Markus findet, dass Duplicate Content durchaus auch seine reizvollen Seiten hat, Robert Treichler hinter-quiz-fragt Alice Schwarzer, Robert erklärt auf für mich sehr beeindruckende Art und Weise sein Blogger-Selbstverständnis, Grissemann scheint Werbung für deutsche Handys zu machen und die Viralmythen typologisieren wissenschaftliche Blogs: also wieder mal eine ganz gewöhnlich ereignisreiche Woche in Blogistan, das Sommerloch zeigt sich endgültig von herbstlichem Tatendrang in die Stränge gewiesen. Außerdem gibt's ein Jubiläum zu feiern: Tante Google ist anscheinend neun Jahre alt geworden.
Georg Holzer analysiert den Kauf der Messaging-Lösung durch Yahoo und kommt zu dem Schluss:
Zimbra als Werkzeug für höheren Marktanteil bei anderen Geschäften. Der Kaufpreis von 350 Millionen Dollar könnte sich so rechnen. Könnte ... Und irgendwann, wenn die nächste Gerneralrenovierung von Yahoo-Mail fällig ist, wird man wohl auf nur noch eine Codebasis bei seinen Messaging-Servern setzen - derweil hat man aber noch zwei.
Microsoft dagegen beißt kräftig in Facebook rein - ob sich das wirklich rechnet?
telepolis hat ein sehr lesenswertes Interview mit Johannes Eisenberg veröffentlicht: der Anwalt verteidigte die taz im Verfahren gegen den bekannten deutschen Berufskollegen Freiherr von Gravenreuth, der durch seine zahlreichen Abmahnprozesse einer Menge Webmaster viel Kopfzerbrechen bereitete:
telepolis: Herr Rechtsanwalt Eisenberg - Sie werden im Netz gerade als eine Art "Drachentöter" gefeiert, weil es ihnen gelang, den Freiherrn von Gravenreuth "hinter Gitter zu bringen". Wie ist Ihnen das gelungen - und wieso hat das vorher noch niemand geschafft?
Johannes Eisenberg: Ich weiß nicht, ob ich als 'Drachentöter' gefeiert werde. Ich hab' das noch nirgendwo gelesen. Und den Herrn Gravenreuth hab ich auch nicht hinter Gitter gebracht - er ist nur zu einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden, weil er die Domain der taz pfänden ließ, läuft aber weiter frei rum und kann weiter sein Unheil anrichten.
Passend zum Thema: hat man Sie etwa auch öffentlich diffamiert? Dann kann ich nur dringend zur Benutzung des abmahnr raten! [via Zweinull.cc]
Gibt's bei 9031.com, unter anderem ein Old-School Digitaluhr mit digital simuliertem mechanischem Zifferwerk... so wie wir's halt den 80ern am Nachtkasterl stehen hatten.
Am S-O-S SEO Blog gibt's eine imho sehr treffende und spannende Überlegung zum Thema Zukunft des Google Pagerank, Fazit:
Warum nicht für eine Domain nach außen einen fetten PR7 oder PR8 Balken anzeigen, wohl wissend, dass der echte PR nach Abzug der Steuern und Kauflinks gerade mal für PR5 reicht, und all die armen Link-Käufer und Mieter ihr Geld für völlig überschätze und in Wirklichkeit kaum spürbare Verlinkungen ausgeben lassen. Besser als echte Werte anzuzeigen und auch besser als keine Werte anzuzeigen. Denn in letzterem Fall würden die Webmaster und SEOs vielleicht neue Kriterien suchen und finden, die ihnen bessere Einschätzungen der Domain- und Linkwerte ermöglichten - damit würde die Manipulationsgefahr für Google wieder steigen.
Der Iceblog findet, dass in Google inzwischen verdächtig viele wikipedia-Ergebnisse auftauchen... und vermutet gar, dass bald Schluss sein wird mit den ganzen lästigen Webseiten, sozusagen Google als interne Suchmaschine der Wikipedia-Datenbank.
Comscore veröffentliche Nutzungsdaten über Social Networks in Deutschland - erstaunlicherweise liegt in dieser Untersuchung MySpace vor studiVZ: [via zweinull.cc]
Unique Visitors von Social Networks in Deutschland im Juli 2007
Quelle: comScoreMySpace: 3,7 Millionen
studiVZ: 3,1 Millionen
JUX.de: 2,6 Millionen
Piczo: 2,0 Millionen
StayFriends: 1,3 Millionen
Zum Wahlkampfauftakt der NPD in Niedersachsen musste die Extra3 Reporterin Olivia Jones erfahren, dass selbst die Spitzen der Partei einfach nicht wissen, warum man ihren Verein überhaupt braucht... könnte sich auf einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung wohl ganz ähnlich abspielen. [via FranzToo]
lPjiLm6_Z0w
Am 20. Oktober findet in Zürich das BlogCamp Switzerland 2-0 statt, und Michael hat für seine dortige Präsentation ein imho hochspannendes Thema ins Auge gefasst:
Unter dem Arbeitstitel "Copyright, Copywrong - Radikale Stimmen zum Urheberrecht" könnte ich mir vorstellen, anhand der zwei oben genannten Beispiele (Spooner und Tucker; ergänzt durch ein, zwei Personen des 20. Jahrhunderts, die sich auf diese beziehen) eine kurze Tour d'Horizont zu geben. Dabei konzentriere ich mich bewusst auf Personen, die vor der Entstehung des Internets gewirkt haben.
Michael hat das Thema zur Diskussion gestellt und möchte wissen, ob sich Blogger für derlei Geschichtsausflüge interessieren - ich werd's am 20. Oktober nicht nach Zürich schaffen, aber ich kann nur sagen: wenn's einen Blogcast gibt, dann schau ich mir den sicher an. Von radikalen Entwürfen kann man immer eine Menge lernen - und wider der Behauptung der Rechtskonservativen in Einzelfällen sogar etwas von der Geschichte.
Diese Woche flatterte eine Umfrage der mobilkom austria ins Haus - Kernaussage: Wiener sind im Umgang im Handys vertrauensseliger als die Bewohner anderer österreichischer Bundesländer:
Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern legen die Wiener Handy-UserInnen am meisten Vertrauen an den Tag, wenn es um Anrufe mit unterdrückter Nummer geht: 78% der UserInnen nehmen Gespräche auch an, wenn sich der Anrufer nicht zu erkennen gibt. Auch beim Ausleihen des Handys gibt es einen Vertrauensvorschuss: 35% der WienerInnen können sich vorstellen, ihr Handy für mehr als nur ein spontanes Gespräch herzuborgen.
Das reicht österreichweit in beiden Disziplinen für Platz 1 - wer sich also ein Handy ausborgen möchte, der hat in der Bundeshauptstadt die besten Chancen.
Mit seiner rasanten Entwicklung vom kleinen Start-up zum größten Internetunternehmen der Welt hat Google eine märchenhafte Erfolgsstory vorzuweisen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und einige Schatten, die Google wirft, sind sogar recht dunkel. Werner Reiter versucht, die Story in einer Diskussionsrunde ein Stück weiter zu erzählen, fotografiert hat Florian Auer. "Der Google Zauberbesen" erscheint in der gerade frisch gedruckten Ausgaben von the gap in leicht gekürzter Form - datenschmutz LeserInnen erfahren die ganze Wahrheit über den gefährlichen Suchmaschinenmoloch, der unser tägliches Leben so sehr erleichtert.
Im Jahr 1998 gründen zwei junge Studenten mit einer damals revolutionären Suchtechnologie eine Internetfirma. Dem Märchenklischee entsprechend dienen billige IBM-PCs als Infrastruktur und eine Garage als Firmensitz. Das Ende ist noch offen. Aus heutiger Sicht lassen sich je nach Geschmack zwei mögliche Schlüsse erzählen. Der eine ist voller Superlative: wertvollste Marke der Welt, meistbesuchte Internetseite, Weltmarktführer bei Online-Werbung ... ad infinitum. Der zweite - vorläufige - Schluss erkennt in all der Größe eine massive Gefahr: Wir alle sind Googles Zauberlehrlinge und werden die gerufenen Geister nicht mehr los. Schließlich ist Google nicht irgendwo groß, sondern am Lebensnerv der modernen Gesellschaft: der Information, genauer gesagt deren Aggregation und Aufbereitung.
