Nach dem letztwöchigen, Almcamp-bedingten Ausfall des Wochenrückblicks melden sich Linzerschnitte und datadirt wieder pünktlich zurück - denn es geschehen immer noch Zeichen und Wunder inner- und außerhalb der Blogosphäre. Da wettern Herausgeber gegen die Schlechtigkeit sozialer Medien, während anderswo bereits unified Video Messaging Inboxes errichtet werden. Kein Wunder, dass da so mancher nicht mehr ganz durchblickt - aber zum Glück gibt's ja das datenschmutz Panoptikum
Wer in letzter Zeit mal wieder mit einem seiner verbleibenden, Twitter-resistenten Kontakte kommuniziert hat, wird das Gefühl kennen: Tweeper und Nicht-Tweeper teilt ein kaum mehr zu überbrückender Gap. Darüber schreibt auch Louis Gray diese Woche:
Twitter is practically becoming a parallel Internet. It may live on HTTP, but don't let that fool you. Over time, most folks may tell you the T's in HTTP stand for "Tweet Tweet".
Das einstmals simple Twitter wird durch seine User immer mehr gepimpt (TweetDeck, Tweetlater...) und extended (twitpic, twitsay..). Und: Was nicht auf Twitter verlinkt wurde, existiert vielleicht gar nicht...
12seconds glaubt wie seinerzeit Telefongesellschaften in den 70ern fest daran, dass die Zukunft der Kommunikation dem Video-Messaging gehört. Derzeit kommen aber nur iPhone User in den vollen Komfort-Genuss des neuen, frei erhältlichen Clients - hier geht's zum Download. Clients für andere Smartphones sollen folgen, derweilen müssen sich Nicht-Appler mit der Browser-Applikation auf 12seconds zufrieden geben - aber auch mit der kann man die eigene Freundesschar aufs feinste mit Bewegtbildbotschaften belästigen, belustigen und/oder (sexuell) stimulieren:
We know you are and want to strongly encourage you to use the messaging application on 12seconds.tv. You'll notice now that you have an inbox and that you can send video messages to anyone on Facebook or Twitter. You can also push video to your friends who have the iPhone application which is fun. That's kind of cool, eh? Record something on your webcam and push it to someones phone!
Seit dieser Woche gibt es offiziell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Web 2.0. Jene, die schon eine der begehrten Google Wave Invites haben, und jene die noch hoffen, eine zu bekommen. (Die Panoptikum Autoren wurden übrigens auch mit Invites bedacht, HA!) Doch aus der Zwei-Klassen-Gesellschaft wird anscheinen schon eine Drei-Klassen-Gesellschaft - hinzu kommt nun neu jene Kaste, die bereits wieder über Google Wave hinweg ist! So zum Beispiel Robert Scoble, der in Google Wave so etwas wie die Perfektionierung der Unproduktivität sieht. Folgende Ratschläge hat er für Neo-Waver parat:
DO NOT ADD EVERYONE. Get a close personal friend, or a coworker to play with this and don't publicize that you're using it until you are sure you can deal with the productivity hit you'll take here.
DO NOT ASSUME THIS IS A TWITTER KILLER. It is not. It's not even a good sharing engine, far worse than FriendFeed is. I'd recommend using a private room over on FriendFeed first.
Fazit: Google Wave ist also wieder nicht "the next big thing" nach Twitter. Soll uns recht sein, wir haben eh noch lang nicht alles gesagt, was sich in 140 Zeichen sagen lässt.
Passend zum obigen Beitrag hat Lifehacker eine Liste von 10 alternativen Online-Collaboration Tools zusammengestellt. MediaWiki, Google Groups, Mindmeister... die Alternativen sind zahlreich, teilweise kostenpflichtig und verströmen definitiv nicht den Sex-Appeal, des neuen Google Produkts. Aber nicht traurig sein, sondern die Erinnerung anwerfen: bei Gmail war's genauso - Dramaturgie-Meister Christian Mikunda nennt das die "Magie des Verbotenen Ortes". Und wenn der erste Hype mal abgeflaut ist, dann kriegt jeder mehr Einladung, als er brauchen kann. Außerdem scheint noch so manches Feature zu fehlen:
There are also still key features of Google Wave that we have yet to fully implement. For example, you can't yet remove a participant from a wave or define groups of users, draft mode is still missing and you can't configure the permissions of users on a wave. We'll be rolling out these and other features as soon as they are ready — over the next few months.
"Web-Medien sind parasitär. Sie verlassen sich auf alte Medien und recherchieren nicht selbst." Das und noch viel mehr sagte der Herausgeber der Wiener Stadtzeitung Armin Thurnher bei seinem Vortrag am ISPA-Summit. Unter anderem auch, dass soziale Netzwerke die Absenz im Dialog ebenso fördern wie eine Steigerung des Narzissmus, und Journalisten, die Twitter und Facebook nutzen, würden sich ohnehin selbst ausreichend bestrafen. Janas Kommentar über den eigenartigen Auftritt nur anschließen:
Was er als motorische Störungen wahrnimmt, ist vermutliche die kognitive Bindung zwischen Auge, Hand und Bildschirm, die bei der Computernutzung zu beobachten ist. Diese bindet die Aufmerksamkeit, das ist richtig – ging Thurner etwa am Bildschirm seiner Mitarbeiter vorbei, und war gekränkt, dass diese dem Schirm und nicht ihm Aufmerksamkeit zollten? Wie kann er überhaupt feststellen, dass diese gerade soziale Netzwerke benutzen – schaut er ihnen von hinten über die Schulter auf den Monitor? Von wegen Sozialverhalten: Ich kenne niemanden, der ein solches Verhalten schätzt – freilich macht es die an Arbeitsplätzen waltende Hierarchie oft schwierig zum Chef zu sagen, er solle einem bitte nicht dauernd auf den Bildschirm starren.
Im Übrigen bin ich der Meinung, Armin Thurnher soll sich lieber weiterhin dem Bereich Print zuwenden. Denn dass er die arme Ingrid Brodnig via Twitter ausrichten lässt, verschiedene Meinungen seien gewünscht, verdient in der Tat ein kräftiges ROFL:
Thurnher wird im nächsten Falter auf die Webdebatte eingehen. Wir wollen eine richtige Diskussion führen. Verschiedene Meinungen gewünscht!
Guy Kawasaki hat im datadirt-Interview seine "alles-löschen-was-älter-ist-als-30-Tage-Regel" erklärt, Lawrence Lessig, Mastermind der CC-Lizenzen, erklärte schlicht seinen E-Mail "Bankrott":
Das soll bedeuten, dass er eine Mail per CC an alle Adressen in seinem Posteingangsfach geschrieben hat, in der Lessig erklärt, dass er auf bisher unbeantwortete Mails nicht mehr antworten kann, weil jeden Tag nach der Ausfilterung von Spam immer noch 200 private Mails bei ihm ankommen. Die Lösung sei, einfach alle Mails zu löschen und mit einem frischen, leeren Mailaccount wieder anzufangen. So lange, bis sich dieselbe Situation wieder eingestellt haben wird.
Mathias Mertens stellt in seinem Essay die gute alte Frage nach der Medienkompetenz - und kommt zu dem Schluss:
Wir wissen noch gar nicht, was E-Mail eigentlich ist. Wir benutzen es ganz selbstverständlich, und wir gehen auch mehr oder weniger gewieft damit um, aber das, was wir uns selbst davon erzählen, ist seltsam mehrdeutig. Wenn man überlegt, mit welchen Kommunikationsformen E-Mail in Konkurrenz steht, beziehungsweise welche sie abgelöst hat, dann kommen nur zwei in Frage: Brief und Telefon. Und unser Verständnis von E-Mail pendelt genau zwischen diesen beiden vertrauten Formen hin und her – unentschlossen und deshalb problematisch.
Spannender Punkt - ich wäre jedenfalls dafür, auf medien-kulturellem Weg eine Antwort-Zeit-Erwartungshaltung von mindestens einer Woche zu implementieren
Nicht immer sind es die gute Ideen, die sich viral verbreiten. Das hat sich diese Woche gezeigt, als ATV Reporter Martin Thür einem Hinweis via Twitter nachging, dass Justizministerin Claudia Bandion-Ortner das "Pilotprojekt" ihrer deutschen Kollegin "Zensurursula" Netzsperren beobachtet und gegebenenfalls auch in Österreich einsetzen möchte. Direkt darauf angesprochen gab die alpenrepublikanische Sarah Palin folgendes Kommentar von sich:
Zur Erinnerung: Warum Netzsperren dumm sind und damit rein gar nix gegen Kinderpornografie ausgerichtet werden kann, darf man hier noch mal nachlesen. "Argumentarium: Netzsperren gegen Kinderpornografie?" von Michael Eisenriegler.
