Der erste Kontakt mit den Arkoniden, die Suche nach der Superintelligenz ES, der Kampf gegen die Meister der Insel, die mehrfachen Invasionen der Milchstraße durch Maahks, Laren, Überschwere und andere exotische Außerirdische, der Aufstieg der SOL, Perrys Naupaum-Odysee - und dann noch Sporenschiffe, Materiequellen und -senken, das Fernraumschiff Basis, die Posbis, "Old Man", Bardioc... der "Erbe des Universums" hat mich jahrelang begleitet. Aber eigentlich geht's in diesem Beitrag gar nicht um das Perry Rhodan Universum, sondern um Werbung aus den 70er Jahren - Ungeduldige scrollen gleich nach unten.
Wer Heftromanserien generell für Schund hält, hat natürlich recht, doch die Science-Fiction Ausnahme bestätigt die Regel und ich möchte bloß anmerken: meine Damen, meine Herrn, Perry Rhodan ist der längste Roman der Welt, halten wir momentan doch bei Band Nr. 2531. Das macht 48,6 Jahren oder knapp 160.000 Seiten. Im Gegensatz zu John Sinclair, Jerry Cotton und Co. sind PR-Romane nämlich keine abgeschlossenen Hefte: die Handlung geht immer weiter und ist grob in 2-Jahres Substories á 100 Hefte (sogenannte "Zyklen") unterteilt. Als ich seinerzeit aktives Mitglied der Fancommunity war, mussten Leserbriefe noch zu Fuß verfasst werden, mittlerweile hat Perry auch einen Wohnsitz im Internet und kommt auf Wunsch sogar aufs iPhone.
Das Autorenteam, dem einige der begabtesten SF-Schreiber des deutschen Sprachraums angehören, verstand es von Beginn, aktuelle politische Entwicklungen in die Serie einfließen zu lassen, immer vor dem Hintergrund eines tolerant-liberalen Menschen- respektive Alien-Bildes. Die letzten Wochen haben ich interessehalber mal wieder rein gelesen: derzeit schlagen sich Perry und Konsorten gerade mit den Verwüstungen, die die "terminale Kolonne" in der Milchstraße hinterlassen hat, herum: Parallelen zur Post-WTC-Situation drängen sich unmittelbar auf. (Wir schreiben derzeit das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, das entspricht anno domini 5050. Die Sache mit der Hauptpersonen-Lebensdauer haben die Autoren übrigens mit einem dramaturgischen Kniff gelöst: Perry und einige andere Hauptpersonen tragen Zellaktivatoren, die praktischerweise die natürlich Zellalterung verhindern.)
Grund für dieses Posting ist freilich nicht die aktuelle Handlung, sondern ein Heft aus den 70ern: der Tag, an dem ich im Alter von 10 oder 11 beim Versteckspielen im Hof eine fast komplette Rhodan-Sammlung von Band 150 bis 900 fand, war wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Das Interesse meiner Spielkameraden an den seltsamen Heften hielt sich zwar in engen Grenzen, aber sie halfen mir, den Container in Rekordzeit leerzuräumen. Mittlerweile sind die Hefte längst wieder am Altpapier gelandet, aber Nr. 505 "Im Schwarm gefangen" habe ich letztens beim Aufräumen gefunden:
Soeben habe ich im Fernsehen (auch beim Essen müssen parallel Medien konsumiert werden) die neue Werbung den Kia Ceee'd (so oder ähnlich schreibt man den) gesehen. Kompetent, die koreanische Autobaukunst zu beurteilen, fühle ich nun wirklich nicht, aber eines steht fest: von Zeitreisen haben die keine Ahnung. Und kommt so:
Anscheinend bietet Kia für besagtes Wägelchen eine 7jährige Garantie (auch ob mit oder ohne Fußnoten steht hier nicht zur Diskussion). Für dieses wurde, ich sehe die Verzweiflung in den Augen der Werber, wohl ein visuelles Testimonial gefunden werden. Man sieht den Testdriver, wie er einen Tunnel entlangfährt, um schließlich in eine Art Energiefeld bzw. Zeit-Tor hineinzufahren, zu verschwinden und auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Dazu sieht man auf einem Bildschirm die Worten "Seven Year Jump Complete":
Also bitte: warum sollte ein Auto (oder ein Terminator oder ein Stück Baumkuchen) bei einer Zeitreise um genau den übersprungenen Zeitraum altern? (Oder jünger werden, falls man in die andere Richtung reist.) Jeder Science-Fiction Leser weiß, dass für das reisende Objekt bzw. die Passagiere die Eigenzeit gilt - wie hätte H.G. Wells' neugieriger Wissenschaftler denn sonst jemals mehrere tausend Jahre vorwärts bis zu den Morlocks reisen sollen? Hätte Kia recht, denn könnten der unsterblichen Perry Rhodan und seine Zellaktivator-Freunde als einzige längere Zeitsprünge unternehmen - absurd!
