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Artikel-Schlagworte: „Uri Geller“

Uri Gellers next Zaubermodel

Next Uri GellerWo Uri Geller auftaucht, häufen sich die unerklärlichen Phänomene - und der zutiefst geschockte und in seinem rationalen Weltbild erschütterte Zuschauer bekommt unweigerlich eine Gänsehaut, wenn er sich die Frage stellt: Warum ist Vincent Raven krank? Hat ihn sein Rabe womöglich mit der Vogelgrippe angesteckt? Aber die rätselhafteste aller Fragen wird wohl für immer unbeantwortet bleiben: Warum variiert das Niveau der vorgezeigten Zauberkunststücke dermaßen stark?

Jan Becker beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, allerdings spielt bei seinen "Tricks" ein immenses Hypnosekönnen und nicht unbedingt die Täuschung des Zuschauers die Hauptrolle. Faszinierend, dass ihm diese sehr wirksame Form der Instant-Hypnose sogar problemlos unter den erschwerten Bedingungen einer Live-Sendung gelingt.

Jan Rouven bringt mich mit seinem drastisch mangelnden Schauspieltalent unfreiwillig immer wieder zum Lachen - heute legte sich der Techno-Mage und Möchtegern-Copperfield unter scharfe Schwerter; nur der Erbauer des "Betts des Todes" weiß, wie die Schnüre, welche die Schwerter auslösen, im verborgenen Mechanismus verbunden sind. So misslungenes Forcieren hab ich im Fernsehen bisher selten gesehen!

urifoto Uri Gellers next Zaubermodel

Mangelndes Schauspieltalent kann man Ulli Loup nun wirklich nicht vorwerfen, auch wenn sein Repertoire aus zwei Mimiken weniger als jenes von Sylvester Stallone besteht - dem Burschen kommt kein Lächeln aus, aber die vorgezeigte Routine wusste durchaus zu überzeugen. Es handelte sich um eine Variation des alten Auswahltricks, allerdings bekam Ulli die zu identifizieren Dosen weder zu sehen noch in die Hand - respektable Leistung!

Danny Oceans Streichholzschachtel-Trick war auch nicht von schlechten Eltern: der nützte recht überzeugend das Publikum als "Zufallsgenerator" und identifizierte mittels Pendel eine spezielle Box, deren Nummer er vorher allerdings gar nicht kannte - ich kann mir jedenfalls nicht erklären, wie dieser Trick ohne Komplize im Publikum hinhaut. Nur wunder kann ich mich über Amilas Pressetext auf der offiziellen Seite:

Lange blonde Haare, Schmollmund: Sie ist die Lady unter den Mentalisten und stellt die männerdominierte Welt auf den Kopf. Bei ihren Auftritten knistert es vor Erotik. [...] Ihr Blick dringt bis in die Seele der Männer, die unter ihrem Einfluss tun, was sie will.

Na und? Das kann doch jede Frau, oder? Erwähnenswert ist im Gegensatz zu ihrem Wasserröhren-Befreiungstrick, dass der Herr der verbogenen Gabeln höchstpersönlich Deutschland wieder mal zu einem Selbstexperiment einlud - kein Wunder, dass das Gläserrücken in Österreich nicht funktionierte. (Naja, alles ist relativ. Bewegt hat sich das Glas schon, meine Freundin hat bloß behauptet, ich hätte geschoben.) Dass während der Sendung allerdings immer wieder mysteriöse Phänomene auftreten, kann nicht länger geleugnet werden: so wollte Anja heute partout kein Roastbeef essen, was ich mir einzig und allein mit den übersinnlichen Kräften Uri Gellers erklären kann. Also wieder einmal ein schlagender Beweis dafür, dass das Unfassbare immer dann zuschlägt, wenn man gerade nicht drauf gefasst ist - ich freue mich jedenfalls schon auf die kommende Show am nächsten Dienstag.

