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Artikel-Schlagworte: „Respekt“

Blogistan Panoptikum KW32 2009

Das große Social Media Erdbeben der letzten Woche zeigt seine Nachwirkungen: denn wenn Twitter und Facebook zur gleichen Zeit Schluckauf haben respektive nicht mehr erreichbar sind, dann bleibt Millionen Nerds weltweit nichts anderes übrig, als vor die Tür zu gehen. Die unmittelbar bedrohlichste Auswirkung allerdings spüren unsere hochverehrten Stammleserinnen und Leser am eigenen Monitor: dieses Panoptikum hat sich eiskalt um volle 2 Tage verspätet! Der Absatz von Sonnenschutz-Mitteln und After-Sun Lotions sei ums 33-fache gestiegen an jenen schicksalhaften #Fail-Tagen, ergab eine Untersuchung des abhängigen Instituts für Anti-UV Kosmetik. Sofort tauchen die wildesten Gerüche Gerüchte auf, die auch sofort willig weiter-verbreitet wurden: der KGB wars! Aber bitte, die Herren und Damen Drehbuchautoren mussten aus James Bond ja eine verweichlichte, post-feministische Figur machen - das haben wir nun davon. Siehe dazu auch unsere erste News, also auf zum Blogistan Panoptikum von Linzerschnitte und datadirt.

DoS-Attacke auf FB, Youtube & Twitter

Judith aka Linzerschnitte Die Russen kommen! Und wenn sie schon nicht kommen, dann sind sie zumindest schuld. An der zeitgleichen DOS (Denial of Service)-Attacke auf Facebook, Youtube und Twitter in der vergangenen Woche nämlich. Das meint zumindest der georgische Blogger Cyxymy. Der hat nämlich Konten auf Facebook, Youtube und Twitter, welche anscheinend das Ziel der Hackerattacke des FSB, des russischen Geheimdienstes und KGB-Nachfolgers waren.

Vielleicht wurde der Angriff nur von gewöhnlichen Hackern ausgeführt, aber ich bin mir sicher, dass der Auftrag dazu von der russischen Regierung kam.

Grund für die Attacke sollen die kritischen Äußerungen des Bloggers über die Kaukasus-Politik der Russen sein. Gut, damit wäre also alles geklärt - und nein, wir haben das nicht erfunden, siehe ZDNet.

Lehrbeispiel: Lernen vom Big Fail

ritchie aka datadirt Wenn Real Estate Companys ihre Mieter wegen Twitter-Rufschädigung verklagen, dann der Bumerang ganz plötzlich zurückkommen: die betroffene Mieterin hat zwar nur 20 Followers, was die Forderung von $50.000 nur umso absurder erscheinen lässt. Copyblogger kennt die ganze Story:

If you haven't heard the story yet, a Chicago real estate company called Horizon Realty Group filed a lawsuit against one of its tenants on Monday. She apparently made a snarky remark on Twitter, claiming that the company "didn't care" about mold in her apartment. Horizon is suing her for libel, looking for $50,000 in damages to their reputation.
She only had about 20 followers, so this looked like a pretty harsh David and Goliath story. Unfortunately, Horizon’s legal and PR teams forgot what happened to Goliath. By Tuesday afternoon, the story of Horizon's lawsuit had hit trending topics on Twitter. Which means that a peevish remark made in front of 20 people has now found its way to hundreds of thousands.

Tja... mit einer simplen Rückmeldung hätte diese PR-Katastrophe einfach abgewendet werden können. Mit dieser Story hat sich Horizon jedenfalls einen Platz im Olymp der Twitter-Marketing-Fails redlich verdient.

Friendfeed von Facebook gekauft

Judith aka Linzerschnitte Diese Meldung hat wieder mal ein wahres Twitter-Gewitter losgelassen: Facebook kauft Friendfeed. Friendfeed, der Social Media Aggregator, gilt als Vorbild für Google großangekündigte Kommunikationsrevolution Google Wave. Mit Facebook im Rücken kann Friendfeed, das alles kann, aber niemand kennt oder primär nutzt, wahrscheinlich seinen Untergang in die Bedeutungslosigkeit verhindern. Google ist damit in zweierlei Hinsicht eins ausgewischt: 1. Friendfeed existiert und funktioniert bereits jetzt. 2. Friendfeed wurde von einer Gruppe ehemaliger Google-Mitarbeiter gegründet. Im offiziellen Presse-Release auf Facebook heißt es dazu:

"Facebook and FriendFeed share a common vision of giving people tools to share and connect with their friends," said Bret Taylor, a FriendFeed co-founder and, previously, the group product manager who launched Google Maps. "We can't wait to join the team and bring many of the innovations we've developed at FriendFeed to Facebook's 250 million users around the world.

TechCrunch hat das erste Interview mit Bret Taylor (Friendfeed-Mitgründer) und Chris Cox, Vize-Präsident von Facebook. Was weiter passiert, scheint aber noch unklar zu sein, wie dieser Beitrag am FriendFeed-Blog nahelegt:

FriendFeed.com will continue to operate normally for the time being. We're still figuring out our longer-term plans for the product with the Facebook team.

Neue Spam-Welle auf Twitter

ritchie aka datadirt Twitter-Account Phishing scheint nach wie vor äußerst lukrativ zu sein. Mashable berichtet über eine neue Spam-Welle, deren Auslöser noch unbekannt ist:

Yesterday we noticed a strange occurrence on Twitter (Twitter): hundreds, if not thousands of Twitter accounts were sending out spam links, all at once. Most of these accounts weren't your usual spam accounts, but regular Twitter users with real accounts, followers, and tweets. Then, the flood suddenly stopped. We wondered if it was just a strange group of accounts or a one-time attack. Now we're fairly certain that isn't the case.

Wie immer gilt: wer auf Nummer sicher gehen will, ändert am besten wöchentlich sein und bei Verdacht auf Hi-Jacking sein Passwort. Und nicht vergessen: die Änderung muss auf allen Clients und Services nachgezogen werden, denn permanente Log-In Versuche mit einem veralteten Passwort können ebenfalls zur (temporären) Account-Sperre führen.

30 Dollar fürs Time-Coverfoto

ritchie aka datadirt Die Journalismus-Honorare sind nicht nur im deutschsprachigen Raum im Keller. Georg Holzer berichtet über ein besonders drastisches Beispiel:

Robert Lam ist Fotograf in den USA. Als er vor eineinhalb Wochen das Time Magazine sah, freute er sich ganz besonders: Die ehrwürdige Publikation wählte eines seiner Fotos, die er bei iStockPhoto anbot, für das Cover aus. [...] Das Time Magazin bezahlte für das Foto übrigens 150 Dollar (Extended License), nach Abzug der Spesen bekam Lam für sein Bild 30 Dollar. Gar nichts, wenn man bedenkt, dass Fotografen für ein Foto am Time-Cover auch 3000 bis 10.000 Dollar bekommen.

In Österreich dagegen sieht die Lage völlig anders aus, wie Georg in dem lesenswerten Beitrag beschreibt, denn der Zugang zum fotographischen Hochamt ist streng geregelt:

Fotografen sind Modernisierungs- und Digitalisierungsverlierer par excellence. Einziger Zweck einer solchen – wie gesagt: einzigartigen – Gewerbeordnung ist es, Wettbewerb mit allen Mitteln zu verhindern.

Ich hoffe nur, ich darf weiterhin Fotos für mein Blog machen :mrgreen:

Google kauft Video-Softwarefirma

Judith aka Linzerschnitte Nicht nur Facebook, auch Google war in der letzten Woche wieder mal in Kauflaune. Diesmal hat man sich den Video-Spezialisten On2 Technologies einverleibt, um damit der Online-Videoabteilung des Konzerns, manchen als "Youtube" bekannt, ein hübsches Geschenk zu machen. On2 ist übrigens spezialisiert auf Video Codecs. Wikipedia meint dazu:

Es (Anm. li schni: On2) ist Hersteller einer Reihe wichtiger Video-Codecs, wie unter anderem VP3, der Grundlage für den freien Codec Theora, dem mit Version 8 von Adobe Flash eingeführten Codec (VP6) für Flash Video und den für die chinesische Enhanced Versatile Disc (EVD) vorgesehenen Video-Codecs (VP5 und VP6).

Fassen wir zusammen: Open Source Codec Theora, VP6 für Flash Videos und noch irgendetwas chinesisches (EVD). Vielleicht bald die neuen Standard-Video Codecs.

Avancierter Export für WordPress

ritchie aka datadirt BloggingPro stellte kürzlich ein äußerst interessantes Plugin für Viel-Blogger vor: der Advanced Exporter erspart viel Mühe, wenn man beispielsweise ein Blog in mehrere aufteilen und die Kategorien einzeln exportieren möchte:

With it, you can easily export a single category of a blog to import into another. That is something many people have wanted an easy way to do for a long time. You can also use the restrictions to create multiple WXR files in case you can’t import a single large file. Also worthy of note as that this plugin was entered into the WeblogToolsCollection plugin competition for 2009.

20mal WordPress pimpen

ritchie aka datadirt Out-of-the-Box kann unser Lieblings-CMS mittlerweile schon einiges - doch wer sich von der Masse abheben möchte, muss auf Bells-and-Whistles setzen. Das Designmag stellt zwanzig Add-Ons vor, für deren Umsetzung allerdings grundlegende Web-Programmierkenntnisse erforderlich sind. Der Aufwand zahlt sich aus:

One of the reasons WordPress is so popular is because of its flexibility. Designers, developers, and bloggers have plenty of options. In this post we’ll look at a combination of tutorials for improving a WordPress-based site, and plugins that can provide added functionality that will bring new possibilities.

Alle Methoden sind ausführlich in einzelnen Tutorials beschrieben - eine gute Gelegenheit, sich näher mit Erweiterungsmöglichkeiten für WordPress zu befassen.

Ketzerisches Gespräch der Woche: Niko Alm versus Andreas Khol

Judith aka Linzerschnitte Ich war mir nicht sicher, ob der intellektuelle und feinsinnige Diskurs zwischen Gerhard Dörfler und HC Strache (Dörfler, Regent der Provinz Kärnten: "Wenn sich der Heinzl benimmt, haben wir kein Problem." Strache: "Schau, jetzt hat er den Heinzl zum österreichischen Türken erklärt.") über das Universum an sich und den Sinn des Lebens im Speziellen das Gespräch der Woche werden sollte. Dann hab mich aber aus persönlichen Gründen doch für Niko Alm versus Andreas Khol entschieden. Es wird Zeit, dass die Welt erfährt, dass alle Menschen gleich, aber christlich-konservative Politiker doch wesentlich gleicher sind:

Andreas Khol: An sich tun Sie mir ja als Atheist leid. Sie repräsentieren vier Prozent der Bevölkerung. Dass 96 Prozent sich irren, kann ich mir nicht vorstellen.

Hier das komplette Interview - und ein paar ergänzende Anmerkungen von Niko.

Foto der Woche

Achtung - hier kommt ein Vogel, der nix mit Twitter zu tun hat! Jimmy Davao hat den weißen Flieger samt Reflexion perfekt aufs Bild gebannt:

vogel klein Blogistan Panoptikum KW32 2009

Judiths Video der Woche - Flieg, Fernsehturm Berlin!

Kein Stern, der deinen Namen trägt. Aber: Ein Phallus, der mit dir zum Himmel fliegt. Stoff für so manche Flugträume!

http://www.vimeo.com/5856277

Ritchies Video der Woche

"A thousand shades of White" nennt icescapes diese grandiosen Aufnahmen aus dem Ilulissat Eis-Fjord in Grönland:

These images were filmed during the 2006 Climate Change College, during which 6 students from the UK and the Netherlands ventured into the arctic wilderness to be trained as climate change ambassadors. Based on the experiences and knowledge gathered on several locations in Greenland, they launched various initiatives raising public awareness around the topic of climate change.

Und außerdem kommen Hunde drin vor - was will man mehr? :mrgreen:

http://www.vimeo.com/4515275

Und damit sind wir auch schon am Ende des dieswöchigen Rückblicks angelangt - besten Dank für Ihre Whuffies, wir halten weiter die Augen und Ohren offen. Bis zum nächsten Panoptikum, wir lesen uns morgen!

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In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen

Soeben lief auf ATV eine nicht nur in Kärnten gespannt verfolgte Doku über Jörg Haider. Die ließ relativ wenig Fragen zur Methodik und Vorgehensweise des österreichischen Rechtsaußen-Politiker Popstars offen. Wirklich gut gemacht - Respekt ans Redaktionsteam! Was noch zu sagen wäre: mir drängen sich Vergleiche mit Felix Mitterer auf, wenngleich nach rein formalen Kriterien.

Denn als seinerzeit die großartige mehrteilige Piefke-Saga besagten Autors erstausgestrahlt wurde, brachte der ORF im Anschluss an den finalen Teil eine Live-Diskussion zwischen Politikern, Grünen, Tiroler Schützen und anderen Weirdos - besagte Sendung galt fortan als informeller fünfter Teil des legendären Fernsehdramas. Und gerade eben diskutieren die grandiose Anneliese Rohrer, der Kabarettist Florian Scheuba und der Unbeschreibliche (und das ist, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, in *keinster* Weise positiv gemeint) Ewald Stadler mit Silvia Saringer über Werk und Wirken des Kärntner Polittalents. Herr Stadler ließ sich in Replik auf eine scharfzüngige Analyse von Frau Rohrer, die es traurig fand, dass der Jörgl, ginge nicht gerade jetzt der Kärntner Wahlkampf über die Bühne, kaum eine Erwähnung fände, zu folgender Aussage hinreißen: "In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen." Er referenzierte mit seiner Wortmeldung eine CD des verunfallten Landeshauptmannes, auf der jener Kärntner Volkslieder intoniert. Ein Schelm, wer Parallelitäten zu Starmania "Mastermind" und Universal Österreich "Managing" Director Hannes Eder sieht.

Ja. Wirklich. Man ist Österreicher, in meinem Fall seit 32 Jahren. Man weiß, dass man in den Outskirts Europas lebt, quasi in einer irgendwie Deutschland zugehörigen Übersee-Kolonie, bloß ohne See. Man hat so einiges an Sado-Maso Staatskultur internalisiert, ist daran gewöhnt, dass hierzulande Provinzialität als Originalität hochstilisiert wird und glaubt am Ende irgendwann sogar noch, dass all die Scheiße ganz normal riecht - denn olfaktorisch nehmen wir bloß Differenzen wahr, Gnade der Evolution oder Gottes, je nach persönlicher Präferenz. Aber in kurzen Momenten weht dann ein frischer Wind, der wieder ungewollte Wahrnehmung ermöglicht. Danke Ewald. You gave me a bitter laugh.

Uri Gellers next Zaubermodel

Next Uri GellerWo Uri Geller auftaucht, häufen sich die unerklärlichen Phänomene - und der zutiefst geschockte und in seinem rationalen Weltbild erschütterte Zuschauer bekommt unweigerlich eine Gänsehaut, wenn er sich die Frage stellt: Warum ist Vincent Raven krank? Hat ihn sein Rabe womöglich mit der Vogelgrippe angesteckt? Aber die rätselhafteste aller Fragen wird wohl für immer unbeantwortet bleiben: Warum variiert das Niveau der vorgezeigten Zauberkunststücke dermaßen stark?

Jan Becker beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, allerdings spielt bei seinen "Tricks" ein immenses Hypnosekönnen und nicht unbedingt die Täuschung des Zuschauers die Hauptrolle. Faszinierend, dass ihm diese sehr wirksame Form der Instant-Hypnose sogar problemlos unter den erschwerten Bedingungen einer Live-Sendung gelingt.

Jan Rouven bringt mich mit seinem drastisch mangelnden Schauspieltalent unfreiwillig immer wieder zum Lachen - heute legte sich der Techno-Mage und Möchtegern-Copperfield unter scharfe Schwerter; nur der Erbauer des "Betts des Todes" weiß, wie die Schnüre, welche die Schwerter auslösen, im verborgenen Mechanismus verbunden sind. So misslungenes Forcieren hab ich im Fernsehen bisher selten gesehen!

urifoto Uri Gellers next Zaubermodel

Mangelndes Schauspieltalent kann man Ulli Loup nun wirklich nicht vorwerfen, auch wenn sein Repertoire aus zwei Mimiken weniger als jenes von Sylvester Stallone besteht - dem Burschen kommt kein Lächeln aus, aber die vorgezeigte Routine wusste durchaus zu überzeugen. Es handelte sich um eine Variation des alten Auswahltricks, allerdings bekam Ulli die zu identifizieren Dosen weder zu sehen noch in die Hand - respektable Leistung!

Danny Oceans Streichholzschachtel-Trick war auch nicht von schlechten Eltern: der nützte recht überzeugend das Publikum als "Zufallsgenerator" und identifizierte mittels Pendel eine spezielle Box, deren Nummer er vorher allerdings gar nicht kannte - ich kann mir jedenfalls nicht erklären, wie dieser Trick ohne Komplize im Publikum hinhaut. Nur wunder kann ich mich über Amilas Pressetext auf der offiziellen Seite:

Lange blonde Haare, Schmollmund: Sie ist die Lady unter den Mentalisten und stellt die männerdominierte Welt auf den Kopf. Bei ihren Auftritten knistert es vor Erotik. [...] Ihr Blick dringt bis in die Seele der Männer, die unter ihrem Einfluss tun, was sie will.

Na und? Das kann doch jede Frau, oder? Erwähnenswert ist im Gegensatz zu ihrem Wasserröhren-Befreiungstrick, dass der Herr der verbogenen Gabeln höchstpersönlich Deutschland wieder mal zu einem Selbstexperiment einlud - kein Wunder, dass das Gläserrücken in Österreich nicht funktionierte. (Naja, alles ist relativ. Bewegt hat sich das Glas schon, meine Freundin hat bloß behauptet, ich hätte geschoben.) Dass während der Sendung allerdings immer wieder mysteriöse Phänomene auftreten, kann nicht länger geleugnet werden: so wollte Anja heute partout kein Roastbeef essen, was ich mir einzig und allein mit den übersinnlichen Kräften Uri Gellers erklären kann. Also wieder einmal ein schlagender Beweis dafür, dass das Unfassbare immer dann zuschlägt, wenn man gerade nicht drauf gefasst ist - ich freue mich jedenfalls schon auf die kommende Show am nächsten Dienstag.

Blogistan Panoptikum KW01 2009

bewerbung Blogistan Panoptikum KW01 2009Der letzte Rückblick des Jahres 2008 stand ganz im Zeichen 51 vorangegangener Sonntag respektive Wochen, die erste Blogistan-Panoptikum Ausgabe des neuen Jahres riskiert einen Seitenblick auf einige andere lesenswerte Rückblicke. Man muss ja auch mal aktiv was unternehmen gegen das Vergessen, heißt es. Obwohl ohne die gute alte Entropie, Königin unserer chaotischen Herzen, unsere Informationsverarbeitung wohl ziemlich langweilig wäre. Für mich persönlich jedenfalls hat das 2k9 mit einer äußerst erfreulichen multiplen Pagerank-Überraschung begonnen: datenschmutz hat in der deutschen Blogosphäre nicht gerade breit gestreuten Sechser bekommen, datadirt wurde von Big G zu Weihnachten mit einem Fünfer bedacht und einige weitere Pages erhielten ebenfalls kleine Päckchen. Da sag ich doch mal artig "Danke", auch wenn das alles nicht völlig unerwartet kam :mrgreen:

Was ist ein Super-Affiliate?

Super Affiliate ist ein dummes Buzzword, das in der Affiliate-Blogging Community von Leuten verwendet wird, die dir einreden wollen, dass sie entweder mehr Geld verdienen oder auf irgendeine andere Weise besser sind als du. Als i8ch meine ersten 1000$ pro Woche mit einem sehr bekannten Affiliate-Netzwerk verdiente, sagten sie, ich sei jetzt ein "Super-Affiliate", was mir sofort zeigte, dass dieser Begriff überhaupt nichts bedeutet. Jeder, der den Ausdruck "Super Affiliate" in einer nicht-ironischen Weise verwendet, speziell, wenn er damit sich selbst meint, ist unglaubwürdig und ein Idiot.

Sagt Nicky Cackes vom Reformed Blackhat bei Shoemoney (Übersetzung von mir), und dieser wunderschönen Definition ist schlicht und ergreifend nix mehr hinzu zu fügen.

Blicken rück und vor! Aber flott!

Jeremy blickt ordentlich auf das gesamte Jahr zurück, was übrigens auch aus seo-technischer Sicht (Stichwort: interne PR-Verteilung) ganz und gar keine blöde Idee ist. Netzwertig blickt zweifach nach vorne, die Autoren haben durchwegs gewisse Auffassungsunterschiede über die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Web 2.0 und einen Hang zu vagen Prognosen, wie Computernotizen bemerkt. Er stellt etwas konkretere Fragen, die auch Mathias Schindler beantwortete. Das Google Watchblog spekuliert naturgemäß über Big G's Pläne für die nächsten 12 Monate, Phlow hatten eine äußerst hörenswerten, zweiteiligen Rückblick auf ein Jahr freie Musik zusammengestellt. Den grafisch reizvollsten Blick in den breiten Rückspiegel gibt's bei Max in Form von Tagclouds und Steam-Grafiken.

TechCrunch und Twitter

Ein aktueller Artikel über ein Mash-Up, das Twitter-Messages an die eigene Mailbox schickt, evozierte eine eigenartige Diskussion auf TechCrunch. Babou fragt:

I really enjoy your blog for your insights and the posts of your team of writers but there is one thing: you really speak a lot about twitter.
Now I understand Twitter has become an important medium of communication but does it really deserve so much attention?

Nun ja... ich würd mal sagen: soviel Aufmerksamkeit, wie sich in 140 Zeichen eben unterbringen lässt - dafür aber mehrmals am Tag :mrgreen:

SEO-News der Woche

Tja, die meisten SEOs haben in den vergangenen sieben Tagen wohl ausgiebig gefeiert - anders die dünne Gesätheit aktueller Nachrichten wohl kaum zu erklären. Gerald schreibt über PR-Updates und Fehlalarme und Blogiger plagt sich mit dem Seotonie Wettbewerb. Irgendwie fasziniert mich das Business-Modell "SEO-Wettbewerb" ja ungemein - den Betreibern müssen solche Wettbewerbe, selbst bei sinnlosen Keywords, ja einiges an Linkjuice bringen. Wem es um (Geld)Preise geht, der sollte die Energie und den Zeitaufwand aber lieber anderswo investieren - beispielsweise in einen neuen Digg-Clon. Und weil der SEO-Lesestoff diese Woche so schmal ausfällt, wär vielleicht mal wieder ein Zeitungsabo angebracht: aber leicht wird einem das Bestellen ja nicht immer gemacht.

Video der Woche

Trainingsmaterial für die richtige Bewerbung gibt es genug, doch wer sich dieses Video von Ben Schwartz zu Herzen nimmt, muss nie mehr Angst haben, jemals eine Anstellung zu bekommen:

Und damit sind wir auch schon wieder an der äußersten Nordspitze des Panoptischen Kaps angekommen. Setzen Sie lieber Ihre Kapuzen auf, es bleibt weiter kühl! Im Übrigen wünsch einen chilligen Sonntag, wir lesen uns morgen.

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Steven Spielberg: Geht bloß nicht wählen!

Stephen Spielberg hat einen neuen Kurzfilm gedreht, und von allen seine Oeuvres der letzten Jahre gefällt mir dieses bei weitem am besten. Und das liegt nicht nur am Staraufgebot mit Tom Cruise, Justin Timberlake, Julia Roberts, Leonardo diCaprio und vielen mehr, sondern an der genialen Idee. Und an Snoop Dog, der in punkto Coolness-Faktor suprem regiert. Da fühlt man sich ja direkt als Europäer schuldig, dass man *keinem der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten* guten Gewissens seine Stimme geben möchte, selbst wenn man könnte. Ich zumindest nicht. Unbedingt bis zu Ende ansehen - Respekt!

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Nachruf: Jörg Haider überraschend verstorben

Einen Nachruf auf den heute Nacht um 1:00 Uhr bei einem Autounfall tödlich verunglückten Parteichef des BZÖ hier auf datenschmutz mag manche Leser verwundern. In der Tat aber habe ich eine innige Beziehung zum "Jörgl": diese Bezeichnung soll keinesfalls respektlos klingen, ich glaube, er ließ sich in seiner jovialen Art nicht ungern so nennen. Seine biographischen Daten, der frühe Einstieg in die Politik mit 20, Aufstieg, Regierungsbeteiligung mit FPÖ und Parteisplitt in FPÖ und BZÖ, die Abspaltung des Liberalen Forums... all das kann man detailliert und aus ganz unterschiedlichen Standpunkten betrachtet in hunderten Artikeln ausführlicher nachlesen.

Meine persönliche Beziehung zu Dr. Haider begann sehr früh, ich war damals wohl 15 oder 16. Der dynamische Aussteiger machte für eine Wahlveranstaltung Station in Lienz, Lokal-Blues-Jukebox Buffy F. Fronwood stimmte zum Auftakt im Stadtsaal "Jörg Haidah, do geht wos weidah" im Loop an, der Saal war gut gefüllt. Und es war das erste mal, dass ich selbst politisch "aktiv" wurde und gemeinsam mit einigen Schulkollegen die Veranstaltung störte: wir hatten uns im Publikum verteilt, in dem Moment, als der Stargast zu sprechen begann, schlugen wir alle demonstrativ großformatige Tageszeitungen auf und verließen dann nach 10 Minuten den Saal, was den äußerst geschulten Rhetoriker durchwegs ein wenig aus der Fassung brachte.

Was er sagte, hat mich damals ziemlich schockiert, hielt ich Politiker doch vorher für honorige, um möglichst Aal-ähnliches "Mit-jedem-auskommen-wollen" bemühte Stromlinienpersonen. Jörg Haider hatte eine andere Strategie gewählt, nämlich die der Sündenböcke, der Beschuldigungen und Verharmlosungen. Er beschwor schon damals die Welt der anständigen Menschen, machte zu passenden Gelegenheiten gerne mal einen Hofknicks vor SS-Veteranen und zündelte immer wieder gekonnt mit dem Pulverfass Nationalismus herum. Ich bin ihm dankbar dafür, denn ohne Jörg Haider hätte ich womöglich den Status Quo der Demokratie als gegeben hingenommen, hätte mich nie genauer der Nazi-Vergangenheit Österreichs beschäftigt, hätte vielleicht überhaupt nie Politikwissenschaft studiert.

Später hatte ich nochmals das zweifelhafte Vergnügen, einer der legendären "Hetztiraden" des Bärentalers beizuwohnen, und zwar in meiner Studienzeit in Graz, das habe ich an anderer Stelle bereits geschildert. Meine persönliche "Kommunikation" mit Jörg Haider beschränkte sich auf diese zwei Gelegenheiten, in den Medien begegnete man dem selbst mit 58 unglaublich jugendlich wirkenden Politiker seit ich den Politikteil der Zeitung las mindestens wöchentlich. So sehr ich den Weg der Rechten, die Ausländer zum Schuldventil für alles, was falsch läuft, zu machen, verabscheue, so sehr habe ich immer auch vermutet, dass es da noch einen anderen Jörg Haider geben muss: einen äußerst intelligenten, begabten und hart arbeitenden Menschen, der vermutlich nicht mal an den Blödsinn glaube, den er da zeitweise von sich gab, der wie ein virtuoser Pianist auf der Klaviatur der Medienszene dieses Landes spielte. Das Bärental ist groß, und Jörg Haider war sein Prophet: er brachte mich in all den Jahren regelmäßig innerlich zum Weinen (etwa beim Ortstafelstreit) und zum Lachen (die legendären "Taferln" bei den Fernsehdiskussionen). Das Schicksal ist der größte aller Tragödienautoren: als ihn die Polit-Konkurrenz bereit hämisch im Kärntner Altersheim wähnte, fuhr das BZÖ einzig und allein dank seiner Gallionsfigur den größten Erfolg der Parteigeschichte ein. Dank des enormen Wahlerfolgs verfügt die Partei nun über gravierend mehr Fördergelder, mehr Parlamentssitze - aber der Verlust ihres Parteichefs trifft sie härter als jedes noch so niedrige Wahlergebnis.

Jörg Haider hat polarisiert, meine Einstellung zu ihm hat sich im Lauf der Jahre ziemlich verändert: mit 16 war er der personalisierte politische Feind, heute wundere ich mich über viele seiner Entscheidungen, bin aber zugleich fasziniert über seine Ausdauer, sein Können und seine Fähigkeit, permanent aus eigenen Erfahrungen zu lernen. Nein, Jörg Haider war keine statische Persönlichkeit, kein leicht einordenbares Phänomen. Gerne hätte ich mich mal bei einem Abendessen mit ihm über seine politische Karriere unterhalten oder ein Interview darüber geführt, wie man aus einer Vier-Prozent-Verein die drittstärkste Partei Österreichs macht.

Dass Jörg Haider heute Nacht 58jährig verstarb, hat mich ehrlich gesagt tief berührt und getroffen, weil ich innerlich davon überzeugt war, auch noch die nächsten .at-politischen Jahre mit ihm als Akteur auf der Bühne zu erleben. Ich wünsche allen Verwandten und engen Freunden eines Politikers, der die letzten dreißig Jahre in Österreich geprägt hat wie wohl kein anderer, und der ein interessanter und faszinierender Mensch gewesen sein muss, mein herzliches Beileid.

Impressionen aus Gmünd

Jesus in praktischen Metall-ReisekofferSo eine Stadtführung eignet sich natürlich ganz hervorragend als Fotosafari: und an Motiven mangelt es der Metropole des Liesertals nun wirklich nicht. Hier haben wir unter anderem den Beweis gefunden, dass J.C. doch nicht am Kreuz starb! Außerdem hinterlässt die jahrelange Präsentation als Kunst-Gemeinde überall im Ort ihre Spuren: man kann quasi in keine einzige Richtung blicken, ohne irgendwo an einem kulturellen Artefakt hängen zu bleiben. Ob dieses Ortsbild-Feng-Shui der visuellen Domimanz der Autobahn etwas entgegensetzen kann? Entscheiden Sie selbst!

Bloggerfüße

Michaela war schon wieder nicht da, also bleibt die schwere Bürde der modischen Berichterstattung mal wieder an der denkbar inkompetentesten Person hängen. Et voilá, hier kommen frische Bloggerfüße respektive Schuhe aus Gmünd:

Gmuender Bloggerfuesse

Im öffentlichen Raum Pornos bewerben

Wie macht man im öffentlichen Raum Werbung für Pornographie? Normalerweise gar nicht. Aber wie bewirbt man unter diesen denkbar ungünstigen Voraussetzungen ein Downloadportal, das zwar alle möglichen - auch jugendfreien - Arten von Inhalt anbietet, wenn man weiß, dass Premium-Content nicht gleich Premium-Content ist und der sprichwörtliche Euro in Erwartung nackter Muschis wesentlich lockerer sitzt, als wenn Revolverhelden ihr Arbeitsgerät schwingen? Firstload.at hat diese Aufgabe grandios gelöst: Respekt geht raus an die Kreativen, die sich dieses Plakat ausgedacht haben.

runtersaugen Im öffentlichen Raum Pornos bewerben

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Postica: Post-its twittern

posticalogo 1216824851 Postica: Post its twittern Twitter-Services und Mash-Ups schießen ja bekanntlich wie die Pilze aus dem Boden, siehe TWEETPARTYLINK. posti.ca, Hüter der virtuellen kleinen gelben Zettelchen, bietet nun ebenfalls Tweet-Updates an: nach der Bekanntgabe des Usernamens und dem Hinzufügen von Twitter-User postica zur Freundesliste kann man Tweets direkt an die eigenen Pinnwand posten, die Syntax dazu lautet:

d postica @X Das ist die Meldung

das "X" in @X ersetzt man dabei durch den Code für die gewünschte Zettelfarbe: y steht für Geld, r für rot, g für grün, b für blau, w für weiß und p für violett. Funktioniert auf Anhieb ganz problemlos - und gefällt mir bisher sehr gut, weil ich ein Fan von Postica bin: das simple Drag-and-Drop Interface, die Datei-Upload Möglichkeit und die schnellen Ladezeiten sind wirklich toll; speziell als "Themen-Pinnwand" fürs Bloggen eignet sich der Service, auf den man von jedem Rechner aus natürlich Remote-Zugriff hat, sehr gut.

Grundsätzlich sind die eigenen Notizen privat, über die Angabe von E-Mail Adressen kann man allerdings Post-Its sharen: in diesem Fall tauchen sie auch auf den Pinnwänden dort registrierter User auf - dabei wird eine Kopie der Nachricht angelegt: somit findet sich also auch ein rudimentäres Social-Network Element, aber gerade die Reduktion aufs Wesentliche macht die Seite so brauchbar. Näheres zur Funktionsweise findet sich in der posti.ca FAQ. Nett wäre noch die Möglichkeit, die Thumbnails hochgeladener Bilder direkt auf der Notiz anzuzeigen und die Option, eigene Notes als (HTML)-Mail zu verschicken.

Die postica Pinwand

Die postica Pinwand

Die Seite befindet sich offiziell noch im Betastadium - derzeit gibt's noch keine Werbung; wär vermutlich zu schön um wahr zu sein, wenn das so bliebe. Allerdings würde ich für Postica sofort via Micropayment bezahlen - einen so simplen und gut funktionierenden Info-Snippet Service hab ich schon lang gesucht. Allzu viel Hosting-Kosten kann die Kiste nicht verursachen, ich würde als Betreiber ein Premium-Modell für 1$/Monat, zahlbar 1x/Jahr via Paypal, anbieten.

Noch lieber wär mir allerdings die Software zum selber Hosten - die Sharing Funktion brauche ich nicht, und einigermaßen sensible respektive private Daten wie Passwörter, Kundeninfos etc. würde ich niemals auf einem Drittserver ablegen.

Spekunauten: via Crowdsourcing Aktien handeln

spekunauten Spekunauten: via Crowdsourcing Aktien handelnEigentlich ist der Aktienmarkt, abstrakt betrachtet, ja schon per se eine Art Crowdsourcing: kollektive Kauf- respektive Verkaufsentscheidungen sollen im freien Spiel von Angebot und Nachfrage Preise, Gewinne und Verluste regeln. Je nach eigenem Glaubensbekenntnis und Präferenz mag man die Börse eher als wissenschaftliches Institut oder als Glücksspiel Casino betrachten - und in beiden Fällen kann's nicht schaden, sich mit Gleich- und/oder Andersgesinnten über die eigenen Pläne zur Vermehrung des Aktienreichtums auszutauschen. Eine neue Social Web Community namens Spekunauten zieht alle Register des Web 2.0, um aus dem Aktienhandel einen kommunikatives - und gewinnträchtiges - Hobby zu machen.
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Wenn Gott im Loch wohnt + Datum

datumlogo Wenn Gott im Loch wohnt + DatumZum Geburtstag hab ich von Anja ein Datum-Abo bekommen: gute Gelegenheit, Klaus Stimeders Magazin endlich mal über den grünen Klee zu loben. Seit der ersten Ausgabe verfolge ich das ambitionierteste aller österreichischen Printprojekte mit wachsender Begeisterung: inhaltlich, optisch und haptisch ein Hochgenuss, habe ich Datum bislang sporadisch gekauft oder in der Schönen Perle (dazu demnächst mehr) gelesen. Zukünftig wird nicht nur jede Ausgabe pünktlich im Briefkasten landen, ich habe heute auch bereits meine Geschenks-Abo Prämie erhalten.

Und zwar das Comic-Buch Der Lochgott Wenn Gott im Loch wohnt + Datum vom großartigen Rudolf III. Klein. Wer, wenn nicht ein in einem Loch wohnender Gott könnte der Maxime vom "Kein-Abbild-machen" und so besser gehorchen als das unsichtbare allmächtige Wesen im Loch? Dass die zeichnerischen Anforderungen zur Darstellung des Gotteshauses respektive -lochs nicht besonders hoch sind, tut der offiziellen Bobo-Bibel keinen Abbruch. Endlich ein würdiges Buch für den Hausaltar; ich hab's heute Nachmittag quasi in einem Satz verschlungen. Zitat:

Sind wir der Fels, auf dem du deine Kirche baust?
Nicht so ganz - ihr seid der Emmentaler, in den ich meine Löcher bohre!

Datum kann übrigens auch online abonnieren - möge das Vinyl unter den österreichischen Print-Laserdiscs weiterhin journalistische Poesie verbreiten.

Der dümmste Browser im 60sec IQ-Test

iqleague Der dümmste Browser im 60sec IQ TestBei IQ League gibt's diverseste Intelligenz-Test, darunter auch eine 60-Sekunden Schnellbefragung für eilige - man erfährt am Ende nicht nur den eigenen IQ, sondern auch die Ranglisten-Position im Vergleich zu allen UserInnen, die bereits vorher mitgemacht haben. Aber weil Statistik ohne lustige Korrelationen nur die halbe Miete ist, haben die Betreiber ein paar genauere Blicke in ihre Serverlogs geworfen und festgestellt, welche Browser/OS Kombinationen am schlechtesten respektive am besten abschneiden.

Slashdot schreibt dazu:

Interestingly, they correlate the results of this test with a number of statistics available from their server logs. Along with the geographical distinctions like city and country, the referrer and OS/Browser user-agent strings are also mined, to determine the Smartest Browser and OS.

Die komplette Ergebnisgrafik, die ab sofort auch laufend weitergeführt wird, findet sich hier - zur Executive Summary: am smartesten Antworten BenutzerInnen, die mit Safari auf AppleMac/Unix surfen mit einem Durschnitts-IQ von 104,85. Und auf den hinteren Rängen landen Firefox on Win95 (92,57), AppleMac-Safari und WinNT (91,43) und Netscape on Unknown (89,24). Opera-Surfer sind ganz gut mit dabei, mit MacPPC landen sie auf Platz 8 und erreichen 101,05, sogar mit der wicked combination Opera on Win98 reicht's mit 100,90 Punkten gerade noch für Platz 10.

Btw: der 60-Sekunden Test ist wirklich unterhaltsam, für non-native Speakers allerdings recht unfair... ich find's immer wesentlich schwieriger, Anagramme in Fremdsprachen zu lösen.

Die Hüter des guten Geschmacks

doktor 150x150 Die Hüter des guten GeschmacksEin besonders bakterienverseuchtes, also probiotisches, Yoghurt respektive dessen Hersteller wirbt aktuell mit großformatigen Plakaten für die günstige Wirkung des Produkts auf die gute alte Gesundheit. Testimonials sind in der Welt der Konsumenteninformation in der Tat nichts Neues, wie jeder aufmerksame Verfolger des Werbefernsehens aus zweiter Hand weiß - allerdings finde ich die Formulierung des Textes wirklich besonders gelungen: man mag ja glauben, dass Ärzte eine gewissen Kompetenz in der Einschätzung gesundheitsfördernder Speiseneffekte besitzen - aber dass die DoktorInnen auch das letzte Wort in punkto Deliziösität haben, ist zumindest mir neu:

Über die Hälfte aller österreichischen Ärzte bestätigen: XY ist gut für den Körper und schmeckt.


Fotocredit: pixelio / Rolf van Melis

Zukunft der Blogosphäre: Die Auswertung

Nicolas Gunkel hat vor einiger Zeit qualitative Meinungsforschung betrieben. Die Ergebnisse seiner Fragen zur hinkünftigen Entwicklung des Medienformats Online-Tagebuch hat er nun in drei Blogbeiträgen zusammengefasst.

Beantwortet wurden die Fragen von einer Runde, die ich getrost als illuster bezeichnen dürfte, wäre ich nicht selbst Teil davon - das könnten weniger geneigte Leser als maßlose Selbstüberschätzung ansehen, dennoch ist es mir eine Freude, mit Martin Weigert, Stefan Niggemeier, Felix Schwenzel, Jan Tißler und Dottore Frank Huber virtuell und asynchron über dieses Thema zu konferieren. Was einmal mehr die These belegt: Geschichte wird immerst (=Steigerungsform von "immer") a posteriori geschrieben.

Im ersten Beitrag geht's um den Vergleich der deutschsprachigen Blogosphäre mit Internationalistan, der zweite Text fragt nach der Zusammenarbeit von Blogs und traditionellen Medien und das dritte Posting fragt nach Möglichkeiten, die Blogosphäre nach vorne zu bringen. Hierzu hat Nicolas ein paar spannende Anmerkungen hinzugefügt - Dr. Huber schreibt zur Frage Was muss die deutsche Blogosphäre tun, damit ihr größere Anerkennung und größerer Respekt zu Teil wird ? (schwierige aber wichtigste Frage):

Mehr Kompetenz aufbauen (Journalisten müssen bloggen, nicht Amateure) und mehr "rangehen" - interviewen, recherchieren, analysieren.
Massenkompatible Themen adressieren (Stars, Celebrities, Sex & Crime, etc.) - Blogs muss jeder verstehen!
Sich selbst besser vermarkten. Und nicht über Werbung und Kommerz meckern ...

Den letzten beiden Sätzen stimme ich vorbehaltlos zu - wobei natürlich "besser" mit Sicherheit völlig heterogene Vorstellungen auslöst, dem ersten Teil allerdings keineswegs. Ich denke zwar, dass "professionelle", "journalistisch" geschriebene Blogs zwar auch eine Marktnische besetzen werden, die gar nicht so klein sein muss, aber dass Bloggen weit weniger formalisiert funktioniert als Zeitungsschreiben. Und ich glaube - oder vielleicht ist das auch bloß mehr eine Hoffnung - dass auf mittelfristige Sicht das Vertrauen in eine ohnehin immer fragwürdige "Objektivität" dem "aktiven Konsumieren" einer Multitude von eloquent formulierten Plädoyers ohne Einzel-Wahrheitsanspruch weicht. Amen.

mp3-Download: Tanzen Sie den basso profundo!

Marius schlägt wieder zu, und zwar im unteren Frequenzbereich: wenn's in den Schweizer Alpen subsonisch dahindubbt, dann sind die sonst recht praktischen Ohrhörerchen plötzlich nicht mehr adäquat: eine basstaugliche Heimanlage mit vernünftigem Subwoofer-Durchmesser wird Dubstep-Afficionados für diesen Mix dringend empfohlen.

basso profundo gibt's ganz neu auf Comfortnoise.com: es handelt sich sozusagen um das Gegenstück zu dem hier bereits vorgestellten basso continuo mix. Achtüng: der Download wiegt satte 145 Kilogramm, äh, Megabytes... niederfrequente Klänge lassen sich eben nicht beliebig komprimieren! Ich finde den Mix ganz hervorragend, nur wie gesagt: am mp3-Player war das wirklich nur der halbe Spaß.

bassoprofundo

new.com - Beats am Bassfundament

Marius aka DJ new.com hat mir einen Text zur Philosophie seines Labels und seines Mixes geschickt - wozu Musikjournalist spielen, wenn der Künstler sein Unterfangen selbst so eloquent beschreibt!

new.com beschäftigt sich schon seit längerem mit elektronischer musik, sei es als dj, party-organisator oder geschäftsleiter eines plattenladens, der seine liebe zum vinyl um keinen preis verrät. die beobachtung einer wachsenden flut von mehr oder minder spontanen mix-sets im internet, die sich unreflektiert an der atmosphäre in clubs orientieren, hat ihn zunehmend irritiert. auch die tatsache, dass die meisten djs die tracks behandeln, als wären sie ihr eigentum. gerade im internet muss elektronische musik aber nicht anonym bleiben. und genau dort könnte sie auch ihr riesiges potential im bereich des homelistenings entfalten! letzeres folgt freilich eigenen gesetzmässigkeiten und verlangt nach einer eigenenständigen kultivierung. zu diesem zweck hat new.com die plattform "comfort noise productions" aufgebaut. sie versammelt seine mix-sets und eine inzwischen unüberschaubare anzahl von live-aufnahmen mit gast-djs, die über das internet-radio "audioasyl" gestreamt wurden.

musikalisch orientiert sich new.com grundsätzlich an der basslinie: da hinein muss der produzent sein herzblut gelegt haben. und noch ein anderes element lässt sich ermitteln: der dub. damit ist eigentlich alles gesagt. wer möchte, kann "dub" noch ergänzen mit "-techno", "-house" oder eben "-step". letzteres - dubstep - ist zweifellos das gegenwärtig interessanteste subgenre in der elektronischen musik. seine formel ist noch nicht festgeschrieben und es entwickelt sich dauernd in neue, nicht vorhersagbare richtungen. ein ganz besonderes potential hat es in der annäherung von techno, house, breaks und reggae entwickelt. solches war bis vor kurzem noch völlig undenkbar. genauso die nachgerade unfassbare ausprägung und intensität des bass-fundaments. nicht zufällig entdecken weltweit immer mehr musikliebhaber und djs, wie gut sich zu dubstep tanzen und feiern lässt. der club-kontext ist allerdings nur die vordergründigste seite dieses sounds: längst hat sich eine subtile, düstere, auf atemberaubende erhabenheit pochende variante ausgebildet. ihre atmosphäre und wirkung lässt sich am ehesten noch mit der "burial-mix"-serie von rhythm & sound in verbindung bringen. diese maximal reduzierte sound-ästhetik öffnet mit ihren bässen allerdings abgründe, die einen vollends verschlucken. und die tracks tendieren zu einer langsamkeit, die sie beinahe auseinander fallen lässt - wären da nicht unsere eigenen bilder und gefühle, mit denen wir sie und uns selbst unwillkürlich wieder zu einem ganzen zusammen fügen.

während new.coms radiosendungen und live-sets spontan und improvisiert wirken dürfen, haben die mix-sets auf comfortnoise.com den anspruch, den high-end-level des dj's zu repräsentieren. aufbau und mixing müssen die hörer auch ohne assoziationen an party-erlebnisse gefangen nehmen können und ihnen in erinnerung bleiben. dieses ziel bedeutet wochen- bis monatelange arbeit, die in einer abgerundeten präsentation gipfelt. jeder mix erhält einen mit bedacht gewählten namen und ein selbst gefertigtes cover-bild. der respekt vor den grossartigen leistungen der produzenten und label-betreiber gebietet es zudem, sie niemals ohne korrekte tracklist mit exakten timecodes zu publizieren. auf diese weise werden diese sets zu persönlichen arrangements, geschaffen für die gepflegt-kompromisslose heimbeschallung, inspirierte momente im büro, weite und intensiv erlebte autofahrten.

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