Überschätzungen, Unterschätzungen, grobe und feine Schätzungen: wenig Genaues weiß man. Während sich der eine übers tausendste Mash-Up freut, warnt der andere vor blinder Technikverliebtheit. Aber das Netz lebt bekanntlich von Gegensätzen, also keine Scheu: treten Sie ein zum kleinen geführten Wochenrundgang durchs Social Web - Judith Denkmayr aka Linzerschnitte und datadirt präsentieren das Web 2.0 Ereignisprotokoll der letzten 168 Stunden.
Und wir sprechen hier nicht von Bing oder Yahoo Search. Nicht mal von Cuil - da hätte Stephen mal lieber bei Mathematica bleiben sollen. Aber Wired meint, es gibt sie doch - die coolen Suchmaschinen:
For this article, we surveyed some 50 specialty search services and picked out our favorites. What follows is not a systematic ranking or review, but a general guide to a very vibrant world that few have bothered to explore in depth.
The variety of search startups is mind-boggling, and hints at the challenges Google may face staying on the bleeding edge of search innovation in the coming years. (There’s even something for micro-philanthropists: Good Search donates a penny to the charity of your choice for each search you run.)
Wer also trotz aller Variationen das Big-G Logo einfach nicht mehr sehen kann, der werfe eine Blick auf IceRocket, Scoopler, Collecta und Co.: da gibt's einiges an guten Ideen, aber eben ziemlich weit-verstreut.
Ergänzend zur letzten Woche hier der Link zum Audiobook Free von Chris Anderson, das konsequenterweise ebenso wie das eBook als Gratis-Download erhältlich ist.
Wer schon mal Moorhuhnjagd gespielt hat, dem wird Die Fail Whale! auf Anhieb bekannt vorkommen. Gefragt sind ein flinker Mauszeiger und der richtige Rhythmus - wer nicht aufs Nachladen vergisst, sollte es durchaus schaffen, meinen bescheidenen Score von 33 Walen zu toppen, oder?

PS: Allein schon die Fake-Testimonials sind definitiv einen Besuch der Seite wert, z.B. Michael Arrington, TechCrunch: "I offered to trade this game for my website, but Die Fail Whale said no. Now I'm sad."
Eine interessante Theorie über Facebook veröffentlichte diese Woche Fred Vogelstein im Wired Magazine. Im Hause Facebook sah man niemals andere Social Networks als Benchmark, sondern ausschließlich Google. So erzählt ein früherer Programmierer von Facebook:
We never liked those guys. We all had that audacity, 'Anything Google does, we can do better.' No one talked about MySpace or the other social networks. We just talked about Google.
Darum bekam auch Microsoft den Zuschlag als Investor. Fred Vogelstein erklärt außerdem noch den "4-Stufen-Plan zur Online Domination" von Facebook:
1. Build a critical Mass (mit 200 Millionen FB-Mitglieder kann man diesen Punkt für nahezu abgeschlossen betrachten)
2. Redefine Search (Facebook geht davon aus, dass FB Mitglieder auch eine Facebook Suche nutzen würden)
3. Colonize the Web (Facebook Connect bildet dazu den Ausgangspunkt und wird bereits von über 10.000 Partner Sites benutzt)
4. Self targeted Ads, everywhere (Facebook hoffe, eines Tages nicht nur auf der eigenen sondern auf allen Partner Sites werben zu können)
Nun, man darf gespannt sein, ob Mark Zuckerbergs Plan aufgeht - schließlich sollte Mark die Stromrechnungen früher oder später nicht mit Investorengeld, sondern mit laufenden Einnahmen finanzieren.
Steve Rubel fordert zum kollektiven Mind-Mappen auf - er möchte wissen, wie's um die Zukunft des Bloggens bestellt ist. Ohne Zweifeln nehmen Social Networks, Microblogging-Dienste und andere Services immer mehr Surfer-Zeitbudget in Anspruch - wie wirken sich die Änderungen auf Blogs aus? Was vor drei Jahren noch super-schnell News waren, lahmt im Twitter-Zeitalter ganz gewaltig. Steve sieht die Sache übrigens recht binär:
From my point of view, blogging's future will likely flow down one of two paths: either it will evolve and grow into something else (like many species have) or it will succumb to Darwinism and become extinct (like the Dodo). Let’s take a closer look at each. We’ll also give you the chance to add your own opinion to our mind map.
PS: es gibt 10 Arten von Usern: die, die das Binärsystem kennen, und jene, die es nicht kennen.
What is a Browser? Newsfeed, Sharefeed, Livestream, Aggregator, Plugin, Extension, Firefox, Spreadsheet, Poke/n, SEO/SEM, Backlinks, RSS, Feedreader, Tweet, Gadgets.... Die meisten Leser dieses Blogs kennen diese Begriffe, manche von uns werfen sogar oft und gerne mit diesen Begriffen um uns. Aber eine elaborierte Soziolekt grenzt bekannterweise nicht nur ab, sondern auch aus. Ji Lee von Google (Trackback http://pleaseenjoy.com/) zeigt in diesem Video am Beispiel des good old "Browsers", wie weit der Großteil der Menschen wirklich mit der Netz-Fachsprache vertraut ist:
Da offensichtlich die wenigsten Menschen wissen, was nun eigentlich ein Browser ist (noch weniger, was Google Chrome ist), stellt sich die Frage, ob die frommen Wünsche von Eric Schmidt sich erfüllen werden. In einem Interview mit bloomsberg.tv meinte er nämlich, auf die Frage, wie viele Menschen das neuen Betriebssystem Google Chrome OS verwenden werden:
We don’t have numbers, we know it will be millions.
Abermals bleibt nur zu sagen: Man darf gespannt sein.
