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Artikel-Schlagworte: „Stermann“

Blogistan Panoptikum KW45 2008

blogistan panoptikumHinter einer grauen Tür in einer grauen Holzwand verbirgt sich die Geschichte einer Menge Bilder: letzte Woche wurde das 3-milliardste Foto auf FlickR hochgeladen. Das sind insgesamt eine Menge Pixel, leider gibt's keine zusätzlichen Statistiken - eigentlich ein Kuriosum, denn das Web 2.0 ist ja die reinste Spielwiese für Zahlen-Jongleure. Bei der Gelegenheit fällt mir ein: was ist eigentlich aus Technorati geworden? Die Seite gibt's zwar noch, aber interessiert sich außer dem Betreiber der deutschen Blogcharts noch irgendjemand dafür? Mir ist grade aufgefallen, dass ich das letzte Mal vor drei Monaten dem T-Monster einen Besuch abgestattet habe... schade eigentlich um die schöne Spielweise.

Papierwahl.at: wider die Blackbox Wahlcomputer

Barbara Ondrisek und Peter Purgathofer, beide an der TU-Wien tätig, beschäftigten sich in äußerst fundierter und kritischer Weise mit dem Thema elektronischen Wahlen. Dabei geht's nicht um Ablehnung, sonder um eine kritische Auseinandersetzung mit einer zukünftigen "Kerntechnik" der Demokratie, die sich für viele Bürger im Gegensatz zu Stift und Zettel als undurchschaubare Blackbox präsentiert. Ein Besuch neu gelaunchten Plattform Papierwahl.at wird dringend empfohlen - wenn schon die staatlichen Medien ihrer Informationspflicht nur derart ungenügend nachkommen, dann springen eben Blogger in die Bresche! :mrgreen:

Yahoo sucht neuen Käufer

Yahoo sucht händeringend eine neue Käufer, nachdem die Werbe-Allianz mit Google platzte, oder besser gesagt: implodierte. Jerry Yang hofft nun auf ein Kaufangebot von Microsoft - und die Ex-Firma von "Pension ist" Bill Gates könnte in Zeiten von Nasdaq-Kellerparties ein Schnäppchen machen. Noch im Mai dieses Jahres war ein Übernahmeangebot am Kaufpreis gescheitert. In den letzten Jahren konnte Yahoo einige sehr spannende Services launchen und/oder aufkaufen (MyBlogLog, Pipes), aber der Marktanteil in Europa ist wesentlich zu gering, um nachhaltigen Impact zu entwickeln, den USA allerdings suchen noch immer über 10 Prozent der User via Yahoo.

Holger Rust belässt alles beim Alten

In der Tat gibt es genug übermäßig evangelistische Prosumers, ein Artikel von Holger Rust in der Wiener Zeitung lässt das Pendel aber gar etwas stark in die andere Richtung ausschlagen [via Pete]:

Erfolgreiche Revolutionen im Konsumbereich resultieren meist aus dem Bestreben der Kunden, mit möglichst innovativen Mitteln alles beim Alten zu belassen.

Tja, die gute alte Kategorienverwechslung ist eben doch der direkte Weg zum markigen Nullaussage!

Kein Grissestermann für Kärnten

Stermann meinte dazu im "Falter", wenn man im Internet Postings von Leuten lese, "die busweise dort hinfahren möchten, damit wir in Särgen zurück geschickt werden, dann ist das keine gute Voraussetzung für einen lustigen Abend".

Schreibt der Standard über die Causa Kärntner Pietät vs. Freiheit der Kunst. Stein des Anstoßes war die "Willkommen Österreich" Ausgabe vom 23. Oktober, in der auf angeblich "für Kärnten untragbare Weise" (der neue Landeshauptmann) mit dem Tod Jörg Haiders umgegangen wurde. Drohungen trafen ein, auf den Veranstalter soll gar ein Anschlag verübt worden sein. Auch Marflows Telefon dürfte vor kurzem heiß gelaufen sein, denn am letzten Partyflyer war der bewusste Phaeton abgelichtet mit dem Spruch: "Gratis Eintritt ab 1,8 Promille". Nil nisi bonum gilt für Personen des öffentlichen Lebens eben nur sehr eingeschränkt - ich hab die WK-Österreich Sendung nicht gesehen, den Flyer fand ich persönlich sehr geschmacklos, aber dennoch: diese Karikatur bringt des Pudels Kern ganz gut auf den Punkt.

