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Nachruf auf meinen Lehrer Professor Hannes Haas

Am vergangenen Donnerstag verstarb Hannes Haas, außerordentlicher Professor für Kommunikationswissenschaft und von 2006 bis 2010 Vorstand des Wiener Instituts, nach kurzer schwerer Krankheit. Dr. Haas war nicht nur außerordentlicher Professor, sondern für mich in erster Linie ein außerordentlich brillianter Didaktiker, dessen Motivation und Arbeitspensum mich als Student fast so sehr beeindruckten wie sein stetes, immer leicht verschmitzt wirkendes Lächeln. Die Lehrveranstaltungen von Dr. Haas waren Highlights meines ersten Studienabschnitts, seine engagierte und motivierende Art zu lehren war und ist für mich ein Vorbild.

Damals war Bologna noch kein Prozess, sondern eine Stadt, und ECTS-Punkte gab’s höchstens in Computerspielen. In Proseminaren mit bis zu 120 Studierenden standen dem Vortragenden 3 Tutor_inn_en zur Seite, deren Aufgabe es unter anderem war, die im Laufe des Semester eingereichten Zwischenübungen zu lesen und mit Feedback-Anmerkungen zu versehen. Auch Hannes Haas handhabte dies so, las aber anschließend jede einzelne Arbeit auch selbst durch und fügte seine Kommentare i einer anderen Farbe hinzu. Bei der Nachbesprechung der Übungsarbeiten im Proseminar war ich recht baff, dass sich unser Professor an jede einzelne Arbeit sehr detailreich erinnern konnte – und das bei hunderten von Texten pro Semester!

Quantität ist natürlich kein Qualitätsmaßstab, doch nur wenigen gelingt es, Quantität mit Qualität zu verbinden. Was es bedeutet, dass er im Lauf seiner wissenschaftlichen Karriere am IPK Wien über 700 Abschlussarbeiten betreute, kann nur jemand ermessen, der weiß, wie gewissenhaft er sich seiner Lehrtätigkeit nahm – vom Anfänger bis zum Diplomanden. Die Medien- und Journalismus-Forschung, der sich Professor Haas intensiv widmete, war nie mein “Ding”, da ich mich schon zu Studienzeiten in digitalen Gefilden weit wohler fühlte als in stickigen Redaktionsräumen voller Besserwisser. Jedoch hatte Hannes Haas die Gabe, Habermas’sche Abstraktionen der Medien als 4. Gewalt im Staate so fachkundig und spannend auf jenes seltsame Geflecht herunterzubrechen, das gemeinhin als österreichisches Mediensystem tituliert wird, dass ich immer sehr gern zugehört und mitdiskutiert habe. “Was ist Qualitätsjournalismus?”, oder, binärer gefragt, “Gibt es Qualitätsjournalismus in Österreich?” Für solche Fragen sensibilisierte er seine Studentinnen und Studenten, nahm in Diskussionen andere Standpunkte genauso ernst und erwies sich für den motivierteren Teil seines Auditoriums stets als ebenso eloquenter wie humorvoller intellektueller Sparring-Partner.

So engagiert kann nur jemand sein, der sowohl seinen Job als auch seine Studentinnen und Studenten sehr schätzt. Über Hannes Haas beeindruckende berufliche Karriere möchte ich nicht viele Worte verlieren, seine Publikationen sprechen für sich. Die wichtigsten Stationen der Karriere eines Lehrers, dessen Popularität am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sprichwörtlich war, hat der Standard aufgezeichnet. Der Artikel erwähnt auch die letzte große Studie, die Professor Haas fürs BKA durchführte:

Medienpolitisch zeichnete Haas etwa für eine im Auftrag des Bundeskanzleramts verfasste Evaluationsstudie zur Presseförderung verantwortlich. Sein Fazit in dem 2013 veröffentlichten Papier: Derzeit ist die sie beim Erreichen ihres Ziels – dem Erhalt der Pressevielfalt – “nicht effektiv”. Nicht Titel oder Medienunternehmen, sondern journalistische Inhalte sollten deswegen künftig in den Mittelpunkt der Finanzierung durch die öffentliche Hand gestellt werden.

Meine letzte Begegnung im Rahmen des Studiums hatte ich mit Hannes Haas bei meiner Diplomprüfung, bei der er als Vorsitzender der Prüfungskommission vorstand. So interessiert lächelnd wie beim Trialog über Flusser, digitale Medienpostmoderne und Co. zwischen Professor Roman Hummel, Professor Frank Hartmann und Diplomand Blogfried Pettauer werde ich Sie in Erinnerung behalten. Lieber Professor Haas, DANKE für alles! Sie werden im Rahmen meiner eigenen Lektorentätigkeit immer ein Vorbild für mich bleiben. Ich wünsche zukünftigen Generationen von Student_inn_en der Kommunikationswissenschaft in Wien das große Glück, von so engangierten, kompetenten und fantastischen Lehrern unterrichtet zu werden, wie Sie einer waren.

Netzneutralität statt ACTA-Wahnsinn

Heute Nachmittag saß ich beim Internet Summit Austria 2010 im großen Festsaal der Universität auf der Bühne. Der mondän-historische Rahmen des Veranstaltungsortes hätte dem Thema kaum besser angepasst sein könnte, denn unsere Diskussion drehte sich um das Thema “Internet: Chance und Gefahr für unsere Grundrechte”. Manches Mal staunte ich über juristische Terminologie und fühlte mich an ein sehr kompliziertes Rollenspiel erinnert, an einen abgeschlossenen Mikrokosmos, innerhalb dessen streng formalisierten Kontexts Aussagen wie “Freiheit und Sicherheit sind zwei sich widersprechende Grundrechte” erstaunlicherweise plötzlich Sinn machen.

Sehr erhellend war Prof. Martin Selmayrs Vortrag. Der Kabinettchef von EU-Kommissarin Viviane Reding sitzt sozusagen im Zentrum der europäischen Netzsperren-Debatte, die sich im Kern um die Frage dreht: sollen illegale Angebote gelöscht werden oder soll man den Usern den Zugang sperren? Erstere Möglichkeit sei zu bevorzugen, zweitere solle dann zum Einsatz kommen, wenn die Löschung nicht klappt, so die grob verkürzt dargestellte Position Selmayrs. Um derartige Netzsperren errichten zu können, braucht man allerdings eine Infrastruktur, die on demand funktioniert, also im Wesentlichen eine Kopie der “Great Chinese Firewall”. Dass derartige Infrastrukturen schnell mal Begehren wecken, die weit über die Bekämpfung von Kinderpornographie hinausgehen, zeigt die Urheberrechtsdebatte der letzten Jahre sehr eindeutig. Insofern stehen wir kollektiv vor einer immens bedeutsamen Weichenstellung: wie viel Top-Down Kontrolle braucht die Wissensgesellschaft der Zukunft? Und wie kann man das Potential des freien Informationszugangs gegen die Zensur- und Urheberrechtsinteressen abwägen?

Aufgrund seiner dezentralen, internationalen Struktur entzieht sich das Netz einerseits recht effektiv einer vollständigen Kontrolle, bietet aber andererseits alle technischen Voraussetzungen zur Totalüberwachung des Bürgers und Konsumenten der Zukunft. Ich wünsche mir, dass die verantwortlichen Politiker trotz emotionalisierender Themen wie Terrorismusbekämpfung ein realistisches Augenmaß behalten. Wann immer Vorschläge auftauchen, renitente User vom Netz “auszuschließen” (siehe die Three Strikes Out Debatte in Frankreich), ist ein gravierendes Missverständnis die Ursache: das Internet ist die Infrastruktur der Massengesellschaft und eben nicht bloß ein weiteres Massenmedium. Genau das macht es auch so unglaublich schwierig, bestehende gesetzliche Regelungen 1:1 auf eine veränderte Technologie-Landschaft umzulegen. Tut man das trotzdem, dann kommt so ein katastrophaler Schwachsinn wie ACTA heraus, ein informations-technologischer Rückschritt ins dunkle Mittelalter:

YouTube Preview Image

Sollte es (hoffentlich!) gelingen, ACTA zu stoppen, ist die Netzneutralität deswegen noch lange nicht gesichert: der Übergang von der Industrie- und Dienstleistungs- hin zur Wissensgesellschaft ist gewiss kein schmerzfreier und wird viel Engagement erfordern. Daher meine Bitte an alle datenschmutz Leser: lassen Sie uns unsere Energie darauf verwenden, bestehende “Digital Divides” zu schließen, anstatt neue Gräben und Grenzen zu ziehen. Weiterlesen

TEDx Pannonia: Inspiration mitten im Burgenland

Danke an Hermann Gams, Manuel Gruber und Harald Katzenschläger – das Team der Dream Academia hat’s möglich gemacht, dass ich heute meine allererste TEDx Konferenz besuchen konnte. TEDx Konferenzen sind Spin-Offs des mittlerweile immens populären TED Formats, das unter dem Motto “Ideas worth spreading” die Netzwelt regelmäßig mit fantastischen Vortragsvideos versorgen. Ähnlich wie beim Barcamp kann jeder, der ausreichend Motivation, Zeit und Organisationstalent mitbringt, die Idee fortführen: die unabhängigen Spin-Offs heißen TEDx und müssen einige Vorgaben der Erfinden erfüllen.

Update, 26.10.2010: Alle Videos der TEDx Pannonia-Talks sind mittlerweile online: TEDx Talks

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Albert Frantz auf der Suche nach versteckten Träumen

Inhaltlich könnte der Anspruch kaum höher gesteckt sein, das Format der Konferenz dagegen ist recht strikt geregelt:

Spirit/purpose: Your TEDx event must maintain the spirit of TED itself: cross-disciplinary, focused on the power of ideas to change attitudes, lives and ultimately, the world.
Format: A suite of short, carefully prepared talks, demonstrations and performances on a wide range of subjects to foster learning, inspiration and wonder — and to provoke conversations that matter. The typical presentation should be an 18-minute talk by a single presenter. No panels. No break-out sessions. Usually: No podium.

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Social Media Beratung wird reglementiertes Gewerbe

Achtung, Aprilscherz!

Social Media Consulting wird keineswegs ein Konzessions-pflichtiges Gewerbe (zumindest vorerst noch nicht) :saint: Bei diesem Beitrag handelt sich um einen meiner beiden Aprilscherze 2010 – die andere Story finden sie hier.

Wie einem datenschmutz vorliegenden internen Strategiepapier, das in Zusammenarbeit von WKO und dem österreichischen Wirtschaftsministerium entstand, zu entnehmen ist, setzen Politik wie Kammer große Hoffnungen in den Informationssektor. Wie aus aktuellen Untersuchungen hervorgeht, sollen speziell die Bereiche Serverhosting und Social Media in den nächsten 10 Jahren ein gewaltiges Wachstum erleben. Um den Arbeitsmarkt bedarfsgerecht vorzubereiten, wurde im Ministerium vor wenigen Tagen das Planungsgremium “Ausbildung zum Social Media Berater” gestartet: unter dem Arbeitstitel “PR-Berater für direkte Zweiweg-Kommunikation in Multi-User Internet Umgebungen” soll in einem ersten Schritt ein genaues Berufsbild erarbeitet werden, das als Grundlage für den Befähigungsnachweis dient – denn Social Media Beratung wird, abgekoppelt von Werbung, PR und IT-Dienstleistungen, eine eigene Sektion in der Wirtschafskammer erhalten und von den sogenannten “freien Gewerben” wegwandern. Juristische respektive Unternehmens-organisatorische Konsequenzen sind allerdings frühestens Ende 2012 zu erwarten.

Social Media als geschütztes Gewerbe

Frühestens ab diesem Zeitpunkt, spätestens jedoch Mitte 2013, wird zwar jeder, der sich dazu berufen fühlt, weiterhin als Abdecker am Tierfriedhof arbeiten, Aspik erzeugen, Polyesterfolien auf festmontierte Glasflächen aufbringen, Fische räuchern, ja sogar Fallschirme erzeugen dürfen – all diese Berufe erfordern keinerlei Befähigungsnachweis; und die obenstehenden Bezeichnungen sind keineswegs von mir erdacht, eine komplette Liste findet man hier. Angesichts des jüngsten Quargelskandals mag man sich durchaus über so viel Laissez-Faire bei Aspik und Fallschirmen (immerhin haben Produktionsfehler hier gröbere Konsequenzen als etwa bei Fußabstreifern) wundern – welchen Schaden soll da im direkten Vergleich schon ein Tweet anrichten? Im Extremfall keinen geringen, so ein Experte und Hochschulprofessor in seinem Fazit zur erwähnten Expertise (Name des Autors datenschmutz bekannt): Weiterlesen

Studieren in Utrecht: Medien und nicht irgendwas!

Mirko hat mich gebeten, auf den aktuell ausgeschriebenen Master-Studiengang für New Media & Digital Culture hinzuweisen. Wer immer schon mal ein paar Semester in einem echt flachen, extrem radfahrtauglichen-Land nah am Meer verbringen wollte, sollte sich das Angebot der Uni Utrecht unbedingt näher ansehen. Die nächste Runde beginnt mit dem Wintersemester 2010 am 1. September, die Bewerbungsfrist endet am 1. März.

Uni Utrecht

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Univis: Warum die digitale Uni Wien mehr Social Media vertragen könnte

Als Lektor an der Universität ist man digitale Touchpoints seit Semestern, pardon, Jahren gewohnt. Über das Univis-System wird die gesamte Verwaltung abgewickelt, Publikations-Funktionen, ein Kalender und weitere Features wurden auf den ersten Blick übersichtlich umgesetzt. Über das System melden sich Studenten auch zu Lehrveranstaltungen an, LV-Leiter nutzen das Interface zur Kommunikation mit der Gruppe. So weit, so sinnvoll – seit letztem Semester hat die Uni Wien allerdings ein neues System eingeführt, und die Änderungen bei der LV-Verwaltung (ich nutze nur diesen Teil von Univis) bereiten mir keine große Freude.

So war es im alten Univis problemlos möglich, die komplette Anmeldeliste inklusive Matrikelnummern und E-Mail Adressen der Teilnehmer zu exportieren – was ich am Semesterbeginn immer gemacht habe, um während der LV laufend mit der Gruppe zu kommunizieren bzw. Unterlagen zu den einzelnen Einheiten und Übungsarbeiten zu verschicken. Diese Export-Funktion fehlt im neuen System.

E-Mails kann man zwar nach wie vor verschicken, allerdings nur über das Webinterface. Das sieht dann so aus:

Univis Screenshot

Wie auf dem Screenshot zu erkennen ist, zeigt das System zwar die auf Matrikelnummern basierenden Unet-Adressen an, allerdings ohne Namen. Mag mich penibel nennen, aber diese Umstellung halte ich für falsch verstandenen Datenschutz: ich kann mir kaum vorstellen, dass es in der Vergangenheit Probleme durch Spam-Missbrauch gab. Außerdem wäre eine händische Zuordnung von E-Mail und Name aufgrund der Matrikelnummer grundsätzlich ohnehin möglich, aber vollkommen sinnlos aufwendig.

Zusätzlich unangenehm ist der Zwang, Univis zu verwenden, aufgrund der Tatsache, dass reproduzierbar unter Firefox/Vista64 die Login-Maske nicht lädt – mit IE, Chrome oder Oper haut’s hin. Allerdings ist das gesamte System so programmiert, dass die Back- und Forward-Buttons im Browser nicht funktionieren. Als ich mich dann am Freitagnachmittag einloggen wollte, um eine Termin-Koordinations-Mail zu verschicken, erfuhr ich, dass das System aufgrund von Wartungsarbeiten von Freitag bis Sonntag nicht benutzbar sei: kein Drama, aber definitiv lästig.

In dem Moment wurde mir dann auch klar, wie verwöhnt wir Web 2.0 Geeks vom Paradigma der Simplicity und Webstandard-konformen Social Media Applications sind. Natürlich ist ein solches Tool schwer mit General Interest Plattform wie Facebook vergleichbar, aber dennoch: Lehre ist zweifellos eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die nicht nur auf Fachwissen, sondern auch auf Vertrauen zwischen Lehrer, Student und Universität beruht. Ich denke, es wäre im Sinne der Qualitätssicherung erstrebenswert, die Kommunikation möglichst zu erleichtern. Man muss ja nicht gleich Twitter- und Facebook-Buttons ins Univis einbauen (obwohl: schlecht wär’s nicht! :mrgreen:). Aber die Mailinglisten-Export Funktion mit Name und Matrikelnummer spart unnötige organisatorische Zusatzarbeit – und wie effektiv Tools wie Twitter, Mixx und Co. als Organisations-Tools genützt werden können, zeigen die aktuellen Stundenproteste deutlich. Also bitte mehr Social Media im nächsten Univis! :mrgreen:

Barcamp Klagenfurt: Die Reisevorbereitungen sind getroffen

Barcamp Klagenfurt 2009Das 2008er Barcamp in der Klagenfurter Uni gehörte definitiv zu meinen Vorjahres-Highlights – dass ich am 7./8. Februar wieder in die Kärtner Metropole reisen werde, versteht sich von selbst. Vorweg schon mal ein großes Danke an Georg Holzer, Ed Wohlfahrt und das gesamte Organisations-Team; es wird wirklich höchste Zeit, dass ich etwas gegen meine Unkonferenz-Entzugserscheinungen unternehme. Und das grüne Logo mit dem Lindwurm finde ich wirklich äußerst gelungen.

Nähere Infos sowie den Anmeldelink findet man im österreichischen Barcamp-Wiki. 51 Teilnehmer haben sich bisher fix angemeldet, 25 stehen auf der Vielleicht_Liste, und ich bin mir ziemlich sicher, dass es wieder Besuch aus Slowenien geben wird – mit 100 Teilnehmern kann man wohl locker rechnen. Roman Hanhart, Mitbetreiber der kürzlich gelaunchten Blogbibliothek, vertritt die Schweizer Agenden, Gäste aus Deutschland haben sich ebnefalls angesagt es dürfte also wieder eine sehr spannende und bunt gemischte internationale Runde werden. Ich plane übrigens, eine Session über die Zukunft des Micro-Blogging und über drei verschiedene “Strategien” des Umgangs mit Twitter vorzubereiten. Das wär auch gleich eine tolle Gelegenheit, Prezi mal im Live-Einsatz zu testen.

Nur in punkto Abendprogramm herrscht noch Uneinigkeit – aber die wird anhand dieser Umfrage gerade beseitigt; eigentlich wollte ich Ed ja noch fragen, wieso “Abhängen an der Bar” und “Jazzkonzert” ein klassisches Entweder-Oder-Dilemma konstituiert – ich sage: sowohl aus auch! Und den Photowalk bauen wir am Weg vom Jazzclub in die Bar ein, so schaut’s aus! :mrgreen:

Ein Wort zur Unterkunft: Klagenfurt ist gewiss nicht arm am Gästebetten, ich habe im Vorjahr in der Klagenfurter Jugendherberge geschlafen. Dort gibt’s auch Einzelzimmer (bzw. wohnt man dann halt allein in einem Vierbett-Zimmer) mit Dusche/WC und Fernseher; inklusive Frühstück kostet die Nacht mit Frühstück gerade mal 34 Euro. Und das beste dran: die Unterkunft ist nur wenige Schritte von der Universität und somit dem BC entfernt. Buchen kann man via E-Mail: Jugendherberge Klagenfurt.




Veranstaltung: Visual Computing Trends 2009

vrvisEine hochkarätig besetzte Auswahl an Keynotes, ein spannendes Thema und die Teilnahme ist noch dazu völlig gratis: wer am Event Visual Computing Trends 2009 teilnehmen möchte, muss sich lediglich vorab registrieren. Organisiert wird die Veranstaltung von Kompetenzzentrum VRVis in Zusammenarbeit mit der TU Wien, der ganze Tag lang dreht sich um den aktuellen Status Quo des “Visual Computing”

Visual Computing ist jener Wissenszweig der Computerwissenschaften, der sich mit dem Umgang von visuellen Informationen beschäftigt wie z. B. Bilder und Bildsequenzen in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang. Visual Computing hat sich aus der methodischen Verschmelzung von Bildaufbereitung, Computervision, Computergrafik und Visualisierung entwickelt und ist zum Innovationstreiber der gesamten Branche geworden.

Neben Gastgebern Prof. Werner Purgathofer von der TU Wien sprechen Prof. Horst Bischof (TU Graz), Prof. Thomas Ertl (Universität Stuttgart), Prof. Steven Feiner (Columbia Univ. NY) und David Luebke (NVidia Corp.) über Zukunftsszenarien (wissenschaftlicher) Visualisierung. Sicher eine tolle Gelegenheit, um sich einen Überblick über topaktuelle Entwicklungen zu verschaffen. Wer teilnehmen möchte, registriert sich via E-Mail, nähere Infos zur Veranstaltung gibt’s auf der Homepage des VRVis.

Ort: Techgate Vienna, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien
Datum: 28.1.2009

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Wahl.Qual: H.C. Haider vs. Jörgl Strache

striderDie Volksfronten des kleinen Mannes machen ernst. Musste man sich früher bloß vor einem rechten Lager in Acht nehmen, droht nun doppelte Ungemach. Beim rechtsaußen Local-Celebrity Deathmatch zählt sogar ein linker Schwinger, ohnehin ruht kein Blick auf der Gegend oberhalb der Gürtellinie. Sympathisanten der nationalen EU-Befreiungsfronten und des mir-san-mir Kulturbewahrertums erleichtert Österreichdiezeitung dankenswerterweise die Auswahl. Jene bunte Tageszeitung dürfte “Opa aller Kanzler” Dichand aber ein Dorn im Auge sein: er gibt schließlich diesem Land die randständige anständige Zeitung, die es verdient, während Wolfi Fellner anständig damit verdient, dass er diesem Land eine Zeitung gibt, die es nicht verdient hätte. Während also Krone und Heute aus allen Rohren mit Faymännern auf schwarze Spatzen schießen, frug ein Vasall der Konkurrenz beim Original und seiner Karikatur vor einigen Tagen genauer nach und bastelte daraus ein Fihtscha (sprich: feature). Die Kronprinzen rechter Lebensführung hatten je 10 Fragen zu beantworten und es zeigte sich: die berühmte Engstirnigkeit der rechten Gesinnung lässt offensichtlich nicht mal genug Spielraum für Schein-Differenzierung!

Dazu muss ich eine Anekdote erzählen: als ich anno domini 1995 in Graz Technische Physik studiert, kam Jörgl zu Besuch, um am Jakominiplatz für seine Ausländerfeindlichkeit zu werben. Der Uhrzeit gemäß – 10 am Vormittag – bestand das Publikum quasi exklusiv aus Pensionisten, was der smarte Populist sofort messerscharf erkannte. Aufgrund unerwarteter Explosionen im Chemielabor war uns eine Vorlesung ausgefallen (vielleicht haben wir auch nur geschwänzt, um im Notfall eingreifen zu können), wir hatten also das Vergnügen, zu fünft den Altersschnitt der rund 200 Anwesenden beträchtlich zu senken. Der Jörgl drosch ordentlich auf die Studentenschaft ein, verbal zumindest: “Diese Schmarotzer sollen mal was arbeiten!” Zustimmendes Murren-Nicken der Pensionisten. Wir begannen spontan Gegenparolen zu intonieren wie “Diese Nazis solle mal 0 Prozent bekommen!” Missbilligende Gesichter wandten sich in unsere Richtung, der dunkle Herrscher des Ulrichsbergs hatte eine Personifizierung für seinen blutsaugenden, gesellschaftsschädigenden Studenten-Archetypus gefunden.

“So wie die da drüben – die sollten in der Vorlesung sein”, hetzte er. Und wäre der Großteil des Publikums nicht so fußlahm gewesen, dann hätte ich spätestens jetzt Angst vor einem spontan gebildeten Lynchmob bekommen. “Seien Sie doch froh, dass Ihnen überhaupt jemand unter 60 zuhört”, rief ich ihm noch zu, dann drehten wir uns um und gingen, moralische Sieger einer Auseinandersetzung, an die mich besagtes Österreich-Fragespiel erneut erinnerte. Denn zu Punkt 3 Schaffen Sie die Studiengebühren ab? antwortet Haider:

Ich heiße Haider, habe alle meine Wahlversprechen auf Punkt und Beistrich eingehalten. Ich verspreche aber die Abschaffung der Studiengebühren nicht, weil ich meine, dass auch Studenten ihren Beitrag für die Allgemeinheit leisten sollen.

jörg haiderWarum dieser Akademikerhass, lieber Herr Ex-Universitätsassistent? Was für ein Beitrag soll den das bitteschön sein? Diese Gebühren, die gerade mal die Kosten ihrer Eintreibung decken, belasten die ohnehin meist finanziell prekäre Situation der meisten Studenten zusätzlich, halten Maturanten vom Studium ab, sorgen dafür, dass mehr nebenher (schwarz) gearbeitet werden muss… Sollten wir nicht lieber den Akademikerschnitt heben, die Studiendauer verkürzen und den gern zitierten Slogan von der zentralen Stellung des Wissens in der Wissensgesellschaft ernst nehmen? Ich bin ja froh, dass in Kärnten die Kleinsten schon gratis in den Kindergarten dürfen, aber Studenten geben Fünfjährige ausspielen ist noch weit unter Kindergarten-Niveau. Schon blöd, dass im rechts-sozialistischen Paradies auf Erden mitten in Klagenfurt diese Schmarotzer Uni steht – aber für die zahlt zum Glück ja eh der Bund. Steht der Name Haider gar für Kostenwahrheit der Studiengebühren? Sollen die Studenten künftig endlich mehr Beiträge leisten und ihre Lektoren pro Stunde bezahlen? Straches Antwort zeugt hingegen davon, dass er durchaus mit Wählern aus der Studentenschar spekuliert:

>Die Studiengebühren sind nicht wie versprochen den Studierenden zugute gekommen. Eltern und Studenten wurden abgezockt. Studiengebühren abschaffen.

strachelschweinBei allen anderen Fragen sind die Antworten fast beängstigend wortgleich ausgefallen – der Unterschied zwischen BZÖ und FPÖ liegt übrigens darin, dass aus der Sicht der einen die jeweils andere Partei gar keine Verantwortung übernehmen will/kann und nicht zu ihren Versprechen steht. Und Haider will primär rot/schwarz verhindern, während die EU-Diktatur Straches größte politische Sorge ist. Ansonsten streiten beide munter weiter um die Gunst der männlichen Bevölkerung unter 1,50 Körpergröße (der sogenannten kleinen Männer) Cool wär übrigens auch mal ein Cagefight, um ein für allemal zu entscheiden, wer die wiedervereinte empörte Volksfront des kleinen Mannes unter neuer Farbgebung (kack-beige?) in die Zukunft führen darf.

Facts.ch will’s wissen

factschNormalerweise sind Medien ja der Teil der Gleichung, der die Informationen spreadet. Andererseits sammeln Zeitschriften, Sender und Internetseiten auch gern Daten und Fakten über die eigene Konsumentenschaft – schließlich möchte man ja möglichst nahe an der Zielgruppe agieren. Facts.ch, in den letzten Monaten zu meinem Lieblings-Nachrichtenportal im Netz avanciert, hat dieser Tage eine Befragung gestartet, die genaueren Aufschluss drüber geben soll, welche Services genutzt werden.

Das Ausfüllen des Fragebogens nimmt knappe 10 Minuten in Anspruch. David Bauer, der das Projekt im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universität Hamburg durchführt, erhebt vor allem die Art der Nutzung: schätzen die User eher die passive Informationsaufnahme, das Kundtun der eigenen Meinung oder die Community-Funktionen? Auf die Ergebnisse der Umfrage bin ich gespannt; die E-Mail Adresse wird nicht abgefragt, aber ich geh mal davon aus, dass Umfrage.

Blogistan Panoptikum KW02 2008

Interessante Infos über nofollow-Blogs (vor allem, wie man selbige findet) hat Malte zusammengestellt. kA, wie ich in die digerati Suchmaschine geraten bin – coole Sache jedenfalls! Auch ansonsten war’s blogtechnisch für mich eine sehr erfreuliche Woche: in den nächsten Wochen folgt wieder eine Serie von Gewinnspielen!

Nur 1 gallisches Dorf leistet Widerstand

Bevor ich gegen Shorty in Serie verloren hab, dachte ich irgendwann mal, ich hätte Attack ganz gut im Griff… aber dieser Screenshot erinnert eher an die “Ganz Gallien! Ganz Gallien?” Situation – und das schon zum dritten Mal hintereinander. Gebt diesem Mann bloß keine Atomwaffen:

attack

Viel Diskussion um nix

Der umtriebige Thomas Knüwer hat eine aufschlussreiche Zusammenfassung der langerwarteten Podiumsdiskussion mit Konken, May, Donsbach und Co. geschrieben. Der gesamte Bericht ist absolut lesenswert, speziell, weil die geplante Live-Übertragung aufgrund des großen Interesses der Bewohnerschaft Blogistans gleich zu Beginn zusammenbrach. Besonders gut gefällt mit Thomas’ selbstregulative Ethikdisposition:

Um es klar zu sagen: Nach meiner Meinung hat ein Pressekodex allein keinerlei Wirkung. Punkt. Entscheidend sind die Berufsehre der Journalisten und das Unternehmensklima in den Verlagen. Ein Journalist, der eine solche Ehre verspürt, braucht keinen Kodex. Ein Journalist, der sie nicht verspürt, kümmert sich nicht um den Kodex.

The infamous Don Alphonso hat ebenfalls sehr klare Worte gefunden, denen ich genauso wenig widersprechen kann:

Gewisse Entwicklungen sind unumkehrbar, und wenn die Medien weiterhin Blogs in die Ecke drängen, ist das vielleicht gar nicht so schlecht – jedenfalls nicht schlechter, als von diesen Medien vereinnahmt zu werden.

Völlig verwirrt? Dann hilft nur Wirres.net, dort gibt’s die ultimativ objektive Zusammenfassung eines anscheinend unwürdigen Events.

gulli wechselt zu WordPress

Quasi schon “old news”, aber ich hab’s gerade erst bei Dimido, Gordo und KRiZZi gelesen: gulli wechselt von Typo zur WP.

Sehr interessant ist der Plattformwechsel von gulli, da es zeigen wird, wie sich das doch kleine, einfache WordPress, was mal als reines Blog-System gedacht war, in großen Dimensionen eines News-Portals schlagen wird.

Im Backend ist das Blog-CMS bereits im Produktiveinsatz, ausgeliefert werden die Seiten bis zum kompletten Wechsel derzeit noch von der Typo-Engine. Ich war eigentlich nie ein übermäßiger Fan von gulli… wenn man schon “Untergrund-Suchmaschinen” braucht, dann lieber gleich die großen Brüder aus US, aber mit einer Sache haben die Betreiber völlig recht:

Eine lebendige Entwickler-Community hat aus der Blogsoftware ein ausgewachsenes CMS gemacht, das auch Sites wie gulli.com inzwischen antreiben kann. Weiter dürfte der Einsatz von WordPress hinter den gulli-Kulissen für die eine oder andere interessante Erweiterung für WP sorgen.

Auch nicht gerade ein Nachteil für beide Seiten: ab sofort kann man gulli-News mit Trackbacks beschicken.

Rare Ware: Gute (Polit)Cartoons

Hab mal wieder nach Dimidos Kommentar der Thingama-Seite einen Besuch abgestattet und bin auf Larsons World gestoßen: dort gibt’s einige großartige Cartoons. Zwar nicht vom Betreiber selbst, sondern zusammen gesammelt – und wirklich funny stuff.

A-Muse-Ment: Museale Bildschirmschonerei

Von 18. bis 22. August tagte die Internationale Museumsvereinigung ICOM in Wien. polygon gestaltete in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett in der Akademie der bildenden Künste die Lounge-Inszenierung “Meet the Muse”.

Hunderte Vertreter von Museen aus aller Welt und ein dichtgedrängtes Programm: da bot sich natürlich die Gestaltung eines “Lounge-Bereiches” an, der einerseits als kommunikativer Treffpunkt fungierte, und andererseits die österreichische Museenlandschaft durch zwei Installationen vorstellte:

Zwei Installationen lenken den Blick der Besucher. Sie ermöglichen einerseits raumgreifend einen schnellen, digitalen Rausch der Bilder, andererseits auch ruhige, ganz individuelle Einblicke. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Museen ergänzen einander und verleiten unaufdringlich zur Frage nach ihrem eigentlichen Wesen. Sie zeigen auch, welchen Blick die beteiligten Museen auf sich selbst haben. Die Organisatoren, das Kupferstichkabinett der Akademie und der Verein Polygon sorgen dafür, dass die Aula ganz im Zeichen des Amüsements steht. Ledersofas statt Rednerpulte sowie ein Rahmenprogramm mit Lounge, Bar und DJs schaffen die richtige Atmosphäre für einen abendlichen Kuss der Muse. Die gezeigte Sammlung existiert in dieser Form nirgends sonst in Österreich.

Teil der Installation waren Visuals mit Einzelobjekten aus den diversen Museumsbeständen. Ich hatte das Vergnügen, die betreffende Dia-Show zu gestalten, und seit gestern gibt’s auf der Polygon-Homepage den ICOM 2007 Bildschirmschoner für Windows zum Gratis-Download – und zwar in zwei Varianten, einmal mit fixer Abfolge und einmal randomized. Hier die Links zu den Zip-Files:

ICOM Screensaver “fixed”
ICOM Screensaver “Random”

Den Bildschirmschoner hab ich zusammengebastelt, wer sich für die österreichische Museenlandschaft interessiert, findet hier eine Alternative piktoriale Alternative zu Windows-Bordmitteln… Kunst am Arbeitsplatz, sozusagen :-)

Installationsanleitung:
Icom-2007 ist ein Bildschirmschoner für Windows 98, XP und Vista. Um den Screensaver zu verwenden, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen aus dem Kontextmenü “Speichern unter”. Im zip-File befindet sich eine *.exe-Datei, die Sie mit einem Doppelklick starten. Anschließend können Sie “Play” wählen, um eine Voransicht des Bildschirmschoners zu stehen oder “install”, um Icom-2007 als Ihren Standard-Bildschirmschoner einzurichten.

Die Gesamtliste der Museen, die an unserer Aktion teilgenommen haben, ist übrigens ganz schön lang geworden:

Ägyptisch-Orientalische Sammlung KHM – Albertina – Automobil- und Motorradmuseum Austria – AZW – Belvedere – Bergbauernmuseum “z’Bach” in der Wildschönau/ Tirol – Bergbaumuseum Leogang – BIOS Nationalparkmuseum Malnitz – Burgen & Schlösser Salzburg – Das Andere Heimatmuseum BauStelle Schloss Lind – Diözesanmuseum Graz – Dommuseum Wien – Essl Museum – Esterhazy Privatstiftung – Filmmuseum – Fotosammlung Österreichisches Museum für Volkskunde – Gauermannmuseum – Geldmuseum – Gemäldegalerie Akademie – Gemäldegalerie und Hofjagd- und Rüstkammer KHM – Generali Foundation – Gironcoli-Museum, St. Johnn – Glasmuseum Lobmeyer – Glockenmuseum – Graphische Sammlung Stift Göttweig – Haus der Natur – Heeresgeschichtliches Museum – inatura – Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege Archiv für Baukunst – Architektur und – Ingenieurkunst – Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal – Karrikaturmuseum – Keramikmuseum Scheibbs, NÖ – Kriminalmuseum Graz – Kristallwelten Wattens – Kulturabteilung der Stadt Wien Referat Bildende Kunst – Museum auf Abruf – Kultur-und Museumsverein 7 Mühlen – Kunstgarten – Kunsthalle Wien – KunstHaus Wien – Kunstkammer KHM – Kupferstichkabinett – Landesmuseum Burgenland – Leopold – MUMOK – Museen der Österreichischen Nationalbibliothek – museum der moderne, salzburg – Museum für Baukultur Neutal – Museum im Stift Admont – Museum Joanneum – Museum Orth – Museum von Abgüssen und Originalsammlung an der Leopold-Franzens-Universität in – Innsbruck – Musikinstrumentemuseum – Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, OÖ – MZM Museumszentrum Mistelbach – Narrenturm – Naturhistorisches Museum Wien – Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum – NÖ Landesmuseum – Ostarrichi-Kulturhof Neuhofen/Ybbs – Österreichischen Forstmuseum in Großreifling – Robert-Musil-Literatur-Museum – Salzburg Museum – Salzburger Barockmuseum – Sammlung alter Musikinstrumente, Kunsthistorisches Museum Wien – Schattenburg Museum Feldkirch – Schloss Artstetten – Schlossmuseum Loosdorf – Schlossmuseum Peuerbach – Sigmund Freud Museum – Stadtmuseen Wels – Stadtmuseum Bad Ischl – Stadtmuseum Schladming und Nickelmuseum – Stadtmuseums Wels – Stift Klosterneuburg – Styrassic Park – Theatermuseum – thecrystalweb – Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum – TMW – Wagenburg KHM – WAGNER:WERK Museum Postsparkasse – WEINSTADTmuseums Krems – Zeitreise Heldenberg – Zisterzienserstift Rein – Zoom – Universitäts Sammlungen: Astronomisches Museum/Sternwarte / Botanischer Garten / – Ur- und Frühgeschichte / Numismatik / Musikwissenschaft / Herbarium / Fakultät für Physik / Archäologie / Pharmakognosie / Mineralogie/Kristallographie / Zoologie / Paläontologie – Museum für Völkerkunde: Nord- und Mittelamerika

Vortrag von Anton Tantner: Seelen und Häuser ordnen

Anton Tantner publiziert im Rahmen der “Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit” seine Dissertation Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen. Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie und lädt im Oktober zur Buchpräsentation an die Uni Wien.

Ort: Hauptgebaeude der Universität Wien, Hörsaal 45 (rechter Seitenfluegel, 2.Stock, gegenueber dem Eingang zum Institut für Geschichte)

Es kursiert das Gerücht, dass im Anschluss an den Vortrag mehrere Gläschen Wein die Runde machen werden, sicher ist indessen, dass sensationelle, bislang unveröffentliche Aufnahmen von – tatataaaa – Hausnummern gezeigt werden! Und zwar von sonlchen, die seinerzeit die Nummer 1 verpasst bekamen. Einleitende Worte spricht Edith Saurer, kommentiert wird das Geschehen anschließend von Wolfgang Pircher.

Im Zentrum des Bands steht die Einführung der Hausnummerierung und “Seelenkonskription” – das heißt einer Volkszählung – in den westlichen Provinzen der Habsburgermonarchie in den Jahren 1770-1772; monatelang durchstreiften damals Beamte und Militärs die Dörfer, Märkte und Städte, zogen von Haus zu Haus, befragten die darin wohnenden Subjekte und trugen ihre Angaben in Tabellen ein, was nicht ohne Probleme vor sich ging.
Am Beginn der Präsentation geht der Autor auf die Vorgeschichte dieser Aktion ein, behandelt die bereits im 17. Jahrhundert einsetzenden so genannten “Judenkonskriptionen”, die Erfassung der Protestanten und Protestantinnen im Zuge der Gegenreformation sowie die “policeylichen” Hausbeschreibungen zum Zwecke der Bekämpfung der Bettlerinnen und Bettler.

Publizistik Wien: Auswahlverfahren wegen hoher Anmeldezahlen

Universität WienIm kommenden Semester halte ich am IPK, wo ich selbst studiert habe, eine Lehrveranstaltung zum Thema Arbeitstechniken: Kommunikationsforschung ab. Ich war am Institut einige Jahre lang als Studienrichtungsvertreter tätig und habe bereits in dieser Zeit erste Diskussionen um einen “Numerus Clausus” erlebt.

Denn gerade die Publizistik gehört seit Jahren zu den “florierenden” Studienrichtungen. Auch wenn die Gebühren (die laut Experten gerade mal die Kosten ihrer Eintreibung herein spielen) StudentInnen zur Eile angetrieben habe, so stellt die EU Österreich in punkt Korrelation von Familieneinkommen und Bildungsniveau kein gutes Zeugnis aus: fast nirgends in Europas ist der Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren so ausgeprägt.

Doch trotz alle monetären Hürden haben Kommunikationswissenschaft und Psychologie nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt – zumindest im ersteren Fall scheinen die Gründe klar, denn der Mediensektor freut sich seit Jahren über steigende Wertschöpfung, Internet-Boom und Virtualisierung tun ihr übriges. Klar, dass viele MaturantInnen professionell in dieses Feld reinschnuppern wollen. Für einige von ihnen wird es dabei bleiben, denn es gibt zwar keine einzelne Aufnahmeprüfung, jedoch entscheidet der Notenschnitt einiger Einführungslehrveranstaltungen darüber, ob das Studium fortgesetzt werden darf – hier die Presseaussendung vom 18. September:

Wie schon in den vergangenen Jahren beobachtet die Universität Wien laufend die Zulassungen der nationalen und internationalen Studierenden. Im Vergleich zum vergangenen Studienjahr wird die Anzahl der AnfängerInnen in den Studien Psychologie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaften wieder stark steigen. […] Zwei Wochen vor Beginn des Wintersemesters gibt es an der Universität Wien für das kommende Studienjahr bereits 1500 Psychologie-StudieninteressentInnen und 1300 Publizistik-StudieninteressentInnen. […] Die zu erwartende hohe Anzahl an StudienanfängerInnen überschreitet in den beiden Studien deutlich die Kapazitätsgrenzen der Universität Wien. “Die Universität braucht das Instrument der Auswahlverfahren in diesen Fällen, um den Studienbetrieb aufrecht erhalten zu können”, so Vizerektor Arthur Mettinger. “Dies gilt auch für die kommenden Studienjahre.”

Der Text erwähnt, dass ein besonders hoher Anteil aus EU-Ländern nach Österreich kommt, um zu studieren: speziell in Deutschland ist der Numerus Clausus für Publizistik sehr hoch (bzw. niedrig) – bei der wegfallenden “Sprachbarriere” bietet sich Österreich natürlich hervorragend an für deutsche GaststudentInnen, mal ganz abgesehen von hohen Lebensqualität, die Wien zu bieten hat. Bisher sah es allerdings trotzdem so aus, als könne man auf das ungeliebte Auswahlverfahren verzichten, doch das ändert sich im kommenden Studienjahr:

Die Überschreitung der durchschnittlichen Zulassungszahlen der letzten drei Jahre ist das Kriterium dafür, ob Auswahlverfahren durchgeführt werden müssen. Die studienspezifische Beurteilung erfolgt bei In-Kraft-Treten eines Auswahlverfahrens auf Basis mehrerer Prüfungen im Laufe des ersten Semesters. An der Universität Wien gibt es kein Auswahlverfahren vor der Zulassung.

Ich beneide die KollegInnen, welche die NC-relevanten Lehrveranstaltungen abhalten, ganz und gar nicht – das Wissen um den möglichen Rauswurf macht die Notenvergabe gewiss nicht einfacher. “Meine” AT-KFOR vermittelt in erster Linie Soft Skills und wird erst am Ende des ersten Abschnitts absolviert, ich bin ehrlich gesagt froh darüber, dass die Note “nur” über ein positives Zeugnis entscheidet.

.ch Medienforschung: Umfrage zu Corporate Blogs

Dominik Schneider und Mathias Tanner führen derzeit eine Studie zum Thema “Corporate Blogs” und bitte um Teilnahme. Die Datenerhebung ist Teil ihrer Masterarbeit an der Schweizer Universität Fribourg. Per anonymisiertem Online-Fragebogen werden verschiedene Einstellungen gegenüber Corporate Blogs abgefragt und auf einer Skala von “trifft vollständig zu” bis “trifft gar nicht zu” bewertet.

Zwei Studenten der Universität Fribourg (Schweiz) führen im Rahmen Ihrer Masterarbeit eine Untersuchung zum Thema “Rezipienten von Corporate Blogs” durch. Das Ausfüllen des Onlinefragebogens dauert ungefähr 10 Minuten. Sie sind auf eure Teilnahme angewiesen, da Sie ausschließlich Leute befragen wollen, die wirklich Corporate Blogs lesen.

Abgewickelt wird die Umfrage mit dem Online-Fragebogentool Net.ch. Dominik und Mathias haben mich vor einiger Zeit angeschrieben und datenschmutz als Teil-Corporate Blog identifiziert; da ich als Medienberater und Journalist arbeite, gibt’s hier natürlich eine Überschneidung “privater” und “beruflicher” Themen. Die Kategorien der Blogosphere sind eben fließend: vom reinen Corporate PR-Pressemitteilungsblog bis zum privaten Tagebuch des SEO-Gurus mit sporadischen Profi-Tipps deckt der Begriff eine breite Skala von Weblogs ab.

Corporate Blogs werden als strategische Kommunikationsinstrumente jedenfalls immer wichtiger: sahen Firmen die kleinen wendigen Seiten zuerst als unabdingbare Präsenzform, als Sub-Set der Corporate Homepages an, so wird immer deutlicher, dass die Blogosphere nicht bloß nach Präsentation, sondern nach Dialog mit den Kunden verlangt. Das bedeutet aber auch, gewappnet zu sein für kritische Reaktionen und die eigene potentielle Käuferschicht in Produktentwicklungsprozesse und Feedbackschleifen einzubeziehen. Denn Web 2.0 betrifft nicht nur die Publikationstechnik, sondern verändert die organisatorischen Strukturen im Hintergrund: hier spielen sich jene tiefgreifenden Veränderungen ab, die Marketingabteilungen vor neue Herausforderungen stellen. Corporate Blogs bewegen sich in einem Mischbiotop, in dem die Grenzen zwischen privater und professioneller Kommunikation verschwimmen und richten sich stets an ein unglaublich heterogenes Publikum von Lesern, Autoren, Kommentatoren – ganz gegenteilig zum klassischen Marketing-Segment-Denken. Glaubwürdig zu kommunizieren erfordert eine möglichst genaue Kenntnis der Szene: interessante Überlegungen zum Thema “Wie geht man mit Bloggern richtig um” hat PR Pro-Bloggerin Karin zusammengefasst. Ein beträchtlicher Teil des Fragebogens beschäftigt sich demgemäß mit dem Thema Glaubwürdigkeit und Faktoren, die selbige unterminieren oder erhöhen; ich bin jedenfalls gespannt auf die Ergebnisse der Umfrage.

Übrigens: empirische Methoden tragen eine ganze Reihe von Fallstricken in sich, doch im Gegensatz zu sehr vielen ärgerlichen Online-Studien, bei denen massive methodische Fehler gemacht werden (von fehlenden Antwortalternativen über missverständliche Frage gibt’s da ein breites Spektrum), wurde hier ein gut gelungener und sorgfältig formulierter Fragebogen ins Netz gestellt. Einzig ein “offenes” Feld für abschließende Kommentare hab ich vermisst, aber dafür gibt’s ja die E-Mailadressen der beiden Blogforscher. Bitte unterstützen Sie die zwei Studenten bei ihrer Masterarbeit – die Teilnahme dauert gerade mal zehn Minuten, der Fragebogen steht bis Ende Juli im Netz.

zum Fragebogen

Vortrag: Friedrich Kittler auf der Dark Side of the Moon

Den deutschen Medientheoretiker Friedrich Kittler begrüßt Claus Pias übermorgen als zweiten Gastvortragenden dieses Semesters beim Seminar Was waren Medien?. Als Thema hat sich der Berliner Philosoph “The Dark Side of the Moon” ausgesucht.

Ort: NIG (Neues Institutsgebäude der Universität Wien), Universitätsstrasse 7, Hörsaal 3D (im Philosophieinstitut, 3. Stock) , 1010 Wien
Zeit: Mittwoch, 21. März 2007

Vorige Woche sprach Siegfried Zielinski über Variontologie, der etwas sperrige Titel seines Vortrags “Kunst vor und nach Medien – Skizzierung einer operationalen Anthropologie zum Verhältnis Künste, Wissenschaften und Technologien.” klang wesentlich trockener als der von vielen historistischen Kuriositäten illustrierte Streifzug durch die Medien-An-Archäologie.

Ob Friedrich Kittler mit dem gewählten Topos “Dark Side of the Moon” auf das Unbeobachtbare, das den Medien Entzogene anspielt, ob er Pink Floyd Fan ist oder gar beides, wird sich am Mittwoch herausstellen. Ganz und gar nicht Friedensreich wie sein Namensvetter Hundertwasser verortet FK ja bekanntlich den wesentlichen Impetus für die Entwicklung neuer Medientechnologien in kriegerischen Erfordernissen. Hinter seinen zumeist nur vordergründig todernsten Thesen verbirgt sich häufig eine subsersive Ironie, etwa wenn er in der berühmten Textsammlung “Draculas Vermächtnis” über die techné, angeblich achtes Mitglied im Kreis der Musen, schreibt. Infos und Bibliographie hat natürlich die wikipedia.

Einen kurzweiligen, spannenden Vortrag garantiert Friedrich Kittler auf jedenfalls, ist er doch zweifellos einer der populärsten “Stars” des deutschsprachigen Mediendiskurses. Und da er sich seit geraumer Zeit mit einem Forschungsprojekt zu gesamteuropäischer Kulturgeschichte befasst, sind auch einige neue provokante Thesen zu erwarten. Der Eintritt zur Veranstaltung ist gratis und für alle Interessierten offen – der Hörsaal 3D könnte demnach ganz schön voll werden.

Rewind

Hab aus Nostalgie grad mal nachgesehen in den alten medianexus Dateien, die noch auf meiner Platte rumliegen – wir haben ja seinerzeit eine Weile lang News geschrieben für thing.at (quasi prähistorisches Bloggen vor der Blog-Ära), und dabei hab ich folgenden Kurztext entdeckt – die erste URL gibt’s zwar nicht mehr, aber immerhin fast ein historisches Dokument, ge-onlined am 27. Juni 1999:

Der doppelte Friedrich

Nach oft kritisierter aber dennoch konsequent durchgehaltener Internet-Absenz sind nun gleich zwei Homepages aufgetaucht, die sich den Werken des deutschen Medientheoretikers Friedrich Kittler widmen. Der Literaturwissenschaftler, der sich der Analyse der technischen Aufschreibesysteme verschrieben hat, ist also endlich auch im World Wide Web vertreten.

Homepage eins: http://www2.hu-berlin.de/inside/aesthetics/los49/, eine Homepage zum Oberseminar von Prof. Kittler, erfreut den flashigen Besucher mit einer netten Animation inklusive verstecktem Morsecode und bietet neben Bildern und Texten des Meisters auch eine Mailingliste. Was lange währt, wird endlich gut?

Homepage zwei: http://kittler.cultd.net/ bietet Audio-Schnippsel aus diversen Vorträgen sowie den Text Farben und/oder Maschinen denken und soll noch ausgebaut werden.

Siegfried Zielinskis Variantologie

Über die Geschichte des Feuerwerks als öffentliche Aufführung, über mediale Anarchäologien und Variantologie-Forschung sprach Siegried Zielinski heute abend in seinem höchst kurzweiligen Vortrag. Claus Pias, Professor für “Erkenntnistheorie und Philosophie der Digitalen Medien”, hatte den deutschen Kuriositätensammler, wie er sich selbst bezeichnet, im Rahmen seines Seminars Was waren Medien? nach Wien eingeladen.

Zielinski studierte Theaterwissenschaft, deutsche Philologie, Linguistik, Soziologie, Philosophie und Politologie in Marburg, an der FU und der TU Berlin und veröffentlichte in den 70ern seine ersten medientheoretischen Arbeiten, 1989 habilitierte er sich im Fach Medienwissenschaften mit der “Geschichte des Videorecorders”, dem zahlreiche Veröffentlichungen folgten. Derzeit arbeitet er an einer mit einem internationalen und -diszplinären Forschernetzwerk an einer fünfbändigen Reihe mit dem Titel “Variontoloy” – jährlich erscheint bei Walter König ein Sammelband, Band 1 und 2 sind bereits erschienen.

im Hörsaal der 3D des NIG (neues Institutsgebäude) mischten sich StudentInnen KulturwissenschaftflerInnen, um einem kurzweilig charmanten Vortrag zu lauschen, in dem Zielinski unter Zuhilfenahme illustrativer Overheadfolien seine Forschungsinteressen skizzierte.

Seinen Ansatz bezeichnet der Kulturforscher als “operationale Anthropologie”. Ausgehend von Vilém Flusser und Johann Wilhelm Ritter erlärte SZ die Logik der Mediendimensionalität: von der realen 4D-Welt über die 3D-Skulptur, die 2D Zeichung, die eindimensionale Schrift zum 0-dimensionalen Algorithmus verläuft die Logik der Medienentwicklung. Die Medienkunst unterteilt SZ wie folgt:

  1. Kunst vor den Medien
  2. Kunst mit Medien
  3. Kunst durch Medien
  4. Kunst nach den Medien

Diese Einteilungen sind indes keineswegs als strikte Zäsuren zu verstehen: vielmehr bestehen sie nebeneinander und bedürfen einer spezifischen Definition des Begriffs “Medium”: dieses sieht SZ als konstruiertes Erkenntnisobjekt, als, wie er elegant sagt, “Verallgemeinerung”. Für die Kunst “mit den Medien” ist die Technik “notwändige Voraussetzung des Spektakels”. Beispiele dafür wären etwa die in den 80er Jahren populär gewordenen Medienkünstler wie Jodi, Granular Syntheses, Farmers Manual etc.: Code Art verwendet Medien in künstlerischer Intention und als rezeptiven Datenträger. Die “Kunst durch Medien” indes verlässt die Sphäre der Technik als Performanzvoraussetzung: mediale Erfahrung wird hier zur Denk-Voraussetzung der intendierten Rezeptionsform.

(Noch) schwieriger zu definieren ist die “Kunst nach Medien”: gemeint ist nicht der Verzeicht auf dieselben, sondern eine Kunstpraxis, die Medien als Hauptattraktion nicht mehr benötigt. Eine Phase, die für den Medienarchäologen natürlich immens schwierig zugänglich ist – da der Blick zurück eben nur auf die Vergangenheit Licht zu werfen vermag, wir uns aber derzeit am Beginn dieser Phase finden.

Die Beispiele, die SZ aus dem reichen Fundus der abseitigen Mediengeschichte zusammentrug, verblüfften ob ihrer ungewohnten Datierung: welcher gelernte Publizist weiß schon, dass Athanasius Kircher im 18. Jahrhundert von “Röhren” bzw. “Kanälen” fantasierte, die Konzerte über weite Entfernungen transportierten sollten? Oder wer hätte vermutet, dass der arabische Naturwissenschaftler Al Haitam im 13. Jahrhundert ein “Mondbeobachtungsgerät” baute, das verschiedene Linsen enthielt, deren “Erfindung” man im allgemeinen dem Venedig des 15. Jahrhunderts zuschreibt? Ein “endloses Rhizom”, das sich da auftut, wie Wolfgang Pircher anmerkte – oder eben “Forschungen in der Tiefenzeit”, wie Zielinski seine Tätigkeit umschreibt.

Ich konnte natürlich nicht umhin, SZ im Anschluss an den Vortrag nach der Abgrenzung der “Kunst vor den Medien” zu fragen: immerhin transportiert doch jede Kunstform allein schon aufgrund der Notwändigkeit einer abbildenden Permamenz eine Medienbotschaft: dasselbe “Motiv” gemalt mit Ölfarben auf Leinwand oder Bleistift und Papier zeugt von der prä-dispositiven Rolle, die Medien in jeder Form der Kunstvermittlung eben immer zukommt. Und in einem Vortrag, der vom Shannon-Weaver Modell über die Flusser’sche Anthropologie, die McLuhan’schen “Extensions of Man” bis zu Deleuze’s Maschinenbegriff reicht, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Abgrenzung von Medien hin zur bloßen Technik. Doch Universalitätsanspruch und “Medienformel” sind nicht Zielinskis Forschungsinteresse – in der Tat erinnert seine Methode des Recherchierens in der Tiefenzeit an das McLuhan’sche Paradigma der Probes: als Historiker sammelt er Belege, Medienmaschinen und Installationen ohne dabei zu vergessen, dass die “Verallgemeinerung” Medien eine spezifisches Konstrukt bleibt, dessen Exegeten lernen müssen, mit allen den Widersprüchen und der immanten Vielfalt ihres “lebendigen” Forschungsobjekts zurecht zu kommen. Variantologie eben.

Datenschmutz gratuliert VIX

Der Vienna Internet eXchange wird 10 Jahre alt. Von dieser Einrichtung bekommt Otto Normaluser in der Regel so gut wie nichts mit – interessant ist der von der Uni betriebene massive Datenknoten in erster Linie für Provider, die sich hier breitbandig ans Netz der Netze stöpseln. Christian Panigl hat dazu eine virtuelle Festrede im Comment (Zeitschrift des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien) verfasst.

Als Geburtstagsgeschenk gab’s neue Switches – auf dass die Bytes auch fürderhin ungehin von, nach und durch Österreich fließen mögen. Das beschenkte Datencenter hat sogar eine eigene Domain: VIX.at. Wer immer schon mal wissen wollte, wieviele Bits/Sekunde im Durchschnitt durch AT-Land gepumpt werden, findet die graphisch aufbereitete Statistik hier. [via quintessenz]

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