| 30. Januar 2009 | ||
| 23:00 |
Im Wiener Sass rollen am kommenden Freitag die tiefen Basslines über den Dancefloor: Sam Shackleton (Skull-Disco) wird mit seiner speziellen Dubstep-Mischung aus Wanddrücker-Basslines und leichtfüßig-hypnotischen Orient-Sounds auf Einladung von Dogs Bollocks die Wiener Crowd rocken. Diese einzigartige Mischung aus State-of-the-Art Produktion und Worldmusic-Percussions hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen, und ich freue mich auf Shackleton's erstes DJ Set in Wien. Dank Simon Lebon habe ich die Ehre und das Vergnügen, unter meinen Lesern 2x2 Gästelistenplätze für die Party des Monats zu verlosen.
Der Modus dürfte bereits bekannt sein: eine Registrierung ist nicht erforderlich, wer mitspielen möchte, hinterlässt einfach hier am Blog einen Kommentar. Die Gewinner werden am Donnerstag via E-Mail verständigt, im übrigen gelten die Teilnahmebedingungen für datenschmutz-Gewinnspiele. Aber nun zu Shackleton - der folgende Satz beschreibt die Soundscapes des Skull Disco Aushängeschild sehr treffend:
Sam Shackleton betreibt mit seinen perkussiv wummernden Dubstep-Tracks bassverliebte Tiefenforschung. Und statt des Rülpsens der Apokalypse stehen ein libanesischer Akkordeon-Spieler und ein türkischer Saz-Maestro bei seinem Sound Pate.

An diesem Abend werden zwei Sams die Turntables bedienen: Slack Hippy übernimmt den restlichen und sorgt für kompetente musikalische Umrahmung des Gaststars. Der wuchs im Nordwesten Englands auf und ist laut eigener Aussage an die boomende britische Dubstep-Szene nur "lose" angebunden. Während sich die Produktionen der Big Names immer technoider anhören, drosselte er bei seinen neueren Produktionen das übliche 140er-Tempo auf 100 bis 120 Beats pro Minute:
Meine Hauptinspirationen sind Erkan Ogur, der unglaublich gute türkische Saz-Maestro, Ziad Rahbani, ein libanesischer Akkordeon-Spieler und Band-Leader, und Fatale, westafrikanische Percussionisten. Diese Einflüsse wird man bei mir immer raushören. Und natürlich Dub Reggae. Ich liebe einfach den 'puren' Basssound. Ach ja, und Chronomad. Er hat im letzten Jahr ein brillantes Album veröffentlicht und ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann einmal etwas Ähnliches schaffe.
Viel Glück bei der Verlosung - wir sehen uns am Freitag im Sass - dieses Video gibt einen kleinen Vorgeschmack:
| 17. Januar 2009 23:00 | bis | 18. Januar 2009 5:00 |
Der Beitrag geht raus ans Wiener Partyvolk: Wolfram aka marfloW lädt am kommenden Samstag wieder in die Fluc-Wanne zum e-nix gang bang. Der holländische Gaststar Legowelt, legendär für seine darken, Chicago-House beeinflussten Produktionen auf den Labels Clone und Bunker, wird ein mit Sicherheit denkwürdiges Live-Set spielen; ich lass mir das keinesfalls entgehen und darf meiner ravenden Leserschaft dank Felix da Houserat 2x2 Freikarten anbieten. Wer am Samstag in Wien weilt, dem kann ich nur wärmestens empfehlen, mitzumachen - Legowelt ist ein hammermäßiger Act, mir gefallen die Sets, die ich bisher gehört habe, ausgesprochen gut.

| 9. Dezember 2008 16:00 | bis | 10. Dezember 2008 4:00 |
Soll kein Horrorfilm werden, sondern eine informative Veranstaltung, bei der sich Insider vernetzen und Außenstehende Einblick bekommen in die Vielfalt an Alternativen zu Fellnerpress und DichandNews. Zu diesem Behufe lädt der österreichische Medienverband morgigentags ab 16:00 Uhr in die Wiener FLUC Wanne, wo zuerst ausgiebig geschnackt und anscheinend noch ausgiebiger gefeiert werden soll.
Mit an Bord sind unter anderem Skug, The Message, fm5, Der Bagger, Datum und dérive, um 19:30 diskutieren die üblichen Verdächtigen die postulierte "Schieflage Freier Medien in Österreich". Am Podium: Andi Klinger (Ex-Resident), Niko Alm (the gap), Michael Fleischhacker (Die Presse), Peter Fuchs (Freies Plakat), ein Vertreter der SPÖ und Moderatorin Karin Resetarits. Ab 21:30 geigen dann Petsch Moser unplugged sowie ein Surprise Act auf, ab der Geisterstunde weichen die Instrumente den Turntables, bedient von Makeedo, Se.Vero, Intoxicated und fry, die ein weites Spektrum von Funk über Dubstep bis Breaks präsentieren werden.
Der österreichische Medienverband hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die sogenannten "freie" Medienszene zu fördern. Allein dieser Begriff sorgt allerdings für Verwirrung: wann ist ein Magazin "frei"? Wenn es rein von Förderungen lebt und keine Werbung enthält? Wenn der Chefredakteur gratis zuhause bei der Mutter wohnt? Wenn es in der U-Bahn umsonst verteilt wird? Wenn alle Layouter den Freimaurern angehören? Wenn der Großteil der Redaktion Publizistik studiert? Wenn das Heft kein Geld einbringt? Martin hat dazu eine eindeutige Meinung:
"Österreichs freie Medien sind unabhängig, gesellschaftlich relevant, arbeiten höchst professionell und vor allem politisch unabhängig", so Aschauer. "Medienvielfalt braucht individuelle Förderungsmaßnahmen, die sowohl finanziell als auch ideell erfolgen. Eine Anlaufstelle für junge, aufstrebende Medien muss geschaffen werden. Information über Förderstellen und Förderanträge, Abrechnung und Rechtsberatung muss leicht zugänglich werden, tragende Strukturen, Softwarelizenzen und auch Rechtsschutz müssen finanziell abgesichert werden", so Vizepräsidentin Birgit Pestal über die Ziele des Österreichischen Medienverbands. Freie Medien sind weit mehr als nur die Ausbildungsstätten der Journalisten der Zukunft. Sie seien, so Aschauer "Garant des medienkulturellen Pluralismus in Österreich und sollten in einer funktionierenden Demokratie erkannt und wertgeschätzt werden."
In der Tat spielen in einem so kleinen Land wie Österreich, dessen Economies of Scale für blühende Medienpluralität wahrlich nicht geschaffen sind, freie Medien eine beträchtliche Rolle. Trotzdem bin ich strikt gegen ein Fördersystem nach dem Gießkannenprinzip - eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen den infrastrukturellen, juristischen und informations-technischen Nachteil auszugleichen, sollte allerdings in der Tat Ziel einer nachhaltigen Medienpolitik sein: denn eine sinnvoll angelegte strukturelle Förderung schafft Synergien, von denen letztendlich alle nur profitieren können. Mehr dazu auf der Homepage des Österreichischen Medienverbands.
