Da waren's nur noch neun. Yup, das mittlerweile unsingbare Kinderlied hat mich zu einer kleinen, rein fiktiven Ode inspiriert. Sprache ist ein fluides Ding, immer im Wandel, und zum Glück (dieses Gefühl habe ich zumindest) hat sich in punkto Rassismus-Sensibiltität in den letzten Jahren viel Positives getan.
Mag sein, dass ich mich in einem unrepräsentativen Umfeld bewege, aber "Negerbrot", das vor weniger als 10 Jahren in österreichischen Supermärkten im Regal stand, würde heute niemand mehr verkaufen. Wir haben den bewussten Abzählt-Reim-Song damals vor 1000 Jahren in meiner Kindheit jung, naiv und ohne böse Hintergedanken gesungen und auch eigene Varianten erdichtet. "10 kleine Negerlein" wird wohl mittlerweile hoffentlich in keinem Kinder-Gesangsbuch mehr abgedruckt sein. Das Original stammt übrigens aus den USA (siehe Wikipedia) und inspirierte Agatha Christie zu ihrem gleichnamigen Romantitel.
Wie auch immer: sprachliche Rassismen sind Scheiße, der Sprachrhythmus und die Idee des Runterzählens sind aber trotzdem genial, also hab ich mir erlaubt, aus den originalen Protagonisten 10 große Alphablogger zu machen. Müsste korrekterweise natürlich BloggerInnen heißen, aber in dem Fall stört's den Flow empfindlich. Aber es reimt sich, also muss es Literatur sein, und die widersetzt sich hier einmal mehr hartnäckig gesellchaftlichen Utopien. Außerdem sterben die Alphablogger auch nicht auf martialisch-explizite Weise, sondern werden einfach zu Beta-Bloggern. Wie gesagt: Freiheit der Kunst und so, rein erfunden, fiktiv, ohne jeglichen Bezug zum jenem kollektiven Konstrukt, das manche von uns Realität und wieder andere Wirklichkeit nennen
10 große Alphablogger konnten sich an tausenden Besuchern freun'n -
einer verkaufte Linklift Links, da waren's nur noch neun.9 große Alphablogger haben für trigami Reviews gemacht -
einer hat nofollow vergessen, da waren's nur noch acht.8 große Alphablogger wollten, dass ihre Leser sie lieben -
einer hat's mit Uri Geller übertrieben: da waren's nur noch sieben.7 großte Alphablogger tranken ein paar Shots auf Ex -
einer hat Fotos auf Facebook gestellt, da waren's nur noch sechs.6 große Alphablogger schrieben über Supermodels und ihre Strümpf' -
einer hat pornographische Bilder gepostet, da waren's nur noch fünf.5 große Alphablogger kannten ihr Revier -
einer schrieb zu deviant, da waren's nur noch vier.4 große Alphablogger hassten den Einheitsbrei -
einer wechselte zur FAZ, da waren's nur noch drei.3 große Alphablogger dissten Konken und fühlten sich frei -
einen hat er wegen übler Nachrede verklagt, da waren's nur noch zwei.2 große Alphablogger sagten: groß wird neben uns keiner!
der das sagte, hatte einen Servercrash, da war's nur noch einer.1 großer Alphablogger wollte seine Erfolge iterieren -
doch das gelang ihm nicht, er hatte ja niemaden mehr zum Kopieren.
Auf Betreiben von 8asians entfernte die Social Bookmarking Seite Mister-Wong dieser Tage den lachenden Asiaten aus dem Logo. Der erfolgreiche Dienst mit ernsthaften internationalen Expansionsplänen sah sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert und reagierte mit nicht-metaphorischer Kopflosigkeit. Ernie (nicht der aus der Muppets Show, sondern der von den 8Asians) hat mit seinem Posting quasi die Logolawine losgetreten, indem er Mister Wong als unehelichen gemeinsamen Sohn von Uncle Ben, Jeeves und dem Ask.com Butler bezeichnete:
I mean sure, it's based in Germany, which is practically a whole world away. Maybe people aren't as sensitive to political correctness as they are here in North America. But seriously, one of their web badges has the slogan "ping pong, king kong, Mister Wong." Which I, of course, interpret as "ching chong, Mister Wong" and get INCREDIBLY FUCKING ANGRY. It's like Jeeves, the ask.com butler and Uncle Ben had a stereotypical illegitimate Asian son.
