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London 2007 Die Bytes kamen zögerlich. andalusien-2009-139 bcklu2010-12 dChris und die tote Katze.
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Artikel-Schlagworte: „Tante Brigitte“

Die Kolumne #82 (November 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: des Teufels Dampfer evangelisiert am falschen Holzweg.
"Es wäre wieder an der Zeit, die Schlittenhunde aus dem Keller zu holen", erinnerte mich Brigitte. "Wie du weißt, sind Segways mit Schneeketten ein Gadget für die Unterschicht. Ich bevorzuge ganz klar den klassischen Schlitten mit 33 vorgespannten Sony Aibos."

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Die Kolumne #81 (Oktober 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: Oder ein Querulant schwimmt selten aufwärts gegen den Strom.
Gorkuv besuchte mich letzthin zu meiner großen Freude, ein schmächtiger, aber nachdrücklicher Ex-KGB Doppelagent, den ich zu jener turbulenten Zeit kennen gelernt hatte, als der vierschrötige Zwerg für die Regie bei Brigittes Gangbang-Weltrekordversuchen zuständig war. Seine natürliche Autorität kam ihm dabei zupasse, seine immenses Untalent punkto Kameraführung naturgemäß weniger. Darum, nur darum erhielten die über 30stündigen Videos von der Bundespornoprüfanstaltet für Erwachsenen-gefährdende Schriften das Prädikat "bis höchstens 16".
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Die Kolumne #80 (September 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: Päpste kommen mit Pomp, ein Meer von Monatsmagazin zieht über's Land und frißt Heuschreckenschwärme.
Eine nicht näher genannt werden sollende Frauenzeitschrift rief unlängst anläßlich Darth Vaders Inlands-Visite seine ihre Schäfchen auf, respektlose T-Shirt und Stickersprüche für den Besucher seiner heiligen Exzellenz einzusenden. Daß im folgenden Monat die mit unüblich-üblen Pomp und üblichen-übrigen Kosmetika-Proben angeheizte Version sanglos nicht in die verlängerte Auswertung ging, läge ganz allein am Mangel an harmlosen Sprüchen. "Wir wollen uns nicht mit der Rechtsabteilung des Vatikans anlegen", erklärte mir Brigitte vertraulich, nachdem ich das übliche Non-Disclosure Agreement widerwillig unterzeichnet hatte.
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Beats for the road: Auto.Radio.Wahl

shoppingcomDie Wichtigkeit des gemeinen Autoradios kann gar nicht überbetont werden. Und schreibe ich noch nicht mal über getunte, Kofferraum-fressende Monster-Bassboxen: schon die Frage, welcher Hersteller den Ehrenplatz zwischen Bei- und Fahrer erhalten sollen, will peinlichst genau erwogen werden. Ob Preis, Marke oder Ausgangsleistung: der Autoradio Produktvergleich weiß über alle klingenden Details Bescheid.
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Die Kolumne #78 (Juli 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: Klimaeskalationen treten sanft die Himmelstür ein.
"Eine Aufregung war das, sag ich dir! Gewissenhafte, hübsche Teilzeit DJs, die Provinz-Intelligentsia, GästelistInnennschnorrer, Rockernachwuchs der zweiten Generation, Kopfhörer-Models, Autoerotiker und arbeitswillige Cineasten, all nur auf ein Ziel programmiert," ereiferte sich Tante Brigitte. "Sprich nicht so abwertend über die Teilnehmer am gap Ässässmänt-Sänta, schließlich hast du auch mal klein und nackt angefangen," bremste ich ein.
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Die Kolumne #77 (Mai 2007)

Neulich habe sie das fiktive Weibi-Magazin ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit von hinten durchpflügt, nur um feststellen zu müssen, dass ihr Name nicht in der Liste der 200 Topf Frauen aufscheint. "Ein Affront gegen meine Koch-, Model- und Bettkünste," erbrüstete sich Tante Brigitte um mindestens eine BH-Größe, "sogar die analoge Halluzinelle des Herrn Ijon Tichy wird erwähnt - für schelmisch-reflektierte post-feministische Dienstbarkeit gegenüber ihrem Herrn."