Ort: FLUC Wanne am Praterstern
Eintritt: freie Spende
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Gestern Abend rockte DJ Spooky den Dom im Berg - direkt nach der einleitenden Podiumsdiskussion, die ich aufgrund verspäteter Anreise leider verpasst habe, trat New Yorks Illbient-Aushängeschild hinter die Turntables. An meinem heutigen Kater war allerdings in erster Linie Herr EmeeGrant schuld, der in punkto Floor-Moving und Selection meiner Meinung locker mit Spooky mithalten konnte.
Als wir um halb zehn im Dom im Berg eintragen, war die Location noch eher spärlich gefüllt, das ändere sich in den folgenden Stunden allerdings recht rasant. Spooky trat vor zu Beginn ob des Wahlergebnisses enthusiasmiert ans Mikro und kündigte ein fröhliches Mash-Up Set an, und dieses Versprechen hielt er ebenso routiniert wie gekonnt mit einem weiten Bogen von James Brown bis Panjabi MC ein. Partytechnisch ging das Konzept voll auf, ruhig an seinem Platz stand nach einer Stunde jedenfalls niemand mehr. Allerdings hätte ich persönlich wesentlich lieber den Illbient-Scratch-Wahnsinn, den ich von Spookys älteren Platten gewohnt bin, gehört - und muss im Nachhinein Richard Pyrker zustimmen: weite Teile des Sets erinnerten an die klassische Too Many DJs Masche, was dann doch ein wenig unerwartet kam. Hier ein paar Bilder vom gestrigen Abend - aufgenommen mit Anjas iPhone:
Die Überraschung des Abends lieferte für mich dann wie gesagt der Grazer DJ und Musikvernetzer EmeeGrant: was als vergleichsweise harmloses Funk-Set beginn, morphte innerhalb der ersten Stunde zu einem fantastischen elektronischen Groove irgendwo zwischen Dub, Techno, Afro, Minimal und Intelligent House, der genau die richtige Mischung aus Anknüpfungs-Punkten und neuen Beats bot. Two thumbs up! EmeeGrant steht ab sofort auf meiner Watch-List.
Heute von 12:00 bis 14:00 Uhr trafen wir uns in der Grünen Akademie, um beim Workshop "Creative Commons and Collecting Societies" in der Grünen Akademie. Obwohl Paul Keller von CC Österreich aus gesundheitlichen Gründen absagen musste und mich die Nachwirkungen des Party-Abends noch einigermaßen im Griff hatten, entwickelte sich ein äußerst spanendes Gespräch.
Mit dabei waren neben Christian Schwanz aka CEE (der morgen Abend auch im Dom auflegt), Christoph Kummerer von Netvinyl.org/a> und Bernhard Hansbauer, Betreiber der Netzlabels Laridae und Bleak diverse Musik-Praktiker, und nach einer Stunde Diskussion wurde schnell klar: Schwein des Anstoßes ist jener Paragraph im AKM-Vertrag, der Musiker verpflichtet, *jedes* ihrer Stück anzumelden. Es ist rechtlich nicht möglich, einzelne Tracks von der AKM-Vertretung rauszunehmen (etwa zur Eigenverwertung). Dass die Collecting Societies in Österreich irgendwo im 19. Jahrhundert stecken geblieben sind und einer einigen Austropopper eine gemütliche Pension ermöglichen, ist eine Sache. Dass ein Großteil der "kleinen" Musiker in Radio-, Clublisten etc. gar nicht erfasst werden, und sozusagen unter dem Radar der pauschalisierten Abrechnung durchfliegen, eine andere - und zeigt, wie dringend man endlich auf die veränderte Situation reagieren müsste. (Und damit meine ich, dass Musik längst nicht primär auf Notenblättern vertrieben wird :mrgreen:)
Jenseits von Begehrlichkeiten der Major Labels lautet die zentrale Frage, wie ein Abrechnungssystem aussehen könnte, das endlich auch dem musikalischen "Longtail" zugute kommt. Mir persönlich gefällt Christophs Vorschlag, einen Teil der Gelder nicht direkt auszuzahlen, sondern in sinnvolle Infrastruktur-Förderung, die Musikern zugute kommt, ausgesprochen gut. Ebenfalls ein wichtiger Punkt in der Diskussion waren die "Limitationen" der Creative Commons Musterverträge: was "bringt" die CC Lizenz, was kann sie nicht leisten?
Selbstverständlich ist dieses Thema viel zu komplex, um innerhalb eines Workshops abgehandelt werden zu können. Und daher habe ich mich auch sehr über Rainer Praschaks Angebot, unsere "Was-wäre-wenn-Runde" im Mica in Wien fort zu setzen - idealerweise mit Vertretern der AKM/AUME. Denn dort scheinen manche Verantwortlich zu glauben, dass CC-Lizenzen sich als Nerd-Hobby einiger verstiegener Elektroniker abtun lassen. Aber sobald man ein paar Schritte zurücktritt und versucht, eine etwas weitere Perspektive zu gewinnen, wird eines ganz schnell klar: der (rechtliche) Umgang mit Kulturgütern war und ist von klar ökonomischen Interessen geprägt, und die kommen in erster Linie den Big Players (falls man diesen Begriff in .at überhaupt anwenden kann) zugute. Es ist höchste Zeit, ein Modell zu finden, dass die gesellschaftliche Dimension der Kulturproduktion ebenso berücksichtigt wie die Ansprüche und Wünsche des "kleinen" Musikers.
Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung des Workshops und auf Atom tm morgen Abend im Dom! An dieser Stelle noch ein ganz großes Kompliment an die Veranstalter: ihr habt ein fantastisches Festival mit großartiger Atmosphäre, spannenden Gästen und einem Spitzen-Line-Up aufgestellt: Respekt!