Das Technorati-Monster gibt in letzter Zeit wieder verstärkt Lebenszeichen von sich - Venture Beat berichtet gar von einer Anpassung des Algorithmus, der eigentlich seit längerer Zeit niemanden mehr interessiert:
Technorati is about to make some big changes to the way it measures how important bloggers are. That means its top-100 list of the most influential bloggers is going to change. Some bloggers may be delighted by the changes, while others who drop in the rankings may howl in protest
Basically, the company is going to reduce the costs of indexing the blogosphere and reporting the results on its Technorati.com site, which is a major blog search engine. It is not going to index the blogosphere just for the sake of saying it can do so. It is also going to put more emphasis into its business which pays the bills: the Technorati Media ad network, which serves ads to more than 400 sites, not just Technorati.com
Technorate verbrennt immer noch jede Menge Geld, langsam soll mal was in die Kassen zurückfließen. Das hauseigene Ad Network rennt eher schlecht als recht (Keiner will mehr auf Banner klicken, siehe Lesetipp am Ende des Panoptikums.) und Cheffe Richard Jalichandra muss scheint dringenden Handlungsbedarf zu haben. Mal sehen, wie die Technorati-Story weitergeht.
Ärzte-Bewertungsportale boomen und blühen - kein Wunder, denn wer will seine Gesundheit schon die Hände eines menschenverachtenden Quacksalbers legen? Von besonderem Interesse sind dabei natürlich nicht nur die Kontaktdaten und Sprechstunden, sondern die Bewertungen anderer Patienten. Wie hoch die Trefferquote liegt, weiß allerdings allein Äskulap - und wer weiß: vielleicht stellen geschäftstüchtige Mediziner (die in Österreich ohnehin mit recht strengen Werbeverboten belegt sind) demnächst eigene Social Media Spin Doktoren ein. Die könnten dann beispielsweise gleich mal auf Docfinder.at tätig werden, einem frisch gelaunchten Ärzteportal der vorher beschriebenen Sorte. Die Seite befindet sich noch im Beta-Stadium und verfügt zwar über eine umfassende Kontaktliste, in der auch Apotheken vertreten sind - die Zahl der Bewertungen hält sich noch in engen Grenzen, sorgt aber bereits jetzt fallweise für Erheiterung:
Dr. XYZ ist aufgrund seiner einfühlsamen, kompetenten und netten Art sehr zu empfehlen! Außerdem ist ein großes Plus seine STÄNDIGE Erreichbarkeit, auch bei noch so banalen Fragen, was ich persönlich sehr zu schätzen weiß, da ich unter großer Hypochondrie leide (Hervorhebung durch datadirt). Ich könnte mir keinen besseren Frauenarzt wünschen. Außerdem hat er mich auch privat in ein Sanatorium zur Entbindung begleitet und bestens betreut!
Und wir wissen ja - Lachen ist bekanntlich die beste Medizin!
Persönlich finde ich Dr. XYZ locker, lässig und sympathisch. Die Kontrolle geht schnell, ist aber gründlich. Einmal musste ich während der Behandlung länger im Behandlungsstuhl warten als er von einem Behandlungsraum zum nächsten wechselte- was etwas unangenehm war. Werde aber wieder hingehen.
[...]
Neben der professionellen Betreuung und Beratung wird an manchen Tagen auch Mundhygiene angeboten. Obwohl ich meine Zähne gut pflege habe ich mir einmal eine Mundhygiene gegeben. War danach ein gutes Feeling.
Als Adressverzeichnis ist Docfinder bereits jetzt recht nützlich, mal sehen, was im Lauf der Zeit aus der Seite wird - in Deutschland gab es in der Vergangenheit schon einige Rechtsstreitigkeiten aufgrund negativer Patientbewertungen.
Heute zur Abwechslung mal ein Oeuvre aus der Kategorie "Post-Production" - aber wie wir ja spätestens seit Vilém Flusser Wissen, ist ohnehin jeder Fotoapparat eine Konstruktionsmaschine... da fällt das bisschen Retusche kaum noch ins Gewicht. Et voilá: Flight 888 von H. Koppdelaney:
"Twitter is ruining my life" sagt Shane Nickerson. Vorsicht: wacklige Autokamera und Fucking Strong Language! Twitter equals Satan! Fuck! :evil:
http://www.vimeo.com/5003797Herbst wird's und damit genau die richtige Jahreszeit für melancholisch-pathetische Franzosen-Mucke á la Phoenix. Da es hier aber um's Video der Woche geht, gibt's diese Woche eines der gelungensten Mashups ever zu sehen. Phoenix' "Lisztomani" versus "The Breakfast Club".
Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieses Wochenrückblicks angekommen - die nächste Ausgabe gibt's wieder pünktlich in sieben Tagen Danke für Ihre Aufmerksamkeit, wir wünschen einen schönen Restsonntag und lesen uns morgen.
Schon wieder Sonntag, aber das letzte Wort der Woche fehlt noch, aber keine Sorge: durch Medien-Kunstausstellungen zu mäandern hält niemanden vom Rückblicken ab, ganz im Gegenteil: zumal doch in der vergangenen Woche sich Unvorstellbares zutrug - und wir sprechen hier nicht von Dominiks neuer Aufgabe als Seitenblicke-Spielertrainer. Und diese Woche gilt: only bad news are good news! Gmail war down, das Internet gehört Google, eBook Reader sind viel zu teuer, SEO ist tot und WordPress-Installationen werden gehackt: sozusagen eine Traum-Woche für den Katastrophenjournalisten in uns. Wie immer begrüßen Sie Linzerschnitte und datenschmutz herzlichst zum Höllenritt durch sieben Tage Blogosphärenwahnsinn - dieses Panoptikum ist für Leser aller Altersstufen teilweise unbedenklich.
Unser Lieblings-Netzwerk wurde vierzig - vor vier Dekaden begannen Len Kleinrock und sein Team am UCLA mit den ersten Tests für ein Kommunikationsnetzwerk, das verschiedene Universität verbinden sollten und einen freien Informationsaustausch ermöglichen. Uneingeschränkte Partylaune will sich bei der New York Times dennoch nicht einstellen:
There's still plenty of room for innovation today, yet the openness fostering it may be eroding. While the Internet is more widely available and faster than ever, artificial barriers threaten to constrict its growth.
Call it a mid-life crisis.
Der Standard, Copycat Nr. 1 unter den österreichischen "Qualitätszeitungen", würdigt das Jubiläum mit einer würdigen Übersetzung und gibt lustigerweise als Quelle AP/APA an:
Für Innovationen ist zwar sicher immer noch genug Raum da, aber die Offenheit scheint doch zu schwinden. Vielleicht erlebt das Internet ja gerade so etwas wie seine Midlife-Crisis.
Vielleicht erlebt ja der Printjournalismus gerade seine End-of-Life Krise?
Kevin Marks' How Twitter works in theory gehört wohl zu den meist-zitierten Artikeln der Woche - bis 2007 war der Autor Head Engineer bei Technorati (und seit er für BT arbeitet, ist offensichtlich niemand mehr in der Lage, den Spider zum Arbeiten zu bewegen). Der gelernte Kommunikationswissenschaftler würde ein paar Schlagwörter samt rudimentärer Erklärung vermutlich nicht unbedingt als genuine Theorie des Micro-Blogging durchgehen lassen, aber lesenswert sind Kevins Ideen allemal:
At its heart Twitter is a flow - it doesn't present an unread count of messages, just a list of recent ones, so you don't have email's inbox problem - the implicit pressure to turn bold things plain and get that unread number down. Instead, you can dip in and out of it, when you have time, and what you see is notes from people you care about.
Okay, ich geb's zu: der rund 100 Minuten dauernde Gmail-Ausfall von letzter Woche ist mir nicht einmal aufgefallen, allerdings nutze ich Googles Kommunikationsservice auch lediglich auf meinen Homepages als relativ spam-resistente öffentliche Kontaktadresse und Durchgangsstation zu meinem "richtigen" Mailserver. Geschuldet war der eher ungewöhnliche Ausfalle laut Gmail Blog überforderten Routern:
At about 12:30 pm Pacific a few of the request routers became overloaded and in effect told the rest of the system "stop sending us traffic, we're too slow!". This transferred the load onto the remaining request routers, causing a few more of them to also become overloaded, and within minutes nearly all of the request routers were overloaded. As a result, people couldn't access Gmail via the web interface because their requests couldn't be routed to a Gmail server. IMAP/POP access and mail processing continued to work normally because these requests don't use the same routers.
Dieses Szenario wird sich laut Google nicht mehr wiederholen, veranlasste aber Joe Kissell auf Macworld.com zu einem Lob des Desktop-E-Mail Clients. Grundsätzlich teile ich ja Joes Meinung, aber dieses Argument bestätigt durchaus totgeglaubte Vorurteile gegenüber Mac-Usern:
I'll still take a desktop e-mail client (such as Apple Mail, Microsoft Entourage, or Mozilla Thunderbird) any day. Why? Well, there is the issue of outages like the one Gmail experienced this week. I like to be able to access my e-mail whenever I want.