Dieser Sohne musste nun eben nicht nur Federn, sondern gleich das ganze Konterfei lassen. Kai Tietjen, Gründer von Mister-Wong, nimmt zur Kopflosigkeit folgendermaßen Stellung:
It was never my intention, nor that of my company, to hurt anyone with the use of the illustration. We are extremely sensitive to this issue and the feelings of others. We removed the original illustration off the top of the page some time ago, when the issue first arose, in hopes that no one would be offended by it any longer. Though this was met with great disappointment from many of our users, we felt it was the right thing to do.
Ich würde den Betreiber niemals gewollten Rassismus unterstellen - gewundert hab ich mich allerdings schon, warum gerade ein Asiate das Logo ziert. Mich hat die Optik irgendwie immer an diese Asia-Fast-Food Kette erinnert, die ebenfalls mit einem hochfröhlichen, stilisierten Vertreter aus asiatischen Gefilden wirbt. Insofern weine ich dem Logo auch keine Träne nach, solange die Plattform selbst weiterhin so gut funktioniert wie bisher.
Eng verknüpft scheint die Wing-Wong Problematik mit dem Ching-Chong "racial slur", einer abwertenden Bezeichnung für Asiaten, die vor allem im anglo-amerikanischen Bereich verbreitet ist und auf die Tatsache zurückgeht, dass die meisten Nicht-Asiaten die tonalen Unterschiede der einzelnen Silben nicht unterscheiden können... also klingt für das barbarische Ohr der weißen Teufel kurz gesagt alles eben wie "ching chong", die Wikipedia weiß mehr darüber - schon ganze Bands mussten deswegen ihren Namen wechseln (aber "Lurch" klingt sowieso besser):
On February 14, 2007, "Ching Chong Song" performed at New York University. Members of NYU's Asian Heritage Club demonstrated, and the band agreed to change its name to Church of Lurch.
Die Amis stehen bekanntlich bedingungslos auf solche Verlagerungen rassistischer Probleme in die rein sprachliche Ebene - Stichwort PC (political correctness). Als professioneller Buchstabenmanipulator hab ich eine sehr zweischneidige Meinung dazu: dass Wörter wie "Ni**er" nichts im Sprachgebrauch verloren haben, dürfte klar sein - aber wenn die Putzfrau zur Reinigungsfachkraft wird, dann fühlt man sich in die schlechte alte K&K-Zeit zurückversetzt: Österreich hat ja eine beeindruckende Tradition an Titelvergaben vorzuweisen, nicht wahr, verehrtester Herr Hofrat? Und die Schaffung sprachlicher Tabus halte ich tendenziell für den Feind des offenen Dialogs.
Der Meinung des Sichelputzers, dass die Entfernung des Logos ein Fehler war, kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Man mag die Reaktion für übertrieben halten, aber wenn die Lawine erst mal losgetreten ist, hat's keinen Sinn mehr, sich dagegen zu stemmen. Spannend bleibt allerdings die Frage, ob vielleicht demnächst überhaupt eine generelle Umbenennung erfolgt:
Ich mutmaße, dass damit auch ganz genau die komplette Marke "Mister Wong" betroffen ist. Wie transportiere ich die durch das Logo umgesetzte Botschaft des asiatischen Typen, der als Identifikation für den Dienstleister selbst dient? Ein absolut spannendes Thema!
In einschlägigen Kreisen wird übrigens bereits heftig spekuliert, dass die Konkurrenz das Feuerlein gelegt und geschürt haben könnte - anscheinend gibt's klare Verbindungen zwischen den 8Asians und Yahoo, für die Wong wiederum eine ernst zu nehmende Konkurrenz am Social Bookmarking Sektor darstellt. Andererseits wissen wir ja längst, dass auch schlechte Werbung gute Mediencoverage bringt. Aber wie auch immer, eines hab ich vom Hip Hop definitiv gelernt: ungestraft dissen darf man nur die eigenen ethnische Gruppe. Also wenn ich mal eine Social Bookmarking Plattform bau, dann werd ich sie wohl "Weißwurstfresse", "Bleichgesicht" oder "weißer Teufel" nennen...
Vorgefeiert wurde im Prater bereits gestern - der Verein Zara hatte zum anti-rassistischen Open Air auf die Rotundenwiese geladen.
MAdoppelT hat gerockt, und Kante sind sowieso eine ausgesprochen fähige Liveband - und heute geht's in alter Arbeitertradition weiter mit dem großen Praterfest. Das Wetter spielt mit, und man muss nicht mal mit dem Fahrrad hinfahren: die Zeiten, in denen in Wien die Öffis ihren starken Arm ausruhten, ist passé, aber dennoch schreibt Georg Bürstmayr im Zeit-Blog:
Trotzdem: ich mag diesen Anachronismus - das ist ein wenig so wie der Nationalfeiertag in Norwegen, mit vielen Paraden, Fahnen, nur mit deutlich weniger Alkohol...
Obwohl: mit dem Alkohol bin ich mir nicht so sicher... interessanterweise ist's am Blog von SPÖ's Buchinger Erwin relativ ruhig, Dieter unterstellt ihm ohnehin, dass er da nicht selbst Stift bzw. Tastatur anlegt:
Und btw - ich glaube nicht, dass Erwin Buchinger dieses Blog selbst schreibt. In den bisherigen TV Auftritten und Kommentaren in Zeitungen/Zeitschriften kam er nicht annähernd so dilettantisch, banal und belanglos rüber wie in seinem Weblog.
Dennoch bin ich neugierig, ob's heute im Lauf des Tages von ein Arbeiterfeiertagsmanifest vom Neo-Sozialminister gibt, der ob seiner Frisurenumgestaltung bisher ja mehr gehänselt denn gelobt wurde. Bislang endet die Chronologie der unwichtigen Ereignisse am 29. April mit vorverlegten Feiern und mehr Details, als wir je erfahren wollten:
Dann gehen wir zu Fuß einige hundert Meter zum Hauptplatz, wo die Maifeier mit ca. 400 BesucherInnen stattfindet.
Einen fröhlichen ersten Mai wünsch ich allen LeserInnen! Und ein kleiner Rezepttipp zum Feiertag, wie wär's mit Spargel und Funky Breaks?
Betonflächen auf Augenhöhe sind die Pinwände des urbanen Raums. Doch während Altnazis und Unverbesserliche ihre Hakenkreuze im Eigenheim ungestört drapieren können, haben rassistische Schmierereien im öffentlichen Raum wahrlich nichts verloren - man leistet sich sonst eh kaum zivilisatorischen Luxus. Eine Kombination aus Fotohandies und Blog soll die Stadt Wien an ihre diesbezügliche Bringschuld erinnern und nutzt für die Kampagne Web 2.0 Services auf schlaue Art und Weise.
Ins Leben gerufen wurde die Aktion von SOS Mitmensch, Technologiepartner ist Twoday. Sinn und Zweck lassen sich ganz schnell erklären:
Auf Aussenwänden von privaten Häusern prangen rassistische Parolen oft monatelang. Zeigen wir die rassistischen Beschmierungen auf, damit die Stadt Wien das Problem endlich löst. Poste Bilder direkt per Mail oder MMS mit Orts-angabe an rs [at] sosmitmensch.at
Die rechtliche Situation gestaltet sich in Österreich aufbauend auf die ç125 und ç138 StGB ("Sachbeschädigung" bzw. "Verhetzung") sowie auf das sogenannte "Verbotsgesetz" *. (mehr zum rechtlichen Hintergrund) Das "Offizialprinzip" wiederum sorgt dafür, dass staatliche Organe beim Bekanntwerden solcher Schmierereien von sich aus, also auch ohne Anzeige des Hausbesitzers, tätig werden müssen.
Genau hier besteht Nachholbedarf, meinen die Initiatoren der Plattform. Jeder "Rassismus-Paparazzo" kann eigene Digitalfotos einschicken, die Position der unwillkommenen Graffitis wird auf einer Google-Map eingetragen, dem sogenannten Antirassistischen Stadtplan - der ist übrigens schon recht dicht befüllt. Ein einprägsames Piktogramm von Andrea Ressi (siehe Artikelheader) soll Passanten auf das Problem hinweisen - Sticker-Vordrucke und T-Shirts gibt's auf der Homepage zu bestellen. Sehr gute Sache, das. Mal sehen, ob sich BM Häupl von einer ordentlichen Portion Web-Öffentlichkeit erweichen lässt...
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(1) Verbietet nationalsozialistische Symbole und gewährt damit dem Hakenkreuz im Reigen rassistischer Symbolik eine Sonderstellung, die sich durch die politische Geschichte Österreichs erklärt. Sinn und Zweck eines solchen Gesetzes sind umstritten - ich persönlich neige zu der Annahme, dass jegliche Art der Tabuisierung kontraproduktiv und nur der offene Dialog anstrebenswert ist. Außerdem scheint dieses Gesetzt dem HK und dem gesamten Nationalsozialismus eine Sonderstellung unter den menschenfeindlichen Ideologien zuzubilligen, die sehr kontraproduktiv sein kann: etwa dann, wenn sich die Verfolgung rechtsextremer Äußerungen durch österreichische Politiker weniger auf die Inhalte der Kommunikation als vielmehr auf die Verwendung bestimmter Symbole konzentriert.