Wien wird weiße Weihnachten wollen - wenig wahrscheinlich, wenn wettermäßig Wärme wiederkehrt. Außerdem wollte ich schon immer mal einen Panoptikum-Satz mit lauter W-Wörtern beginnen, und das ist immerhin die vorletzte Gelegenheit in diesem Jahr. Übrigens sind mir so gut wie keine Blogs mit Weihnachtsdekoration und Lichterketten aufgefallen, oder sollte ich da was übersehen haben? Jedenfalls erwartet uns im Lauf der kommenden Tage gewiss eine Flut von Jahresrückblicken. Die Blogpiloten liegen jedenfalls nicht falsch, wenn sie 2008 das "Jahr der 140 Zeichen" nennen.
Slide-orientierte Präsentation waren gestern: Powerpoint ist ja bloß sowas wie Final Scratch für Vortragende, ein verzweifeltes Festhalten an der Folienmetapher. Die Ungarn zeigen, dass es auch anders geht: Max ist schwerstens angetan von seinem Closed-Beta Prezi Account. Mindmaps meet Flash-Ästhetik meet SaaS (Software as a Service): tolle Sache und hoffentlich bald öffentlich verfügbar. Auf der neuen Homepage sind einige Beispiels-Präsentation online, außerdem kann man den Editor schon mal testen. Ich freu mich jedenfalls sehr über meinen heute eingetroffenen Beta-Key: Adios, Powerpoint!
TechCrunch verbreitet ein interessantes Gerücht, demzufolge Digg mit Hochdruck an einem eigenen, AdWords-ähnlichen Werbesystem basteln soll:
One experiment Digg is working on, says one source close to the company, is a self service advertising product that will be somewhat similar to Google AdWords, but with a twist. The product would insert advertisements into the Digg news stream (presumably clearly marked). Where those ads end up, and how much an advertiser pays per click, would be based on user feedback.
Klingt in der Theorie gut - praktisch bezweifle ich aber stark, dass "echte" User Zeit und Energie ins Bewerten von Werbung investieren. Digg möchte wohl die Qualität der Werbung erhöhen, man braucht allerdings keine hellseherischen Fähigkeiten für eine kleine Zukunftsprognose: Digg-Mobs haben demnächst ein wesentlich lukrativeres Business-Model. ("'tschuldigen's, mei Glickbreis is zu hoh. I breichat wohts!")
Janko Röttgers hat einen lesenswerten Kommentar über den Ausverkauf des Web auf der ORF Futurezone veröffentlicht: angesichts der Übernahme und Schließung von Pownce durch 6Apart, der Übernahme und Schließung von Sandy durch Twitter und der Verknappung frischen Kapitalgeber-Geldes folgern Sequoia und Co., dass Web 2.0 Start-Ups profitabel werden müssen. Wer hätte das gedacht? Ein Vergleich mit der ersten Blase wäre allerdings völlig fehl am Platz, denn interessanterweise scheint das Geldverdienen derzeit eher den kleinen, wendigen SaaS-Anbietern zu gelingen als den Schwergewichten der Branche (Gruß an Yahoo und Facebook!). Außerdem schreibt Janko:
Fehlender Erfolg war nicht immer ein Grund für eine Übernahme mit Todeskuss. Branchenriesen gaben zu den Hochzeiten des Web-2.0-Booms viel Geld für Start-Ups aus, deren Nutzerzahlen alles andere als beeindruckend waren. So ließ sich Yahoo das soziale Widget myBlogLog zehn Millionen Dollar kosten, obwohl der Dienst zum Übernahmezeitpunkt Anfang des letzten Jahres gerade mal 45.000 registrierte Nutzer verzeichnete.
Ich würd allerdings behaupten, dass dies eine der besseren Investition in Yahoos wechselvoller Firmengeschichte der letzten 12 Monate war...
Für mich war's eine sehr erfreuliche Woche mit einem angenehmen Highlight: bei den neu gelaunchten Twingly Blogcharts stieg datenschmutz auf Platz 44 der deutschsprachigen Rangliste ein - war ja auch wirklich höchste Zeit für einen Technorati-Nachfolger. Andererseits haben zwei meiner Network-Sites gravierend an Pagerank verloren - eine weitere Bestätigung der Tatsache, dass regelmäßig Update-Zyklen ein zunehmend größere Rolle für Big G spielen. Apropos Fakten: jede Menge davon gibt's in der neu erschienen Ausgabe der Online-SEO-Zeitschrift Suchradar: "Zentrales Titelthema der aktuellen Ausgabe ist der Ausblick auf das Jahr 2009 im Bereich Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing", so das SEO-Handbuch. Eines steht jedenfalls schon fest: OMD wird's 2009 keine mehr geben, wie Sistrix experimentiert mit Linktexten
"Wie lange darf ein Linktext sein?" fragt Sistrix. Und wie es eben seine Art ist, spekuliert er nicht wild drauf los, sondern hat ein aufschlussreiches Experiment durchgeführt: Mit dem vorletzten Verlinkten (dem 8. Wort) allerdings schon, Google schneidet also einfach nach den 8 Worten ab. Das ist übrigens genau der Wert, den Shaun in seinem ursprünglichen Blogpost erwähnt hat – er hat daraus allerdings den falschen Schluss gezogen, dass Google den Linktext nach Anzahl von Buchstaben begrenzt. Dass dies nicht so ist und Google die Anzahl der Trennzeichen nimmt, glaube ich mit den 2 Tests gezeigt zu haben. SEO-United fasst einige Überlegungen zu den unterschiedlichen Typen von Keywords zusammen - gerade bei Longtail-Seiten steckt in dem Artikel interessantes Futter für Nischen-Konzepte: Neben der Tatsache, dass Suchanfragen immer länger werden, also die Anzahl der eigegeben Begriffe steigt, unterscheidet man Keywords auch in Bezug auf deren Funktion. Etabliert hat sich hierbei die Unterteilung in informational, navigational und transactional, also in informierende, navigierende und agierende Suchanfragen bzw. Keywords. Die Image-Slicer haben ihre goldenen Zeiten hinter sich: die Leitungen sind schnell genug, ob ein Bildchen 2 oder 5kB groß ist, macht weniger Unterschied als die Zahl der Requests. Google mag bekanntlich schnelle Responses mit wenigen Requests, also könnte der bei phlow beschriebene Sprite-Ansatz gerade bei icon-lastigen Web 2.0 Seiten sehr nützlich sein: Insbesondere wiederkehrende Grafiken - z.B. Icons -, die man für CSS verwendet, können unter Umständen eine Menge Server-Anfragen produzieren. Um das zu verhindern baut man sich so genannte Sprite-Maps. Das sind Dateien, auf denen sämtliche Icons oder Layout-Grafiken in nur einer Grafikdatei abgespeichert (siehe Bild)werden. Glücklicherweise gibt es dafür einen Online-Service. Aus der Abteil: Wunschwerkzeuge eines jeden Visualisten. Tangible Interaction bauen, wie der Name nahelegt, diverse "full-sensory" Interfaces zu digitalen Medien. Klingt abstrakt, dürfte in der Bedienungspraxis aber riesigen Spaß machen - hier ein Video der Graffiti Wall. Sowas sollte eigentlich jedes Haus haben, an dem man vorbeispaziert Und wo das herkommt, gibt's noch mehr: Scott Beale vom Lachenden Tintenfisch hat die HD-Videofunktion seiner neuen Canon 5D Mark II an Doc Populars Yoyo-Künsten getestet, und man kann nur sagen: geile Bildqualität, geile Tricks: Und das war's auch schon wieder mit dem vorletzten Blogistan Panoptikum dieses Jahres. Mögen Sie, hochgeschätzte Leser, die Weihnachtsfeiertage gut überstehen. Vorsicht jedenfalls vor Elchen im freien Fall, frohes Feiern und viel Glück und Durchhaltevermögen, falls Sie morgen bei der Last-Minute Geschenksrallye teilnehmen (müssen) - wir lesen uns morgen! Keyword nicht gleich Keyword
Webseitenaufbau mit Sprites beschleunigen
Video(s) der Woche: Tangible Interaction
Haben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
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Die Social Media Suchmaschine Twingly hat das Potential, zum neuen Technorati zu avancieren. Während Big T. seit Monaten mit Aktualisierungs- und Verfügbarkeitsproblemen zu kämpfen hat, haben sich die Schweden für ihre Charts einiges überlegt: endlich gibt's eine standardisierte, nach 12 Sprachen getrennte Hitparade; and guess what: datenschmutz ist auf Platz #44 in der gesamten deutschsprachigen Blogosphäre!!!
Daher erstmal ein herzliches Dankeschön an all die Stammleserinnen und -leser, die datenschmutz diesen äußerst motivierenden Erfolg ermöglicht haben. Und ein extra-großes Danke an alle, die mich in den letzten 12 Monaten verlinkt haben. Ich revanchier mich bekanntlich gerne - eine gute Gelegenheit, Backlinks abzustauben, bietet mein wöchentliches Blogistan-Panoptikum: passende Themen können derzeit via Formular eingeschickt werden. Und Gratulation an Rob - er regiert souverän die deutschsprachige .at/.ch./.de Wertung. Die gesamte und die englischsprachige Wertung führt übrigens TechCrunch an, die sich natürlich erfreut zeigen, aber auch skeptisch:
Sweden-based Twingly, not to be confused with Twing, doesn't share much about the underlying technology and only says its ranking system focuses on 'inlinks and likes among other things'. They also stress that it shows the blogosphere according to their data, and that it’s not necessarily 100% accurate. It’s a nice feature, but late in the game, and you’ve got to ask yourself how obsolete both Twingly’s and Technorati's ranking would be if Google were actually the next to introduce the next 'Google PageRank for blogs'.
In der Tat - sollte irgendwann Big G eine eigenes Blogranking pushen, würden alle anderen Listen ziemlich obsolet. Aber ds wär mit Sicherheit unter den Top 100 Blogs zu finden: denn anders als bei den dbc werden hier keine "unliebsamen" Einträge händisch entfernt. Übrigens ebenso wie bei den Twitter Charts. Um nicht falsch verstanden zu werden: jeder, der seine eigene Hitparade baut, darf daran gerne rum-manipulieren wie's im beliebt. Unsympathisch finde ich beim Popkulturjunkie allerdings, dass er nicht unbeträchtlichen Aufwand betreibt, um den Eindruck von Objektivität zu erwecken: sozusagen Hausordnung als Farce, aber andererseits auch wieder zu unwichtig, um sich drüber aufzuregen.
Aber zurück zu erfreulicheren Dingen: dass es mit einem deutschsprachigen Blog schwierig bis unmöglich sein dürfte, in die Gesamtwertung zu rutschen, zeigt sich deutlich an der Tatsache, dass nicht mal BasicThinking unter den weltweiten Top 100 vertreten ist. Englisch ist und bleibt eben die Geschäftssprache der Blogosphäre - insofern bin ich auch recht froh über meinen erfreulich anlaufenden Einstieg ins anglo-amerikanische Netz aka datadirt. Hier geht's zu Twingly's deutschsprachigen Blogcharts.
PS: Ich hab mir Twingly bislang noch nicht näher angesehen - aber die (werbefreie!) Suchfunktion macht einen mehr als brauchbaren Eindruck. Ich sag nur: Pêche Rodemaque Royal