Man fühlt sich versucht, ins Kontaktformular zu schreiben: "It's in the server, st00pid!" Im Zeitalter des mobilen E-Mail Zugangs macht Pop3 einfach keinen Sinn mehr - und wenn die Gegenstelle, spricht der Mailserver, nicht mehr will, dann hilft auch der beste lokale Client nicht weiter... aber meist ist bloß ein bisschen Geduld gefragt, also nicht gleich ausfreaken, wenn mal ein paar Minuten nix geht, meint JK:
I heard all kinds of complaints when Gmail went down. People saying that email service X would never go down like that. Or others saying that Google OWED us to keep Gmail up and running. Give me a break, stuff happens. When I was in the corporate world it was oh, so common to hear employees at some large company or another wandering down the halls claiming that "email is down again." And this is the fancy corporate Exchange Server that only has to keep their own employees working. Stuff happens.
199$ klingen nicht gerade nach Luxusgegenstand – so viel kostet Sonys neuer eBook Reader bei Amazon.us. Aber das ist den meisten potentiell digitalen Leseratten immer noch viel zu teuer, wie eine aktuelle Studie von Forrester Research belegt:
Even among frequent readers with a household income above $75,000, current prices put e-book devices firmly in the expensive luxury category. Forrester's survey of 4,700 online consumers in the U.S. found average consumers believe the value of e-book readers to be between $50 and $99, well below the cheapest reader on the market today. Only 14 percent of consumers said that prices of $199 or higher fall even within the "It’s expensive but I might consider it" range, according to Forrester.
Da liegt der Gedanke an die Preisstützung beim Handy natürlich nahe: wenn digitale Inhalte über Abos vertrieben werden sollen, dann brauchen die Lesegeräte allerdings mindestens WiFi, wenn nicht gar UMTS oder zumindest EDGE - die meisten derzeit verfügbaren Reader lassen sich allerdings bloß per USB-Kabel mit Lesestoff füttern. Wird wohl doch noch ein paar Wochen dauern, bis die Mediaprint-Druckerei völlig arbeitslos wird.
John Andrews trifft wie immer den Nagel auf den Kopf, wenn er die Markt-Dominanz von Big in G in einem aktuellen Posting thematisiert:
Eric Schmidt, the guy who thinks Wikipedia is the greatest gift to mankind ever created by man, has web publishers (and domain owners) in his cross hairs. If Google succeeds, no one needs a domain name and no one needs to create a brand. They just need to submit to Google, and then, perhaps if Google has not completely satisfied the users with "the answer", provide a way to be contacted or a server IP for a web site for further reading (perhaps through the Google Profile conduit).
Diese technologische Total-Abhängigkeit zeichnet sich schon längst am Horizont ab - das Beispiel China zeigt, wie perfekt sich Suchtechnologie und Kontrollbedürfnis vereinbaren lassen. Google gestaltet unsere Vorstellung vom Netz, das schlichte Eingabefeld wurde zu unserem Haupt-Interface bei der Informationserschließung - schon jetzt bestimmt ein einzelner Gatekeeper über Quellenrelevanz. Was John zu seinem Posting veranlasst hat, war dieses Zitat von Eric Schmidts über die Zukunft seiner Suchmaschine auf TechCrunch:
So I don't know how to characterize the next 10 years except to say that we’ll get to the point - the long-term goal is to be able to give you one answer, which is exactly the right answer over time... what I’d like to do is to get to the point where we could read his site [the definitive authority on a particular searched query] and then summarize what it says, and answer the question.
Mit anderen Worten: Eric will das Web abschaffen und alle öffentlichen Webseiten dieser Welt zu Zulieferern degradieren. Schöne Aussichten... das wär's dann mit dem Thema "Meinungsvielfalt", wenn man bedenkt, dass schon jetzt 90% aller Suchen über einen einzige Anbieter laufen.
Jeremy hat völlig Recht: wer als SEO seine Arbeit nicht klar rechtfertigen kann, hat bald keinen Job mehr. Die Aura des Mysteriösen ist verflogen, gutes Linkbuilding ist ebenso mühsam wie teuer, und mit simplen Tricks kommt man nicht mehr weit - was die Arbeit auch unglaublich öde macht, denn schlecht positioniert sind nur noch Seiten mit gravierenden technischen Fehlern oder gravierendem Fehlverständnis für den Keyword-Longtail:
SEO Agencies providing client work are a dying breed. Especially when any monkey can have wordpress or any other CMS system up and running in 5 minutes and totally SEO'd as much as needed.
Noticed a trend it what dominates most search results lately? Wikipedia and wordpress blogs. How many SEO’s do you think they hired ? =P
Tja, waren ein paar lustige Jahre, und es kann nicht schaden, zu wissen, wie man eigenen und Kundenseiten das gewisse Extra an SM-Traffic verschafft... aber warum man seinen Berufsalltag freiwillig mit Linkbuilding verbringen wollen sollte, ist mir ein Rätsel
Runde Ecken via CSS? Zukünftig alles kein Problem mehr... oder doch? Die Versionsumstellung bringt nicht nur mehr Programmier-Komfort, sondern auch einige gravierende Neuerungen, die David Eisenberg auf A List apart übersichtlich inklusive weiterführender Links zusammenfasst. Trial und Error bleibt ambitionierten Webdesignern natürlich nicht erspart:
By doing this, you'll find out what works and what doesn't. For example, I discovered that, as of this writing, Firefox 3.5 treats elements like article and section as display:inline, and I had to explicitly set them to display:block to make them work as expected.
Eine der wohl wichtigsten Änderungen sind die neuen Strukturierungselement: während man bisher mit verschiedenen div-KLassen arbeitete, bringt HTML5 diverse dezidierte Block-Elemente wie "nav" (für die Navigation), "footer" und "article" mit, die Lachlan Hunt in diesem Beitrag im Detail beschreibt. Interpretiert wird der neue Mark-Up Standard derzeit von Chrome, Firefox 3.5, Opera und Safari - Microsofts IE übt sich bislang in vornehmer Zurückhaltung, was die Verbreitung wohl ein wenig bremsen dürfte.
Unliebsame Eindringlinge gibt's nicht nur im richtigen Leben: auch virtuell mussten sich in den letzten Woche und Monaten einige Blog-Betreiber über ungebetene Gäste ärgern - die Ursachenforschung ergibt in 99% der Fälle hochgradig monokausales Verschulden: denn sobald ein sicherheitskritisches WordPress-Update auftaucht, sollte dieses so zeitnah wie möglich installiert werden: ist eine Sicherheitslücke erst einmal bekannt, dauert es in der Regel nicht lange, bis sie nach Strich und Faden ausgenützt wird. Das WordPress Blog rät aufgrund eines aktuell grassierenden Wurms nachdrücklich von Laissez-Faire Taktiken ab:
A stitch in time saves nine. Upgrading is a known quantity of work, and one that the WordPress community has tried its darndest to make as easy as possible with one-click upgrades. Fixing a hacked blog, on the other hand, is quite hard. Upgrading is taking your vitamins; fixing a hack is open heart surgery. (This is true of cost, as well.) [...] The only thing that I can promise will keep your blog secure today and in the future is upgrading.
Dem kann man nur zustimmen - es gibt zwar diverse Security-Plugins, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht: also lieber nicht slacken und sofort den ftp-Client oder die automatische Update-Funktion anwerfen, denn Vorsicht ist in diesem Fall definitiv besser als Nachsicht. [via ma.tt]
Bei diesem hübschen Kerlchen handelt es sich um einen blauen Pfeilgiftfrosch, den Tambako im Züricher Zoo mit seiner 105er Makrolinse zu einer Modelling-Session überreden konnte. Ich glaub, ich muss demnächst mal nach Zürich. Und: ob blau, ob grün: Frösche sind einfach verdammt fotogen! Vielleicht sollte ich diese Rubrik in "Froschfoto der Woche" umbenennen.
Walter5.15 produzierte, führt Regie und schnitt diesen Kurzfilm - gedreht wurde im National Black Theatre in Harlem, das gesamte Set hat das Team selbst gebastelt: visuell ziemlich nett, vielleicht ein bisschen länger als nötig - aber insgesamt sehr stimmig:
http://www.vimeo.com/5569709Schön, wenn es einem so gut geht, dass man sich über Ernährung Gedanken machen kann. Manche von uns werden von der Kinesiologin ihres Vertrauens auf eine Beinahe-nur-Wasser-Diät gesetzt, andere lassen sich auf TCM ein und beschäftigen sich seitdem mit den wunderlichen Welten kühlenden und hitzebringenden Nahrungsmittel - die meisten von uns haben lange genug an ihrer Frustrationstoleranz gearbeitet um die Freuden verzögerter bzw. "nachhaltige" Gratifikation zu schätzen. Doch manch rebellischer Jungspund steht noch für seine Ideale (Speck!) ein und lässt sich von nichts und niemandem etwas sagen, schon gar nicht, solange er schneller als die Ernährungberaterin auf ihren "little high heels" ist.
