Jedes Jahr eine erneute Enttäuschung: kein Krampustreiben in Wien! Dafür bloß "überteuerter Glühwein auf überfüllten Weihnachtsmärkten" (=Klischeesatz der vorjährigen Wintersaison), ausbleibendes Schneetreiben und erbitterte Jagd auf originelle Geschenke. Möchten Sie dem ganzen Wahn entfliehen, dann lehnen Sie sich entspannt zurück: datenschmutz und Linzerschnitte blicken garantiert nicht auf den 24, sondern sieben Tage zurück - denn trotz der fallenden Außentemperaturen brodelt die Blogosphäre wie eh und je.
Social Media Anleitungen für Firmen und Brands kursieren in großer Zahl, in den meisten Fällen ist's schade um die vergeudete Lesezeit. Wer sich theoretische Abhandlungen sparen will und eine leicht verständliche Anleitung sucht, dem sei Jesse Stays Gastbeitrag auf Techipedia ans Herz gelegt: "How to create the perfect Facebook Fan Page" erklärt alle wichtigen Schritte von der Erstellung eines Custom-Tabs über die optimale Logo-Größe bis hin zu SEO-Überlegungen. Lesen und umsetzen, denn wie Jesse völlig richtig schreibt:
As you can see, a Facebook Page is a powerful tool that you can use to enhance and strengthen your brand naturally using the tools Facebook provides. Be sure to leverage this tool, customize it, and make it work to get your brand in front of as many people and their friends as possible.
Jesse, Gründer und CEO von Socialtoo.com, hat übrigens eine hervorragende Einführung für alle geschrieben, die sich näher mit den Untiefen der Facebook-Programmierung beschäftigen möchten: FBML Essentials
Wer zuviel twittert, chattet, mailt etc. kann krank werden. Klingt wie der übliche Kulturpessimismus wohlmeinender Eltern aus Zeiten des Fernsehen-Hypes: "Du kriegst noch ganz eckige Augen".
Götz Mundle, Psychotherapeut und Spezialist im Fachgebiet der Psychosomatik wird in der Jänner-Ausgabe von "Psychologie heute" aber erklären, was genau er damit meint. Manche Menschen, so Mundle, stürzten sich in das
"mediale Dauerfeuer, um persönliche Probleme zu verdrängen. Statt auf ihre innere Stimme und Warnsignale ihres Körpers zu hören, betäuben sie sich mit Müll aus dem Internet. Wer es als quälend empfindet, offline zu sein, und wem es nicht gelingt, einen Tag in der Woche komplett ohne diese Medien auszukommen, hat ein handfestes Problem.
Besagtes mediales Dauerfeuer erhöhe außerdem die Produktion der Stresshormone Kortisol und Adrenalin, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit leiden." Mundle: "Langfristig kann ein Burn-out-Syndrom die Folge sein."
Nun ja, Mediziner und ihre Warnungen sind eine Sache. Bevor aber die gesamte Social Media Branche wegen Digital Burn Out in einer Psychomatik-Spezialklinik landet und die Krankenkassen noch mehr in den Ruin treibt, empfehlen wir (uns) für heute: Auch offline ist es hin und wieder ganz nett & Gute Nacht (nachdem Sie beim Fertiglesen des Panoptikums noch reichlich Kortisol ausgeschüttet haben).
Anm. von datenschmutz: Ich kontere mit der Gegenthese: "Wer zu wenig oder gar nicht twittert, chattet, mailt etc. kann krank werden." Widerleg das, Mundle! Oder, wie Mundl gesagt hätte: "Mei Twitta is ned deppat!"
Online-Umfragen sind immer so eine Sache: selbst wenn es heißt, es nahm "eine repräsentative Stichprobe von über 1.000 Internetnutzern teil" muss man im Zweifelsfall davon ausgehen, dass die Daten über irgendwelche Popup-Layer gesammelt wurden und eher arbiträr als signifikant sind. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage, die Scout24 gemeinsam mit Innofact durchgeführt hat, dass - oh Überraschung - mobiles Internet längst kein Exotendasein mehr fristet: jeder zweite Nutzer war schon mal mit seinem Handy online, jeder vierte nutzt häufig mobile Services:
Mit 60 Prozent Nutzung und 29 Prozent intensiver Nutzung sind Männer die Vorreiter beim mobilen Internet. Die mobilen Surfer interessieren sich zu 71 Prozent stark für Nachrichten, 59 Prozent zählen Navigationstools zu ihren beliebtesten mobilen Services. 51 Prozent erfreuen sich an Mobile Shopping.
Knapp 70 Prozent der befragten Online-Nutzer würden für mobile Applications extra zahlen, sofern der angebotene Dienst ihnen einen persönlichen Mehrwert bringt.
Vor einigen Tagen war ich gezwungen, auf dem PC meines Vaters zu arbeiten. 13''-Röhrenmonitor, gefühlte 500 MB Arbeitsspeicher, Internet Explorer, keine Flash Updates etc. Und: Ich brauchte ein Bildbearbeitungsprogramm. Nicht einmal Standardsoftware war zu finden, von dem mir vertrauten Photoshop ganz zu schweigen.
Da wagte ich den Versuch und googlte nach einem Online-Bildbearbeitungsprogramm. Ich wählte das erstbeste namens Picnik und war begeistert. Fotos skalieren, zuschneiden und grundsätzliche Bildbearbeitungstechniken ohne sich registrieren zu müssen, Bilder in verschiedenen Formaten und Qualitäten abspeichern, großartige Usability (kein Nachlesen erforderlich) und noch zusätzliche Tipps und Erklärungen. Wer sich registriert, kann seine Fotos außerdem automatisch bei FlickR, Facebook usw. uploaden. Das Service wird mittlerweile in Deutsch angeboten, für $24,90 pro Jahr ist auch eine Premiumversion erhältlich, die unter anderem Layers unterstützt. Wem Photoshop immer schon zu viele und zu komplizierte Funktionen hatte und außerdem zu teuer war, der wird in der Cloud glücklicher.
Weil auf die USA fokussierte Terroristen natürlich die Warenwirtschaft ihres kapitalistischen Erzfeindes nicht auch noch unterstützen wollen, kaufen sie die Bauteile für ihre Bomben vorzugsweise in Europa. Also lassen die netten Politiker ihre Freunde von der Homeland Security natürlich in die Konten blicken - wenn auch seit neuestem nur für 6 Monate:
Deutschland, Österreich und Ungarn machten demnach durch ihre Enthaltung den Weg frei.
Den Kritikern des Abkommens ist es gelungen, die Laufzeit von ursprünglich zwölf auf neun Monate herunterzuhandeln. Allerdings bleibt das EU-Parlament unberücksichtigt - und zwar nur einen Tag vor Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags, der den Volksvertretern ein Mitspracherecht in Sicherheitsfragen gibt.
Die Detailregelungen des Abkommens sind ein Hammer und verdienen es, an dieser Stelle näher beleuchtet zu werden (Swift-Volltext):
Das US-Finanzministerium kann, dem neuen Abkommen zufolge, nicht einfach die Daten abholen, sondern muss einen möglichst genau definierten Antrag stellen. Wenn der angesprochene Finanzdienstleister nicht in der Lage ist, den angeforderten Datensatz eindeutig zu identifizieren, muss er eine größere Datenmenge an die für die Kooperation mit den USA verantwortliche nationale Polizeibehörde übermitteln, die sie dann an die USA weitergibt. Die Verwendung der Daten ist explizit auf Terrorfahndung beschränkt. Außerdem dürfen die Daten nicht zum automatisierten Profiling sowie im Rahmen von Data-Mining-Aktionen verwendet werden. Daten, die sich als nutzlos für die Fahnder herausstellen, müssen spätestens acht Monate nach deren Überprüfung gelöscht werden. Ein Richtervorbehalt bei den Anfragen ist nicht vorgesehen.
Unglaublicherweise stellt diese Situation allerdings sogar ein "Verbesserung" gegenüber dem Status von vor 2006 dar, als US-Behörden ohne jegliche rechtliche Grundlagen massenhaft Finanzdaten auswerteten. Dass sich .at, .de und .ch ihrer Stimmen enthielten, lieferte der Opposition einiges an Munition, bleibt aber unverständlich - ebenso wie der Kommentar der österreichischen Innenministerin:
Maria Fekter (ÖVP) bezeichnete das Interimsabkommen in einer Mitteilung vom Montag als "unbefriedigend". Sie habe sich daher der Stimme enthalten.
Wow - wirklich eine beruhigende Haltung der Regierung in Sachen Europapolitik! Wenn uns irgendwas nicht passt, dann sagen wir - nix.
Ist Social Media aus wirtschaftlicher Sicht nur eine weitere Blase an überzogenen Erwartungen und Goldgräbertum, wie Community TV in den 90ern, Multitext in den 2000ern und nahezu alles, was mit Interaktion und Medien zu tun hat? Manches weist darauf hin:
Firmen, auf deren nichtige Eigenwerbung man sich im Social Web gerne verzichten könnte, ernennen sich plötzlich zur Social Media Agentur und sprechen von Mehrwert - und man fragt sich: Wenn sie selbst im Social Web keinen Mehrwert bieten, wie wollen sie diesen ihren Kunden vermitteln? Social Media Berater, deren Schlüsselqualifikation es ist, einen Twitteraccount mit mehr als 500 Followern und Grundkenntnisse von Wordpress zu haben, vermehren sich wie Schweingrippeviren. Und jeder Round Table oder XY-Tag beinhaltet Social Media Slots, wo mit heißer Luft nicht gegeizt wird.
Letztendlich gibt es ihn aber, den ROI von Social Media. Und wer weniger in Kampagnen denkt, sondern daran, Digital Relations aufzubauen, wird ihn früher oder später selbst erleben. Hier einige Beispiele dafür:
Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, folgerichtig werfen die Suchmaschinenbetreiber ihre Statistikbots an - aus den aktuellen Hitparaden lässt sich so mancher Trend ablesen. Dass kommerzielle Angebote zum Thema Fortpflanzung an Relevanz verloren hätten, möge aber keinesfalls voreilig gefolgert werden: XXX-Suchworte filtern die Betreiber bedauerlicherweise aus. Dass die einen nicht unbeträchtlichen Teil des Gesamtvolumens ausmachen, legt eine aktueller Untersuchung des schwedischen World Internet Institute nahe:
Men det är inte bara unga män som sexsurfar, även bland kvinnor är det nu 7% som uppger att de besöker sidor med sexuellt innehåll.
Sexsurfar... hehe. 7% wär in der Tat nicht so wenig... die offizielle Hitparade wird indes in Deutschland von Megan Fox angeführt, während die Österreicher am häufigsten nach "Wien", "Youtube" und "Österreich" (wtf?) suchten. Dass URL-Suchbegriffe wie "ebay" oder "gmx" ebenfalls stark in den Top 10 vertreten sind, hat übrigens mit der Direkt-Weiterleitungsfunktion aktueller Browser zu tun, allerdings zählt ein solcher Aufruf eben auch als Suchvorgang.
