Im Vergleich zur turbulenten Ära von 98 bis 2003 ist die Debatte um die finale Zerstörung der menschlichen Kultur durchs Urheberrechtsverletzungen wieder vergleichsweise still geworden: war Napster noch der Byte-gewordene Gott-sei-bei-uns der Plattenindustrie, hat ein amerikanischer Apfelhändler via iTunes den Netzmusikverkauf profitfähig gemacht (wenn auch über den Hardware-Umweg), seit kurzem zeigt Buchhändler Amazon Verlagen, wie man untote Bäume auf ePaper ausliefert.
Der eine oder andere Murdoch sagt zwar njet, ab und zu wird eine Piratenbucht verklagt, doch der Hype um die Besserung der Welt qua Social Media lenkt temporär den Blick ab vom, wie Frank Hartmann in seiner hervorragenden Analyse Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit auf Telepolis schreibt, "mehr oder weniger offen ausgetragenen Kulturkampf". Diesen Beitrag weiterlesen »
Ich stehle frech aus dem aktuellen Titanic-Heft Nr. 7/2009 - denn heute ist ein guter Freitag, ich hab das neue Ausgabe beim Trafikanten mitgenommen und kam nicht mal über Seite sechs - "Briefe an die Leser" - hinaus, ohne diesen diabolischen Diebstahl geistigen Eigentums begehen zu müssen. In diesem Sinne also hier der Beitrag Schlimm, deutsche Zeitungsverleger. Nicht mal OCR-gescannt, sondern ganz Oldschool abgetippt:
Schlimm, deutsche Zeitungsverleger, dass Euch das böseböse Internet Eure Top-Qualitätszeitungen kaputtmacht: "Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen." Weswegen Ihr in einem gemeinsamen Appell von Springer, Spiegel, Bauer, Gruner + Jahr und anderen Bastionen der journalistischen Seriosität fordert, dass die "ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums verboten bleiben" müsse. Schön und gut, Verleger. Nur- wo bekommen Eure Angestellten denn dann demnächst ihre "Hintergrundinformationen" her, wenn sie nicht einfach bei Wikipedia abpinnnen dürfen? Und woher nehmen sie nach dem nächsten Flugzeugabsturz/Amoklauf die Bilder der Opfer, wenn sie nicht mehr nach Blieben StudiVZ, Facebook oder die Homepages von Sport- und Freizeitvereinen plündern dürfen? Das dürfen die schon jetzt nicht? Und Ihr schert Euch aber einen Dreck drum? Weil's ja eben um "die Erstellung von Qualitätsinhalten und von unabhängigem Journalismus" geht? Und nicht etwa ums liebe Geld?
I wo; Ihr wollt ja nicht mal Subventionen: "Gerade weil wir keine Subventionen wollen, benötigen wir Unterstützung beim Schutz des geistigen Eigentums." Die könnt Ihr gerne haben: Behaltet Euer geistiges Eigentum mal schön für Euch!
Nimmt's nicht mal geschenkt:
Titanic
Danke! Dem hab ich nix hinzuzufügen. Außer: ich hab mir gerade ein Abo bestellt, denn ich möchte nicht riskieren, zukünftig eine Ausgabe zu verpassen
Dieser Wochenrückblick geht ausnahmsweise mit einem Tag Verspätung online - gestrigentags hat Gerald am Rootserver geschraubt, damit asap datadirt.net vom Shared Space übersiedeln kann, außerdem war die Re-Organisation meines Fileservers überfällig - minus Dezibel, plus Terabytes quasi. Glücklicherweise ging die Operation am offenen Herzen (neue Silberleitpaste für die CPU) ohne gröbere Komplikationen vonstatten, und mein mehrwöchiger Arbeitsplatzumbau ist nun fast abgeschlossen.
Zwei hochgradig aufschlussreiche Umfragen zum Verkauf von Roberts Blog ließen jeden Psycho-Pathologen ein aussagekräftiges Bild spezifischer deutscher Internet-Neurosen erstellen. Klar könnte diese News auch im SEO-Teil stehen, aber das hier ist besser als Robert Palfrader in der Rollen des österreichischen Kaisers. Der Alpha-Fisch im Inzest-Becken kann sich auf meedia.de nicht mal ansatzweise zurückhalten - bin ich froh, dass ich das Buch von diesem feinen Herrn weder gekauft noch ein Rezensionsexemplar angefordert habe:
Die von den entsprechenden amerikanischen Blogs aufgesammelten Neuigkeiten, die Basic aufschreibt, sind relevant - die Art, wie er das tut - insbesondere sein Schreibstil - ist weitgehend unerträglich. Ich kann keine zehn Zeilen lesen, ohne Zitterkrämpfe zu bekommen, bei den Kommentaren sind es in der Regel sogar nur drei Zeilen. Man sollte aber dazu erwähnen, dass ich Robert Basic a) nicht besonders mag und ihn b) für unmutig und nicht besonders intelligent halte, vielleicht trübt das mein Urteilsvermögen über seine Leistungen ein kleines bisschen.
Aber nicht nur Lobo, auch alle anderen Befragten wollen das Blog hier nicht haben - dabei wurden lauter "Experten" befragt, die schon mal Technorati mit Google verwechseln:
Der Ruhm des "meistverlinkten Blogs" verblasst sehr schnell, denn die Links haben bekanntlich eine Verfallsdauer von sechs Monaten.
Weitaus realistischer sind die Antworten auf SEO.de ausgefallen. Klar könnte man einiges mit der Domain anfangen - und von wegen In-die-Hose-machen wegen Google Penalty: Linklift raus, Brief an Big G und die Sache hat sich nach zwei Wochen. Klar lässt sich da genug Juice rauspressen, oder es hätte gar jemand mal originell werden können und die Domain kaufen, um anschließend am Blog als Robert zu posten, dass der ganze Verkauf ein Scherz war. Boom, there go my backlinks - allein die Verkaufsaktion hat den Wert der Seite immens erhöht. Also wenn ich sonst nix zu tun hätte, dann wär mit Basicthinking mindestens eine hohe fünfstellige Summe wert gewesen - nur wie gesagt: Refinanzierung spielt's nur, wenn man den derzeitigen Rückenwind ausnutzt und die Segel vergrößert. Bin gespannt, ob das dem neuen Eigentümer gelingt - über die Chronik des Verkaufs hat Helge berichtet.
So jung das Internet im Vergleich etwa zu auf Schweineleder gepinselten Pamphleten auch sein mag, es hat bereits ein Geschichte - samt der zugehörigen schwarzen Löcher. Einige von ihnen wird phlow nun laufend schließen mit Re-Uploads der Ex-Webseite. Und ich bin sicher, dass dieseMusik fürs Wochenende auch montagstauglich ist!
Ja, ich weiß - es ist zu spät, viel zu spät. Immerhin ist es auch schon wieder vier Wochen her, dass Armin Thurnherrs Editorial "Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen" im Falter 51/2008 erschien. Aber was kann ich dafür, dass meine Zweit-Lieblingspostille nach Datum unter einem Berg von Frauenzeitschriften (die für Frauen, nicht die für Männer, in denen Frauen abgebildet sind) verborgen lag? Es geht einmal mehr um die wehleidige Klage, dass im Internet anonym jeder alles sagen darf. Die Bottom-Line des Artikels lautet also folgerichtig:
Was spräche denn dagegen, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren?