How to increase Retweets on your TweetsDas waren unsere letzten sieben Tage im Schnelldurchlauf - wir danken für Ihre Whuffies (so nennt Tara Hunt die Währung der Aufmerksamkeit), bleiben Sie uns gewogen und schauen Sie nächste Woche wieder rein, wenn es heißt: "Artisten, Tiere, Attraktionen: alles virtuell". Wir wünschen einen schönen Restsonntag und poken uns morgen im Social Web.
Gestern vormittag besuchte mich ein Kamerateam von ATV, um ein Statement für einen ATV-Aktuell Beitrag zum Thema "Facebook und der Datenschmutz" einzuholen - Geeks wissen in der Regel recht gut über die drei W's des symbolischen Datentauschs (Welche Daten gebe ich wem und was für einen Vorteil hab ich dadurch?), Otte Normaluser dagegen ist nicht mal unbedingt klar, dass potentiell jeder jede ins Netz gestellte Information finden kann, es sei denn, man trifft explizit Vorkehrunge. Das mag sich ziemlich hypotethisch anhören, Max, Francis und ich bekommen aber immer wieder mal Mails von neu aufgenommenen Piratencharts Blogbetreiber, die vollkommen schockiert drüber sind, dass ihre Blogspot-Seite plötzlich von Technorati und damit auch in weiterer Folge von uns gefunden wird. Ein schwieriges Thema, das sich in kurzer Zeit natürlich nur grob anreißen lässt - aber sehen Sie selbst:
Dieser Wochenrückblick geht ausnahmsweise mit einem Tag Verspätung online - gestrigentags hat Gerald am Rootserver geschraubt, damit asap datadirt.net vom Shared Space übersiedeln kann, außerdem war die Re-Organisation meines Fileservers überfällig - minus Dezibel, plus Terabytes quasi. Glücklicherweise ging die Operation am offenen Herzen (neue Silberleitpaste für die CPU) ohne gröbere Komplikationen vonstatten, und mein mehrwöchiger Arbeitsplatzumbau ist nun fast abgeschlossen.
Zwei hochgradig aufschlussreiche Umfragen zum Verkauf von Roberts Blog ließen jeden Psycho-Pathologen ein aussagekräftiges Bild spezifischer deutscher Internet-Neurosen erstellen. Klar könnte diese News auch im SEO-Teil stehen, aber das hier ist besser als Robert Palfrader in der Rollen des österreichischen Kaisers. Der Alpha-Fisch im Inzest-Becken kann sich auf meedia.de nicht mal ansatzweise zurückhalten - bin ich froh, dass ich das Buch von diesem feinen Herrn weder gekauft noch ein Rezensionsexemplar angefordert habe:
Die von den entsprechenden amerikanischen Blogs aufgesammelten Neuigkeiten, die Basic aufschreibt, sind relevant - die Art, wie er das tut - insbesondere sein Schreibstil - ist weitgehend unerträglich. Ich kann keine zehn Zeilen lesen, ohne Zitterkrämpfe zu bekommen, bei den Kommentaren sind es in der Regel sogar nur drei Zeilen. Man sollte aber dazu erwähnen, dass ich Robert Basic a) nicht besonders mag und ihn b) für unmutig und nicht besonders intelligent halte, vielleicht trübt das mein Urteilsvermögen über seine Leistungen ein kleines bisschen.
Aber nicht nur Lobo, auch alle anderen Befragten wollen das Blog hier nicht haben - dabei wurden lauter "Experten" befragt, die schon mal Technorati mit Google verwechseln:
Der Ruhm des "meistverlinkten Blogs" verblasst sehr schnell, denn die Links haben bekanntlich eine Verfallsdauer von sechs Monaten.
Weitaus realistischer sind die Antworten auf SEO.de ausgefallen. Klar könnte man einiges mit der Domain anfangen - und von wegen In-die-Hose-machen wegen Google Penalty: Linklift raus, Brief an Big G und die Sache hat sich nach zwei Wochen. Klar lässt sich da genug Juice rauspressen, oder es hätte gar jemand mal originell werden können und die Domain kaufen, um anschließend am Blog als Robert zu posten, dass der ganze Verkauf ein Scherz war. Boom, there go my backlinks - allein die Verkaufsaktion hat den Wert der Seite immens erhöht. Also wenn ich sonst nix zu tun hätte, dann wär mit Basicthinking mindestens eine hohe fünfstellige Summe wert gewesen - nur wie gesagt: Refinanzierung spielt's nur, wenn man den derzeitigen Rückenwind ausnutzt und die Segel vergrößert. Bin gespannt, ob das dem neuen Eigentümer gelingt - über die Chronik des Verkaufs hat Helge berichtet.
So jung das Internet im Vergleich etwa zu auf Schweineleder gepinselten Pamphleten auch sein mag, es hat bereits ein Geschichte - samt der zugehörigen schwarzen Löcher. Einige von ihnen wird phlow nun laufend schließen mit Re-Uploads der Ex-Webseite. Und ich bin sicher, dass dieseMusik fürs Wochenende auch montagstauglich ist!
Ja, ich weiß - es ist zu spät, viel zu spät. Immerhin ist es auch schon wieder vier Wochen her, dass Armin Thurnherrs Editorial "Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen" im Falter 51/2008 erschien. Aber was kann ich dafür, dass meine Zweit-Lieblingspostille nach Datum unter einem Berg von Frauenzeitschriften (die für Frauen, nicht die für Männer, in denen Frauen abgebildet sind) verborgen lag? Es geht einmal mehr um die wehleidige Klage, dass im Internet anonym jeder alles sagen darf. Die Bottom-Line des Artikels lautet also folgerichtig:
Was spräche denn dagegen, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren?
Nun, nach Meinung rechter Politiker spricht gar nix dagegen. Dass Datenschützer, die sehr genau wissen, dass sich jeder Internetnutzer im Straftatbestands-Fall leichter identifizieren lässt als etwa der Absender eines anonymen Leserbriefes, seit Jahren gegen die von Thurnherr in bester Absicht vorgeschlagene Totalüberwachung protestieren, ist die andere Seite der Medaille. Internetnutzer würden ja sowieso für nix zahlen wollen, meint der Autor:
Aber dieses scheinbare Nichtsbezahlen hat dem Internetpublikum, also uns allen, ein Gefühl vermittelt, wir bekämen diese wunderbare Welt des ungeordneten Wissens ganz und gar geschenkt. Ein irriges Gefühl, das die Musikindustrie ruinierte und als Nächstes die Zeitungsverlage kaputtmacht. Wäre egal, hätte nicht eine Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Dienstleistern (von Pornoindustrie bis Glücksspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern das Rechtsbewusstsein in zwei entscheidenden Fragen verdreht.
Erstens unterläuft das Freiheitsgefühl im Internet das Urheberrecht, also jede Form des geistigen Eigentums als illegitim. Zweites meinst dieses Freiheitsgefühl ohne den Grund der Freiheit auszukommen, dass sich nämlich Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen bekennen Sich dazu bekennen zu dürfen, war ja eine der ersten Forderungen der sich emanzipierenden Bürger.
Eine Forderung nach Vermummungsverbotverbot? Stünde der Text unter CC-Lizenz, könnte ihn die FPÖ direkt 1:1 in ihr medienpolitischen Programm übernehmen! Mein Favorit sind übrigens die "hemmungslosen Dienstleister von Pornoindustrie bis Glücksspiel". Ich denke nicht, dass Herr Thurnherr mit diesem Editorial un- oder absichtlich einen plötzlichen Gesinnungswechsel kommunizieren möchte. Ich halte es bloß für ein anschauliches Beispiel dafür, dass man nicht über neue Medien schreiben sollte, wenn man keine Ahnung von strukturell-technischen Zusammenhängen und dem grundsätzlichen medienökonomischen Paradigmenwechsel hat, den das Netz mit sich bringt. Sonst kommt so ein Platter'scher Blödsinn dabei raus.
Stereophone hat eine nette T-Shirt Collection für SEOs aufgelegt; und da der Kaufmann auf seine Affiliate-Provision verzeichnet, geht sich vielleicht sogar noch ein zusätzlicher Linbait-Slip oder eine Fahne für die Müllhalde aus.