Bei Yahoo dagegen bleibt's weiterhin schwül, windig und orientierungslos: die Top Begriffe lauten Wetter, Routenplaner, Wikipedia (sic!), Telefonbuch, Horoskop und Erotik. Wer die Schweinegrippe überstanden, für seinen Opel die Abwrackprämie kassiert, einen Apfelkuchen verspeist und anschließend mit Monica Lierhaus und Lady Gaga beim Echo 2009 einen "Sturm der Liebe" entfachte, lag komplett im Plansoll.
ReadWriteWeb hat mit der Veröffentlichung der "traditionellen" Best-Of Listen begonnen. Dass in den "Top Mobile Web Products" ausschließlich Android- und iPhone-Apps vertreten sind, mag auf einen gewissen redaktionellen Bias schließen lassen (und dass die Top-10-Semantic-Apps Liste überhaupt gefüllt werden konnte, verwundert), aber im Beitrag über die Top 10 RSS & Syndication Technologies of 2009 habe ich ein interessantes Service gefunden:
Echo, from JS-Kit is a reverse syndication service for distributed social media conversations. It brings back tweets and other mentions to the page they refer to. The service is growing fast and becoming more sophisticated every week. New features come so fast and furious that it's overwhelming but the end result is an experience that brings the dispersed social web back together again.
Grundsätzlich nichts, das nicht andere Plugins auch leisten könnten - die Twitter-Kommentare importiere ich schon längere Zeit via Backtype. Allerdings beherrscht Echo auch noch Unified Login und synchronisiert alle Importe mit dem WP-eigenen Kommentarsystem. Werd ich mir demnächst mal näher ansehen, immerhin bin ich ein großer Fan von Premium Services und Echo kostet $48 pro Jahr. In diese Kategorie fällt auch Fever, der Feedreader für Geeks: es handelt sich nicht um lokale Software, sondern um eine am eigenen Webserver gehostete mobile-taugliche Software. Mit $30 ein günstiges Weihnachtsgeschenk für alle, die keine Steckdosen für neue Hardware-Gadgets mehr frei haben.
Gerade mal 12 Jahre alt ist dieser äußerst talentierte Schlagzeuger - die Rhythmus- und Tempi-Wechsel in diesem Solo sind unglaublich - muss man gehört und gesehen haben! (Gefunden in Karola Rieglers Facebook Feed):
Einmal noch, okay? Dann mach ich wieder mal eine Pause mit Katzencontent. Aber dieses eine Mal muss noch sein....
Und damit sind wir auch schon wieder am Ende der Rückschau und somit in der Gegenwart angekommen - wir hoffen, Sie hatten einen sanften Flug und freuen uns, Sie bald wieder an Bord des Blogistan Panoptikums begrüßen zu dürfen. Bitte geben Sie aus Sicherheitsgründen einen Kommentar ab, bevor Sie diesen Beitrag verlassen. Linzerschnitte und datenschmutz wünschen einen geruhsamen Restsonntag und einen beachtlichen Start in die kommende Woche; wir lesen uns am Montag!
Wäre dieser Zug ein Flugzeug, hätte ich schon längst von einer hübschen Stewardess Erfrischungen serviert bekommen und den Landeanflug hinter mir. Als zweitklassiger Fahr"gast" der ÖBB dagegen darf man von sauberen Waggons und funktionierenden Klima-Anlagen, Toiletten und anderen Unwichtigkeiten nur träumen. Doch sogar in der ersten Klasse musste ich mich heute von einer überschminkten, sehr altersungemäß gekleideten und drei Plätze weiter weg sitzenden "Mitreisenden" für mein mobiles Telefonieren rügen lassen: "Ich fahre ja nicht mit der ersten Klasse, um Ihnen zuzuhören!" Sie sagte das dermaßen unfreundlich, dass ich nicht umhin konnte zu fragen, ob sie denn wirklich glaube, dass die ÖBB in die 1.-Klasse-Waggons Moving Repeater einbaut, um zugleich den Reisenden das Telefonieren zu verbieten. "Stil kann man nicht kaufen", erklärte sie mir beleidigt. Tja, blöd gelaufen: wer Ruhe beim Reisen haben will, braucht eben mindestens ein Motorrad oder ein Auto - Still kann man nämlich sehr wohl kaufen! (Falls Sie das hier lesen: die kurzen roten Haare passen wirklich überhaupt nicht zu Ihrer biestigen Art! Eine graue Melone, wie sie die Mutter von Jack in 30 Rock trägt, wäre viel angebrachter.) Aber genug der Real-Life-Flamewars, auch virtuell heben sich allerhand Zeige- und Mittelfinger - also ohne weitere Verzögerung auf zum heiteren Social-Web-Raten mit Linzerschnitte und datenschmutz. Heute zum ersten Mal mit dabei: unsere neue Fix-Rubrik "Pflichtlektüre der Woche". Viel Vergnügen mit dem Panoptikum!
Om Maliks plädiert in The Evolution of Blogging für mehr Sensibilität beim Thema fremd- vs. selbstkontrolliertes Publishing: wer seine gesamte Online-Präsenz in die Hände von Dienstanbietern gibt, auf deren Entwicklung und Strategie er keinerlei Einfluss hat, kann eines Tages mit einem blauen Auge respektive ohne diese Inhalte aufwachen. Om zitiert das aktuelle Beispiel des Short-URL Services tr.im:
First was the shutdown drama around a little-known URL-shortening service called Tr.im. While it's since been resurrected, the incident showed me how by championing these URL-shortening services, we’re essentially putting the entire link economy in the hands of companies that are skating on thin ice during the peak of summer.
Facebook, Friendfeed, Twitter und Co. haben gezeigt, so Malik, dass ein verstärktes Interesse an Echtzeit-Kommunikation besteht. Blog-Publishing System wie WordPress bleiben dank ihrer Offenheit flexibel genug, um etwa eine Life-Feed Funktionalität via Plugin rasch nachzurüsten. Content war im Web 1.0 schon King, und daran hat sich rein gar nix geändert: aber die Frage lautet, ob die Produzenten die Publikation und Verbreitung ihrer Inhalte selbst kontrollieren. Social Media Services sind keine Charity-Veranstaltungen, sondern profit-orientierte Unternehmen - die Versprechen des Free-Web scheinen so verführerisch wie weiland Odysseus' Sirenen, aber: wer die Daten kontrolliert, hält in der Informationsgesellschaft die Fäden der Macht in seiner Hand. Social Media Services sind mittlerweile zwar unverzichtbare "Extensions" der eigenen Webpräsenz, das "Mutterschiff Weblog" können und sollten sie keinesfalls ersetzen - in exakt diese Kerbe schlägt auch das Webworker-Posting Your blog is your mothership.
Wer als Twitter-Marketer etwas auf sich hält, der überlässt nichts dem Zufall. Twitterpsych, die neue Twitter-App von Dan Zarella, analysiert die letzten 1000 Tweets eines Tweepers anhand zweier linguistischer Analyse-Alogorithmen (RID und LIWC). Unter anderem werden folgenden Komponenten erhoben: Soziales Verhalten, Moralischer Imperativ und auch der Faktor "Ruhm". Ebenso wird analysiert, wie viele Smilies der User verwendet, worüber er hauptsächlich spricht, zu welcher Zeit usw. Außerdem werden gleichgesinnte User angezeigt. Und das ohne Passwort-Eingabe. Also das ultiamtive Psycho-Analyse-Intstrument für alle Marketiere. Leider oder glücklicherweise funktioniert Tweetpsych nur bei englischsprachigen Accounts in vollem Umfang: tweetpsych.com
Über Shoemoneys Beitrag mit dem vielversprechenden Titel How I used Twitthis to Get Over 15,000 Twitter Followers bin ich auf ein sehr interessantes Services gestoßen: TwitThis verbindet auf smarte Weise ReTweet-Funktionen mit Follower-Empfehlungen, Link-Shortening und Credit-Systeme. Klingt kompliziert? Nur für die Betreiber, das Interface für User wurde angenehm simpel gehalten. Genial:
Click the twitthis button you see on sites – according to Yahoo! the button is on over 10 million sites now including some HEAVY hitters like official government websites like texas.gov and oklahoma.gov as well as the new twilight movie. Everywhere you see a page where the twitthis button is (or in a feed) that you find interesting click it and tweet it! Also when you do tweet it you will be offered to follow a suggested user. If you do both of these things you gain points and increase the chance that you will be suggested for people to follow.
Wenn ich nicht schon PrettyLink Pro als eigenen URL-Shortener im Einsatz hätte, würde ich jeden meiner Links über TwitThis rausschicken, denn:
I want to be a suggested user. How do I earn TwitPoints?
- Submit a URL to TwitThis and earn 5 TwitPoints.
- Follow a suggested user and earn 10 TwitPoints
How are my TwitPoints used?
- Each time someone follows you, it costs you 1 TwitPoint.
- Every 1000 times you are the suggested user, it costs you 1 TwitPoint.
- To keep the ecosystem fresh, users are taxed 10% of their TwitPoints daily.
Watson, ich meine: wir haben es hier mit einer Twitter-Train 2.0 zu tun! Der deutsche Sprachraumbleibt natürlich wie üblich außen vor, wer auf Englisch twittert, kann sich aber schon mal auf massiv viele Followers freuen. Im Shoemoney-Beitrag wird auch en detail beschrieben, wie man TwitThis via Feedburners Feedflare in den RSS-Feed integriert - unbedingt empfehlenswert!
Ähnlich nervtötend wie ein Versicherungsvertreter am Telefon ist der Online Reputation Manager im Web. Hinter jedem Satz vermutet er einen möglichen, lebenslänglichen Ausschlußgrund für zukünftige Jobs oder Lebenspartner und am liebsten würden die Online Reputation Manager uns genauso glattgestrickt und todlangweilig dastehen lassen, wie sie selbst sind. Trotz aller Vorbehalte gegen diese Zunft: Manchen Mensche täte es vielleicht nicht schlecht, einen solchen zu kontaktieren. Da wären zum Beispiel Agenturen, die sich mit ihrer Social Media Kompetenz rühmen und dann im Web 2.0 über die Inhouse-Kampagnen ihrer Kunden herziehen, an denen sie selbst nicht mitschneiden dürfen. Bei jener Dame namens Tracy wurden letzte Woche wohl einige Online Reputation Manager vorstellig. Tracy hat wohl ihre Facebook Wall mit den Private Messages verwechselte - und zwar ausgerechnet bei einer sehr intimen Botschaft:
Thank you too, Micheal, I had a great time as well. I'm glad you enjoyed my OTHER puss ;). I must admit I haven't had sex in a while, so getting mounted by such a strong and powerful man was a pleasant surprise after so many long months of abstinence. [...]