Nun, nach Meinung rechter Politiker spricht gar nix dagegen. Dass Datenschützer, die sehr genau wissen, dass sich jeder Internetnutzer im Straftatbestands-Fall leichter identifizieren lässt als etwa der Absender eines anonymen Leserbriefes, seit Jahren gegen die von Thurnherr in bester Absicht vorgeschlagene Totalüberwachung protestieren, ist die andere Seite der Medaille. Internetnutzer würden ja sowieso für nix zahlen wollen, meint der Autor:
Aber dieses scheinbare Nichtsbezahlen hat dem Internetpublikum, also uns allen, ein Gefühl vermittelt, wir bekämen diese wunderbare Welt des ungeordneten Wissens ganz und gar geschenkt. Ein irriges Gefühl, das die Musikindustrie ruinierte und als Nächstes die Zeitungsverlage kaputtmacht. Wäre egal, hätte nicht eine Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Dienstleistern (von Pornoindustrie bis Glücksspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern das Rechtsbewusstsein in zwei entscheidenden Fragen verdreht.
Erstens unterläuft das Freiheitsgefühl im Internet das Urheberrecht, also jede Form des geistigen Eigentums als illegitim. Zweites meinst dieses Freiheitsgefühl ohne den Grund der Freiheit auszukommen, dass sich nämlich Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen bekennen Sich dazu bekennen zu dürfen, war ja eine der ersten Forderungen der sich emanzipierenden Bürger.
Eine Forderung nach Vermummungsverbotverbot? Stünde der Text unter CC-Lizenz, könnte ihn die FPÖ direkt 1:1 in ihr medienpolitischen Programm übernehmen! Mein Favorit sind übrigens die "hemmungslosen Dienstleister von Pornoindustrie bis Glücksspiel". Ich denke nicht, dass Herr Thurnherr mit diesem Editorial un- oder absichtlich einen plötzlichen Gesinnungswechsel kommunizieren möchte. Ich halte es bloß für ein anschauliches Beispiel dafür, dass man nicht über neue Medien schreiben sollte, wenn man keine Ahnung von strukturell-technischen Zusammenhängen und dem grundsätzlichen medienökonomischen Paradigmenwechsel hat, den das Netz mit sich bringt. Sonst kommt so ein Platter'scher Blödsinn dabei raus.
Stereophone hat eine nette T-Shirt Collection für SEOs aufgelegt; und da der Kaufmann auf seine Affiliate-Provision verzeichnet, geht sich vielleicht sogar noch ein zusätzlicher Linbait-Slip oder eine Fahne für die Müllhalde aus.
Einen ausführlichen und lesenswerten Artikel über lukrative SEO-Portfolios hat der SEO Stratege zusammengestellt. Wirtschaftswissenschaftler kennen die Risiko-Analyse, und das hier vorgestellte Raster scheint mir sehr brauchbar:
Nichts ändert sich derzeit so schnell wie die Welt im Internet (wobei die Bankenwelt derzeit stark aufholt). Jeder, der sich z.B. mit SEO oder SEM Projekten selbstständig gemacht hat, macht sich regelmäßig auch Gedanken darüber, welches seiner Projekte auch morgen noch funktioniert. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu besitzen. Doch was genau bedeutet "ausgewogen"?
Ak22 fragt sich, ob das mobile Web denn mal irgendwann so weit ist, dass man damit ordentlich Geld verdienen kann und kommt zu dem wohl gerechtfertigten Schluss, dass dieser Bereich derzeit noch in der Nische wohnt:
In Deutschland ist Belboon eines der ersten Affiliate Networks, das sich das mobile Affiliate Marketing auf die Todo Liste geschrieben hat. Doch wie gesagt, Programme die über mobiles Advertising für einen Affiliate funktionieren sind noch sehr rar. Es lässt sich meiner Meinung nach nicht auf die breite Masse der Programme anwenden.
Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass dieser Bereich mit der Verbreitung von Smartphones in großem Stil (nach dem iPhone kommt Android) sehr schnell explodieren dürfte. Und die frühen Siedler erhalten bekanntlich immer die schönsten Grundstücke.
Wie immer ist der aktuelle Sistrix-Report zu den größten Domainverlieren mit ausgesprochen stichhaltigen Daten unterlegt und kommt zu einem Schluss, dem man unmöglich widersprechen kann:
Wer nicht regelmäßig an seiner Seite arbeitet, muss davon ausgehen, von der Konkurrenz überholt zu werden.
Karen Abad hat das vergangene Jahr in einem sehr persönlichen Video-Rückblick festgehalten - solche geradezu hypnotischen Perlen findet man eben nur auf Vimeo:
Dass man aus der Verdrehung üblicher Hip Hop Klischees einen witzigen Clip basteln kann, ist allgemein bekannt. Besonders gut gelungen ist dieser Track von MC Regular Everyday Normal Guy [via Pete]:
Und das war's auch schon wieder mit dem Rückblicken auf die vergangenen sieben Tage - danke für Ihre Geduld. Ab sofort fahren unsere Züge wieder planmäßig, wir lesen uns morgen.
Beherrschendes Thema der Woche: der neue WordPress-Release. Denn "Coltrane", so der Codename der aktuellen Version 2.7., bringt eine Reihe gravierender Änderungen. Am auffälligsten ist sicherlich die neue Optik im Backend: Matt und sein Team ließen (fast) keinen Stein auf dem anderen. Jene User, die gleich nach dem Release die neue Anordnung der einzelnen Elemente kritisierten, haben übrigens eines der Hauptfeatures nicht kapiert: via "Screen Options" lässt sich jeder einzelne CMS-Screen via Drag und Drop bequemst an die eigenen Editing-Bedürfnisse anpassen. Eine gute Nachricht für Technik-Hasser ist die automatische Update-Funktion: analog zum bisherigen Plug-In-Update-Verfahren lässt sich ab 2.7 das ganze WordPress ohne ftp-Transfer direkt via Web-Interface aktualisieren.
Ich bin jedenfalls sowohl von der Überarbeitung des CMS-Backends als auch von den neuen Features restlos begeistert, außerdem konnte ich nach dem Update diverse nicht mehr benötigte Plug-ins deaktivieren, da einige bislang nur extern nachrüstbare Funktionen in den Core übernommen wurden. Keine Wunder: noch nie haben annähernd so viele Programmierer direkt zu einem Release beigetragen: 150 Personen trugen Codeschnipsel zu dieser Version bei. Dieser Screencast vom offiziellen WordPress-Blog gibt einen Überblick über die neuen Features:
Ein lahmer Gag wird beim zweiten Mal auch nicht unbedingt besser: trotzdem war die Frage des Auftauchens von Dotcomtod 2.0 bloß eine Frage der Zeit. Der These, dass sich alles zyklische wiederholt, stimme ich zwar zu - allerdings knüpft das erste Posting über SPON vs. Huffington Post nahtlos an die Tradition des Originals, ungefährliches Halbwissen in semi-unterhaltsamer Form zu präsentieren, an. Ein symptomanisches symptomathisches Zitat:
Beweisen kann ich es nicht, nur einmal meine jahrelangen Erfahrungen als SEO einbringen … die externe Verlinkung von Huffington sieht auf dem zweiten Blick nicht mehr ganz so natürlich aus, doch das will ich gar nicht kritisieren. Sollen Investoren und Anzeigenkäufer glücklich damit werden.