Fixerjobs flexibilisieren eine erbrochene Arbeitswelt.

Als gelernter Sozialwissenschaftler und bedingungsloser Anhänger jeglicher quantifizierender Wissenschaft blieb mir nur, mit meinem Standard-Totschlag Argument Nr. 26 (Tags: Diskussion, Topfrauen, Hitparade) zu antworten: "Liebe Brigitte, zur Lösung des Quantifizierungsproblem können Top-Frauen-Hitparaden einen multidimensionalen Ansatz verfolgen: Durch die Verwendung von quantitativer Forschung in Verbindung mit emotionalem und nutzerzentrierten Bewertungsdesign können die Vorteilspotentiale auch anhand ökonomischer Größen aufgezeigt werden. Aktuell wird diese Design-Measurement-Strategie noch in den wenigsten Top-Frauen-Rankings in dieser Form umgesetzt. Herausforderung ist häufig der damit verbundene Veränderungsprozess und ein zu starker Fokus auf die kurzfristig entstehende Überheblichkeit der Gereihtenn, statt sich auf die mittel- und langfristigen Synergie-, Umsatz- und Marketing-Potentiale auszurichten," bemühte ich mich zu kalmieren.

"Ich wette, Sascha Walleczek schlammrang sich mit Marika Lichter um den ersten Platz," giftelte Brigi meine Ausführungen auf den Mattenboden erlogener Tatsachen zurück, was mich zum Sticheln zwang: "Du bist ja nur neidisch, weil deine Einläufe bei weitem nicht so kraftvoll den reinigen wie die der Siegerin!"

"Meine Einläufe dienen ja auch nicht der Darmentgiftung, und schon gar nicht dem Abnehmen - frag ruhig nach in meinem Bekanntenkreis. Meine Einläufe ergänzen die moderne Leistungssportlerernährung um jene 10 Prozent fehlender tierischer Proteine, die oral nicht aufgenommen werden können."

"Da könntest du ja ebensogut bei Steirisch Tauchen von der Südautobahn abfahren und ein paar Runden im Kürbiskernölbecken drehen. Ich bin sicher, du erinnerst dich noch lebhaft an die Zeit, als Ernährungsberaterin von David Hasselhoff. Die fettigen Details erspare ich uns beiden und den Leserinnen für's erste."

An dieser oder einer ähnlichen Stelle musste ich bereits einmal, um dem Leser den Fortgang der Geschichte zu verdeutlichen, auf Brigittens' unzureichendes lukullisches Talent hinweisen. (Kolumne 74, " Der mit der Büffelwurst antanzt, steht auf tierische Action.") Eine ob ihres Mitlesens während meines momentanen Tippens besonders unangenehme Pflicht - wenngleich ihr Anblick in schwarzen Strapsen vor Edelmetall-Kochgeschirren stets ein reizender ist. "Du hättest eben niemals die Nackt-Küchen-Model Karriere für die Nackt-Köchin Laufbahn aufgeben sollen, nicht wahr?" schrieb ich. In diesem Moment beugt sich Brigitte über meine Schulter und fragt: "Schreibst du das jetzt oder fragst du mich?" "Ich dokumentiere," antworten der fiktive Erzählcharakter dieser Kolumne und ich beiden Brigittes, "das ist der erste Echtzeit-Dialog in einem Printmedium, und du bist die berühmteste fiktive Kolumnenpersönlichkeit Ostösterreichs - da können Dick-und-Dünn BeraterIn noch so viele Listen anführen!"

Die Kolumne #76 (April 2007)

Kolumne #76Die kleinen Fehlerchen machen nicht nur in der Regel schöne Frauen attraktiver: perfekte Symmetrie turnt ab, teilen uns professionelle Gesichtserkenner mit. Ein Schönheitsfleck muss sein oder drei. Wo der fehlt, tut's zur Not auch die Krächzestimme zum Engelsgesicht. Konterkarrikismo nennt der Südamerikaner diesen unseren indianischen Vorfahren wohlbekannten Effekt.