DJ Marky und MC Stamina waren gestern Abend von eins bis drei für die Beschallung des Dom im Berg verantwortlich. Der Ausnahme-Turntablist aus Sao Paolo und sein kongenialer britischer Gesangs- und Rap-Partner lieferten eine Show ab, die für mich persönlich zu den absoluten Highlights des diesjährigen Festivals zählte. Dazu leisteten auch die elaborierten Visuals von Mox und Decollage.tv einen beträchtlichen Beitrag. Bushwacka trieb uns anschließend ganz schnell Richtung Postgarage, wo Hot Chip gerade recht konsequent den Club leerspielten - aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Timing war gestern einfach perfekt: wir hörten genau nix mehr von Gilles "Dancefloor-Boredom" Peterson - als wir den Dom enterten, legte Marky gerade die erste Pladde auf den 1210er. Kein softes brasilianisches Intro, sondern brachiale Basslines gleich zu Beginn: Mister Marky vergeudete keine Zeit, und nach den ersten drei Brettern betrat Stamina die Bühne. Ab diesem Moment begann eine großartige Soundreise: wie wenige Plattendreher beherrscht Marky, der mit 13 seine DJ-Karriere begann, die Kunst der Set-Dramaturgie und das perfekte Wechselspiel von soft und hart, das gerade bei Drumandbass Sets unerlässlich ist für längerfristige Tanzmotivation. Seine schon damals sicken Scratch-Skills hat Marky, seit ich ihn vor drei Jahren das letzte Mal auflegen gehört hab, noch weiter verbessert - und setzte sie an mehreren Stellen gekonntest ein. Stamina MCs Kommentar dazu: "Your friends told you about him, you've seen him on youtube - he is *my* DJ!" Kein Wunder, dass bei so großartiger Mucke der altbekannte Zeitdilatationseffekt eintrat: nach subjektiv gefühlten 30 Minuten waren die zwei Stunden um; "LK", Megahit und Signature-Tune des Duos, folgte als vorletzte Nummer. Alles in allem: grandios! Außerdem möchte ich unbedingt wissen, wie dieses Dubplate heißt, bei dem eine Frauenstimme singt "Shorty, what's your dream deep down?" Falls irgendjemand diese Nummer kennt, bitte ich um einen Hinweis - der Track ist der Liquid-Burner schlechthin...
Ach ja, noch ein Wörtlein zu den Visuals: das Setup im Dom besteht aus drei Leinwänden (Mitte, links, rechts), die auch unabhängig bespielt werden können. Während mich die bewegten Pixel am Freitag gar nicht vom Hocker rissen (dafür aber Robert Owens), war ich gestern ziemlich begeistert und der äußerst abwechslungsreichen Melange aus Fotos, Videos und Typo-Spielereien - sehr anregender visueller Input, bravo!
Dass Bushwacka dieses Set nicht würde toppen können, hatte ich bereits vermutet. Allerdings brauchte er nur zweieinhalb (grauslich mittenübersteuerte) Nu Rave Breakbeat Tracks, um uns ganz schnell Richtung Postgarage zu scheuchen. Als wir dort ankamen, schien alles gut: der Hot Chip DJ spielte gerade gemütlichen Old School DnB - aber nur drei Tracks lang. Dann wurde es ungewollt kuschelig, und eine Menge Folks, die gerne ihre Beinchen geschwungen hätten, beschlossen in Ermangelung von Couches, den Club zu verlassen. Uns hielt die Hoffnung auf feine Acid Breaks von Luke Vibert vor Ort, die war allerdings nach einer Stunde restlos aufgebraucht; und als Wagon Christ, der um 3:30 hätte beginnen sollen, um 4:45 noch immer nicht hinter den Turntables stand und alles darauf hindeutete, dass Mr. Hot Chip demnächst beginnen würde, seine Bob Marley Sammlung auszupacken, beschlossen wir einen, den Vibert einen guten Mann sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg.
Fazit: Marky machte den letzten Abend des Festivals zu einem Highlight. Im Großen und Ganzen hat mit das diesjährige Spring großen Spaß gemacht, und das Line-Up war motivierend genug, um viermal hintereinander bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Weniger gelungen fand ich in Einzelfällen die zeitlichen Programmierung: das eine oder andere Mal war's gerade zur "Haupt-Tanzzeit" 2 bis 4 einfach zu hatschert, ruhig und elegisch - wobei man allerdings, und das ist ja eine der Hauptstärken des Spring, bei derart vielen Locations immer recht problemlos eine Ausweichmöglichkeit findet. Der Festivalbus ist dazu nicht unbedingt erforderlich, denn in Graz liegt definitiv alles in Gehweite
In diesem Sinne also herzlichen Dank ans Spring-Team für vier lässige Tage in der Murmetropole; wenn ich wieder zurück in Wien bin, werd ich ein kleines Video aus meinen Schnippselchen zusammenschneiden.
| 20. Dezember 2007 | ||
| 21:00 |
Schnell nochmal abfeiern vor Weihnachten? Wer heute Abend in der steirischen Metropole weilt, dem kann ein Besuch der bruit Netlabel-Nacht trotz tiefer Temperaturen nur wärmstens empfohlen werden. Gegründet wurde das Online-Label für freie Musik von Gert Brantner und Dr. Nachtstrom, hier am Blog habe ich schon mehrmals über die hochinteressante Selection geschrieben.
Die Labelnight findet im Rahmen des Interpenetration Festivals statt, Veranstaltungsort ist das Forum Stadtpark Graz (malerisch gelegen mitten im Grazer Stadtpark), genauer gesagt dessen Keller, am Programm steht einerseits die Präsentation des demnächst bei bruit erscheinenden Releases "Tempelhof / Graz. A Virtual Journey" von TV-Victor (Berlin, Tresor Rec.) und die folgenden Liveacts:
Die Turntables bedienen She-Ra, Dr. Nachtstrom und v93r, um 21 Uhr geht die Sause Los und - der Eintritt ist gratis, also gibt's auch keine Freikarten zu gewinnen
| 31. Oktober 2007 20:00 | bis | 1. November 2007 2:00 |
Selbst die hartnäckigsten Schneehasser können es nicht mehr leugnen: der Sommer ist vorüber, also höchste Zeit, in der Bunkerei im Wiener Augarten den offiziellen Badeschluss zu feiern. An den Turntables steht niemand geringerer als Maestro Scheibosan, der nach seiner gesundheitsbedingten Pause nun endlich wieder die Floors dieser und anderer Städte rockt!
Die Bunkerei macht mangels winterfester Ausstattung die übliche Pause - mit anderen Worten: Badekleidung ist nicht erforderlich, eine warme Jacke wäre aber durchwegs von Vorteil. Gebadet wird in feuchtem Minimal und Maximal Electro, in schlüpfrigem Cosmic und Spacedisco sowie in wetfun*ked House und Groove. Los geht's ab 20:00 Uhr, der Eintritt ist frei und so sieht das komplette Line-Up aus:
A propos Sommer und Musik: mein Blogkarneval SommerSoundTrack geht am 2. November zu Ende, wer noch einreichen möchte, hat noch bis übermorgen Gelegenheit. Die Chancen auf einen der sechs Preise sind ganz hervorragend, denn bisher hält sich die TeilnehmerInnenzahl leider in Grenzen - ich hätte ja durchwegs mehr Hobby-Musikjournalisten unter der geschätzten Bloggerschaft vermutet
| 18. Oktober 2007 | bis | 23. Oktober 2007 |
Am 25. Oktober feiert Techno-Legende Sven Väth in der Ottakringer Brauerei seinen Geburtstag im Rahmen der Eventreihe "Essence". datenschmutz verlost 1x2 Eintrittskarten für die Party sowie einmal die aktuelle Mix-CD "Olive" von Electric Indigo und Crazy Sonic. Wer einen der beiden Preise gewinnen möchte, schreibt einfach einen Kommentar zu dieser Story. Auf drei Floors wartet technoide Beschallung vom feinsten - und die Ottakringer Brauerei ist allemal einen Besuch wert - zumindest geht dort das Bier wohl niemals aus
Eine Registrierung ist dazu nicht erforderlich - aber bitte die richtige E-Mail Adresse angeben, sonst wird's nix mit der Gewinnverständigung. Wer am 25. nicht in Wien weilt und daher nicht in die Ottakringer Brauerei kommen kann, aber trotzdem gerne die CD haben möchte, möge dies in seinem Kommentar vermerken! Hier geht's zu den genauen Teilnahmebedingungen.