Keine Ahnung, ob es Fake oder Real ist. Aber selbst in diesem Fall sollte ein Online Reputation Manager nicht unbedingt von Nöten ist. Eher ist die Großzügigkeit der Leser dieser Botschaft gefragt, die sich selbst an der Nase nehmen und das Lästern mal sein lassen sollten. Sich einfach mal mit und für Tracy (oder den erfolgreichen Social Media Aktivitäten des Kunden) freuen und schon wird es im Social Web wieder ein bisschen lustiger.
Just in: Angeblich handelte es sich um einen Hack, wie The Coffee Desk berichtet:
So there's a Facebook screenshot floating around in the Blogosphere depicting a woman with a very embarrassing status, as Mashable naively reports. Truth is, a Christian dating website was compromised by 4chan hackers and they used the information to take over the victims’ Facebook pages.
Faszinierend: bereits die ersten paar Kommentare zur Mashable-Story stellen die "Ente" richtig - da können papierene Medienprodukte einfach nicht mithalten!
Zu viele Social Media Notifications sind der Tod der Produktivität - ich habe letzte Woche (notgedrungen) meinen Desktop neu aufgesetzt (akuter System-Disk Tod, Ursache: unbekannt) und peinlichst genau darauf geachtet, dass der Start-Up Folder leer bleibt. Wenn man Skype, Twitter und Co. nur on demand nutzt und die Ablenkungen minimiert, dann geht einfach mehr weiter, hat Jeremy kürzlich im Flieger festgestellt:
So this week I am going to whack all the notifiers... Now I am not going to go all 4-hour work week and only check my email 2x a day but I for sure need to cut back on the 0-second notifications.
It’s an amazing world we live in where communication happens so fast but it can be hard to be productive.
Corporate Tweeper stehen unter ständiger Beobachtung: sie dürfen nicht zuviel und nicht zuwenig twittern, sie sollen Follower aufbauen und auch zurückfolgen, aber ja niemanden "belästigen" und auf jeden Fall sollen sie Dialogbereitschaft und Mehrwert bieten. Wie die Realität aussieht, hat eine deutsche Agentur untersucht. Fazit:
- Nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) weist über 1000 Abonnenten (Follower) aus.
- Der Follower-Durchschnitt liegt bei 661 Abonnenten (Median: 400 Follower).
- Im Schnitt twittern die Unternehmen 13 Mal pro Woche.
- 67 Prozent der Corporate-Tweets enthalten Links, in der Regel in Form einer Kurz-URL.
- Nur 33 Prozent der Unternehmen verwenden @Relplies, kommunizieren also direkt mit anderen Twitterern.
Downloadlink zur Studie.
Zugegeben: auf Deutsch klingt "Umpf" etwas seltsam. Aber längerfristig macht die Entscheidung von Dewald, nicht bloß auf Twitter zu setzen, hochgradig Sinn. In wenigen Monaten entwickelte sich Tweetlater zum Platzhirsch unter den Premium-Mash-Ups; ich bin gespannt, welche neuen Ideen Dewald im Ärmel stecken hat:
To date we have been focusing on providing productivity solutions for Twitter users. We decided to change our name to allow for future expansion into other social media solutions, and to ensure that our brand does not conflict with any current or future legal rights of the Twitter organization.
To allay any speculation, we want to make clear that this is an unsolicited, proactive and preemptive action on our side.
Für Free- und Pro-User ändert sich außer der Adresse nichts; die alten Affiliate-Links werden ebenfalls weiterhin funktionieren, allerdings empfiehlt Dewald, in allen Links "Tweetlater" durch "Socialoomph" zu ersetzen.
Nein, Judith hat mich noch nicht (völlig) mit Katzencontent infiziert. Aber recubejims "Katzenklo" aka I'm all right, honest besticht nicht nur inhaltlich, sondern auch fotografisch:

A failed attempt: in diesem Video sehen wir das, was Piloten als "riskante Landung" bezeichnen. Allerdings handelt es sich glücklicherweise um einen ferngesteuerten Flieger, der - im Gegensatz zur Kamera - den Tauchgang unbeschadet überstand. Bei solchen Videos krieg ich immer immense Lust, mir einen RC-Heli mit Kamera zuzulegen...
http://www.vimeo.com/6187842Nicht jede/r kann den Bullen so graziös und aufreizend reiten wie Kylie Minouge. Nicht grazil, nicht sexy - aber wesentlich lustiger:
Und das waren auch schon wieder sieben Tage Social Media im Schnelldurchlauf - an dieser Stelle noch eine Anmerkung in eigener Sache: in den letzten Wochen gab es erfreulich viel Feedback zu unserem Blogistan-Panoptikum: Kommentare, Anmerkungen, Ergänzungen, Lob und Hasstiraden motivieren uns natürlich ungemein. Lassen Sie sich also durch nichts - aber auch wirklich gar nichts - davon abhalten, reichlich Gebrauch von der Kommentarfunktion zu machen: quasi "Comment as much as you can"! Sagen Sie uns, über welche Themen Sie gerne mehr/weniger lesen würden, erzählen Sie uns, wie Sie nach sechs Monaten Panoptikum-Dauerlektüre quasi über Nacht zum Social Media Officer Ihres Unternehmens wurden oder auch nicht: wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen! In diesem Sinne: danke für Ihre Aufmerksamkeit, schönen Restsonntag und: wir lesen uns morgen!
Sic transit humoria mundi - für meine sechsstündige Fahrt von Wien nach Lienz hatte ich mich mit ausreichend Lesestoff eingedeckt, der in Kombination mit dem vorzüglichen Service der ÖBB (13 von 16 Toiletten im IC "inutilisable" = neuer Rekord, aus einigen Waggons musste letzten Vorhänge entfernt werden, nicht besonders boshafte Naturen behaupten aufgrund von Lausbefall) dann auch für mehr Heiterkeitsausbrüche sorgte als ein ganzes Lach-Yoga-Wochenendseminar. Viel gelacht, viel geweint und noch mehr gelernt: beispielsweise, dass eine einzige Ausgabe Titanic mehr Popverständnis vermittelt als 10 Jahre Spex und dass Brand Eins zwar auch versucht, absurd witzig zu sein, dabei aber längst nicht so postlinks-locker daherkommt die zum ewigen Untergang verdammte Schwesternzeitschrift. Und als ich, vollkommen erschöpft von so wenig überflutender Print-Information zwischen zwei spitzen Entzückensschreien meiner Teenage-Sitznachbarn über gelungene Facebook-Attack-Züge mal kurz wegdämmerte, da vermischten sich die beiden Pamphlete in meinem Traum zum neuen deutschen Witz-Flaggschiff mit Krisen-tauglichem Titel: "Titanenbrand!"
Von der verlässlichen Titanic und meines Lieblingskolumnisten Hans Mentz' Humorkritik im Brand Eins in der Titanic erwarte ich mir monatlich Großes, immer wieder neu, immer wieder zu Recht. Insofern überraschten die vielen Humor-Highlights in der aktuellen Ausgabe mit der trittsicheren Titel-Alliteration Merkel in der Menopause (aus dem Editorial: "Wie können wir lernen, mit einer Kanzlerin zu leben, die ihre sinnliche Jugendschönheit demnächst verliert?") mich keineswegs.
Umso mehr verwirrte mich dafür die inhaltlich-strategische Voll-Neuausrichtung von Brand Eins. Frühere sporadische Lesungen plus Peters Beschreibungen hatten mich - die Gründe dafür liegen verborgen im Nebel der Geschichte - glauben machen, es handle sich um ein Wirtschaftsmagazin für nachhaltige Freigeister: arme und bedauernswerte Schizos, deren "Individualismus" sie zwingt, sich möglichst regelkonform zu benehmen, währen deine ungeregelte Lambda-Wahrnehmungsstörung es ihnen verunmöglicht, zwischen Nischen-Mainstream und Divergenz zu unterscheiden. (Nein, nix gegen Veräppel-Rechner. Nur gegen die Begründung, man erwürbe sie, um "anders" zu sein.) Aber ganz im Gegenteil: der Verlag scheint die Sinnlosigkeit gedruckter Wirtschaftsberichterstattung vollinhaltlich eingesehen zu haben, und allein diese Tatsache verdient absatzweise Beachtung.
Eines allerdings sollten sich die Alleinunterhalter aus Hamburg auf die Fahnen schreiben: Satire ist kein Boulevardjournalismus! Falls ein Herr Wolfram Feller (Name von der ds-Redaktion geändert) hypothetisch eine neue Tageszeitung namens "Streich" (Name von der ds-Redaktion erneut geändert) "heraus" "bringt", mag sich der geneigte Leser nicht unbedingt eine Multitude an Zugängen erwarten. Aber wenn die selbstgewählte-Themenbeschränkung schon einen engen ökonomischen Fokus gebietet, so könnte ein wenig Variation bei der Karikatur-Strategie durchwegs nicht schaden.
Im Gesamtpaket ergibt die extrem überhöhte Kritiklosigkeit jedwedem Sujet gegenüber durchwegs karikativen Mehrwert. Zahnbürsten aus der Schweiz: Genial! Softwareklitschen aus Deutschland: Weltspitze! Traktor-Sharing: Innovationsorgasmus! Letzeres nennt man in Tirol, dem ausgelagertem Silicon Valley der Balkan Region, übrigens seit gut 100 Jahren "Landwirtschaftliche Genossenschaft". Bei Einzelbetrachtung verlieren die meisten Beiträge hingegen durch das strikte Korsett an Originalität und könnten in manchen, besonders misslungenen Fällen, sogar als ernst gemeint durchgehen - etwa der Bericht über eine Kooperation zwischen zwei Werbeagenturen, die "ausgerechnet in Düsseldorf in Bündnis geschlossen haben". Solche temporären Zweifel weiß der Themenschwerpunkt aber zum Glück rasch zu zerstreuen: denn das mehrköpfige Team verarscht gekonnt klassische journalistische Zeigefinger-Wissensvermittlung dadurch, dass Plattitüden im Brustton höchster Überzeugung geklopft werden: etwa dass wir uns im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden und uns vom Gedanken der Vollbeschäftigung verabschieden müssen, wie das "Special Arbeit" erklärt.
Ebenso konsequent wie gestalterisch glücklich erweist sich indes der Totalverzicht auf klassische Cartoons. Ähnlich wie das Gamer-Magazin "PC Action" setzt Brand Eins auf vorerst "normale" Fotos, konterkariert die abgebildeten Motive aber durch herrlich subversiv-schräge Bildunterschriften. Beispiele gefällig? Unter zwei Zahnbürstenbildern: "Für 50 Jahren stellen 200 Mitarbeiter bei Trisa 50.000 Zahnbürsten her... ...heute schaffen viermal so viele Mitarbeiter zwanzigmal so viele Zahnbürsten." (Ob zu produzieren, zu verbrauchen oder als Füllmaterial für diverse körpernahe Guinness-Weltrekordversuche bleibt dabei ganz der Fantasie des Lesers überlassen.) Oder mein Favorit aus einem langen Textelaborat, in dem erklärt wird, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer Arbeit und Kinder unter einen Hut bekommen (letztere aber nicht bekommen) können: "Der Berater: Markus Leibundgut arbeitete zweieinhalb Jahre mittwochs nicht." (Beneidenswert! Ich nehme an, von Donnerstag bis Dienstag waren die Kinder bei Reini zu Besuch, denn: "Der Ingenieur. Reiner Hohl konzentriert sich auf das Wesentliche."
Zur Neuausrichtung kann man Brand Eins, der zukünftigen Nummer zwei unter den deutschen Satiremagazinen, echt - aber auch ganz echt - nur gratulieren! Ernst gemeinter Wirtschaftsjournalismus könnte sich Artikeluntertitel wie "Die USA sind viel mehr als Coca Cola, IBM und Microsoft" oder "Putzen gilt als minderwertige Arbeit. Dass sie weit mehr sein kann, zeigt ein Besuch bei der Frankfurter Wisag" (hat Redakteur Matthias Hannemann dort etwa die Büros gereinigt?) schlichtweg nicht leisten. Der Verzicht auf faktenbasierten, innovativen Realjournalismus räumt dem schreibenden Personal völlig neue Freiheitsgrade ein - nur besonders bösartige Beobachter würden behaupten, dass bei den steigenden Kosten für "richtige" Contentproduzenten der Verlag gar keine andere Wahl gehabt hätte. Und perfekter als der letzte Satz auf der letzten Seite 134 von Heft 09 des 11. Jahrgangs könnte ich das neue Selbstverständnis auch nicht subsummieren:
Eine Zusammenstellung aus 20 internationalen Wässern von Wasserdepot hat gewonnen: Angelika Tschuri, Gersthofen.
datenschmutz gratuliert recht herzlich und versteht jetzt endlich, warum der Durchschnittsbobo, der sich über jeden Einbruch anarchischer Freude in sein sonst so kommunistisch-streng geregeltes Hedonistenleben freut, Brand Eins so gern mag.
So viel wie über die B1 kann ich über die auf den Äckern des Humors weitaus arriviertere Titanic nicht sagen. Aber dass ich den Großteil meines politischen aktuellen Halbwissens aus einem dedizierten Satire-Magazin beziehe, spricht nun mal nicht für den deutschen Qualitätsjournalismus.
Das mag aber durchwegs an der Multitude der Zugänge und Themenfelder liegen: bereits auf den ersten Seiten werden Steinmeiers Vollbeschäftigungspläne, Minus-Milieus ("Retrophile Oligarchen, traditionsbewusste Absteiger, Metanormale) erklärt und die Doppelrolle von Vera Lengsfelds Brüsten im SPD-Wahlkampf thematisiert, aber angenehmerweise nie restlos erklärt. Dabei fallen durchwegs thematische Überschneidungen auf: wo Brand Eins sich für Zahnbürstenbauer aus der Schweiz begeistert, stellt Titanic den im dräuenden Lichte des kommenden Verbots wieder stärker nachgefragten Job des Glühlampenreparateurs vor. Um zu bemerken, dass man es hier mit dem wesentlich arrivierteren Satire-Magazin zu tun hat, braucht es allerdings gar keine "redaktionellen Inhalte" - die Zuschriften von Leser enthalten unverzichtbare Tipps für moderne Netizens:
Bei vielen jungen Menschen ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, potentielle Sexualpartner vor dem ersten Treffen zu googeln, um herauszufinden, mit wem sie es da eigentlich zu tun haben. Das klingt erst mal vernünftig, aber man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen: Nicht jeder, der obskure Freunde, perverse Hobbys und ein Vorstrafenregister von hier bis Hamburg-Harburg hat, ist automatisch ein cooler Typ. Cornelia Röser
Und während Brand Eins noch von Ende der Industriegesellschaft redet, beschäftigt den durchschnittlichen Titanic-Leser schon präventives Online-Reputation-Management:
Neulich zusammen mit meiner Freundin im Online-Sexshop bestellt. Als ich das Gleitgel in den Warenkorb klicke, sagt sie: "Nee, da steht ja 'anal' drauf. Nimm das normale, wenn das jemand sieht, was soll der denn denken." Christian Martin
Überhaupt ist Titanic meiner persönliches Lebenswelt viel näher. Speziell die Bastel-Seite reizt das unterschätzte Medium Papier bis an die Grenze aus, etwa mit Antwort-Karten für diesen lächerlichen Berghain-Türsteher in Berlin, der mich auch partout nicht reinlassen wollte, obwohl ich mit zwei *sehr* hübschen Mädels hartnäckig wie weiland die heilige Familie Einlass begehrte. (Übrigens ein singuläres Erlebnis in meiner Clubkarriere, aber um nichts undemütigender.) Mit diesen Kärtchen in der Geldtasche hätte ich reagieren können, so ging's mir wie den meisten Besuchern: ich musste einfach nur über seine unglaublich bescheuert aussehende, überpiercte Clownmaske von einem Gesicht lachen, und das hat ihm wohl nicht gefallen.
Überhaupt fällt auf, dass Brand Eins kein einziges, Titanic dafür gleich ein ganzes Genrebündel an Zeitschriften ersetzt, mindestens aber TV-Media ("Hallo, ich bin der Junge, der immer pfurzen muss, wenn er was wissen will."), die Computerwelt ("E-Mails weder mit 'Hallo' beginnen noch mit "'Heil Hitler' unterschreiben") und the gap ("Nie zuvor hat sich die Aufnahmetechnik so wenig weiterentwickelt wie im letzten Jahrzehnt. Es spricht einiges, jedoch nicht alles dafür, dass Popmusik ein weitgehend abgeschlossenes Kapitel ist.") Ohnehin unterstelle ich dem Redaktionsteam, dass es die Titanic genau wie wir seinerzeit the gap lediglich aus Eigeninteresse gegründet hat, wenn auch zu einem deutlich späteren Lebensabschnitt. Denn irgendwann, hoffentlich deutlich vor der Pensionierung, fühlen sich die meisten schlagartig zu alt, um über manche Themen noch ernsthaft schreiben können zu wollen. Sollte diese These zu gewagt erscheinen, empfehle ich die genaue Lektüre von "Born to be wild", einem Feature über die Zeitschrift des "Deutschen Rock & Pop Musikverbandes e.V.". Ein Meisterwerk der Realsatire, das in dieser Form in keinem "kritischen" Musikmag abgedruckt werden könnte.
Fazit: Was kann Brand Eins also von der Titanic lernen? Aus dem Stand heraus ein Medienprodukt für einen Markt zu lancieren, der von einem alt-eingesessenen Konkurrenten schon längst perfekt bedient wird (siehe etwa die Boulevard-Schlacht zwischen "Österreich" und "Der Standard"), ist schwierig und erfordert ein genaues Austarieren bekannter Erfolgsrezepte und Distinktionskriterien. Ihr seid auf dem richtigen Weg, Brand Eins, keine Frage - doch zu vieles wiederholt sich. Nur, weil beide Adjektive mit dem gleichen Wort beginnen, heißt "lustig schreiben" nämlich nicht automatisch "lange schreiben". Also traut euch ruhig mal, auch eine kürzere Ausgabe zu produzieren, und dann geht sich vielleicht sogar mal ein aufwendige(re)s Layout aus.
Ich kann kaum schreiben, so geblendet bin ich von den strahlend weißen Wänden meines Büros. Dank massivem Abdeckfolien-Einsatz haben alle elektronischen Devices die Streichaktion farbkleks-frei überstanden. Wer auch demnächst mal die Silhouetten einstigen Wandschmucks in die ewigen Jagdgründe schicken will, dem kann ich die Innenraum-Dispersionsfarbe, die Hornbach als Eigenmarke verkauft, nur empfehlen: tolle Deckkraft und hohe Ergiebigkeit - was ich wieder zurück bringt zum dieswöchigen Panoptikum, denn dasselbe kann man mit Fug und Recht von Filesharing respektive Torrent-Downloads behaupten.
Naja, zugegeben - vielleicht nicht Deckkraft und Ergiebigkeit, sondern Marktdurchdringung und Geschwindigkeit, und genau deshalb werden Torrent-Pages auch nicht so schnell verschwinden, so Erik Dubbelboer und Niek van der Mass im Futurezone-Interview. Die Namen der beiden Herren lassen fraglos auf niederländische Herkunft schließen, aber was sie darüberhinaus zu dieser Aussage qualifiziert ist ihr Job: das Duo betreibt Mininova, laut eigenen Aussagen die populärste Torrent-Suchmaschine. Zwar kommt bald ein Prozess auf die Firma zu, aber dem sieht das Duo recht gelassen entgegen: [via phlow]
Wir denken, dass die klassischen Medien wie das Fernsehen nicht mehr funktionieren. Der freie Informationsfluss im Internet ermöglicht viel bessere Distributionswege. Ich selbst sehe kaum noch fern. Ich möchte Inhalte sehen, wenn ich Zeit dafür habe - und nicht dann, wenn sie gerade von einem Sender ausgestrahlt werden. Manche Unternehmen beginnen schon umzudenken und fragen uns etwa, wie sie von unserem "Content Distribution"-Modell profitieren können. Sie erkennen, dass der Kampf gegen Filesharing aussichtslos ist.
Man kann auf Twitter gar nicht öffentlich rülpsen - also was sollen schon für Benimmregeln gelten, fragt sich der Unbedarfte Neoblogger! Und zwar genau 20 Stück, glaubt man dem PR-Blogger. Und weil journalistische Reduktionsleistung und Fakten richtig wiedergeben Bloggern nicht liegt, wie Armin Durnher in Falter-Editorials dauernd schreibt, hier ein exklusiver Remix der Regeln 12. und 16. für datenschmutz-Leser:
Unerwünscht Twitter-Betteln ohne jeglichen Kontext ist "Gute Idee!" Und Zusammenhang nervt nur. Deshalb verzichten Sie auf Freiwilligkeit. Es funktioniert ebenso bei Tweets: jeder folgt Ihren Twitter-Gesprächen. Antworten irritieren. Ein wirrer Tweet für jeden, der das Prinzip "Klick mich" nicht kennt.
Drei Jahre alt wurde Microblogging-Service gestern, und sprechen hat er auch schon längst gelernt! Als Spätzünder kann man das Baby mittlerweile wirklich nicht mehr bezeichnen - es wird immer schwieriger, Personen zu finden, die nicht auf Twitter vertreten sind
TechCrunch hat aus jubilativen Gründen das Gründungslogo noch mal ausgepackt. Herzliche Gratulation!
