Schon wieder Sonntag, aber das letzte Wort der Woche fehlt noch, aber keine Sorge: durch Medien-Kunstausstellungen zu mäandern hält niemanden vom Rückblicken ab, ganz im Gegenteil: zumal doch in der vergangenen Woche sich Unvorstellbares zutrug - und wir sprechen hier nicht von Dominiks neuer Aufgabe als Seitenblicke-Spielertrainer. Und diese Woche gilt: only bad news are good news! Gmail war down, das Internet gehört Google, eBook Reader sind viel zu teuer, SEO ist tot und WordPress-Installationen werden gehackt: sozusagen eine Traum-Woche für den Katastrophenjournalisten in uns. Wie immer begrüßen Sie Linzerschnitte und datenschmutz herzlichst zum Höllenritt durch sieben Tage Blogosphärenwahnsinn - dieses Panoptikum ist für Leser aller Altersstufen teilweise unbedenklich.
Unser Lieblings-Netzwerk wurde vierzig - vor vier Dekaden begannen Len Kleinrock und sein Team am UCLA mit den ersten Tests für ein Kommunikationsnetzwerk, das verschiedene Universität verbinden sollten und einen freien Informationsaustausch ermöglichen. Uneingeschränkte Partylaune will sich bei der New York Times dennoch nicht einstellen:
There's still plenty of room for innovation today, yet the openness fostering it may be eroding. While the Internet is more widely available and faster than ever, artificial barriers threaten to constrict its growth.
Call it a mid-life crisis.
Der Standard, Copycat Nr. 1 unter den österreichischen "Qualitätszeitungen", würdigt das Jubiläum mit einer würdigen Übersetzung und gibt lustigerweise als Quelle AP/APA an:
Für Innovationen ist zwar sicher immer noch genug Raum da, aber die Offenheit scheint doch zu schwinden. Vielleicht erlebt das Internet ja gerade so etwas wie seine Midlife-Crisis.
Vielleicht erlebt ja der Printjournalismus gerade seine End-of-Life Krise?
Kevin Marks' How Twitter works in theory gehört wohl zu den meist-zitierten Artikeln der Woche - bis 2007 war der Autor Head Engineer bei Technorati (und seit er für BT arbeitet, ist offensichtlich niemand mehr in der Lage, den Spider zum Arbeiten zu bewegen). Der gelernte Kommunikationswissenschaftler würde ein paar Schlagwörter samt rudimentärer Erklärung vermutlich nicht unbedingt als genuine Theorie des Micro-Blogging durchgehen lassen, aber lesenswert sind Kevins Ideen allemal:
At its heart Twitter is a flow - it doesn't present an unread count of messages, just a list of recent ones, so you don't have email's inbox problem - the implicit pressure to turn bold things plain and get that unread number down. Instead, you can dip in and out of it, when you have time, and what you see is notes from people you care about.
Okay, ich geb's zu: der rund 100 Minuten dauernde Gmail-Ausfall von letzter Woche ist mir nicht einmal aufgefallen, allerdings nutze ich Googles Kommunikationsservice auch lediglich auf meinen Homepages als relativ spam-resistente öffentliche Kontaktadresse und Durchgangsstation zu meinem "richtigen" Mailserver. Geschuldet war der eher ungewöhnliche Ausfalle laut Gmail Blog überforderten Routern:
At about 12:30 pm Pacific a few of the request routers became overloaded and in effect told the rest of the system "stop sending us traffic, we're too slow!". This transferred the load onto the remaining request routers, causing a few more of them to also become overloaded, and within minutes nearly all of the request routers were overloaded. As a result, people couldn't access Gmail via the web interface because their requests couldn't be routed to a Gmail server. IMAP/POP access and mail processing continued to work normally because these requests don't use the same routers.
Dieses Szenario wird sich laut Google nicht mehr wiederholen, veranlasste aber Joe Kissell auf Macworld.com zu einem Lob des Desktop-E-Mail Clients. Grundsätzlich teile ich ja Joes Meinung, aber dieses Argument bestätigt durchaus totgeglaubte Vorurteile gegenüber Mac-Usern:
I'll still take a desktop e-mail client (such as Apple Mail, Microsoft Entourage, or Mozilla Thunderbird) any day. Why? Well, there is the issue of outages like the one Gmail experienced this week. I like to be able to access my e-mail whenever I want.
Man fühlt sich versucht, ins Kontaktformular zu schreiben: "It's in the server, st00pid!" Im Zeitalter des mobilen E-Mail Zugangs macht Pop3 einfach keinen Sinn mehr - und wenn die Gegenstelle, spricht der Mailserver, nicht mehr will, dann hilft auch der beste lokale Client nicht weiter... aber meist ist bloß ein bisschen Geduld gefragt, also nicht gleich ausfreaken, wenn mal ein paar Minuten nix geht, meint JK:
I heard all kinds of complaints when Gmail went down. People saying that email service X would never go down like that. Or others saying that Google OWED us to keep Gmail up and running. Give me a break, stuff happens. When I was in the corporate world it was oh, so common to hear employees at some large company or another wandering down the halls claiming that "email is down again." And this is the fancy corporate Exchange Server that only has to keep their own employees working. Stuff happens.
199$ klingen nicht gerade nach Luxusgegenstand – so viel kostet Sonys neuer eBook Reader bei Amazon.us. Aber das ist den meisten potentiell digitalen Leseratten immer noch viel zu teuer, wie eine aktuelle Studie von Forrester Research belegt:
Even among frequent readers with a household income above $75,000, current prices put e-book devices firmly in the expensive luxury category. Forrester's survey of 4,700 online consumers in the U.S. found average consumers believe the value of e-book readers to be between $50 and $99, well below the cheapest reader on the market today. Only 14 percent of consumers said that prices of $199 or higher fall even within the "It’s expensive but I might consider it" range, according to Forrester.
Da liegt der Gedanke an die Preisstützung beim Handy natürlich nahe: wenn digitale Inhalte über Abos vertrieben werden sollen, dann brauchen die Lesegeräte allerdings mindestens WiFi, wenn nicht gar UMTS oder zumindest EDGE - die meisten derzeit verfügbaren Reader lassen sich allerdings bloß per USB-Kabel mit Lesestoff füttern. Wird wohl doch noch ein paar Wochen dauern, bis die Mediaprint-Druckerei völlig arbeitslos wird.
John Andrews trifft wie immer den Nagel auf den Kopf, wenn er die Markt-Dominanz von Big in G in einem aktuellen Posting thematisiert:
Eric Schmidt, the guy who thinks Wikipedia is the greatest gift to mankind ever created by man, has web publishers (and domain owners) in his cross hairs. If Google succeeds, no one needs a domain name and no one needs to create a brand. They just need to submit to Google, and then, perhaps if Google has not completely satisfied the users with "the answer", provide a way to be contacted or a server IP for a web site for further reading (perhaps through the Google Profile conduit).
Diese technologische Total-Abhängigkeit zeichnet sich schon längst am Horizont ab - das Beispiel China zeigt, wie perfekt sich Suchtechnologie und Kontrollbedürfnis vereinbaren lassen. Google gestaltet unsere Vorstellung vom Netz, das schlichte Eingabefeld wurde zu unserem Haupt-Interface bei der Informationserschließung - schon jetzt bestimmt ein einzelner Gatekeeper über Quellenrelevanz. Was John zu seinem Posting veranlasst hat, war dieses Zitat von Eric Schmidts über die Zukunft seiner Suchmaschine auf TechCrunch:
So I don't know how to characterize the next 10 years except to say that we’ll get to the point - the long-term goal is to be able to give you one answer, which is exactly the right answer over time... what I’d like to do is to get to the point where we could read his site [the definitive authority on a particular searched query] and then summarize what it says, and answer the question.
Mit anderen Worten: Eric will das Web abschaffen und alle öffentlichen Webseiten dieser Welt zu Zulieferern degradieren. Schöne Aussichten... das wär's dann mit dem Thema "Meinungsvielfalt", wenn man bedenkt, dass schon jetzt 90% aller Suchen über einen einzige Anbieter laufen.
Jeremy hat völlig Recht: wer als SEO seine Arbeit nicht klar rechtfertigen kann, hat bald keinen Job mehr. Die Aura des Mysteriösen ist verflogen, gutes Linkbuilding ist ebenso mühsam wie teuer, und mit simplen Tricks kommt man nicht mehr weit - was die Arbeit auch unglaublich öde macht, denn schlecht positioniert sind nur noch Seiten mit gravierenden technischen Fehlern oder gravierendem Fehlverständnis für den Keyword-Longtail:
SEO Agencies providing client work are a dying breed. Especially when any monkey can have wordpress or any other CMS system up and running in 5 minutes and totally SEO'd as much as needed.
