Heute bin ich mal dazu gekommen, meine Springeight Fotos zu sortieren - das Video wird wohl noch ein Weilchen warten müssen... Schade, dass die Aufnahme von LK so übersteuert ist, aber das kann ich meiner 90-Euro Aldi-Kamera andererseits nun wirklich nicht verdenken. Das Teil sollte eigentlich Kult werden, sozusagen ein digitales Pendant zur Lomo - und auf jeden Fall mit ebenso hohem Hosentaschen-Tauglichkeitsfaktor. An dieser Stelle gibt's jedenfalls erstmal meine Foto-Selection, wahlweise hier im Musik-Album oder auf FlickR. Das Festival hat jedenfalls Spaß gemacht - und auch wenn die kleinen Digicams in der Semi-Dunkelheit des Dancefloors nicht gerade überzeugende Resultate liefern: wer will schon am Floor mit einer SLR-Tasche shaken?
DJ Marky und MC Stamina waren gestern Abend von eins bis drei für die Beschallung des Dom im Berg verantwortlich. Der Ausnahme-Turntablist aus Sao Paolo und sein kongenialer britischer Gesangs- und Rap-Partner lieferten eine Show ab, die für mich persönlich zu den absoluten Highlights des diesjährigen Festivals zählte. Dazu leisteten auch die elaborierten Visuals von Mox und Decollage.tv einen beträchtlichen Beitrag. Bushwacka trieb uns anschließend ganz schnell Richtung Postgarage, wo Hot Chip gerade recht konsequent den Club leerspielten - aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Timing war gestern einfach perfekt: wir hörten genau nix mehr von Gilles "Dancefloor-Boredom" Peterson - als wir den Dom enterten, legte Marky gerade die erste Pladde auf den 1210er. Kein softes brasilianisches Intro, sondern brachiale Basslines gleich zu Beginn: Mister Marky vergeudete keine Zeit, und nach den ersten drei Brettern betrat Stamina die Bühne. Ab diesem Moment begann eine großartige Soundreise: wie wenige Plattendreher beherrscht Marky, der mit 13 seine DJ-Karriere begann, die Kunst der Set-Dramaturgie und das perfekte Wechselspiel von soft und hart, das gerade bei Drumandbass Sets unerlässlich ist für längerfristige Tanzmotivation. Seine schon damals sicken Scratch-Skills hat Marky, seit ich ihn vor drei Jahren das letzte Mal auflegen gehört hab, noch weiter verbessert - und setzte sie an mehreren Stellen gekonntest ein. Stamina MCs Kommentar dazu: "Your friends told you about him, you've seen him on youtube - he is *my* DJ!" Kein Wunder, dass bei so großartiger Mucke der altbekannte Zeitdilatationseffekt eintrat: nach subjektiv gefühlten 30 Minuten waren die zwei Stunden um; "LK", Megahit und Signature-Tune des Duos, folgte als vorletzte Nummer. Alles in allem: grandios! Außerdem möchte ich unbedingt wissen, wie dieses Dubplate heißt, bei dem eine Frauenstimme singt "Shorty, what's your dream deep down?" Falls irgendjemand diese Nummer kennt, bitte ich um einen Hinweis - der Track ist der Liquid-Burner schlechthin...
Ach ja, noch ein Wörtlein zu den Visuals: das Setup im Dom besteht aus drei Leinwänden (Mitte, links, rechts), die auch unabhängig bespielt werden können. Während mich die bewegten Pixel am Freitag gar nicht vom Hocker rissen (dafür aber Robert Owens), war ich gestern ziemlich begeistert und der äußerst abwechslungsreichen Melange aus Fotos, Videos und Typo-Spielereien - sehr anregender visueller Input, bravo!
Dass Bushwacka dieses Set nicht würde toppen können, hatte ich bereits vermutet. Allerdings brauchte er nur zweieinhalb (grauslich mittenübersteuerte) Nu Rave Breakbeat Tracks, um uns ganz schnell Richtung Postgarage zu scheuchen. Als wir dort ankamen, schien alles gut: der Hot Chip DJ spielte gerade gemütlichen Old School DnB - aber nur drei Tracks lang. Dann wurde es ungewollt kuschelig, und eine Menge Folks, die gerne ihre Beinchen geschwungen hätten, beschlossen in Ermangelung von Couches, den Club zu verlassen. Uns hielt die Hoffnung auf feine Acid Breaks von Luke Vibert vor Ort, die war allerdings nach einer Stunde restlos aufgebraucht; und als Wagon Christ, der um 3:30 hätte beginnen sollen, um 4:45 noch immer nicht hinter den Turntables stand und alles darauf hindeutete, dass Mr. Hot Chip demnächst beginnen würde, seine Bob Marley Sammlung auszupacken, beschlossen wir einen, den Vibert einen guten Mann sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg.