Nicht Geheimagenten, um die muss man sich im Zeitalter der Constant Paranoia nun wirklich keine Sorgen machen. Aber Travel Agents, Stock Agents und so weiter... Seth Godin bringt's auf den Punkt:
The problem with being a helpful, efficient but largely anonymous middleman is pretty obvious. Someone can come along who is cheaper, faster and more efficient. And that someone might be the customer aided by a computer.
Und wie immer hat Seth auch die passende Antwort bereit - die liegt seiner Meinung in der vielbeschworenen Nische. Mit anderen Worten: die Paradigmen des Online-Marketing greifen langsam auf die "echte" Welt über:
To thrive in a world of self-service, agents have to hyperspecialize, have to stand for something, have to have the guts to say no far more than they say yes. No, you can't publish this book. No I won't represent you. No, don't take that flight. No, I won't sell this house, it's overpriced, list it yourself.
Eine eigene Rubrik zu diesem Thema bietet sich mittlerweile definitiv an - schließlich erscheinen jede Woche spannende Artikel zu den vielen Facetten des Zusammenbruchs klassischer Marketing-Modelle. Futurelab hat eine kurze Definition des Begriffsfeldes für Neueinsteiger:
Social media is part of the same "sharing" meme that has brought us the open-source movement, open APIs, Wikipedia and other examples of mass collaboration. An opportunity exists for "sharing" to penetrate into new areas of society and business via new innovations in social media. Opportunities also exist in the creation of new business models in which companies "outsource" tasks (i.e. marketing, R&D) to consumers.
Wer lesefaul ist, muss dagegen mit solchen Videos vorlieb nehmen. Aber der Wagen der rollt, und das Interesse steigt, weiß die Statistik. Und wie eine solche Social/Viral Kampagne im Bereich Soziales aussehen kann, zeigt ein aktueller Beitrag im Weburbanist.
Die Rückblicke auf die SEO-Campixx nehmen kein Ende: die SEOnauten haben ein Video mit den obligatorischen Crackhuren und Carlos hat 12 Teilnehmer vor seine Kamera gebeten, um sie zu Traffic-Tipps & Co. zu befragen [via SEOnauten].
Es soll ja SEOs geben, die aus abgelaufenen Domains ganze Satellitenstädte errichtet haben. Die SEOuxindianer stellt mehr und weniger empfehlenswerte Services zur rechtzeitigen Identifikation von Kaufkandidaten vor. Was mich doch einigermaßen überrascht, ist der die Tatsache, dass dieser Markt mittlerweile auch in .de sehr umkämpft scheint, schenkt man diesem Zitat Glauben:
Zonespy aktualisiert ein paar Mal in der Minute und ist damit sehr aktuell. Neben der Echtzeitsuche gibt es auch ein Archiv, mit den Domains der letzten 30 Tage. Dort findet man aber so gut wie nie etwas, da die Daten meistens nicht mehr stimmen und gute Domains nie länger als eine viertel Stunde frei bleiben. Trotzdem ganz interessant.
Das SEO-Handbuch empfiehlt Rücksichtnahme auf die stetig steigende Gruppe der Lohas - und in der Tat frisst der frühe Vogel den Wurm, denn eines steht fest: "ungespritztes Gemüse" ist ein weit weniger stark umkämpftes Keyword als "Klingelton":
Zugegeben, schaut man sich auf diversen Affiliate-Marketing Plattformen um, so muss man Öko-Produkte teilweise noch mit der Lupe suchen. Aber es gibt sie - auch außerhalb der etablierten Anbieter! Man muss nur etwas Suchen.
Themenspezifische Social News Portale bringen beträchtliche Vorteile gegenüber Generalisten - anlässlich dieser Tatsache preist Carlec-Webdesign die Vorzüge von SEOigg gegenüber Yigg:
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es mir in diesem Mini-Test nicht darum ging, wie viel Besucher ich direkt über Yigg oder SEOigg bekommen kann. Das wird die Statistik erst in einiger Zeit hergeben, sondern lediglich über den positiven Effekt eines themenspezifischen, vertrauensvollen Links in den Suchergebnissen.
In der Tag - SEOigg rockt und ist so gut wie spamfrei... kein Wunder, dass Big G der Seite hohen Trust ausspricht.
Tja, blöd gelaufen: da rennt man dem saftigen, riesigen Knochen hinterher, und dann ist da diese blöde Wand dazwischen! Moment mal, wo bin ich hier überhaupt? Legendärer Sleepwalking-Fail von Wuffi - entnommen übrigens aus dem grandiosen Failblog, dessen RSS-Feed in keinem zynischen Newsreader-Portfolio fehlen darf.)
Und das war's auch schon wieder mit dieser Woche: besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Und ein besonderes Shout-Out an RowC, der mich bei Mr. Tweet mit folgender Begründung empfohlen hat: "because he invented the Blogistan Panoptikum." Das freut mich natürlich - besten Dank und schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!
Im Englischen hätten wir dieses Problemchen nicht, eh klar: aber die Tschörmän Flexion zieht überall einen Geschlechtslayer ein und unterscheidet etwa zwischen Schornsteinfeger und Schornsteinfegerin. Weil Sprache ein wesentlicher Teil der Weltwahrnehmung ist, fordern Femis schon lange eine inklusive Form, und weil die permanente Doppel-Aufzählung suckt, erblickte das sogenannte Binnen-I (SchornsteinfegerIn) das Licht der Welt.
Denn Sexismen seien tief in der Sprache verwurzelt, so die Befürworterinnen. Diese Sichtweise stößt aber auch bei vielen Ladies auf wenig Begeisterung; das sogenannte "Binnen-I" mache Texte schwerer lesbar und "hässlicher", ist ein oft gehörtes Argument, dass die wahren Probleme anderswo lägen ein weiteres.
Ich bin ja ein Kind der linken Uni-Sozialisation, wo die Kategorie Gender schon vor Jahren das biologische Geschlecht - zumindest nach dem Willen der ProtagonistInnen - ersetzt haben sollte. Im journalistischen Bereich (außer vielleicht beim Standard, dort habe ich nie gearbeitet) ist das Binnen-I in .at meist unerwünscht, hier auf datenschmutz habe ich ja die Freiheit, selbst zu entscheiden. Bislang habe ich den eingeschobenen Großbuchstaben hier am Blog immer verwendet, aber inzwischen geht's mir damit wie mit manchen Lebensmitteln, die man früher gern mochte, und die einem plötzlich gar nicht mehr schmecken.
Von meiner hochgeschätzten LeserInnenSchaft habe ich außerdem sporadisch Feedback zum Binnen-I erhalten, und zwar ausschließlich negatives... Und als Bernd mir letztens das Binnen-I be gone Plugin für Firefox zeigte, kam ein langer Nachdenkprozess zu einem rapiden Ende: kein Binnen-I mehr auf datenschmutz.
Falls jemand Lust hast, einen reverses Plugin zu schreiben (Binnen-I come in), kann sie oder das ja gerne tun: da für die meisten Readers (haha, ausgetrickst) aber die Split-Form wohl eine permanente Annoyance darstellt, beuge ich mich gern den Wünschen meiner Leserschar und spreche die magische Formel:
Lirum larum literarischer Stil /
weil das Binnen-I Ihnen nicht gefiel /
nimmt's der Trainer aus dem Spiel.
Ich hätte ja vermutet, dass man sich irgendwann so sehr dran gewöhnt hat, dass früher oder später eher das fehlende I den Lesefluss stört... aber für Nicht-Muttersprachler erhöht es gewiss die Schwierigkeit. Und um mein feministisch geprägtes Gewissen ein für allemal zu beruhigen, frag ich an dieser Stelle nochmal nach:
Sorry, there are no polls available at the moment.
Es ist schon faszinierend, dass sich das alte Paradigma von wegen Sex sells in rasender Geschwindigkeit sozusagen in Sex Clicks verwandelt. Kaum taucht irgendein privates Sexvideo von Hype-Girlie Gina Lisa im Netz auf, sind Neuwahlen, Weltklimakatastrophen und andere Banalitäten im Nu vergessen. Angeblich hat jemand einen Datenspeicher aus der Wohnung des deutschen Models gestohlen, eine andere Version lautet, dass ihr Ex das Video online gestellt hätte.
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...hat auf den ersten Blick nur bedingt mit dem Austausch zwischenmenschlicher Körperflüssigkeiten zu tun, handelt es sich doch um eine Gleichung aus der guten alten Physik, die Teilchenstromdichte, im Volksmund auch als "Fluss" bezeichnet in Beziehung setzt zum Konzentrationsgradienten und der Diffusionsrichtung. Wenn man also irgendwo was reinspritzt und/oder fließen lässt, dann bestimmt dabei die Konzentration vereinfacht gesagt, wie viel hinten wieder austritt. Adolf Fick hat das im ersten Fick'schen Gesetz unglaublich elegant zusammengefasst:
Nach dem Ersten Fick'schen Gesetz ist die Teilchenstromdichte (Fluss) proportional zum Konzentrationsgradienten entgegen der Diffusionsrichtung. Die Proportionalitätskonstante ist der Diffusionskoeffizient.
Und wo's ein erstes Gesetz gibt, da folgt natürlich so sicher wie das Amen im Gebet auch ein zweites - welcher Jurist kann schon von sich behaupten, dass er zwei Gesetze aufgestellt hat, die bis heute gelten? Das zweite Fick'sche Gesetz macht allerdings alles wesentlich komplizierter, denn es beschränkt sich nicht nur die Eindimensionalität ("Alles, was für dich zählt, ist Sex!"), sondern beschreibt einen länger währenden Vorgang:
Die Diffusionsgleichung stellt eine Beziehung zwischen zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschieden dar und eignet sich somit zur Darstellung instationärer Diffusion, im Gegensatz zum 1. Fick'schen Gesetz, das einen zeitlich konstanten Diffusionsfluss beschreibt. Es existieren für diese Differentialgleichung zahlreiche analytische und numerische Lösungsansätze, die jedoch stark von den Anfangs- und Randbedingungen abhängen.
Diese zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschiede kennt man ja: mal hat einer keine Lust, dann ist die andere wieder für ein Wochenende Weg. Wie Adolf Fick richtig erkannt hat, ergibt sich die jeweilige Lösung der Gleichung meist nur im konkreten Fall, häufig jedoch auch gar nicht. Wichtig zum Verständnis Fick'scher Diffusionsprobleme, dass der Physiker drei Arten von Diffusion unterscheidet, die nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge auftreten, meist jedoch schon: Tracerdiffusion ("Aufriss"), Klassische Fick'sche Diffusion (meist relativ kurz) und, manchmal nach wenigen Minuten, fallweise auch erst nach mehreren Jahren, die Gegendiffusion. Wer tiefer in die die Geheimnisse von Adolf Ficks Theoriegebäude eindringen möchte und das Bedürfnis hat, bis zum intellektuellen Orgasmus Integrale zu penetrieren, dem sei dieser Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt: Diffusion.
