ritchie’s Musikreviews
Ich arbeite seit über 10 Jahren nebenberuflich als Musikjournalist, vorwiegend für die österreichische Musikzeitschrift the gap, die ich in grauer Vorzeit während meines Publizistikstudiums gemeinsam mit einigen Waldviertler-Popkultur-Chronisten gegründet habe. Hier am Blog veröffentliche ich regelmäßig Interviews, CD-Reviews und andere musik-lastige Beiträge. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht aller bisher auf datenschmutz erschienen Musik-Stories.
Praktisch und journalistisch beschäftige ich mich außerdem seit fast einer Dekade mit dem Phänomen mp3 bzw. Musik online: 1998 begann ich, die E-Mail Publikation “d-news” zu verschicken, die in der c’t vorgestellt wurde und die nach zwei Jahren an die 1.000 Abonnenten hatte. Einige dieser mittlerweile ja bereits “historischen” Überlegungen und Features, die seinerzeit in den d-news bzw. in the gap erschienen, habe ich gemeinsam mit net.label Vorstellungen ebenfalls auf dieser Seite archiviert. Seit vorigem Monat gibt’s übrigens eine Neuauflage der d-news, und zwar ein Form einer monatlichen Kolumne im SRA.
Musikreviews

- Dubblestandart - Are you experienced?
- Atarihuana - La Boom
- Stereotyp - My Sound
- Absolute Beginner - Bambule
- Stereotyp - Keepin’ Me
- Denyo - Minidisco
- Absolute Beginner - Blast Action Heroes
- Jan Delay - Mercedes Dance
- Swollen Members - Black Magic
- Microstern - The mechanical Bird
- Marsmobil - Minx
- Max Turner - The purple pro
- OMFO - We are the Shepherds
- Jan Delay - Searching… the Dubs (Jan 2007)
- VA - Tone Poem (Rawfull Mix) (Feb 2007)
- Review: Makossa + Megablast - Kunuaka (Februar 2007)
- Interview: Makossa + Megablast - Kunuaka (Mar 2007)
- Review: DJ Food + DK - Now Listen Again (Mai 2007)
- Review: Officer Fishdumplings - Finds you way home (Mai 2007)
- Review: Samon Kawamura - Translations (Juni 2007)
- Review: VA - The Fabrique Album (Juli 2007)
- Review: VA - 2Raumwohnung Remixes (Juli 2007)
- Interview: Shantel - Disko Partizani (August 2007)
- Review: Dub Spencer and Trance Hill: Return of the Supercops (Oktober 2007)
- Interview: Supershirt - Du bist super (Oktober 2007)
- VA: Waldeck’s Grammophone Vol. 1 (November 2007)
- Wu Tang Clan: 8 Diagrams (Februar 2008)
Konzertkritiken / Partyreviews
- Hier kamen die Hörner (Delinquent Habits am 12. Juni in Planet Music)
- Dubblestandart live im Flex (30. Juli 2007)
Online-Streams und empfehlenswerte DJ-Sets
netlabel-Vorstellungen, peer2peer News
- Verbrecher sind keine Raubkopierer: Bericht über eine Fachvortrag zur rechtlichen Situation bei peer2peer Downloads.
- bruit: internationale Experimental-Elektronik von Dr. Nachtstrom und v93r.
Update: Interview mit den bruit-Gründern
Flashback to the 90ies: alte d-news Kolumnen
Mai 2000: Danke, Lars! (Ulrich)
Danke, Lars!
Lars Ulrich müsste ganz schön der Schädel brummen, wenn ihm jeder, der schriftlich damit gedroht hat, eins über die Rübe gezogen hätte. Womit hat sich die einstmals enorm populäre Metal-Band wohl so große Antipathie früherer Fans zugezogen, dass diese sogar öffentlich ihre Albensammlungen verbrennen? Mit ihrer Napster-Policy natürlich, wie könnte es anders sein. Der sekkante Tauschclient hatte ja bereits die RIAA (immer noch: Recording Industry Association of America) in Rage versetzt und zu einer vorläufigen Entscheidung geführt: Napster ist, rechtlich betrachtet, eine Suchmaschine und kein Service-Provider. Na fein…und wen interessiert so etwas?
Die Gerichte natürlich. Denn jener unheilvolle DMCA (immer noch: Digital Millenium Copyright Act) regelt in Ami-Land den Umgang mit digitalen Daten, gleich ob Bild, Ton, Text (oder später mal Geruch? Geschmack?). Und das tut er ziemlich restriktiv: In diesem seinerzeit unter vielen Geburtswehen verabschiedeten Gesetz steht ganz genau, wer was kopieren und verteilen darf, und da gibt’s eben unterschiedliche Spielregeln für - genau, erraten, Suchmaschinen und Serviceprovider. Jetzt geht der ganze Prozess nochmal von vorne los, nur eben diesmal unter der Prämisse der Suchmaschinenhaftigkeit des Programms.