Natürlich war auch ein Vertreter von Google Österreich eingeladen. Wichtigere und zeitkritische Projekte standen einer Teilnahme leider im Wege und man überließ es uns, die Diskussion aus der Außenperspektive zu führen. Nicht weiter schlimm, wird doch ohnehin jeder User täglich von den Annehmlichkeiten kostenloser Google Services überzeugt. Bemerkenswert bleibt aber, dass kritische Geister und Datenschützer weit eher bereit sind, Diskussionseinladungen zu folgen. Und dass jene, die Google ob seiner ungebrochenen Innovationskraft bewundern, diesen Aspekt nicht wirklich in den Diskurs einbringen wollen. Christopher Sima, Geschäftsführer des Online-Vermarkters AdLink, ist unserer Einladung gefolgt und hat die etwas undankbare Rolle des Google-Verteidigers brilliant übernommen.
Doch der Reihe nach: Beweggrund, die Diskussion zu veranstalten, war die Tatsache, dass Google mittlerweile eine zentrale Rolle in der Internetwelt einnimmt. Nicht nur die Mehrzahl der User wählt Google als Einstiegspunkt, auch zahllose Webmaster bauen Google Analytics als Analysetool und AdSense (kontextsensitive Werbeanzeigen in Textform) als komfortable Verdienstmöglichkeit ein. Damit nicht genug, steckt Google mit Toolbar und Desktop Search in Millionen PCs und mit Messaging-Services wie Gmail und Google Talk hat sich der Internet-Riese noch mehr Möglichkeiten geschaffen, Daten zu sammeln und Userprofile für die Werbewirtschaft zu generieren.
"Es ist schwierig, gegen Google zu argumentieren, weil's einfach so praktisch und noch dazu kostenlos ist." Monika Bargmann über geschenkte Gäule
Ein einfaches Experiment zeigt ein interessantes Ergebnis: Der Suchbegriff "Internet" bringt auf Google knapp zwei Millionen Treffer, der Begriff "Google" etwas mehr als die Hälfte. Eine Suche auf Yahoo bringt ein ähnliches Resultat. Selbst wenn MSN Search es etwas anders sieht und Googles Anteil auf 12% reduziert, ist die Frage zulässig, ob Google die Regeln des Internet zu einem großen Teil bestimmt. Neuerdings wird das ebenso simple wie erfolgreiche AdSense-Konzept zur Online-Vermittlung von Werbeanzeigen auf klassische Medien wie Print, Radio und TV ausgerollt und erstmals gelingt es einer Internet-Company, auch die klassische Marketingwelt empfindlich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
"Democracy on the web works" und "The need for information crosses all borders" lauten Nummer vier und acht der zehn Gebote, die Google sich als Firmenpolicy auferlegt hat. Sie beschreiben ein Versprechen aus der Frühzeit des Web: Wo Information frei zugänglich ist, wird Demokratie ermöglicht. Von Beginn an war es Googles Credo, alle im Internet verfügbare Information für die User nutzbar zu machen. Mittlerweile bedient das Unternehmen aus Mountain View das Informationsbedürfnis der Massen und ist dabei so groß geworden, dass die politischen Eliten ihre Einflusssphäre bedroht sehen.
"Irgendwann sind sich alle Monopole nicht nur ihrer eigenen Macht bewusst. Auch fremde Interessen wissen, dass sie den Hebel nur mehr an einer Stelle ansetzen müssen, um etwas zu bewirken." Adrian Dabrowski über simple Wirtschaftsphysik
Die von Google gefilterten Suchergebnisse als Zugeständnis an die chinesische Regierung werden nicht nur in unserer Expertenrunde massiv kritisiert. Wobei alle Diskussionsgäste von weiteren Beispielen wissen, in welchen Google anderen Staatsobrigkeiten gegenüber - zum Teil vorauseilenden - Gehorsam zeigt. Der Medientheoretiker Ritchie Pettauer meint, dass es ohnehin nie auf der Agenda stand, als Suchmaschine Dinge im Sinne der Allgemeinheit zu regeln. Als börsenotiertes Unternehmen regle Google Dinge im Sinne seiner Shareholder. Warum sollte ein Unternehmen auch für mehr Demokratie sorgen als (gewählte) Regierungen? Problematisch sei höchstens die "verdeckte Zensur", wie Adrian Dabrowski von q/uintessenz formuliert: die mangelnde Transparenz, dass - und aufgrund welcher Kriterien - Ergebnisse gefiltert wurden.
Die Bereitwilligkeit, sich wirtschaftlichen Erfolg durch politisches Wohlverhalten zu sichern und Googles Monopolstellung bringen ein interessantes Phänomen hervor: Plötzlich hat ein Unternehmen die Möglichkeit, die Realität für große Teile der Informationsgesellschaft zu definieren - das allerdings nicht wie bei klassischen Medienunternehmen durch die Produktion von Information, sondern durch Filterung und Aggregation von Material, das andere produziert haben. Pettauer meint, dass Google nur einem Trend folge, welchen Medienwissenschaftler schon seit 15 Jahren beobachten: Transnationale Konzerne hätten schon seit längerem die Definitionsmacht und damit die Rolle der Kirchen übernommen. Google mache das aufgrund seines Geschäftsgegenstandes nur etwas unmittelbarer. Etwa wenn in Google Earth Aufnahmen unkommentiert durch ältere ersetzt werden - wodurch der Zoom aus dem Weltall auf globale Krisenregionen schon mal als heil darstellt, was längst zerbombt ward.
"Man darf nicht vergessen, dass Google diese Monopolstellung nur erreicht hat, weil es viele Dinge die es macht, sehr gut macht." Ritchie Pettauer bestätigt Google Gebot Nummer zwei
In der Runde herrscht dennoch Einigkeit, dass Google Services für die Enduser in erster Linie praktisch und noch dazu kostenlos sind. Und beides wohl auch weiterhin bleiben werden, analysiert und filtert die Datenkrake unser Such- und Kommunikationsverhalten doch ganz genauso wie sie es auch mit anderen Informationen tut - um sie dann verkaufen zu können. Registrierungsdaten, Cookies und Log-Daten ergeben einen Rohstoff, der nur entsprechend aufbereitet werden muss, um die Träume aller Werbetreibenden wahr werden zu lassen: Targeting auf höchster Granularitäts-Stufe. Christopher Sima von AdLink steigt erst an diesem Punkt der Diskussion ein und bricht eine Lanze für das Datensammeln und Profil-Erstellen der Internetgiganten. Es ermögliche letztlich eine Werbeeffizienz, die vor zehn Jahren noch undenkbar war. Verschwörungstheorien erteilt er eine Abfuhr, da es im Marketing durchaus ausreiche, eine Gruppe von Usern mit einem definierten Profil zu erreichen und nicht die jeweiligen Einzelpersonen.
"Die Hauptarbeit, die Google zur Zeit leistet, ist Clickfraud hinterher zu jagen." Christopher Sima über die illegale Manipulation der Klickraten
Trotzdem: Je besser die Profildaten, umso höher ihr Wert und umso effizienter können Werbebudgets eingesetzt werden. Genau in diese Richtung geht der Trend: Die neuen Zauberworte der Branche lauten Behavioral Targeting (also die gezielte Ansprache der User aufgrund messbarer Verhaltensmuster) und Abrechnung nach Conversions (also Bestellungen, Anmeldungen oder dergleichen).
Durch den Kauf von DoubleClick, einem der weltweit größten Anbieter von Online Marketing Lösungen, hat Google neben Keyword Advertising (kontextspezifische Textanzeigen) auch eine Vormachtstellung im klassischen Display Advertising (Banner, Pop-Ups und ähnliches) erlangt. Damit landen userbezogene Daten aus zwei unterschiedlichen Werbemodellen im selben Speicher: einmal die Klicks aus klassischer Onlinewerbung, die Awareness schafft und ein anderes Mal die Keywords, die einen Informationsbedarf abdecken. Werberherz was willst du mehr?