Das Gewinnspiel endet am 23. Oktober. An diesem Tag wird auch die/der GewinnerIn der Freikarten via E-Mail informiert.
Sven Väth wird an diesem Abend hinter den Turntables nicht allein feiern: Philipp Straub, Crazy Sonic und Peter Kruder (dessen Techno-Sets mittlerweile legendär sind und mir persönlich weit besser gefallen als der frühere K&D Downbeat Style) unterstützen den Betreiber des Cocoon Club.
Der Hauptact blickt auf ein ausgesprochen bewegtes Techno-Leben zurück: geboren am 26.10.1964 in der Nähe von Frankfurt, war Väth bereits in den späten achtziger Jahren mit Hits wie "Electric Salsa" in den Charts vertreten. Später folgen zahllose Techno-Produktionen, der Amnesia Club in Ibiza und vor allem das Cocoon-"Imperium", einem Konglomerat aus Hi-Bro Club, Booking Agentur, Radioshow, Merchandise, Labels und Restaurants. Sven Väth beweist mit seinem langfristigen Erfolg, dass er nicht nur ein Gespür für die richtigen Beats und eine Faible für Hedonismus und ausgefallene Feierei hat, sondern zeigt sich auch als erfolgreicher Geschäftsmann, der in Zeiten einer untergehenden Popindustrie Synergie-Effekte perfekt auszunutzen weiß. Am DJing hat der Mann ganz offensichtlich in all den Jahren nie den Spaß verloren, ein Väth-Geburtstagsset garantiert Qualität.
Insgesamt hat die Partycrowd in der Ottakringer Brauerei die freie Wahl zwischen drei Floors:
Floor 1: Sven Väth (Cocoon), Philipp Straub (PS Recordings), HOT-X (Deadcode)
Floor 2 - hosted by Crazy: Peter Kruder (G-Stone), Crazy Sonic (Flex Schallplatten), Patrick Testor (spätvorstellung), Fauna (Flex)
Floor 3 - Lounge hosted by koma.beach: SirSchranzelot (komakollektiv), Kayoz (shellbeach), Nicolas Bacher (nb records)
Im Vorverkauf kosten die Tickets 20 Euro, an der Abendkasse 25. Mehr Infos gibt's unter Urbanartforms.com. Wer sich also den Eintritt sparen möchte, hinterlässt einen Kommentar zu dieser Story. Unter allen TeilnehmerInnen wird zusätzlich einmal die brandaktuelle Mix-CD "Olive" von Crazy Sonic und Electric Indigo verlost. Das Tracklisting sieht folgendermaßen aus:
Wer also gewinnen will, schreibt zu diesem Beitrag bis zum Dienstag, 23. Oktober, einen Kommentar zu dieser Story. Für die GewinnerInnen-Ziehung ist wie immer die datenschmutz-Abteilung Glücksfeen im Team mit König Zufall verantwortlich. Vielen Dank an Birgit und an Urban Artforms - und allen TeilnehmerInnen viel Glück beim Gewinnspiel!
Das aktuelle Mixtape von DJ Food lässt Genregrenzen hinter sich und benützt Hip Hop als genre-verbindendes Format.
Mix- und scratchtechnisch werden hier sowieso nur Übergänge vom feinsten serviert, die Deluxe-Trackauswahl von Primal Scream über Aphex Twin und Pepe Deluxe bis zu Pendulum erstaunt, überrascht und erfreut das Herz des Beatdiggers. Der erste Soundtrack zum Sommer 2k7, serviert von zwei Meistern ihres Fachs.
Mit der Jazz Breaks Serie stellt DJ Food sein Talent fürs Crate-Digging schon seit Jahren unter Beweis - dass der Solid Steel (a Subdivision of Ninja Tunes) Mastermind auch an den Turntables einiges drauf hat, hört man jeder Sekunde von "Now listen again" an. Perfekt getimte Scratches, minutiöse Planung der Übergänge - natürlich handelt es sich um einen Studiomix, der allerdings genau jenes Quentchen Perfektion verströmt, das man sich von einem solchen Unterfangen erwartet.
Label: Solid Steel
| 5. Mai 2007 | ||
| 18:00 | bis | 23:30 |
Antirassistisch gaben wir uns am 30. April (die) Kante, anschließend beging ganz halb Wien den 1. Mai traditionsgemäß beim Praterfest. Und weil die ÖVP sich auch ein parteinahes Festl leistet, darf am kommenden Samstag im Innersten Bezirk auch nochmal ordentlich abgerockt werden.
Ob diese Veranstaltung den offiziellen Stenzel Stempel der inoffiziellen "Gallionsfigur der Unkultur" trägt, ist mir nicht bekannt. Neulich jedenfalls machte die ehemalige ORF-Sprecherin und nunmehrige Bezirksvorsteherin des 1. neulich wieder mit markigen Sprüchen auf die desolat ghetto-eske Situation rund um den Stefansdom hin:
Denn, so Stenzel: "Der Rudolfsplatz entwickelt sich zur Bronx von Wien." Sie appelliert an die Stadtregierung, sofort tätig zu werden: "Ich warte nicht auf den nächsten Schwerverletzten." [Die Presse]
Da kann man nur hoffen, dass die Mülltonnen im Bereich des Judenplatzes friedlich brennen, dann dort gibt's am 5. Mai nämlich ein spannendes Programm, wie ich gerade von Susanne erfahren hab, die übrigens von 21:00 bis 2:00 Uhr in der Herrengasse 12 in der H12BAR des Stylehotel Vienna an diesem Tag selbst hinter den Turntables tätig sein wird.