Noticed a trend it what dominates most search results lately? Wikipedia and wordpress blogs. How many SEO’s do you think they hired ? =P
Tja, waren ein paar lustige Jahre, und es kann nicht schaden, zu wissen, wie man eigenen und Kundenseiten das gewisse Extra an SM-Traffic verschafft... aber warum man seinen Berufsalltag freiwillig mit Linkbuilding verbringen wollen sollte, ist mir ein Rätsel
Runde Ecken via CSS? Zukünftig alles kein Problem mehr... oder doch? Die Versionsumstellung bringt nicht nur mehr Programmier-Komfort, sondern auch einige gravierende Neuerungen, die David Eisenberg auf A List apart übersichtlich inklusive weiterführender Links zusammenfasst. Trial und Error bleibt ambitionierten Webdesignern natürlich nicht erspart:
By doing this, you'll find out what works and what doesn't. For example, I discovered that, as of this writing, Firefox 3.5 treats elements like article and section as display:inline, and I had to explicitly set them to display:block to make them work as expected.
Eine der wohl wichtigsten Änderungen sind die neuen Strukturierungselement: während man bisher mit verschiedenen div-KLassen arbeitete, bringt HTML5 diverse dezidierte Block-Elemente wie "nav" (für die Navigation), "footer" und "article" mit, die Lachlan Hunt in diesem Beitrag im Detail beschreibt. Interpretiert wird der neue Mark-Up Standard derzeit von Chrome, Firefox 3.5, Opera und Safari - Microsofts IE übt sich bislang in vornehmer Zurückhaltung, was die Verbreitung wohl ein wenig bremsen dürfte.
Unliebsame Eindringlinge gibt's nicht nur im richtigen Leben: auch virtuell mussten sich in den letzten Woche und Monaten einige Blog-Betreiber über ungebetene Gäste ärgern - die Ursachenforschung ergibt in 99% der Fälle hochgradig monokausales Verschulden: denn sobald ein sicherheitskritisches WordPress-Update auftaucht, sollte dieses so zeitnah wie möglich installiert werden: ist eine Sicherheitslücke erst einmal bekannt, dauert es in der Regel nicht lange, bis sie nach Strich und Faden ausgenützt wird. Das WordPress Blog rät aufgrund eines aktuell grassierenden Wurms nachdrücklich von Laissez-Faire Taktiken ab:
A stitch in time saves nine. Upgrading is a known quantity of work, and one that the WordPress community has tried its darndest to make as easy as possible with one-click upgrades. Fixing a hacked blog, on the other hand, is quite hard. Upgrading is taking your vitamins; fixing a hack is open heart surgery. (This is true of cost, as well.) [...] The only thing that I can promise will keep your blog secure today and in the future is upgrading.
Dem kann man nur zustimmen - es gibt zwar diverse Security-Plugins, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht: also lieber nicht slacken und sofort den ftp-Client oder die automatische Update-Funktion anwerfen, denn Vorsicht ist in diesem Fall definitiv besser als Nachsicht. [via ma.tt]
Bei diesem hübschen Kerlchen handelt es sich um einen blauen Pfeilgiftfrosch, den Tambako im Züricher Zoo mit seiner 105er Makrolinse zu einer Modelling-Session überreden konnte. Ich glaub, ich muss demnächst mal nach Zürich. Und: ob blau, ob grün: Frösche sind einfach verdammt fotogen! Vielleicht sollte ich diese Rubrik in "Froschfoto der Woche" umbenennen.
Walter5.15 produzierte, führt Regie und schnitt diesen Kurzfilm - gedreht wurde im National Black Theatre in Harlem, das gesamte Set hat das Team selbst gebastelt: visuell ziemlich nett, vielleicht ein bisschen länger als nötig - aber insgesamt sehr stimmig:
http://www.vimeo.com/5569709Schön, wenn es einem so gut geht, dass man sich über Ernährung Gedanken machen kann. Manche von uns werden von der Kinesiologin ihres Vertrauens auf eine Beinahe-nur-Wasser-Diät gesetzt, andere lassen sich auf TCM ein und beschäftigen sich seitdem mit den wunderlichen Welten kühlenden und hitzebringenden Nahrungsmittel - die meisten von uns haben lange genug an ihrer Frustrationstoleranz gearbeitet um die Freuden verzögerter bzw. "nachhaltige" Gratifikation zu schätzen. Doch manch rebellischer Jungspund steht noch für seine Ideale (Speck!) ein und lässt sich von nichts und niemandem etwas sagen, schon gar nicht, solange er schneller als die Ernährungberaterin auf ihren "little high heels" ist.
How to increase Retweets on your TweetsDas waren unsere letzten sieben Tage im Schnelldurchlauf - wir danken für Ihre Whuffies (so nennt Tara Hunt die Währung der Aufmerksamkeit), bleiben Sie uns gewogen und schauen Sie nächste Woche wieder rein, wenn es heißt: "Artisten, Tiere, Attraktionen: alles virtuell". Wir wünschen einen schönen Restsonntag und poken uns morgen im Social Web.
Überschätzungen, Unterschätzungen, grobe und feine Schätzungen: wenig Genaues weiß man. Während sich der eine übers tausendste Mash-Up freut, warnt der andere vor blinder Technikverliebtheit. Aber das Netz lebt bekanntlich von Gegensätzen, also keine Scheu: treten Sie ein zum kleinen geführten Wochenrundgang durchs Social Web - Judith Denkmayr aka Linzerschnitte und datadirt präsentieren das Web 2.0 Ereignisprotokoll der letzten 168 Stunden.
Und wir sprechen hier nicht von Bing oder Yahoo Search. Nicht mal von Cuil - da hätte Stephen mal lieber bei Mathematica bleiben sollen. Aber Wired meint, es gibt sie doch - die coolen Suchmaschinen:
For this article, we surveyed some 50 specialty search services and picked out our favorites. What follows is not a systematic ranking or review, but a general guide to a very vibrant world that few have bothered to explore in depth.
The variety of search startups is mind-boggling, and hints at the challenges Google may face staying on the bleeding edge of search innovation in the coming years. (There’s even something for micro-philanthropists: Good Search donates a penny to the charity of your choice for each search you run.)
Wer also trotz aller Variationen das Big-G Logo einfach nicht mehr sehen kann, der werfe eine Blick auf IceRocket, Scoopler, Collecta und Co.: da gibt's einiges an guten Ideen, aber eben ziemlich weit-verstreut.
Ergänzend zur letzten Woche hier der Link zum Audiobook Free von Chris Anderson, das konsequenterweise ebenso wie das eBook als Gratis-Download erhältlich ist.
Wer schon mal Moorhuhnjagd gespielt hat, dem wird Die Fail Whale! auf Anhieb bekannt vorkommen. Gefragt sind ein flinker Mauszeiger und der richtige Rhythmus - wer nicht aufs Nachladen vergisst, sollte es durchaus schaffen, meinen bescheidenen Score von 33 Walen zu toppen, oder?

PS: Allein schon die Fake-Testimonials sind definitiv einen Besuch der Seite wert, z.B. Michael Arrington, TechCrunch: "I offered to trade this game for my website, but Die Fail Whale said no. Now I'm sad."
Eine interessante Theorie über Facebook veröffentlichte diese Woche Fred Vogelstein im Wired Magazine. Im Hause Facebook sah man niemals andere Social Networks als Benchmark, sondern ausschließlich Google. So erzählt ein früherer Programmierer von Facebook:
We never liked those guys. We all had that audacity, 'Anything Google does, we can do better.' No one talked about MySpace or the other social networks. We just talked about Google.
Darum bekam auch Microsoft den Zuschlag als Investor. Fred Vogelstein erklärt außerdem noch den "4-Stufen-Plan zur Online Domination" von Facebook:
1. Build a critical Mass (mit 200 Millionen FB-Mitglieder kann man diesen Punkt für nahezu abgeschlossen betrachten)
2. Redefine Search (Facebook geht davon aus, dass FB Mitglieder auch eine Facebook Suche nutzen würden)
3. Colonize the Web (Facebook Connect bildet dazu den Ausgangspunkt und wird bereits von über 10.000 Partner Sites benutzt)
4. Self targeted Ads, everywhere (Facebook hoffe, eines Tages nicht nur auf der eigenen sondern auf allen Partner Sites werben zu können)
Nun, man darf gespannt sein, ob Mark Zuckerbergs Plan aufgeht - schließlich sollte Mark die Stromrechnungen früher oder später nicht mit Investorengeld, sondern mit laufenden Einnahmen finanzieren.
