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6 Online Marketing und Social Media Trends für 2015

Die großen digitalen Neuerungen am Marketing Sektor blieben 2014 vordergründig zwar aus, doch hinter den Kulissen der responsiven Interfaces hat sich indes ausgesprochen viel getan: Vor lauter Innovationshunger haben wir die neuen Networks ello und tsu kurzfristig frenetisch abgefeiert, um sie bald darauf wieder links liegen zu lassen. Google würfelte mit den Panda und Penguin Updates in den vergangenen 12 Monaten die Top-Suchmaschine-Ergebnisse gehörig durcheinander, Content Marketing und Corporate Blogging sind im Mainstream angekommen, Facebook und Twitter sind mit rasanter Geschwindigkeit auf dem Weg vom Netzwerk zur Infrastruktur, die Goldgräberstimmung im Camp App hat endgültig nachgelassen. Welche Online Marketing Entwicklungen sich für die kommenden 12 Monate abzeichnen, lässt sich ganz ohne Glaskugel leicht extrapolieren.

1. Währungswechsel: Nutzer-generierte Inhalte statt Likes und Shares

User generated Content

Von Nutzern generierte Inhalte spielen die erste Geige. Im chinesischen Kalender heißt 2015 “Das Jahr des Selfies”

Marketingkampagnen werden partizipativer. 2015 wird es nicht mehr darum gehen, mit den eigenen Kampagnen und Inhalten möglichst viele Likes und Shares einzusammeln, sondern um möglichst originelle Text-, (Bewegt)Bild- und Wortspenden der Crowd. Wenige Ideen werden dabei so viel Reichweite generieren wie die Ice Bucket Challenge, aber die neue “Währung” in punkto Engagement heißt “User generated content” und wird im Lauf des Jahres Social Signals in den Hintergrund drängen: Wie bringt man (potentielle) Kunden dazu, eigene Inhalte zu veröffentlichen, die sowohl originell sind als auch die eigene Verkaufsstrategie und Markenaffinität stärken? Das wird die große Herausforderung für Social Media Manager im kommenden Jahr.

Aus diesem Grund wird 2015 kaum mehr eine Kampagne zukünftig ohne #Hashtag auskommen. Hashtag-Losigkeit wird sozusagen die neue Avantgarde.

2. Der Online-Handel hält Einzug in die Offline-Stores

Social Content wird crossmedialer. Immer mehr Brands werden die Kunden-Testimonials nicht nur im Web aggregieren, sondern auf allen möglichen Kanälen mit Kunden-Inhalten werben. Weit mehr Offline-Shops als bisher werden Video-Walls oder andere interaktive Display-Elemente integrieren, physische und virtuelle Touchpoints verschmelzen zusehends. Ein solides Monitoring-Setup und ein strukturierter Umgang mit Kunden-Reviews werden fixer Bestandteil des Business-Alltags, aber semantische Systeme und automatisierte Sentiment-Analysen werden auch 2015 nicht ihren Durchbruch feiern.

Der mobile Sektor wächst, nach den Visits nehmen auch die Conversions via Smartphone zu. Die große Zeit der App-Stores ist schon jetzt vorbei, (mobile) Web-Apps werden immer leistungsfähiger und ersetzen viele “dedizierte” Apps. Die zweite Generation von Big Data Anwendungen scharrt in den Startlöchern. Nicht künstliche Intelligenz, sondern Open Data Applikationen werden ganz neue Tools für die digital-analoge Welt ermöglichen.

3. Facebook: Mehr Infrastruktur, weniger Aktivität, mehr Instagram

Jüngere Zielgruppen (13-18) nutzen Facebook weit seltener als jene Generation, die mit dem blauem Walled Garden groß geworden sind. Zugleich aggregiert FB Inhalte von immer mehr Quellen. Je dichter das Gedränge, desto relevanter die Filtermechanismen. Smartwatches und Selbstvermessungsgeräte aller Art liefern immer mehr Daten, und für die Werbung muss schließlich auch noch Platz bleiben. Diese Entwicklungen führen unweigerlich dazu, dass das bisher erfolgreichste Social Network als “Stammtisch” und privater Kommunikationshub an Bedeutung verliert.

In einigen Märkten wird WhatsApp 2015 das Mutterschiff in punkto Nutzungsfrequenz deutlich überflügeln. So wie’s derzeit aussieht, stehen auch Instagram goldene Zeiten bevor, beide Services gehören bekanntlich ja längst zum Zuckerberg-Universum. Instagrams Hyperlapse wird Twitters Videoservice Vine richtig wehtun und möglicherweise sogar Youtube ein kleines Stück vom Bewegtbildkuchen abjagen. Privacy bleibt ein großes Thema, Snapchat zeigt, dass den Nutzern die Kontrolle über ihre Inhalte zunehmend wichtiger wird.

4. Webdesign wird personalisierter sowie CTA- und Content-orientierter

Personalized Content

Inhalte werden immer genauer auf die einzelnen Nutzer zugeschnitten.

Das Call-to-Action Prinzip kommt mit gut fünf Jahren Verspätung endlich auch im D-A-CH Raum an. Dass Webdesign keine Geschmacks-, sondern eine Conversion-Frage ist, hat gravierende Auswirkungen auf die Gestaltung und Struktur von Homepages. Optimierte Landing-Pages gewinnen an Bedeutung, starre CMS-Systeme geraten noch stärker ins Hintertreffen. Modernes Web-Publishing wird flexibler. Design wird immer Inhalts-zentrierter. In welche Richtung die Entwicklung gehen kann, zeigt die Early Beta des “Template-losen” CMS the grid.

5. Online Werbung: Die AdWords-Luft wird dünner, Native Advertising gewinnt an Bedeutung

Dass Google seit einiger Zeit AdWords-Anzeigen deutlicher als bisher kennzeichnen muss, führt mittelfristig dazu, dass auch Otto Normaluser zwischen bezahlten und organischen Ergebnissen unterscheidet. AdWords-Setups werden immer ausgefeilter, Keyword-Research, Kampagnentuning und fein granuliertes Tracking sowie stetige Konkurrenzbeobachtung machen SEA (Search Engine Advertising) und SEO immer ressourcen-intensiver. Große Brands werden verstärkt auf Native Advertising setzen (müssen), um neue Zielgruppen anzusprechen und ins eigene Social-Versum hereinzuholen.

6. Bloggen kommt endgültig im Marketing-Mainstream an

Trend 2015: Corporate Blogging

Blogs sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Company und Crowd.

Der große Blogboom von 2014 wird nachlassen, die Szene konsolidiert und professionalisiert sich. Ich prognostiziere im D-A-CH Raum starkes Wachstum in noch wenig erschlossenen Nischen und eine dezente Stagnation am Lifestyle- und Testblog-Sektor. Außerdem werden mehr und mehr Unternehmen auf Corporate Blogs als Ergänzung im Marketingmix setzen. Blogger Relations werden zum ganz normalen Bestandteil von PR-Konzepten und während Social Media Manager längst etabliert sind, starten 2015 vielleicht schon die ersten Lehrgänge zum zertifizierten Corporate Blogger :-)

2015: Das Jahr der echten Interaktionen

Das Internet ist längst fixer Bestandteil der “Customer Journey” geworden. Mit Panda und Penguin hat Google Linkmanipulation ausgesprochen erfolgreich bekämpft, gekaufte Likes und Fans locken im Zeitalter der echten User-Interaktionen keine Conversion mehr hinter dem Ofen hervor. Nutzergenerierte Inhalte und Personalisierung quer durch alle Touchpoints werden die prägenden Digital-Merkmale des kommenden Jahres.

Wie lauten Ihre Online Marketing Prognosen für 2015?

Friend Cleanse und warum die Neugier dann doch siegt

Unlängst habe ich mal einer Freundin meine Meinung zum Thema “Sudern & alle sind gegen mich” gesagt. Via persönlicher Nachricht natürlich. Ich war nicht die erste in unserem Freundeskreis, die das gemacht hat. Die Folge davon: Ich und alle in unserem Umfeld wurden auf Facebook entfriendet bzw. geblockt. Selbst diejenigen, die potentiell noch dasselbe sagen könnten. Dann habe ich mich mal schlau gemacht: Ent-frienden ist wirklich ein Trend. Es gibt inzwischen wirklich viele Tipps, wie man das am besten macht. Das Frauenmagazin GRAZIA empfiehlt:

Neuer Social-Media-Trend: Entfreunden heißt jetzt Friend Cleanse und ist inzwischen auch in mainstreamigen Fraugengazetten ein Thema: Wie bitte? Sie folgen Ihrem Ex immer noch auf Twitter und Instagram? Das könnte zu Missverständnissen führen. Höchste Zeit, die Accounts mal richtig durchzuputzen… Wir erklären Ihnen wie und wie sich die Stars von lästigen Followern befreien.

Wer sich die Zeit nimmt, einen Friend Cleanse durchzuführen, geht meistens nach dem Prinzip vor, die Leute zu entfernen, die am meisten nerven. Wie in Jimmy Kimmels Straßenbefragung dazu unlängst zu sehen war, handelt es sich dabei um Leute, die sich z.B. erlauben, jeden Morgen “Guten Morgen” zu posten. Oder noch schlimmer: Wieviele Kilometer sie gelaufen sind. Ganz schlimm sind aber jene, die glückliche Happy-Peppi-Familien- und Freundschafts-Bilder posten. Oder gar Karibik-Fotos, während man sich selbst bei der entsetzlichen Kälte vor Ort ohnehin schon dabei ertappt, depressiv nach dem “Sinn des Ganzen” zu fragen:

Nun gut, nun denn. Wenn es nur so einfach wäre. Da war die eine Freundin, die dann doch nicht davon lassen konnte und geblocktes wieder ungeblockt liest. Dann wären da noch die anderen, die manchmal böse auf einen sind, weil man ja sie nicht in die eigene Vorlesung eingeladen hat etc. However, alle haben dir als Strafmaßnahme ein Blockieren angedroht, alle haben es getan. Das Lustige daran: Niemand hat es länger als ein paar Wochen durchgehalten, so zumindest meine Erfahrungen mit dem Thema Friend Cleaning.

Friend Cleanse: Je höher der Glanz, desto tiefer und schöner der Fall

Warum lösen so viele nach einer gewissen Zeit wieder ihre Blockaden, sprich: Friend-ge-cleante bekommen wieder einen Friend Request zugeschickt (so merkte ich bei den meisten überhaupt erst, dass sie mich gecleant haben) oder von Postings gezielt ausgeschlossene Personen dürfen plötzlich wieder mitlesen?

Nun, es ist dasselbe Prinzip, nach dem Celebrity-Beiträge funktionieren, Horror-Meldungen gerne gelesen werden oder einen ganz einfach die Kontrollsucht wieder einholt. Wir wollen eben wissen, was der andere so treibt, ergo, was in dieser Welt so vorgeht. Bei Stars und Sternchen interessieren uns die Skandale, bei den Happy-Peppi-Fotos der Freunde ebenso der spätere tiefe Fall: “Ha, dem geht’s auch nicht besser als mir! Zu früh gefreut!” Nicht nur bei Horrormeldungen wie Naturkatastrophen, Erdbeben etc. kann man unterbewusst seine eigene Situation legitimieren. “Wie schrecklich das ist, seien wir doch froh, dass es uns eigentlich ohnehin so gut geht.”