Mal sehen, was Matthias noch so draus macht - aber let's face it, Captain Lummaland ist schwer zu widersprechen, und auch wenn weite Teil des deutschen Feuilleton sogar temporär aus der selbstverschuldeten Lahmarschigkeit aufwachen: herbeischreiben wird man die Krise nicht können:
Es gibt keine größenwahnsinnig bewertete Nullnummern mit IPO-Aspirationen, es gibt einen kleinen M&A-Markt, es gibt zwar viele kleine Startups und nicht alle schaffen es, aber die großen wilden Dinger wie vor 8 Jahren gibt es nicht zu beobachten.
...hatte Max vor kurzem:
Der Gerichtsvollzieher meinte das er einen "Arbeitsnachweis" für seinen Chef braucht, deswegen wollte er das ich zum Gericht gehe und bei ihm 1.000 Euro in bar einzahle. Darauf fragte ich warum ich das machen soll, wenn alles mit einem Telefonat geklärt werden kann. Darauf sagte er: "Das können sie so machen, aber dann merke ich mir ihren Namen und wenn jemals wieder etwas gegen sie vorliegt breche ich ohne Vorwarnung gleich die Wohnungstür auf".
Er hat's mit seinem phlow-Magazin in die letzten c't Ausgabe geschafft, und zwar in die heißbegehrte Rubrik Linktipp:
Die Promotion per Schneckenpost in Form einer CD-ROM plus "Waschzettel" mit unseren Phlow-Compilations hat also funktioniert. Diese habe ich vor ein paar Wochen an die c't Redaktion geschickt. Also auch die alten Medien wie Post plus analoge Datenträger funktionieren noch. Wer wissen will, was Jo über Phlow geschrieben hat, liest einfach den c't Linktipp (ganz unten auf der Webseite).
Der Eintrag ist auf jeden Fall mehr als verdient - wer an aktueller netlabel-Musik interessiert ist und täglich mit frischen, qualitativ beängstigend hochwertigen Tracks versorgt werden will, sollte den RSS-Feed ganz schnell in seinen Reader eintragen.
Aber sicher doch! Piraten sind cool, und damit meine ich *nicht* Johnny Depp. Captain Jack Sparrow stinkt... aber Jean Lafitte und Co. rocken und kommen im Zuge der Urheberrechtsdebatte zu neuen Ehren. Der elektrische Reporter hat diese Zusammenhang in einem nicht nur inhaltlich, sondern auch grafisch extrem gelungenen Video fürs ZDF aufbereitet. Die Kurzversion: selber Regie führen, schauspielen und singen (und komponieren). Oder einige hundert Jahre alte Gesetze werden endlich an die Gegebenheiten der Netzwelt angepasst:
In jedem Kinderzimmer steht ein Filmkopierwerk, auf jedem Schreibtisch eine Plattenpresse, und das Internet ist ein riesiger Piratenmarkt für kostbare Kreativ-Inhalte. So sieht es die Entertainment-Industrie und versucht mit immer neuen Maßnahmen, Raubkopien zu bekämpfen - bisher wenig erfolgreich.
Allblogs hat ein Brainstorming zum Thema "Geld verdienen mit dem YouTube Partnerprogramme" begonnen, Gretus blick aufs Jahr zurück und der Hodenkaiser stellt ein fragwürdiges Softwarepaket zu Forschungszwecken zur Verfügung - ohne Sandbox und entsprechende Proxy-Infrastruktur würd ich da aber die Finger davon lassen.
Die Beeinflussung der internen Linkpopularität bezeichnet man als Pagerank-Sculpting. Baynado empfiehlt dazu das Automatic SEO Links Plug-In, mit dem Keywords automatisch verlinkt werden können. Da gibt's eine ganze Latte von Plug-In - wer allerdings ohnehin Simple Tagging einsetzt, kann genauso gut dessen interne Linkfunktion verwenden (allerdings natürlich nur dann, wenn die zu erwartenden Resultate im Einklang mit der eigenen Tagging-Policy stehen).
Sistrix sieht die aktuellen Entwicklungen im Linkbuilding-Markt mit gesunder Skepsis:
Und wenn ich sehe, dass offenbar Schwachsinnige eine Subdomain eines großen und alten Versandhandels mit massivem Kommentarspam pushen, dass große und starke Brands Massen von zwielichtigen Links aus Russland erhalten und Myriaden von Studenten und „Textern“ Unsinn für Artikelverzeichnisse und Webkataloge schreiben, dann hoffe ich, dass Google als einzige Institution, die dem Treiben Einhalt gebieten kann, endlich handelt und den großen Worten bald Taten folgen lässt.
Da kann man wohl nur zustimmen - auf mittelfristige Sicht wird dies zu einer deutlicheren Unterscheidung von spammigen, sinnlosen Massenaktionen und qualitativ hochwertigen Links führen: für alle SEOs, die qualitätsorientiert arbeiten, anstatt auf Human Spam Power zu setzen, zweifellos ein großer Vorteil: und die Kunden lernen ja auch was dazu. Spätestens dann, wenn sie mal mit Big G in der Sandkiste spielen durften.
Duftstoffe funktionieren im Netz bekanntlich nicht, also hilft nur geschicktes Linkbaiting. Stefan Johne hat einen ausführlichen Guide geschrieben, der Newbies ordentlich auf die Sprünge helfen dürfte und in dem sich alte Hasen wiedererkennen sollten:
Wer einen wirklich guten Linkbait machen will sollte jedoch definitiv alles lesen. Linkbaits sind ein sehr komplexes Thema und ihr könnt damit schnell auf die Füße fallen ;-).
Wahre Worte - speziell Neo-Blogger sollten sich das Tutorial ausdrucken und unter den Kopfpolster legen
Lautet bekanntlich eines der zehn Gebote für länderorientierte Distributoren. Wer seinen deutschsprachigen Online-Shop bisher beim US-Hoster betrieben hat, kann auf SEO Handbuch nochmal im Detail nachlesen, warum er auf einen große Teil seiner potentiellen Besucher verzichtet:
Ein lokaler Serverstandort in Verbindung mit den passenden lokalen Länderdomains (wie z.B. .de für Deutschland oder .fr für Frankreich) kann z. B. bei Verwendung der Suchfunktion “Seiten aus Deutschland” (oder entsprechendes lokales Land) eine positive Auswirkung auf das Google-Ranking von bis zu 30% haben!
Diese Jungs stürzen sich aus hunderten Metern Höhe in die Tiefe - ohne Fallschirm, sondern einfach nur von norwegischen Klippen. Wie man das überlebt und dabei aussieht der fliegende Petrelli-Bruder aus Heroes (nein, sorry, das wär eine Beleidung, so elendig schlecht, wie die dritte Staffel angeblich ist), verrät das folgende elegische Video: eine der farbenprächtigeren Variationen zum alten Thema Traum vom Fliegen. [via Blogpiloten].
Und das war's auch schon wieder für diese Woche - ich hab mich beim Schreiben heute beeilt, denn vor mir liegt noch eine wichtige Aufgabe: ich muss die postatomare, überzeichnete 50er-Jahre Welt von Fallout 3 erkunden. Hat ja lange genug gedauert, an die original-englische Version ranzukommen: ich musste dem Amazon-Marketplace Händler sogar einen Scan meines Passes schicken (Volljährigkeit!) und dem Rechner eine XP-Partition spendieren: und jetzt geht's los in die verstrahlten Weiten von Washington. Ich wünsche Ihnen, hochverehrte Leser, einen erfreulichen Sonntag, wir lesen uns morgen.