Einen ausführlichen und lesenswerten Artikel über lukrative SEO-Portfolios hat der SEO Stratege zusammengestellt. Wirtschaftswissenschaftler kennen die Risiko-Analyse, und das hier vorgestellte Raster scheint mir sehr brauchbar:
Nichts ändert sich derzeit so schnell wie die Welt im Internet (wobei die Bankenwelt derzeit stark aufholt). Jeder, der sich z.B. mit SEO oder SEM Projekten selbstständig gemacht hat, macht sich regelmäßig auch Gedanken darüber, welches seiner Projekte auch morgen noch funktioniert. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu besitzen. Doch was genau bedeutet "ausgewogen"?
Ak22 fragt sich, ob das mobile Web denn mal irgendwann so weit ist, dass man damit ordentlich Geld verdienen kann und kommt zu dem wohl gerechtfertigten Schluss, dass dieser Bereich derzeit noch in der Nische wohnt:
In Deutschland ist Belboon eines der ersten Affiliate Networks, das sich das mobile Affiliate Marketing auf die Todo Liste geschrieben hat. Doch wie gesagt, Programme die über mobiles Advertising für einen Affiliate funktionieren sind noch sehr rar. Es lässt sich meiner Meinung nach nicht auf die breite Masse der Programme anwenden.
Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass dieser Bereich mit der Verbreitung von Smartphones in großem Stil (nach dem iPhone kommt Android) sehr schnell explodieren dürfte. Und die frühen Siedler erhalten bekanntlich immer die schönsten Grundstücke.
Wie immer ist der aktuelle Sistrix-Report zu den größten Domainverlieren mit ausgesprochen stichhaltigen Daten unterlegt und kommt zu einem Schluss, dem man unmöglich widersprechen kann:
Wer nicht regelmäßig an seiner Seite arbeitet, muss davon ausgehen, von der Konkurrenz überholt zu werden.
Karen Abad hat das vergangene Jahr in einem sehr persönlichen Video-Rückblick festgehalten - solche geradezu hypnotischen Perlen findet man eben nur auf Vimeo:
Dass man aus der Verdrehung üblicher Hip Hop Klischees einen witzigen Clip basteln kann, ist allgemein bekannt. Besonders gut gelungen ist dieser Track von MC Regular Everyday Normal Guy [via Pete]:
Und das war's auch schon wieder mit dem Rückblicken auf die vergangenen sieben Tage - danke für Ihre Geduld. Ab sofort fahren unsere Züge wieder planmäßig, wir lesen uns morgen.
Die Social Media Suchmaschine Twingly hat das Potential, zum neuen Technorati zu avancieren. Während Big T. seit Monaten mit Aktualisierungs- und Verfügbarkeitsproblemen zu kämpfen hat, haben sich die Schweden für ihre Charts einiges überlegt: endlich gibt's eine standardisierte, nach 12 Sprachen getrennte Hitparade; and guess what: datenschmutz ist auf Platz #44 in der gesamten deutschsprachigen Blogosphäre!!!
Daher erstmal ein herzliches Dankeschön an all die Stammleserinnen und -leser, die datenschmutz diesen äußerst motivierenden Erfolg ermöglicht haben. Und ein extra-großes Danke an alle, die mich in den letzten 12 Monaten verlinkt haben. Ich revanchier mich bekanntlich gerne - eine gute Gelegenheit, Backlinks abzustauben, bietet mein wöchentliches Blogistan-Panoptikum: passende Themen können derzeit via Formular eingeschickt werden. Und Gratulation an Rob - er regiert souverän die deutschsprachige .at/.ch./.de Wertung. Die gesamte und die englischsprachige Wertung führt übrigens TechCrunch an, die sich natürlich erfreut zeigen, aber auch skeptisch:
Sweden-based Twingly, not to be confused with Twing, doesn't share much about the underlying technology and only says its ranking system focuses on 'inlinks and likes among other things'. They also stress that it shows the blogosphere according to their data, and that it’s not necessarily 100% accurate. It’s a nice feature, but late in the game, and you’ve got to ask yourself how obsolete both Twingly’s and Technorati's ranking would be if Google were actually the next to introduce the next 'Google PageRank for blogs'.
In der Tat - sollte irgendwann Big G eine eigenes Blogranking pushen, würden alle anderen Listen ziemlich obsolet. Aber ds wär mit Sicherheit unter den Top 100 Blogs zu finden: denn anders als bei den dbc werden hier keine "unliebsamen" Einträge händisch entfernt. Übrigens ebenso wie bei den Twitter Charts. Um nicht falsch verstanden zu werden: jeder, der seine eigene Hitparade baut, darf daran gerne rum-manipulieren wie's im beliebt. Unsympathisch finde ich beim Popkulturjunkie allerdings, dass er nicht unbeträchtlichen Aufwand betreibt, um den Eindruck von Objektivität zu erwecken: sozusagen Hausordnung als Farce, aber andererseits auch wieder zu unwichtig, um sich drüber aufzuregen.
Aber zurück zu erfreulicheren Dingen: dass es mit einem deutschsprachigen Blog schwierig bis unmöglich sein dürfte, in die Gesamtwertung zu rutschen, zeigt sich deutlich an der Tatsache, dass nicht mal BasicThinking unter den weltweiten Top 100 vertreten ist. Englisch ist und bleibt eben die Geschäftssprache der Blogosphäre - insofern bin ich auch recht froh über meinen erfreulich anlaufenden Einstieg ins anglo-amerikanische Netz aka datadirt. Hier geht's zu Twingly's deutschsprachigen Blogcharts.
PS: Ich hab mir Twingly bislang noch nicht näher angesehen - aber die (werbefreie!) Suchfunktion macht einen mehr als brauchbaren Eindruck. Ich sag nur: Pêche Rodemaque Royal
Blognetworks ist eine meiner favorisierten Facebook-Applikationen: einerseits wirkt eine FB-App ohne Werbung geradezu verschreckend, zweitens sind bereits alle großen, wichtigen und schönen US-Blogs registriert und drittens launcht das Team ständig neue Features: aktuell in der Betaphase befindet sich das neue "Channel Flipping": man bekommt jeweils eine Blog-Story aus seine Favs präsentiert, der Click auf "read more" führt zur nächsten Meldung.
Klingt vorerst nicht besonders aufregend, macht aber Spaß und ist irgendwie eine nette Gegenthese zur Informationsflut gängiger RSS-Reader. Da man jeder Story auch ein "Daumen hoch" geben kann, tun sich für die Programmierer interessante Matching-Möglichkeiten auf - außerdem könnte man ein Widget ins eigene Blog einbauen. Jede Menge laut dudelnde Zukunftsmusik:
Check out our new super-fast way to browse news from the 7000 blogs on Blog Networks. It's not like an RSS reader, and it's different form social news sites. It's fun like flipping channels on TV. Give it a try and tell us what you think.
Derzeit gibt's für die Teilnahme noch Minimal-Requirement, aber die 15 Leser hat man bekanntlich schnell mal beisammen:
To limit the load during the beta test period, we're pulling feeds from blogs with 15+ readers only.
Wer selbst ein Blöglein betreibt, hat Blognetworks vermutlich ohnehin bereits installiert - auch als reine Lese- und Stöber-Applikation für die große Gruppe der anonymen RezipientInnen gewinnt die Software damit an Attraktivität. Nach dem Eintragen des eigenen Blogs verlangt das Programm erstmal eine Authentifizierung. Die lässt sich via Upload einer HTML-Datei auf den eigenen Webspace oder aber durch die virtuelle ehrenamtliche Erklärung von 10 Facebookern: erst danach darf man die eigenen Page mit 3 "selected Stories" ("gebenedeit unter den Postings...") behübschen und via Invites Blog Fans werben. Die Rating-Funktion dagegen steht allen frei: zwischen 1 und 5 Sterne waren auf ihren Einsatz.
Blognetworks hat einen gelungenen Start hingelegt - und ich bin wie erwähnt recht zuversichtlich, dass sich das Team hinter der Syndikationssoftware noch so einiges einfallen lässt. Der Weg zum neuen Technorati und Feedburner in Software-Union ist zwar noch weit, aber das Technorati-Monster entkommt in letzter Zeit immer häufiger... und seit sich Tante G FB einverleibt hat, scheint dort die Feed-Zeit stehen geblieben zu sein. Mybloglog dagegen erfreut sich trotz engstem Naheverhältnis zu Yahoo recht großer Beliebtheit; aber Blognetworks hat durchaus das Potential, ein bisschen Wind in den Syndikationsmarkt zu bringen. Hier geht's übrigens zur datenschmutz Page: über einen Wall-Eintrag und ein 5*-Rating freu ich mich natürlich
Ein neuer Blog-Aggregations-Services nutzt das RPC Protokoll und ergänzt die klassische Ping-Aggregation um gut durchdachte neue Features - darauf sollte kein Blogger verzichten. Peter, Betreiber des neuen Services, füllt mit seinem Projekt BlogPingR definitiv eine Lücke:
Ab sofort kann man auch den Pingservice von http://blogpingr.de anpingen. Entweder manuell (Formular) oder über die klassische XML-RPC Schnittstelle (z.B. WordPress). Andere Deutsche Services sind leider hoffnungslos überlastet und ich dachte mir deshalb, dass ich mal selbst so etwas entwickeln sollte...