Steve Rubel fordert zum kollektiven Mind-Mappen auf - er möchte wissen, wie's um die Zukunft des Bloggens bestellt ist. Ohne Zweifeln nehmen Social Networks, Microblogging-Dienste und andere Services immer mehr Surfer-Zeitbudget in Anspruch - wie wirken sich die Änderungen auf Blogs aus? Was vor drei Jahren noch super-schnell News waren, lahmt im Twitter-Zeitalter ganz gewaltig. Steve sieht die Sache übrigens recht binär:
From my point of view, blogging's future will likely flow down one of two paths: either it will evolve and grow into something else (like many species have) or it will succumb to Darwinism and become extinct (like the Dodo). Let’s take a closer look at each. We’ll also give you the chance to add your own opinion to our mind map.
PS: es gibt 10 Arten von Usern: die, die das Binärsystem kennen, und jene, die es nicht kennen.
What is a Browser? Newsfeed, Sharefeed, Livestream, Aggregator, Plugin, Extension, Firefox, Spreadsheet, Poke/n, SEO/SEM, Backlinks, RSS, Feedreader, Tweet, Gadgets.... Die meisten Leser dieses Blogs kennen diese Begriffe, manche von uns werfen sogar oft und gerne mit diesen Begriffen um uns. Aber eine elaborierte Soziolekt grenzt bekannterweise nicht nur ab, sondern auch aus. Ji Lee von Google (Trackback http://pleaseenjoy.com/) zeigt in diesem Video am Beispiel des good old "Browsers", wie weit der Großteil der Menschen wirklich mit der Netz-Fachsprache vertraut ist:
Da offensichtlich die wenigsten Menschen wissen, was nun eigentlich ein Browser ist (noch weniger, was Google Chrome ist), stellt sich die Frage, ob die frommen Wünsche von Eric Schmidt sich erfüllen werden. In einem Interview mit bloomsberg.tv meinte er nämlich, auf die Frage, wie viele Menschen das neuen Betriebssystem Google Chrome OS verwenden werden:
We don’t have numbers, we know it will be millions.
Abermals bleibt nur zu sagen: Man darf gespannt sein.
David Golumbia ist ein Ketzer. Ein Abtrünniger, der im Mittelalter leicht hätte auf dem Scheiterhaufen landen können bei so viel Devianz von der Mainstream Meinung - näher betrachtet hat sein Kommentar zur Rolle des Microblogging-Vögelchens im Iran-Konflikt aber durchwegs was für sich:
Ich bezweifle, dass Twitters Wirkung für die Proteste wirklich so großartig war, wie viele Leute das gerne hätten. Vielleicht handelt es sich einfach nur um Werbung für Twitter.
Der Kulturkritiker und Programmierer bezeichnet sich selbst als "von marxistischen Denkweisen beeinflusst" und wirft der Netzgeneration allzu starke Technikverliebtheit, die den Fokus aufs Wesentliche verstelle, vor:
Genau genommen hat der starke Fokus auf den technischen Aspekt die ernsthafte Debatte über das, was wirklich geschieht, sogar gestört. Die Technik-Fans glauben, dass man soziale Probleme mit digitalen Mitteln lösen kann. Nur die allerwenigsten beschäftigen sich allerdings mit den komplexen sozialen Problemen, für deren Lösung man neue Ideen benötigt.
Den Rest des äußerst lesenswerten Interviews, das Johannes Boie mit David Golumbia geführt hat, gibt's in der Süddeutschen.
Ein sogenannten "Lifestream" fasst die übers Social Web verstreuten Kommentare, Uploads, Likes etc. eines User an zentraler Stelle zusammen - ich verwende dafür das Lifestream-Plugin von iBegin, das den Feed in der rechten Spalte auf der Startseite generiert und bin mit dieser Lösung sehr zufrieden - allerdings benötigt man dazu eine WordPress-Installation als Host. The Next Web stellt in einem lesenswerten Beitrag sechs verschiedene Lösungen - vom Full-Service Provider bis zum Self-Hosted-CMS - vor, bei denen jeder fündig werden sollte.
Thomas Knüwer wäre bei einer Vodafone-Pressekonferenz gegen seinen Willen beinahe erleuchtet worden, als man ihm erklärte, dass zukünftig der Kunde, eine wahrer "Held des Alltags", im Mittelpunkt stehen werde. Ein Musterbeispiel an Buzzword-Dropping und Pressekonferenz How-Not-To:
Das Bild, das sich bot, war erschreckend. Denn die Veranstaltung war in einem Anfall von Tanja-Anja-Coolness in einen Truck verlegt worden, in dem als Sitzgelegenheiten rückenbeugende Hocker vorhanden waren, auf denen nun die Journalisten - weil sie ja mitschrieben - ein Bild von eifrig notierenden, devot buckelnden Schreibknechten boten.
Dies allein war schon schlimm. Noch fürchterlicher wurde es durch die nicht enden wollende Flut dümmlicher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich warfen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik.
Schon mal vom Klo aus getwittert? Nein ?! Dann sind Sie auch kein Twitter Addict! Oder doch? Sinnfreie aber lustige twitter-related Webapp der Woche: How addicted to Twitter are you?
The Punisher nennt Chris Rooker dieses großartige Foto seines VW-Busses. Antropomorphismus in Reinkultur
Auf FlickR gibt's auch eine zweite, weniger stark bearbeitete Version des Bildes:

Es gibt zu wenig Katzenvideos im Internet. Denn es kann nie genug davon geben.
Klappe die erste! Die subtilen Nuancierungen so mancher Jobs werden von der unwissenden Allgemeinheit nur allzu leicht unterschätzt - wie dieser Clapper zu berichten weiß:
Und damit sind wir auch schon wieder bei der letzten Kammer des dieswöchigen Shaolin-Kurses angelangt - nächste Woche, hochverehrte Leserinnen und Leser, gibt's hier auf datenschmutz nicht nur die gewohnten Tiere und Artisten, sondern auch Gewinnspiel-Sensationen im Doppelpack. Einen schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!
Interviewer: "Wenn ich Sie richtig verstehe, muss man dieses Paradigma, salopp gesagt, über den Haufen werfen, weil schon die Idee, dass der Beobachter, der Forscher, außen steht und etwas von außen anblickt, nicht zu halten ist. Versteh ich Sie da richtig?" Ernst von Glasersfeld: "Keine Frage!" Unbedingt sehenswertes Interview mit einem der beiden Großmeister des radikalen Konstruktivismus.
Übrigens: der Radikale Konstruktivismus existiert lediglich in der Vorstellung von Chuck Norris. Und da Chuck Norris unbesiegbar ist, kann man sich den gar nicht so komplizierten, sondern genau genommen bloß ehrlichen Erkenntnistheorie schwerlich entziehen, finde ich. Zur Einführung empfehle ich Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners: Gespräche für Skeptiker - dieses Protokoll mehrere Unterhaltungen zwischen dem Wissenschaftsjournalisten Bernd Pörksen und Heinz von Foerster, der mich immer wieder aufs Neue nicht nur als brillianter Denker und wegweisender Forscher, sondern auch als einer der begnadetsten Didaktiker des 20. Jahrhunderts beeindruckt.
Frage an Radio Eriwan: Was ist konservativer Feminismus? Antwort: wenn Alt-Bundeskanzler Kohl Alice Schwarzer Rosen schickt. Contradictio in adjecto? Nein, sagen die Herausgeber der "Stichwortgeberinnen": Carmen Wappel, Peter Danich, Dietmar Halper und Christian Sebastian Moser haben 14 Frauen aus Politik und Wirtschaft portraitiert. Das Buch erschien in der edition noir, hat aber trotzdem einen grünen Umschlag - Verwirrung allenthalben, die sich aber schnell klärt, wenn man einen Blick auf die Portraits von Angela Merkel, Maria Schaumayer, Schester Maria Restituta oder Ursula Plassnik wirft: es handelt sich um eine Art ideologischen Leitfaden zur ÖVP-Frauenpolitik. "Alice Schwarzer ist eine konservative Feministin, liberal-konservativer Feminismus steht für gute Manieren und ökonomische Selbstermächtigung" - ich freue mich schon sehr auf Diskussionsbeiträge zu dieser Story! Von Mao habe ich drei Exemplare zum Verlosen bekommen und ich habe mit ihm ein Interview geführt, das genausogut in der Emma erscheinen könnte
Achtung, hochverehrte junge Leserin: falls Sie bislang ziellos durchs Leben irrten, dann dürfen Sie sich dieses Gewinnspiel keineswegs entgehen lassen:
In 14 Portraits werden eroflgreiche Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und den neuen sozailen Bewegungen vorgestellt. Die Stichwortgeberinnen zeigen jungen Frauen positive und visionäre Rollenmodelle. Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karriern. einzuschlagen - Vorbilder gibt es dank der Stichwortgeberinnen ab jetzt genug. Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.