Vor kurzem gab's bei der Wiener Stadtzeitung einen äußerst gelungenen Relaunch mit optischer Auffrischung und neuer Klammerung. Meine persönliche Meinung dazu: noch nie habe ich in Österreich einen derart gelungenen Printmedien-Relaunch erlebt. Auf meiner völlig subjektiven "Les-ich-gern-Skala" stieg die letzte brauchbare Wochenzeitung dieses Landes locker um zwei Stufen. Die Digitalia-Kolumne der letzten Ausgabe motivierte mich allerdings ob der hanebüchenen Darstellung der Causa PsykoMaN zu meinem ersten Leserbrief, und zwar als Reaktion auf diese Kolumne (Falter #44/2008, 29.10.2008, S. 23):

Eine weitere Diskussionsrunde zum Thema Online-Musikvertrieb - die Redaktion des resident drum'n'bass mag lud eine illustre Runde zu wilden Spekulationen ein - ich hatte die Ehre und das Vergnügen, den Round Table aus Musikern, Labelmanagern und Distributionsexperten zu moderieren. Der Text erscheint in der kommenden resident-Ausgabe, datenschmutz LeserInnen sind natürlich wie immer früher informiert...
Die Zeiten waren immer schon hart, und wir waren stets härter. Doch während die ehemaligen Piraten der Weltmeere kein Königreich zu Fall brachten, sondern lediglich den Staatssäckel lästig piesackten, tun die modernen digitalen Musik-Kopieranten der von ihnen angeblich so geschätzten Kunstform ein Übel an - oder versetzen ihr gar den Todesstoß, darf man den drastischsten Ausführungen der Major Labels glauben.
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Neben FlickR existieren mittlerweile zahlreiche Online-Bilddatenbanken - und vermutlich hat so ziemlich jeder Blogger seine Vorlieben. Ein altes chinesisches Sprichwort aber sagt: "Wer spätere Abmahn-Kosten will vermeiden, sollte bei reprofreiem Bildmaterial bleiben." Und genau dafür hat sich bei mir Pixelio bisher bestens bewährt.
Wer hat schon das passende eigene Digitalfoto für jede Situation bereit? Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als tausend Worte und bunte Pixel Abwechslung in digitalen Bleiwüsten verschaffen, gilt für Blogs das gleiche wie für jede Zeitung: Bilder verschaffen Aufmerksamkeit und regen zum Lesen des Artikels an. Die Zeit, als man für Pressefotos Bares bei Agenturen einwerfen musste, ist glücklicherweise weitgehend vorüber, denn viele Online-Gallerien bieten die Möglichkeit, gezielt nach sogenannten "reprofreien", also kommerziell verwendbaren, Fotos zu suchen. Ich bin seit längerem großer Fan der deutschen Foto-Community Pixelio. Das hat mehrere Gründe, in erster Linie finde ich allerdings die Profi-Suche sehr gelungen - denn sie erlaubt nicht nur thematische Anfragen, sondern auch die Suche nach bestimmten Größen und Farben.
Weiters finden sich auf Pixelio kaum Amateurfotos aus der Liga "privates Album" - der Profi-Bildanteil ist ausgesprochen hoch. Die erwähnte Profi-Suche erlaubt neben der Eingabe von Schlagwörtern zudem auch die Wahl einer bestimmten Farbe inklusive einer Toleranzschwelle: äußerst praktisch für Designer und Illustratoren, die passende Fotos zu einer bestehenden Farbwelt suchen. Der "Leuchtkasten" fungiert als persönliches Album, die Detailseiten der einzelnen Fotos enthalten neben Informationen über Fotograf, Bildgröße und Lizenztyp auch jeweils das zugehörige EXIF-Histogramm.
Zwar lässt sich die gesamte Sammlung frei durchstöbern, wer Pixelio allerdings ernsthaft nutzen möchte, kommt um die Gratis-Registrierung nicht herum - denn die ist erforderlich, um Fotos in hoher Auflösung herunterladen zu können.
Pixelio unterscheidet zwischen der Freigabe für redaktionelle oder kommerzielle Nutzung. Bei Publikationen, die rechtlich den Status eines (Massen)Mediums genießen, ist die Sache eindeutig - im Fall von Blogs allerdings bezweifle ich, dass die redaktionelle Freigabe in allen Fällen ausreicht, denn die Grenzen zwischen Berichterstattung und Werbung sind Online noch fließender als am Papier.
Ebenfalls zu beachten gilt das sogenannte "erweiterte Bearbeitungsrecht" - gemeint sind damit Bildmanipulationen sinnverändernder Art. Im Gegensatz zu normalen Bildoptimierungsmaßnahmen (z.B. Kontras-Einstellung, Farbbalance etc.) dürfen erweiterte Veränderungen nur bei expliziter Erlaubnis vorgenommen werden:
Das erweiterte Bearbeitungsrecht ist das Recht, das Bildmaterial unter Verwendung analoger, digitaler oder sonstiger Bildbearbeitungsmethoden zu bearbeiten, umzugestalten, zu kürzen, zu teilen, auszuschneiden, mit anderen Produktionen oder Produktionsstellen oder sonstigen Werken und Leistungen zu verbinden.
Mit der Profi-Suche kann das Ergebnis auf die beiden Parameter "kommerzielle Nutzung" und "erweitertes Bearbeitungsrecht" angeben, zusätzlich verlangt Pixelio einen Verweis auf Herkunft und Fotografen-Name:
Der Nutzer hat in für die jeweilige Verwendung üblichen Weise und soweit technisch möglich am Bild selbst oder am Seitenende PIXELIO und den Urheber mit seinem beim Upload des Bildes genannten Fotografennamen bei PIXELIO in folgender Form zu nennen: é Fotografenname / PIXELIO
Bei Nutzung im Internet oder digitalen Medien muss zudem der Hinweis auf PIXELIO in Form eines Links zu www.pixelio.de erfolgen.
Sollte für Blogger kein Problem sein - ob man die Fotocredits direkt unters Bild schreibt oder in einer Fußnote am Ende des Artikels unterbringt, spielt keine Rolle. Wer bei der Bildsuche auf reprofreie Fotos achtet, findet bei Pixelio dennoch eine riesige Auswahl an professionellen Motiven aus allen erdenklichen Themengebieten - und befindet sich in punkto Urheberrecht auf der sicheren Seite.
Ein Basar für Bits und Bytes versucht sich an einer spannenden Aufgaben: jeder registrierte User kann eigene Werke, die natürlich in digitaler Form vorliegen müssen, hochladen und kommerziell vertreiben - den Preis der digitalen Publikation, die in einer der über 600 Kategorien einsortiert werden muss, legt der Autor bei Xinxii dabei selbst fest und erhält für jeden Download 70% des Netto Verkaufspreises.
Leseproben vermitteln auf Wunsch des Autors einen konkreten Eindruck der jeweiligen Publikation, Käufer haben die Möglichkeit, die Qualität erworbener eTexte zu bewerten. Wer ganz bestimmte Informationen bzw. Publikationen sucht, kann über den Menüpunkt "Content on Demand" eine entsprechende Ausschreibung starten; diese Funktion qualifiziert XinXii also prinzipiell auch durchaus als b2b-Seite für den journalistischen Bereich. An den professionellen Schutz der Urheberrechte, die übrigens - und hier unterscheidet sich Xinxii gravierend von vielen anderen Vertriebsmodellen - vollständig beim Autor verbleiben, haben die Betreiber gedacht:
In Kooperation mit der Priormart AG bietet XinXii jedem Verfasser die Möglichkeit, sein Werk zur notariellen Hinterlegung auf einen Online-Server hochzuladen und dadurch zusätzlich urheberrechtlich zu schützen.