Säugetiers vorstellbar unwichtiger Beitrag zu allem

"Nie wäre ich mit Madonna während ihrer Bi-Phase ins Bett gegangen, doch die unterschiedliche Länge und Form ihrer Schamlippen hat mich zugleich erregt und neidisch gemacht," konfessionierte unlängst Tante Brigitte in mich. "Aber woher wusstest du, bevor ihr im wart, dass... ich meine....," in diesem Augenblick fiel mir wieder ein, wo Bartl Gaultier den Most der Bühnenoutfits in den 80ern herholte und wie ein Blitz traf mich die Erinnerung an die von Madonna persönlich entworfene Kleidungskollektion für Plakatwände. Brigitte las meine Gedanken und warf mir, der ich im Strudel übermächtiger medialer Weiblichkeitsimages, bedrohlicher als jeder Cyberfeminotron, zu ertrinken drohte, einen Rettungssatz zu: "Mit 70 noch auszusehen wie Sharon Stone mit 60 ist auch eine Leistung, die man den modernen Haut-Textur-Programmen gar nicht niedrig genug anrechnen kann!"
"Ich dachte, ihr Powerfrauen hieltet immer zusammen?" verwunderte es mich. "Ich bin ein Rrrriot Grrl, Madonna hat für die Frauenbewegung soviel getan wie ich für die Propagation von Keusch- und sexueller Enthaltsamkeit! Frauenbewegungen müssen nicht mal auf der Bühne immer nur rhythmisch erfolgten." "Wir sprechen aber schon über die von den Protestanten hartnäckig als unheilig befleckt verehrte Gottesmutter?" erkundigte ich mich schließlich verspätet nach dem Kontext unseres Gesprächs. "Ja natürlich! Dachtest du denn etwa, ich würde mit einem Popstar ins Bett gehen?"

***

Ein Stufenmodell der Wirklichkeit zum selber Ausschneiden und (notfalls mit Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten) Zusammenkleben wohnt dieser Kolume leider nicht bei - sonst müssten Sie ihre Ausgabe gar zerschneiden oder wahlweise diese Seite auf dünnen Karton kopieren, und Kopierer stoßen ordentlich Zehjozwei aus und atmen womöglich auch noch kostbaren Sauerstoff - im übrigen neben der Kontrast-Einstellmöglichkeit ihre einzige Gemeinsamkeit mit Säugetieren. Allfällige Falzlinien entfallen, auf den Seiten des Dodokatheters stünde jeweils die Wortkombination vor der Klammer, auf der hinteren gegenüberliegenden Seite das erste Adjektiv vor dem Bindestrich, auf der vorderen halbdiagonalen Seite das zweite, sodass sich der geneigte Betrachter je nach Blickwinkel und vorgesehenen Freiheitsgraden eine nahezu beliebige Ansicht zusammenbasteln kann, erweiterbar bis hin zu einer individuellen Meinung:

wirkliche Wirklichkeit (verkennbar-religiös)
unverkennbare Wirklichkeit (verkannt-ideologisch)
wirkliche Realität (postuliert-hautnah)
wahrnehmungsgefilterte Realität (vermutet-erlebt)
Medienrealität (konstruiert-banal)

Prinzipiell hätten wir zumindest der Premium-Verkaufsausgabe gerne eine Bastelbogen beigelegt, allerdings gelang es uns bislang nicht, Eschers Erben aufzuspüren, also appellieren wir weiterhin an Ihre überdimensierte Vorstellungskraft, lieber gap Leserin.

Die Kolumne #75 (März 2007)

It's Kolumnentime again. Ich hab das übliche Rezept gegen Schreibblockade angewandt: Kaffeetrinken mit Tante Brigitte und mitstenographieren. Und sowas wird dann im März auch noch im the gap abgedruckt, aber lesen Sie selbst!