"Wahnsinnig nützlich, aber zu mächtig! Alternativen braucht die Welt!" Marie Ringler, Grüne Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete in Wien
Auch wenn Datenschutzorganisationen wie etwa Privacy International und neuerdings auch EU-Experten dagegen Sturm laufen: Dieser Praxis ist - mit Ausnahme komplizierter wettbewerbsrechtlicher Verfahren - nicht wirklich beizukommen. Monika Bargmann, die sich bei VIBE!AT für den bewussten Umgang mit dem Internet engagiert, fielen zwar etliche Argumente ein, doch die erreichen die meisten Usern nicht. Der Zauberbesen könnte nur durch einen anderen Zauberbesen ein wenig zurück in die Ecke gedrängt werden. Hätte Google relevante Mitbewerber, wäre nicht nur ein Monopol gebrochen, auch das Interesse von Geheimdiensten, Regierungen und Klickbetrügern würde sich auf mehrere verteilen und Google hätte wieder die Möglichkeit, den Algorithmus für die User anstatt gegen die Parasiten zu optimieren und müsste vielleicht nicht mehr dazu aufrufen, die Klickbetrüger anzuschwärzen.
The Gap hat noch andere Expertenmeinungen zu Google eingeholt. Alle eingetroffenen Statements oszillieren zwischen Bewunderung und einem mehr oder weniger starken Unwohlsein, das in der Vormachtstellung des Unternehmens begründet ist. Der wohl interessanteste Beitrag kam von Franz Manola, der Google schon vor zehn Jahren als Suchtechnologie auf den Seiten des ORF einbauen ließ. Franz Manola war von 1996 bis 2007 Gründergeschäftsführer von ORF ON und ist derzeit in der Generaldirektion des ORF verantwortlich für ein neues Corporate Design und den HDTV-Einstieg des Unternehmens:
Das Phänomen Google lässt sich als Kulminationspunkt von 500 Jahren abendländischem Denken lesen. Mit der Renaissance setzt die Vorstellung ein, dass der Mensch allen Aspekten seines Lebens mit Rationalität begegnen muss und kann. Die Jungs und Mädels von Google sind besessen von mathematischen Meisterdenkertum. Sie sind der unerschütterlichen Überzeugung, dass sich jedes Problem auf eine mathematische Formel verdichten und damit lösen lässt. Sie haben innerhalb von zehn Jahren ein, zwei Hefte mit solchen Algorithmen in einen Unternehmens-Giganten verwandelt, den die Börsianer, ihrerseits besessen von angewandter Mathematik, höher bewerten als jede andere Firma der Welt.
Die vielleicht zentrale Errungenschaft der Renaissance, kulminierend in der bürgerlichen Revolution, ist die Vorstellung, dass das Ich mindestens so hoch zu bewerten ist wie das Wir, dass das Ich einen besonderen Schutz vor dem Wir und Uns verdient. Das Private - von der Privatsphäre bis zum Privateigentum - definiert das Subjekt in der westlichen, marktwirtschaftlichen Demokratie wie nichts Zweites.
Die Abschaffung des Privaten
Die Ironie des Phänomens Google - jedenfalls seiner zentralen Suchalgorithmen - ist die Abschaffung des Privaten, also ein Angriff auf den Kern der Errungenschaften der Moderne. Seit wir vernetzt sind, hinterlässt jeder von uns eine Datenspur, die von allen möglichen Agenturen - von der NSA bis Microsoft - abgelegt und durchforstet wird. Aber davon wissen meist wir selbst nichts, geschweige unser Nachbar. Google aber hat unsere Datenspur nach außen gestülpt. Inklusive der Datenschleimspur, die andere im Zusammenhang mit unserem Namen abgesondert haben. Solange eine noch so fiese Denunziation anonym auf einem noch so obskuren Bulletin Board abgelegt in einem Rechner-Cash zu finden ist, wird sie Google bis in alle Zukunft zu Tage fördern.
You never have a second chance to make a first impression - das war gestern. Heute und in alle Zukunft gilt: Du bist gegoogelt lange bevor du die Chance gehabt hättest, einen unvermittelten persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Wir sind wieder im Dorf gelandet, im globalen Dorf, wo jeder über jeden alles zu wissen glaubt und das Wir wieder entscheidet, was das Ich darf und ganz besonders was es nicht darf. Google verletzt potenziell die Privatsphäre von jedem einzelnen in einem noch vor zehn Jahren unvorstellbaren Ausmaß. Im kalifornischen Mountain View ist - nicht zum ersten Mal - ein Weltformel-/Meisterdenkerkonzept an die Wand seiner eigenen Widersprüchlichkeit gefahren. Zu Ende gedacht, ist das kein mathematisches, sondern ein politisches Problem. Wie es damals der Feudalismus war, gegen den sich die Ichs erhoben haben.
Franz Kröpfl, Leiter der Abteilung Innovation Marketing bei mobilkom austria, fasste folgende drei Punkte über Google zusammen:
- Einer der wenigen Angreifer, der zum Angegriffenen wurde. (Google verteidigt seine Position nach wie vor erfolgreich.)
- Nach wie vor innovativ; "Geht nicht" gibt es nicht, sofern es sich um Dinge handelt, die die Welt braucht. Um zu forschen, werfen sie auch alte "Don'ts" über Board
- Was sie machen, machen sie mit vollem Ernst und haben scheinbar auch noch Spaß dabei (Zukunft und Wachstum sind nicht trennbar).
Auf Betreiben von 8asians entfernte die Social Bookmarking Seite Mister-Wong dieser Tage den lachenden Asiaten aus dem Logo. Der erfolgreiche Dienst mit ernsthaften internationalen Expansionsplänen sah sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert und reagierte mit nicht-metaphorischer Kopflosigkeit. Ernie (nicht der aus der Muppets Show, sondern der von den 8Asians) hat mit seinem Posting quasi die Logolawine losgetreten, indem er Mister Wong als unehelichen gemeinsamen Sohn von Uncle Ben, Jeeves und dem Ask.com Butler bezeichnete:
I mean sure, it's based in Germany, which is practically a whole world away. Maybe people aren't as sensitive to political correctness as they are here in North America. But seriously, one of their web badges has the slogan "ping pong, king kong, Mister Wong." Which I, of course, interpret as "ching chong, Mister Wong" and get INCREDIBLY FUCKING ANGRY. It's like Jeeves, the ask.com butler and Uncle Ben had a stereotypical illegitimate Asian son.
Dieser Sohne musste nun eben nicht nur Federn, sondern gleich das ganze Konterfei lassen. Kai Tietjen, Gründer von Mister-Wong, nimmt zur Kopflosigkeit folgendermaßen Stellung:
It was never my intention, nor that of my company, to hurt anyone with the use of the illustration. We are extremely sensitive to this issue and the feelings of others. We removed the original illustration off the top of the page some time ago, when the issue first arose, in hopes that no one would be offended by it any longer. Though this was met with great disappointment from many of our users, we felt it was the right thing to do.
Ich würde den Betreiber niemals gewollten Rassismus unterstellen - gewundert hab ich mich allerdings schon, warum gerade ein Asiate das Logo ziert. Mich hat die Optik irgendwie immer an diese Asia-Fast-Food Kette erinnert, die ebenfalls mit einem hochfröhlichen, stilisierten Vertreter aus asiatischen Gefilden wirbt. Insofern weine ich dem Logo auch keine Träne nach, solange die Plattform selbst weiterhin so gut funktioniert wie bisher.