Die Informationswirtschaft verweigert sich hartnäckig so manchen Grundsätzen klassischer Ökonomietheorie: Information wird nicht weniger, wenn man sie verteilt, braucht so gut wie keinen physischen Speicherplatz und lässt sich unglaublich leicht kopieren - davon weiß die Musikindustrie gewiss ein wenig beschwingtes Lied zu singen. Andererseits ermöglichen der digitale Vertrieb geistiger Ergüsse auch ganz neue Vertriebsmöglichkeiten, wie Chris Anderson in seinem Longtail-Buch so treffend feststellte: da die Kosten der Lagerhaltung bei digitalen Waren nahezu gegen Null streben, ist der Aufbau eines großen Inventories kein Problem. Dass für (hochwertige) Information auch im Web bezahlt werden soll, ist angesichts der Gratis-Mentalität im Internet schwer vorstellbar. Der herkömmliche Weg der Monetarisierung usergenerierter Inhalte führt also über das lächelnde Aas Werbung, zu dem beispielsweise Blogger ganz unterschiedliche Auffassungen vertreten.
XinXii stellt eine Alternative für unentdeckte Edelfedern dar - über diese trigami-Ausschreibung freue ich mich besonders, da eine solche Plattform meiner Ansicht nach eine definitiv existierende Marktlücke füllt: von der Diplomarbeit bis zum Comicstrip und den bereits erwähnten b2b-Funktionen bietet sich ein breites Spektrum möglicher Verwendungszwecke an, also auf zum Praxistest.
Die Seite samt Tab-Hauptmenü ist übersichtlich und sauber aufgebaut - als Kind der Web 2.0 Ära hängt sich Xinxii natürlich ein "beta" hinten ans Logo und wählt entsprechend dezente, helle und freundliche Farben. Die klare Screenaufteilung sorgt für gute Übersicht, verloren oder überfordert muss sich hier niemand fühlen.

Dazu passt auch die Registrierung, die rasch erledigt ist - neue Nutzer weist Xinxii speziell auf Punkt 9.3 der AGBs hin: Uploader müssen natürlich bestätigen, selbst die Urheberrechte an den angebotenen Werken zu besitzen, außerdem verlangt Xinxii Volljährigkeit nach deutschem Recht. Mich interessieren beide Seiten der Medaille, also mache ich mich erstmal auf die Suche nach einem passenden Download - dabei zeigt sich allerdings rasch, dass das Inventar noch nicht besonders gut gefüllt ist: zwar gibt's ausreichend Kategorien, die meisten allerdings sind noch gähnend leer - hier wäre vielleicht ein dynamisches Tag-System nicht unbedingt von Nachteil. In der Kategorie "Literatur" fand ich dann allerdings doch eine Hausarbeit zum Max Frisch' "Homo Faber", auf die ich für 2 Euro durchaus einen Blick werfen würde, also ab in den Warenkorb. Bei der Bezahlung zeigt sich allerdings der imho erste gravierende Nachteil: lediglich Kreditkarte oder Lastschriftverfahren (nur für deutsche Bankkonten) kommen in Frage. Gerade bei Kleinbeträgen eignet sich aus Kundensicht PayPal ideal: dass diese Bezahlvariante hier nicht zum Einsatz kommt, verwundert mich umso mehr, als Autoren ihr angesammeltes XinXii-Guthaben ausschließlich via PayPal überwiesen bekommen. Mich zumindest hält die zwangsweise Eingabe der Kreditkartendaten bei solchen Kleinbeträgen vom Kauf ab.
Also Zeit, einen Blick auf die Textproduzenten-Seite zu werfen: über dem Reiter "Publizieren" gelangt man zum Uploadformular, wo eine abschließende Warnung vor Rechtsbrüchen erfolgt:
Der Nutzer verpflichtet sich, in die Datenbank des Betreibers keine Inhalte einzustellen, die gegen wettbewerbsrechtliche, urheberrechtliche oder markenrechtliche Vorschriften verstoßen oder die als obszön, beleidigend, diffamierend, anstößig, pornografisch, belästigend, rassistisch, ausländerfeindlich, rechtsradikal oder sonstig verwerflich anzusehen sind.
Das anschließende Uploadformular fasst alle benötigen Informationen auf einer Seite zusammen: Kategorie, Titel, Beschreibung, Präsentationsform, Dokumententyp etc. sind verpflichtend, zusätzliche Elemente wie ein Cover- und Autorenfoto, ein optionales Inhaltsverzeichnis bzw. eine Leseprobe erhöhen die Attraktivität der eigenen Präsentation. 2 Euro beträgt der Mindestpreis, nach oben ist die Grenze offen; leider hat niemand auf die Schnelle meinen trigami-Test-Upload für günstige 1.300 Euro gekauft, dabei wär doch dort die Antwort auf alle Fragen dringestanden... selbst hochgeladene Dokumente können jederzeit wieder gelöscht und somit aus dem System entfernt werden, usability-technisch betrachtet funktioniert die Applikation ganz hervorragend - einzig die Vorschaufunktion produzierte bei mir einen php-Fehler, das mag aber möglicherweise am rtf-Format liegen. Vorsichtige Naturen dürften sich besonders über die Integration des Priormart-Services freuen: die Datenbank dient der Beweissicherung durch notarielle Hinterlegung, denn die kann im Streitfall vor Gericht sehr hilfreich sein, wenn man mal in die Lage kommen sollte, beweisen zu müssen, dass man tatsächlich der Urheber eines bestimmten Dokuments ist.
Fazit: Xinxii hat sich den hehren Anspruch gestellt, jeden interessierten Autor zu seinem eigenen Herausgeber zu machen. Die Konditionen der Plattform erscheinen dabei ausgesprochen fair, Design und Usability sind hervorragend gelungen. Um an Popularität zu gewinnen, werden sich die Betreiber vor allem um einen raschen Ausbau des angebotenen Sortiments kümmern müssen, außerdem wäre die Integration PayPals zur Bezahlung von Downloads ebenfalls wünschenswert. Abgesehen von diesen beiden Punkten verbindet Xinxii die Themen Social Networking, digitale Distribution und Eigenvertrieb auf spannende und innovative Weise zu einer Plattform, der durchaus langfristiger Erfolg beschieden sein könnte.
www.xinxii.com
Ein weiterer TED-Talk aus dem Monat März verdient definitiv einen zweiten Blick: Larry Lessig, internationaler Prediger für die längst überfällige Adaption überkommener Lizenzbedingungen, spricht 19 Minuten lang über das Verhältnis von Kultur, Technologie und Vorurteilen - unbedingt anschauen, denn der Mitbegründer Creative Commons Lizenzen weiß nicht nur wovon, sondern auch wie er spricht.
