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Gentleman in Wiesen img_4628.jpg Man unterhielt sich trefflich. bcklu2010-41 Der Wörthersee schaffte es in zwei Tagen, Judith zum Kärten-Fan zu konvertieren.
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Artikel-Schlagworte: „Subversion“

Blogistan Panoptikum KW25 2008

twittercomic 150x150 Blogistan Panoptikum KW25 2008"Es kommt auch meistens immer darauf an, wie du das richtige Timing hast", sagte Pepi "Hicke" Hickersberger in klugem Vorausblick bereits zur Halbzeit des EM-Finales. Torres hat die silbrig glänzende Armani-Wuchtel reingewürgt, Lehmann war quasi wehrlos. Gratulation an die Erfinder von Tapas, Rioja und Sonar Festival! Sogar das Wienwetter hat mitgespielt und heute Abend auf Gewitter verzichtet. Ich bin sicher, die vielen Fans werden die Zeiten der Viereurofünfzigkleinenbiere furchtbar vermissen, aber die nächste Rip Off Europameisterschaft kommt gewiss!

Bilder fulgurieren

Der Image Fulgurator verstört ahnungslose Passanten - einen "Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotographien" nennt Julius von Bismarck sein Spielzeug: bei dem genialen und zum Patent angemeldeten Device handelt es sich um eine invertierte Spiegelreflexkamera. Ein Sensor registriert andere Kamerablitze in der Nähe und projiziert für einen Sekundenbruchteil ein gespeichertes Bild auf das fotografierte Motiv. Klingt unverständlich? Die journalistischen Komplexitätsreduktions-Kollegen vom Standard formulieren das so:

So erscheinen dann plötzlich geisterhafte Schriftzüge auf den Bildern, wie von Bismarck mit einem Video auf seiner Webpage demonstriert. Darin ist zu sehen wie TouristInnen am Berliner "Checkpoint Charlie" das berühmte "You are entering the American Sector"-Schild zu fotografieren versuchen, nur um dann einen Extra-Kommentar mitgeliefert zu bekommen. Quer über alle Aufnahmen findet sich der Hinweis "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border".

fulgurator Blogistan Panoptikum KW25 2008

Das Patent hat der Erfinder, der mit seinem Gadget bei der diesjährigen ars electronica nominiert ist, in erster Linie angemeldet, um kommerziellen Einsatz zu verhindern - ob das wohl auf Dauer gelingt? Subversion ist bekanntlich Schnellbeton... [via Ulrich]

K.I.T.T. kommt zurück

Anja berichtet in dieser Woche über das geplante Knight Rider Comeback: der an sich durch die permanente radioaktive Strahlung Kitts zeugungsunfähige Michael Knight hat doch einen Sohn - ob von Bonny, April oder Klon bleibt dahingestellt. Ob der neue K.I.T.T., der Knight Industries 3.000 mit Benz oder gutem Willem fährt, wird die Fernsehzukunft zeigen: mehr dazu am Cocktail Blog.

Den Twitter-Comic...

...hat Anton Gigov ins grafische Leben gerufen. Der Strip läuft unter Bezeichnung twitter nonsense und war bisher twitpic, einen Service zum Posten von Bildern über den beliebten Kurznachrichtendienst, abrufbar. Mein Favorit:

twittercomic Blogistan Panoptikum KW25 2008

Seit dieser Woche haben die Strips eine neues Heim im Netz: auf http://www.pink-sheep.com/twitter-nonsense/ wird's zukünftig regelmäßige Cartoons über unsere Freuden und Leiden mit dem instabilsten Short-Messaging Service der noch jungen Netzgeschichte geben.

Typo-Manie, mal anders

Tattoos müssen gar nicht immer permanent sein, wie das folgende Video zeigt. Dazu braucht man nicht nur eine exhibitionistische Ader, sondern auch eine *sehr* ruhige Hand [via Kreisrot:

YouTube Preview Image

Eben. Mit dem eigenen Blut malen kann ja jeder... bin schon gespannt, was Kunsttheoretiker in ein paar Jährchen begonnen haben werden, über die Re-Definition des Performanz-Begriffs durch Netzmedien zu schwadronieren... in diesem Sinne: schönen Restsonntag und viel Erfolg bei all Ihren malerischen und sonstigen Unternehmungen.