Eng verknüpft scheint die Wing-Wong Problematik mit dem Ching-Chong "racial slur", einer abwertenden Bezeichnung für Asiaten, die vor allem im anglo-amerikanischen Bereich verbreitet ist und auf die Tatsache zurückgeht, dass die meisten Nicht-Asiaten die tonalen Unterschiede der einzelnen Silben nicht unterscheiden können... also klingt für das barbarische Ohr der weißen Teufel kurz gesagt alles eben wie "ching chong", die Wikipedia weiß mehr darüber - schon ganze Bands mussten deswegen ihren Namen wechseln (aber "Lurch" klingt sowieso besser):
On February 14, 2007, "Ching Chong Song" performed at New York University. Members of NYU's Asian Heritage Club demonstrated, and the band agreed to change its name to Church of Lurch.
Die Amis stehen bekanntlich bedingungslos auf solche Verlagerungen rassistischer Probleme in die rein sprachliche Ebene - Stichwort PC (political correctness). Als professioneller Buchstabenmanipulator hab ich eine sehr zweischneidige Meinung dazu: dass Wörter wie "Ni**er" nichts im Sprachgebrauch verloren haben, dürfte klar sein - aber wenn die Putzfrau zur Reinigungsfachkraft wird, dann fühlt man sich in die schlechte alte K&K-Zeit zurückversetzt: Österreich hat ja eine beeindruckende Tradition an Titelvergaben vorzuweisen, nicht wahr, verehrtester Herr Hofrat? Und die Schaffung sprachlicher Tabus halte ich tendenziell für den Feind des offenen Dialogs.
Der Meinung des Sichelputzers, dass die Entfernung des Logos ein Fehler war, kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Man mag die Reaktion für übertrieben halten, aber wenn die Lawine erst mal losgetreten ist, hat's keinen Sinn mehr, sich dagegen zu stemmen. Spannend bleibt allerdings die Frage, ob vielleicht demnächst überhaupt eine generelle Umbenennung erfolgt:
Ich mutmaße, dass damit auch ganz genau die komplette Marke "Mister Wong" betroffen ist. Wie transportiere ich die durch das Logo umgesetzte Botschaft des asiatischen Typen, der als Identifikation für den Dienstleister selbst dient? Ein absolut spannendes Thema!
In einschlägigen Kreisen wird übrigens bereits heftig spekuliert, dass die Konkurrenz das Feuerlein gelegt und geschürt haben könnte - anscheinend gibt's klare Verbindungen zwischen den 8Asians und Yahoo, für die Wong wiederum eine ernst zu nehmende Konkurrenz am Social Bookmarking Sektor darstellt. Andererseits wissen wir ja längst, dass auch schlechte Werbung gute Mediencoverage bringt. Aber wie auch immer, eines hab ich vom Hip Hop definitiv gelernt: ungestraft dissen darf man nur die eigenen ethnische Gruppe. Also wenn ich mal eine Social Bookmarking Plattform bau, dann werd ich sie wohl "Weißwurstfresse", "Bleichgesicht" oder "weißer Teufel" nennen...
Robert Lender sucht österreichische Online-Publizisten, die schon einige Dekaden Zeitgeschichte persönlich miterlebt haben. Kurt liegt derzeit in Führung - er bringt 63,5 Jährchen auf die Zeitwaage.
Angeregt von Bernd Röthlingshöfer, der denselben Quest in Deutschland begonnen hat, will Robert den/die älteste/n Weblog-Schreiber der Alpenrepublik ermitteln:
Die/der Älteste/r erhält von mir eine Einladung ins Cafe Sacher (oder in ein anderes Café in Wien) und natürlich einen Blogeintrag. Wer nicht nach Wien kommen kann, der/dem schicke ich eine Sachertorte/Imperialtorte/Hernalser Torte (freie Wahl) und ein Päckchen Kaffee/Tee Auf alle Fälle muss die Person älter als 40 sein (ratet mal wie alt ich bin.
Ich bin ja mal sehr gespannt, wer sich meldet. Beeindruckende Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass mit 80 noch lange nicht Schluss ist mit dem Online-Tagebuch: als älteste Bloggerin Europas gilt Maria Amalia López. Kein Wunder, dass die Dame in ihrem Heimatland mittlerweile Kultstatus genießt, beginnt ihr erster Blogeintrag doch mit den legendären Worten:
Freunde des Internet, heute ist mein 95. Geburtstag. Ich habe Geburtstag und mein geiziger Enkel hat mir ein Blog geschenkt.
Weitere Infos zur spanischen Blog-Oma gibt's bei Yahoo - das wirklich geniale daran: das Interesse an Frau López speist sich keineswegs aus bloßem Kuriositätsfaktor, regelmäßige LeserInnen schätzen den Stil und die authentischen Schilderungen der nach diversen Zeitungsberichten landesweit bekannten Omi. Die Einträge würden mich sehr interessieren, allerdings verstehe ich leider kaum Spanisch.
Noch ein paar Jährchen drauf legt Olive Riley: 108 Jahre alt ist die Australierin, und sie weiß hochspannende Geschichten zu erzählen, die Mike für sie nicht nur transkribiert, sondern teilweise auch als Videos ins Netz stellt:
Ich muss zugeben, dass mir soeben erst klar geworden ist, was für ein fantastisches Tool das Internet bzw. die Blogosphere sein kann, um den Wissenstransfer zwischen Generationen anzukurbeln: eben nicht nur im One-Way-Verfahren, sondern im Dialog: die Rückmeldungen, welche die beiden Autorinnen von ihrer Leserschaft bekommen, beweisen ein riesiges Interesse, dass zweifellos wiederum motiviert, ein solches Projekt fort zu setzen. Ich bin ja sehr neugierig, wie lange der Geburtstag des ältesten AT-Bloggers bzw. der ältesten AT-Bloggerin zurückliegt. Bitte einfach bei Robert melden!
| 4. Juli 2007 | bis | 29. Juli 2007 |
Der Herr Fachinformatiker ruft zum Blog-Karneval auf und möchte wissen "Was bedeutet SEO für dich?" Eine untriviale Frage, denn zwischen White- und Blackhat ist so ziemlich alles möglich.
Aber mal grundlegend: Suchmaschinenoptimierung beginnt beim Konzipieren einer Seite. Wer aus monetären Gründen bloggt, wird sich gut überlegen, für welche Zielgruppe er sein Angebot wie gestaltet. Weiter geht's mit der richtigen Webserverkonfiguration, sauberem, validiertem Quellcode, den richtigen Metatags und ansprechend gestaltetem, einzigartigem Content. Und wo endet SEO? Das weiß niemand so genau - denn außer den aufgezählten "ehrlichen" Methoden existieren zahlreiche Hintertreppchen und evil tricks, die Seiten in den Ergebnissen der Suchmaschine(n) pushen sollen.
Blackhat und Whitehat-SEO:
(von GreenSmilies.com)
Von praktischer Bedeutung sind dabei vorwiegend Tante Gugl, Onkel Yahoo und der vorwiegend in Amerika lebende Neffe MSN. Wenn's mit diesem Trio klappt, dann funktioniert es idR auch mit allen anderen Suchmaschinen. Alle drei Kandidaten, insbesondere das große G, haben ein Interesse daran, jene Seite möglichst weit vorne zu listen, die für User interessant sind. Affiliate Marketeers dagegen wollen ihre Linkfarmen pushen und möglichst viele Besucher auf ihre eigentlich gar nicht so besonders attraktiven Seiten locken.
Solange sich der Webmaster am Besucher orientiert und lediglich für die technischen Grundlagen sorgt, die erforderlich sind, um eine Seite zu optimieren, könne man genau genommen noch gar nicht von SEO sprechen, so der Tenor vieler Whitehats. Dort jedoch, wo Links nur platziert werden, um Suchmaschinen Relevanz vorzutäuschen, beginnt das weite Feld der SEO-Manipulation. Die Linkmieterei, die sich in den letzten Monaten dank Anbietern wie Text-Link-Ads und Linklift für viele Blogger sogar zu einem wesentlich profitableren Geschäft als Adsense entwickelt hat,
Ich kann den Experimentalcharakter dieser Seite nur betonen. Geschätzte 10 Prozent meiner Blog-Zeit verbringe ich mit Tätigkeiten, die entweder direkt oder indirekt der Suchmaschinenoptimierung dienen - aber eben nicht nur. Die Grenzen sind ja bekanntlich fließend: während Kommentare ohne erkennbaren Sinn und Zweck als Spam bezeichnet werden, bringen ja auch konstruktive Beiträge Linklove - sogar online-Kommunikation über Blogs hat also gewisse SEO-Aspekte.
