Wenn ein 62jähriger Kapuziner-Mönch zum Heavy-Metal Apologeten wird, dann... ist das immer noch kein Grund für einen Kirchen-Wiedereintritt. Aber lustig anzusehen. Fast so realsatirisch wie der österreichische Neuwahlkampf, den Max ge-yahoo-piped hat: mit dem gesammelten unnützen Wissen belastet er nun die Subdomain wahl08.wissenbelastet.com: Twittermeldungen, Blogpostings und Forenbeiträge werden (natürlich nicht lückenlos) 15-minütig aktualisiert - für Politikmüdigkeit durch schiere Quantität übernimmt der Betreiber keine Haftung. Im übrigen möchte ich festhalten, dass ich in der Causa Bankhofergate ganz Roberts Meinung bin. Viele Journalisten sind zweifellos Aasfresser, aber was die gute alte Selbstgerechtigkeit betrifft, können sie Bloggern das Wasser nicht reichen. Ob die auch dauernd so wie in der Hybrid-Car Southpark-Folge dauernd an ihren eigenen Fürzen riechen?
Der Bloggonaut verlost 3 Classic-Lizenzen von WP-SEO - seit der Version 2.5 ist dieses genialste aller WordPress-SEO-Optimierungsplugins ja nicht mehr frei erhältlich (zumindest nicht für kommerzielle Blogs und solche, die Werbung schalten). 20 Euro kostet die Classic-Lizenz, mit der man das Plugin auf einer Seite einsetzen kann. Ich würd ja mitspielen, brauche aber aufgrund diverser eigener und Kundenblogs sowieso die Premium-Lizenz... und für solche Masterpieces werf ich beim Programmierer gern ein paar Münzen ein, ganz besonders, wenn man schnell und unkompliziert via PayPal bezahlten kann. [via Blogtopf]
Über Black- und Greyhat Tipps und Tricks berichtet der aktuelle Podcast von radio4seo. Und der Sendungsmacher hat scheinbar beim Aufnehmen eine Menge gelernt:
Die Themen aus dem Interview werde ich hier nicht posten. Alle die, die entsprechenden Links haben möchten, bekommen diese, wenn sie selber etwas zu dieser Ausgabe posten und hier als Trackback erscheinen. hehe.
Seocial berichtet über den Launch von Googles Wikipedia-Konkurrenz knol (steht für knowledge, nicht für Knollenblätterpilz): dort gibt's zumindest derzeit hübsche follow-Links und jede Menge gute Keywords zu grabben: die SEO Basics hat sich Aaron Wall schon geschnappt, ich hab mal ganz auf die Schnelle ein paar Zeilen über SMO verfasst - mal sehen, wie sich die Knolle so weiterentwickelt.
"Man kann SEOs einen Sack Mehl geben", denkt sich der Herr Fachinformatiker, "oder aber einen 2.000 PS Dieseltraktor samt Ackerfläche." Oder zumindest eine Harke, die dem SEO zeigt, wo er hängt: und zwar in Form einer beängstigend hilfreichen Mindmap, die aufbauend auf dem kultigen SEOMoz-Video Schritt für Schritt die wesentlichen Punkte einer SEO-Analyse erklärt... denn jeder selbständige SEO weiß: Struktur spart Mühsal.
Gestern früh hat mir die Social Community Spock einen kräftigen Lacher beschert: was die Welt zweifellos *dringend* gebraucht hat, war ein weiteres Social Network voller Google-Werbung respektive in Mash-Up aus eigenartigem Friendfeed und halbgarem Business-Netzwerk. Zum Glück hat sie Spock bekommen! Ich hab mich dort vor einiger Zeit mal registriert und keinerlei spezielle Profileinstellungen gemacht, hab dort auch nur einen einzigen Freund - der zum Glück für meine Inbox nicht besonders regelmäßig twittert. Denn heute früh bekam ich folgende "Notifications":

PS: Wer denkt sich eigentlich sowas aus? E-Mail Notifications für Twitter-Nachrichten?
Der bekannteste Ostfriese der Welt, Erfinder Ottifanten, altert im Gegensatz zu Harrison Ford, Bud Spencer & Co. kein bisschen - das sind eben die Vorteile schütteren Haares in jungen Jahren. Dass Otto Waalkes am 22. Juli seinen 60er feierte, sieht man ihm nun wirklich nicht an - das findet auch Locoloki.