David Golumbia ist ein Ketzer. Ein Abtrünniger, der im Mittelalter leicht hätte auf dem Scheiterhaufen landen können bei so viel Devianz von der Mainstream Meinung - näher betrachtet hat sein Kommentar zur Rolle des Microblogging-Vögelchens im Iran-Konflikt aber durchwegs was für sich:
Ich bezweifle, dass Twitters Wirkung für die Proteste wirklich so großartig war, wie viele Leute das gerne hätten. Vielleicht handelt es sich einfach nur um Werbung für Twitter.
Der Kulturkritiker und Programmierer bezeichnet sich selbst als "von marxistischen Denkweisen beeinflusst" und wirft der Netzgeneration allzu starke Technikverliebtheit, die den Fokus aufs Wesentliche verstelle, vor:
Genau genommen hat der starke Fokus auf den technischen Aspekt die ernsthafte Debatte über das, was wirklich geschieht, sogar gestört. Die Technik-Fans glauben, dass man soziale Probleme mit digitalen Mitteln lösen kann. Nur die allerwenigsten beschäftigen sich allerdings mit den komplexen sozialen Problemen, für deren Lösung man neue Ideen benötigt.
Den Rest des äußerst lesenswerten Interviews, das Johannes Boie mit David Golumbia geführt hat, gibt's in der Süddeutschen.
Ein sogenannten "Lifestream" fasst die übers Social Web verstreuten Kommentare, Uploads, Likes etc. eines User an zentraler Stelle zusammen - ich verwende dafür das Lifestream-Plugin von iBegin, das den Feed in der rechten Spalte auf der Startseite generiert und bin mit dieser Lösung sehr zufrieden - allerdings benötigt man dazu eine WordPress-Installation als Host. The Next Web stellt in einem lesenswerten Beitrag sechs verschiedene Lösungen - vom Full-Service Provider bis zum Self-Hosted-CMS - vor, bei denen jeder fündig werden sollte.
Thomas Knüwer wäre bei einer Vodafone-Pressekonferenz gegen seinen Willen beinahe erleuchtet worden, als man ihm erklärte, dass zukünftig der Kunde, eine wahrer "Held des Alltags", im Mittelpunkt stehen werde. Ein Musterbeispiel an Buzzword-Dropping und Pressekonferenz How-Not-To:
Das Bild, das sich bot, war erschreckend. Denn die Veranstaltung war in einem Anfall von Tanja-Anja-Coolness in einen Truck verlegt worden, in dem als Sitzgelegenheiten rückenbeugende Hocker vorhanden waren, auf denen nun die Journalisten - weil sie ja mitschrieben - ein Bild von eifrig notierenden, devot buckelnden Schreibknechten boten.
Dies allein war schon schlimm. Noch fürchterlicher wurde es durch die nicht enden wollende Flut dümmlicher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich warfen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik.
Schon mal vom Klo aus getwittert? Nein ?! Dann sind Sie auch kein Twitter Addict! Oder doch? Sinnfreie aber lustige twitter-related Webapp der Woche: How addicted to Twitter are you?
The Punisher nennt Chris Rooker dieses großartige Foto seines VW-Busses. Antropomorphismus in Reinkultur
Auf FlickR gibt's auch eine zweite, weniger stark bearbeitete Version des Bildes:

Es gibt zu wenig Katzenvideos im Internet. Denn es kann nie genug davon geben.
Klappe die erste! Die subtilen Nuancierungen so mancher Jobs werden von der unwissenden Allgemeinheit nur allzu leicht unterschätzt - wie dieser Clapper zu berichten weiß:
Und damit sind wir auch schon wieder bei der letzten Kammer des dieswöchigen Shaolin-Kurses angelangt - nächste Woche, hochverehrte Leserinnen und Leser, gibt's hier auf datenschmutz nicht nur die gewohnten Tiere und Artisten, sondern auch Gewinnspiel-Sensationen im Doppelpack. Einen schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!
Willkommen zur besinnlichen Rückschau auf sieben Tagen Social Media, Blogging und Twitter-Wahnsinn! Nachdem nun hoffentlich jede/r den gewünschten Facebook-Namen hat (heute begann die Grabbing-Phase für Pages über 100 und unter 2.000 Fans, die bisher keine Short-URL haben durften), können wir beruhigt zum üblichen Programm übergehen. Vorher allerdings noch eine mysteriöse Ankündigung: ab nächster Woche wird's an dieser Stelle ernst: denn zukünftig entsteht das Panoptikum im Duo - vorstellen werde ich meine Partnerin in Crime in der nächsten Ausgabe, natürlich darf gerne spekuliert werden.
Jede Menge Diskussion gab's in der letzten Woche um die Zukunft von Facebook. Der Regular Geek sieht in der Profilsuche und der neuen Multi-Query-API zwei durchwegs taugliche Strategien gegen den Closed Garden:
There is a very strong feeling from developers that a closed system like Facebook cannot succeed. While I tend to agree that a completely closed system will have difficulties, Facebook has slowly opened up little by little to a decently open system. They still have some work to do before they become as open as Twitter, but the foundation has been started.
Noch einen Schritt weiter geht der Copyblogger, wenn er schreibt "How Facebook kills SEO":
But the rise of Facebook creates a growing segment of the web that’s completely invisible to search engines - most of which, Facebook blocks - and can be seen only by logged-in Facebook users. So as Facebook becomes ever larger, and keeps more users inside its walled garden, your web site will need to appear in Facebook’s feeds and searches or you will miss out on an important source of web traffic.
Und ReadWriteWeb stellt die spannende Frage, ob Facebook in einigen Jahren noch relevant sein wird. Vor allem Szenario 4, "Distributed Social Networking", erscheint mir als sehr zukunftsträchtig:
The next step after Facebook may be no social network in particular at all - it may be social networking as a protocol. A set of standards that let you message, share with and travel to any social network you choose. Suddenly all the social networks have to improve because they are competing on quality of service, over customers that have free will and are able to leave at any time.