Willkommen Österreich: Jan Becker liest Stermanns Gedanken

Grissemann und Stermann, Moderatoren-Duo Infernale der hiesigen Fernseh- und Radiolandschaft, würde man nicht unbedingt zutrauen, Pro Siebens Uri Geller Show zu konkurrenzieren. Aber gestern Nacht war Jan Becker, deutscher Mentalist, bei den beiden zu Gast - und im Gegensatz zum erfolgreichen Trixxer Uri basieren Jans Tricks zwar nicht auf übersinnlichen (oder doch, je nachdem, was man denn nun als "übersinnlich" betrachten möchte) Fähigkeiten, sondern auf hartem Training und - soviel steht fest - einem ganz besonderen Talent zur Beobachtung von Menschen.

Über Jan Beckers eigenes Leben verrät die Homepage relativ wenig - der Mann, der die Gedanken anderer mit erstaunlicher Präzision lesen kann, verrät verständlicherweise nicht besonders viel über sich selbst. Live erleben kann man ihn derzeit in Berlin mit seinem aktuellen Programm Think Grotesque in Berlin, gegen Ende des Jahres sind Auftritt in Österreich geplant. Über sich selbst sagt Becker:

Es geht darum den Zuschauer im Theater vergessen zu lassen, dass er im Theater sitzt. Wenn du Traumhaftes und Realität verschmelzen lässt, schaffst du eine Surrealität. Mir geht es um den Umgang mit irrationalem Wissen. Die Möglichkeiten des Unmöglichen interessieren mich. [oe1.orf.at

Nun gut, was hat mich denn gestern nun eigentlich so dermaßen beeindruckt? In erster Linie personal trust: ich denk nicht, dass Grissemann und Stermann bei einem Schwindel mitmachen würden. Stermann musste vor der Sendung in seiner Garderobe eine einfache Zeichnung anfertigen und diese in einen Umschlag stecken. Am Ende der Sendung forderte Becker sein "Opfer" auf, an die betreffende Zeichnung zu denken und brachte anschließend zu Papier, was er "empfangen" hatte. Seine Zeichnung stimmte haargenau mit dem Original überein - zu Stermanns sichtlicher Verblüffung. Gezeichnet hat Stermann übrigens ein Strichmännchen hinter einer Mauer, das ungefähr so aussah:

maennchen

Grissemanns Instant-Theorie, dass Becker mit einer Kamera im Zeichenstift mitgefilmt habe, scheiterte an der Tatsache, dass Stermann seinen eigenen Stift verwendet hatte - Jans Erklärung lautete schlicht und einfach, dass er jahrelang Menschen beobachtet habe und er beim Gedankenlesen einfach "dahin phantasiere".

Ich glaube, dass wir alle ab und an die Gedanken anderer Menschen "lesen" können, wenn auch meistens ungewollt und unerwartet - und dass diese Fähigkeit schon immer eine ganz beträchtliche Rolle im sozialen Leben gespielt hat. Und ich habe den Eindruck, dass, sobald bewusstes Denken mitschwingt, dieses fallweise empfangen von Stimmungen, Gedanken und Bildern kaum funktioniert. Mit anderen Worten: blickt man einen Menschen an, dann denkt man sich unweigerlich etwas über ihn: Aussehen, Kleidung, Körpersprache etc. lassen sofort ein Bild im Kopf entstehen, das natürlich einerseits auf Erfahrung beruht, andererseits aber ein klassisches Vorurteil darstellt. Je weniger man "spekuliert" und je entspannter und lockerer man an die Sache rangeht, desto besser funktioniert's, denke ich - weil jede "Preconception", wie's im Englischen heißt, eine möglichst objektive, unbeeinflusste Interpretation diverser körpersprachlicher und sonstiger Informationen erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Aber dies zu üben und zu meistern ist eine Kunst, die unglaublich schwierig zu erlernen ist, und so verstehe ich Beckers "Phantasieren". Mir fällt dazu eine körperliche Analogie ein: bestimmte Muskelgruppen gezielt anzuspannen, ist vergleichsweise einfach. Muskeln gezielt zu entspannen, fällt wesentlich schwieriger. Ich kenn zwar keine guten Bücher über "Mentalismus", aber in der buddhistischen Literatur, speziell im tibetischen Dzog Chen, gibt's ein paar sehr aufschlussreiche Texte zu diesem Thema.

Jan Becker wählte anschließend noch einen Zuseher aus, der sich im Nachhinein als Mühlviertler entpuppte, und verpasste ihm auf der Bühne eine unglaublich schnelle Instant-Hypnose. "Ich berühre dich an der Schulter und du bist wach und kannst ganz normal spreche, doch sobald ich deine Stirn berühre, fällst du in einen tiefen, angenehmen Zustand und schläfst," sagte er einige Male, nachdem er sein Versuchsobjekt zuerst mittels Suggestion nach hinten hatte kippen lassen. Und so war's dann auch! Im anschließenden Interview beschrieb der Zuseher seine Erfahrung als extrem angenehm, Zitat: "Das muss ich heute abend zuhause nochmal ausprobieren."

Zum besseren Verständnis hier ein Video über das, was Jan Becker so tut - und vor allem wie:

YouTube Preview Image

War eine beeindruckende Vorführung, nach der ich fest davon überzeugt bin, dass Jan Becker keine Tricks im klassischen Sinn vorführt, sondern ein paar Eigenheiten der conditio humana wesentlich besser studiert hat als die meisten Zeitgenossen. Ihn würd ich gern mal im Magier-Duell mit Uri Geller erleben :twisted: Seine diesbezügliches Wissen präsentiert er auf eine äußerst professionelle und sympathische Weise, kurzum: bei nächster Gelegenheit möchte ich mir diese Think Grotesque Show unbedingt mal live ansehen - kennt die vielleicht schon jemand aus der p.t. Leserschaft?

Der nächste Uri Geller wird immer crappiger

Die Löffelverbiegen-auf-unerklärliche-Weise Diskussion mal beiseite gelassen, kann man sich von einer zeitgenössischen Bühnenmagieshow doch zumindest erwarten, dass die besten ihres Fachs sich vor Publikum messen. Doch bei "The Next Uri Geller" werden die Tricks laufend schlechter statt besser - was Raven und dieser angeblich kreative Gedankenleser da heute abgeliefert haben, war performance-technisch wirklich schwachbrüstig.

Ich hab nur die zwei genannten Tricks verfolgt - dass die Arbeit auf der Fernsehbühne wesentlich schwieriger ist als vor Live-Publikum, hab ich an anderer Stelle schon mal erklärt: The next Uri Geller. Statt nur eines Betrachtungswinkels gibt's viele Kameras, was die klassischen Taschenspielertricks wesentlich erschwert, wenn man nicht genau weiß, welche Kamera gerade filmt - so ließ vor kurzem Uri persönlich recht elegant einen Löffel in seiner Arschbackenhosentasche verschwinden, nur leider schaltete just in diesem Moment die Regie auf die Von-Hinten-Ansicht... sowas passiert schon mal.

Aber die Sache mit den Papierschnipseln und der vorhergesagten Schlagzeile roch wirklich streng nach Online-Zauberladen. Der präparierte Umschlag, der vorbereitete Schnipsel und dann noch der peinliche Fehler beim Buchstabieren, der selbst dem größten Einfaltspinsel nachdrücklich demonstrierte, dass die Wörter am Zettel von vornherein feststanden. Aber woher wusste der Mentalist, wer welches Wort gewählt hatte? Ganz einfach: beim Schreiben der Buchstaben muss er auf die Reaktionen der Promis achten, aka Cold Reading.

Und dann noch Ravens ausgesprochen peinliche Voodoo-Fluch Performance... zuerst tippt er auf den rechten Oberschenkel, als die blonde Schmerzathletin die Nadel in den linken Unterschenkel rammt, dann die herzig präparierte Jacke mit dem gefakten Herzstich, und am Ende "errät" er dann noch die richtige Box im Zufallsverfahren - bravo! Wirklich eine Schande für alle ehrenwerten Vertreter der Zauberzunft. Dass Uri Geller und Publikum dabei die Fassung bewahrt haben, ist das wahrhaft Übernatürliche an der Sendung.

Back to London! Ein Kurzreisebericht mit Fotos.

In der britischen Hauptstadt war ich schon des Öfteren - beim Sprachurlaub, dann nochmal in der Oberstufe, später einfach so... und in der Stadt der Bobbys und vielen U-Bahn-Stationen hab ich mich immer sehr wohl gefühlt. Aber der letzte Aufenthalt war auch schon wieder knapp zehn Jahre her, daher war ich very amused, dass wir letzte Woche ein fatfoogoo-Date mit unserer zukünftigen englischen Werbeagentur hatten und Tom und ich zwei Tage dranhängen konnten.

Die klassischen Sightseeing-Stationen hatten wir beide schon längst während früherer Aufenthalte abgehakt, diesbezügliche Ambitionen lagen also von Beginn an unterhalb der Messgenauigkeitsschwelle. Beim Workshop am Donnerstag stellte sich heraus, dass MJ, Geschäftsführer unserer Agentur, jahrelang bei Pirate Radio aufgelegt hatte - wie schon mal erwähnt: Legenden sterben eben nicht im Bett :-) Nach der Arbeit dinierten wir im Blue Elephant hervorragendes Thai-Food, das allerdings wider anderslautender Beteuerungen der Karte recht mild ausfiel, nicht nur für meine Chili-gestählten Geschmacksknospen. Das hielt uns aber alle ganz und gar nicht vom Bier- (bzw. mich vom Cidertrinken) ab... im Pub um die Ecke stand Socializing mit Kiwis am Plan, am Heimweg schauten Tom und ich dann noch beim End vorbei, allerdings war am Donnerstag grade Schwulenparty am Programm, die Uhrzeit bereits vorgerückt und wir beschlossen einstimmig, mangels noch offener Pubs die Very-Late-Night Action auf die kommende Nacht zu verschieben.

Das Hotel, in dem wir wohnten, von Tom aufgrund vorjähriger positiver Erfahrung gebucht, ("Hotel Europa") liegt sehr zentral direkt zwischen den Underground Stations Russell Square und Holborn - für Londoner Verhältnisse sehr günstig - bei toller Lage und sehr sauberen Zimmern. Allerdings wurden wir am nächsten Vormittag früher als gewünscht von einer hartnäckigen Kreissäge geweckt - zwar nicht von einem psychopathischen Killer, sondern nur von Handwerkern im Zimmer über uns. Immerhin kamen wir früher als geplant bei den Camden Markets an, von denen ein beträchtlicher Teil tragischerweise einen Tag später einem Großfeuer zum Opfer fiel. Extrem schade - die Ansammlung aus kleinen und größeren Märkten, freakigen Platten-, Mode- und Postershops gehört zu den charmantesten Einkaufsumgebungen, in denen ich je geshoppt habe. So gestriegelt, unattraktiv und konsumhemmend Großkaufhäuser wie das KDW in Wien Berlin auf mich wirken, so sympathisch finde ich die typisch britische Mischung aus Hippie-Flair, (Pop)Art-Szene und Beislkultur, die dieses Viertel prägt. Wir verbrachten dann auch den ganzen Tag dort und einmal mehr zeigte sich, dass der schlechte Ruf des britischen Essens für London ganz und gar nicht gilt, wenn auch nur dank der vielen Zuag'rasten: das asiatische Take-Away Food aus den Cookshops war ein absolutes kulinarisches Highlight... da kann in Wien ganz und gar nicht mithalten.

Am Abend waren wir beide ziemlich beeindruckt von der unglaublich leuchtstarken und riesigen Flatscreen-Reklame am Picadilly-Square, die mittlerweile die klassischen Leuchtschriften durch Animationen ersetzt hat. Welcome to the world of tomorrow! Pubsperrstunde ist bekanntlich um elf, als gerade die richtige Zeit, um Richtung Fabric zu marschieren - ich wollte den berühmtesten aller DnB-Clubs endlich mal live sehen. Die 1 1/2 Stunden-Schlange am Eingang reichte bis zum nächsten Häuserblock und hätte uns an sich effektiv von unserem Plan abgehalten, aber Tom gelang ein unglaublicher Social Hacking Stunt, der Uri Geller extrem alt aussehen lässt: in weniger als einer Minuten überzeugte er den vordersten Türsteher, dass wir bereits angestanden waren - und Tom muss verdammt überzeugend geklungen haben, denn zwei Minuten später waren wir drin. Ich hatte vorher eine Menge Bullshit gehört von wegen "extrem teure Clubeintritte von 30 Pfund" - Blödsinn, die wollten 14 Pfund von uns, und dafür gab's ein Line-Up, das in Wien für 10 Partys reichen würde: DJ Craze präsentierte am Hip Hop Floor sein neues Album, Adam F, Pendulum und diverse andere DnB Big-Names beschallten den Mainfloor und dann gab's noch diverse Broken Beat und Trip Hop Schmankerl am dritten Floor. Dennoch waren ich wenig angetan von den extrem beengten Platzverhältnissen am Floor - 1/3 weniger Leute, und es hätte eine okaye Party sein können... außerdem nervt die Inkompatibilität von Rauchen und Trinken - dass man zum Nikotin-Inhalieren ins Freie muss, geht ja grade noch, aber dass man dort andererseits sein Bier nicht mitnehmen darf, nervt dann doppelt. Nett war die Lasershow am Mainfloor, Anlagen-technisch hätt ich mir allerdings besseres erwartet: viele Höhen und Mitten, vergleichsweise wenig Bass... aber da bin ich wohl von jahrelangen Flex-Besuchen sehr verwöhnt.

Spät wurde es dann trotzdem, und am letzten Tag standen dann Soho beziehungsweise Little Chinatown am Programm: die Chinesen feiern ja gerade ihren Jahreswechsel, überall hingen rote Lampions und ich konnte nicht umhin, mir trotz Katerkopfweh eine dieser Glücksbringer-Minitrommeln zu kaufen. Der Tag verging viel zu schnell, dank einer unterbrochenen U-Bahnlinie und einer absurden Zeitverzögerung trotz kurzer Schlange beim Security-Check schafften wir's grade noch rechtzeitig in den Flieger; für ein Abendessen blieb keine Zeit, herzlichen Dank daher an dieser Stelle nochmal an die sehr nette Stewardess von Austrian Airlines, die uns beide mit einer Zusatzportion Do&Co-Tortellini vor dem Mid-Air-Verhungern bewahrte! Fazit des Kurztrips: ich will möglichst bald wieder möglichst lange nach London; die Stadt rockt, außerdem muss man dort niemanden, mit dem man quatscht, fragen: "Sorry, do you speak English?" Einziger Nachteil: der Pfundkurs haut ganz ordentlich rein... das Preisniveau ist leider locker 1 1/2 Mal so hoch wie hierzulande. Aber Tom und ich sparen schon auf die nächste Londonreise, vorher ist allerdings ein verlängertes Wochenende in Amsterdam am Plan - und zwar mit voll aufgeladenem Digicam-Akku.

Die Blogi***eljaged spammt sich quer durchs Netz & 1 Pamphlet über Blogs

ds StammleserInnen wissen, dass der Autor dieses Blogs, also meine Wenigkeit, exzessiver gegenseitiger Verlinkung zwischen Bloggern ganz und gar nicht abgeneigt ist. So sehr ich nix für real-life Karnevale übrig habe, so sehr mag ich Blogparaden. Die nächste Technorati-Kette? Count me in. Aber wenn Start-Ups aufdringliche Gewinnspiele mit Verlinkungspflicht einführen, dann find ich das nicht besonders originell.

Das Uri Geller Tricks aufgedeckt Blog, beschreibt die Mechanik des Spiels kurz und knapp:

5 Webseiten (Hitflip, MyVideo, Erento, verwandt.de und Hitmeister) haben zusammen ein Gewinnspiel mit unglaublichen Preisen ausgedacht: Man muss als Besitzer einer Webseite / eines Blogs einen Beitrag schreiben, wo die 5 versteckten Logos auf den 5 Webseiten sind. Dann schreibt man noch etwas über das ganze, gibt einen Kommentar auf der Gewinnspiel-Seite ab, und schon ist man dabei!

Lustig auch die TNBs:

  1. Wenn man mehrere Blogs / Homepages hat, kann man auch mit mehreren mitmachen. Jeder Blog / jede Homepages zählt als ein "Los" für das Gewinnspiel.
  2. Nofollow und Affiliate-Links sind OK und schließen nicht von der Teilnahme aus.
  3. Die Kommentare und Trackbacks sind Nofollow-frei so das die Blog**zeljagd auch SEOs Spaß machen sollte.

Punkt 1 ist klar, Punkt 2 verdient nähere Betrachtung: die alte These "nofollow Links sind nicht völlig irrelevant beim Google-Ranking" ist komplett richtig; seit dem letzten Update hat Google entweder einige Anpassungen am Algorithmus durchgeführt oder lässt händisch korrigieren (ich tippe eher auf ersteres), dass nofollow-Links mittlerweile das Ranking beeinflussen, sollte eigentlich jeder SEO sehen können, der Augen im Kopf und Spaß an Experimenten hat. Punkt 3 dagegen verblüfft: eine nofollow-Trackback Link von einer Aggregatorseiten mit am Ende +100 Outgoings bringt in der Tat nix... aber das sind schon die Feinheiten, back to basics:

Wie schon in der Einleitung angedeutet, find ich's fein, wenn sich BloggerInnen gegenseitig Verlinkung. Im Gegensatz zu allen "Alteingesessenen", die davon überzeugt sind, die Moralgesetze der Blogosphäre höchstselbst fest in Stein gemeißelt zu haben, glaube ich steif und fest daran, dass die Grenze zwischen thematisch motiviertem Backlink und Selbstzweck eine extrem fließende ist... panta rhei eben. Aber dieser Grund ist bei weitem nicht der einzige: seit wir Early Adopters uns im Internet rumtreiben, reden wir davon, dass das Netz Chancengleichheit für alle bietet... diesem hehren Ideal stehen breite ökonomische Hürden entgegen, aber zumindest in einem winzig kleinen Bereichen haben Open Source (Blog)Publishing Systeme die Karten zwischen "professionellen" Medienhäusern und One-Woman/Man-Show-BloggerInnen definitiv neu verteilt: jede/r InternetUserIn kann publizieren und mit der nötigen Ausdauer und Bereitschaft zum Lernen ein unglaublich großes Publikum finden. Dass mittlerweile dank hochbezahlter SEO-Agenturen old school Bewerber in der Ökonomie der Aufmerksamkeit finanzielle Mittel haben, um clevere Early Adopters auszustechen, spricht in meinen Augen dafür, dass letzere sich gegenseitig unterstützen. Das ist (neben einem stark florierenden Interesse am Geschreibsel der anderen) einer Hauptgründe für meine Serie "Blogvorstellungen"... und genau aus diesem Grund sehen die TNBs meiner eigenen Gewinnspiele auch Extra-Chancen für Co-Blogger vor, die drüber schreiben, und eben deswegen trage ich zu allen virtuellen Galas stolz meine Blogpiraten-Kapitänsmütze. "It's a thin line between love and rape", wie Public Enemy weiland am großartigsten ihrer Alben mal so treffen rappten.

Bei besagter Blogitz*ljagd jedenfalls geht's nicht nur darum, dass alle auf die fünf Veranstalter verlinken, auf deren Seiten ist auch noch das Logo versteckt - selbiges zu suchen, soll den beteiligten SchreiberInnen "Spaß" machen (und auf Seiten der Sponsoren ein paar Ad Impressions und Pageviews generieren). Ich alter Sack schreib zwar immer noch beim gap (obwohl meine Kolumne letzthin von der Chefredaktion als "unverständlich" bezeichnet wurde), hab aber selbstverständlich keinerlei Ahnung von der Jugend von heute und alle meine jüngeren Kumpels sind offensichtlich hochgradig unrepräsentativ: meine und deren Vorstellung von Spaß ist eine andere als Logos auf Webseiten zu suchen - da lob ich mir doch direkt mein OneTrack auf Facebook. Wie auch immer: Scheiß auf den EiPod Tatsch - ich bewirb mich mit diesem Beitrag hiermit offizielle für den Meinungsmacher Spezialpreis.
Ach ja, darum geht's.

Die Kolumne #83 (Jänner 2008)

Diesmal: Das Analphabet der Schieferplatten, heute: A-Z [special edition]
"In der Kürze liegt die Unterwerfung des Arbeiters unter den Großkopferten," dachte sich Marx und überschrieb sein gesamtes Kapital einem linken Verleger. Nur um in den hektischen Tagen vor Weihnachten von zwei Wortwiederholungen in der Redaktion förmlich überfallen zu werden!
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The Next Uri Geller: wie funktionieren die Tricks?

In der heutigen Ausgabe der "Next Uri Geller Show" auf Pro7 gab's wieder eine ausgesprochen abwechslungsreiche Trickparade zu sehen: sowohl Komplexität als auch Darbietungsniveau der einzelnen Tricks schwankten stark - meiner Meinung nach hat Vincent Raven mit seiner Inszenierung und Dramaturgie am meisten überzeugt.

Den ersten Teil mit dem fehlenden Stück zum Mona Lisa Puzzle hab ich leider versäumt. Das zweite Kandidatenpaar dagegen wurde soeben zu Recht raus gewählt: ihr Trick war allzu leicht durchschaubar. In einer Abwandlung des bekannten russischen Roulettes wurde einer von vier sechsschüssigen Revolvern voll geladen (mit Übungsmunition, die aus nächster Nähe allerdings auch äußerst unangenehmen Effekt verursacht). Anschließend verband der Magier seiner Partnerin die Augen und zielte jeweils mit einem zufällig ausgewählten Revolver auf ihre Schläfen. Sie musste dann entscheiden, ob ihr Partner abdrücken sollte. Der Schmäh, wie die Wiener sagen, ist bei diesem Trick die Verwendung eines Revolvers mit freiliegender Trommel. Denn anders als bei einer Pistole sieht der "Magier" beim Aufheben der Waffe ja, ob Patronen in der Trommel stecken, wenn er (zum Beispiel, während er die Waffe nimmt) kurz von oben auf den Lauf blickt. In weiterer Folge reicht dann ein ausgemachtes Codewort in der Frage "Soll ich abdrücken?", um die Partnerin über den Status der Waffe zu informieren, sodass diese dann angemessen reagieren kann.

Der Trick mit der inneren Angst

Beim dritten Trick der Show kam Christina Plate zum Zug - sie durfte ihre größte Angst auf einen Zettel schreiben, der dann zerknüllt unter einem Blatt Papier in Flammen aufgehen sollte - ein Unterfangen, das ursprünglich nicht glückte, aber, wie Host Uri Geller treffend bemerkte: der Kandidat wand sich aufs Eleganteste aus der Misere. Man darf nie vergessen, dass die Schwierigkeit solcher Zaubertricks im Fernsehen um eine Potenz höher ist als auf der klassischen Bühne: während bei ersterer der Zauberer bloß den Blickwinkel des Publikums sowie allenfalls den eines auf der Bühne anwesenden nicht-eingeweihten Assistenten berücksichtigen muss, schwirren im FS-Studio zahlreiche Kameras durch die Gegend - übrigens mit ein Grund, warum sich Uri Geller ganz gern so hektisch und unvorhersehbar durch die Gegend bewegt. (Bei einer Einstellung erwischte ihn heute eine der Kameras von hinten - gerade als er die Stufen ins Publikum hochging, ließ er blitzschnell einen präparierten Löffel aus seinem Sakko-Ärmel in seine Hand gleiten). Aber zurück zum Gedankenleser: der Zettel wollte partout nicht verbrennen, also änderte das Improvisationstalent kurzerhand seine Dramaturgie und schrieb sich die Urangst Christinas ("Wasser, das mir über die Schulter läuft") mit dem Finger selbst auf den Unterarm.