Vorher geigen am besagten Judenplatz folgende Musikanten auf (Kommentare von Susanne):
Für Fans weniger elektronischer Genres ist natürlich auch gesagt: Am Hof geben sich Rebekka Bakken, Klee und Naked Lunch ein Stelldichein, Ö1 versorgt mit seiner Hörinsel Klassikhörer und und und - alle Details zum Programm gibt's auf Stadtfestwien.at. Wenn die Kältewelle bis Samstag wieder ordentlich abflaut, könnt's ein angenehmer Nachmittag werden. Frau Stenzel kann ja bei soviel Unkultur notfalls eine temporär stillgelegte Zone im 22. Bezirk umsiedeln.
Vor fast 10 Jahren war ich mit Frank Hartmann in Linzer AEC Skyloft beim Vortrag von DJ Spooky, der im Rahmen der Intertwinedness-Lecture Serie von Christa Schneebauer und Margarethe Jahrmann einen kombinierten Text- und DJ-Vortrag hielt: seine Ideen über Remixing und Kulturproduktion illustrierte er akustisch an den Turntables.
Im Anschluss an den Vortrag habe ich mit Paul Miller ein Interview geführt, der folgenden Text entstand gemeinsam mit Frank Hartmann und wurde 1998 auf telepolis veröffentlicht. (Dort gibt's auch eine englische Version. Mir ist grade aufgefallen, dass Spookys Ausführungen nichts an Aktualität eingebüßt haben - enjoy.
von Frank Hartmann und Richard Pettauer
Die Vortragsreihe 'Intertwinedness' am Ars Electronica Center in Linz versucht, den Diskursverflechtungen der Netzkultur gerecht zu werden: durch medientheoretische "Lectures und Events" wird eine Textur zwischen "Content und Concept" definiert, die in mehrere Richtungen lesbar sein soll. Der Cyberspace wird dabei als sozialer Zusatzraum decodiert, als ein soziales Milieu der Techno-Community-Bildung, mit der die Erfindung von Kultur aktuell stattfindet. Es war nur konsequent, DJ Culture und ihre Verfahren von Sampling, Non-Copyright und Audiac Erfahrungssteigerung hier einzubeziehen, denn das sind die kreativen Ansätze in einer transdisziplinären Interpretation medialer Lebensrealitäten. Eines der radikalsten Beispiele zur Grenzüberschreitung zwischen bildender Kunst, Medientheorie und urbaner DJ Jugendkultur liefert Paul D. Miller aus New York, a.k.a. DJ Spooky 'that Subliminal Kid'.
DJ Spooky gilt wohl in erster Linie als einer der weltbesten DJs, schreibt aber auch Sach- und SF-Bücher und ist als Performancekünstler unterwegs. Ausgebildet in Philosophie und französischer Literatur, sieht er DJ-ing als "Recombining of Musical Patterns" und seine Musik als eine narrative Strategie, als Mischung aus Ambient, Hip Hop und allem, was ihm so einfällt. Seine Songs klingen schmutzig, chaotisch und abwechslungsreich, aber leicht will er es seinen Hörern keineswegs machen, denen er Einblick in sein Verständnis von Musik, Medien, Globalisierung und Kulturtechniken bietet. Dieses Interview fand nach seiner Performance am AEC (21. April) statt.
Boom, there it is. Sound and signification. Sound as social text. Sound as bearer of social memory. Who's there? (Dj Spooky: Dark Carnival)
?: Du zeigst, daß verschiedene Platten aus verschiedenen Dekaden immer wieder denselben Drumbeat verwenden, und DJing ist für dich eine Art Mustererkennung und Rekombination von Entwicklungslinien, die sich durch die Musikgeschichte ziehen. Andererseits sagst du aber, du verwendest jeden Musikstil und mixt wild und chaotisch durcheinander. Willst du mit deiner Musik diese Entwicklungslinien aufzeigen und zusammenbringen oder machst du etwas vollkommen Neues?
DJ Spooky: Mein Stil ist die Migration zwischen verschiedenen Einflüssen. Heraus kommt dieser seltsame, schwierig einzuordnende, chaotische Sound, den ich so mag. Die meisten DJs arbeiten sehr sauber, das ist okay, aber nicht meine Sache. Ich will mit meiner Art von DJing, das sich zusammensetzt aus unzähligen Cut-Ups und Scratches, versuchen, kulturelle Barrieren zu überwinden. In den USA zum Beispiel sind die Rassenbarrieren nach wie vor sehr groß, in Europa, vermute ich, ebenfalls. Zum dialogischen Geben und Nehmen, zum Austausch, findet man am leichtesten durch die Vermischung. Die Generation von Afro-Amerikanern, zu der ich gehöre, beginnt langsam diese Barrieren der Verbitterung zu überwinden. Nimm Puff Daddy, den ich sehr schätze. In diesem Bereich existiert keine integrativere Figur als er, weil er so viele verschiedene Musikstile verwendet. Er sampelt Led Zeppelin, Reggae, was immer. Sowohl im ökonomischen als auch im psychosozialen Bereich beginnt sich langsam ein Sinn für Gleichheit im Sinne eines Nebeneinander auszubilden. Früher konnte Elvis in ein Blues-Pub gehen, sich anhören, was dort abläuft, und das Zeug einfach stehlen und unter seinem Namen verkaufen - und die gegenwärtige Entwicklung wirkt dem entgegen.
?: In deinem Buch "Flood My Blood the DJ Said" geht es um intellektuellen Besitz und Copyright, ein heikles Thema im Zeitalter digitaler Medien. Wie gehst du als DJ, der "quer durch den Gemüsegarten sampelt", mit diesem Thema um?
!: Der Unterschied liegt zwischen Aneignung (appropriation) und Zitat (quotation). Zitat bedeutet zu sagen: "Mir gefällt dieses Stück von diesem Musiker, deshalb verwende ich es." Das ist eine Hommage an den betreffenden Künstler. Aneignung bedeutet, den Namen des anderen grundsätzlich auszuradieren. Das will ich auf keinen Fall. Die Popkultur ist insgesamt multikultureller geworden. Puff Daddy ist das perfekte Beispiel für diese subkulturübergreifenden Entwicklungen: Seine CDs verkaufen sich in Amerika, Europa, Japan...wo immer. Beim Sampling will ich ganz bewußt Zitate verwenden, und daraus etwas formen. Andererseits muß ich aber dazu sagen, daß jeder meine Sounds sampeln darf, der Lust dazu hat - ich werde natürlich niemanden verklagen.
Für mich ist Musik immer eine Metapher, und ich versuche, diese bestehenden Metaphern zu rekontextualisieren. Diese Rekontextualisierung macht den Sciene-Fiction-Aspekt meiner Musik aus.