Weiblichkeit reist beileibe nicht körperlos.

Musikjournalisten sind da anders: sie führen gerne längliche Diskurse über die Vorteile der Nachteile von Vinyl. "Anders wie wer?" fragt Tante Brigitte. Ich meine, korrigierend eingreifen zu müssen und merke an "Du meinst: anders als wer?" "Nein, ich meine: auf die selbe Art und Weise anders wie die Stadt Wehr im Badischen, die sich als ausgesprochen dynamisch bezeichnet, Fragezeichen. Klammer auf hatetepeh-wewewewea-de-eh Klammer zu."

Es kann nur ein historischer Moment in der Geschichte der Menschheit und ganz besonders der steinzeitlichen Sprachphilosophie gewesen sein, als das erste Missverständnis ob des Gleichklangs zweier verschiedener geschriebener Worte entstand. In dieser Geburtsstunde der Medienwissenschaft aus dem Geiste des Missverständnisses muss eine/r daneben gestanden haben oder sein um live oder zeitversetzt darüber zu berichten - zum Beispiel im Mittelalter, wo die fahrenden Boten die Nachrichten am Dorfplatz bekanntlich singend intonierten: voila, Musikjournalismus in Reinkultur. Wir erbten die politische Verantwortung, büßten die Sangeskraft ein oder mussten sie vielmehr abtreten an TV-Talent Shows und leiden seither unter niedrigem Blutdruck und hohem Nachruf. In der Tat: die ersten drei Stichwörter, die dem Durchschnittsösterreich zur schreibenden Zunft einfallen lauten: Dynamohaftigkeit. Dynamismus. Dynamizität. Behauptet eine Umfrage, die der "Bund zurückgebliebener Printjournalisten" unter sich selbst durchgeführt hat.

Online hätte sich ein ganz anderes Bild ergeben. Ich hab nur mal stichprobenartig nachgefragt: Polen, Horngacher und karamelisierte Birne waren die häufigst genannten Assoziationen im Chatkanal. Das ergibt zwar alles keinen Sinn mehr, aber diese Sinnlosigkeit schafft andererseits eine warme Aura zwischemenschlicher Gefühlsduseligkeit, die schon fast an Ostern grenzt. Also österlich-fresh zurück aus der Virtualität zu schmerzhaft realen heidnisch-katholischen Tradionen: Wie jedes Jahr hatte Tante Brigitte bereits alles vorbereitet, um mir die Eier zu färben (ich meine natürlich: um meine Eier zu färben). Angesichts der giftgrünen, brodelnden Brühe wurde ich dann allerdings skeptisch. Brigitte las meine Blicke und kam jeglichem Einwand zuvor: "Nein, das färbt schon nicht ab, keine Sorge - und wenn doch: ist lebensmittelecht und kann mit Spucke entfernt werden." Nun bin ich vorbereitet, die zwarten Frühlingsosterhäschen mögen kommen.

Um deren karnickelhaften Gedankensprüngen folgen zu können, wollen die Gehirnjoggingschuhe fest zugebunden sein - Balance ist zwar alles, denn "The ultimate Warrior is the Ninja, hiding in stealth," wie uns die BBC Doku "Fight Science" weismachen möchte, aber ich sage: the female pirate is the ultimate warrior, was sind schon schwankende Trainingspfähle gegen echt schwankende Schiffsplanken? Bevor der Ninja auch nur "Friss meine schwarzen Shorts, Pirat!" heraushaucht, hat der mit seiner Hakenhand schon kräftigst zugelangt. Arrr! Arrr!
Auf "gut" deutsch:

  • Der weibliche Pirat ist die ultimative Kriegerin.
  • Die weibliche Piratin ist der ultimative Krieger.
  • Der weibliche Pirat ist der ultimative Krieger.
  • Der weibliche Pirat ist die ultimative Kriegerin.