Fazit: Marky machte den letzten Abend des Festivals zu einem Highlight. Im Großen und Ganzen hat mit das diesjährige Spring großen Spaß gemacht, und das Line-Up war motivierend genug, um viermal hintereinander bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Weniger gelungen fand ich in Einzelfällen die zeitlichen Programmierung: das eine oder andere Mal war's gerade zur "Haupt-Tanzzeit" 2 bis 4 einfach zu hatschert, ruhig und elegisch - wobei man allerdings, und das ist ja eine der Hauptstärken des Spring, bei derart vielen Locations immer recht problemlos eine Ausweichmöglichkeit findet. Der Festivalbus ist dazu nicht unbedingt erforderlich, denn in Graz liegt definitiv alles in Gehweite
In diesem Sinne also herzlichen Dank ans Spring-Team für vier lässige Tage in der Murmetropole; wenn ich wieder zurück in Wien bin, werd ich ein kleines Video aus meinen Schnippselchen zusammenschneiden.
Eines haben Elektronik-Festival mit Skikursen auf jeden Fall gemeinsam: am dritten Tag folgt unausweichlich ein leichter konditioneller Einbruch. Da kam's ganz gelegen, dass gestern im Dom relaxter und deeper klassischer Chicago-House am Programm stand. Die Überraschung des Abends lieferte dabei Robert "The House of Voice" Owens, der nach seinem Live-Auftritt die Crowd mit einem großartigen, energetischen Set in verleichsweise ekstatische Bewegung versetzte. Aus essens- und chilltechnischen Gründen mussten wir Senor Coconut, der das Orpheum bereits um 21 Uhr beehrte, allerdings leider auslassen.
Clemens Neufeld begann mit einem recht netten Warm-Up Set, in dessen letztem Drittel dann auch einige Floorsmasher folgten. Danach war allerdings eine Stunde Tanzextase-Pause angesagt, denn bei Robert Owen's Live-Auftritt ging's ein paar Ecken ruhiger zu. Das Live-Konzert selbst fand ich ganz großartig - man muss Owens ja fast mal live singen hören, um sich vorstellen zu können, wie wenig Studio-Wizardry bei seinen Stimm-Parts erforderlich ist. Top war auch der Perkussionist, der später noch das folgende Set mit eleganten Trommelwirbeln aufpeppte. Als vorletzte Nummer folgte dann noch "I don't make you happy" und ich war mit der Housewelt restlos versöhnt.
Eigentlich hatte ich ja vermutet, dass Owens beim Plattendrehen auch eher der soften Spielart frönen würde, but no: die stimmgewaltige Ikone kann mit Vinyl genauso gut umgehen wie mit Stimme: ein Chikago-Klassiker (Remix) folgte auf den nächsten, Miami-Bass Einlagen und uralt-Parts ("Today we gonna take you back to 1985 - just as if house music was stille alive.") wurden gekonnt mit ruhigeren Synthie-Flächen gewechselt: jeder Drop ein Volltreffer, sozusagen. Also mehr als ein würdiger Opener für Grandmaster Larry Heard, der dann gegen halb drei die Kontrolle über die 1210er übernahm. Mr. Fingers gilt ja nicht grundlos als einer der Housemusik Grand-Seigneurs - und seit Set fand ich erwartungsgemäß ganz hervorragend: wenig bis gar keine Effekthascherei, stattdessen perfektionistisch gemixte, deepe Housetracks - rolling Sound, der allerdings beim Publikum nicht so recht anzukommen schien: entweder lag's am besagten Konditionstief oder daran, dass alle unbedingt die Whignomy Bros und Josh Wink in der Postgarage hören wollten: jedenfalls war der Dom um halb vier höchstens noch zu einem Drittel gefüllt; ich hab die Postgarage gestern ausgelassen und mich nach Larry auf den Nachhauseweg gemacht. Einzig die Visuals hinkten gestern im Dom ein wenig... die simplen, Winamp-Visual ähnlichen geographischen Konstrukte von Lichtarbeit ohne jegliche originelle Elemente fielen weiter hinter die Qualität der Musik zurück - aber ich war ja nicht zum Gucken, sondern zum Hören im Dom, und in dieser Hinsicht war's für mich ein sehr gelungener Festivaltag.
War jemand aus der verehrtnen LeserInnenschaft gestern in der Postgarage bzw. vorher im Orpheum? Würd mich interessieren, was Josh Wink so getrieben hat. Und heute? Egal ob's regnet oder nicht, am späteren Nachmittag werden erstmal ein paar monströse steirische T-Bone Steaks über glühende Kohlen gejagt, und anschließend geht's erstmals ins PPC zu Kid Blue, Hannah Holland und MC Chickaboo, danach dann weiter in den Dom zu Marky + Stamina. (Aber bloß nicht zu früh. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er bleibt auch ungern wach, wenn Gilles Peterson auflegt.) Je nach Quecksilberstand des Partythermometers werden wir das Springeight dann entweder mit Mr. C im Dom oder mit Herrn Luke Vibert in der Postgarage ausklingen lassen.
Der gestrige Spring-Abend hätte ein Reinfall werden können - die Vice-Party im Arcadium bzw. Monsieur A-Trak aus den USA gab uns dann um halb drei endlich das, was wir vorher den ganzen Abend lang vergeblich gesucht hatten: kontemporäre High-Tempo und Hi-Tech Beats, bei denen man ob des spontanen Bewegungsdrangs die Abwesenheit von Couchen plötzlich nicht mehr misste. Und das kam so: für uns drei Partytouristen begann der Abend im Stadtpark, wo Simon LeBon feine Warm-Up House-Platten verlegte; ob der relativ unfreundlichen Außenbedingungen machten wir uns dann aber zur Geisterstunde auf in Richtung Dom im Berg.
Dort hatte bereits der Live-Act von XRS und den Drumagick-Brüdern begonnen, deren Red Bull Music Academy Vortrag Ulrich und ich am Nachmittag gehört hatten. Juan Atkins, der ursprünglich aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Thema Detroit (und Bookings-in-letzter-Minute-absagen) berichten hätte sollen, blieb konsequent unauffindbar, und so sprangen die Samba-n-Bass Könige aus Sao Paolo kurzfristig ein.
Bei der abendlichen Performance legte XRS Platten auf, während die beiden Drumagicks an ihren zwei Laptops mit den einzelnen Spuren sozusagen Live-Remixes drüber dubbten. Das war eine Weile recht fein (vor allem der Remake von LK hat gerockt), nach einer guten Stunde allerdings wurden die Beats im gemütlicher, die Intros und Outros immer länger und der Wunsch nach ein wenig Rummms immer übermächtiger. Als der folgende DJ Edgar nach zehn Minuten immer noch beim Intro war, beschlossen wir, dass es an der Zeit wäre, ein Hauseck weiter zu ziehen - sogar Anja, sonst ziemlicher Brazil-Fan, begannen nämlich langsam die Füße einzuschlafen. Kurz vorher hat uns übrigens noch Elisabeth abgeschossen - ich glaube, das ist meine Premieren-Appearance in einer Online-Partygallerie
Ulrichs Fazit, dem ich mir nur anschließen kann: "Wenn auf eine Brasil-Party geht und exakt dieselben Signature Tunes hört wie vor fünf Jahren, spricht das nicht gerade für Weiterentwicklung."
Die derbste Enttäuschung sollte allerdings erst noch folgen - an den Gedanken, dass Juan "Magic" Atkins nicht mehr aufkreuzen würde, hatten wir uns bereits gewöhnt. Trotzdem wollten wir natürlich der Legende Professor X aka African Prince im PPC einen Besuch abstatten. Mir ist klar, dass der Mann eine lebende Elektro-Legende ist - was er im PPC abgeliefert hat, war allerdings - perfekt gemixte - Skikurs-Romantik: von Technotronix' "Pump up the Jam" über Michael Jackson bis House of Pain's "Jump around" wurde fast jede Nummer ausgespielt, und als er dann auch noch Prodigy's "Firestarter" als Big-Tune des Abends ankündigte, war uns endgültig klar, dass wir unsere Aufmerksamkeit gerade dem falschen Set widmeten. Hilflosigkeit vor europäischem Publikum? Generelle Motivationslosigkeit? Wir werden's nie erfahren. Und auch keine African Prince Party mehr besuchen. Was uns trotzdem vor Ort hielt, war die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung auf Egyptian Lover und Jamie Jupiter. Die beiden musikgeschichtlich und körperlich schwergewichtigen Classic-Elektro Legenden hatten am Anfang ein paar Sync-Probleme, danach war's eigentlich recht nett - und immer noch zu gemütlich, oder wie der gelernte Wiener sagt: zaach. In Ermangelung einer Couch schauten wir mit meinem gaposlovakia-Kollegen Paul, der uns von härtester Elektro-Prügelei berichtete, voller Vorfreude ins Arcadium. Und diesmal wurde die Erwartungshaltung nicht enttäuscht. Ich würd sogar sagen, A-Trak hat einen extrem faden Abend vollständig gerettet und wir bekamen doch noch die für die Party-Gesundheit so wichtige Dosis an körperlicher Bewegung ab.
Der Protagonist des Abends war ja eine ganze Weile lang recht erfolgreicher Hip Hop DJ und benutzt mittlerweile Final Scratch: die Liebe zur technischen Präzision und diese geradezu abartigen DJ-Skills, die man in dieser perfekten Ausführung fast nur bei den Scratch-Königen findet, hat er auch im Rahmen seiner Electro-Karriere beibehalten, wenn nicht ausgebaut: die Dichte an Tracks pro Minute war unglaublich hoch, die Mixes rasant, aber niemals gab's Effekt um des Effekts willen. Es muss unglaublich viel Zeit und Crate-Digging erfordern, ein solches Set vorzubereiten, das einerseits alle technischen Tricks und Register zieht und andererseits mit einem extrem gelungenen Spannungsbogen begeistert... der Gag des Abends folgte, als A-Trak dann auch "Jump Around" spielte - in einem kurzen, aber extrem sicken Remix. In punkto Electro gewann sozusagen die Next Generation gestern Abend haushoch gegen die Living Legends.
Fazit: A-Trak war ein Fehlbooking - aber nur location-technisch gesehen. Der Mann hätte um zwei Uhr als Hauptact auf der Dom-Bühne stehen sollen - sein Set war einfach nur cutting-edge, sowohl soundmäßig als auch technologisch.
Und jetzt? Heute Abend um 21:00 ist das Orpheum eindeutig the place to be, denn der unglaubliche, einzigartige Senor Coconut tritt mitsamt Orchester und Special Appearance von Louis Austen mal wieder ein paar Genregrenzen nieder. Und dann geht's in den Dom: denn ich bin mir 99prozentig sicher, dass uns Larry Heard aka Mr. Fingers nicht langweilen wird. Und auf Robert "The House of Voice" Owens' DJ-Set bin ich ebenso gespannt wie auf seine Live-Performance.
Beim Auftakt zum diesjährigen Springfestival hatte Petrus ein Einsehen: die Open Air Kick-Off Party in den Kasematten blieb vom Regen verschont - statt fetter Tropfen stellten sich phatte Beats en masse ein. T-Mobile, Hauptsponsor des Opening-Events, dürfte zufrieden sein: motivierte Musikanten und eine feierwillige Partycrowd über den Dächern von Graz - das Opening Concert war ein würdiger Auftakt for things to come. Die charmante Schwedin Robyn sollte eigentlich um drei Uhr früh auf Technoparties auftreten - mit Doppelschlagzeug-Besetzung und beeindruckender Stimmenergie lieferte sie eine sympathische Interpretation von Post-Pop-Electro ab, die etliche Beinpaar in Bewegung versetzte.
Danach folgte meine persönliche Überraschung des Abends: ich hab Roni Size nämlich noch nie mit seiner Band Reprazent live gehört. Kurz gesagt: triple wow. Vor allem der unglaublich präzise und schnelle Drummer und der Bassist rangen wohl so ziemlich jedem Breakbeat-Afficionado Bewunderung ab. Von Roisin Murphy hab ich aufgrund eines zwischenzeitlichen Ausflugs in die Homebase nur die letzten zwei Nummern mitbekommen - ebenfalls sehr solides und grooviges Handwerk. So richtig mies fand ich den Hauptact The Streets: klar mag ich (wer nicht?) seine ersten beiden Alben, aber diese Playback-Performance mit pubertären Stimm- und Showeinlagen kann Mike Skinner meinetwegen im Seniorenclub aufführen... außerdem fand ich die dauerenden Drogen-Zwischenansagen (Gimme some cocain. Gimme some LSD. Gimme some extasy. No, seriously. I want drugs.) sowas von deplatziert und kindisch... da hätt ich mir weit mehr erwartet - und bin dann auch frühzeitig in den Dom im Berg runter spaziert.
Btw: danke am T-Mobile (für's nächste Eletronic Beats wird's auf datenschmutz ein paar Karten zu gewinnen geben) für die Einladung und die Übernachtung im Weitzer - sehr nettes Hotel, wobei ich allerdings vergleichsweise wenig Zeit am Zimmer verbracht habe: denn nach den Kasematten ging's wie erwähnt weiter in den Dom, der sich ab 12 ziemlich schnell füllte. Tanzen mitten im Berg, das ist wohl ziemlich einzigartig. marfloW sorgte für einen vergleichsweise gemütlichen Start, Punks Jump Up rissen mich mit ihren quick'n'dirty Remixes nicht gerade vom Hocker - aber Busy P brachte dann gemeinsam mit Mehdi, der übrigens voriges Jahr im WUK bei der gap 10-Jahresfeier die ehrenvolle Pflicht des Hauptact-Seins übernahm, ziemlichen Schwung in die Hütte. Brodinski hab ich dann nicht mehr gehört, weil ich von der Drumandbass-Sause im PPC noch was mitbekommen wollte.
Als ich gegen halb vier dort den Floor enterte, war gerade Liquid-Legende Fabio am Werken - und zwar mit heftiger MC-Action von LowQui, SP:MC und Rage. War eine Zeit lang recht nett, aber relativ bald wurde mir die Wort-pro-Sekunde-Dichte geringfügig zu hoch. Nach der ersten halben Stunde von Bryan G machte ich mich auf den Heimweg - schließlich folgt mein Highlight heute Abend: in der Postgarage techno-re-tisieren Arabian Prince aka Prof. X, den ich gestern auch schon bei der Opening Party getroffen habe, gefolgt von Egyptian Lover und Jamie Jupiter, fürs Grande Finale um vier Uhr ist Juan "Magic" Atkins zuständig, dessen RB Music Academy Lecture heute Nachmittag um vier stattfindet; vielleicht geht sich ja sogar ein Interview aus. Jedenfalls ein gelungener Auftakt - schöneres Wetter steht noch ganz oben auf der Wunschliste für den Rest des Festivals, zum Vor-Chillen im Stadtpark (heute mit Simon LeBon) ist's momentan fast zu kühl. Generell kann ich nach zwei Jahren Spring-Pause bisher nur eine alten Wicki-Spruch zitieren: ich bin entzückt!
| 21. Mai 2008 | bis | 25. Mai 2008 |
Und dabei ist doch in Kürze Sommerbeginn! Aber hier ist ja auch nicht die Rede vom Frühling, sondern vom Festival: genau genommen von meinem Lieblings-Elektronik-Festival südlich des Weißwurstäquators. Einen Fotopass hab ich auch, mit anderen Worten: mit ein paar Schnappschüssen muss gerechnet werden, und vielleicht sogar dem einen oder anderen Audio-Interview. Vorgestern hab ich noch eine Einladung zur Electronic Beats Party von T-Mobile bekommen, die schon am Mittwoch Nachmittag im Aiola am Schlossberg (mein Lieblingslokal in Graz) beginnt - also wird die Pilgerfahrt gen Rave-Culture wohl bereits am Mittwoch in der Früh beginnen.
Als Stammbesucher des Grazer springfestival habe ich die ersten fünf Auflagen miterleben und musste dann aus Termingründen zwei Jahre pausieren - umso größer ist die Vorfreude drauf, nächste Woche mal endlich wieder im Dom im Berg abzurocken, der genialsten Location, in der in Österreich je legale Parties gefeiert wurden. Man stelle sich einen großen Quader (Einen sehr großen Quader. Er bietet immerhin Platz für weit über 1.000 Tänzer.) vor, der einfach mitten in den Grazer Schlossberg reingesprengt wurde: meterdicke, massive Naturfelswände, dazu eine phatte Anlagen und ein talentierter Tontechniker, und jeder Raver ist im siebten Soundhimmel. Der Dom ist allerdings "nur" die Hauptlocation, ingesamt verteilt sich die Feierei auf mehrere Venues, darunter auch PPC und Postgarage.
Begonnen hat das Spring-Festival, wie jedes ambitionierte Musik-Event, vergleichsweise klein - eine Riesen-Veranstaltung á la Sonar wird aber glücklicherweise nie draus werden, denn die Locations begrenzen die Zuseherzahl, und das ist eine der Hauptstärken des Festivals. Einige der Vorjahres-Highlights sind bei play.fm als komplette Streams verfügbar, außerdem ist die hübsch gesaltete Videogallerie mittlerweile auf ganz beachtlichen Umfang angewachsen. Ebenfalls einzigartig in Österreich: die Partys verteilen sich über die gesamte Innenstadt, abendlicher Party-Tourismus ist quasi ein Muss. Vielen Elektronik-Connaisseuren gilt der Event mittlerweile als Highlight der Partysaison - kein Wunder, wenn man einen Blick auf das diesjährige Artist Line-Up wirft. Neu in diesem Jahr: die Veranstalter haben mit dem Londoner End, dem ich kürzlich beim London-Ausflug mit Tom erstmals einen Besuch abgestattet hab, eine Partnerschaft abgeschlossen:
This is another step towards the springfestival's further expansion providing sophisticated clubnights to an international crowd. The End will take over the whole Dom im Berg - the festival's main venue - on Saturday 24th May, with a lineup that represents the club's wide musical spectrum of some of the world's finest DJs holding residencies at The End.
Ein unvergessliche Party war übrigens die Brazil-Night beim Springfive. Stamina MC und DJ Marky sind das dynamischste Drumandbass-Duo, das ich jemals gehört hab... glücklicherweise mehrmals, und ich freu mich schon mächtig auf die diesjährige Brazil-Session: check this one out:
Ebenfalls bereits "Tradition" beim Spring ist das Tagesprogramm mit zahlreichen Workshops der Red Bull Music Academy, Lesungen und Vorträgen, Symposien und - neu in diesem Jahr - einer Videoausstellung im Museum für Moderne Kunst. Eine Aufzählung aller Programmpunkte würde den Rahmen dieses Artikel sprengen - die vollständige Übersicht gibt's auf der Homepage. Mein vorläufiger Partyplaner sieht folgendermaßen aus: am Mittwoch werd ich mir Streets und Roni Size beim Electronic Beats Opening in den Kasematten anhören und vielleicht in der Früh dann noch zu marfloW & Co. in den Dom rüberschauen. (Bereits hier tritt der erste Interessenskonflikt auf: Fabio, D-Bridge, Bryan G *und* Artificial Intelligence spielen mit den MCs LowQui, SP:MC und Rage im PPC).
Am Donnerstag wird's mich wohl wieder in den Dom verschlagen, XRS spielt gemeinsam mit Drumagick live - der Mann ist ein Qualitätsgarant, außerdem sind die ebenfalls brasilianischen Plattendreher Bungle und DJ Edgar am Start, zweiteren hab ich noch nie gehört. Allerdings werd ich dann wohl relativ früh abreisen müssen, denn: in der Postgarage spielen neben Arabian Prince aka Professor X, Egyptian Love & Jamie Jupiter auch... the Man!!! The one and only Godfather of Techno and House - Mr. Juan Atkins! Ich hab sein Set nach der Wiener Loveparade im Jahr 2000 im Flex gehört - der Mann versteht sein Handwerk wie wenige. Ich vermut mal stark, das wird mein persönliches Highlight - mal gucken, ob sich die Vice Party im Arcadium dann noch ausgeht.
Am Freitag werd ich mir im Orpheum den lang gehegten Wunsch, Senor Coconut and his Orchestra mal live auftreten zu sehen, erfüllen - und später dann zum Chicago House Special mit Robert Owens und Larry Heard aka Mr. Fingers in den Dom rüberwandern. Der Samstag wird dann nochmal richtig anstrengend - da braucht man ja fast schon Projektmanagement-Software für die Koordination der Timetables. Den Dom rocken Marky, Stamina, Gilles Pterson, Bushwacka und Mr. C, im PPC sind die Dub Pistols, Atomic Hooligan, Hannah Holland, MC Chickaboo, Trevor Loveys, Baobinga und Kid Blue zugange, in der Postgarage zelebrieren Luke Vibert (aka Wagon Christ), Hot Chip und Deadelus elektronische Klänge, während im Arcadium Temper D, The Sec und The Dying Punks Drumandbass hochleben lassen.
*Achtung*: das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Programms. Daneben gibt's weitere Locations, Second Floors, Afterpartys, Vorträge... einfach hier reinschauen. Ansonsten sehen wir uns am Springeight - lookin' forward!