Seit vielen Jahrzehnten ist Bloggen tot (zumindest liest man das immer wieder), aber nun taucht mit Lifestreaming ein Silberstreif am Horizont auf. In der Tat sind Social Feeds gern gesehener Gast in Sidebars (so auch hier), allerdings können 140 Zeichen oder ein Status-Update kein Tutorial ersetzen. Aber die Zeitbudgets verschieben sich, da hat Jeremiah Oywang definitiv recht:
It seems as if blogging is becoming old hat, or at least evolving into something smaller, faster, and more portable. I’m with Louis Gray, I’m not going to give up my blog, instead, I think of it as the hub of content, and the rest of the information I aggregate (notice the Twitter bar up top and the Friendfeed integration below). To me, joining the conversation is certainly important, but it doesn’t mean the hub (or corporate website) goes away.
Mashable lässt mit einem Softwarevergleich die Herzen von Client-Sammlern höher schlagen - vom 20-spaltigen Info-Overload Setup bis zu minimalistischen Feed-Only Readern: hier sollte jeder fündig werden:
Now that Twitter is older than a toddler, you have a variety to choose from. From apps for groups, Mac and PC specific clients, and apps that let you do a whole lot more than tweet, you can use this guide to help you find the desktop client that’s right for you.
Und wem das noch nicht reicht, der findet ebenfalls auf Mashable einen Artikel mit äußerst brauchbaren Twitter-strategischen Ratschlägen.
Auf Lifehacker habe ich ein Video von Henri gefunden, das alle Matrix-Fans und Krawattenträger freuen dürfte:
If you're a very sharp-eyed fan of Matrix movie trilogy, you'll recognize the knot captured below as a rare specimen sported by "The Merovingian." The knot itself didn't originate with the movie, and isn't rightfully named "The Merovingian Knot," but the Ediety Knot. Still, it's nearly impossible to find any reference to it independent of the movie, so let's just keep the Wachowski-an etymology for now.
Ich hab ein paar Versuche gebraucht und er ist noch immer nicht symmetrisch, ich muss aber sagen: cooler Knoten.
Es ist ein Weilchen her, dass Sacha Baron Cohen als kasachstanischer Reporter Borat s
Man's Best Friend nennt zedzap seine Schwarz-Weiß-Aufnahme vom Dogwalking... großartiger Minimalismus und höchste Zeit für einen BW-Shot nach all den HDR-Bildern

Dieser Film hat einfach alles: unglaubliche Action, rasante Verfolgungsjagden, unvorstellbar romantische Liebesszenen... im Gegensatz zum Regisseur des aktuellen Bond-Movies hat Asim Varol ganze Arbeit geleistet!
Und damit, sehr geehrte Damen und Herren, sind wir am Ende der wöchentlichen Nachrichtensendung angelangt. Bleiben Sie uns gewogen, schalten Sie nächstes Woche wieder zu, wenn es heißt: auf zum Original-Fidelen Blogistan Panoptikum! Wir lesen uns morgen.
Es war bloß eine Frage Zeit - gestern gabt Last.fm am offiziellen Blog bekannt, dass man ab sofort beginnen werde, von Hörern in den meisten Teilen der Welt monatliche Gebühren fürs Radiohören einzuheben. 3 Euros sind zwar im unteren Preis-Segment angesiedelt, trotzdem sehe ich die Umstellung mit Skepsis, da das Angebot an frei verfügbaren Streaming-Angeboten schlichtweg riesig ist.
Klar, Kundenbindung, Gewöhnung an die Seite und ähnliche "Convenience-Faktoren" werden Besitzer Yahoo helfen, einen gewissen Prozentsatz der Community in zahlende Kunden zu konvertieren. Allerdings vermute ich, dass diese Zahl vergleichsweise niedrig liegen wird, was zumindest eine konsequente Fortführung der neuen Yahoo-Firmenphilosophie von effizienter Selbst-Demontage voll und ganz entspräche. Die Nutzung der restlichen Features bleibt weiterhin gratis:
In all other countries, listening to Last.fm Radio will soon require a subscription of €3.00 per month. There will be a 30 track free trial, and we hope this will convince people to subscribe and keep listening to the radio. Everything else on Last.fm (scrobbling, recommendations, charts, biographies, events, videos etc.) will remain free in all countries, like it is now.
Interessanterweise dürfen Deutsche, US-Amerikaner und Engländer weiterhin gratis zuhören - in diesen Ländern verzichtet last.fm auf die Einhebung der Subscription Fees - über die Gründe gibt das offizielle Statement keine Auskunft.
Der immer wieder mal gern zitierte Vergleich mit Privatradios hinkt übriges: denn während es Energy, 88,6 und anderen akustischen Umweltverschmutzern recht gut gelingt, den Sendebetrieb mit Werbung zu finanzieren, sind die Last.fm Streams frei von Konsumenteninformationen. Ob die 7 Millionen Tracks für ausreichend viele User ein Grund sein werden, 36 Euros im Jahr abzudrücken, muss die Zukunft zeigen. Ich habe Last.fm bisher kaum genutzt und werde meine Streaming-Bedürfnisse auch in Zukunft mit Blip.fm und meinem grandios relaunchten Favoriten play.fm abdecken.
Videorecorder waren gestern - längst hat der PC seinen Platz als Schaltzentrale des digitalen Heim-Entertainments eingenommen. Aber wie kriegt man das witzige Youtube-Video auf den eigenen Rechner? Data Beckers Stream Catcher 2 erlaubt mit wenigen Mausklicks die Direktaufnahme von laufenden Videos - ob DRM-geschützt oder nicht, spielt dabei technisch keine Rolle. datenschmutz verlost 2 Einzelplatzlizenzen: wer mitspielen möchte, hinterlässt wie übliche einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag.