Überhaupt nichts zu tun mit Diffusion (oder zumindest nur sehr indirekt) hat dagegen das sogenannten Fick Prinzips, mit dessen Hilfe Ärzte den Blutfluss durch bestimmte Organe bestimmen:
Das Fick-Prinzip erlaubt unter Steady-state-Bedingungen bei bekannter Eingangs- und Ausflußkonzentration die Berechnung des Blutflusses im untersuchten Organ.
Eine Woche voller Abwechslung: vom Zahnarztbesuch bis zur Technoparty war für mich das volle Spektrum dabei. Welches Ende ich angenehmer fand, überlasse ich gerne der Fantasie der geschätzten Leserschaft - schließlich liegt bekanntlich *alles* ganz allein im Auge der Betrachterin.
i know what i did last weekend - i made googles image searching cool.
Schrieb Franz auf meine Facebook Superwall; und ich kann ihm nur beipflichten. Auf www.creativspace.at lässt sich das neue Interface begutachten: anstatt simpler Thumbnail-Wüsten scrollt man via Flash elegant durch das größte Fotoalbum des Planeten.
Stefan polarisiert nicht, er panoramisiert: das Ergebnis seiner Arbeit bei der jüngsten Digitalks-Session ist nun online - und ganz hervorragend gelungen. Macht wirklich Spaß, mit der Maustaste durch solche 360er-Fotos zu "reisen". Das längerfristige Fortbestehen der Veranstaltungsreihe ist übrigens keineswegs gesichert, am sechsten Mai geht's allerdings garantiert weiter - und zwar mit dem Thema Crowdsourcing.
MCs mit umgehängter Riesenuhr? Schnee von vorgestern. Hip Hopper mit Maske? So old school! Hier kommt der SEO Rapper, und zwar ganz ohne Motherfuckers und Pussy Chasing [via Fabian]
Facebook nutzt ohne ex- oder implizite Einwilligung die Namen der Mitglieder, um Werbung zu machen - Klaus Eck findet die Causa ebenfalls wenig amüsant - Stein des Anstoßes:
Aber mir stellt sich tatsächlich die Frage, ob ich nicht gegen Facebook aus Prinzip rechtlich vorgehen sollte. Schließlich können Unternehmen nicht einfach so ohne Gegenleistung mit meinem Namen werben.
Ich hab in der Sache eine zwiegespaltene Meinung - einerseits ärgern mich die ungefragten Google-Schaltungen, weil ich Besucher, die auf Google nach mir suchen, lieber auf meinem Blog begrüßen würde als auf meinem Facebook Profil. Andererseits ist die zusätzliche Exposure vielleicht gar nicht sooo übel - außerdem ist mein Facebook-Profil ja in der Tat mittlerweile so etwas wie ein zentraler Hub für meine Web 2.0 Aktivitäten. FB scheint momentan ohnehin fest am Experimentieren zu sein: wie Max letztens bemerkte, tauchte kurzfristig bei der Google-Suche nach ritchie pettauer nicht datenschmutz, sondern mein FB-Profil an erster Stelle auf. Bislang verwendet das Network eigentlich nofollow-Kennzeichnungen, bin gespannt, ob in Zukunft Facebook bei Personensuchen ebenso SERP-präsent sein wird wie derzeit die Wikipedia bei allen möglichen Keywords.
Stockholm war am vergangenen Freitag zu Gast in der Wiener Großraumdisco Pasha - der größte Wurstsalon ever entwickelte sich zu einer ausgewachsenen Fete; abgesehen davon, dass das Bier viel zu früh aus war, rockte die Fete ganz ordentlich: vom Bühnen Wrestling-Match zwischen Gorilla und Hühnchen bis hin zu Unisex Toiletten ab 2:00 Uhr und knackigen Beats gab's so ziemlich alles, was eine gute Party ausmacht; und knapp vor den Boxen, wo Max und ich uns bevorzugt aufhielten, passte auch der Sound... thx an Stefan für die Gästelistenplätze, war ein feiner Abend - mit den Lichtverhältnissen beim Wrestlingmatch war meine Cam aber leider überfordert...

In diesem Sinne wünsch ich vergnügliche Restsonntagsstunden - wir lesen uns morgen.
Wer hat schon mal body-rubbing mit einem FB-Profilbesitzer betrieben - und zwar aus anderen Gründen als dem Verhindern des Erfrierungstods? Ich hab gestern eine neue Gruppe gegründet mit dem Titel I already had sex with another facebook user. Neue MitgliederInnen jederzeit herzlich willkommen! Das eigene Spiegelbild zählt übrigens nicht... ob man die/den jeweiligen SexualpartnerIn auf FB kennengelernt hat, im Real Life oder anderswo und -wie, spielt aber keine Rolle.
Sexistisch-technisch gesehen zeigt sich einmal mehr: Englisch ist eindeutig die chilligere Sprache, auf Deutsch wär das schwierig: mit dem Titel "Wer hatte schon mal Sex mit einem Facebook User?" würden sich wohl zu Recht nur Frauen und homosexuelle Männer angesprochen fühlen, vice versa bei "UserIn". Und "Wer hatte schon mal Sex mit einer oder einem Facebook UserIn?" klingt einfach verdammt sperrig. Außerdem soll diese Fortführung des 5-Ecken-Experiments von Stanley Milgram eindeutig zeigen: wir kennen uns nicht nur alle über fünf Ecken, wir haben auch schon alle über fünf Ecken miteinander gevögelt. Womöglich. Also bitte rege beitreten - ftw! (For the Wissenschaft. Nicht for the win.)
Man kann Alice Schwarzer eigentlich nicht kritisieren, denn im Zweifelsfall hat sie ja "soviel für die Frauenbewegung geleistet". Und deshalb darf die Grande Dame der deutschen Emanzipationsbewegung bis in alle Ewigkeit ihre ewiggestrigen Parolen unters (Talkshow)-Volk streuen. Eigentlich schade, zumal's doch ein paar wichtigere Dinge zu besprechen gäbe, wie zahlreiche zeitgenössische Kritikerinnen finden.
Die/der geneigte LeserIn erkennt sofort: meine eigenen Fan-Gefühle gegenüber AS halten sich in extrem engen Grenzen. Das hat nix zu tun mit Unkenntnis der Materie. Eigentlich war mir Alice Schwarzer ziemlich egal, aber dann hatte ich zwei Jahre lange Gelegenheit, an Anjas Abo mit zu partizipieren. Granted: es gibt immer wieder spannende, hochinteressante Reportagen von Gastautorinnen. Was Frau Schwarzer selbst so von sich gibt, zeugt allerdings von einer gehörigen Portion Dogmatik, die imho ganz schön verranzt schmeckt. (Nein, ich glaube zum Beispiel nicht, dass Pornographie *immer* und *in jedem Fall* eine unzulässige Ausbeutung von Frauen darstellt und verboten gehört. Und das Argument "...aber die Kinderpornographie" zählt hier nicht - da gibt's zum Glück Gesetze, die man zwar verschärfen könnte, aber das hat rein gar nix mit allen anderen Schweinigeleien, die sich so zwischen consenting adults abspielen und auf Filmmaterial gebannt werden.)
Aber ich will nicht abschweifen - Grund für dieses Posting ist ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau Online, der sich fragt, ob Feminismus á la Alice eigentlich überhaupt noch up to date ist; was konkret die Pornodebatte betrifft, könnte ich meine Meinung nicht besser formulieren als der/die SchreiberIn - ich konnte leider auch bei genauerem Hinschauen keinen Autorennamen entdecken:
Aus dem unterschwelligen Unwohlsein über die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert formte sich eine Debatte um den Feminismus-Begriff: Es ging ihnen um einen neuen Feminismus, um einen anderen als den der Alice Schwarzer. Der fiel zuletzt nicht viel mehr ein, als zum zigsten Mal ihre PorNo-Kampagne zu fahren, der die wenigsten jungen Frauen wirklich etwas abgewinnen können. Charlotte Roche regt sich richtig darüber auf. "Pornografie ist per se nichts Schlechtes. Wie wäre es denn, wenn man Pornografie als etwas betrachtet, bei dem Männer auch was lernen können? Wie man Frauen befriedigt zum Beispiel." Auch die "Alphamädchen"-Autorinnen plädieren für eine entkrampfte, differenziertere Sichtweise: "Unsere Sexualität definieren wir und niemand anders. Nicht die Porno-Regisseure in der Mainstream-Industrie. Aber auch nicht Feministinnen, die uns erzählen, wie wir Lust empfinden und was uns erniedrigt."
Parameter, die irgendwann mal definiert wurden, müssen zumindest diskutiert werden dürfen, fordern die "Alphamädchen" Susanne Klingner, Meredith Haaf und Barbara Streidl, die gerade das Buch "Wir Alphamädchen - warum Feminismus das Leben schöner macht" veröffentlicht haben. Und in der Tat sollte man unter Feminismus wohl keinesfalls ein Diskussionsverbot verstehen, allerdings wird die erwähnte Publikation von Emma geflissentlich ignoriert - kein Wunder, denn der "Widerstand" gegen oktroyierte Definitionshoheit kommt schon längst aus dem doppel-x-chromosomatischen Lager:
"Bei dem Begriff Feminismus geht eine Schublade auf und im Zweifelsfall sitzt Alice Schwarzer drinnen", stichelt Dorn. Auch Charlotte Roche, 29, ist auf Schwarzer nicht mehr gut zu sprechen. Die ehemalige Viva-Moderatorin sorgt zurzeit mit ihrem Roman "Feuchtgebiete" für Furore. Mitte der 90er Jahre ließ sie sich noch für den Titel von Emma fotografieren. Heute wettert sie: "Alice Schwarzer wird dem Menschen in der Frau nicht mehr gerecht. Ich finde es schrecklich, dass es für so etwas Wichtiges wie den Feminismus nur diese Frau gibt. Ich kann mit dieser Person überhaupt nichts mehr anfangen."
Übrigens hab ich inzwischen den facts.ch Newsletter sehr zu schätzen gelernt, da trudeln immer wieder die schönsten "Lesefrüchte" (© Wolfgang Langenbucher) ein - ein Abo kann ich nur wärmstens empfehlen.
| 12. März 2008 | ||
| 18:00 | bis | 21:00 |
Man muss nicht unbedingt fußballinteressiert oder gar im EM-Fieber sein, um übernächste Woche eine vom Institut für Kommunikationsmanagement veranstalte Podiumsdiskussion zu besuchen. Im Gegenteil, möglicherweise helfen negative Gefühle gegenüber dem Lederball, der die Welt bedeutet, sogar. Denn es geht um die spannungsbeladene, sexgetriebene Hassliebe zwischen der nach unten offenen Richter-Skala und ihrer werbefinanzierten Henkersmahlzeit: ohne Werbung kein Großereignis. Aber - ohne Großereignis auch keine Werbung?