Wer gewinnen möchte, teilt dies via Kommentar mit - es gelten dieselben Teilnahmebedingungen wie immer, sprich: wer das Gewinnspiel ankündigt (Blog, soup, Tumblr, Twitter...) und/oder datenschmutz-Fan auf Facebook wird und mich dies im Kommentar wissen lässt, erhält ein Extra-Los, das Gewinnspiel endet am 7. September.
"Ich würde Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen", sagt Christian Moser im Interview. Ob die Gründerin der Emma dem wohl zustimmen würde? Mehr knackige Aussagen zum Thema Frauen, Rap und der ganze Rest im folgenden Interview - ohne Maulkorb und dritten Boden: denn in Zeiten wie diesen muss man über jeden Beitrag zur Wahlorientierung froh sein...
ritchie: Dem Projekt, eine konservative Textsammlung feministischer Lebensentwürfe zusammen zu stellen, wohnt eine gewisse Schizophrenie inne - etwa vergleichbar mit einer Onthologie über die Rolle psychoaktive Drogen in völlig abstinenten Religionsgemeinschaften. Und zwar deshalb, weil Feminismus - zumindest im nicht biologischen Sinne - ein ganz klar links-ideologisches Konzept darstellt, was auch der Klappentext fast rechtfertigend gesteht: "Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist." Warum der plötzliche Versuch einer Umdeutung? Die ÖVP steht doch für traditionelle Mann-Frauen-Rollen, die mit dem Konzept des Feminismus völlig unvereinbar sind? Kann man sich denn auf gar keine unverrückbaren Positionen im politischen Spektrum mehr verlassen?
Christian Moser: Also wenn ich mir Bruno Kreiskys Begründung zur Ablehnung von Hertha Firnberg vergegenwärtige, wäre es mir neu, dass Feminismus etwas linkes ist. Machotum und Sexismus sind nicht links oder rechts, sondern Persönlichkeitsdefizite. Wenn Feminismus für Zwangsquoten und von Steuergeldern alimentiertes Moralisieren steht, ist er sicher links. Wenn Feminismus für ökonomische Selbstermächtigung, Höflichkeit und gute Manieren steht, ist er mit Sicherheit bürgerlich liberalkonservativ.
In einer Gesellschaft ohne Traditionen kann konservativer Feminismus nicht mehr heißen, untergegangenen Weltbildern nachzutrauern. Bei einer Frauenerwerbsquote von über 70 Prozent und Scheidungsquoten von mehr als 50 Prozent gibt es keine traditionelles Mann-Frau-Rollenbild mehr, schon seit den Siebziger des letzten Jahrtausends nicht. Im Unterschied zu damals kommen Familien ja auch nicht mehr mit einem Einkommen aus. Der nächste Schritt heißt jetzt, Vater-Sein in der Gesellschaft als sexy und erstrebenswert zu verankern. Brad Pitt hat da einiges an Pionierarbeit geleistet. Frau von der Leyen hat sicher recht: Es ist eine Witz, dass Frauen und Männer sich noch immer für Karriere oder Kinder entscheiden müssen. Kinder und Karriere als natürliche Symbiose und Einheit zu begreifen ist das Kernanliegen eines konservativen Feminismus.
?: "Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karrieren einzuschlagen - Vorbilder gibt's dank der Stichwortgeberinnen jetzt genug", sagt der Klappentext. War das vorher anders? Oder anders gefragt: was unterscheidet die ÖVP-Vorbildnerinnen von den Heldinnen der Arbeiterklasse?
!: Zur besseren Illustration möchte ich das mit einem Vergleich aus der Rapwelt verdeutlichen: Bürgerliche Frauen argumentieren wie Kit Kat oder Missy Elliot über ökonomische Selbstermächtigung und die Schönheit, eine Frau zu sein, grüne Frauen rappen wie Lady Bitch Ray und Texta ohne Flow und rein akademisch von oben herab und haben keine Ahnung, wie der Alltag der meisten Menschen aussieht und sozialdemokratischer Feminismus klingt wohl am ehesten wie Mieze Medusa : immer leicht neben dem Takt. [AdB - Anmerkung des Bloggers: Ich distanziere mich hiermit deutlich von der Aussage, dass Lady Bitch Ray keinen Flow hat.]
Konservativer Feminismus hat ja auch was mit Style, Ästhetik, Mode, Weiblickeit und ökonomischer Selbstermächtigung zu tun. Es ist seit jeher ein konservatives Anliegen, dass mehr Frauen als selbständige Karrieren machen. Und wenn eine Dame gerne High Heels trägt, ist das nicht sofort eine strukturelle Ausbeutung. Linker Feminismus hat für mich immer was mit Blockwärtermentalität und Sinnesfeindlichkeit zu tun. Und was noch erschwerend hinzukommt: Linke Feministinnen argumentieren meistens mit Steuergeldern alimentiert (wie viele linke Feministinnen gibt es, die in der Privatwirtschaft ihr geld verdienen?) und mit moralischem Impetus, auf der richtigen Seite zu stehen. An diesem hohepriesterlichen Moralingeseier wird die Welt sicher nicht genesen. Für bürgerliche Feministinnen sind hingegen getting paid und ökonomische Selbstermächtigung zentrale Kategorien. Quoten sind aus konservativer Sicht leistungsfeindlich, wir betrachten Frauen nicht als extra förderungswürdig.
?: Elisabeth Noelle-Neummann, die du im Buch protraitiert hast, kennen wir beide aus dem Studium der Kommunikationswissenschaft. Die Erfinderin der "Schweigespirale" war für mich immer eine der überzeugtesten Anhängerinnen einer "objektiven" Wissenschaft, die eine konstruktivistische Weltsicht sicherlich scharf verurteilt hätte. Am Ende des Kapitels folgen einige ihrer Zitate, die für mich - pardon, Frau Noelle-Neumann - fast nach Satire klingen wie "Die Demoskopie kann schreiben, was sie will, sie ändert doch nichts an den Realitäten" oder "Aussagen über alle sind nicht Aussagen über jeden". Warum hast du gerade sie ausgewählt als Rollenmodell für kontemporäre junge Kommunikationswissenschaftlerinnen? Wäre da eine Sherry Turkle, die sich mit komplexen Gender-Konstruktionen in Medien auseinander setzt, nicht ein lohnenderes Studienobjekt gewesen?
!: Noelle-Neumann hab ich vor allem wegen ihrer herausragenden Entrepreneurskills ausgewählt. Sie hat ja ihre erste Firma in einer Garage gegründet. Was Frau Neumann darüber hinaus interessant macht, sprichst du mit deiner Frage an: in ihrem Werk und in ihren Büchern ist sie meist eben nicht straight objektivistisch, sondern lappt immer wieder mal ins Esoterisch-Metaphysische ab. Sie weiß eben genau, dass sich die soziale Wirklichkeit nicht a la Comte rein mit Positivismus deuten lässt, eine so verstandene Sozialwissenschaft artet meist in wenig ergiebiger Materialhuberei aus. Das Transzendente und Irreale sind ja zentrale Kategorien für das konservative Weltbild, die Reduktion auf materialistische Kategorien ist ja eine Reductio ab absurdum aus dem linken Theorielabor, die viel Leid und Totalitarismus in die welt gebracht hat.
?: Das knappe Vorwort suggeriert, dass die allfällige Benachteiligung von Frauen einzig und allein auf das bisherige Fehlen von Rollen-Vorbildern zurück zu führen sein. Wie haben nicht-konservative Feministinnen bisher auf das Buch reagiert?
!: Im Standard und im Deutschlandfunk gab es recht positives Feedback. Ich hoffe, dass es noch weitere inhaltliche Auseindersetzung geben wird.
?: Siehst du Alice Schwarzer auch als konservative Feministin?
!: Klar würde ich Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen: sie tritt für Entscheidungsfreiheit ein und für den freien Willen, nein zu sagen. Mit ihrem entschiedenen Eintreten gegen Pornographie vertritt sie zudem eine genuin konservative Position.
?: Du sagst oben weiter, dass High Heels nicht gleich strukturelle Ausbeutung bedeuten müssen. Wie geht das mit einem generellen Porno-Verbot zusammen? Denkst du, dass Michaela Schaffrath oder Dolly Buster strukturell ausgebeutet wurden? Oder anders gefragt: gibt es außer moralischen Gründen noch andere, um Pornographie abzulehnen, sofern es sich bei allen Beteiligten um "consenting Adults" handelt?
!: Schwierige Frage nach den consenting Adults. Pornographie, die Frauen freiwillig machen bzw. als emanzipatorisch sehen, halte ich selbst schon für einen patriarchalen Mythos bzw. männliches Wunschdenken. Sex zu verkaufen ist einfach kein ethisch nachhaltiges Investment, ähnlich wie der liberale Konservative an der Börse keine Waffenfabrikanten handelt, wird er auch versuchen, Pornographie nicht zu konsumieren und zu fördern. Das heißt, dass jeder Mann/Frau in seinem Umfeld versuchen sollte, aktiv gegen Pornographie einzutreten.
Manche Bücher ergänzen sich so perfekt, dass sie eigentlich nur im Doppelpack verkauft werden sollten. Sasha Walleczeks Abnehmfibel und Chocolat: Sinnliche Verführung
etwa. Gerade hab ich wieder ein solches perfect match entdeckt - dank meiner alten Angewohnheit, immer mindestens 20 Bücher gleichzeitig zu lesen, dabei aber durchaus skurrile thematische Schwerpunkte zu setzen, bin ich im Rahmen meiner dissertationellen Beschäftigung mit brauchbarem Theoriefutter nämlich bei der Spieltheorie gelandet und ziehe mir gerade den Klassiker "Spieltheorie für Einsteiger" von Dixit und Nalebuff rein. Zugleich les ich allerdings auch ein wunderbares Büchlein von Simon Lovell: "How to cheat at everything. A con man reveals the Secrets of the Esoteric Trade of Cheating, Scams and Hustles" und, sozusagen das Gegenstück für Realitätsverweigerer "The Complete Idiot's Guide to Gambling like a Pro".
A con man reveals the secrets of the esoteric trade of cheating, scams and hustles. (in etwa: Ein Ex-Knacki gibt die Geheimnisse der esoterischen Kunst des Schwindelns, Betrügens und Täuschens preis.)
Dieses Büchertripel deckt das Thema Glücksspiel wirklich ausreichend ab - ich spiel ja aus Unterhaltungsgründen ganz gern eine Runde Poker, aber wie man auf Automaten, Bingo und ähnlichen Bullshit reinkippen kann, wird mir ewiglich ein Rätsel bleiben. Warum man das nicht tun sollte, ist mir nach der Lektüre von Simon Lovells wunderbar ironischem Standardwerk nun aber umso klarer: von klassischen Taschenspielertricks über diverse "manipulierte" Jahrmarktsbuden bis hin zu den Tricks professioneller Karten-Zinker beschreibt der Autor ein breites Spektrum gängiger Betrugstechniken. Sogar die üblichen Ketten-E-Mails der Sorte "Get rich quick" kommen vor. Protagonist des Buches ist Freddy, ein fiktiver Freund des Autors und quasi die Quersumme aller Betrüger dieser Erde. Wer Ambitionen hat, selbst mit Grips und Tricks statt Waffengewalt Kasinos auszunehmen, den wird das Buch allerdings enttäuschen, denn es macht schnell klar: Betrügen ist eine Kunst, die viel Fingerfertigkeit, lange Übung, ausreichende Kaltblütigkeit und ein Exit-Szenario verlangt. Allerdings wird man nach der Lektüre unweigerlich kein leichtes Opfer gängiger "Scams, Cheatings and Hustles" sein.
Nalebuffs und Dixits Klassiker der Spieltheorie ist bei einem breiten Publikum auf Anklang gestoßen: Mathematiker, Wahrscheinlichkeitstheoretiker, Strategen und Spieler haben das Werk gelesen, das jedem Interessierten ohne großes Vorwissen die manchmal verblüffende Welt der Spieltheorie nahebringt. Der Untertitel Strategisches Know-How für Gewinner verrät einiges über den Claim: viele Entscheidung des täglichen Lebens können mit Hilfe der Spieltheorie analysiert werden, Ziel ist immer, das günstigste Exit-Szenario (entweder für den Spieler selbst oder für alle Beteiligten) zu finden. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Gefangenendilemma. Das Problem der Spieltheorie besteht kurz gesagt darin, dass sich das "richtige" Leben meist nicht auf binäre Idealfälle reduzieren lässt und die Spieltheorie bei komplexen, mehrstufigen Entscheidungen keine Out-of-the-Box Lösungen anbietet. Aber um das logische Denken zu schulen und manche Situationen besser analysieren zu können, kann eine Lektüre dieses recht flockig geschriebenen Büchleins keineswegs schaden.
Zu meiner Entschuldigung: ich kaufe mir höchstens Dummy-Bücher, aber doch keine Complete-Idiot-Guys... irgendwo stößt das Selbstbild schließlich an seine Grenzen. Nein, ich habe dieses schlaue Büchlein aus Restbeständen von Lion.cc erhalten, die kurz vor dem endgültigen Ende an die MitarbeiterInnen verteilt wurden. Es gibt bessere Poker-, Roulette-, Blackjack- und Co-Bücher, aber dieser englischsprachige Guide verschafft allen Casino-TouristInnen, die sich nur mal kurz am Spieltisch umschauen wollen, die nötigen Grundkenntnisse über so gut wie alle gängigen und populären Glücksspiele. Anmerkungen über Gewinnchancen und Ausschüttungsquoten werden Lotterie-Junkies vermutlich nicht vom Mitspielen abhalten - wer sich aber immer schon mal drüber geärgert hat, dass er Casino-Szenen in Hollywood Filmen nur bedingt folgen kann, findet hier die passende Nachhilfe.
...hat auf den ersten Blick nur bedingt mit dem Austausch zwischenmenschlicher Körperflüssigkeiten zu tun, handelt es sich doch um eine Gleichung aus der guten alten Physik, die Teilchenstromdichte, im Volksmund auch als "Fluss" bezeichnet in Beziehung setzt zum Konzentrationsgradienten und der Diffusionsrichtung. Wenn man also irgendwo was reinspritzt und/oder fließen lässt, dann bestimmt dabei die Konzentration vereinfacht gesagt, wie viel hinten wieder austritt. Adolf Fick hat das im ersten Fick'schen Gesetz unglaublich elegant zusammengefasst:
Nach dem Ersten Fick'schen Gesetz ist die Teilchenstromdichte (Fluss) proportional zum Konzentrationsgradienten entgegen der Diffusionsrichtung. Die Proportionalitätskonstante ist der Diffusionskoeffizient.
Und wo's ein erstes Gesetz gibt, da folgt natürlich so sicher wie das Amen im Gebet auch ein zweites - welcher Jurist kann schon von sich behaupten, dass er zwei Gesetze aufgestellt hat, die bis heute gelten? Das zweite Fick'sche Gesetz macht allerdings alles wesentlich komplizierter, denn es beschränkt sich nicht nur die Eindimensionalität ("Alles, was für dich zählt, ist Sex!"), sondern beschreibt einen länger währenden Vorgang:
Die Diffusionsgleichung stellt eine Beziehung zwischen zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschieden dar und eignet sich somit zur Darstellung instationärer Diffusion, im Gegensatz zum 1. Fick'schen Gesetz, das einen zeitlich konstanten Diffusionsfluss beschreibt. Es existieren für diese Differentialgleichung zahlreiche analytische und numerische Lösungsansätze, die jedoch stark von den Anfangs- und Randbedingungen abhängen.
Diese zeitlichen und örtlichen Konzentrationsunterschiede kennt man ja: mal hat einer keine Lust, dann ist die andere wieder für ein Wochenende Weg. Wie Adolf Fick richtig erkannt hat, ergibt sich die jeweilige Lösung der Gleichung meist nur im konkreten Fall, häufig jedoch auch gar nicht. Wichtig zum Verständnis Fick'scher Diffusionsprobleme, dass der Physiker drei Arten von Diffusion unterscheidet, die nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge auftreten, meist jedoch schon: Tracerdiffusion ("Aufriss"), Klassische Fick'sche Diffusion (meist relativ kurz) und, manchmal nach wenigen Minuten, fallweise auch erst nach mehreren Jahren, die Gegendiffusion. Wer tiefer in die die Geheimnisse von Adolf Ficks Theoriegebäude eindringen möchte und das Bedürfnis hat, bis zum intellektuellen Orgasmus Integrale zu penetrieren, dem sei dieser Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt: Diffusion.
Überhaupt nichts zu tun mit Diffusion (oder zumindest nur sehr indirekt) hat dagegen das sogenannten Fick Prinzips, mit dessen Hilfe Ärzte den Blutfluss durch bestimmte Organe bestimmen:
Das Fick-Prinzip erlaubt unter Steady-state-Bedingungen bei bekannter Eingangs- und Ausflußkonzentration die Berechnung des Blutflusses im untersuchten Organ.
Die aktuellsten SEO-Infos findet man naturgemäß online - trotzdem erspart ein kompetentes Kompendium vor allen EinsteigerInnen jede Menge Googeleien und allfällige Irrwege. Marios Fischers "Webseite Boosting", erschien bei mitp, erspart dem Käufer jegliche Schwafeleien und fasst auf 450 Seiten knackig und leicht verständlich zusammen, was Sache ist.
Ohne übermäßig polemisch werden zu wollen: gerade im e-Commerce Bereich sind Bücher, deren Inhalt mehr verrät als der Untertitel, eher rar gesät. Außerdem gelingt es wenigen AutorInnen, die komplexe Materie aus Technologie, Vertrieb und gesundem Menschenverstand so zu präsentieren, dass weder Theorie noch Praxis zu kurz kommen. Ein gelungenes SEO-Buch muss beide Seiten der Medaille präsentieren, denn so etwas wie eine Punkt-für-Punkt Checkliste gibt es nicht, zu sehr unterscheiden sich die einzelnen Werbestrategien je nach Themengebiet, Budget und langfristiger Strategie. Um die Vermarktung der eigenen Web-Aktivitäten sinnvoll planen und Online-Marketing Kosten seriös einschätzen zu können, ist ein gewisses Grundverständnis der Google'schen Funktionsweise ebenso unterlässlich wie Kenntnis der technologischen Möglichkeiten und Grenzen. Dass in einem SEO-Lehrbuch auch Praxis-Tipps nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst - und in beiden Bereichen weiß Mario Fischers Kompendium zu überzeugen.
Nach einer allgemeinen Einleitung, in der die Spezifika das viralen Marketing erklärt und essentielle Konzepte erläutert werden, klopft der Autor gängige Tools wie Newsletter, RSS-Feeds, Weblogs etc. auf ihre Marketing-Tauglichkeit ab. Im Suchmaschinen-Teil erklärt Fischer dann sowohl die Essentials zu bezahlter Werbung als auch die wesentlichen Erfolgsfaktoren und Traffic-Quellen. Technologisches Hintergrundwissen und die die Vorstellung zahlreicher Tools runden dieses Kapitel ab. Der dritte Teil widmet sich dem "Steuern von Besucherströmen" und enthält wertvolle komprimierte Erkenntnisse aus dem Bereich conversion-optimierte Usability. Im abschließenden Abschnitt geht's um die Auswertung der ganzen Bemühungen mit Hilfe dienstbarer digitaler Geister wie Analytics; Punkt-für-Punkt Checklisten sorgen dafür, dass auch wirklich an jedem Schräubchen gedreht wird.
Wer selbst im Bereich SEO/Viral Marketing arbeitet, wird dem Autor hohe Sachkenntnis bestätigen. Zwar kann kein Buch die laufende Recherche ersparen, schließlich ist das Netz ein Medium in rasantem Wandel. Als Unterlage im didaktischen Bereich oder als Einstieg in ein komplexes Thema kann ich Website Boosting. Suchmaschinen-Optimierung, Usability, Webseiten-Marketing allerdings uneingeschränkt empfehlen: von Treppen in den Google-Olymp bis hin zu den Stolperfallen am Weg zum Online-Reichtum bietet Mario Fischers Buch einen tollen Einstieg - die dreißig Euros sind gut investierte Kohle.
Update:
Als tagesaktuelle Info-Ergänzung zum Buch betreibt Mario Fischer auch ein Blog, in dem er sich mit für jeden Webworker spannenden Fragen wie Warum werden Webseiten nicht getestet? oder mit Themen wie dem sagenumwobenen Google Algorithmus bzw. dem Stellenwert des Pagerank befasst; das Blog hatte ich bisher übersehen, bin soeben durch den untenstehenden Kommentar des Autors drauf aufmerksam geworden; und der Feed (leider nicht im Volltext verfügbar) ist soeben in meinem Reader gelandet.
| 11. April 2008 | ||
| 20:00 | bis | 22:00 |
Die größte Maschine der Welt hat keine zwei Räder, sondern beschleunigt winzige Teilchen. In Kürze erhält CERN ein gewaltiges Hardware Updgrade; im Metalab spricht Tobias Nöbauer morgen im Metalab über den Large Hadron Collider.
Der Ankündigungstext lässt ebenso wie die Berufs-Kombi des Vortragenden - er ist Physiker und Soziologe - einen ausgesprochen spannenden und originellen Vortrag erwarten. Und die Frage, ob neoneueste Erkenntnisse der Quantenfeldtheorie erneut unser ohnehin bereits hochgradig Einstein'sch-relativistisches Weltbild auf den Kopf stellt, darf natürlich keinen Hobby-Existenzialisten kalt lassen!
Im Juli 2008 soll nun endlich die wahrscheinlich größte Maschine der Welt, der Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf in Betrieb gehen. Ohne mit der Wimper zu zucken tauschen die Hochenergiephysiker dabei in einer globalen, wahnwitzig komplizierten Kollaboration etwa 4 Gigaeuro Geld und 200 Megawatt Strom gegen 14 Teraelektronvolt Kollisionsenergie von Protonen, was etwa der Energie einer Handvoll motiviert fliegender Mücken entspricht.
Wer immer schon mal wissen wollte, warum Blasenkammerfotos nicht in Kunstbänden zu finden sind und welche grandiosen Überlegungen hinter Feynman-Diagramme stecken, sollte dem Metalab auf jeden Fall einen Besuch abstatten:
An der Übersichtlichkeit und Bescheidenheit des LHC-Projekts will sich der Vortrag orientieren: physikalische Hintergründe und Designüberlegungen zum LHC und den Detektoren sollen ebenso zu Sprache und Bildern kommen wie einige Grundkonzepte der Quantenfeldtheorie, die Funktionsweise von Teilchendetektoren, FPGA-Firmware-Programmierung, verteilte Steuersysteme aus Web-Services und Zukunftsperspektiven der Hochenergiephysik. Wir besprechen Blasenkammerfotos und Feynman-Diagramme, Supraleiter und Halbleiter, die Erfindung des WWW und die Entdeckung der neutralen Ströme, Quarks, Gruppendynamik, Berufsaussichten und den Weltuntergang. Kurz: Die Systemintegration des Globalen Müonentriggers für das CMS Experiment am CERN.
Ort: Metalab, 1010 Wien, Rathausstr. 6
Ein sehr video-lastiges Wochen-Panoptikum erwartet Sie diese Woche, hochverehrte LeserInnen. Doch wie Andi Schabus es so schön beim letztwöchigen Digitalk formulierte: man nimmt eben, was am besten passt. Mit anderen Worten: es gibt weder Podcasts noch Blogs noch Online-Videochannels - sondern bloß mehr oder weniger geeignete Formate zum Gschicht'l-Drucken.
Die SMX, eine der wichtigsten SEO-Veranstaltungen in den USA, ist frisch vorüber - in der aktuellen Ausgabe der Shoemoney Show rekapituliert Jeremy seine neuesten Erkenntnisse. Eines steht jedenfalls fest: der Magie von Twitter ist Shoe mittlerweile auch verfallen.
Jack Nicholson erregte ebensoviel Aufmerksamkeit wie Häme mit seinem Zusammenschnitt alter Filmrollen, in denen er diverse Borderline-Charaktere für Hillary ins Rennen schickt. Ist jede Werbung gute Werbung? Oder würden Sie dem Hausmeister aus Shining ein Auto oder eine Präsidentin abkaufen? Obwohl schon das Original wie eine Parodie wirkt, finden sich auf youtube inzwischen massig viele Verhohnepippelungen des Wahlclips, z.B.:
Ausnahmsweise mal ein Videoclip ohne Worte...