Ich bekomme allerdings - glücklicherweise - nur 50% meiner Besucher über Suchmaschinen, was mich nicht besonders abhängig macht von den nachdrücklich durchgesetzten Vorstellungen G's, wie denn eine Webseite gefälligst zu funktionieren hat. Dass Algorithmen nie perfekt filtern, liegt in der Natur der Sache - und sowohl die Counter-Measures als auch die Tricks der Blackhats werden immer avanciert. So wie ich die Sache einschätze, wird das Rennen wohl noch eine Weile weitergehen; hier auf datenschmutz werde ich mich jedenfalls auch in Zukunft auf validen Code, (hoffentlich primär für human readers) interessante Stories und die eine oder andere Social Bookmark konzentrieren. Die Vorstellung allerdings, dass sich alle Webmaster brav an sämtliche Vorgaben halten, ist eine Illusion: dazu wird mit Online-Werbung mittlerweile schon viel zu viel Geld umgesetzt... aber wer übertreibt, fliegt aus dem Index, dafür gibt's inzwischen genügend Beispiele: also würd ich meinen, Grayhat-SEO ist in erster Linie eine Frage der persönlichen Risikobereitschaft.
Im Übrigen freue ich mich sehr über SEOigg, wo man täglich interessante Hinweise und Tipps zum Thema bekommt. Ein Keyword, das mir für datenschmutz übrigens besonders am Herzen liegt, ist Medienkultur; da hab ich's bisher aber grade mal auf Gugl-Seite zwei, Position drei geschafft. Mal sehen, wie's damit weiter geht.
Bisher ebenfalls mit an Bord beim Karneval: RSSjunkie, Korsti, Programmieren macht sexy und Baynado.
Alphabetisch sortiert, fein poliert und bereit zur freien Entnahme. Ich glaub, jetzt hab ich die längste. Von Japan über die USA bis Deutschland werden Aggregatoren via Ping informiert, wenn im Blog ein Baum umfällt. WordPress hat die Ping-Funktionalität praktischerweise ja gleich eingebaut.
Die Services, die man eintragen möchte, wählt man einfach aus unten stehender Liste aus und trägt sie dann im WP-Admin unter "Einstellungen -> Schreiben" bzw. "Options -> Write" ins unterste Feld ein, eine Zeile pro Pingdienst. Aber Achtung: mehr als 10 sollten's nicht sein, denn wie Christian richtig schreibt:
Wenn ihr einen Artikel schreibt und ihr einige Dienste in eurer Pingliste habt, werden diese von eurem neuen Artikel informiert. Dadurch wird eure Website bekannter und auch neue User finden euch. Anpingen verzögert allerdings die Zeit bis zum veröffentlichen des Artikels, ihr solltet nicht zuviele Dienste in der Liste, maßvolles handeln ist hier angebracht, bzw. Qualität statt Quantität.
Einige der in der ursprünglichen Liste angeführten Services existieren mittlerweile nicht mehr, dafür sind etliche neue hinzugekommen. Ich habe die Auflistung korrigiert - die Gesamtlist umfasst nun 33 Ping-Adressen, die empfohlene Auswahl habe ich ebenfalls aktualisiert.
Als taugliche Auswahl für deutschsprachige Blogs haben sich folgende Ping-Services erwiesen:
http://ping.wordblog.de/
http://ping.blogstart.de/
http://xmlrpc.blogg.de/
http://ping.feedburner.com
http://api.my.yahoo.com/RPC2
http://blogsearch.google.de/ping/RPC2
33 Ping-Services: Gesamtliste
http://rpc.twingly.com/
http://www.syndic8.com/xmlrpc.php
http://api.feedster.com/ping/
http://api.moreover.com/ping/
http://api.my.yahoo.com/RPC2
http://audiorpc.weblogs.com/RPC2
http://bblog.com/ping.php
http://blog.goo.ne.jp/XMLRPC
http://blogbot.dk/io/xml-rpc.php
http://blogpingr.de/ping/rpc2
http://blogsearch.google.de/ping/RPC2
http://ping.fc2.com/
http://ping.feedburner.com
http://ping.feeds.yahoo.com/RPC2
http://ping.kutsulog.net/
http://ping.namaan.net/rpc
http://ping.weblogalot.com/rpc.php
http://ping.wordblog.de/
http://pinger.blogflux.com/rpc/
http://rcs.salon.com/RPC2
http://rpc.blogcatalog.com/
http://rpc.bloggerei.de/ping/
http://rpc.icerocket.com:10080/
http://rpc.odiogo.com/ping/
http://rpc.pingomatic.com/
http://rpc.reader.livedoor.com/ping
http://rpc.technorati.com/rpc/ping
http://rpc.weblogs.com/RPC2
http://www.bloglines.com/ping
http://www.blogpeople.net/servlet/weblogUpdates
http://www.feedblitz.com/f/f.fbz?XmlPing
http://www.feedsky.com/api/RPC2
http://xping.pubsub.com/ping/
Die aktuelle datenschmutz Titelstory dreht sich um den Aufkauf Feedburners durch Google: Der Suchmaschinenriese freut sich über neues Datenfutter, die User des beliebtesten RSS-Aggregationstools bekommen ab sofort die vormals kostenpflichtigen Pro-Features gratis. Für Ö1 matrix hab ich die folgende Kolumnen zum Thema "Zukunftsperspektiven" verfaßt (erschienen auf oe1.orf.at im Juni); damals war allerdings noch nichts bekannt über den Wegfall der monatlichen Gebühren für professionelle Statistiken.
Was vor wenigen Tage noch als Gerücht im Netz kursierte, bewahrheitete sich am 23. Mai: Google erwart für 100 Millionen Dollar die RSS Aggregator-Plattform Feedburner und stärkt damit vor allem sein Blog-Portfolio.
Die Reaktionen der Netzgemeinde auf die Neuerwerbung Googles fielen großteils verhalten euphorisch aus - wurde früher jede Businesstaktik des Quasi-Monopolisten frenetisch bejubelt, so gestaltet sich der Applaus immer endenwollender, seit der Suchmaschinenbetreiber sich vom smarten Platzhirsch zur netzumfassenden Krake entwickelt hat. Die Neuerwerbung passt natürlich ganz hervorragend ins Web 2.0 Konzept, denn mit Feedburner stehen Google plötzlich ganz neue Möglichkeiten der Monetarisierung des Adsense-Produkts zur Verfügung.
Feedburner zählt zu den Sonnenkindern des Web 2.0 Booms: die Betreiber konzentrierten sich seit der Gründung im Jahr 2003 voll und ganz auf die Aggregation von RSS-Feeds. Dieses plattform-unabhängige Format macht Webseiten maschinenlesbar, erlaubt den problemlosen Austausch von Inhalten zwischen verschiedenen Domains und wird zunehmend dazu benutzt, um die Beiträge aktualitätsbezogener Webseiten zu abonnieren. Besonders rasante Verbreitung fand das Format in der Blogosphere, stellen die Feeds doch eine ideale Möglichkeit dar, um Weblogs bequem zu abonnieren: ein Besuch der Homepage bei jedem neuen Beitrag entfällt.
Theoretisch könnte die Feedfunktion auch benutzt werden, um nur kurze Teaser anzubieten, die jedoch bei den LeserInnnen meist auf wenig Akzeptanz stoßen - die überwiegende Mehrzahl der Blogautoren bietet ihren LeserInnen daher werbefreie Volltextversionen an. Jede moderne Content-Managment Software kann solche Feeds generieren. Der Feedburner-Server schaltet sich zwischen den Originalfeed und die Abonennten und stellt dem Seitenautor eine ganze Reihe nützlicher Features zur Verfügung, dazu gehören genaue statistische Auswertungen ebenso wie umfangreiche Zusatzfunktionen. Viele Pro-Blogger leiten ihren RSS-Feed komplett über die Plattform um und nutzen die kostenpflichtige Version, die eine noch genauere statistische Auswertung ermöglicht.
Manche Experten sehen bei Google beginnende Probleme mit den Economies of Scale: zwar verfügt die Firma über die wohl beeindruckendste weltumspannende Serverarchitektur des gesamten Netzes, doch blieben viele Erwerbungen der letzten Jahre mehr oder weniger unbeachtet liegen. Die ehemals florierende Weblog-Plattform Blogger dümpelt seit dem Aufkauf im Web 1.0 Status dahin, myspace scheint weitgehende sich selbst überlassen zu bleiben - Analytics allerdings erfuhr kürzlich ein umfassendes Update, das kommerziellen Statistik-Tools nahezu die Existenzgrundlage entzieht.
Die Zukunft von Feedburner allerdings steht wohl kaum in den Sternen, denn strategisch betrachtet stärkt sich Google gleich an mehreren Fronten. Den Fehler, zwangsweise Werbung in den Feeds schalten, sollte die Firma freilich nicht machen, denn diese wäre die Markteintrittschance für eine neue RSS-Plattform: die wenigsten Autoren stellen ihre Arbeit gerne freiwillig Dritten als Werbefläche zur Verfügung. Wahrscheinlicher ist wohl, dass Google sein Adsense-Revenue-Share Modell anpasst und Webmaster an den Werbeeinnahmen beteiligt. Bereits jetzt stellt Feedburner eine komfortable Möglichkeit zur Verfügung, ab 500 Abonennten Werbung im Feed zu schalten: eine Verheiratung dieses Features mit Adsense ist daher mehr als wahrscheinlich.
Zum Zeitpunkt des Aufkaufs verwaltete Feedburner rund 420.000 RSS-Adressen. Neben dem zusätzlichen Werbekanal wird Google wohl auch die Chance nützen, die hauseigene, aber bisher kaum genutzte Blogsuche mit den indizierten Inhalten aufzupolieren. Dagegen nehmen sich die Blog-Portfolios von Microsoft und Yahoo geradezu bescheiden aus: bleibt nur abzuwarten, ob es Google demnächst auch noch gelingt, sich Technorati einzuverleiben - mit dem Kauf der größten und populärsten Weblog-Aggregationsplattform wäre ein weiterer Abschnitt im Monopol-Puzzle komplett.
Weiterführende Links:
Ein Foto von Jake Appelbaum, monchrom Artist in Residence, sorgt für ein Aufruhr in Hongkong. Blogger und Interlocals-Gründer Oiwam Lam verlinkte von seinem Blog auf das erotische Portrait und soll dafür entweder 400.000 HK Dollar bezahlen oder ein Jahr ins Gefängnis gehen.
interlocals.ne will Medienaktivisten vernetzen, deren Muttersprache nicht Englisch ist: dazu übersetzen verschiedene freiwillige Mitarbeiter die einzelnen Texte in diverse Sprachen. In einem aktuellen Interlocals-Beitrag berichtet Oiwan über die verschiedenen Reaktionen. Der ursprüngliche Beitrag mit dem Foto ist nach wie vor online bei Inmediahk.net. BoingBoing schreibt zu der Causa:
Interlocals.net founder and inmedia.hk activist Oiwan Lam decided, as an act of electronic civil disobedience, to protest the Obscene Articles Tribunal of the Honk Kong Television and Entertainment Licensing Authority (TELA) and their classification of articles as obscene for publishing hyperlinks to erotic photography on FlickR and other sites. Lam then wrote an essay criticizing the Authority and linking to a tasteful photography found by searching the keyword 'nude' on FlickR. The result was a quick response from the TELA, and the classification of the article as a Class II indecent article by the Obscene Articles Tribunal. The maximum penalty is HK$400,000 and 12 months in jail.
Auf FlickR gibt's das Foto für Österreicher und Deutsche indessen nicht mehr: dass die größte Foto-Community in ganz besonders vorauseilendem Gehorsam auf die strengen Jugendschutzbestimmung Deutschlands eingeht, ist bekannt - offizieller Grund für die Einstufung des Accounts auf "unsafe" und die Nichtabrufbarkeit auch aus Österreich sind laut FlickR-Besitzer Yahoo besagte deutsche (!) Jugendschutzgesetze. Damit hätten wir hier wohl einen jener seltenen Fälle, wo die grenzüberschreitende Wirkung des Netzes nicht Informationen, sondern Zensurstrategien von einem Land ins andere durchsickern lässt.
FlickR jedenfalls stufte gleich mal Jake Appelbaums gesamten Account als "unsafe" ein: der Fotokünstler hat dort einige tauend Bilder online, von denen es sich bei den wenigsten um (schwer harmlose) Erotik-Aufnahmen handelt. Aber FlickR sieht die Sache mit den nackten Frauenbrüsten anscheinend wesentlich enger als die Kronenzeitung - und so unangenehm die ganze Sache für Miss Lam nun auch sein mag, aus der Sicht des Fotografen bestätigt diese unerfreuliche Anekdote einmal mehr: mit dem Hosten seines eigenen künstlerischen Outputs bei Drittanbietern wie FlickR (oder auch myspace, Blogger, Wordpress.com, youtube... insert web 2.0 application here) liefert man sich deren Gutdünken auf Gedeih und Verderb aus. Wer am Web 2.0 partizipieren will, ohne bloß zensurgefährdeter, mundtoter User der Big Player zu sein, der kommt um selbst gehostete Plattformen und eigene Server einfach nicht herum.
Links, könnte man sagen, gehören durchwegs zu den Kern-Features (oder Core Values) des World Wide Web. Sie bahnen dem menschlichen Besucher nicht nur Wege von Site zu Site, sondern dienen den diversen Suchknechten zugleich als Relevanzbewertung. Das wissena auch Spammer - doch das unselige Nofollow stellt den erbärmlichsten Lösungsansatz dar. Hier am Blog hab ich Dofollow seit Beginn laufen; ich will ja niemandem vom Kommentieren abhalten. Das wär ja fast wie Händeschütteln mit Latexhandschuhen... für alle Zweifler hier also 9 gute Gründe für's Abschalten des kleinen Nofollow-Teufelchens.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Es ist schon eine Crux mit vertanen Chancen, medialer Moral und den Google'schen Gesetzen: da brechen endlich mal die erhofften Horden von Surfern über's eigene Blog herein, und dann wollen sie alle nur nackte Tatsachen sehen - und wer auf seinem Blog den Youporn Metadialog aufrechterhält, aber keinerlei Amateure in eindeutigen Posen anzubieten hat, der hofft natürlich, den Sexualtrieb seiner Besucher mit Bannern in Geld zu verwandeln. Und auch wenn der youporn-Hype wieder abflaut: Nachfolger wie Yuvutu stehen bereits in den Startlöchern.
Wer möchte seine Stammleser schon mit "nackten Titten", "geilen Pornos in Spielfilmlänge" und bekannt grell-blinkenden Bannerchen nerven, die das eigene Blog aussehen lassen wie ein virtuelles Amsterdamer Rotlichtviertel? Das ist nicht nur für halbseidene Produkte interessant, doch dazu später mehr. Erstmals muss an dieser Stelle dringend gesagt werden, dass der große Erfolg von youporn und porntube selbstverständlich eine ganze Latte Nachahmer auf den Plan gerufen hat - wie jede Internetplattform, deren Wachstumsraten "Erfinder" inspirieren. Die Grobe Kelle jedenfalls empfiehlt Yuvutu: dort gibt's natürlich von der "young shaved pussy" bis zum "old bearded pirate" das volle Programm - auf den ersten Blick unterscheidet sich Yuvutu durch die Portalseite, die mit dem G'satzerl selbst österreichisch betrachtet Volljährige außen vor lassen will:
Submit and upload your adult videos here. Funny videos of an adult nature are welcome as well as hardcore amateur porn movies. Thousands of movies can be viewed for free. Be warned: many videos contain graphic sex scenes! Why not show the world your sexual prowess and upload a video now! All participants are at least 21 years of age.
Auf den zweiten Blick (nein, ein anständiger Webmaster würde sich sowas niemal ansehen!) zeigt sich, dass Yuvutu dem Minimalismus-Konzept von Youporn die gute alte Zentralperspektive entgegen setzt: statt einer Liste von Videos wird hier gruppiert nach den Hottest, Most Viewed, personal Favorites und so weiter. Letzere lassen bereits vermuten, dass Yuvutu über ein Login verfügt - die ist auch notwendig für's Mitspielen in den Blogs und im Forum, das derzeit allerdings primär vor Supportanfragen strotzt. Ähnlich wie youporn gilt's, Sherlock Holm'sche Kombinationsgabe an den Tag zu legen und das gute alte komm! com hintendran zu hängen, und schon ist man dort. fremdgegangen erklärt auch gleich, wie man die Videos lokal abspeichern kann. Aber nach diesem kleinen Yuvutu-Exkurs wieder zurück zum Thema Konsumenteninformation.
Das Zauberwort lautet alles: Werbeselektion: "keine Banner für Pros und Stammleser, viele und ganz spezielle für triebgesteuerte Such-Amateure", so die scheinbare Erfolgsformel. Was Foren häufig über die Registrierung lösen (nur eingeloggte User bekommen die werbefreie Version der Seite zu sehen), ließe sich im Fall von Blogs technisch zwar problemlos realisieren - im Gegensatz zu Diskussionsboards sind die meisten User auf Weblogs aber niemals eingeloggt. Zielführender ist daher eine Unterscheidung nach Referrer: wer (mit bestimmten Suchbegriffen) von Google, Yahoo und Co. auf einen Blogeintrag stößt, dem kann man, so die Grundidee mehr Werbung zumuten als den "Stammlesern", die direkt zugreifen.
Der Aufgabe, Besucher zu erkennen, die von einer Suchmaschine kommen, widmet sich Landing Sites. Es erkennt die gängigsten Web-Recherchehelfer und bietet den Besuchern nebem dem Highlighting der Suchbegriffe auch noch gleich eine Reihe thematisch verwandter Artikel an - molto bene für die Erhöhung der Klickrate. Frank Bueltge hat eine deutsche Version des Plugins erstellt.
Aufbauend auf dem Landing-Sites Ansatz bieten sich nun verschiedene Ansätze an, Werbung gezielt anzuzeigen. Eint etwa schlägt vor, nach Suchbegriffen zu filtern und so das passende Lockangebot zu eruieren. Nach Roberts Basics Beitrag über selektive Anzeige von Werbung hat Robert Schneider eine auf Search Hilight aufbauende Lösung für die Filterung präsentiert. Nicht Wichtig machte sich Gedanken über eine Single-Script ohne Extra-Plugins.
Im Kontext der youporn-Trafficwelle veröffentlichte Eint zum beliebten Amateur-Video-Portal gleich einen ganzen Youporn-Guide für Dummy Webmaster und bringt die Sache recht lakonisch auf den Punkt:
Also gibt es kaum eine Ausrede, wieso man diesen youporn-Traffic nicht zu Geld machen sollte. Damit ist allen etwas gutes getan. Die Suchenden finden eventuell interessante Angebote, der youporn-Blogger verdient sich ein goldenes Näschen und der Traffic ist sinnvoll verwertet. Youporn ist eine wahre Goldgrube, schöpfe sie aus!
Wer geeignete Partner- udn Affiliate-Marketingprogramme zur lückenlosen Versorgung mit schmutzigen Lockreizen, sucht, findet in diesem Artikel die passenden Tipps. Ich würde aber losgelöst von der Causa Youporn/Porntube durchaus weiter gehen und meinen, dass über die bloße Einzefall-Applikation hinaus sich die Frage nach der Referrer/Kontent/schlagwortabhängigen Suchfunktion durchaus für ein dediziertes Plugin, aufbauend auf dem genannten Landing Sites, eignet. Ein solches Plugin sollte im Admin-Interface idealerweise die Möglichkeit bieten, für die Anzeigen von Werbung mehrere Bedingungen zu konfigurieren, á la: Zeige diese Werbung nur dann an, wenn Besucher
Mit den Bordmitteln von WordPress kann man zwar problemlos die Variable post_id des betreffenden Beitrags abfragen und in Kombination mit der Referrer-Funktionalität von Landing Sites die gewünschte Werbung nur im Beitrag x, y, z anzeigen und zusätzlich nur dann, wenn die Besucher über Suchmaschinen kommen. Allerdings erfordert dies ständige Eingriffe in die Templates, da in der Abfrage die Post-IDs gegebenenfalls aktualisiert werden müssen. Bei mehreren Themen (Blog-Marketing besteht angeblich ja doch nicht *nur* aus Cpt. youporn) wird's dann schon leicht mal etwas unübersichtlich - für Webmaster, die einzelnen Adressen betreiben, welche unter verschiedenen Keywords gelistet sind, kann's hochgradig Sinn machen, den BesucherInnen, die über die Suche nach "Hundefutter" auf die Seite kommen andere Ads zu zeigen als denen, die mit "Mountainbike" auf derselben Seite gelandet sind.
Insofern wär ein solches Plugin eine echte Bereicherung für Hardcore-Conversion Blogger, allerdings keine ganz triviale Aufgabe, da idealerweise Referrer, Suchbetriffe, Beitrags-IDs und Werbeschaltungen simultan in einem Regelset verwaltet werden müssten. Mit anderen Worten: die Funktionalität von WP-Ads, einem praktischen Banner-Rotator, sollte in dieser eierlegenden Wollmilchsau also auch noch integriert sein.
Bis dahin hilft allerdings bloß fröhliches Basteln an den Templates zur "Verschonung" der Stammbesucher vor Pornobannern: wobei querlinkende Pro-Blogger diese ja eigentlich ruhig zu Gesicht bekommen sollten. Aber ein Plugin, das Blogger und reine Leser unterscheidet, wird wohl noch länger auf sich warten lassen.
So, Google hat's nun doch geschafft, vor Microsoft die meistbesuchte Webpage der Welt zu sein - so sah's aus im März 2007 (via BasicThinking, GoogleWatchBlog): Google: 528 Millionen, Microsoft: 527 Millionen, Yahoo!: 476 Millionen.
Aber Microsoft verdient weiterhin am meisten, wobei's mit dem Umsatz/Gewinnverhältnis bei Google trotz aller Aquisitionen ja wirklich nicht schlecht aussieht:
Gewinn Q 1/07: Microsoft: 4,93 Mrd USD, Google: 1 Mrd USD
Umsatz Q 1/07: Microsoft: 14,4 Mrd USD, Google: 3,66 Mrd USD
Und zum State of the Blogosphere wär zu sagen, dass derzeit angeblich rund 15,5 Mio aktive Blogs (upgedatet in den letzten 90 Tagen) existieren, meint technorati.
Kein Roter Hut mehr für Max - der ist nämlich umgezogen auf's brandneue red seo blog. Wie gewohnt gibt's massig hilfreiche Optimierungs-Tipps.
In Zeiten des Web 2.0 besitzen möglichst einfache Erklärung einen manchmal unwiderstehlichen Charme - Blip.TV versorgt alle RSS-Newbies in guter alter Zettel-und-Stift Didaktik mit den essentiellen Fakten über RSS, das beliebteste Syndikationsformat des Internet. Fazit: "RSS compared to a website is like netflix compared to your local videostore." [Was? Netflix hat eine schmuddelige Porno-Ecke?]
Nicolas Negroponte's XO-Projekt sorgt für Online-Gesprächsstoff: Entwicklungsländer sollen mit billigen mobilen Rechnern versorgt werden. Ein Bestandteil des Konzepts sind sogenannten Mesh-Netzwerke, bei denen alle Teilnehmer zugleich als Relais-Stationen fungieren, sozusagen als Ersatz für fehlende Internet-Zugriffsinfrastruktur - man bezeichnet solche Strukturen auch als Ad-Hoc Netzwerke. Im Trend Magazin 03/2007 findet sich ein Interview mit Negroponte, der sich als ausgewiesener Frosch-Freund entpuppt:
Damit steht das Internet an Orten zur Verfügung, die wir früher nie mit diesem Medium in Verbindung gebracht hätten," zeigt sich Negroponte begeistert und vergleicht das Mesh-Netzwerk mit einem Teich voller Seerosen und Frösche: "Erst blüht eine Rose, dann drei, dann zehn, und schließlich ist der ganze Teich mit Seerosen bedeckt. Die meisten Leute mögen diese Metapher, vergessen dabei aber auf die Frösche. Die Frösche sind der Schlüssel für die kommenden Jahre. Sie hüpfen von Access Point zu Access Point und erzeugen damit ein Mesh-Netzwerk.
Das gute alte 20-Questions Spiel ist eine Klassiker der KI-Forschung - Hier kann man in vielen Sprachen spielen, Deutsch ist ebenfalls dabei: und die Trefferquote des permanent "lernenden" Scripts ist mittlerweile recht beachtlich.
Yahoo benutzt die Metapher der "Pipes" für seinen mächtigen RSS-Rekombinations Service. Manchmal müssen Rohre aber ausgewechselt oder gereinigt werden - und in einem solchen Fall ruft man den Installateur.
Bei Bloglines ist gerade eine solche Wartungspause in Effekt: und anstatt eines langweiligen "Service Currently not available" präsentiert man den Lesern dieses Bild:

In Detail, gewiss, aber eines von vielen, die den Service zu einem der sympathischsten RSS Reader machen.
Pipes nennt Yahoo sein neuestes Spielzeug, das in der Mashup-Querstrich Content-Aggregation Szene derzeit für Aufregung sorgt. Die Oberfläche der Online-Applikation ähnelt einer Mindmapping-Software - aus verschiedenen Informationsquellen und bedingten Abfragen baut sich der Benutzer seine eigenen Content-Kombinationen zusammen.
Als Quellen dienen FlickR Fotos, Yahoo-Suchergebnisse beziehungsweise jeder RSS-Feeds. Die einzelnen Elemente werden mit Operatoren, Annotationen und/oder Filtern verbunden und liefern die kombinierten Daten schließlich wiederum in Form eines Feeds zurück. Hört sich abstrakt an? Ist es auf den ersten Blick auch...
Aber weil, wie Herr Flusser stets schrieb, die Anhäufung von Wissen im Zeitalter der Datenbanken ohnehin obsolet geworden ist, empfiehlt sich auf jeden Fall "Learning by Doing" - beim "Reverse-Engineering" bestehender Pipelines versteht man am schnellsten die Funktionsweise des Werkzeugs. Programmierkenntnisse sind dazu vorerst nicht notwändig, eine gewissen Einarbeitungszeit schon. Der Begriff "Pipe" stammt aus der *nix-Welt: Unix und Linux Benutzer fassen in einer sogenannten "Pipe" mehrere Kommandozeilentools zusammen - quasi ein Makro mit mächtigen Einstellmöglichkeiten.
Und diese Mächtigkeit hat das Yahoo-Projekt mit seinem Namensgeber gemein. Im Handumdrehen lassen sich Abfragen realisieren wie:
Der persönliche Nachrichten-Feed etwa bezieht nicht nur eine beliebig große Anzahl von Quellen ein, sondern eliminiert auch Dubletten:
In this example a variety of sources are queried with the same term. The results are merged into one feed. Next, all the items are sorted by what was most recently published. Finally, any items with identical titles are removed and a new RSS feed is born!
Die Bedienung hat die Yahoo-Experimentalabteilung sehr gut hinbekommen - Drag-and-Drop und grafische Bedienung erleichtern den Einstieg ungemein. Der spaßhafte Charakter sollte keineswegs über die Mächtigkeit des Werkzeugs hinwegtäuschen: in der Tat spielt Pipes mehr Stückerl, als man auf Anhieb vermuten würde. Ein mehr als netter Nebeneffekt besteht in der didaktischen Qualität des Werkzeugs: anschaulicher lässt sich das Thema "Content Syndication" nun wirklich nicht illustrieren. Look and Feel sind neu, optisch gibt's keinerlei Ähnlichkeit mit dem gewohnten Yahoo-Look, doch das mag sich in Zukunft noch ändern.
Abgesehen von der Verwunderung darüber, dass endlich mal wieder jemand ein innovatives Online-Produkt präsentiert, der nicht kurz darauf von Google aufgekauft wird, bleibt natürlich eine Frage offen: Kann eine derart tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem gewünschten Informations-Environment denn Massen-Appeal aufweisen?
Nimmt man die partizipative Komponente des Web ernst, dann hat Yahoo imho hier den richtigen Schritt getan: ein Interface, das viele Freiheitsgrade erlaubt, erfordert einen gewissen Einarbeitungsaufwand. Der Verzicht auf Scriptsprachen macht Yahoo Pipes dabei auch für all jene interessant, die auf grafische Interfaces nicht verzichten wollen oder können. Die vielen User-generated Pipes erleichtern den Einstieg ungemein - und gerade für Blog-Autoren bieten sich völlig neue Möglichkeiten für zum Beispiel Live-Blogrolls in Form eingebundener RSS-Feeds. Von Yahoo Pipes wird man in den nächsten Monaten noch einiges hören.
In Blogistan rufen die Pipes unterschiedliche Reaktionen hervor: Frank Helmschrott spricht zwar von Web 3.0, findet den Service überdimensioniert und zu sehr an die Programmier-Metapher angelehnt:
Abgesehen davon, dass ich derzeit einen solchen Dienst nicht brauche, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich in Zukunft einen so großen Nutzen daraus ziehen kann, als dass es den Aufwand des Einlernens Wert wäre. Wenn es jemals nützlich ist diverse Webalerts zu kombinieren - was ich mir durchaus vorstellen könnte - dann wohl eher in einem eigenen Dienst, als in einem so modularen Portal, was irgendwie einer Programmiersprache gleicht.
Spreeblick freilich kann dem Point-and-Click Interface einiges abgewinnen:
Denn glich das programmieren von webzwonulligen Mashups bislang eher einer Art Geheimwissenschaft, lassen sich jetzt Mashups ganz lässig zusammenklicken. Auch von Menschen wie mir, die vom Programmieren nun mal wirklich überhaupt keine Ahnung haben.
Bleed sieht die Sache am de:bug blog ganz ähnlich und in Zeiten der allgegenwärtigen Informationsflut auch ganz pragmatisch:
Pipes allerdings lässt einen alle möglichen Filter einbauen, und damit ziemlich obskure spezielle und vor allem automatisierte Suchen basteln, die selbst die - jedenfalls bei mir - komplexen Email-Filter übertreffen. Wer intelligentere Feeds haben will, der wird sich wohl in den nächsten Wochen mit Pipes beschäftigen.
Das RSS-Blog mag die Pipes ebenfalls und sieht die Innovation vor allem in der Umsetzung mit typischen Web 2.0 Technologien:
Was dabei die Yahoo! Anwendung auszeichnet ist die Oberfläche und die Entwicklungsumgebung, die zur Verfügung gestellt wird. Ob das jetzt das Web3.0 ist, wage ich allerdings stark zu bezweifeln. Denn eigentlich wird bewährtes mit neuen Mitteln (Ajax) umgesetzt und auf vorhandene Quellen (RSS) angewendet.
Die ausführlichste Review mit vielen Hintergrundinfos hat Tim O'Reilly im Radar gepostet - er bezeichnet die Applikation als Meilenstein in der Geschichte des Internet:
Yahoo!'s new Pipes service is a milestone in the history of the internet. It's a service that generalizes the idea of the mashup, providing a drag and drop editor that allows you to connect internet data sources, process them, and redirect the output. Yahoo! describes it as "an interactive feed aggregator and manipulator" that allows you to "create feeds that are more powerful, useful and relevant." While it's still a bit rough around the edges, it has enormous promise in turning the web into a programmable environment for everyone.