Der Herr Hornauer, belastet mit der schweren Bürde der von ihm erfundenen "telemedialen" Begabung, ist dank youtube längst nicht mehr nur Sat-Schüsslern mit seiner Sendung "telemedial" bekannt. Und berüchtigt ist er auch. Wer das alles nicht fassen kann, sucht einfach auf youtube nach der Sendung oder nach Hornauer. Den folgenden Remix finde ich ganz besonders gelungen - und das geile ist: der hängen gebliebenen Bongo-Typ und die dicke Tänzerin meinen das wirklich ernst! Verdammt, ich kann überhaupt nicht mehr aufhören, mir dieses Video wieder und wieder anzusehen. Bin ich besessen?
Morgen beginnt eine sechsteilige Serie, in der ich österreichische Online-Branchenbücher aus SEO-Sicht ein wenig unter die Lupe genommen habe. Außerdem gibt's einem Gratis-Mix des neuen Stereotyp-Projekts "Kubo" und ich stelle einige neue Twitter-Services vor - und übernächste Woche gibt's dann Lesestoff für angehende MedienphilosophInnen zu gewinnen. Ich wünsche entspannte restliche Sonntagsstunden - wir lesen uns morgen!
Altweibersommerliche Spätsonnenstrahlen weichen über das Land kriechender Winterkälte, jeder Windstoß treibt einen flüchtigen Schwarm gelber Blätter quer über die Landstraße. Die Saison neigt sich dem Ende zu - und ich liebe diese letzten Ausfahrten, die letzten Gelegenheiten, den Motor meiner Hornet aufheulen zu lassen und die magische rote Nadel jenseits der 100km/h zu treiben... ein wenig.
Herbst heißt für Biker: feuchte Landstraßen, klamme Brücken, früh schlechte Sichtverhältnisse. Bedeutet auch: unerwartete Regengüsse, abgefahrene Pneus (wer wechselt schon vor der Winterpause?), verstärkter Wildwechsel und Laub auf besagter wasserbenetzter Fahrbahn: also zirkelt, wer nicht unfreiwillig absteigen will, besser doppelt so vorsichtig um die Kurve wie gewöhnlich. Auf der anderen Seite sind da diese letzten Ausflüge in die nähere Umgebung, dick eingepackt in alles, was das Unterwäsche- und Gore-Tex-Arsenal so hergibt - wehmütige Touren im Herbstlicht, mitten durch eine Kulisse, die ans Ende einer Party erinnert, so á la: wir hatten viel Spaß im Sommer, was liegengeblieben ist, wird jetzt erstmal weggeräumt - und dann legen sich alle schlafen und kurieren ihren Kater aus. Bekanntlicherweise dauert der deutlich von meinen persönlichen Vorstellungen abweichende Idealwinter in unseren Breitengraden unverschämterweise länger als der übelste Kater.
Wenn du am späteren Nachmittag aus der Stadt rausfährst, die Sonne nur mehr wenig Kraft hat und die wärmende Wirkung der Megatonnen von Beton wegfallen, dann arbeitet sich die Kälte früher oder später auch durch die dicken Handschuhe. Gesichtsmaske unterm Helm, zwei Pullover - das reicht grade mal für eine 60er Runde, einmal über den Exelberg nach Tulln und wieder zurück bevor diverse Extremitäten, denen man dies nicht wünscht, zunehmend steifer und das Kuppeln mühsamer werden. Wenig Verkehr um drei Uhr nachmittags, das einzige Fahrzeug, das ich aufwärts bei einer der wenigen Überholmöglichkeiten hinter mir lasse, ist ein gemütlich dahintuckernder riesiger Traktor. Diesmal bin ich der einzige Motorradfahrer im Scheiblingssteiner Tennisstüberl - ein Ehepaar weit jenseits der 80, das gerade sein Mittagessen einnimmt, lächelt mir unisono freundlich zu, während ich meine Melange bestelle.
Als ich wieder aufs Bike steige, bin ich mir ganz sicher, dass der dicke Pullover eine hervorragende Wahl war... und die Route ebenfalls. Denn nach kurzer Zeit stehe ich am Parkplatz vor der Gloriahütte und genieße den weitreichenden Blick über ein gerade das Tullner Becken: Nebelschwaden hängen über der Landschaft, Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg bis zum Boden, der die Permafrost-Phase kaum mehr erwarten kann - ein Bild wie aus der Antidepressiva-Werbung. Notorischen Kamera-Vergessern wie mir bleibt nur die illustrative Wortwahl: semitransparente Zuckerwatte, ein Herbstszenario wie aus der Antidepressiva-Werbung.
Erst am Rückweg erlebe ich die um diese Jahreszeit obligatorische "Hero-Szene", jenes Herbsterlebnis, das exklusiv für Zweiradfahrer reserviert bleibt: Bei der Rückfahrt tragen Windstöße die welken Blätter fort, der Mischwald bietet reichlich Rohstoff für eine Szenario, von dem ich nicht weiß, ob hyperrealistisch oder surrealistisch der zutreffendere Begriffist. Bei jeder kleinen Windböe fahre ich durch eine unwirkliche 3D-Landschaft aus wirbelnden Blättern in allen Gelbschattierungen, die sich für kurze Zeit wie eine improvisierte Bauarbeiterschürze an meinen schwarze Motorradmontur anlegen, bevor sie ihre Transformationsreise bis zum späteren Dünger für neue Blätter windgetrieben fortsetzen. Als ich die erste Hügelkuppe erreiche, liegt eine lange Gerade vor mir. Ich durchfahre langsamer als sonst den Korridor der gelben Blätter und denke wehmütig daran, dass in demnächst vier Monate zweirad-motorisierte Zwangspause folgen... aber demnächst eine ganz frische, unverbrauchte neue Saison folgt. Wenn's nach mir ginge, lieber heute als morgen.
Digitale Mixing-Software wird erwachsen - die neueste Generation verabschiedet von der Two-Turntables Metapher. Diesen Text über den Wandel der digitalen DJ-Interfaces hab ich für die 10-Jahres-Jubiläumsausgabe von the gap geschrieben - es geht um das klassische techno-mediale Spannungsfeld, um den Wechsel von der Simulation klassischer Interfaces hin zu genuin digitalen Benutzeroberflächen.
Kombinierte Hard- und Softwarelösungen zum Überblenden von mp3-Files kann der Techno-Fetisch interessierte Home-DJ seit Jahren erwerben. Im professionellen Bereich dagegen durften solche Programme allerdings vorwiegend automatisch Diskotheken und Supermärkte bespielen: als zu umständlich, unhaptisch und letztendlich auch unpräzise erwiesen sie sich bislang für den ernsthafte Plattendreher. Abgesehen von Lo-Tech Charme versprühenden Randveranstaltungen wie dem Gameboy Music Club zählen unter den erschwerten Bedingungen der nächtlichen Clubbespielung vor allem zwei Faktoren: Soundqualität und Einfach- bzw. Robustheit der Bedienelemente.
Diese Bedingungen erfüllte und erfüllt der klassische 1210er Turntable heute noch mit Bravour - freilich hat sich die digitale Hardware auch ganz gewaltig weiterentwickelt. Klangqualität ist längst kein Thema mehr, und dedizierte Midi-Hardware-Controller ersparen dem Laptop-Artist die umständliche Frickelei mit Maus und Tastatur. Dabei geht's allerdings längst nicht nur um Gewichtsreduktion und Flexibiltät: Mixing-Software neuester Generation orientiert sich nicht an klassischen Abspielgeräten, sondern an der Timeline-Metapher modern Produktionsumgebungen - und vermischt damit ganz nebenbei die Grenzen zwischen Soundkonserver und Live-Performance.
Interfaces sind nie ein singuläres Phänomen, sondern ein Amalgam aus technischen Möglichkeiten, bewährter Praxis, Code und Anwendungszweck. Die traditionelle klassische Notenschrift erfasst längst nicht alle Parameter eines Musikstücks - aber genug davon, um jederzeit eine wiedererkennbare Reproduktion zum Beispiel durch ein Symphonieorchester zu ermöglichen, und ein Sequencer wiederum nutzt völlig andere Darstellungsparameter als ein Wav-Editor.
Vor der Ära der technisch-akustischen Speicherung fungierte stets der Mensch Interpretateur des Codes. Erst mit den Speichermedien wirkt die Technik als Übersetzungsschicht, erfüllen zuerst mechanische und später algorithmische Konstruktionen die Aufgabe der Umwandlung des Codes in Schall.
Die Vinyl-Schallplatte in ihrer unübertroffenen Direktheit kennt keine metaphorische, sondern eine sehr konkrete "Bedienungsebene": die akustischen Informationen, welche die Nadel auf ihrer Reise durch die Spiralrille mitnimmt, sind analog kodiert und reproduzieren ohne zwischengeschaltene Umrechnungsebene direkt die in ihnen gespeicherten Töne. Wer eine unerwünschte oder ohnehin stark verkratzte Platte zuhause rumliegen hat, der kann diese genauso gut mit der klassischen Nähnadel mit Papiertrichter abspielen.
In dieser nahezu instrumentalen Direktheit gestaltete das Vinyl-Interfaces die Ausdrucksmöglichkeiten des DJs. Die verschiedenen Möglichkeiten des haptischen Eingreifens führte zur Entwicklung einer Reihe akrobatischer Techniken, zur Meisterschaft getrieben beim Scratching im Hip Hop. Keine Überraschung also, dass das Gros der Club DJs weiterhin auf Vinyl vertraute, während sich CDs im Consumer-Bereich steigender Beliebtheit erfreuten.
CD sind ebenfalls rund und drehen sich - viel mehr haben sie mit Schallplatten schon nicht gemein. Erhebungen und Vertiefungen auf der Silberscheibe schreiben die Musikinformation als digitalen Code, der D/A Wandler im CD-Player wandelt sie in elektrische Schwingungen und die Boxen in Schall um. Spätestens seit der weiten Verbreitung von CD-Brennern lassen sich die Silberscheiben am durchschnittlichen Heim-PC on demand herstellen und ersparen so das aufwändige und teure Cutten echter Dubplates. Und wenn auch der Zahn der Zeit schneller an Ihnen nagt als an Vinyl, so lässt sie der Vorgang des Abspielens qualitätsmäßig völlig unberührt, während Platten sich im eigentlich Sinne des Wortes selbst mit einer optimal eingestellten Nadel abnutzen.
Eingang in die Clubs hat digitaler Sound mit den sogenannten DJ-tauglichen CD-Playern gefunden: Pioneer baute mit dem massiven CDJ-1000 als erster Hersteller ein CD-Abspielgerät, das eine ähnliche Arbeitsweise wie ein klassischer Plattenspieler erlaubt: die gerillte Scheibe an der Oberseite simuliert die Schallplatte und kombiniert die manuellen Eingriffe mit digitalen Komfortfunktionen wie abspeicherbaren Loops, Cue-Punkten etc. Der Aufwand, der betrieben werden will, um einer CD beizubringen, sich wie eine Schallplatte zu benehmen, beeindruckt nicht nur Technik-Enthusiasten: von extremen Geschwindigkeitsänderungen im 100%-Bereich bis zum Mini-Sampler behaupten die CD-Abspieler selbstbewusst, den kreativen Handlungsspielraum ihres Benutzers zu erweitern.
Der Gewohnheit geschuldet und noch näher an der klassischen Realität als DJ-CD-Player sind Systeme wie Stantons "Final Scratch", die Turntables gar nicht völlig ersetzen wollen: anstatt der üblichen Schallplatten liegen zwei Timecode-Scheiben auf den Turntables, welche via spezieller Hardware mit einem Laptop verbunden sind. Jede Bewegung der Platten wird live als Steuerungsbefehl an die MP3-Software übertragen: die Musikbibliothek befindet sich dabei vollständig am Rechner, Plattenspieler und Mischpult fungieren rein als haptisches Interface. Final Scratch verbindet damit, das "best of two worlds" miteinander zu verbinden: digital Flexibiltät mit dem gewohnten analogen Interface.
Die Frage, ob runde Vinylscheiben in der Tat der Weisheit letzter Schluss sind, wenn es darum geht, Übergänge zwischen Songs zu mixen, lässt sich nur in sehr emotionalisierter Form stellen: Gelernt ist gelernt scheint für manche DJs zu gelten, während andere jede experimentelle Darbietungsform als Erweiterung ihres Spektrums begrüßen. Systeme wie Final Scratch präsentieren sich jedoch als Übergangslösungen: wer ohne Vinyl großgeworden und mit Software wie Ableton Live oder Logic Audio vertraut ist, der wird die schwarzen Scheiben im Club kaum vermissen.
Ob mit oder ohne motorgetriebene Hardware: bis vor zwei, drei Jahren simulierten alle gängigen DJ-Programme in der einen oder anderen Form zwei unabhängige, pitchbare mp3-Player, deren Audiosignale über eine Soundkarte mit zwei Vollduplex-Kanälen entweder an die beiden Mischpult-Kanäle weitergeleitet oder auf Wunsch direkt am Bildschrim gemixt werden. Die Abfolge der einzelnen Tracks speichert dabei in der Regel eine zentrale Playlist, je nach Komfort-Level und Kostenpunkt verwaltet die Software zusätzliche Parameter wie Cue Punkte, Loops, Equalizer-Kurven und dergleichen. Wer schon einmal versucht hat, einen digital simulierten Analogsynthesizer mit der Maus zu bedienen, der weiß allerdings, dass virtuelle Drehknöpfe in der Hitze des DJ-Sets beileibe nicht der beste Freund des Touchpads sind - und mit der Maus lässt sich eben immer nur ein Regler zugleich betätigen, weswegen zum ernsthaften Einsatz ein externer Midicontroller mit den entsprechenden Kontrollelementen nahezu unerlässlich wird.
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt DJ-Software der neuesten Generation wie das skandinavische MixMeister Fusion, das bereits beim ersten Start verblüfft: statt zwei Playern gibt's eine mehrspurige Trackdarstellung, wie man sie von Produktionsumgebungen her kennt. Das Programm simuliert nämlich nicht Abspielgeräte im Duo, sondern ordnet die einzelnen Tracks (oder auf Wunsch auch Samples und Loops) auf einer Timeline an, deren Spuranzahl nur durch die Rechenleistung begrenzt ist.
Erst die Leistung moderner tragbarer Rechenknechte macht's möglich, ganze Songs wie Parts eines Arrangements zu behandeln - Hüllkurven, dynamische Geschwindigkeitsverläufe und externe Effekt-Plugins inklusive. Das Vorhören funktioniert dabei naturgemäß anders, nämlich mit Hilfe eines zweiten, unabhängigen Cursors: während das vorbereitete Set also abläuft, kann der DJ zugleich die Parts hören, die in fünf Minuten an der Reihe sind.
MixMeister verändert damit nicht nur die Arbeitsweise beim Mixen nachhaltig, sondern auch das Ergebnis: wer dieses System nutzt, muss nicht notwendigerweise live Beatmixen, sondern die Übergänge im vorhinein festlegen und sich dann während des Sets auf zusätzliche Effekte, Overdubs und Details konzentrieren. Die Software übernimmt damit Teile der klassischen DJ-Tätigkeit - und gibt dem Mixenden dafür die Flexibilität, sich um anderes zu kümmern. Angesiedelt zwischen der Produktions- und Bühnensoftware Ableton Live und reinen DJ-Lösungen, verweist MusikMeister die Konkurrenz in punkto Komfort und künstlerische Freiheit in die Schrnaken - den überzeugten Vinyl-Puristen wird die Oberfläche allerdings nicht nur abschrecken, sondern geradezu entsetzen. Für den scratchenden Hip Hop DJ bietet die Software natürlich ebenfalls kein ernsthaftes Betätigungsfeld.
In vielen Genres elektronischer Musik allerdings wird die Grenze zwischen Live-Performance und DJ-Set danke solcher Software immer unschärfer - und die alte medienmorphologische Weisheit, dass nach einer Anpassungs- und Simulationsphase neue Medien erst mit Zeitverzögerung adäquate Interfaces verpasst bekommen, bewahrheitet sich einmal mehr: genauso, wie die ersten Online-Zeitschriften in den frühen Neunzigern genauso aussahen wie ihre Printpendants, müssen die passenden Werkzeuge für den ambitionierten Laptop DJ erst entwickelt werden. MusikMeister verlässt dabei konsequent ausgetretene Konzeptpfade, verabschiedet sich von der Turntablemetapher, vereint Trackmixing mit Musikproduktion und zeigt herkömmlichen Lösungen elegant, wie flexibel die Timeline mit den klingenden Bytes umzugehen weiß.
Nein, kein neuer Modetanz, aber der Titel bot sich einfach an. Vielmehr sprechen wir hier von der State Enterprise "Production Association Southern Machine-Building Plant named after ÃÂ. ÃÅ. ÃÅðkðrþv " . Die sitzt in Russland, baut Traktoren und dergleichen und stellt sich auf ihrer Homepage in grafisch ausgesprochen ansprechender Weise dar.
Go Yuzhmash!
PS: Sollten die Aktivitäten besagter Firma laufende Berichterstattung ermöglichen, werden wir sofort die neue Kategorie "Yuzhmash" einführen.