SEO News der Woche

Keiner drei Milliarden Fotos bedurfte es, um die Läuterung des Mediadonis zu dokumentieren: von Playboy-Haserln zu Klosterschwestern! Da soll noch einer behaupten, es spiele keine Rolle, ob der Google Slap von Bunnies oder Klosterschwestern ausgeteilt wird! Noch ernsthafter geht's anderswo zu: am Sumablog gibt's einen Vergleich gängiger SEO-Software-Suiten; ich habe alle gelisteten Programme getestet, meiner Meinung nach kann keines davon auch nur ansatzweise mit den SEOMoz-Tools mithalten - allenfalls die Reporting-Funktionen ersparen einiges an Zeitaufwand. Aber wozu man zum Recherchieren von themenrelevanten Link-Tausch Sites einen spezialisierten Crawler braucht, werde ich sowieso nie verstehen - die direkte Konkurrenz um eine Werbeschaltung zu bitten, halte ich für wenig effizient :mrgreen: Geld in alte Domains zu investieren, macht da schon deutlich mehr Sinn, wie einem aktuellen Posting am SEO-Handbuch zu entnehmen ist. Natürlich sollte man Senioren-URLs auswählen, die keiner Google-Penalty unterliegen - Sistrix hat unter Zuhilfenahme seiner eigenen Toolbox einen äußerst instruktiven Artikel zu diesem Thema geschrieben.

Immens hilfreiche Umzugs-Checklist von Frank

Herr Helmschrott does it again: weil Frank mit seinem Blog umzieht, hat er die Gelegenheit genutzt, um eine immens praktische Checklist zu veröffentlichen:

Um dem ein oder anderen behilflich zu sein, der in Zukunft irgendwann mal seinen WordPress-Blog umziehen will, halte ich hier mal die Schritte fest, die ich durchgeführt habe und die bei vermutlich jedem anderen Umzug nahezu identisch sein werden.

Ich hab's an der Stelle schon öfter gesagt und denk's mir jedes Mal wieder: FH's WordPress Checklists, Anleitungen und Tutorials gehören zu den kompetentesten, best-aufbereiteten WordPress-Infos, die das deutschsprachige Netz zu bieten hat. Und grade bei einem Umzug kann eine Menge schief gehen: und Franks Liste wird zukünftig einige Blogger vor diversen Katastrophen bewahren!

90% Wikipedia

SEO-United bringt ein Wikipedia-Statistik-Update und kommt zu einem beeindruckenden Ergebnis:

Das Wissensportal Wikipedia konnte innerhalb eines Jahres weiterhin viele gute Platzierungen erreichen. Mit über 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit ist mindestens eine Wikipedia-Domain unter den Top 10 vertreten.

Mit anderen Worten: der Aufwand, den man betreiben muss, um einen Link in der WP zu platzieren, zahlt sich noch mehr aus als vor einem Jahr!

Schon wieder 10 Euro verdient

Reiffix listet wieder mal die Monatseinkommen deutschsprachiger Blogs - immer wieder beruhigend, kann ich nur sagen. Eine kurze Frage nur dazu (das Schimpfen überlass ich Baynado): wo bleibt die Umwegrentabilität, auch Kollateralnutzen genannt?

Twitter will Accounts löschen

Nützt eigentlich irgend jemand Identi.ca? Sieht wohl ganz so aus, als ob unser Lieblingsvögelchen Twitter in den letzten Wochen zum Lieblings-Trafficbringer us-amerikanischer SEOs avancierte. Dazu passt auch, dass die Zahl an Rotlicht-Spammern gravierend zunimmt, und das wiederum wollen sich die Betreiber nicht bieten lassen: Twitter führt schon länger eine interne Blacklist, und wer dort etwas tut, was den unausgesprochenen Regeln zuwiderläuft (z.B. zuviele Follow-Requests rausschicken), erlebt relativ flott ein unangenehme Überraschung. Dass eifrige Blockwarte kurzzeitig ein Drittanbieter-Blacklist-Service ins Leben riefen, ist in der Tat ein schönes Eingeständnis der mangelnder Medienkompetenz... let's face it: die kurze Zeit, in der Twitter primär als "privates" Service benutzt wurde, ist vorüber: da ändern noch so viele Blacklists nix dran. Demnächst mehr zum guten alten Schinken-in-Dosen-Thema im kommenden Videopodcast.

Video der Woche

Barrack Obama hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Die größte Überraschung dabei: Twitter war nicht down.