Eine konsistente Erzählung ist nicht länger möglich, möglich ist nurmehr die Performanz, das Spiel mit der "binären Dissonanz" zwischen Original und Kopie, zwischen Künstler und Publikum. Der Künstler nimmt dabei Züge eines Magiers an, dessen Fertigkeiten das Publikum zu verzaubern vermögen. Er ist aber auch Storyteller, afrikanischer Griot, der sein Publikum nicht mit einem Meisterdiskurs, sondern mit tradierten Erzählmustern in den Bann zieht, die gleichwohl Aktuelles verarbeiten. DjSpooky arbeitet nicht nur mit Soundpatterns, sondern auch mit visuellem Sampling. Während seiner Performance tritt das Publikum in telekinetischen Kontakt mit seiner unmittelbaren Geschichte, mit den Bildklischees und medialen Stereotypien des zwanzigsten Jahrhunderts, mit seinem Mediengedächtnis.
One World, Global Village, etc. - die Konzepte mögen täuschen, aber die mediale Entwicklung zeigt einen Drift in Richtung einer Vereinheitlichung der Lebenswelt. "Sound" wird zu einer Kategorie, welche die menschliche Grundbefindlichkeit ebenso bestimmt wie die uns gemeinsame "Logik" - allerdings ohne von den Philosophen der Moderne je bemerkt worden zu sein.
?: Die Idee, daß es in der Musik tieferliegende mathematische, zumindest immer wiederkehrende, Strukturen gibt, die aufgezeigt werden können, hat Dich lange Zeit fasziniert. Beschäftigst du dich noch mit dem universellen musikalischen Code?
!: Ja, natürlich. Musik ist einfach per se eine universelle kulturelle Sprache, und das gibt dir als Musiker großartige Möglichkeiten in die Hand. Musik steht niemals für sich allein. Jedes Stück vereint so viele Einflüsse in sich, und ist damit wieder eine Art Zitatensammlung. Im luftleeren Raum passiert gar nichts: Beim DJing wird genau das externalisiert und bewußt gemacht. Wenn du Musik machst, befindest du dich nie in einem Vakuum, sondern in einem Geflecht von Einflüssen.
?: Du bezeichnest Dich in erster Linie als Autor, und nur nebenher als DJ. Wo liegen die Unterschiede?
!: Nirgendwo, es gibt gar keine. DJing ist Schreiben und umgekehrt. Der einzige Unterschied liegt vielleicht in den historisch gewachsenen Arten des Zugangs: Lesen erfordert mehr Aufwand, du mußt lesen können, ein Buch nehmen, dich damit beschäftigen - aber das betrifft nicht die Sache selbst, sondern nur den Zugang. Wir haben mehrere Kulturtechniken nebeneinander, Lesen, Musik, Fernsehen...man muß dazwischen hin- und herschalten, statt sich auf eines zu beschränken. Ich weiß, das klingt recht idealistisch. Ich beschäftige mich sehr viel mit Popkultur, und es gibt da ein Phänomen, das ich "Cultural Inertion" nenne: Die Leute sind so gefangen in ihren Mediennutzungsgewohnheiten, daß Neuerungen eine lange Zeit brauchen, bis sie sich durchsetzen.
Was die philosophische oder theoretische Komponente in meiner Musik angeht, ist mir klar, daß sich der Jugendliche von der Straße, der zwei Turntables bedient, wahrscheinlich nicht für Derridas Auffassung von Dekonstruktion interessiert - aber der Zugang ist da, eben über die Musik.
Live klingt das, was DjSpooky auf CD erscheinen läßt. Und widerspruchsvoll. Ambient Sound erhält eine neue Bedeutung, als akustische Skulptur des zwanzigsten Jahrhunderts. Diesen Widerspruch nennt er eben nicht mehr "Ambient", sondern "Illbient" - irgendwo immer noch der Ruhe und Gefaßtheit des "Am" verpflichtet, wird seine Musik plötzlich schwer verdauchlich, eben "madly cut up" - das "Ill" tendiert so nicht zur Perversion einer Idee, sondern zu ihrer Erweiterung, belegt durch die vielen Epigonen dieses Stils, dessen Vorreiter und Namesgeber DJ Spooky war.
Wenn er live auftritt, wie in dieser Lecture/Performance, dann fährt der Groove wie ein Güterzug über die Nerven der Anwesenden, während der 'Sprechakt' des performativen Soundmixes die Grenzen intellektueller Credibility (die in seinen Texten durchaus eingefordert wird) transformiert. Er nennt es auch Jazz, wenn er in seinen "Objektilen" und Texten zu "Found Sounds" soziale Evolution, Rekombination und Repetition im elektronischen Milieu des Cyberspace reflektiert. Jazz aber ist mehr als der Musikstil einer Epoche, Jazz steht mehr für den Zugang zu und den Umgang mit einer kulturellen Tradition. DjSpooky zitiert Haydn, Schubert, oder Beethoven, wenn er diese kulturelle Kreativität anspricht, aus der eine Musik lebt. Aber er arbeitet nicht mit diesem klassischen Material, wohl aber mit dem der afro-amerikanischen Avantgarde. Man hört aber auch Hitchcock, McLuhan, und Versatzstücke aus Medienproduktionen, sowie die in der DJ-Kultur der letzten zehn Jahre obligat gewordenen Samples aus B-Movies.
?: Du versuchst, verschiedene Stile zu verbinden. Jugend- oder Subkultur hat in den letzten Jahrzehnten allerdings eine beispiellose Diversifikation erlebt. Siehst du in dieser Vielfalt kreatives und innovatives Potential?
!: Das ist unglaublich wichtig, weil es erst verschiedene "Psychologien" ermöglicht. Wenn man immer nur am selben Standpunkt bleibt, in derselben Subkultur, bleibt man damit auch immer am gleichen geistigen Status kleben. Ich denke wirklich, daß ein großer Teil der Musik aus den 20er, 30er Jahren vollkommen wahnsinnig und wild, chaotisch und experimentell war. Aber wenn Du jemand aus dieser Zeit in einen Club der 90er bringst, würde er das, was er dort hört, wahrscheinlich nicht einmal für Musik halten, sondern für das totale Chaos - so ändern sich eben auch die Hörgewohnheiten. Die Generation, die mit Medien wie Fernsehen oder inzwischen Internet aufgewachsen ist, kriegt bessere Voraussetzungen mit und einen offeneren Blick für verschiedene Kulturen als jede Generation vorher. Aber dann gibt's auf der anderen Seite die Firmenkultur: Überall auf der Erde haben Kids, die Nikes oder Reeboks tragen, mehr gemeinsam, als wenn sie die gleiche Musik hören - eine völlig sinnlose Art der Globalisierung - ich bin da Idealist und hätte lieber, daß sich die Kids verschiedene Arten von Musik anhören und darüber Gemeinsamkeiten finden.
?: Du beschäftigst mich mit Philosophie und Musik. Was kommt zuerst, und wie sieht dieses Verhältnis aus?
