Beiträge

Blogistan Panoptikum KW12 2009

failweekIch kann kaum schreiben, so geblendet bin ich von den strahlend weißen Wänden meines Büros. Dank massivem Abdeckfolien-Einsatz haben alle elektronischen Devices die Streichaktion farbkleks-frei überstanden. Wer auch demnächst mal die Silhouetten einstigen Wandschmucks in die ewigen Jagdgründe schicken will, dem kann ich die Innenraum-Dispersionsfarbe, die Hornbach als Eigenmarke verkauft, nur empfehlen: tolle Deckkraft und hohe Ergiebigkeit – was ich wieder zurück bringt zum dieswöchigen Panoptikum, denn dasselbe kann man mit Fug und Recht von Filesharing respektive Torrent-Downloads behaupten.

Interview: Bittorrent bleibt!

Naja, zugegeben – vielleicht nicht Deckkraft und Ergiebigkeit, sondern Marktdurchdringung und Geschwindigkeit, und genau deshalb werden Torrent-Pages auch nicht so schnell verschwinden, so Erik Dubbelboer und Niek van der Mass im Futurezone-Interview. Die Namen der beiden Herren lassen fraglos auf niederländische Herkunft schließen, aber was sie darüberhinaus zu dieser Aussage qualifiziert ist ihr Job: das Duo betreibt Mininova, laut eigenen Aussagen die populärste Torrent-Suchmaschine. Zwar kommt bald ein Prozess auf die Firma zu, aber dem sieht das Duo recht gelassen entgegen: [via phlow]

Wir denken, dass die klassischen Medien wie das Fernsehen nicht mehr funktionieren. Der freie Informationsfluss im Internet ermöglicht viel bessere Distributionswege. Ich selbst sehe kaum noch fern. Ich möchte Inhalte sehen, wenn ich Zeit dafür habe – und nicht dann, wenn sie gerade von einem Sender ausgestrahlt werden. Manche Unternehmen beginnen schon umzudenken und fragen uns etwa, wie sie von unserem “Content Distribution”-Modell profitieren können. Sie erkennen, dass der Kampf gegen Filesharing aussichtslos ist.

Twittiquette: den Microblogging Buhmann-Award abwenden

Man kann auf Twitter gar nicht öffentlich rülpsen – also was sollen schon für Benimmregeln gelten, fragt sich der Unbedarfte Neoblogger! Und zwar genau 20 Stück, glaubt man dem PR-Blogger. Und weil journalistische Reduktionsleistung und Fakten richtig wiedergeben Bloggern nicht liegt, wie Armin Durnher in Falter-Editorials dauernd schreibt, hier ein exklusiver Remix der Regeln 12. und 16. für datenschmutz-Leser:

Unerwünscht Twitter-Betteln ohne jeglichen Kontext ist “Gute Idee!” Und Zusammenhang nervt nur. Deshalb verzichten Sie auf Freiwilligkeit. Es funktioniert ebenso bei Tweets: jeder folgt Ihren Twitter-Gesprächen. Antworten irritieren. Ein wirrer Tweet für jeden, der das Prinzip “Klick mich” nicht kennt.

Alles Gute, Twitter!

Drei Jahre alt wurde Microblogging-Service gestern, und sprechen hat er auch schon längst gelernt! Als Spätzünder kann man das Baby mittlerweile wirklich nicht mehr bezeichnen – es wird immer schwieriger, Personen zu finden, die nicht auf Twitter vertreten sind :mrgreen: TechCrunch hat aus jubilativen Gründen das Gründungslogo noch mal ausgepackt. Herzliche Gratulation!

Agenten in Not?

Nicht Geheimagenten, um die muss man sich im Zeitalter der Constant Paranoia nun wirklich keine Sorgen machen. Aber Travel Agents, Stock Agents und so weiter… Seth Godin bringt’s auf den Punkt:

The problem with being a helpful, efficient but largely anonymous middleman is pretty obvious. Someone can come along who is cheaper, faster and more efficient. And that someone might be the customer aided by a computer.

Und wie immer hat Seth auch die passende Antwort bereit – die liegt seiner Meinung in der vielbeschworenen Nische. Mit anderen Worten: die Paradigmen des Online-Marketing greifen langsam auf die “echte” Welt über:

To thrive in a world of self-service, agents have to hyperspecialize, have to stand for something, have to have the guts to say no far more than they say yes. No, you can’t publish this book. No I won’t represent you. No, don’t take that flight. No, I won’t sell this house, it’s overpriced, list it yourself.

Social Marketing Round-Up

Eine eigene Rubrik zu diesem Thema bietet sich mittlerweile definitiv an – schließlich erscheinen jede Woche spannende Artikel zu den vielen Facetten des Zusammenbruchs klassischer Marketing-Modelle. Futurelab hat eine kurze Definition des Begriffsfeldes für Neueinsteiger:

Social media is part of the same “sharing” meme that has brought us the open-source movement, open APIs, Wikipedia and other examples of mass collaboration. An opportunity exists for “sharing” to penetrate into new areas of society and business via new innovations in social media. Opportunities also exist in the creation of new business models in which companies “outsource” tasks (i.e. marketing, R&D) to consumers.

Wer lesefaul ist, muss dagegen mit solchen Videos vorlieb nehmen. Aber der Wagen der rollt, und das Interesse steigt, weiß die Statistik. Und wie eine solche Social/Viral Kampagne im Bereich Soziales aussehen kann, zeigt ein aktueller Beitrag im Weburbanist.

SEO-News der Woche

Die Rückblicke auf die SEO-Campixx nehmen kein Ende: die SEOnauten haben ein Video mit den obligatorischen Crackhuren und Carlos hat 12 Teilnehmer vor seine Kamera gebeten, um sie zu Traffic-Tipps & Co. zu befragen [via SEOnauten].

Die Krümeln aufsammeln

Es soll ja SEOs geben, die aus abgelaufenen Domains ganze Satellitenstädte errichtet haben. Die SEOuxindianer stellt mehr und weniger empfehlenswerte Services zur rechtzeitigen Identifikation von Kaufkandidaten vor. Was mich doch einigermaßen überrascht, ist der die Tatsache, dass dieser Markt mittlerweile auch in .de sehr umkämpft scheint, schenkt man diesem Zitat Glauben:

Zonespy aktualisiert ein paar Mal in der Minute und ist damit sehr aktuell. Neben der Echtzeitsuche gibt es auch ein Archiv, mit den Domains der letzten 30 Tage. Dort findet man aber so gut wie nie etwas, da die Daten meistens nicht mehr stimmen und gute Domains nie länger als eine viertel Stunde frei bleiben. Trotzdem ganz interessant.

Die Öko-Nische bewohnen

Das SEO-Handbuch empfiehlt Rücksichtnahme auf die stetig steigende Gruppe der Lohas – und in der Tat frisst der frühe Vogel den Wurm, denn eines steht fest: “ungespritztes Gemüse” ist ein weit weniger stark umkämpftes Keyword als “Klingelton”:

Zugegeben, schaut man sich auf diversen Affiliate-Marketing Plattformen um, so muss man Öko-Produkte teilweise noch mit der Lupe suchen. Aber es gibt sie – auch außerhalb der etablierten Anbieter! Man muss nur etwas Suchen.

Ein Hoch auf SEOigg

Themenspezifische Social News Portale bringen beträchtliche Vorteile gegenüber Generalisten – anlässlich dieser Tatsache preist Carlec-Webdesign die Vorzüge von SEOigg gegenüber Yigg:

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es mir in diesem Mini-Test nicht darum ging, wie viel Besucher ich direkt über Yigg oder SEOigg bekommen kann. Das wird die Statistik erst in einiger Zeit hergeben, sondern lediglich über den positiven Effekt eines themenspezifischen, vertrauensvollen Links in den Suchergebnissen.

In der Tag – SEOigg rockt und ist so gut wie spamfrei… kein Wunder, dass Big G der Seite hohen Trust ausspricht.

Video der Woche

Tja, blöd gelaufen: da rennt man dem saftigen, riesigen Knochen hinterher, und dann ist da diese blöde Wand dazwischen! Moment mal, wo bin ich hier überhaupt? Legendärer Sleepwalking-Fail von Wuffi – entnommen übrigens aus dem grandiosen Failblog, dessen RSS-Feed in keinem zynischen Newsreader-Portfolio fehlen darf.)

YouTube Preview Image

Und das war’s auch schon wieder mit dieser Woche: besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Und ein besonderes Shout-Out an RowC, der mich bei Mr. Tweet mit folgender Begründung empfohlen hat: “because he invented the Blogistan Panoptikum.” Das freut mich natürlich – besten Dank und schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Wenn Scheiben in Schlitzen klemmen…

Frage an Radio Eriwan: muss binäre Datenspeicherung umweltfeindlich sein? Antwort: Im Prinzip ja, es sei denn, man benutzt Steinhöhlenwände. Egal ob CD oder DVD: unsere allgegenwärtigen Silberscheibchen bestehen aus massig Polykarbonaten, und die bekommen kein Gütesiegel vom grünen Engel. Eine deutsche Firma bietet mit der Eco-Disc nun eine löbliche, schlankere Alternative an – aber die wiederum verheddert sich gern in Slot-In Laufwerken.

Für die Frühjahrsausgabe des unvorstellbar bewusst-nachhaltigen Biorama Magazins hab ich einen Artikel über die besagte klassische Misere geschrieben: der Held unserer Geschichte, in dem Fall der Herausgeber eines Printprodukts mit beiliegender DVD, steht vor der schwierigen Entscheidung: soll ich die Umwelt retten oder die Apple Laufwerke? Naja, Dilemmata lassen sich bekanntlich nicht lösen… es sei denn, durch spezifikationsgemäße Hardware.

Die Eco-Disc: Umweltfreundlichkeit mit Warnhinweis

Die Informationsgesellschaft benötigt immer mehr nicht-flüchtige Speichermedien: waren es vor rund einer Dekade noch vorwiegend CDs, die für die Datenspeicherung zum Einsatz kamen, wurden diese inzwischen längst von den rund sechsmal soviel Bits und Bytes fassenden DVDs abgelöst. Deren Öko-Bilanz stimmt allerdings im Fall eines Wegwerf-Mediums mehr als nachdenklich. Eine norddeutsche Firma bietet mit der Eco-Disc nun eine umweltfreundlichere Alternative – doch die ist mit einem gravierenden Nachteil behaftet: Slot-In Laufwerke verschlucken sich beim Auswurf an den extra-dünnen Silberscheiben.

Ob als Magazinbeilage, in der Computerspieldistribution oder im Videoverleih: DVDs sind allgegenwärtige Gebrauchsgegenstände, und ihre Herstellung ist alles andere als umweltfreundlich: das verwendete Polykarbonat bürgt für hohen CO2-Ausstoß, die verwendeten Kleber verschlechtern die Ökobilanz zusätzlich gravierend. Allein im Covermount-Geschäft (CDs und DVDs als Magazinbeilagen) wurden im Jahr 2005 18.000 Tonnen Polykarbonat verbraucht, Tendenz stark steigend. Die Lebensdauer der meisten Covermount-Datenträger ist ebenso kurz wie die der Magazine, mit denen sie vertrieben werden: doch im Gegensatz zum vergleichsweise geduldigen Papier kann bei der herkömmlichen DVD gar nichts recycelt werden.
Auch nicht bei der Eco Disc, aber die besitzt andere Vorteile: In erster Linie setzt der Hersteller auf den Faktor Dicke. Während die handelsübliche DVD 1,2 Millimeter stark ist, begnügt sich die umweltfreundliche Variante mit nur 0,6 Millimetern. Dadurch entfällt schon einmal die Hälfte des Trägermaterials Polykarbonats, zusätzlich kann der Hersteller aufgrund einer speziellen Oberflächenbehandlung auf die sonst erforderlichen Klebstoffe generell verzichten.
Es handelt sich also um eine Art Gegenthese zu jenen “selbstzerstörenden” Datenträgern, die in den USA im Videothekenbereich seit längerem zum Einsatz kommen. Die luftdicht verpackten Filme werden nach dem Entfernen der Hülle innerhalb 48 Stunden unlesbar, sodass das Zurückbringen entfällt – Bequemlichkeit auf Kosten von zusätzlichen Müllbergen also.
Im Gegenzug versucht der norddeutsche Hersteller Optical Disc Service, die Ökobilanz der Silberschreiben zu verbessern anstatt zu verschlechtern. Hohe Marktchancen rechnet sich der Hersteller dabei in erster Linie aufgrund der günstigen Produktionskosten aus: Zeitschriften beiliegende DVDs sind meist ohnehin Wegwerfprodukte und die geringere Dicke erweist sich nicht nur in punkto Rohstoffverbrauch als äußerst vorteilhaft, sondern sorgt auch für leichteres Handling im Produktionsprozess: die Eco-Discs sind vergleichsweise biegsam und kann von gängigen Magazin-Produktionsgeräten recht problemlos verarbeitet werden

Mitglied im Slot-In Club?

Zu den oben aufgezählten Vorteilen gesellt sich allerdings ein gravierender Nachteil des Produkts: die Eco-Disc ist nicht für Slot-In Drives geeignet: im Gegensatz zu herkömmlichen CD-Laufwerken verfügen diese nicht über einen “Plattenteller”, sondern der Datenträger wird durch einen dünnen Schlitz eingezogen bzw. ausgeworfen. Aufgrund der geringeren Dicke kann der Einsatz der Eco-Disc in solchen Laufwerken zu gravierenden Problemen führen: zwar lässt sich die Disc problemlos ins Drive einführen, aber nur genau einmal: denn der Auswurf will danach partout nicht mehr klappen, da sich der Datenträger verhakt. Derartige Slot-In Drives kommen einerseits bei Apple-Rechnern und andererseits bei der Playstation 3 zum Einsatz. Ist die Misere erstmal angerichtet, so werden teure Reparaturkosten fällig… da freut sich gewiss die Kundenbindungsabteilung jeder Zeitschrift.

Das Problem ist dem Hersteller mittlerweile bekannt und eine kleine Warnung auf der Disc weist darauf hin, dass der Datenträger für Slot-In Laufwerke nicht geeignet ist. Kein Wunder, dass derartige Warnhinweise ganz gern übersehen werden: hunderte unvorsichtige Mac-User sahen sich bereits gezwungen, ihre Laufwerke “reparieren” zu lassen – es gibt keinerlei Möglichkeit, mittels Eject-Button oder Notfallmechanismus die feststeckende Disc wieder aus dem Laufwerk zu befreien. Gerade bei Massenprodukten wie Zeitschriften und Magazin möchte man meinen, dass dieser gravierende Fehler die Ecodisc völlig abqualifiziert; bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch schnell, dass nicht der Hersteller der Datenträger, sondern Apple bei der korrekten Umsetzung der Spezifikation geschludert hat – zumindest laut Ecodisc. Denn der Auswurfmechanismus entspräche schlicht nicht den Vorgaben des DVD Forums.

Wer auch immer die Schuld trägt: grundsätzlich wäre eine ressourcenschonendere Herstellungsalternative gerade für Zeitschriftenbeilagen äußerst wünschenswert. Die Silberscheibe einfach im Laufwerk zu behalten, stellt natürlich auch eine Art der Müllvermeidung dar, wenn auch keine sehr nachhaltige: und solange Mac-User um die Gesundheit ihrer Laufwerke fürchten müssen, wird sich’s wohl kein Verlagshaus mit einem beträchtlichen Teil der eigenen Leserschaft verscherzen wollen – trotz alle Umweltbedenken.

ODS, Hersteller der Ecodisc

US Election Monitor: Automatische PR-Analyse

Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten ist bereits Monate vor dem entscheidenden Urnengang medienbeherrschendes Thema. Die KandidatInnen fahren die volle Palette an PR-Maßnahmen auf, Heerscharen von Imageberatern zimmern den passenden Kontext und feilen an der Außenwahrnehmung der von ihnen betreuten potentiellen PräsidentInnen. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Ein unmittelbares Spiegelbild ihrer Erfolge ist die Medienberichterstattung: keine größere Firma, keine Partei verzichtet freiwillig auf die laufende Auswertung der aktuellen Berichterstattung. Rein quantitative Methoden greifen dabei zu kurz: zwar mag in manchen Bereichen durchaus die umstrittene Maxime “Jede Werbung ist gute Werbung” gelten, die Politikberichterstattung allerdings hat in diesem Punkt ihre eigenen Gesetze. Während Papierdokumente vergleichsweise mühsam zu erfassen, lassen sich Trends im Netz quantitativ viel leichter fassen. Der wohl bekannteste Service in diese Richtung, Google Trends, nutzt die Suchanfragen der Benutzer, um die Liste der heißesten Begriffe zu erstellen.

Andere Analyse-Instrumente gehen mangels derartiger Primärdaten den umgekehrten Weg und setzen ähnliche Crawler ein wie Suchmaschinenbetreiber. Diese analysieren eine bestimmte Anzahl von Contentquellen – egal ob New York Times oder Blogs – und liefern statistische Informationen über die Verbreitung der einzelnen Keywords. Wählt man die Grundgesamtheit dementsprechend aus – beispielsweise deutschsprachige Fanseiten von Multiplayer-Computerspielen – lassen sich Trends schon rein aus der quantitativen Analyse recht gut ablesen.

Ein Team der Modul University Vienna hat nun ein Analyseinstrument ins Netz gestellt, das sich auf die Berichterstattung über die amerikanischen Wahlen konzentriert. Der US Election 2008 Monitor wertet zahlreiche Seiten aus, wie die zugehörige Webseite erklärt:
Der US Election 2008 Web Monitor bietet wöchentliche Schnappschüsse der globalen Web-Berichterstattung. Contentquellen sind internationale Medien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, Umweltschutzorganisationen, die “Fortune 1000″ (die größten US-Firmen nach Umsatz) sowie 1.000 populäre Politik-Blogs. In Summe analysiert das System somit pro Woche mehr als 800.000 Dokumente.
Das Script beschränkt sich dabei aber nicht auf bloßes Abzählen – anhand eines entsprechend aufbereiteten Wörterbuchs wird der Kontext einer Namensnennung eruriert – also ob der Kandidat in positivem Zusammenhang erwähnt oder kritisiert wurde. Beide Auswertung, die quantitative und die “Sentiment” getaufte Kontext-Analyse, werden in wöchentlichem Rhythmus aktualisiert und auf der Homepage zur Verfügung gestellt.

Mittels einer intuitiv bedienbaren Ajax-Applikation hat jeder Interessierte die Möglichkeit, die aktuelle Entwicklung und die Media-Coverage der einzelnen KandidatInnen online genau zu verfolgen: Zeitraum-, Kandidaten-, Medientyp- und Länderfilter ermöglichen dem Hobby-Wahlforscher die Erstellung eigener Diagramme. Wer’s genauer mag, wirft einen Blick auf das zugehörige Mediawatch-Portal, das alle indizierten Artikel mit geographischen Referenzdaten und einer Landkarte der Verlinkungen präsentiert.

YouTube Preview Image

Der US Election Monitor ist ein gelungenes Werkzeug, das zeigt, welches Potential in der semantischen Auswertung riesiger Inhaltsmengen liegt. Semantische Technologien in Verbindung mit quantitativen Rechercheverfahren treten an die Stelle der fehlprognostizierten “künstlichen Intelligenz” – und werden sich in naher Zukunft mit Sicherheit nicht auf die Auswertung von Wahlkämpfen beschränken.

Die Grünen stecken in der Scheiße

“Nimm ein Flaggerl für dein Gackerl!” und darunter “Wer Österreich liebt, muss Scheiße sein.” Dieses Plakat dachte sich irgendjemand bei der Grünen Jugend aus… und stieß damit auf fast ungeteilten Widerspruch. Wie man’s auch dreht und wendet: die Persiflage auf eine Kampagne der Wiener FPÖ für mehr Hundedreck-Beseitigung durch Tierhalter (ein ehrenwertes Unterfangen) erlaubt in der Tat keine Interpretation, bei der die Urheber irgendwie gut aussteigen würden.

Die F frohlockte natürlich und fordert strategisch die Ausweisung volle Härte des Gesetzes – in der Tat droht das österreichische StGb im §248 mit bis zu 6 Monaten Haftstrafe für alle Gimps, die öffentlich Österreich und/oder dessen Flagge lächerlich machen. Ich finde es zwar traurig, dass man einem nationalen Symbol (Nationalismus kommt nun mal von “national”) diesen strafrechtlichen Extra-Schutz angedeihen lässt, wo man doch annehmen könnte, die “Freiheit der Meinung” sei ein höheres Gut als Ehrfurcht vor einer Flagge. Aber andererseits kommt mir diese “Werbeaktion” der Grünen unglaublich dämlich vor. Das ganze passierte ja keineswegs im Verborgenen – immerhin hing das inkriminierte Plakat laut ots-Aussendung mehrere Wochen vor der Wiener Parteizentrale.

Ärgerlich daran finde ich, dass die Botschaft schlicht und ergreifend die Idee nationaler demokratischer Politik ganz ablehnt – eine völlig legitime Position für eine offiziell anarchistische Partei. Aber warum sollte ich Volksvertreter wählen, die ganz klar kommunizieren, dass sie nicht vertreten wollen? Genau diese unglaubliche sprachliche Insensibilität stört mich bei den Grünen schon seit Jahren und macht’s mir unmöglich, einer Truppe von Leuten, die vor lauter Splittersuche im Auge des Gegner das fette Holzbrett vor dem eigenen Kopf nicht mal im Spiegel sehen, meine Stimme zu geben. Eine Partei, die größten Wert auf Splitting und sensiblen Umgang mit Sprache legt, und dann im NR-Wahlkampf “Für mehr Kontrolle” plakatiert, wie vor einigen Jahren geschehen, ist offensichtlich nicht in der Lage, die gepredigten Grundsätze selbst umzusetzen. Schade, denn nachdem Umwelt-Themen längst breitenwirksames Querschnittsthema geworden sind, die Grünen ihre “Fundis” unter “mehr Kontrolle” gebracht haben und der Großteil der Partei sich bereitwilliger mit König Pragmatismus arrangiert als jede große Koalition, wird’s schwierig mit Uniqueness und Positionierung. Da helfen weder halblustige Versuche, sowas wie die Partei der von ÖVP und SPÖ komplett vernachlässigten neuen Selbständigen zu werden noch Politiker wie Peter Pilz, solange sie Einzelkämpfer bleiben und die Parteispitze besagtes Plakat als “Missgeschick” und “eigenen Willen der Jugend” abtut. Die deutsche Grüne Jugend war übrigens auch recht verwundert.

PS: Ich schreibe diesen Kommentar nur deshalb, weil ich mir am politischen Spektrum nix mehr wünschen würde für .at als eine wirtschaftspolitisch realistische, auf Umweltschutz bedachte und gesellschaftspolitisch sozial eingestellte Partei. Nach dieser ganzen Eurofigher-Würg-Kotz Story und einem roten Armeeminister, der plötzlich nix von Kritik wissen will, bleibt ja leider keiner mehr übrig, den man guten Gewissens wählen könnte.

Update: Zufällig gerade gefunden beim Neo-Blog ostarrichi – solipsistisch, aber die eigene Logik kann einem manchmal ganz schön um die Ohren fliegen:

Nun ist es so, dass die Grüne-Jugend Wien den Slogan eines Anti-Hundekot-Plakates von “Nimm ein Sackerl für mein Gackerl” zu “Nimm ein Flaggerl für mein Gackerl” auf der Österreichischen Flagge mit dem Untertitel “Wer Österreich liebt muss scheiße sein”. Abgesehen davon, dass die grünen Jungs damit bewiesen haben, dass zu allererst sie selbst scheiße sind, hat Arigona ja behauptet, dass die nicht in den Kosovo zurück will und hier in Österreich bleiben möchte, das Land, das sie angeblich zu Lieben gelernt hat, somit ist laut den Grünen Arigona scheiße und die Grünen unterstützen somit Scheiße.

Gratistours gibt Klimatipps für den Alltag

Dies ist ein von trigami vermittelter Auftrag Hinweis: Dies ist ein von
trigami vermittelter Auftrag.

gratistoursGratistours.com waren schon einmal im Zuge der Firmendependance in Second Life zu Gast auf datenschmutz. Diesmal geht’s um die Klasse Klima Initiative von Gratistours.com, ein Maßnahmenbündel zur Entlastung der Umwelt. Reisen und Umweltschutz sind Themen, eng zusammenhängen: einerseits trägt steigende (Freizeit)Mobilität zur Verschmutzung der Atmosphäre durch alle Arten von Verbrennungsmotoren bei, andererseits lernen viele Stadtbewohner erst auf Reisen den Reiz intakter Umwelten kennen. Aber nicht nur im Hotel- und Tourismusbereich liegen gewaltige Einsparungspotentiale, auch im eigenen Alltag kann jeder zu ein bisschen weniger Energieverbrauch beitragen.
Weiterlesen