Lawrence Lessigs Vortrag besticht nicht bloß durch die fachliche Kompetenz und die ansprechende inhaltliche Aufbereitung eines schwierigen Themas - der Jus-Professor hat ein perfekt auf seinen Vortragsstil abgestimmtes Foliendesign gefunden. Invertierte Schrift, einzelne Wörter und Bilder pro Folie, keine Bulletpoints: das widerspricht jeder gängigen Votragstheorie, gibt der Gesamtperformance aber jene Flow und jene Eleganz, die der klassischen Powerpoint-Präsi einfach völlig fehlen. Mit anderen Worten: ein gelungenes Treffen von Tante Inhalt mit Onkel Form:
Markus findet, dass Duplicate Content durchaus auch seine reizvollen Seiten hat, Robert Treichler hinter-quiz-fragt Alice Schwarzer, Robert erklärt auf für mich sehr beeindruckende Art und Weise sein Blogger-Selbstverständnis, Grissemann scheint Werbung für deutsche Handys zu machen und die Viralmythen typologisieren wissenschaftliche Blogs: also wieder mal eine ganz gewöhnlich ereignisreiche Woche in Blogistan, das Sommerloch zeigt sich endgültig von herbstlichem Tatendrang in die Stränge gewiesen. Außerdem gibt's ein Jubiläum zu feiern: Tante Google ist anscheinend neun Jahre alt geworden.
Georg Holzer analysiert den Kauf der Messaging-Lösung durch Yahoo und kommt zu dem Schluss:
Zimbra als Werkzeug für höheren Marktanteil bei anderen Geschäften. Der Kaufpreis von 350 Millionen Dollar könnte sich so rechnen. Könnte ... Und irgendwann, wenn die nächste Gerneralrenovierung von Yahoo-Mail fällig ist, wird man wohl auf nur noch eine Codebasis bei seinen Messaging-Servern setzen - derweil hat man aber noch zwei.
Microsoft dagegen beißt kräftig in Facebook rein - ob sich das wirklich rechnet?
telepolis hat ein sehr lesenswertes Interview mit Johannes Eisenberg veröffentlicht: der Anwalt verteidigte die taz im Verfahren gegen den bekannten deutschen Berufskollegen Freiherr von Gravenreuth, der durch seine zahlreichen Abmahnprozesse einer Menge Webmaster viel Kopfzerbrechen bereitete:
telepolis: Herr Rechtsanwalt Eisenberg - Sie werden im Netz gerade als eine Art "Drachentöter" gefeiert, weil es ihnen gelang, den Freiherrn von Gravenreuth "hinter Gitter zu bringen". Wie ist Ihnen das gelungen - und wieso hat das vorher noch niemand geschafft?
Johannes Eisenberg: Ich weiß nicht, ob ich als 'Drachentöter' gefeiert werde. Ich hab' das noch nirgendwo gelesen. Und den Herrn Gravenreuth hab ich auch nicht hinter Gitter gebracht - er ist nur zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden, weil er die Domain der taz pfänden ließ, läuft aber weiter frei rum und kann weiter sein Unheil anrichten.
Passend zum Thema: hat man Sie etwa auch öffentlich diffamiert? Dann kann ich nur dringend zur Benutzung des abmahnr raten! [via Zweinull.cc]
Gibt's bei 9031.com, unter anderem ein Old-School Digitaluhr mit digital simuliertem mechanischem Zifferwerk... so wie wir's halt den 80ern am Nachtkasterl stehen hatten.
Am S-O-S SEO Blog gibt's eine imho sehr treffende und spannende Überlegung zum Thema Zukunft des Google Pagerank, Fazit:
Warum nicht für eine Domain nach außen einen fetten PR7 oder PR8 Balken anzeigen, wohl wissend, dass der echte PR nach Abzug der Steuern und Kauflinks gerade mal für PR5 reicht, und all die armen Link-Käufer und Mieter ihr Geld für völlig überschätze und in Wirklichkeit kaum spürbare Verlinkungen ausgeben lassen. Besser als echte Werte anzuzeigen und auch besser als keine Werte anzuzeigen. Denn in letzterem Fall würden die Webmaster und SEOs vielleicht neue Kriterien suchen und finden, die ihnen bessere Einschätzungen der Domain- und Linkwerte ermöglichten - damit würde die Manipulationsgefahr für Google wieder steigen.
Der Iceblog findet, dass in Google inzwischen verdächtig viele wikipedia-Ergebnisse auftauchen... und vermutet gar, dass bald Schluss sein wird mit den ganzen lästigen Webseiten, sozusagen Google als interne Suchmaschine der Wikipedia-Datenbank.
Comscore veröffentliche Nutzungsdaten über Social Networks in Deutschland - erstaunlicherweise liegt in dieser Untersuchung MySpace vor studiVZ: [via zweinull.cc]
Unique Visitors von Social Networks in Deutschland im Juli 2007
Quelle: comScoreMySpace: 3,7 Millionen
studiVZ: 3,1 Millionen
JUX.de: 2,6 Millionen
Piczo: 2,0 Millionen
StayFriends: 1,3 Millionen
Zum Wahlkampfauftakt der NPD in Niedersachsen musste die Extra3 Reporterin Olivia Jones erfahren, dass selbst die Spitzen der Partei einfach nicht wissen, warum man ihren Verein überhaupt braucht... könnte sich auf einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung wohl ganz ähnlich abspielen. [via FranzToo]
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Am 20. Oktober findet in Zürich das BlogCamp Switzerland 2-0 statt, und Michael hat für seine dortige Präsentation ein imho hochspannendes Thema ins Auge gefasst:
Unter dem Arbeitstitel "Copyright, Copywrong - Radikale Stimmen zum Urheberrecht" könnte ich mir vorstellen, anhand der zwei oben genannten Beispiele (Spooner und Tucker; ergänzt durch ein, zwei Personen des 20. Jahrhunderts, die sich auf diese beziehen) eine kurze Tour d'Horizont zu geben. Dabei konzentriere ich mich bewusst auf Personen, die vor der Entstehung des Internets gewirkt haben.
Michael hat das Thema zur Diskussion gestellt und möchte wissen, ob sich Blogger für derlei Geschichtsausflüge interessieren - ich werd's am 20. Oktober nicht nach Zürich schaffen, aber ich kann nur sagen: wenn's einen Blogcast gibt, dann schau ich mir den sicher an. Von radikalen Entwürfen kann man immer eine Menge lernen - und wider der Behauptung der Rechtskonservativen in Einzelfällen sogar etwas von der Geschichte.
Diese Woche flatterte eine Umfrage der mobilkom austria ins Haus - Kernaussage: Wiener sind im Umgang im Handys vertrauensseliger als die Bewohner anderer österreichischer Bundesländer:
Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern legen die Wiener Handy-UserInnen am meisten Vertrauen an den Tag, wenn es um Anrufe mit unterdrückter Nummer geht: 78% der UserInnen nehmen Gespräche auch an, wenn sich der Anrufer nicht zu erkennen gibt. Auch beim Ausleihen des Handys gibt es einen Vertrauensvorschuss: 35% der WienerInnen können sich vorstellen, ihr Handy für mehr als nur ein spontanes Gespräch herzuborgen.
Das reicht österreichweit in beiden Disziplinen für Platz 1 - wer sich also ein Handy ausborgen möchte, der hat in der Bundeshauptstadt die besten Chancen.
Immer wieder fragen mich Bekannte, was von den altbekannten E-Mail Disclaimer zu halten ist. Die kurze Antwort: nix. Außer, dass man damit seine Unkenntnis rechtlicher Tatsachen eindrucksvoll dokumentiert. Ach ja, Disclaimer: dieser Beitrag ist keine juristische Beratung
Ich meine diese zwei- bis fünfzigzeiligen Sprüchlein, mit denen machen "Jus-Experten" versuchen, ihren Mails den Anstrich einer fragwürdigen Professionalität zu verleihen. Prototypisch etwa:
Beachten Sie bitte, dass jede Form der nicht autorisierten Nutzung, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts dieser E-Mail nicht gestattet ist. Diese Nachricht ist ausschließlich für den bezeichneten Adressaten oder dessen Vertreter bestimmt. Sollten Sie nicht der vorgesehene Adressat dieser E-Mail oder dessen Vertreter sein, so bitten wir Sie, sich mit dem Absender der E-Mail in Verbindung zu setzen.