Um sieben Jahre gealtert sein müssten dagegen im Kia-Spot die beobachtenden Techniker. Mit anderen Worten: dieser Spot beweist gar nix! Außer, dass die Koreaner eine völlig wertlose Zeitmaschine gebaut haben.
Der großartige überklang podcast feiert am 22. Juni seine 50. Sendung - und die ist niemand geringerem gewidmet als "unserem ewigsten Lieblingsschriftsteller Philip K. Dick", wie Sendungsmacher Dr. Nachtstrom schreibt. Schriftstellerkollege Stanislaw Lem stand ja schon mal im Zentrum einer Sendung - außerdem liegt die Verbindung von Science Fiction und elektronischer Musik ja wirklich nicht sehr fern.
Die Sendung selbst bleibt allerdings nicht das einzige Präsent: zeitgleich erscheint am 22. Juni der erste bruit-Labelsampler. Zum Launch des netlabels der Brandner-Brothers hab ich vor einiger Zeit ein Interview geführt, inzwischen weist der Katalog bereits ein recht umfangreiches Portfolio auf. Auf dem erwähnten Sampler werden sich 19 KünstlerInnen, von Pita bis Karlheinz Essl, dem Phänomen Dick nähern, dessen Geschichten als Inspirationsquelle der Musik fungierten. Ich bin schon sehr gespannt auf das Album - sobald ich reingehört hab, folgt die Review.
Philip K. Dick neben Stanislaw Lem als einen der Väter der modernen Science Fiction zu bezeichnen, stellt keine Übertreibung dar: in der Tat dürfte es weitaus schwieriger fallen, einen SF-Film der letzten 20 Jahr zu finden, der in keinster Weise vom komplexen Gedankengut dieses Autors zumindest inspiriert ist. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen steht bei Dick nie die Technologie im Fokus der Story. Der Amerikaner, Zeit seines Lebens reichlich versorgt mit Drogen *und* psychischen Problemen (hell of a combination), interessierte sich herzlich wenig für die Faszination der Raumfahrt: seine Dramen, Mini-Epen und Short Stories sind kluge, detailreich gezeichnete Psychogramme seiner Hauptdarsteller. In der Differenz zu außerirdischen Rassen, zu unbegreiflichen Handlungsmustern geht Dick der alten Frage nach "Was ist der Mensch?" Hoffen dürfen seine Protagonisten im allgemeinen nämlich recht wenig: Blade Runner, dank der Verfilmung wohl Dicks bekannteste Short Story, stellt konsequent die Frage nach Identität(skonstruktion) - leider bemerkt Harrison Ford nur im Directors Cut ganz am Ende, dass er selbst, der Androidenjäger, ein künstlicher Mensch ist - und flieht mit Rachel.
Drogen als Differenz-Kriterium, als Nullsummenspiel der sozialen Identität, steht auch im Zentrum des Romans "A Scanner Darkly" (deutsch: Der dunkle Schirm), der vor zwei Jahren von Richard Linklater verfilmt wurde. Der Mischung aus Realfilm und Animationstechnik gelingt es besser als den meisten Hollywood-Umsetzungen, die zugleich skurrile und hyperrealistische Welt des Autors einzufangen, ohne an erzählerischer Komplexität zu verlieren. Viele von Dicks Kurzgeschichten erschienen in amerikanischen SF-Periodika, ein großer Teil des Oeuvres findet sich derzeit nicht im Handel - ein akribischer Blick bei 2nd Hand Händler lohnt allemal.