Buchtipp: Anleitung zum Subversivsein

subversionen 150x150 Buchtipp: Anleitung zum SubversivseinTrifft die Politik die Ästhetik und fragt: was für ein Verhältnis haben wir eigentlich? Ein subversives, versichern die AutorInnen eines brandneuen und ausgesprochen erfrischenden Sammelbandes zum gleichnamigen Thema. Den HerausgeberInnen Thomas Ernst, Patricia Gozalbez Cantóm, Sebastian Richter, Nadja Sennewald und Julia Tieke ist es gelungen, ein vielschichtiges Bild eines schwer fassbaren, aber zentralen Konzepts einer Weltwahrnehmungsweise des 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Neben den Beiträgen der einzelnen AutorInnen enthält der Sammelband die Transkription einer Diskussion mit dem Titel "Aber ich würde es nicht machen, wenn ich nicht glauben würde, dass es funktioniert" und Armin Chodzinskis Fotozyklus "Von der Sehnsucht nach Widerständigkeit".

Mein Überblick über aktuelle politische wie ästhetische Literatur ist ein enden wollender - aufmerksam gemacht auf das Buch hat mich Kollege Mirko, der seit einigen Semestern in Utrecht alle möglichen Mensch/Maschine/Kunst Interaktionen beforscht und -schreibt. Gemeinsam mit Hans Bernhard hat er für den vorliegenden Band den Beitrag "Subversion ist Schnellbeton" geschrieben, der sich mit der Ambivalenz respektive hochfrequenten Aneignung subversiver Strategien durch jene Strukturen, die eigentlich bloßgelegt werden sollen, beschäftigt - der Artikel ist auf Mirkos Homepage auch online verfügbar. (In der Tat ist dies wohl die zentrale Frage in der Bewertung jeglicher Alternative zu ultra-liberalem Turbokapitalismus. Denn kein anderes System war jemals so effektiv darin, jegliche strukturelle Form der Kritik zum adaptieren, implementieren und damit letztlich völlig zu entkräften.)

Ich habe das Buch vor einigen Wochen erhalten und noch nicht alle Beiträge gelesen - doch bereits jetzt, zur "Halbzeit", gehört das Kompendium zu meinen Lieblings-Readern der jüngeren Vergangenheit. Einen Teil tragen auch die sehr gelungene Aufmachung und das Layout des Buches bei - in der Fußzeile findet sich, fortlaufend gedruckt, übrigens ein "Bonustext", nämlich Florian Neuners "Was tun wenn's brennt / Aussageverweigerung / Wahl der Mittel". Sehr gelungen finde ich die Zusammenstellung sowie die Art und Weise der thematischen Annäherung: hier wird gar nicht erst versucht, in irgendeiner Weise Subversion dogmatisch zu definieren, stattdessen arbeitet das Herausgebertrio ganz bewusst mit einer Multiplizität der Zugänge, die sich auch im Aufbau des Buches widerspiegeln. Nach einem einleitenden Teil, der sich mit Geschichte, Strategie und Wirkung des Begriffs auseinandersetzt, folgt die weitere Einteilung spezifischen Zugängen der unterschiedlichen "schönen Künste": Beleuchtet wird das Phänomen Subversion in Literatur, Theater, Fotografie, Film und Fernsehen sowie in der Bildenden Kunst und Mode. Ob Lumpendesign im Modekontext oder unmögliche Perspektiven im Kino dank Computertechnologie: schnell wird deutlich, dass Subversion keine fixen Rezepte kennen kann, da sie stets von einem bestimmten zeitlichen Spannungsfeld getragen ihre "Wirkung" nach immer kürzerer Zeit verlieren. Soweit in diesem Kontext Verallgemeinerungen überhaupt möglich sind, versucht sie Mark Terkessidis in seinem einleitenden Text "Karma Chamäleon. Unverbindliche Richtlinien für die Anwendung von subversiven Taktiken früher und heute." Gemeinsam scheint allen subversiven Strategien jedenfalls die Einsicht, dass eine Kritik am System aus dem System heraus sich in einer paradoxen Münchhausen'schen Situation befindet: aber vielleicht kann man sich ja doch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf herausziehen - denn die Ästhetik wiegt bekanntlich weniger als ein Vogerl.

Viceparty: gelungenes Viral-Konzept

viceparty Viceparty: gelungenes Viral KonzeptNiko, frisch von der Novarock-Müll-Famiglia um 5 Euro gerippt, hat mich zur von Vice mit veranstalteten Rudi Dassler Night in den Volksgarten eingeladen - dort galoppiert am Montag der New Young Pony Club live, die Gang Bang Deejays von Modular, Munk und Marflow bedienen die 1210er. Sicher eine feine Party; Vice hat bislang in dieser Hinsicht noch nie enttäuscht. Extra-spannend find ich in diesem Fall allerdings die Viral-Kampagne zur Kartenvergabe.

Man muss dazu nämlich wissen: Vice-Partys kosten keinen Eintritt. Dafür gibt's häufig Gratis-Wodka & Co. in semi-tödlichen Mengen und dazu üblicherweise grandiose Soundtracks. (Wären wir 14, müssten sich unsere Eltern tatsächlich Gedanken über fallweises Komatrinken machen.) Und weil sich das mittlerweile herumgesprochen hat, sind die Ressourcen - naturgemäß begrenzt durch die jeweilige Location - immer schnell aufgebraucht. Also keine künstliche, sondern eine tatsächliche Verknappung.

Wozu also etwas bewerben, das ohnehin gut läuft? Die Partys sind Bestandteil des Vice'schen* Marketingkonzepts - dazu hat sich Mastermind Häckl eine lustige Facebook-Kampagne ausgedacht:

Dieses Mal funktioniert die Gästeliste so, dass man sich hier auf der Microsite anmeldet. Das gibt einen Gästelistenplatz. Willst du mehr Freunde mitnehmen, so musst du die zu deinen Groupies machen. Das geht über Facebook. Ihr kennt das ja. Wer am Ende die meisten Groupies hat bekommt tatsächlich noch weitere Tickets in die Hand

Spannend find ich das in mehrfacher Hinsicht, weil das Konzept wesentlich komplexer ist als das altbekannte Seeden irgendeines Videos, das sowieso alle sehen wollen. Vice nutzt ein etabliertes Produkt, nach dem große Nachfrage besteht - die Party - um seine potentiellen LeserInnen zu Brand-Evangelists zu machen: die Kids sind mittlerweile die dauernden Invitations und Schwanzlängenvergleiche (hehe, ich fahr bei OneTrack schon lang das Hellbike) mehr als gewohnt.) Mit anderen Worten: die Mechanik ist gelernt, jeder nutzt seine Freundeslisten, trägt die Botschaft in die Welt heraus und hat am Ende, wenn er oder sie erfolgreicher Groupie-Sammler war, auch noch was davon. Endlich mal ein originelles Event-Marketingkonzept, das sich auf die klassischen Stärken einer guten Party statt auf schwurbelige Marketingtexte ("diese Party ist ein Kunstevent") verlässt. Big up! Hier geht's zur Gästelisten-Anmeldung.

Shirts designen

Ah ja, da war noch was: Vice hat aufgerufen, die Ö-Nationaltrikots neu zu designen:

Einfach die Vorlage des roten oder schwarzen Österreich Trikots runterladen, im Programm deiner Wahl mit Design versehen, wieder raufladen und sich dem User Voting stellen - Das beste Design wird 11 Mal als Trikot produziert. Damit nicht genug, du steckst 10 deiner besten Freunde in die Trikots und ihr kommt als Mannschaft ins PUMA-Haus. Dort wartet eine gediegene, TV-Lounge auf euch, samt riesigen Flatscreens, Getränken ohne Ende und allem, was zu einem VIP-Treatment dazu gehört. In dieser exklusiven Atmosphäre seht ihr euch das Finalspiel der UEFA EURO 2008 an, das am 29.06.2008 steigt.

Ebenfalls sehr steile Idee - ich hab die Aktion zu spät bemerkt, leider ist am 23. schon Schluss, wird also knapp mit der Einreichung... auf jeden Fall lohnt sich ein Blick auf die bisherigen Designs: in der Gallerie finden sich einige sehr phatte Shirts.


*) Über das Heft an sich hatte ich mit gap-CR Thomas Weber auf unserer letzten Redaktionssitzung eine längere Diskussion. Des einen Affirmation, des andern Subversion, sozusagen: naja, ich les Vice sehr gern. Man lernt.