehr nette Stewardess von Austrian Airlines, die uns beide mit einer Zusatzportion Do&Co-Tortellini vor dem Mid-Air-Verhungern bewahrte! Fazit des Kurztrips: ich will möglichst bald wieder möglichst lange nach London; die Stadt rockt, außerdem muss man dort niemanden, mit dem man quatscht, fragen: "Sorry, do you speak English?" Einziger Nachteil: der Pfundkurs haut ganz ordentlich rein... das Preisniveau ist leider locker 1 1/2 Mal so hoch wie hierzulande. Aber Tom und ich sparen schon auf die nächste Londonreise, vorher ist allerdings ein verlängertes Wochenende in Amsterdam am Plan - und zwar mit voll aufgeladenem Digicam-Akku.
Auch wenn ein gewisser Herr Platter nach wie vor hartnäckig auf der Speicherung aller Verbindungsdaten für ein Jahr beharrt, ist die Sache noch nicht gegessen. Gegen Österreich läuft ein Mahnverfahren der EU auf Umsetzung der Richtlinie, vorerst scheint Abwarten angesagt zu sein.
Österreichern wird ja gerne unterstellt, Probleme auszusitzen, bis sich die Systemparameter so weit verändert haben, dass eigentlich niemand mehr weiß, worum es anfänglich ging - offensichtlich zu Recht. Denn nur hierzulande kann eine Partei, die in Regierung und Parlament sitzt und vor wenigen Wochen *für* die Richtlinie entschieden hat, plötzlich ohne Faschingsattitüde behaupten, aus heiterem Himmel gegen die betreffende nationale Gesetzgebung zu sein:
Die Redaktion Netwatcher sprach mit dem Nationalratsabgeordneten Johann Maier von der SPÖ(Koalitionspartner von ÖVP der Regierung) über das Vorhaben des österreichischen Verkehrsminister Faymann SPÖ der für die Umsetzung der Richtlinie zuständig ist und auf die Entscheidungen diverser Mitgliedsländer innerhalb der EU abwartet um eine Entscheidung des EUGH abzuwarten und gegebenenfalls auch zu Fall zu bringen.
Metternich, schau oba! Mehr dazu in einem aktuellen Beitrag von freie-radios.net, der im Netz zum Download bereits steht.
Marius aka new.com vom Schweizer Label comfort_noise_productions hat kürzlich einen neuen Mix veröffentlicht: basso continuo kommt in großzügiger 256kbs Qualität im mp3-Format daher und rockt ebenso souverän wie seine Vorgänger.
new.com nennt das ganze "in tiefer Erhabenheit pumpender, klopfender, klickender, hallender & verstrichener Dubtechno" - dem ist wenig hinzuzufügen, selber reinhören ist Trumpf. Marius hat auch ein pdf-Cover mit schickem Bergmotiv bereit gestellt, der Mix dauert genau 78'13'', geht sich also genau auf eine CD aus, falls Autoradio oder Wohnzimmerstereoanlage mit mp3 noch nicht so recht wollen; auf Ei-Boot Ohrstöpseln haben diese mächtigen Basslines meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin nicht viel verloren - hier die Trackliste:

Der Schöpfungsmythos findet sich in der Literatur in vielgestaltiger Form: vom Golem bis zum Roboter bereiten die künstlichen Kreaturen ihren Schöpfern meist mehr Ärger als Arbeitserleichterung. Nicht anders Billy Baypack: die erfundene Figur soll nun nämlich von der Rundfunkbehörde zur Kasse gebeten werden.
Und das kam so: der in Münster ansässige Aktionskünstler Ruppe Koselleck generierte vor zwei Jahren eine fiktive Identität rein zu datenforscherischen Zwecken. telepolis schreibt:
2005 erschuf Kosellek die Figur Billy Baypack, eine "frei erfundene Person, die weder in Deutschland, der EU noch den USA gemeldet ist." Der Name des "organisierten Werbelisten- und Datenschrotplatzes" ist eine erkennbare Anspielung auch die Payback-Karte. Dort und auf vier weiteren Werbelisten ließ Kosellek den Namen auch eintragen: Von McDonalds, Beate Uhse, Happy Digits und der Rewe Handelsgruppe. Wie nicht anders zu erwarten, erhielt Billy Baypack daraufhin jede Menge Post von "Werbefirmen, Agenturen und sonstigen Netzwerken der freien Wirtschaft." Als Kosellek seinen Billy zum Doktor promovierte, erhielt dieser auch Post von Banken, die ihm Kredite anboten.