Nun fragen sich alle: is Obama beautiful world? Die Einwohner dieses japanischens Dorfes, das übrigens auch Obama heißt, sagt vermutlich "ja", aber die japanischen Strophen kann ich leider nicht verstehen [via YouTube Preview Image

Und damit wären wir auch schon wieder am Endes dieses Panoptikums angelangt - nächste Woche gibt's unter anderem wieder eine neue SEO-Dog-Folge starring Xsara, einen Videopodcast zum Thema Twitter und einen äußerst spannenden Gastbeitrag über symbolische Kommunikation in sozialen Medien. Wie an dieser Stelle bereits erwähnt: Input, Anregungen und Infos fürs Blogistan-Panoptikum sind immer willkommen. Ich wünsche einen schönen Restsonntag - wir lesen uns am Montag!

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Susanne Winter = RR (Rechtsaußen-Realsatire)

Wenn Frau Winter eine Susi-Torte bäckt, dann wird die ausschließlich mit weißer Schokolade angefertigt, nehme ich an... und statt Kaffee mit braunem Zucker gibt's vermutlich weißen Tee. Schließlich kann man den Kampf gegen die Überfremdungsparanoia ja schlecht linken Kabarettisten überlassen:

"Es ist wirkliche eine Frechheit des ORF, dass übelste Überfremdungs-Propaganda, wie der Film 'Der schwarze Löwe', in dem drei Neger-Asylanten zu Helden eines kleinen Dorfes hochstilisiert werden, als offizieller Film-Beitrag zur EM 2008 im Fernsehen ausgestrahlt wird. Finanziert wird dieser Film natürlich auch durch die ORF-Gebühren, die der Bürger zahlen muss", so die Grazer FPÖ-Chefin Susanne Winter.

Und die meint das auch noch ernst mit den "Negern"... so steht's nämlich in der eigenen Presseaussendung. Eigentlich erstaunlich, dass sie nicht gleich "Drecksnigger" oder so schreibt. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir Anders-Hautfarbige wie Menschen anstatt wie Asylanten behandeln? Jedenfalls nicht dahin, wo die Grazer FPÖ "Politikerin" hinmöchte:

Statt der ORF-Überfremdungspropaganda "Der schwarze Löwe" sollte der offizielle Film-Beitrag des Österreichischen Rundfunks lieber ein Film sein, der die Schönheit und Kultur unseres Landes widerspiegelt.

Hervorragende Idee. Zum Beispiel würd ich's total cool finden, wenn Kurt Palm einen Film dreht, in dem Grissemann und Stermann zwei FPÖ-Politiker darstellen, die sich mit dem Asylantenproblem befassen. Oder wie wär's mit einer Fake-Doku über einen FPÖ-Parteitag, bei dem Robert Palfrader (mit oder ohne Kaiserkrone) in die Rolle von Jörg Haider schlüpft?

Ich warte ja nur auf die Autobiographie von Frau Winter und hätte auch gleich einen passenden Titel zur Hand: "Ich, die bösen Neger und die Schönheit unserrrres Landes". Ich würd ausnahmsweise sogar gratis in Vorwort schreiben... sofern's nicht zensuriert wird.

Willkommen Österreich: Jan Becker liest Stermanns Gedanken

Grissemann und Stermann, Moderatoren-Duo Infernale der hiesigen Fernseh- und Radiolandschaft, würde man nicht unbedingt zutrauen, Pro Siebens Uri Geller Show zu konkurrenzieren. Aber gestern Nacht war Jan Becker, deutscher Mentalist, bei den beiden zu Gast - und im Gegensatz zum erfolgreichen Trixxer Uri basieren Jans Tricks zwar nicht auf übersinnlichen (oder doch, je nachdem, was man denn nun als "übersinnlich" betrachten möchte) Fähigkeiten, sondern auf hartem Training und - soviel steht fest - einem ganz besonderen Talent zur Beobachtung von Menschen.

Über Jan Beckers eigenes Leben verrät die Homepage relativ wenig - der Mann, der die Gedanken anderer mit erstaunlicher Präzision lesen kann, verrät verständlicherweise nicht besonders viel über sich selbst. Live erleben kann man ihn derzeit in Berlin mit seinem aktuellen Programm Think Grotesque in Berlin, gegen Ende des Jahres sind Auftritt in Österreich geplant. Über sich selbst sagt Becker:

Es geht darum den Zuschauer im Theater vergessen zu lassen, dass er im Theater sitzt. Wenn du Traumhaftes und Realität verschmelzen lässt, schaffst du eine Surrealität. Mir geht es um den Umgang mit irrationalem Wissen. Die Möglichkeiten des Unmöglichen interessieren mich. [oe1.orf.at

Nun gut, was hat mich denn gestern nun eigentlich so dermaßen beeindruckt? In erster Linie personal trust: ich denk nicht, dass Grissemann und Stermann bei einem Schwindel mitmachen würden. Stermann musste vor der Sendung in seiner Garderobe eine einfache Zeichnung anfertigen und diese in einen Umschlag stecken. Am Ende der Sendung forderte Becker sein "Opfer" auf, an die betreffende Zeichnung zu denken und brachte anschließend zu Papier, was er "empfangen" hatte. Seine Zeichnung stimmte haargenau mit dem Original überein - zu Stermanns sichtlicher Verblüffung. Gezeichnet hat Stermann übrigens ein Strichmännchen hinter einer Mauer, das ungefähr so aussah:

maennchen

Grissemanns Instant-Theorie, dass Becker mit einer Kamera im Zeichenstift mitgefilmt habe, scheiterte an der Tatsache, dass Stermann seinen eigenen Stift verwendet hatte - Jans Erklärung lautete schlicht und einfach, dass er jahrelang Menschen beobachtet habe und er beim Gedankenlesen einfach "dahin phantasiere".

Ich glaube, dass wir alle ab und an die Gedanken anderer Menschen "lesen" können, wenn auch meistens ungewollt und unerwartet - und dass diese Fähigkeit schon immer eine ganz beträchtliche Rolle im sozialen Leben gespielt hat. Und ich habe den Eindruck, dass, sobald bewusstes Denken mitschwingt, dieses fallweise empfangen von Stimmungen, Gedanken und Bildern kaum funktioniert. Mit anderen Worten: blickt man einen Menschen an, dann denkt man sich unweigerlich etwas über ihn: Aussehen, Kleidung, Körpersprache etc. lassen sofort ein Bild im Kopf entstehen, das natürlich einerseits auf Erfahrung beruht, andererseits aber ein klassisches Vorurteil darstellt. Je weniger man "spekuliert" und je entspannter und lockerer man an die Sache rangeht, desto besser funktioniert's, denke ich - weil jede "Preconception", wie's im Englischen heißt, eine möglichst objektive, unbeeinflusste Interpretation diverser körpersprachlicher und sonstiger Informationen erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Aber dies zu üben und zu meistern ist eine Kunst, die unglaublich schwierig zu erlernen ist, und so verstehe ich Beckers "Phantasieren". Mir fällt dazu eine körperliche Analogie ein: bestimmte Muskelgruppen gezielt anzuspannen, ist vergleichsweise einfach. Muskeln gezielt zu entspannen, fällt wesentlich schwieriger. Ich kenn zwar keine guten Bücher über "Mentalismus", aber in der buddhistischen Literatur, speziell im tibetischen Dzog Chen, gibt's ein paar sehr aufschlussreiche Texte zu diesem Thema.

Jan Becker wählte anschließend noch einen Zuseher aus, der sich im Nachhinein als Mühlviertler entpuppte, und verpasste ihm auf der Bühne eine unglaublich schnelle Instant-Hypnose. "Ich berühre dich an der Schulter und du bist wach und kannst ganz normal spreche, doch sobald ich deine Stirn berühre, fällst du in einen tiefen, angenehmen Zustand und schläfst," sagte er einige Male, nachdem er sein Versuchsobjekt zuerst mittels Suggestion nach hinten hatte kippen lassen. Und so war's dann auch! Im anschließenden Interview beschrieb der Zuseher seine Erfahrung als extrem angenehm, Zitat: "Das muss ich heute abend zuhause nochmal ausprobieren."

Zum besseren Verständnis hier ein Video über das, was Jan Becker so tut - und vor allem wie:

YouTube Preview Image

War eine beeindruckende Vorführung, nach der ich fest davon überzeugt bin, dass Jan Becker keine Tricks im klassischen Sinn vorführt, sondern ein paar Eigenheiten der conditio humana wesentlich besser studiert hat als die meisten Zeitgenossen. Ihn würd ich gern mal im Magier-Duell mit Uri Geller erleben :twisted: Seine diesbezügliches Wissen präsentiert er auf eine äußerst professionelle und sympathische Weise, kurzum: bei nächster Gelegenheit möchte ich mir diese Think Grotesque Show unbedingt mal live ansehen - kennt die vielleicht schon jemand aus der p.t. Leserschaft?