Dabei belässt es BlogPingR allerdings nicht beim simplen Aggregieren und hoher Verfügbarkeit, sondern will durch verschiedene Maßnahme längerfristig die Qualität sichern:
BlogPingr.de hat seinen eigenen Crawler, der die Qualität der Zielseiten prüft und nicht-geeignete Blogs ausschließt (temp-Blacklisting). Darüber hinaus wird versucht in der Zielseite ein Thema zu erkennen und je nachdem werden die passenden Services ausgesucht, an die der Ping verteilt wird.
Mehr Informationen findet man in der API Beschreibung; besonders spannend finde ich die Idee der themenspezifischen Weiterverteilung: wenn ein solcher Service zuverlässige funktioniert, erspart er jedem Blogger die laufende Pflege einer eigenen Ping-Service Liste. Einen solchen Service zu "zentralisieren" macht absolut Sinn; ich bin gespannt, wie sich das Projekt - selbstverständlich im Betastadium - weiterentwickelt, und welche Features der Betreiber sich einfallen lässt; der langfristige Erfolg steht und fällt mit hoher Verfügbarkeit einerseits und erfolgreicher Spam-Abwehr; da Peter sich auf diese beiden Faktoren konzentriert, schaut's für die BlogPingR Zukunft meiner Meinung nach recht rosig aus.
Pingdienste nehme manuelle oder automatisierte Update-Meldungen in einem standardisierten Format entgegen und fungieren als Aggregatoren: anstatt auf den nächsten Besuch des Crawlers zu warten, lassen sich mit Pings Services Technorati, Google und Co. sozusagen in Publishing-Echtzeit über neue Artikel in Kenntnis setzen. Blog-Aggregatoren und Verzeichnisbetreiber nehmen Pings entgegen, um beispielsweise jederzeit die aktuellsten Schlagzeilen eines bestimmten Blogs anzeigen zu können.
Wer WordPress oder ein ähnliches Blog-Publishing Tool verwendet, muss seine Pings keineswegs händisch eintragen, denn die standardisierte RPC-Schnittstelle sorgt dafür, dass sich Maschinen bzw. php-Skripte ganz ohne menschlichen Zutun unterhalten - Pings sind also sozusagen die gescripteten Klatschweiber des Web 2.0. Da die meisten BloggerInnen lieber mehr als weniger Leserschaft haben, werden Ping-Services gern genutzt, um mit wenig Aufwand zusätzliche Web-Präsenz zu generieren. Vor geraumer Zeit hab ich mal eine Liste mit 65 Ping-Services veröffentlicht; eine so riesige Zahl an Pingdiensten verlängert zwar geringfügig die Publishing-Zeit... aber zumindest die wichtigsten Services sollte jeder Blogger anpingen.
Bei WordPress trägt man die betreffenden Adresse im Backend unter Settings -> Writing -> Update Services ein (respektive auf Deutsch Einstellungen -> Schreiben -> Update Services), dort gehört auch zu Eintrag zur PingR-RPC-Schnittstelle hin, welcher da lautet:
http://blogpingr.de/ping/rpc2
Ursprünglich startete der US-Anbieter als reiner Blog-Katalog ohne Aggregations- oder Community-Features. Nun haben die Betreiber der Seite eine umfassende Frischzellenkur verpasst und bieten ab sofort eigene Inhalte, Community-Features und zusätzliche Blogger-Werkzeuge an.
Sofort ins Auge stechen die "Featured Articles" auf der Startseite: mehrmals pro Woche gibt's Insider-News von alten Hasen für Neueinsteiger, natürlich wird auch ein zugehörigen RSS Feed angeboten. Im Verzeichnis sind bis dato bereits deutlich über 100.000 Blogs eingetragen; registrierte UserInnen verfügen ab sofort über ein persönliches Profil samt Avatar-Bildchen und Kommentarfunktion.
Übersicht über alle persönliches Features bietet das neue Control Panel: hier werden neue Blogs eingetragen sowie Bookmarks, Kommentare und Co. verwaltet - und neue Themes hochgeladen, denn Blogflux macht Wordpress.org mit einer eigenen Theme-Sammlung Konkurrenz, die allerdings neben WP auch neue Optiken für so ziemlich alle gängigen und weniger gängigen Blog-Publishing System anbietet.
Für Blogger, die ihre Seite via self-hosted WordPress betreiben, machen die diversen Abstimmungs- und Quiztools wenig Sinn, da sich WP via Plugins mit wenigen Mausklicks mit den entsprechenden Funktionen nachrüsten lasst - wer bei einem Bloghoster mit eingeschränkten technischen Möglichkeiten zuhause ist, darf sich über das simple Poll-Interface freuen, mit dem im Handumdrehen Umfragen erstellt und via HTML Code-Snippet ins eigene Posting eingebunden werden.
Wie bei allen großen US-Blog-Communities dominieren - nona - englischsprachige Inhalte. Aufgrund des guten Rankings der Seite kann es aber auf keinen Fall schaden, das eigene Blog ins Verzeichnis einzutragen. Und mit der gut geschüttelten Mischung aus Katalog, mybloglog und Theme-Directory könnte sich Blogflux zu einer ernsten Konkurrenz für etablierte Aggregatoren entwickeln: wer weiß, vielleicht ergänzen die Betreiber ihre Serviceportfolio beim nächsten Update um Hosted Blogs und Technorati-artige Funktionen.
Selbstauferlegter Stress, explodierende Nebenkammern und generell Selbstausbeutung bis zum totalen Zusammenbruch: so geht's allen A-Bloggern, wenn man einem aktuellen Bericht von BrandEins glaubt.
Der heutige Facts Lesetipp hat meine schlechte Meinung über brandeins nachhaltig bestätigt; schlimm und traurig, dass Marc Orchant anscheinend dank zu viel Arbeit und selbstauferlegtem Stress an einem Infarkt verschied. (Wie Meth so treffend rappt: I'm a drink this whole bottle for Old Dirty - damn it hurts and I hate it, when brothers go early.) Daraus allerdings ein Plädoyer über die Gesundheitsschädlichkeit des Bloggens an sich abzuleiten, stünde jedem Boulevard-Blatt ganz hervorragend zu Gesicht:
Der Kopf des Ganzen besteht aus ein paar Tausend Blogs, auf die der Rest der Online-Welt schielt und die so zum neuen Establishment geworden sind. "Wenn man die ganze Heuchelei über die Revolution des neuen Mediums Internet einmal abzieht", giftet Keen, "regiert die Blogger letztlich alle der Wunsch nach Einfluss und finanziellem Erfolg. Das zieht eine bestimmte Sorte Mensch an - besessen, getrieben und nie zufrieden." In Anlehnung an den übermenschlichen Helden der Arbeit aus besten Sowjet-Zeiten seien Blogger "die neue Stachanow-Bewegung". Mit einem Unterschied, so Keen: "Sie schuften sich zu Tode, aber in zehn Jahren redet kein Mensch mehr von ihnen."
Glaubt zumindest Steffan Heuer. Überhaupt scheint der Autor jeden einzelnen A-Blogger (das sind übrigens laut Artikel Blogs mit mehr als 1.000 Technorati-Backlinks) sehr genau zu kennen; das folgende Pauschalurteil dürfte also das Ergebnis jahrelanger systematischer quantitativer Studien zu sein:
Trotz der beiden Unglücksfälle fahren Maliks Kollegen weiter Vollgas, ohne groß über die Risiken und Nebenwirkungen der neuen Medienwelt nachzudenken, in der Sofort-Journalismus und unternehmerischer Erfolgsdruck das Privatleben weitgehend abgeschafft haben. Bei der dünnen Oberschicht sogenannter A-List Blogger, die Hunderttausende Leser haben und sogar Angestellte bezahlen können, verbinden sich professionelle Leidenschaft, überdimensionales Ego und Profitstreben zu einem explosiven Gemisch.
[...]
Wer es als Blogger zur Marke gebracht hat, gibt ungern zu, dass er ausgebrannt ist und beim selbst angezettelten Wettlauf nicht mehr mithalten kann.
Ja, ich würd das auch ungern zugeben, wenn ich's denn zu was gebracht hätte... aber obwohl ich überhaupt nicht Heuers A-Liste angehöre, bin ich eigentlich schon längst so ausgebrannt, dass seit drei Monaten ein php Script aus den Dark Secret Technology Labs meine Texte für mich schreibt, postet und auf Kommentare antwortet.
PS: Ich glaub, es war Viktor Frankl, der den bekannten Ausspruch "Stress is the salt of life" geprägt hat. Und ich würd mir von einem "Werbe-Branchen-Magazin" erwarten, dass man zwischen verschiedenen Personen möglicherweise sogar differenziert, anstatt A-Blogger samt und sonders als selbstzerstörerische Egomanen zu betiteln...
