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Artikel-Schlagworte: „Schnittstelle“

Coded Cultures: Binationales .at/.jp Festival im Mai

coded culture 2009Man kann nicht dauernd nur arbeiten - zwischendurch muss man schließlich auch mal reflektieren, wie und warum man arbeitet. Prokrastination per se ist nämlich weder Schlüssel zum Erfolg noch zur Zufriedenheit. Die spannendsten Medienprojekte sind an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft, Unterhaltung und Kunst angesiedelt, und mit diesem Job-Biotop beschäftigt sich das Festival Coded Culture von 27. bis 31. Mai in Wien und von 14. bis 18. Oktober in Yokohama.

Österreich fungiert als Gastgeber für das mehrtägige Symposium, in Japan wird die zugehörige Ausstellung präsentiert. Die binationale Veranstaltung findet im Rahmen des offiziellen "Österreich-Japan Jahres 2009" statt, das ausgerufen wurde, um 140 Jahre diplomatische Beziehungen (ich wusste gar nicht, dass unsere Kontakte zum Reich der aufgehenden Sonne so jung sind) zu zelebrieren.

Veranstaltet wird die Exploration der kreativ-kommerziellen Sphäre von der Gruppen 5uper.net:

Im Mittelpunkt steht eine neue Generation von Medien- und Entwurfskulturen und deren kreative Praktiken. Vielfältige Szenen und Projekte, die unter Zuhilfenahme von elektronischen Medien neue Anwendungsbereiche schaffen, werden vernetzt und für Außenstehende zugänglich gemacht. [...] Eine noch nie dagewesene Anzahl japanischer KünstlerInnnen, KuratorenInnen und WissenschaftlerInnen wird in Wien ihre Erfahrungen und ihr Wissen im Rahmen des Symposiums (28. – 31. Mai) und der Ausstellung (27. Mai – 07. Juni) von Coded Cultures mit KollegInnen aus Österreich, Europa und einem interessiertem Publikum austauschen. Um die kulturellen Beziehungen beider Länder zu intensivieren, sind schon im Vorfeld des Festivals zwei Künstler und ein Wissenschaftler als Artist in Residence bzw. Professor in Residence in Wien anwesend.

2004 fand die Premiere des Festivals statt, damals noch unter dem Titel "Decoding Digital Cultures". Der Schwerpunkt des im Wiener Museumsquartiers angesiedelten Vereins liegt auf der teilnehmenden Erforschung neuer Medien und auf der didaktischen Aufbereitung der Ergebnisse, die diesjährigen vier Themenbereiche tragen so buzzige Namen wie Designing Complexity, Assembling Things, Expanding Locality und Creating Proto-Culture:

5uper.net besteht aus ProduzentInnen die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine erforschen, existierende Medienkanäle optimieren sowie neue Kommunikations-, Distributions- und Diskursformen entwickeln. Seit 2003 vermittelt die Gruppe in Form von Ausstellungen, Workshops und Symposien die Themenbereiche, die sich im Umfeld von Medienkunst und den Hybridbereichen zwischen Kunst und Technologie bewegen.

Weitere Infos über die Aktivität von 5uper.net gibt's im Newsfeed, persönlich trifft man die Proponenten am besten beim sonntäglichen MedienKunstCafe. Hier der genaue Terminplan:

Pressekonferenz: 27.05. 2009, 10.30 Uhr, Freiraum / quartier21 – MQ
Eröffnung: 27.05. 2009, 19.00 Uhr, Freiraum / quartier21 – MQ
Ausstellung: 28.05. – 07.06. 2009, Freiraum / quartier21 – MQ
Symposium und Präsentationen: 28.05. – 31.05. 2009, MUMOK – MQ
Abschlussveranstaltung und Party: 31.05. 2009, 20.00 Uhr, Hofstallungen – MQ

Mit einem Blog Geld verdienen? Blöde Idee!

bankier Mit einem Blog Geld verdienen? Blöde Idee!Die überwiegende Mehrheit meiner (virtuellen) Bekannten, die mir eine Frage zum Thema Blogging stellen, wollen wissen, wie man am besten mit einem Weblog Geld verdient. Nun, die Antwort ist bestechend simpel: am besten gar nicht. Nein, wirklich: Blogs sind keine Cash Cows. Ich kann das guten Gewissens sagen, denn ich hab alles Mögliche ausprobiert. Aber das ist mir auch ziemlich egal - natürlich freu ich mich über jeden Leser und Kommentar, aber ich würde hier auch weiterschreiben, wenn kein Mensch mehr meine Artikel liest.

Glauben Sie mir: wirtschaftlich gesehen ist der Betrieb eines Blogs eine ziemlich dämliche Idee, denn das Businessmodell skaliert langfristig so gut wie gar nicht. Irgendwann ist die Traffic-Decke in der Nische erreicht, und beliebig viele Blogs kann man auch nicht betreiben. Schließlich erfordert die dauernde Posterei hohen Zeiteinsatz, doch dem stehen magere Einkünfte entgegen: da und dort mal eine trigami-Rezension, für die Mutigen vielleicht ein paar vermietete Links plus spärliche Klicks auf die PPC-Werbemittel - mit Postings ist der Weg zum Geldspeicher definitiv nicht gepflastert.

Umwegrentabilität dagegen ist zweifellos ein Thema: als Ein-Mann-Unternehmen generiere ich über mein Blog Werbung, Aufmerksamkeit, Medienpräsenz und damit letztendlich auch Leads - und tue genau das, was mir am meisten Spaß macht. Zweifellos mag die Verzahnung von Bloggen und Jobben in meinem Fall besonders eng sein, schließlich berate ich meine Kunden zum Thema Webstrategie. Trotz bin ich überzeugt davon, dass ein Weblog für jedes B2C-Unternehmen einen idealen Kommunikationskanal darstellt - aber ein Blog als monetären Selbstzweck zu betreiben, macht einfach keinen Sinn.

Klar, ich verdiene mittlerweile einen vierstelligen Betrag pro Monat direkt mit datenschmutz und meinen anderen Blogs. In Relation zu der Zeit, die ich dafür aufwende, ist der Stundenlohn im Vergleich zu meinen übrigen Jobs trotzdem bestenfalls lächerlich - als Kellner könnte ich finanziell besser aussteigen, aber Getränke rumzutragen macht mir halt höchstens einen Abend lang Spaß: beim Bloggen verhält sich das aber ganz diametral. Als ich mit datenschmutz begonnen habe war's ein reines Spaßprojekt, und die Lust am Experiment an der Schnittstelle zwischen Geschreibsel und Technik hat bis dato für mich nix von ihrer Faszination verloren. Als ich vor über 10 Jahren begonnen habe, mich mit SEO zu beschäftigen, geschah dies ebenso aus purem Spieltrieb - ich verschwendete damals keinen Gedanken daran, jemals Geld mit der Positionierung von Webseiten zu verdienen. Als wir in den Neunzigern unsere ersten Web-Communities (medianexus.net) bauten, da dachten wir nicht an Bannerschaltungen, sondern hatten plötzlich ein neues Lieblings-Hobby gefunden. Aufgrund dieser immer wiederkehrenden Erfahrung, dass alle meine erfolgreichen Projekte aus der Beschäftigung mit Dingen, die ich sehr gern tue, entstanden sind, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass der wahre Wert eines Blogs nicht in Werbeeinnahmen aufzuwiegen ist. :mrgreen:

Blogistan Panoptikum KW35 2008

kanzlomat Blogistan Panoptikum KW35 2008240 Siedler leben im europäischen Internet, die größte Zuwachsrate hat derzeit Russland, gefolgt von Frankreich. Mehr über die aktuelle Vermessung europäischer Online durch Comscore weiß Gis. Pete rät der ÖVP zu einer Reise nach Alaska, Hannes stellt Hochzeitsringe für IT Freaks vor, Xsara hat Loki als neuen SEO-Kunden gewonnen und Max ruft zur Do-it-yourself Statistik in punkto Wahlplakat-Dichte auf: jeder ist aufgerufen, eigene Fotos auf wp08.at hochzuladen, folgende Idee steckt dahinter:

Lasst uns gemeinsam eine Landkarte der Wahlplakate zur Nationalratswahl in Österreich erstellen! Welche Partei plakatiert wo? Wie viele Plakate gibt es in Österreich? Wo gibt es die witzigsten Kombinationen?

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Was ist Life Streaming?

lifestreaming 1218225835 Was ist Life Streaming? Ein neuer Begriff macht die Runde in der Blogosphäre: Life Streaming lautet das Zauberwort, das alle anderen personal publishing Formate in den breiten Hintern treten soll, Blogs inklusive. Die technische Grundlage bilden - wie könnte es anders sein - RSS Feeds und diverse offene Schnittstellen, die eine Aggregation aller möglichen Web 2.0 Aktivitäten erlauben: nach Eingabe des Usernamens basteln solche Services aus sämtlichen eigenen Tweets, FlickR-Uploads, Blogbeiträgen etc. einen einzigen mehr oder weniger gigantischen Feed, dessen Einzelbeiträge zu allem Überfluss manchmal auch noch kommentierbar sind.

Die Frage "Wer hat den längsten?" könnte also im 2. Nullerweb durchaus wieder an Relevanz gewinnen, gäbe es nicht das Endlos-Scrolling Feature von Soup.io. Was bei aller Life-Streaming Begeisterung in der Regel aber meist vergessen wird, sind die lästigen menschlichen User... Stalker freuen sich andererseits sehr über das automatisierte Auskunftsbüro: denn bei soviel automatischer Aggregation übersieht man schon mal geflissentlich das eine oder andere Mosaiksteinchen der sonst so sorgfältigen Selbstinszenierung. Richtig spannend wird das also dann, wenn's endlich die ersten Web 2.0 Porno-Communities gibt.
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A1: Innovationen von draußen reinlassen

idays1 A1: Innovationen von draußen reinlassenWenn man schon (freiwillig?) dem allgemeinen iPhone-Hype entsagt, dann bleibt umso mehr Energie für die Schlacht an anderen Innovations-Fronten: denen widmet die mobilkom eine neue Seite, die als zentraler Hub für die Anbindung der freien Entwicklerszene fungieren soll. Hier werden also Spezifikationen zu offenen APIs publiziert und Programmierer, die mit Instant Messaging und SIP auf Mobiltelefonen herumspielen wollen, werden hier geholfen.

Um die Motivation der Teilnehmer zu steigern, koppelt A1 die Aktion an ein Gewinnspiel:

Kreative Köpfe werden nun aufgerufen, im Rahmen der A1 InnovationDays vom 29. August bis 1. September 2008 ihre Ideen zu verwirklichen und mit den Prototypen attraktive Preise zu gewinnen. Die Einreichphase für die Ideen startet am 3. Juli 2008.

Angeregt wurde die Idee nicht zuletzt durch die Policy großer Plattformen wie Facebook: anstatt die eigenen Schnittstellen zu hüten wie der Teufel seinen Schwefeltopf, entschied man sich fürs Crowdsourcing. Daraus entstanden eine Menge beliebter Games und Mash-Ups, und genau das ich auch die Idee der A1 Innovations Plattform:

Als Voraussetzung für die Teilnahme an den A1 InnovationDays genügen Kundenverständnis, Programmierkenntnisse und eine Portion Kreativität. Damit lassen sich verschiedene Dienste wie Sprachtelefonie, Text-Messaging und Video miteinander kombinieren bzw. mit zusätzlichen Elementen wie etwa Location-Informationen sinnvoll ergänzen. "Wir bieten Technologiebausteine, die ganz einfach zu bedienen sind. Damit wollen wir die freie Entwickler-Szene in Österreich aktiv fördern und ein Umfeld schaffen, in dem sie eigene Ideen verwirklichen können", beschreibt Dr. Hannes Ametsreiter, Vorstand Marketing, Vertrieb und Customer Services bei mobilkom austria und Vorstand Marketing und Customer Services, Telekom Austria TA, die Ziele der A1 InnovationDays.

Am 3. Juli begann die Einreichphase, bis zum 15. August werden noch Ideen gesammelt, am 1. September gibt A1 die Gewinner bekannt. Nett daran: es geht keineswegs darum, eine fertige Software hochzuladen, sondern lediglich um das Skizzieren einer Idee. Über die eingereichten Konzepte stimmen alle registrieren A1 UserInnen ab - die derzeitige Top-Idee, das Wearable SIP Videophone, liegt derzeit bei 179 stimmen: wer also eine gute Idee und viele Social Media Freunde hat, könnte durchaus noch den Hauptpreis abstauben.

idays2 A1: Innovationen von draußen reinlassen

Einzelne Projekte können dabei sowohl von Einzelpersonen als auch Teams bearbeitet werden und können während der gesamten Laufzeit durchstöbert und kommentiert werden: potentielle SIP-Jongleure finden dabei sicherlich die eine oder andere Anregung für eigene Service Sketches.

YiGGSense: Teile (und beherrsche Dich)

yigglogo YiGGSense: Teile (und beherrsche Dich)Seit kurzem teilt das deutschsprachige Social News Portal Yigg.de seine Werbeerlöse mit den UserInnen und folgt damit dem Beispiel des Infopirat, der gemäß seinem Slogan "Deine Bookmarks - Dein Gewinn" schon lange die Beute mit der Mannschaft teilt. Um zukünftig Online-Millionär zu werden, benötigt man in beiden Fällen ein Google AdSense Konto. Nach erfolgter Anmeldung wird hinkünftig ein Teil der Klick-Einnahmen auf den eingestellten News den jeweiligen AutorInnen gutgeschrieben.

Yigg verwendet dazu die offizielle Google AdSense Shared Schnittstelle:

Das funktioniert so: Ihr stellt auf YiGG Artikel und Beiträge ein, in deren Umfeld wir Google Textanzeigen schalten. Einen Teil der Einnahmen, die wir mit diesen Anzeigen verdienen, geben wir an Euch weiter - im YiGG Shared AdSense Programm. Damit sind wir die erste deutschsprachige Website, die die offizielle Google Shared AdSense Schnittstelle nutzt. Wir haben einen intensiven Zertifizierungsprozess durchlaufen, bis wir schließlich von Google das "Go" bekommen haben.

In der Testphase von Juli bis August gibt Yigg sogar die vollständigen Einnahmen der betreffenden Werbeblöcke an die fleißigen NewseinstellerInnen weiter:

In der Einzelansicht einer Nachricht gibt es drei Anzeigenblöcke. Von Juli bis August 2008 gibt YiGG einhundert Prozent (100%) der Einnahmen, die wir aus dem Google AdSense Anzeigenblock auf Einzelansichten von Nachrichten und Spekulationen erzeugen, an die jeweiligen Einsteller der Nachrichten weiter. Die Einnahmen aus den anderen beiden Anzeigenblöcken auf dieser Seite, sowie alle anderen Anzeigenblöcke auf der Site sind von diesem Programm ausgenommen.

Genaue Details zu den Teilnahmebedingungen verraten die FAQs - interessant sind die ersten statistischen Ergebnisse:

Nach vorher durchschnittlich 450 neuen Nachrichten pro Tag wurden gestern 1.000 Nachrichten in die Warteschlange eingestellt. Innerhalb weniger Stunden habt Ihr also über 100% mehr Nachrichten eingestellt als bisher. Das ist super! Damit haben wir bei weitem nicht gerechnet - und wir haben uns sehr darüber gefreut!

Millionär ist allerdings bis zum Wochenende noch niemand geworden, wenn man den ersten Reaktionen der Blogosphäre Glauben schenken darf; aber das kann sich ja noch ändern: hier geht's zur Anmeldung.

Immer Ärger mit den privaten Nachrichten

Zugleich sorgt die neue News-Ankündigungsfunktion von Yigg für erhitzte Diskussionen, denn was ein nützliches Feature sein könnte, wird derzeit leidenschaftlich missbraucht über-verwendet, wie auch Ric feststellt. Ich persönlich fühl mich da insofern relativ wenig gestört, weil ich meinen Mailfilter ganz gut unter Kontrolle hab... die Yigg-PMs gehen seit vorgestern in den Ordner mit sinnlosen Notifications á la Facebook. Einige fordern allerdings vehement die Abschaffung der Mail-an-alle-Freunde Funktion.

Eines dürfte jedenfalls klar sein: E-Mails werden als wesentlich "intrusiver" empfunden als Feeds - vielleicht wär's gar keine so schlechte Idee, mittelfristig derartige Ankündigungen á la Facebook via Feeds darzustellen, und die E-Mail-Funktion als Option anzubieten.

Myspace folgt dem Trend zur Feed-isierung

datenschnittstelle Myspace folgt dem Trend zur Feed isierungNein, ist keineswegs ein Schreibfehler und soll auch nicht Fadisierung heißen, obwohl man im Falle der nix-wissenden Müllhalde myspace durchwegs auf diese Idee kommen könnte. Vielleicht ist Feedisierung auch nicht ganz der treffende Begriff, Rupert Murdochs Musikantenspielplatz, trotz all seiner Schwächen nach wie vor quantitativ Social Network #1*, spricht von Data Availability. Dabei geht's keineswegs um eine neue Homeland-Security Abteilung, sondern um die Möglichkeiten, die eigenen Myspace-Profildaten hinkünftig mit anderen Social Services wie Twitter, Photobucket etc. zu synchronisieren.

Facebook war mit seiner teil-offenen API bislang bekanntlich äußerst erfolgreich - in Zukunft soll auch myspace-Usern die Mehrfach-Eingabe von Daten bzw. der doppelt gemoppelte Upload von Fotos, Videos erspart bleiben. Auch die Freundeslisten lassen sich sharen - und zwar nicht bloß einmalig, sondern in Realtime: Änderungen am einen Datenbestand sollten auch beim jeweiligen Partner durchgeführt werden. Mit an Bord sind vorerst Yahoo, eBay, Photobucket und Twitter, zukünftig soll die Schnittstelle allen interessierten Partnern zur Verfügung stehen.

Martin Weigert hat einen sehr gelungenen Kommentar verfasst, seinem Fazit kann ich mich nur anschließen:

Die Idee der Portabilität seiner Profildaten von einem "Mutternetzwerk" aus ist trotz der dadurch entstehenden Kontrolle eines einzigen Anbieters über die Informationen ein willkommener Schritt. Ich kann aber nicht leugnen, dass ich diesen lieber von Facebook als von Myspace gesehen hätte. Während Facebook-Anwender in der Regel exakte Personendaten angeben und sich von ihrer "echten" Seite zeigen, nutzen die meisten Myspace-Mitglieder Spitznamen und stellen sich häufig in subkulturell geprägten (Wunsch-)Kontexten dar. Welchen Mehrwert eine Synchronisation dieser Informationen mit einem eBay- oder Yahoo-Account haben soll, ist mir zum aktuellen Zeitpunkt nicht klar.

Wird auch Konkurrent Facebook DA nutzen? Most unlikely. Bloß zwei Tage, nachdem die Welt von Myspace'ns Vorpreschen erfuhr, kündigte der Konkurrent eine neue Schnittstelle namens Facebook Connect an, die genau das gleiche tun wird - als erster Partner ist, wie Techcrunch zuerst und dann das Facebook Developper Blog heute berichteten, Digg mit an Bord. Wird also wohl nix mit OpenID auf breiter Basis, und auch Google scheint langsam aber sicher zu unflexibel und behäbig zu werden, um OpenSocial anständig in die Gänge zu bringen. Facebook hat den riesigen Vorteil, dass sich dort zurzeit in erster Linie echte Personen rumtreiben - was auf mittelfristige Sicht die Chance, zur primären Identitäts-Verwaltungs-Infrastruktur zu werden, gravierend erhöht. Ich seh das genauso wie Martin:

Ging es bisher hauptsächlich darum, innerhalb eines mehr oder weniger abgeschlossenen Raumes mit anderen Menschen zu kommunizieren, so sind Myspace, Facebook und Google (bzw. OpenSocial-Partner) dabei, diese Räume zu öffnen, so dass Personen ihre Kommunikation auch andernorts fortführen können. Das Motiv dabei ist klar: Wer jetzt nicht mitzieht, hat später keine Chance mehr, selbst zum "Mutternetzwerk" zu werden. Dieser Status ist aber (für die großen Player) notwendig, um Mitglieder langfristig an sich zu binden und eine bestmögliche Ausgangsposition für die Monetarisierung des Social Webs zu haben.

Weitere spannenden Überlegungen zum Thema Valorisierung von Identitäten und Kampf um die Vorherrschaft als Netz-Meldeamt hat Marcel Weiss zusammengefasst:

Wie auch immer Facebook oder jedes andere Social Network die Informationen über die Identität der Nutzer einsetzt, das soziale Layer, das Social Networks über das Netz, bzw. ihren Teil des Netzes legen, liegt nach wie vor brach. Diese Informationen warten darauf, im gesamten Netz zum Einsatz zu kommen.

Ein genauer Startzeitpunkt ist weder für Myspace Data Availability noch für Facebook Connect bekannt. Allerdings kann man Gift drauf nehmen, dass beide Entwicklerteams auf höchsten Koffeinlevel eingestellt sind im Rat Race um den virtuellen Besitz unserer Identitäten. Ach ja: datenschmutz nimmt keine Wetten an. Ich geh davon aus, dass Facebook gewinnt.



*) Der Frage, wie viele Profile echt, wie viele Fake und wie viele der Zweiteren von Menschen bzw. Skripten angelegt wurden, sollte man im Rahmen dieser Statistik freilich nicht nachgehen.