Nicht wahnsinnig überraschend - bis im November vorigen Jahres die GEZ (in Deutschland zuständig für die Einhebung der Rundfunkgebühren) bei Billy meldete. Damit waren sie an den richtigen geraten, denn Koselleck packte die Aktionismus-Gelegenheit beim Schopf:
Er (Koselleck) meldete seine Figur wie von der GEZ verlangt an. In der Anmeldung teilte er neben der Nichtexistenz auch mit, dass Billy Baypack weder über ein Konto noch über einen Pass oder ähnliches verfügt. Dann gönnte sich Koselleck den Spaß und beglich die Radiogebühren - in kleinen Münzen.
Das alte Gangstarap-Motto "Blood in, blood out" trifft hier allerdings nicht zu. Vielmehr erinnert die Taktik der GEZ an die guten allen wasserdichten Radios: Wasser kommt einmal rein, aber dann garantiert nie wieder raus:
Außerdem versuchte er zu erfahren, wer der GEZ die Daten von Billy Baypack verkauft hatte, scheiterte aber an der gut eingeübten Auskunftsverweigerung der Behörde. Die betonte lediglich immer wieder, dass alles den Datenschutzbestimmungen entspreche. Allerdings gibt es, da Billy Baypack ja nicht existiert, nur den Weg des Ankaufs von Werbelisten durch die GEZ.
So richtig schwierig wurde es dann allerdings erst, als das Empfangsgerät wieder abgemeldet werden sollte, frei nach dem Motto: "eine abgebrochene Antenne macht noch kein statisches Rauschen":
Bei der nächsten Zahlung kürzte der neue Radiohörer Dr. Billy Baypack die Gebühren - mit der Begründung, dass ihm das Programm nicht mehr gefiel. Die GEZ reagierte darauf mit einer Mahnung. Darauf wollte Koselleck Billy Baypack als Radiohörer abmelden. In einem ersten Versuch schickte er der Behörde, die seit einigen Jahren dafür bekannt ist, Abmeldungen nach Möglichkeit zu verweigern, zusammen mit einer formalen Kündigung eine abgebrochene Radioantenne zu. Die Reaktion überraschte selbst den Aktionskünstler: Die GEZ schrieb zurück, dass sie die Abmeldung nicht akzeptieren würde, weil Billy Baypack ja weiterhin über ein Empfangsgerät verfüge - mit allerdings schlechtem Empfang.
Gestern zerstörte der Aktionskünstler in einer öffentlichen Aktion direkt vor der Hauptpost in Münster für ein und allemal - die Einzelteile sollen der GEZ zugestellt werden, um die Abmeldung zu bestätigen. Besuch von der Ausländerbehörde und/oder der Polizei bekam U-Boot Billy Baypack allerdings bis dato nicht - immerhin würde die Behörde, wie der Schöpfer der Experimentalfigur meint, durch die Ausweisung ja einen weiteren Gebührenzahler verlieren.
Die Wichtigkeit des gemeinen Autoradios kann gar nicht überbetont werden. Und schreibe ich noch nicht mal über getunte, Kofferraum-fressende Monster-Bassboxen: schon die Frage, welcher Hersteller den Ehrenplatz zwischen Bei- und Fahrer erhalten sollen, will peinlichst genau erwogen werden. Ob Preis, Marke oder Ausgangsleistung: der Autoradio Produktvergleich weiß über alle klingenden Details Bescheid.
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Österreich wurde früher gerne mal als Medienalbanien bezeichnet - zumal hierzulande die Etablierung eines sogenannten "dualen" Rundfunksystems an die dreißig, vierzig Jahre länger dauerte als im übrigen nicht-kommunistischen Post-WK2 Europa. Mit ATV ist ein landesweiter Privat-Fernsehsender on air, der sich nach Kräften bemüht, der Marktdominanz des ORF mit hochwertigem Filmangebot und originellen Eigenproduktionen entgegen zu treten - quotentechnisch bislang mit eher bescheidenem Erfolg. Und am UKW-Band bedrängen seit einigen Jahre Energy und Co. Ö3, Ö1 und FM4.
Für regionale Privatradios gibt's meist mehr Interessenten als Lizenzen. Besonders begehrt sind die 98,3 MHz verständlicherweise im Ballungsraum Wien, für die sich ursprünglich 25 Anbieter bewarben. Am 18. Juni erteilte der Bundeskommunikationssenat Matthias Kamp, Betreiber des Sunshine Radio Projekts, in zweiter Instanz den Zuschlag; die Eigentümer betreiben seit einigen Jahren die Wiener Eventlocation Passage sowie ein Musiklabel. Das Mission Statement von Radio Sunshine ist recht eindeutig - Soul Muzak mit Hintergrundqualitäten:
Sunshine Radio - der neue Radiosender für Soul und Black Music, der den tristen Wiener Radioalltag durch seine konsequent positive Grundstimmung aufhellen soll. [...] Sunshine Radio wird also eine ausgewogene Balance zwischen Mainstream und Nische, zwischen Begleit- und aktiv wahrgenommenem Medium bieten.
Doch nun ist fraglich, ob der Sender wie geplant online gehen kann. Martin Zimper von der Inforadio Betriebs GmbH, der sich mit seinem "Inforadio 98,3" ebenfalls bewarb, erhob dieser Tage Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof, wie medianet berichtet:
Martin Zimper, Inforadio Betriebs GmbH-GF, der sich mit dem Projekt Inforadio 98,3 um die Lizenz für die Wiener Übertragungskapazität bewarb, erhebt Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof und beantragt, den BKS-Bescheid seinem gesamten Umfang nach aufzuheben sowie eine aufschiebende Wirkung zu bewilligen. Nun obliegt es dem Verfassungsgerichtshof, zu entscheiden, ob und wann Sunshine Radio starten kann. Matthias Kamp zeigte sich vorerst zuversichtlich: "Wir rechnen nicht mit der Bewilligung einer aufschiebenden Wirkung."
Konkret wirft der Antragsteller der Behörde eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes vor, wie die Tageszeitung der Standard, die sich im Übrigen mit 51% an Inforadio beteiligt hätte, näher ausführt:
Die Behörde lehnte Inforadio ab, weil die Projektgesellschaft nicht realisierbare technische Pläne für den Sender vorgelegt habe. Mit dem eigentlichen Konzept des Radioprogramms habe sie sich dann nicht mehr beschäftigt, beklagt Zimper. Zugleich aber habe ein weiterer Bewerber um die Frequenz zunächst gar kein technisches Konzept abgegeben. Er habe die entsprechenden Unterlagen aber im weiteren Verlauf des Verfahrens nachreichen können.
Weiteren Bewerbern wiederum habe die Behörde gestattet, ihre technischen Konzepte nachzukorrigieren. Damit habe das Verfahren den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung verletzt, heißt es in der Beschwerde.
In der Vergangenheit bestimmte das Höchstgericht nur selten eine aufschiebende Wirkung. Sollte Zimpers Antrag Ablehnung finden, so wird Sunshine Radio noch vor Ende des Jahres on Air gehen.
| 31. Juli 2007 | ||
| 20:00 | bis | 22:00 |
Zum zweiten Mal lädt die q/uintessenz zur monatlichen Fachvortragsreihe q/talks, die ihren Fokus auf die Themen Bürgerrechte und neue Technologien richten. Am kommenden Dienstag spricht Mag. Birke Schönknecht zum Thema "P2P-Tauschbörsen - wie eine Lobby pauschal eine Generation kriminalisiert."
Datum: Dienstag, 31. Juli 2007, 20.00 (Einlass ab 19.00)
Ort: MQ Wien, Electric Avenue, quartier21, QDK Vortragsraum (Übersichtsplan)
Aufklärung tut dringend Not - zumal die Plattenindustrie und ihre diversen Interessensvertretungen aufgrund der höheren Medienbudgets ihre Quatsch-Propaganda quasi ungestört und einseitig verbreiten dürfen. Letztendlich sind Gesetze und Regeln eben ein gesellschaftlicher Konsens - und ob europäische Eltern ihre 14jährigen Kinder wegen ein paar mp3-Downloads tatsächlich im Gefängnis sehen möchten, steht zu bezweifeln.
Der sichere Weg besteht ganz einfach darin, die großteils entbehrlichen und radio-glatten Major-Produktionen zu ignorieren (was ich im übrigen in meinen gap-Reviews schon lange tue) und sich am großen Repertoire direkt oder legal gratis erhältlicher Musik zu bedienen. Nun steht allerdings ein neues EU-Gesetz ins Haus, das rückwirkende Strafverfolgung ermöglichen will:
In Werbespots inszeniert die Verwertungsindustrie ein Horrorszenario mit bis zu zweijährigen Haftstrafen für Benutzer von Tauschbörsen. Nutzer von MP3-Playern wie den iPod, Jugendliche die Musikstücke kopieren und Freunde, die ihre gekauften Videos austauschen, werden durch pauschale Kriminalisierung bedroht. Klagsandrohungen über mehrere Tausend Euro verunsichern uns alle beim Gebrauch moderner Technologie.