Cut. Höre ich da einen Leser fragen, was Napster überhaupt ist? Besagter Tauschclient erlaubt es den Benutzern, MP3-Files direkt von Festplatte zu Festplatte zu tauschen, ohne dass diese an einer zentralen Stelle, etwa einem ftp://-Server, abgelegt sein müssen. Soviel Dezentralität macht der Musikindustrie gehörig zu schaffen, die trotz 8% Steigerung im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr einen drastischen Einbruch bei CD-Verkäufen befürchtet. Nun verwalten aber Metallica - womit wir wieder am Beginn wären - im Gegensatz zu fast allen anderen reichen und erfolgreichen Bands die Rechte an ihren Songs selbst, werden also nicht durch die RIAA vertreten. Somit glaubte die Band, selbst gegen Napster vorgehen zu müssen. Da sich dessen Betreiberfirma Napster Inc. allerdings bislang standhaft weigert, gezielt einzelne Künstler zu sperren, ließ die M-Band von der Cybercop-Agentur NetPD eine Liste mit 340.000 Napster-Usern, die Metallica-Songs anbieten, zusammenstellen. Nach Übergabe durch die Rechtsanwälte wurden betreffende User ausgesperrt - die Armen müssen nun rund zwei Minuten ihrer kostbaren Zeit aufwenden, um sich ein neues Log-In zu basteln… Und Metallica? Die sind im Netz mittlerweile unten durch.
Ganz anders denken da übrigens mein Freund Chuckie D von Public Enemy, der auf http://www.rapstation.com einen Pro-Napster Remixwettbewerb gestartet hat, oder Cypress Hill, die sich ihre komplette Tour von Napster Inc. bezahlen lassen - statt der Fans, denn die Karten sind gratis. Womit wieder mal bewiesen wäre: Hip Hop ist nicht nur schöner & gerechter als Metal, sondern auch schlauer, gell Andi? lG.d-man
Round-Up: Musik aus dem Internet
Weltweit freut sich die Musikindustrie über neue Audio-CD Kopierschutzmechanismen und etabliert zugleich ihre kostenpflichtigen Abo Services. Und in Österreich? Dort nimmt sich FM4 mit einer dedizierten Plattform der lokalen Szene an und tritt schnell an die Stelle der bei Jet2Web einstweilen weitgehend verwaisten mp3-Seite von Ex-Lion.cc.
Otto Normalverbraucher kauft sich beim Record-Dealer seines Vertrauens eine Silberscheibe und stellt dann zuhause fest, dass sein fünf Jahre alter Audioplayer die Tracks nicht und nicht erkennen will. Kein Problem, denkt sich Otto, schmeißt die CD in sein PC-Laufwerk - um festzustellen, dass er rein gar nix damit anfangen kann. Derlei unangenehme Szenarien werden uns in Zukunft öfter mal ins Haus stehen, zumal die Musikindustrie ihre Kunden präventiv vom illegalen Kopieren abhalten will. Da Image-Kampagnen wie die von der deutschen IFPI ins Leben gerufene “Copy kills Music”-Aktion wenig Erfolg zeigten (Kein Wunder, fühlten sich doch Musiker teilweise selbst gefoppt; Ollie von Such-A-Surge meinte damals zu mir: “Wir haben früher eben Kassetten am Schulhof kopiert. Ich hätte mir nie alle Alben leisten können - das ist ein peinlicher Slogan.”), greift man nun zu drastischeren Mitteln. CD-Kopierschutz heißt das Zauberwort, das an Minidisc, DAT & Co erinnert. Ganz so einfach verhält sich’s allerdings nicht: während bei letzteren Medien von vornherein Hardware-Maßnahmen getroffen wurde, zerbrochen sich anno dunnemals die Spezifikateure des Audio-CD-Standards nicht den Kopf über Kopien - CD-Recorder waren ja weit und breit noch nicht in Sicht.
Alle Systeme beruhen daher auf dem Unterschied zwischen CD-Rom und Audio-CD Standard. Während CD-Laufwerke die Daten sequentiell auslesen, adressieren CD-Roms blockweise. Mit etwas Trickserei am TOC (Inhaltsverzeichnis) der Disc und Manipulationen am Datenstrom lassen sich tatsächlich Resultate erzielen, die dazu führen, dass betreffende Alben nur auf Audio-CD-Playern abgespielt werden können. Als saubere Lösung kann man dies freilich beim besten Willen nicht bezeichnen: nicht nur, dass den Kunden das Abspielen rechtmäßig erworbener CDs auf Computern - es soll ja bereits Menschen geben, die in ihrem Wohnzimmer das von Marketingstrategen heftig geschürte Ideal Multimediamaschine Computer verwirklich haben und Audio-CD-Player-los, aber dennoch glücklich, leben - verwehrt wird, auch das Anfertigen der gesetzlich erlaubten Privatkopie fällt flach. Wir erinnern uns: der frühe Vorstoß von Bertelsmann mit Him und Philip Boa stieß allerorten auf Kritik: das damals eingesetzte System namens “Cactus Shield” verweigerte das Abspielen konsequent auf älteren CD-Playern.
