Nach der urlaubsbedingten Pause geht es heute an dieser Stelle wieder mit dem gemeinsamen Wochenrückblick von Linzerschnitte und datenschmutz weiter. Unvorstellbares hat sich schon wieder zugetragen: Twitter unterstützt mit der neuen Funktion "Lists" ein Komfortfeature, mit dem avanciertere Clients schon lange glänzen, die deutsche Regierung steht zur 2-Klassen-Medizin und die 2. Klasse kriegt zukünftig nur mehr Soylent Green. Aber wir greifen schon wieder davor, dabei sollten wir doch eigentlich zurückblicken!
Ja, jetzt ist es endlich soweit: Auch wir Österreicher dürfen bei der Cloud-Revolution mitspielen! Lange haben wir uns leid gesehen, nun darf auf auch hierzulande eine Web 2.0-Revolution exekutiert werden! Mit allem, was zum Web 2.0 dazugehört: Facebook Gruppen, Flickr, Twitter, Hashtags, Blogs, Wikis, Livestreams. Auch würde es Inhalte geben, wurde kolportiert. [/Sarkasmus]
Seit 10 Tagen wird das Wiener Audimax besetzt, und was da an Protestinfrastruktur aus dem Boden gestampft wurde ist ziemlich beeindruckend. So sehr, dass die Medienberichterstattung sowohl in Old- als auch in New Media sich mehr um Livestreams, Voküs und Facebook-Gruppen zu drehen scheint, als um Inhalte. Doch darüber sind alle sich einig: Die Uni-Besetzer in ganz Österreich kann man nur unterstützen. Die Zustände an den Unis sind schon lange unerträglich und die Unterzeichnung der Bologna-Erklärung kommt rückwirkend gesehen einem bildungspolitischen Waterloo gleich. Mein persönliches aktuelles Frusterlebnis in Sachen Bologna-reformierte Uni: Die neuen, verschulten Studiengänge schließen berufsbegleitendes Studieren vollständig aus.
Genauso tragisch ist der völlige Ausschluß von Studenten und Mittelbau aus sämtlichen entscheidenen Gremien, eine kleine Entdemokratisierung, die uns die schwarz-blaue Koalition vor 8 Jahren bescherte. Und wer so etwas wie das akademische Schlußlicht Europas ist, sollte universitäre Platzprobleme nicht mit Zugangsbeschränkungen lösen. Denn hätte es in den späten 90er Jahren Zugangsbeschränkungen gegeben, hätten wohl viele Jugendliche wie ich, die nicht aus Akademikerfamilien stammen, niemals den Entschluß gefasst, sich das mit dem Studium mal anzusehen. Gegen die Einführung der Studiengebühren hab ich schon vor Jahren demonstriert - dann allerdings meine Meinung revidiert: Nach Einführung der Studiengebühren habe ich (wenn auch zeitversetzt) doch einige merkliche Verbesserungen an den Unis gesehen und würde Studiengebühren kombiniert mit einem entsprechenden Stipendienwesen durchaus für sinnvoll erachten. Zum Thema "Sexismus an Unis" fällt mir fast nur eins ein: Niemals wieder ist mir an einem Ort so wenig Sexismus untergekommen, wie an der Uni - zumindest aus Studentensicht. Davon abgesehen hat dieses Thema mit dem Kern der Debatte wenig bis nichts zu tun.
Nichtsdestotrotz ist aber auch die Slacktivism Rate bei #unibrennt ziemlich hoch. Fast 24.000 Unterstützer auf Facebook, 1.300 weitere bei der Gruppe "ArbeitnehmerInnen unterstützen die Uni-Proteste". Klingt großartig. Bei einer geplanten Kundgebung der "ArbeitnehmerInnen" am Nachmittag des 1.11.2009 sind dann von 130 fix angemeldeten und 200 "maybes" knapp 15 Leute erschienen. Und im Audimax auf etwa 50 weitere Besetzer gestoßen. Nicht verwunderlich, neun Tage Besetzung und Protest fordern ihren Tribute. Aber mal ehrlich: in Österreich gibt es knapp 200.000 Studierende - sind alle bisher zuhause gebliebenen mit den Zuständen an Österreichs Unis zufrieden?! Also, Ärsche hoch, Freunde, so schnell kommt die Gelegenheit nicht wieder, etwas verändern zu können - oder es zumindest zu versuchen.
Bleibt nur mehr zu hoffen, dass die Revolution und ihre Basisdemokratie nicht ihre Kinder frisst. Amen.