Sämtliche viere sprach-generisch, aber genderisch nicht kürrekt! Die einzig politisch vertretbare Form (griechisch: hyle, hence the german word "Hülle") in einer Stadt, die zwar im Rathaus 50% der Terrorherrschaft maskuliner Wegweiser durch weibliche PiktogrammInnnen (Brigitte warf an dieser Stelle klärend ein: Piktogramme, deren symbolhaft dargestellte Persönchen sekundäre Geschlechtsmerkmale weiblicher Natur erahnen lassen) elegant ersetzen, auf Trümmerlsets aber immer noch "Hundekot" statt HündIennkot drucken lässt:

Die/der weibliche/r PiratIn ist die/der ultimative/r KriegerIn.

Fast wie Sprache remixen mit Hip Hop Technik, liest sich irgendwie gescratched. Nix mehr mit der elementischen Einheit von Laut- und Schriftbild, deren Auflösung die Metaphysik begründete, die bei Heidegger schließlich in der Reflexion der Verschränktheit von Mensch und Technik endet. Womit wir wieder beim einleitenden Mistverständnis wäre und sich die Kolumne einmal mehr verdammt rekursiv in den Anfang beißt. Fröhliche Ostan.

Die Kolumne #65 (Dezember 2005)

Der Zeitgeist. Ein faltbarer Post-Weihnachtsdialog über die feuchteste Zeit im Jahr.
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Die Kolumne #64 (Oktober 2005)

Politischer Akribismus ist so von morgen! Fangquoten statt Walempfehlungen!
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Your **** in a Box

Verzweifelte Männer, in letzter Minute auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk für Mrs. Columbo? Der gut ausgebildete Marketing-Stratege weiß längst: alles nur eine Frage der Verpackung(en). Und noch etwas hat er im Lauf der Jahre gelernt: es sind stets die großen Sachen, die am meisten Freude machen. Lassen Sie sich also inspirieren zu einem Weihnachtsgeschenk der besonders persönlichen Sorte!

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[via Sistaweb]

Kolumne #63 (August 2005)

Diesmal: Wurst - Evolution - Hilflosigkeit
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Die Kolumne #72 (Nov/Dez 2006)

Ein gapheft (nicht "gafeft" lesen, sondern gap-heft) erscheint noch im Dezember diesen Jahres. Darin wird sich angeblich diese Kolumne befinden. Und im Jan/Feb nächsten Jahres feiern wir unser 10-Jahres-Jubiläum. Hier wie immer der Vorabdruck - n'joy!

Die Kolumne
Hitzewallungen im Spätherbst stützen und stürzen noch einen Klimawandel

"Früher hieß das Viertel nämlich Sackstadt, aber seit der Arenabesetzung hat sich eingebürgert, das Attribut der Heiligkeit mit dem Theoriepatron des Kommunismus in ein Namensschild zu werfen - et voilá: St. Marx," wollte mir Tante Brigitte neuerdings einreden. Das konnte und musste ich so nicht stehen lassen. Zumal Sackstadt St. Marx heißt, weil der einheimische Kirchenschutzpatron, seiner Zeichens Heiliger Markus, gerne im Endlaut verschliffen wird. Die Bezeichnung des Ortsteil rekurriert also durchaus auf sakrale und nicht auf politische Gebäude.

Dennoch obsiegt stets die Neugier, obskure Information will ja bloß verbreitet und frei sein, sondern in unserer post-aufklärerischen Zeit bis an ihren simulierten Ursprung zurückverfolgt werden. "Hat dir das einer deiner Punk-Ex-Lover erzählt, als du noch..." "Hör auf zu tippen, das gehört hier nicht in die Kolumne. Nein, ich hab dieses ungeprüfte Wissen von jemandem, der sich über 10 Ecken kennt. Dich übrigens auch, und mich über neun."

Wüsste ich nicht um Brigittchens Vorliebe für die rein digitale Auswahl ihrer Beischlafpartner, hätte ich natürlich nicht sofort erraten, dass meine Tante über Social Networking Plattformen sprach. ("Ich hab schon Businesskasperl auf Open BC getroffen, da wird's feucht im Mund! Und stell dir erstmal vor, diese ganzen leckeren Asiaten via Xing, völlig unvorbereitet auf Flirts mit Wiener Vamps! Wenn die doch endlich den Button ‚alle gutaussehenden Männer zu meiner Kontaktliste hinzufügen' einbauen würden...")

Aller Affirmation zum trotz schienen mir die zehn Ecken dennoch übertrieben, zumal doch Stanley Milgram mit seiner Small World Theory behauptet, jeder Mensch auf dieser unserer Erde kenne sich über sechs Ecken selbst. Oder jeder kenne alle sechs Ecken mindestens eines anderen Menschen, oder dass man mindestens sechs Menschen braucht, um eine Ecke zu überqueren. Derselbe Psychologe hat in einem noch viel berühmteren Experiment später dann auch paarweise elektrische Schläge an Teilnehmer ausgeteilt: und zwar solange, bis diese endlich zugaben, sich über höchstens sechs Ecken zu kennen. Damit galt er als Wegbereiter der modernen Psychologie. Später dann konnte ein gewisser Freud zwar nachweisen, dass die Stromkabel gar nicht richtig angeschlossen und die meisten Teilnehmer des Experiments arbeitslose Schauspieler waren, aber da hatte die Idee sich die Idee von der kleinen Welt bereits nachhaltig im Kleinhirn aller PM-Leser und gap-Leserinnen festgefressen.

"Jetzt hör endlich auf mit deinen Sexecken," unterbrach Brigitte abrupt, "diverse Erlösungslehren behaupten, dass sich die meisten Menschen nämlich überhaupt gar nicht kennen. Da bringen die neuen Medien also schon unglaubliche Fortschritte in punkto Selbstkenntnis, auch wenn sie vorwiegend zur Hervorrufung und anschließenden Befriedigung unserer animalischen Bedürfnisse mißwendet werden." "Deine Scharmoyanz übertrifft einmal mehr den Gipfel des Vorstellbaren," seufzte ich hingerissen. "Charme, ok. Aber Scham und Larmoyanz?" hakte (huk?) sie erfreut nach. "Dass du mir missbilligendes Reflexionsvermögen und ein bildungssprachliches Lehnwort für sentimentale Rührseligkeit zutraust, ehrt meine Weiblichkeit."

Achtung, Vegetarier: Experten erwarten für das nächste Sommerloch den Gammeltofuskandal. Diverse asiatische und vegetarische Lokale proben bereits für die große Welle der Empörung - nicht, dass ihr denkt, ihr kommt völlig ungeschoren davon!

Die Kolumne #60 (März 2005)

Diesmal: Ei-Mango live - A man will try 2 cheat, ha! Oder: Wenn du meine Overheadfolie fressen konntest, dann kannst du sie auch wieder auswürgen.
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Die Kolumne #71 (Oktober 2006)

Einmal mehr ein frischer Vorabdruck meiner dieser Tage erscheinenden the gap Kolumne. Online ist's natürlich nur die halbe Miete bei diesem wunderschönen Printlayout... der geneigte Leser erkennt - im Gedenken an Plagiatsjäger remixe ich mich selbst und schreibe schamlos vom datenschmutz.blog ab.

Die Kolumne
Süßer die Diplomanen nie swingen, als knapp am Te-hellerrand

Mögen sich andere elektrische Muskelstimulationsgeräte kaufen und ihrer gesamten Verwandtschaft zu Weihnachten einen Waschbrettbauch schenken, mir liegen derlei einfallslose Präsente nicht. Jahr für Jahr wiederholt sich Qual der Hetzjagd aufs neue, wenn ich mein einziges Weihnachtsgeschenk aussuchen muss.

Schwieriger zu beschenken als Tante Brigitte ist niemand, das garantier ich Ihnen. Selbst der wunderschöne Einhandmischer, dessen Geschenksappeal ich vorigen Herbst im Armaturengeschäft erlag, löste bloß Ablehnung aus: Ich wisse doch, dass Brigitte schon aus Prinzip gar kein Fließwasser in ihrer Wohnung habe, tadelte sie mich. Mein Argument, dass diese wunderschöne Edelmetallskulptur doch ohnehin als Ziergegenstand für den Wohnzimmeraltar dienen solle, machte ihre Unzufriedenheit ob meiner Präsentauswahl nur zum Teil wett.

Warum ist also wie jedes Jahr durch die Hölle Weihnachten gehen, und vorher durch die Vorhölle Vorweihnachtsgeschäft? Munkelt man in Kolumnistenkreisen immerhin schon seit Monaten, dass der Papst die Vorhölle* abzuschaffen gedenkt. Jener frenetische Jubel, den die kürzlich nachhaltig vertreitete Meldung hervorrief, scheint diesem Kolumnisten allerdings ebenso verfrüht wie unbegründet: wer sagt denn, dass die vielen dort inhaftierten Babys nun in den Himmel kommen und nicht zB in den siebten oder sechsten Höllenkreis, wo halt mehr Platz ist bzw. ausreichend leere Kinderkrippen verfügbar sind?

In der Vorhölle muss derzeit ähnliche Stimmung herschen wie in einer Firma, die kurz vor dem Aufkauf durch einen Liquidator steht und deren Mitarbeiter panisch auf die "Restrukturierung" warten. Falls die Angestellten pragmatisiert sind (und davon kann man bei Teufeln wohl ausgehen), stehen sie zwar keine existenziellen Ängste durch, dennoch bleibt Unsicherheit: werde ich mich an meinem neuen Arbeitsplatz eine Ewigkeit lang so heiß fühlen wie hier? So in der Vorhölle Radioempfang möglich ist, dann dürfte sich die angespannte und nervöse Stimmung inzwischen auch auf die unfreiwilligen Insassen übertragen haben - ganz zu schweigen von den engen Beziehungen, die zwischen einem Kleinkind und seinem Teufel, der ihm möglicherweise seit Jahrhunderten die Windeln wechselt, entstehen. Da werden Adoptivfamilien rücksichtslos auseinandergerissen - das erinnert irgendwie ans österreichische Asylrecht.

Angeblich handelt sich's bei all dem um eine Marketingkampagne** des Papstes, speziell zugeschnitten auf die Kundschaft in 3.-Welt-Ländern. Islamische oder hinduistische Babys kommen nämlich auch ohne Sakrament direkt in den Genuss der himmlischen Freuden.
Aber viel entscheidender ist die Frage: reichen die magischen Fähigkeiten des Papstes, um die Vorhölle zu schließen? Glauben die lutheranischen Protestanten auch an den Limbus Infantium, und wenn ja: wird ihre Vorhölle dann ohne offizielles Einverständnis mitgeschlossen? Kommen jene Vorhöllenteufel, die sich durch besonders liebevolle Betreuung hervortaten, mit in den Himmel? War Satan der Parallelbetrieb von Vor- und Haupthölle auf Dauer wirtschaftlich zu ineffizient, und hat er darum seinen Schergen Benedikt den 16. mit der Abschaffung beauftragt? Muss Satan tun, was Benedikt sagt, weil der sein Vorgesetzter ist?

*) Die Vorhölle, also jener 10. Kreise, ist quasi die größe Kleinkindkrippe der metaphysischen katholischen Welt. Kurz nach ihrer Geburt frisch verstorbene oder tot geborene und daher ungetaufte Kleinkinder finden sich im sogenannten "Limbus infantium" wieder.
**) Demnach dürften die Bewohner des „Limbus Patrum", in dem alle vor Christus Tod Verstorbenen einsitzen, noch lange nicht von akuter Schließung bedroht sein.

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