Vom Tisch ist das Thema, wie man vermuten könnte, damit allerdings nicht: da fraglich ist, ob die SACD (SuperAudioCD, spezifizierter Nachfolger mit höherer Datenrate und elaboriertem Kopierschutz) sich jemals abseits der HiFi-Freak Szene durchsetzen wird, soll das Kopieren brachial verhindert werden. Momentan sieht sich Bertelsmann in Deutschland deshalb sogar mit einer Klage konfrontiert: eine Privatperson sieht in der Veröffentlichung der Compilation “Just the Best Vol. 4″ eine Rechtsverletzung durch Bertelsmann: da das Album nicht als kopiergeschützt gekennzeichnet sei, verschaffe sich die Firma einen unrechtmäßigen Vermögensvorteil - denn mit dem Wissen um den Kopierschutz reduziere sich vermutlich die Zahl der Käufer. Weiterer Anklagepunkt: die Verletzung internationaler Standards. Durch die beschriebenen Manipulationen an den Musikdaten dürfe das Produkt die Bezeichnung Audio-CD gar nicht tragen. Deren Spezifikationen sind im Red-Book-Standard, auch bekannt als IEC-Norm 908, festgehalten. Nur normgerechte Produkte dürfen die Schutzmarke “Compact Disc Digital Audio” tragen. Über die Konsequenzen einer solchen Vereinbarungsverletzung konnte Lizenzgeber Philips (Inhaber des Red-Book-Standards) einstweilen allerdings noch keine Auskunft erteilen.
Trotz allen Aufbegehrens ist ein weiter und umfangreicher Einsatz von Kopierschutzsystem ein wahrscheinliches Szenario. Die Auffassung, zumindest irgend etwas tun zu müssen, scheint die Sinnfrage bei den Entscheidungsträgern momentan weit hintan zu stellen - und nicht zuletzt gilt es, eine Geschäftsgrundlage für kostenpflichtige Abo-Services wie musicnet oder pressplay zu schaffen. Diese von Major Labels ins Leben gerufenen Services schreiben dem User sehr genau vor, wo, wann, wie lange und wie oft er die betreffenden Songs konsumieren darf, verkaufen also gestaffelte Nutzungsrechtspakete. Einzig EMI will eigene Wege gehen und eine eigenen Plattform ins Leben rufen, die sogar das Brennen der Songs auf CD zulassen will - geplant ist ein Testlauf im Bereich “Christian Music” (nicht lachen, hat in Amerika veritable Verkaufszahlen vorzuweisen!), bei Erfolg sollen auch andere Genres integriert werden.
Klare Strategie: auf der einen Seite wird den Usern das Erstellen von Musikfiles erschwert, auf der anderen Seite verkaufen die Rechteinhaber diese Files selbst. Dennoch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass P2P-Dienste wie Morpheus unter einem ausgedünnten Repertoire zu leiden haben. Wer kopiergeschützte CDs rippen will, braucht ein Audio-Laufwerk mit optischem Ausgang, eine Soundkarte mit optischem Eingang, Kabel und entsprechende Software - und freut sich über bitgenau Kopien. Was sich also auf den ersten Blick als schlaue Business-Strategie ausgibt, entpuppt sich schnell als ärgerliche Einschränkung der Kundenrechte, die ihren eigentlichen Zweck mit Sicherheit verfehlt.
Mit wesentlich weniger Reibereien geht indessen die Promotion-Nutzung von Internetmusik weiter. FM4 nimmt sich im Soundpark liebevoll der heimischen Szene an - nach dem Ende von Lion.cc steht die ehemalige Musikplattform mp3.lion.cc und einstweilen recht verwaist unter im Netz. Für viele junge Bands stellen solche Plattformen eine reizvolle Präsentationsmöglichkeit dar - zwar ist die eigene Homepage schon fast mehr Pflicht als Kür, aber der Sage nach soll ja immer wieder mal A&R die Tummelplätze der Bands ohne Labelvertrag im Netz abgrasen. Nicht wenige Bands von Ex-Lion sind inzwischen zu FM4 gewechselt, zumal die Kombination aus credibilem Szene-Radio-Sender und Web-Musikplattform überaus sinnvoll ist - cross media als neuer Trend bei den Musikplattformen?



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