Ort: Institut für Kommunikationsmanagement. FHWien - Studiengänge der WKW. Währinger Gürtel 97, 1180 Wien
Programm: 10:00-18:30 Keynote: Prof. Manfred Bruhn, Uni Basel, 19:30-18:45 Podiumsdiskussion

Der Ankündigungstext lautet wie folgt:
Die Fußball-Europameisterschaft 2008 naht mit großen Schritten. Egal, ob nun persönlich interessiert oder nicht, an diesem Ereignis kommen wir, die in der Kommunikationsbranche tätig sind, einfach nicht vorbei. Die Kreativen sind gebrieft - dicke Extrabudgets reserviert. Kurz: Die EURO 2008 ist ein Eldorado für KommunikationsmanagerInnen. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert - und das in großem Stil! Doch was ist nun der wahre Sinn des Spektakels? Kämpfen die Kicker auf dem Spielfeld um Tore und Punkte oder kämpfen die Marken am Spielfeldrand um Image und Umsatz?
Hmm... ich würd mal sagen: beides. Aber man darf gespannt sein, was die ExpertInnenrunde zu diesem Thema zu sagen hat. Es diskutieren: Manfred Bruhn, Professor für Integrierte Kommunikation und Marketing (Uni Basel), Anja Richter, Presse-Sprecherin des Wiener Organisationskomitees EURO 2008, Rainer Fleckl, stellvertretender Sportchef des Kurier, Philipp Krumpel, Account Director CCP,Heye und Maximilian Mondel vom Horizont. Der Eintritt ist nicht nur frei, nein, es gibt nachher auch noch ein Buffet mit Keta-Kaviar und feinsten, frisch eingeflogenen Austern. (Naja, das mit dem Keta-Kaviar und den Austern mag leicht übertrieben sein - Sie wissen ja, Blogger nehmen es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht ja nicht so genau wie "richtige" Reporter. Aber es gibt ein Buffet!)
Hier geht's zur Anmeldung.
"Die Killerapplikation für Webcams sind Sexchats." Derlei Pauschalierungen mehr gibt's bei der aktuellen Ausgabe von Radio U-Ton nachzuhören, bei der ich vor einigen Tag live zu Gast sein durfte. Pauli und Ritchie, zwei alte Säcke, aber viel schlechter gekleidet als Muppet-Show Senioren, sinnieren uns sinistrieren über Social Networks - hier gibt's die Sendung zum Nachhören.
Man weiß ja heutzutage nicht, ob man überhaupt noch Musik laut spielen darf, oder ob die Major Labels in Zukunft alles außer Ei-Boot Ohrstöpseln verbieten... ich hab die Songs sicherheitshalber mal rausgeschnitten, war jedenfalls nett, "Connected" von den Stereo MCs mal wieder zu hören - obwohl ich den Song seinerzeit nicht ausstehen konnte. Hier die Radio U-Ton Show von letzer Woche, hosted bei Paul Lohberger:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
PS: Unsere gemeinsame 2007er Show, die Rekordquoten in Rumänien erreichte (es könnte aber auch an einer Fehlkonfiguration der Serverlog-Analyse-Software gelegen haben), feierte kürzlich ihr jährliches Jubiläum, der Rhythmus könnte hinkünftig allerdings noch rasanter werden; Cpt. Pauli hat mich zu einer monatlichen Talkrunde eingeladen, was natürlich ganz praktisch wäre, weil's somit auch gleich einen kurzen und knackigen datenschmutz Podcast gäbe.
So, zurück aus London... der europäischen Hauptstadt der phatten Wohnungsmieten, leiwanden Taxis und immer aufs Neue verwirrenden Linksregelung. (Nein, ich bin nicht mit dem Auto gefahren, aber man geht ja auch links.) Der Reisebericht folgt asap, vorher muss ich noch meine fünfhundert Fotos sortieren und natürlich gibt's heute erstmal den längst dienenden Wochenrückblick der deutschsprachigen Blogosphäre. Danke für Ihren Flug mit datenschmutz Airlines, bitte schließen Sie zum Start Ihre Gurte!
Georg hat einen äußerst spannenden Beitrag über die Facebook-Penetration im Ländervergleich verfasst - die Daten stammen dabei aus der Ad-Applikation. Erstaunlich: auf Platz 1 sind dabei nicht etwa die USA, sondern Kanada mit 226 Usern je 1000 Einwohner (vs. 65 in den USA, die damit nur auf Platz 10 liegen.) Ebenfalls wahnsinnig beliebt ist die Seite mit den vielen Gesichtern in Skandinavien: wer norwegische, schwedische oder finnische Bekannte sucht, ist hier gut aufgehoben. Die Schweiz liegt auf Platz 16, Österreich hat den 3 hoch dritten Platz erwischt, Deutschland ist nicht unter den Top 30. Auf jeden Facebook-Japaner kommen zwei Rumänen, und 232.360 Italiener streiten sich mit 582.840 Mexikanern darüber, ob Burritos oder Pizzaschnitten besser schmecken. Die 865 Liechtensteiner haben sich vermutlich alle gegenseitig in den Kontaktlisten und repräsentieren immerhin 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ihres Landes. Da sind die Luxemburger kontaktfreudiger: 4,4 Prozent poken sich, während bloß 0,98 Prozent aller Letten Profile betreiben. Und nun die Preisfrage: gibt's auf Facebook mehr australische Krokodiljäger oder mehr neuseeländische Kiwizüchter? Wer die richtige Antwort weiß, gewinnt einen Gratis-Account seiner oder ihrer Wahl, entweder bei Facebook oder datenschmutz
Ebenfalls hardcore: heutzutage darf auch schon jeder ins Fernsehen, was die 2 schrägen Vögel der Welt mitzuteilen haben, sollte aber lieber geheim bleiben:
Mehr Barcamp-Videos gibt's ebenfalls bei Georg.
Der bekannteste männliche Pornodarsteller aller Zeiten hat seine aktive Karriere bereits vor einigen Jährchen beendet - 1.300 Filme und 4.000 Partnerinnen waren genug. Doch nun kehrt der Italian Stallion ins öffentliche Leben zurück, und zwar mit seiner eigenen Modelinie:
Der italienische Pornostar Rocco Siffredi startet eine neue Karriere als Designer. Der 44-Jähriger debütiert bei der Modemesse Pitti Uomo in Florenz mit seiner neuen Marke "Rocco". Vorgestellt wird Casual-Mode für Männer und Frauen. Logo der neuen Marke ist ein "R" in phallischer Form. Der Start in der Modebranche feiert Siffredi mit einer großen Party in der Nähe von Florenz.
Der Physiker versteht unter Translation etwas völlig anderes als der Sprachwissenschaftler - letzterer könnte geradezu in Verzückung geraten über die smarte Idee von Facebook, doch einfach die User übersetzen zu lassen. Die Seite ist zwar so gut finanziert, dass man sich problemlos eine ganze Truppe von Professionisten leisten könnte - aber wer weiß besser, wie die idealen Bezeichnungen lauten, als die Community selbst? Angewandtes Crowdsourcing... die Betreiber beweisen einmal mehr, dass sie verstanden haben, wie das Netz funktioniert!
Webmaster Pauls Blogparade ging dieser Tage zu Ende - Congrats, exakt 100 TeilnehmerInnen sind ein beachtlicher Erfolg! Hier die komplette Liste:
In diesem Sinne wünsch' ich der p.t. Leserschaft einen unvorstellbar angenehmen Restsonntag - bei mir geht's nächste Woche nach Berlin: zwar auch recht groß, aber vom subjektiven Style- und Wohlfühlfaktor her überhaupt kein Vergleich mit der britischen Metropole... wenn dort nur die Mieten nicht so absurd hoch wären!
Achtung, Jugendliche unter 18 Jahren nicht weiterlesen! Dirty Langue folgt. Lady Bitch Ray sorgt aktuell für erhitzte Diskussionen in meinem BekanntInnenKreis: die deutsche Rapperin türkischer Abstammung nimmt sich kein Blatt vor den Mund, oder, wie sie sagen würde, die Muschi und denkt sich Texte aus wie: "Lady Bitch Ray fickt euch Schlampen in den Arsch / Du willst Anpassungen / ich bin dagegen / kein Schwanz ist so hart wie mein Leben." Viele Wege führen ins Fernsehen, das ist einer davon. Von wegen Gleichberechtigung: kaum sagt eine Frau laut "Fotze", fühlt sich das gesamt Feuilleton peinlich berührt.
Wer nun denkt, er habe es hier mit einer radikaleren Schwester Sabrina Setlur zu tun, der könnte falscher nicht liegen. (Okay, sie oder er könnte vermutlich falscher liegen, aber das ist eine andere Geschichte.) LBR ist Empfängerin eines Hochbegabtenstipendiums, schreibt gerade ihre Dissertation an der Uni Bremen und hat offensichtlich während und zwischen der Vorlesungen eine Menge Hip Hop Platten gehört und sowohl ausreichend schmutzige Phantasien als auch genug Marketingwissen um ihren persönlichen Goldbrunnen zum Sprudeln zu bringen. Aber lassen wir mal den Spiegel sprechen, der einen der besseren Artikel zu der un/stereotypen Dame zustande gebracht hat:
Ihr eigenes Label hat sie Vagina Records genannt. Unter dem Namen Vagina Style entwirft sie Kleidung - einen "Fotzen-Mantel" beispielsweise. Kürzlich ist sie in der Bezahlfernsehshow von Niels Ruf aufgetreten und hat sich von ihm den großen Zeh lutschen lassen. Erst Anfang der Woche mischte sie mit lasziven Sprüchen eine Maischberger-Talkrunde in der ARD auf und ernannte sich zur Nachfolgerin des Sexual-Aufklärers Oswalt Kolle.
Im Medienbiz unerfahren ist reichlich mit sekundären Geschlechtsmerkmalen ausgestattete Selbstdarstellerin keineswegs - die ehemalige Mitarbeiterin von Radio Bremen wurde seinerzeit gefeuert, weil den Vorgesetzten die Bilder im Netz nicht gefielen: ein früher Fall von Social Network Disobedience, sozusagen. Reyhan Sahin aka Lady Bitch Ray klopfte daraufhin selbst bei der Bildzeitung an um die legendäre Schlagzeile Zu sexy! Radio-Moderatorin gefeuert. zu evozieren. Also alles nur Kalkül? Mitnichten, sagt die Protagonistin:
Lady Ray hat eine Mission: Sie möchte die erste wirklich prominente Rapperin Deutschlands werden, ein weiblicher Gegenentwurf zu Sido, Bushido und anderen Verbalaggressiven. Sie nennt sich selbst eine Bitch, eine Schlampe, Lady "Bitch" Ray, und sie beansprucht für sich, die erste deutsche Rapperin zu sein, die offen zu ihrer Sexualität steht: "Ich ficke, ich masturbiere, ich reibe an meiner Möse. So what? Fuck you?"
In der Tat ist dirty language im US-Rap zwar an der Tagesordnung, aber hierzulande scheitert Verständnis meist ohnehin a priori: .at-Denglisch und Hip Hop Slang don't fit... aber wenn dann eine/r kommt und plötzlich deutlich dekodierbar die ganze Zeit von Fotzen, Ficken, Blasen und Co. rappt, ist natürlich Aufmerksamkeit garantiert. Derzeit wird Bitch Ray von Pressetermin zu Pressetermin herumgereicht. Bisher erschienen drei EPs, ein Album wird wohl demnächst folgen. Der Aussage des Tagesspiegels (gefunden in der Wikipedia) kann ich mich daher nur anschließen:
Der Tagesspiegel, der ihre Musik als "professionell" lobte, stellte fest, dass es ihr nicht darum gehe, Mechanismen von Provokation und Vermarktung vorzuführen - sie bediene sie vielmehr ganz offen. Ihre Strategie, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, gehe daher auf.
Dass sie (vor allem bei den türkischen) männlichen Kollegen und Rap-Fans auf geteilte Reaktionen stößt, dürfte auch nicht weiter überraschen: das Myspace-Gästebuch strotzt nur so vor Beischlaf-Angeboten und Hasstiraden, wobei erstere allerdings bei weitem überwiegen. Auf ihrem myspace-Blog verleiht die Ex-Radiomoderatorin dem Phänomen Vaginalisierung der deutschen Sprache völlig neue Dimensionen:
Die Spiegel-TV-Redakteure waren meine Gäste und hatten die Ehre, an Lady Biatchs Möse mal zu schnuppern, außerdem haben sie meinen ultimativen Bitch-Honour-Auftritt mitten in meinem Wohnzimmer erleben dürfen... ...mit Titten-Pressen und Muschy-Reib-Aktionen von der Aufklärerin höchstpersönlich.
[...]
PS: An die Neider da draußen: Bellt weiter, ihr habt bald meinen Gummischwanz gaaaaaaaaaaaanz tief im Arsch stecken, Nutten und Nuttensöhne, ich ficke euch in den Anus. Meine Songs schmettern euch.
Und das finden dann letztendlich nicht ausschließlich pubertierende Identitätssucher geil, wie der Kommentar einer jungen Dame zeigt:
hey lady ray ...hab dich im spiegel gesehn ..war leider nich mein spiegelbild...isch find disch super...naja n bischen bitchig...aber is ma ne nedde abwechslung zum "hartenberlineryeahischfickedeinemuddarap"... du schlampiges ding du machs gut
Da Hip Hop zu einem hohen Grad davon lebt, Stereotypen zu perpetuieren (sorry, falls sich das jetzt so anhört, also ob ich was gegen Sprechgesang hätte: au contraire, unsere Liebesbeziehung feiert bald Goldene Hochzeit), und Härte plus Verbalaggression selbst in der Post-Alice-Schwarzer-Ära immer noch als primäre Männerattribute gelten, rennt ein Mädel natürlich ganz andere offene Sensationsreporter-Türen ein als ihre männlichen Berufskollegen. (Sidenote: vielleicht hätte Britney sich auch lieber an Dirty Language versuchen sollen, statt den Fotografen ihre unbeslipte Musche entgegen zu strecken.) Mir persönlich wär's ein bisschen zu viel Körpereinsatz, da bevorzuge ich dann doch konzeptionelles Marketing - mal ganz abgesehen davon, dass sowieso niemand sehen möchte, wie ich mich mit Nabelpiercing leichtbekleidet am Leopardenfell wälze... jedenfalls erinnert mich die ganz Inszenierung stark an Foucaults Schriften über den Körper - vielleicht doch kein Zufall, dass Lady Bitch Ray in Semiotik promoviert.
Da wird die Musik schnell zur Nebensache, wobei ich anmerken muss: die Songs am myspace-Profil gefallen mir. Phatte, zeitgemäß produzierte Beats, flowige Raps... gute Sache. Ziemlich abgedreht ist auch der Texte von Ich hasse dich, einer derben Beschimpfung von Sarah Connor, Jeanette Biedermann und Mel Beatz, die deutlich zeigt, dass Bitch Ray in der olympischen Kategorie "Dissen" jederzeit die Goldmedaille holen würde. Fürs angepeilte Zielpublikum bin ich wohl zu alt, aber ein paar Lady Bitch Ray Pladden würd ich sofort hier verlosen... macht sich sicher gut im Regal für "beängstigend gut gelungene weirde Marketingexperimente". Und wem das alles zu theoretisch klingt, der möge downloaden: bei Rap.de gibt's einen Track in hoher Quali zum Download: Hengzt, Arzt und Orgi (Direktlink)
Lady Bitch Ray bei Spiegel TV
Man beachte die großartige Meldung am Schluss: wissenschaftliches Arbeiten und Raptexte schreiben sei im Prinzip das gleiche, sagt Lady Bitch Ray. So viel zum Thema "Postmoderne goes Mainstream".
PS: Sabrina hat mir übrigens erzählt, dass der Auftritt bei "Willkommen Österreich" wohl eher peinlich ausgefallen sei. (Warum zum Geier lädt man eine Pornorapperin zur den Großeltern-Nachrichten ein? Oder war's doch "Österreich will kommen"?) Hat da vielleicht jemand einen Youtube-Link?
Was für eine besinnliche Woche! König Advent und seine Punsch-Standl Schergen brechen wie eine Naturgewalt über die westliche Welt herein; der Geruch von billigem Alkohol und altem Fett verbreitet weihnachtliche Stimmung in altehrwürdigen Winter-Fußgängerzonen. Blogistan indes lässt sich von allfälligen Kaltwettereinbrüchen keineswegs weiter beeindrucken: die Wir-Schweigen-Nicht Spiral dreht sich ganz Anti Noelle-Neumann'sch unaufhaltsam weiter nach oben.
Dem alten (männlichen) Weihnachtsgeschenk-Findungs-Problem begegnet Tschilp mit einem Adventkalender der konsumintensiven Art: ich, dessen Kosmetikrepertoire sich grosso modo auf Nivea Creme, Zahnpasta und Gilette Rasierwasser beschränkt (ich glaub, in Tirol ist der Metrosexuellen-Anteil besonders niedrig) hatte ja keine Ahnung von feinen Rot-Nuancen und zeitlosen beige-rosé-braun Kombis, geschweige denn vom poetisch-olfaktorischen Ruf der Karibik:
Von der schönsten Insel [...] stammt das absolut beste, pudrigste Parfum [...], gerade noch im Zaum gehalten mit einer Note reifer Ananas - Voodoo pur!
Klingt wie ein ziemlich trinkbares Starkbier... und ist vielleicht sogar multifunktional auch als Intimdeo einzusetzen! [via Max]
Max hat seine erste Facebook-Applikation fertig gestellt: Wissen belastet dürfte wohl ein Test für Things to come sein, das Programm tut folgendes:
Wissen belastet visualisiert das am öftesten verwendete Wort der letzten 100 Meldungen Österreichischer Medien.
Außerdem werden zugehörige Newsbilder angezeigt, ähnlich wie Max das im Header seines Blogs macht - ich hab die App natürlich auf meinem Profil und auf der datenschmutz Page gleich mal installiert - so ein kleines Trendbarometer hat definitiv was.
Für die aktuelle Ausgabe des österreichischen Wochenmagazins Format hat Alexandra Riegler Statements von Hannes und mir eingeholt. Unter dem Titel Blogger Business berichtet der Artikel von aktuellen Entwicklungen in der Linkwirtschaft und vom Boom der ehemaligen Online-Tagebücher.
Hannes berichtet von Blögger (näheres morgen), ich hab einen Kommentar zur Link-Miet Debatte abgegeben und erklärt, dass datenschmutz für mich in erster Linie hohen Experimental- und Spaßfaktor birgt:
Ziemlich erfolgreich ist unterdessen Austro-Blogger Pettauer: Für sein Ein-Mann-Unternehmen p*n*c (pettauer.net consulting) sei das Blog "sozusagen PR-Abteilung und Research-and-Development-Department in Domainunion". Geld ist dabei nicht der Hauptantrieb: "Wenn nebenbei noch Werbeeinnahmen anfallen, ist dies erfreulich, steht aber keineswegs im Zentrum der Bestrebungen", sagt Pettauer.
Wie ich heute über die quintessenz-Liste erfahren habe, hob das europäische Patent ein umstrittenes Amazon Software-Patent, gegen das der FFII eV (Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur) protestiert hatte, in vollem Umfang auf. Der Anwalt von Amazon kommentiert die Entscheidung während Verhandlung mit den folgenden Worten: "Needless to say, I'm very surprised."
München, 7. Dezember 2007 -- Am heutigen Freitag fand beim Europäischen Patentamt (EPA) die Anhörung im Einspruchsverfahren des Fördervereins für eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII e.V) gegen Amazons berühmt-berüchtigtes Patent zur Online-Geschenkbestellung statt. Bei diesem Patent EP927945 handelt es sich um Derivat des umstrittenen One-Click Patents, das Amazon in den USA hält und das bereits diesen Oktober in einigen Punkten wegen mangelnder Neuheit aufgehoben und abgeändert.
Hier geht's zur vollständigen Pressemeldung des FFII.
Eine der lästigsten Eigenschaften von Anti-Spam Captchas ist die Tatsache, dass man erst nach dem Reload von der eigenen Falscheingabe erfährt. Webnews hat dieses Problem recht komfortabel gelöst: direkt nach der Eingabe wird der User via Ajax-Reload darüber informiert, ob seine Eingabe richtig ist - das komplette Neuladen der Seite entfällt somit, und allfällige Vertipper können gleich korrigiert werden:

Praktische Sache - ich hoffe, dass dieses Beispiel auch bei anderen Plattformen Schule macht. In diesem Sinne wünsche ich fantastisch erholsame letzte Sonntagsstunden und einen feinen Start in die dritte Adventwoche; wir lesen uns! By the way: 1000 Dank an die 108 datenschmutz-LeserInnen, die bereits beim Bloggeramt für datenschmutz als "Blog des Monats" abgestimmt haben - ich bin zwischenzeitlich in Führung, aber die Konkurrenz ist hart, und ich bin natürlich weiterhin für jede Stimme dankbar!