!: Musik ist Theorie, Theorie ist Musik. Wenn du ein guter Autor bist, wirst du zum Musiker. Schreiben ist Musik, anders kann ich das nicht erklären. Nimm Nietzsche her: Er war ein so brillanter Autor, daß seine Texte schon fast zu Musik geworden sind. Bei großen Poeten fühlt man die Musik in ihren Texten. Musik ist keine nicht-narrative Technik, aber die Mitteilung funktioniert hier vollkommen anders.
?: In deiner Musik arbeitest du sehr viel mit Zitaten. Versteht man deine Sachen, ohne all die Alben zu kennen, die du dazu verwendest?
!: Wenn man sagt, jemand ist belesen, so bedeutet das doch, er hat eine Menge Bücher gelesen, kann sie referenzieren und in einen konzeptuellen Rahmen einordnen. Man hat einen Überblick. Bei Musik gibt es auch so etwas wie "Belesenheit": Je mehr du gehört hast, desto besser kannst du Querverweise herstellen und Zitate erkennen. Um sich in einem von beiden zu spezialisieren, braucht es Monate, Jahre, in denen man liest oder Musik hört. Der Unterschied ist aber, daß Menschen zu Musik einen viel leichteren, weil emotionalen Zugang haben. Wenn dir ein Buch nicht gefällt, legst du es nach ein paar Seiten weg.
Digitale Mixing-Software wird erwachsen - die neueste Generation verabschiedet von der Two-Turntables Metapher. Diesen Text über den Wandel der digitalen DJ-Interfaces hab ich für die 10-Jahres-Jubiläumsausgabe von the gap geschrieben - es geht um das klassische techno-mediale Spannungsfeld, um den Wechsel von der Simulation klassischer Interfaces hin zu genuin digitalen Benutzeroberflächen.
Kombinierte Hard- und Softwarelösungen zum Überblenden von mp3-Files kann der Techno-Fetisch interessierte Home-DJ seit Jahren erwerben. Im professionellen Bereich dagegen durften solche Programme allerdings vorwiegend automatisch Diskotheken und Supermärkte bespielen: als zu umständlich, unhaptisch und letztendlich auch unpräzise erwiesen sie sich bislang für den ernsthafte Plattendreher. Abgesehen von Lo-Tech Charme versprühenden Randveranstaltungen wie dem Gameboy Music Club zählen unter den erschwerten Bedingungen der nächtlichen Clubbespielung vor allem zwei Faktoren: Soundqualität und Einfach- bzw. Robustheit der Bedienelemente.
Diese Bedingungen erfüllte und erfüllt der klassische 1210er Turntable heute noch mit Bravour - freilich hat sich die digitale Hardware auch ganz gewaltig weiterentwickelt. Klangqualität ist längst kein Thema mehr, und dedizierte Midi-Hardware-Controller ersparen dem Laptop-Artist die umständliche Frickelei mit Maus und Tastatur. Dabei geht's allerdings längst nicht nur um Gewichtsreduktion und Flexibiltät: Mixing-Software neuester Generation orientiert sich nicht an klassischen Abspielgeräten, sondern an der Timeline-Metapher modern Produktionsumgebungen - und vermischt damit ganz nebenbei die Grenzen zwischen Soundkonserver und Live-Performance.
Interfaces sind nie ein singuläres Phänomen, sondern ein Amalgam aus technischen Möglichkeiten, bewährter Praxis, Code und Anwendungszweck. Die traditionelle klassische Notenschrift erfasst längst nicht alle Parameter eines Musikstücks - aber genug davon, um jederzeit eine wiedererkennbare Reproduktion zum Beispiel durch ein Symphonieorchester zu ermöglichen, und ein Sequencer wiederum nutzt völlig andere Darstellungsparameter als ein Wav-Editor.
Vor der Ära der technisch-akustischen Speicherung fungierte stets der Mensch Interpretateur des Codes. Erst mit den Speichermedien wirkt die Technik als Übersetzungsschicht, erfüllen zuerst mechanische und später algorithmische Konstruktionen die Aufgabe der Umwandlung des Codes in Schall.
Die Vinyl-Schallplatte in ihrer unübertroffenen Direktheit kennt keine metaphorische, sondern eine sehr konkrete "Bedienungsebene": die akustischen Informationen, welche die Nadel auf ihrer Reise durch die Spiralrille mitnimmt, sind analog kodiert und reproduzieren ohne zwischengeschaltene Umrechnungsebene direkt die in ihnen gespeicherten Töne. Wer eine unerwünschte oder ohnehin stark verkratzte Platte zuhause rumliegen hat, der kann diese genauso gut mit der klassischen Nähnadel mit Papiertrichter abspielen.
In dieser nahezu instrumentalen Direktheit gestaltete das Vinyl-Interfaces die Ausdrucksmöglichkeiten des DJs. Die verschiedenen Möglichkeiten des haptischen Eingreifens führte zur Entwicklung einer Reihe akrobatischer Techniken, zur Meisterschaft getrieben beim Scratching im Hip Hop. Keine Überraschung also, dass das Gros der Club DJs weiterhin auf Vinyl vertraute, während sich CDs im Consumer-Bereich steigender Beliebtheit erfreuten.
CD sind ebenfalls rund und drehen sich - viel mehr haben sie mit Schallplatten schon nicht gemein. Erhebungen und Vertiefungen auf der Silberscheibe schreiben die Musikinformation als digitalen Code, der D/A Wandler im CD-Player wandelt sie in elektrische Schwingungen und die Boxen in Schall um. Spätestens seit der weiten Verbreitung von CD-Brennern lassen sich die Silberscheiben am durchschnittlichen Heim-PC on demand herstellen und ersparen so das aufwändige und teure Cutten echter Dubplates. Und wenn auch der Zahn der Zeit schneller an Ihnen nagt als an Vinyl, so lässt sie der Vorgang des Abspielens qualitätsmäßig völlig unberührt, während Platten sich im eigentlich Sinne des Wortes selbst mit einer optimal eingestellten Nadel abnutzen.
Eingang in die Clubs hat digitaler Sound mit den sogenannten DJ-tauglichen CD-Playern gefunden: Pioneer baute mit dem massiven CDJ-1000 als erster Hersteller ein CD-Abspielgerät, das eine ähnliche Arbeitsweise wie ein klassischer Plattenspieler erlaubt: die gerillte Scheibe an der Oberseite simuliert die Schallplatte und kombiniert die manuellen Eingriffe mit digitalen Komfortfunktionen wie abspeicherbaren Loops, Cue-Punkten etc. Der Aufwand, der betrieben werden will, um einer CD beizubringen, sich wie eine Schallplatte zu benehmen, beeindruckt nicht nur Technik-Enthusiasten: von extremen Geschwindigkeitsänderungen im 100%-Bereich bis zum Mini-Sampler behaupten die CD-Abspieler selbstbewusst, den kreativen Handlungsspielraum ihres Benutzers zu erweitern.