Facebook Friend Cleanse

Friend Cleaning statt Frühjahrsputz? Das Management der erwünschten Kontakte birgt so seine Tücken.

Dann wäre da natürlich noch die Informationsfunktion, im Bekannten- und Freundeskreis “Neugier” genannt. “Was die oder gar der Ex wohl gerade treibt? Die oder der werden sich anschauen: Nichts mehr mit Kletterfotos ohne mich. Keine lustigen Party-Pics mehr, wenn ich nicht dabei bin…”

In der Medienwissenschaft nennen wir das Nutzenansatz bzw. Uses and Gratifications Approach. Die Information, die Kontrolle, die Legitimation der eigenen Situation, sich als Teil einer Familie/Gruppe zu fühlen, sind nur einige Aspekte, die diese Bindungen an auch “nervige oder gar böse (z.B. Trennung, Meinung sagen) “Freunde” oder generell Kontakte erklären. Nicht persönlich bekannte Akteure (soll ja auf Facebook und Co ab und an vorkommen) erfüllen auf Social Media Plattformen auch die Funktion, die F.R.I.E.N.D.S. einer Serie abdecken können. Man fühlt sich nahezu als eine Art Familienmitglied und will schließlich wissen, wie lange der öffentlich zelebrierte Liebeskummer von “LaBoum1″ noch andauert. Oder ob der Fasan von “Walterissttaeglich” bei dem besch… Rezept genießbar war.

Wie auch immer, ich stehe dazu, ich mag auch die “nervigen” Freunde gerne. Ich will Eure Geschichten, Partypics und Tränen. Ich brauche nicht nur trockene Politik- und Wirtschaftsnews. Ihr kriegt dazu im Gegenzug meine @Pula Dog-pics. Gebt mir ruhig ein wenig Emotionen und Drama. Friend Cleanse: Fange ich mir gar nicht an!


Titelfoto: Rainer Sturm / pixelio.de

Social Media Nutzer-Zahlen in Österreich 2014: Von Netzen und deren Nutzen für Unternehmen

Wiederholte Frage an Radio datenschmutz: Spielen neben Facebook eigentlich noch andere soziale Netzwerke in Österreich eine Rolle? Antwort: Das kommt drauf an, wie man die hiesigen Social Media Nutzerzahlen berechnet… Auf Facebook sind mittlerweile 38% der Alpenrepublikaner registriert, 56% nutzen Youtube aktiv. Ohne Youtube machen Twitter, LinkedIn, Instagram, Google+, Pinterest, Ello, medium und tsu Nutzer sogar zusammengezählt immer noch unter 20% der Gesamtbevölkerung aus, in etwa gleich viele Österreich nutzen überhaupt kein Internet.

Wer aber einen tsu-Account hat, hängt ziemlich sicher auch bei Pinterest rum. Und die Österreicher auf Pinterest twittern alle… und so weiter. Deshalb liegt die Gesamtzahl der Zuckerberg-Fremdgänger natürlich noch viel niedriger. Niedrig einstellige Prozentzahlen lassen sich nun mal so schlecht schätzen, und die meisten kleineren Netzwerke geizen bekanntlich gern mit kleineren Zahlen für noch kleinere Länder. Da zählt nicht mal mehr Alexa mit.

Kennen Sie den kürzesten Social Media Witz? “Kommt ein Österreicher auf ein Pinterest Board.”

Die eigentliche Fragestellung dieses Blogbeitrags – Auf welchen Social Media Plattformen sollten österreichische Unternehmen vertreten sein – erinnert mich an eine Textstelle aus dem “Hexer” von Wolfgang Hohlbein. Der und sein Mentor Lovecraft steigen in einer kleinen englischen Fischerkneipe ab und fragen den Wirt, was es denn um Dinner gäbe:

“Es gibt Fisch, Fisch oder Fisch,” sagt der Wirt mit mißmutigen Blick. Howard runzelte die Stirn, überlegte einige Sekunden angestrengt und antwortete: “Dann nehme ich Fisch!”

Tja, das ist die grausame Wahrheit: Facebook kann so streng riechen, wie Zuckerberg will und uns armen Seitenbetreibern die Reichweite noch weiter runterschrauben. Wir können nämlich bloß weiter Münzen in den Werbebudget-Automaten einzuwerfen. Das war schon damals so mit dem blöden Fernsehen und der Kronenzeitung.

Aktuelle Social Media Nutzerzahlen für Österreich / Ende 2014

  • Facebook
  • 3,4 Mio
  • Twitter
  • 120k
  • Google+
  • 800k – 1 Mio
  • Instagram
  • 80k – 400k
  • Youtube
  • 4,8 Mio
  • LinkedIn
  • 430k
  • Pinterest
  • 4k – 20k
  • andere
  • ?

Quellen: Socialmediaradar, Alexa, Digitalschmankerl

An dieser Stelle kann man einfach nicht schreiben: Aber es gibt ja zum Glück auch Alternativen. Nur gibt’s halt leider unglücklicherweise keine. Dennoch möchte ich hier auf vielfachen Kundenwunsch, komprimiert und auch für die 19 Prozent Nichtsurfer leicht verständlich erklären, was es denn für Alternativen gäbe, wenn die genügend Nutzer hätten, und was Unternehmen denn dort tun könnten. Aber zuerst noch zu der Frage: Wie kommen diese Zahlen zustande?

Social Media Nutzerzahlen: Von Quellen und Schätzungen

Wer Zahlen aus dem Zusammenhang reißt, kommt in die Statistikerhölle. Dort werden wir Social Media Analytiker früher oder später wohl alle landen, aber was bleibt einem bei so spärlicher Primärdatenlage auch anderes übrig, als frei zu fabulieren? Man könnte bei Digitalschmankerl nachschauen, Petra hat nämlich für ihre zweite Masterarbeit selbst Daten erhoben und sie in folgende, für mich sehr glaubwürdig aussehende, Grafik gepackt:

Social Media Networks - Nutzungszahlen Österreich

Social Media Nutzung in Österreich: Nutzerzahlen im Vergleich zu Deutschland und den USA. [Grafik von Alex Hohenthaner / socialbunf]

Die Liecheneckers haben in Zusammenarbeit mit Mindtake auch eine Studie durchgeführt, bei der Online 751 Surfer befragt wurden. Das Deckblatt behauptet zwar optimistisch, die Ergebnisse seien repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren mit einer Schwankungsbreite von 4,4%. Demnach wären 70% dieser Bevölkerungsgruppe bei Facebook registriert, 15,80% bei gar keinem Social Network. Sind das die ohne Internet? Nein, denn die Antworten sind natürlich nur repräsentativ für jene surfende Mehrheit der Bevölkerung, die Online-Umfragen ausfüllt. Spannend aber dennoch die Verteilung im Detail – hier steigt Instagram nämlich weit vor LinkedIn aus. Als gelernter qualitativer Sozialwissenschaftler muss ich mich da natürlich sofort fragen: Haben Business-Surfer vielleicht einfach keine Zeit, lange Fragebögen auszufüllen, Twitteranten aber schon?

Social Network Zahlen - Nutzung in Österreich

Teilnehmer von Online-Befragungen nutzen überdurchschnittlich viele Social Networks.

Twitter, Google+, LinkedIn, Instagram und Co. für österreichische Unternehmen

Welche Rolle spielen die einzelnen Networks für Unternehmen, die auf dem östererichischen Markt tätig sind? Im Vergleich zu Facebook jedenfalls eine untergeordnete – und natürlich sind viele heimische Firmen auch auf internationalen Märkten tätig, wo je nach Region bzw. Kontinent ganz andere Favoriten am höchsten in der Gunst der Social Media Nutzer stehen.

Twitter für Unternehmen: Der Pressesprecher und sein Journalist

Twitternutzung in Österreich

Twitter ist eine Plattform zum Austausch von Kurznachrichten. Ursprünglich in den USA als günstige Alternative zu SMS groß geworden, entwickelte sich das Netzwerk rasch zu einem Lieblingsspielzeug vor allem der Kommunikationsbranche.

Der Stellenwert, dem Twitter in der medialen Diskussion beigemessen wird, entspricht keinesfalls den realen Nutzungszahlen in Österreich. Etwas über 120.000 Accounts sind gerade einmal 3,5 Prozent alles österreichischen Facebooknutzer (3,4 Mio). Für Unternehmer ist Twitter dennoch vor allem im PR-Bereich relevant, da dem Beispiel Armin Wolfs folgend hierzulande überdurchschnittlich viele professionelle Kommunikatoren Twitter zumindest gelegentlich nutzen.

Als reiner Ankündigungskanal empfiehlt sich die Plattform nicht. Wer auf Twitter aktiv wird, weckt den Anspruch auf Erreichbarkeit und sollte kurze Antwortspannen gewährleisten können. Während in den USA, wo Twitter vor allem aufgrund der permanenten Präsenz als Fernseh-Newsticker wesentlich populärer ist als in Europa, etliche Unternehmen von positiven Erfahrungen berichten (Dell sprach aktiv Support-Kunden an, die sich über Produktmängel beschwerten, Starbucks verteilte Tweet-Gutscheine für ermäßigte Kaffees), sind die Reichweiten österreichischer Unternehmen auf Twitter ehr begrenzt.

Google+ für Unternehmen: Eigentlich ein Job für die SEO-Agentur

Google+ Nutzung in Österreich

Unter dem Eindruck des großen Erfolgs von Facebook startete Google mit “Plus” vor wenigen Jahren selbst den Versuch, Branchenprimus unter den Social Networks zu werden. Trotz überlegener technischer Funktionalitäten (unkomprimierte Fotos, Hangout Videochats) ist dieses Ziel mittlerweile als gescheitert zu betrachten. Google kommuniziert keine genauen Nutzungszahlen für Österreich, die Durchsuchbarkeit der Plattform ist ähnlich wie bei Facebook durch die jeweiligen Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer eingeschränkt.

Durch die enge Verzahnung von Google+ mit anderen Services desselben Betreibers (Youtube, Gmail etc.) gelang es zwar, die Zahl der Accounts nominell in die Höhe zu betreiben, aktiv genutzt wird Google+ in ganz Europa allerdings kaum. Die Zukunft des Netzwerks ist zum jetzigen Zeitpunkt recht ungewiss. Recht populär bei spärlich vorhanden Nutzern sind vorwiegend die “Communities”, Plus’ Pendant zu Facebookgruppen.

Die Attraktivität der Unternehmensnutzung lag bis vor kurzem vor allem in der immer engeren Verzahnung des Google-Suchindex mit dem Plus Network. Für die Authorship, die Anzeige von Autorenbildern/Logos innerhalb der Suchergebnisse, war eine Google+ Page zwingend erforderlich. Vor wenigen Wochen hat Google die Authorship allerdings wieder abgeschafft und angekündigt, Plus wieder stärker von den anderen Services zu trennen.

Dass Google daran interessiert ist, Social Signals für den Suchindex auszuwerten, hat Matt Cutts, Chefentwickler des Suchalgorithmus, kürzlich bekräftigt. Inwieweit sich Aktivitäten auf einer Google+ Unternehmenspage mittelfristig auch die Suchergebnisse auswirken, ist derzeit allerdings ein heiß diskutiertes Thema. Für Local Businesses, als Unternehmen, die über eine oder mehrere Filialen verfügen und über die lokale Suche besser gefunden werden möchten, gibt es derzeit keine Alternative zu einer Google+ Page.

LinkedIn für Unternehmen: Die machen Content Marketing, nicht Lebensläufe

LinkedIn für Unternehmen

LinkedIn wird häufig als das “amerikanische Xing” bezeichnet, obwohl die Plattform strukturell völlig anders funktioniert. Zwar spielt auch bei LinkedIn die Pflege des eigenen Profil-Lebenslaufs eine zentrale Rolle, daneben hat sich das größte Business-Social-Network in den letzten Jahren allerdings sehr stark auf Publishing-Services fokussiert.

Neben zahlreichen populären Wirtschafts-Autoren haben seit wenigen Monaten alle Mitglieder die Möglichkeit, umfangreiche Postings zu veröffentlichen und sich so als Experten zu positionieren bzw. in weiterer Folge beträchtliche Reichweite aufzubauen. Für Unternehmen bietet LinkedIn „Corporate Pages“ an, Unternehmens-Seiten mit einem eigenen Newsfeed und Unterseiten, sogenannten “Focus Pages”. Diese ergänzen die Inbound-Strategie von LinkedIn: Ziel der Plattform ist es, die richtigen Ansprechpartner und Inhalte über eine komplexe Suche möglichst leicht auffindbar zu machen.

Instagram für Unternehmen: Selbstinszenierung, auch für Unternehmer

Instagram Nutzungszahlen

Instagram simuliert erfolgreich die Ästhetik alter Sofortbildkameras. Was war zuerst, Instagram oder der Selfie-Trend? Anfang 2014 nutzten 12,9% der Amerikaner und 1,2% der deutschen Bevölkerung Instagram, Nutzungszahlen zu Österreich sind nicht bekannt.

Instagram lebt als ausschließlich mobiles Netzwerk von der visuellen Echtzeit-Kommunikation. Die erfolgreichsten Markenauftritte setzen auf spektakuläre, exklusive aber zugleich auch authentische Bildwelten. Da Instagram Hashtags unterstützt, eignet sich die Plattform auch zur Abwicklung von Foto-Bewerben.

Instagram ist definitiv kein Kanal für klassische Werbebilder und –botschaften, lässt sich aber unterstützend hervorragend einsetzen, um einem Unternehmen bzw. einer Marke “ein Gesicht zu geben”, sprich für den Blick hinter die Kulissen. Das empfehlen und praktizieren zumindest etliche Social Media Agenturen. Ich dagegen poste auf Instagram vorwiegend Fotos meiner Hündin Pula, denn mich selbst interessieren Blicke hinter Agenturkulissen ehrlich gesagt nicht besonders.

Pinterest für Unternehmen: Die Pinwand an der Außenfassade

Pinterest Zahlen Österreich

Obwohl Pinterest seinen Höhenflug bereits 2013 begann und Mitte des Jahres 70 Millionen Nutzer hatte, ist das Netzwerk der virtuellen Pinwände noch nicht in Europa angekommen. Bitkom geht von einer halben bis einer Million Nutzern in Deutschland aus, in Österreich dürfte die Zahl der aktiven Pinterest-Accounts nach wie vor deutlich unter einem Prozent liegen.

Als einziges Netzwerk hat Pinterest mit 80% einen ausgeprägt hohen Frauenanteil, auf den Pinwänden dominieren die Themen Lifestyle, Hochzeitsplanung und Kulinarik. Einrichtung und laufende Moderation eines Pinterest-Boards sind zwar mit vergleichsweise wenig Aufwand verbunden, rentieren sich aber zum jetzigen Zeitpunkt nur für Unternehmen, die international tätig sind. Ich hab Pinterest schon von Anfang an genutzt und verwende die Seite gern als visuellen “Merkzettel” für Infografiken und außergewöhnliche Fotos.

Youtube für Unternehmen: Da wohnt der Videotraffic

Youtube Nutzerzahlen

Youtube gehört Google und ist primär die größte Videohostingplattform der Welt, besitzt daneben aber auch alle typischen Social Network Funktionalitäten. Für Unternehmen eignet sich Youtube sowohl als Hostings-Plattform als auch zum Betrieb eines eigenen Kanals – sofern ausreichend aktuelle Video-Inhalte laufend zur Verfügung stehen. Youtube ist vollständig durchsuchbar und in die Google-Suche integriert, Videoinhalte sind aus dem Web nicht mehr weg zu denken – Youtube stellt sie für alle Endgeräte zur Verfügung und bietet qualitativ hochwertiges Hosting an. Unternehmen, die Youtube nutzen, sollten auf ausführliche Meta-Beschreibungen und Stichworte achten.

Newcomer für Unternehmen: ello, medium, tsu

tsu Nutzungszahlen

Die grassierende Unzufriedenheit vier Nutzer mit dem etablierten Netzwerk Facebook scheint neuen Anbietern in jüngerer Vergangenheit Markteintrittschancen zu eröffnen. Steigende Bedenken über den Umgang mit persönlichen Daten sorgen im Spätsommer 2014 beim Newcomer ello.co dafür, dass sich zweitweise bis zu 30.000 Personen pro Stunde registrierten. Ello verspricht völligen Verzicht auf Werbung und garantiert Datenschutz, finanzieren will sich der Anbieter über kostenpflichtige Premium-Features.

tsu dagegen setzt auf monetäre Kompensation der Nutzer. Im September gestartet, will tsu 90% der Werbeeinnahmen an die User ausschütten. Beide Social Networks sind erst wenige Wochen alt.

Seit knapp zwei Jahren versucht medium.com, ein Netzwerk der Twitter-Gründer, statt auf kurze Status-Updates ganz auf lange Texte zu setzen. medium ist mehr Publikationsplattform als Social Network, beeinflusst mit seiner auf Inhalte fokussierten Ästhetik allerdings bereits klassische Medienanbieter weltweit. Wer so aufwändig Inhalte produziert, wird sich aber vermutlich auch eine eigene Domain leisten können und ist mit einem Blog besser beraten.

Fazit: Der eigene “Social Hub” wird immer wichtiger

Zwar tauchen immer mehr neue Bewerber im Rennen um die Aufmerksamkeit der Social Media Nutzer auf, doch dass sich in den kommenden 12 Monaten ein neuer Bewerber ernsthaft gegen Facebook wird durchsetzen können, ist aber äußerst unwahrscheinlich: Der Marktführer ist nicht nur von den Nutzerzahlen weit vorne, sondern inzwischen auch stark in der Infrastruktur des Web verankert (Facebook-Login).

Eine eigene, gut in die Social Media Landschaft integrierbare Homebase wird daher immer wertvoller. Hochwertige Inhalte fühlen sich am eigenen Blog am längsten am wohlsten, und lassen sich von dort am elegantesten in die verschiedenen Social Networks distribuieren. Und selbst wenn die Sache mit Pinterest und Co. hierzulande nie klappen sollte, dann liegen die Bilder gut indexiert auf der eigenen Seite und bringen Traffic, auch wenn nur drei Österreicher auf ello posten. Deshalb Mein Ratschlag an alle Unternehmen: Die eigenen Web-Properties sind und bleiben am wichtigsten. Produzieren Sie hochwertige Inhalte für Ihre eigene Unternehmens-Homepage oder Ihr Unternehmensblog und kreieren Sie so ihre eigene Social Media Zentrale, von der aus Sie Ihre Botschaften in die passenden Netzwerke verteilen. Ich berate Sie gerne dabei, wie das am effiziensten funktioniert.

dUTS Kalkulator: Vergleichen Sie Ihre Twitter-Performance mit den Top 10

Twitter war, ist und bleibt in Österreich im Vergleich zu Facebook ein Nischenmedium – wenngleich eines, das von überdurchschnittlich vielen Journalisten, PR-Profis und Kommunkations-Experten gern und häufig frequentiert wird. Gerade mal 120.000 Österreicher haben sich bei der populärsten Microblogging-Plattform registriert. Diese Zahl nimmt sich gegenüber 3,4 Millionen Facebook-Accounts recht bescheiden aus, dennoch ist Twitter ständig medial präsent, denn Journalisten und Social Media Berater sprechen nun mal vorzugsweise über sich selbst.

Viele haben versucht, den Impact von Twitter zu messen, alle sind gescheitert. datenschmutz experimentiert und fährt unzählige Testreihen, bevor definitive Aussagen getroffen werden. Dieses Prinzip hat sich seit 2002 bewährt. Nach jahrelangen, intensivsten Bemühungen, nach unzähligen ethisch zumindest fragwürdigen Testreihen in den datenschmutz Labors ist es diesem Blog daher nicht zum ersten Mal gelungen, komplizierte Sachverhalte in eine einzige, elegante Kennziffer zu komprimieren.

Denn der Vorstand will wissen: Macht dieses Twittern überhaupt Sinn?

Wer noch nie dem Charme wild-romantischer Verlaufskurven erlag, der werfe den ersten Troll. datenschmutz ignoriert Ideologie-zentrierte Rhethoriken greift zu fundierter Simplifizierung. Wer die Formel beweisen möchte, muss ab jetzt mitdenken, denn es folgt jetzt Twitter Mengenlehre für Fortgeschrittene. Axiomfrage: Wussten Sie, dass es nur zwei relevante Kennzahlen im Microblogging-Kosmos gibt?

Der Twitter Score - dUTS

Die Zukunft: dUTS Kalkulatoren aus dem 3D-Drucker?

  1. Zum einen das Verhältnis von “Folge ich” zu “Followern”, das deutlich unter eins liegen sollte – wir nennen diese Variable R wie Relevanz. Und zwar aus einem ganz simplen Grund: Tweeps, die mehr Leuten folgen als vice versa, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verzweifelte Social Media Manager, die auf Re-Follows hoffen und Twitters Anti-Spam Policy verfluchen. Wir geben uns keinerlei Illusionen hin: Twitter ist ein “Some-to-many-more” Medium.
  2. Zweitens spielt auch das Verhältnis von Tweets zu Followern eine bedeutende Rolle – diese Variable heißt in unserer Formel E wie Effienz. Sie kennen ja den Spruch vom blinden Huhn und seinem Korn… wer nach 400.000 Tweets “schon” 400 Follower hat, ist nicht erfolgreich, sondern bloß unangenehm geschwätzig.

Daraus ergibt sich in unserem linearen, vierdimensionalen Universum unweigerlich: multipliziert man R mit E und bildet anschließend den Kehrwert, so erhält man als Ergebnis den dUTS, kurz für “datenschmutz Ultimate Twitter Score”. Je höher die Zahl, desto größer Ihre Coolness und desto kleiner ihr Twitter CO2-Fußabdruck*.

Die Formel lautet also wie folgt:

1 / [(Folge ich / Follower) * (Tweets / Follower)] = dUTS.

Mathematiker erkennen sofort, welche Frage der dUTS beantwortet: Wieviele Tweets haben Sie benötigt, um möglichst viele Menschen für Ihre Inhalte zu interessieren? Ob Superstar oder Mikronischen-Prediger spielt dabei keine Rolle, denn der dUTS skaliert nicht. In Account mit 100 Tweets, der 1000 anderen folgt und selbst 10.000 Follower hat, erhält das gleiche Ergebnis wie ein Account mit 10 Tweets, 100 Follows und 1.000 Followern.

Messen Sie Ihre Twitter Performance

Social Media Berater bei der dUTS-Berechnung. (Stock Photo)

Benchmark: Wie schneiden zufällig ausgewählte österreichische Twitter-Accounts ab?

Ich hab einfach mal die Top 10 von SocialMediaRadar durch den dUTS Kalkulator laufen lassen – hier die auf komplexer, fehleranfälliger und vor allem veralteter Technologie basierende Reihung von SMR. In Kursivschrift ist der dUTS angegeben. Der misst, das zeigt bereits der erste Blick, primär “Fame” – also Popularität. Beim dUTS zählen nicht Technologie-Kenntnis und Twitter Kung Fu, sondern allein die Botschaft und wer sie hören will.

  1. Armin Wolf – @arminwolf – 845,030
  2. derStandard.at – @derStandardat – 4,017
  3. Ingrid Thurnher – @IngridThurnher – 982,264
  4. Floriank Klenk – @floianklenk – 117,763
  5. profil online – @profilonline – 135,009
  6. Hanno Settele – @HannoSettele – 967,170
  7. Karim El-Gawhary – @Gashary – 763,686
  8. Webstandard – @webstandard – 7,637
  9. David Alaba – @David_Alaba – 26.626.701,120
  10. Corinna Milborn – @corinnamilborn – 35,470

Sortiert man die Liste neu nach dem dUTS, ergibt sich ein deutlich anderes Bild mit einem völlig uneinholbaren, relativ tweetfaulen, aber sehr beliebten David Alaba an der Spitze, gefolgt von der seit Ottos ZIB-Auftritt nicht minder legendären Ingrid Thurnher:

  1. David Alaba – @David_Alaba – 26.626.701,120
  2. Ingrid Thurnher – @IngridThurnher – 982,264
  3. Hanno Settele – @HannoSettele – 967,170
  4. Armin Wolf – @arminwolf – 845,030
  5. Karim El-Gawhary – @Gashary – 763,686
  6. profil online – @profilonline – 135,009
  7. Floriank Klenk – @floianklenk – 117,763
  8. Corinna Milborn – @corinnamilborn – 35,470
  9. Webstandard – @webstandard – 7,637
  10. derStandard.at – @derStandardat – 4,017

Außerdem hab ich die Account-Daten von einigen alten Twitter-Bekannten und natürlich meine eigenen gecheckt – mit durchaus überraschendem Resultat:

  1. Ritchie (en) – @datadirt – 653,46
  2. Astrid – @kom_forschung – 70,0
  3. Ritchie (de) – @datenschmutz – 8,33
  4. Judith – @linzerschnitte – 0,92
  5. Martin – @leyrer – 0,028

Was ist Ihr dUTS [datenschmutz Ultimate Twitter Score]? Verwenden Sie den Kalkulator, posten Sie das Ergebnis, um ebenfalls in die dUTS Charts eingetragen zu werden!

* Für die Mathematiker: man hätte auch auf den Kehrwert verzichten und sagen können, “je kleiner die Zahl”. Aber ich eins durch das Ergebmos dividiert, damit man auf T-Shirts besser mit dem dUTS angeben kann.

Ikea will seine größten Fans aus dem Netz kicken

Ikea-Fanpages, die in den letzten Jahren unter wohlwollender Duldung des Möbelhauses große Popularität erlangten, bläst nun ein kalter Wind aus Schweden entgegen. Ikeahackers.com und Ikeafans.com durften sich in den letzten Wochen über “Cease-and-Desist” Briefe freuen, in denen das Unternehmen nicht weniger als die Übergabe der jeweiligen Domain fordert. Im ersteren Fall sahen die Anwälte nach einem lauten virtuellen Protesten vorerst mal ab, im zweiten Fall klagten die Betreiber nach ergebnislosen Verhandlungen nun erst mal selbst die Schwedentischler.

Über die rechtlichten Implikationen solcher Brand vs. Fans Schlachten können bloß Juristen urteilen, ich finde die Causa so spannend, weil sie paradigmatisch eines der großen Konfliktfelder des modernen Marketings aufzeigt. Social Media Kommunikation ist längst in Unternehmen angekommen – auch wenn der Marketingchef selbst vielleicht nicht im Detail weiß, wie man Facebook-Ads schaltet, hat er inzwischen entweder eine Social Media Managerin in der Abteilung sitzen oder die Facebook- und Twitter-Aktivitäten des Unternehmens an spezialisierte Dienstleister ausgelagert. Die richtigen Probleme beginnen kurioserweise aber erst dort, wo sich dieser gebetsmühlenartig beschworene Dialogeffekt dann tatsächlich einstellt. Die Paradoxie muss man sich mal vorstellen: da bemüht man sich redlich, Opinion Leader zu “Markenbotschaftern” zu konvertieren. Und kaum glückt mal so ein Glaubensübertritt, stellt man entsetzt fest: der Botschafter macht mit unserer Marke ja, was er will! Und weil er nicht auf unserer Payroll steht, haben wir auch kein Druckmittel gegen ihn – außer die gute alte Rechtsabteilung.

Der Otaku, sein Seth Godin und Ikeas gelb-blaue Riesenwelt

Wenn Unternehmen unter teils heftigem Ressourceneinsatz versuchen, die eigene Kundenschar in die Produktentwicklung mit einzubeziehen, so spricht der Fachmann von Cocreation – die Fortführung des Crowdsourcing mit strukturierterem Mittel soll die Entwicklungsabteilung näher an die Bedürfnisse der Kunden heranführen, Ideen sammeln und letztendlich brauchbare Vorschläge in Produkte und Dienstleistungen überführen.

Als größter “Selbstbau-Möbel” Hersteller der Welt findet sich Ikea in einer Situation, die andere Marketer wohl als den Idealfall ansehen würden: rund um die Produkte des schwedischen Konzerns entstanden etliche Do-it-Yourself (DIY) Communities, die aufzeigen, was man mit den vorkonfektionierten Teil abseits ihres geplanten Verwendungszweckes so alles anstellen kann. Wie Seth Godin nicht müde wird zu betonen, leben wir in einer Zeit des Überangebots, in der es immer schwieriger wird, aus der Masse an Konkurrenten herauszustechen. Ein unverzichtbarer Bestandteil im modernen Marketing-Mix sind daher jene “Hi-Potentials”, die der Japaner als Otakus bezeichnet. Hardcore Fans, die beispielsweise hundert Kilometer weit reisen, nur um eine neue Chilisauce auszuprobieren.

Lauter Freaks, die häufig auch noch Weblogs betreiben und von der Selbstzerfleischung klassischer Medien profitieren: denn ihnen glauben ihre Leser viel eher, dass der neue Lippenstick von Giorgio Whoever 30% grüner trotz Rotstich ist. Eher zumindest als dem Lifestyle-Magazin, das gleich neben der linksseitigen Lobeshymne die passende Ganzseiten-Anzeige mit Lippenstiftprobe präsentiert. Manche von ihne sind vielleicht genauso käuflich wie die meisten Redaktionen, aber im Gegensatz zum Journalisten, dessen Job im wesentlichen darin besteht, die lästigen Leerräume zwischen den Anzeigen mit Content zuzuschaufeln, lieben sie überdurchschnittlich häufig die Dinge, über die sie schreiben. Sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Handys, Alben und eben auch Möbeln. Wer sonst erklärt meinen Kumpel Pete, wie er am einfachsten die neuen Billy-Türen ans alte Billy-Regal montiert?

Wenn die Schwedenbombe einschlägt

Das Verhältnis zwischen den Produzenten beliebter Produkte und deren motiviertesten Kunden ist spätestens seit Beginn des Internets ein angespanntes. Zwar hat sich mittlerweile selbst in den Rechtsabteilungen herumgesprochen, dass Zweckentfremdung, Reverse Engineering und DIY-Umdeutung der eigenen Produkte eher in die Kategorie “Hardcore-Fantum” als Produktpiraterie fallen. Doch in unserer digitalen oder zumindest augmentierten Produktwelt spielen Zugangsbeschränkungen eine ökonomische (und immer stärker auch eine überwachungstechnische) Schlüsselrolle.

Dass Handys sich nicht ohne weiteres von ihrer Betreibersperre befreien lassen, dass die Apfelmännchen aus Cupertino Bild und Ton in notorisch neurotische Zwangsjacken wie iTunes quetschen, hat erstmal ganz handfeste ökonomische Gründe. Auf der anderen Seite des Flusses winkt jedoch die Open Source Fee mit allerlei sexy Versprechungen von freier Produktnutzung, offenen Schnittstellen und gewünschter, dezentralisierter Weiterentwicklung. Die zentrale Frage, die sich Unternehmen stellen müssen, lautet: wieviel Kontrolle wollen und können wir abgeben? Mirko Tobias Schäfer, Assistant Professor an der Universität Utrecht, hat darauf eine eindeutige Antwort:

Whatever it is, IKEA is poorly advised in bullying their fans. I have written a book it. In Bastard Culture!: How User Participation Transforms Cultural Production (MediaMatters), I explain at length that users constitute an extension of a companies production. They actively become co-producers of corporate products and services. Whether the companies like or not, their users form an extended research and development department that works better than any marketing driven corporate research facility.

Mirko erinnert in seinem dringend empfohlenen Artikel an eine frühere Begebenheit: Sony handelte sich mit dem Versuch, die Fanpage Aibopet zum 1999 auf den Markt gebrachten Robot-Hund Aibo zu schließen, einen der ersten Shitstorms überhaupt ein. Damals lautete der Vorwurf offiziell “Reverse Engineering”, das nach dem Digitial Millenium Copyright Act verboten sei. Heute geht es Ikea vordergründig um die Markenrechte – eine juristisch vermutlich relativ leicht durchsetzbare Forderung, zumal beide fraglichen Webseiten “Ikea” als Namensbestandteil enthalten.

Verwechslungsgefahr besteht wohl kaum, außerdem scheint dem Management die Glätte des Terrains durchaus bewusst zu sein. SFGate zitiert ein Statement IKEAs an Yahoo News nach beginnenden Protesten:

It has of course never been our ambition to stop their webpage. On the contrary, we very much appreciate the interest in our products and the fact that there are people around the world that love our products as much as we do. We are now evaluating the situation, with the intention to try to find a solution that is good for all involved.

IKEA, mit seinen Kunden sonst gern per du, scheint in einer Zwickmühle zu stecken. Will man einen Shitstorm riskieren und das Image eines Möbelhauses für Selbstbauer mit radikalem Vorgehen gehen “erweiterte” Selberbauer beschädigen? Da schiene es doch vernünftiger, die Selbstbau-Communities zumindest unbehelligt weiterwerkeln zu lassen. Ungewöhnlich gut informierte Greise sehen hinter dem plötzlichen Schwenk allerdings einen ganz anderen Grund: Kürzlich lancierte IKDA nämlich den Share Space. Der hat zwar bei genauerem Hinsehen wenig mit den Fan-Communities gemeinsam, denn hier zeigen zufriedene Kunden einfach bloß Fotos ihrer Ikea-Produkte in persönlichem Kontext und sachgemäßer Verwendung her.

Falls IKEA allerdings ernsthaft auf die Cocreation-Schiene setzen will, wäre das Abdrehen der populärsten Fan-Communities ein ausgesprochen kontraproduktiver Schritt. Klar kann jeder sowas selbst nachprogrammieren, aber was zählt, ist die Community. Und da die Schweden schließlich nicht an Page-Impressions und Werbeschaltungen, sondern an Möbel- und Haushaltsartikel-Verkäufen verdienen, wäre eine kooperative Strategie mit Sicherheit die bessere Wahl.

Ein Blog ist keine Facebook-Chronik- Interview mit Sascha Lobo

Auf der diesjährigen re:publica stellte der deutsche Social Media Experte und Blogger Sascha Lobo die Alpha-Version eines WordPress Plugins vor, das die eigenen Social Media Inhalte wieder zurück ins Blog holen soll. Reclaim.fm geht über das Konzept einer herkömmlichen Social Wall hinaus, weil die Inhalte in der eigenen Datenbank gespeichert werden sollen – denn die Facebook-Chronik ist nicht der Weisheit letzter Schluss in punkto Flexiblität und Online-Publishing.

Wie geht’s also weiter mit der Blogosphäre? Wie wird sich das Verhältnis zwischen Weblogs und der Social Sphere in Zukunft gestalten? Viel Spaß mit dem 2. Teil des datenschmutz-Videopodcasts mit Sascha Lobo.

Im ersten Teil des Podcasts geht’s um Netzneutralität, Online-Politik und Monopole:
datenschmutz-Videopodcast mit Sascha Lobo – Teil 1

SumAll.com: Statistikwerkzeug für Social Media, Webtraffic und Sales

An Auswertungs-Werkzeugen ist die Social Media Welt nicht gerade arm. “Aber die können alle wieder geh’n, denn ich grad SumAll.com geseh’n,” ist man nach den ersten Blicken aufs Dashboard des Superstars unter den Statistiktools geneigt zu rappen. Der Mitte vorigen Jahres gestartete Service behauptet von sich, erstmals Social Media Metriken und Webtraffic-Auswertungen mit Shopping- und Bezahldaten dergestalt zu visualisieren, dass sich daraus unmittelbar Erfolge und Misserfolge von Marketingmaßnahmen ablesen lassen.

It’s all about having access to all your data side by side so social marketers can see the clear links between fans and followers, your website traffic and sales data: The new Social Metrics tool lets SumAll users see if their social traffic converts to new users and new revenue by tracking data interactions, which they can then use to make actionable insights and more profitable decisions. ~Dane Atkinson, SumAll CEO~ [via TC]

SumAll zeigt also auf einen Blick Zusammenhänge zwischen in der Regel getrennten Datenbeständen, erlaubt damit die Beantwortungs durchwegs untrivialer Marketing-Fragestellungen á la “Wirken sich unsere Google+ Aktivitäten auf Verkäufe im Online-Shop aus?” und qualifiziert sich als benutzerfreundliche “Alles-auf-einen-Blick-Lösung”.

SumAll Auswertung

Einsatzmöglichkeiten für SumAll.com

ROI-Tracking: Die Zahlen über Facebook-Engagement, Twitter-Followers, Webseite-Besucher, Kundenzahlungen und Bestellungen im Online Shop sind in der Regel bereits alle im Unternehmen vorhanden, aber eben leider verstreut über zahlreiche Tabellen und in unterschiedlichen Formaten. Durch die beeindruckend intuitive Darstellung dieser verschiedenen Dimensionen in einem übersichtlichen Chart gibt SumAll dem lernwilligen Marketer hervorragendes Datenmaterial in Sachen Social Media ROI in die Hand.

Fanbase-Monitoring: Man muss kein Online-Verkäufer sein, um von den via SumAll gewonnen Einsichten zu profitieren: profesionelle Kommunikatoren, Blogger und ambitionierte Webmaster nützen die Statistiken, um die eigenen Aktivitäten laufend zu optimieren, geeigente Posting-Zeitpunkte zu recherchieren und die Verbreitung der eigenen Inhalte im Web und im Social Web zu tracken.

Executive Summaries: Anstatt Zahlen und Statistiken mühsam aus Analytics, dem Facebook-Page Manager und Paypal-Transaktionen zusammenzuklauben, reichen bei SumAll wenige Klicks, um die wichtigsten Trends und Entwicklungen der letzten Tage oder Wochen übersichtlich darzustellen. Zur Weiterverarbeitung in hauseigenen System lassen sich die generierten Charts und Datensätze auch bequem herunterladen.

Nach der Registrierung und Konfiguration des eigenen Accounts können zu jedem einzelnen verlinken Service “Goals” angelegt werden – im Fall von Twitter etwa “300 neue Followers im kommenden Monat”. Die Zahl der unterstützten Services ist beeindruckend. SumAll unterstützt alle großen Social Media Player von Facebook über Twitter bis Google+ und Instagram, versteht sich unter anderem auf die Auswertung von WordPress-Installationen, kann mit Mailchimp, Google Analytics und Bing Daten umgehen und kombiniert diese mit Zahlungsinformationen aus Amazon Payments, Paypal Plus, eBay:

SumAll Accounts

Den eigenen SumAll Account einrichten

Die Registrierung ist flink erledigt, Kreditkartendaten werden keine abgefragt. Das Dashboard zeigt anfangs natürlich noch keine Daten, im ersten Schritt müssen die eigenen Konten mit SumAll verbunden werden. Der Datenimport dauert ein Weilchen, bei mir waren nach knapp 90 Minuten alle Twitter-Followers, Facebook-Fans und Co. verfügbar.

Bevor man beginnt, die Daten zu analysieren, zahlt sich ein kurzer Ausflug in die hervorragend gemacht How-to Section aus: dort erklären eine jeweils 90sekündige Willkommenstour und ein Video zum Chart die Grundlagen des Systems. Wer tiefer eintauchen will, findet am SumAll Blog jede Menge Tipps und Best Practices.

Derzeit befindet sich SumAll in der Betaphase und solange selbige andauert, bleibt die Nutzung gratis. Da sich SumAll.com in erster Linie auf kleine und mittlere Unternehmen konzentriere will, dürften sich die monatlichen Gebühren auch nach Ende der Betaphase in Grenzen halten, außerdem haben die Betreiber angekündigt, dass ein “Basic-Account” auch nach Lancierung der bezahlten Version gratis verfügbar bleiben wird.

Die Legende von den verwunschenen Blogger-Relations

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Vor langer Zeit aber trug es sich zu, dass eine furchtbare Dürre herrschte im ganzen Tale: ausgedorrt standen die dürren Grashalme in der staubtrockenen Medienlandschaft, während die enthemmte Käufer- und die geknechtete Leserschaft mit aufgeblähtem Bauche ihren Hunger nach sticky Content und authentischem Dialog hinausschrien. Graf Marketing  versuchte alles, doch als er die füntausendste Facebook-Page geliked hatte (1) und der Kampf gegen den furchtbaren Drachen API Request Limit schließlich gar zur Sperrung seines Twitter-Accounts führte, da griff er sich wehklagend an die Stirn und wollte seine Jahresbudgetplanung schon in der Luft zerreißen.

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Doch da erinnerte er sich plötzlich an die Worte seines Ziehvaters Häuptling Weißer Besser: “Erst wenn ihr die letzte Facebook Page geliked, das letzte Tweet favorisiert und die letzte Infografik gepinnt habt, werdet ihr erkennen, dass nur Owned Media fette Conversions einbringt!” Da wusste der Graf, was zu tun war und befahl seiner treuesten Dienerin, den großen gräflichen Rucksack zu packen. “Hoch droben am Berg wohnt ein weiser Blogger. Nur der allein mag wissen, wo wir hier unten frischen Content herbekommen können,” erklärte der König seiner Lieblingskonkubine, doch die schüttelte energisch den Kopf. “Majestät, ihr habt wahrlich wichtigeres zu tun und eure Stakeholder brauchen euch hier im Palast! Ich werde eine meiner Jungfrauen mit Gold und Geschmeide zu eurem Blogger schicken – dann wird sich ja zeigen, ob er weiß, wie man Impact erzielt!”

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Erst wenn ihr die letzte Facebook Page geliked, das letzte Tweet favorisiert und die letzte Infografik gepinnt habt, werdet ihr erkennen, dass nur Owned Media fette Conversions einbringt!

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Der Stallbursche des Grafen wandte leise ein, dass die Stakeholder doch ohnehin ständig in den Bloggerbergen umherwanderten und es gewiss nicht schaden könne, wenn der Graf sich inkognito unters gemeine Uservolk menge, um dem aufs Maul zu schauen. “Ach wie unfein er sich ausdrückt,” ereiferte sich sofort die Konkubine, “dafür haben wir doch meine Söhne und Töchter, unsere neu gegründetes Online-Marktforschung-Profit-Center!”

Mit einem einzigen bösen Blick enthauptete sie den armen Stallburschen, behielt Gold und Geschmeide für sich und schickte in Ermangelung einer Jungfrau jeden Tag einen Boten mit einem langen Brief auf den Berg, in dem sie dem Blogger ihr Anliegen vorbrachte. Immer und immer wieder. Doch kein einziger Bote kehrte bis zum heutigen Tage zurück – und niemand weiß, ob sie mittlerweile für einen anderen Grafen arbeiten oder ob der weise Blogger sie gefressen hat. (2)


(1) Man kann nicht nur maximal 5.000 Freunde haben, jede/r Account_in darf auch nur maximal 5.000 Seiten liken.
(2) Falls er überhaupt auf diesem verwunschen Berg wohnt.

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Mit Google+, LinkedIn und Quora auf der einsamen Insel

Facebook ist aus dem Leben vieler Heavy-User kaum mehr wegzudenken. Professionisten aus der virtuellen Bergwerkszunft, die sich auf der Suche nach lohnen Aufmerksamkeitsadern beharrlich durch Lawinen von Dreck und Gestein wühlen, geben unisono an, “auch privat oft Status Updates zu posten”. Ich nehme mich da nicht aus, oder besser gesagt: ich nahm mich da nicht aus, aber ich nähme mich aus, gäb’s neben dem allgegenwärtigen Facebook und dem hochfrequenten Twitter nicht endlich wieder Networks, auf denen qualitative, tiefschürfende und fachlich kompetente Konversationen im Fokus stehen und wo gelegentlich auftauchende Frühstücks-Marmeladenbrote zumindest mit originellem Marienbild versehen sind.

Ich hab nie daran geglaubt, dass sich befriedigende Unterhaltungen auf ein wechselseitiges Stakkato-Format von jeweils 140 Zeichen auch nur annähernd verlustlos abbilden lassen. Ich sehe, dass ein immer größerer Teil der digitalen Kommunikation nicht mehr sprachlich/schriftlich, sondern visuell geschieht, und ich kann darin selbst beim schlechtesten Willen den Verfall von weder Sitten noch Kultur erkennen. Dass Monitoring-Tools einhellig auch Facebook-Postings die Würze in der Kürze attestieren, überrascht mich angesichts der Nutzungspraxis des populärsten Social Networks ganz und gar nicht – aber dass Mark Zuckerbergs genialer Streich ein für allemal sämtliche ausufernden, besserwisserischen, argumentativ brillanten, schwaflig-trolligen Bitplaudereien in den tiefen Ozean des Dark Net gespült haben soll, daran können nur eingemüste SchopenhauerInnen glauben wollen.

Da haben wir diese wunderbare, neu-soziale Online-Welt, die aus einem Netzwerk von Gerätschaften endlich ein Netzwerk von Menschlein macht, Gleichgesinnte zusammen bringt, der Idee des McLuhan’schon globalen Dorfes so nahe kommt wie sich’s der alte Mäc wohl kaum selbst hätte träumen lassen. Und dann hängen alle auf der virtuellen Agora ab und zeigen sich gegenseitig Hundevideos am Popelfon 3.0, mit dem man endlich Liegestütze zählen kann?

Mark Zuckerberg schlägt in gewohnte Kerben, die langsam fad werden.

Nein, nicht nur. Ich bleibe furchtbar gern mit Freunden und Bekannten in Kontakt. Beim Kennenlernen von neuen Leuten bin ich allerdings recht wählerisch: ich spreche am liebsten mit Leuten, die sich für die gleichen Themen interessieren wie ich, mit Leuten, von denen ich was lernen kann, im Optimalfall sogar noch vice versa. Ich mag am Internet, dass sich gute Gespräche manchmal so irrsinnig *lange* hinziehen können, wenn sie auf der richtigen Plattform stattfinden.

Und die heißt garantiert nicht Twitter oder Facebook: gewiss finden sich dort genug Ausnahmen, aber schnelle Durchlaufzeiten sind dort, anders als bei meinen drei aktuellen Favoriten, die Regel. Wenn ich also nur drei Social Media Networks mit auf die berühmte Insel nehmen dürfte, dann müsste ich für Facebook und Twitter ein Zweitsmartphone einschmuggeln.

Auf Google+ rocken die Communities

Wer Google+ längere Zeit nutzt, wird irgendwann verwundert feststellen, dass hier kein Facebook-Konkurrenzkampf am Werken ist, sondern ganz andere Kräfte tobend walten. Das hat einerseits mit der asynchronen Struktur der “Circles” zu tun, andererseits mit der weit geringeren Breitenwirkung: hier kommunizieren überdurchschnittlich viele professionelle Kommunikatoren, die bereits durch die harte Schule Facebooks gegangen sind. Außerdem weiß man ja nie, ob zuviel Postingsfrequenz und/oder Nonsens nicht doch messbaren Einfluss auf die für alle Zeit gespeicherte Google-Daten-Schimäre hat… diese Mischung aus Elitentum und freiwilliger Selbstbeschränkung hat eine Startseite hervorgebracht, die ganz gut als der bunte Postillon der Generation 15-80 durchgeht. Hier gehört es noch zum guten Ton, sich für +1’s einzeln und freundlich zu bedanken.

Seine Stärken abseits vermuteten SEO-Impacts spielt Googles dritter Großversuch in Sachen Social Networks in den Communities aus: wo sollte ich sonst mehrere Tage lang mit einigen Kollegen und Unternehmern aus der Bestattungsbranche darüber diskutieren, welche Industrien wie durch das Social Web verändert werden? Wenn Google+ Communities weiterhin so boomen, dann wird die lange Durchlaufzeit der einzelnen Diskussionen mit steigender Postingzahl wohl sinken – bis dahin freu ich mich über die dialogzentrierten Unterhaltungen, die sich meiner Wahrnehmung nach sehr wohltuend von Facebooks “Fire-and-Forget” Mentalität abheben. Für dieses Blog hab ich natürlich auch eine G+ Page eingerichtet, außerdem poste ich in der – noch sehr jungen – datenschmutz Community Tipps und Tricks zu Google+.

LinkedIn les ich am liebsten

Die Lebenslaufverwaltung steht nur scheinbar im Zentrum LinkedIns: die Seite als amerikanisches Pendant zu Xing zu bezeichnen, wäre schlicht beleidigend. Die sicherlich hervorragenden Suchfunktionen spielen für mich eine untergeordnete Rolle, aber als Business-Magazin hat LinkedIn für mich TechCrunch und Mashable schon lange den Rang abgelaufen. Die Homepage bietet jeden Tag eine spannende Mischung aus redaktionelle ausgewählten Inhalten von Opinion Leadern aus verschiedenen Industrien, im Status-Feed stoße ich weiß häufig auf spannende Fachartikel, die meine Kontakte empfehlen – und wenn ich einzelne Themen vertiefen will, setze ich die Diskussion in einer Gruppe fort. Sehr empfehlen kann ich allen Online-Marketing Experten die OMOe – Online Marketing Österreich, die Astrid Dietrich und ich gemeinsam moderieren.

Quora wär ein Fulltime-Job

Mysteriös unter den Social Networks: Quora erfreut sich in Europa bislang recht beschränkter Beliebtheit. Gepostet werden darf nur in englischer Sprache, Slackertum ist verpönt, Kern der Seite ist ein ausgefeiltes, in hunderte Kategorien eingeteiltes Frage-Antwort-System, zusätzlich können Nutzer eigene Blogs einrichten.

Quora besticht nicht durch ausgefeilte Publishing-Features, sondern durch die riesige Menge an hochwertigen, spielerisch konsumierbaren Inhalten sowie ein gut durchdachtes Punktesystem: Credits, die man für Votes auf die eigenen Beiträge erhält, tauschen Quora-Autoren gegen mehr Sichtbarkeit auf der Plattform ein. Hier finden sich Fachsdiskussionen neben Threads über die besten Atheistenwitze – in 30 Minuten beschäftigt man sich mit der moralischen Werteordnung verschiedener Länder, mit den Interna einer Programmiersprache und mit militärischer Gehorsamsverweigerung geht – und kann gar nicht aufhören zu lesen.

Eine Korrekturfunktion, die von erfahrenen Nutzern auch häufig verwendet wird, sorgt für ein erstaunliches Sprachniveau. Quora-Poster nehmen sich zum Teil sehr viel Zeit für ihre Antworten. Wo ein Wikipedia-Artikel Überblick und die wichtigsten Fakten zu einem Thema offeriert, zeigt ein Quora-Thread jede Menge Facetten in kleinstem Detail. Mich erinnert die Seite ein wenig an Michael Endes Unendliche Geschichte – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die vielen Nebenstories nicht ein andermal erzählt werden sollen, sondern ständig weitergeschrieben werden. Auf die Details dieser wunderbaren Lern- und Zeitvernichtungsmaschine dagegen möchte ich ein andermal eingehen – oder fragen Sie mich einfach auf Quora: www.quora.com/Ritchie-Pettauer.

Nico Lumma in Wien: First Social am Tablett

Nämlich am ganz unvirtuellen – der deutsche Social Media Experte spricht am 15. April an der Wiener Universität für Angewandte Kunst über die permanenten und speziell die gegenwärtigen Transformationen des Netzes. Aus der Ankündigung auf Facebook:

Das Netz verändert sich. Web 2.0 und Social Media sind Triebfedern dieser Transformation. Mobile war der Anfang, Tablets werden allgegenwärtig und Storytelling wird interaktiver. Der Nutzer steht dabei immer mehr im Zentrum. Werbung muss sich verändern, wenn sie relevant werden oder bleiben will.

Die Klasse für Ideen holt einen Digitalpionier nach Wien, dessen Wirken und Werken ich schon lange online verfolge – ich freue mich darauf, Meister Lumma in Wien mal ganz unvirtuell zu treffen. Ganz ohne Sascha-Lobo-Frisur gehört Nico dennoch laut Wirtschaftswoche zu den 100 wichtigsten Internet-Köpfen Deutschlands. Er arbeitet als CCO für die Digital Pioneers N.V. in Hamburg und Mitgründer des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt, der ein “Taktgeber für die Politik sein will, um Deutschland für die digitale Demokratie vorzubereiten”.

Zur vorbereitenden Lektüre empfiehlt der Arbeitskreis datenschmutz E.V. einen Besuch auf Nico Lummas Blog Lumma.de.

Facebook: Neuer Newsfeed ante portas

Demnächst erstrahlt Facebook-Newsfeed in neuem Design, wie gestern im offiziellen Facebook Newsroom bekannt gegeben wurde. Bis alle Nutzer auf allen Endgeräten die strahlend-schöne neue Social Media Welt zu Gesicht bekommen, könnten aber durchaus noch einige Wochen, wenn nicht gar Monate, ins Land ziehen, denn: “We’ll be rolling out the new design slowly over the coming weeks on web and mobile.”

Dass sich die Betreiber ausreichend Zeit nehmen, um ihre finanzielle Zukunft auf sichere Beine zu stellen, ist keine Überraschung – denn obwohl die mobile Nutzung der Plattform nach wie vor rasant ansteigt, blieb Meister Zuckerberg mit der Auslieferung der Werbung an Smartphones und Tablets bislang eher glücklos. Während Twitter schon vor einiger Zeit bemerkte, dass nur das eigene Webinterface und selbst-vertriebene Clients, also die volle Kontrolle über den eigenen Newsfeed, das Business-Modell fett machen, scheint nun auch Facebook auf eine stärkere Kontrolle über die Distributionskanäle zu setzen – im besten Fall bedeutet das für die Nutzer verschiedener Handys, dass die lästige Client-Sucherei flachfällt und sich endlich *alle* Funktionen reibungslos auch mobil nutzen lassen. Darauf lässt zumindest die Ankündigung der einheitlichen Oberfläche für Web, iOS und Android hoffen:

With the new design, now Facebook has the same look and feel on mobile, tablet and web. For example, the left-hand menu is accessible anywhere you go on Facebook. You also have a way to jump right to the top of News Feed whenever new stories come in.

Das Seitenblicke-Magazin aus dem Freundeskreis (© Alexander Lettner zutreffende Beschreibung für Social Media) soll fürderhin eine Menge mehr Hochglanz bekommen:

We’ve completely rebuilt each story to be much more vibrant and colorful and highlight the content that your friends are sharing. Photos, news articles, maps and events all look brighter and more beautiful.

Die Neuerungen der weltweit größten Social Media Plattform beschränken sich aber nicht auf Kosmetik, neue Newsfeed Filter werden unterschiedliche Nutzungs-Szenarien respektive Schwerpunkte ermöglichen:

  • All Friends – a feed that shows you everything your friends are sharing
  • Photos – a feed with nothing but photos from your friends and the Pages you like
  • Music – a feed with posts about the music you listen to
  • Following – a feed with the latest news from the Pages you like and the people you follow.

!

Ein weiterer Schritt zur digitalen Echtzeit-Zeitung oder die Apokalypse für Spieleanbieter, die zukünftig noch leichter aus dem neuen Newsfeed rausfallen als schon bisher? Spannend für Seitenbetreiber wird vor allem die vierte Variante sein – die bisher veröffentlichten Screenshots lassen noch nicht auf Details schließen, aber man kann wohl getrost davon ausgehen, dass eine so tiefgreifende Umgestaltung auch Auswirkungen auf die Sichtbarkeit von Page-Inhalten haben wird. Ein Schelm, wer vermutet, dass Facebook hier womöglich gleich die zwei Fliegen “promoted Updates” und “Werbung auf Mobilgeräten” mit einer HTML5-Klappe schlägt…

Munter weiterspekuliert werden soll aber erst, wenn die neue Karre ein paar Runden am Testparcours zurückgelegt hat – für ungewöhnlich interessierte User, Social Media Berater und “Social Media Blogger” (neuerdings ein dedizierter “Skill” auf LinkedIn) gibt’s eine Möglichkeit, die Wartezeit bis zum Roll-Out zu verkürzen:

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Auf dieser Seite gibt Facebook nicht nur weitere Details zum neuen Newsfeed preis, sondern ermöglicht auch die Eintragung auf eine Early-Bird Warteliste. Einfach bis zum Ende der Seite Scrollen und den großen grünen Button anklicken!
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before-after-photo - Facebook und der neue Social Media Stream

Facebook-Marketing: Wie Sie Ihren Edgerank optimieren

Obwohl in der US-amerikanischen Pro-Blogging-Szene meistdiskutiertes Thema der letzten Wochen, taucht der Tag #Edgerank hierzulande bislang eher sporadisch in digitalen Diskussionen auf. Eigentlich verwunderlich – zumal es sich bei der simplen Formel um nicht weniger als den derzeit unbestritten wichtigsten Algorithmus im Social Marketing handelt, der bestimmt, welche Inhalte ein Nutzer auf dessen persönlicher Startseite zu Gesicht bekommt. Die Funktionsweise dieses Bewertungs-Systems zu verstehen ist für jedes Unternehmen unerlässlich, das seine Produkte und Dienstleistungen auf Mark Zuckerbergs Plattform vermarkten will: nur wer erstens die Regeln versteht und zweitens die eigene Strategie entsprechend anpasst, hat eine realistische Chance, jene virtuelle Mouth-to-Mouth Reichweite zu erzielen, die eine Social Marketing Kampagnen erfolgreich macht.

Die Parallelen mit Googles hinlänglich bekanntem Pagerank-System halten sich trotz Namensähnlichkeit in engen Grenzen: während der Suchmaschinenriese die Stärke einer URL und damit ihre Platzierung in den Suchergebnissen in erster Linie anhand der “incoming Links” (Verweise von anderen Webseiten auf unsere Beispielspage) bestimmt, bewertet Mark Zuckerbergs Plattform nicht die Inhalte per se: ein einzelnes Posting, ob Status-Update, Foto oder Page-Aktualisierung, hat keinen Edgerank per se, sondern jeweils in Bezug auf den einzelnen Nutzer.

Der Edgerank bestimmt somit, welche Beiträge jeder einzelne Facebook-Nutzer auf seiner persönlichen Startseite zu Gesicht bekommt. Dieses Auswahlverfahren benötigt Facebook, um aus den zahlreichen Postings, die von den eigenen Freunden, abonnierten Seiten und Apps generiert werden, die für den jeweiligen Nutzer spannendsten Beiträge auszufiltern.

Wie filtert Facebook?

Um die Funktionsweise der Formel, auf die ich im folgenden genauer eingehe, verstehen zu können, sind zunächst zwei Begriffsklärungen nötig:

  • Als Edge bezeichnet Facebook das Ergebnis jeder Interaktion auf der Plattform, die ein Posting generiert.
  • Derartige Interaktionen geschehen zwischen dem Nutzer und seinen Connections: zu diesen zählen die eigenen Freunde, abonnierte Pages, Gruppenmitgliedschaften, installierte Applikationen etc.

Bei der Zusammenstellung der persönlichen Facebook-Startseite handelt es sich genau betrachtet also nicht um die Auflistung aller Postings der eigenen Freunde, sondern um einen Selektion der für den jeweiligen Nutzer relevantesten Edges. Der mysteriöse Edgerank bezeichnet nun genau diesen Relevanzwert.

Affinity, Weight und Time

Den Edgerank berechnet Facebook aus drei Faktoren, im englischen Original als “time (decay)”, “weight” und “affinity” bezeichnet, sinngemäß übersetzbar mit “Zeitfaktor”, “Gewichtung” und “Affinität”. Für die Berechnung gilt folgende Formel:

Wie Unternehmen ihren Facebook Edgerank optimieren
Die Facebook Edgerank-Formel

u” bezeichnet die zum Zeitpunkt der Berechnung bestehende Affinität zwischen Publisher und Nutzer. Dieser Wert ergibt sich aus der gemeinsamen Vorgeschichte: je öfter ein Nutzer auf Inhalte seiner Connections reagiert oder, wie es in Facebooks Terminologie heißt, mit ihnen “interagiert”, desto höhere ist dieser Wert. Als Interaktionen gelten Likes, Kommentare und das Teilen fremder Inhalte.

w” steht für die Gewichtung des jeweiligen Inhalte-Typs: Facebook bewertet Multimedia-Inhalte höher als Textbeiträge und Kommentare höher als Likes. Diese Gewichtung wurde seitens der Betreiber in der Vergangenheit immer wieder angepasst und verändert.

d” bringt die zeitliche Komponente ins Spiel: je länger die betreffende Interaktion zurückliegt, desto mehr verliert sie an Edgerank-Wert.

Die Summe dieser drei Faktoren definiert den jeweiligen Edge-Wert für einen ganz bestimmten Nutzer. Diese Formel ist verantwortlich dafür, dass manche Freunde und Firmen nur ganz sporadisch oder gar nicht auf der Startseite auftauchen, während andere Connections quasi ständig präsent sind. Um den determinierenden Teil der Formel, nämlich “u”, steigern zu können, muss der Nutzer die eigenen Inhalte allerdings erst mal zu Gesicht bekommen, damit er überhaupt mit ihnen interagieren kann.

Hier beißt sich die Katze dennoch bloß scheinbar in den Schweif, den Facebook bezieht das soziale Umfeld sozusagen als “Korrekturfaktor” ein: wenn ein hoher Prozentsatz der eigenen Freunde mit einem Edge interagiert, erhöht sich dessen Affinity-Score für den betreffenden User.

Wie Unternehmen ihren Edge-Rank maximieren können

Aus obenstehender Erklärung ergibt sich eine Reihe von Best Practices, die jedes auf Facebook aktive Unternehmen bei der Bespieglung der eigenen Page unbedingt berücksichtigen sollte. Wer die folgende Liste von Tipps bei zukünftigen Page-Updates berücksichtigt, wird feststellen, dass sich der “Social Reach” des Seitenbetreibers, also die Reichweite auf Facebook, vervielfacht!

Achten Sie auf den richtigen Content-Typ

Die höchste Gewichtung erhalten derzeit die Content-Typen “Video”, “Photo” und “Link”. Daraus ergibt sich, dass wichtige Ankündigungen in diesen Formaten eine höhere Chance auf Sichtbarkeit haben als reine Text-Updates.

Keinesfalls sollte man allerdings ausschließlich Links oder ausschließlich Fotos posten: um die Sache ein wenig zu verkomplizieren, merkt sich Facebook im Lauf der Zeit nämlich die Präferenzen jedes Nutzers: wer häufig Fotoalben anschaut, Fotos liked oder kommentiert, bekommt bevorzugt bildlastige Inhalte präsentiert, wer häufig auf Links klickt, findet mehr externe Webseiten in seinem Newsfeed und so weiter… Leider gibt’s derzeit keine Möglichkeit, die Vorlieben der eigenen Fans zu analysieren. Um möglichst alle Zielgruppen zu bedienen, empfiehlt sich Abwechslung:

[wp-like-locker]Bei weniger wichtigen Updates darf’s ruhig mal Nur-Text sein, Top-Inhalte sollten abwechselnd als Link, Foto, Video, Frage oder Event daherkommen – im Lauf der Zeit stellt sich dann sowieso heraus, welcher Content-Typ bei den eigenen Fans am besten ankommt.

In der Vergangenheit pushte Facebook neue Features stets mit einer deutlich erhöhten Gewichtung der zugehörigen Contenttypen: wird eine neue Posting-Option wie beispielsweise “Question” (Umfragen) oder “Lifetime-Events” (rückdatierbare Lebensereignisse), erhalten betreffende Postings in den ersten Wochen besonders hohe Sichtbarkeit – die man als Seitenbetreiber nutzen kann.

Abzuraten ist mittlerweile vom Posting via Applikation: ob ein Seitenbetreiber seine Fotos direkt in eine Facebook-Galerie postet oder stattdessen eine Drittanbieter-Applikation, die beispielsweise FlickR-Fotos automatisiert auf der Page publiziert, macht einen beträchtlichen Unterschied – aus Sicht der Betreiber eine kräftiger Hebel, um die eigenen Angebote zu pushen.

Das gilt besonders für Videos – Unternehmen sollten eigene Image-Videos idealerweise nicht via Youtube einbinden, sondern das jeweilige Video doppelt hochladen.

Sie ahnen es bereits: den komfortablen Autoposting-Apps, die RSS-Feeds etwa von Blogs bequem vollautomatisch veröffentlichen, sollten Sie ebenfalls eine Absage erteilen: da Facebook “händische” Status-Updates auch bei Links höher gewichtet, zahlt sich der Mehraufwand des manuellen Postings auf jeden Fall aus.

Wer (nicht) postet zur rechten Zeit…

Posten Sie zum richtigen Zeitpunkt! Der hängt ganz von Ihrem Business ab: Bars und Clubs sollten gegen Ende der Woche posten, Service- und Handelsbetriebe zwischen Dienstag und Mittwoch, denn an diesen Tage wird Facebook von Bildschirm-Arbeitern am intensivsten genutzt.

Testen Sie einigen Woche lang verschiedene Tage und finden Sie mittels Facebook Insights – das sind die Statistiken, die jeder Page-Admin einsehen kann – heraus, an welchen Tagen Ihren Fans am aktivsten sind.

Ebenso wichtig wie der Wochentag ist die Uhrzeit Ihres Postings. Erfreulicherweise sind sich Marketer recht einig, welche Zeit branchenunabhängig zu bevorzugen ist: zwischen ein und drei Uhr nachmittags erreichten Unternehmen auf Facebooks die meisten Impressions. Ob’s an Verdauungsträgheit durch schwerverdauliche Kantinenkost liegt, sei mal dahingestellt. Fest steht jedenfalls: Morgenstund’ hat kein Social Media Gold im Mund, und das Nachtfahrverbot gilt durchaus auch am Datenhighway.

Überlassen Sie Ihre Metadaten nicht dem Zufall

Achten Sie auf vollständige Open Graph Metadaten: Facebook hat einen eigenen Standard für Metadaten, analog den bekannten HTML-Meta-Tags, entwickelt: mithilfe dieser Tags stellt der Seitenbetreiber sicher, dass die gewünschte Kurzbeschreibung sowie das gewünschte Foto bei jedem “Sharen”, also beim Teilen von Inhalten, korrekt angezeigt werden.

Abhängig vom verwendeten Redaktionssystem existieren dafür möglicherweise bereits Plugins. Für WordPress-basierte Seiten hat sich WP Open Graph Meta für diese Aufgabe als ausgesprochen zuverlässig erwiesen.

Provozieren Sie Reaktionen Ihrer Community!

Ohne Interaktion kein Edgerank! Ob die eigenen Fans auf ein Status-Update reagieren oder nicht, hängt in vielen Fällen von stilistischen Kleinigkeiten ab. Eine Gärtnerei, die das Foto einer neuen Kakteen-Art veröffentlicht, schreibt statt “Ab sofort bei uns im Sortiment!” besser “Wie gefällt Ihnen unser neuer Lieblingskaktus?” Bemühen Sie sich darum, ihre Fans emotional zu involvieren, versuchen Sie, Diskussion anzuregen… kurz gesagt: Community-Building ist so aktuell wie eh und je!
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Wie leicht zu ersehen ist, hängt die Optimierung des eigenen Edgerank von mehreren Faktoren ab – und nicht zuletzt vom genauen Monitoring der bisherigen Aktivitäten. Wer die obenstehenden Tipps berücksichtigt, wird sich allerdings nicht schwer tun, der Konkurrenz davon zu preschen.

Business goes Social Media – Konferenzticket im Wert von €1.299 zu gewinnen!

Am 17./18. Februar lädt Business Circle im Le Méridien Vienna zu Business goes Social Media – Fachkonferenz für Führungskräfte, die sich im Entscheidungsprozess befinden, ob und wie sie Social Media im Unternehmen nutzen. Für die fachliche Leitung zeichnet Hannes “Sustainovation” Offenbacher verantwortlich, Lead-Partner ist die Social Media Agentur Digital Affairs, ich habe die Ehre und das Vergnügen, die zweitägige Veranstaltung zu moderieren.

Business goes Social Media

Das Konferenzticket ist mit €1.299,- nicht gerade mit einem Kinobesuch vergleichbar, dafür wird den Besuchern aber auch einiges geboten und anderes garantiert nicht: keine Glückskekse, kein Pflaumenwein, keine Agenturverkäufer, sondern eine umfassende, praxisorientierte Einführung über alle Aspekte der kommerziellen Nutzung von Social Media Services von kompetenten Referentinnnen und Referenten mitten aus dem Auge des Social Media Orkans. Welche Sie, wenn Fortuna einen günstigen Schatten wirft, gratis besuchen können: datenschmutz verlost nämlich ein Konferenzticket unter allen Leserinnen und Lesern, die selbst ein Blog betreiben. Wer gewinnen möchte, veröffentlicht ein Blogposting, erklärt, warum sie/er auf die Konferenz kommen möchte und postet den Link hier via Kommentar. Weiterlesen

WKO eDay 2011 – Thema fürs Wunschkonzpert vorschlagen + Handy gewinnen

Der eDay ist die größte Veranstaltung der Wirtschaftskammer Österreich – über 2.000 Besucherinnen und Besucher ließen sich im Vorjahr von mehr als 70 Vortragenden und 40 Ausstellern über alle Aspekte des Online-Business informieren. Der eDay 2011 findet am 3. März in der Wirtschaftskammer Österreich (Wiedner Hauptstraße 62, 1045 Wien) statt und bietet unter dem Motto “Erneuern, um zu wachsen” neben einem noch umfangreicheren Programm zwei neue Zusatzangebote: Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wird erstmals eine spezielle Wissensplattform für Wachstum im E-Business geboten, und im Rahmen des “Wunschkonzerts” hat jeder die Besucher die Möglichkeit, eigene Themenvorschläge einzureichen und ein Nokia E55 Monoblock Business-Phone zu gewinnen.

eDay 2011 - 3. März 2011

Haben Sie das E-Day Programm gelesen und hätten Sie gerne einen Vortrag zu einem Thema, das bisher nicht behandelt wird?

Dann schlagen Sie uns (in der Zeit von 20.01. bis 31.01. 2011) Ihr Wunschthema (max. 3 Themen / Person) vor!

Die spannendsten Themen werden (von 01.02. bis 10.02. 2011) auf www.eday.at zum Publikumsvoting bereitgestellt. Die 3 Themen, die beim Voting die meisten Publikumsstimmen erhalten, werden am E-Day im Franz Dworak Saal (von 17:00 bis 18:30 Uhr) vorgetragen.

Das E-Day Team kümmert sich um kompetente ReferentInnen für diese Themen. Die drei EinreicherInnen der beliebtesten Themen erhalten jeweils ein NOKIA E55 Monoblock mit suretype business phone.

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Warum E-Mail lesen in der U-Bahn nicht immer eine super Idee ist

…oder wie ich mich eines schönen Tages im November fast zum Geek-Deppen gemacht hätte. Ja, ich weiß: Blogs dienen der Glorifizierung ihres Autors, und davon hab ich hier schon reichlich Gebrauch gemacht. Höchste Zeit, das sorgsam gepflegte Selbstbild mit self-powered negative Reputation Management (ha, neues 5-fach-Buzzwöad!) zu beschädigen. Aber ich finde die Geschichte einfach zu gut, deshalb kann ich Sie Ihnen schlichtweg nicht vorenthalten.

datenschmutz der alte Depp

Namen und personenbezogenen Daten tun nichts zur Sache, aber ich garantiere Ihnen: die Handlung ist sowas von nicht frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Blogautoren sind eindeutig. Es trug sich also eines schönen Tages zu, dass mich der Geschäftsführer einer Ausbildungsinstitution kontaktierte und um ein Angebot für einen einstündigen Vortrag über ein branchenspezifisches Social Media Thema bat. Wir führten ein ausführliches Telefonat, einigten uns auf Inhalte und Honorar und vereinbarten, dass ich ihm am nächsten Tag ein Angebot und eine kurze Beschreibung des geplanten Talks schicken sollte. Weiterlesen

Nominierungs-Rede: Heinzelmaier bei Lorenz +1 Gedicht

Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten 2010Gestrigentags hatte ich die Ehre und das Vergnügen, vor einer illustren Schar von Schwarzgurt-Geeks im Rahmen des Wolfgang Lorenz Gedenkpreises für internetfreie Minuten die mahnende Laudatio über Nominee Bernhard Heinzelmaier zu halten. Wie es dazu kam, dass der tendenziell enorm undigitale Jugendforscher aus der beschaulichen Welt der teil-immersiven Wissenschaft mitten ins brodelnde Zentrum des Netzlebens katapultiert wurde, erklärt der folgende Text – meine Rede inklusive des abschließenden Gedichts, die hier auf vielstimmigen Leserwunsch zu veröffentlichen mir ein riesengroßes Vergnügen ist. Und nein, danke der Nachfrage: vielstimmig ist keine Floskel, sondern wir sprechen hier von 3 (in Worten: d-r-e-i!, wenn nicht gar vier) Tweets – und keines davon von mir selbst! Sozialmediale Landvermesser gewichten mangels Alternativen Twitter in Rankings derzeit durchwegs überproportional. Rechnet man dann auch noch die geringe Userbasis auf die Gesamtbevölkerung hoch, wäre eigentlich “auf Wunsch tausender Österreicher” noch Tiefstapelei. Danke Statistik, danke Bevölkerung – ich fühle mich geehrt!

Was höre ich da? Sie sind (Micro)Blogger und Social Media User aus dem Land mit dem .at hinten dran, haben aber ganz und gar keine Ahnung, was es mit diesem Lorenz-Preis für internetfreie Minuten auf sich hat? Na gut, dann mach ich ausnahmsweise mal den Blogger-Kreisky: Lernen Sie Geschichte, Herr Internetreporter! Folgendes trug sich nämlich im Rahmen des Elevate Festivals 2008 in Graz zu:

Dem “Scheiß Internet”, in das sich junge Menschen “verkriechen”, hat ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz im Herbst des Jahres 2008 den Kampf erklärt. Wenn das nicht Grund genug ist, nach dem Visionär einen Preis zu benennen, was dann? Das Wiener KünstlerInnen-Kollektiv monochrom hat deshalb den “Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten” gestiftet.

Twitter-Zeuge Heinz Wittenbrink
Twitter-Zeuge Heinz Wittenbrink.

Zurück in die Gegenwart, wir blenden um ins Lilarum. Ich habe es bereits gestern zu Beginn meiner Laudatio Nominatio im Figurentheater Lilarum erwähnt: “Heinzelmaiern” klingt durchwegs österreichischer als “schirrmachern”, aber dennoch stellt jener schicksalhafte Vortrag am Kahlenberg im Vergleich zu anderen nominierten Netz-Feinden eine, wenngleich amüsante, Randnotiz dar. Und so freue ich mich, dass ein verdienter Preisträger die lange und bewegte Geschichte des Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreises würdig fortschreibt. Herr Staatssekretär Josef Ostermayer, befand die aus Nicole Kolisch, Jana Herwig, Manfred Bruckner, Thomas Turner und Ingrid Brodnig, hat den WOLO 2010 für den ORF-Gesetz-Pfusch redlich verdient. Der äußerst effizient vergeben Publikumspreis geht an die Austro Mechana. Seht’s doch endlich ein: die Festplatten-Urheberrechts-Abgabe ist völlig sinnlos! Wir lagern all unsere raubkopierten Wolfgang Ambros Singles längst in der Cloud.

Damit bleibt mir nur mehr, Host Johannes Grenzfurthner für einen äußerst amüsanten Abend zu danken. Und auch wenn die Zukunft des Netzes in mancherlei Hinsicht mindestens unsicher sein mag, eines ist gewiss: auch in der vierten Auflage 2011 wird der WOLO auf keinen Fall aus Mangel an Nominierungen scheitern.

Nominierungsrede für Bernhard Heinzelmaier

von Ritchie Pettauer, anlässlich des WOLO 2010

Heinzelmaiers Einzelmeinung, die der Meinungsforscher nach dem Bilde Schirrmachers schuf, übersieht eine wichtige Tatsache: Facebook fragmentiert nicht nur, es provoziert, es schwitzt geradezu Hochkultur: überall rinnt sie heraus, und keiner bewahrt sie, die Hochkultur. Aber man steigt nie rein, kriegt nie nasse Füße, wenn man lauter dämliche “Freunde” hat. Dieses Dilemma muss aber irgendwie abgedichtet werden, bevor Buridans Esel auch noch ertrinkt. Bringen Sie Ihre Rohrzangen mit. (Achtung: die haben mittlerweile Bodyscanner im Lilarum!)

Warum ist der Jugendforscher Bernhard Heinzelmaier für den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis nominiert? Am 24.9. diesen Jahres veranstaltete die ehemalige Berater- und nunmehrige Forschergruppe Neuwaldegg die Konferenz “Digitales Managen: Wie Facebook, Twitter & Co Entscheidungen und Kommunikation in Unternehmen verändern.” Herr Heinzelmaier hielt dort einen Vortrag über “aktuelle Trends aus der Jugendkultur-Forschung”. Im großen und ganzen lässt sich zusammenfassend sagen: wie seit der Inauguration der Jugendforschung nicht anders vorstellbar, sind die jungen Menschen derzeit, noch immer bzw. schon wieder in einer extrem beschissenen Lage. Nicht zuletzt dank des Scheiß-Internet, meint Heinzelmaier. Weiterlesen

Österreich-Monitoring: Social Media am Radar

Social Media RadarSeit Technorati keine quantitativen Daten mehr über die Blogosphäre liefert, sind die Deutschen Piraten Blogcharts die einzig verlässliche Quelle für digitale Landvermesser. Dann gibt’s noch einige Twitterlisten, aber die haben beträchtlich an Attraktivität verloren, seit der Fokus der Useraufmerksamkeit sich hartnäckig auf Facebook konzentriert. Nicht verwunderlich also, dass die von Digital Affairs schon länger bereit gestellten FB-Nutzungszahlen in fast jedem Vortrag über Social Media Nutzung Österreich zitiert wurden. Aber die boten bloß einen Vorgeschmack auf die virtuelle Landvermessung, denn letzte Woche ging online: die Seite bieten detaillierte Statistiken zu Facebook und Twitter, Zahlen zum mittlerweile auch in Europa immens populären Geolocation-Service Foursquare sollen in Kürze folgen.

Social Media Radar - Facebook Page Ranking

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Video: Social Media für Ihr Unternehmen

Vite Social MediaAm 7. Oktober waren Martina Grom, Werner Reiter, Robert Lender, Robert Harm und ich zu Gast bei VITE – Vienna IT Enterprises. Das Thema “Social Media Anwendung in Unternehmen” stößt derzeit auf äußerst reges Interesse, sprich: von den 100 Plätzen im Businesscenter Nineteen ist keiner leer geblieben. Ich freue mich, dass wir den Besucherinnen und Besuchern ein paar Anstöße und Ideen rund um Social Media im Unternehmenskontext geben konnten und freue mich aufs nächste “Gastauftritt” bei VITE. Hier der Videorückblick, und: stay oldschool!

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