Ein deutscher Wissenschaftler sorgte letzthin mit der Aussage für Aufregung, dass 30 Minuten Work-Out genauso viele Kategorien verbrauche, wie 30 Minuten lang Frauen auf die Brüste zu starren. Klingt absurd, aber bereits 1997 war diese Theorie erstmals aufgetaucht. Glücklicherweise klärt Brainiac die Sache ein und für allemal mittels strengst möglicher Wissenschaftssimulation! (Word of Warning: Boobies gibt's in dem Video keine zu sehen!) [via John Chow]
Ach ja, bei TZ hab ich den bösen Witz der Woche gelesen - über psychische Insuffizienzien möge man keine Scherze reißen, mahnt der Commons Sense, aber ADD macht danke Ritalin-, Simpsons- und Southpark-Behandlung eine Ausnahme:
How many kids with ADD does it take to screw in a lightbulb?
Hey! Who wants to rides bikes!
Die Multiplizität der Zugänge, das Fehlen jeglicher Metatheorie, der permanente Streit darüber, ob das, was man da beobachtet, nun eigentlich Cause oder Effect sei, die Unklarheit, ob Medien denn überhaupt ein Forschungsobjekt konstituieren und wenn ja, ob dieses dann von der Information, der Philosophie, der Kunstgeschichte oder doch einer dedizierten Medienwissenschaft bearbeitet werden sollte macht die Publizistikwissenschaft zum fröhlichen Karneval der objektiven Eitelkeiten.
Kurzum: I'm loving it a lot more than Mac D., und deswegen hat mir unser interdisziplinäres Forschungsseminar zum Thema "Wer beforscht das Internet warum wie? Und wozu?" im letzten Semester auch allergrößten Spaß bereitet: organisiert vom Graduiertenzentrum der Wiener Sozialwissenschaft trafen sich ein Dutzend überaus motivierter DoktorandInnen, um die eingangs genannten Fragen zu präzisieren: zum Auf-den-Grund-gehen war die Zeit eindeutig zu knapp bemessen, und deswegen wird unser kleiner Zirkel in diesem Semester ohne offiziellen Seminar-Rahmen fortgesetzt... wenn Wissenschaftsminister Gio Hahn, der ja am liebsten möglichst viele Hi-Bro Unis errichten will, für uns Nicht-Hochbegabte auch ein paar Euros abdrückt, dann können wir im kommenden Wintersemester sogar wieder ein paar spannende Vortragende wie zum Beispiel Manfred Fassler einfliegen.
Doch der langen Rede kurzer Sinn: es gibt ein gemeinsames Projektblog der Neigungsgruppe Medienforschung, und zwar unter dem schönen Motto If its on teh Interweb it must be true (teh ist Absicht). Big up an Sigrid Jones, Initiatorin des Blogs - außerdem mit an Bord:
Wir suchen Mitschreiber und vor allem auch Mit-Diskutierende für unsere circa monatlichen Treffen - ein beheiztes Dach über dem Kopf samt Kaffee-Infrastruktur stellt uns das SoWi GraduiertenZentrum zu Verfügung - Wiener und in Wien weilende Student- und DozentInnen sind herzlich eingeladen, Termindetails gibt's auf Anfrage. Am Blog findet man englischsprachige Ankündigungen thematisch affiner Konferenzen, Literaturtipps und Artverwandtes - Feedback ist natürlich immer gerne gesehen, zumindest in diesem Punkt (wie in den meisten) unterscheiden sich Mitglieder der Scientific Community ganz und gar nicht von Otto-Normalverblogger.
Mit E-Mail Signaturen kann man die tollsten Selbstdarstellungs-Späße treiben, seitenweise sinnlose Disclaimer* einfügen oder zur Abwexlung auch mal was Sinnvolles zur Teilberuhigung des sozialen Gewissens tun - indem man die letzten paar Zentimeter als Gratis-Werbefläche für soziale Organisationen zur Verfügung stellt.
Möglich macht's Email Charity. Von der Seite erfahren habe ich durch Lukas, der im Team mitarbeitet. Ein einfach zu bedienender - aber recht mächtiger - Signatur-Generator ermöglicht die Erstellung hübscher E-Mail Unterschriften mit umfangreichen Einstelloptionen. Nach Auswahl eines Templates lassen sich Farbe und Schriftart wählen - und dazu eines von mehrere Logos samt Link zu sozialen Organisationen. Derzeit haben User die freie Wahl zwischen Licht ins Dunkel, den Roten Nasen, der Caritas, Licht für die Welt, Armut tut weh sowie Ärzte ohne Grenzen.
Wer Webmail verwendet oder HTML-Mails abgrundtief hasst (zu diesen Oldschoolern zähle ich mich), kann auch eine Plaintext-Version erstellen - das ist im Nu erledigt. Gegründet wurde das Start-Up im Umfeld von i5invest, früher oder später soll sich die Seite selbst finanzieren, eventuell durch die Einbindung von Fremdwerbung. Einer meiner ehemaligen Vorgesetzter aus früheren Jobjahren pflegte immer zu sagen: "Tue Gutes und rede darüber!" Er war zwar kein PR-affiner Missionar, sondern nur Marketing-Chef einer mit lautem Knall geplatzten am Ende der ersten Blase geplatzten Marketingfirma, was seinem Ausspruch (ohne, dass er es bemerkt hätte) eine gewisse zynische Komponente verlieht. In der Theorie finde ich die Idee von emailcharity.com sehr nett, in der Praxis würde ich niemals meine E-Mails mit Werbung verunstalten - das nervt mich schon bei Freemailern ausreichend. Da spend ich lieber mal ab und an was direkt bzw. schalte Gratis-Banner hier am Blog; aber wen die Vermarktung der letzten privaten Spaces in der Online-Kommunikation nicht stört, der sollte sich die Seite definitiv mal näher ansehen.
[...] Personen oder Organisationen, für die diese Information nicht bestimmt ist, ist es nicht gestattet, diese zu lesen, erneut zu übertragen, zu verbreiten, anderweitig zu verwenden oder sich durch sie veranlasst zu sehen, Maßnahmen irgendeiner Art zu ergreifen
Hehe... ergreifen nicht ständig alle Maßnahmen irgendwelcher Art? Sehr geil auch das Leseverbot am Ende der Nachricht, das den Rezipienten in eine ähnliche Zwickmühle (die im 1796er Lexikon übrigen wahlweise noch Fickmühle hieß - vor real!! Hat nix zu tun mit dem gleichnamigen Ortsteil von Emtmannsberg, der sicherlich überdurchschnittlich häufig Tafeln nachdrucken muss.) wie jenen Kreter, der sagt, dass alle Kreter lügen. Dann doch lieber ein wenig Support für die Roten Nasen & Co.!
Ein weiterer TED-Talk aus dem Monat März verdient definitiv einen zweiten Blick: Larry Lessig, internationaler Prediger für die längst überfällige Adaption überkommener Lizenzbedingungen, spricht 19 Minuten lang über das Verhältnis von Kultur, Technologie und Vorurteilen - unbedingt anschauen, denn der Mitbegründer Creative Commons Lizenzen weiß nicht nur wovon, sondern auch wie er spricht.
Lawrence Lessigs Vortrag besticht nicht bloß durch die fachliche Kompetenz und die ansprechende inhaltliche Aufbereitung eines schwierigen Themas - der Jus-Professor hat ein perfekt auf seinen Vortragsstil abgestimmtes Foliendesign gefunden. Invertierte Schrift, einzelne Wörter und Bilder pro Folie, keine Bulletpoints: das widerspricht jeder gängigen Votragstheorie, gibt der Gesamtperformance aber jene Flow und jene Eleganz, die der klassischen Powerpoint-Präsi einfach völlig fehlen. Mit anderen Worten: ein gelungenes Treffen von Tante Inhalt mit Onkel Form:
Das Pagerank-Update vom vergangenen Wochenende sorgt für Diskussionsstoff - denn eine ganze Reihe von Seiten wurde deutlich "abgestraft": sowohl Linkvermieter als auch Trigami Rezensenten büßten einen Teil ihres grünen Balkens ein. Dass die Linkhandels-Plattformen wie Linklift rasch darauf reagieren würden, war ebenfalls klar.
Ich hab bei USB Stick Software mit diversen Linkhandels- und Tausch-Plattformen herumgespielt, mit dem Resultat eines Pagerank-Verlusts von 1 auf 0 - durchwegs verschmerzbar. Auf spannende Weise tendenziös finde ich die Information, die Linklift an alle registrieren TraderInnen verschickt hat. Einige Punkte aus dem E-Mail möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen:
Das jüngste PR-Update reduziert diese Aussagekraft nun noch weiter, sodass wir künftig den PR-Wert aus der Preisformel weitestgehend entfernen werden. Anstelle dessen werden wir selber alternative Metriken für die Autorität einer Webseite erheben (Alter, Thema, Verlinkung, RSS-Feedleser, Qualität der Linkplatzierung, etc.) und daraus eine Preisempfehlung generieren.