Heute habe ich wieder mal ein E-Mail bekommen. Das kommt nicht oft vor, daher widme ich Lauras Message gleich einen ganzen Beitrag - es geht nämlich um einen sogenannte "Blogkette", die mein bescheidenes Verständnis von Blog-Aggregation ein wenig übersteigt.
Hallo, ich bin derzeit auf der Suche nach den besten Blogs Deutschlands. Denn im Rahmen unseres Projekts "Blog-Kette" wollen wir - vielleicht gemeinsam mit dir - das größte Blogprojekt der Republik aufbauen.
Bei meiner Suche bin ich nun auf deinen Blog gestoßen, der gut in unser Konzept passen würde. Deshalb würde ich dich bitten uns zu gestatten, die Artikel deines Blogs per RSS einzulesen.
Selbstverständlich kannst du deinen Blog jederzeit wieder austragen. Du gehst keine Verpflichtungen ein und die Teilnahme an dem Projekt "Blog Kette" ist kostenlos - du profitierst sogar durch die Teilnahme:
-zusätzliche Backlinks für deinen Blog
-dein Blog wird namentlich erwähnt
-Teilnahme an Blog Kette Aktionen z.B. bei Technorati
-Linktausch mit Blog Kette BlogsÜber deine Zusage freue ich mich.
Viele Grüße
Laura, www.Blog-Kette.de
Hi Laura,
ich hab mir grad die Seite angesehen und muss zugeben: ich kapier überhaupt nicht, worum's bei der Blogkette geht. Einen About-Text, der die Idee des Projekts erklärt, hab ich nicht gefunden - unter der betreffenden URL sehe ich ein Blog mit Beiträgen über eine Münchner Reitschule, ein Fußballspiel und richtige Zahnpflege - ein Schelm könnte meinen, ihr prozessiert einfach nur eine Latte von RSS Feeds, schmeißt sie in ein Blog und fertig. Sozusagen eine Art automatisierte Social News Community mit akutem Duplicate Content Mehrwert. Vielleicht versteh ich ja was falsch - in dem Fall bitte ich um Aufklärung. Mitmachen werde ich allerdings auch aus anderen Gründen nicht können, weil ich im Eintragungsformular gerade folgenden Satz gefunden habe:
Mit dem Abschicken Deiner Informationen versicherst du, dass dein Blog keine rechtswidrigen oder pornografischen Infos und Bilder beinhaltet und, dass deine Inhalte nicht gegen Rechte oder Gesetze verstoßen. Du garantierst, dass deine Texte und Bilder frei von Rechten Dritter sind und, dass deine Inhalte auf Blog Kette eingelesen und veröffentlicht werden dürfen.
Tja... weder alle meine Texte noch Fotos sind "frei von Rechten Dritter": mein Lieblings-Portraitbild z.B. - das schwarzweiße - hat Helge gemacht. Die letzte Berlin-Gallerie ist von Bernd. Und unter dem Punkt GastautorInnen gibt's einige komplette Beiträge, die gar nicht mal von mir geschrieben sind! Und dann zitiert ich auch noch dauernd so Zeugs... nene, keine Rede von "frei von Rechten Dritter". Ich hab bloß die Publikationsrechte für datenschmutz.
Aber vielleicht versteh ich das auch alles einfach falsch... schaden könnte eine Überarbeitung des About-Textes zum "größten Blogprojekt der Republik" (welcher Republik eigentlich?) garantiert nicht!
PS: außerdem meint Jean Lafitte zu Blogketten: Nur Piroten is nix verboten!
...behauptet itstoolong. Und nachdem mein Kommentar dort trotz Captcha in der Mod-Schleife landet, kann ich das nicht unwidersprochen hinnehmen. Obwohl: schön wär's ja, wenn ich derlei über-digitale Fähigkeiten besäße - aber mir das zuzutrauen, ist nun wirklich zu viel der Ehre. Leider weiß ich wirklich nicht, wie man Analytics austrixxen sollte.
Die Überschrift Zu wenige Leser - Blogger fälscht Besucherzahlen ist wohl einer Mischung aus Gehässigkeit und mangelnder Sachkenntnis zuzurechnen. Es geht nämlich um den sogenannten Mogelversuch, der zwar schon einen langen Bart hat, aber dennoch: der Manipulationsvorwurf bezog sich auf die Technorati-Authority, was doch ein gar nicht kleiner, aber umso feinerer Unterschied ist. Wenn nun itstoolong schon nicht in der Lage ist, zwischen den beiden Parametern zu unterscheiden, dann sollte ich seinen Beitrag eigentlich nicht ernst nehmen - schad' um den nofollow-Link. Aber wie heißt's nochmal so schön in der Bibel? "Den Schweinen verbiegt der Herr ein Schaf", oder?
Und was die "zuwenigen Leser" betrifft: erstens bitteschön LeserInnen und zweitens: kann man denn wirklich "genug" BlogleserInnen haben? Also ich nicht. Zwar freu ich mich mittlerweile durchaus über die 2000+ Unique Clients am Tag, aber gegen 10k oder 100k hätt ich, um ehrlich zu sein, auch nicht das Geringste. Insofern: ja, gut erkannt, ich hab zu wenig LeserInnen. Und daran wird sich auch trotz Aufwärtstrend bei den Zugriffen nie was ändern.
...des deutschsprachigen Internet. Selbige haben 1000f gebaut - als Gegenpol zu Jans langweiliger und tendenziöser Technorati-Abschreibarbeit haben wir ja schon mal einen Gegenentwurf vorgelegt, aber dort liegt mein Blog auf dem schlaffen 35sten Platz.
In besagten ultimativen deutschen Blogcharts dagegen landete datenschmutz knapp nicht unter den Top 10 - auf Platz 11 hab ich's geschafft, gleichwohl hinter und vor sehr respektabler Konkurrenz:
Und warum ultimativ? Das verraten die Macher lieber selbst. Ganz gegen sonstige Gewohnheit zitier' ich ausnahmsweise mal den kompletten Beitrag, weil der die Idee kurz und bündig erklärt:
Hier die ersten Ergebnisse des Versuchs die 50 beliebtesten Blogs der deutschsprachigen Blogosphäre in ein ultimatives Ranking zu bringen. Mit Daten von Technorati, Google, del.icio.us, Mister Wong, Digg und metaroll, die in ein Punktesystem umgewandelt wurden, das aus drei gleichwertigen Kategorien besteht.
Die (theoretisch) maximal erreichbare Punktzahl liegt bei 1500. In jeder Kategorie werden maximal 500 Punkte vergeben. Die einzelnen Faktoren, die zusammen eine Kategorie bilden, haben unterschiedliche Wertigkeiten. Untersucht wurden z.B. neu eingehende Links in den letzten sieben Tagen / Gesamtlinks (von unique domains), die Anzahl der gespeicherten Bookmarks bei del.icio.us, Mister Wong etc., der PageRank, die Anzahl der Blogrolls bei metaroll... und weitere Faktoren, die ich aus Anti-Manipulationsgründen lieber geheim halte.
So, damit wäre alles gesagt, Hossa und juchee! Auch wenn ich schon wieder eine Armada von datenschmutz-Hatern vor den Keyboards sitzen sehe, die sich mit den neuesten Verschwörungstheorien überschlagen: "Ey Alda, der hat das doch alles nur voll gefaked!" Ja sicher Mann! Und die Analytics Zahlen gleich dazu, mir gehört nämlich das ganze Internet, seit mir Chuck Norris beigebracht, wie man durch Null teilt!
Der Gründungsmythos des Wortes Blog splittet sich in mehrere Submythen auf (Logbuch?). Wired gibt Jorn Barger dafür Credits - der Betreiber von Robotwisdom, seines Zeichens Blog-Urgestein, verwendete den Begriff erstmals am 17. Dezember 1997 - also vor genau einer Dekade. [via Frank]
Die Intention des Amerikaners war damals eine völlig andere als die der meisten kontemporären Weblog-Autoren heute: in Jorns Welt sollen kurze Bookmarktrails die eigenen Wege durchs Netz für andere nachvollziehbar machen, originärer redaktioneller Content dagegen ist weit weniger gefragt:
My intent for weblogs in 1997 was to make the web as a whole more transparent, via a sort of "mesh network," where each weblog amplifies just those signals (or links) its author likes best. 1998-1999 was for me the Golden Age of Weblogs, when the following principles were widely understood.
Blogging versteht Barger also als eine Art persönliches Social Bookmarking - eine Meta-Informationsebene fürs Web, die Google Konkurrenz macht. Das ist natürlich auch eine Meinung, und wer auf freiwillige Selbstbeschränkung steht, wird mit den folgenden 10 Geboten, die ich mal auf die Schnelle ins Deutsche übersetzt hab, gut leben bloggen können.