Der Gewohnheit geschuldet und noch näher an der klassischen Realität als DJ-CD-Player sind Systeme wie Stantons "Final Scratch", die Turntables gar nicht völlig ersetzen wollen: anstatt der üblichen Schallplatten liegen zwei Timecode-Scheiben auf den Turntables, welche via spezieller Hardware mit einem Laptop verbunden sind. Jede Bewegung der Platten wird live als Steuerungsbefehl an die MP3-Software übertragen: die Musikbibliothek befindet sich dabei vollständig am Rechner, Plattenspieler und Mischpult fungieren rein als haptisches Interface. Final Scratch verbindet damit, das "best of two worlds" miteinander zu verbinden: digital Flexibiltät mit dem gewohnten analogen Interface.
Die Frage, ob runde Vinylscheiben in der Tat der Weisheit letzter Schluss sind, wenn es darum geht, Übergänge zwischen Songs zu mixen, lässt sich nur in sehr emotionalisierter Form stellen: Gelernt ist gelernt scheint für manche DJs zu gelten, während andere jede experimentelle Darbietungsform als Erweiterung ihres Spektrums begrüßen. Systeme wie Final Scratch präsentieren sich jedoch als Übergangslösungen: wer ohne Vinyl großgeworden und mit Software wie Ableton Live oder Logic Audio vertraut ist, der wird die schwarzen Scheiben im Club kaum vermissen.
Ob mit oder ohne motorgetriebene Hardware: bis vor zwei, drei Jahren simulierten alle gängigen DJ-Programme in der einen oder anderen Form zwei unabhängige, pitchbare mp3-Player, deren Audiosignale über eine Soundkarte mit zwei Vollduplex-Kanälen entweder an die beiden Mischpult-Kanäle weitergeleitet oder auf Wunsch direkt am Bildschrim gemixt werden. Die Abfolge der einzelnen Tracks speichert dabei in der Regel eine zentrale Playlist, je nach Komfort-Level und Kostenpunkt verwaltet die Software zusätzliche Parameter wie Cue Punkte, Loops, Equalizer-Kurven und dergleichen. Wer schon einmal versucht hat, einen digital simulierten Analogsynthesizer mit der Maus zu bedienen, der weiß allerdings, dass virtuelle Drehknöpfe in der Hitze des DJ-Sets beileibe nicht der beste Freund des Touchpads sind - und mit der Maus lässt sich eben immer nur ein Regler zugleich betätigen, weswegen zum ernsthaften Einsatz ein externer Midicontroller mit den entsprechenden Kontrollelementen nahezu unerlässlich wird.
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt DJ-Software der neuesten Generation wie das skandinavische MixMeister Fusion, das bereits beim ersten Start verblüfft: statt zwei Playern gibt's eine mehrspurige Trackdarstellung, wie man sie von Produktionsumgebungen her kennt. Das Programm simuliert nämlich nicht Abspielgeräte im Duo, sondern ordnet die einzelnen Tracks (oder auf Wunsch auch Samples und Loops) auf einer Timeline an, deren Spuranzahl nur durch die Rechenleistung begrenzt ist.
Erst die Leistung moderner tragbarer Rechenknechte macht's möglich, ganze Songs wie Parts eines Arrangements zu behandeln - Hüllkurven, dynamische Geschwindigkeitsverläufe und externe Effekt-Plugins inklusive. Das Vorhören funktioniert dabei naturgemäß anders, nämlich mit Hilfe eines zweiten, unabhängigen Cursors: während das vorbereitete Set also abläuft, kann der DJ zugleich die Parts hören, die in fünf Minuten an der Reihe sind.
MixMeister verändert damit nicht nur die Arbeitsweise beim Mixen nachhaltig, sondern auch das Ergebnis: wer dieses System nutzt, muss nicht notwendigerweise live Beatmixen, sondern die Übergänge im vorhinein festlegen und sich dann während des Sets auf zusätzliche Effekte, Overdubs und Details konzentrieren. Die Software übernimmt damit Teile der klassischen DJ-Tätigkeit - und gibt dem Mixenden dafür die Flexibilität, sich um anderes zu kümmern. Angesiedelt zwischen der Produktions- und Bühnensoftware Ableton Live und reinen DJ-Lösungen, verweist MusikMeister die Konkurrenz in punkto Komfort und künstlerische Freiheit in die Schrnaken - den überzeugten Vinyl-Puristen wird die Oberfläche allerdings nicht nur abschrecken, sondern geradezu entsetzen. Für den scratchenden Hip Hop DJ bietet die Software natürlich ebenfalls kein ernsthaftes Betätigungsfeld.
In vielen Genres elektronischer Musik allerdings wird die Grenze zwischen Live-Performance und DJ-Set danke solcher Software immer unschärfer - und die alte medienmorphologische Weisheit, dass nach einer Anpassungs- und Simulationsphase neue Medien erst mit Zeitverzögerung adäquate Interfaces verpasst bekommen, bewahrheitet sich einmal mehr: genauso, wie die ersten Online-Zeitschriften in den frühen Neunzigern genauso aussahen wie ihre Printpendants, müssen die passenden Werkzeuge für den ambitionierten Laptop DJ erst entwickelt werden. MusikMeister verlässt dabei konsequent ausgetretene Konzeptpfade, verabschiedet sich von der Turntablemetapher, vereint Trackmixing mit Musikproduktion und zeigt herkömmlichen Lösungen elegant, wie flexibel die Timeline mit den klingenden Bytes umzugehen weiß.
Nicht, dass "La Boom" erst gestern gegründet worden wäre - das, oder besser gesagt, eines der vielen Side-Projekte von Jan Eißfeldt köchelt im Eimsbush Basement schon eine ganze Weile vor sich hin. Elektronische Musik abseits von Hip Hop, Samples und Beats, die sich im Laufe der Jahre ansammelten bilden das Fundament, aus dem das Duo schöpft. Zweiter im Bunde ist Tropf, jener legendäre Hamburger Producer, der den Basement-Sound entscheidend geprägt hat.
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Zwei News von netzonfire scheinen positiv zu korrelieren: einerseits verdient itunes so gut wie nichts, andererseits kommt ein alter Bekannter zurück: die hochgeschätzte Vinylsingle.
Die Zahlen des Hollywoodreporter gelten allerdings nur für Großbritannien - und der Musikmarkt des United Kingdoms hat ja bekanntlich so einige Besonderheiten, dennoch ist die Steigerung auf jeden Fall bemerkenswert: waren es 1979 noch 89 Millionen Vinylsingles, so sanken die Verkaufszahlen dank Vormarsch von CD und Kassetten bis 2001 auf das All-Time-Low von gerade mal rund 180.000 Stück. Diesen Beitrag weiterlesen »