PS: Wer real unterstützen will: http://wiki.unsereuni.at
Wer lieber beim Slacktivism bleibt: Facebook Gruppe "Unsere Uni", Facebook Gruppe "ArbeitnehmerInnen unterstützen Uni-Proteste", Facebook Page TU Wien brennt
Twitter: @ugrazbrennt
www.unsereuni.at
FlickR: Uni brennt, FlickR Gruppe
Zynga und Playfish, die zwei größten Anbieter von Social Games auf Facebook, haben gut lachen: sie erzielen mit ihren Spielchen Millioneneinkommen, während Host Facebook noch immer keine positiven Cash-Flow generiert. Die diversen Notification-Messages sollen zukünftig gravierend eingeschränkt werden, wie VentureBeat berichtet:
Facebook is having one-on-one meetings with some of its larger developers detailing a series of changes that could significantly affect the way applications are spread through the social network. [...] From what we hear, Facebook is reshuffling all the traditional channels like notifications and requests that developers use to reach new users and tucking them away in harder-to-reach parts of the Web site. The idea is to give users more control over the information they see on their homepage.
Kurz gesagt Spiele werden sich nicht mehr so einfach viral verbreiten, und mit den nervigen Dauer-Requests dürfte auch bald Schluss sein. VentureBeat kennt noch mehr Details: so sollen alle Notifications mittelfristig in die Inbox wandern. Spielehersteller werden sich zukünftig als verstärkt auf bezahlte Werbung verlassen müssen, um ihr Publikum zu finden.
Gerald Wagner hat in der FAZ über Facebook nachgedacht und bringt unter dem mehr als hochtrabenden Titel "Eine Soziologie von Facebook" einige relativ lose Gedanken zum Ausdruck. Von der provokanten Eingangsfrage bis zu ihrer Beantwortung braucht der Autor aber gerade mal einen Absatz:
Facebook ist zum neuen Leitmedium des Internets geworden. Lernen wir von Facebook entscheidende Verschiebungen im Sozialen, neue Vergesellschaftungsformen, gar auf Kosten der alten?
[...]
Sollte Facebook, wie es vielerorts behauptet wird, stellvertretend für eine Kultur der "neuen Verknüpfungsformen" stehen, wäre es eine Verbindung von größter Beliebigkeit mit Folgenlosigkeit.
Der Essay ist unbedingt lesenswert, weil er in seiner bemerkenswert verständnislosen Kritik das größte Social Network mit einer Art Personenregister verwechselt und dann zum Schluss kommt, dieses funktioniere nicht so gut wie ein Polizeicomputer:
Ist das Insistieren auf dem Recht auf Neuanfänge, auf Häutungen und Brüche im Leben nicht viel zeitgemäßer als das bleischwere Herumwühlen von Facebook in meiner Vergangenheit? Sind wir nicht gerade darum in den Achtzigern nach Berlin gegangen? Nicht bei Facebook. Mit fröhlicher Penetranz zieht es aus entlegenen Winkeln meiner Biographie einen Kronzeugen der Kontinuität hervor. Es gibt kein nachtragenderes Medium. Damit beharrt dieses Netzwerk eigentlich auf einem Leitmotiv der qualitativen Sozialforschung, nämlich von der narrativen Identität der Persönlichkeit auszugehen. Das Netz verspricht, jedem seine Geschichte erzählen zu können. Dass die auf ein paar durchquerte Institutionen und verblichene Gesichter zusammenschrumpft, scheint keinen Unterschied zu machen.
Ich jedenfalls habe noch keine Beschwerde darüber gehört, dass ein "Telefonbuch ja bloß Nummern, Namen und Adressen enthält".
Dieser Satz hat nun eine völlig neue Bedeutung: Waren bisher meistens Gratiseintritte zu mehr oder weniger exklusiven Events mit dieser Frage in Verbindung zu bringen, geht es nun darum, auf möglichst vielen Twitterlisten zu stehen - und wenn nicht dass, dann wenigstens möglichst viele Twitterlisten anzulegen. Twitterlists gibt den Usern die Möglichkeit, mehrere Tweeper thematisch zu filtern und diese Listen beliebig zu betiteln. Alle Infos dazu gibt's am offiziellen Twitter Blog.
Tweetdeck und Seesmic Desktop User haben bei den Twitterlists wahrscheinlich eh nur gelangweilt gegähnt, kennen beide Clients das Feature unter der Bezeichnung "groups" ja schon länger. Bald soll auch eine Synchronisation via Twitter API möglich sein.
Ach ja, und wer schon immer mal in San Francisco beim coolsten Startup der Welt arbeiten wollte - Twitter is hiring!
Nicht bloß heiße Luft: AIR hat sich als beliebte Plattform für Social Media Clients fest etabliert, mit der zweiten Auflage wollen die Adobe Labs ihrem Framework neue Features verpassen. ReadWriteWeb weiß, warum effizienterer Umfang mit Speicherressourcen dringend notwendig ist:
The New York Times for example, one of the most new-media capable old-school institutions in the US, recently asked its staff to stop using the AIR app Tweetdeck because it's such a memory hog. That's probably one of the reasons why Times staff appears to be posting to Twitter less these days.
Weiters wird AIR 2.0 Multitouch-Gesten und lokales Audio-Encoding beherrschen - bis zum Release werden aber noch einige Panoptika ins Land ziehen, Adobe plant die erste Jahreshälfte 2010 an. Jede Menge nicht unbedingt nützlicher, aber zumindest hübscher Air-Applikationen findet man übrigens auf refreshingapps.com/.
Große neue Erkenntnisse hat der Beitrag im offiziellen Google Blog auch nicht zu bieten - zumindest der Tipp "zuerst nachdenken, dann veröffentlichen" kann getrost als alter Hut gelten:
The first step in reputation management is preemptive: Think twice before putting your personal information online.
Interessanter ist das schon der Teil übers "proaktive Publizieren": wenn man lästige Infos schon nicht los wird, weil der Webmaster der Drittseite partout nicht agieren will, muss man eben gegensteuern. Google empfiehlt dazu unter anderem, eine öffentliche Profilseite im eigenen Haus anzulegen: in der Tat eine oft übersehene Funktion, die das Potential hat, mittelfristig Xing und LinkedIn überflüssig zu machen.
Doc Searl berichtet über eine Round-Table Diskussion zum Thema "Geld verdienen mit Medien im 21. Jahrhundert", an der unter anderem Sherry Turkle und Virginia Postrel teilnahmen. Die Zusammenfassung ist unbedingt lesenswert und fasst die Verwobenheit von Technologie, Wirtschaftsorganisation und Medienmodellen sehr gut zusammen:
he Net employs a principle called end-to-end. Among other things, it assumes that the bulk of intelligence is at the ends of the network — with people and the devices serving them — rather than in the middle, where the phone companies used to be, back when they thought, as old-fashioned formerly modern industrial companies, that most of the network’s intelligence should reside, and make decisions for us.
WordPress.com Blogs sind ab sofort standardmäßig mit Mobile Themes ausgestattet, wie ReadWriteWeb berichtet. Zwar kommen moderne Smartphone mit leistungsfähigen Browsern, doch allein schon aufgrund des kleineren Displays und der schnelleren Ladezeiten empfehlen sich optimierte Templates. Wer sein Blog selbst hostet, hat die Qual der Wahl zwischen dem iPhone-optimierten WPTouch und Carrington Mobile. Beide Themes kommen als Plugins daher und lassen sich in Windeseile konfigurieren. Denn:
From the slow emergence of mobile reading and publishing to the unwillingness of carriers to solve bandwidth problems, it's clear that the mobile web is still in its very early stages. For now, little things like this make a very big difference.
So manches langgezogene "Muhhhh!" könnte in Wahrheit ein klimaschädigender Darmwind sein, glaubt man Lord Stern, einer der "führenden Experten für Klimawandel" (wobei ich mir sicher bin, wodurch genau sich Expertentum in diesem Bereich auszeichnet). Als er jung war, gab's noch lustige Promille-Straßenrennen, bald wird einem die Polizei den Führerschein auch ab 0,5 Gramm tierischem Eiweiß in der Atemluft abnehmen:
Und er prophezeit gar, dass der Fleischverzehr in Zukunft gesellschaftlich so geächtet sein wird, wie es heute das Autofahren in betrunkenem Zustand ist. "Ich bin jetzt 61 und die Einstellung gegenüber Alkohol am Steuer hat sich seit meiner Studentenzeit radikal verändert", so Lord Stern. Der Ökonom rät den Teilnehmern der Weltklimakonferenz Ende Dezember in Kopenhagen, darauf hinzuwirken, dass die Preise für Fleisch erhöht werden.
Das Methan der Kühe (CH4) sei als Treibhausgas 21mal effektiver als jenes furchtbar schädliche CO2, das beispielsweise Menschen beim Ausatmen produzieren. Wollen wir bis Ende des Monats eine unmittelbar bevorstehende Klimakatastrophe verhindern, gibt's also nur zwei Varianten: entweder werden *alle* bis Ende der Woche Vegetarier. Vorher gibt's aber noch eine große Schlachtplatte samt Café Latte, die ganzen Kühe müssen ja weg. Oder die Franzosen hören auf, soviel alten Käse zu essen - das könnte der Menschheit eine Verschnaufpause von mehreren Jahrzehnten verschaffen.
Was als relativ harmloser Twitter-Virus begann, entwickelte sich zu einem medialen Flächenbrand, an dem selbst Telepolis nicht mehr vorbei kommt:
In Deutschland zieht das Zwei-Klassen-System nun ganz offiziell als Regierungspolitik ein. Während die Regierung für das gemeine Volk 50 Millionen Pandemrix-Impfdosen mit Wirkverstärker vom Pharmakonzern Glaxosmithkline bestellte, orderte man für das Kabinett, die Bundesbehörden und die Bundeswehr 200.000 Celvapan-Impfdosen von Baxter. Sie sind ohne Wirkverstärker und sollen verträglicher sein.
Ein einziges PR-Desaster, diese Schweinegrippe - nach der jahrhundertelangen Ächtung des Schweinefleisch durch Moslems nun das: kein Wunder, das Verschwörungstheoretiker komplexe Pläne vermuten. Die Welt Online hat umfassend recherchiert:
So schnell wie die Schweingrippe verbreiten sich wilde Theorien dazu: Tote Schweine in China, fiese Industriefarmen in Mexiko sowie eine Verschwörung von al-Qaida und mexikanischen Drogenkartellen – all dies sind nur einige der Erklärungsversuche, die sich um den Ausbruch der Krankheit ranken.
Eines steht jedenfalls fest - exotische Tiere sind wenig gefährdet, ein mm>Schneckenschnupfen oder Hummer Hirnsausen eigenen sich nicht für die Massenhysterisierung. Doch ich zittere mit Alinaluna um die armen Lämmchen:
Mal gibt’s die Vogelgrippe-Heute kräht kein Hahn mehr danach....
Vormals war es BSE .....Die Kuh macht auch kein Muh mehr.....
Ich warte bis das mit den Schweinen vorbei ist denn dann kommt die Schafseuche....Mäh.
Halloween ist nicht jedermanns Sache. Ich verweigere mich dem jährlichen Kürbis-Zirkus aus Prinzip. Aber dieses Foto fand ich dann echt genial. (Copyright by Burt Zinsler / Facebook):

Das folgende Material hat Jeff Altman im Nachlass seines Großvaters gefunden - die 50er-Jahre Aufnahmen der Fahrt durch San Fran versprühen einen ganz besonderen Retro-Charme:
http://www.vimeo.com/6337228Sonnenuntergänge am Meer hat jeder schon mal gesehen - aber wohl kaum jemand hat sich daran jemals sattgesehen. Schon gar keine käsigen, sonnenunverwöhnten Ösi-Touristen am Strand von El Palmar an der Costa de la Luz, Spanien.
http://www.vimeo.com/7383010Und das war's auch schon wieder mit dem Zurückschauen auf 7 Tage mal 24 Stunden mal 60 Minute mal 60 Sekunden, also 604.800 Blogosphärenwochen-Momente. Danke für Ihre hochgeschätzte Aufmerksamkeit, bleiben Sie uns und unserem RSS-Feed treu! Linzerschnitte und datenschmutz wünschen immens erkleckliche Restsonntagsminuten und einen grandiosen Start in die kommende Woche - wir treffen uns morgen im Social Web.
| 12. September 2008 | ||
| 10:00 | bis | 18:00 |
Vor wenigen Wochen habe ich Professor Clemens Cap beim Trend One Workshop in Berlin getroffen. Wie erwähnt organisiert er im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik einen breit angelegten Workshop zum Thema digitale soziale Netze.
Besagte Tagung findet von 8. bis 13. September 2008 in München statt, der Workshop geht für Freitag, 12.9., angesetzt. Die Einreichung eigener Beitragsvorschläge ist bis 28. April möglich, ausführliche Informationen finden Interessierte im Call for Papers. Im Anschluss an die Veranstaltung werden die ausgewählten Beiträge im Rahmen eines gemeinsamen Tagungs-Bandes aller GI-Workshops publiziert, angestrebt wird dabei eine Mischung aus theoretischer Forschung und Praxis, der Fokus liegt auf Projekten mit hohem Neuigkeitswert und Alleinstellungsfaktor. Eine Hälfte des ganztätigen Workshops wird sich theoretischen Probleme widmen, die andere Hälfte stellt Anwendungen aus der Praxis vor - interdisziplinäre Ansätze sind willkommen, der Workshop soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Soziologie, Kommunikations- und Medienwissenschaft und Organisationspsychologie beitragen. Das Abstract gibt genauere Auskunft über die thematische Ausrichtung:
Zwischenmenschliche Beziehungen und daraus entstehende soziale Netze sind eine wichtige Stütze gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen. Mit den Technologien und Konzepten des Web 2.0 entstehen neue digitale Formen der Unterstützung und der partizipativen Entwicklung sozialer Netze. Social Software als neue Form von Kooperationssystemen schickt sich an, neue Formen der Zusammenarbeit in und außerhalb von Unternehmen zu ermöglichen.
Der ökonomische Erfolg von Portalen wie XING / OpenBC, LinkedIn, Friendster, Orkut, StudiVZ oder Facebook macht den Bedarf nach solchen Lösungen deutlich, offenbart aber auch die Schwierigkeit ihrer korrekten ökonomischen Bewertung. Aus Sicht des Benutzers werden Fragen der Privatheit, des Datenschutzes und des Identitätsdiebstahls wichtig. Wer in mehreren Systemen angemeldet ist, wünscht sich Interoperabilität und Datenaustausch. Neben rein technologischen Fragen werden auch Themen medialer Präsenz in offenen und halboffenen Foren und soziologische Phänomene bedeutsam. Mit der flächendeckenden digitalen Verfügbarkeit menschlicher Kommunikationsakte auf diesen Plattformen entstehen neue Möglichkeiten der Analyse sozialer Netzwerke bis hin zur Vorhersage gesellschaftlicher Trends.
Wenn's die Zeit zulässt, dann werd ich einen Beitragsvorschlag zum Thema "Wann sind virtuelle Personae Real? Social Networks als Spielplätze für multiple Identitäten." Hans Stauninger und Derreck Meierlansky lassen grüßen!
PS: Das Thema der 38. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik erinnert den Schelm in mir - keine Ahnung warum bloß - ein wenig an den Rattenfänger von Hammeln:
INFORMATIK 2008 - Beherrschbare Systeme - dank Informatik (ich wär ja für: "fallweise unbeherrschbare Systeme trotz Informatik"
)
Tux als Plüschtier ist ja schon fast ein alter Hut, echte Linux-Nerds basteln sich ihren Pinguin selbst aus dünnem Karton. Schrempfy hat die passende Grafik-Vorlage für den Tintenstrahler, und Sebbi hat sich bereits an die Arbeit gemacht - und zwar sehr erfolgreich.
Helge macht sich Gedanken zum Hype um Facebook und fragt nach der Nachhaltigkeit schneller Besucherströme:
Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob Facebook dem Naturgesetz des Hype-Zyklus entgehen kann, dem Social Networks und Online-Communities zu unterliegen scheinen: Zuerst war Friendster hip, dann MySpace, jetzt Facebook und morgen irgendwas anderes. Die Welt in Social Networks dreht sich um den Aufbau des Freundesnetzwerkes, das macht am Anfang Spaß und wird irgendwann langweilig - auf zur nächsten Party.
Allerdings gibt's da ja noch die zusätzlichen Applikationen, mit denen sich Facebook eine Menge externer Kreativität ins Boot holt. Helge meint, dass vor allem objektzentrierte Services (á la FlickR und Youtube) große Zukunft haben, ich glaub wie letztens erwähnt außerdem, dass Spiele ein wichtiger Teil des Portfolios werden.
Was ist das hier? Eine genaue Antwort können wir dir darauf auch nicht geben. Die Bezeichnung "Spielerei" würde es wohl am ehesten treffen. Ihr könnt eure Blogs auf einen freien Punkt in der Matrix eintragen. Dabei könnt ihr Gruppenkuscheln, euch neben themenverwandten Blogs platzieren oder euch einfach eine ruhige Ecke suchen.
Nein, es geht nicht um datenschmutz und auch nicht um die Matrix im cineastischen Sinne, sondern um eine neue Einrichtung des Bloggeramts: der Klick auf einen freien Punkt blieb bei mir bisher allerdings folgenlos - hier geht's zur Matrix.
Mirko Tobias Schäfer, get your Eherings out! No digi-doubt about it: Mirko Machine ist unter meinen Facebook Kontakten definitiv der zum Heiraten begehrteste Mann... neee... sogar die begehrteste Person. Aber den Screenshot hab ich verpasst, und jetzt ist er "nur" mehr der pünktlichste und verlässlichste. Und Dylan der berühmteste. Und Karin arbeitet am härtesten und ist am besten organisiert. Ich hingegen rieche angeblich (passiv) ganz gut - auch ein Lifetime Achievement! Woher ich das alles weiß? Von der Hardcore-Soziologie Applikation Compare People, dem Vanitas-Generator der Stunde. Im Übrigen freu ich mich natürlich über jede/n LeserIn, die/den ich über Facebook kennen lerne - hier geht's zu meinem Profil.
Letzthin war ja schon die Rede von der durchs Dorf zu treibenden feigen Blogsau, auf Onlinejournalismus.de gibt's praktischerweise eine Menge Reaktionen, fein säuberlich aufgelistet zum Nachlesen. Und Konke? Der hat auch reagiert, und wie:
Gegenüber iBusiness beharrt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf seinen Aussagen, die im Web aktuell mächtig Staub aufwirbeln. So wimmelt es im Web nach wie vor von "Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen". Und Blogs sind ein "Tummelplatz für feige Menschen".
Die Burschen haben das zum Glück korrekt erkannt: die mutigen weißen Ritter sitzen in den Redaktionsstuben - aber die trauen sich wiederum nicht ins Netz... auch irgendwie feig.
Max gräbt immer die besten Youtube-Videos aus, aber dieser 25-Sekünder ist auf Magnetband konservierte Zeitgeschichte - ein Fellner'sches Enigmen lösen sich nicht in Wohlgefallen, sondern in eine neue Tageszeitung auf. Die heißt doch Rennbahnexpress, oder so?
Und kein digitaler, nein, hier dreht sich's um das analoge Vorbild der digitalen Datenbank. Darf man diesem Youtube-Video glauben, ist die Produktivität Luhmanns zu einem hohen Grad der Tatsache geschuldet, dass der deutsche Systemtheoretiker ein Zettelkastensystem entwickelt hat, das er mindestens so stringent durchzieht wie seine elektrische Schreibmaschine ihr Farbband.
Zitat: "Ich schau dann immer, dass alles wieder an die richtige Stelle reinkommt." Die einen finden ja, dass NL die progressivste Gesellschaftstheorie überhaupt hervorgebracht hat, die anderer halten ihn für konservativ; ich halte mich da raus, glaube aber durchaus beobachtet zu haben, dass er einfach alles in den Rahmen seiner Systemansätze zwängt - ob's passt oder nicht. Und wenn aus einem Modell plötzlich ein Dogma wird, dann beginnt's meist recht streng zu riechen, weil letztendlich ist die Welt dann halt doch kein Zettelkasten. [via Strenge Jacke!, Media-Ocean] Bis man indes zu dieser Erkenntnis gelangt, kann ein selbiger sehr hilfreich sein:
Mehr davon gibt's bei Geloggd - und dort bin ich auch auf den Link zum virtuellen Pendant gestoßen:
Auf diesen Seiten finden Sie einen elektronischen Zettelkasten für Ihren PC, der sich am Arbeitsprinzip des Zettelkastens von Niklas Luhmann orientiert. Mit Hilfe dieses Programms können Sie die tägliche Arbeit mit (wissenschaftlichen) Texten erleichtern und wesentlich effektiver gestalten. Sowohl das Verwalten wichtiger Textstellen und Zitate als auch die anschließende Verwendung dieser Textsammlung zwecks Textproduktion werden durch den Zettelkasten erheblich vereinfacht.
Zum Luhmann-Zettelkasten für den heimischen PC - Apple- und Linux-User bleiben derzeit außen vor, Plattformabhängigkeit ist allerdings für den kommenden Release geplant - existiert auch ein Wiki. Sieht auf den erste Blick sehr vernünftig aus und könnte möglicherweise das Ende einer langen Suche bedeutet: bisher verwaltete ich meine Zitatesammlung mit dem großartigen Cuecards; spezialisierte Literatur-Software wie Citavi oder Bibliographix, deren Freeware-Varianten ich ausprobiert habe, sind für meine Bedürfnisse noch nicht das Gelbe vom Ei. Mal gucken, wie sich der Luhmann-Zettelkasten im harten Literatur-Verwaltungs-Alltag bewährt. Autor Daniel Lüdecke vertreibt sein Produkt als Freeware.