Erstens hat der Empfänger die Mail schon gelesen, bis er zum Disclaimer kommt, zweitens sollte jemand, der zuverlässig und nicht für Dritte einsehbar kommunizieren will, sowieso Verschlüsselung und Signaturen einsetzen (zum Beispiel via OpenPGP), und drittens erfüllen die wenigsten E-Mails die Erfordernisse der sogenannten "Schöpfungshöhe", die erst Werke schützenswert macht. Mehr dazu ausführlich bei Dominik Boecker und in der wikipedia:
Allerdings dürften solche E-Mail-Disclaimer nach überwiegender Ansicht unter Juristen unwirksam sein, was sie jedoch nicht daran hindert, sie selbst einzusetzen.
Eine schöne Sammlung solcher "Angstklauseln" hat Causse.de zusammengetragen... viel Spaß beim Schmökern - und denken Sie dran: wer solche Disclaimer verwendet, der sag nicht mehr und nicht weniger als Ich hab' weder von E-Mail noch von Urheberrecht eine Ahnung.. Und das dürfte im Geschäftsverkehr kein besonders absatzfördernder Claim sein... natürlich sollte man für geschäftlichen E-Mail Verkehr eine Signatur mit Kontaktdaten und Firmenname anlegen, die unfreiwillig poetischen Verrenkungen zur Selbstabsicherung sind und bleiben allerdings wirkungslos. Falls Sie aber dennoch nicht verzichten wollen, hier ein Disclaimer, der frei benutzbar und rechtlich garantiert unwirksam ist, am besten auf en, de und fr:
Sind Sie etwas nicht die Person, für welche diese Mail bestimmt war? Habe ich mich vertippt? Spinnt das Internet? Egal - falls Sie nicht der sind, der dieses Mail hätte erhalten sollen (wer immer auch das sein mag), dann finden Sie gefälligst die Wohn-Adresse des richtigen Empfängers heraus, drucken das E-Mail aus, stecken es in einen Umschlag und schicken Sie das Original als versicherte Wertsendung an den Empfänger und eine zweite Kopie an mich. Begeben Sie sich anschließend in das Krankenhaus Ihrer Wahl und unterziehen Sie sich einer vollständigen Lobotomie. Falls Sie das nicht tun, dann schicke ich die Bad Tölzer Hells Angels zu ihnen nach Hause - und glauben Sie mir: Sie wollen keinen Besuch von denen bekommen (Disclaimer im Disclaimer: dies ist keine Drohung, sondern nur ein Szenario!). Falls Sie jedoch über eine multiple Persönlichkeit verfügen, dann kontaktieren Sie mich lieber telefonisch. Möglicherweise ist dieses E-Mail ja für eine Ihrer anderen Persönlichkeiten bestimmt gewesen. Bitte klären Sie dies in einer gemeinsamen Sitzung möglichst vor der Lobotomie.
Sonst wär diese dieser generische ja eventuell noch eine Option:
Sollten Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, machen Sie doch damit, was Sie für richtig halten, bitte jedoch im Rahmen dessen, was der gesunde Menschenverstand Ihnen vorschreibt.
Buchrezension: Dobusch, Leonhard / Forsterleitner, Christian (Hg.): Freie Netze / Freies Wissen. Wien 2007
GNU, Linux, die Free Software Foundation, Creative Commons Lizenzen, Open Source Verlage und Co. gehören dringend ent-geekt. Denn die Spielregeln der Informationsgesellschaft, die wir in diesen Momenten festlegen, werden unser kulturelles und politisches Leben zukünftig gravierend beeinflussen.
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erschienen auf oe1.orf.at, Mai 2007
Mathematische Verfahren zur Verschlüsselung und Kodierung kamen schon längst vor dem Digitalzeitalter zum Einsatz: so gut wie jeder historische Universalgelehrte beschäftigte sich zumindest einmal im Verlauf seiner Karriere mit Chiffrier-Techniken. Geheimcodes üben seit jeher beträchtliche Faszination aus, dienen sie doch der Übertragung militärischer Nachrichten ebenso wie der Sicherung der Privatsphäre in der Kommunikation zwischen Liebenden.
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Heute nachmittag hielt ich beim Kongress Freie Netze. Freies Wissen. in Linz einen Workshop zum Thema "peer2peer, Open Source, Creative Commons und Co." ab und nahm an der anschließenden Podiumsdiskussion teil. Für mich ein spannender Nachmittag inklusive der Erkenntis, dass in Linz weit mehr geschieht als der imposante Neubau zum Ars Electronica Center. Et voilá: hier mein persönlicher und sehr subjektiver Bericht und ein Buchtipp.
Die Konferenz im alten Rathaus am Linzer Hauptplatz markierte den Abschlussevent einer halbjährigen Kampagne. Mehrere Workshops sowie eine abschließende Podiumsdiskussion beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln - persönliches Resumée: eine spannende Veranstaltung, deren großteils unter 20-jährige TeilnehmerInnen bei schönstem Badewetter das Dictum von der Politikverdrossenheit der Jugend Lügen straften. Die SJ Linz veranstaltete den Kongress in Zusammenarbeit mit AKS und Jump (dort gibt's demnächst auch einen Podcast zur Konferenz) - der Vergleich mag unfair erscheinen, aber ich bin als Blogger ja keineswegs irgendwelchen journalistischen Sorgfaltsregeln verpflichtet und behaupte daher mal ganz frech: während die ÖVP relativ planlos Blogger auf den eigenen Parteitag einlädt, um billig ein paar (ohnehin sehr negativ ausgefallene) Berichte in der Blogosphere zu generieren (hallo Rekursion), betreibt die SJ enrst gemeinte Bewusstseinsbildung zum Thema "digitales Eigentum": ein uneingeschränkt lobenswertes Unterfangen, denn bevor überhaupt politische Entscheidungen getroffen werden können, muss erst einmal Klarheit bestehen, worüber denn entschieden wird.
Während Gusi also bislang eine imho wenig elegante Figur auf dem politischen Parkett hinlegt (Stichwort: Studiengebühren) und mit seinem Vizemolterer wohl eher für den offiziellen Merger von Neoliberalismus und Sozialdemokratie österreichischer Prägung steht als für die von Vranitzky seinerzeit so legendär diskreditierten Visionen, stellt die sozialistische Jugend jene Fragen nach dem angemessenen Umgang mit digitaler Information, die unsere zukünftige Wirtschaft und unsere Freiheit so drastisch beeinflussen werden. Freilich sind informationstechnische Regelungsprobleme ein "Luxus", der erst dann zum dringlichen Faktor wird, wenn der Grundstock der Bedürfnispyramide abgedeckt ist und sich ein zunehmend höherer Anteil der Wertschöpfung in virtuelle Gefilden verlagert. Der Digital Divide bekommt damit eine zusätzliche Bedeutungsdimension: wer ist im Netz, wer könnte drin sein und wer hat gar keine Möglichkeit dazu? Selbst innerhalb der In-Group bedeutet ein Nachdenken über das Konzept des "geistigen Eigentums" aber keineswegs bloßes Theoretisieren: wenn 14-Jährige für ihre mp3-Downloads vor Gericht gezerrt werden sollen, Musik zur Klingelton-Formatradio Stangenware verkommt, wissenschaftliche Verfahren plötzlich patentierbar werden und die Totalüberwachung längst technisch machbar ist, wäre ausführliches Nachdenken angesagt - Bewusstseinsbildung als Grundlage daraus abgeleiteter demokratisch legitimierter Entscheidungen eben anstatt Schnellschuss-Regulierung.
Auf Jump.at gibt's eine Sondersendung zum Kongress:
Die politische Praxis zeigt aber gerade in diesem dynmischen, von der normativten Kraft der Technik getriebenen Bereich, dass Gesetze schnell und unbemerkt entstehen, dass professionelle Lobbyisten aus dem Industriebereich sich problemlos gegen Captain Hausverstand und jegliche Diskussion auf breiter Basis durchsetzen: die IFPI etwa hat ihr Lehrmaterial dem österreichischen Unterrichtsministerium bereits "reingedrückt" und verdammt darin Musikpiraterie auf's schärfste, während alternative Lizenzmodell konsequent togeschwiegen werden - ein mittlerer Skandal, denn falls dieses Beispiel Schule macht, könnte demnächst wohl auch McDonalds dem Unterrichtsministerium alle Unterlagen zum Thema "richtige Ernährung" zur Verfügung stellen. Aber jede Münze hat zwei Seiten: und während John Perry Barlows legendäre Veröffentlichung der Declaration of Independance of Cyberspace seinerzeit bei uns eher Schmunzeln ob der us-amerikanischen sprichwörtlich unkritischen Haltung gegenüber neuen Technologien auslöste, erinnert mich die Nicht-Strategie der Unterhaltungsindustrie zunehmend an die Eröffnungsworte: "Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather." Also machen wir doch was draus!
Denn da eröffnen sich ganz offensichtlich Chancen und Möglichkeiten für eine partizipative Gesellschaft, die erst einmal erkannt werden wollen, bevor wirtschaftliche Regulationsimperative zum quasi-monopolistischen Regulativ avancieren. Petra von Projekt Wissensallmende (Der Begriff "Allmende" stand früher für eine gemeinschaftlich genutzte Weidefläche - der Konnex zum Netz dürfte somit klar sein) beschäftigte sich in ihrem Workshop mit digitalen Urheberrechten und demonstrierte, dass diese Querschnittsmaterie längst nicht nur die Produkte der Unterhaltungsindustrie, sondern auch und vor allem Aspekte wie Saatgut und Medikamentenpatente umfasst. Markus Huber informierte die TeilnehmerInnen über die Ideologie und Grundsätze der Open-Source Bewegung.
In meinem Workshop ging's um mein Lieblingsthema: mp3 und peer-2-peer Sharing. Man kann die tendenziösen Selbstdarstellungen der Musikindustrie ja nicht für immer unwidersprochen stehen lassen: dass Downloads die Musikindustrie schädigen und keineswegs das Gros der Musiker, die mit Albenverkäufen ohnehin so gut wie nichts verdienen, vergisst die IFPI gerne strategisch - und dass der primäre Reiz, Musik zu machen, auch keineswegs in monetärer Anerkennung liegen muss, ebenfalls. Doch gerade Communities wie Tonspion oder auch myspace führen eindrucksvoll vor Augen, dass die Zukunft der Musikwirtschaft nicht in den Händen der Major Labels liegt.
Im Anschluss an die Workshops wurden ein paar Kurzfilme zum Thema Creative Commons gezeigt. Die folgende Podiumsdiskussion war für mich sehr spannend - ich hoffe, den ZuhörerInnen hat's auch gefallen, obwohl sich das Podium ganz entgegen gepflegter Streitkultur in den wesentlichen Punkten sehr einig war - kurz zusammengefasst: information wants and needs to be free. Ein Audiosnippet der Podiumsdiskussion folgt in Kürze.
Christian Forsterleitner, Parteisekretär der SPÖ Linz, gab gemeinsam mit Leonhart Dobusch das ausgesprochen lesenswerte Buch "Freie Netze. Freies Wissen" heraus. Der Standard fand das Kompendium tendenziös, IT-kompetente Medien wie c't aus dem Heise-Verlag zeigten sich recht angetan von dem Werk, das neben Interviews mit Proponenten der Netzkultur zahlreiche Projektbeschreibungen enthält.
Dass dem Heise Verlag schon und dem Standard in solchen Dingen nicht unbedingt zu trauen ist, weiß die spezifisch vorgebildete Öffentlichkeit nicht erst seit der Kompressions-April-Story. (Damals hatte der heise-Verlag in der Aprilnummer traditionell eine "Ente" untergebracht: ein neues Video-Kompressionsverfahren würde angeblich Schauspieler und Setting trennen: man lädt also Arnie Schwarzenegger als Einzelfile und seine Filme extra runter. Dies bedeute eine enorme Speicherplatzeinsparung, so der c't-Artikel, der für technisch versierte Laien mit Leichtigkeit als Fake zu erkennen war, für die Standard-Redaktion jedoch nicht: am nächsten Tag erschien dort nämlich ein bierernst gemeinter Artikel über die neue Bedrohung für Hollywood; soviel zum Thema "journalistische Sorgfalt.) Nähere Details zum Buch folgen in einer dedizierten Review, mein erster Eindruck beim Querlesen ist allerdings nur der allerbeste. Zur Illustration ein Highlight aus dem Interview mit monochroms Johannes Grenzfurthner:
Ja, viele denken sich halt, es helfe des KünstlerInnen, wenn es so etwas wie ein Copyright gibt. Das ist aber zu kurz gedacht. Die Musikindustrie wählt als Beispiel natürlich das schwächste Glied in der Verwertungskette. Sie sagen: "Die Künstler werden ärmer, wenn ihr bösen Konsumenten MP3s über Peer-to-Peer Netzwerke herunterladet." Sie lagert damit ihre Verantwortung aus, denn den betreffenden KünsterlInnen oder - um es aus copyrightistisch zu sagen - den "Urhebern", wird immer noch das kleinste und dürftigste Stück vom Kuchen zugeschoben, damit sie nicht verhungern müssen. Das ist wie eim Hamburger: Am wenigsten davon hat die Kuh
Nachzulesen in: Dobusch, Leonhard / Forsterleitner Christian (Hg.): Freie Netze. Freies Wissen. echo Verlag, Wien 2007. Das gesamte Buch steht unter der Creative Commons Share Alike / Attribution Lizenz und ist in voller Länge im Netz elektronisch verfügbar.
Eleganter und kürzer als Johannes kann man die berechtigte Kritik am selbstverursachten strukturellen Dilemma der Musikindustrie wohl kaum zusammenfassen - ich bin schon gespannt auf die übrigen Beiträge der 17 beteiligten Autoren. Mehr Details zum Printkompendium gibt's hier in Form eine Review asap. Und, auf diesem Weg nochmal: danke an alle TeilnehmerInnen für die Aufmerksamkeit! Der Nachmittag in Linz hat mir großen Spaß gemacht.
Seit Februar 2007 schreibe ich für die Ö1 Homepage eine regelmäßige Kolumne zum Thema "Netzkultur", die ein bis zweimal im Monat erscheint. Die Themen sind relativ breit gestreut - sozusagen Fundstücke aus dem weiten Feld Medien.Kultur.Technik. Auf dieser Seite gibt's alle bisher erschienen Ausgaben.