Spezialtipp für Wiener Dick Fans: Die Wiener Stadtbücherei betreibt eine Filiale im 22. Bezirks, nahe der Erzherzog-Karl-Straße. Dort gibt's eine 70er-Jahre Hardcover-Ausgabe von Dicks Kurzgeschichten in, wenn ich mich recht entsinne, 20 Bänden. Und darin finden sich zahlreiche Stories, die sonst nirgends erhältlich sind: der lange Weg nach Transdanubien lohnt sich also allemal!
Die schlauesten Bücher, die besten Platten, die fettesten Gadgets. Behauptet die Tagline des frisch aufgesperrten datenschmutz Shops. Ja, ich gehe unter die Greißler um die Ecke und präsentiere in insgesamt 11 Kategorien meine persönlichen Favorites - vorerst powered by Amazon, möglicherweise werde ich zukünftig weitere Shops integrieren. Gesurft wird dabei innerhalb eines iframes, erst beim dicken Ende - nämlich dem Bezahlvorgang - öffnet sich ein neues Fenster mit dem Amazon-Warenkorb.
Zusammengestellt habe ich eine Auswahl meiner Lieblings-Bücher, Musik und Gadgets. Erstere sind sortiert nach generellen Empfehlungen, medienwissenschaftlicher Literatur, Science Fiction und Blogging-Büchern. ("Heast, I kriag des Biachl ned auf!"). Zweitere unterteilen sich in die Genres Hip Hop, Techno und Drumandbass. Und bei den Gadgets geht's um Digitalfotografie, Küchen-Stuff und Werkzeug.
Selbstverständlich sind die Preise dieselben wie bei Amazon, aber ich bekomme 5 Prozent Provision in Form von Amazon Geschenkgutscheinen: wer also auf der Suche nach lesenswerten Texten, hörenswerten Beats und benutzenswerten Werkzeugen ist und dieses Blog ein wenig unterstützen will, tue sich keinen Zwang an: auf zum Kaufrausch!
| 6. Januar 2008 | ||
| 20:00 | bis | 23:00 |
monochrom macht's möglich: mit einem besinnlichen Screening des legendären Klassikers "Aktion Mutante" beendet die Wiener Künstlergruppe die Feiertage. Morgen Abend werden Alexander Nikolic und Stefan Lutschinger im QDK-Veranstaltungsraum (im Museumsquartier Wien) einleitende Worte finden, anschließend steht kollektives Filmerlebnis am Programm - anders als im Kino allerdings bei freiem Eintritt.
Das Screening findet also am Heiligen Dreikönigstag im Rahmen der monochrom'schen Projektionen statt und bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe "Rote Weihnachten" (21. Dezember 2007 - 6. Jänner 2008) von und mit Alexander Nikolic und Stefan Lutschinger, die während der Feiertage in Berlin und Wien abgehalten wurde.
Wer Aktion Mutante noch nie gesehen hat, sollte sich diese Gelegenheit keinesfalls entgehen lassen. Die krude Mischung aus politischer Utopie, Science Fiction und Slasher-Fantasy wurde auf zahlreichen Festivals mit Preisen überhäuft. Regisseur Alex de la Iglesia lässt im Jahr 2012 die "Mutanten" Krieg das Establishment führen:
Die einzigen Übriggebliebenen, die sich im Jahre 2012 dem allgegenwärtigen Schönheitsdiktat und Konsumzwang entgegenstellen, sind die Angehörigen der "Aktion Mutante", einer militanten Organisation aus Missgebildeten und Behinderten, die sich gegen die Upper Class der Schönen und Reichen auflehnt. Unmittelbar nachdem ihr geliebter Anführer Ramón ("ein Mann, der in der Lage ist, die Widersprüche des Systems aufzuzeigen") aus dem Knast entlassen wird, ruft das teuflische Hirn der Gruppe zu neuen Aktionen auf.
Mehr Background gibt's bei Johannes auf fm4 - ich würd meinen, das ist ein durchaus passender Rahmen: sozusagen von der Punschseeligkeit zurück in die blutige fantasievolle Realität...
Das letzte Panoptikum des Jahres - 52 mal zurückblicken reicht, es wird endlich Zeit für 2009! Oder war's 2008? Egal... die Technologie schreitet ohnehin so rasend voran, dass man die einzelnen Jahre quasi erst im Nachhinein auseinander halten kann. Die erste Dekade des neuen Milleniums wird bald vorüber gewesen sein, und noch immer keine Spur von schwebenden Autos und/oder Zeitreisen. Aber das wird schon noch, zumindest in ersten Massive Multiplayer Science Fiction Game: wär doch mal eine nette Abwechslung zu den dauernden Fantasy-Szenarien.
Daher mögen an dieser Stelle bewegte Bilder sprechen... zwei Elegien auf ein ereignisreiches Jahr. Werden und Vergehen, einmal eher langsam, einmal eher rasch. Aber derlei Attribute liegen bekanntlich ohnehin bloß im und am Beobachter.
Wie weiland Fritz Lang in Metropolis den Plastiksackerl Leben einhauchte, so verfährt MindPie mit unserer süßen Lieblingsabkühlung für die heißeren Tage. Vanitasangst und die essentielle Leere der Existenz auf den poetisch-visuellen Punkt gebracht, sozusagen - ein würdiges letztes Video der Woche für das Jahr 2007 - n'joy.
Wenn Linzer sich nicht lumpen lassen, dann sorgen 12.000 Schweizerkracher für ordentlich Rums. [via Max]
In diesem Sinne wünsche ich produktive Vorbereitungen für einen dramaturgisch gelungenen Sylvesterabend, egal ob mit oder ohne Eis und Schweizerkracher.
Über bruit, das Netz Label von Gert Brantner und Dr. Nachstrom, habe ich an dieser Stelle schon mehrmals berichtet. Seit 11.11. steht der aktuelle Release des Neuzugangs Herwig Holzmann: die Literatur meines polnischen Science-Fiction Heroes Stanislaw Lem (herzliche Grüße an Ijon Tichy und Trurl!) fungierte als Inspirationsquelle für das Album Lem..
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Auf Englisch könnt ich jetzt schreiben: "I'm very excited about our new projects in the pipeline", aber in Tschörmänn klingt "Ich bin sehr aufgeregt über unsere neuen Projekte in der Ölleitung" eigenartig - aber wie auch immer: da kommt einiges in den nächsten Wochen und Monaten... Genaueres kann ich derzeit noch nicht verraten, aber ein paar kryptische Anmerkungen sollen an dieser Stelle dennoch folgen.
Gestern haben Bernd und ich unseren Antrag für die Lifestyle Advertising Förderung eingereicht - was wir vorhaben, ist für nicht ganz Innenstehende mit Sicherheit schwierig nachzuvollziehen, aber jedenfalls sitzt Mario Sixtus in der Jury, dem dürfte gleich mal klar sein, was wir vorhaben... ich rechne ja nicht ernsthaft damit, dass ein Geldregen über uns ausgeschüttet wird, aber es würde den Bau unserer Plattform, die wir ohnehin launchen werden, doch gravierend beschleunigen. Momentan herrscht ja eine recht erhitztes Diskussionsklima zum Thema "Web 2.0 Werbeformen" - ich denk, uns sind da ein paar auf gut Wienerisch "Schmähs" eingefallen, die in dieser Kombination hohen Novitätswert haben. Naja, mal gucken.
Wenn sich die schreckliche Streitmacht der Blogpiraten mit Blögger auf ein Packerl haut, dann erzittert deutsch-Blogistan, idealerweise vor lauter Vorfreude. Yup, wir haben da was in der Schublade, immerhin haben uns die Deutschen Blogcharts durchaus auf den Geschmack gebracht. Mehr in Bewegtbild, Word und XML voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, vielleicht gibt's aber auch schon im Dezember eine Sneak Preview - datenschmutz LeserInnen erfahren's garantiert als erste. Und Wissen belastet Abonnentinnen natürlich auch.
Yes, I know, das klingt alles ein wenig nebulös, aber gute Dramaturgien leben ja bekanntlich davon, dass man nicht genau weiß, was als nächstes passiert. Jedenfalls wollt ich an dieser Stelle mal ganz offiziell was loswerden: thx an alle die konspirativ-kooperativen BloggerInnen da draußen. Nach vielen Semestern FT- und Uni-Unterricht und wiederholtem Theoretisieren über Netzkultur und Online-Kollaboration bin ich immer noch schlichtweg böse geflasht (wie wir Hip Hopper sagen) von einer ganzen Reihe extrem erfreulicher und produktiver Online-Bekanntschaften. You know who you are, let's take this shit to the next level!
In diesem Sinne hier die aktuelle Folge des Elektrischen Reporters: Boing-Boinger Cory Doctorow spricht über Science Fiction, Netzkultur, Privatsphäre und Blogmonetarisierung. Schönes Zitat:
I think that it (Kritik an Blogwerbung) focusses on the wrong aspect of what makes blogging distinctive. The thing that makes blogging distinctive isn't its non-commerciality, but the way that influences the subject matters of a blog.
Full akk, Captain D.!
"Schönen" Lesestoff zum Wochenende hat mir Lynx von der q/uintessenz geschickt: da wäre erstmal eine fantastische Reportage von Cory Doctorov: Google Fiction: Evil dangerous surveillance control entwirft ein Szenario, das demnächst Realität werden könnte. Denn Die Screenings, denen jede zweibeinige Kohlenwasserstoffanhäufung bei Ein- oder Ausreise in den USA über sich ergehen lassen muss, ließe sich nämlich beträchtlich verfeinern, so man die bekannten Daten übers Google-Suchverhalten heranzieht. Und dann könnte man ja überall Public Webcams aufstellen... Sindn die Daten erstmal gesammelt, wecken sie sofort alle möglichen Begehrlichkeiten.
Cory, der begnadete Schreiberling, entwirft ein dichtes und beängstigendes Szenario, dem leider verdammt wenig Science Fiction Nimbus anhaftet - fiktiv eher mit ck und ie, sozusagen:
Greg felt like he was going to throw up. "How the hell did this happen? Google was a good place. 'Don't be evil,' right?" That was the corporate motto, and for Greg, it had been a huge part of why he'd taken his computer science Ph.D. from Stanford directly to Mountain View.
Maya replied with a hard-edged laugh. "Don't be evil? Come on, Greg. Our lobbying group is that same bunch of crypto-fascists that tried to Swift-Boat Kerry. We popped our evil cherry a long time ago."
Nach der Lektüre des ebenso unterhaltsamen wie informativen 4-teiligen semi-fiktiven Berichts bleibt mehr als ein schaler Geschmack zurück - und man fragt sich unweigerlich, ob man nicht schnellstens die eigene Gmail-Box den digitalen Orkus runterjagen sollten... natürlich ist Google als SEO-Spielweise unverzichtbarer Sparring-Partner beim Thema Ranking: aber ob man seine gesamte Kommunikation und möglicherweise auch noch wichtige Online-Docs innerhalb einer einzigen, ziemlich unkontrollierbaren Hand sehen möchte, bleibt bei allem Fatalismus dann letztendlich doch eine Frage, die individuell zu entscheiden ist.
Thematisch gut passend: ein Feature im Wired Mag mit dem selbsterklärenden Titel U.S. Airport Screeners are watching what you read von Ryan Singel. Das Department of Homeland Security wird immer "kreativer": präventiv wird beobachtet und gespeichert, welche Bücher Passagiere auf Flughäfen lesen: also bloß keine Bücher mit "Bombe" im Titel einpacken - immer safe im Zweifelsfall, aber halt auch ein richtig schlechtes Buch, das man keineswegs gelesen haben muss: Catcher in the Rye.
Auch keine Realsatire, sondern bittere Abstimmungsrealität: der US Senat spricht sich mit einer Abstimmungsdifferenz von vier Votes gegen Habeas Corpus aus [via Slashdot]:
Khyber notes that yesterday a vote in the US Senate fell four votes short of what was needed to restore habeas corpus - the fundamental right of individuals to challenge government detention. Article 4 of the US Constitution states that habeas corpus shall not be suspended unless in cases of rebellion and invasion when the public safety may require it.
Naja, so direkt erleben wollt ich die düsteren Science-Fiction Szenarien aus den Romanen meiner Jugend dann auch wieder nicht... Teile des Genres muss man wohl rückblickend umbenennen von "Science Fiction" zu "Future Prediction".
Dekan Maurer wird dieser Tage heftiges Spottobjekt verschiedener Blogger, aber das hat er sich nun in der Tat ganz allein zuzuschreiben. Kollege Rafelsberger zieht zum Vergleich einen meiner Lieblingsautoren heran:
Einwerfen möchte ich nur, dass uns Herr Maurer auch im Rahmen der Triple-I aufgefallen ist, nämlich als jemand, der den Spagat zwischen Wissenschaftler und Philip K. Dick einfach nicht hinbekommt.
Dunkel erinnere ich mich an eigene Verwunderung über die immer wiederkehrende Behauptung, der Grazer Informatiker habe "Hypertext erfunden"... Smi findet auch, dass Aufhören vor der totalen Posse manchmal eine ernsthafter zu überlegende Exit-Strategy wäre. Der Preis für den besten Realsatire-Beitrag geht meiner Meinung eindeutig an Helge:
Richtig abstrus wird es, wenn er die jährlichen Aprilscherze aus Mountain View für bare Münze nimmt und allen Ernstes gegen Gmail Paper und Google TiSP ("Toilet Internet Services Provider") zu Felde zieht. Die Firma P1 Privat GmbH bezeichnet er dabei als Googles Partner in der Umsetzung von Gmail Paper, diese ist aber lediglich Sieger im Markenrechtsstreit um gmail.de und damit Gegner, nicht Partner. Maurer, der immer wieder moniert, dass zur Recherche nur noch Google und Wikipedia herangezogen würden, schafft offenbar nicht einmal das.
Der Text des Anstoßes unterbietet in punkto Sachkenntnis und Recherchequalität in der Tat locker viele Blogbeiträge, wobei der Wissenschaftler anscheinend ganz gerne über die mangelnde Seriosität Blogistans herzieht. Die Science Fiction Erzählung der Xperten-Bände sind mir nie untergekommen, obwohl ich weiter Teile meiner frühen Jugend mit dem Studium dieser unterschätzten Literaturgattung verbracht habe
Doch so sehr die eigenartige Ungenauigkeit Anlass zur Kritik geben mag, mit seiner prinzipiellen Stoßrichtung trifft Maurer imho schon einige der vielen Kerne des Pudels: gegen die datenschutzrechtlichen Bedenken, die bei Googles Monopolstellung auftreten, sind die seinerzeitigen M$-Internet-Explorer Diskussionen, die letztlich zum Kartellrechtsprozess führten, ein Lercherlschaas. (für die deutschen Leser: der Darmwind eines Waldvogels, österr. Synonym für diminuierende Bedeutungslosigkeit.)
Wenn Winde sich als darmgeboren erweisen, so darf man ihre Dokumenteure wohl zu Recht als "Chronisten der Blähungen" bezeichnen. Eines vorweg: die neue Doku von DoRo über Austropop kommt daher wie eine "Sendung ohne Namen" für ganz, ganz Arme.
Einen Ansprucht scheint die filmische Aufarbeitung dieses großen Mißverständnisses Austropop jedoch konsequent verfolgen wollen, so man die Auftaktsendung als paradigmatisch für den weiteren Verlauf der Saga annehmen darf: den auf Vollständigkeit nämlich. Da wird wirklich keine Wuchtel ausgelassen, schon in der ersten Sendung durfte das Dikum vom Austropopsch genau so ungewzungen fallen wie jeder andere ausgelutschte Stehsatz auch. Einmal mehr erfuhr das Land vom Staatsfunk, dass "Der Hofer" Kulminationspunkt und der Woiferl Drehscheibe der Szene war; wäre nicht die Stürmer Christl ein paarmal zu Wort gekommen, hätte man "Austropop - Weltberühmt in Österreich" doch glatt problemlos für einen Re-Run alter Maulkorb-Beiträge halten können.
Vielleicht dürfen sie sich ja alle noch präsentieren, die Wipeouts, die Angina Ps, die Dkays, Stereotys, Cutex'es, Waxos, Nives, Indigos, Dubblestandarts und alle die anderen Sportfreunde dieses Landes. Aber ehrlich gesagt stehen die Chancen schlecht dafür. DoRo wär's ja ohne weiteres zuzutrauen, dass sie von Peter Kruder wissen wollen, wo im Austropop er denn seine genau Instrumentaltracks verortet und ob österreichische Musik ohne Dialektgesang denn auch im Ausland als solche erkennbar sei. Immerhin wird der journalistische Filter hier zur Zwangsvorstellung, werden Bronner und Qualtinger als die Geburtshelfer des Austropop bemüht und alles was nicht passt, wird halt passend gemacht.
Haben wir diese Befriedigung auch "dabei" zu sein im Popbusiness denn wirklich so nötig, dass unsere altvorderen Heroen alle 10 Jahre wieder auf die Peepshow-Drehbühne stellen müssen? Die Herren und Damen haben großartige Leistungen vollbracht - und sie müssen sich auch gar nicht rechtfertigen oder einer Genrefizierung, die schon allein an den Economies of Scale dieses kleinen Landes scheitert, das Wort reden. Wenn im österreichischen Micro-Pop-Biothop Diversifizierung an Boden gewinnt, geschieht das offensichtlich immer noch nicht dank, sondern trotz der Fernsehberichterstattung.
Insofern belegt das Corpus Delicti eindrucksvoll, dass vielleicht nicht die Pop-Szene, ganz gewiss aber die Popgeschichtsschreibung in Österreich im argen liegt: wenn jegliche potentielle Weiterentwicklung so konsequent verschwiegen wird, dann hat der Wannabe-Star ja gar keine Chance, zum glorriosen Finale die Massenmedien heiß und innig zu küssen. Falls Musiker hierzulande in den Sonnenuntergang reiten, dann tun sie das gemeinhin, um Landesgrenzen zu überschreiten. Insofern ist natürlich der Untertitel "Weltberühmt in Österreich" eine bodenlose Frechheit, eine bornierte Herabwürdigung jedes kontemporären Kunstschaffens, ein mittelmäßig verkleidetes Schlechtreden in bester österreichischer Nörglertradition. Der Humor macht hier sowieso Ferien, da helfen auch keine am Ende alibimäßig angehängten 5-Ster-Grissemann-Minuten, die im Kontext dieser zwangsfixierten Doku ohnehin deplaziert wirken.
Die inhärente Problematik der DoRo Kopfgeburt Austropop breitet Blumenau auf fm4 aus, netzonfire hat gestern abend auch bloss krampfhafte Historisierungsversuche gesehen. Dem schließ ich mich gerne an.
Die Kolumne. Das Special. Der verspätete Jahresbeginn 2005. Oder: Dem Bösen in Gestalt des Bären gewähren wir selten längere Audienzen. Oder: Tausende Links auf füllige Experten, dennoch regiert das Fernsehen.
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Aus der Rubrik Sätze, die sich so niemand denkt: "Ein Rubik's Cube müsste man sein!" Nun ja, an Halloween ist alles Denkbare möglich - auf jeden Fall fasziniert die perfekte Geometrie dieses nicht gerade windkanaltauglichen Kostüms.
Etwas mehr Gänsehaut gefällig? Einer der berühmtesten und nach Meinung dieses Blogschreibers der verschreckendste aller Horrorfilme geht auf das Konto des großartigen Alfred Hitchcock. Ich war mir ja nie so ganz sicher, ob sich's bei "Die Vögel" nicht doch um eine Doku handelt - im neuen Jahrtausend jedenfalls wird der Krieg der gefiederten "Freunde" auf milkandcookies Realität: vorerst glücklicherweise nur untereinander: Eule vs. "annoying little birds". Wer sich vor Vögeln dennoch nicht so recht ängstigen mag, dem bringen vielleicht Christen Bachs animierte Spinnen das Fürchten bei - der mindestens pädagogisch wertvolle Clip hat alles: Spannung, Horror, Sex, Rockmusik, Comedy - und dauert doch nur fünf Minuten.
Und hier die ultimativ passende Deko für alle Star Wars Fans, die sich der dunklen Seite der Macht verschrieben haben: behold the Imperial Pumpkin.
Und ansonsten wünsch ich ein geruhsames Allerheiligen/Allerseelen-Wochenende!