Keine große Überraschung: wenn Linklift das eigenen Businessmodell nicht anpasst, dann verlieren sie einen Großteil ihrer Marge. Trigami setzt schon längst auf eine Vielzahl von Bewertungskriterien: ein Businessmodell aufzubauen, das einzig und allein auf einen nicht erst seit gestern fragwürdigen strategischen Google-Wert aufzubauen, ist eben keine gute Idee. Und nun zwingt die normative Kraft des PR-Updates Linklift eben zu einer neuen Strategie. Interessant auch der folgende Absatz:
Wir empfehlen, sich durch die Maßnahmen von Google nicht verunsichern zu lassen. Auf Ihrer Webseite sind Sie der Chef. Zwar mögen sich die PR-Werte verändert haben, die Rangpositionen sind jedoch weitestgehend intakt geblieben. Weiterhin ist zu prüfen, inwieweit man von den vielzitierten "Abstrafungen" überhaupt berührt werden könnte. Nur wer Traffic von Google bekommt, dem kann dieser auch von Google genommen werden. Offen ist auch, inwiefern qualitativ hochwertiger Content dem Suchenden überhaupt vorenthalten werden kann, ohne an Suchqualität einzubüßen.
Hmmm... ich kenne eigentlich keine Webseite und schon gar kein Blog, das deutlich unter 40% Traffic von Big G. erhält. Neo-neue und noch nicht indizierte Blogs mal ausgenommen - aber die gehören ja wohl definitiv nicht zur Wirts-Zielgruppe von Linklift. Richtig skurril wird's aber im nächsten Absatz:
In jedem Fall möchten wir darauf hinweisen, dass die Listings auf Linklift selber schon seit langem stark anonymisiert sind, sodass sich hierdurch nur schwer Rückschlüsse auf Ihre Webseite ziehen lassen.
Zumindest in den meisten Fällen - einige Webseiten aus dem mittlerweile nicht mehr so umfangreichen Sortiment lassen sich allerdings recht leicht identifizieren, was allerdings am Beschreibungstext liegt. Und was Teliad wohl zu folgendem Absatz im Newsletter sagen würde?
Nehmen Sie nicht an zu vielen Vermarktungen teil. Andere Vermarkter hinterlassen z. T. relativ deutliche Spuren, welche einfach ausgelesen werden können.
Auch eine Frage des Betrachterstandpunkts... wenn die "Konkurrenz" die Links händisch setzen lässt und automatisch überprüft anstatt mittels eines Plugins, warum um alles in der Welt sollen diese dann leichter auffindbar sein?
Teliad wandte sich übrigens ebenfalls per Newsletter an die Community, und den folgenden Aussagen kann ich in keinster Weise widersprechen:
Und genau das ist unserer Meinung nach auch der Grund für die PageRank-
Korrektur von Google: Webmaster zu verunsichern, die mit ihren Seiten nur
durch gezielte SEO ein ansprechendes Ranking erhalten können.
[...]
Tatsache ist, dass wir mit unserem Markplatz eine aktive themenrelevante Verlinkung unterstützen, vor allem auch im Content-Bereich. Natürlich dienen Textlinks der SEO, jedoch ist das Ganze nicht so negativ zu betrachten, wie es durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit von Google dargestellt wird.
Eines zeigt die gesamte Debatte jedenfalls überdeutlich: den Kategorienfehler, die privatwirtschaftlich und gewinnorientiert organisierte Firma Google mit "dem Internet" zu verwechseln, machen dieser Tage ganz schön viele Webmaster und -mistressen. Wie sich der Linkvermietungs-Markt weiterentwickelt und ob die "Frontside-Abstrafung" in den nächsten Wochen und Monaten auch Auswirkungen auf die SERPs hat, muss die Zukunft zeigen - jede diesbezügliche "Theorie" bleibt vorerst Spekulation.
Facebook sei evil, so ein Video auf Stage6. Quasi direkt dem amerikanischen Geheimdienst unterstellt tue die Seite nix anderes, als Daten sammeln.
Nix gegen Verschwörungstheorien, aber hier ist die media literacy des Users gefragt: was nicht die gesamte (Netz)welt wissen darf, sollte auch nicht auf Social Site Profilen veröffentlicht werden. Und dass sich Seiten, die User-generated Content veröffentlichen, rechtlich absichern müssen, ist auch nichts neues, wie ein User richtig postet:
you should try to look into it yourselves. sounds sort of like what we're supposed to be so afraid of about Facebook maybe? How exactly is a site that is globally accessible supposed to play your videos internationally on-demand without covering their behinds legally???
Anschauen und wundern - und falls Sie sich dann doch bei Facebook registrieren, werf ich Ihnen gern ein Schaf zu:
PS: Dass man zugunsten der Homogenität und Interoperabilität auf Design-Anpassungsmöglichkeiten verzichtet, ist vor allem im Hinblick auf die externen Apps verständlich. Was ich aber wirklich vermisse, sind rewritten profile urls. Das .php?id= hat irgendwie relativ wenig Charme.
Selbständig im Netz ruft zum Blogkarneval auf - gefragt sind eigene Erfahrungen zum Thema "Offline Bewerbung von Blogs und Websites". Ich hab im Lauf der Zeit bei diversen mehr oder weniger professionellen Online-Unternehmungen mitgearbeitet, sowohl im On- als auch Offline Marketing. Wo genügend Budget vorhanden ist, verzichtet niemand freiwillig auf Werbung in der nicht-virtuellen Welt, ob landesweite, ganzseitige Zeitungsanzeige, fette Partys oder Give-Away Gadgets. Aber wie sieht's in Ermangelung von Budgets im Micro-Publishing Bereich aus?
Überhaupt kein Geld für Drucksorten auszugeben, wäre imho ein Versäumnis. Peer Wandinger möchte es genau wissen und fragt:
Setzt Ihr Offline-Maßnahmen ein und wenn ja welche?
Yup. Eine ganze Armee von Sprayern arbeitet derzeit daran, die Wiener Hausdächer so umzugestalten, dass beim Jet-Überflug aus zwischen 3 und 6.000 Metern das datenschmutz-Logo sichtbar wird
Aber im Ernst: zählen Visitenkarten schon zu den Offline-Werbemaßnahmen? Falls ja, dann bin ich schuldig im Sinne der Anklage. Auch was T-Shirts und Pickerl betrifft, wobei ich die Moocard-Sticker zu klein finde. Mein momentaner Offline-Werbematerial Provider ist Vistaprint - mit Service, Qualität und Preis der diversen Drucksorten bin ich bisher hochgradig zufrieden.
Aber bunt und hoffentlich umweltfreundlich bedrucktes Papier ist nur ein kleiner Aspekt - ich spreche relativ oft bei diversen Podiumsdiskussionen und Konferenzen, die Presse (= konservative österreichische Tageszeitung) druckt erstaunlicherweise in ihrer Blog-Rubrik ab und an meine Buchstabensuppe ab, dann und wann werde ich eine kleine Wortspende im Radio los. Und da es meistens ohnehin um Social Media und Blogs geht, könnte man die Summer dieser Aktivitäten wohl auch unter dem Begriff Offline-Marketing subsummieren, wenngleich die akademische Einteilung wohl eher von unzulässiger Vermischung von PR und journalistischen Inhalten spräche - welcome to the world of tomorrow micro publishing!
Welche Tipps habt ihr für Offline-Maßnahmen?
Kostengünstig einkaufen! "Support your local dealer" klingt in der Theorie zwar schön, wenn ich im billigsten Wiener Digital-Druck-Shop aber für die grindigste Papierqualität und ausgefranste Buchstabenränder immer noch mehr bezahle als bei diversen Online-Dienstleistern samt Versand, dann stellt sich durchaus die Sinnfrage.
"Lokalmedien haben Gold im Mund" gilt dagegen für alle, die nicht gerade ihre Millionenerbschaft in eine Fernsehkampagne investieren wollen: Partyveranstalter freuen sich beim Flyerdruck auch über kleinere Summen und platzieren als Gegenleistung Logo und oder URL auf ihr Druckwerk - Mikro-Kooperationen für Mikropublisher, sozusagen. Außerdem fällt mir gerade ein, dass man's ja mal in lokalen Blätter im Anzeigenmarkt probieren könnte... wie wär's denn mit: