datenschmutz - Social Marketing, Pro-Blogging und medien.kultur.technik
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Artikel-Schlagworte: „Visualisierung“

Gapminder.org: Neues Interface

Berühmtheit in der Netz-Community erlangte Hans Rosling durch seine TED-Vorträge über Weltgesundheit und Demographie. Zur Visualisierung seiner Thesen entwickelte der schwedische Professor für Internationale Gesundheit eine Software namens Gapminder, die auf elegante Weise elementare Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen, demographischen und gesundheitlichen Parametern veranschaulicht.

gapminder Gapminder.org: Neues Interface

Diese Woche präsentiert Hans Rosling eine überarbeitete Version der Online-Version Gapminder.org mit einem verbesserten Interface, zahlreichen neuen Funktionen und Ressourcen speziell für Lehrkräfte. Diesen Beitrag weiterlesen »

Blogistan Panoptikum KW18 2009

In der vergangenen Woche habe ich weniger RSS-Meldungen gelesen als üblich, weniger Tweets geschrieben, kaum Status-Updates an Facebook geschickt und meine Nase stattdessen in FTP-Clients, Text-Editoren und dergleichen gesteckt. Ziemlich tief sogar - das Resultat dieser exegetischen ASCII-Tätigkeiten nennt sich noxed 3.3 und fungiert bis zur nächsten Design-Ablöse als mein neues Template für datenschmutz und datadirt. Überaschender- und schockierender weise hat sich allerdings die Erde trotz mehrerer Server-Downtimes weitergedreht und mit ihr auch die Blogosphäre. Mit anderen Worten: rückblickend betrachtet gab es News!

5x Brand-Kontrolle

Nein, hier geht's nicht um die Feuerwehr, sondern um den Brääänd. Also die Marke, in diesem konkreter um die Eigenmarke. Dan Schawbel, eine Kapazität auf dem Gebiet des Personal Branding (früher auch als "strategische Eitelkeit" bzw. "Rampensau-Faktor" bekannt), hat auf Mashable einen Gastartikel mit 5 Instant-Tipps zur Fundamentlegung des persönlichen Internet-Königreichs veröffentlicht. Am besten gefällt mir Tipp Nr. 4 in seiner geradlinigen Eindeutigkeit: "Have a reputation management strategy":

Do you have a system in place where you're reacting to comments in a specific way? For instance, if someone tweets something negative associated with your brand, how are you responding? Depending on what is said, it might be wise or foolish to respond back. If someone says something positive, I think you should at least say "thank you" and if you’re lucky, you might even get an endorsement out of it.

Events mit Social Media Tools planen

Mashable for Dummies, aber durchaus im positiven Sinn: welche Schritte muss ich beachten, wenn ich einen Veranstaltung mit Social Media Tools und Strategien planen bewerben möchte? Und welche Werkzeuge eigenen sich? Ben Parr hat die Antworten:

Events, whether they are a local tweetup, a championship game or the world’s largest conference, can be notoriously difficult to plan, promote, and execute. But the end result can be amazing, and that is why we plan them in the first place.

Da stehen vor allem für Newbies ein paar gute Tipps drin - dass Facebook mittlerweile E-Mail und SMS als beliebtestes Event-Promotion-Tool abgelöst hat, seh ich in meinem Umfeld jedenfalls sehr deutlich!

Mit der ÖBB preiswert in die Zukunft

Max' Inhaltsanalyse einer aktuellen ÖBB-Anzeige in der Kronenzeitung bringt wohl jeden regelmäßigen Bahnfahrer zum Schmunzeln:

Die ÖBB braucht für die Strecke Wien-Salzburg mit ihrem Vorzeigeprodukt "Railjet" 2 Stunden, 38 Minuten. Die Deutsche Bahn braucht für die vergleichbare Strecke Berlin-Hamburg 1 Stunde, 36 Minuten! Die Deutsche Bahn ist auf der gleichen Streckenlänge um eine Stunde schneller!

Tja, Max versteht halt nicht, dass visionäre österreichische Politiker in Zeiten einer schwächelnden Auto-Industrie nach immer neuen Wegen suchen, potentielle Kunden vom Bahnfahren abzuhalten! :mrgreen:

Die verrücktesten Short-Url Services

Genug von bit.ly und Co.? Dann wird's möglicherweise Zeit für ein wenig Abwechslung: wie wär's denn mit den kürzest möglichen Short-URLs überhaupt? Uni-Code und tinyarro.ws machen's möglich, aber ob sich jemand traut, auf eine Adresse zu klicken, die aus einem Pfeil und einem eigenartigen Zeichen besteht, ist eine andere Frage. Dann vielleicht doch lieber eine baconized Adresse?

Bacn.me is a public service from the folks at Bacn.com. We love bacon so much we just had to bring you a way to share the love too.

Sie sind Veganer und mögen romantische Literatur? Dann auf zu Dickensurl.com! Die resultierenden Links bestehen aus Charles Dickens Zitaten und sind nicht wirklich kurz, aber äußerst abschreckend. Aber auch wer die kurze Version verwendet, kommt am Zitat nicht vorbei... mein aktueller Favorit ist jedenfalls qurl.cc: kein Funfaktor, aber schnell, laufend erweitert und äußerst SEO-freundlich.

Was tut sich bei Twitter?

Twitseeker tut sich - hervor, und zwar ganz gewaltig. Der äußerst praktische Service vereinfach das Auffinden thematisch verwandter Personen ungemein. Besonders angetan hat's mir die "Advanced Search": hier kann man sowohl nach Boole'schon Wortkombis als auch nach geographischer Entfernung forschen. Twitseeker durchstöbert dazu wahlweise Tweets oder Profile, und das beste kommt zum Schluss: bis zu 50 Tweepern kann man bequem mit einem Mausklick nach Passworteingabe folgen. Immer brav das 20%-Limit beachten (man sollte maximal 20% mehr Leuten followen, als einem selber folgen) und die maximal 100 Requests pro Stunde beachten, dann kann eigentlich nix mehr schief gehen:

twitseeker advanced search

Aber auch beim Originator selbst gibt's News: letzte Woche wurde das Interface um zwei neue Features ergänzt: in der rechten Seitenleiste finden sich nun Suchbox sowie die aktuellen "trending topics", die man auf Wunsch aber auch ausblenden kann.

Für eher visuelle Typen hab ich von Max einen guten Tipp bekommen: VisibleTweets.com gehört definitiv zu den stylisheren Vertretern der "Twitterwall"-Zunft: nach Eingabe eines oder mehrere Tags bietet das Script drei verschiedene Visualisierungen, die gerade recht kommen - denn die Live-Twitter-Walls werden als Veranstaltungs-Gadget immer populärer. Ebenfalls zum Einsatz wird das Tool am 5. Mai bei der 2. Digitalks-Auflage zum Thema Twitter und Co. kommen - eine ausgiebige Link-Nachlese der diversen Tools und Mash-Ups, die beim April-Termin vorgestellt wurden, hat Luca zusammengestellt. Ich hab am kommenden Dienstag ebenfalls wieder die Ehre und das Vergnügen, im Wiener Museumsquartier ein bisschen aus dem Twitter-Marketing Nähkästchen zu plaudern.

Und wer sich schon mal die Frage gestellt hat, ob man denn auch irl twittern kann, dem sei dieses College Humor Video ans 140-Schläge-Pro-Tweet-Herz gelegt:

SEO-News der Woche

Keine Woche ohne neue SEO-Domain-Verkaufsnews: diesmal ging seo24.de über den Ladentisch, immerhin für 1.500 Euros. Gratis gibt's dafür einen anonymen Redirect! :mrgreen: Teurer zu stehen kommen manchen Webmaster da schon eingehende links, aber was eingeht, muss irgendwo anders bekanntlich auch ausgehen. "Halb so wild," meint SEO-United.de, und da kann ich nur zustimmen:

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass ausgehende Links derzeit keinen ernst zu nehmenden Einfluss auf das Ranking haben. Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass Google bald aktiv gegensteuert. Wenn man in der Lage ist, wirkliche Empfehlungen von gefakten Links zu erkennen, wird Google dieses auch tun. Bis dahin werden Webmaster wohl weiterhin nichts zu verschenken haben bzw. Mitbewerber nicht unterstützen...

Das SEO-Handbuch berichtet über einen interessanten Domain-Verkauf: Ma.tt bzw. WordPress hat WP.com vom Vorbesitzer Yahoo übernommen, der Preis ist nicht bekannt. Und dann war da noch die neue Suchmaschine, die Stephen Wolfram von Wolfram Research vor kurzem vorgestellt hat. Natürlich geht's wieder mal um Semantik, das Konzept erklärt der Meister in einem fast zweistündigen Video. Spannender wird's allerdings, wenn man WolframAlpha dann auch tatsächlich benutzen kann: derzeit steht da nämlich noch "Launching May 2009.".

Video der Woche: Firepit Hunt

Die Ästhetik von Skate-Videos gehorcht bewusster in Abgrenzung zur filmischen Mainstream-Stilistik einem durchwegs stringenten Stilkanon, der gewiss ein taugliches Doktoratsthema für Filmwissenschaftler abgäbe. Dass es auch ziemlich anders geht, zeigen die Fibro Twins in ihrem Musikvideo zu Ian Naismith' "Fire Pit Hunt":

Ian Naismith is an experimental ethnoambient composer based in Florida. His music is an amalgam of acoustic ethnic, world electric, ambient, progressive rock, and jazz fusion wrapped within a fourth world vibe. You can visit his website and purchase his deliciously unique music at ethnoambient.com/.

Ach ja, noch ein kurzes: technisch nicht ganz so ausgefeilt, aber inhaltlich umso überzeugender: es gibt sie nämlich doch, die Bremer Stadtmusikanten! Behold: "Rat on a cat on a dog, crossing the street":

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende des Wochenrückblicks angelangt - danke für Ihre Aufmerksamkeit respektive Whuffies! An Feedback zum neuen Blogdesign bin ich natürlich sehr interessiert, nähere Details zu einigen der Tools und Plug-Ins, die ich verwendet habe, folgen nächste Woche - und das angekündigte Video mit Hannes Swoboda ebenfalls. In diesem Sinne: einen wunderschönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Veranstaltung: Visual Computing Trends 2009

28. Januar 2009
8:30bis18:00

vrvis Veranstaltung: Visual Computing Trends 2009Eine hochkarätig besetzte Auswahl an Keynotes, ein spannendes Thema und die Teilnahme ist noch dazu völlig gratis: wer am Event Visual Computing Trends 2009 teilnehmen möchte, muss sich lediglich vorab registrieren. Organisiert wird die Veranstaltung von Kompetenzzentrum VRVis in Zusammenarbeit mit der TU Wien, der ganze Tag lang dreht sich um den aktuellen Status Quo des "Visual Computing"

Visual Computing ist jener Wissenszweig der Computerwissenschaften, der sich mit dem Umgang von visuellen Informationen beschäftigt wie z. B. Bilder und Bildsequenzen in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang. Visual Computing hat sich aus der methodischen Verschmelzung von Bildaufbereitung, Computervision, Computergrafik und Visualisierung entwickelt und ist zum Innovationstreiber der gesamten Branche geworden.

Neben Gastgebern Prof. Werner Purgathofer von der TU Wien sprechen Prof. Horst Bischof (TU Graz), Prof. Thomas Ertl (Universität Stuttgart), Prof. Steven Feiner (Columbia Univ. NY) und David Luebke (NVidia Corp.) über Zukunftsszenarien (wissenschaftlicher) Visualisierung. Sicher eine tolle Gelegenheit, um sich einen Überblick über topaktuelle Entwicklungen zu verschaffen. Wer teilnehmen möchte, registriert sich via E-Mail, nähere Infos zur Veranstaltung gibt's auf der Homepage des VRVis.

Ort: Techgate Vienna, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien
Datum: 28.1.2009

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Blogistan Panoptikum KW26 2008

visualcomp 150x150 Blogistan Panoptikum KW26 2008Deke McClelland, Web Evangelist, hat einen Rekordversuch gestartet: 101 Photoshop Tipps singt er in nur 5 Minuten! Baynado singt zwar (noch) nicht, er hat aber die latest SEO News gepostet und das Wochenende (netzfrei?) an der Nordsee verbracht. Währenddessen wurde Jeremys Twitter-Identität ge-hijackt und Yannick hat jahrtausendealte taoistische SEO Geheimnisse wiederentdeckt. Trotzdem besteht kein Zusammenhang zu Joey Chestnut, der den 4. Juli Hotdog Contest schon wieder haushoch gewinnen konnte. Ganz anders als im TV (im Herbst beginnt die zweite Staffel von Californication) kann also noch immer keine Rede von einem Sommerloch sein!

Á propos Hijacking: der Gedanke liegt nahe: je populärer Facebook, Twitter und Co. werden, desto mehr Spielraum bieten sie für alle möglichen defätistischen (oder auch rein profitgerichteten) Aktionen: ich warte ja nur drauf, bis die ersten Toten auf Facebook wieder auferstehen.

Twitterer visualisieren

Walters Twitter Conversations Map war diese Woche zu Gast auf Visual Complexities - zu Recht, denn die Geo-Visualisierung des Microblogging-Services Twitter rückt Meister Rafelsberger schon ganz schön weit in die Kunstecke; ich würd mir jedenfalls gerne ein Poster davon im Arbeitszimmer aufhängen.

Wiener Trinkwasser erwärmen

Helge hat einen neuen perfiden Plan zur Erlangung der Weltherrschaft gefasst: er will das Wiener Trinkwasser vorwärmen. Schnapsidee oder das Paradies für Warmduscher? Nun ja, wie ein altes chinesisches Sprichwort zu sagen pflegt: "Wenn du warmes Wasser trinken willst, dann stell dein Glas an die Sonne."

Google muss Daten rausrücken

Und zwar an Viacom. Das wissen eh schon alle, aber das macht's nicht weniger schlimm:

Die Logfiles umfassen 12 Terabyte. Wenn man mal großzügig von 40 Byte pro Datensatz ausgeht und als Terabyte die IEC-konforme dezimale Anzahl Bytes nimmt, kommen dabei konservativ geschätzte 25 Milliarden Datensätze raus. Da viele User bei vielen Webseiten den selben Login-Namen verwenden und dieser häufig auch mit dem echten Namen identisch ist, dürften sich da interessante Rückschlüsse auf die Interessen von recht vielen Menschen ziehen lassen.

Spannenderweise schießt Viacom dabei (vorerst) gar nicht auf die individuellen User, sondern will drauf raus, dass Youtube nur dank der vielen Copyrightverletzungen funktioniert. Google sammelt bekanntlich jeden Datenschnipsel, den man überhaupt kriegen kann: von einem ersten kleinen Supergau zu sprechen ist also keine Übertreibung. Gerald hat auf Googlefalle.com dazu einen Beitrag gepostet, in dem erst die Schizophrenie von Big G aufzeigt: denn bisher wurde ja stets behauptet, man sammle bloß anonymisierte Daten...

Aber nun wieder zurück zu etwas Erfreulicherem: in den letzten drei Wochen erlebt die deutschsprachige Social Web Szene einen (gefühlten) Turboboost von 200 Prozent: ich habe den Eindruck, dass im Gegensatz zur Blase 1.0 die Konsolidierungsphase diesmal wesentlich früher eingesetzt hat, was idealerweise zu einer nachhaltigen Etablierung einiger interessanter Services führt; nicht zuletzt deshalb, weil Yahoo und Big G auf großer Shoppingtour waren, werden Communities wie FlickR auf absehbare Zeit wohl kaum kroch'n gehen, wie man mittlerweile in Wien sagt. Und was bringt mir die ganze Friendfeederei? Eine Menge Arbeit, weil ich auch so nen schnieken Action-Feed wie Phreak hier auf ds einbauen werde und bei der Gelegenheit gleich ein paar gröbere Änderungen am Template vornehme - nicht zuletzt die Lokalisierung (allerdings ohne mo-po-Wahnsinn, sondern mit simplen php-Variablendefinitionen), denn datadirt juckt mich in den Fingern... also lassen Sie sich vom Fail-Whale nicht unterkriegen; metaphorisch betrachtet gehört das Web 2.0 ja eh uns Usern, nicht wahr? Schönen Restsonntag, und bloß nicht aufs Micro Bloggen vergessen!

Veranstaltungstipp: Flexible Cities

16. April 2008
19:30bis21:30

flexiblecities1 150x150 Veranstaltungstipp: Flexible CitiesArchitekten und Baumeister bauen gemeinhin unsere Städte, und die wiederum produzieren ein charakteristisches Klangbild. Beim aktuellen Sound/Visualisierungs/Konzept von Wolfgang "Fadi" Dorninger und Dr. Dietmar Bruckmayr geht's allerdings um eine Umdrehung des klassischen Kausalverhältnisses: Sound wird zum Konstrukteur und Baumeister virtueller, vielschichtiger Pixel-Stadtlandschaften. Wer die Klang/Bildräume live durchschreiten möchte, sollte am kommenden Mittwoch in der Klosterneuburger Essl Museum besuchen.

Konzeptionell gehen die beiden Linzer Multimedia-Künstler damit ein ganzes Stück weiter als jene net.artists, die in den späten 90er Jahren die 3D-Welten von Spielen wie Unreal als virtuelle Ausstellungsräume nutzten. Die virtuellen Städte werden zwar innerhalb eines dreidimensionalen Koordinaten-Referenzsystems dargestellt, "Taktgeber" und vierte Dimension allerdings ist die Musik: manifeste und latente Komponente werden umgekehrt, anstatt statisch determinierter Environments lässt Musik die Städte nicht nur pulsieren, sondern überhaupt erst entstehen: Geräusche kreieren und bebildern die künstlichen Stadträume. In der Ankündigung zur Performance schreiben Bruckmayr (Musik) und Dorninger (Visualisierung):

In den Flexible Cities herrschen verschiedene Gravitationszustände, Tektoniken und Lichtverhältnisse gesteuert von Klängen. Durch neue Gravitationszustände oder das völlige Fehlen von Gravitation tritt die Tektonik als ästhetischer Ausdruck der Gravitation in den Hintergrund. Ihre Aufgabe ist nunmehr die Sichtbarmachung von Licht in seinen vielfältigen Erscheinungsformen von Licht, Schatten, Schattierungen, Gradienten und Transparenzen. Unterschiedliche Lichtquellen, die in Form und Position wechseln, illuminieren, erzeugen und manipulieren Räume und Sektoren. Mehrere künstliche Sonnen ziehen ihre Bahnen und erhellen eine Dunkelheit, die Strukturen beständig ausspuckt und wieder verschluckt.

flexible citiesMit der Revolution der "Technischen Bilder", die der Kommunikationsphilosoph und Foto-Theoretiker Vilém Flusser bereits vor Jahrzehnten so treffend voraussagte, entstehen völlig neue bildgebende Verfahren: im technische-medizinischen Bereich steht längst nicht mehr die Abbildungsfunktion, sondern die Konstruktion visuell-virtueller Realitäten im Vordergrund. Die "Flexible Cities" orientieren sich an derartigen neuen bildgebenden Verfahren wie Mehrperspektivenprojektion und Schichtröntgen: es handelt sich nicht um Landschaften, in den sich "Spielfiguren" orientieren: eben keine klar definierten, abgegrenzten Formen, sondern Dichteverteilungen, Transformationsvektoren und Skalierungen im beständigen autogenerativen Fluss.

Zum mathematischen Grundgerüst tritt weißes Rausches Zufallsmatrizen als "Störfaktor" hinzu - aber natürlich sind Zufallszahlen aus dem Hauptprozessor ebenso formel-determiniert, bloß komplexer, oder wie die Künstler schreiben

Korrekterweise muss in Zusammenhang mit dem Computer als deterministisches System von Pseudozufallszahlen gesprochen werden. Entwürfe als absichtsvolles, zweckgerichtetes Tun werden durch aleatorische Prozesse in Form von ganzen Serien formaler Transformationen ersetzt, aus denen der Programmierer und Künstler nach ästhetischen Kriterien auswählt. Er lässt die Maschine rechnen und ist dabei wachsam genug, die eigenen Zwecke zu erkennen, wenn sie ihm im Fluss der Formen begegnen.

Für die Errechnung pseudo-organischer Funktionen tritt im Konzept die Superformula des belgischen Mathematikers Johan Gielis sozusagen als Antipode der Zufallsgeneratoren auf: mittels dieser spezifisch erweiterten Kreisformel lassen sich eine Vielzahl in der Natur vorkommender Formen berechnen:

superformular Veranstaltungstipp: Flexible Cities

Bei den Sounds handelt es sich einerseits um binaurale Tonaufnahmen aus München und andererseits um komponierte Teile. Um die komplexe Klangwelt für die Besucher der Installation erlebbar zu machen, kommen zwei verschiedene Tonanlagen mit unterschiedlichem Schall-Abstrahlverhalten zum Einsatz. Das insgesamt 6-kanalige System erlaubt den Besuchern, die Klangkonstruktion zu durchschreiten und sich selbst akustisch im Raum zu verorten.

Die Multimedia-Performance "Flexible Cities" beginnt am 16. April pünktlich um 19:30 im Museum Essl, der Eintritt ist gratis.

Anfahrtsinfo

Die Performance findet ihm Rahmen der Serie KlangRausch statt; von Wien aus muss man um diese Uhrzeit je nach Verkehrslage zwischen 25 und 45 Minuten für die Fahrt nach K-Neuburg einplanen. [Ich werd, wenn's nicht regnet, über die Kahlenberg-Höhenstraße mit dem Bike hinfahren. Wird eh Zeit für die 2008er Erstbefahrung.]

Adresse: Essl Museum - An der Donau-Au 1, Klosterneuburg bei Wien [Anfahrtsplan] Weitere Infos zur Performance gibt's auf Fadis Blog und beim SRA.

Szenariotrichter zum Thema Future Entertainment

Der dritte Virtual Think Tank von trendone wird sicherlich wieder ausgesprochen spannend, und ich wäre Norberts Einladung zu trendone nach Berlin sehr gern gefolgt - zumal das Thema "Real Business Models in digital Environments" lautet.

Aber leider verhindern Terminkollisionen den Ausflug samt der obligatorischen Currywurst... aus dem Sandwich auf der Friedrichsstraße wird ja nix mehr, weil ich beim letzten Mal mit Entsetzen feststellen musste, dass Schlotzky's Deli seine Pforten geschlossen hat. Aber ich bin schon äußerst gespannt aufs Protokoll und freu mich schon auf die nächste Gesprächsrunde.

Beim letzten Workshop im Februar ging's um die Konvergenz von Filmen und Games - die Ergebnisse sind mittlerweile in Form eines Szenariotrichters als pdf am trendone wiki verfügbar.

Besagter Trichter ist eine nette Visualisierung des zukünftigen Zeitstroms - je fortgeschrittener die Jahreszahl, desto weiter laufen die beiden Achsen "worst" und "best case" auseinander. Verschiedene Trends, Entwicklungen und Technologien werden dann auf dieser Matrix platziert; die vorgenommene Einteilung ist das Ergebnis unserer angeregten Diskussionen und bietet eine guten Überblick über kommende Trends - ich habe ein jpg draus gemacht, biddeschön:

Szenariotrichter Future Entertainment

Barcamp Senza Confini, Teil 1

barcamp senza confiniErste Lektion: wenn man auf ein Barcamp fährt, das um 9:00 beginnt, sollte man morgens nicht im Hotelzimmer seine Mails checken. Sonst kommt man womöglich zu spät und verpasst einige interessante Vorträge... so wie ich heute in Klagenfurt. Und dann kann man auch nix berichten über die vormittäglichen Sessions.

Die zweite Tageshälfte dagegen verstrich schon wieder so rasant wie in Wien. Möglicherweise sind Barcamps ja gar keine "Unkonferenzen" der Internet-Szene, sondern bloß eine Betatest zur Erprobung eines neuen Flux-Kompensators, der 6 Stunden zu einer verkürzt :mrgreen:

Max präsentierte seinen aktuellen Research zum Thema Blogvisualisierung; der Vortrag in Wien ist zwar erst eine Woche her, aber das Java-Interface hat seitdem bereits einige gravierende Upgrades erhalten; ich bin sehr gespannt, welche Anwendung Max aus den gewonnen Verlinkungs-Daten basteln wird.

zemantaWitzigerweise folgte gleich im Anschluss der Vortrag von Zemanta. Das slowenische Start-Up schlägt in die exakt gleiche Kerbe - der Slogan des Projekts lautet "...helping you tell a story", und genau wie Max' beschäftigen sich die beiden Firmengründer mit einem der zentralen Themen des Web 2.0: Wie können zu einem gegebenen Artikel relevante, thematisch ähnliche Informationsressourcen gefunden und dargestellt werden? Zemanta geht über herkömmliche Tags weit hinaus und stellt die eigene Software für alle gängigen Systeme als Plugin zur Verfügung. Wer kein self-hosted Blog betreibt, sondern seine Web-Tagebuch bei Blogger & Co. schreibt, soll nicht vom Netzwerk ausgeschlossen bleiben: ein Browser Plug-In für Firefox macht das Matching möglich.

Derzeit läuft die private beta, Max hat einen API-Zugang bekommen - daraus dürfte ein hochinteressantes Mash-Up resultieren. Wichtiges Prinzip bei Zemanta: die API wird bewusst offen gehalten, wer auf die Daten zugreifen und mit ihnen weiterspielen möchte, das das - im Gegensatz zu herkömmlichen Aggregatoren - gerne tun. Der öffentliche Release folgt im Frühjahr, die beiden Gründer konnten ausreichend Venture-Kapital lukrieren, um ihr Projekt in den nächsten Monaten zur "Marktreife" zu entwickeln - wobei sehr unterschiedliche Revenue-Modelle in Frage kommen. Sehr sympathisches Projekt, von dem man demnächst garantiert noch einiges hören wird.

Nach den 5-Minuten Lightning Talks wurde in der Pizzeria intensiv weiterdiskutiert - morgen geht's weiter mit der europäischen Faceball-EM, und am Nachmittag werde ich barcamp-gemäß die passive Besucherrolle verlassen und gemeinsam mit Max eine Session zum Thema Facebook-Marketing gestalten.

Facebook-Kontakte visualisieren: Rad und Wolke

Die Friend Wheel Applikation von Thomas Fletcher visualisiert das eigene Facebook-Kontaktnetzwerk: alle eigenen Kontakte sind im Kreis gruppiert und unterschiedlich eingefärbt, Linien visualisieren direkte Verbindungen zwischen zwei Personen.

Nach Auswahl der gewünschten Farb- und Größeneinstellungen wird nicht nur ein statisches Bild generiert, sondern auf Wunsch auch ein interaktives Java-Wheel, das nicht nur Zoomen ermöglicht, sondern die freie Positionierung der eigenen Kontakte. Schon bei meinen knapp zweihundert Facebook-Bekanntschaften wird die Visualisierung leicht unübersichtlich - aber dafür umso farbenfroher.

Statische Friend Clous

friendwheel

Screenshot der Flash-Version

friend wheel

Allerdings stellt sich generell die Frage, wie man auf Social Networks mit steigender Kontaktzahl am besten umgeht. Die Facebook-Entwickler vor kurzem reagiert und ein neues Feature eingeführt, mit dem das Kontaktmanagement wesentlich leichter fallen sollte: mittels Listen lassen sich die eigenen Bekanntschaften in Untergruppen einteilen. Die meisten Applikationen machen natürlich noch keinen Gebrauch von dieser neuen Möglichkeit, das dürfte sich aber wohl bald ändern.

Eine ebenfalls interessante Alternative zum Friend Wheel ist die Applikation Connection Cloud:

The connections and positions on your Connection Cloud will chaotically change with the changes in your social network. Individuals are placed in a circle, then dynamically moved with attractive forces (via friends) and repulsive forces (non-friends). After simulating a number of steps, the application outputs a PNG for your personal use or to post on Facebook via the included widget.

connection cloudVerschiedene Parameter des repetitiven Algorithmus, von der Anzahl der Wiederholungen bis zum Dämpfungsfaktor, lassen sich verändern. Das Ergebnis eines Durchlaufes ist die Visualisierung der Endkonfiguration als "Kontakt-Landkarte" - ein wenig Tuning an den Parametern kann recht witzige Ergebnisse produzieren. Ich nehme mal stark an, dass sich Geheimdienste und Co. seit Jahrhunderten mit solchen Beziehungsdiagrammen auseinandersetzen, ebenso wie Soziologen und Beziehungsforscher. Social Networks und das Internet generell erlauben Datamining in bisher ungekannten Ausmaßen - wird also wohl höchste Zeit für ein paar fiktive KollegInnen von Billy.

Connection Cloud, Versuch Nr. 23

connection cloud

medien.kultur.technik: Medienforschung und Web 2.0

Nach mehreren Jahren der Fachtutorientätigkeit halte ich im kommenden Wintersemester meine erste Lehrveranstaltung als Univ. Lektor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Wien, wo ich derzeit auch mein Doktorat schreibe. In der AT-KFOR (Arbeitstechniken Kommunikationsforschung) stehen jene Soft Skills im Vordergrund, die ein Medienforscher in der täglichen Kommunikationspraxis benötigt.

Es geht also um die Konzeption von Vorträgen, um Visualisierung, Rhetorik und Gruppenkommunikation, oder, wie ich es im Vorlesungsverzeichnis formuliert habe:

Die AT-KFOR fungiert einerseits als theoretische Grundlagenschulung zum Thema und andererseits als "Experimentallabor", in dem die Präsentation selbst im Vordergrund steht: in ausgiebigen Feedbackrunden und Reflexionsgesprächen sollen die TeilnehmerInnen ihre Stärken und Schwächen kennen lernen und ihre Präsentationstechnik verbessern. Oder, um mit Heinz von Förster zu sprechen: wir konstruieren selbstbezügliche Regelkreise und beobachten deren nicht-trivialen Output.

Am Wiener Publizistikinstitut existieren seit Jahren zwei Vorlesungsverzeichnisse, einerseits das offizielle, andererseits das sogenannte "Krivo", kurz für "kritisches Vorlesungsverzeichnis". Ersteres ist Sache des Instituts, um zweiteres kümmert sich die Studienrichtungsvertretung. Die Vortragenden werden von der Studienrichtungsvertretung (der ich in grauer Vorzeit auch angehört habe) aufgefordert, kurze Kommentare zu verschiedenen Aspekten der Kommunikationswissenschaft zu schreiben - ich habe mir in ganz komprimierter Form Gedanken gemacht zum das Thema "Web 2.0 und Kommunikationswissenschaft" - denn das McLuhan'sche immersive Mittendrin wird immer deutlicher und zu einer Konstante, die in unserer Wissenschaft permanent mitreflektiert werden muss. Meiner p.t. datenschmutz Leserschaft möchte ich den betreffenden Kommentar selbstverständlich nicht vorenthalten:

Web 2.0 und Medienforschung: medien.kultur.technik

Web 2.0 lautet ein dieser Tage häufig zitiertes Schlagwort. Im Glanz neuer Medienformate und wirtschaftlicher Erfolgsstorys wie FlickR, myspace und youtube scheinen amerikanische Corporations mit klaren Gewinnmaximierungszielen jenes Mitmach-Internet etabliert zu haben, von dem die Medientheoretiker Anfang der 90er Jahre auf Konferenzen schwärmten.

Während Werbung und PR mit Höchstgeschwindigkeit auf veränderte Nutzungsgewohnheiten reagierten, hat die Kommunikationswissenschaft bislang erst zögerlich von neuen Tools Gebrauch gemacht: die medieninhärente, bei jedem Web-Server standardmäßig mitlaufende genaue Auswertung aller Besucher, ihrer Herkunft, ihrer Aufenthaltszeit etc. müsste doch das Herz eines jeden quantitativen Sozialforscher sofort höher schlagen lassen: zum ersten Mal in der Geschichte liefert ein neues Medium alle quantitativen Nutzungsdaten nahezu frei Haus mit - Grundgesamtheit statt Stichprobe, Google Analytics statt Teletest. Doch so auskunftsfreudig sich die neuen Medien in punkto Quantität geben, so wenig verraten sie zum jetzigen Zeitpunkt über die tiefgreifenden qualitativen Veränderungen im Mediensystem, die auf mittelfristige Sicht durch many-to-many Architekturen alle Bereiche erfassen. Die weit offenen Mitgestaltungsmöglichkeiten und das Paradigma des Do-it-yourself Web verändern nicht nur die ökonomischen Rahmenbedingungen medialer Produktion - sie verdeutlich McLuhans Paradigma von einer Medienwissenschaft, deren Forschungsfeld zugleich ihr Werkzeugset ist.

Blogvorstellung: Nick Fox-Giegs fesselnde Animationskunst

foxgiegIt's like spiders - intermittent video podcast nennt der kanadische Digitalkünstler Nick Fox-Gieg sein Blog. Auf Kunstfestivals in Rotterdam und Ottawa sowie im Centre Pompidou wurden seine Arbeiten bereits gezeigt - ich bin gestern zufällig auf die Seite gestoßen und wurde sofort in einen synergetischen Bild-Ton-Kosmos voll handwerklichem Geschick und Humor richtiggehend eingesogen.

Nick Fox-Gieg hat definitiv einen Fan mehr, seit ich gestern über ein Interview mit Jessica Delphino auf das Video zu I wanna be famous stieß. Das Podcast-Blog wird relativ im Quartalsrhythmus aktualisiert - bislang gibt's rund 15 Videos, von denen ich die folgenden Beispiele ganz besonders empfehlen möchte. Den Stil Nick Fox-Giegs zu beschreiben fällt schwer, da die einzelnen Animationen sehr unterschiedliche Techniken und Visualisierungen nutzen. Allen Arbeiten haben freilich ein sehr genaues Gefühl für Bild-Ton Synchronizitäten und ausdrucksstarke, einprägsame visuelle Codes gemeinsam.

The Foxhole Manifesto

foxholeDiese Animation entstand als visuelle Begleitung zu einem Gedicht von Jeffrey McDaniel - die Tonspur stammt von einer Lesung des Autors. In "The Foxhole Manifesto" macht sich McDaniel Gedanken über einen zeitgemäßen Gott, die Fox-Gieg mit symbolhaft reduzierten Schwarz-Weiß Animationen und dynamischer, geometrischer Bildsprache illustriert. Die erheiternde Schlussfolgerung nach so vielen Gottesbildern bringt athe- und monotheistisches Weltbild sogar unter einen Hut - oder zumindest beinahe:
The Foxhole Manifesto

The Story of Enoch

enochEin Mann erfährt "aus zuverlässiger Quelle", dass die Erde ganz gewiss untergehen wird - doch ob durch Wasser oder Feuer, bleibt ungeklärt. In einem solchen Fall baut man am besten zwei Türme und speichert in Ihnen alles Wissen der Welt... mehr soll nicht verraten werden über diese stark kontrastierend, lebhaft animierte Kurzgeschichte zu einer biblischen Begebenheit:
The Story of Enoch

The little Bird of Disaster

Ein Vöglein müsste man sein... aber nicht einer dieser Seuchenvögel, die immer nur Unheil prophezeien und deren Vorhersagen sich so lange konsequent bewahrheiten, bis ein beherzter Held Appetit auf Grillhendl bekommt. Definitiv mein Favorit: die Animation wurde im Rahmen eines Workshops entwickelt und "live" aufgeführt: das bedeutet in diesem Fall, dass die Charaktere in Echtzeit animierte Video-Puppen sind, kontrolliert durch eine spezielle Software:

The Little Bird of Disaster was developed at The Kitchen's 2003 summer workshop. The speaking characters are real-time "video puppets," controlled with Mark Coniglio's Isadora software. The piece was actually performed, like they say, in front of a live studio audience (you can hear them in the background).

Diesen Film kann man allen ZukunftsforscherInnen nur wärmstens ans Herz legen:
The little Bird of Disaster

Wie einleitend geschrieben sind alle Kurzfilme ohne Ausnahme absolut sehenswert: die gelungene Verbindung von Schnitt- und Animationstechnik, Sounddesign und extrem reduziertem, aber umso nachdrücklicherem Storytelling sichert Nick Fox-Gieg in meiner persönlichen Hitparade der Digital Artists eine Platz ganz, ganz weit vorne: schauen Sie sich das unbedingt an!
Nick Fox-Gieg: It's like spiders

Meez: so machen Avatare Spaß

MeezWas die gute alte Anziehpuppe für analoge Generationen, war, das ist Meez in punkto Avatar-Ausstattung: von der Nasenform über die bevorzugten Piercings und Kleidung bis hin zum passenden Setting erstellt man Schritt für Schritt den persönlichen Wunsch-Avatar, und exportiert ihn anschließend als statisches oder animiertes Gif zur weiteren Verwendung als digitalen Repräsentanten auf Diskussionsboard, myspace Profilen oder Blogs.

Meez befindet sich selbstverständlich wie jede anständige Web 2.0 Applikation im Beta-Stadium, das tut der Verwendbarkeit aber wie immer keinerlei Abbruch. Die Registrierung ist gratis, der Umfang an wählbarer Ausstattung groß - und der Gag an der Sache, dass Meez für die besonders hübschen und exklusiven Gadgets wie mehrfärbige Frisuren oder extra-pimpige Gangstaketten Kohle sehen will.

Doch keine Sorge - selbst die Freebies sorgen für ausreichend Auswahl. Doch Begehrlichkeiten sind schnell geweckt, und dann heißt's Credits uploaden. Oder den Namen eines bereits registrierten Meez'ers eingeben... denn dadurch bekommen sowohl der angegebene User als auch der Neu-Registrant fünf Coinz, die man anderfalls für ganz reales Geld erwerben muss.

Hier geht's zu meiner Meez-Seite - und wer beim Registrieren bis Ende März "datenschmutz" als Referrer eingibt, der verschafft sowohl sich als auch mir 5 Coinz - please do it, ich will diese äußerst stylishe White-on-White Weste unbedingt haben :-)

Die Benutzerführung ist gelungen, die Applikation läuft stabil und die Exportfunktion in verschiedenen Größen sowie das Album zum Abspeicher der fünf Favorite Avatars wissen zu gefallen - da spielt man gerne mal rum. Jesus-Freak mit Punkfrisur am Hoverboard vor hawaianischer Kulisse: bei dieser Auswahl kann keine Avatargallerie mithalten.

Falls die Betreiber die Offenlegung des 3D-API planen und Usern erlauben, eigenen Gadgets und entwerfen und zu verkaufen, dann könnte Meez so richtig ins Rollen kommen - womöglich sogar als Charakterschmiede für allfällige Second-Life Nachfolger, die nicht auf dedizierten Servern, sondern im "realen" Netz (dieses Attribut wollt ich unserem virtuellen Kommunikationsnetzwerk schon immer mal voranstellen dürfen) ablaufen.

Et voila, exklusiv für datenschmutz-Leser/innen: die mindestens drei Facetten meiner Persönlichkeit (die Flügelchen musste ich kaufen):

Meez 1     Meez 2

Meez 3

Mein myspace-Profil hab ich auch gleich mit einer Meez-Story versehen - dort gibt's die nackte, ungeschminke, private Wahrheit über DJ noXukao.

Meez.com

Ich bin übrigens via Sir Dregans virtuellen Repräsentanten auf die Seite gestoßen, und der hat die Sache wiederum von Alpha-MC-Blogger Winkel erfahren.

Update: Nessy verfiel ebenfalls dem Meez-Fieber und findet ganz erstaunliche Synchronizitäten:

Ansonsten ist das virtuelle wie das wirkliche Leben: Bevor ich etwas Passendes zum Anziehen gefunden hatte, musste ich den gesamten Kleiderschrank durchprobieren. Letztendlich war jedoch nichts Vernünftiges drin, und neue Schuhe brauche ich auch ganz dringend.

Und da gibt's noch mehr, denn die Meez'en spreaden sich wie ein Virus durchs Netz! Von der Singlemama über die Gräfin und Cake-Pie bis zum Gruselkabinett - wie schon der Mobile Pimp rappte: "Alles gute Mädchen!"

Sind Chip und Google etwa keine Vertrauensperson?

Total Google Control"Trusted Computing" bedeutet übersetzt "Vertrauenswürdiges Rechnen", oder noch besser "ehrenwerte Datenverarbeitung", das hört sich doch gut an. Marketing-Labels schmeicheln dem Ohr, das liegt in ihrer Natur. Nicht nur in diesem Fall gilt aber: süßer die Botschaft nie klang, doch das Fertigprodukt enthält keine Vitamine mehr und kann zu schweren Vertrauensstörungen führen. Wird nun "do-no-evil" Google das neue TCPA und MS in Firmenunion?

Filesharing, Contentswapping und offene Lizenzen: die Inhaltsindustrie find sich im Sog eines Malstroms, der ihr gar nicht schmeckt. Die verlorene Kontrolle will man mit Hilfe Friedrich Kittler's 8. Muse* techné rückerobern. Alle Computer inklusive PDAs, Handys, Waschmaschinen und was sonst noch König Content wiedergeben kann, sollen zukünftig ab Werk mit einem kleinen Chip geimpft werden. Dagegen regte sich schnell Widerstand - und Benjamin Stephan und Lutz Vogel drehten vor ein paar Jahren einen sehr instruktiven Lehrfilm. Mittlerweile ist die TCPA Geschichte - das Gremium erwies sich letzlich als Fehlentwicklung und tat das, was man eben in einem solchen Fall macht: es gab sich einen neuen Namen.

Aufgrund des Veto-Rechts aller 200 Mitglieder erwies sich die TCPA als nicht handlungsfähig. Als Konsequenz wurde im April 2003 die offizielle Nachfolgeorganisation Trusted Computing Group (TCG) gegründet, die die bis dahin geschaffenen Spezifikationen übernahm und ihre Weiterentwicklung fortführt. (wikipedia]

Damit konnte man immerhin die Besitzer der Domain www.againsttcpa.com überlisten und die Arbeit in Ruhe fortführen - beziehungsweise Google interferierenden Filmemachern überlassen.

Eine brandaktuelle Produktion [via Spreeblick] ortet die kontemporären Datengefahren nämlich nicht im Chip, sondern im Netzeinstieg und widmet sich einer kritischen Betrachtung des Masterplans unserer Lieblingssuchmaschine. Dabei setzt er eine recht ähnliche Visualisierung ein wie seinerzeit die Anti-TCPA Regisseure. Absolut sehenswert, wenn auch in keiner Hinsicht zurückhaltend: denn Google engangiert sich jetzt auch im Bereich der Genomforschung - was, so die rhetorische Frage am Ende des Streifens, wenn die Firma neben den ganzen übrigen Daten nun auch noch die komplette DNA eines jeden einzelnen Menschen gespeichert hätte und wir alle völlig transparent wären?

Das hätte nun wirklich nicht sein müssen - doch ob diese abschließende Suggestivfrage des Films sich ungewohnt weit von der Wirklichkeit entfernt, um besondern aufzurütteln, oder ob die Autoren Anhänger des biologischen Totaldeterminismus sind, werden wir nie erfahren. Aber selbst frei von Bio-Logismen stellt sich schon langsam die Frage, ob Google das neue Microsoft geworden ist - und in viele kleine Suchmaschinchen zerschlagen werden sollte :-) So ändern sich eben Hegemonieszenarien innerhalb weniger Jahre - nur: Windows lässt sich ja durch Linux ersetzen, aber ein Ersatz.Google ist nicht in Sicht. Fragen wir doch mal MS'ens Miss Dewey, was sie dazu meint... und wie immer kommt nach Eingabe des Begriffs "Google" ein hochphilosophischer und unbedingt passender Kommentar von der hübschesten Suchassistentin aller Zeiten:

If television was the opiate of the masses, I wonder what that makes the internet.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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* techné, siehe Kittler, Friedrich: "Draculas Vermächtnis"

Placeblogger: hyperlokale Infos

Die Bezirkszeitung war gestern - morgen ist das Hood-Blog, und das kann ganz schön lokal sein. Jedem Straßenzug sein eigenes Weblog: unter diesem Motto aggregiert Placeblogger Online-Medien mit starkem Lokalbezug und indiziert sie natürlich auch geografisch. Diesen Beitrag weiterlesen »

Super Mario in Vice City

Achtung, Computergame-Crossover oder: niemals die falsche Abzweigung nehmen! Sonst geht's euch wie Mario und Luigi in Vice City. Die Brücke ist nämlich gesperrt, also lernen die beiden Nintendo-Helden, die reale, pardon, die andere Computerspielwelt, auf die harte Tour kennen. Und finden viel zu spät heraus, dass in Vice City Prinzessinnen Geld kosten, Mauern sich nicht mit dem Kopf durchstoßen lassen und Pilze ebenfalls Fähigkeiten verleihen - allerdings andere als erwartet. [via Open Sourced Brain]

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Mario & Luigi in Vice City auf Youtube

CD-Review: Stereotyp – My Sound

Weil dieser Tage Stereotyps zweites Album "Keepin' me" erscheint, hier der Reprint meines Artikels über Stefans Debutalbum "My Sound". (erschienen 2004 in the gap).

 

Stereotyp: Clubmusic 3.0

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"My Sound" von Stereotyp aka Stefan Moerth verbindet Dancehall, Drum'n'Base, Soul und Funk zu einem Fusion-Sound, der vielleicht nicht den einzigen Weg in die Clubkultur des 3. Jahrtausends weist - aber den weitaus sympathischsten.

Diesen Beitrag weiterlesen »

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