Andererseits finde ich's faszinierend, wohin sich Blogging in diesen wenigen Jahren entwickelt hat: ich denke, das angesprochene Amplifying ist inzwischen die Aufgabe von mehr oder weniger smarten Algorithmen: Technorati und Google können das in großem Stil, del.icio.us und Co. ebenfalls. Die redaktionelle Aufgabe des Bloggers auf Pinpointers zu beschränken, mag für manche okay sein - mich haben aber Blogs, die einfach nur Links mit dem Kommentar "great site!" posten schon immer gelangweilt. Aber urteilen Sie selbst, ich stelle die Thesen hier einfach mal übersetzt zur Diskussion (englischer Originaltext):
Mehr Infos und ganz unterschiedliche Meinungen zu den 10 Tipps des "Original Bloggers" gibt's unter anderem bei Sobleizer, Susan Mernit, J-Walk, Mark Ghosh, Technocult und Blogissues.
datenschmutz ist schon lange bei der Bloggerei registriert, nun bietet der (mir sehr sympathische) RSS-Aggregator zusätzlich eine Ping-Funktion an; wurden die Feeds bisher in regelmäßigen Abständen aktualisiert, garantiert die Ping-Funktionalität sofortige Resultate, sprich: sowie ein Beitrag publiziert wird, erscheint er auch auf der Bloggerei:
Es ist soweit, ab sofort kann jeder Blog der möchte bzw. die Möglichkeit hat seine Feeds an die Bloggerei per Ping melden, im Login der Bloggerei gibt es nun den Punkt "Ping senden" hier kann man festlegen ob die Feeds von der Bloggerei abgeholt werden sollen oder aber ob der Blog seine Feeds an die Bloggerei pingt.
Nicht zuletzt aus Spamschutz-Gründen können nur User pingen, die bereits bei der Bloggerei registriert sind und den neuen Service explizit aktiviert haben, dazu ist ein Login erforderlich:
Wenn Sie also ab sofort pingen möchten, loggen Sie sich in die Bloggerei ein, links unten gibt es jetzt den Menü Punkt "Ping senden" dort wählen Sie aus "Ja, ich Ping die Bloggerei an" und speichern die Änderung ab, als nächstes wird die Änderung von uns nochmal überprüft und Ihr Blog ist jetzt für das Pingen aktiviert.
Im zweiten Schritt muss dann noch die Ping-Adresse ins das betreffende WordPress-Feld eingetragen werden; selbiges versteckt sich im Backend unter dem Menüpunkt Einstellungen / Schreiben. Am Ende dieser Seite befindet sich ein Eingabefeld mit dem Namen "Update Services", hier wird folgende URL verwendet:
http://rpc.bloggerei.de/ping/
wichtig: der Backslash am Ende muss dranbleiben!
Damit wird die Bloggerei hinkünftig nahezu in Virilio'scher Echtzeit verständigt... denn bekanntlich ist nichts so alt wie der Blogbeitrag von vor zwei Minuten.
Eine brauchbare Erklärung findet sich in der Wikipedia: im wesentlichen handelt es sich um einen Verständigungsmechanismus. Sobald ein Blog einen neuen Beitrag veröffentlicht, lassen sich via Ping diverse Aggregations-Seiten sofort davon in Kenntnis setzen. Mittels dieses Mechanismus erfahren beispielsweise Technorati & Co. in Echtzeit, welche neuen Blogbeiträge veröffentlicht werden. Eine umfangreiche, an der Grenze zur Vollständigkeit kratzende Liste solcher Ping-Services hat goatix fürs SEO-Marketing Blog zusammengestellt; allzu sehr übertreiben sollte man's mit der Anzahl der Pingdienste freilich nicht, da exzessives Pingen die Publishing-Time verlängert und im schlimmsten Fall sogar zu einem Timeout führt. (Hört man. Meine Liste ist ziemlich lang und ich hatte bisher keinerlei derartige Probleme.)
Lässig, dass mit Blog-Parade.de eine deutschsprachige Syndikationsseite für alle möglichen Karnevalstreiben existiert. Wunderlich dagegen dünkt mich die neue "Back to the Roots Policy". Vielleicht war ja früher wirklich alles besser. (Wir waren ja nicht dabei - damals, als die E-Gitarre noch nicht erfunden war. Geschweige denn der Synthesizer.) Aber Geschichtsfälschung bleibt trotzdem Geschichtsfälschung, und dass von New School Paraden gerade die Initiatoren profitieren, kann so nicht unwidersprochen stehen bleiben, meint Dirt Bird, mein Alter Ego für solche missgelaunten Quengeleien wie den folgenden Text.
An besagtem Artikel zeigt sich eines der Dilemmata der .de Blogosphäre überdeutlich. Aber das Schöne daran ist ja bekanntlich: jedes Ding hat zwei Seiten, jede Parade zwei Enden wie die Wurst. Und weil auf Blog-Parade.de gar ein bisschen einseitig argumentiert wird, kann ich das nicht einfach so stehen lassen, wenn Michi Wöhrer schreibt:
Dann gab es Blog-Paraden, bei denen die Initiatoren zur Teilnahmebedingung machten, dass nach Abschluss der Blog-Parade jeder Teilnehmer einen weiteren Blog-Beitrag erstellen muss, in dem alle Teilnehmer-Artikel per Permalink verlinkt werden - d.h. jeder musste jeden verlinken. Ein Mehrwert für den Blog-Leser? Wohl kaum;
Kategorienfehler! Es ging nie um den Mehrwert für die Leser, sondern für die teilnehmenden BloggerInnen. Was die Leser betrifft, so würde ich aber durchaus die gar nicht so weit hergeholte Behauptung wagen, dass es für die durchwegs interessant ist, sich auch durch die übrigen Beiträge zu klicken. Aber selbst erwähnter Nutzen für den Karnevalszug wird im folgenden Absatz radikal abgestritten:
Mit 5-10 Minuten Zeitaufwand konnte da schnell mal die Technorati-Authority um einen zwei- bis dreistelligen Wert erhöht werden; den vielfach unwissenden Lesern erklärte man das ganze als "Link Love". Hauptziel einiger Teilnehmer war aber höheres Ranking bei Technorati, bessere Treffer bei Google, besseres Pagerank und damit höhere Werbeeinnahmen für Textlinks.
Was für eine Unverschämtheit! Es gibt tatsächlich fiese Blogger, die mit solchen "Methoden" ein besseres Ranking bei Google und höhere Werbeinnahmen erreichen wollen? Schmeißt diese Windbeutel alle sofort aus dem Netz! Ich bin für eine deutsche Blogzulassungsstelle: eine Gewissenskommission (ich wüsste da schon ein paar Kandidaten) prüft sechs Monate im internen Testbetrieb jedes Blog auf Motive und Sinistrizität des Autors: wenn's diesem darum geht, Besucher oder gar Werbeeinnahmen zu erzielen, dann wird das Blog erst gar nicht freigeschalten. [/satire modus off].
Also, liebe unwissende TeilnehmerInnen, ich erklär euch jetzt mal was: vom klassischen Karneval profitiert der Initiator, da er von allen TeilnehmerInnen Backlinks bekommt. Das sieht so aus:

In ihren Beiträgen verlinken die teilnehmenden BloggerInnen auf den Karnevalsinitiator (schwarze Pfeile), der linkt am Ende zurück (blaue Pfeile). Nun betrachten wir doch mal den Fall der umstrittenen Linkliste:

Zusätzlich zu den oben erwähnten Links kommen noch die gegenseitige Verlinkung (rote Pfeile). Der Endstand ist ziemlich eindeutig: in der ersten Variante hat der Initiator 3 Backlinks und jeder Teilnehmer 1 bekommen, in der zweiten Fassung dagegen erhalten alle teilnehmenden Blogs gleich viel, also in dem Fall 3 Backlinks.
Skurril übrigens, dass das jemand schreibt, der sein eigenes extrem hohes Technorati-Ranking prima causa den Backlinks in Plugins zu verdanken hat... ja ja, "Warnung vor Max Kossatz und Ritchie Pettauer", sag ich nur. So, genug Dirt Bird gespielt, but you get my point, right?
PS: Aus der Rubrik "Advocatus Diaboli": Irgendwie ja durchaus verständlich - solche exzessiven gegenseitigen Verlinkungen könnten ja plötzlich eine ganze Liga von Kleinseiten in die Mittelliga katapultieren, und ich versteh schon, dass die derzeitigen A-Blogger keinen Bock auf übermäßig Konkurrenz haben. Ob man seine Kanzelpredigten aber dafür nützt, brave Google-Schäfchen zu basteln, oder man Blogistan als ein weitgehend kollaboratives Unternehmen begreift, bleibt aber zum Glück jedem selbst überlassen.