Durch eine rückwirkende Speicherung des Benutzerverhaltens soll anscheinend eine "missbräuchliche Nutzung" zu einem ausreichenden Tatbestand kumuliert werden. Die gesetzlichen Grundlagen zur strafrechtlichen Verfolgung von Konsumenten wurden von den Vertretern der EU-Mitgliedsstaaten am 25. April 2007 beschlossen.
Kann die Major Industrie ihre Büros nicht einfach zusperren und zugeben, dass sie verloren hat? Wenn man die heute gängigen Formatradios aufdreht, könnte man zumindest, was Mainstream-Musik betrifft, dem guten alten Schopenhauer mit seiner schlechtesten aller möglichen Welten ja fast recht geben...
Im Anschluss an den Vortrag gibt's Gelegenheit zum Diskutieren, für Hand-outs und Erfrischungen ist gesorgt. Für alle peer-2-peer Experten, die sich über die rechtliche Lage informieren möchten und in Wien wohnen, ist dieser q/talk jedenfalls eine Pflichtveranstaltung.
| 15. Juli 2007 |
Am Sonntag geht *bruit* on air - oder besser gesagt on IP. Bei besagtem Unterfangen handelt es sich um eine Kollaboration der beiden Brüder Walter (Dr. Nachstrom) und Gert (v93r) Brantner, zweifellos zwei einschlägig bekannte Proponenten elektronischer Musik der experimentellen Sorte. Zum Start gibt's neue Releases der beiden Labelgründer sowie Tracks der Grazer Musiker Robert Lepenik, Maru und Kabelton sowie Werke von Ophibre aus den USA und Jon Eriksen aus Schweden.
Neben dem Online-Labelbetrieb möchte sich *bruit* als Veranstaltungsplattform etablieren und strebt die Vernetzung mit anderen Labels an. Die Gründer bezeichnen ihr neues Projekt als Schritt auf dem Web zum Listening Portal für Liebhaber außergewöhnlicher Nischen-Musik. Zum Gesamtkonzept gehört ein wöchentlicher Podcast:
Unter der Webadresse www.listening.at erwartet euch außerdem wie gewohnt unser wöchentlicher Podcast Überklang, ein umfassendes Sendungsarchiv und ein Weblog. Die aktuelle Folge unseres Podcasts (Graz lokal: Radio Helsinki, 92,6 MHz 14.00 - 16.00. Stream/Download: www.ueberklang.net wird ab 15. Juli in einem 2-stündigen Special ausführlich über Philosophie und Hintergrund von bruit berichten, außerdem unsere Artists mit vielen Hörbeispielen ausführlich vorstellen.
Ich bin schon sehr gespannt auf das Portfolio des Labels - Dr. Nachtstrom kenne ich seit 1999, er war damals einer der ersten Artists, der Tracks auf der ehemaligen Lion.cc mp3-Homepage veröffentlichte. Gert dürfte vielen Netzkunst-Afficionados unter dem Projektnamen Farmers Manual bekannt sein. Aufgrund der langjährigen Erfahrung und der spannenden Musik, die ich von den beiden Brüdern bisher kenne, stelle ich natürlich unverschämt hohe Ansprüche an das neue Label; demnächst folgt ein Interview zur Labelgründung, ab morgen, 15. Juli, ist die Seite online: bruit.at
Die Umbenennung von seo nach germanblogosphere hat reibungslos geklappt - mittlerweile umfasst die Community deutschsprachiger Blogs rund 50 Mitglieder, 60 Blogs und 3.500 (!) Beiträge - und befindet sich damit unter den Top 20 der populärsten Communities.
Auf Shoemoney hab ich einen Podcast gefunden, in dem Jeremy Shoemaker Scott Jangro, den Gründern von BUMPzee!, interviewed: der ist ein alter Affiliate-Marketing Hase und spricht im ersten Teil des ausgedehnten Gesprächs über seine Online-Marketing-Erfahrungen, in Teil zwei geht's dann konkret um die Blog-Communities und die Überlegungen dahinter. Absolut hörenswert:
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Zur Community gibt's einen eigenen Feed mit allen Beiträgen der teilnehmenden Blogs - der Parser verarbeitete deutsche Umlaute anfangs nicht korrekt, das Problem wurde von Scott aber schnell und kompetent gelöst; hier die Adresse des Gesamtfeeds mit allen Blog-Beiträgen der Community:
http://www.bumpzee.com/germanblogosphere/rss/
Alle Beiträge der registrierten Blogs werden hier erfasst und nach der Reihenfolge ihres Eintreffens gereiht. Und für alle Feedburner-Fans hier die Adresse der "geburnten" Version:
http://feeds.feedburner.com/germanblogosphere
Außerdem sind seit dem letzten Update eine ganze Reihe neu teilnehmender Seiten - auf BUMPzee! gibt's eine Gesamtübersicht aller Weblogs. Ich hab in den letzten Tagen nochmal rund dreißig Einladungen rausgeschickt - wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen, sich bei BUMPzee!zu registrieren und sein Blog einzutragen: einzige Bedingung ist deutschsprachiger (und natürlich jugenfreier und legaler) Content. Über jede Unterstützung in Form von Beiträgen über /germanblogosphere freu ich mich natürlich weiterhin!
Am 2. April erklärte EMI nach einem Rückzieher im Februar, endlich doch Musikdownloadservices mit Song-Files ohne Kopierschutz zu beliefern. Dieser von einer Major-Plattenfirma gesetzte Schritt lindert immerhin ein Symptom einer tief greifenden Krise der Musikindustrie. the gap hat zur Expertendiskussion geladen, um das gesamte Ausmaß der Krise zu beleuchten und mögliche Auswege zu skizzieren. Daraus resultierte die folgende Zusammenfassung von zwei Stunden angeregter Unterhaltung in den heiligen Hallen des monopol-Medienimperiums. Erstmalig erschienen in: the gap #76, Mai 2007.
Wie bereits zum Thema Web 2.0 hat Werner Reiter zur Exploration der komplexen Materie "Die Musik und der Kopierschutz" eine illustre Runde eingeladen - leider wollte partout kein Vertreter eines Major Labels auftauchen - alle wesentlichen Aspekte des Themaskamen dennoch zur Sprache. Et voilÃÂ - für datenschmutz Leser hier der Artikel aus the gap im Volltext. Demnächst ereignet sich übrigens das gleich grausame Spiel nach demselben Muster - wobei die Themen Web 2.0, Google und Informationsmonopole in den Fokus der nächsten Runde rücken.
Die Diskussionsrunde
Niko Alm
Herausgeber the gap
www.thegap.atRoland Alton-Scheidl
Vorsitzender creativ wirtschaft austria, Fachhochschule Vorarlberg, OSalliance
www.alton.at/rolandPhilipp Dorfmeister
G-Stone Recordings Vertreter Online, Ordis - Soulseduction Digital Distribution, Soulseduction.com
www.soulseduction.com und www.g-stoned.comFlorian Hufsky
Bundessprecher der Piratenpartei Österreichs
www.ppoe.or.atRitchie Pettauer
Journalist und Medienwissenschaftler
blog.datenschmutz.netRavissa
DJane und Produzentin
www.doorbitch.nuK. Flo Schneider
Geschäftsführer McShark, Betreiber des eingestellten radio:))mcshark
www.mcshark.atChristian Untersteiner
Head of Product Management ONE
www.onelovesmusic.at
Die Musikindustrie klagt seit Jahren über rückläufige Umsätze. Die Erlöse aus Downloads sind 2006 zwar weiter gestiegen, machen aber verglichen mit den 85% des Hauptumsatzträgers CD noch immer einen verschwindend geringen Anteil aus. Die big 4 (Universal, SonyBMG, Warner und EMI) halten 70% des Marktes und bestimmen damit die Regeln des Business. Und die waren in den letzten Jahren geprägt von einem sklavischen Festhalten an technischen Hürden, die das Kopieren von Files erschweren, einer Hetzkampagne gegen Tauschbörsenbenutzer, die in weltweit 30.000 Verfahren gemündet ist und von Versuchen klassische Distributionsmodelle auf das Internet zu übertragen.
Apple hat es mit iTunes als einziges Online Angebot geschafft auch wirtschaftliche Relevanz zu erlangen. In den letzten Monaten kam Apple immer mehr unter Beschuss. Einerseits weil das angewandte DRM Verfahren nur erlaubt, dass gekaufte Musikstücke ausschließlich am iPod bzw. auf PCs abgespielt werden können und andererseits weil Apple die regionalisierte Preispolitik der Labels auch im Internet umsetzte.
Steve Jobs ergriff die Flucht nach vorne und publizierte im Februar einen offenen Brief, in dem er Apple als Opfer dieser Entwicklungen darstellte und sich ganz klar gegen DRM aussprach. Das dürfte letztlich dazu geführt haben, dass EMI nach langem Zögern jetzt doch Musik ohne DRM anbieten wird - wenngleich zu einem höheren Preis. Dass die DRM freien Stücke auch in einer besseren Qualität vorliegen, mag als Verkaufsargument durchgehen, die Masse der Konsumenten wird den Unterschied aber kaum hören.
In seinem Eröffnungsstatement meint Christian Untersteiner, Head of Product Management bei ONE, dass Musik emotionalisiert wie sonst kaum etwas. So wird die Diskussion in den Redaktionsräumen des gap sehr emotional geführt, und vor allem die ungleichen Teile des Gesamtsystems Musik werden mit Leidenschaft diskutiert. Da gibt es nicht nur ein Ungleichgewicht zwischen den recht unbeweglichen Majors und den Indies, die ums Überleben kämpfen und ihre erfolgreichen Acts nach jahrelanger Aufbauarbeit nicht selten an die Großen abgeben müssen.
Auch die Nutzer lassen sich einteilen in die Massen, die nur das kaufen, wo Ö3 sie hinführt und die Afficionados, die sich intensiv mit Musik beschäftigen. Dass klassisches Marketing immer auf die Masse abzielt, liegt in der Natur der Sache. Philipp Dorfmeister von G-Stone und Soulseduction meint auch, dass DRM geschützte Musik, die mit etwas PC Kenntnissen relativ leicht (und für private Zwecke auch legal) vom Kopierschutz befreit werden kann, die 95% davon abhält das zu tun, weil es ihnen zu mühsam ist. Und schließlich die Musiker, die zum größten Teil ihre Nutzungsrechte an Labels und Verwertungsgesellschaften abgeben anstatt sich selbst mit alternativen Vertriebsformen oder mit Lizenzierungsmodellen wie etwa Creative Commons auseinanderzusetzen.
Zitate aus der Diskussion
DRM ist nur dazu gedacht die 95% der Leute, die sich nicht damit beschäftigen wollen, davon abzuhalten ihre Files sofort zu kopieren. Philipp Dorfmeister über die relative Nutzlosigkeit von Kopierschutz
Die Verwertungsgesellschaften sind noch nicht in diesem Jahrtausend angekommen. Roland Alton-Scheidl über Zeitlöcher
Beim Online Musikbusiness stehen einfach zu viele in der Value Chain. So kommen die absurden Marktpreise zustande. Christian Untersteiner über die Komplexität des Business
Die Vorselektion die Labels für den Konsumenten machen ist absolut wichtig. Flo Schneider über die Notwendigkeit von Labels als Identitätsstifter
Die Angst, dass es keine Musik mehr gibt wenn alle Majors pleite gehen, kann ich nicht teilen. Ritchie Pettauer über den kulturellen Wert von Musik
Endlich ist Musik dort angelangt, wo andere Produkte schon sind. Was zählt ist die Verpackung. Niko Alm über ein neues Verständnis der Revenuemodelle
Das schnelle Finden und Konsumieren von Musik und die Social Networking Möglichkeiten machen das Wesen von Musik im Internet aus. Florian Hufsky über das Primat der Convenience
Selbst wenn ich große Releases hätte und massiv verkaufen würde, ich würde DRM nicht für nötig halten. Ravissa über Dinge, von denen sie wenig hält
Die landläufige Meinung besagt, dass Online Vertrieb immaterieller Güter wie Musikfiles bedeutend günstiger sein müsste als die Produktion und der Vertrieb von CDs. Wer sich aber damit auseinandersetzen muss, merkt schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Aufgrund der mangelnden Standardisierung der Musikplattformen, der unterschiedlichen Fileformate und der Vielzahl an DRM Systemen hat sich die Komplexität in der Produktion und der Logistikaufwand im Vergleich zum physischen Vertrieb nicht verringert.
Soulseduction etwa liefert 22 Formate für Pre-Listening und 24 Formate der eigentlichen Files an unterschiedlichste Plattformen. Die logistische Herausforderung besteht dann darin, einen Track zum Releasezeitpunkt auf allen Plattformen online zu haben. Vor allem für kleinere Labels oder gar für Künstler selbst ist das nicht zu bewerkstelligen und die Plattformbetreiber weigern sich, Verträge mit Kleinstanbietern abzuschließen. Damit werden Aggregatoren als zusätzliches Glied in die Kette gefügt und schon gibt es wieder einen Player mehr, der am Kuchen mitnaschen will.
In der Diskussion will sich niemand lange damit aufhalten, die Argumente gegen die Vielzahl an DRM Lösungen erneut aufzuwärmen. Interessanterweise zeigen zumindest manche Verständnis für die Notwendigkeit des Kopierschutzes. Dass die mangelnde Standardisierung und die damit verbundene Inkompatibilität nicht unbedingt zum Glück der Konsumenten beiträgt, ist allerdings Common Sense. Roland Alton-Scheidl, der sich um die Einführung von Creative Commons in Österreich verdient gemacht hat, skizziert zwei mögliche Ansätze.
Ersterer ist eigentlich nur eine Vorstufe zu DRM: Das von ihm mitentwickelte System Registered Commons ist ein digitaler Zeitstempel, der einerseits das Veröffentlichungsdatum von Inhalten und andererseits gesicherte Informationen über den Urheber liefern kann. Dieser kann für Creative Commons Lizenzen aber auch andere angewendet werden. Die zweite Lösung weist etwas weiter in die Zukunft: Ein DRM System auf Open Source Basis soll die erhoffte Standardisierung bringen und gleichzeitig auch den Rechteinhabern die Möglichkeit eröffnen, selbst die Nutzungsbedingungen und die Businessmodelle festzulegen. Bis dahin ist es mit Sicherheit noch ein weiter Weg. Selbst wenn das System den Durchbruch nicht schafft, wird die Industrie viel davon lernen können.
Die etablierte Diskussion um Musik im Internet dreht sich meist um den Kauf von Dateien und die mehr oder weniger eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Dabei drängen längst Services wie etwa Last.fm auf den Markt, die den individuellen Musikgeschmack bedienen, indem sie die Musik als Streams anbieten. Andere wie phling! setzen darauf, die Musiksammlung auf der eigenen Festplatte via Streams auf connected Devices zu bringen. Hinter den meisten der neueren Modelle steht eine Flatrate, die den Kunden die Convenience bietet, Musik zu kontrollierbaren Kosten zu konsumieren, ohne sich um Kompatibilität und DRM Gedanken machen zu müssen. Insgesamt findet die Runde Gefallen an Flat-Rate Modellen wie auch immer der Service dahinter genau aussieht.
Die Möglichkeiten sind vielfältig. Flo Schneider von McShark bringt die Kernforderung auf den Punkt: Gerecht kann das nur sein, wenn diejenigen das Geld bekommen, deren Musik er konsumiert hat. Florian Hufsky sieht den Besitzbegriff noch unter einem anderen Aspekt: SellABand etwa ermöglicht Nutzern, Anteile an jungen Bands oder Musikern zu kaufen. Übersteigen die gekauften Anteile $50.000 erhalten die Musiker eine Studioaufnahme und werden von einem erfahrenen A&R begleitet.
Ob Fairsharing, Leermedienabgabe oder Content-Flatrate: Es braucht Institutionen, die sich darum kümmern, dass die Einnahmen wieder an die Kreativschaffenden zurückfließen. Die nennen sich Verwertungsgesellschaften und haben die aktuellen Entwicklungen noch gründlicher verschlafen als die Musikindustrie. Der Löwenanteil ihrer Einnahmen fließt an Künstler, die in den klassischen Kanälen hohe Verkaufszahlen oder gutes Airplay haben.
Der Verteilungsschlüssel ist zum größten Teil aber intransparent und in Österreich wird anders als etwa in Frankreich nur ein kleiner Prozentsatz für Kulturförderung oder die Forschung ausgegeben. So sehr sich die Diskussionsteilnehmer hier eine Erneuerung wünschen, so skeptisch sind sie, dass die in absehbarer Zeit kommt. Vor allem die, die wie Ritchie Pettauer bei lion.cc schon Online Musikservices mit Verwertern abgerechnet haben.
Zu Ende der Diskussion bringt Niko Alm die These, dass die Kunden ohnehin schon lange nicht mehr für die Musik zahlen, sondern für die Convenience, ein Album in der Hand zu halten, oder sie bequem im Internet zu finden und einfach konsumieren zu können. Noch weiter: Auch die Einnahmequellen der Musiker sind nur zu einem geringen Teil die Verkäufe von Files, Platten oder CDs, sondern aus Konzerten, Merchandising oder aus Werbeverträgen, wie etwa der von Madonna bei H&M. Musik ist zwar der Kristallisationspunkt und Inhalt, die Revenuemodelle sind aber andere. Ravissa kann das nur bestätigen. Sie ist hauptberuflich Künstlerin, lebt allerdings von Auftritten, Veranstaltungen und DJ Workshops. Bei den großen Acts ist das nicht viel anders. Vielleicht sollten etliche Player im System ihre Welt neu denken.