Auch hier braucht man für die Erklärung keinen Paramentalisten zu beeindrucken: der Zauberer hatte ausreichend Gelegenheit, den fraglichen Zettel auszutauschen, zu lesen und im weiteren Verlauf adäquat zu reagieren. Trotzdem: viel beeindruckender als David Copperfields Totalinszenierungen, bei denen praktischerweise Regie und Kamera mitspielen, was die Erzielung des gewünschten Effekts natürlich wesentlich erleichtert.

Vincent Raven rockte

Der letzte Kandidat des Abends fiel für mich stark aus dem Rahmen, weil Vincent und sein Rabe eine Nummer präsentierten, die nicht so leicht durchschaubar ist wie die Vorgängertricks: aus einer Schachtel mit fünf Urnen, die je einen seiner persönlichen Gegenstände enthielten, ließ der "Auraseher" drei Prominente jeweils eine auswählen und mitnehmen - um anschließend zu verkünden, welches Stück aus seiner Sammlung die jeweilige Person denn in der (noch fest verschlossenen Urne) gewählt hatte. Ein Detail hat mich besonders beeindruckt: Vincent öffnete den Behälter mit den Urnen und stand anschließend *die gesamte Zeitspanne über* weit vor dem Kasten, hatte also keinerlei Möglichkeit, Einsicht zu nehmen. Die Urnen waren außerdem eindeutig zu klein, um mittels einer eindeutigen Markierung aus der Ferne erkannt werden zu können. Die einzige Erklärung, die mir ad hoc einfällt, und die auch ganz gut zur Inszenierung des Low-Tech Magiers passen würde, wären elektronische Gadgets (z.B. Gewichtssensoren in der Kiste, die via Vibra-Sensor oder dergleichen mitteilen, welche Urne jeweils herausgenommen wurde). Doch selbst derlei technische Hilfsmittel erklären nicht unbedingt, warum Vincent denn genau wusste, dass Katharina Witt Probleme mit ihrem Schlüsselbein hat... hm, vielleicht hat der das ja in einem Interview gelesen, allerdings schien die ehemalige Eisprinzessin über seine diesbezüglichen Erkenntnisse durchwegs selbst erstaunt.

Der langen Schreibe kurzer Sinn: eine der drei Nummern, die ich heute zufällig gesehen habe, hat mich wirklich beeindruckt - Vincent Ravens Gesamtinszenierung und seine eingestreuten Rabendialoge hatten für mich den bei weitem höchsten Unterhaltungswert. Uri Geller selbst verlieh dem dritten Kandidaten seinen Immunitätsbonus, da der auf beeindruckende Weise mit unerwartet aufgetretenen Schwierigkeiten umgegangen sei, das Publikum wählte dann telefonisch die Revolver-Nummer raus - durchwegs zu Recht, wie ich finde. Den nächsten Auftritt von Vincent Raven werd ich mir wohl wieder anschauen, der Mann hat definitiv mehr Ahnung von unseren Wahrnehmungsgewohnheiten als der Durchschnitts-Salonmagier...

Übrigens: brauchbare Bücher über Magietricks sind so dünn gesät wie selbige Tricks... über die theoretische Seite der Magie hat mein großer Kybernethik-Held Heinz von Foerster alles Wissenswerte geschrieben, wer mehr an praktischen Anleitungen interessiert ist, möge einen näheren Blick auf folgende empfehlenswerte Büchlein werfen: