Sic transit humoria mundi - für meine sechsstündige Fahrt von Wien nach Lienz hatte ich mich mit ausreichend Lesestoff eingedeckt, der in Kombination mit dem vorzüglichen Service der ÖBB (13 von 16 Toiletten im IC "inutilisable" = neuer Rekord, aus einigen Waggons musste letzten Vorhänge entfernt werden, nicht besonders boshafte Naturen behaupten aufgrund von Lausbefall) dann auch für mehr Heiterkeitsausbrüche sorgte als ein ganzes Lach-Yoga-Wochenendseminar. Viel gelacht, viel geweint und noch mehr gelernt: beispielsweise, dass eine einzige Ausgabe Titanic mehr Popverständnis vermittelt als 10 Jahre Spex und dass Brand Eins zwar auch versucht, absurd witzig zu sein, dabei aber längst nicht so postlinks-locker daherkommt die zum ewigen Untergang verdammte Schwesternzeitschrift. Und als ich, vollkommen erschöpft von so wenig überflutender Print-Information zwischen zwei spitzen Entzückensschreien meiner Teenage-Sitznachbarn über gelungene Facebook-Attack-Züge mal kurz wegdämmerte, da vermischten sich die beiden Pamphlete in meinem Traum zum neuen deutschen Witz-Flaggschiff mit Krisen-tauglichem Titel: "Titanenbrand!"
Von der verlässlichen Titanic und meines Lieblingskolumnisten Hans Mentz' Humorkritik im Brand Eins in der Titanic erwarte ich mir monatlich Großes, immer wieder neu, immer wieder zu Recht. Insofern überraschten die vielen Humor-Highlights in der aktuellen Ausgabe mit der trittsicheren Titel-Alliteration Merkel in der Menopause (aus dem Editorial: "Wie können wir lernen, mit einer Kanzlerin zu leben, die ihre sinnliche Jugendschönheit demnächst verliert?") mich keineswegs.
Umso mehr verwirrte mich dafür die inhaltlich-strategische Voll-Neuausrichtung von Brand Eins. Frühere sporadische Lesungen plus Peters Beschreibungen hatten mich - die Gründe dafür liegen verborgen im Nebel der Geschichte - glauben machen, es handle sich um ein Wirtschaftsmagazin für nachhaltige Freigeister: arme und bedauernswerte Schizos, deren "Individualismus" sie zwingt, sich möglichst regelkonform zu benehmen, währen deine ungeregelte Lambda-Wahrnehmungsstörung es ihnen verunmöglicht, zwischen Nischen-Mainstream und Divergenz zu unterscheiden. (Nein, nix gegen Veräppel-Rechner. Nur gegen die Begründung, man erwürbe sie, um "anders" zu sein.) Aber ganz im Gegenteil: der Verlag scheint die Sinnlosigkeit gedruckter Wirtschaftsberichterstattung vollinhaltlich eingesehen zu haben, und allein diese Tatsache verdient absatzweise Beachtung.
Eines allerdings sollten sich die Alleinunterhalter aus Hamburg auf die Fahnen schreiben: Satire ist kein Boulevardjournalismus! Falls ein Herr Wolfram Feller (Name von der ds-Redaktion geändert) hypothetisch eine neue Tageszeitung namens "Streich" (Name von der ds-Redaktion erneut geändert) "heraus" "bringt", mag sich der geneigte Leser nicht unbedingt eine Multitude an Zugängen erwarten. Aber wenn die selbstgewählte-Themenbeschränkung schon einen engen ökonomischen Fokus gebietet, so könnte ein wenig Variation bei der Karikatur-Strategie durchwegs nicht schaden.
Im Gesamtpaket ergibt die extrem überhöhte Kritiklosigkeit jedwedem Sujet gegenüber durchwegs karikativen Mehrwert. Zahnbürsten aus der Schweiz: Genial! Softwareklitschen aus Deutschland: Weltspitze! Traktor-Sharing: Innovationsorgasmus! Letzeres nennt man in Tirol, dem ausgelagertem Silicon Valley der Balkan Region, übrigens seit gut 100 Jahren "Landwirtschaftliche Genossenschaft". Bei Einzelbetrachtung verlieren die meisten Beiträge hingegen durch das strikte Korsett an Originalität und könnten in manchen, besonders misslungenen Fällen, sogar als ernst gemeint durchgehen - etwa der Bericht über eine Kooperation zwischen zwei Werbeagenturen, die "ausgerechnet in Düsseldorf in Bündnis geschlossen haben". Solche temporären Zweifel weiß der Themenschwerpunkt aber zum Glück rasch zu zerstreuen: denn das mehrköpfige Team verarscht gekonnt klassische journalistische Zeigefinger-Wissensvermittlung dadurch, dass Plattitüden im Brustton höchster Überzeugung geklopft werden: etwa dass wir uns im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden und uns vom Gedanken der Vollbeschäftigung verabschieden müssen, wie das "Special Arbeit" erklärt.
Ebenso konsequent wie gestalterisch glücklich erweist sich indes der Totalverzicht auf klassische Cartoons. Ähnlich wie das Gamer-Magazin "PC Action" setzt Brand Eins auf vorerst "normale" Fotos, konterkariert die abgebildeten Motive aber durch herrlich subversiv-schräge Bildunterschriften. Beispiele gefällig? Unter zwei Zahnbürstenbildern: "Für 50 Jahren stellen 200 Mitarbeiter bei Trisa 50.000 Zahnbürsten her... ...heute schaffen viermal so viele Mitarbeiter zwanzigmal so viele Zahnbürsten." (Ob zu produzieren, zu verbrauchen oder als Füllmaterial für diverse körpernahe Guinness-Weltrekordversuche bleibt dabei ganz der Fantasie des Lesers überlassen.) Oder mein Favorit aus einem langen Textelaborat, in dem erklärt wird, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer Arbeit und Kinder unter einen Hut bekommen (letztere aber nicht bekommen) können: "Der Berater: Markus Leibundgut arbeitete zweieinhalb Jahre mittwochs nicht." (Beneidenswert! Ich nehme an, von Donnerstag bis Dienstag waren die Kinder bei Reini zu Besuch, denn: "Der Ingenieur. Reiner Hohl konzentriert sich auf das Wesentliche."
Zur Neuausrichtung kann man Brand Eins, der zukünftigen Nummer zwei unter den deutschen Satiremagazinen, echt - aber auch ganz echt - nur gratulieren! Ernst gemeinter Wirtschaftsjournalismus könnte sich Artikeluntertitel wie "Die USA sind viel mehr als Coca Cola, IBM und Microsoft" oder "Putzen gilt als minderwertige Arbeit. Dass sie weit mehr sein kann, zeigt ein Besuch bei der Frankfurter Wisag" (hat Redakteur Matthias Hannemann dort etwa die Büros gereinigt?) schlichtweg nicht leisten. Der Verzicht auf faktenbasierten, innovativen Realjournalismus räumt dem schreibenden Personal völlig neue Freiheitsgrade ein - nur besonders bösartige Beobachter würden behaupten, dass bei den steigenden Kosten für "richtige" Contentproduzenten der Verlag gar keine andere Wahl gehabt hätte. Und perfekter als der letzte Satz auf der letzten Seite 134 von Heft 09 des 11. Jahrgangs könnte ich das neue Selbstverständnis auch nicht subsummieren:
Eine Zusammenstellung aus 20 internationalen Wässern von Wasserdepot hat gewonnen: Angelika Tschuri, Gersthofen.
datenschmutz gratuliert recht herzlich und versteht jetzt endlich, warum der Durchschnittsbobo, der sich über jeden Einbruch anarchischer Freude in sein sonst so kommunistisch-streng geregeltes Hedonistenleben freut, Brand Eins so gern mag.