Ob TV-Serie, Musikvideo oder Viral Clip: der Streamcatcher unterstützt zweifellos die Sammelleidenschaft, denn wer kann schon voraussagen, ob dieser witzige Clip mit den sprechenden Hunden in einem halben Jahr überhaupt noch online ist? Die Stream Catcher Software nutzt verschiedene Mechanismen, um jeden Clip auf die eigenen Harddisk zu bannen:
Mit Hilfe der Direkt-Downloadfunktion laden Sie Videos ohne Umwege aus gängigen Onlineportalen herunter: Auf Wunsch werden alle downloadbaren Clips bereits während des Surfens automatisch vom Programm ermittelt und übersichtlich angezeigt. [...] Eine Netzwerk-Analyse filtert aus allen aufgerufenen Webseiten zuverlässig die Multimedia-Dateien heraus und fügt sie per Knopfdruck dem Download-Manager hinzu. [...Nicht direkt downloadbare Dateien spielen Sie einfach ab und zeichnen mit de Stream Catcher 2 genau das auf, was Sie auf Ihrem Monitor sehen.
Neben Videofilmchen beherrscht das Programm auch das Capturing von Audio-Streams, die wahlweise als Wav- oder mp3-Dateien exportiert werden. Beim Bewegtbild stehen avi, flv und MPEG1 zur Verfügung. (MPEG2 ist mit der 30-Tage Testversion des beiliegenden Encoders möglich, der im Anschluss extra erworben werden muss.) Vor dem Export lassen sich die betreffenden Clips noch zurecht schnipseln. Data Becker verweist auf der Verpackung übrigens drauf, dass Aufnahmen von urheberrechtliche geschütztem Material nur für den Privatgebrauch zulässig sind.
Ich habe den Stream Catcher ausprobiert - die Software funktioniert unter Windows Vista klaglos, wer immer schon mal ohne mühsame Handarbeit ein paar Videos von Youtube und Co. lokal abspeichern wollte und/oder Ambititonen für den Aufbau einer eigenen Multimedia-Bibliothek hat (Festplatten werden ja sowieso immer billiger), kann beruhigt zugreifen. So sieht die Videoverwaltung aus:

Helge vom Data Becker Verlag hat mir zwei Verlosungsexemplare zur Verfügung gestellt - wer mitspielen möchte, postet wie üblich einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag, eine Registrierung ist nicht erforderlich. Für jede Erwähnung dieses Gewinnspiels in Blogs und Tweets gibt's wie gewohnt ein Extra-Los (bitte im Kommentar erwähnen). Im übrigen gelten die Standard Teilnahmebedingungen für datenschmutz Gewinnspiele. Die Verlosung beginnt am Montag, 2. Februar, und endet am Sonntag den 15. Februar 2009. Viel Glück!
Was hab ich in den späten Neunzigern über Napster geschrieben: der Vater aller Filetrading-Services und Gottseibeiuns der Musikindustrie machte Shawn Fanning über Nacht zum Popstar der Informationsrevolution. Magere 128kBits hatten mp3s seinerzeit, die damals mühsam gehamsterten Sammlungen sind längst höherqualitativen Rips gewichen und Shawn konnte das gerichtsbedingte Aus immerhin lange genug verzögern, um Napster an die Bertelsmänner zu verscherbeln. Die waren allerdings mit der Musikdownload-Plattform ebenso glücklich wie Fanning mit seinem Nachfolgeprojekt Rupture, einem Social Network für Gamer. Zwischendurch schlug dann mal Roxio zu, heute gab Best Buy den sogenannten "Merger" bekannt.
Erworben hat man Napster um knackige 121 Millionen Dollar - denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Roxio hatte aber selbige wohl bereits aufgegeben, denn trotz einer kolportierten Userbasis von 700k Musikfans ließ sich der Abo-Service bislang nicht monetarisieren. Das bislang erfreulichste Geschäftsjahr brachte immerhin Minderung des operativen Verlusts von 16,5 Millionen Dollar (2007: 36,8 Mio. Dollar). TechCrunch drückt das folgendermaßen aus: "Best Buy just wasted $121 million." Die Geschäftsführung von Best Buy sieht dies naturgemäß anders und will vorerst mal alles beim Alten belassen:
Best Buy believes that Napster has one of the most comprehensive and easy-to-use music offerings in the industry, including streaming music, music subscriptions, the ability to purchase individual tracks, albums and mobile offers. Napster has approximately 140 employees, with its headquarters in Los Angeles. At this time, Best Buy does not plan to relocate Napster’s headquarters or to make significant changes in personnel.
Tja, traurig aber wahr: die große Zeit des Kätzchens ist längst vorüber, in Zeiten von Play-, Last-, Blip-fm, Pandora und Konsorten stinkt Napster sowohl von der extrem grottigen Streaming-Qualität als auch von der Auswahl her ab. Das Gratis-Streaming ist außerdem nur in den USA verfügbar, wer mp3s saugen will, muss den Client installieren und monatliche Abogebühren bezahlen. Die Freeloader (mit denen ohnehin kein Geschäft zu machen ist) sind längst auf Torrents und/oder Soulseek umgestiegen, der zahlende Teil der Netzbevölkerung kauft brav im iTunes Store. Aber wer weiß, vielleicht hat Best Buy ja den genialen Masterplan schon in petto: denn mit der Aufrechterhaltung des Betriebs wird Napster niemals in die schwarzen Zahlen kommen.
Ein neuer Begriff macht die Runde in der Blogosphäre: Life Streaming lautet das Zauberwort, das alle anderen personal publishing Formate in den breiten Hintern treten soll, Blogs inklusive. Die technische Grundlage bilden - wie könnte es anders sein - RSS Feeds und diverse offene Schnittstellen, die eine Aggregation aller möglichen Web 2.0 Aktivitäten erlauben: nach Eingabe des Usernamens basteln solche Services aus sämtlichen eigenen Tweets, FlickR-Uploads, Blogbeiträgen etc. einen einzigen mehr oder weniger gigantischen Feed, dessen Einzelbeiträge zu allem Überfluss manchmal auch noch kommentierbar sind.
Die Frage "Wer hat den längsten?" könnte also im 2. Nullerweb durchaus wieder an Relevanz gewinnen, gäbe es nicht das Endlos-Scrolling Feature von Soup.io. Was bei aller Life-Streaming Begeisterung in der Regel aber meist vergessen wird, sind die lästigen menschlichen User... Stalker freuen sich andererseits sehr über das automatisierte Auskunftsbüro: denn bei soviel automatischer Aggregation übersieht man schon mal geflissentlich das eine oder andere Mosaiksteinchen der sonst so sorgfältigen Selbstinszenierung. Richtig spannend wird das also dann, wenn's endlich die ersten Web 2.0 Porno-Communities gibt.
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Vergangene Woche, gerade rechtzeitig vor Sommerbeginn, hat PLAY.FM bereits das 10.000. (in Worten: zehntausendste) DJ-Set online gestellt - damit ist und bleibt das ambitionierte Wiener Projekt das größte legale Audioarchiv für Clubmusik. In der Tat gibt's mittlerweile kaum einen großen Namen, zu dem sich nicht mindestens ein Eintrag im riesigen Archiv findet. Zum Jubiläum hat sich die Redaktion mal genauer im Gesamtbestand umgesehen und die beliebtesten Sets identifiziert.
Die komplette Liste umfasst Namen wie Juan Atkins, Kid Koala, Larry Heard, Derrick May, DJ Hell, DJ Marky, Anthony Shakir und Kevin Saunderson, um nur einige zu nennen: all diese Sets rufen registrierte play.fm UserInnen per Mausclick ab; und dann ist da natürlich noch das allabendliche Live-Programm, das nach dem Grundsatz des "open radio" gestaltet wird. Die play.fm Lounge im Museumsquartier ist nicht erst seit den EM-Übertragungen beliebter Abhäng-Treffpunkt geworden. Seit April sind Georg und sein Team auf play.fm/loungeblog/ unter die Blogger gegangen, nach der Sommerpause folgt eine neue Homepage.
Von 10.000er Müdigkeit kann also keine Rede sein - ich bin seit dem Launch ein großer Fan des Projekts. Etwa 90% meines Streaming-Radio Zeitbudgets gehen an play.fm, einziger Punkt auf der Wunschliste: bitte auf der neuen Homepage nicht alles so winzig klein machen! Speziell die Hauptmenüpunkte hätten etwas mehr Beachtung verdient. Wer play.fm noch nicht kennt und neugierig geworden ist, schau einfach mal abends vorbei, die Adresse lautet: quartier21/MQ / Museumsplatz 1, 1070 Vienna, Austria
Wie's dort zugeht, verraten die Protagonisten selbst im Portrait-Video:
Mit Tunesbag teilt man die eigenen Musiksammlung so bequem wie nie zuvor: nach dem Upload der eigenen Tracks können diese mit Freunden problemlos getauscht werden, zusätzlich fungiert der Service als "Backup" für die eigene Musiksammlung. Die Idee ist grundsätzlich nicht neu - simfy und MusikMakesFriends bieten ähnliche Services an und besticht durch einige nette Zusatzfeatures. Derzeit befindet sich die Seite noch im geschlossenen Teststadium, ich hab aber 10 Einladungen zu vergeben.
Bach dem Upload der eigenen Tracks (browserbasiert oder via Upload-Software mit Winamp/iTunes Unterstützung) werden diese fortan Bestandteil der eigenen Bibliothek und lassen sich von jedem Rechner mit Internetzugang aus anhören. Und, das ist der Gag bei der Sache, auch mit den eigenen Kontakten sharen. So kommt man im Nu zu mehr Musik - allerdings stellt sich natürlich sofort die Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit. Die beantwortet Tunesbag mit dem Verweis auf die Privatkopie: man in Playlisten organisieren und anhören, aber nicht herunterladen. (Und zwar nicht mal die eigenen - zumindest hab ich keine Option dazu gefunden; das macht die Seite als Backup-Service allerdings recht fragwürdig.)
Auf DRM-Unterstützung verzichtet die Seite komplett, dafür wurde eine Anbindung an die Facebook-API geschaffen: so lässt sich im Nu eruieren, welche der eigenen Facebook-Freude bereits Tunesbag-User geworden sind. Damit nicht genug der Mash-Up Fähigkeiten: Kommentare zu einzelnen Songs können direkt an Twitter gesendet werden, eine Anbindung ans eigenen Last.fm Profil sorgt für passende Vorschläge zum gerade gehörten Track. Auf netzwertig gibt's einen recht ausführlichen Review.
Der Erfolg eines solchen Dienstes steht und fällt mir der Skalierbarkeit: sich als zentrale Musikbibliothek zu etablieren bedarf bei wachsender Usermenge einer gehörigen Portion juristischen "Glücks" und einem skalierbaren Konzept zur Kostendeckung: Gründer Hansjörg Posch will den Service gratis anbieten und die Traffic- bzw. Speicherplatzkosten via Werbung finanzieren. Die Anbindung an diverse Social Networks garantiert tatsächlich einen gewissen Mehrwert, die Zugänglichkeit der eigenen Sammlung von überall her klingt verlockend - in der grauen Vorzeit des Internet hat ja mp3.com weiland mal ein ähnliches Service unter dem Namen "My Music Locker" angeboten...
Die Bedienung der Seite geht flockig von der Hand, der Einsatz der modalen Layer-Fenster ist ebenso gut gelungen wie das Design und der Pop-Up Player. Was mir fehlt ist die Download-Funktion für die eigenen Tracks und eine Möglichkeit der Beschlagwortung. Fraglich ist auch, wie Jörg auf Dauer dem Problem des "Duplicate Content" begegnen will: die hochgeladenen Tracks der einzelnen User sind mit Sicherheit nicht durchgehend mit korrekten ID3-Tags versehen. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage nach der Soundqualität: an ein 320er mp3 auf einer guten Soundkarte und einer ordentlichen Anlage kommt das Streaming natürlich nicht ran. Trotzdem ein netter Service für unterwegs und eine mehr als elegante Gelegenheit, in den Genuss neuer Beats zu kommen.
Wer sich das ganze Mal live zu Gemüte führen möchte, sagt einfach via Kommentar Bescheid - first come, first serve: 10 Einladungen kann ich verschicken.
Bestanden in den letzten Jahren die hochqualitativen Film"angebote" im Netz primär aus piratierten DivX-Movies (Bittorrent rulez), so findet der geneigte Cineast dank hochqualitativer Moviecodecs und schnellerer Leitungen inzwischen jede Menge legaler Verleih-Angebote. Ein der größten Netz-Videotheken des deutschsprachigen Raums ist Maxdome mit über 10.000 Filmen.
Und hier kommt Absahnen.de ins Spiel. Über das Partnerprogramm dieser Gewinnspielplattform habe ich vor einiger Zeit eine Trigami Review geschrieben: die Seite aggregiert Verlosungen und bietet außerdem Webmastern und -mistressen ein Partnerprogramm an. Nun haben Absahnen und Maxdome eine Werbe-Kooperation gestartet, die folgendermaßen abläuft:
Alle neuen absahnen.de Newsletter-Abonnenten erhalten einen kostenlosen Gutschein für den Film "Hostage - Entführt" mit Bruce Willis!
Ich habe noch nie einen Videofilm online "ausgeliehen" und bin durchaus neugierig, wie problemlos oder eben nicht solche kommerziellen Streaminglösung inzwischen in der Praxis funktionieren - ein Testbericht folgt demnächst, die Anmeldung gestaltet sich jedenfalls recht simpel:
Hier geht's zum Filmgutschein.
There's no business like Blog Business, daher serviert der Wochenrückblick diesmal gleich zu Beginn Interviews mit Onlinern im Tripelpack: Peer Wandiger hat mit Andreas Armbruster, Geschäftsführer des Linktrading-Marktplatzes Teliad, mit Remo Uherek, Mastermind von Trigami, und mit Yannick Eckl, Betreiber von Blogschrott, gesprochen. Alle drei Texte finde ich ausgesprochen lesenswert, und Yannick, von dem ich demnächst auch einen Gastbeitrag für datenschmutz bekommen, kann ich nur voll zustimmen:
Welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Blog hältst du für am wichtigsten?
Das der Blogger er selbst bleibt; dass er Kritik an sich ranlässt; dass er ausdauernd über ein Thema berichten kann, ohne das ihm die Lust vergeht. Das wären drei Punkte, wo ich sage, dass es ein absolutes "Muss" ist, diese "Kriterien" zu erfüllen. Im Endeffekt kommt es aber auch darauf an, wie man erfolgreich für sich definiert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es doch sehr verschiedene Definitionen von Erfolg geben kann, was natürlich völlig okay ist. (Weiterer Punkt: Individualität - auch sehr wichtig!)
Während sich die meisten deutschsprachigen Blogs in alleiniger Hand ihrer Schreiber befinden, sieht's bei den meisten Medien da schon längst ganz anders aus. Mediachannel hat ein dekoratives Schaubild zur us-amerikanischen Medienkonzentration zusammengetragen, der Journalist und Optimist empfiehlt deutschen Hobby-Medienökonomen zwei Broschüren des Medienwissenschaftlers Horst Röper, in denen die Inlands- und Auslandsbeteiligungsverhältnisse der großen Infotainment-Welt made in Germany aufgedröselt werden. [via Basic Thinking]
Robert Hartl hat anlässlich der in WordPress 2.3 integrierten Tagging-Funktion eine umfangreiche und unbedingt lesenswerte Analyse zum Thema Pros und Kontras der beliebten Stichwörter verfasst. Sind Tags bei der Suchmaschinenindizierung eher hilfreich oder erzeugen sie bloß duplicate content? Konkret geht's dabei um die Frage, ob nofollow bzw. noindex bei internen Links überhaupt Sinn macht - eine Diskussion, die in der englischsprachigen Blogosphäre seit einigen Wochen bereits recht intensiv geführt wird:
Im Übrigen plädiert Andreas, wenn ich es richtig im Kopf habe, dafür nur auf die Einzelartikel alles Gewicht zu setzen, also alle Kategorien, tags etc. auf noindex, follow zu setzen. Damit wären doppelte Inhalte soweit unproblematisch und die eigentlichen Inhalte, die Artikel, hätten optimale Power (Fokussierung). Allerdings geht der Long-Tail-Ansatz verloren, damit für spezielle Nischenwörter zu ranken und Besucher zu erhalten.
Tja was nun? Kommt eben drauf an, auf welche Faktoren man mehr wert legt - ich würde mal vorsichtig meinen, dass bei eher generischen Themen mit viel Konkurrenz Fokussierung mehr bringt als Tag-Landing Pages. Wer jedoch mit wenig umkämpften Keywords als Tags arbeitet, für den machen optimierte Stichwort-Landing Pages durchaus Sinn. Ich hab hier auf datenschmutz Tagging zum Glück schon lange, bevor ich mir über solche Faktoren Gedanken gemacht habe, eingesetzt - wenn man sich mal an diese überaus praktische zweite Navigationsebene gewöhnt hat, mag man sie eigentlich nicht mehr missen.
Der amerikanische Online-Marketing Guru prognostiziert eine Gesundschrumpfung des Marktes: Zuerst starb Pay per View, nun ist PPC dran, meint Steve. Steigende Kosten, Misstrauen unde Co. würden auf längere Sicht zu einem Rückgang des Marktes führen, so die Argumentation. Zahlen Werbetreibenden zukünftig nicht mehr für Clicks, sondern für Actions? Ein Szenario, das mittelfristig durchwegs Realität werden könnte. Schlechte Zeiten also für alle, die exklusiv auf Google Ads setzen. Andererseits bin ich mir sicher, dass die Arbitrage-Experten im Hauptquartier von Big G schon längst an einem Pay-per-Action Modell arbeiten. Da idR die Provisionen für Conversion aber viel höher sind als für Clicks, könnte dieser Shift für den Longtail eher von Nachteil sein - aber Steve Rubel schreibt übers US-Internet, also keine Sorge: hierzulande kommt gerade erstmal der PPC-Stein ins Rollen...
tv-links.co.uk entwickelte sich in den letzten Monaten zu einer der beliebtesten Streaming-Seiten. Betrieben von einem 26jährigen Engländer stellte die Seite Links zu populären TV-Serien zur Verfügung, allerdings ohne eigene Inhalte am Server zu hosten. Doch Verlinken schützt offenbar vor Strafe nicht, denn wie Zeropaid berichtet, [via Andi]
Sites such as TV Links contribute to and profit from copyright infringement by identifying, posting, organizing, and indexing links to infringing content found on the internet that users can then view on demand by visiting these illegal sites," said a spokesman for Federation Against Copyright Theft (FACT) today.
Zweifellos bieten sich dem überdurchschnittlich TV-Interessierten Zukunftsreisenden genügend Alternativen, bedenklich ist allerdings gravierende Rechtsunsicherheit, die in weiterer Folge entsteht, wenn bloßes Verlinken strafbar wird, denn:
The notion of making linking a crime is ridiculous and completely out of line. How would anybody be able to discuss controversial sites or content if they first had to ensure the legality of the destination? Would we have to make it so that links were simply spelled out and not HTML capable(www.tvlinks.co.uk vs TVLinks)? Maybe this is the answer because I think then it could fall under the category of speech. Furthermore, it really shows that Google is getting away with bloody murder via sites like YouTube and Google Video.
Vor allem das Google Video und Youtube Argument erscheint in Zusammenhang mit der TV-Links Situation mindestens skurril: zwischen 70 und 80 Prozent der Inhalte großer Videoplattformen stammen direkt von Fernsehstationen. Ein Prozess gegen die Big Players dürfte aber wesentlich schwieriger zu führen und vor allem zu gewinnen sein als gegen Privatpersonen.
In diesem Sinne: mögen Prozesse welcher Art auch immer allen LeserInnen erspart bleiben - ich wünsche einen schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen.
Die Vermessung nicht nur der virtuellen Welt schreitet unaufhörlich voran, doch das alte Kartographengesetz hat nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt: eine Karte, welche alle Details der von ihr dargestellten Landschaft wiedergibt, müßte genau so groß sein wie die Landschaft selbst. In Zeiten von Gigapixel-Fotografie und stufenlosen Zooms bezieht sich Größe allerdings nicht mehr auf die Ausdehnung, sondern bloß auf die zur Verfügung stehende Datenmenge.
Die Trägermedien haben sich verändert, und zwar sehr zum Vorteil jener, die das Kartenfalten schon immer zutiefst verabscheuten: bei Systemen wie Google Maps bleibt die einzige Beschränkung in der Auflösung die Verfügbarkeit passenden Bildmaterials. Dass da plötzlich bei besonders gelungenen "Schnappschüssen" in der höchsten Zoomstufe an der einen oder anderen Straßenecke plötzlich eine Person identifizierbar wird, stellt die Betreiber derartiger Dienste vor neue Privacy-Herausforderungen, zugleich machen solche virtuellen Globen die Welt auf eine Art betrachtbar, mit der kein Globus mehr mithalten kann. Möglich macht die stufenlose Betrachtung der Welt eine spezielle Image-Streaming Technologie: anstatt die gesamte Datenmenge zu übertragen, werden immer nur die momentan benötigten Ausschnitte von den Servern nachgeladen. Vereinfacht erklärt stellt Google-Maps ein riesiges, auf die Globenform montiertes Foto der Erde dar, in welches der Betrachter hinein zoomt.
Auf dem gleichen Prinzip beruht die Darstellung extrem hoch aufgelöster statischer Bilder im Browser. Eine italienische Firma hat sich auf solche Gigapixel-Schnappschüsse spezialisiert: das ehemals höchstauflösende Foto der Welt wurde im Juni diesen Jahres ins Netz gestellt und besteht aus 9,9 Gigapixeln. La Gloria di Sant'Ignazio, ein Deckenfresco des italienischen Künstlers Andrea Pozzo, entstand im Original zwischen 1685 und 1694, die finale Version wurde an einem Tag aus über 1.000 einzelnen Digitalfotos zusammengesetzt und erlaubt stufenloses Zoomen von der Gesamtansicht bis hin zur Oberflächenstruktur des Materials.
Inzwischen investieren zahlreiche Firmen einen beträchtlichen Teil ihrer Forschungsbudgets in derartige Bildtechnologien, denn die Faszination solcher Pixelwelten ist immens. Der amerikanische Fotograf Gerard Maynard stellte mit Hilfe der Software "Autopano" ein hochauflösendes Panorama des New Yorker Stadtteils Harlem zusammen: innerhalb von rund 2 Stunden entstanden die 2000 Einzelfotos, die das Ausgangsmaterial der datenintensiven Montage bilden. Von der Zentralperspektive zum einzelnen Häuserziegel und wieder zurück kann sich der Betrachter im wahrsten Sinn des Wortes "durch das Bild" bewegen. Ob potentielle Touristen per Stadtpanorama präventiv den Reinigungsgrad der Gehsteige überprüfen oder Kunsthistoriker Remote-Einblicke in Originale erhalten, die möglicherweise mehr Details enthüllen als das bloße Auge: die Gigapixel-Fotografie wird den Umgang mit digitalem Bildmaterial nachhaltig verändern.
Verströmten die ersten zögerlichen Video-Streaming Versuche noch den Breitbildcharme einer Briefmarke, so schicken Internet-TV-Sender inzwischen bereits ihre Live-Sendungen bildschirmfüllend über den 01er-Äther. "Auflösung" lautet nun mal eines der magischen Sesam-öffne-Dich Stichwörter der zukünftigen Mediengesellschaft: DVDs, von der Industrie noch vor vergleichsweise sehr kurzer Zeit als Non-Plus Ultra einer heim-cineastischen Filmkultur angepriesen, verlieren ihren Status im Zuge von Nachfolgeformaten wie Blue Ray und Co. quasi in Echtzeit. Schon beklagen Jäger und Sammler das eingebaute Verfallsdatum ihrer mühevoll in Tauschbörsen raubkopierten Filmsammlungen: denn divX-codierte Filme, obwohl qualitativ deutlich besser als weiland die VHS-Kassette, wirken im Vergleich zu aktuellen Formaten am Flachbildfernseher ganz schön flau. Japanische Wissenschaftler experimentieren mit Auflösungen im Gigapixel-Bereich, die das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges überschreiten - und damit Marschall McLuhans Theorie von heißen und kalten Medien technisch überholen. Denn das Charakteristikum der Bildröhre, so der amerikanische Medienforscher, bestehe in der geringen Menge an Bildinformation: aus einer relativ groben Pixelmatrix und den rund 25 Bildern pro Sekunde müsse der menschliche Wahrnehmungsapparat ja erst das Bewegtbild in Eigenleistung zusammensetzen. Wenn also demnächst die diversen Flimmerkisten mehr Bildinformationen liefern, als unser Wahrnehmungsapparat aufnehmen und verarbeiten kann, dann zeigt die symbolische Karte womöglich irgendwann mehr Details, als die kartographierte Landschaft je aufwies.
Dass Youtube im worst-case Szenario ein ähnliches Rechtedebakel droht wie seinerzeit Napster, beschäftigt seit spätestens seit dem Kauf der größten Viral Video Plattform durch Google die Netzszene. Wie nun das Handelsblatt berichtet, wurde die deutsche GEMA in punkto Urheberrechtsverletzungen auf Youtube bereits aktiv:
Wie ein Sprecher der Gema dem Handelsblatt bestätigte, befindet sich die Gesellschaft in Verhandlungen mit dem Konzern. Google hatte Youtube am 9. Oktober für 1,65 Mrd. Dollar gekauft.
Die Gema geht aber noch einen Schritt weiter. "Wir werden die Verhandlungen nicht abwarten, sondern haben Google von den Verstößen auf Youtube in Kenntnis gesetzt, wo die Rechte unserer Mitglieder betroffen sind", sagte der Gema-Sprecher. Google sei aufgefordert, Videos mit nicht lizensierter Musik zu löschen. Ein Google-Sprecher sagte dies zu.
Viele Clips verwenden rechtegeschützte Musik, teilweise sind die Songs geradezu integraler Bestandteil der Produktionen, wie etwa bei legendären Kirk und Spock Clip, der einerseits kurze Sequenzen aus Raumschiff Enterprise und andererseits "Closer to God" von den Nine Inch Nails als Soundtrack verwendet. Dass es Google als erstem Anbieter gelingt, mit einer Rechtverwertungsgesellschaft eine Pauschale auszuverhandeln, scheint ob des Booms von Youtube unwahrscheinlihc.
Die Alternative, nur mehr selbstgedrehtes/rechtfreies Bild-Material zu verwenden und dieses mit repro-freier Musik zu unterlegen, scheitert nicht an der Verfügbarkeit des Materials: net labels etwas gibt's mitterlweile zur Genüge. Zitieren, Remixen und Referenzieren gehören allerdings zu den zentralen Strategien popkultureller Produktion. Aber gerade die kollektiven Icons, Symbole und Sounds sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Das bedeutet auf mittelfristige Sicht drei mögliche Szenarien für Youtube/Google:
Dass Youtube bei weitem nicht einziger Anbieter ist, macht die Situation für den neuen Eigentümer nicht gerade einfacher: eine allzu strikte Rechtekontrolle könnte das Gros der User kurzfristig auf Konkurrenzangebote ausweichen lassen - ich bin jedenfalls gespannt darauf, wie Google längerfristig mit Youtube umgehen wird.
Audiokomprimierung hat zum Ziel, möglichst hohe Qualität bei möglichst niedriger Datenrate zu erzielen - mp3-Files, die mit 256kbps erstellen wurden, sind mit "freiem Ohr" kaum mehr vom originalen Ausgangsmaterial zu unterscheiden. Wer wissen möchte, ob Songs auf gebrannten Audio-CDs vom Original kopiert wurden, oder ob verlustbehaftete Audioformate (mp3, ogg vorbis, wma etc...) als Ausgangsmaterial dienten, für den hält true-audio.com den Tau Analyzer bereit, wie mpex.net berichtet. Was das menschliche Ohr nicht mehr zu hören vermag, stellt das Tool in einer grafischen Spektralanalyse dar. Eine 100%ige Treffsicherheit garantiert der Autor zwar nicht, in den meisten Fällen erkennt Tau Kompressionsartefakte jedoch zuverlässig. Das Programm gibt's als Freeware: Download.
Übrigens: GEMA-Künstler dürfen jetzt kostenlos streamen - die deutsche Rechteverwertungsgesellschaft erlaubt Musikern, ihre eigenen Werke auf der eigenen Homepage zum Anhören anzubieten. Hintergrund der Regelung: wer bei der GEMA registriert ist, darf nicht mehr frei über seine eigenen Werke verfügen - in Österreich verhält es sich mit Mitgliedern der AKM/AUME analog. Durch die Übertragung der Rechteverwaltung an die betreffende Verwertungsgesellschaft hat diese das Recht, Tantiemen zu verlangen - bisher sogar vom Künstler selbst. Eine mehr als seltsame Regelung, die bisher auf wenig Verständnis von Seiten der Kunstschaffenden stieß. Geld verdienen dürfen die Musiker in Deutschland mit digitaler Musik weiterhin nicht selbst - aber zu Promotionzwecken können sie ab sofort ihre eigenen Songs zum Anhören anbieten, ohne Tantiemen an sich selbst bezahlen zu müssen. [via mpex]