Ausgewählte Internet Musikdienste, die in der Diskussion erwähnt wurden
Amie Street
Musiker können hier selbst Musik einstellen. Der Kaufpreispreis erhöht sich mit der Anzahl der Downloads bis zu 98 Cents.
amie.steMusic
Amerikanischer Music Store, der das Subscriptionmodell recht erfolgreich umgesetzt hat. Stand März: 250.000 Subscriber und ein Katalog von 2 Millionen Tracks.
www.emusic.comJamendo
Offene Musikplattform für Musik unter Creative Commons Lizenzen. Die Downloads sind kostenlos.
www.jamendo.comLast.fm
In seinem Selbstverständnis eine "personalized online radio station". Das Erfolgsrezept besteht in dem Matching von Userprofilen und den daraus generierten Wiedergabelisten.
www.last.fm bzw. www.lastfm.dephling!
Eine Anwendung für Handys, die den online Zugriff auf Files auf der Festplatte zu Hause erlaubt.
www.phling.comSellABand
Promotionplattform für unbekannte Musiker. Die Community erwirbt Anteile. Wenn $50.000 erreicht sind, bekommt die Band ihre erste Aufnahme samt CD.
www.sellaband.com
Heute nachmittag war ich um 14:00 bei Stella Damm zu Gast im ORF Radiokulturhaus: als Interviewpartner in der Ö1-Sendung Von Tag zu Tag zum Thema: "Bloggen, Posten, Hochladen: Öffentlichkeit für alle."
Hörer können bei der Sendung anrufen und Kommentare abgeben bzw. Fragen stellen - aufgrund der Sendezeit handelt es sich um eine vorwiegend ältere Hörerschaft, also großteils jene Generation, die sich oftmals durch die relative hohen Einstiegshürden in die schöne neue Digitalwelt abgeschreckt fühlt. War sehr spannend, mit den Anrufern zu plaudern - die vierzig Minuten im Studio vergingen wie im sprichwörtlichen Flug, der übrigens von Blogistan über Myspace und FlickR bis zum Thema Datenüberwachung führte. Mehr zur Sendung gibt's auf der Ö1 Homepage, Clubmitglieder dürfen zeitungebunden dem mp3-Stream lauschen:
Durch Internetplattformen wie U-Tube oder MySpace, durch niedrigschwellige Technologien wie Weblogs oder Podcasting kann, wer will, für seine Anliegen, Beobachtungen oder auch Privatangelegenheiten Öffentlichkeit schaffen.
[...]
Über Potenziale und Gefahren von "Bürgerjournalismus" und einer Öffentlichkeit für alle spricht Stella Damm mit Ritchie Pettauer, Kommunikationswissenschafter, Online Consulter und selbst Betreiber eines Weblogs.
Die Welt war übrigens einmal mehr ausgesprochen klein - für die Ö1 Homepage fotografierte uns meine gap-Lieblingskolumnisten Ursula Hummel, selbst Blogbetreiberin, IPK-Kollegin und, neu für mich, sehr stylish fotografisch tätig. Und ich durfte endlich mal den legendären Räusper-Button im Studio verwenden, nachdem ich mit dem obligatorischen Schluck Wasser einen ungewohnten Hustenanfall (wann, wenn nicht im Live-Radio?) ausgelöst hatte.
In the gap schreibe ich eine monatliche Kolumne - dabei geht's mir eher um die Methode als den Inhalt. Oder besser gleich gut gesagt: eher um den Inhalt als die Methode. Meine Wrestling-Matches gegen die deutsche Sprache beschreibt Chefredakteur Thomas Weber auf der the gap Homepage imho treffend:
Ritchie Pettauer, seines Zeichens gedankenexperimenteller Wortonanist, steigt gegen sich selbst in den Ring. Dass er diesem trotzdem stets unbeschädigt entsteigt, verwundert nur vordergründig, denn letztlich ist natürlich alles a g'schobene G'schicht.
Mit der layout-technischen Inszenierung meines Geschreibsels in the gap hab ich regelmäßig große Freude - das zur Kolumne gehörige Artwork verdient daher auf jeden Fall eine eigene Gallerie. Voilá - hier eine Auswahl der zugehörigen Grafiken: