Wie Jason Kincaid auf TechCrunch gestern berichtete, arbeitet das amerikanische Porno-Label Naughty America mit Hochdruck an einem auf Adobe Air basierenden Shop, der sehr stark an Apples beliebten Musikstore erinnert. Allerdings werden hier keine verschlungenen Noten, sondern verschlungene Körper runtergeladen, und zwar für $1.99 pro Szene.
Praktischerweise kommen die Schweinereien für unterwegs gleich in iPod und iPhone kompatiblen Formaten daher und verzichten auf Kopierschutz. Eine Registrierung ist angeblich nicht erforderlich, wie das mit allfälligen Jugendschutzbestimmungen im Einklang steht, ist eine andere Frage. Der TechCrunch-Editor zeigt sich auf den ersten Blick durchaus angetan vom Angebot:
Naughty America Express doesn’t have the recurring fees of a subscription, and while it may cost a couple of dollars, it isn’t riddled with the advertisements and popups that plague free sites (or so I’m told).
Die diversen freizügigen Inhalte werden von verschiedenen "Special Interest" Communities, die Naughty America im Web betreibt, aggregiert. Diese Seiten tragen übrigens so großartige Namen wie "Naughty Bookworms" (Bildung kommt also nicht zu kurz) oder "Diary of a Nanny" (Die ganze Wahrheit über nicht allein erziehende Mütter) - da kommen sofort Erinnerungen an die legendäre Szene aus "Clerks" auf, bei der Randall am Telefon eine lange Liste von Porno-Filmtiteln aufzählt. Derzeit befindet sich Naughty America Direct in der privaten Beta-Phase, mit dem Code TechCrunch kann man sich hier eine Einladung holen. Abogebühren entstehen keine, das Business Modell beruht einzig und allein auf "Pay-per-Download": in dieser Form tatsächlich eine Novität im Online-Rotlichtviertel (habe ich von Leuten gehört, die sich auskennen).
Der angekündigte Relaunch von Yigg dauerte ziemlich lange, nämlich ganze drei Tage. Ich weiß aus eigener Erfahrung sehr gut, wie schnell die kleinste Panne beispielsweise bei einer DB-Migration sofort zum Supergau führen kann. Nun ist die neue Seite seit einigen Tagen endlich online, allerdings stellt sie nach der überwiegenden Anzahl der Usermeinungen eine ziemliche Verschlimmbesserung dar - aber das wird schon.
Viele User jammern lauthals über die neue Link-Policy: verlinkte Yigg bisher den Nachrichtentitel, so gibt's mittlerweile nur mehr einen Screenshot samt "Quelle öffnen"... aber immerhin ohne nofollow, das inzwischen die meisten anderen Portale einsetzen. Mit dem nofollow bei Social News Sites ist's übrigens ähnlich wie bei Blogkommentaren: setzt man das elendige Attribut ein, dann hält man vermutlich einige Spammer ab - und zusätzliche jede Menge Folks, die eben nur *wegen des* Backlinks durchaus lesenswerte News eintragen; ein zweischneidiges Schwert also. Ebenfalls auf verständlicherweise wenig Gegenliebe stießen die selbst für registrierte User aktivierten Layer-Ads (Mann, die haben echt was Rotlichtiges...)
Anfangs war sogar die Rede von absichtlichem Linkbaiting - in der Tat schaut das Design, angeblich das Ergebnis einer Studie, nicht besonders zeitgemäß aus. Optik freilich ist und bleibt Geschmackssache, und jede Seite, die man längere Zeit benutzt hat, wirkt nach einem Relaunch erst mal fremd und ungewohnt. Dennoch scheint der Vorwurf der Unübersichtlichkeit nicht völlig aus der Luft gegriffen: diverse Profildaten sind verschwunden, Services nicht verlinkt, URLs haben sich geändert und so weiter. Ich will das nicht im Details wiederkäuen, lässt sich alles genauestens nachlesen. Das schönste Zitat hab ich beim Herrn Anwalt gefunden:
Der ursprüngliche Link zu den Userprofilen wirft nun einen schönen 404er. Sorry, aber das ist ein Verhalten welches ich von der Webseite eines Kaninchenzüchtervereins erwarte und nicht von der führenden deutschen Social News Seite.
Stereopoly schreibt über Yiggs Maskottchen sogar:
Heute kam es zu einem tragischen Unglück in der Johann-Clanze-Strasse in München. Der gerade einmal drei Jahre alte süße Hamster des Michael R. sprang vom Balkon eines 12-stöckigen Hochhauses und war sofort tot. Nachbarn und Umstehende hörten ihn noch fiepen, aber es war zu spät. Niemand konnte den tiefen Fall des als stets fidel geltenden und mitten im Wachstum steckenden Nagetiers mehr verhindern.
Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass da im Lauf der nächsten Zeit noch gewaltig nachgebessert wird. Der Blogbutton funktioniert bereits wieder, und dass sich User abwenden, glaub ich eher nicht: so groß ist die Auswahl an deutschsprachigen general interest Newsportalen, bei denen jeder dahergelaufene Gonzo was eintragen darf, auch wieder nicht. (Wikio, Webnews. Und neuerdings Shortnews, die jetzt auch Blogs als Quellen akzeptieren.) Allerdings gibt's da usability-technisch eine Sache, die so ganz und gar nicht verstehen kann und die auch nix mit Geschmack zu tun hat: Und zwar die Größe der Darstellung. Ich hab diesen winzigen Samsung 22-Zoll Monitor mit 1000+ Pixel Vertikalauflösung und sehe auf der Startseite 1 (in Worten: eine) News komplett und den Titel der zweiten. Diese Screenaufteilung wär nicht mal für ein Blog adäquat! Bis da ein einziger Blick endlich wieder mehr Orientierung verschafft, hätt ich gern die alte Startseite zurück. Nun denn, so schaut's aus:

Es ist schon eine Crux mit vertanen Chancen, medialer Moral und den Google'schen Gesetzen: da brechen endlich mal die erhofften Horden von Surfern über's eigene Blog herein, und dann wollen sie alle nur nackte Tatsachen sehen - und wer auf seinem Blog den Youporn Metadialog aufrechterhält, aber keinerlei Amateure in eindeutigen Posen anzubieten hat, der hofft natürlich, den Sexualtrieb seiner Besucher mit Bannern in Geld zu verwandeln. Und auch wenn der youporn-Hype wieder abflaut: Nachfolger wie Yuvutu stehen bereits in den Startlöchern.
Wer möchte seine Stammleser schon mit "nackten Titten", "geilen Pornos in Spielfilmlänge" und bekannt grell-blinkenden Bannerchen nerven, die das eigene Blog aussehen lassen wie ein virtuelles Amsterdamer Rotlichtviertel? Das ist nicht nur für halbseidene Produkte interessant, doch dazu später mehr. Erstmals muss an dieser Stelle dringend gesagt werden, dass der große Erfolg von youporn und porntube selbstverständlich eine ganze Latte Nachahmer auf den Plan gerufen hat - wie jede Internetplattform, deren Wachstumsraten "Erfinder" inspirieren. Die Grobe Kelle jedenfalls empfiehlt Yuvutu: dort gibt's natürlich von der "young shaved pussy" bis zum "old bearded pirate" das volle Programm - auf den ersten Blick unterscheidet sich Yuvutu durch die Portalseite, die mit dem G'satzerl selbst österreichisch betrachtet Volljährige außen vor lassen will:
Submit and upload your adult videos here. Funny videos of an adult nature are welcome as well as hardcore amateur porn movies. Thousands of movies can be viewed for free. Be warned: many videos contain graphic sex scenes! Why not show the world your sexual prowess and upload a video now! All participants are at least 21 years of age.
Auf den zweiten Blick (nein, ein anständiger Webmaster würde sich sowas niemal ansehen!) zeigt sich, dass Yuvutu dem Minimalismus-Konzept von Youporn die gute alte Zentralperspektive entgegen setzt: statt einer Liste von Videos wird hier gruppiert nach den Hottest, Most Viewed, personal Favorites und so weiter. Letzere lassen bereits vermuten, dass Yuvutu über ein Login verfügt - die ist auch notwendig für's Mitspielen in den Blogs und im Forum, das derzeit allerdings primär vor Supportanfragen strotzt. Ähnlich wie youporn gilt's, Sherlock Holm'sche Kombinationsgabe an den Tag zu legen und das gute alte komm! com hintendran zu hängen, und schon ist man dort. fremdgegangen erklärt auch gleich, wie man die Videos lokal abspeichern kann. Aber nach diesem kleinen Yuvutu-Exkurs wieder zurück zum Thema Konsumenteninformation.
Das Zauberwort lautet alles: Werbeselektion: "keine Banner für Pros und Stammleser, viele und ganz spezielle für triebgesteuerte Such-Amateure", so die scheinbare Erfolgsformel. Was Foren häufig über die Registrierung lösen (nur eingeloggte User bekommen die werbefreie Version der Seite zu sehen), ließe sich im Fall von Blogs technisch zwar problemlos realisieren - im Gegensatz zu Diskussionsboards sind die meisten User auf Weblogs aber niemals eingeloggt. Zielführender ist daher eine Unterscheidung nach Referrer: wer (mit bestimmten Suchbegriffen) von Google, Yahoo und Co. auf einen Blogeintrag stößt, dem kann man, so die Grundidee mehr Werbung zumuten als den "Stammlesern", die direkt zugreifen.
Der Aufgabe, Besucher zu erkennen, die von einer Suchmaschine kommen, widmet sich Landing Sites. Es erkennt die gängigsten Web-Recherchehelfer und bietet den Besuchern nebem dem Highlighting der Suchbegriffe auch noch gleich eine Reihe thematisch verwandter Artikel an - molto bene für die Erhöhung der Klickrate. Frank Bueltge hat eine deutsche Version des Plugins erstellt.
Aufbauend auf dem Landing-Sites Ansatz bieten sich nun verschiedene Ansätze an, Werbung gezielt anzuzeigen. Eint etwa schlägt vor, nach Suchbegriffen zu filtern und so das passende Lockangebot zu eruieren. Nach Roberts Basics Beitrag über selektive Anzeige von Werbung hat Robert Schneider eine auf Search Hilight aufbauende Lösung für die Filterung präsentiert. Nicht Wichtig machte sich Gedanken über eine Single-Script ohne Extra-Plugins.
Im Kontext der youporn-Trafficwelle veröffentlichte Eint zum beliebten Amateur-Video-Portal gleich einen ganzen Youporn-Guide für Dummy Webmaster und bringt die Sache recht lakonisch auf den Punkt:
Also gibt es kaum eine Ausrede, wieso man diesen youporn-Traffic nicht zu Geld machen sollte. Damit ist allen etwas gutes getan. Die Suchenden finden eventuell interessante Angebote, der youporn-Blogger verdient sich ein goldenes Näschen und der Traffic ist sinnvoll verwertet. Youporn ist eine wahre Goldgrube, schöpfe sie aus!
Wer geeignete Partner- udn Affiliate-Marketingprogramme zur lückenlosen Versorgung mit schmutzigen Lockreizen, sucht, findet in diesem Artikel die passenden Tipps. Ich würde aber losgelöst von der Causa Youporn/Porntube durchaus weiter gehen und meinen, dass über die bloße Einzefall-Applikation hinaus sich die Frage nach der Referrer/Kontent/schlagwortabhängigen Suchfunktion durchaus für ein dediziertes Plugin, aufbauend auf dem genannten Landing Sites, eignet. Ein solches Plugin sollte im Admin-Interface idealerweise die Möglichkeit bieten, für die Anzeigen von Werbung mehrere Bedingungen zu konfigurieren, á la: Zeige diese Werbung nur dann an, wenn Besucher
Mit den Bordmitteln von WordPress kann man zwar problemlos die Variable post_id des betreffenden Beitrags abfragen und in Kombination mit der Referrer-Funktionalität von Landing Sites die gewünschte Werbung nur im Beitrag x, y, z anzeigen und zusätzlich nur dann, wenn die Besucher über Suchmaschinen kommen. Allerdings erfordert dies ständige Eingriffe in die Templates, da in der Abfrage die Post-IDs gegebenenfalls aktualisiert werden müssen. Bei mehreren Themen (Blog-Marketing besteht angeblich ja doch nicht *nur* aus Cpt. youporn) wird's dann schon leicht mal etwas unübersichtlich - für Webmaster, die einzelnen Adressen betreiben, welche unter verschiedenen Keywords gelistet sind, kann's hochgradig Sinn machen, den BesucherInnen, die über die Suche nach "Hundefutter" auf die Seite kommen andere Ads zu zeigen als denen, die mit "Mountainbike" auf derselben Seite gelandet sind.
Insofern wär ein solches Plugin eine echte Bereicherung für Hardcore-Conversion Blogger, allerdings keine ganz triviale Aufgabe, da idealerweise Referrer, Suchbetriffe, Beitrags-IDs und Werbeschaltungen simultan in einem Regelset verwaltet werden müssten. Mit anderen Worten: die Funktionalität von WP-Ads, einem praktischen Banner-Rotator, sollte in dieser eierlegenden Wollmilchsau also auch noch integriert sein.
Bis dahin hilft allerdings bloß fröhliches Basteln an den Templates zur "Verschonung" der Stammbesucher vor Pornobannern: wobei querlinkende Pro-Blogger diese ja eigentlich ruhig zu Gesicht bekommen sollten. Aber ein Plugin, das Blogger und reine Leser unterscheidet, wird wohl noch länger auf sich warten lassen.
Die Lernkurve der Internet Amateur-Rotlicht Rechercheure kann keine steile sein: Wir schreiben Wochen 1 nach der sogenannten "Google Youporn Zensur", und noch immer ist keine Ende des Besucherstroms in Sicht. SEO-Webmaster träumen bereits von Karibik-Villen - Sex sells, daran hat sich auch 2k7 im Web 2.0 wenig geändert.
Was dem einen teuer, ist dem anderen nicht mal billig - in der Diskussion um "bösen" und "guten" Traffic geht's in erster Linie um die Frage, ob die vielen User, die anstatt "youporn" oder "porntube" mit dem dot-com hinten dran in die Adressezeile einzugeben, auf Google nach dem Begriff suchen, bloß die Datenbank zum Schwitzen oder auch Nutzen für den/die Webmaster/mistress bringen. Je nach Sinn und Zweck der eigenen Bloggerei könnte man natürlich frei nach einem alten Werbeheini-Spruch sagen: jeder Traffic ist guter Traffic.
Marketeers denken da mehr in Conversion-Rate Dimensionen, unsereins freut sich über den oder die eine/n (bei youtube wohl eher den), der im Blog "hängen bleibt" und öfter mal vorbeischaut - reine Pageviewzahlen sagen in Zeiten von Web 2.0 halt in der Tat nur mehr unglaublich wenig aus über die Qualität der Interaktion. Kein unbekannter Sachverhalt: wer sein Produkt online bewirbt (und verkaufen möchte), der wird sich über 1000 Besucher, von denen 10 einen Kaufvertrag abschließen, mehr freuen, als über 10.000, von denen 5 die Ware ordern. Quality Traffic lautet hier das Stichwort - der primäre Grund, warum bloße SEO-Boosting Maßnahmen zum Beispiel Online-Shops wenig bringen.
Im Fall eines Blogs sieht die Sache aber schon wieder anders aus: einerseits wäre da der angesprochenen Lateraleffekt, andererseits will man ja ohnehin nix verkaufen - und ein paar Affiliate Clicks haben schon die Hosting-Kasse so manchen Webmasters aufgebessert. Und selbst wenn einige us-amerikanische SEO-Blogger wie Cpt. Shoemoney recht fett von ihren Online-Einnahmen leben, bleiben Affiliate-Programme und Linkverkäufe im deutschen Sprachraum im wesentlichen auf ein Taschengeld beschränkt - da ändern selbst 1000 Einträge über DSDS nichts dran. Robert Basic, einer der wohl meistgelesenen deutschen Blogger macht aus seinen Blog-Einnahmen kein Geheimnis, so sah's aus im März bei ihm:
Google AdSense Einnahme: 305 USD
Linklift: 406 Euro
Textlinkads: 281 USD
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Werbeeinnahmen: 860 Euro März 07
TKP ~3 Euro
Klar, nettes Nebeneinkommen, vor allem weil man ja sowieso gerne bloggt und der viele Zeitaufwand, den Powerblogger in ihr Hobby investieren, nicht als Belastung empfunden wird. Aber nicht gerade das Monatseinkommen von SLK-Piloten... und, das p.t. Publikum, ist sozusagen top of the line. Es wird für alle youporn-SEO-Blogger (wann wird's diesen Eintrag in der Wikipedia geben?) also doch nur eine sehr kleine Insel werden.
Verwundert war wohl jeder der gooogle-gut platzierten Blogger über die Trafficwellen eins und zwei, letztere ausgelöst durch die Entfernung von youporn.com aus dem deutschen Google-Index.
Die Affäre youporn jedenfalls zieht seit der Cause Google-Zensur ihre weiten Kreise kreuz und quer durch die Blogosphere - wer einmal youporn googelt, der tut's anscheinend auch ein zweites Mal.
Der Hype um die Videocommunity für Erwachsene bzw. alle, die einen Browser bedienen können, reißt einfach nicht ab. Mit Youporn.com wurde sozusagen der technische Alptraum aller Jugendschützer (und vermutlich auch Sittenwächter) wahr. Nun zensiert Google Deutschland den betreffenden Eintrag, und was passiert? Eine neue Traffic-Lawine erotisch Interessierter Surfer bricht über datenschmutz herein.
Der Name dieses blogs mag ja gewisse Assoziationen mit digitalen Rotlichtvierteln wecken - geschenkt, die teuerste Domain aller Zeiten ist nach wie vor Sex.com - deren Wert wurde schon 2001 auf doch recht beachtliche 85 Millionen Dollar geschätzt. Damit könnte der Besitzer ohne weiteres an die Börse gehen... allerdings finden sich dort ein vergleichsweise unspektakuläres Portal, dessen freundlicher Aufforderung "Make me your Homepage" wohl nur die wenigsten Besucher nachkommen dürften. Doch selbst das Interesse an youporn verdrei- bis vervierfachte in den letzten Tagen die Zugriffe auf dieses Weblog - eine gute Platzierung beim Stichwort "youporn" in Kombination mit der Streichung der eigentlichen Zielseite aus dem deutschen Google-Index lässt viele Surfer hier Schmuddeleien vermuten - zum Glück muss ich nicht die ganze enttäuschten Gesichter sehen.
Die ganze Zensurstory mit interessanten Details und Indexvergleichen finden sich am SOS Seoblog:
Google Deutschland hat die Domain youporn.com zensiert! Seit dem 25. April ist das Porno-Video Portal YouPorn bei einer Suche nach youporn nicht mehr im deutschen Google Index zu finden, lediglich ein Hinweis am Ende der Google Ergebnisse läßt alte SEO Hasen und aufmerksame Besucher vermuten, was da mit der Seite passiert sein könnte.
Interessant ist in diesem Zusammenhang wohl vor allem, dass das große G recht gezielt zwischen verschiedenen Indizes unterscheidet. Allerdings lässt sich die Sprache in den Präferenzen umstellen, und wer die englische Version ordert, der darf auch weiterhin youporn an der ersten Stelle der Suchergebnisseite sehen. Wer nicht in den Präferenzen rumstöbern mag, der kann auch einfach eine Suche auf Google.de starten und anschließend in der Ergebnis-URL das de durch com ersetzen, dann taucht die Plattform wieder auf.
Sehr spannend in diesem Zusammenhang: Österreichern traut Google mehr nackte Schenkel, Brüste und sekundäre Geschlechtsmerkmale zu als Deutschen: auch in der at-Version wurde zumindest bislang noch nicht zensiert, Eidgenossen dürfen ihr Erotik-Müsli ebenfalls ganz offiziell finden.
Folgt man dem von Google angebotenen Link zur Zensur-Erklärung, dann steht dort relativ lapidar zu lesen:
Ihre Suche hätte in den Suchergebnissen einen Treffer generiert, den wir Ihnen nicht anzeigen, da uns von einer zuständigen Stelle in Deutschland mitgeteilt wurde, dass die entsprechende URL unrechtmäßig ist.
Ob der Austrag aus dem deutschen Suchindex Copyright- oder Moralverletzungen geschuldet ist oder auf einem Delikt gegen die Persönlichkeitsrechte verstößt, lässt sich daraus nicht so ohne weiteres entnehmen: rechtliche Gründe für die Sperrung gibt's vermutlich genug, nicht umsonst sind Adult-Seiten zum Einsatz eines Verifikationssystems verpflichtet. Allerdings bin ich kein Jurist - ob im Fall nicht gewinnorientierter Seiten ein Hinweis auf den Ab-18-Charakter der Inhalte reicht bzw. ob hier landesspezifische Unterschiede zwischen at, ch und de bestehen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Der psychoaktive Drekhead liegt in der Wertung noch vor mir auf Platz 3 - auch bei ihm ging's relativ rund in den letzten Tagen. Danke, liebes Caching Plugin. Wieder mal ein Lehrstück in angewandter Bedürfnisforschung... ich freu mich ja schon sehr auf die Arse Electronica Konferenz in San Francisco.
PS: And it continues! Sozusagen ein verspätetes Ostergeschenk für Blogistan. Mag nicht mal jemand eine Untersuchung zum Thema "Wie Zenstur Mikro-Medien stärkt" durchführen?
Bei onSEO geht's rund, SynActio analysiert die Hintergründe der Zensur, Freeweb 24 berichtet, der ProBlogger dokumentiert den resultierenden SEO-Positionierungskampf und die Grobe Kelle fragt sich, welche Schmuddelseiten noch folgen.
Seit Februar 2007 schreibe ich für die Ö1 Homepage eine regelmäßige Kolumne zum Thema "Netzkultur", die ein bis zweimal im Monat erscheint. Die Themen sind relativ breit gestreut - sozusagen Fundstücke aus dem weiten Feld Medien.Kultur.Technik. Auf dieser Seite gibt's alle bisher erschienen Ausgaben.
Die folgende Kolumne habe ich für Ö1 geschrieben - es geht um eines der momentanen Frühlings-Loch Lieblingsthemen der Journaille, wie's früher noch abwertend hieß, nämlich diverseste Schweinigeleien in Shooting Star unter den virtuellen Welten. Zum Original geht's hier - viel Vergnügen.
"Ach, ich wünschte, ich könnte mein Leben nochmal von vorne beginnen," lautet der Stoßseufzer von Kontrollfreaks, die ungern die Entropie als Dramaturg des Dramas ihrer Existenz anerkennen wollen. Wenn Erbauer virtueller Welten genau dieses Versprechen auf technischem Weg realisieren wollen, ist mindestens Skepsis, manchmal Langweile, häufig aber der virtuelle Austausch von Körperflüssigkeiten angesagt.
Dabei kommen Linden Labs dem alten Alchemistentraum, Gold aus Blei zu erzeugen, verdächtig nahe. Auch wenn das Blei aus Bits und Bytes besteht, das Gold aus Linden Dollars und die transformativen Formeln in digitalen Algorithmen realisiert sind, gelang es hier erstmals jemandem, innerhalb einer riesigen Community einen Austauschkurs zwischen virtueller und realer Währung zu etablieren. In der Tat ist die Idee, aus dem beliebten Genre MMORPG (Massive Multiplayer Online Role Playing Game) sämtliche Spielelemente, Quest, Levels, Missionen und Storys zu entfernen und stattdessen die potentieller Spieler zu Produzenten des eigenen Glücks in Form digitaler custom-made Artefakte zu küren, trivial und gerade deshalb erfolgreich.
SL kennt keine Einstiegslimits, keine Metageschichten von jahrhundertealten Feindschaften zwischen Elfen und Orks, kein lexikalisches Wissen über die Statistik-Boni besonders begehrter Ausrüstungsgegenstände: es geht also nicht als Ein-, sondern ans Ausgemachte: gezieltes Überschreiten sozialer Konventionalgrenzen zwischen Consenting Adults, Spielplatz der unbegrenzten Möglichkeiten mit enorm reduziertem sensorischem Input, eine Gibson'sche Cyberspaceinkarnation für sensorisch ganz Arme - keine Rede von Immersion, ja nicht mal von hochauflösender, geschweige denn realitätsnaher Grafik.
Printmedien schüren gerne die Goldgräberstimmmung, berichten von Neo-MillionärInnen, die ihr Glück digital machten. In der Tat verdienen über 90% jener 5% Gesamtuser, die am Ende des Monats eine positive Soll-Haben-Bilanz aufweisen, bis zu 200$ im Monat, mit einem Zeitaufwand, der den Stundenlohn weit unter österreichisches StudentInnen-Zwangsarbeitsniveau drückt. Marketingabteilungen aller Couleurs dagegen erscheint Second Life momentan geradezu wie der Heilsbringer des Internet, funktioniert hier doch alles noch so wie in der "richtigen" Welt: keine Virals, keine Micromedia, stattdessen riesige Plakatwände, protzige Shops, die man nicht aufwändig verlinken, sondern einfach nur kaufen muss - und virtuelle Axel Springer Medien fungieren als tagesaktuelle Chronisten dieses Universums, in der man Ruhe hat vor alle den aufmerksamkeitsökonomischen Besonderheiten, die das Netz sonst auszeichen: die Alter Egos in Second Life besitzen nun mal keinen Internetzugang.
Was für ein Glück also, dass sich die Lust an der medialen Auslagerung der Sexualität, ihre Delegation an steril-geruchlose Sex-Telefonate, Pornofilme und Chats wie ein roter Impetus durch die Mediengeschichte zieht. In der Tat waren Pornoseiten die ersten Genreportale, die ausgiebig Gebrauch von Streaming Video und Audio machten. Und so locken die beiden zugkräftigsten Metaerzählungen immer mehr User ins virtuelle Zuhause: zügellose Schweinigeleien mit Gleichgesinnten im Schutz technisch zweifelhafter Anonymität und die Versprechung virtuellen Reichtums reichen durchwegs aus, um täglich hunderte zur Installation der Clientsoftware zu motivieren. Daueruser werden allerdings nur wenige Neulinge, rund 50% der Erstspieler belassen's beim einmaligen Einstieg. Ob Second Life ein aufwändiger Chat, ein Non-Story Based Game oder eine virtuelle Realität ist, bleibt den Benutzern dabei relativ egal: als Kontaktbörse funktioniert die Plattform derzeit ausreichend gut, um in einschlägiger Berichterstattung als windig-virtuelle Rotlicht-Reeperbahn tituliert zu werden.
Das mag zwar nach Meinung vieler alter SL-Hasen falsch sein, zeigt aber im Kern vor allem eines auf: das Rotlichtbusiness ist ein technologischer Early Adopter der schnellsten Sorte (dieses spannende Thema wird Inhalt einer monochrom-Konferenz, die im Herbst in San Francisco stattfindet, sein), während die Betreiberfirma momentan vor allem daran scheitert, den neu Angekommenen ordentliche Orientierungstools in die Hand zu geben und die richtigen Interessen miteinander zu verlinken. Trotz des momentanen Hypes dürfte die Langzeitmotivation auf der Strecke bleiben, wenn Linden Labs dies nicht rechtzeitig gelingt - aber bis dahin stehen vermutlich ohnehin zahlreiche Konkurrenzwelten bereit, die aus den Fehlern des Pioniers gelernt haben werden.