So viel wie über die B1 kann ich über die auf den Äckern des Humors weitaus arriviertere Titanic nicht sagen. Aber dass ich den Großteil meines politischen aktuellen Halbwissens aus einem dedizierten Satire-Magazin beziehe, spricht nun mal nicht für den deutschen Qualitätsjournalismus.
Das mag aber durchwegs an der Multitude der Zugänge und Themenfelder liegen: bereits auf den ersten Seiten werden Steinmeiers Vollbeschäftigungspläne, Minus-Milieus ("Retrophile Oligarchen, traditionsbewusste Absteiger, Metanormale) erklärt und die Doppelrolle von Vera Lengsfelds Brüsten im SPD-Wahlkampf thematisiert, aber angenehmerweise nie restlos erklärt. Dabei fallen durchwegs thematische Überschneidungen auf: wo Brand Eins sich für Zahnbürstenbauer aus der Schweiz begeistert, stellt Titanic den im dräuenden Lichte des kommenden Verbots wieder stärker nachgefragten Job des Glühlampenreparateurs vor. Um zu bemerken, dass man es hier mit dem wesentlich arrivierteren Satire-Magazin zu tun hat, braucht es allerdings gar keine "redaktionellen Inhalte" - die Zuschriften von Leser enthalten unverzichtbare Tipps für moderne Netizens:
Bei vielen jungen Menschen ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, potentielle Sexualpartner vor dem ersten Treffen zu googeln, um herauszufinden, mit wem sie es da eigentlich zu tun haben. Das klingt erst mal vernünftig, aber man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen: Nicht jeder, der obskure Freunde, perverse Hobbys und ein Vorstrafenregister von hier bis Hamburg-Harburg hat, ist automatisch ein cooler Typ. Cornelia Röser
Und während Brand Eins noch von Ende der Industriegesellschaft redet, beschäftigt den durchschnittlichen Titanic-Leser schon präventives Online-Reputation-Management:
Neulich zusammen mit meiner Freundin im Online-Sexshop bestellt. Als ich das Gleitgel in den Warenkorb klicke, sagt sie: "Nee, da steht ja 'anal' drauf. Nimm das normale, wenn das jemand sieht, was soll der denn denken." Christian Martin
Überhaupt ist Titanic meiner persönliches Lebenswelt viel näher. Speziell die Bastel-Seite reizt das unterschätzte Medium Papier bis an die Grenze aus, etwa mit Antwort-Karten für diesen lächerlichen Berghain-Türsteher in Berlin, der mich auch partout nicht reinlassen wollte, obwohl ich mit zwei *sehr* hübschen Mädels hartnäckig wie weiland die heilige Familie Einlass begehrte. (Übrigens ein singuläres Erlebnis in meiner Clubkarriere, aber um nichts undemütigender.) Mit diesen Kärtchen in der Geldtasche hätte ich reagieren können, so ging's mir wie den meisten Besuchern: ich musste einfach nur über seine unglaublich bescheuert aussehende, überpiercte Clownmaske von einem Gesicht lachen, und das hat ihm wohl nicht gefallen.
Überhaupt fällt auf, dass Brand Eins kein einziges, Titanic dafür gleich ein ganzes Genrebündel an Zeitschriften ersetzt, mindestens aber TV-Media ("Hallo, ich bin der Junge, der immer pfurzen muss, wenn er was wissen will."), die Computerwelt ("E-Mails weder mit 'Hallo' beginnen noch mit "'Heil Hitler' unterschreiben") und the gap ("Nie zuvor hat sich die Aufnahmetechnik so wenig weiterentwickelt wie im letzten Jahrzehnt. Es spricht einiges, jedoch nicht alles dafür, dass Popmusik ein weitgehend abgeschlossenes Kapitel ist.") Ohnehin unterstelle ich dem Redaktionsteam, dass es die Titanic genau wie wir seinerzeit the gap lediglich aus Eigeninteresse gegründet hat, wenn auch zu einem deutlich späteren Lebensabschnitt. Denn irgendwann, hoffentlich deutlich vor der Pensionierung, fühlen sich die meisten schlagartig zu alt, um über manche Themen noch ernsthaft schreiben können zu wollen. Sollte diese These zu gewagt erscheinen, empfehle ich die genaue Lektüre von "Born to be wild", einem Feature über die Zeitschrift des "Deutschen Rock & Pop Musikverbandes e.V.". Ein Meisterwerk der Realsatire, das in dieser Form in keinem "kritischen" Musikmag abgedruckt werden könnte.
Fazit: Was kann Brand Eins also von der Titanic lernen? Aus dem Stand heraus ein Medienprodukt für einen Markt zu lancieren, der von einem alt-eingesessenen Konkurrenten schon längst perfekt bedient wird (siehe etwa die Boulevard-Schlacht zwischen "Österreich" und "Der Standard"), ist schwierig und erfordert ein genaues Austarieren bekannter Erfolgsrezepte und Distinktionskriterien. Ihr seid auf dem richtigen Weg, Brand Eins, keine Frage - doch zu vieles wiederholt sich. Nur, weil beide Adjektive mit dem gleichen Wort beginnen, heißt "lustig schreiben" nämlich nicht automatisch "lange schreiben". Also traut euch ruhig mal, auch eine kürzere Ausgabe zu produzieren, und dann geht sich vielleicht sogar mal ein aufwendige(re)s Layout aus.
Wenn man nichts zu lachen hat, dann sollte man die Titanic zur Hand nehmen - die aktuelle Ausgabe wartet schon wieder mit ein paar großartigen Highlights auf: etwa Grill-Anzünderpapier mit Knitter-Look (man spart sich so das aufwendige Zerknittern) und die wie immer legendäre Rubrik "Humorkritik" mit einer Rezensionen der turkmenischen Realsatire "Ruhnama", verfasst von einem ehemaligen und wohl ziemlich korrupten Staatsoberhaupt: "Der Turkmene bringt Turkmenistan Größe, denn erst ist Turkmene." Bei solch bestechend klaren Worten fühlt man sich schnell mal an den FPÖ-Wahlkampf erinnert... und damit wären wir auch schon wieder mitten im Thema dieses blogistanischen Panoptikums.
Nein, leider wird die beste aller cheesy-Actionserien nicht fortgesetzt, Max hat bloß frappierende Ähnlichkeit entdeckt. Denn dieser Tage tauchte das Wahlplakat der SPÖ für die Europawahlen auf, und in der Tat, der Captain und seine Männer sind wieder im Einsatz:
Ten years ago / In 1972, a crack commando unit was sent to prison by a military court for a crime they didn't commit. These men promptly escaped from a maximum security stockade to the Los Angeles underground. Today, still wanted by the government, they survive as soldiers of fortune. If you have a problem, if no one else can help, and if you can find them, maybe you can hire… The A-Team.

Na das ist doch eine Latte sympathischer als der Kampfpathos der Grünen...
Microsoft lädt zum Entreprenuership Forum 2009 - Jungunternehmer mit Hang zu innovativen Business-Modellen am 7. Mai, welche Organisationen und Institutionen in Österreich Gründer unterstützen:
Ein heißes Thema in der europäischen Diskussion sind Zukunftsthemen wie Gesundheit, Transport und Umwelt, deren Problemstellungen gelöst werden sollen. Sie haben es in der Hand! JungunternehmerInnen mit hohem Potential sollen verstärkt gefördert werden, lokale Innovationscluster und Inkubationszonen verbreitet werden. Das Interesse von Investoren wird erhöht.
Um 10:45 beginnt der Check-In, bis zur abschließenden Podiumsdiskussion stehen diverse Vorträge und das Finale des MS-Innovation Awards am Programm. Austragungsort dieses freundschaftlichen Unternehmer-Derbys ist das Euro Plaza Conference Center (Am Europlatz 2, 1120 Wien) - die Teilnahme ist nur gratis, so wie ich Microsoft kenne, muss kein Teilnehmer verhungern
Registrierten kann man sich auf der offiziellen Homepage.
PolarRose hilft ab sofort FlickR's Gesichtserkennungsleistung auf die Sprünge, wie die Blogpiloten berichten:
Bislang ist das Ganze noch etwas umständlich: PolarRose gleicht Facebook- und Flickr-Kontakte ab, findet auf Flickr Fotos der Facebook-Freunde und markiert sie mit dem entsprechenden Namen auf Flickr. (Grund hierfür ist offenbar ein Detail in den Nutzungsbedingungen der Facebook-Schnittstelle.) Wir können aber wohl davon ausgehen, dass die Integration beider Dienste schon sehr bald runder laufen wird.
Mit anderen Worten: die Doppelexistenz für die wüsten Partyfotos hat ausgedient. Nicht auszudenken, wie viele scheinbar anständige Finanzkontrolleure in Zukunft ihren Job verlieren werden, wenn sich vollautomatisiert rausstellt, dass Herbert Himmelfreundpointner in seiner Freizeit als Rosanne die Stripperin unterwegs ist!
Der Coypblogger setzt sich mit einer Frage auseinander, die dieser Tage wohl zahlreiche Gemüter beschäftigt: wie formuliert man Tweet-Headlines so, dass möglichst viele Leser auf die Links klicken? Und kann man bei 140 Headlines überhaupt von einer Überschrift sprechen? Diesen Beitrag sollte sich kein Microblogger entgehen lassen:
But unlike the anonymous free-for-all that is Digg, Twitter is a bit different. Your followers may retweet based on a headline alone, but only because they trust you. Your past performance and editorial judgment in selecting (and producing) quality content is what leads to that trust.
Was macht man in Krisen- und Veränderungssituationen? Unter anderem Seth Godins Blog lesen. Und vor allem seine Ratschläge ernst nehmen:
Prediction: The effort required to outsource a task involving the manipulation of data of any kind will continue to decrease until it will be faster and cheaper to outsource just about anything than it will be to use in-house talent. What will you do today to ensure your prosperity when that happens?
Zur Erklärung: the feud is on! Bis zum ersten Videobeitrag auf 4SAT wird's noch ein Weilchen dauern, aber via Twitter befetzen dieser selbsternannte Usability-Experte uns schon ein paar Tage. Der Mann hat einfach keine Ahnung vom Social Web, und weil das nicht nur einmal, sondern öfter gesagt werden muss, gibt's ab sofort (ab und an) diese neue Rubrik im Panoptikum.
Herr Helge, ich muss Ihnen entschieden widersprechen: Herr Armin Wolf ist zwar mit Frau Euke Frank verheiratet, und solche Medienprofi-Lebenspartnerschaften bieten zwar zweifellos jede Menge Anlässe, um beim Re-Tweeten das zwischenmenschliche mit dem Nützlichen zu verbinden, denn in der ZIB kann man schlecht eine Frauenzeitschrift in die Kamera halten. Aber mit E-Media haben Sie ja nun endlich das passende Papiermedium zur Verbreitung ihrer kolumnistischen Halbwahrheiten gefunden, daher verstehe ich durchaus ihre Freude. Ich habe übrigens bei dieser Zeitschrift schon gekündigt, als Sie noch nicht mal wussten, was ein Weblog ist. Aber zurück zum "Armin, der mit dem Wolf twittert", wie sie in zielgruppengerechter Blumensprache so schön formulierten. Der mache alles richtig, weil er auf Augenhöhe twittere - ja wo denn sonst? Schreiben Sie ihre Microblogging-Einträge vielleicht mit den Füßen? (Das war jetzt eine rhetorische Frage.) Sie "alter Twitterer" beobachten ja bekanntlich "denn aktuellen Medienrummel samt Promi-Twitterern natürlich skeptisch", aber auch nur deshalb, weil Sie selber gern einer wären. Aber nun - grausames Schicksal - erkennen müssen, dass selbst ein exzellentes Geek-Network nicht gegen ein paar Minuten Airtime pro Tag ankomme. Ich empfehle Ihnen: suchen Sie sich eine hübsche junge Dame für Ihr Avatar-Bild, Ihre mickrige Followerschar wär ja sogar meinem RSS-Feed peinlich!
Die Internetkapitäne präsentieren ihren ersten (und imho ziemlich gelungenen) SEO-Comic mit dem Titel "Neulich in der Agentur", Prometeo leidet unter dem schönen Wetter und corp:nu erzählt vom Verkauf der SEO.info Domain - angeblich um 17.000 Euro. Weiß der Geier, warum jemand soviel Kohle ausgibt, um die Seite dann bei Sedo zu listen...
Lasset und niemals vergessen: es sind nicht Webmaster, die für Penalties sorgen, sondern böse Links. Satanische Webverweise, beseelt von ungutem Blackhat-Geist. Wer schnell mal eine Google-Bombe zünden will oder sich generell von der dunklen Seite der Ohnmacht angezogen fühlt, findet beim Bösen SEO eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung, die sich vor allem durch Links zu einigen relativ exotischen Spammer-Tools auszeichnet. Da lob ich mir doch den Fast Blogfinder - denn automatisierte Massen-Linkabwürfe bringen schon längst keine Webseite mehr nach vorne. Trotzdem würden mich Praxis-Erfahrungen mit Xrumer interessieren... Meinungen?
Ähnlich wie bei den Blogs gibt es auch Software für Foren. Xrumor ist wohl die bekannteste. Diese verdammt intelligente Software hat sogar einen verdammt guten Captcha Breaker integriert und schafft es sich in fast jeder Forum Software automatisiert zu registrieren und Postings abzusetzen. Das Tool stammt aus einer russischen Softwareschmiede und kostet in der aktuellen Version knapp 520 Dollar.
Mit Blogpostings ist es wie bei den Proponenten von Rattenrennen: manche laufen besser, andere schlechter. Problogger aka Darren Rowse empfiehlt, die Top-Kandidaten aus der Backlist-Hitparade ab und ein wenig abzustauben und aufzupolieren:
No matter how hard we work on our blogging there are always things in the posts that we’ve previously written that can be improved upon. There are also posts in most of our archives that have simply under performed for some reason or another.
Der Beitrag ist übrigens ein Teil von Darrens Serie "31 Days to build a better blog challenge" - da mal reinzuschauen ist generell eine gute Idee.
Heiner Hemken von SEO-united.de stand im aktuellen SelbständigImNetz-Interview Peer Wandiger Rede und Antwort. Es geht um Google, Datensammelwut und die Zukunft im allgemeinen und speziellen. Sehr lesenswert - und Peers Fazit kann ich nach reichlicher Praxiserfahrung nur zustimmen:
Es ist also gar nicht zu verhindern, dass viele Daten über uns zusammen getragen werden. Allerdings hängt auch viel davon ab, wie viele Daten man von sich selber preisgeben möchte. Dieselben Leute, die sich über die Datensammelwut von Google beschweren, geben bereitwillig ihr ganzes Leben auf Facebook und Co. preis.
Schokolade-Birnenkuchen wird hoffentlich weiterhin erhältlich sein, Glühbirnen dagegen will die EU in den nächsten Jahren restlos aus ihren Sockeln schrauben. Energiesparlampen sind mit ihrer langen Aufheizdauer auch nicht gerade das Gelbe vom Kronleuchter, also sind neue Beleuchtungskonzepte gefragt. Die OLED-Wall von Philips hätte ich gern in meinem Wohnzimmer... und der OLED Chandelier könnte tatsächlich bald im Shop stehen (via Engadget):
Last Minute Addendum: Heute gibt's noch ein Video der Woche, in letzter Sekunde vorbeigeschickt von Linzerschnitte - Phlow hat der Clip offensichtlich auch gefallen:
From the award-winning documentary, "Playing For Change: Peace Through Music", comes the first of many "songs around the world" being released independently. Featured is a cover of the Ben E. King classic by musicians around the world adding their part to the song as it traveled the globe.
Und das war's auch schon wieder mit den letzten sieben Tagen im Schnelldurchlauf - nächste Woche steppt der Bär dann rund um den Maibaum und frisst jeden, der sich mit einer Säge nähert. In diesem Sinne: guten Appetit und schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!
Im Peraves Monotracer sitzt man beengt und ohne Freiluft-Feeling wie in einem Auto, lebt aber dafür so gefährlich wie auf einem Motorrad. Die ganze Konstruktion ist zu breit, als dass man sich bei roten Ampeln elegant zwischen Autokolumnen nach vorne schwindeln könnte, dafür kann man sich nicht in die Kurve lehnen. Diese elegante Kombination der besten Nachteile von Auto und Motorrad in Form eines hässlichen Konstrukts namens Peraves MonoTracer, das aussieht wie ein der Längsachse nach plattgedrückter Smart, war dem Time Magzine einen Eintrag in die Liste der besten Erfindungen des Jahres 2008 wert: die wissen anscheinend nicht, dass die genialen Erfindungen immer am 31.12. kurz vor Mitternacht gemacht werden!
Würden die Amerikaner am 11.11. ebenfalls Faschingsbeginn feiern, dann hielte ich diesen Eintrag fraglos für Realsatire - die Begründung ist einfach nur großartig:
You really need the mind of a Swiss engineer to come up with a vehicle that combines the lithe maneuverability of a motorcycle with the not-getting-rained-on-ability of a conventional automobile.
Die Beschleunigung ist dank BMW-Motor für ein Gefährt, das Leute benutzen sollen, die nicht nass werden möchten, wenn es regnet, dagegen ganz ordentlich: in 4,8 Sekunden quält sich diese Missgeburt bis zum Hunderter und verbraucht vergleichsweise sparsame 3,5 Liter auf hundert Kilometern. Ach ja, falls ich das noch nicht erwähnt habe: ich zähle mich nicht zur Zielgruppe
Aus aktuellem Anlass beschäftigte sich Radio U-Ton am 20. September mit den österreichischen Wahlen - und zwar in satirischer Form. Diese ist, wie das Ergebnis zeigte, bekanntlich von der Realität rechts außen überholt worden. Inmitten sovieler anständiger Menschen bleibt einem das Lachen ja fast im Hals stecken...
[podcast]http://blog.datenschmutz.net/wp-content/audio/20080922-uton-wahlsatire.mp3[/podcast]
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Ich liebe katholische Ikonographie und bin ein glühender Verehrer von Lord Jeebus, der Begründer der Holy Church of Crustianity. [1. Diese Verballhornung hat natürlich nicht Homer Simpson erfunden, der ist nämlich eine Comicfigur. Und auch nicht Matt Groening, sondern Duke Ellington in den 30ern, Frank Zappa übernahm den Begriff dann später.]. Auf Facebook allerdings versuchen Parodisten, den einzig wahren Sohn Gottes mit einer Satire-Gruppe, die dazu geeignet scheint, die Gefühle empfindsamer und keuscher Crusten zu verletzen, zu veräppeln: Our Lord Jesus nennt sich die globale Interessensvereinigung, doch zum Glück steht die gegen-reformatorische Bewegung Missionaries of Jeebus auch auf Facebook bereits in den Startlöchern...
Obwohl ich ja zugeben muss: die recent News "rocken". Aber ich weiß auch nicht: irgendetwas zwingt mich, religiöse Prosa umzudichten. Es ist eine Gabe, mit der mich der Schöpfer ausgestattet hat, und zugleich ein Fluch. Also liebe Fundis: seien mir nicht böse, ich kann nicht anders. Und aussprechen werden uns nie können, schließlich hab ich nie zugestimmt, wegen der kleinsten Unkeuschheit in die Hölle zu kommen. Dort steht:
JESUS save SINNERS.
JESUS told us about LOVE.
JESUS told us about TOLERANCE.
JESUS told us to HELP the others.
JESUS told us about PEACE.
JESUS told us about FREEDOM.
JESUS told us about FORGIVENESS...
lets go this way together.
Aber bekanntlich geht Jesus über's Wasser, und Chuck Norris über Jesus. Oder auch: während Jesus übers Wasser geht, schwimmt Chuck Norris durch das Land. Sollten dort also nicht folgende Worte in Stein gemeißelt werden?
CHUCK NORRIS is his own SON.
CHUCK NORRIS punishes SINNERS.
CHUCK NORRIS told us about MARTIAL ARTS.
CHUCK NORRIS counted to INFINITY. twice.
CHUCK NORRIS told us to SMASH THE FACES of others.
CHUCK NORRIS told us about the dangers of PEACE.
CHUCK NORRIS is FREEDOM.
CHUCK NORRIS reminded us that FORGIVENESS is for pussies...
lets go his way together.
Ich hab bei Dirk die erste methodisch saubere, großangelegte Umfrage zur intrinsischeh Motivation von Alphabloggern gefunden. Die Studie leitet Prof. Dr. Sören zu Fall von der parapsychologischen Fakultät der Bürgeruniversität von Floridsdorf - dieses Stöckchen schnapp ich mir doch glatt.
1. Was war der entscheidende Grund, mit dem Bloggen anzufangen?
Eigentlich wollte ich schon seit Jahren einen aktuellen Online-Pressespiegel für meine diversen journalistischen Veröffentlichungen zusammenstellen; in statischem HTML ist das relativ mühsam, und WordPress erschien mir dabei als geeignetes CMS. Meine erste eigene Online-Publikation war übrigens ein Newsletter zum Thema Napster, Online-Musikdistribution und Co., der damals sogar in der c't bei den Linktipps erwähnt wurde. (d-news, 1998-2001). Die Jahre davor startete ich gemeinsam mit StudienkollegInnen das "Gray Literature" Projekt medianexus.net, später dann habe ich eine Weile phpBB verwendet, um auf medianexus.net ein Forum zu betreiben.
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Um alles über den "current state of the web" zu erfahren, kann man entweder zahllose Tech-Blogs lesen (oder bloß Techcrunch, das reicht meist auch), oder aber einen schnellen Blick auf Matthew Inmans geniale Satire "The current state of the Web Summer 2008" werfen. Quote: "The internet is under attack! Not by terrorists or plague. Not by space aliens or famine. Not by hackers or the RIAA. But by two girls and one cup - it's the new goatse.cx." Von Rickrolling über aktuelle Button-Design Trends findet man hier massiv viel didaktisch wertvolles Lehrmaterial. Na, Lust auf mehr Satire bekommen? Dan hat alle Spoofs von David McCandless gesammelt, dessen aktueller Satireband Internet: Now in Handy Book Form! kürzlich erschienen ist. Von Crackbook bis Bahoogle reicht die Palette - mein Favorit ist der Schmapple Store und ganz besonders dessen "Special Offer":
Ever dreamt of being a musician? Of course you have you simpleton. Now you can live that fantasy in your den with DreamOnPro.
Unfunky Drummer und Bronski Beatbox... hehe. Großartig! Stand Apple nicht irgendwann mal für Individualismus? Ganz ohne jeden Funken Humor dagegen erklärt nun endlich mal einer, wie man im Internet reich wird: Dirks Buch ist zwar noch nicht erschienen, aber man kann sich schon mal vormerken lassen. Also ausharren ist angesagt, zumindest bis der endgültige Reichtum kommt.
Digg wird nicht googliert, soviel scheint vermutlich definitiv mit 100% Sicherheit ein bisschen fest zu stehen. Laut Techcrunch meinte Big G. sowas wie "Und der Rest ist wohl teuer, oder was?" und wollte die 200 Mille einfach nicht springen lassen. Schon bitter, wenn man eine der ganz großen Web 2.0 Trademarks besitzt und dann aufgrund der kaum vorhandenen Monetarisierungschancen keinen Exit schafft... scheen bled. Da hat Yigg mit 50 Homepage-Visits wohl auch schlechte Karten.
Für viel Diskussion sorgte natürlich auch der Launch von cuil, immerhin waren hier einige Ex-Googlisten am Werk. Allerdings bringt nicht nur die Suche nach "Ernüchterung" schnelle Ernüchterung: einmal mehr existiert das non-englische Internet quasi nicht, also weit und breit keine Rede von Google-Konkurrenz, zumindest derzeit. Aber das große Vorbild hat ja auch ein paar Jährchen benötigt... jedenfalls mag Cuil zwar laut Eigenaussage den weltgrößten Index haben, allerdings kommt der bei der Suche wohl nicht oder nur unvollständig zum Einsatz - vielleicht hat man sich ja Twitter zum Vorbild genommen in punkto Delivery. In jedem Fall ein weiterer Beweis dafür, dass Zungenfertigkeit weit mehr zählt als die Größe. A propos Kontraproduktion: den Coderz kann ich nur Recht geben, Finger weg von RSS-Verzeichnissen... dös bringt fei nix!
Kuriosum am Rande: der Meckermeister berichtet über die chinesische Ameisenstraßen-SEO-Taktik: genial, wenn man ein paar 100 Millionen Einwohner zur Verfügung hat... und wohl leider nicht auf Europa übertragbar.
Wenn man den nofollow-Link aus den Blogkommentaren rausnimmt, dann nimmt das Spamvolumen zu. Ungeliebte Links kann man entweder löschen, oder aber selektiv mit "nofollow" versehen: schließlich macht's doch manchmal viel mehr Spaß, die Kreuzzüge von Herrn Sonnensegel & Co. für die Nachwelt zu dokumentieren, wie ich auch in meinem 2. knol Artikel geschrieben habe. Erstklassige Dienste dabei leistet nofollow case-by-case: wenn man Kommentare editiert und ein /dontfollow an die URL hängt, erhält der betreffende Link das Google-Blindheits-Attribut, standardmäßig wird's entfernt. Ich hab das Plugin schon mal erwähnt, aber man kann's gar nicht genug loben... two thumbs up!
"Übers Ziel hinausgeschossen", vermutet der Travelblogger. Also bitte: dass mein Festnetztelefon im Hotelzimmer vor der Benutzung saubergelegt wird, ist wohl das mindeste... die Sache mit der Toilette muss aber nicht unbedingt sein:
Ah ja, was ich an der Stelle noch erwähnen wollte: ich war heute Nachmittag mit dem Bike in Hainburg und hab dann im Donau Café ("Hainburg Beach", direkt am Donau-Ufer) Pause gemacht. Die Speisekarte behauptet, es gäbe legendäre Burger, und das musste ich natürlich verifizieren. Fazit: keine Übertreibung! Bestes Rindfleisch, perfekt am Kohlegrill zubereitet: nächste Mal definitiv wieder. Hab leider keine HP gefunden, die ich an dieser Stelle verlinken könnte - aber dafür die Homepage von Richardette Bredl, der Gattin des Wirts: die erfolgreiche Athletin arbeitet in Hainburg als Personal Coach und hat vor kurzem eine DVD rausgebracht, einen Vorgeschmack bietet youtube:
Richardette stammt aus der Karibik - auf den Namen wurde ich durch ein Plakat aufmerksam, das im Lokal hängt. Bislang kannte ich ja nur die (irgendwie nicht so wohlklingende) weibliche Version meines Vornamens: aber Richardette find ich einfach viel kewler als Ricarda, dürfte aber wohl nur in der Karibik verbreitet sein. So, jetzt hör ich auch schon wieder auf - ab morgen gibt's 3x das aktuelle Buch "Medien und Kommunikation" von Frank Hartmann zu gewinnen; wir lesen uns! Einen schönen Restsonntag wünsch ich Ihnen!
Schmeckt ja auch besser als Benzin... Man sollte aber wirklich am Physikunterricht in der Schule mal was ändern - wie kommt's sonst, dass offenbar immer wieder (Amerikaner) auf den alten "Bau dein Auto von Benzin- auf Wasserverbrennung um" Joke reinfallen. Einige "Firmen" versuchen sogar, damit richtig was zu verdienen; und ich muss zugeben, dass ich mich heute Vormittag 10 Minuten lang köstlich amüsiert habe. Allerdings handelt sich's wohl tatsächlich nicht um Realsatire, sondern um MLM-Marketing in des Kaisers neuen (Wasser)Kleidern.
Begonnen hat das ganze mit einer neuen Spam-Followerin (die häufen sich in letzter Zeit wie Sommerfliegen um frischen Kuhmist) auf Twitter mit dem klingenden Usernamen Waterfuel101. Die junge Dame war äußerst aktiv und hat bislang 2 Tweets verschickt, die beide die URL www.the6figureteam.com enthalten. Dort findet äußerst spannende Informationen zum besagten Umbau - natürlich ein verlockendes Angebot in Zeiten galoppierender Benzinpreiserhöhung:
Converting your car to run on water is proven to lower fuel costs, increase mileage - and help the environment. But, up until recently, it was also pretty expensive - the only way to convert your car to water was to get it done professionally, which could cost as much as $2,000. Even stand-alone conversion kits can sell for as much as $500.
Sehr geil sind auch die Testimonials:
48% improvement in my fuel economy. Run Your Car On Water helped us save $1,000's.
Von dieser Seite kommt man über drei Clickbank-Links zu drei ähnlichen Seiten, die des Pudels Kern schon bedenklich nahe kommen. www.runyourcarwithwater.com/ kennt dann schließlich die Antwort auf alle Fragen:
Create your own water hybrid for under $150! Did you know that you can convert your car to a water-burning car? You can run your car on water, supplemental to gasoline, to increase your car's fuel efficiency and reduce your fuel costs significantly.
Hmmm... 150 Dollar also. Was für ein ausgeklügeltes MLM-Programm; auf die nähere Erläuterung war ich jedenfalls ausgesprochen gespannt, und nicht zu Unrecht:
Our easy conversion guide will show you how to use electricity from your car's battery to separate water into a gas called HHO (2 Hydrogen + 1 Oxygen). HHO, also called Brown's Gas or Hydroxy, burns smoothly and provides significant energy - while the end product is just H2O! HHO provides the atomic power of Hydrogen, while maintaining the stability of water.
Preisfrage: mal angenommen, dieses 150-Dollar-Conversion Kit, laut Aussage des Vertriebs "mit im Baumarkt erhältlichen Teilen für 60$ von jedem, egal ob er eine Ahnung von Autos hat oder nicht, leicht selbst zu bauen" (man bekommt anscheinend nur die Anleitung) wäre nicht die feuchte Fantasie eines kreativen Wasserkopfs. Angenommen, man könnte in Automotoren herkömmlicher Bauart auch Wasserstoff verbrennen. Warum wäre es dann trotzdem vollkommen idiotisch, diesen Wasserstoff mittels Elektrolyse mit Gleichstrom aus der 12-Volt Autobatterie zu gewinnen? Wer diese Frage beantworten kann, gewinnt einen Backlink im datenschmutz Link Directory.
Mittlerweile ist es wohl schon jedem Surfer aufgefallen: seit Anfang des Monats, genau genommen seit 30. Mai, nutzt die gebenedeiteste unter den Suchmaschinen eines neues Favicon - dabei handelt sich's um jenes Mini-Logo, das moderne Browser in der Adresszeile neben der URL einblenden und das bei vielen geöffneten Tabs der Wiedererkennbarkeit dient. Während das alte Google-Favicon recht stark ans Logo erinnerte, löste die neue Variation einiges an Spekulationen in punkto möglichem CI-Wechsel aus.
Vom Spitznamen "Big G" kann eigentlich keine Rede mehr sein - handelt sich's bei dem neuen Favicon doch um ein kleines g und zwar aus der Schriftart "Catull". Eine gewisse Ähnlichkeit zu einem leicht angeschmolzenen Achter aus Wachs ist in der Tat nicht zu verleugnen. Hier der direkte Vergleich alt vs. neu:
Allzu einfach hat sich's die Google'sche Designabteilung offensichtlich nicht gemacht: über 100 Icons wurden erstellt, dennoch sei die derzeitige Lösung keinesfalls als das Maß aller Dinge anzusehen - und der Grund für die Umstellung sei in erster Linie die bessere Skalierbarkeit auf neuen Plattformen, beeilte sich Marissa Mayer, VP Search Products & User Experience, am offiziellen Google-Blog zu erklären:
Some people have wondered why we changed our favicon -- after all, we hadn't in 8.5 years(!). The reason is that we wanted to develop a set of icons that would scale better to some new platforms like the iPhone and other mobile devices. So the new favicon is one of those, but we've also developed a group of logo-based icons that all hang together as a unified set.
Außerdem forderte man die User auf, selbst Vorschläge für Favicons hochzuladen - bis zum 20. Juni kann jeder beim Contest mitmachen. Ob man das auch möchte, steht allerdings auf einem anderen Blatt geschrieben, so man sich die Mühe macht, einen Blick in die TNBs zu werfen. Denn die sind, gelinde gesagt, ganz einfach irre - speziell der Artikel vier erinnert an den klassischen Musterverlag mit Mephisto. Die juristische Formulierung ist dermaßen geil all-inclusive, dass sich ein Abdruck im Volltext nicht vermeiden lässt. Und immer daran denken: das ist *keine* Satire!
4. Publicity: You agree to participate in any promotions or publicity related to this event. You grant to Google and its subsidiaries an unrestricted, sublicensable, assignable, irrevocable, perpetual, worldwide, royalty-free, fully paid-up license to your name, voice, image, persona, likeness and performance in any media taken or to be taken of you by or on behalf of Google ("Likeness"). This license includes the right to 1) reproduce, modify, create derivative works of, and otherwise use your Likeness, in whole or in part, in any manner or matter or in combination with any other materials in any format or media, 2) publicly display, publicly perform, sell, rent, distribute (directly or indirectly), transmit, or broadcast your Likeness by any means. You hereby waive all rights, including any right or prior approval, and release Google from, and will neither sue nor bring any proceeding against Google for, any claim or cause of action based upon or relating to the use and exploitation of your Likeness.
Dazu passt auch, dass Google jegliche Verpflichtung in die andere Richtung komplett ausschließt - hier kommt Punkt fünf geflogen:
5. Not an offer or contract of employment: Under no circumstances shall the submission of a design, its use by Google, or anything in these Terms be construed as an offer or contract of employment with Google. You acknowledge that you have submitted your design voluntarily and not in confidence or in trust. You acknowledge that no confidential, fiduciary, agency or other relationship or implied-in-fact contract now exists between you and Google and that no such relationship is established by your submission of a design under these Terms.
In der Blogosphäre bildete sich rasch eine zumeist recht klare Ablehnungsfront gegen die neuen 16x16 Pixel, viele kündigten den Wettbewerb an - aber verblüffenderweise scheint jede/r die TNBs für völlig normal zu halten. Dabei reiten sonst immer alle so auf Creative Commons und dergleichen rum... oder gilt's mittlerweile gar als unschicklich, einen Blick auf die sowieso standardmäßig-abzunickenden AGBs zu werfen? Und ich bezweifle stark, dass Google auf meinen Favicon-Designvorschlag verzichten kann
Warum bescheiden bleiben, wenn man gleich alles auf einmal haben kann? Die folgenden Teilnahmebedingungen habe ich bei einem Gewinnspiel gefunden, bei dem ein Mini-Cooper Clubman verlost wird. Zweifelsohne ein feines Stadt-Auto, und viel besser geeignet, um klima-besorgte Damen zum Date abzuholen als der durchschnittliche Hummer. Aber lohnt sich der Deal? Irgendwie erinnern mich die TNBs ganz stark an die TV-Serie Reaper, da heißt's auch mal: "There's always a catch when you deal with the devil."
Aber der verschleiert seine Catches wesentlich besser - ich bin überrascht, dass nicht direkt von der Datenweitergabe an namibische Prinzessinnen und russische Ölbohr-Unternehmer gesprochen wird. Andererseits hat der folgende Absatz in Zeiten der Spam-Pest durchwegs einen gewissen Realsatire-Mehrwert:
Meine Angaben dürfen von XXX, den Sponsoren und deren Partnerunternehmen verarbeitet und genutzt werden (auch von externen Datenverarbeitern wie z.B. Datenerfassern, Internetdienst-Anbietern, Lotteriegesellschaften). Die personenbezogene Nutzung wird ausschließlich auf die Organisationen und Unternehmen aus den verschiedensten Branchen beschränkt, die meinen erkennbaren Interessen und Wünschen entgegenkommen. Für diese Organisationen und Unternehmen dürfen mir Informationen, Angebote, Muster und Werbung (per Post, per E-Mail und/oder per Telefon) übermittelt werden. Die Teilnahmebedingungen habe ich gelesen und akzeptiere diese. [...]
Auf besagter Seite sind übrigens vier Gewinn-Sponsoren gelistet, und zwar durchwegs namhafte Unternehmen - eine Abänderung der Bedingungen auf Werbezusendungen von den beteiligten Partner wäre ja noch einzusehen, aber das Business der Betreiber scheint wohl der Adresshandel zu sein. Wenn ich Neckermann, Tschibo, Quelle oder Heine wär, dann tät ich meinen Marke lieber nicht mit Gewinnspielen mit solch skurrilen TNBs beschädigen - aber jeder, wie er meint.
Wenn Frau Winter eine Susi-Torte bäckt, dann wird die ausschließlich mit weißer Schokolade angefertigt, nehme ich an... und statt Kaffee mit braunem Zucker gibt's vermutlich weißen Tee. Schließlich kann man den Kampf gegen die Überfremdungsparanoia ja schlecht linken Kabarettisten überlassen:
"Es ist wirkliche eine Frechheit des ORF, dass übelste Überfremdungs-Propaganda, wie der Film 'Der schwarze Löwe', in dem drei Neger-Asylanten zu Helden eines kleinen Dorfes hochstilisiert werden, als offizieller Film-Beitrag zur EM 2008 im Fernsehen ausgestrahlt wird. Finanziert wird dieser Film natürlich auch durch die ORF-Gebühren, die der Bürger zahlen muss", so die Grazer FPÖ-Chefin Susanne Winter.
Und die meint das auch noch ernst mit den "Negern"... so steht's nämlich in der eigenen Presseaussendung. Eigentlich erstaunlich, dass sie nicht gleich "Drecksnigger" oder so schreibt. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir Anders-Hautfarbige wie Menschen anstatt wie Asylanten behandeln? Jedenfalls nicht dahin, wo die Grazer FPÖ "Politikerin" hinmöchte:
Statt der ORF-Überfremdungspropaganda "Der schwarze Löwe" sollte der offizielle Film-Beitrag des Österreichischen Rundfunks lieber ein Film sein, der die Schönheit und Kultur unseres Landes widerspiegelt.
Hervorragende Idee. Zum Beispiel würd ich's total cool finden, wenn Kurt Palm einen Film dreht, in dem Grissemann und Stermann zwei FPÖ-Politiker darstellen, die sich mit dem Asylantenproblem befassen. Oder wie wär's mit einer Fake-Doku über einen FPÖ-Parteitag, bei dem Robert Palfrader (mit oder ohne Kaiserkrone) in die Rolle von Jörg Haider schlüpft?
Ich warte ja nur auf die Autobiographie von Frau Winter und hätte auch gleich einen passenden Titel zur Hand: "Ich, die bösen Neger und die Schönheit unserrrres Landes". Ich würd ausnahmsweise sogar gratis in Vorwort schreiben... sofern's nicht zensuriert wird.
Auf dieser Seite finden Sie ein Archiv meiner Kolumnen und Glossen. Meine Texte erscheinen regelmäßig in verschiedenen Print- und Online-Medien. Regelmäßige Kolumnen schreibe ich für the gap, Ö1 und SRA.
Todernste Betrachtungen aus dem Alltag, liebevoll illustriert anhand von mir persönlich verifizierter biographischer Tatsachen. Dies hier sind weder der Ort noch die Zeit für Satire. Es gibt nichts auf der Welt, das ernster gemeint wäre als der Spasz - das esszett sagt schon alles! [erscheint in the gap]
Für die Ö1 Mediensendung "matrix" schreibe ich abwechselnd mit verschiedenen KollegInnnen aus der matrix-Redaktion die Medien-Kultur Kolumne, des ORF, die zweimal in der Woche auf der Homepage von Ö1 veröffentlicht wird. [erscheint auf oe1.orf.at]
Auf SRA veröffentliche ich eine monatliche Kolumne zum Thema Musik online - sie trägt in Anlehnung an meine erste Online-Publikation, einen Newsletter über mp3 und die Folgen, den Namen d-news und beschäftigt sich mit Internet-Musikvertrieb, netlabels und verwandten Themen. [erscheint auf sra.at]
Lässig, dass mit Blog-Parade.de eine deutschsprachige Syndikationsseite für alle möglichen Karnevalstreiben existiert. Wunderlich dagegen dünkt mich die neue "Back to the Roots Policy". Vielleicht war ja früher wirklich alles besser. (Wir waren ja nicht dabei - damals, als die E-Gitarre noch nicht erfunden war. Geschweige denn der Synthesizer.) Aber Geschichtsfälschung bleibt trotzdem Geschichtsfälschung, und dass von New School Paraden gerade die Initiatoren profitieren, kann so nicht unwidersprochen stehen bleiben, meint Dirt Bird, mein Alter Ego für solche missgelaunten Quengeleien wie den folgenden Text.
An besagtem Artikel zeigt sich eines der Dilemmata der .de Blogosphäre überdeutlich. Aber das Schöne daran ist ja bekanntlich: jedes Ding hat zwei Seiten, jede Parade zwei Enden wie die Wurst. Und weil auf Blog-Parade.de gar ein bisschen einseitig argumentiert wird, kann ich das nicht einfach so stehen lassen, wenn Michi Wöhrer schreibt:
Dann gab es Blog-Paraden, bei denen die Initiatoren zur Teilnahmebedingung machten, dass nach Abschluss der Blog-Parade jeder Teilnehmer einen weiteren Blog-Beitrag erstellen muss, in dem alle Teilnehmer-Artikel per Permalink verlinkt werden - d.h. jeder musste jeden verlinken. Ein Mehrwert für den Blog-Leser? Wohl kaum;
Kategorienfehler! Es ging nie um den Mehrwert für die Leser, sondern für die teilnehmenden BloggerInnen. Was die Leser betrifft, so würde ich aber durchaus die gar nicht so weit hergeholte Behauptung wagen, dass es für die durchwegs interessant ist, sich auch durch die übrigen Beiträge zu klicken. Aber selbst erwähnter Nutzen für den Karnevalszug wird im folgenden Absatz radikal abgestritten:
Mit 5-10 Minuten Zeitaufwand konnte da schnell mal die Technorati-Authority um einen zwei- bis dreistelligen Wert erhöht werden; den vielfach unwissenden Lesern erklärte man das ganze als "Link Love". Hauptziel einiger Teilnehmer war aber höheres Ranking bei Technorati, bessere Treffer bei Google, besseres Pagerank und damit höhere Werbeeinnahmen für Textlinks.
Was für eine Unverschämtheit! Es gibt tatsächlich fiese Blogger, die mit solchen "Methoden" ein besseres Ranking bei Google und höhere Werbeinnahmen erreichen wollen? Schmeißt diese Windbeutel alle sofort aus dem Netz! Ich bin für eine deutsche Blogzulassungsstelle: eine Gewissenskommission (ich wüsste da schon ein paar Kandidaten) prüft sechs Monate im internen Testbetrieb jedes Blog auf Motive und Sinistrizität des Autors: wenn's diesem darum geht, Besucher oder gar Werbeeinnahmen zu erzielen, dann wird das Blog erst gar nicht freigeschalten. [/satire modus off].
Also, liebe unwissende TeilnehmerInnen, ich erklär euch jetzt mal was: vom klassischen Karneval profitiert der Initiator, da er von allen TeilnehmerInnen Backlinks bekommt. Das sieht so aus:

In ihren Beiträgen verlinken die teilnehmenden BloggerInnen auf den Karnevalsinitiator (schwarze Pfeile), der linkt am Ende zurück (blaue Pfeile). Nun betrachten wir doch mal den Fall der umstrittenen Linkliste:

Zusätzlich zu den oben erwähnten Links kommen noch die gegenseitige Verlinkung (rote Pfeile). Der Endstand ist ziemlich eindeutig: in der ersten Variante hat der Initiator 3 Backlinks und jeder Teilnehmer 1 bekommen, in der zweiten Fassung dagegen erhalten alle teilnehmenden Blogs gleich viel, also in dem Fall 3 Backlinks.
Skurril übrigens, dass das jemand schreibt, der sein eigenes extrem hohes Technorati-Ranking prima causa den Backlinks in Plugins zu verdanken hat... ja ja, "Warnung vor Max Kossatz und Ritchie Pettauer", sag ich nur. So, genug Dirt Bird gespielt, but you get my point, right?
PS: Aus der Rubrik "Advocatus Diaboli": Irgendwie ja durchaus verständlich - solche exzessiven gegenseitigen Verlinkungen könnten ja plötzlich eine ganze Liga von Kleinseiten in die Mittelliga katapultieren, und ich versteh schon, dass die derzeitigen A-Blogger keinen Bock auf übermäßig Konkurrenz haben. Ob man seine Kanzelpredigten aber dafür nützt, brave Google-Schäfchen zu basteln, oder man Blogistan als ein weitgehend kollaboratives Unternehmen begreift, bleibt aber zum Glück jedem selbst überlassen.
Willkommen zur aktuellen Blogvorstellungs-Runde: im Themenfokus stehen Grüne Smilies und ein Schweizer Satiremagazin: auch wenn es sich bei beiden Blogs keineswegs zum todernste Machwerke handelt, so steckt doch ernsthaft viel Arbeit dahinter.
Und wie immer gilt: wer hier mit seinem/ihrem Blog vorstellt werden möchte, sagt via Kommentar oder Kontaktformular Bescheid: kann ein bisschen dauern, da bereits einige Review-KandidatInnen auf der Warteliste stehen. Im Übrigen gilt der gute alte Stehsatz aus der Bezirkszeitung: "Unverlangt eingesandte Manuskripte können nicht retourniert werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung."
Zumeist gelb ist bloß das mittlere Licht an der Ampel. Wer jedoch glaubt, dass die guten alten Smilies immer in dieser Farbe daherkommen, kennt Michaels Blog noch nicht. Auf GreenSmilies.com spielt mehrmals wöchentlich großes grünes Kino im Mikroformat. Aber Schreiben ist in dem Fall Silber und Gucken Gold - hier einer meiner vielen Favorites:
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Ob Geschichte der grünen Smilies oder ein Smilie-Lexikon, bei Michael gibt's massig Hintergrundinfos - vor allem aber die Einwohnerschaft des Blogs selbst, und die ist mittlerweile auf beachtliche Größe angewachsen. Überblick verschafft das Smilie-Album.
Ebenfalls sehr praktisch für die Fans der Grünlinge: Michael packt immer wieder mal ein paar seiner Kreationen zu Packs für andere Software, aktuell zum Beispiel bietet er ein fertiges Package für Miranda an. Auch WordPress lässt sich ohne weiteres umrüsten - bei mir steht der Totalumstieg auf grüne Smilies jedenfalls ganz oben auf der Liste. Für verschiedene Sonderwünschen und "Spezialanfertigungen" hat der Blogbetreiber immer ein offenes Ohr - ich habe vom Maestro diesen wunderbaren Gesellen bekommen: ![]()
"UNTERNEUNTUPFING Aktuell ist ein länderübergreifendes non-kommerzielles Satireprojekt für den karitativen Zweck, wenn es mal groß ist soll es eine Menge Gutes tun," sagen die Betreiber, und dem kann man ja nun wirklich nicht widersprechen. Den humorvollen Leser erwarten schräge Beiträge aus Rubriken wie Politik, Gesellschaft, Gesundheit und Web 2.0. Getreu dem Motto "viel Wahnsinn muss gerecht verteilt werden" richtet sich die Seite an den gesamten deutschen Sprachraum. Selbstredend möchte Unterneuntupfing auch etwas über seine LeserInnen erfahren - sehr zu empfehlen als Einstiegslektüre ist die Umfrage Wer sind unsere werten Leser?.
Den bisherigen Ergebnissen nach zu urteilen ist die Quote an Selbstausbeutern besonders hoch - wer also nicht CEO einer fiktiven Visitkartenfirma ist und täglich sein Xing-Profil pflegt, der darf darauf hoffen, hier Gleichgesinnte zu treffen. Auch gleich ordentlich zur Sache gehen die Tipps zur Profi-PC-Entschlackung.
Bereits 2006 sorgte die Künstlergruppe ubermorgen.com mit ihrer [V]ote-auction für Aufsehen. Unter dem Motto "Bringing democracy and capitalism closer together" wollte man damals schwunghaften Handel mit Wahlstimmen betreiben - allerdings nur als medial inszenierten Fake. Nun stehen am 21. Oktober Schweizer Parlamentswahlen vor der Tür, und man will's erneut wissen: wahlgeld.com bietet wieder Stimmen feil, diesmal aber "for real", wie die Initiatoren behaupten.
Getreu dem kapitalistischen Credo, dass jede Ware ihren Preis hat, will wahlgeld.com die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage schließen. Mindestens 75 Schweizer Franken soll jede Stimme wert sein - die Preise variieren allerdings von Kanton zu Kanton. Wer seine Stimme verkaufen möchte, kann via Webseite die Betreiber kontaktieren. Stimm-Einkäufer sollten allerdings beachten, dass die Paketpreise von Kanton zu Kanton stark: die höchste Quote weist derzeit Bern mit 126 Stimmen für insgesamt 9.450chf auf.
Natürlich ist dieses Vorgehen extrem heftig: aber das haben Medienhacks nun mal so an sich. Und genau als solchen betrachte ich die Aktion: als originell inszenierten Angriff auf das Feld politischer Meinungsbildung, der zum Nachdenken anregen sollte über die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Demokratie und wirtschaftlich motivierter Meinungsbildung. Aber lassen wir die Betreiber selbst sprechen:
In der Schweiz finden am 21. Oktober die Parlamentswahlen statt. Die österreichische Plattform WAHLGELD.COM bietet jedem Schweizer Stimmbürger einen garantierten Mindestpreis von 50 Sfr. pro Wahlstimme. Die so erworbenen Wahlstimmen werden in einer Auktion an den Bestbietenden weiterverkauft.
Mit dem Stimmenhandel werden Zwischenhändler (Verbände, Werbeagenturen) ausgeschalten (cutting out the middleman). Ein Teil der geschätzten Sfr. 100 Mio. Wahlkampffinanzierung geht damit direkt an die Bürger. WAHLGELD.COM hebt die Stimmbeteiligung an, Stimmwillige erhalten Geld für ihre Wahlstimme und Parteien gelangen günstiger zu den dringend benötigten Wahlstimmen. Alle Transaktionen laufen via Internet, SMS/MMS, über ein anonymes Postfach und über ein schweizerisches Nummernkonto.
WAHLGELD.COM bietet Parteien, Interessengruppen, Politikern sowie zahlungskräftigen Schweizern und Ausländern die Möglichkeit, Wahlstimmen en bloc (pro Kanton) in einer Auktion zu erwerben. Durch diese Direktvermittlung von Wahlstimmen werden Konkordanzdemokratie und Freier Markt optimal verschmolzen.
Die Ware Wahlstimme soll zu einem fairen Marktpreis gehandelt werden. WAHLGELD.COM bietet einen "service public" für unmotivierte Wähler. Eine wichtige Zielgruppe sind Pensionisten, für die das aktuelle Geld im "Kässeli" wichtiger ist als langfristige Einflussnahme, sowie Jungstimmbürger, die aufgrund ihrer Unerfahrenheit mehr die Qual als die Wahl haben und sich daher in vielen Fällen den Nichtwählern anschließen.
Tja, so schaut's aus - ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Schweizer Verfassungsschutz oder eine ähnliche Institution derartige Manipulationsversuche weniger unterhaltsam findet. Allerdings kann ich in keinster Weise einschätzen, ob sich's um eine gut gefakte Inszenierung oder um einen realen Marktplatz handelt: letztendlich ist das aber gar nicht der entscheidende Punkt. Trotzdem bin ich gespannt, wie's mit der medialen Berichterstattung über wahlgeld.com weitergeht.
Das Schweizmagazin findet die Aktion peinlich:
Ein paar wenige Stimmenverkäufer erklärten sich bereit, ihren Wahlschein gegen 50 CHF dieser dubiosen Aktion zu überlassen. Ob es sich hierbei um Drogenabhängige gehandelt hat die Geld für einen "Schuss" brauchten oder Alkoholiker die die 50 CHF in Alkohol umgesetzt haben, darüber kann nur spekuliert werden.
Paxx vermutet einen Hoax:
So, dieses Fundstück ist entweder ein gut gemachte Satire - oder schlechte Realsatire. Ich tendiere zwar auf ersteres, aber so oder so ist die Sache eigentlich nur Werbung für unsere Sache.
Und Rebell.tv fühlt sich genauso gut unterhalten wie ich:
genial. endlich investiert der gewinngeile markt in direkte demokratie. ein witziges projekt.
Wundert mich aber dennoch, dass die ganze Aktion nicht mehr Rauschen im Blätterwäldchen erzeugt hat.